Werner Krämer

 Economics/ special

HWG LU VWL&Teilgebiete Tiefere Gliederung bei Sitemap Skripte Home Impressum

"Nur auf dem Boden wirklicher Freiheit kann sich alles Große entwickeln", Ferdinand Lasalle (war 1864 auch in Neustadt an der Weinstraße)  Online-VWL-Lehrbuch:  1.Teil, 2.Teil,  3.Teil, 4.Teil , VWL - Blogs) . Auch: "Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren", Benjamin Franklin.  "Der Sinn von Politik ist Freiheit", Hannah Arendt. "Freiheit" lautet auch eine bekannte Hymne von dem Liedermacher und Sänger Marius Müller-Westernhagen (1990 veröffentlicht; "Freiheit, Freiheit ist die einzige, die fehlt").          

  Büste von Ferdinand Lasalle im Museum Leipzig. Er gründete zusammen mit anderen 1863 in Leipzig  den "Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" (ADAV). Lasalle wurde zum Präsidenten gewählt. Lasalle starb 1864 mit nur 39 Jahren nach einem Pistolenduell. Er war einer der besten Redner seiner Zeit. Seine Familie war jüdisch. Sein Kampf galt der Verbindung von Freiheit, Demokratie und Sozialer Gerechtigkeit. Karl Marx und Friedrich Engels waren Zeitgenossen (sie lebten in England, in London bzw. Manchester). Marx hielt nicht viel von den Werken Lasalles, Engels bewunderte seine politische Wirkung. Bismarck hatte dagegen eine positive Meinung von Lasalle. Vgl. das Gebiet "Arbeitsökonomik". Die genanten Personen beschäftigten sich mit den Folgen der industriellen Revolution für die Arbeit. Heute geht es ähnlich und vergleichbar um die Auswirkungen der digitalen Revolution auf die Arbeit. Die Konsequenzen könnten unsere Gesellschaft grundlegend verändern, wenn die Nachfrage nach Arbeit wirklich stark zurückgeht oder die Arbeitsanforderungen sich grundlegend verändern. Viele aktuellen Probleme resultieren daraus, dass die Umwelt zu niedrig und die Arbeit im Wert zu hoch angesetzt wird. Der Finanzsektor hat sich global weitgehend vom realen Sektor verselbständigt und hat das Problem der sozialen Ungerechtigkeit auf der Welt mit geprägt. Die Ökonomie ist im Zuge der Finanzkrise 2008 von der Dogmatik abgerückt. Marktversagen ist mehr ins Blickfeld gelangt, wenn auch Marktlösungen weiterhin staatlichen Vorgaben meist überlegen sind.  Ein weiterer Gründer und Vorsitzende der SPD, nämlich August Bebel (1840-1913), sagte etwas, was heute aktueller denn je ist (auch für seine Partei): "Nichts ist ewig, weder in der Natur noch im Menschenleben, ewig ist nur der Wechsel, die Veränderung". Der dynamische Wechsel kennzeichnet heute die Entwicklung in allen drei Bereichen: in Umwelt, Arbeit und Globalökonomik. Die entscheidende Frage für den Menschen dabei ist: Kann in dieser Entwicklung die Freiheit gewahrt bleiben? "In Zeiten stürmischen Wandels braucht es Prinzipien und Haltungen, die den Tag überdauern", Winfried Kretschmann (erster grüner Ministerpräsident in Deutschland; Ders.: Worauf wir uns verlassen wollen, Frankfurt 2018).

Seiteninhalt:  Theoreme, Glossar, aktuelle Fakten und Daten aus folgenden ökonomischen Bereichen: Umweltökonomik/ Umweltökonomik (Boden, Energie, Rohstoffe, Nahrung, Wasser, Nachhaltigkeit, Klimawandel, Wachstum, Infrastruktur, Natur, Bodenschätze, Zeit), Arbeitsökonomik/ Arbeitsökonomik (Personal, Verteilung, Armut, Arbeitsmarkt, Bildung, Arbeit 4.0, Arbeitspsychologie, Sozialpolitik, Migration, Gesundheit), Globalökonomik/ Globalökonomik (Internationale Wirtschaft, Finanzmärkte, Kapital, Konjunktur/ Schwankungen, Handel, Protektionismus, Wirtschaftsbeziehungen, EU, Entwicklungsländer; Globalisierung), (Wiki). Mittelstandsökonomik/ Mittelstandsökonomik (KMU/SME, Start-up, Entrepreneurship, Gründung, Familienunternehmen, ABWL, Business Economics,  Internationales Management; Managerial Economics; Entrepreneurial Economics) auf der Seite "Economics/Basic"

Die Theoreme werden immer in ihren praktischen Anwendungen (tagesaktuell, Wirtschaftspolitik überwiegt) zusammen mit empirischen Daten behandelt! So sollen Fakten bzw. Wissen immer mit ökonomischem Denken verbunden werden. Das macht im Kern den Unterschied dieser Plattform zu klassischen Lehrbüchern aus. Die Relevanz für StudentInnen und damit die konkrete Selektion der Theoreme durch die Nutzer ergibt aus der jeweiligen Veranstaltung (Hinweis auf Pfade mitschreiben!). In der Veranstaltung erfolgen auch Hinweise auf die jeweils beste Fachliteratur und auf die Verbindung zu meinen Skripten. Es bestehen Zusammenhänge mit den Seiten "Fallstudie/ case" (aktuelle Probleme und Themen), Methoden (empirisch und statistisch orientiert, auch Philosophie und Psychologie), Links (Zugang zu den Experten und Quellen; alternativen zu dieser Plattform) und Ostasien/Global (Daten und Fakten zu dem Bereich über einen langen Zeitraum). Teilweise sind diese Zusammenhänge und Überschneidungen durch Links gekennzeichnet. Diese genannten Seiten sind allgemein für die StudentInnen die interessantesten. Die restlichen Seiten sind bei speziellen Interessen (Abschlussarbeit, vor Prüfungen, Überblick über meine Vorlesungen, Interesse an meiner Person usw.) zu besuchen. "Aktuelles von der Startseite" wird immer mehr in die anderen Seiten eingearbeitet, so dass es leichter zugänglich ist durch die bessere Verknüpfung ("grün" geschrieben). Natürlich experimentiere ich auch mit offiziellen E-Learning-Systemen (z. B. OLAT; hier sind die Skripten abrufbar; bei Hausarbeitsthemen kann OLAT die Organisation übernehmen). In der Kombination dieses E-Learning-Systems mit Skript, Lehrbuch und Präsens-Veranstaltung wird die höchste Effektivität erreicht. Da ich die in Deutschland noch übliche Trennung zwischen Volks- und Betriebswirtschaftslehre für nicht sinnvoll halte, gehen die Theoreme auch stark in die Betriebswirtschaftslehre. Dies indiziert die Überschrift "Economics" (vgl. zu mehr die Seite "Dozentenprofil, Fachverständnis"). Im Grunde genommen enthält diese Seite das Gebiet "Economics", gegliedert nach den drei Produktionsfaktoren "Arbeit (Personal), Boden (Umwelt, Energie) und Kapital  (die internationalen Finanzmärkte dominieren bei Globalökonomik, Informationen als Ressource der Stunde)". Dies ist eine problembezogene, praxisorientierte Einteilung. Die Gliederung ist für die Zukunft meiner Meinung nach tragfähiger als die in Mikro- und Makroökonomik (zumal das Aggregationsproblem ungelöst ist). Sie wird mittlerweile von vielen Ökonomen unterstützt (etwa vom Netzwerk "Plurale Ökonomie e. V."). Es handelt sich hier an dieser Stelle um ein Informationsmanagement-Tool, das irgendwann eine komplette Collaborations-Umgebung  für Economics (Mittelstandsökonomik bzw. Entrepreneurial Economics käme noch hinzu) darstellen soll. Traditionelle Lehr- und Fachbücher sind kaum mehr in der Lage, die tagesaktuelle Entwicklung gerade in diesen drei Bereichen abzubilden. Insofern ist es verständlich, dass diese Seiten auch von Studenten anderer Hochschulen (mittlerweile die große Mehrheit; Hochschulen in aller Welt) genutzt werden. Für Hinweise auf Fehler und Verbesserungsvorschläge bin ich immer sehr dankbar. Die Korrekturen erfolgen dann schnellstmöglich.  Diese Plattform hat nicht die Ziele, Suchsysteme zu ersetzen oder  ein Wikipedia für die Ökonomie sein zu wollen. Sie folgt der individuellen Erfahrung, Logik und Systematik des Autors, in der Hoffnung, dass Lernende daraus einen Nutzen ziehen können, aber nicht müssen.

"In der Wirtschaft sind Glaube und Hoffnung mit großem wissenschaftlichen Anspruch und dem tiefen Wunsch nach Respektabilität gepaart", John Kenneth Galbraith (US-Ökonom, 1908-2006).

 

 

 

Umweltökonomik (Land, Klimawandel, Ökologie, Sustainable Development, Nachhaltigkeit, Energie, Ressourcen, Umweltpolitik, Umweltmanagement, globale Aspekte der Umwelt; an der Hochschule Wiesbaden habe ich schon Mitte der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts Vorlesungen dazu gehalten; es gab damals noch nicht viele Anbieter derartiger Veranstaltungen). In der Economics in China wird der Produktionsfaktor "Boden" aufgeteilt in Material Force (Bodenschätze), Freight Force (Infrastruktur), Natural Force (Natur), Time Force (Zeit). Eine solche Präzisierung würde auch der Economics bei uns weiter helfen.

 "Die Früchte der Erde gehören allen, die Erde selbst niemanden", Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Discours sur l´inegalite.

Gliederung: Theorie/Ursachen, Umwelt-Politik (mit Mobilität/ Verkehr), Praxis (betriebliches Umwelt- und Energiemanagement, Plastik), Global Government (globale Aspekte der Umwelt, wichtigste Länder), Klima-Wandel (Emissionen, Schadstoffe, Grenzwerte) und Folgen, Ressourcen I (Rohstoffe, Bodenschätze) Ressourcen II (Nahrung, Landwirtschaft, Wasser), Energie und Energiepolitik, Messung (Empirische Aspekte, Operationalisierung).

Theorie/Ursachen (von Umweltverschmutzung, Klima - Veränderungen, Erklärungen; Umwelttheorie; menschliche Schnittstelle)

"Nur weil´s mich nicht kümmert heißt es nicht, dass ich´s nicht verstehe", Homer Simpson, Comicfigur aus Springfield, USA.

Funktionen: Umwelt ist im Sinne von Natur zu sehen (nicht nur als Rahmenbedingung). Sie ist Konsumgut (Freizeit, Erholung), Produktionsfaktor (Rohstoffe, Energie) und Aufnahmemedium für Schadstoffe (Emissionen). In der Volkswirtschaftslehre wird heute häufig der Produktionsfaktor "Boden" im Sinne von Umwelt interpretiert.

Subsidenz: über das Lebensnotwendige verfügen. Subsidenzwirtschaft heißt also, das Lebensnotwendige zu erwirtschaften. Der Gedanke stammt aus der Klassik (Adam Smith), spielt auch im Marxismus (Rosa Luxemburg) eine große Rolle. Die übergroßen Bedürfnisse und die Gier werden als Ursache des Umweltproblems gesehen. Der Gedanke ist heute als Gegenmodell zur Wachstumswirtschaft gerichtet, die ausschließlich Geld in den Mittelpunkt stellt und auf die Mehrwertproduktion ausgerichtet ist. Ziel sollte aber das Leben sein. Vgl. Bennholdt-Thomsen, V.: Geld oder Leben, München 2010. Empfohlen werden Eigenproduktion, Leistungsaustausch in sozialen Netzen, gemeinnützige Arbeit, Nutzungsdauerverlängerung.

Suffizienz: Vermeidung von Reizüberflutung, entschleunigte Lebensstile, Zeitsouveränität, Entrümpelung (Wohlstandsballast abwerfen). Vgl. Niko Paech: Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, München 2016 (9. Auflage), S. 151.

Sozio-Ökonomische Entwicklungstrends: Sie beeinflussen massiv die Umwelt. Weltbevölkerung, Reales BIP, ausländische Direktinvestitionen, Primärenergieverbrauch, Große Staudämme, Wasserverbrauch, Düngerverbrauch, Papierproduktion, Städtische Bevölkerung, Transportwesen, Telekommunikation, Internationaler Tourismus. Quelle: agora 42, 2018, S. 43.

Erdsystembezogene Entwicklungstrends: CO2, Stickoxid, Methan, Ozonschicht, Oberflächentemperatur, Versauerung der Meere, Seefischfang, Garnelen - Aquakulturen, Nitratbelastung der Küstengewässer, Verlust des tropischen Regenwaldes, Zivilisationsland, terrestrische Biosphärenverschlechterung. Vgl. ebenda, S. 43.

Elemente und Kreisläufe: Die Elemente beeinflussen das globale Klima, das Pflanzenwachstum und die Sauerstoffproduktion. Es sind Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Phosphor, Schwefel, Calcium, Eisen, Silizium. Kreisläufe sind der Kohlenstoffkreislauf, der Wasserkreislauf, der Stickstoffkreislauf, der Sauerstoffkreislauf, der Phosphorkreislauf. Vgl. Fred Hageneder: Happy Planet, Saarbrücken 2019, S. 19ff.

Umwelt und Markt: Im Umweltbereich mit den Problemen "Artenschwund, Waldsterben, Überfischung, Sterben der Meereskorallen, Gletscherschmelze, Wasserverknappung, Ressourcenmangel, umweltbedingte Migration, Naturkatastrophen (schwere Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen), Ausbreitung der Wüsten und Klimawandel" macht sich besonders negativ bemerkbar, das der Markt global, aber das Umweltrecht weitgehend national ist. Außerdem belohnt der Markt die Geschwindigkeit und die Bedenkenlosigkeit und fördert externe Effekte. Auch die Wohlstands-Disparitäten in der Welt zwischen Industrieländern, Schwellenländern und Entwicklungsländern verhindern globale Lösungen (Energieeffizienz, d. h. Primärenergieverbrauch je 1 Mrd. $ BIP: China 0,83; Russland 1,09; Indien 0,86). Die größten Klimaverschmutzer USA, China, Indien und Australien können sich zu keiner effektiven Reduktion entscheiden. Die Umweltökonomik ist sicher der wichtigste Teil der Volkswirtschaftslehre, da von ihrer Problemlösungskompetenz die Zukunft der Menschheit und das Überleben der Erde abhängt. Die Entwicklung der Zertifikate und ihre weltweite umweltpolitische Umsetzung spricht einerseits für diese Problemlösungskompetenz, andererseits können damit alleine nicht alle Umweltprobleme gelöst werden. Zertifikate (Erlaubnisscheine) sind eine marktwirtschaftliche Vorgehensweise, die aber mit erheblichen institutionellen Problemen verbunden sind.

Moralisch (in der Umweltpolitik ist Moral purer Realismus) und rational sind in beiden Bereichen globale Institutionen notwendig. Vielleicht kann man die Weltbank als multilaterales Kreditinstitut für Entwicklungsländer zurückfahren und ihr mehr Aufgaben in der Umweltpolitik und im Finanzcontrolling geben. Die Wirtschaftswissenschaften und ihre Theorien widmen diesen für die Menschheit zentralen Phänomen viel zu wenig Aufmerksamkeit, weil sie einmal in der Regel fernab der normalen Lehrbuchweisheiten liegen und andererseits ein interdisziplinäres, ethisches Denken erfordern. Die StudentInnen werde ich bei diesen Themen für Abschlussarbeiten, aber auch bei speziellen Wünschen nach Sonderveranstaltungen, nach meinen Kräften unterstützen. "Unser Marktradikalismus war ein unverschämter Ego-Trip", Erhard Eppler.

Anleger können über Aktien, Fonds und Zertifikate für das eigene Vermögen beide Bereiche verbinden: Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen ist das Potential der Zukunft. In den vergangenen drei Jahren erzielte der Dow Jones Sustainable Total Return Index, der die Entwicklung nachhaltiger Aktien abbildet, eine bessere Wertentwicklung als das Börsenbarometer für internationale Aktien "MSCI". "Bis 2030 sind wir der größte Treibstofflieferant der Welt", L. I. Lula da Silva, brasilianischer Staatspräsident über Ethanol aus Zuckerrohr. Ebenso Chancen bieten Unternehmen, die sich mit Energieeffizienz beschäftigen. 46 Staaten wollen 2007 eine starke UN-Umweltbehörde schaffen (allerdings sind die größten Verschmutzer "USA, Russland, China und Indien" nicht dabei). Über die Finanzmärkte können Bürger vielleicht den größten Einfluss ausüben. Die Aktionäre sollten niedrigere Vorstandsgehälter, weniger Atomstrom und mehr Moral durchsetzen. 2011 betrug das Volumen nachhaltiger Geldanlagen weltweit 11,0 Billionen $ (2006 3,6 Bio.). Die Umweltbranche boomt seit langem in Deutschland und hat sehr viele Arbeitsplätze geschaffen. Ebenso dürfte die Energiewende eine große Chance darstellen (First-mover- advantage). Das Angebot an Nachhaltigkeitsfonds wächst auch 2015. Dabei setzen ihre Manager auf unterschiedliche Konzepte.  "Nachhaltigkeit liegt im Auge des Betrachters, jede Fondsgesellschaft legt dieses Ziel anders aus", Detlev Glow, Lipper, 2015.  

Marktversagen: Situation, in der ein unregulierter Markt ineffizient ist, weil die Preise nicht die "richtigen" Signale an Konsumenten und Produzenten senden (Ursachen unter anderem: externe Effekte, free rider, kein freier Zugang, öffentliche Güter, ungleiche Vermögensverteilung). Ein gutes Lehrbeispiel ist der Altkleidermarkt. Hier wirken alle Effekte zusammen: Öffentliche Güter (Gemeinden, Wohltätigkeitsorganisationen), externe Effekte (Verfallen der Textilindustrie in EL, neue Orientierung), Marktmacht (Monopol der Städte), asymmetrische Information. Können private Parteien mit externen Effekten (z. B. Umweltverschmutzung) nicht hinreichend umgehen (Begründung spieltheoretisch!), tritt die Regierung mit bestimmten Vorkehrungen ein. Ein Sonderfall des Markversagens ist das moralische Wagnis: Das Bestehen einer Versicherung gegen ein Risiko erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Risikofall eintreten wird, weil die versicherten Wirtschaftssubjekte aufgrund der Versicherung allzu sorglos werden (vgl. Miles/ Scott/ Breedon: Makroökonomie, Weinheim 2014, S. 660). "Wenn der Markt vollkommen frei ist, haben die Akteure nicht nur die Freiheit der Wahl, sondern auch die Freiheit zum Betrug", George A. Akerlof, US-Wirtschaftsnobelpreisträger.

Marktversagen und Umwelt: Märkte sind unter bestimmten Bedingungen funktionsunfähig (z. B. bei externen Effekten, öffentlichen Gütern, asymmetrischen Informationen). Hier muss in der Regel der Staat mit seiner Wirtschaftspolitik, d.h. Umweltpolitik,  eingreifen. "Der Klimawandel ist das größte Marktversagen, das es je gab", N. Stern, britischer Ökonom und Umweltforscher (Stern-Bericht über Klimawandel 2006). Allerdings gibt es auch Staatsversagen, etwa durch Lobbys, Korruption und die Notwendigkeit, zu Wahlen anzutreten. Vgl. Vogt, G.: Faszinierende Mikroökonomik, München 2007, S.348 ff. Siehe auch meine Markt-Betrachtung.

Free Rider (Trittbrettfahrer: Ein Konsument oder Produzent, der für ein nicht nicht - ausschließbares Gut  nichts bezahlt in der Hoffnung, dass andere dafür bezahlen.

Coase - Theorem:  Die Nutzung des Markt- bzw. Preismechanismus kostet Geld (sobald Transaktionskosten eine Rolle spielen, kommt es auf die institutionelle Einbindung an). Transaktionskosten sind Such-, Informations-, Kontroll- und Durchsetzungskosten; Ronald H. Coase: The Firm, the Market and the Law, Chicago 1990. Auch die reinen Kosten einer Preisänderung, die man Menu costs (Speisekartenkosten) nennt, gehören dazu. Coase erklärt auch Unternehmen: ein Unternehmen werde das Ausmaß der Arbeitsteilung solange in der eigenen Organisation bewältigen wie die Such- und die Vertragskosten größer sind als die Kosten für die Aufrecherhaltung der Organisation (The nature of the firm, in: Economica, Vol.4, No. 16 (1937), S. 386-405). Transaktionskosten spielen heute auch eine zentrale Rolle, wenn es um die Entscheidung zwischen öffentlicher und privater Leistungserstellung geht. Wichtig ist auch der Aufsatz von Coase über Soziale Kosten: The Problem of Social Cost, 1960. Externe Effekte, also Folgen einer Aktivität, die andere tragen müssen, lassen sich unter bestimmten Umständen ohne staatlichen Eingriffe "internalisieren". R. Coase lehrte zuletzt in Chicago; er starb 2013 mit 102 Jahren,

Verursacherprinzip: Als Erster analysierte der englische Ökonom Arthur Cecil Pigou (1872 - 1959) das Verursacherprinzip. Er plädierte dafür, dass die wahren Gesamtproduktionskosten auch die Kosten einer absehbaren Umweltverschmutzung berücksichtigen sollten. Wer verschmutzt zahlt. So sind bekannte Instrumente nach ihm benannt (Pigou - Steuern). Das grundsätzliche Problem ist aber, das man oft den Verursacher nicht kennt, dass am ihn nicht ermitteln kann oder dass er außerhalb des Rechtsgebietes wirkt.

Theorie öffentlicher Güter (Begründer Samuelson, Musgrave u. a.): Bei Öffentlichen Gütern gilt weder das Ausschlussprinzip noch das Konkurrenzprinzip (auch Rivalität genannt, z. B. Wissen, nationale Verteidigung). Bei gesellschaftlichen Ressourcen (auch Allmendegüter genannt), zu denen die Umwelt gehört, gilt das Ausschlussprinzip nicht, aber das Konkurrenzprinzip. Daneben gibt es noch Private Güter, Meritorische Güter und Natürliche Monopole. Bei Natürlichen Monopolen gilt das Ausschlussprinzip, nicht aber das Konkurrenzprinzip. Ein Angebot durch mehrere konkurrierende Produzenten ist daher ökonomischer Unsinn, weil die Fixkosten so hoch sind. Dies trifft vor allem auf Infrastrukturnetze wie Schienen, Gas, Wasser und Strom zu. Es wäre unwirtschaftlich, mehrere Netze, die dem gleichen Zweck dienen, nebeneinander zu betreiben. Vgl. Mankiw (2001), a. a. O., S. 247. Manche nennen diese Güter auch Clubgüter (auch Filme im Pay-TV, Computer-Software, Vgl. Krugman/ Wells, Volkswirtschaftslehre, Stuttgart 2010, S. 624). Wichtigste Theorie zur Erklärung von Umweltverschmutzung und zur Notwendigkeit des Staatseingriffs (Soziales Dilemma).

Institutionelle Sklerose von Mancur Olson (1932-1998, The Logic of Collective Action, Cambridge 1965, auch: The Rise and Decline of Nations, 1982): diese entsteht dadurch, dass Lobbygruppen durch Verteidigung ihrer Privilegien die Wettbewerbsordnung verzerren und damit die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks erhöhen. Olson gilt als Nestor der Institutionenökonomik. Lobbyismus ist heute sehr stark in den USA ausgeprägt. Der Einfluss der reichsten Amerikaner auf die Politik des Landes ist unmittelbarer als gedacht. Zwischen 1984 und 2009 hat sich das Vermögen der Kongressabgeordneten mehr als verdoppelt (jeder Zweite Millionär), während die Amerikaner insgesamt ärmer geworden sind. Einen Wahlkampf können sich nur Reiche leisten. Schon bei den alten Römern sollen in der "lobia", in der Vor- und Wandelhalle des römischen Senats, Interessenvertreter auf die Senatoren eingewirkt haben. Bei der Bundestagsverwaltung sind zur Zeit (2012) 2094 Lobbygruppen offiziell registriert. 2011 sind 13 Spitzenpolitiker direkt von der Politik in die Wirtschaft gewechselt. 70 Lobbyisten arbeiten 2011 in den Bundesministerien. Rheinland-Pfalz führt als erstes Bundesland 2012 ein Lobbyistenregister ein. Es gibt einen Verein in Deutschland, der den Lobbyismus kontrollieren will: Lobbycontrol ( www.lobbycontrol.de ) "Alle Formen der Marktbeherrschung müssen Anlass zur Sorge geben, alle", Mancur Olson.

Korruption: In vielen Ländern werden Bemühungen, die Umweltzerstörung zu bekämpfen, durch den Einfluss der Korruption behindert. Korrupte Praktiken finden durch Bestechung, Missachtung der Gesetze, gefälschte Papiere u. a. statt. Besonders betroffen sind die Wasserversorgung (deshalb hier Privatisierung vermeiden), wichtige Dienste (Gesundheitsbereich, Medikamente), illegaler Tierhandel, Illegaler Holzschlag. In vielen teilen der Welt sind die Gehälter von Beamten und öffentlichen angestellten so niedrig, dass sie besonders anfällig sind.

Terrorismus: Der Terrorismus ist ein globales Phänomen. Terroristen versuchen, durch Anschläge und Angstverbreitung ihre Ziele durchzusetzen. Sie berufen sich häufig auf religiöse Motive. Dabei wird eine Schädigung der Umwelt als Schaden in kauf genommen.

Prinzipal-Agent-Probleme: Die Präferenzen der Bürger kommen nicht direkt zur Geltung. Normalerweise beauftragt der Bürger als Wähler Politiker damit, seine Interessen wahrzunehmen. Es entsteht ein Delegationsverhältnis, das sowohl zwischen Bürger und Politikern als auch zwischen Politikern und Beamten der Bürokratie in der Verlässlichkeit Fehler und Missverständnisse haben kann. Vgl. als wichtigsten Aufsatz: Stephen Ross, The Economic Theory of Agency: The Principal`s Problem, in: AER, 1973.

Kapitalgesellschaften: Papst Innozenz IV. beschloss im Mittelalter, die Klöster selbst als juristische Personen anzusehen, damit die Mönche, die ein Armutsgelübde abgelegt hatten, entlastet wurden. Diese rechtliche Konstruktion wurde dann später auch auf die Wirtschaft übertragen. Die Anteilseigner von Kapitalgesellschaften haften nur in begrenztem Umfang für das Tun des Unternehmens. Hinzu kamen externe Effekte, also Folgen von Handlungen, die die Verursacher nicht tragen mussten (Lücke zwischen Buchführung und realer Welt). In der Globalisierung kam dann später noch das Lösen von nationalen Steuern dazu. Kapitalgesellschaften sind dem Profit verpflichtet und vernachlässigen eher die Umwelt als Personengesellschaften, die von Natur aus nachhaltiger wirken.

Externe Effekte: Wirkungen einer wirtschaftlichen Tätigkeit, die außerhalb von Marktbeziehungen auftreten und bei denen Verursacher und Betroffener nicht übereinstimmen (Theorie der öffentlichen Güter, Erklärung umweltschädlichen Verhaltens, zusammen mit Free-Rider). Die Internalisierung negativer externer Effekte kann durch Verhandlungen, Grenzwerte (Emissionsstandards, Auflagen), Umweltsteuern und handelbare Emissionsrechte erfolgen. Probleme ergeben sich vor allem durch die Grenzüberschreitung der Effekte. Nach R. coase lassen sich externe Effekte unter bestimmten Umständen auch ohne staatliche Eingriffe "internalisieren" "Just doing my bit for the environment", (ich trage nur meinen Teil zum Umweltschutz bei).

Wirtschaftswachstum und Umwelt: In der modernen Umweltökonomik gilt Wirtschaftswachstum nicht mehr als Ursache von Umweltzerstörung in Industrieländern, weil nachhaltiges Wachstum möglich ist (ohne mehr Energienutzung und Umweltzerstörung, der Zielkonflikt scheint aufgehoben). In Schwellenländern (China, Indien, Brasilien) gilt dies jedoch nicht. Die bisherige Entwicklung des Kapitalismus in den letzten 250 Jahren basierte auf fossilen Energieträgern: Kohle, Öl, Gas. Ohne sie wären Wachstum und Innovationen nicht möglich gewesen. Was passiert aber, wenn das Öl zu Ende geht? Kann man die fossilen Energieträger ersetzen? Das ist die entscheidende Frage der Menschheit heute. Sergei Podolinsky, ein ukrainischer Sozialist und Zeitgenosse von Karl Marx, erkannte im 19. Jahrhundert schon, dass Energie über die Zukunft des Kapitalismus entscheiden würde. "Ohne Land, Flüsse, Ozeane, Wälder und Tausende von natürlichen Ressourcen hätten wir überhaupt keine Wirtschaft", Satish Kumar, Indischer Umweltaktivist.

Wirtschaftswachstum als Ziel: Es ist im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 für Deutschland festgelegt (Formulierung: angemessen). Dass ist Wirtschaft ständig wachsen soll, ist auch heute noch das Ziel fast aller Volkswirtschaften. In der Realität sieht es aber nach der Finanzkrise 2008 ganz anders aus. Insofern wäre zu überlegen, sich von dem Ziel zu verabschieden und in Richtung Nachhaltigkeit zu denken.  Die Eurozone hatte im Jahr 2014 ein Wachstum von 0,9%. Die USA wuchsen seit 2011 nur um 2 % (Prognose 2015: 2 Prozent). Deutschland hat für 2015 eine Prognose von 1,6% (tatsächlich liegt das Wachstum bei 1,7%). GB wächst seit der Finanzkrise erst wieder 2015. Frankreich erwartet 2015 1,1%. Für Japan lieht die Prognose für 2015 bei 0,7%. Brasilien, als Wachstums - Vorzeigeland, soll 2015 bei -0,8% liegen. 2016 hat die Euro-Zone die höchste Wachstumsrate aller großen Industrieländer mit 1,7% (USA 1,6%, Kanada 1,3%, Japan 0,9%). 2017 wächst Deutschland beim BIP mit 2,2%. Im Frühjahr 2018 korrigieren die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognose für 2018 auf 2,2% (2019 2,0%). Im ersten Quartal 2018 wächst die Wirtschaft aber nur um 0,3% gegenüber dem Vorquartal (Ölpreis, möglicher Handelskrieg).

Nachhaltiges Wachstum: Orientierung an sozialen und ökologischen Vorgaben. Neue Wachstumsstrategie mit Chancengerechtigkeit. Ziel ist die intergenerationelle Gerechtigkeit. Danach dürfen künftige Generationen nicht durch die Lebensweise der gegenwärtigen Generationen beeinträchtigt werden. Vgl. Hauff, M. v.: Nachhaltiges Wachstum - ein anderer Weg, in: WISU 12/2015, S 1353ff. Die Kapitalschwemme, die heute da ist, sollte in die Realwirtschaft (innovative Technik, ressourceneffiziente Infrastruktur) investiert werden. Eine Agrarwende ist erforderlich. Die Urbanisierung (produziert Slums) sollte gebremst werden. Vgl. G. Müller: Unfair, Hamburg 2017, S. 158. Der lange Wachstumstrend - wie er auch 2018 noch anhält - ist unüblich und eine exzellente Möglichkeit in die Zukunft zu investieren, auch in Nachhaltigkeit (vgl. IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld: Ich sehe keine Immobilienblase, in: Die Zeit, Nr. 5, 25.01.18, S. 27). Im Januar 2015 begrüßten Studenten die Teilnehmer der Jahrestagung der American Economics Association mit ihrer Kulturkritik und dem Plakat "Is Economic Growth Killing the Planet"? an der Straßenfront des Bostoner Sheraton Hotels.

"Die Grenzen des Wachstums" (Meadows et al., 1972; Club of Rome): Prognose war: Die Erschöpfung von Ressourcen und die starke Verschmutzung würden zum Zusammenbruch um etwa 2025 führen. Es wurde der Standardverlauf folgender Strömungen analysiert: Rohstoffvorräte, Bevölkerung, Nahrungsmittel pro Person, Industrielle Produktion pro Person, Umweltverschmutzung. Die Prognosen hinsichtlich des Verbrauchs von Ressourcen waren falsch. Die Umweltpolitik wurde noch nicht gesehen.

Wachstumsgrenzen: Die Menschheit und die globale Konsumwirtschaft können nicht auf unbestimmte Zeit weiter wachsen, denn irgendwann wird es nichts mehr geben, was man verbrauchen kann. Es gibt auch noch Ökonomen, die meinen, der Markt könne die Ressourcenknappheit lösen. Der Lösungsmechanismus läuft über den Preis, z. B. beim Öl. Das funktioniert jedoch nicht immer, vor allem nicht bei Umweltgütern wie Fischgründe und dem Klima für die starke Eigentumsrechte fehlen. Man weiß aber nicht genau, wo die Grenzen liegen. Der erste, der diese Grenze versucht hat zu definieren war Thomas Malthus (1766-1834). Nach Malthus wuchs die Bevölkerung exponentiell oder geometrisch, die Nahrungsmenge dagegen linear oder arithmetisch (begrenzte Ressourcen). "Die Potenz der Bevölkerung ist unendlich viel größer als die Potenz der Erde, den Lebensunterhalt der Menschheit zu erzeugen", Thomas Malthus, 1798. Vgl. Marron, Donald: Wirtschaft in 30 Sekunden, Librero 2018, S. 82.

Neoklassische Wachstumstheorie: Die Umweltproblematik wird nicht erschöpfend behandelt. Aufgrund von Backstop-Technologien werden keine Grenzen des Wachstums befürchtet (dies ist fraglich). Die einzelnen Arten des Kapitalstocks sind substituierbar, so dass eine ständige Anpassung an sich verändernde Knappheitsverhältnisse  erfolgt. Die Theorie geht zurück auf das Solow-Swan-Modell (1956). Es wird das Wachstum mit nicht erneuerbaren Ressourcen untersucht. Vgl. dazu: Hauff von Michael/ Jörg, Andrea, Nachhaltiges Wachstum, München 2013, S. 54ff.

Endogene Wachstumstheorie: Modell mit konstantem Technologieparameter (Uzawa-Lucas). Modell mit variablem Technologieparameter (Romer). Die Resultate sind abhängig von der Spezifizierung der Nutzen- und Produktionsfunktion. Positiv ist die Berücksichtigung des technologischen Wandels.

Zügelloser Kapitalismus: Menschen sehen sich nur noch als Konsumenten, Shopping wird zum Lebensinhalt. Der Markt hat immer mehr zu regeln bekommen durch die Privatisierung von Energieversorgung und Verkehr. Kern des Bruttoinlandsprodukts sind Konsum, Import und Export.Es gibt keine Strategie, Planung und Steuerung. Das System belohnt schnelle Gewinne. Das sind die Grundthesen von Naomi Klein: Die Entscheidung - Kapitalismus vs. Klima, Frankfurt 2015.

Neoliberalismus: Die beherrschende Wirtschaftsphilosophie des 20. Jahrhunderts. Danach ist der Staat zu dumm, um ihm die Verantwortung für das Wohlergehen der Menschen zu überlassen. Der Staat habe daher nur die Aufgabe, das Rechtssystem zu schaffen und die Eigentumsrechte zu schützen. Kernsatz ist die Aussage "Gier ist gut". Rechtfertigung ist die Befriedigung des Individualismus der Menschen durch den Markt. Da jeder eigene, verschiedene Bedürfnisse habe, könne nur der Markt Angebot und Nachfrage zusammenbringen. Erst der Zusammenstoß von Individualismus und Umweltschutz konnte zu einem wirtschaftlichen Umdenken führen. Die Wirkungen von Rationalität, Utilitarismus und Individualismus müssen genauer analysiert werden.

Gaia-Theorie (Name geht auf des Buch des Romanciers William Golding, Herr der Fliegen, zurück): Die Theorie geht auf die Arbeiten von Lovelock und Margulis zurück. Danach kann man den Planeten Erde als einen sich selbst regulierenden Organismus begreifen, der seinen physikalischen Zustand verändert, um die für das Leben notwendigen Bedingungen aufrechtzuerhalten. Daher können nur plötzliche Klimawechsel, bei dem die natürlichen Rhythmen des Planeten in ein nicht vorhersehbares Chaos umkippen, das Gleichgewicht ins Wanken bringen. "Warum sollen wir uns um die Erde sorgen, wo doch die Verpflichtung den Armen und Kranken unter uns gilt? Gott wird für die Erde sorgen." Mutter Theresa 1988.

Preservationists: Denkweise in Bezug zu Wildnis und Umwelt: John Muir (1838-1914). In Schottland wurde er geboren und wuchs in Wisconsin/ USA auf. Gebiete und Wildnis sollten als abgeschlossene Reservate ausgesondert und in möglichst unberührtem Zustand belassen werden. Dem Menschen sei das Bedürfnis nach Wildnis und natürlicher Schönheit angeboren.

Ökozentrismus: Vertreter waren Aldo Leopold (1887-1948) und  Arne Naess (1912-2009). Radikale Form des Umweltschutzes. Es geht um das Wohl des ökologischen Ganzen. "Integrität, Stabilität und Schönheit" von Ökosystemen und Arten.

Bevölkerungswachstum und Urbanisierung (Überbevölkerung): Das rapide Bevölkerungswachstum seit dem 18. und besonders im 20. Jahrhundert hat das Verhältnis zu den Ökosystemen radikal verändert. Ein weiteres Problem sind das Wachstum der Megastädte (27, erstmals lebt über die Hälfte der Menschen in Städten). Um eine Stabilisierung herbeizuführen ist eine bessere Bildung für Mädchen, Mit- und Selbstbestimmung für Frauen in der Familie und eine niedrige Kindersterblichkeit erforderlich. Die Zahl der Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohner wächst ständig. Die größten Metropolen der Welt sind Tokio, Mumbai, Lagos, Schanghai, Jakarta, Dehli, Karachi, Peking, Sao Paulo und New York. Auch Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch, ist auf 15 Mio. Einwohner angewachsen. Rapide gewachsen  sind auch Bogota, Shenyang und London. Diese Städte müssen versorgt werden, so dass die Industrie dort mit wächst. Ein besonders großes Problem ist die Urbanisierung in China. Riesige Wanderungsbewegungen in die Industrie der Städte der Ostküste haben dort die Luftqualität drastisch sinken lassen (500 Mio. Menschen sind in den letzten 30 Jahren in die Städte gezogen). Vor allem die Städte, die nicht direkt am Meer liegen, sind betroffen. Hier vor allem Peking und Chongqing. In den Großstädten Deutschlands und Europas ist ein anderer Wandel zu beobachten: Wohnraum ist knapp und die Mieten steigen rasant an. Einkommensschwache Gruppen haben immer größere Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite gibt es auch erhebliche Fehlinvestitionen beim Städtebau in China (Immobilieninvestoren könnten ruiniert werden und die Weltwirtschaft hart treffen). Dadurch sind sogar Geisterstädte entstanden (bis 2030 sollten laut der Regierung 1 Milliarde Menschen in Städten leben). Aber viele Menschen bleiben lieber auf dem Lande. Die zehn Städte in China mit den meisten offiziell gemeldeten Einwohnern sind Shanghai, Peking, Chongqing, Shenzhen, Guangzhou, InTianjin, Wuhan, Dongguan, Hongkong, Foshan, Chengdu (Mercator Institute for China Studies). In manchen Ländern sind die Megastädte extrem wichtig (Mexiko-Stadt 50% des BIP). Durch Urbanisierung verschärfen sich zentrale Umweltprobleme: Wasserknappheit, Müll, Luftqualität. Besonders kritisch ist die Situation in den "informellen Stadtlagen" (teilweise bis zu 50% der Stadt wie etwa in Mumbai). Indiens Hauptstadt Delhi hat wohl die schlechteste Luft der Welt (kaum Sicht im Winter, Smog). Dann folgt die chinesische Hauptstadt Peking. Zu den Umweltproblemen kommt der wilde Zustrom von Menschen in die Städte, wo sie Arbeit suchen. Die Kontrolle der Bevölkerung wird zum Problem. 33 der 50 europäischen Städte mit der schlimmsten Luftqualität liegen 2018 in Polen. Am schlechtesten schneiden die südpolnischen Städte ab, wo die bedeutendste Industrieregion liegt. Urbanisierung bringt Transportvorteile (weniger Energie) und fördert Innovationen. Bei Urbanisierung werden die Menschen dort reich im Vergleich zur Landbevölkerung. Das bringt Probleme mit sich.  "The bicycle is the most civilized conveyance known to man. Other forms of transport grow daily more nightmarish. Only the bicycle remains pure in heart", Iris Murdoch, 1919-1999, Anglo-Irish Philosopher. Vor rund 5000 Jahren war Uruk in Mesopotamien (heutiger Irak) zwei Jahrtausende mit 40.000 Einwohnern die größte Stadt der Welt. Bekannt wurde sie durch das Epos über ihren König Gilgamesch. Im REM, Mannheim, findet 2013 eine Ausstellung statt. Nur drei von 74 Großstädten in China konnten 2014 den staatlichen Standard für gute Luft einhalten. Besonders betroffen ist die Hauptstadt Peking (fast unbewohnbar für menschliche Wesen).  Die Chinesen sehen den Ausweg darin, eine Monster-Metropole zu schaffen. Es soll eine Metropolregion von 130 Mio. Menschen entstehen. Sie soll Jingjinli heißen und die Städte Peking und Tianjin zusammenlegen. Stadtverwaltungen werden schon ins Umland verlegt. Pendler sollen mit Hochgeschwindigkeitszügen zu ihren Arbeitsplätzen kommen.  Das Ballungsgebiet hätte einen Durchmesser von mehr als 100 Kilometern. Im Oktober 2016 findet eine UN-Konferenz über die Urbanisierung statt. Sie ist in Quito, Ecuador. Die Konferenz heißt "HabitatIII". 54 Prozent der Menschheit leben in Städten, bis 2050 werden es zwei Drittel der Menschheit sein. 900 Mio. Menschen leben auf der Welt in Slums. Als lebenswerteste Stadt der Welt gilt Melbourne vor Wien. Ganz hinten liegt 2017 Damaskus (Studie der Zeitschrift Economist 2017).

Flächenversiegelung (Flächenfraß, Flächenverbrauch): Immer weniger Menschen in Deutschland brauchen immer mehr Raum. 2011 bewohnt jeder Deutsche durchschnittlich 43 Quadratmeter. In den Metropolen in Deutschland herrscht Wohnungsmangel. Auf dem Lande werden mehr Häuser und Wohnungen gebaut als benötigt werden (Quelle: Baubedarfsanalyse 2017 des IW, Köln) . In Bayern ist eine Fläche versiegelt, die achtmal so groß ist wie der Bodensee. Pro Jahr wächst die versiegelte Fläche in Größe des Chiemsees. Folgen sind schlechtere Luft und mehr Überschwemmungen. außerdem geht Lebensraum verloren. Der Ursprungszustand kann kaum wiederhergestellt werden.  Der tägliche Flächenverbrauch, der zwar zurückgeht, ist aber immer noch mit 61 ha pro Tag viel zu hoch ist. Die Hälfte davon wird dann noch versiegelt. Ziel war bis 2020 auf 30 ha zu kommen. Das Ziel wird weit verfehlt. Der Bund setzt auch falsche Anreize, wie etwa das Baukindergeld. Die Kommunen müssten Obergrenzen festlegen. Von 1992 bis 2016 stieg die Siedlungs- und Verkehrsfläche von 40.305 auf 49.254 Quadratkilometer (+22,2%). Quelle: Umweltbundesamt, Halle, 2018. Die Schweizer machen als erstes Land 2019 eine Volksabstimmung "Zersiedlung stoppen". Es geht um die hässlichen, traurigen Vorstädte. Umweltverbände haben den Antrag eingebracht.

Wohnungsmarkt (in Deutschland, Boden): Es gibt in Deutschland wachsende Wohnungsnot und steigende Mieten. Das Problem besteht besonders in Ballungsgebieten. Der Anstieg der Mieten sollte durch eine Mietpreisbremse begrenzt werden. 2016 zeigt sich, dass diese Bremse überhaupt nicht wirkt. Das liegt auch daran, dass jedes Jahr 400.000 Wohnungen gebaut werden müssten. Tatsächlich wird nur etwa die Hälfte gebaut. Weiterhin fehlen vor allem bezahlbare Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen. Damit sich solche Wohnungen zum Bau lohnen, müssten die Baukosten drastisch sinken. Der Bestand an Sozialwohnungen schrumpft von Jahr zu Jahr. Es tauchen zunehmend Alternativen auf. Diese bieten Sharing- und Teilnutzungsplattformen. Steigende Mieten und Kaufpreise wollen alle Parteien bekämpfen, allerdings mit höchst unterschiedlichen Mitteln: Die CDU ist für Baukindergeld. Die SPD für Familiengeld und Preisbremse. Die Linke für Mietvollbremse und Sozialbau. Die Grünen sind für Daseinsvorsorge. Die FDP will einen Freibetrag. Die AfD will weniger Regeln und mehr Bauland. Besonders problematisch ist, dass jeder zweite Euro an Investitionen in Immobilien aus dem Ausland kommt (USA, GB, Südkorea, Frankreich, Schweiz, Kanada, Italien, Schweden). Die Wohnungskrise ist zum größten Teil eine Bodenkrise. Nur der Bund könnte die Spekulationen beenden.   Deutschland größtes und umstrittenstes  Wohnungsunternehmen ist Vonovia (knapp 350.000 Wohnungen, die meisten in NRW; früher Deutsche Annington; kaufte Wohnungen der öffentlichen Hand auf). Teure Städte in Deutschland sind Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, München , Leipzig, Berlin. Am stärksten sind die Steigerungen zwischen 2012 und 2017 in Berlin (+28%) und Leipzig (+22%) vor München (21%). Bewertet man Grund und Boden sind sie in Berlin 523 Mrd. Euro wert (Köln 118 Mrd. Euro, Frankfurt 117 Mrd. Euro). Quelle: WiWo 44/26.10.18, S. 20ff. 

Metropolen und Mobilität: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wohnten erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. 50 Jahre früher lebten noch 70 Prozent aller Menschen auf dem Land. Je komplexer eine Gesellschaft wird, desto weiter schreitet die Bildung von Metropolen. Metropolen haben  alle das Grundproblem, Mobilität sicher zustellen.

Metropolen und Wachstum: Es wächst die Kritik in den Metropolen an Wachstum. In Berlin und New York empfindet man Wachstum zunehmend als Bedrohung (Amazon in N. Y., Google in Berlin). Besondere Sorgen bereiten die hohen Mieten. Die öffentliche Hand bekommt teilweise wieder Aufgaben zurück, die einst an private unternehmen übertragen waren.

Metropolen und Lebenshaltungskosten: Jahrelang führte Zürich in der Schweiz. ,2019 wird die Stadt von San Francisco abgelöst (schnelle Wachstum des US-amerikanischen Technologiesektors). Quelle: Deutsche Bank Research, Mapping the World´s Prices 2019, achter Report.

Dörfer und ländliche Regionen: Es gibt eine Grundsatzdiskussion darüber, entweder ländliche Räume aufzugeben (weil gleichwertige Lebensverhältnisse nicht herstellbar sind) oder sie als soziale Orte zu pflegen und zu erhalten ("Bibliotheken, Freibäder und Grundschulen sind soziale Orte. Und wo ist Staatlichkeit, wenn die nächste Polizeistation 25 Kilometer entfernt liegt?" Claudia Neu (Kersten, Neu, Vogel: Politik des Zusammenhalts. Über Demokratie und Bürokratie, Hamburg 2019). Räume sollten nicht für Rechtsextreme freigegeben werden. Sie haben auch eine große Bedeutung für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Das Berlin-Institut für Bevölkerung legt 2019 eine Studie vor: Es enthält auch ein Ranking von 401 Kreisen und Städten. Pirmasens aus der Westpfalz liegt dabei auf dem vorletzten Platz. Mit Blick auf Wirtschaft und Bevölkerungsentwicklung sind die Probleme größer als in vielen Regionen der neuen Bundesländer.

Landwirtschaft und Umwelt: Durch den Düngemitteleinsatz, die Schaffung von Agrarflächen durch Rodung, den Anbau von Energiepflanzen und den CO2-Ausstoß von Kühen sowie die Abgabe von Giftstoffe in Nahrungsmittel  ist auch die Landwirtschaft Zerstörer der Umwelt. In Europa ist etwa die Gegend um Moguer in Südspanien zu nennen: Durch die Erdbeermonokultur wird Natur verschlissen. Auch die Produktionsbedingungen und die Arbeitsbedingungen werden immer wieder kritisiert. 2011 wird in Deutschland ein Dioxinskandal  aufgedeckt. 150.000t Tierfutter wurden mit großen Mengen des Giftes Dioxin kontaminiert.

Bio-Dünger: Es gibt immer mehr Ansätze. so kann man verkohlte Holzmasse mit Stallmist kompostieren. Dann überzieht sie sich mit einer organischen Beschichtung. Dadurch kann die Pflanzenkohle die Nährstoffe besser speichern und besseren weiteren nährstoffreichen Boden aufbauen. Es soll eine neue Generation Grundwasser- und Klima schonender Düngemittel entwickelt werden. 

Thünens Ringe: Johann Heinrich von Thünen (1783-1850) gilt als Begründer der modernen Agrar- und Raumwirtschaft. Er hat einen Musterbetrieb im mecklenburgischen Tellow aufgebaut. 1926 veröffentlichte er sein Hauptwerk "Der isolierte Staat in Beziehung auf Landwirtschaft und Ökonomie". Er entwickelte darin ein Konzept für eine optimale räumliche Verteilung der Agrarproduktion. Direkt an der Stadt soll der Anbau leicht verderblicher und transportempfindlicher Güter liegen. Dann folgt Forstwirtschaft (Nutzholz). Den dritten Kreis bildet intensiver Ackerbau (Getreide). Dann kommt Koppelwirtschaft gefolgt von Dreifelderwirtschaft. Den äußeren Kreis bildet die Viehzucht.

Regionale Ökonomie: Entspricht im Grunde genommen der Konzeption von Thünen (modern ausgedrückt heute): Community Supported Agriculture (CSA), regionale Komplementärwährungen, de - globalisierte Wertschöpfungsketten.

Alexander von Humboldt: Er gilt als der erste Öko in Deutschland. Schon 1802 setzte er sein Leben aufs Spiel, um Südamerika zu erforschen. Mit revolutionären Gedanken kehrte er nach Berlin zurück. Die Erde würde aus einem Netz vieler Abhängigkeiten gebildet. Er spricht vom "Netz des Lebens". Weltberühmt wurde seine Panoramagraphik zur "Geographie der Pflanzen". 2019 wird sein 250. Geburtstag gefeiert. Er reiste auch durch Asien. Der Potsdamer Zoologe Ernst Haeckel nannte Humboldts Disziplin Mitte des 19. Jh. zum ersten Mal "Oecologie".

Soziale Kosten: Die Summe aller gegenwärtigen und zukünftigen Kosten, die durch eine Transaktion ausgelöst werden, unabhängig davon, wer die Kosten trägt (vgl. R. Coase: The Problem of Social Cost, 1960). Konkret wird vor allem bei der Planung öffentlicher Projekte die Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) angewandt. Die Bewertung der Umweltqualität steht dabei im Vordergrund, aber auch die Kosten des Umweltschutzes sind schwierig zu ermitteln. Vgl. E. Fees: Umweltökonomie und Umweltpolitik, München 2007,  291ff. .

Nettowohlfahrtsverlust: Nettoverlust der gesamten Rente (Konsumenten- und Produzentenrente, Deadweight - Verlust). Wohlfahrtsökonomische Modelle der Umweltökonomik unterliegen einem Wandel. So hat sich der Zielkonflikt zwischen Wirtschafts-Wachstum und Umweltqualität in hoch entwickelten Ländern durch Nachhaltigkeit aufgelöst. Trotzdem wird der Zwang immer größer werden, rein quantitatives Wachstum zugunsten von Ressourceneffizienz zurückzudrängen. "Markt und Wirtschaft haben eine dienende Funktion für den Menschen. Wachstum und Energieverbrauch muss entkoppelt werden. Dies wird eine grundlegende Änderung der Lebens- und Wirtschaftsweise nach sich ziehen", Norbert Röttgen, ehemaliger Bundesumweltminister. 

Allmendeproblematik (Aristoteles, 384-322 v. Chr., englisch: tragedy of the Commons; Tragik des gemeinsamen Besitzes): Was vielen gehört, wird mit geringerer Sorgfalt behandelt, da jeder vorzugsweise eher auf sein privates Eigentum achtet als auf das Gemeinschaftseigentum. Bekannt ist das Beispiel von Kleinbauern in England und Schottland im späten Mittelalter oder die globale Fischereiwirtschaft heute. Das Problem lässt sich entweder durch Privatisierung (im ersten Fall) oder durch staatliche Verfügungsgewalt in Kooperation (im zweiten Fall) lösen. Vgl. J Stiglitz: Die Chancen der Globalisierung, München 2006, S. 208ff. . Vgl. als grundlegende Quelle: Garret Hardin: The tragedy of the commons/ Die Tragödie der Allmende, in: Science, 162/ 1968, S. 1243-1248. Garret Hardin lebte von 1915 - 2003. In neuerer Zeit griff Elinor Ostrom (geb. 1933) die Idee wieder auf. Sie stellte die negative Sichtweise in Frage: Sie zeigte auf, dass es vielen Gemeinschaften gelingt, Ressourcen langfristig nachhaltig zu nutzen. 2009 bekam sie den Nobelpreis.

Schwache Eigentumsrechte (Property Rights): Sie verursachen auch Umweltprobleme (vgl. Artikel vorher). Genauso wie der Schutz des Rechts am geistigen Eigentum Innovationen fördert, was in der Regel auch der Umwelt zugute kommt.

Free-Rider-Haltung (Schwarzfahrer-Haltung): Das Versagen des Ausschlussprinzips führt zu einem Verhalten, den individuellen Nutzen zu maximieren und die Präferenzen für ein öffentliches Gut zu verbergen. Das Gewissen wird mit der Geringfügigkeit des eigenen Beitrages beruhigt. Das Ausschlussprinzip ermöglicht erst private Güter, für die ein Preis zu zahlen ist. Die Schwarzfahrerhaltung überdeckt oft Bequemlichkeit und Ignoranz gegenüber der Umwelt.

Natürliches Monopol: wenn ein Gut dem Ausschlussprinzip unterliegt, aber kein Konkurrenzverhältnis der Güternutzung besteht (vgl. Mankiw, VWL, Kap. 11, S. 247).

Moral Hazard (Moralische Wagnisse): Möglichkeit unehrlichen Verhaltens in Situationen, in denen das Verhalten nur unvollkommen kontrolliert wird. Die am Markt orientierte Umweltpolitik setzt bei ökonomischen Anreizen an, um sie gezielt zu instrumentalisieren: Umweltschutz durch Eigennutz. "Der Großteil der Ökonomie kann in vier Worten zusammengefasst werden: Menschen reagieren auf Anreize. Der Rest ist Kommentar", Steven Landsberg, US-Ökonom. Moral Hazard gibt es auch in anderen Bereichen, z. B. auf den Finanzmärkten: die Notenbanken können nicht suggerieren, dass sie nicht eingreifen. Also planen die Akteure dies ein, vgl. F. S. Mishkin: Housing and the Monetary Transmission Mechanism, Fed, Series, 40/ August 2007. Entscheidend für Moral Hazard ist nach jüngsten Forschungsergebnissen (Torgler, Levitt) das soziale Umfeld. auch die Angst vor Überführung (Kontrolle) hat einen Einfluss.

Asymmetrische Information: Situation, in der einer der Akteure systematisch besser informiert ist als der andere. Sie kann sowohl als versteckte Information, versteckte Absichten und versteckte Handlungsmöglichkeiten (hidden characteristics, hidden intentions, hidden actions) als auch als negative Auslese (adverse selection) auftreten. Informationsmängel und Unsicherheit sind auch Ursachen der Umweltverschmutzung. Als Marktlösungen bieten sich nach der Prinzipal-Agent-Theorie hier Screening, Signaling und Interessenharmonisierung an. Vgl. Neubäumer/ Hewel (Hrsg.), Volkswirtschaftslehre, Wiesbaden 2001, S. 636ff. . Das Gegenteil ist ein informationseffizienter Markt, auf dem das Grossman-Stiglitz-Paradoxon gelten kann: wenn alle relevanten Informationen eingespeist sind, hat ein Einzelner keinen Anreiz mehr, Informationen zu erwerben (Wertpapiermarkt). Vgl. Grossman, S./ Stiglitz, J.: On the Impossibility of Informationally Efficient Markets, in: AER, 1980. Die Informationsasymmetrie gilt auch auf anderen Märkten, wie z. B. auf dem Kreditmarkt. Akerlof hat das Grundprinzip auf dem Gebrauchtwagenmarkt dargestellt: George Akerlof: The Market for Lemon`s: Quality, Uncertainty and the Market Mechanism, in: Quaterly Journal of Economics, Vol. 84, 1970, S. 488-500.

Signaling und Screening von Informationen: Eine Aktion, von unterrichteter Seite unternommen, um private Informationen gegenüber einer unwissenden Partei aufzudecken. Beim Screening geht es um das Vorgehen einer uninformierten Partei, die informierte Seite zur Preisgabe der Informationen zu veranlassen. Bei einer Preissignalisierung besteht eine stillschweigende Übereinkunft, so dass ein Unternehmen eine Preiserhöhung verkündet und dabei hofft, dass der Konkurrent das gleiche tut.

Haftungsrisiken: Diese sind global völlig ungeregelt. Ein Grund ist mangelndes Eigenkapital von Unternehmen. Ein weiterer Grund liegt in der ökonomischen Bewertung. Fehlende Haftungsrisiken haben schon die Finanzkrise 2008 mit verursacht. Mit entscheidend waren sie auch beim Atomunglück in Japan 2011. Die Reaktorenbetreiber werden sich kaum verantworten müssen.

Ökosystemtheorie: Immer mehr Ökonomen wollen von Biologen lernen, wie komplexe Netzwerke in der Natur funktionieren. Beispiele sind Bienenstöcke und Ameisenhaufen. Die bestehenden Theorien der Ökonomie sind zu sehr auf Optimierung ausgerichtet.

Umwelt-Kuznets-Kurve: Ein besonders hoher Wohlstand schützt die Natur. Die Kurve sieht einen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Umweltzerstörung und dem Pro-Kopf-Einkommen. Moderne Gesellschaften bringen weniger Umweltzerstörung, weil sie Wohlstand durch Dienstleistungen erreichen. Ein großer Fehler der Kurve ist, dass sie nicht berücksichtigt, dass Energieeffizienz eine Folge des Handels ist.

Öko-Enzyklika  des Papstes im Juni 2015 (Enzyklika über Klimawandel und Umweltschutz): Laudate sii - "Sei du gelobt" nach dem Eingangsvers der Schöpfungshymnen des Franz von Assisi (1181 - 1226). Hauptthese: Konsumismus und Kapitalismus sind die Ursachen eines weltweiten Klimawandels, und die Folgen treffen zuerst die Armen in den Entwicklungsländern (Umweltschutz und Bekämpfung der Armut zusammen denken; das System aus Finanzen und Technokratie verhindere ein Nachdenken über die Folgen des unheilvollen Wachstums). Der Papst plädiert für einen Ausstieg aus der Energiegewinnung mit Hilfe von Kohle und Gas.

Menschenbild in der Biologie: Der Mensch ist ein Erfolgsmodell der Evolution. Aufrechtgeher, Hände frei, Feuer, Arbeitsteilung, Fleisch als Kraftnahrung haben ihn die Natur erobern lassen ("intelligentes Tier"). Inzwischen bedroht er seine eigene Existenz durch Umweltzerstörung und Ressourcenverbrauch. Werden wir überleben? Dazu muss man die natürliche Programmierung betrachten. Skepsis ist angebracht.

Umweltbewusstsein: Ein mangelndes Umweltbewusstsein ist generell immer die Ursache von Umweltverschmutzung. Bildung und Erziehung können das Umweltbewusstsein langfristig erhöhen. Das Umweltbundesamt führt alle zwei Jahre eine repräsentative Studie zum Umweltbewusstsein in Deutschland durch: 2014 sind 82 Prozent der Befragten dafür, in Städten und Gemeinden nicht vorrangig die Interessen der Autofahrer zu bedienen. Stattdessen müssten Fuß- und Fahrradwege ausgebaut werden (ebenso Car-Sharing und öffentlicher Personennahverkehr).

Umweltmoral:  Es gibt einerseits einen angeborenen Sinn für Moral, auch in Bezug auf die Umwelt. Beim Heranwachsen wird dieser abgestimmt. Andererseits gibt es auch einen moralischen Relativismus. "Jeder glaubt ausnahmslos an seine eigenen Gewohnheiten und dass die Religion, in der er oder sie erzogen wurde, die beste ist.", Herodot, Historien, 500 v. Chr. So sind die Religionen, in denen Menschen mehrere Leben und Lebensformen haben, grundsätzlich moralischer in Bezug auf die Umwelt (Buddhismus, Hinduismus).

Umweltvergehen: Sie werden weltweit von der Umweltbehörde der Vereinten Nationen (Unep) registriert. Umweltverbrechen haben im Jahre 2015 die Weltwirtschaft 258  Mrd. Dollar gekostet. Gegenüber dem Vorjahr war das eine Steigerung um 26 Prozent. Etwa die Hälfte kann der illegalen Abholzung von Wäldern zugeschrieben werden. Ein Teil geht auf die unrechtmäßige Entsorgung von Elektro-Schrott zurück (4 Mrd. $).

Lust auf Konsum (Überkonsum): Wachsender Konsum und das, was davon übrig bleibt, der Müll führen auch zu Umweltverschmutzung. Steigender Lebensstandard hat bei vielen Konsumgütern zu einer Explosion der Nachfrage geführt. Die Erde braucht dringend Verbraucher, die ihre Einkäufe überdenken. Besonders gefährlich sind "Cocktaileffekte", die sich durch die Wechselwirkung mehrerer Stoffe ergeben (Chemiecocktail). Der Überkonsum bedroht auch lebenswichtige Ressourcen auf der Erde: das Wasser, die Fischerei, die Viehhaltung (richtige Viehzucht).

Klimakiller Wohlstand: Der jährliche Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch in Deutschland (und wohl auch in anderen Ländern) steigt mit dem Haushaltseinkommen: Bei einem Einkommen über 3000 €  liegt der Energieverbrauch bei 21,5 (in tausend kWh) und die CO2-Emissionen bei 7,0 (in Tonnen CO2-Äquivalente). Quelle: Umweltbundesamt 2018.

"Grüne Lüge": Greenwashing der Konzerne. Selbstbetrug ökologisch bewegter Konsumenten. Wohlstand ist lebbar, nur eben grün, fair und sauber. Die Umweltstörung geht trotzdem weiter wie bisher. Diese Position vertritt etwa die Globalisierungskritikerin Kathrin Hartman.

Globale Arbeitsteilung: Institutionelle Innovationen. Die Funktionsweise müsste durch die internationale Politik umgebaut werden. Also könnten bestehende Mechanismen geändert werden: Ressourcengewinnung durch Entsieglung und Rückbau. Re-Building, Re-Manufactoring, Konversion. Reparabilität und Modularität. Psychisch und kulturell dauerhaftes Produktdesign. Effiziente und konsistente Technologien. Umgestaltung statt Neuproduktion. Vgl. Paech, Niko: Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, München 2012, S. 151.

Flugverkehr: Im Jahr 1970 wurden rund 300 Mio. Passagierflüge absolviert. Bis zum Jahre 2015 ist diese Zahl um mehr als das Zehnfache auf über 3,2 Mrd. gestiegen. Dieses Wachstum war im Wesentlichen die Folge fallender Preise und veränderter Geschäftspraktiken in Folge der Globalisierung. Auf der anderen Seite erhöhte sich die Kraftstoffeffizienz. Der Kerosinverbrauch konnte erheblich reduziert werden. Vgl. Tony Juniper: Unsere Erde unter Druck, München 2017, S. 100f.

Zeit: In der Umwelt ist die Zeit extrem wichtig. Nachhaltigkeit verlangt einen großen Zeithorizont. Für den Menschen, d. h. ein Leben, ist die Zeit dagegen kurz bzw. es ist eine Frist gesetzt. Der Gott der Zeit "Chronos" verkörpert die knappe, unerbittliche Zeit. Der Gott "Kairos" verkörpert die rechte Zeit, den glücklichen Augenblick. So war das Verhältnis der alten Griechen zur Zeit definiert. Heute setzen wir auf Timing: Wir versuchen die Zeit zu berechnen und optimal zu nutzen. Gutes Timing ist Kalkulation und Intuition. Im Umweltbereich argumentieren wir nicht mit unserem bzw. einem Leben, wir sorgen uns um unsere Kinder, Enkel, also um um die nachfolgenden Generationen. "Kostbare Zeit. Wir müssen erkennen, dass der einzige Moment, über die wir Kontrolle haben, der jetzige Augenblick ist. Die Art und weise, wie wir unsere Zeit nutzen, wirkt sich auch auf unsere Zukunft aus. Betrachten wir die Zeit als Geschenk, gewinnt sie sofort an Bedeutung. Sie wird zu etwas, das wir schätzen und aus dem wir das Beste machen wollen. Der einzige Weg, eine schöne Zukunft zu gestalten, ist, das Beste aus dem gegenwärtigen Moment zu holen", Dadi Janki, aus: "365 Days of Wisdom".

Eine neue, ökologische Ökonomie müsste folgende Kriterien erfüllen: 1. Die ökonomischen Ziele als solches müssen in Frage gestellt werden (insbesondere Wachstum). 2. Die Messkonzepte müssen verändert werden (bis heute misst die Weltbank Naturkapital nicht in Hektar, Biodiversität, Sauberkeit, sondern in Form von Einnahmen aus ihrer Nutzung). 3. Ein konsequentes Bezahlen für Umweltverbrauch muss gewährleistet sein. 4. Die Integrationsformel für Umwelt und seine Fassung im Drei-Säulen-Modell haben die Kernprobleme verschleiert. 5. Lebensqualität muss stärker einfließen. 6. Die Grenzen sind erreicht, so dass einen neue Utopie der Ökonomie gebraucht wird. Vgl. Maja Göpel: Das Ende des Homo oeconomicus, in: Futur zwei, Nr. 5/ 2018, S. 14ff. Frau Göpel ist Mitglied des Club of Rome (vgl. auch: Dies.: The Great Mindshift, 2016/Springer). Es muss auch konsequent definiert werden, welche Natur geschützt werden soll. Es muss ein ökologisch definierter Rahmen des volkswirtschaftlichen Strukturwandels geschaffen werden. Degrowth und freiheitliches Wirtschaften gehen nicht zusammen. Vgl. Michael Hüther: Marktwirtschaft + Öko, in: Futur zwei, 5/ 2018, S. 30f.

Politik (Umweltpolitik; insbesondere als Staatsaufgabe bzw. öffentliche Aufgabe; Mobilität und Verkehr; betriebliche Umweltpolitik im nächsten Abschnitt; die Umweltpolitik gehört zur Finanzpolitik; für Asien, hauptsächlich China, Indien und Japan,  ist sie auf der entsprechenden Seite "Asien" dargestellt)

Instrumente der Umweltpolitik: Es gibt verschiedene Systematiken. Eine der bekanntesten ist die Einteilung in nichtfiskalische, fiskalische und marktorientierte Instrumente. Zu den den nichtfiskalischen werden Auflagen, Kooperationslösungen und Benutzervorteile gerechnet. Fiskalische Instrumente sind Abgaben und Gebühren sowie Steuern. Zu den marktwirtschaftlichen rechnen die Zertifikate (auch Abgaben).

Auswahl umweltpolitischer Instrumente (Beurteilungsraster für die Umweltpolitik): Effektivität, Effizienz, wirtschaftspolitische Verträglichkeit, administrativ-rechtliche Praktikabilität, politische Durchsetzbarkeit, Förderung des Umweltbewusstseins, Beachtung der Prinzipien der Umweltpolitik, Evaluation.

Strategien der Umweltpolitik: Zwei grundsätzliche Strategien sind erkennbar. Der eine Weg will eine florierende Wirtschaft (Wirtschaftswachstum) nutzen, um auf saubere Technologien umzusteigen. Bei dem anderen Weg geht es um radikalen Verzicht, insbesondere von Konsum. "Die Zeit rennt uns davon", Ottmar Edenhofer, designierter Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) 2018.

Verzicht: Das wirksamste Mittel der Umweltpolitik, wenn es kollektiv weltweit umgesetzt werden könnte. Kein oder weniger Auto fahren, nicht in den Urlaub fliegen, kein Fleisch oder Zucker essen und damit für den Klimaschutz eintreten.

Nachhaltiger Konsum in der Postwachstumsgesellschaft (Einfluss der Ethik): Produkte müssen haltbarer, weniger werden. Sie dürfen nicht mehr sinnstiftend sein. Die Menschen sollten ihr Glück mehr über Partizipation, Kontakte, Kommunikation u. a. definieren. Der Anstieg der Arbeitsproduktivität bringt mehr Freizeit, die für immaterielle Bedürfnisse verwendet werden sollte. Auch empirisch kann man nachweisen, dass die Bürger nachhaltige Produktion unterstützen, soziale Kriterien zugrundelegen und auf artgerechte Tierhaltung Wert legen. Der Einfluss ethischer Werte wird immer größer: 2009 achteten 13,3% der Konsumenten auf Fair Trade, 2015 schon 19,5%; 2009 waren 14,4 der Konsumenten ökologisch und sozial verantwortungsvolle Hersteller wichtig, 2015 16,7% (Quelle: Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse).

Mittelstand und Nachhaltigkeit: Eine besondere Rolle spielt der Begriff "Nachhaltigkeit" in mittelständischen Unternehmen. Hier wird er oft im Zusammenhang mit Familienunternehmen gebraucht. Im engeren Sinne wird der Begriff häufig auf die Nachfolge zugespitzt. Er kann aber auch umfassender im Mittelstand strategisch und ökologisch verwendet werden oder die gleichzeitige Berücksichtigung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten meinen. So wird nach der Finanz- und Weltwirtschaftskrise darauf verwiesen, dass der Mittelstand mit seiner Nachhaltigkeit für den schnellen Wiederaufstieg Deutschlands entscheidend verantwortlich sei. Nachhaltigkeit kann speziell sozial sein (social compliance - Erhalt langfristiger Beziehungen) oder auch finanziell (Erhöhung des Eigenkapitals, um die Abhängigkeit von Krediten zu verringern, Lösen von den Banken) sowie technologisch (optimale Anpassung an die Digitalisierung).

Finanzsektor und Nachhaltigkeit: Der Finanzsektor soll zukünftig auch Klimaschutzzielen unterworfen werden. Anleger und Investoren wollen für Nachhaltigkeit Rendite kassieren. Das ganze läuft unter dem Motto "Nur grünes Geld ist gutes Geld" (vgl. WiWo 17, 18.4.2019, S. 28). So wird auch der DAX einem Nachhaltigkeits-Check unterworfen. Äußerst positiv werden Allianz und Münchener Rück bewertet. Sehr positiv sind SAP, Infineon, und Deutsche Börse. Positiv Merck, Wirecard, Deutsche Telekom, Henkel, Siemens, Adidas, Deutsche Post, Neutral Covestro, Continental, BMW, FMC. Negativ werden die restlichen unternehmen bewertet. Quelle: Globalance Footprint. Ebenso werden Investitionen in ihrer positiven Wirkung auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft bewertet: 2018 wurden 2900 Milliarden Euro investiert. Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen.

Nachhaltiges Wachstum: Orientierung an sozialen und ökologischen Vorgaben. Neue Wachstumsstrategie mit Chancengerechtigkeit. Ziel ist die intergenerationelle Gerechtigkeit. Danach dürfen künftige Generationen nicht durch die Lebensweise der gegenwärtigen Generationen beeinträchtigt werden. Vgl. Hauff, M. v.: Nachhaltiges Wachstum - ein anderer Weg, in: WISU 12/2015, S 1353ff.

Konstitutive Elemente der Nachhaltigkeit nach der Brundtland-Kommission: Bericht von 1987. Benannt ach der Vorsitzenden der UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung.  1. Bedürfnisorientierung. 2. Intergenerative Gerechtigkeit. 3. Intragenerative Gerechtigkeit. 4. Integrativer Aspekt.

Vier Leitlinien bei der Umsetzung der Nachhaltigkeit: Verantwortungsprinzip, Kreislaufprinzip, Kooperationsprinzip, Stakeholder-Prinzip.

Öko-Update: ökosoziale Transformation moderner Gesellschaften (NGOs, Bürgerinitiativen, Universitätsinstitute, Konsumenten) plus ökonomische Transformation (Thema vom Kopf (Bewusstsein) auf die Füße (Wirtschaft) stellen. Veränderung des Kapitalismus.

Manipulation der Natur, um die Klimakatastrophe abzuwenden: So gibt es immer wieder Diskussionen, den CO2-Ausstoß über Filter zu beeinflussen (Algen in Ozeanen, Bäume). Als eine besondere Warnung gilt Maos Spatzenkrieg in China. 1957 machte Mao die Spatzen für zu geringen Ernteertrag verantwortlich. Also rief er zum Spatzenkrieg auf. Die Vögel sollten gejagt werden, indem sie durch Lärm nirgendwo hinsetzen konnten und erschöpft vom Himmel und dann erschlagen werden konnten. Ca. 2 Milliarden Spatzen kamen ums Leben. Dann wurden die Ernteausfälle noch größer, weil die Spatzen keine Getreideschädlinge mehr fraßen. Daraufhin importierte man wieder Spatzen aus Russland.

Innovationen: Erfindung neuer Produkte, z. B. mit KI, um ganz ohne Emissionen auszukommen. Das wäre die wirksamste Umweltpolitik. Auf Flugreisen oder Kreuzfahrten zu verzichten oder kein Fleisch zu essen kann das Problem nicht grundsätzlich lösen, sondern ist eher symbolisch. Vgl. Interview mit Hans von Storch, Der Spiegel Nr. 15/6.4.2019, S. 35.

Die Grünen: Vertreten als Partei Umweltziele. Die Gründungsbewegung entsteht in den 1970er-Jahren des letzten Jahrhunderts aus der Bewegung gegen Kernkraft als Protestpartei. 1983 erstmals im Bundestag. 1985 Joschka Fischer als hessischer Umweltminister mit Turmschuhen. 1993 Zusammenschluss mit dem ostdeutschen Bündnis 90. 1998 Eintritt in die Bundesregierung. 2011 wird das wichtigste Ziel erreicht: nach Fukushima Ausstieg aus der Kernenergie. Kretschmann Ministerpräsident in Baden-Württemberg. 2018 in Umfragen zweitstärkste Partei mit 19%. Schon zweitstärkste Partei in Bayern mit 17,5%. "Wir definieren uns nicht über Ideologien, sondern über Werte, die und wichtig sind", Parteichefin Annalena Baerbock 2018.

Die AfD: Sie entdeckt immer mehr (2019) die Umweltpolitik für sich. Sie leugnet, dass der Mensch für die Klimakrise verantwortlich sei. Sie schürt die Furcht vor dem Ende der Autoindustrie. In der deutschen Bevölkerung wächst allerdings das Problembewusstsein für Umwelt und Energiewende.

Umweltbundesamt: 1974 als zentrale Umweltbehörde in Deutschland gegründet. Es arbeiten ca. 1500 Personen dort an 13 Standorten; die Zentrale ist seit 2005 in Dessau (vorher in West-Berlin). Das Amt unterhält ein Frühwarnsystem, sammelt Daten, informiert die Öffentlichkeit und sorgt für die Implementierung von Umweltgesetzen.

Wohlstands- und Nachhaltigkeitsgesetz: Experten fordern eine Ablösung des bald 50 Jahre geltenden Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes. Die Wirtschaftspolitik hat neue Herausforderungen. Man brauchte also neue Zielsysteme in einem Gesetz. Darin müssten fiskalische, soziale und ökologische Ziele der Nachhaltigkeit enthalten sein. Vgl. Koll, Willi: Vom Stabilitäts- und Wachstumsgesetz zum Wohlstands- und Nachhaltigkeitsgesetz, in: Wirtschaftsdienst 2016/1, S. 40ff. Der Umweltschutz ist bisher weder im Grundgesetz noch in einem sonstigen Gesetz.

Umweltbewegung: In Deutschland kommt nach der Friedensbewegung in den Siebzigern ab 1980 eine politische Umweltbewegung. Als Partei etablieren sich die Grünen. Nach den Landtagen in Hamburg, Hessen und Niedersachsen dann 1983 erstmals im Bund.

Utilitarismus: Eine Handlung wird immer nach ihren Folgen beurteilt. Führt sie zu mehr Glück als Leiden ist sie gut. Wären alle Menschen Utilitaristen, brauchte man keine Umweltpolitik. Als Beispiel gilt Peter Singer, der Gründungsvater der Tierrechtsbewegung.

Nichtregierungsorganisationen (engl. NGO): Sie spielen in der Umweltpolitik eine große und wichtige Rolle überall auf der Welt (z. B. BUND, Greenpeace, Pollicia). Schon lange gibt es den Verdacht, dass unabhängige Initiativen von Fast-Food-Ketten, Tabakkonzernen und anderen Unternehmen genutzt werden. Zum Teil kassieren diese auch Steuergeld. Die Geldgeber bleiben trotz Transparenzregister im Dunkeln.  Vgl. z.B. die umfangreiche Liste bei Links (Umwelt). Die NGOs treiben mittlerweile Politik und Wirtschaft vor sich her. Der Europäische Rechnungshof kritisiert 2019 die EU - Finanzierung von NGO.: Mit zweierlei Maß, Transparenz. 2015 nimmt die chinesische Führung mit einem neuen Gesetz ausländische Nichtregierungsorganisationen (NGO) ins Visier (z. B. Registrierung beim Sicherheitsapparat, nicht nur vom Ausland finanziert, Hälfte der Mitarbeiter Chinesen). Starke Behinderungen gab es auch in letzter Zeit in Russland und Ägypten. Die Deutschsche Umwelthilfe hat folgendes Finanzierungsmodell: 34% Spenden und Sponsoring, 30% Marktüberwachung (kostenpflichtige Abmahnungen, Verstöße gegen Umweltgesetze), 20% öffentliche Zuschüsse, 16% Sonstiges (von der Basis 8,1 Mio. €; Quelle: DUH - Jahresbericht, Daten für 2016). Bei Abmahnungen gab es 2018 geringere Einnahmen. die Umweltverbände in Deutschland haben mittlerweile (2019) mehr Mitglieder als die Parteien.

Unternehmen als Umweltaktivisten: Banken, Versicherer und Fonds werden zu Umweltaktivisten. Sie erhöhen den Druck auf börsennotierte Unternehmen, ihre Klimarisiken offen zulegen. 32 Billionen Dollar  Kapital sind von 310 Großinvestoren in der Initiative "Climate Action 100".

Deutsche Umwelthilfe (DUH): Sie betreibt Umweltpolitik mit Abmahnungen. Diese treffen Unternehmen, die sich nicht an die Umweltvorschriften der EU halten. 2014 nahm die Organisation so 2,3Mio. € ein. Es gibt Bestrebungen von Betroffenen (Immobilienmakler, Elektrohändler, Autohäuser), dass die EU-Kommission dem einen Riegel vorschiebt. Parteien, wie z. B. die CDU, erwägen, dem Verband die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Die DUH lebt auch von Spenden. Sie will die Liste der Spender nicht offen legen. Zu diesen soll z. B. die japanische Firma Toyota gehören. Der Bundesgerichtshof bestätigt im Juli 2019 die Arbeitsweise. Die Umwelthilfe kann auch in Zukunft ungehindert abmahnen und klagen, wenn Unternehmen gegen Verbraucherschutz-Vorschriften verstoßen.

"Fridays for Future": Schüler, Studenten demonstrieren weltweit einmal pro Woche am Freitag für Umwelt- und Klimaschutz. Gallionsfigur der Bewegung ist die junge Schwedin Greta Thunberg. Mittlerweile gibt es eine Reihe weiterer Bewegungen für Klimaschutz. Mannheim schickt als erster Ort in Deutschland Bußgeldbescheide an die Familien protestierender Schüler. Diese werden aber wieder aufgehoben.

Greta-Effekt: Nach Greta Thunberg benannt. Bürger handeln bewusst im Sinne des Umweltschutzes. Das Umweltbewusstsein sorgt für mehr Klimaschutz. Zum Beispiel, wenn immer mehr Bürger mit der Bahn nach Paris fahren statt das Flugzeug zu nehmen.

Weitere Bewegungen für Klimaschutz: 1. Ubitricity: Gründer F. Pawlitschek. Elektroautos an Straßenlaternen aufladen. 2. Beyond Meat: Ethan Brown. 51% der Treibhausgase von Massentierhaltung und sehr viel Wasserverbrauch. 3. Vaude. Antje von Dewitz. Bekämpfung von unfairere Produktion. 4. Climeworks. Gebald, Wurzbacher. Filteranlagen, die CO2 aus der Luft saugen. Transport in Treibhäuser. Später daraus Treibstoff. 5. Green City Solutions: Sänger u. a. aus Berlin. Moos filtert von Natur Schadstoffe aus der Luft. 6. Mark van Baal. "Follow this". Kauf von Anteilen an Firmen, um diese zum Klimaschutz zu zwingen. 7. Alexandra Ocasio-Cortez.  Demokratische Politikerin in den USA. Green New Deal. Klimaneutrale US-Ökonomie. 8. Felix Finkbeiner. Bäume pflanzen. Bis 2017 waren eine Milliarde geschafft.

Das größte Koordinationsproblem der Menschheitsgeschichte: Ein nationaler Alleingang in der Klimapolitik wäre sinnlos und teuer. Deutschland trägt mit seinem CO2-Ausstoß mit einem Anteil von 2% am Weltausstoß bei. Also muss es eine globale Koordination mit einem globalen CO2-Preis geben. Seit Trump bremsen die USA, versteckt stehen hinter ihm auch Brasilien, die Türkei, Saudi-Arabien und Australien (aus unterschiedlichen Motiven). Vielleicht könnte man sich einmal auf ein gemeinsames Ziel einigen, wie es das Pariser Klimaabkommen vorsieht. Es fehlt aber die gemeinsame Verpflichtung. Einziger Ausweg wäre ein globaler CO2-Preis (Flexibilität, Transparenz, Kontrolle). Vgl. auch Ockenfels, Axel: Das größte Koordinationsproblem der Menschheitsgeschichte, in: WiWo 27, 28.6.2019, S. 41.

Weltrepublik für die Lösung der globalen Umweltprobleme: 1794 starb der französische Anarchist Cloots durch die Guillotine. Er forderte vor mehr als 200 Jahren ein Parlament für die ganze Menschheit. Sein Fernziel war die politische Einheit des Planeten. "Lang lebe die Weltrepublik", Cloots. Er schrieb 1793 das Werk "Die Republik des Menschengeschlechts". Eine parlamentarische Versammlung der UN könnte der erste Schritt sein. Vgl. auch: Bummel, A./ Leinen, J.: Das demokratische Weltparlament, Dietz-Verlag 2017.

Komplementarität wirtschaftspolitischer Ziele: Klimaschutz und Konjunkturpolitik kann man verbinden. Dies zeigen z. B. grüne Elemente in den Konjunkturprogrammen in der Weltwirtschaftskrise. Auch Umweltschutz und Vollbeschäftigung können sich ergänzen. Hier wird häufig auch ein Zielkonflikt konstatiert. Dies gilt auch für die Ziele Umweltschutz und Preisniveaustabilität. Für klare und differenzierte Aussagen fehlen allerdings die Forschungen.

"Green Economy": Steht für ein umweltpolitisches Konzept, dass über Innovationsdruck und Markteinführungshilfen die "grünen" Produktionsbereiche ausbauen will. Die kapitalistische Wirtschaft soll zu einer nachhaltigen Wirtschaft transformiert werden. Die wirtschaftliche Dynamik soll soziale und ökologische Gerechtigkeit zusammenführen. Es ist die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie. Nachhaltiges Wachstum braucht aber länger, bis es Rendite abwirft. Die Globale Finanzindustrie muss mitmachen.

"Green-New-Deal": Es gibt viele Bemühungen, die Gesellschaft nachhaltiger auszurichten. Es geht um eine ökologische Modernisierung. In gewisser Weise ist das aber eine Ideologie. Sie liefert der Konsumgesellschaft ein Alibi. Der Wandel zum Weniger soll aufgeschoben werden auf unbestimmte Zeit. Der materielle Raubbau wird teilweise sogar verschärft, indem verschont gebliebene Naturgüter und Landschaften einer "grünen" Verwertung zugeführt werden. Vgl. Nico Paech: Wohlstand im Widerspruch, in: agora 42, 2018, S. 9ff.

Nirwana-Approach: von Harold Demsetz. Real existierende, unvollkommene Zustände werden mit theoretischen Idealen verglichen. Besser ist es, real existierende Situationen zu vergleichen. Der Nirvana-Approach hat meist drei logische Fehlschlüsse: "the grass is always greener fallacy, the fallacy of free lunch, people could be different fallacy".

Verhaltensökonomie/ Paternalismus 2.0: Zunehmend setzt die Mikroökonomie auf das Verhalten. Diese Richtung findet auch immer mehr Einzug in die Politikberatung und Umweltökonomie. Richard Thaler aus Chicago beschäftigt sich mit "Nudge" (Anstupsen), das psychologisch der Staat das Verhalten von Menschen beeinflussen kann. Gruppendruck lässt sich ausnutzen, um die Menschen zum Beispiel zum Energiesparen zu bewegen.  Auch bei dem Ausbau des Stromnetzes sollen Erkenntnisse der Verhaltensökonomie eingesetzt werden: Anrainer geplanter Stromtrassen sollen sich finanziell am Bau neuer Stromautobahnen beteiligen können. Bis zu fünf Prozent Zinsen sollen garantiert werden. Es wird auch untersucht, welche Anreize die Kooperation beim Klimaschutz erleichtern. Das kann bis zu "Economic Engineering" gehen.

Nudge (Nudging) als zentrales Element: Zentraler Fachbegriff aus der Verhaltensökonomik. Er wurde von R. H. Thaler (Nobelpreis 2017) and C. R. Sunstein eingeführt (vgl. Dieselben: Wie man kluge Entscheidungen anstößt, 2009/ USA 2008; ebenso D. Kahnemann: Schnelles Denken, langsames Denken, München 2012, USA 2011). Kahneman führt folgende Bausteine ein: Zwei Selbste, Econs und Humans, Zwei Systeme. "Nudge" ist das Gegenteil eines Verbots oder eines Befehls. Es geht um kluge, durchdachte Entscheidungshilfen und -anstöße.  Damit ist die Kraft, Menschen zu beeinflussen, größer. Beispiele bei Thaler sind eine Fliege im Urinal oder Obst in Griffnähe. Bei total freien Märkten kann Nudge zum Desaster führen, weil die Menschen keine guten Entscheider sind (Argument für die Regulierung von Gesundheitsmärkten). Der Begriff spielt heute auch in der Marketing-Kommunikation eine große Rolle. Die bekannteste Art von Nudges sind Standardvorgaben, die Defaults. Diese sollen Menschen in eine bestimmte Richtung "stupsen". Nudges können die Entscheidungen von Menschen verbessern, wie sie in Form gut aufbereiteter Informationen angeboten werden. Sie können auch die Selbstbindung verstärken (Selbstkontrollprobleme reduzieren; z. B. durch Wetten). In der Praxis kann Nudging in der Wirtschaftspolitik (Gefahr: Verwaltungsfreude, Obrigkeitsdenken), bei Konsumente (Gefahr: Manipulation), in der Alterssicherung und beim Verbraucherschutz bewusst eingesetzt werden. So gesehen ist es sanfter Paternalismus und verhaltensökonomisch fundierte Ordnungspolitik. Die Frage ist, ob unvollständige Rationalität eine hinreichende Begründung ist.

Coase-Theorem in der Umweltökonomik: Das Coase-Theorem spielt auch eine Rolle in der Umweltökonomik bei der Internalisierung externer Effekte. Vorschlag von R. Coase: freiwillige Einigung von Schädiger und Geschädigtem bei Ausschaltung des Verursacherprinzips, weil negative externe Effekte reziprok sind, da beide das knappe Gut Umwelt beanspruchen . Für globale Fragen ist die Verhandlungslösung wohl ungeeignet, weil zu viele Akteure da sind.

Umweltethik: Ethische Prinzipien sind ein wichtiger Bestandteil des Umweltbewusstseins. In allen Religionen wird der Mensch als Hüter der Natur gesehen. Häufig wird auf die Ethik zurückgegriffen, wenn alle anderen Methoden nicht funktionieren (Lückenbüßer). Ökonomische Signale sollten immer damit verbunden sein, wenn die Handlungsfolgen abzusehen sind (auch Transaktionskosten werden gespart). Der Umweltethik können  vor allem Religionen (Hinduismus, Buddhismus) förderlich sein. "Störe nicht den Himmel und verschmutze nicht den Luftraum", Hinduismus, Yajurveda, 5,43). "Natur und Umwelt zu schützen, um eine Welt des Friedens aufzubauen, ist die Pflicht eines jeden Menschen", Papst Benedikt XVI. Eklatante Verstöße gegen die Umweltethik fallen besonders bei Unternehmen auf. Im Herbst 2015 gerät VW in den USA in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Das Unternehmen hat in den USA Abgaswerte von Diesel-Autos massiv manipuliert. Mittels der Software wurde der Schadstoffausstoß bei Testes manipuliert. Es sind Strafzahlungen von über 18 Mrd. Dollar möglich. Hinzu kommen Sammelklagen von Kunden und Aktienbesitzern. Der Aktienkurs bricht zeitweise um 20% ein. Einen Tag später noch mal erheblich (insgesamt ein Drittel des Wertes verloren; zieht den DAX um 4% nach unten). 11 Mio. Fahrzeuge weltweit sind betroffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus. Vorstandschef Winterkorn tritt zurück. Die Konzern- und Kontrollstruktur hat offenbar versagt. Vielleicht ist das Unternehmen zu groß geworden. Neuer Chef wird Matthias Müller von Porsche. Er verspricht schonungslose Aufklärung.

Anthroposophie: Rudolf Steiner (1862-1925), der im Jahre 2011 150 Jahre alt geworden wäre, ist der Begründer der Waldorfpädagogik. Er hat aber auch ganz wesentlich den ökologischen Landbau beeinflusst. Heute gelten als anthroposophische Unternehmen z. B. DM, Weleda und Demeter. Steiner übernahm Meditationstechniken aus Fernost und den Glaube an die Reinkarnation. Steiner schrieb auch Aufsätze zur Volkswirtschaftslehre. Seine politischen Ideen waren teilweise umstritten, weil sie Missinterpretationen ermöglichen (nationalistisch?).

Henry David Thoreau: Im 19. Jahrhundert entwickelte der amerikanische Schriftsteller einen Entwurf einfachen, echten Lebens. Er lebte als Einsiedler, war Konsumkritiker und Umweltschützer. Berühmt ist sein Buch "Walden: Life in the Woods, 1854". Es geht um Leben nur mit dem nötigsten. Heute ist daraus eine "Thin-House" - Bewegung entstanden. In den Niederlanden ist 2017 eine ganze Straße mit Minihäusern entstanden.

Fürst Pückler: Er gilt als der große deutsche Park- und Gartengestalter. Seine grünen Visitenkarten bestehen bis heute. Er schuf Anlagen in Bad Muskau, in Branitz (persönlichste Werk, Herz, Altersruhesitz) und in Babelsberg. Seine Devise war "Oasen in Sandwüsten anlegen".  Er reiste in Europa herum, um sich Anregungen für seine Gärten zu holen.

Prinzipien der Umweltpolitik: Vorsorge, Verursacher, Kooperation, Gemeinlast. Diese Prinzipien stehen auch in der Rangfolge ihrer Aufzählung. "Der Umweltpolitik fehlt bisher noch der makroökonomische Ansatz", Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms.

Äquivalenzprinzip: Gleichheit von Leistung und Gegenleistung (Gegensatz: Leistungsfähigkeitsprinzip, Rechtfertigungsgrundsatz der Besteuerung und der Gebühren bzw. Abgaben in der Umweltpolitik). Beispiel: Abwasserabgabe, die an den Wasserverbrauch gekoppelt ist.

Nachhaltigkeit (Sustainability): Im Kern die schonende Nutzung der Produkte eines regenerierbaren natürlichen Systems in einer Weise, dass dieses im Wesentlichen erhalten bleibt und sein Bestand nachwachsen kann. Die Idee ist ca. 300 Jahre alt und wurde erstmals von Carl von Carlowitz (1645-1714) in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica" (1713) formuliert. Er ist der Vater der Forstwirtschaftslehre und lebte in Freiberg, Sachsen. Danach wird ein Wald nachhaltig genutzt, wenn nur so viel Holz eingeschlagen wird, wie nachwächst. Bereits im 15. Jahrhundert findet sich der Begriff in Forstordnungen (Speyer 1442). Heute ist der Begriff ein Modewort, der auf viele Bereiche angewandt wird. Z.B. wird häufig die gleichberechtigte Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Belange als "nachhaltig" bezeichnet. Mittlerweile kommt der Druck auch von den Kapitalgebern auf die Unternehmen, Nachhaltigkeit als Maßstab zu setzen. So wird es als Wert und als Maßstab für Erfolg etabliert. "Wer nachhaltig handelt, denkt an die Stabilität wirtschaftlicher, sozialer oder ökologischer Systeme übers Jahr hinaus. Er wird keine Strohfeuer entfachen", Franz Fehrenbach, Vorstandsvorsitzender Bosch, in: Handelsblatt, Nr. 253, 2010, S. 20.

Ökologie: "Die gesamte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt", Ernst Haeckel, Generelle Morphologie der Organismen, Berlin 1866, S. 286. Er war Biologe und gilt als Begründer der Ökologie als Disziplin (1834-1919).

Intra- und intergenerationelle Gerechtigkeit: Spielt zunehmend als Prinzip eine Rolle. Es wird international an Konzepten gearbeitet: Planetary Trust, Helmholtz-Gesellschaft, Weltbank.  "Ich bin davon überzeugt, dass die Wirtschaft auf konventionelle Art nicht zu retten ist. Das Nachkriegszeitalter endete politisch mit dem Fall der Mauer, soziökonomisch endet es mit dem gegenwärtigen Crash", Hans Joachim Schellnhuber, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, am 26.03.09 in DIE ZEIT, S.18.

Ordnungsrecht bzw. Verordnungen (Auflagen): Gesetzliche Vorgaben von Grenzwerten. Diese Maßnahmen sind in der Regel genauso effektiv, aber weniger effizient als marktwirtschaftliche Instrumente. Seit Ende 2009 darf die US-Umweltbehörde EPA Grenzwerte für Treibhausgase verhängen.

Emissionsgebühr: Eine Gebühr, die auf jede Emissionseinheit eines Unternehmens erhoben wird. In der Regel gibt es dann einen Emissionsgrenzwert, der gesetzlich die Höchstmenge eines Schadstoffes festlegt. Bei einer zweistufigen Gebühr muss sowohl für den Markteintritt als auch für die Nutzung gezahlt werden. "Pecunia non olet, Geld stinkt nicht", berühmter Ausspruch vom römischen Kaiser Vespasian, als er zur Finanzierung des Baus vom Kolosseum eine Latrinenabgabe einführte.

Zertifikate: Zertifikate sind handelbare Rechte zur Inanspruchnahme von Umweltgütern. Sie zeichnen sich durch eine größere Effizienz aus (bei gleicher Effektivität kostengünstiger). Die Umweltbehörde legt im Zuge der Ausgabe die Menge der Umweltgüter fest. Probleme bereiten die Kalkulation der Menge pro Region und der Wettbewerb beim Handel. London ist Zentrum des weltweiten Handels, dessen Chancen immer mehr Unternehmen erkennen. Ein erhebliches Problem liegt darin, ob man sie zuteilt oder versteigert. In Deutschland werden die Zertifikate an der Energiebörse in Leipzig gehandelt. Sinnvoll wäre es sicher auch, den Straßenverkehr einzubeziehen. Die Firmen bekommen dabei weniger Zertifikate zugeteilt als benötigt. So sollen sie zu Einsparungen gezwungen werden. Unternehmen, die Emissionen verringern, können Rechte gewinnbringend verkaufen. Es gibt auch Handel zwischen Staaten (in der EU) sowie Zusammenarbeit zwischen EU und US-Staaten. 2012 schließt sich Australien dem Emissionshandel an. Das Endziel ist ein globaler Markt. 2010 werden CO2-Rechte geklaut über gefälschte Zugangsdaten und Emails. Im Oktober 2003 ist die EU-Emissionshandelsrichtlinie in Kraft getreten. Einem "Grandfathering" - Ansatz folgend wurden den Betreibern von Großanlagen kostenlos Zertifikate zugeteilt. 2008 kommen neue Zertifikate bis 2012. Anfangs war der Preis mit 60 Cent pro t zu niedrig, in der nächsten Handelsperiode soll er über 20€ liegen. Die Industrie- und Stromfabriken erhalten ein festgelegtes Budget für den CO2-Ausstoß. Wer mehr benötigt, muss Rechte dazukaufen. Mittlerweile wurde eine Kooperation im Emissionshandel mit US-Bundesstaten, kanadischen Provinzen und Neuseeland  vereinbart. Obama wird voraussichtlich bemüht sein, die Kooperation auszudehnen. Im Gegensatz zur ersten Handelsrunde dürfen die Teilnehmer jetzt auch Emissionsberechtigungen außerhalb der EU erwerben (Joint Implementation). Außerdem besteht die Möglichkeit zu Emissionsminderungen aus dem Clean Development Mechanism (CDM). Die Industrie der EU kann die Hälfte der CO2-Reduktionen im Ausland leisten. Ab 2012 werden auch die Fluggesellschaften, die die EU anfliegen, in den Emissionshandel einbezogen. Sie müssen Zertifikate für den Ausstoß von Kohlendioxid kaufen, den sie bei Starts und Landungen in Europa verursachen. Dies führt zu Streit mit den USA und China (Androhung von Handelskrieg). Strittig ist auch, wie der Handel ab 2013 funktionieren soll. Auch die Kraftwerksbetreiber und Osteuropa sind schwierig einzubeziehen. Die Produktionsunternehmen sollen zunächst ein Fünftel der Zertifikate ersteigern, 2020 100%. Im Januar 2011 muss der Handel für eine Woche ausgesetzt werden, wegen umfangreicher Betrügereien mit Verschmutzungsrechten und Sicherheitslücken im elektronischen Dateisystem. Um auf Fehlentwicklungen zu reagieren, hat die Kommission Mitte 2012 einen Vorschlag zur Änderung des Zeitplans gemacht. Oberstes Ziel des Handels mit Emissionszertifikaten ist Klimaneutralität. Endgültig können Zertifikate nur funktionieren, wenn es einen globalen Preis für Treibhausgase  gibt. Es müsste also einen für alle verpflichtenden CO2-Preis geben. 2018 steigt der Preis für Zertifikate an bis auf ein Zehnjahreshoch. Die Reform der ETS zeigt Wirkung.

Zertifikate gehören zusammen mit Abgaben zu den Markt orientierten Instrumenten. Andere Instrumente der Umweltpolitik sind ordnungsrechtliche Auflagen, finanzielle Anreize (insb. Steuern) und Kooperationslösungen (freiwillige Selbstverpflichtungen). Wer keine Zertifikate kaufen will, muss zur Modernisierungsstrategie greifen. Mit den steigenden Preisen für CO2-Zertifikate werden Anreize gesetzt, ineffiziente Anlagen zu ersetzen. Mit dem Personal Carbon Trading liegt auch ein Konzept zur Errichtung eines Emissionshandels für private Haushalte vor. Im Januar 2010 hielt ich einen Vortrag über die Funktionsweise von Zertifikaten im Rahmen der Kinder-Uni. "Wenn du schnell gehen willst, geh alleine, wenn du weit gehen willst, geh zusammen", afrikanisches Sprichwort. Für Müll und Abwasser gab es die ersten Umweltgebühren in Deutschland. Beide steigen mit der Menge der Nutzung. Vor 170 Jahren (von 2013 aus) wurde in Hamburg die erste moderne Abwasserkanalisation Deutschlands gebaut. Die Rohre sind so gut geplant, dass sie teilweise heute noch in Betrieb sind.

Emissionshandel in der EU ab 2013: Die EU setzt eine Obergrenze fest, die jährlich um 1,74% reduziert wird. Große Emittenten (Zement-, Stahl-, oder Glashersteller) von CO2 erhalten einige kostenlose Emissionszertifikate (Erlaubnisscheine). Zugrunde gelegt werden frühere Produktionszahlen und ein Effizienz - Faktor. Die kostenlosen Zertifikate werden bis 2020 schrittweise reduziert. Alternativ kann in umweltfreundliche Technik investiert werden. Die Emissionszertifikate werden von der Deutschen Emissionshandelsstelle (Unterabteilung des Umweltbundesamtes) ausgegeben. Für Anlagen, deren Ausstoß über dem Effizienzfaktor liegt, müssen zusätzliche Zertifikate an einer speziellen Börse ersteigert werden. An der Börse (z. B. Leipziger EEX) bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis für die Zertifikate. 2011 muss der so genannte Spotmarkt ausgesetzt werden, weil Emissionszertifikate im Wert von 28 Mio. € im Computer gestohlen wurden. Auf andere CO2-Emissionswerte käme man, wenn man den Handel mit einrechnet. So würden sich die CO2-Emissionen Deutschlands um 222 Mio. t erhöhen, wenn die umweltschädlich produzierten Importe dazugezählt würden (z. B. aus China). Mittlerweile stellt der Emissionshandel für einige Firmen weniger ein Kostenfaktor dar, sondern eine Einnahmequelle. Dies betrifft vor allem die Unternehmen, die eine bestimmte Anzahl von Zertifikaten kostenfrei erhalten haben (Schutz bestimmter Branchen). Der Emissionshandel funktioniert wie folgt: Der Staat verteilt Emissionsrechte an die Unternehmen. Ein Unternehmen mit modernen Anlagen benötigt diese Rechte nicht und verkauft sie direkt oder über den Handel an der Energiebörse. Auch die Banken handeln mit CO2-Zertifikaten, die die Preisentwicklung abbilden oder Handel im Auftrag eines Kunden. Der Emissionshandel in Europa gerät immer wieder in der Diskussion, vor allem bei den steigenden Strompreisen. Die Staaten sollen stärker eingreifen. Der Umweltausschuss kämpft für die Beibehaltung. 2013 scheitert Polen mit einer Klage gegen den Emissionsrechte -Handel vor dem erstinstanzlichen Gericht der EU. Privatanlegern ist der Zugang zum Emissionshandel (EEX, Liepzig; ICE, Londen) verwehrt. Banken bieten aber Zertifikate an, die die Preise für Kohlendioxid widerspiegeln. Dies sind Spekulationspapiere (wenn der Klimaschutz verschärft wird, steigen die Preise für Emissionsrechte). Die Reduzierung der Zertifikate - Anzahl, um den Preis zu stabilisieren, scheitert 2013 im Europaparlament. Im Juli 2013 wird dann doch eine Reform beschlossen, um den Preisverfall aufzuhalten. Die CO2-Zertifikate werden dem Markt entzogen (nur noch einmaliger Verkauf). Die wird im November 2013 noch verschärft. 900 Mio. Verschmutzungszertifikate werden bis 2020 aus dem Handel genommen. So soll ein Preisanstieg erreicht werden (der Preis lag bei 5 € pro Tonne CO2, statt bei 30 €, wie geplant; Überangebot an Papieren, zurückgehend auf die Finanzkrise). Im Februar 2014 beschließen die EU-Staaten eine Reform des Emissionshandels: die zeitweise Rechteverknappung des Ausstoßes von CO2 ist zulässig. Sicher könnte das System noch besser und effizienter gestaltet werden: jährliche Mengen sinnvoller festlegen; mehr als 50% versteigern; kostenlose Rechte - Zuteilung muss nicht sein; Erlöse sinnvoller verwenden; nur rund 45% der EU-Treibhausgasemissionen werden vom EU-ETS erfasst. 2014 taucht sogar die Idee auf, dass die EZB CO2-Zertifikate kaufen soll, um danach Geld in den Klimaschutz zu stecken. Der Klimaschutz entzweit immer mehr die EU. 2015 setzen die Osteuropäer einen späteren Beginn der Emissionshandelsreform durch (erst 2021; Deutschland hatte sich für 2017 stark gemacht). Unter anderem sollen 2 Mio. Zertifikate aus dem Emissionshandel herausgenommen werden. Die EU will den CO2-Handel nach 2020 ankurbeln: Ab 2019 sollen Rechte für 1,5 Mrd. t CO2 in eine Art Ablage verschoben werden. Die Verknappung soll zu steigenden Preisen führen. Die Grenzen für kostenlose Zertifikate sollen Jahr für Jahr sinken. Ziel der ETS-Reform ist es, energieintensive Unternehmen zu mehr Investitionen in klimafreundliche Technologien zu bewegen. Die Gefahr könnte sein, dass energieintensive Branchen aus Europa abwandern. Das EU-Parlament beschließt die Reform am 08.07.15. Auf einer EU-Sitzung 2017 in Malta einigen sich die EU-Umweltminister auf folgende Änderung des EU-Emissionsrechtehandels: Die Zertifikate werden Unternehmen kostenlos zugeteilt 8bis zu 2% mehr als vorher). Erst bei größeren Mengen Kohlendioxid müssen sie kaufen. Die europäische Stahlindustrie und ihre Lobbyisten werden dahinter vermutet. Im November 2017 reformiert die EU ihren Emissionshandel: Die Regelung gilt ab 2020. Es sollen mehr Anreize zum Klimaschutz geschaffen werden. Es sollen mehr Rechte aus dem Handel genommen werden, um den Preis zu erhöhen (bis 2030 jedes Jahr 2,2 Prozent weniger Rechte). Weil Deutschland seine Klimaziele reißt, wird die Regierung Milliarden an andere EU-Länder zahlen müssen. Man will in Bulgarien, Ungarn, Kroatien und der Slowakei überzählige CO2-Zertifikate kaufen (hat Malta auch vor).

Deutsche Emissionshandelsstelle ( www.dehst.de ): Sie ist im Umweltbundesamt angesiedelt. Sie ist für den Emissionshandel und die anderen Mechanismen (Joint Implementation, Clean Development Mechanism) zuständig. Sie teilt auch die Emissionsberechtigungen zu und verändert die Menge. Vor der erwähnten Leipziger Messe liegen in der Bedeutung die Londoner European Climate Exchange (ECX, 80% des Handelsvolumens), die Osloer Nord Pool und die Pariser PowerNext. Eine Reform des Emissionshandels auf europäischer Ebene scheitert im April 2013. 900 Mio. Zertifikate werden nicht vom Markt genommen (um den Preis zu erhöhen bzw. zu stabilisieren).

Emissionshandel in der Welt: 2013 startet China ein Pilotprojekt im Emissionshandel. Einige Aspekte sprechen dafür, dass das System besser funktioniert als der Handel mit Verschmutzungsrechten in der EU. Der Handel wird in der Stadt Shenzhen gestartet. Die chinesische Regierung kann die Zertifikate jederzeit verknappen. Die chinesischen Firmen sollen klimatechnisch effizienter werden. Der CO2-Ausstoß je Produktionseinheit soll bis 2017 um mindestens 40 Prozent sinken. Der Gesamtausstoß wird wahrscheinlich noch bis 2030 ansteigen. 2014 denkt China über einen landesweiten CO2-Emissionshandel nach. Eine Studie des ZEW untersucht, wie sich der Schritt auf die Wirtschaft auswirken könnte: Hübler/ Löschel/Voigt, Designing an Emissions Trading Scheme for China - An Up-to-date Climate Policy Asessment, Paper, ZEW 2014.

Finanzierung des Klimaschutzes nach Wohlstand: 2019 gibt es in Deutschland eine Diskussion, ob die Reichen den Klimaschutz finanzieren sollten. Ärmere Menschen wohnen auf kleinerer Fläche. Reiche Menschen reisen mehr und verbrauchen auch mehr von der Umwelt. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass Umweltpolitik nicht funktionieren kann, wenn alles für alle teuer wird. Ansatzpunkt wäre eine CO2-Steuer. Je klimaschädlicher eine Aktivität ist, desto teuerer wird sie damit. Die Schweiz hat eine solche Steuer eingeführt. Das Steueraufkommen wird den Bürgern komplett zurückgegeben. Jeder Schweizer bekommt ein pauschales Energiegeld. Von dem profitieren die Armen überproportional (weil sie in kleineren Wohnungen leben). Kanada hat ein ähnliches Modell. Vgl. auch CO2-Steuer weiter unten.

Globales Preisabkommen für Treibhausgase: Die Idee stammt con W. Nordhaus (Nobelpreis 2018). Es ist die Voraussetzung für kosteneffizienten Klimaschutz. Außerdem kann jedes Land individuell handeln. Für arme Länder könnte man einen Mindestpreis einführen. Vgl. Frondel, M.: Globales Preisabkommen für Treibhausgase: ein Weg zu effektivem Klimaschutz? in: Wirtschaftsdienst 2019/3, S. 167ff.

Schadstoffgrenzwerte für Autos: Es geht um den CO2-Ausstoß. Deutschland verhindert immer wieder eine schnelle Lösung, weil es die Interessen der großen Automobilproduzenten vertritt. Für Daimler und BMW sollen flexiblere Flottenlösungen erreicht werden. Ende 2013 wird der Streit über Abgaswerte für Autos beigelegt. Deutschland stimmt dem Kompromiss für Verbrauchszahlen auf EU-Ebene zu. Um Herstellern wie Daimler und BMW entgegenzukommen, werden die Abgaswerte erst 2021 voll greifen. Neuwagen dürfen nun von 2021 an nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro gefahrener Kilometer ausstoßen. 2018 verschärft die EU die Abgasregelung. Die Emissionen von PKW sollen bis 2030 um 35% im Vergleich zu den Werten von 2021 gesenkt werden, bei Lieferwagen sollen es 30% sein. Die Flotte der Elektro- und Hybrisautos soll bis 2030 auf einen Anteil von 35% anwachsen. Gleichzeitig sollen die Autobauer  bessere Möglichkeiten bekommen, höhere Anteile von E-Autos auf ihren Gesamtflottenverbrauch anzurechnen. Ende 2018 verschärft die EU die CO2-Grenzen für Autos. Neuwagen sollen bis 2030 rund 37,5 % weniger Kohlendioxid ausstoßen. Das ist das Ergebnis eines Vermittlungsverfahrens zwischen EU-Kommission, EU-Parlament und Mitgliedsländern. Die EU-Länder wollen auch CO2-Grenzwerte für Lastwagen. Nach einer Studie des Umweltbundesamtes 2015 ist die Umweltbelastung durch Autos im Vergleich zu 1990 stark gestiegen: immer stärkere Autos, mehr Lastwagen. Die EU will den Ausstoß von Lastwagen im November 2018 reduzieren. Es gibt große Sorgen in der LKW-Branche (Daimler in Mannheim und Wörth). Ab 2030 gelten in der EU für Neuwagen scharfe CO2-Grenzwerte.

Stickstoffbelastung (Stickstoffoxide): Gasförmige Verbindungen mit den Atomen Stickstoff und Sauerstoff. Es werden starke Emissionen reaktiver Stickstoffverbindungen in Wasser, Luft und Boden für Deutschland festgestellt (Quelle: Bundesumweltministerium). Es kommt zu Schädigungen von Menschen und Natur. Hauptursachen sind die übermäßige Nutzung von Mineraldünger in der Landwirtschaft, die Kohleverstromung und der hohe Anteil von Dieselfahrzeugen. Die Bronchien verengen sich. Stickstoffoxide entstehen bei Verbrennungsprozessen. In Ballungsräumen ist der Straßenverkehr die bedeutendste Quelle. . Zwischen 2006 und 2016 sollen mehr al eine Million Autos mit unerlaubt hohem Schadstoffausstoß verkauft worden sein. Mittlerweile wird häufiger die Begünstigung von Diesel-Kraftstoff bei der Mineralölsteuer in Deutschland kritisiert ("Dieselprivileg"). Beim "Diesel-Gipfel" im August 2017 war auch sind auch Förderprogramme für Städte beschlossen worden, die über den Schadstoffgrenzwerten liegen (500 Mio. € vom Bund). Es melden sich immer mehr Städte. Die Hersteller sträuben sich gegen die Umrüstung ihrer Fahrzeuge. Die Kommunen fordern Geld für saubere Luft. Sie wollen Verkehrsprojekte. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes Ende Februar 2018 ermöglicht den Städten, Fahrverbote unter bestimmten Umständen zu erteilen. Betroffen davon sind etwa 70 Städte, die zeitweise über den Grenzwerten liegen. In RLP sind dies Ludwigshafen und Mainz. In 130 Staaten der EU leiden die Bürger deshalb. In Deutschland ist die Belastung mit Stickstoffoxiden am stärksten in den Städten Stuttgart, München, Reutlingen, Kiel und Köln.

Feinstaubplaketten: Sie werden illegal gehandelt. Besonders beliebt als Forum ist Facebook. Es gibt keine offizielle Statistik über das Ausmaß des illegalen Handels.

Fahrtverbote für Innenstädte versus Gebühren für die Wegnutzung (City-Maut): Am Beispiel von Dieselautos gibt es diese Diskussion. London und Schweden haben Erfahrungen mit der City-Maut. Diese sind eher positiv. Bei den Gebühren ist der Preis entscheidend. 2018 will die Bundesregierung die Rechtsgrundlage schaffen, damit Fahrverbote in Städten möglich sind. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes Ende Februar 2018 ermöglicht den Städten, Fahrverbote unter bestimmten Umständen zu erteilen. Betroffen davon sind etwa 70 Städte, die zeitweise über den Grenzwerten liegen (in der Öffentlichkeit am bekanntesten sind die Fälle Stuttgart und Düsseldorf). In RLP sind Ludwigshafen und Mainz betroffen. Die meisten Experten sehen die Lösung in einer blauen Plakette. Es gibt Übergangsfristen. Das Umweltbundesamt spricht sich für zwei verschiedene blaue Plaketten aus (dunkel- und hellblau, je nach Ausstoß). "Fahrverbote halten wir für keine gute Lösung. Für den Wirtschaftsstandort Stuttgart sind sie ein Eigentor", Dieter Zetsche, Chef von Daimler, 2018. Ab Februar 2019 gibt es in Frankfurt ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge (Norm Euro 4 und älter). So entscheidet das Verwaltungsgericht in Wiesbaden.

City-Maut (congestion charge): Die erste bedeutende Stadt, die eine City-Maut in Europa einführte, um das Verkehrsaufkommen in und um das Stadtzentrum zu verringern und Investitionsgelder für das Verkehrssystem zu beschaffen, war 2003 London. Fahrzeuge mit nicht-britischen Nummernschildern sind ausgenommen, aber britische Mietfahrzeuge nicht. Das Modell in London wird "Flatrate-Modell" (einmal zahlen, den ganzen Tag fahren) genannt. Im April 2019 kommt zusätzlich eine Abgasgebühr, die vor allem ältere Autos trifft. Mittlerweile haben Singapur (Mautmodell, Ausbau des ÖVP mit den Mitteln), Stockholm und Florenz ähnliche Konzepte. Stockholm handelt nach dem Prinzip "Volle Straßen, hohe Preise". Florenz hat ein Verbotsmodell: Zu ausgewählten Zeiten ist eine Zone gesperrt. Peking erlässt Fahrverbote bzw. -gebote für bestimmte Nummernschilder. Schon jetzt sind in Deutschland viele Autofahrer ohne die vorgeschriebenen Plaketten in den Umweltzonen der Städte unterwegs. Die Frage der Kontrolle stellt sich bei allen Plaketten. Im April 2019 will der Deutsche Städtetag den Gemeinden die Möglichkeit einräumen, eine City-Maut oder eine Nahverkehrsabgabe zu erheben.

Road pricing: Durch die Digitalisierung wäre eine exakte Benutzungsgebühr für Straßen möglich. Damit könnten neue Finanzierungsquellen für den Verkehr erschlossen werden. Von den Gesamtkosten her gesehen, decken die Kosten des Autos nicht die von ihm verursachten Schäden. Nach dem Verursacherprinzip müssten deshalb alle Kosten auf den Fahrer übertragen werden, auch die externen Effekte (Lärm, Abgase, Straßenverschleiß). Das Autofahren ist zu günstig. Vielleicht kommt im Zusammenhang mit den Luftproblemen in den Innenstädten eine Lösung.

Bei einer Umweltsteuer (Pigou - Steuer, Preislösung) ist der Steuersatz so zu gestalten, dass er dem Abstand zwischen sozialen Grenzkosten und privaten Grenzkosten der Produktion eines umweltschädigenden Gutes entspricht (externe Kosten). Wegen der extrem schwierigen Kostenmessungen ist dies in der Praxis schwierig umzusetzen. Einfacher ist die Besteuerung bei den anderen Produktionsfaktoren zu planen: immer sind die negativen Verzerrungen zu kalkulieren. Einkommensteuern machen Arbeit unattraktiver und senken die Beschäftigung. Trotzdem wählt man diesen Weg, je starrer das Arbeitsangebot ist. Die Kapitalertragsteuer ist insbesondere wegen ihrer Verteilungswirkung der Konsummöglichkeiten von Reich zu Arm zu wählen (optimal seien 36%). Pigou legte mit seinen Beiträgen zur Theorie externer Effekte den Grundstein für die Analyse von Umweltbelastungen. Sein zentrales Werk "Wealth and Welfare erschien 1912 (1920 Neuauflage als "The Economics of Welfare"). Seine Lehrer waren A. Marshall und H. Sidgwick.

In Deutschland war die erste Pigou - Steuer die Ökosteuer von 1999 (2006 ins Energiesteuergesetz überführt und EU-kompatibel). Insbesondere sollten die Beiträge der Sozialversicherung gesenkt werden. Erwägenswert wäre eine Öko-Steuer, die den Benzinpreis stetig steigen lässt. Die Ökosteuer sieht Ausnahmen für energieintensive Industriebranchen vor. Dieser Kreis soll 2011 eingeschränkt werden, wobei KMU und besonders energieintensive Unternehmen auch entlastet werden. In den Niederlanden wird ab 2012 Kfz-Steuer für jeden gefahrenen Kilometer gezahlt. Erfasst werden sollen die Fahrdaten durch GPS. Die EU schlägt eine weltweite Finanzmarkttransaktionsteuer vor, dessen Aufkommen für den Klimaschutz zur Verfügung gestellt werden soll. Die Bundesregierung plant eine Brennelemente - Steuer, die für Atomkraftwerke erhoben wird, die länger als geplant am Netz bleiben wollen (Gewinnanschöpfung).  Vgl. Conesa J. C./ Kitao, S./ Krüger, D.: Taxing Capital? Not a Bad Idea after All! NBER Working Paper Nr. 12880, Dez. 2007.

CO2-Steuer: Alle Energieträger werden abhängig von ihren Folgen fürs Klima besteuert. Diskutiert werden verschiedene Preise. Sie wird 2015 von der EU geprüft. Grund ist, dass 50 Prozent des EU-CO2-Ausstoßes nicht im Emissionshandel erfasst sind. In einigen Ländern gibt es eine Klimasteuer, so z. B. in Australien. Der CO2-Ausstoß hängt auch an den Diesel-Autos. Diese sind in Deutschland und Europa stark verbreitet und stoßen weniger CO2 aus. Dafür verunreinigt der Diesel mit Stickoxiden, die Krebs verursachen.  Die Städte erwägen, ihre Umweltzonen neu zu definieren. Eine Abgabe auf CO2 gerät immer wieder in die Diskussion, auch in Deutschland. Sie könnte Teil eines Klimaschutzgesetzes sein, das 2019 kommen soll. Wichtig wäre eine gerechte Verteilungsberücksichtigung. Es müsste eine Ausschüttung der Mehreinnahmen pro kopf und eine Rückerstattung geben.  Die SPD spricht sich im Europawahlkampf für eine solche Steuer aus. Die CDU tritt erst mal auf die Bremse. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung sieht 2019 Handlungsbedarf beim Klimaschutz, lehnt aber eine CO2-Steuer ab (Quelle: ARD-Deutschlandtrend). Im Juli 2019 will die Bundesregierung eine Entscheidung über die CO2-Steuer treffen. Die Grünen wollen einen sozialen Ausgleich.

CO2-Steuerodell, Konzept von Christoph Schmidt (RWI) und Ottmar Edenhofer (PIK) 2018 vor der Weltklimakonferenz in Kattowice: 1. CO2-Mindestpreis von 20 Euro. 2. CO2-Mindestpreis wird Maßstab für die Besteuerung aller fossilen Energieträger. Senkung der heutigen Stromsteuer sowie der Steuer auf Erdgas. 4. Anhebung des CO2-Mindestpreises. 5. Steuereinnahmen sollen Haushalte entlasten. Quelle: Der Spiegel Nr. 49, 1, 12. 2018, S. 27.

CO2-Aufschlag für fossile Brennstoffe (Heizöl, Erdgas, Benzin): Fossile Brennstoffe sollen teuerer werden. Strom soll im Gegenzug billiger werden (etwa durch Senkung der Ökostrom-Umlage, EEG). Das schlägt das Umweltbundesamt im Juni 2019 vor. Durch die SEnkung der EEG-Umlage würden auch die Elektromobilität und andere stromgebundene öffentliche Verkehre konkurrenzfähiger. Die CO2-Bepreisung sollte mit einem moderaten Eingangssatz im mittleren zweistelligen Eurobereich beginnen, der dann schrittweise steige.

CO2-Steuer (Konzeption von Bundesumweltministerin Schulze): Die Konzeption wurde von drei wissenschaftlichen Instituten entwickelt: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Forum für Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). Oberstes Ziel soll die Sozialverträglichkeit sein. Für 2020 wird ein CO2-Preis von 35 Euro je Tonne angenommen. Dieser soll schrittweise bis zum Jahre 2030 auf 180 Euro steigen. Bei den Benzinpreisen wird dies zunächst zu einer Mehrbelastung von rund 10 Cent pro Liter führen. Am Ende soll der Preis 54 Cent höher liegen. Umweltfreundliches Verhalten soll durch eine "Klimaprämie" belohnt werden. So kann jeder Haushalt im Schnitt das zurück bekommen, was er eingezahlt hat. Wer sich klimafreundlicher verhält (E-Auto, optimal gedämmtes Haus)  kann eine Prämie bekommen, die die Einzahlung überragt. Auch Familien mit Kindern wären begünstigt, da die Prämie pro kopf gezahlt wird. Am 18. Juli soll der Entwurf dem Klimakabinett vorgelegt werden.

CO2-Steuer (Gutachten des Sachverständigenrates für Wirtschaft/ SRW): Am 12.07.2017 legt der SRW sein Sondergutachten vor. Die Marktkräfte sollen im Mittelpunkt stehen. Heizen und Verkehr müssen teurer werden (spätesten sbis 2030). Also müssen Benzin, Diesel, Heizöl und Gas einen höheren Preis bekommen. Eine europaweite CO2-Handel für alle Sektoren wird empfohlen, notfalls auch vorübergehend nur deutschlandweit. In diesen Falle ist der SRW dafür, einen Ausgleich zu gewähren. Entscheidend sei der CO2-Preis ("ein glaubwürdiges mittel- bis langfristiges Preissignal"). Eine CO2-Steuer wird nicht abgelehnt. Kurzfristig könnte sie am stärksten wirken. Die Steuer müsse dann regelmäßig erhöht werden und für den Klimaschutz verwendet werden. Das Problem bei einer CO2-Abgabe dürfte auch der soziale Ausgleich sein. Er kann etwa direkt über eine pauschale Rückgabe je Einwohner oder einer Senkung der Stromsteuer erfolgen. Grenzüberschreitende Ungerechtigkeit könnte durch einen Grenzausgleich (Border Tax Adjustment) bekämpft werden. Dabei würden Importgüter entsprechend den mit ihrer Produktion verbundenen Emissionen belastet, während Exporteure die mit der Produktion entstandenen CO2-Kosten an der Grenze zurück erhielten..

Ausweitung des CO2-Zertifikatehandels auf die Bereiche Gebäude und Verkehr: Das ist die Alternative zur CO2-Steuer. Bei der Steuer wären die kosten klar definiert und die Auswirkungen auf Bürge rund Wirtschaft klarer vorhersehbar. Doch auch hier besteht keine Garantie auf die Erreichung des CO2-Abbauziels. Bei Zertifikatshandel wird die gewünschte Kohlendioxidmenge politisch festgelegt, die gesellschaftliche (inklusive volkswirtschaftliche) Belastung ist schlecht zu prognostizieren.

Besteuerung von fossilen Energieträgern: Die Besteuerung orientiert sich nicht an CO2. Zum Beispiel wird bei der Verbrennung von Diesel mehr CO2 freigesetzt, also könnte man hier höhere Steuern erheben. Kerosin, das Flugbenzin, ist immer noch steuerbefreit. Das Steuersystem müsste anders ausgerichtet werden. Bisher sind weder Energie- noch Kraftfahrzeugsteuer steuersystemisch konsistent. Beide Steuern entsprechen weder dem Leistungsfähigkeits- noch dem Äquivalenzprinzip. Die Energiesteuer müsste in Abhängigkeit von der bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe freiwerdenden Menge an Kohlendioxid erhoben werden. Dann könnte man die KFZ - Steuer ersatzlos streichen.

Ökobonus: Konsequente CO2-Bepreisung (Internalisierung externer Kosten) bei Berücksichtigung sozialer Gerechtigkeit. Methoden: 1. Direkte Verknüpfung von Einnahmen und Ausgaben. 2. Abschwächung regressiver Belastungswirkungen. Vgl. Held, Benjamin: Der Ökobonus - Instrument für eine sozial gerechte Umwelt- und Klimapolitik, in: Wirtschaftsdienst 2019/1, S. 53ff.

Brennelementesteuer: Das Bundesverfassungsgericht erklärt im Juni 2017 die Steuer auf Brennelemente in Kernkraftwerken für nichtig. Die Brennelementesteuer sei keine Verbrauchssteuer wie etwa die Mehrwertsteuer. Besteuert werde vielmehr das Produktionsmittel. Eine solche Steuer sei im Grundgesetz nicht vorgesehen.  Sie war 2011 von der damaligen schwarzgelben Bundesregierung eingeführt worden. Es geht um sechs Milliarden Euro für RWE, Eon und EnBW. Das Geld sollte für die Sanierung maroder Atommülllager verwendet werden.

Mehrwertsteuersatz bei landwirtschaftlichen Produkten: Hier gilt in der Regel der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent (tierische Produkte wie Fleisch und Milch). Sonst wird er normale Mehrwertsteuersatz berechnet, der bei 19 Prozent liegt. Da die Viehhaltung besonders umweltschädlich sei (wegen CO2-Ausstoß) gibt es Pläne, landwirtschaftliche Produkte normal zu besteuern (im Rahmen einer Subventionsstudie des UBA). Dafür findet sich zunächst keine Mehrheit. Dafür spricht, dass das eingenommene Geld für Umwelt- und Klimaschutzprojekte verwendet werden könnte. Dagegen spricht, dass Teile der Landwirtschaft dem Naturschutz dienen (Schafherden, Almen u. a.). Der Fleischverbrauch ist mit ca. 60 kg pro Kopf pro Jahr relativ hoch. Für die Viehhaltung müssen viele Pflanzen (vor allem Soja) angebaut werden.

Mehrwertsteuerreform: Schweden führt ein, dass Reparaturen mit einem geringen Mehrwertsteuersatz besteuert werden. Damit soll umweltschonendes Handel und der Arbeitsmarkt angeregt werden. Für die Steuererleichterungen hat die Regierung 76,5 Mio. Euro eingeplant. Auch der Hadel mit Gebrauchtwagen soll gefördert werden.

KfZ-Steuer-Reform (auch Dieselsteuer): 2009 wurde teilweise der CO2-Ausstoß einbezogen (in Deutschland und anderen europäischen Ländern). Der Bund erhielt die Ertragskompetenz. Damit rückt sie näher an die Energiebesteuerung. eine Klimasteuer ist noch nicht entstanden. Vgl. Gawel, E.: KfZ-Steuer-Reform und Klimaschutz, in: Wirtschaftsdienst 2011/2, S. 137ff. Die EU will 2012 die Klimaauflagen für Autos schärfer gestalten. Ab 2020 sollen nur noch 95 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer zugelassen werden. Die deutschen Premium-Firmen (BMW, Audi, Daimler) leisten erfolgreiche Lobby-Arbeit. Der Berechnungsfaktor wird geändert (z.B. Elektroautos gegen gerechnet, auch Verschiebung). BMW zahlt auch eine Parteispende in Höhe von fast 700.000 € an die CDU. Ende 2013 wird der Streit über Abgaswerte für Autos beigelegt. Deutschland stimmt dem Kompromiss für Verbrauchszahlen auf EU-Ebene zu. Um Herstellern wie Daimler und BMW entgegenzukommen, werden die Abgaswerte erst 2021 voll greifen. Neuwagen dürfen nun von 2021 an nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro gefahrener Kilometer ausstoßen. Die Abgasmessung bei Autos ist sehr umstritten. Bei der Messung gelten Laborbedingungen. In der Praxis sind die Werte höher. Eklatant ist der Unterschied bei Dieselmotoren von VW. Wegen Softwaremanipulation in den USA gerät der Konzern im September 2015 in eine große Krise. VW einigt sich im April 2016 mit den US-Behörden. Die Länder können sich 2016 nicht auf eine Abschaffung der Steuererleichterungen für Diesel einigen. Die Umweltminister vieler Bundesländer hatten das gefordert. Stattdessen kommt eine zusätzliche blaue Plakette, die bei schlechten Umweltwerten die Innenstädte schützt. Bei vielen Autofirmen werden 2016 auffällige CO2-Werte gemessen. Das Verkehrsministerium will Nachmessungen veranlassen, da vom CO2 auch die Steuern abhängen.

Grundsteuer - Differenzierung gegen Zersiedelung der Landschaft: Der Nabu hat diese Konzeption entwickelt. In intensiv genutzten Flächen innerorts sollte die Grundsteuer gesenkt werden. Auf unbebauten Flächen sollte sie dagegen erhöht werden.

Umweltfreundlicher Straßenverkehr: Aber auch ein umweltfreundlicherer Straßenverkehr wird die Automobilindustrie massiv verändern: Die Umweltbilanz der Autos muss besser werden. Es muss eine flächendeckende Ladestruktur eingerichtet werden. Die Produzenten müssen ihre Wertschöpfungsketten verändern: 70% fallen im Schnitt auf Zulieferer. Beim Elektro-Auto würden sie so untergehen. Der Staat muss massiv  eingreifen. Er sollte als Generalplaner auftreten und Anschubfinanzierungen geben

Umweltschädliche Subventionen: Diese könnten abgebaut werden. Das Umweltbundesamt (UBA) beziffert diese für 2012 auf 57 Mrd. Euro. Der größte Teil betreffe den Energie- und Verkehrssektor. Aber auch im Agrarsektoren setzen Subventionen falsche Anreize. Nach dem Brexit von GB will die EU die Agrarsubventionen zugunsten von Großbetrieben auf die Förderung von nachhaltiger Wirtschaft umstellen.

Verhandlungslösungen: Zur Einschätzung effizienter Verhandlungslösungen wird in der Regel auf das Coase-Theorem zurückgegriffen. Hierbei werden Transaktionskosten einbezogen.

Genossenschaftsmodell: Es geht auf Friedrich Wilhelm Raiffeisen zurück. Er wurde 1818 in Hamm/Sieg geboren und starb 1888 in Heddesdorf/ Neuwied (kurz vor dem Ehrendoktortitel der Uni Bonn), wo auch sein Grab ist. Er wuchs ohne Vater auf, stark geprägt von seinem Onkel, der evangelischer Pfarrer in Hamm war. Raiffeisen musste den Militärdienst früh wegen eines Augenleidens aufgeben. Das Genossenschaftswesen erlebt heute eine Renaissance auf der Welt. Raiffeisen ist außerordentlich bekannt in Japan und Indien sowie Brasilien (starker Tourismus in den Wirkungsstätten). In Weyerbusch/ Westerwald, wo Raiffeisen seine erste Bürgermeisterstelle hatte, entwickelte er 1845 die Idee des Brotvereins (Getreide für Arme auf Kredit; reiche Bürger sind Bürgen). Von dort ließ er die Historische Raiffeisenstraße bauen (heute B 256), damit die Bauern auch in den Städten verkaufen konnten. Die zweite Bürgermeisterstelle hatte er in Flammersfeld/Ww.. Hier gründete er den Hilfsverein für bedürftige Landwirte. Dies war der Kern der Genossenschaft, die heute weltumspannend ist (Antrag auf immaterielles Weltkulturerbe). Zuerst waren die Genossenschaften in der Landwirtschaft (Molkereien, Winzergenossenschaften, Märkte). Wichtig war der sichere Preis für die Erzeuger. Heute wird die Idee auch im Energiebereich umgesetzt (Solarparks, Windparks; z. B. Maxwäll - Energiegenossenschaft). Bei seiner dritten Bürgermeisterstelle in Heddesdorf bei Neuwied  gründete er die erste Genossenschaftsbank. Prinzip war "Hilfe zur Selbsthilfe" (wie heute bei den Mikrokrediten). 1889 kam ein Genossenschaftsgesetz im Deutschen Reich, das zum Vorbild in vielen Ländern wurde (auch stark geprägt von Schulze-Delitzsch der im Reichstag saß). Raiffeisen war Sozialreformer, Helfer der Armen, Vater des Raiffeisengedankens, Begründer der Genossenschaftsidee. Heute gibt es in Deutschland nicht nur die regionalen Raiffeisenbanken, sondern auch die Deutsche Zentrale Genossenschaftsbank (DZ, Berlin, Frankfurt) und die WGZ-Bank als überregionale Banken. Die Genossenschaft als Finanzierungsmodell ist wegen der Finanzkrise und den Auswüchsen auf den Finanzmärkten wieder stark im Kommen. Genossenschaften sind Zusammenschlüsse vieler Personen, die ein Geschäft betreiben wollen. Vorrangig geht es nicht um Gewinn, sondern um Vorteile. 973 Energiegenossenschaften waren Ende 2014 in Deutschland registriert.

Genossenschaft und nachhaltiges Wirtschaften: 1. Soziale Verantwortung gegenüber ihren Mitgliedern. 2. Genossenschaften werden von Mitgliedern getragen und sind demokratisch. "Was der Einzelne nicht vermag, das vermögen viele". 3. Die Mitglieder sind am inneren Wert der Genossenschaft beteiligt. 4. Genossenschaften sind regional orientiert. 5. Eine Genossenschaft praktiziert Kooperation und ein adäquates Prüfwesen. 6. 2016 werden Genossenschaften zum UN-Weltkulturerbe.

Umweltsubventionen: Mit diesen werden in der Regel alternative Energieformen gefördert. Am bekanntesten ist die Förderung für Solaranlagen auf Dächern. Ab 1. Juni 2010 soll diese um 16% gekürzt werden. Es soll eine "Überförderung" vermieden werden, die Solarindustrie fürchtet ihre internationale Spitzenstellung zu verlieren. Inzwischen wird erwogen, auch Zölle auf CO2-intensive Produkte als umweltpolitisches Instrument einzuführen. Die höchsten Subventionen für Ökostromerzeuger fließen nach Bayern (1101 Mio. € 2011). Dann folgen Schleswig-Holstein und Brandenburg.

Agrarsubventionen der EU: 80% der Flächenprämien gehen an das reichste Fünftel der Landbewirtschafter.  Das sind Großbetriebe, zum Teil auch in Osteuropa. Das fördert Spekulationen in Landwirtschaft. Für die Umwelt ist ein Umsteuern dringend erforderlich. So müssten kleine Höfe und Landschafts- sowie Umweltschutz gefördert werden.

Autos, KFZ: Die EU-Kommission beschließt 2017, der Autoindustrie schärfere Vorgaben für den Spritverbrauch zu machen. Zwischen 2021 und 2030 soll der Ausstoß von CO2 pro gefahrener Kilometer bei Personenwagen um 30 Prozent sinken. Der Absatz emissionsarmer Fahrzeuge soll angekurbelt werden (bei weniger als 40 Gramm CO2 pro Kilometer Erleichterung bei den CO2-Zielen anderer Fahrzeugkategorien. Es soll auch verbindliche Zwischenziele für 2025 formuliert werden. Es kommt keine EU-Quote für Elektroautos. Die Effizienz bei Motoren hat zwar zugenommen. Aber dafür sind im Straßenverkehr die Fahrzeuge größer und schwerer geworden. 60% aller Emissionen des Verkehrssektors entfallen darauf. Wahrscheinlich geht es nicht ohne staatliche Eingriffe: CO2-Steuer, höhere PKW- und LKW-Maut? Ende Juni 2019 findet ein Autogipfel im Kanzleramt statt. Er bringt nicht viel. Es gibt allgemeine Erklärungen.

Tempolimit: Es gibt immer wieder Initiativen und Vorschläge in Deutschland. Am häufigsten ist der Vorschlag für 130 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen. Die Bundesregierung spricht sich im Januar 2019 gegen ein Tempolimit aus. Die Diskussion leidet unter unter einem Mangel an evidenzbasierten Daten. Kausale Zusammenhänge müssten empirisch besser erforscht werden. Vgl. auch: Habla, W./ Huwe, V./ Kesternich, M.: Tempolimits und Grenzwerte: für eine evidenzbasierte verkehrspolitische Debatte, in: Wirtschaftsdienst 2019/5, S. 330ff.

Peak Car: Höchster Punkt der privaten Autonutzung. Er könnte bald erreicht sein. Es ist der Moment, in dem in Industriestaaten Autoverkäufe und mit dem eigenen Auto zurückgelegte Kilometer nicht weiter steigen, sondern auf einem Stand verharren oder zu sinken beginnen.

Diesel-Autos: Bei VW-Modellen in den USA wird eine Manipulation der Abgaswerte festgestellt. Auf VW kommen hohe Forderungen, vor allem in den USA, zu. Immer mehr Führungskräfte von VW werden in den Skandal hineingezogen. Bosch, das die Hard- und Software zur Verfügung gestellt hat, ist noch außen vor. In Deutschland strengt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Prozesse an vor Verwaltungsgerichten. Sie bekommt in Düsseldorf Recht. Fahrverbote für Dieselfahrzeuge sollen die Stickstoffdioxidbelastung senken. Die EU eröffnet ein Verfahren gegen Deutschland. Sie hält die Reaktion auf den Abgas-Skandal für unzureichend. Das Bundesumweltministerium schafft für Kommunen die Möglichkeit, eine Verbotszone einzurichten, in der nur umweltfreundliche Autos zeitweise fahren dürfen. Das Umweltbundesamt plädiert im März 2017 für eine Abschaffung des Dieselprivilegs (steuerliche Begünstigung). Der Ausstoß von Treibhausgasen ist 2016 wieder gestiegen (Niveau von 2009). Die Dieselmotoren von Mercedes sollen ähnlich dreckig wie die Skandalautos von VW sein. 2017 macht das Umweltbundesamt Überprüfungen von Dieselautos. Sogar Euro 6 Diesel sind viel schmutziger als angegeben. Der Stickoxidausstoß im Alltag ist wesentlich höher als unter Laborbedingungen. Auch Audi gerät 2017 zunehmend unter Druck. Genauso Porsche. Das Schicksal des Diesels dürfte sich aber in China entscheiden (wenn dort Verbote kommen). BMW und Audi geben Ende 2017 bekannt, dass sie viele Diesel umrüsten wollen. Bayern macht einen Diesel-Gipfel: neue E-Ladesäulen, öffentlichen E-Verkehr fördern, Kaufanreiz für neue Diesel-Autos. Im Juli 2017 bestellt der Bundesverkehrsminister Daimler ein. Es geht um Vorwürfe wegen hoher Abgaswerte bei Dieselautos. Zwischen 2006 und 2016 sollen mehr al eine Million Autos mit unerlaubt hohem Schadstoffausstoß verkauft worden sein. Mittlerweile wird häufiger die Begünstigung von Diesel-Kraftstoff bei der Mineralölsteuer in Deutschland kritisiert ("Dieselprivileg"). Beim "Diesel-Gipfel" im August 2017 sind auch Förderprogramme für Städte beschlossen worden, die über den Schadstoffgrenzwerten liegen. Es melden sich immer mehr Städte. Ursprünglich sollte die Umrüstung des Verkehrs in den betroffenen Städten mit 500 Mio. € gefördert werden. Später werden noch mal 500 Mio. € drauf gelegt. Die Hersteller sträuben sich gegen die Umrüstung ihrer Fahrzeuge. Die CSU will nur mitregieren in einer zukünftigen Koalition , wenn der Verbrennungsmotor bleibt. Die Grünen wollen dies nur, wenn Ende der nächsten Legislaturperiode das Ende des Verbrennungsmotors ins Auge gefasst wird. Merkel spricht von Brückentechnologie, die man noch Jahrzehnte brauche. Ende November 2017 findet wieder ein Diesel-Gipfel mit Kommunen statt, die stark betroffen sind. 2017 sinkt der Dieselabsatz um -12%. Das Ende der Diesel-Subvention müsste eigentlich nächste Legislaturperiode kommen (ursprünglich wollte man damit Nutzfahrzeuge fördern). Auch der Bundesrechnungshof empfiehlt im Dezember 2017 das Steuerprivileg für den Diesel aufzugeben. Der Deutsche Städtetag fordert die Blaue Plakette. VW will Ende 2017 einen Sonderprüfer in der Abgasaffäre verhindern, scheitert aber vor dem Bundesverfassungsgericht. Der Gebrauchtwagenmarkt für Dieselfahrzeuge stockt immer mehr (Autos stehen länger auf dem Hof der Händler). Mittlerweile ist es technisch möglich, Diesel aus Kohlendioxid herzustellen, der fast klimaneutral ist (RWTH Aachen). Bosch fordert zur Rettung der Diesel-Technik mehr Transparenz an. Die Bundesregierung erwägt im Februar 2018, die Nachrüstung schmutziger Dieselautos vorzuschreiben. Im März 2018 gibt es eine Razzia bei BMW. Damit stehen schon drei deutsche Firmen im Diesel-Skandal am Pranger (Daimler, BMW, VW). Der Druck aus der Öffentlichkeit, dem Städtetag, den Landesregierungen und der Bundesregierung auf die Autoindustrie wächst, Hardware für ältere Diesel nachzurüsten. Der Dieselanteil ist im ersten Halbjahr 2018 europaweit gesunken. In immer mehr Städten sprechen die Verwaltungsgerichte Fahrverbote aus. Es geht um die Kostenverteilung. Experten empfehlen als Hardwarenachrüstung im September 2018 den SCR-Kat. Die Zahlung ist umstritten (Eigentümer, Industrie, Steuerzahler). Im Oktober 2018 zahlt Audi 800 Mio. € Bußgeld wegen der Dieselmanipulationen. VW bietet ab Herbst 2018 Rabatte fürs Verschrotten. Im Einzelfall werden bis zu 10.000 € für alte Diesel der Schadstufen 1 bis 4 beim Kauf eines neuen Autos geboten. Die deutschen Autobauer geraten beim Dieselbetrug 2019 immer mehr in Bedrängnis. Das Kanzleramt scheint hingegen die Industrie weiterhin stark zu unterstützen. Wie will man dies der Bevölkerung vermitteln? Als erste Stadt der Welt sperrt 2017 Oslo in Norwegen Dieselautos aus. Bis 2024 sollen alle Autos mit Verbrennungsmotor aus der Innenstadt ausgesperrt werden. In Stuttgart haben ältere Diesel, die nicht die Abgasnorm Euro 6 erfüllen, in kritischen Phasen Fahrverbote in der Stadt. Im März 2017 gibt es eine Razzia bei Audi wegen des Dieselskandals. Noch 2017 plant München ein Fahrverbot für Diesel. Es findet in Berlin im August 2017 ein Dieselgipfel statt. Die deutschen Autofirmen sagen Software - Updats zu. Sie geben Anreize für den Verkauf älterer Diesel-Autos. Der japanische Autobauer Nissan bietet eine Innenstadtgarantie (Absicherung im Falle von Fahrverboten).  2018 gerät VW zusammen mit Daimler und BMW in den USA wieder negativ in die Schlagzeilen: Umstrittene Tierversuche mit Affen, die Dieselabgase einatmen müssen, sorgen für Unruhe (gemeinsames Lobby- und Forschungsinstitut "EUGT"). VW entschuldigt sich. Heraus kommt auch, dass die RWTH Aachen Stickoxid-Tests mit Menschen gemacht hat (isolierte Auswirkungen). Ergebnisse sind wohl für Werbezwecke der Auto-Industrie missbraucht worden. VW trennt sich von Chef-Lobbyist Thomas Steg. Mallorca will 2018 Diesel-Autos von der Insel verbannen. Als erste deutsche Stadt erlässt Hamburg ab 31. Mai 2018 Dieselverbote auf ausgewählten Straßen. Das Bundesverkehrsministerium gibt im Mai 2018 Daimler eine Zweiwochenfrist, um die Manipulation beim Transporter Vito aufzuklären. Später muss Daimler 238.000 Dieselfahrzeuge zurückrufen. Ein Dieselfahrverbot droht im Juni 2018 auch in Aachen. Auch Stuttgart könnte noch folgen. Im Juni 2018 verschicken die Städte Ludwigshafen, Mainz und Koblenz erste Stilllegungsverfügungen für Diesel-Autos. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig verurteilt VW am 13.06.2018 zu einer Strafe von 1 Mrd. € in der Dieselaffäre (Aufsichtspflichtverletzung, Ordnungswidrigkeit). Das Geld geht an die Staatskasse. VW akzeptiert das Urteil und legt keine Rechtsmittel ein. Am 18.06.18 wird Audi-Chef Rupert Stadler in Untersuchungshaft genommen wegen der Diesel-Affäre (Verdunklungsgefahr). Der VW-Aufsichtsrat beurlaubt ihn. Ab 1. Januar 2019 will Stuttgart Fahrverbote für ältere Dieselautos einrichten (Euro-Abgasnorm 4 und schlechter). Ab Februar 2019 gibt es in Frankfurt ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge (Norm Euro 4 und älter). So entscheidet das Verwaltungsgericht in Wiesbaden. Der Bundesverkehrsminister Scheuer schließt im September 2018 eine Nachrüstung direkt am Motor von Dieselfahrzeugen (Hardware-Lösung) nicht mehr aus. Porsche gibt im September 2018 als erster deutscher Autobauer bekannt, keine Dieselmotoren mehr in seinen Fahrzeugen zu verwenden. Bundesverkehrsminister Scheuer kündigt Ende September 2018 ein staatliches Förderprogramm für Hardware-Nachrüstungen bei Nutzfahrzeugen an. Eine Gesamtlösung für ältere Dieselfahrzeuge soll am 01.10.18 beschlossen werden. Es kommt eine Kombination der Elemente (Umrüstung, Haftung Nachrüster, Einbauten in Altfahrzeugen von Technik und Kostenverteilung her umstritten + Umtauschaktion: Neukauf mit Prämien oder Gebrauchter). Vorerst gilt dies nur für bestimmte Regionen (besonders belastete Städte, 14). Es bleiben viele offene Fragen. Die Autobauer wollen sich unterschiedlich engagieren. Nach Urteilen in Hamburg, Frankfurt und Stuttgart sollen auch Teile der Berliner Innenstadt zur Sperrzone für Dieselfahrer werden. Die Fahrverbote sollen ab Juni 2019 gelten. Der Bundesverkehrsminister unterstreicht im Herbst 2018 im Kampf gegen Fahrverbote und Luftverschmutzung immer wieder die Verantwortung der Hersteller. Im Oktober verhängt das Verwaltungsgericht Fahrverbote in Mainz ab 01.09.2019, wenn die Werte dann noch überschritten werden (Zeitpuffer: erste Halbjahr 2019; bis 01.04.19 Luftreinhalteplan). Die Porsche SE, die VW-Dachgesellschaft, muss fast 47 Mio. Euro Schadensersatz wegen des VW-Dieselskandals zahlen (Urteil des Landgerichts Stuttgart). Im November 2018 verhängt das Verwaltungsgericht Köln Fahrverbote für Dieselautos in Bonn und Köln ab 01.04.2019 für Euro IV und älter (ab 01.09.2019 für Euro V). Die Autoindustrie und das Bundesverkehrsministerium einigen sich im November 2018 auf einen Kompromiss ("Diesel-Kompromiss"): Daimler und VW sind bereit zur Nachrüstung älterer Diesel. Autobesitzer in den 15 besonders mit Stickoxiden belasteten Städte werden bei der Hardware-Nachrüstung unterstützt. Das Kraftfahrt-Bundesamt gerät im November 2018 in die Kritik von ADAC und Verbraucherzentrale: Die Behörde bevorzugt deutsche Automarken. Im November 2018 kommen auch Fahrverbote für ältere Diesel-Autos in Essen und Gelsenkirchen. Mit der A40 ist die erste Autobahn betroffen (ab Juli 2019 nur noch Euro 5 und 6). In Darmstadt kommt es Ende 2018 erstmals zu einem Vergleich. Ab 01. Januar tritt das erste Diesel-Fahrverbot in Deutschland in Stuttgart in Kraft. Im Februar 2019 stärken die Richter am Bundesgerichtshof die Position von Diesel-Besitzern: Illegale Abschalteinrichtungen in Diesel - PKW sind ein Sachmangel. So steigen die Chancen für Schadensersatz. Im April 2019 gibt es Verdacht wegen Abgasschummelei bei Daimler (GLK 220 CDI). Das Kraftfahrtbundesamt ordnet einen Rückruf an. Im April 2019 erfolgt auch die Anklage gegen den Ex-VW-Chef Winterkorn in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft ihm besonders schweren Betrug vor. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe und könnte millionenschwere Bonuszahlungen verlieren. Im Mai 2019 werden Bosch und Porsche zu Strafzahlungen verurteilt.

Dieselabgase: Das Umweltbundesamt unterscheidet bei der Stickstoffdioxid - Messung Intensivstädte und belastete Städte mit einer geringen Überschreitung ("nicht verhältnismäßig") . Zu den Intensivstädten rechnen 14 deutsche Städte mit einem Ausstoß von über 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Nach der neuesten Liste gehört dazu auch Frankfurt, so dass die Liste 15 Städte enthält. Es handelt sich um einen EU-Grenzwert (Jahresmittelwert in Frankfurt 2017 54 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft). Die Bundesregierung will Fahrverbote in 51 Städten abwenden. Sie will Fahrverbote für unverhältnismäßig erklären lassen. Damit sind geringfügigere Überschreitungen zwischen 40 und 50 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft gemeint. Dann würden den Werten nach noch 14 von 65 Städten übrig bleiben mit Fahrverboten. Auch bei der Kontrolle eines Fahrverbotes gibt es Streit: Städte bevorzugen eine blaue Plakette. Das Bundesverkehrsministerium plädiert für Diesel - Check - Points.

Dieselfonds: Kommunen, die extrem mit Stickoxid belastet sind, können finanzielle Hilfen erhalten. Er kommt 2017 allerdings schleppend voran. Bisher gibt es noch keine Förderrichtlinien. Die Kommunen warten auf das Geld zur Verbesserung der Luft. Pauschale Fahrverbote sollen vermieden werden. Die Mittel sollen in die Elektrifizierung des Verkehrs (350 Mio. €), Nachrüstung von Dieselbussen (150 Mio. €) und Digitalisierung (500 Mio. €, z. B. Fahrgastinformationssysteme) gesteckt werden. Von den 1 Mrd. Euro sollen 240 Mio. von der Autoindustrie kommen. Ausländische Autobauer wollen sich nicht am Milliarden-Fonds beteiligen. AKK erweitert im Herbst 2018 diese Idee: Die Bußgelder der Dieselfahrer sollten auch in den Fonds statt in die Haushalte der jeweiligen Länder fließen. Am 03. Dezember 2018 beim Dieselgipfel im Kanzleramt werden die Mittel aufgestockt (doppelt so viel als bisher). Es gibt jetzt fast 1 Mrd. €. Es wird Sofortprogramm "Saubere Luft" genannt. Zusätzlich gibt es 500 Mio. € für die Umrüstung der Hardware von Kleinlastern. Die Städte fordern eine Verstetigung der Mittel. Wieder kommt die Forderung nach mehr Geld von der Automobilindustrie.

Dieselsteuer-Privileg: Diesel wird in Deutschland geringer versteuert als Benzin. Wären die Stuersätze gleich, hätte der Staat allein 2018 8,2 Mrd. € Mehreinnahmen gehabt und in den letzten drei Jahren mehr als 25 Mrd. € (Quelle: BMVI). Auch Kerosin ist ganz steuerbefreit.

Modell Dudenhöffer: Ferdinand Dudenhöffer, Mobilitätsprofessor an der Uni Duisburg/Essen, schlägt ein Modell vor. Otto- und Dieselmotoren sollten gleich besteuert werden sowie die Kfz-Steuer sollte angeglichen werden. Mit den Einnahmen könnte der Staat Diesel-Eigentümern einen Gutschein für die Umrüstung finanzieren (Steuern für Nachrüstung).

LKW- und PKW-Maut: In Deutschland soll die PKW-Maut ab Oktober 2020 eingeführt werden. Die deutschen Autofahrer sollen bei der PKW-Steuer entlastet werden. Der Europäische Gerichtshof entscheidet im Juni 2019, dass dieses Vorhaben gegen europäisches Recht verstößt. Damit ist die PKW-Maut, ein Lieblingskind der CSU, in Deutschland vorläufig aus Eis gelegt.

CO2-Grenzwerte für LKW: Erstmals beschließt die EU im Februar 2018 verbindliche Vorgaben für den Ausstoß des klimagases für den Spritverbrauch schwerer Lastwagen. Bis 2020 soll der Ausstoß um 15% und bis 2030 um 30% gesenkt werden.

Städtemaut bzw. Toxicity-Charge: Der Sachverständigenrat für Wirtschaft hält in seinem Jahresgutachten im Herbst 2018 die Städtemaut für eine bessere Lösung als Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Preisliche Mechanismen seien besser, um Emissionen von Stickoxiden, Feinstaub oder Ähnliches zu reduzieren. Als Vorbild gilt London, das seit 2017 die "Giftmaut" erhebt.

Deutsches Institut für Verbrauchs- und Emissionsmessungen (Divem): Es wird 2017 eingerichtet und soll Verbrauchs- und Abgasmessungen unter realen Bedingungen durchführen. Die Transparenz für Verbraucher soll dadurch steigen. In einem Beirat sollen alle relevanten Akteure vertreten sein.

Elektroautos: Eine weltweit beispiellose Förderung von Elektroautos gab es in Norwegen. Von 2012 bis 2015 ist das Land zum Elektroautoland aufgestiegen. 2015 gab es 60.000 Elektroautos (Deutschland 24.000). Die Subventionen und Privilegien haben ganz schnell gewirkt: Befreiung von der Mehrwertsteuer, kostenloses Parken, Befreiung von Maut und Benutzung von Busspuren. Vor allem wohlhabende Stadtbewohner haben sich E-Autos angeschafft. Diese verstopfen Busspuren, so dass der Rest der Bevölkerung darunter leidet. Deshalb soll die Förderung aus sozialen Gründen beendet werden. Wenn wirklich Elektroautos solche mit Verbrennungsmotor ablösen, steht ein Umbruch der deutschen Industrie bevor. Die meisten Antriebskomponenten der E-Autos sind billig. Die Hochspannungsbatterien werden von Samsung, Panasonic und LG hergestellt. Gut 750.000 Menschen arbeiten in der deutschen Autozulieferungsindustrie.  2016 zeichnet sich eine Förderung von Elektroautos ab. Deutsche Hersteller haben 2016 etwa 30 Modelle von E-Fahrzeugen im Angebot. Die Förderung beträgt dann pro E-Auto 4000 € (Hybrid 3000; Hersteller und Staat teilen den Aufwand; Umweltbonus ist die Bezeichnung). 10 Jahre werden diese Autos dann steuerbefreit. Der Umweltbonus ist ordnungspolitisch sehr umstritten, weil es sich um eine Subvention für Automobilfirmen handelt. Nutznießer der Prämie scheinen vor allem die Händler zu sein. Die staatliche Prämie scheint aber kein guter Anreiz zu sein.   Die Bundesregierung erwägt, eine Quote für Elektroautos bei den deutschen Automobilproduzenten einzuführen. Die zunehmende Abkehr vom Verbrennungsmotor bringt viele Jobs in Deutschland in Gefahr (100.000?). Es könnte zu einer Pleitewelle bei Zulieferern kommen. Sehr umstritten ist die These, dass Elektroautos nachhaltiger und umweltfreundlicher als Diesel und Benziner sind. Berücksichtigt werden muss die Produktion, das Fahren und die Entsorgung. Bei der Produktion sind herkömmliche Autos normalerweise umweltschonender. Beim Fahren sind E-Autos besser für Vielfahrer und Kurz- und Mittelstreckler. Die Entsorgung hängt vom Akku ab, wo man die Fortschritte schwer einschätzen kann. Anfang des 20.Jahrhunderts konstruierte Porsche-Gründer Ferdinand Porsche die ersten Elektroautos der Welt. Auch Siemens baute bis 1927 16.000 Elektroautos. Einige Politiker wollen eine Mindestquote für Elektroautos einführen. China will mit der Elektromobilität den weltweiten Automarkt revolutionieren. Nur die chinesischen Autokunden wollen 2017 noch nicht. Ab 1. Januar 2017 macht China aber Ernst: Es kommt die Quote. Jedes zehnte in China abgesetzte Auto muss ein Elektro- oder Hybridfahrzeug sein (unterschiedliche Punktzahl). Ab 2030 sollen in Paris nur noch Elektroautos erlaubt sein. Die Technologie gezielt Sonne zu tanken kann immer weiter entwickelt werden. Solarzellen sorgen dafür, dass E-Autos dann geladen werden, wenn sie sowieso stehen. Das Bundesverkehrsministerium will noch 2018 Elektro - LKW fördern. Elektroautos sind eigentlich ökologisch nur sinnvoll, wenn sie mit sauberer Energie fahren. Im Moment ersetzt der Ökostrom nur den ebenfalls Kohlendioxyd neutralen Atomstrom. Es wird auch immer mehr gefahren. Die BASF hat neue Batteriematerialien entwickelt, mit denen ab 2025 E-Autos billiger werden können. Bei Elektro-Autos müssen bei der Umweltverträglichkeit Produktion, Entsorgung der Batterien und Strom-Mix bei der Aufladung berücksichtigt werden. Bei der Berücksichtigung dieser Punkte stoßen E-Autos noch -16% an CO2-Emissionen aus. Nach VW gibt auch Daimler im Mai 2019 bekannt, langfristig nicht mehr auf Verbrennungsmotoren zu setzen. "Der Umwelt-Vorteil der E-Autos ist dabei, durch die Nachteile wieder aufgefressen zu werden", Bard Norheim, Norwegischer Transportexperte. Größter Hersteller von E-Autos ist 2017 BYD aus China vor BAIC aus China, vor Tesla aus den USA. Dann folgt schon BMW aus Deutschland. VW liegt auf platz sechs vor wiederum zwei chinesischen Firmen: Geely, SAIC. Frühestens 2019 könnte Deutschland die Führung übernehmen. Das wird aber schwierig, weil China die Supermacht der Elektromobilität ist: größter Markt und größter Anbieter. In Norwegen sind 2017 über 50% aller Autos Elektroautos. Die Post und Ford bauen zusammen größere E-Transporter ab 2017 (Streetscooter Work XL). Die Post ist mittlerweile Deutschland größter E-Auto-Produzent. Weltweit sind schon bis 2017 92.000 kleinere Modelle im Einsatz, die in Aachen  gebaut werden. Tesla (Model S) hat 2017 die größte Reichweite aller Elektroautos. Im März 2018 gibt es erst 1274 öffentlich zugängliche Schnellladesäulen für E-Autos. Die meisten sind in B. - W. vor Bayern. Ab 2018 will die Bundesregierung Elektro-Dienstwagen steuerlich bevorzugen (Anreiz, um vom Diesel umzusteigen). 

Förderung der E-Autos in Deutschland (Umweltbonus): Nach drei Jahren Ende Juni 2019 sollte die Förderung für E-Autos auslaufen (2000€ vom Staat, evtl. 2000€ von der Firma). Bislang, bis zu diesem Zeitpunkt, wurden nur 177 der bereitgestellten 600 Millionen € abgerufen 96.632 Anträge; 327.932 sollten es werden). Das Programm soll deshalb bis Ende 2020 verlängert werden.

Elektromobilität: In Skandinavien ist der Anteil an Elektroautos relativ hoch. Das liegt an der Förderung der Konsumenten durch den Staat. Deutschland hält sich hier zurück, weil man nicht dadurch ausländische Produzenten fördern will, Die deutsche Automobilindustrie ist eher Ottomotor orientiert. Große Elektromobilitätsprojekte werden aber zusammen mit chinesischen Produzenten durchgeführt (Daimler, BMW, VW). Die Bundesregierung fördert die Technologie und Entwicklung der Elektroautos bei den deutschen Autoproduzenten. Die Erhöhung der Elektromobilität ist wegen der Klimavereinbarungen notwendig. Unklar ist, welche Förderung besser ist: Kaufprämien oder staatliche Förderung von Ladesäulen. Die deutschen Automobilfirmen und die Bundesregierung versuchen, eine Strategie zu entwickeln. Industriepolitisch ist wichtig, dass Deutschland nicht von China eingeholt wird. Bei VW gibt es 2016 Pläne für eine Batteriefabrik in Deutschland (Salzgitter?). Die Bundesregierung will ab 2017 Ladesäulen für E-Autos fördern (bis zu 30.000 €). Die Grünen wollen erreichen, dass ab 2030 keine Benzin- und Dieselautos in Deutschland mehr zugelassen werden. Ein Gesetz der Bundesregierung soll die Nutzung von Carsharing - Angeboten attraktiver machen. 2016 gibt es in Deutschland 24.667 Ladestationen für E-Autos (Marktanteil an E-Autos 2016 in Deutschland 0,7%). Angeblich verhindert die Bundesregierung 2017 in der EU eine stärkere Kontrolle der Automobilindustrie (z. B. TÜV mehr staatlich beaufsichtigen). Mit den fossilen Energieträgern steht gleichzeitig das Geschäftsmodell des Autos in der Kritik. Neue Formen der Mobilität dürften sich zukünftig entwickeln, vor allem in den Städten (öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing, Fahrrad u. a.). China will ab 2018 eine Zwangsquote für Elektroautos einführen. Das kommt besonders Tesla (Elon Musk) entgegen, das ein Werk in China/ Shanghai bauen will. China fährt insgesamt eine massive Strategie für Elektromobilität. Bestandteil sind Subventionen, rigide Gesetze und die Quote. Volvo will ab 2019 keine Verbrennungsmotoren mehr entwickeln. Nach Einschätzung der Energiewirtschaft ist das Stromnetz in Bayern und Baden-Württemberg nicht auf eine Flut von Elektroautos und Wärmepumpen vorbereitet. Dafür reicht zur Zeit die Strommenge in Süddeutschland nicht aus. Die Auswirkungen der Elektromobilität auf den Strommarkt und die CO2-Bilanz sind zu wenig erforscht.  Das Stromnetz müsste auf die Elektromobilität vorbereitet werden, vor allem für die Stoßzeiten (z. B. abends). Die ICCT legt im Februar 2018 eine Studie vor: In drei Jahren ab 2018 haben die Elektroautos den Diesel und den Benziner in der Klimabilanz überholt. Entscheidend ist die Batterieproduktion. Die Chefs der drei deutschen Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW einigen sich im März 2019 auf einen Kurs bei E-Mobilität. Bundesverkehrsminister Scheuer plant ein Gesetz für mehr Ladestationen. Im April 2019 beschließt die EU, Subventionen bereitzustellen für Batteriefabriken von europäischen Unternehmen in Europa (zuerst für Peugeot).  Aldi Süd will 2017 Ladesäulen einrichten. In Kalifornien sollen bis 2030 5 Mio. Elektro-Autos fahren. Dazu unterzeichnete der Gouverneur im Januar 2018 eine Verordnung. Das Ziel soll mit finanziellen Anreizen erreicht werden (2,5 Mrd. $ über 8 Jahre). China ist das führende Land der Elektromobilität vor Norwegen (nach Absatzzahlen liegen die USA auf Platz zwei). Führende Stadt in China ist die Metropole Shenzhen. Innerhalb weniger Jahre wurden knapp 16.300 Elektrobusse auf die Straße gebracht. Die Stadt setzt damit vollständig auf eine elektrische Flotte. Tesla springt 2019 Fiat/ Chrysler (FCA) bei. Es geht um die Klimaziele der EU und die Anpassung der Flotte. Er riskiert damit das Image von Tesla.  "Deutschland muss sich sehr schnell auf die Elektromobilität einstellen. Das ist die Zukunftstechnologie der Chinesen", Frank Sieren 2019.

Batteriezellenmarkt: Dank besserer Produktionsmethoden und der beginnenden Massenfertigung werden Lithium-Ionen-Akkus immer günstiger. Die Produktion macht weniger als 20% der Wertschöpfung der Zelle aus und ist hoch automatisiert. die meisten Arbeitsplätze haben Roboter. Der Weltmarkt wird von folgenden Anbietern dominiert: Panasonic/ Japan (38%), BYD/ China (18%), LG Chem/ Südkorea (11%) und AESC/ Japan (8%). Quelle: McKinsey, IHS Automotive, Strategy Analytics, 2017. Kleinere weitere Hersteller sind CATL/ China, Guoxuan High-Tech/ China, Samsung SDI/ Südkorea, Lishen/ China. Die BASF will eine Fabrik zur Herstellung von Kathodenmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien in Europa bauen. Andere Konsortien planen auch damit. Sie locken auch Subventionen. Europa ist zu stark von Batteriezellen in Asien abhängig. Die Marktmacht asiatischer Anbieter ist groß. In Thüringen soll die größte Batteriezellenfabrik in Europa entstehen. Es ist ein Großprojekt des chinesischen Herstellers CATL. BMW, VW und Daimler vergeben hier Großaufträge. Im November 2018 kündigt Bundeswirtschaftsminister Altmaier eine milliardenschwere Unterstützung an. National (Konsortium) arbeiten Varta, BASF und Ford zusammen. Die Bundesregierung hält an ihrer Konzeption fest, Konzerne zu schützen und Batteriefirmen zu fördern. Viele Ökonomen kritisieren diese Konzeption. China hält 80 Prozent des Marktes. Das Land hat die Rohstoffe, billige Energie und die Werke. Europa setzt auf das Recycling alter Akkus uns auf die Feststoffbatterie. Sie sind zuverlässiger, langlebiger und leichter und könnten die Reichweite eines Elektrogolfs von 300 auf 750 Kilometer erhöhen. Im Moment arbeiten sie mit einer geringeren Stromstärke, was zu langen Ladezeiten führt. Das Batterieauto gilt 2019 noch als die Zukunft. VW steigt im Juni 2019 bei der schwedischen Batterie-Firma Northvolt mit 900 Mio. € ein. Im Rahmen der Forschungspolitik gibt die Bundesregierung im Sommer 2019 500 Mio. Euro für eine Batterieforschungsfabrik bei Münster. Der Start ist für Mitte 2020 geplant.

Umweltbelastungen durch Elektrofahrzeuge: Man muss die Gesamtbelastung im Auge haben. Dazu gehört auch die Produktion von Elektrofahrzeugen im Vergleich zur Produktion konventioneller Fahrzeuge. Außerdem ist der Abbau von Lithium und Kobalt, die man für die Batterien braucht, und der Batteriebau und -Abbau sehr Umwelt belastend. Ein weiteres Problem stellt die Lebensdauer der Batterien dar. Nach 100.000 bis 200.000 Kilometern muss ein Austausch erfolgen.

Ladesäulen in Deutschland: Im Jahre 2018 waren 16.125 Ladesäulen in Betrieb. 2029 sollen es 100.000 sein. Der Bau wird vom Verkehrsministerium gefördert. Die meisten Ladestellen gibt es in den Städten Berlin, München, Stuttgart, Nürnberg und Köln. Ladestellen fehlen am dringendsten an stark befahrenen Strecken. Shell ist in die Ladesäulen-Infrastruktur eingestiegen

Wasserstoff und Brennstoffzellen-Autos: Es gibt Einigkeit in der Automobilbranche darüber, dass die Brennstoffzelle die einzig sinnvolle Lösung ist. Noch ist dazu eine Batterie als Zwischenspeicher notwendig. Die Infrastruktur ist allerdings sehr kostspielig. Nur Toyota und Hyundai bieten Brennstoffzellen-Autos in Großserie an (allerdings viel zu teuer). Daimler und andere Hersteller forschen intensiv. In Deutschland forscht auch Linde. Bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio sollen nur noch Brennstoffzellen-Autos fahren. Deshalb gilt dieses Jahr als Meilenstein. In Deutschland wird der öffentliche Personennahverkehr (Busse) zunehmend auf Wasserstoff umgestellt. Es gibt immer mehr Tankstellen, etwa im Rhein-Main-Gebiet. Der globale Wasserstoffrat tritt bei der G20-Tagung der Energieminister im Juni 2019 in Osaka auf. Dem Rat, der 2017 gegründet wurde, gehören 60 Konzerne an. Japan investiert zur Zeit am meisten in die Technologie. In Deutschland fordert 2019 die Industrie den schnelleren Ausbau des Tankstellennetzes für Wasserstoff. Bis Jahresende sollen 100 Stationen nachgerüstet sein. Denkbar wären direkte Subventionen von ÖPP oder auch Investitionsgarantien. Ab 2019 plant Siemens ein Wasserstoff-Technologie-Zentrum in der Lausitz bei Görlitz. Für den Öko-Vergleich von Brennstoffzellen-Fahrzeug und Elektroauto ist die Reichweite der Fahrzeuge entscheidend. Je größer sie ist, desto mehr sind Brennstoffzellenautos im Vorteil.  "Die Technologie funktioniert und ist ausgereift, sie ist bezahlbar, und ihre Vorteile sind einzigartig: Wasserstoff-betriebene Fahrzeuge erzeugen keinerlei Emissionen", Aldo Belloni, Chef der Linde AG 2017. 2019 fahren Wasserstoff-Triebwagen auf deutschen Schienen (von Alstom).

Hybridfahrzeuge: Kombination von Elektroantrieb und Verbrennungsmotor. Laut einer Studie des Karlsruher Instituts für Technologie Ende 2017 haben sie eine bessere Umweltgesamtbilanz als reine E-Autos. Akku-Hybrid-Triebwagen werden immer mehr im Zugverkehr eingesetzt. In Japan dürfen ab 2050 nur noch Hybridfahrzeuge und E-Autos gebaut werden.

Carsharing: Bei den Carsharing-Autos pro 1000 Einwohner führt Karlsruhe vor Stuttgart, Freiburg, Köln, Heidelberg und München. Seit September 2017 gilt ein Carsharing-Gesetz: jede Kommune hat die Zuständigkeit für Stellplätze. Carsharing reduziert den Autoverkehr auf sanfte Art. Der öffentliche Personennahverkehr muss aber ergänzen. 2018 rückt eine Carsharing-Fusion näher: Die BMW und Daimler-Töchter Drive Now und Car-2-go sollen zusammengelegt werden. 2017 gibt es erstmals über zwei Millionen Carsharing-Kunden in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Nutzer um 23% gestiegen. Im März 2018 übernimmt Daimler Car2Go komplett. Eine Fusion mit der BMW-Tochter "DriveNow" wird in Aussicht gestellt.

Roboterautos (autonom fahrende Autos): Alle Autofirmen arbeiten im Versuchsstadium. Am weitesten ist man im Silicon Valley bei den großen Internetfirmen. Roboterautos könnten innerstädtisch für Entlastung sorgen. Auch bei Uber laufen Versuche. Im März 2018 kommt es in Arizona zum ersten tödlichen Unfall. Viele grundsätzliche Fragen sind noch offen. Die EU-Kommission will ab Ende 2018 rechtliche Grundlagen für das autonome Fahren schaffen. Bei der Technik ist 2018 Google führend (Waymo). Dann folgen General Motors, Daimler, BMW, VW.

Intelligente Straßen-Laternen: Sie werden zunehmend von Energiekonzernen eingesetzt. Neben ihrer Hauptfunktion können sie Parkleitsysteme (Freie Parkplätze), frühzeitige Umleitungen, Umweltdaten erfassen, Elektroautos laden und Umweltdaten erfassen.

Mikromobilität (E-Scooter, Trottinette): Tretroller mit Elektromotor: Sie könnten Deutschland den Verkehr in den Städten umkrempeln. Die Roller sind kostengünstiger und schneller profitabel als E-Bikes. Die Roller können auf Fahrradwegen fahren. Hinzu kommen E-Einrad, E-Skateboard, E-Scooter u. a. Als Vorreiter bzw. Mekka der Mikro-Mobilität gilt San Francisco. Probleme mit E-Rollern gibt es in Paris und Madrid sowie Wien. Es müssen klare Regeln eingeführt werden. In Deutschland bekommen die E-Roller grünes Licht vom Verkehrsministerium ab Sommer 2019. Allerdings werden keine eigenen Spuren geschaffen. Sie müssen auf Rad- und Gehwege. Man entscheidet sich für Radwege bzw. Straßen (mit Versicherungskennzeichen, mit Licht, ohne Helm). Der Bundesrat stimmt einer Zulassung grundsätzlich zu. 2019 findet in Hannover die "Micromobility-Expo" statt. Paris und Stockholm gelten als Teststädte: In Paris gibt es eine Benimm-Charta. In Stockholm rollen schon im Mai 2019 ca. 2000 E-Scooter. Es gibt zahlreiche Verleihstationen. Die Roller sind im Schnitt nach 5 Wochen kaputt. Damit sind sie bisher ein Verlustgeschäft und nicht unbedingt nachhaltig. 36 Städte in Deutschland planen 2019 ab Juni ein E-Scooter-Sharing. Darunter sind auch kleinere Städte. In Frankreich wurde in den Städten Paris, Lyon und Marselle 2019 eine große Studie gemacht: Der typische Nutzer ist ein junger Mann in gehobener Stellung. Spaß und Bequemlichkeit stehen bei der Nutzung im Vordergrund. Bisher überwiegen die Nachteile den Nutzwert (Unfallzahlen, Beschwerden). Angesichts der Probleme bei E-Scootern in den Städten schieben sich Deutscher Städtetag und Bundesverkehrsminister die Schuld gegenseitig zu.

Drohnen: Sie stellen mittlerweile ein ernst zu nehmendes Geschäft dar und beflügeln viele Business-Felder.  Hervorzuheben sind der Paketdienst und die Landwirtschaft (Smart Farming und Umweltschutz). Drohnen liefern Pakete aus, inspizieren, vermessen. Es gibt auch Indoor - Drohen im Lager. Eine immer größere Rolle spielen Drohnen beim Militär und im Krieg (Kampfdrohnen, Spionagedrohnen). Drohnen werden zunehmend in der Logistik eingesetzt. Amazon testet Drohen in der Auslieferung, zunächst im Raum Los Angeles. 2019 gibt es eine Drohnenausstellung im Zeppelin-Museum Friedrichshafen.

Taxis der Lüfte (Flugtaxi): Passagierdrohnen sollen für Mobilität in der Zukunft sorgen. Airbus, Daimler und Toyota investieren Millionen. Weltweit tüfteln Start-ups an Lösungen. Das Start-up Lilium präsentiert 2019 sein neues fünfsitziges Flugtaxi. Es soll spätestens 2024 in Serienfertigung gehen. Ein Flug soll nicht teurer als eine Fahrt mit dem Taxi werden.

Bikesharing: Das Geschäftsmodell, das aus den Metropolen Chinas kommt, breitet sich immer stärker in Deutschland aus. In Berlin, Frankfurt und München werden Gehwege und Plätze mit den bunten Leihrädern voll gestellt. Die Anbieter obike, mobike und byke haben 2018 15.000 Fahrräder aufgestellt. Der deutsche Konkurrent Nextbike hat nur 10.000 Räder aufgestellt. Die Deutsche Bahn hat 15.000 Räder im Umlauf.

Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr: 1. Kohlenstoffdioxid (CO2). Seit 1990 insgesamt gesunken, aber im Verkehrsbereich gestiegen. 2. Stickstoffdioxid (NO2). Hauptsächliche Verursacher sind Dieselautos (bis zu 80% des NO2-Ausstoßes). 3. Feinstaub. Emissionen durch Bremsen- und Reifenabtrieb. 4. Kohlenstoffmonoxid und Kohlenwasserstoffe (CO, HC) u. a. Benzol. Vor allem durch Abgase von Benzinmotoren (sind stark gesunken). Quelle: UBA. Im Mai 2018 verklagt die EU Deutschland und fünf weitere Länder vor dem Europäischen Gerichtshof, weil die Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub in einzelnen Städten nicht eingehalten werden.

Senfsamen-Öl (Carinata): Wird als Biokraftstoff für Flugzeuge erprobt. Die University of Queensland in Australien plant 2018 einen Linienflug von Los Angeles nach Melbourne. Der Kraftstoff hat keinen Kohlendioxidausstoß.

Synthetische Kraftstoffe: Ethanol, Wasserstoff, Biogas. Sie könnten zu einer nachhaltigen Nutzung von Hybridfahrzeugen führen, insbesondere, wenn deren Gewinnung durch Anlagen erfolgt, die mit überschüssigem Strom aus erneuerbaren Energiequellen (Wasser-, Wind- und Sonnenenergie) betrieben werden. Es müssten für synthetische Kraftstoffe verfahrenstechnische Anlagen aufgebaut und ausgebaut werden. Man könnte die Tankstelleninfrastruktur nutzen.

Anreizregulierung für Schienenwegbetreiber/ Bahn: So gibt es ein 2016 in Kraft getretenes Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs im Eisenbahnbereich. Die Bundesnetzagentur hat ab 2019 eine jährliche Preisobergrenze vorgegeben.  Insgesamt sollte mehr Güter- und Personenverkehr auf die Schiene verlagert werden. Die Bahn könnte der größte Nutznießer der kommenden mobilen Revolution sein. Sie kann den Verkehr zwischen den Metropolen bewältigen und den größten Teil des Güterverkehrs bestreiten. Doch die Infrastruktur ist total veraltert.

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖVP): Um die Anzahl von Autos in Innenstädten zu verringern und die Luft sauberer zu machen, erwägt die Bundesregierung 2018 einen kostenlosen Nahverkehr. Es soll vorher Modellstädte geben (darunter auch Mannheim). Offen ist die Verteilung der Kosten. Später spricht die Regierung von "zeitweiligen Gratisangeboten". Bei Städten, Verkehrsverbünden und den Verbänden überwiegt die Skepsis. Diese Tests wird es wohl nicht geben, weil sich die fünf Modellstädte eindeutig dagegen aussprechen. Sie wollen keine Abwälzung auf die Städte, sondern eine blaue Plakette. Der englische Ausdruck ist "public transport free of charge". In der Wissenschaft wird davon abgeraten: immense Subventionen, keine Preisdifferenzierung, keine Anreize für optimale Kapazität. Vgl. Gernot Sieg: Kostenloser ÖPNV? Besser gar nicht als falsch einführen, in: Wirtschaftsdienst 2018/3, S. 154ff.

Kooperationen von Nahverkehr und Mobilitätsanbietern: Kooperationen zwischen Nahverkehrsbetreibern, Parkraumanagern, Leihrad- und Carsharing- Anbietern sind noch immer selten. Eine Vernetzung verschiedener Mobilitätsdienste könnte über Chipkarten erfolgen. Ein Hemmnis ist nicht nur die mangelnde Nachfrage, sondern auch die Bedingung der Kooperation zwischen Anbietern. Der Nahverkehr folgt der Daseinsvorsorge. Andere Angebote folgen anderen Regeln. Vgl. Scherf, Christian: Alles auf eine Karte? in: WZB Mitteilungen, Heft 159, März 2018, S. 44ff.

Taxi, Uber (Mietwagen mit Fahrer), Moia, my taxi match: Konkurrierende Alternativen im Nahverkehr, insbesondere in der Stadt. Beim Taxi braucht der Fahrer eine Lizenz und ein Taxameter. Der Tarif wird behördlich festgelegt. Der Mietwagen ist wenig reglementiert. Leere Wagen müssen zum Betriebssitz zurückkehren. Moia ist ein VW-Elektroshuttle mit sechs Sitzen. Der Preis liegt zwischen Taxi und Bus. Bei my taxi bucht der Kunde eine Taxifahrt mit anderen. Der Fahrer kann entscheiden, ob er die Anfrage annimmt. 

Individuelle Mobilität: Grundsätzliche Änderung der Mobilitätskonzepte. Die Menschen sagen, dass sie von A nach B wollen und suchen sich die beste Alternative aus.

Pendeln: Tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz. Eine Revolution des Berufsverkehrs steht bevor. Berlin baut 100 Kilometer Radschnellwege. Noch benutzen 2018 65% der Pendler das Auto. Je größer die Stadt, desto unwichtiger wird das Auto. 22% der Deutschen fhren 2018 mit Bus oder Straßenbahn zur Arbeit. Ab 2019 sind Jobtickets steuerfrei. Elektroautos und Hybridfahrzeuge werden bei der Dienst-Wagen-Besteuerung begünstigt.

Radschnellroute (Pendlerroute mit Rad): Solche Routen sind bzw. werden im Ruhrgebiet und in Berlin gebaut. Auch RLP will so schnell wie möglich eine solche Route zwischen Schifferstadt und Ludwigshafen bauen.

Integrierte Verkehrsplanung: Es gibt zahlreiche Ziele der Verkehrsplanung mit zahlreichen Zielkonflikten: Reisezeiten, Wirtschaftsentwicklung, Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und -anpassung, Im- und Emissionsschutz, geringer Flächenverbrauch, Nutzerkosten, Nutzbarkeit, Barrierefreiheit, Zuverlässigkeit, Verkehrssicherheit, soziale Sicherheit. Vgl. Holz-Rau, Christian/ Reichert, Alexander: Klimaschutz im Verkehr - Utopie und Wirksamkeit, in: Wirtschaftsdienst 2018/5, S. 311ff.

Mobilitätskonzept: 1. Neue Antriebstechniken. 2. Gezielte Technologieförderung. 3. Ende des Dieselprivilegs und start der CO2-Bepreisung. 4. Einführung einer blauen Plakette. 5. Festlegung einer E-Auto-Quote. 6. Nachhaltige Batteriefertigung. 7. Menschengerechte Stadt. 8. Bepreisung von Mobilität. 9. Individuelle Mobilität statt Individualverkehr. 10. Digitalisierung. Siehe: Claudia Kemfert: In zehn Schritten zum Weltmarktführer der Mobilität, in: WiWo 30, 19.7.2019, S. 10.

Kutsuplus-Pilotprojekt in Helsinki: Helsinki ist die erste Stadt, die einen voll automatisierten, echtzeitbasierten öffentlichen Minibustransportdienst mit flexiblen Routen eingeführt hat. Das Experiment ist auf drei Jahre angelegt. Die Busse sind nicht fahrerlos. Ein wesentlicher Kostenbestandteil sind aber die Lohnkosten für die Fahrer. Das Projekt wird von der EU finanziert.

Big Data für die Stadt: Mit der fortschreitenden Digitalisierung ergeben sich Optionen für eine effizientere und flexiblere Verkehrsordnung. Daran arbeiten neben der Politik auch die Technologiekonzerne Google und Microsoft. Die Städte werden als Living Labs gesehen, um selbst lernende Verkehrs- und Logistiksysteme zu nutzen. Diese Entwicklung hat aber auch eine Kehrseite: der öffentliche Raum wird zur Überwachungszone (automatische Gesichtserkennung, Drohnen, digitales Dorf).

Smart City (Deutschland, EU): Entwicklungskonzepte, die die Stadt effizienter, fortschrittlicher, ökologischer und sozial inklusiver gestalten. Dazu gehören als Bausteine bzw. Ebenen  Smart Ecomomy, Smart People, Smart Governance, Smart Mobility, Smart Governance,  Smart Environment, Smart Living. Akteure der Wirtschaft wie IBM, Siemens, Cisco Systems, Vattenfall sind an internationalen Projekten beteiligt. Es werden Netzwerke gebildet ("Internet of Everything"), die den Sektor Wirtschaft in den Städten produktiver machen sollen. Im Bereich von Governance (Politik, Verwaltung) gibt es Fördermittel im EU-Programm Horizont 2020. Geförderte Städte sind Kopenhagen, Amsterdam, Santander, Wien und Berlin. Häufig sind Hochschulen mit eingebunden (z. B. Barcelona). Häufig ist der Sharing - Gedanke enthalten. Man spricht von Urban Commons" (E. Oström). Ideen der Kreislaufwirtschaft (Thünen) sollen die Nachhaltigkeit erhöhen. Mobile Verkehrskonzepte (Mobile App) sollen Umwelt und Energie schonen. Die Kritik geht Richtung Social Scoring und Manipulierung der Menschen durch perfektes Marketing. Vgl. Wikipedia - Artikel. Siemens entwickelt 2018 ein innerstädtisches Verkehrssystem für Hamburg. Man spricht von intelligenter Infrastruktur. In Siemensstadt in Berlin soll von Siemens eine technologische Musterstadt aufgebaut werden. 2018 sind in Deutschland drei Städte am weitesten: Bielefeld, Darmstadt und Norderstedt. Wichtige Elemente sind: Stromersparnis, mehr Sicherheit für Patienten, im Amt mit PayPal bezahlen. Vgl. auch: Gassmann, Oliver/ Böhm, J./ Palmie, M.: Smart City. Innovationen für die vernetzte Stadt -  Geschäftsmodelle und Management, Hanser Fachbuch, Oktober 2018.

Smart Citys in der Welt: Relativ weit ist Singapur. Dort nehmen Straßen so viel Platz ein wie die gesamte Wohnfläche. Toshiba hat in einem Stadtteil von Tokio eine Smart City aufgebaut. Pittsburg in den USA ist eine ehemalige Kohle- und Stahlhochburg. Start-ups gestalten den Verkehr von morgen. Casharing - Dienste teilen ihre Verkehrsdaten mit der Stadt, um Staus zu umgehen. Die Stadt will führende Innovationsstadt werden. Altanta ist der Nachhaltigkeitschampion der USA. Die Stadt hat den Energieverbrauch in allen Bereichen optimiert.

Smart Communities: Optimale Energieausnutzung in Wohnanlagen. In der Regel anhand von Solaranlagen ausgeführt. Entscheidend ist die Steuerungs- und Speichertechnik. 2015 startet ein Experiment in Speyer (Stadt, Stadtwerke, Gewo, Nedo). Das japanische Staatsunternehmen Nedo liefert die wichtige Steuerungs- und Speichertechnik. In Landau soll ein E-Park entstehen: ein intelligentes Gewerbegebiet, in dem Firmen vieles gemeinsam nutzen. Als Smart City schlechthin gilt die spanische Stadt "Santander". Hier ist fast alles miteinander verbunden (Parkplätze, Müll. Baustellen, Beschwerden gegen die Verwaltung, öffentliche Beleuchtung).

Kommunaler Klimaschutz: Nationale Klimaschutzziele können nur zusammen mit den Kommunen erreicht werden. Deshalb gibt es eine Reihe von kommunalen Förderprogrammen (über das Umweltministerium). Diese sind z. B. für die Installierung von Klimaschutzmanagern, Energiesparmodellen an Schulen oder Kindergärten, sowie die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf Leuchtdioden. Kommunen können sich auch dem "Masterplan 100 Prozent Umweltschutz" verschreiben und sich verpflichten, bis 2050 ihre Treibhausgasemissionen um 95 Prozent zu senken. Dann bekommen sie achtzig Prozent der Kosten ersetzt. Die Mittel stammen aus dem Handel mit Emissionszertifikaten. 5 Städte in Deutschland wollen und sollen im Umweltschutz vorangehen. Sie sollen verschiedene Konzepte ausprobieren, um die Luftqualität weiter zu verbessern (ÖVP, Fahrrad, Individualverkehr reduzieren, Digitalisierung; dazu gehören Bonn, Essen, Mannheim, Herrenberg, Reutlingen).  Als ein Vorreiter im kommunalen Klimaschutz gilt Grenoble in Frankreich. Der erste grüne Bürgermeister Eric Piolle (kommt aus der Wirtschaft) hat neue Maßstäbe gegen die Belastung der Einwohner durch Feinstaub, Kohlendioxid und Ozon gesetzt. Radfahrer haben immer Vorfahrt.

Städte als handelnde Akteure in der globalen Umweltpolitik: Wie im Mittelalter, als die großen Städte Vorreiter in Kultur, Innovation und Organisation waren, so übernehmen auch heute Städte immer größere globale Aufgaben. In der EU handelte z. B. Danzig in der Flüchtlingspolitik nicht im Sinne Polens sondern der EU. In den USA haben sich 300 Städte ("Städte der Zuflucht") zusammengeschlossen, weil sie gegen den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen sind.

Urbane Industrie: Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Deshalb entwickeln Stadtplaner wieder Konzepte für eine urbane Industrie. Das könnte durch weniger Massenproduktion begünstigt werden. Ein neues Planungsrecht müsste Nutzungskonflikte zwischen Wohnen und Gewerbe auflösen.

Passivhäuser: Dei größte Passivhaussiedlung der Welt ist die Bahnstadt (Schmidtsche Siedlung) in Heidelberg direkt in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die komplette Bahnstadt wurde in extremer Energiesparweise errichtet. Sie liegt auf einer Fläche von 116 Hektar. Bis 2022 soll die Siedlung ganz fertig sein. Rund 70.000 Menschen sollen dann dort leben. Die Siedlung hat ein Wärmerückgewinnungssystem , das etwa 80% der Abluftwärme recycelt.

Flugverkehr: Im Jahr 1970 wurden rund 300 Mio. Passagierflüge absolviert. Bis zum Jahre 2015 ist diese Zahl um mehr als das Zehnfache auf über 3,2 Mrd. gestiegen. Dieses Wachstum war im Wesentlichen die Folge fallender Preise und veränderter Geschäftspraktiken in Folge der Globalisierung. Auf der anderen Seite erhöhte sich die Kraftstoffeffizienz. Der Kerosinverbrauch konnte erheblich reduziert werden. Vgl. Tony Juniper: Unsere Erde unter Druck, München 2017, S. 100f. Die Preise im Flugverkehr sind vor allem bei Kurzstreckenflügen zwischen Städten zu niedrig. Das ist auch möglich, weil die Infrastruktur und das Flugbenzin staatlich subventioniert werden. Es ist auch ein Skandal, dass Flugreisen nicht der Mehrwertsteuer unterliegen. Der Flugverkehr trägt immer mehr zum Menschen gemachten Treibhauseffekt bei. 2050 haben die Kondensstreifen eine dreimal so hohe Auswirkung wie 2006. Der Einfluss dieser Zirruswolken sei stärker auf das Klima als der von Kohlendioxid. Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Oberpfaffenhofen.   2018 steigt Ryanair mehrheitlich bei Laudamotion ein. Laudamotion hatte Teile von Air Berlin übernommen, die Lufthansa nicht übernehmen durfte. Kunden hoffen durch mehr Wettbewerb auf sinkende Preise, Unter Umweltaspekten wäre dies problematisch. Aber 2018 deutet sich an, dass die Billigfliegerei zu ende gehen könnte. Nach dem Chaos-Sommer mit Rekordverspätungen stoßen die Discounter- Airlines an ihre Grenzen. Der Spielraum sinkt deutlich, um mit aggressiven Preisen neue Kunden zu generieren. Mobilitätsforscher fordert 2019 in Deutschland ein Verbot von Inlandsflügen. Die Urlaubs - Airline Germania eröffnet Anfang 2019 ein Insolvenzverfahren. 2019 wird bei Airbus entschieden, die Produktion des Großraumflugzeugs A 380 2021 einzustellen. Die beiden letzten Großabnehmer Australien und Dubai stornieren Aufträge. Franreich schlägt im Juni 2019 eine Flugsteuer in der EU vor. Ab 2020 kommt die Abgabe in Frankreich (Flug-Ökosteuer: zwischen 1,50 und 18 €). Das Klimakabinett in Deutschland erwägt eine Erhöhung der Luftverkehrsabgabe.

Kreuzfahrtschiffe: Sie sind besonders umweltfeindlich und zerstören wichtige Kulturgüter wie etwa Venedig oder Dubrovnik. Der Nabu fordert ab 2020 Einfahrverbote für schmutzige Kreuzfahrtschiffe in Häfen wie Kiel oder Rostock. Auch Regionen wie das Wattenmeer sollten geschützt werden. Die meisten Reederein verfeuern skrupellos Schweröl. Hybrid- und Gasantriebe sind eine Ausnahme.

LKW-Verkehr und Toll Collect: Seit 2005 betreibt Toll Collect für den Staat die LKW-Maut ein (Begründung: Verschleiß der Straßen durch LKWs). Über Satellit und mit Kameras werden Lastwagen auf Straßen erfasst. Die Nutzung wird in Rechnung gestellt. Rund 4,5 Mrd. € bringt die Maut pro Jahr ein. Daimler und die Telekom sind Mehrheitseigner. Ende August 2018 übernimmt der Bund für eine Übergangszeit. Dann soll eine erneute Privatisierung geplant werden (Problem: Bewertung; wenn tatsächlicher Zustand nicht dem erwarteten entspricht).

PKW-Maut in Deutschland (Infrastrukturabgabe): Ein Gutachter des EuGH (Generalanwalt) hält sie Anfang Februar 2019 für rechtens. Insbesondere Österreich will dagegen angehen und hatte schon eine Klage eingereicht. So steigen die Chancen für die Einführung der Maut. Sie soll auf Autobahnen und Bundesstraßen gelten, von der Größe und Umweltfreundlichkeit des Motors abhängen und maximal 130 € pro Jahr kosten (deutsche Autofahrer sollen bei der KfZ - Steuer entlastet werden). Der Europäische Gerichtshof entscheidet im Juni 2019, dass dieses Vorhaben gegen europäisches Recht verstößt. Damit ist die PKW-Maut, ein Lieblingskind der CSU, in Deutschland vorläufig aus Eis gelegt. Die Betreiber fordern einen Ausgleich. Die Maut hat im Vorfeld schon 53 Mio. € gekostet. Dem Bundeshaushalt fehlen Einnahmen von 1 Milliarde Euro, die eingeplant waren. Außerdem könnten Entschädigungen fällig werden.

Bahn: Deutschland steckt deutlich weniger Geld in den Bahnverkehr als andere Länder. Die Pro-Kopf-Investitionen betrugen 2018 77 Euro. In Europa liegt die Schweiz an der Spitze mit 365 Euro, vor Österreich (218), Dänemark (182), Schweden (172), Niederlande (135), Großbritannien (116), Italien (93).

Umweltgesetzbuch: Seit 1998 (A. Merkel Umweltminister) gibt es in Deutschland den Entwurf für ein Umweltgesetzbuch (UGB), dass alle umweltrelevante Regeln zusammenfassen soll. Auch im Koalitionsvertrag von 2005 wird ein Umweltgesetzbuch vereinbart. Im Januar 2009 scheitert das einheitliche Umweltrecht im Koalitionsstreit vorläufig. Auch die Aufnahme des Umweltziels ins Grundgesetz scheiterte immer wieder. Mitte 2009 gibt es stark abgespeckte Neuregelungen beim Naturschutz und beim Wasserrecht, um ein Mindestmaß an bundeseinheitlichen Umweltstandards sicherzustellen.

Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz: Regelt den Einfluss von Verbänden in Deutschland. auf Baupläne und Umweltprogramme. Eine Novelle, die den Verbänden mehr Einfluss geben soll, liegt 2017 auf Eis. Die EU und insbesondere der EuGH machen Druck.

Umwelthaftung: Seit Ende 1990 gibt es in Deutschland ein Umwelthaftungsgesetz (UHG). Es bestehen zwei Arten von Haftungsregeln: Verschuldungshaftung und Gefährdungshaftung. Die Regeln können bei Monokausalität, alternativer Kausalität und Multikausalität Anwendung finden, allerdings mit unterschiedlicher Effektivität (Wahrscheinlichkeit, Dezentralisierung). 2017 wird eine Klage eines peruanischen Kleinbauern und Bergsteigers gegen RWE vor dem Landgericht Hamm zugelassen. Gletscher oberhalb seines Dorfes in Peru schmelzen infolge des Klimawandels und ein Bergsee droht überzulaufen. Der Fall könnte ein Präzedenzfall sein. RWE ist europaweit der größte CO2-Emitenet, weil das Unternehmen die meisten Kraftwerke mit fossilen Energieträgern betreibt. Das könnte ein neues, großes Betätigungsfeld für Anwälte sein. Wenn RWE Schadensersatz leisten müsste (Nachweis von 0,47% aller Treibhausgasemissionen seit Beginn der Industrialisierung), stiegen für alle Verursacher die Haftungsrisiken dramatisch. 

Fehlende Rechtskonstruktionen in Deutschland für eine konsequente Umweltpolitik: 1. Der individuelle Nachweis bei Personen-Schäden im Rahmen des Verursacherprinzip im Deutschen Recht bremst. Japan hat schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts den statistischen Nachweis zugelassen (Häufigkeit weit über dem Mittelwert). Angefangen wurde im Großraum Tokio. 2. Fehlen einer Sammelklage. In den USA zeigt sich, wie wirksam Sammelklagen sein können. 2017 gibt es in der EU Überlegungen, die Gruppenklage einzuführen. Vgl. auch Umwelthaftung oben.

Umstrittene Umweltschutzmaßnahmen: Dosenpfand, Wärmedämmung, gelber Sack, Energiesparlampen, E10-Benzin widersprechen vielen Kriterien des Umweltschutzes und bringen ihn in Misskredit. Aufwand und Ertrag stehen oft in keinem Verhältnis zueinander. Biosprit führt z. B. zu zusätzlichen Treibhausgasen. Energiesparlampen werden unter fragwürdigen Bedingungen in China produziert und sind giftiger.

Öko-Siegel: vor allem im Lebensmittelbereich eingesetzt. Einmal gibt es das deutsche Bio-Siegel. Daneben gibt es ein EU-Bio-Siegel (ab 2010 auf jedem Bio-Produkt). Zusätzlich gibt es ein Fairtrade-Label, das MSC-Label für nachhaltigen Fischfang und das Neuland-Label f artgerechte Tierhaltung.

Flurbereinigungsverfahren: ein wichtiges Instrument der Landschaftspflege, des Naturschutzes und des Umweltschutzes. Vor allem wird hiermit der Trend zu immer weniger und größeren Betrieben begleitet. Es kommt zu einer Wertermittlung, damit Landtausch und Entschädigungen abgegolten werden können.

Klimafonds: Mittel, um die Energiewende zu unterstützen. Damit werden Maßnahmen zur Wärmedämmung oder die Förderung von Elektroautos finanziert. Er speist sich aus dem Handel der CO2-Emissionsrechte. 2013 nimmt der Fonds aber nur 890 Mio. € statt der erwarteten 2 Milliarden Euro ein. Die Kreditanstalt für wiederaufbau soll mit über 300 Mio. € einspringen. Das ist teilweise ein Abgesang auf den Nationalstaat (vgl. Benjamin Barber: If Mayors ruled the World", 2013).

Zahlungsbereitschaft für Klimaschutz: Der Klimawandel und das (globale) öffentliche Gut "Klimaschutz" genießen große Aufmerksamkeit und Unterstützung in der deutschen Öffentlichkeit. Wie sieht es aber mit der realen Zahlungsbereitschaft aus in Anbetracht dessen, dass Klimaschutz hohe Kosten verursacht? Ergebnisse zeigen, dass die Bereitschaft der Menschen sehr begrenzt ist. Deshalb sind Anpassungsmaßnahmen von größerer Bedeutung, die als privates Gut organisierbar sind. Vgl. Löschel/ Sturm/ Vogt: Die reale Zahlungsbereitschaft für Klimaschutz, in: Wirtschaftsdienst, 2010/11, S. 749-753.

Fossil Free Divestment: Eine Kampagne, die von der Überlegung ausgeht, ganzen Branchen die Geschäftsgrundlage zu entziehen, dadurch, dass man das Geld dort herausnimmt. In Amerika ist diese Bewegung sehr erfolgreich. US-Universitäten und andere Organisationen ziehen ihr Stiftungsvermögen heraus, wenn Unternehmen Überlebensgrundlagen nicht beachten. Divestition ist das Gegenteil von Investition. Auch in Deutschland hat die Bewegung Fuß gefasst. Kapital soll aus allen Geldanlagen herausgezogen werden, die in fossile Energien investieren. Im November 2015 zieht die Allianz ihre Investitionen in Kohlekraftwerke zurück. Auch die Großbank ING will keine Kohlkraftwerke mehr finanzieren. Der Chef der Internationalen Energieagentur fordert das weltweite Ende der Subventionierung von Kohle und Öl. 2018 geraten die Allianz und Munich Re in die Kritik, weil sie Kraftwerks-Neubauten versichern. die Neubauten sind vor allem in Polen. Es handelt sich um Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke.

Investitionen nach ethischen Kriterien: Der norwegische Staatsfonds nimmt für sich in Anspruch, nach ethischen Kriterien Geld anzulegen. Seit 2008 leitet Yngve Slyngstadt den Fonds, der 865 Milliarden Euro umfasst. 1,3 Milliarden Euro betragen die Anteile an deutschen Unternehmen 2018.

Finanzsektor und Nachhaltigkeit: Der Finanzsektor soll zukünftig auch Klimaschutzzielen unterworfen werden. Anleger und Investoren wollen für Nachhaltigkeit Rendite kassieren. Das ganze läuft unter dem Motto "Nur grünes Geld ist gutes Geld" (vgl. WiWo 17, 18.4.2019, S. 28). So wird auch der DAX einem Nachhaltigkeits-Check unterworfen. Äußerst positiv werden Allianz und Münchener Rück bewertet. Sehr positiv sind SAP, Infineon, und Deutsche Börse. Positiv Merck, Wirecard, Deutsche Telekom, Henkel, Siemens, Adidas, Deutsche Post, Neutral Covestro, Continental, BMW, FMC. Negativ werden die restlichen unternehmen bewertet. Quelle: Globalance Footprint. Ebenso werden Investitionen in ihrer positiven Wirkung auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft bewertet: 2018 wurden 2900 Milliarden Euro investiert. Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen.

Stimmrechtsberater und Shareholder-Einfluss: Umweltschützer setzen zunehmend auf die Mobilisierung der Öffentlichkeit. Sie treten massiver auf den Hauptversammlungen der Konzerne auf. Das hat Folgen für das Image der Unternehmen. Professionelle Stimmrechtsberater sind häufig Verbündete der Kleinaktionäre. Die größte Organisation hat ihren Sitz in den USA und heißt ISS (International Shareholder Services). So haben Allianz, Commerzbank und Deutsche Bank schon die Finanzierung des Kohlebergbaus und der Kohleverstromung zurückfahren müssen.

Praxis (vor allem betriebliche Umweltwirtschaft, Umweltmanagement, Energiemanagement, Renewable Energy Management, Natural Resources Management and Development; Social Sustainability; Plastik; Schädlingsbekämpfung vgl. auch Werteorientierung bei Mittelstandsökonomik)

Porter - Hypothese (Michael Porter): durch eine strikte Umweltpolitik können Unternehmen strategisch zu Innovationen "gezwungen" werden, die ihre Gewinne verbessern. Dabei helfen zwei Mechanismen: die Vorreiterrolle bzw. first-mover advantage und der Innovationsausgleich durch Kosteneinsparungen an anderer Stelle. Die Strategie des Ökodumping ist kein Ausweg mehr, da der Verzicht auf vollständige Internalisierung inländischer Umweltschadenskosten zu riskant ist. 

Technischer Fortschritt (technological change): Verbesserungen in den Produktionsprozessen von Gütern und Dienstleistungen (Prozessinnovationen), Veränderungen bestehender Produkte und die Einführung neuer Produkte (Produktinnovationen). Beide machen die Nachhaltigkeit (Sustainability, mehr Output bei gleichem Input und gleicher Umweltverschmutzung) in der Umweltökonomik erst möglich. Auf einen Zeitraum von 50 Jahren ist es schwierig, die technologische Entwicklung vorherzusagen. Es sollten aber dynamische Anreizwirkungen gesetzt werden. Der umwelttechnische Fortschritt kann auch als spezielle Form des technischen Fortschritts gesehen werden.  Die Bundesregierung plant ein Aktionsprogramm zum Technologiewandel nach dem Welt-Klimabericht 2007. Technischer Fortschritt garantiert allerdings noch keine geopolitische Macht. Seit dem 15. Jahrhundert erst ist der technologische Vorteil des Westens über andere Kulturen wie China oder Arabien aufgebaut worden. Dies muss nicht so bleiben. Vgl. Headrick, Daniel: Power Over Peoples,  Princeton 2010.

Neue Technologien: Sie sind auch notwendig, um den Produktionsstandort Deutschland zu sichern. Dafür erforderlich sind Innovationen und eine Akzeptanz. Diese kann nur durch technische Bildung erreicht werden. Umweltschutz setzt einen gewissen Reichtum voraus. Wir müssen mit besserer Technik die weniger und teurer werdenden Ressourcen ausgleichen. Vgl. Fuchs, Willi: Wachsen ohne Wachstum, München 2011.

Grüne Technologie: Die Verwendung von Technologie, um den menschlichen Einfluss auf die Umwelt zu minimieren. Dies geschieht vor allem durch eine erhöhte Effizienz, die Verringerung von Umweltverschmutzung und die Nutzung alternativer Energiequellen. Zu den typischen Anwendungen grüner Technologie gehören Recycling, erneuerbare Energien, Wasseraufbereitung, Abfallreduzierung und Abwasseraufbereitung. Siehe Donald Marron: Wirtschaft in 30 Sekunden, Librero/ Niederlande 2018, S. 68.

Digitalisierung und Umweltverschmutzung: Videokonferenzen (weniger Dienst-Reisen), weniger Verkehr (Smart Autos) und papierloses Büro (Cloud) sollten eigentlich zu weniger Umweltschädigung führen. Doch gigantische Datenströme (Krypto - Währungen) und steigende Warenströme (Online-Handel) setzen noch mehr Treibhausgase frei.

Innovationen: Umweltinnovationen, insbesondere integrierte Umwelttechnologien, ermöglichen ein ausgewogenes Wachstum. Die additiven Technologien (z. B. Filter) müssen zunehmend durch integrierte ersetzt werden. Damit können Emissionen gesenkt werden und auch der Umweltverbrauch, wodurch auch die Produktivität steigt.

Zirkuläre Wirtschaft: Beinhaltet einmal das klassische Recycling. Alle Beiträge zur Ressourceneffizienz werden integriert. Man erreicht die Nachhaltigkeitsziele der UN und hat zusätzlich Wachstumspotential. Industriepolitische Maßnahmen können unterstützen.

Cleantech-Markt: Er umfasst grüne Technologien, Produkte und Dienstleistungen, die helfen, Ressourcen zu schonen, Schadstoffe zu minimieren. Es geht um Energieeffizienz, Umweltfreundliche Speicherung und Verteilung von Energien, nachhaltige Mobilität, nachhaltige Wasserwirtschaft, Materialeffizienz, Kreislaufwirtschaft. Der Markt steht im globalen Wettbewerb.

Langzeitökonomie: Wegen der Rohstoffknappheit muss die Lebensdauer von Gütern wieder verlängert bzw. verdoppelt werden.

Umwelttechnik (auch "Green Business"): Schon 2008 sind in dieser Branche die meisten industriellen Arbeitsplätze in Deutschland (1,1 Mio., 2020 sollen es 2,2 Mio. sein). Zu der Branche gehören die Bereiche Energieeffizienz, nachhaltige Wasserwirtschaft, nachhaltige Mobilität, Energieerzeugung, Rohstoff- und Materialeffizienz, Kreislaufwirtschaft. Die Konjunkturprogramme in der Weltwirtschaftskrise 2009 bringen viele Milliarden in die grünen Technologien. 30% beträgt der Weltmarktanteil deutscher Unternehmen bei den umweltfreundlichen Energien. Deutschland profitiert erheblich von der Öko-Wende. Man unterscheidet additive und integrierte Umwelttechnik. Die integrative Technik beinhaltet den Input, den Produktionsprozess und den Output. Additiv sind Rückstände, Emissionen aus Produktion bzw. Konsum. 2011 wurden mit Produkten und Leistungen rund um erneuerbare Energien und die Reduktion von Treibgasen rund 45,5 Mrd. € umgesetzt. Damit liegt der Klimaschutz vor der Pharmabranche. "Umwelt- und Klimatechniken haben das Potential, die Wachstumstreiber des 21. Jahrhunderts zu werden", Siemens-Chef Peter Löscher. In RLP gibt es ca. 750 Umwelt-Technik-Betriebe. Sie nennen sich Eco-Lions. Sie erbringen fast ein Drittel der Wirtschaftsleistung der Industrie.

"Grüne Jobs" (Umweltschutz und Arbeitsmarkt): Die Zahl der Arbeitsplätze/Erwerbstätige im Umweltbereich ist relativ schwer zumessen. 1,4 Mio. Menschen sollen in der Umwelttechnologie beschäftigt sein (Umwelttechnologieatlas von Roland Berger 2012). Nach Angaben des Umweltministerium arbeiten 380.000 bei Erneuerbaren Energien. Nach dem Bundesverband Solarwirtschaft 2014  sind noch 60.000 Menschen in der Solarbranche beschäftigt. Eine Studie des Umweltbundesamtes 2014 zeigt: 2010 sind zwei Millionen Menschen im Umweltsektor beschäftigt (fünf Prozent aller Erwerbstätigen). In den letzten zwei Jahren wurden 18.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Beschäftigungsrückgänge gab es bei umweltorientierten Dienstleistungen und erneuerbaren Energien.

Umweltschutzinvestitionen: Sowohl die öffentlichen als auch die privaten Umweltschutzinvestitionen werden statistisch erfasst. Viele Studien belegen, dass Investitionen in Umwelt Wachstum sichern und Arbeitsplätze schaffen. Deshalb sollten die Produktionsstrukturen an Energieeffizienz, Umwelttechnologien und Klimaschutz ausgerichtet werden. Dies würde auch die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Export reduzieren. Es gibt spezielle Rating - Agenturen für nachhaltige Investments, z. B. Oekom Research. Bei Einsatz ökologischer Investitionen in Unternehmen könnten 25% der Energie eingespart werden. Natürliche Ressourcen werden weltweit immer teurer. Erfolg wird nur noch derjenige haben, der ökologisch wirtschaftet. Nur so kann man noch wirtschaftlich effizient arbeiten. "Oft tut auch der unrecht, der nichts tut, nicht bloß der, der etwas tut", Marc Aurel, römischer Kaiser und Philosoph.

Öko-Bilanzen: systematische Darstellung der Umweltbelastungen, die mit Produktionsprozessen, Produkten oder der ganzen Unternehmung verbunden sind. Folglich gibt Prozessbilanzen, Unternehmensbilanzen und Produktbilanzen. Von den 30 deutschen Dax - Konzernen haben Henkel, Deutsche Telekom und Allianz die besten Umweltstandards 2009. Das nachhaltige Lieferkettenmanagement steht erst am Anfang (noch bei 60% aller deutschen Großunternehmen unbekannt). In den USA bildete sich anlässlich des Weltklimagipfels 2009 die Partnerschaft für Klimaaktion (USCAP). Vier Großunternehmen (ConcoPhilips, BPAmerica, Caterpillar) steigen 2010 wieder aus. "Noch unsere kleinste Handlung beeinflusst das gesamte Universum", Dalai Lama.

Öko-Systeme: Sie haben einen ökonomischen Wert (Nutzen) für die Menschen. Dieser ist sehr schwierig zu berechnen (hier stößt die Ökonomie an die Grenzen), aber notwendig, weil sonst nur die Kosten betrachtet werden. Vor allem arme Menschen sind von einer gesunden Natur abhängig. Als Negativbeispiel gilt besonders die Umwandlung von Mangrovenwäldern zu Shrimpsfarmen in Thailand mit hohen Subventionen. Vor allem Frankreich will zukünftig die Unberührtheit der Natur und kulturelle Werte in die Wohlstandsmessung aufnehmen. Der Wert der jährlichen Nutzeffekte (z. B. Nährstoffkreislauf, Erosionshemmung, Regulierung der Atmosphäre, genetische Ressourcen, Erholung, Wasserversorgung) in der Welt wird auf 30 Billionen Euro geschätzt (Kurswert 2008).

Reach: Chemikalien - Tüv der EU. Schutz des Verbrauchers vor giftigen Substanzen. Wer jährlich eine Tonne einer Chemikalie herstellt, muss nachweisen, dass sie harmlos ist. Es wird geschätzt dies 9,5 Mrd. € und 54 Mio. Versuchstiere kosten wird. Mehr als 140.000 Chemikalien wurden registriert.

Technologien zur Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid: Erprobt werden sollen spezielle Speicher für CO2. Regionen mit Speichermöglichkeiten in Deutschland liegen im Norddeutschen Becken, im Alpenvorland-Becken u. a. Diese Möglichkeiten sind hoch umstritten. 2011 bringt die Regierung ein Gesetz auf den Weg. Enthalten ist die CCS-Technologie. Klimaschädliches CO2 wird abgetrennt und in Gasspeichern gelagert.

Spitzenlast-Preisbildung (Peak Load): Berechnung höherer Preise in Spitzenzeiten, wenn Kapazitätsengpässe die Grenzkosten ansteigen lassen.

Ecological Foot Print: Auf Produkte oder Unternehmen umgerechnete gesamte Umweltbilanz. In der globalen Wertschöpfung wird auch die Logistik dazugerechnet. Daneben gibt es den "carbon footprint", der die CO2-Bilanz misst. Seit 2008 müssen in Japan Lebensmittelverpackungen beschriftet werden, so dass Verbraucher erkennen können, wie viel CO2 bei der Herstellung, Lieferung und Beseitigung eines jeden Produkts ausgestoßen wird. Die Verantwortung liegt beim Handelsministerium, so dass Firmen Zahlen nicht manipulieren können. Der "water footprint" gibt den durchschnittlichen Wasserverbrauch eines Haushalts an.

Klimawandel und Unternehmen: Klimaveränderungen haben gezielte Auswirkungen auf die einzelnen Branchen. Die ökonomischen Systeme müssen sich anpassen. Dabei hilft die Bildung regionaler Netzwerke von Wissenschaft, Unternehmen, Verwaltung und gesellschaftlichen Bedarfsträgern. Besonderes Augenmerk muss auf Extrem(wetter)ereignisse gelegt werden.

Nachhaltigkeitsmarketing: Nach Belz (Nachhaltigkeits-Marketing, Wiesbaden 2005) als duale Führungskonzeption zu planen. Das im doppelten Sinne. Einmal durch Einbeziehung der Beschaffungs- und Absatzmärkte. Zum anderen durch eine marktorientierte und umweltorientierte Führungsphilosophie. Dabei sind die Stufen Beschaffung, Produktion und Marketing zu beachten. Es wird auch ein Nachhaltigkeitsimage verschiedener Marken ermittelt. 2016 führt Miele vor Erdinger, Radeberger und Landliebe (Quelle: Serviceplan).

Konstitutive Elemente der Nachhaltigkeit nach der Brundtland-Kommission: Bericht von 1987. Benannt ach der Vorsitzenden der UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung.  1. Bedürfnisorientierung. 2. Intergenerative Gerechtigkeit. 3. Intragenerative Gerechtigkeit. 4. Integrativer Aspekt (vgl. nächsten Abschnitt).

Nachhaltigkeit als normatives Leitkonzept: Der Begriff geht Carl von Carlowitz in der preußischen Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts zurück. Ein Meilenstein war 1972 die Studie "Grenzen des Wachstums" des Club of Rome. Der Brundtlandbericht förderte 1987 die Nachhaltigkeitsdebatte. Im 21. Jahrhundert prägen die Klimakonferenzen die Diskussion. Vgl. G. Grunwald/ J. Schwill: Nachhaltigkeitsmarketing, in: WISU 12/17, S. 1364ff.

Vier Leitlinien bei der Umsetzung der Nachhaltigkeit: Verantwortungsprinzip, Kreislaufprinzip, Kooperationsprinzip, Stakeholder-Prinzip.

Instrumente des operativen Nachhaltigkeitsmarketings: 1. Nachhaltige Produktpolitik: alternative Produkte, Produktkern, Produktperipherie. 2. Nachhaltige Preispolitik: nachhaltiger Nutzen sichtbar, Mischkalkulationen, Sharing. 3. Nachhaltige Distributionspolitik: umweltfreundliche Transportmittel, Ressourcen schonende Verpackungen, Mehrwegsysteme. 4. Nachhaltige Kommunikationspolitik: Sponsoring, Lieferkettenkommunikation.

Nachhaltigkeitsbericht: Das Bilanzieren der Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. Die Global Reporting Initiative (GRI) hat eine weltweiten Standard entwickelt. Zwischen 2008 und 2012 gab es in Deutschland eine Verdreifachung der Reporte. In erster Linie sind diese Berichte auf den Kapitalmarkt ausgerichtet (vor allem bei AG). Deshalb sind sie im Mittelstand noch die Ausnahme.

Nachhaltigkeit bei Firmen (erweiterte Konzepte): 1. Nachhaltigkeit für den Kunden. Unterstützung der Kunden bei nachhaltigeren Lebensweisen. Vor allem Angebot bei entsprechenden Produktkategorien. 2. Unabhängigkeit von Ressourcen und Energie. Reduzierung des Energieverbrauchs und ökologischer Fußabdruck. 3. Besseres Leben für Menschen und Gemeinschaften. Kooperation mit entsprechenden Organisationen (UN Principles on Business and human Rights, UNICEF u. a.). Als vorbildlich auf dem Gebiet gilt IKEA aus Schweden. 2016 ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen K+S. Der Salz- und Düngemittelhersteller soll Gewässer verunreinigt haben.

Zertifikate der Nachhaltigkeit: Entweder selbst zertifizieren lassen oder bei Anbietern mit Siegel kaufen. Branchenübergreifend gibt es Fairtrade (siehe oben). Bei Textilien werden viele Siegel angeboten (global-standard.or; fairwear.org; naturtextil.de). Bei Lebensmitteln kann man auf folgende zurückgreifen: msc.org, sternenfair.de. Dutzdende von Siegeln gibt es in der Landwirtschaft (bioland.de; demeter.de; naturland.de). Für Möbel liegt vor: fsc-deutschland.de. Focus-Money vergibt Nachhaltigkeitspreise an Unternehmen. Es geht hier um die Sicht der Verbraucher. Auf dem Prüfstand stehen 1400 Unternehmen bzw. Marken aus über 100 Branchen.

Rang Nachhaltigkeit: Wird von Harvard Business Manager vergeben. Wird aus den beiden Komponenten Sustainalytics und CSRHub gebildet und auf die Bewertung von CEOs angewandt.

Ressourcensparende Produkte: Insbesondere bei Konsumgütern (Endkonsument als Einzelperson oder Haushalt). Produkte, die möglichst wenig natürliche Ressourcen (Rohstoffe, Wasser) bei der Produktion verbrauchen, zur Rohstoffwiederverwertung recycelt werden und Fora und Fauna nachhaltig erhalten. Es soll ein Leitbild für nachhaltige Produktionsmuster entwickelt werden (UBA, European Environment Agency).

Engagement von Wirtschaftsführern: Immer mehr bekannte CEOs setzen sich für Sustainability ein. Chief Sustainability Officer sind in fast allen größeren Unternehmen installiert. Die Unternehmen sollen im Sinne einer "Low Carbon"-Wirtschaft umgebaut werden. Entscheidet ist natürlich das WAS und WIE. Auf globaler Ebene können Minimalkompromisse und Absichtserklärungen keine Lösung sein. "Shareholder Value is the dumbest Idea in the world", Jack Welch, ehemaliger CEO von GE.

Peerproduktion und Commons: Gemeingutfertigung durch Ebenbürtige. Sie basiert auf dem Bedürfnisprinzip. Die heute schon greifbaren Resultate sind freie Softwareprojekte wie Linux und Firefox oder auch Wikipedia. Die Trennung von Produzent und Konsument ist überwunden. Die Beteiligten produzieren - ohne Hierarchie und Machtstrukturen - in freiwilliger Kooperation. Eine bewährte Organisationsform ist die Genossenschaft, die heute eine Renaissance erlebt (vgl. das Genossenschaftsmodell bei Finanzierung und Share-Economy bei Mikroökonomik). Nicht immer erfüllen aber Share-Unternehmen das Kriterium der größeren Nachhaltigkeit.

Gentechnik: Methode, Ernteerträge zu erhöhen und Ausfälle zu vermeiden. Der Einsatz der Gentechnik ist sehr umstritten. China war das erste Land weltweit, in dem eine gentechnisch veränderte Pflanze kommerziell angebaut wurde: Tabak. Inzwischen ist eine Ausdehnung auf Hybrid-Reis erfolgt (Produktionssteigerung um 10%).  Eine wachsende Bevölkerung soll mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Relativ stark auf Gentechnik setzen auch die USA, vorangetrieben durch die großen Saatgutkonzerne (z. B. der Agrochemiekonzern Monsanto). Gefordert wird international eine Kennzeichnung. Bisher gelangt Gentechnik in Europa vor allem über verändertes Pflanzenmaterial direkt oder indirekt über das Fleisch von Tieren zum Menschen. Die USA wollen 2013 erstmals ein genetisch verändertes Tier zum Verzehr freigeben. Es handelt sich um einen schnell wachsenden Lachs. 16 Monate braucht der Lachs bis er ausgewachsen ist. Er wächst in einer Aquafarm hoch über Panama. Gentech-Lebensmittel sind bei uns kaum zu erkennen. Vom Gesetz her ist "Verbrauchertäuschung ausdrücklich erlaubt". Sogar wenn "ohne Gentechnik" draufsteht, bedeutet dies keine Sicherheit. Viele Stoffe werden meist gentechnisch hergestellt (Vitamine, Käse, Backwaren, Glukosesirup). In den USA sind schon 69,0 Mio. Hektar mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut (Mais, Soja, Baumwolle, Raps, Zuckerüben, Deutschland 35,5 Mio. Hektar Landesfläche). Dann folgen in der Reihenfolge der Anbaufläche Brasilien, Argentinien und Indien. Ab 2015 ermöglicht die EU nationale Verbote von Gen-Pflanzen (auch wichtig für die Freihandelsabkommen). In Deutschland sollen Bund und Länder gemeinsam entscheiden (Gentechnikgesetz 2016). Die BASF dampft ab 2016 die grüne Gentechnik ein. Die Hälfte der 700 Arbeitsplätze weltweit wird abgebaut. Aufwendige Projekte werden aufgegeben. 2016 will Bayer Monsanto aus den USA übernehmen. Monsanto ist der größte Saatgutkonzern der Welt.

Pflanzenschutz in der EU (Schädlingsbekämpfung; Pestizide): Wird 2014 neu reguliert. Wieder- und Neuzulassungsverfahren von Wirkstoffen werden aufwendiger und teurer. Sehr umstritten ist das Verfahren zu Glyphosat (größter Produzent Monsanto; das Mittel ist billig; inwieweit das mittel Krebs beim Menschen erzeugt, ist umstritten). Im Juni 2016 verlängert die EU-Kommission die Zulassung um 18 Monate (und fragt nicht nach dem Votum der Mitgliedsländer). Im Oktober 2017 ist die neue Zulassung unsicher (in Deutschland sind Umwelt- und Landwirtschaftsministerium zerstritten). 2017 wird Monsanto von Bayer übernommen. Die EU-Behörde (europäische Chemikalienagentur) stuft Glyphosat als nicht krebserregend ein (die Zulassung bleibt aber im Unklaren; auch wegen der deutschen Enthaltung). Schließlich stimmt Deutschland im November 2017 doch zu und sorgt für eine Mehrheit (die Stimme gibt der CSU-Landwirtschaftsminister gegen die Umweltministerin der SPD ab; ein Bruch der Koalitionsgeschäftsordnung). Es soll in Deutschland nationale Beschränkungen geben. Die Baumärkte in Deutschland nehmen Ende 2017 Glyphosat aus dem Sortiment. Daraufhin verlagert sich der Handel ins Internet. Die Grünen fordern ein Verbot für Privathaushalte. Pestizide kann man weder schmecken noch riechen. Sie sind aber in vielen produzierten Lebensmitteln nachweisbar. In Obst, Gemüse, Brot und Milchprodukten. Die Folgen sind noch nicht absehbar. Man weiß noch nicht, wie die Rückstände wirken. Besonders Ungeborene und Kleinkinder sind gegenüber Pestiziden besonders anfällig. 2017 wird in Deutschland wieder mehr Glyphosat verbraucht als 2016 (4694 Tonnen gegenüber 3780 Tonnen, Quelle: BVL). Österreich will 2019 Glyphosat komplett verbieten. Glyphosat ist ein Breitbandherbizit, heißt Allestöter. Monsanto vertreibt es unter dem Namen Roundup. Große Mengen werden mittlerweile in China hergestellt. Glyphosat blockiert das Enzym EPSPS. Einige gentechnisch veränderte Nutzpflanzen sind resistent. 5000 Pestizide werden weltweit eingesetzt. Die Zulassungsverfahren bilden nicht die Realbedingungen ab. Unklar ist, was die Spritzmittel auf lange Sicht anrichten. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will 2018 Glyphosat in Gärten verbieten. 2018 wird von einem Gericht in San Francisco einem Hausmeister 250 Mio. Euro an Schadensersatz von Monsanto zugesprochen. Der Konzern habe nicht ausreichend vor den Risiken von Glyphosat gewarnt. Monsanto geht in Berufung. In Deutschland verschwindet Glyphosat zunehmend aus den Regalen der Baumärkte. Im US-Verfahren erleidet Bayer eine Schlappe: Die Strafe wird deutlich reduziert, aber Glyphosat wird als Ursache von Krebs anerkannt. Damit kann die Klagewelle nicht gestoppt werden. Die Bundesregierung (Bundesumweltministerium) plant im November 2018 strengere Auflagen für Glyphosat. Landwirte sollen das Unkrautvernichtungsmittel nur noch spritzen dürfen, wenn sie gleichzeitig zehn Prozent der Fläche unbehandelt lassen. Die Uni Essen findet in einer Studie 2018 heraus, dass insbesondere die Glyphosat - Hilfsstoffe den Nervenzellen schaden. Im März 2019 sieht eine US-Jury (Bundesgericht in San Francisco)  Krebsgefahr bei Glyphosat. Das ist ein großer Rückschlag für Bayer, da es sich um eine Art Musterfall handelt.

Insektizide: Bestimmte Insektizide sind in der Anwendung verboten, weil sie in Nahrungsmittel gelangen können. Dazu gehört etwa Fipronil, mit dem Läuse in Hühnerställen bekämpft werden können. Im Juli und August 2017 wird das Mittel in Eiern und weiterverarbeiteten Produkten nachgewiesen. Es wurde in belgischen und niederländischen Hühnerställen verbotswidrig eingesetzt. Die EU will 2018 mehr Transparenz bei Pestiziden einführen. Die EU verbietet 2018 drei so genannte Neonicotinoide, die Bienen töten. Auch Schmetterlinge sind betroffen. 2018 nimmt Kanada zwei bienenschädliche Insektizide vom Markt: Thimamethoxam von Sygenta und Clothianidin von Bayer.

Siegel für Öko-Standard: Am bekanntesten ist das staatliche Bio-Siegel in Deutschland (2001). Seit 2010 gibt es das EU-Gemeinschaftslogo. Daneben gibt es Bio-Siegel deutscher Anbauverbände: Bioland, Naturland, Demeter, Biopark, Ecovin.

Greenwashing: Vortäuschen von Umweltschutz in der Werbung oder im Verkauf. Dies geschieht oft mit Hilfe von Siegeln, die nicht geschützt sind. 2017 gerät Aldi in die Kritik , weil Nackensteaks ganz günstig angeboten werden mit dem Tierwohl-Siegel. Die Tierrechtsschützer von Peta sprechen von einer perfiden Marketingstrategie.

Endlager: Es gibt nicht nur Endlager für Atommüll (z. B. Gorleben). Auch Chemieabfall wird endgelagert (z. B. in Herfa-Neurode an der Grenze Thüringens). Daneben gibt es noch andere Problemabfälle. Die Bundesregierung hat sich für Untertage-Deponien entschlossen (in der Regel alte Salzbergwerke). Andere Länder lagern in oberirdischen Deponien (z.B. Italien). Eventuell besteht ja irgendwann mal die Möglichkeit zum Recyclen. Das Kippen der Gifte in Ozeane ist in Deutschland verboten.

Genossenschaften: Nach der Finanzkrise mit der Bankenkrise und in der Energiewende erleben Genossenschaften eine Renaissance. Die Idee von Friedrich Wilhelm Raiffeisen (seit 1847) findet immer mehr Anhänger. Sie haben mittlerweile insgesamt über 20 Mio. Mitglieder. Das Genossenschaftswesen könnte 2017 als erster deutscher Kulturstandard als Immaterielles Kulturgut anerkannt werden (vgl. längeren Artikel dazu bei Economics/basic/Mittelstandsökonomik/Finanzierung.

Transition-Town-Bewegung: Mittlerweile in der ganzen Welt. Zu Deutsch etwa "Stadt im Wandel". Die Erde hat im ersten Halbjahr 2013 etwa so viel Ressourcen verbraucht, wie in einem Jahr regenerierbar sind. Das heißt, dass die Ressourcen eines halben Jahres nicht mehr wieder herstellbar sind. Das bekannteste Merkmal sind die Repair-Cafes. Hier werden ehrenamtlich Geräte repariert und Kommunikation betrieben. Die umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen gibt es seit 2006.

Plastikproduktion und Kunststoffteile als Müll: 2017 liegt die Welt-Plastik-Produktion bei 348 Mio. Tonnen (1950: 1,7 Mio. Tonnen; 1990: 105 Mio. Tonnen). Deutschland alleine hatte 2017 2,4 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle. Mehr als 5,25 Billionen Kunststoffteile schwimmen 2018 in den Meeren. Die Zersetzung dauert ewig: Plastikflasche 450 Jahre, Einwegwindel 450 Jahre, Take-away-Box aus Styropor 50 Jahre, Plastiktüte 10 bis 20 Jahre. Quelle: Der Spiegel Nr. 4/ 19.1.2019, S. 10ff. 2019 will dei Bundesumweltministerin schärfer gegen Plastikbecher und -Deckel vorgehen. Man prangert die Wegwerfmentalität an. Die Wegwerfbecher sollen nach und nach durch Mehrfachbecher ersetzt werden. Man setzt erst mal auf die Freiwilligkeit der Industrie. Hamburg und Thüringen starten im Februar 2019 eine Bundesratsinitiative gegen Mikroplastik in Kosmetika. 2019 erstickt Mexiko-Stadt im Müll: Becher und Teller aus Plastik liegen meterhoch auf der Gasse. Ab 2012 sollen Plastikprodukte bis hin zum Luftballon verbannt werden. Jeder Deutsche verursacht im Schnitt 38 Kilogramm Plastikmüll pro Jahr. Das war deutlich mehr als der EU-Durchschnitt mit 24 Kilogramm (Quelle: Plastikatlas 2019, Hrsg. Heinrich-Böll-Stiftung und BUND). Von den 2017 bundesweit angefallenen 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen seien nur 15,6% wiederverwertet worden. Auch die Umweltminister der G20 wollen ab 2019 gegen Plastikmüll vorgehen (G20-Treffen in Osaka). Geplant sind konkrete Maßnahmen gegen Meeresabfälle. Bundeslandwirtschaftsminister Müller fordert im Juni 2019 ein Exportverbot für Plastikmüll.

Plastiktüten (Plastikmüll): Sie stellen eine große Bedrohung für viele Tierarten dar und halten fast eine Ewigkeit, wenn sie nicht richtig entsorgt werden. Deshalb erwägt die EU eine Steuer oder ein Verbot (oder Selbstverpflichtung). Besonders die leichten, dünnen Beutel kommen in zu großen Mengen vor. In der EU werden 2013 werden pro Jahr und Kopf 200 Tüten verbraucht. 2020 sollen es nur noch 40 sein (mit 20 liegt Irland heute schon drunter). Das Fernziel ist 2025. Bis dahin soll der Verbrauch pro Kopf deutlich sinken (der Verbrauch ist aktuell am höchsten in Portugal und Tschechien; Deutschland ist nach Irland und Österreich Dritter im geringsten Verbrauch). Rund 8 Mio. Tonnen Plastikmüll insgesamt gelangten im Jahr 2010 in die Weltmeere (University of Georgia). Mittlerweile kann das Plastik in Fischen nachgewiesen werden. Das Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven hat in 18 bis 30% der Makrelen Mikroplastikteile festgestellt. Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr durch in Massen aufsteigende Luftballons. sie landen irgendwo und verschmutzen die Natur bzw. führen zum Tod vieler Tiere. Für einen Müllberg an Aluminium und Plastik sorgen auch die Kaffeekapseln. Die Grünen fordern dafür eine Umweltabgabe. In Deutschland eröffnen immer mehr "Unverpackt Läden" (Verpackungsfreie Supermärkte). In einigen Entwicklungsländern gibt es Projekte, aus gepresstem Plastikmüll Häuser zu bauen. 2107 wird entdeckt, dass die Larven der Wachsmotte Plastik fressen. Das will man sich direkt oder indirekt (Analyse des Stoffwechselprozesses und Imitation) zu Nutze machen. Besonders schädlich sind auch die Micro-Plastik-Partikel und -Fasern: Sie stammen aus dem Abwaschen von Funktionskleidung, aus Waschmitteln und vom Abrieb von Autoreifen. Sie sind besonders schädlich für das Gewebe von Fischen und Meeressäugern.  Larvaceen (Manteltiere) bringen das Mikroplastik auf den Meeresboden. Der Einzelhandel nimmt ab 2017 meistens Geld für Plastiktüten. Die Frage ist, ob das der Umwelt hilft. Genau weiß das keiner, weil die Statistik Lücken hat. In der EU werden im Durchschnitt pro Jahr 198 Plastiktüten pro Person gebraucht (2015). In Deutschland liegt dieser Durchschnitt bei 71. Die EU will den Durchschnitt bis 2019 auf 90, und bis 2025 auf 40 senken. Die weltweite Plastikproduktion wird von 15 Mio. Tonnen in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts auf 1124 Mio. Tonnen bis 2050 steigen (2015 311 Mio. Tonnen). Den meisten Plastikmüll für das Meer produzieren China, Indien/Südasien und Afrika. Bald gibt es mehr Plastikmüll im Meer als Fische. Jährlich landen mehr als acht Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen. Das wurde auf der ersten Meeresschutzkonferenz der UN im Juni 2017 bekannt gegeben. Im August 2017 verbietet Kenia Plastiktüten ganz. Eine erfolgreiche Maßnahme gegen Plastikmüll im Meer ist das Projekt  "Fishing for Litter". Fischer nehmen Müllsäcke an Bord, um den Plastikmüll im Hafen kostenlos zu entsorgen. Nord- und Ostsee sind stark mit Plastikmüll verunreinigt. In Italien sorgt eine neue Regelung 2018 zum Verpacken von Obst und Gemüse für Aufregung. Biotüten dafür müssen auch bezahlt werden mit einem bis drei Cent. Obwohl es sich um die Umsetzung einer EU-Richtlinie handelt, macht das rechte Parteilager Wahlkampf damit. Von 2005 bis 2015 ist der Plastikmüll in der EU um +33% gewachsen. Die EU-Kommission arbeitet an einer Strategie zur Reduzierung (siehe nächsten Abschnitt). Ca. 24 Mio. Plastikteilchen sind nach der Container-Havarie Ende Januar 2019 in der Nordsee vor den Niederlanden (Schiermonnikoog u. a.).  "Wir vermuten, dass sich im Jahr 2050, als Gewicht gerechnet, mehr Plastik als Fisch in den Weltmeeren befinden wird", Bernhard Bauske, Projektkoordinator Meeresmüll beim WWF 2018. Die Bundesregierung will den Plastikmüll ab 2019 vor dem Export besser sortieren lassen. Aldi schafft im Juni 2019 die kostenlosen Obst- und Gemüsetüten ab. Es ist ein "symbolischer Preis" von 1 Cent pro Stück fällig.

Plastikpartikel im Gehirn: Krebstiere und Fische, die mit Nanoplastik gefüttert wurden zeigen Verhaltensänderungen. Menschen atmen auch Partikel ein. Je kleiner sie sind, desto eher können sie biologische Barrieren überwinden. Sie können Entzündungen, Gewebeschäden  oder oxidativen Stress auslösen.

Nano - Plastikpartikel (Mikroplastik): Es ist in vielen Kosmetik-Artikeln (Duchdels, Augencreme, Lippenstift, Zahnersatz-Haftcreme, Wimperntusche). Vom Abfluss gelangt es in Kläranlagen. Etwa 90% werden dort rausgefiltert. Ca. 10% gelangen über Flüsse ins Meer. Fische essen das Mikroplastik. Über die Fische landet das Plastik auf unserem Teller.

Bisphenol A (BPA): Der Stoff ist in vielen Produkten der Plastikindustrie. Laut Umweltbundesamt wirkt BPA auf den Hormonhaushalt und kann schädlich für die Fortpflanzung sein. Vor allem Kinder seien gefährdet. Daher wurde 2011 verboten, die Chemikalie bei der Herstellung von Babyflaschen einzusetzen.  BPA ist eine der meisten genutzten Chemikalien. Weltweit werden jährlich rund 3,8 Tonnen hergestellt. Im Juli 2019 entscheidet der EuGH, dass der Stoff zu Recht als besonders besorgniserregend eingestuft ist.

Plastiksteuer und andere Maßnahmen: Die EU erwägt 2018 eine Plastiksteuer. Es soll eine zusätzliche Einnahmequelle für den EU-Haushalt sein. Die Kunststoffmenge müsse aus Umweltschutzgründen reduziert werden. Es geht auch um die Lücke in der Finanzierung der EU, die der Brexit hinterlässt. Weitere Maßnahmen gegen Plastik sind: Recycling vorantreiben. Neue Regeln zur Wiederverwertung. Neue regeln zur Vermeidung von Plastik (Trinkhalme, Becher). In den Häfen sollen Abfallannahmestellen für Schiffe eingerichtet werden. Der Druck ist gestiegen, seit China ab 2018 keinen Plastikabfall mehr annimmt. Für Verpackungen wird in Deutschland der meiste Kunststoff produziert. Dann folgen Bau, Automobil, Elektro und Möbel. Im Februar 2018 schlägt die EU neue Qualitätsstandards und zusätzliche Kontrollen vor. Es soll mehr Wasser aus dem Hahn getrunken werden und weniger aus Plastikflaschen. Alle Restaurants sollen grundsätzlich kostenlos Leitungswasser anbieten. Schweden verbietet 2018 Mikroplastik in Kosmetika. 2018 finden die Commonwealth - Staaten auf ihrer Konferenz das gemeinsame Thema Plastikmüll. Trinkhalme aus Plastik sollen verboten werden. Im Mai erarbeitet die EU eine Richtlinie, die Plastikgeschirr verbietet. Eine Plastiksteuer wäre nur sinnvoll, wenn Anpassungs- und Ausweichreaktionen realisiert werden können. Eine Preiserhöhung dürfte induziert sein, müsste aber auch die Umweltschädigung reduzieren. Die EU verbietet Plastikgeschirr, Plastikbesteck und Trinkhalme und andere Plastikwegwerfprodukte (Einweg-Plastik). Hersteller sollen an den Kosten der Umweltsäuberung beteiligt werden. Die Recycling-Quote soll erhöht werden. Das Parlament billigt die Verschärfung der Richtlinien am 24.10.18.  Die EU-Staaten sollen die neuen Regeln bis 2021 umsetzen. Die Bundesregierung will dem Vorschlag der EU-Kommission folgen. Im November 2018 gibt die Umweltministerin Schulze einen Plan zur Eindämmung der Plastikflut bekannt: Gemüse ohne Plastik, Vermeidung und Verbote, umweltfreundlichere Verpackungen, freiwillige Selbstverpflichtungen. Unglücklicherweise sollen die neuen Regeln erst in zwei Jahren verbindlich sein. Dann will die EU auch die Tabakindustrie wegen der Kippen zur Kasse bitten. In der Industrie setzt man auf Plastik-Recycling. Adidas will immer mehr Schuhe aus recyceltem Plastikabfall herstellen. Am 27.03.2019 beschließt das EU-Parlament ein Verbot vieler Einwegprodukte ab 2021 (Plastikteller und -besteck, Trinkhalme, Luftballonstäbe, Wattestäbchen). Formell müssen noch die einzelnen Staaten Regeln verabschieden. Am 10.05.2019 unterzeichen 187 Staaten ein Abkommen: Es ist ein Meilenstein gegen Plastikmüll. Der Export von Kunststoffabfällen soll eingedämmt werden (Basler Konvention, Genf). "Verpackungen werden massenhaft unreflektiert in den Markt gedrückt", Thomas Fischer, Deutsche Umwelthilfe 2018. 37 Kilo Plastikmüll verursacht jeder Deutsche pro Jahr - und damit deutlich mehr als im EU-Durchschnitt. Im Oktober 2018 werden erstmals Plastikrückstände im menschlichen Stuhl nachgewiesen. Der Einfluss von Mikroplastik auf die menschliche Gesundheit ist bisher kaum untersucht worden. In Laborexperimenten müssten endlich die richtigen Kunststoffe untersucht werden. Das System "The Ocean Cleanup" zur Säuberung der Meere vom Plastikmüll braucht länger, um anzulaufen. Dies wird wahrscheinlich erst 2019 sein. Initiator ist der Niederländer Boyan Slat.

Export von Plastikmüll: Im Jahre 2018 wurden die meisten Plastikabfälle von deutschen Unternehmen in folgende Länder exportiert (Rangfolge): Malaysia, Niederlande, Polen, Hongkong, Indien. China nimmt keinen Müll mehr auf. Quelle: Statistisches Bundesamt.

Plastikmüll der Konsumgüter-Konzerne: In 1000 Tonnen pro Jahr: Coca Cola 3000; Nestle 1700; Danone 750; Unilever 610. Quelle: Plastikatlas 2019, DUH.

Gras als Verpackung: Verpackungen aus Gras sind im Kommen. Vorreiter ist die Firma Creapaper aus Hennef. Sie gewinnt den StartGreen Award 2016 des BMU. Die Verpackungen bestehen aus Gras und Holz (40%). 75% CO2-Ersparnis bringt das mit sich. Es gibt mittlerweile auch Bambus-Becher. Verbraucherschützer warnen allerdings davor, weil sie gesundheitsschädlich sind (enthalten auch Kunststoffe).

Müll als globales Gut: Ein Teil des Mülls (Elektroschrott, Plastik u. a.) wird in Entwicklungsländern entsorgt. Die Müllberge werden systematisch von den Einheimischen durchstöbert. Sie suchen nach Verwertbarem. Für die Menschen vor Ort sind diese Müllberge Fluch und Segen zugleich. Einerseits kann man etwas verdienen. Andererseits werden die Menschen von den Giftstoffen krank. Sehr viel Müll schwirrt auch im Weltall herum und stellt mittlerweile eine Gefahr dar. Immer häufiger kommt es zu Kollisionen (Kessler-Syndrom). Müll kann auf folgenden Wegen entsorgt werden: 1. Recycling. 2. Kompostierung. 3. Verbrennung. 4. Deponierung. Deutschland führt weltweit bei der Müllentsorgung. Immer stärker holt China auf.  Eine der großen Müllkippen ist in Payatas auf den Philippinen. 500 große Lastwagen liefern täglich 1200 Tonnen Abfall. Ende 2016 stuft der Bundesrat Polystyrol mit Flammschutz wieder als normalen Abfall ein. So kann der Dämmstoff weiter kostengünstig entsorgt werden. Deutschland exportiert eine riesige Menge Altverpackungen. 2016 gab es Plastikmüll-Exporte im Wert von 249 Mio. Euro. Von den insgesamt produzierten 5,92 Mio. t Plastikmüll (2015) wurden 1,4 Mio. t exportiert. Zielländer waren der Reihenfolge nach: China, Niederlande, Malaysia, Indonesien, USA.  Elektroschrott aus Deutschland wird oft versteckt in Altautos nach Afrika geschafft (Nigeria).

Abfall pro Kopf: Im Jahr 2016 ergab sich folgendes Bild in der EU: 1. Dänemark 777 kg; 2. Zypern 640 kg; 3. Deutschland 627; 4. Malta 621; 5. Luxemburg 614. Quelle: Eurostat.

Vernichtung von Retouren: In Deutschland wird jedes sechste im Online-Handel bestellte Paket wieder zurückgeschickt. 2018 waren das 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel. Bei Kleidung und Schuhen geht sogar fast die Hälfte der Pakete zurück (Quelle: Wirtschaftswissenschaftler, Uni Bamberg). Die Grünen wollen 2019 den Online-Händlern wie Amazon, Otto und C. diese Vernichtung verbieten. Die Sachen sollten an Arme verschenkt bzw. Sozialkaufhäusern übergeben werden. 2019 hat nach Angaben des HDE der Online-Handel nur 10% des Handels. Also müsste man auch den Offline - Handel einbeziehen.  "Perversion der Wegwerfgesellschaft", Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag.

Verwertung von Haushaltsabfällen: Möglich sind Deponierung, Energetische Verwertung und Recycling/ Kompostierung. Bei der energetischen Verwertung führen Schweden und Belgien in der EU. Bei der Deponierungen liegen Griechenland und Malta vorne. Beim Recycling führen die skandinavischen Länder, Deutschland liegt in der Spitzengruppe. Quelle: CEWEP (Vereinigung europäischer Müllheizkraftwerke).

Lebensmittel und Müll: Etwa 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr rund um den Globus verschwendet, in dem  sie - obwohl noch essbar - in den Müll gelangen (Schätzung). Seit 2012 gibt es die Internet-Plattform "foodsharing.de", über die Privatleute, Einrichtungen und Händler kostenlos Nahrungsmittel anbieten können. 2017 wird der erste Laden mit ausgesonderten Lebensmitteln in Berlin-Charlottenburg gegründet. Er heißt "SirPlus" (Wortspiel mit dem Englischen "Surplus"). Die Anschubfinanzierung erfolgte über Crowdfunding (1700 Leute, über 90.000 Euro, Plattform "Startnext"). Es soll ein Online-Lieferdienst und eine Super-Markt-Kette aufgebaut werden. Ähnliche Konzepte verfolgen das Cafe "Raupe Nimmersatt" und das Restaurant "Restlos glücklich" in Berlin. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in Deutschland auf dem Müll (Institut für nachhaltige Ernährung der FH Münster). Dazu werden allein 15 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche genutzt. Die Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner will 2019 die Lebensmittelabfälle bis 2030 halbieren. Es sind Maßnahmen auf freiwilliger Basis geplant.

Containern: Als erstes Bundesland will Hamburg das Mitnehmen weggeworfener Supermarkt-Lebensmittel aus Müll-Containern legalisieren. Vielleicht kann bundesweit die Selbstbedienung bei entsorgten Lebensmitteln kommen? Die Justizminister der Länder entscheiden sich aber im juni 2019 gegen das Containern. Somit ist der Antrag Hamburgs abgelehnt.

Elektroschrott: Gemessen in Tonnen 2016. 1. China 7,2 Mio. Tonnen. 2. USA 6,3 Mio. Tonnen. 3. Japan 2,1 Mio. 4. Indien 2,0 Mio. 5. Deutschland 1,9 Mio. Pro kopf sind das 22,8 kg pro Kopf. Quelle: The Global E-Waste Monitor 2017.

Elektrosmog: Die Digitalisierung führt zu einer starken Zunahme der drahtlosen Kommunikation mit einem vermehrten Einsatz elektromagnetsicher Felder. Die Belastung der Bevölkerung wird steigen. Elektrosmog macht Menschen, Tieren und Pflanzen zu schaffen. Es wird noch mehr Strahlungsquellen durch 5G geben. Studien und Urteile belegen die Risiken frequenter Strahlung.

Recycling: Im März 2017 kommt ein neues Verpackungsgesetz in Deutschland. Die Recycling-Quote soll dadurch stark erhöht werden. 65% des Hausmülls werden 2017 recycelt. Bei Bau- und Abbruchsabfällen liegt die Recyclingrate sogar bei fast 90%. Deutschland liegt mittlerweile an der Spitze der Recycling-Quoten: 47%.

Chemische Umweltverschmutzung: Es gibt bislang keine Kontrollvariable. Toxische Substanzen, wie etwa synthetische  chemische Schadstoff und Schwermetalle, die in die Biosphäre gelangen, können dort lange Zeit verharren und irreversible Auswirkungen nach sich ziehen. Wenn sie sich im Gewebe von Lebewesen wie etwa Vögeln und Säugetieren anreichern, beeinträchtigen sie deren Fruchtbarkeit und verursachen genetische Schäden.

Fluorchemikalien (PFC): Sie sind in Outdoor - Kleidung und im Verpackungsmaterial von Fast Food. Von dort können sie ins Essen gelangen. Die Stoffe reichern sich auch seit 50 Jahren in der Umwelt an. Es gibt rund 900 Arten der extrem stabilen Kohlenstoffketten. Sie werden in der Natur kaum zersetzt. Die EU hat zwar zwei besonders gefährliche Substanzen auf den Index gesetzt. Sie werden weiter importiert.

Textilindustrie: Sie schädigt die Umwelt wie kaum eine andere Branche. Der ökologische Fußabdruck ist verheerend. Die weltweite Textilproduktion hat sich zwischen 2000 und 2015 verdoppelt. Kleidung ist zu einem Wegwerfartikel geworden. Der Materialfluss sieht wie folgt aus: 97/ werden neue Rohstoffe verwendet (Plastik, Baumwolle), 3% werden Rohstoffe aus Recycling gewonnen. 53 Millionen Tonen Fasern wurden 2015 für Bekleidung produziert (12% Produktionsverluste). 75% landen im Altkleider-Container. 12% werden zu niederwertigen Produkten recycelt.

Energiemanagement: In großen Unternehmen verbunden mit den ERP-Systemen. SAP hat ein eigenes System entwickelt: Energy & Environmental Resource Management.. Es läuft mit HANA-Technologie (Spaltenbasierte Ablage der Daten, in memory). Dies könnte auch bisher ein Hindernis der bei der Verbreitung sein (ab 2014). Förderlich wäre sich eine gesetzliche Pflicht zur Energiebilanz. Der analytische Teil kann gesondert betrieben werden und wird auch getrennt verkauft. Planungen sind auch mit dem System möglich.

Gemeinwohl-Ökonomie: Das Konzept wurde vom österreichischen Attac-Mitbegründer Christian Felber entwickelt. Im deutschsprachigen Raum gibt es etwa 1400 Unternehmen, überwiegend kleinere, die sich dem Konzept verpflichtet fühlen. Ein Drittel legt jährlich eine entsprechende Bilanz vor. Langfristig wird angestrebt, eine solche Bilanz gesetzlich verpflichtend zu machen. Unternehmen mit einer guten Gemeinwohlbilanz sollen von niedrigeren Steuern, günstigeren Krediten und Bevorzugung bei der Auftragsvergabe profitieren.

Grüne Gründer: 2013 konnten schon 15,0 Mio. € für Start-Ups für nachhaltige Projekte durch Crowdinvesting eingesammelt werden.

Nachhaltigkeitsbericht: Aktiengesellschaften (AG) können einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen. Sie nehmen damit Bezug auf ihre Interessengruppen "Stakeholder" und "Shareholder". Gleichzeitig vervollständigen sie damit ihre Corporate Social Responsibility. Sie folgen den drei Säulen der Nachhaltigkeit. Zuerst wird ein Nachhaltigkeitskodex erstellt. Dann wird ein qualitativer und quantitativer Berichtsrahmen aufgebaut, der in der Regel der Best-Practice-Empfehlung der Deutschen Börse folgt. Als Benchmark können auch die Konzepte bestimmter Firmen dienen.

Social Sustainability: Umfasst drei Bereiche in der Praxis von Unternehmen: Social Compliance (ethisches Verhalten zahlt sich langfristig aus), Nachfolge (langfristige Personalpolitik, auch im Familienrahmen), hoher Anteil an Eigen- und Selbstfinanzierung im gesamten Finzierungsbudget.

Energiesparen als B2C- und B2B-Geschäftsmodell: Als Musterunternehmen in diesem Bereich gilt Grünspar. Es handelt sich um einen Online-Versand in Münster (Whitelabel-Shop für Versprger). Heute erreicht Grünspar zehn Millionen Haushalte in Deutschland und Österreich. Das Unternehmen arbeitet mit 110 regionalen Versorgern zusammen.

Stop-Climate-Change-Standard: Zertifizierung. Hier gibt es verschiedene Standards. Der höchste ist der Goldstandard. Bewertet wird die so genannte Klimaneutralität.

Health-Claims-Verordnung: Lebensmittel, die gesundheitsfördernd sind, lassen sich besonders gut verkaufen. Das ist ein Anreiz für irreführende Werbung. Die EU macht deshalb genaue Vorgaben: wissenschaftliche Absicherung ud Positivliste der EU. Zielt die Werbung auf kinder, bedarf es einer Einzelzulassung. 

Berliner Erklärung zu nachhaltigen und sicheren Lieferketten in der Industrie (Berliner Konsens): Kooperation von OECD, BMA, DAX-Unternehmen, BDI, BDA und NGO. Abschluss nicht mehr vor der Bundestagswahl. Umstritten sind Haftungsfragen für den Mittelstand. Nachhaltige Lieferketten sind auf den G20-gipfeln und G7-Treffen bekräftigt worden.

Entlarver-App: So werden Handys zu tragbaren Laboren. Sie können feststellen, wie viel Spritzmittel auf Lebensmitteln ist.

Umweltmanagement: In den vergangenen Jahren ist der betriebliche Umweltschutz zu einem eigenständigen Unternehmensziel geworden. Das betriebliche Umweltmanagement stellt eine neue unternehmerische Führungsaufgabe dar. Instrumente sind z. B. das Öko-Audit oder Öko-Bilanzen.

Umweltrechnungswesen: Es umfasst zwei Teile: Die mengenmäßige Input-Outputrechnung (stoffliche und energetische Mengenbilanzen, stoffliche und energetische Flussrechnungen). Die wertmäßige Aufwand- und Ertragsrechnung. Sie münden in Umweltberichten (nach ISO 14.001 und ISO 14040ff. bzw. EMAS).

Umweltorganisation: Funktionen: Umweltbeauftragter. Immissionsschutzbeauftragter. Abfallbeauftragter. Abwasserschutzbeauftragter.

Umweltschutz am Produkt: Er richtet sich nach folgenden Grundsätzen: 1. Je kleiner ein Produkt ist, desto geringer sind die Mengen am Altprodukten (Miniaturisierung). 2. Je leichter das Produkt ist, desto umweltfreundlicher ist es (Gewicht). 3. Je länger das Produkt lebt, desto geringer der Abfall an Altprodukten (Lebensdauer). 4. Je benutzerfreundlicher das Produkt ist, desto seltener sind Ersatzprobleme (Benutzerfreundlichkeit). 5. Je geringer die Produktionsrückstände sind, desto umweltfreundlicher ist das Produkt (Abbaubarkeit). Vgl. Albach, Horst: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Wiesbaden 2000, S. 390.

Umweltschutz bei Produktionssystemen: End-of-Pipe-Produktionssysteme, Integrierte Produktionssysteme, Produktionsplanung mit Abprodukten.

Fuel Dumping: Ablassen von Kerosin bei Flugzeugen, wenn der Tank für eine Landung zu voll ist. Die schädlichen Folgen für Menschen sind noch unklar.

Global Government (internationale Aspekte der Umwelt, Weltklima-Konferenzen, Klimaabkommen, globale Koordinierung, Klimapolitik besonders wichtiger Länder und Integrationen)

Umweltaspekte des Welthandels: Es geht um den Einfluss von Umweltregulierungen auf die Wettbewerbsfähigkeit, um die Wirkung von Handelsliberalisierung auf die Umwelt, um die Legitimität handelspolitischer Maßnahmen für die Umwelt, um den Handel von Klimaschutztechnologien und um Ressourcenhandel und -konflikte. Die Klimadebatte wird auch zu Marktverschiebungen führen und industrielle Prozesse verändern: die Zement- und Grundstoffindustrie wird in Deutschland Probleme bekommen, es profitiert der Maschinenbau in Bezug auf Umwelttechnologie. Nur ein globaler Emissionshandel (bisher nur hauptsächlich Europa) könnte wohl die Klima - Veränderungen bremsen. Mittlerweile investieren die großen deutschen Energieversorger (RWE, Osram) in Projekte in Indien und China, um ihre Kosten für CO2-Emissionsrechte zu verbessern. Insgesamt führt auch die starke Produktionsverlagerung in Entwicklungs- und Schwellenländer gleichzeitig zu einer Verlagerung der CO2-Problematik in diese Länder. Vgl. auch: Mayer, H.: Umweltökonomische Aspekte der Globalisierung, in: Wirtschaft und Statistik, 12/2007, S. 1261-1269. "Was wir brauchen, sind innovative Klimaschutztechnologien, die wir ins Ausland verkaufen können. Nur das rettet das Klima", Sigmar Gabriel, ehemaliger Bundesumweltminister, jetzt SPD-Vorsitzender und Bundeswirtschaftsminister.

Öko-Dumping: Oligopolistische Weltmärkte können dazu führen, dass Multis ihre externen Effekte in Entwicklungs- und Schwellenländern produzieren oder Export in unbeteiligte Drittländer durchführen. Hiergegen müssen protektionistische Maßnahmen in den betroffenen Ländern, globalere Emissionsgrenzen oder strategische Innovationsanreize in den Ursprungsländern gegeben werden. 2012 häufen sich wieder Meldungen über Öko-Dumping in Entwicklungsländern.

Verteilung und Entwicklung der CO2-Emissionen nach Wirtschaftsräumen: Entwicklung jeweils von 1990 bis 2013. Die Industrieländer zeigen ein gemischtes Bild: USA +6%; EU, Japan und der Rest -14%. Die Entwicklungs- und Schwellenländer haben einen Anstieg um +56%. Darunter am stärksten China (+312% und Indien +200%). Der Gesamtausstoß ist von 22,7 Milliarden Tonnen 1990 auf 35,3 Milliarden Tonnen 2013 gestiegen. Quelle: Der Spiegel 9/2015, S.61. Vgl. auch: Naomi Klein: Die Entscheidung - Kapitalismus vs. Klima, Frankfurt 2015.

Globaler Flugverkehr: Neue Flugzeugmodelle erzeugen weniger Lärm und Abgase. Hersteller und Fluggesellschaften werden nur dann investieren, wenn die Umweltregeln (schärfere Umweltschutz-, Klimaschutz- und Lärmschutzregeln) verschärft werden. Im harten Wettbewerb werden teilweise Verlust gemacht. Es gibt 2016 im Flugverkehr weltweite Überkapazitäten. Lokal werden Flughäfen in der EU und Deutschland oft hoch subventioniert. Die EU hat den Subventionen ab 2024 einen Riegel vorgeschoben. In RLP ist der Flughafen Hahn betroffen . Ab 2016, dem Jahr des Flughafenverkaufs an Shanghai Yiqian Trading LTD., können noch 70 Mio. Euro bis 2024 gezahlt werden.

Globaler Emissionshandel: Als komplexes System soll er Regierungen und der Wirtschaft helfen, die Reduzierung der Emissionen effizient zu erreichen. Er besteht aus zwei Elementen: Cap and Trade (Obergrenzen und Handel mit Emissionsrechten) und Offsetting (CO2-Ausgleich). Als Marktlösung entspricht er wirtschaftstheoretischen Überlegungen, die in die UN-Umweltgipfel von Rio bis Kyoto einfließen. Mit dem EU-ETS hat die EU den weltweit größten Markt für CO2-Zertifikate geschaffen und verfügt über die längste Erfahrung. In der dritten Phase gibt es Probleme durch angesparte Zertifikate, Ausgleichszertifikate und in der Vernetzung der Gesetzeslücken. Besonders umstritten ist weltweit REDD, d. h. die Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Bodenverarmung. Vgl. Gilbertson, T./ Reyes, O.: Globaler Emissionshandel, Frankfurt 2010. Es gibt auch noch andere negative Auswirkungen: So verhindert der Handel mit Emissionszertifikaten die Modernisierung von Kühlmittelfabriken in Indien und China. Z. B. stehen 12 dieser Fabriken in China, bei denen HFKW-23 anfällt, für deren Entsorgung Zertifikate verkauft werden dürfen. Spekulanten, Energiekonzerne und Kriminelle bereichern sich auch mittlerweile an Zertifikaten. US-Investoren kontrollieren den Handel. "Das ,was wir jetzt erleben, ist nur ein Vorgeschmack auf das, was uns bald erwartet", Mojib Latif, Klimaforscher.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) sieht im  globalen UN-Umweltzustandsbericht 2007 (Geo-4, "Environment for Development", alle 3-5 Jahre) 60% aller Ökosysteme geschädigt und warnt vor großer Wasserknappheit. Durch verschmutztes Wasser sterben in Entwicklungsländern jährlich 3 Mio. Menschen. Das UN-Klimareferat befindet sich in Bonn (Leiter: de Boer). Es rechnet nicht vor 2009 mit einem Abschluss der Verhandlungen zum Klimaschutz. Alles fing 1992 mit der UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) an. Der erste Umwelt-Weltgipfel fand 1972 in Stockholm statt. Sitz des Umweltprogramms ist Nairobi in Kenia. Chef ist ein Deutscher: Achim Steiner. Der Deutsche Jochen Flasbarth will neuer Chef werden. 2016 findet eine Konferenz in Kigali/ Ruanda statt. Man einigt sich auf Folgeabkommen zum Verbot von FKW. Schrittweise sollen von bei den Industrieländern 2019 bis 2035 85% des FKW-Ausstoßes verringert werden. Bei den entwicklungs- und Schwellenländern ist eine Reduktion um 80 bzw. 85% von 2014 bis 2047 vorgesehen. Die Treibhausgase beschädigen die Ozon-Schicht.

Es gibt auch ein UN-Klimasekretariat, dessen Chefin Christina Figueres aus Cost Rica ist. 2016 wird die Mexikanerin Patricia Espinosa Cantelano neue Generalsekretärin. Hauptaufgabe der Organisation besteht in der Vorbereitung der Weltklimakonferenzen. "Wir Menschen haben es mit einem globalen Notfall zu tun. Die Erde hat jetzt Fieber. Und das Fieber steigt," Al Gore.

Club of Rome: Es handelt sich um ein Expertengremium bzw. eine Denkfabrik für globale Zukunftsfragen, insbesondere Umweltprobleme. Er wurde 1968 in Rom gegründet. 2016 wird 50 Jahre gefeiert (in Winterthur/ Schweiz). Er umfasst maximal 100 Persönlichkeiten aus fünf Kontinenten. Seit 2008 ist der Hautsitz im schweizerischen Winterthur. 1972 wurde die berühmte Studie "Grenzen des Wachstums" (Dennis Meadows) vorgelegt. 1973 erhielt die Organisation den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Aktuell 2016 gibt das Gremium ein Plädoyer für die Ein-Kind-Familie ab. Es wird ein geringeres Wachstum der Weltbevölkerung gefordert. Neben Umweltschutz und Klimawandel ist Weltbevölkerungsentwicklung der zweite Schwerpunkt.   "Nachhaltige Entwicklung ist eine unsinnige Vokabel wie friedlicher Krieg. Und was die grüne Industrie angeht, das ist reine Fantasie", Dennis Meadows, US-Ökonom.

Climate and Clean Air Coalition: Im Februar 2012 gegründet. Im Mai treten die G8-Staaten geschlossen bei.

Internationaler Klimafonds (Grüner Klimafonds): Sitz ist  Songdo (Südkorea). Er soll künftig Entwicklungs- und Schwellenländern Finanzmittel zur Verfügung stellen, um die Volkswirtschaften klimafreundlich umzugestalten.

Agenda 21: Ein Entwicklungs- und Umweltpolitisches Programm für das 21. Jahrhundert zur Erreichung einer nachhaltigeren Entwicklung. 178 Staaten haben es 1992 in Rio de Janeiro beschlossen. Dort gab es auch eine Deklaration, genannt Rio-Deklaration. Es ist ein Grundgesetz der Umweltpolitik (Präambel und 27 Grundsätze). "Reine Luft, saubere Böden, und ungiftige Lebensmittel gehören zu den Menschenrechten", Felipe, spanischer Kronprinz bei der UN-Wüstenkonferenz in Madrid.

Weltklimarat (IPCC): Im Auftrag der Uno erstellt der Weltklimarat (195 Mitgliedsstaaten) Berichte über die globale Erderwärmung (Auswirkungen auf Natur und Menschen; Anpassungsstrategien). Die UN-Organisation besteht seit 1988 und hat seinen Sitz in Genf. Berichte wurden 1990, 1995, 2001, 2007 und 2018 vorgestellt. Ein weiterer Bericht, der fünfte Report, ist von 2013 (September) und 2014 (November). Die Experten (bis zu 95) warnen vor größeren Gefahren in den Küstenregionen. Die Meeresspiegel könnten bis zum Jahre 2100 - je nach Szenario -  um 26 bis 82 cm steigen. Es wird auch auf 85% der weltweiten Landfläche brutal heiß. Ende März 2014 wird im japanischen Yokohama ein weiterer Teilbericht bekannt gegeben: Der CO2-Ausstoß ist zu hoch. Die Meere erwärmen sich dadurch schneller und die Meeresspiegel steigen. Befürchtet werden Hunger und Konflikte in der Welt. Hunderte Millionen Küstenbewohner werden ihre Heimat verlieren, weil Überflutungen durch den starken Anstieg con CO2 zunehmen (Meeresspiegel ist von 1901 bis 2010 um 19 Zentimeter gestiegen). 500 Experten schreiben an dem Entwurf. Weizen-, Reis und Maiserträge nehmen ab, wodurch Hungersnöte entstehen. Die Oberflächentemperatur ist von 1880 auf 2012 um 0,85 Grad Celsius gestiegen. Die Gletscher werden weiter abschmelzen. Die Verbreitung der Tier- und Pflanzenarten verschiebt sich mit den Klimazonen. Extremwetter wie Hitzewellen, Überflutungen, Wirbelstürme und Brände werden zunehmen. Verantwortlich dafür ist vor allem die Nutzung der fossilen Brennstoffe. Die Erderwärmung kann auf zwei Grad begrenzt werden, wenn die Menschheit deutlich mehr für den Klimaschutz tut. Der rechtzeitige Wechel auf alternative Energien kostet wenig und schlägt mit einem Wirtschaftswachstum von 1,6 bis drei Prozent pro Jahr mit einem Minus von jährlich 0,06% zu Buche. Im November 2014 werden folgende Ergebnisse veröffentlicht: Die Konzentration von Treibhausgasen ist auf dem höchsten Stand seit 800.000 Jahren. Die Oberflächentemperatur der Erde hat sich zwischen 1880 und 2012 um 0,85 Grad erhöht. Der Meeresspiegel ist zwischen 1901 und 2010 um 19 Zentimeter gestiegen. Notwendig sei eine Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen um 40 bis 50% zwischen 2010 und 2050 und auf Null bis 2100. Von fossilen Energieträgern müsse auf erneuerbare Quellen umgeschwenkt werden. Am 08. Oktober veröffentlicht der Klimarat wieder einen Gesamtüberblick in Form eines Sonderberichts , diesmal in Südkorea. Das Expertengremium der UN schlägt Alarm: Die Menschheit schaffe es bisher nicht, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Es drohten enorme Schäden für Erdbewohner und Umwelt. Der Netto-Ausstoß von Kohlendioxid muss gemäß dem Bericht bis 2050 auf Null sinken. Ein Erwärmungsgrad um zwei Grad Celsius würde praktisch zur Vernichtung der Korallenriffe führen und andere massive Auswirkungen haben (Überschwemmungen, Eisschmelze u. a.).  "Der Hochgeschwindigkeitszug zur Treibhausgasminderung muss jetzt schnell abfahren, und die Welt muss darauf aufspringen", Rajendra Pachauri, Ex-Vorsitzender des IPPC (tritt nach Vorwürfen sexueller Belästigung zurück). Im Februar veranstaltet der Weltklimarat eine globale Weltklimakonferenz in Kenia zur Vorbereitung des Weltklimagipfels in Paris.

Weltrat für Biologische Vielfalt (IPBES): Seit 2012 als UN-Gremium. Erstellt in bestimmten Zeitabständen Reports. "Die Erde riecht großartig", Alexander Gerst, deutscher Astronaut 2014 nach der Landung.

UN World Conference on Disaster Risk Reduction: Es geht um ein neues Rahmenwerk zur Reduzierung von Naturkatastrophen mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Die dritte Konferenz findet in Sendai/ Japan statt. vgl. www.wcdrr.org .

G-77 und Aosis - Staaten: Die Gruppe der 77 ist einloser Zusammenschluss von überwiegend ärmeren Staaten des Südens. Sie versuchen die Entwicklungsländer zu kooperieren. Hauptsprachrohr ist China. Die Alliance of Small Island States (Aosis) ist ein Bündnis kleiner Inselstaaten, die vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind. Dazu gehören Dominica und die Malediven. "Kopenhagen kann und muss der Wendepunkt im Kampf gegen den Klimawandel werden", Yvo de Boer, Chef des Un-Klimasekretariats.

Umweltforen:  Im Jahre 2020 nur noch 737 Mio. t CO2 im Jahr (jetzt 1007). 1. Geringerer Stromverbrauch, 2. Effizientere Kraftwerke, 3. Erneuerbare Energien, 4. Wärmeerzeugung, 5. Kraft-Wärme-Kopplung, 6. Gebäudesanierung, 7. Verkehr, 8. Andere Treibhausgase. Das Klimaschutzziel soll pro Kopf definiert werden, um die Schwellenländer einzubeziehen. Daraus wird folgendes  Klima-Paket im Sommer 2007 der Bundesregierung entwickelt und Mitte 2008 beschlossen: Bis 2020 rund 30% durch erneuerbare Energien (vor allem Kraftwärmekopplung). Bis 2020 Reduktion von CO2 um 40% gegenüber 1990. Das Paket besteht aus vier Gesetzen. Es soll bis 2020  500.000 zusätzliche Jobs schaffen und kostet 313 Mrd. €. Auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm hatte man sich darauf geeinigt, dass bis 2050 eine Reduktion von CO2 um mindestens 50% geprüft werden soll und nur noch eine Erwärmung im Rahmen von 2 Grad toleriert werden kann. "Wir werden eine Halbierung der globalen Emissionen bis 2050 ernsthaft prüfen", aus der Abschlusserklärung der G8  2007 in Heiligendamm. 2008 haben sich die Umweltminister der G8 in Kobe (Japan) getroffen. Sie haben beschlossen, bis 2050 den CO2-Ausstoß mindestens um die Hälfte zu reduzieren. Die wird auf dem G8 Gipfel 2008 in Toyako/Japan bestätigt und soll Ende 2009 in ein Abkommen einfließen, aber nur, wenn die Schwellenländer (G5, zusammen 80% CO2) mitmachen. Neuere Studien zeigen, dass die G8 hinter ihren Zielen zurückbleiben. 2009 setzt Obama eine neue Umweltschutzpolitik in den USA durch: das CO2 -Ziel ist allerdings sehr bescheiden (bis 2020 soll CO2-ausstoß um 17% unter das Niveau von 2005 sinken). Auf dem G8-Gipfel im Juli 2009 in Italien geht es um die Vorbereitung von Kopenhagen: Die Industriestaaten alleine wollen den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um 80% im Vergleich zu 1990 herunterfahren. Im Mai 2010 findet in Bonn der "Petersberger Klimadialog" statt. Er soll in erster Linie der Vertrauensbildung nach der Pleite von Kopenhagen dienen und die Konferenz von Cancun Ende 2010 vorbereiten. Fortschritte werden aber erst auf der Konferenz 2011 in Südafrika erwartet. Deutschland hat in Europa die ehrgeizigsten Klimaziele: bis 2020 sollen die CO2-Emissionen um 40% im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Das Gemeinschaftsziel der EU fällt mit 20% viel geringer aus. Im Sommer 2011 lädt die Bundesregierung 35 Staaten nach Berlin, um die nächste Weltklimakonferenz Ende des Jahres in Südafrika vorzubereiten. Es geht erstmal um freiwillige Maßnahmen. Auch im Mai 2013 findet wieder eine Petersberger Konferenz statt. Sie macht deutlich, das beim Klimaschutz Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Rund 30 Regierungen haben Vertreter entsandt. Der Emissionshandel funktioniert nicht. Im Juli 2014 findet wieder der Petersberger Dialog in Berlin statt. Es geht um die Vorbereitung des nächsten Weltklimagipfels. 35 Staaten sind beteiligt. China will den globalen Vertrag 2015 mit unterstützen.  "Großes wird auf Gipfeltreffen nicht bewegt, aber Schlimmeres verhindert", Helmut Schmidt.

Klimaspiel: Spieltheoretisch, d. h. strategisch, lässt sich erklären, warum Klimaverhandlungen auf globaler Ebene scheitern. Das Design des Spiels wurde schon 1968 von dem US-Ökologen Garret Hardin entwickelt. Es geht um Kühe auf einer Weide. Vgl. Milinski, M./ Marotzke, J.: Das Klimaspiel, in: Marotzke, J./ Stratmann, M.: Die Zukunft des Klimas, München 2015, S. 93ff.

Toronto (ein Vorläufer der Weltklimakonferenz) 1988: Erste Weltklimakonferenz. Sie blieb ohne wichtige Ergebnisse. Andere Ereignisse in der Welt hatten Priorität (bevorstehender Fall der Mauer, Freihandelsabkommen USA, Kanada u. a.).

Rio de Janeiro (Weltklimakonferenz): 1992 fand dort der erste Weltklimagipfel statt, der eine Klimaweltrahmenkonvention verabschiedete. Es trafen sich Vertreter von 178 Staaten. Es war eines der größten diplomatischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Es waren nahezu alle Politikgrößen der Welt vertreten. Damals wurden erstmals Leitlinien zur nachhaltigen Entwicklung der Welt festgelegt (fünf Dokumente: nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz, Wälder, Biodiversität, Bekämpfung der Wüstenbildung). Im Juni 2012 wird ein Jubiläumsgipfel wieder in Rio tagen (Rio+20, Beginn 20. Juni, Vorgespräche 14. Juni, Ende 22.06.). Allerdings bröckelt die Teilnehmerzahl merklich. Aber noch ca. 100 Staats- und Regierungschefs treffen sich. Insgesamt sind rund 190 Staaten vertreten. Zentrale Punkte sind eine "grüne Ökonomie" im Kontext von Armutsbekämpfung (Nachhaltigkeitsziele) sowie die Stärkung von Institutionen für den Umweltschutz. Vor allem die UN-Umweltorganisationen sollen reformiert werden (auf eine stärkere finanzielle Basis gestellt). Daneben spielen die Nutzung von Rohstoffen und Menschenrechte eine Rolle. Es geht auch um den Schutz der Meere. Es wird ein Menschenrecht auf Nahrung verankert.  Man kann sich auf eine Schlusserklärung am Anfang  einigen! (sagt Alles). Ein Durchbruch wird nicht erzielt. Auf Rio geht aber die Agenda 21 zurück. Sie hat das Umweltbewusstsein vieler Länder verändert und Menschen lokal einbezogen. "Denke global - handle lokal" war eine der vielen Zusammenfassungen von Rio.

Kyoto-Protokoll: Es wurde 1997 in Kyoto (Japan) beschlossen und schreibt vor, dass die Industrienationen ihren Ausstoß von Treibhausgasen (greenhouse gases) um durchschnittlich 5,2% relativ zu 1990 im Zeitraum 2008-2012 reduzieren (am 16. Februar 2005 ist es mit der Ratifizierung Russlands in Kraft getreten). China, Indien, sowie die USA  sind nicht beigetreten (Australien erst 2007). Die Schwellenländer argumentieren mit der Verantwortung der Industrieländer für den Klimawandel. Enthalten ist auch das Joint Development: es wird einer Firma in einem Industrieland erlaubt, Investitionen zur Minderung von CO2 auch in einem anderen Industrieland vorzunehmen und sich diese anrechnen zu lassen. Daneben gibt es einen Clean-Development-Mechanismus (CDM), mit dem sich reichere Staaten von ihrer Pflicht freikaufen können, weniger Treibhausgase in die Luft zu pusten. China gehört hier zu den größten Nutznießern (z. B. Windparks in der Inneren Mongolei). Speziell zum Schutze der Ozonschicht wurde 1987 das Montrealer Protokoll beschlossen, das den Ausstoß der FCKWs regelt, damit sich die stratosphärische Ozonschicht erholen kann. Es könnte als Modell für globale Klimaabkommen genutzt werden. Gefährlich ist das Ozonloch, das eine starke Ausdünnung der Ozonschicht über der Antarktis bezeichnet, die jedes Jahr zu Beginn des Frühlings auf der Südhalbkugel beobachtet werden kann. Im September 2007 wird die Regelung verschärft: bis 2020 sollen die IL und bis 2030 die EL auf FCKW und H-FCKW verzichten. 1992 wurde in Rio de Janeiro das erste Weltklimaabkommen unterzeichnet (erste völkerrechtliche Abkommen). Kanada ist mittlerweile aus dem Protokoll ausgestiegen. "Die Menschen müssen begreifen, dass sie das gefährlichste Ungeziefer sind, das je die Erde bevölkert hat", Friedensreich Hundertwasser, österreichischer Maler, gestorben.

Die Weltklimakonferenz (die 13.) fand im Dezember 2007 auf Bali statt (vom 3.-14.). Vertreten sind vor allem die 20 größten Energieverbraucher der Welt, insgesamt 190 Länder. Es ging um einen verbindlichen Fahrplan (Roadmap) sowie ein quantitatives Ziel (konnte nicht beziffert werden) und um einen Umweltfonds für Entwicklungsländer (bis 2012 Volumen von 500 Mio. $, mit einem Transfer umweltfreundlicher Technologien, auch Fonds zum Waldschutz). Im September 2007 wurde die Konferenz in Berlin vorbereitet. In Accra/ Ghana beraten vom 21. 08. 08 mehr als 1000 Delegierte aus über 170 Ländern über ein neues Klimaabkommen (UN-Klimatagung). Der neue globale Klimapakt soll 2009 beschlossen werden. Eine weitere vorbereitende Konferenz gibt es Ende 2008 im polnischen  Poznan/Posen, die aber ohne konkretes Ergebnis endet (Anpassungsfonds von 300 Mio. $ zu gering). Weitere Konferenzen folgen 2009 in Bonn (März und Juni, 175 Länder, Aktion von 80 Städten der Welt: "Earth Hour"), im April in den USA und in Italien. Die Vorgespräche in Bonn im Juni 2009 gehen ergebnislos zu Ende (4600 Vertreter, Japan USA und Kanada sperren sich, immer weiter zurückgehende Basisjahre). Auf der UN-Klimakonferenz im September 2009 sichern die USA und China zu, die Treibhausgase zu mindern, machen aber keine konkreten Zusagen.

Ein globaler Klimapakt, der über 2012 hinausgeht, soll 2009 auf einer UN-Konferenz in Kopenhagen beschlossen werden. Die Konferenz beginnt am 7. und endet am 18. Dezember. Viele Vorbereitungskonferenzen finden statt. Sehr wichtig ist die Haltung von den USA, China und Indien. Es geht auch um Gerechtigkeit und Geschichte, aber auch um Wirtschaftsinteressen (eine unrühmliche Rolle haben die arabischen Ölstaaten gespielt). Über 190 Nationen sollen den neuen Vertrag schließen. Als wichtigstes Ziel gilt, den Temperaturanstieg unter dem Wert von zwei Grad gegenüber vorindustrieller Zeit zu halten. Dazu müssen die Treibhausgase bis 2050 im Vergleich zu 1990 um mehr als 50% (IL 80%, EL 30%) verringert werden. Umstritten ist vor allem die Übertragung der Verschmutzungsrecht auf die Jahre nach 2012 (Osteuropa). Auf der APEC - Konferenz in Singapur Mitte November 2009, wo 60% aller CO2-Mengen - Länder zusammenkamen, wurden keine positiven Signale gesendet. Asiaten und die USA geben damit zu verstehen, dass ein Klimavertrag wohl erst später kommen kann. Damit sind die Aussichten gleich null auf eine erfolgreiche Klimakonferenz. Symbolisch wollen die USA unterstützen, indem Obama kommt. Außerdem wollen Sie bis 2020 um 17% ausgehend von 2005 den Kohlendioxid-Ausstoß senken. China bekundet, seinen Kohlendioxidausstoß im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung zu senken. Auch die Industrie ist an einem erfolgreichen Gipfel interessiert, weil sonst Katastrophen-Policen unbezahlbar würden. So will die Münchener einen Klimaschäden - Topf einrichten, der zum Teil aus Umweltsteuern bezahlt werden soll. Die Commonwealth-Staaten(53) fordern ein rechtlich verbindliches Abkommen und einen Fonds für Entwicklungsländer mit 10 Mrd. € (ab 2012). Indien will keine verbindlichen Zusagen machen. Deutschland will Zahlungen an die EL bei der Entwicklungshilfe-Quote anrechnen (0,7%). China, die USA, Russland und Indien sind für die Hälfte des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Es soll ein Klimafonds gegründet werden, aus dem die Entwicklungsländer bei ihrer Umweltpolitik unterstützt werden. Die EU will sich beteiligen (bis 2012 jährlich 2,4 Mrd. €). Japan bietet sogar 13,45 Mrd. € für EL an. In den kommenden drei Jahren stellen die Industrieländer insgesamt 30 Mrd. $ zur Verfügung. Bis zuletzt umstritten umstritten und offen bleiben drei Aspekte: Der Umfang der Minderung der Treibhausgase, die Finanzierung von Klimahilfen und die Vertragsform. Der Minimalkonsensus lautet: nicht mehr als zwei Grad Erwärmung bis Ende des Jahrzehnts (nicht als Abkommen und mit offener Verteilung bzw. Kontrolle). Konkrete Maßnahmen werden nicht beschlossen. Alle Industrieländer sollen bis 2010 nationale Treibhausgasziele vorlegen. Keiner muss internationale , unabhängige Klimaschutz-Überprüfungen im eigenen Land zulassen. Die Finanzierung des Regenwälder-Schutzes bleibt offen. "Die USA und China stellen ihre nationalen Interessen oft über die Umwelt. Das ist engstirnig, da auch sie ein Teil der Welt sind", Dalai - Lama.

UN-Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancun 2010:  Ende November und Anfang Dezember 2010 findet die Weltklimakonferenz in Cancun statt (194 Staaten). China und die USA bremsen so stark, dass kein Durchbruch stattfindet. In der Folge auch Japan. China und Indien gestehen ein, dass sie das Klima stärker als geplant belasten. Die Sicherheit der Nahrungsmittelversorgung steht auch im Mittelpunkt: 70% der weltweit erzeugten Kalorien hängen von den drei Quellen Mais, Reis und Weizen ab (wichtig auch Soja). Am stärksten vom Klimawandel in Wirkung auf die Agrarproduktion ist Afrika betroffen. Die sechs größten Klimasünder (gemessen an CO2-Emissionen) sind: China, USA, Russland, Indien, Japan, Deutschland. Pro-Kopf ergibt sich eine andere Rangfolge. Ein weiteres Schwerpunktthema ist der Schutz der Wälder. Mit Milliarden Dollar sollen jene Länder belohnt werden, die ihre Urwälder schonen. Urwälder waschen und speichern. Durch Rodung entstehen weltweit 17,4% der Treibhausgase. Weiterhin soll die Technologiekooperation zwischen Entwicklungs- und Industrieländern verbessert werden, ebenso die langfristige Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern (Grüner Klima-Fonds mit 100 Mrd. € aus öffentlichen und privaten Quellen über Weltbank). Alle Staaten bekennen sich in der Abschlusserklärung (Präambel) zum Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen (konkrete Grenzen auf der nächsten Klimakonferenz 2011 in Südafrika; bis 2015 1,5 Grad). Damit gibt es Reduktionsziele, die aber nicht bindend sind. China und die USA stimmen zu, vor allem Bolivien wollte mehr (konnte aber von Mexikos Außenministerin Parizia Espinosa umgestimmt werden). "Zeit ist im Klimaschutz nun einmal noch vor dem Geld die kostbarste Ressource", Die Rheinpfalz, 13. 12. 10, S. 2.

Weltklimakonferenz im Dezember 2011 in Südafrika (Durban, 28.11.-10.12.11): Ca. 190 Staaten. Es wird vor allem um den Emissionshandel gehen. Ziel soll mehr Klimagerechtigkeit sein. Vor der Konferenz warnt der Weltklimarat IPCC vor der Zunahme extremer Wetterereignisse. Nach der Internationalen Energieagentur steigen die weltweiten CO2-Emissionen bis 2035 ohne Gegensteuern auf 43 Mrd. t (mit beschlossenen Maßnahmen auf 37 Mrd. t, für das Zwei-Grad-Ziel dürfen es nur 10 Mrd. t sein). Die Chancen für das Zwei-Grad-Ziel schwinden. Nach der UN-Wetterorganisation WMO waren die letzten 13 Jahre die wärmsten auf der Erde. Polen, das bis Ende des Jahres 2011 die EU-Ratspräsidentschaft innehat, wird für die EU verhandeln (Bremsklotz bisher). Die großen Verursacher von Treibhausgasen (China, USA, Brasilien, Indien, Russland) bewegen sich nicht. Die EU kann eine Koalition mit den Entwicklungsländern schließen (120 Länder insgesamt: EU, afrikanische Staaten, am wenigsten entwickelte Länder, kleine Inselstaaten). Man einigt sich auf das Zwei-Grad-Ziel und beschließt einen Fahrplan, Klimafonds (jährlich 100 Mrd. $) und will ein internationales Klimaabkommen vorbereiten. Die Konferenz wird verlängert, um einen endgültigen Kompromiss zu finden (Kerngruppe von 28 Staaten mit Deutschland, USA, China). Umstritten ist die Bindung der Ziele. Am Ende findet man einen Fahrplan: bis 2015 soll ein neues, rechtlich verbindliches Protokoll beschlossen werden, das 2020 in Kraft treten soll. Das Kyoto-Protokoll läuft bis 2017 (Fortschreibung, allerdings nur für 37 Staaten). Kurz nach der Konferenz kündigt Kanada seine Mitgliedschaft im Kyoto-Protokoll (sonst wären wegen Nichterreichung des Zieles 14 Mrd. $ fällig). Mit dem Ausscheiden Japans wird auch gerechnet.

Die Konferenz 2012 findet vom 26.11.2012 in Katar (Doha) statt. Es wird insbesondere um die Verteilung der Lasten gehen. Dabei ist das Gerechtigkeitsprinzip entscheidend (Gleichheit, Verursacher, Leistungsfähigkeit, Souveränität (d. h. ausgehend vom Status quo der Emissionsverteilung). Endlich sollen auch konkrete Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen beschlossen werden. Man will auch China, Indien und die USA ins Boot holen. Der dritte Petersberger Dialog findet in Vorbereitung Mitte Juli 2012 in Berlin statt. 35 Minister sind gekommen. Die entscheidende Rolle wird China zukommen. Davon hängt auch die Haltung anderer Schwellenländer ab (z. B. Indien). Das Klimaproblem wird bleiben, wenn das Schuldenproblem je gelöst ist. Das Abschlusspapier der Vorbereitungskonferenz stellt fest, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, die Erderwärmung auf maximal 2 Grad Celsius zusätzlich zu begrenzen. In Deutschland gibt es einen Streit darüber, ob ein "Klub der Willingen" (Cartagena-Gruppe) unterstützt werden soll. Es geht dabei auch um die grundsätzliche Frage, ob es sinnvoll ist, dass Deutschland und Europa eine Vorreiterrolle übernehmen (ist Vorleistung strategisch sinnvoll?). Dabei geht es auch um den Nutzen für die Umweltschutztechnologie-Branche. Die EU kann auf der Konferenz keine einheitliche Linie vertreten, weil sich Polen wegen seiner Kohlekraftwerke sträubt (obwohl es die nächste Klimaschutzkonferenz ausrichten soll). Außerdem geht es um die weitere Gültigkeit ungenutzter Emissionsrechte (interessant für osteuropäische Länder, sollen nicht verkäuflich sein, nur Eigenbedarf). Drei Punkte sind noch offen: 1.Bedingungen für eine neue Verpflichtungsperiode, 2.Neuer Fahrplan für Klimaabkommen, 3.Finanzielle Hilfen für Entwicklungsländer (fordern bis 2015 60 Mrd. $, nur die EU zeigt Zahlungsbereitschaft). Die Verhandlungen dauern über das ursprüngliche Ende 07.12. hinaus an und enden am 08.12.12. Das Ergebnis ist kaum als Kompromiss zu bezeichnen (auch die Abstimmung ist umstritten, der katarische Sitzungspräsident peitscht durch): Die neue Kyoto-Periode beginnt 2013. 2014 sollen die festgelegten Emissionsziele überarbeitet und nachgebessert werden. Entwicklungsländer sollen ab 2020 pro Jahr 100 Mrd. $ erhalten für Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen (unklar, wer zahlt). Russland, Japan und Kanada machen nicht mit. Zur Zeit ist die Welt schon bei einer Erwärmung von +3 Grad( "Climate Action Tracker"). Der Klimavertrag ab 2020 müsste von den Regierungschefs der wichtigsten Länder verhandelt werden. Zur Zeit scheint es sich nur noch um Illusionen zu handeln. Immer kritischer wirkt sich aus, dass das Gros der Umweltbelastungen aus Asien kommt, so dass die westlichen Industrieländer, insbesondere die EU, immer weniger tun können.

2013 gibt es die Konferenz in Polen (Warschau). Sie beginnt am 11.11. 2013. Kurz vorher gab es den größten Wirbelsturm aller Zeiten auf den Philippinen. So wird noch mal angezeigt, welche Folgen der erhöhte CO2-Ausstoß der letzten Jahre und die Klimaerwärmung haben. Allerdings spielt Klimaschutz in Polen keine große Rolle. 90 Prozent des Stroms werden aus Kohle erzeugt (doppelt so hoch wie in Deutschland). Das polnische Braunkohlekraftwerk in Belchatow ist am schlimmsten (31 Mio. t CO2 pro Jahr!). In Deutschland ist 2012 und 2013 der CO2-Ausstoß weiter gestiegen. Der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms Steiner fordert vor der Konferenz ein höheres Tempo beim Klimaschutz. Delegierte aus 195 Ländern bereiten auf der 19. Weltklimakonferenz ein neues Klimaschutzabkommen vor, das bis 2015 ausgehandelt sein soll. Japan steigt zur Konferenz aus dem Kyotoprotokoll aus. Nach Fukushima müssen mehr Kohle- und Gaskraftwerke Strom liefern, die die Emissionsgrenzen nicht einhalten. Ein verheerendes Signal für die Konferenz. Weiterhin überschattet wird die Konferenz durch folgende Ereignisse: Der polnische Umweltminister, Präsident des Gipfels, wird aus innenpolitischen Gründen entlassen. 70 Entwicklungsländer verlassen die Konferenz vorübergehend, weil keine Institutionen entwickelt werden, um armen Ländern beim Klimaschutz zu helfen. Die Eliten in den meisten Ländern werden zwar "grüner", die Regierungen ziehen sich aber zurück. Noch gar nicht in den Blickpunkt gerückt ist der Verlust an fruchtbarem Boden. Man einigt sich auf ein Waldschutzabkommen. Am Schluss droht sogar das Chaos. Große Umwelt- und Entwicklungsorganisationen verlassen den Konferenzort: Greenpeace, Friends of Earth (BUND), Oxfam und andere NGO. Aufmerksamkeit erregt ein Bericht des britischen Guardian, worauf der Klimawandel überwiegend auf das Konto von nur 90 Unternehmen gehe (vor allem Energieunternehmen).  Die Konferenz wird um einen Tag verlängert, um noch eine Abschlusserklärung hinzubekommen. Diese gibt es dann auch. Es reicht aber nur für unverbindliche Ziele (einverbindlicherer Vorschlag Frankreichs wurde auf Druck der Schwellenländer China und Indien getilgt). Endgültig soll ein globales Klimaabkommen Ende 2015 in Paris fixiert werden, das 2020 in Kraft tritt. Die Begrenzung der klimaschädlichen Treibhausgase soll auf 2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Epoche begrenzt werden (momentan 4 Grad prognostiziert). Im Prinzip sollen die reichen Länder die armen Länder bei der Anpassung unterstützen (ebenso unverbindlich aufgenommen).

Weltumweltgipfel der UN in Nairobi: Ab 2014 soll dies das global wichtigste und höchste Gremium der Welt in Umweltfragen sein. Er fand im Juni 2014 in Nairobi/ Kenia statt. Es ging um Klimawandel, Artenschutz, Wasserknappheit usw. 2014 UN-Sonder-Klimagipfel in New York: Vor dem Weltklimagipfel in Paris findet eine Konferenz in New York statt. Sie beginnt 23.09. Am 21.09. gibt es die bisher größte Weltklimademonstration. Hunderttausende (300.000) kämpfen für besseren Klimaschutz (Al Gore,  Ban Ki Moon, Leonardo DiCaprio, Sting, Edward Norton u. a.). Demonstrationen werden auch in Melbourne/ Australien, Johannesburg/ Südafrika,  New Delhi/ Indien, Kathmandu/ Nepal, Rio de Janeiro/ Brasilien, London, Paris, Brüssel, Athen, Oslo und Berlin veranstaltet. Es entsteht quasi eine neue Umweltbewegung, die Druck erzeugt. Das Thema Umwelt wird auch mit sozialer Gerechtigkeit verbunden. Es geht auch um den Green Climate Fonds der UN, in den alle Industrieländer einzahlen sollen. Die Finanzierungslücke liegt noch bei 7,7 Mrd. $, weil es kaum Zusagen gab (bisher 2,3 Mrd. $).  Die USA und China wollen eine Vorreiterrolle übernehmen (?). Mehr als 100 Regierungschefs machen am 23.10.2014 eine Abschlusserklärung. Konkrete Zusagen gibt es nicht.

Anfang Dezember 2014 findet der UN-Klimagipfel eine Fortsetzung in Lima/ Peru. Es geht um die Vorbereitungen für den Weltklimagipfel Ende 2015 in Paris. Perus Umweltminister ist der Konferenzpräsident (Manuel Pulgar-Vidal). Die Entwicklungsländer benötigen das Dreifache der bisher veranschlagten Summe (100 Mrd. $  mal drei). 10 Mrd. Euro kommen erstmal für den grünen Klimafonds zusammen (Die EU und Australien stocken auf). Die CO2-Reduktion muss stärker als bisher geplant ausfallen. Die USA wollen im Jahr 2025 bis zu 28% weniger Treibgausgase emittieren als 2005. China will spätestens 2030 die Wende einleiten. Rückenwind erhält die Abkehr von fossiler Energie durch die Finanzwelt: Versicherungen und Stiftungen beginnen damit, ihre Investitionen aus fossilen Energieunternehmen abzuziehen. Der Gipfel wird verlängert, da man sich nicht auf eine Abschlusserklärung einigen kann. Diese kommt zwei Tage später, aber relativ unverbindlich. Nicht geklärt bleibt die Frage nach der Rolle der Schwellenländer wie China und Indien (gehören zu den stärksten CO2-Emittenten, auch Saudi-Arabien gehört dazu). Sie selbst wollen wie Entwicklungsländer behandelt werden und eher nicht zahlen. Bis Ende März 2015 sollen verbindliche nationale Klimaziele festgelegt werden. Dabei gibt es drei Säulen: 1. Alle Staaten reduzieren den Treinhausgasausstoß. 2. Das Leben auf der Erde wird dem Klimawandel angepasst. 3. Den ärmsten Ländern wird geholfen. Klimaschutz ist auch immer ein Thema auf den G7 und G20-Koferenzen. Greenpeace legt sich beim Gipfel mit der peruanischen Regierung an. In der Wüste von Nazca wird unter dem Kolibri-Scharrbild (2500 Jahre alt, Weltkulturerbe seit 1994) ein riesiges Tuch mit der Aufschrift "Time for Change. The Future is Renewable" enthüllt. Dabei ist das Betreten verboten und das Bild wurde zusätzlich beschädigt.

2015 Weltklimakonferenz in Paris (Tagungsort Le Bourget): Soll bis Ende 2015 stattfinden und einen umfassenden Weltklimavertrag bringen (Pariser Vertrag). Der Gipfel ist besonders wichtig, weil die Zeit abläuft und die Umsetzung von Beschlüssen Zeit kostet. China, mengenmäßig insgesamt weltweit größter Umweltverschmutzer, strebt ein nationales Treibhausgas-Minderungsziel an (Wendepunkt aber erst 2030). Im ersten Halbjahr will Klimaminister Xie Zhengua den konkreten Beitrag seines Landes festlegen. Das Land will den globalen Vertrag unterstützen. Auf dem G-20-Gipfel im November 2014 wird ein rechtsverbindliches Abkommen über Klimaschutz in Paris vereinbart. Japan und die USA machen Zusagen in Höhe von 4,5 Mrd. Dollar für den UN-Klimafonds. Deutschland und Frankreich hatten bereits vorher je eine Milliarde Dollar zugesagt. So enthält der grüne Klimafonds Ende 2014 9,3 Mrd. Dollar. Die ersten Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern sollen 2015 bewilligt werden. Man versucht unbedingt die Staaten ins Boot zubekommen, die bei Kyoto nicht mehr dabei sind: USA, China, Kanada, Japan, Russland, Australien. Das neue Abkommen soll 2020 in Kraft treten. Bis 2100 soll dann die Erderwärmung um höchstens 2 Grad zunehmen. Mai 2015 soll ein kompletter Plan vorliegen. Die Konfliktlinie verläuft zwischen Umweltschutz und wirtschaftlicher Entwicklung. Deshalb wird es den ganz großen Wurf nicht geben. Vorbereitend findet in Berlin am 18. und 19 Mai 2015 eine Konferenz der G7 statt. Es sollen Stolpersteine für die Konferenz in Paris ausgeräumt werden. Im Kern geht es um drei Fragen: Wer soll wie viel Treibhausgase produzieren? Wie können sich bestimmte Regionen an den Klimawandel anpassen? Wer zahlt wie viel in den Fonds für arme Länder? Deutschland will als Vorbild vorangehen und verdoppelt seine Klimafinanzierung  für den Klimafonds auf 4 Mrd. Euro jährlich. Die Weltgemeinschaft will ab 2020 100 Mrd. Dollar aufbringen. Auf dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau werden weitere Punkte abgestimmt: Die G7 bekennen sich zum Zwei-Grad-Klimaziel bis 2100 (Geltung ab 2020, kein Einspruch von Japan und Kanada). Bis 2050 sollen die Treibhausgase aus der Nutzung fossiler Energieträger, insbesondere Kohle, um 40 bis 70 Prozent reduziert werden. Die vorbereitende Klimakonferenz in Bonn Anfang September 2015 erzielt kaum Fortschritte. Die EU will in Paris eine regelmäßige Überprüfung der Fortschritte beim Treibhausgas-Ausstoß durchsetzen. Die Staaten sollen alle fünf Jahre ihre Daten offen legen und eine Rücknahme der bereits formulierten Ziele soll nicht mehr möglich sein. Der Gipfel könnte dadurch Erfolg haben, dass die Supermächte voranschreiten und sogar in den USA die Leugner des Klimawandels verstummen. Ein Vortreffen in Bonn im Oktober 2015 scheitert: Finanzielle Unterstützung der armen Staaten noch unklar; Rechtsverbindlichkeit des Abkommens noch unklar. Der Weltklima-Gipfel findet vom 30.11. bis 11.12.2015 in Paris statt. Nach den Anschlägen von Paris werden Demonstrationen, Konzerte und Feiern abgesagt. Die meisten Staatschefs kommen zur Eröffnung (von 147 Staaten). Der Gipfel muss Antworten auf vier Grundfragen finden: 1. Begrenzung der Erderwärmung auf wie viel Grad?  2. Inwieweit einigt man sich auf Decarbonisierung? 3. Wie rechtsverbindlich ist das Abkommen? 4. Wie viel Geld bekommen die Schwellen- und Entwicklungsländer (und wer gehört in welche Gruppe)?  "Die Kosten des Nichthandelns werden entsetzlich viel höher sein als die Kosten des Handelns", Rajendra Pachauri 2014 nach der Studie des IPCC, Chef des Weltklimarates. Weltweit finden Ende November bzw. Anfang Dezember 2015 Demonstrationen für stärkeren Klimaschutz statt. Bei den Klimakonferenzen gilt immer noch das Prinzip der Einstimmigkeit. Ein einzelnes Land kann damit die Tagungsergebnisse blockieren. Aber auch das Mehrheitsprinzip wäre problematisch. Die meisten Staaten legen Wert darauf, in die Kategorie "Entwicklungsländer" zu fallen, um in den Genuss von Privilegien zu kommen. Es bilden sich mehrere Initiativen auf dem Gipfel: 1. 20 Staaten wollen ihre Mittel zur Erforschung erneuerbarer Energien fünf Jahre lang verdoppeln (Bill Gates u. a.). 2. Die drei größten Geberländer im Waldschutz Deutschland, Norwegen und Großbritannien wollen ihre Ausgaben zum Schutz der Tropenländer noch steigern. 3. Die Entwicklungsländer wollen bis 2020 jährlich 100 Mrd. Dollar (was danach zu verdoppeln wäre, Green Climate Fund). Die G7 sagen 300 Mio. Euro zusätzlich zu für Risiko-Versicherungen.  4. Leonardo DiCaprio, Robert Redford, Sean Penn und 1000 Bürgermeister appellieren an die Konferenz, zu Erfolgen zu kommen. 5. Die Ureinwohner vom amerikanischen Kontinent machen auf ihre Lebensbedingungen aufmerksam. Der französische Außenminister Fabius hat die Konferenzleitung. Er arbeitet auch mit Mediatoren. Die Verhandlungen finden hinter verschlossenen Türen statt. Man arbeitet mehr mit freiwilligen Zusagen. Zur Hälfte der Konferenz liegt ein Entwurf vor (ca. 30 S.). Dieser wird ab Montag von den Umweltministern verhandelt. Bisher ist nur ein Zwischenziel von 3 Grad und mehr Erwärmung erreicht (2 Grad wären notwendig; 1,5 Grad wären das Idealziel). Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist zur Zeit günstig finanzierbar. Das System müsste auch völkerrechtlich verbindlich sein (mit Überprüfung alle fünf Jahre; USA sind ihr Engpass wegen Senat). Frankreichs Außenminister Fabius legt Ende der letzten Verhandlungswoche einen neuen Verhandlungstext vor. Damit könnte man dem Ziel eines neuen Klimaabkommens näher kommen. Es gibt bereits mehr als 100 Staaten, die eine "Koalition des hohen Anspruchs" ("High Ambition Coalition") bilden. Dazu gehören die Staaten der EU, Staaten Afrikas, der Karibik und der Pazifikregion (APK). Mit dabei sind die USA und einige Staaten Lateinamerikas. Noch offen ist, ob man sich auf 2 Grad Erwärmung oder 1,5 Grad einigt (letzteres für kleine Inselstaaten notwendig). Der Gipfel muss um einen Tag verlängert werden bis Samstag. China, Indien, Malaysia, Süd-Korea und Saudi-Arabien lehnen den Entwurf ab. Umstritten ist die Finanzierung der Klima-Hilfen (wer zahlt wie viel, wer empfängt?), die Art der freiwilligen Selbstverpflichtung national mit Obergrenze (konkrete Maßnahmen, zwischen 1,5 Grad und 2?), die Einschränkung fossiler Energieträger (wohl nur "Emissionsneutralität" ab 2050) und die Kontrolle( ab 2023, alle 5 Jahre Überprüfungskonferenzen; informelle Bewertung ab 2018).

Neuer Klimavertrag von Paris 2015 (internationales Klimaschutzabkommen, komprimierter Inhalt; Klimaschutzplan 2050): Am Samstag 12. 12. kann ein Abschlusspapier vorgelegt werden: 1. Temperaturanstieg auf deutlich weniger als 2 Grad ab 2020 bis 2100 (möglichst 1,5 Grad; Nicaragua bis zuletzt dagegen, kann nur vom Papst umgestimmt werden; Ziel ist schwierig, da Kohlenstoffbudget fast aufgebraucht; die vorherigen Klimapläne liegen zwischen 2,7 und 3,5 Grad); 2. Finanzhilfen und Transfer von Technologie für ärmere Staaten ( Kompensation; 2020-2025 jährlich 100 Mrd. $; danach aber keine genauen Beträge); 3. Verteilung der Klimapflichten zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern (Vorsorgemaßnahmen, Türkei beharrt auf Sonderstatus, weil im Umbruch); große Verschmutzer wie China, Mexiko und Saudi-Arabien müssen höhere Anforderungen erfüllen und werden nicht mehr bei den Entwicklungsländern eingeordnet; 4. Kompletter Umbau der weltweiten Energieversorgung zu "Emissionsneutralität" ab 2050 (USA beharren auf "should" statt "shall"; Einstieg zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern; Emissionen sind die Schwäche des Vertrags; Dekarbonisierung kommt nicht vor ). Erneuerbare Energien sind anzustreben. 5. Wälder senken CO2 aus der Atmosphäre. Die Entwaldung soll gestoppt werden und eine Aufforstung für Klimaschutz betrieben werden.  6. Nicht-staatliche Akteure werden anerkannt (Energiegenossenschaften, Bürger). 7. Menschenrechte (Rechte Indigener, Geschlechtergerechtigkeit) in der Präambel.  7. Marktmechanismen werden ausdrücklich anerkannt, wie z. B. der Emissionshandel. Staaten können sich auch freikaufen durch Öko-Investitionen in armen Ländern. 8. Transparenz: Regelmäßige Überprüfung und Bekanntgabe. Anpassung im Sinne ärmerer Länder und evtl. Schadensersatz. Keine Sanktionen. Die Zustimmung der 195 Teilnehmer zum Klima-Vertrag kommt schließlich zustande. Damit liegt ein "historisches" Klimaabkommen vor, das erstmals von der ganzen Welt getragen wird ("Wendepunkt"; rechtlich verbindlich; nicht für nationale Zusagen). Beurteilung: Das Zeitfenster müsste in weiteren Verhandlungen verschärft werden (Ziele fangen erst 2025 bzw. 2030 an). Nur für die ferne Zukunft waren die Verhandler großzügig. Weiterhin müssen sich die Preisverzerrungen bald ändern. Öl und Kohle sind 2015 viel zu billig und verhindern den schnelleren Umstieg auf erneuerbare Energien. Das grundsätzliche Kooperationsproblem konnte nicht gelöst werden. Wer am meisten für den Umweltschutz tut, profitiert selbst nur zum kleinen Teil davon, hat aber hohe Kosten. Das "Free-Rider-Problem" konnte somit nicht geklärt werden. Jeder Staat darf weiter vor sich hin werkeln, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Auf globaler Ebene können Minimalkompromisse und Absichtserklärungen allein keine Lösung zur Rettung der Erde sein. Trotzdem wird der Vertrag als großer Durchbruch gesehen. Größter Mangel ist die Nichtverpflichtung einzelner Länder. Vgl. Alfred Endres: Prima Klima?!, in: WiSt, h. 4/ 2016, S. 208ff. Im Gegensatz zum 1997 geschlossenen Kyoto-Protokoll ist das Pariser Werk nicht rechtlich bindend.  Inkrafttreten:  China ratifiziert das Abkommen im September 2016 (20% aller Umweltverschmutzung). Ebenso die USA (17,9%). Damit steigt im September 2016 die Zahl der beigetretenen Länder auf 26. Mindestens 55 Länder müssen zum Inkrafttreten dabei sein. Sie müssen zusammen mindestens 55 Prozent der weltweiten Treibhausgase produzieren. Die EU wird gemeinsam ratifizieren. Das kann dauern. Man muss sich noch über die Verteilung einigen. Die EU-Umweltminister einigen sich aber am 30.09.16 über einen Weg. Daraufhin stimmt das EU-Parlament für die Ratifizierung. 7 Länder folgen China und den USA. Auf der UN-Vollversammlung am 21.09.16 folgen weitere 31 Länder. Der Bundestag ratifiziert am 22.09.16. Die bis September 2016 beigetretenen Länder decken 48% der weltweiten Emissionen ab. Am 25.09.16 gibt Indien (drittgrößter CO2-Emitent) bekannt, das Abkommen zu unterzeichnen. Damit könnte der Klimavertrag relativ früh in Kraft treten.  "Das Abkommen wird die Welt der Energie- und Klimapolitik verändern", Christoph Bals, Germanwatch.  "Mit dem Klimavertrag hat sich zum ersten Mal die Gesamt Weltgemeinschaft zum Handeln verpflichtet. Das ist ein Zeichen der Hoffnung für Milliarden Menschen," Angela Merkel, Bundeskanzlerin, Ende 2015.

Implikationen von Paris für die Klimapolitik: Auf der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 wurde beschlossen, in der zweiten Hälfte des 21. J. das Stadium der Klimaneutralität zu erreichen. Das schafft man aber nur, wenn die Maßnahmen des Klimaschutz nicht auf einzelne Länder konzentriert bleibt,. Als ein solch globales Element bietet sich der Emissionshandel an als effizientes Instrument. Dazu müsste der CO2-Preis global vereinheitlicht werden, damit es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen und Verlagerungen von CO2-emissionen (Carbon Leakage) kommt. In diesem Zusammenhang wird auch die Einführung einer CO2 - Steuer gefordert.

UN-Agenda-2030 für nachhaltige Entwicklung: Sie wurde am 25. September 2015  auf dem UN-Gipfel in New York verabschiedet. Es soll ein Zukunftsvertrag für die Menschheit sein. Geregelt werden Menschen, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft. Siebzehn Ziele werden beschlossen: 1. Armut. 2. Hunger. 3. Gesundes Leben. 4. Bildung. 5. Geschlechtergleichstellung. 6. Wasser. 7. Energie. 8. nachhaltiges Wirtschaftswachstum. 9. Infrastruktur. 10. Ungleichheit verringern. 11. Städte. 12. Konsum- und Produktionsmuster. 13. Klimawandel. 14. Ozeane. 15. Landökosysteme. 16. Justiz. 17. Globale Partnerschaft.

2016 Klimakonferenz in Berlin: Die Ende 2015 in Paris beschlossenen Selbstverpflichtungsmaßnahmen der Staaten reichen wohl nicht aus. Also müssen die Staaten noch mehr unternehmen, Ins Blickfeld gerät der internationale Flugverkehr.

UN-Klimakonferenz 2016 in Marrakesch/ Marokko (vom 7. bis 18. November 2016):  Die einzelnen Länder sollen ihre Klimaschutzpläne vorlegen und zeigen, wie sie die Ziele der Weltklimakonferenz von Paris erreichen wollen. Es geht also um die Implementierung des Pariser Abkommens. Deutschland will seinen Treibhausgas - Ausstoß bis 2050 um 80 bis 95% reduzieren. Umstritten ist, welchen Beitrag die einzelnen Sektoren (Verkehr, Landwirtschaft, Energie) leisten sollen. Hier gibt es auch Gegensätze zwischen den Parteien und den einzelnen Ministerien. Es macht keinen guten Eindruck, dass Deutschland ohne fertiges Konzept teilnimmt. Man einigt sich schließlich auf so was wie einen Entwurf, der aber stark zusammengestrichen ist. Der deutsche Klimaschutzplan schont die Kohlereviere (NRW, Brandenburg; Energiesektor). Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß gegenüber dem Referenzjahr 1990 um 55% reduziert werden. Die wichtigsten Ergebnisse von Marrakesch sind die folgenden: 1. Kohleausstieg. 48 Länder wollen komplett auf erneuerbare Energien umsteigen bis 2050. 2. Beratung für Klimaschutz-Neulinge. Das sind 150 Länder. Sie sollen erfahrene  Partner bekommen. 3. Plattform für Klimaschutzpläne. 4. Geld für Anpassung. Deutschland ist mit 190 Mio. Euro der größte Einzelzahler. Der Fonds soll umgerechnet 500 Mio. Euro umfassen. Offen ist, wie der Geldtopf nach 2020 gefüllt wird.  "Der Klimawandel ist in Afrika am grausamsten und ungerechtesten", Segolene Royal, Frankreichs Umweltministerin auf der Konferenz.

UN-Klimakonferenz 2017, Bonn/ Deutschland (COP23): Sie findet Anfang November 2017 (ab 6.11. - 17.11. zwei Wochen) statt. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist nach der Bundestagswahl 2017 dann nur noch als geschäftsführende Ministerin im Amt. Es werden 25.000 Teilnehmer aus über 190 Ländern erwartet. Die Präsidentschaft hat Fidschi inne (konnte aber wegen fehlender Hotelplätze die Konferenz nicht ausrichten). Der Inselstaat ist vom Untergang bedroht durch den Klimawandel. Auf eine der 300 Inseln müssen schon große Teile der Bevölkerung umgesiedelt werden, weil der Meeresspiegel ansteigt. Deutschland unterstützt die Umsiedlung mit Entwicklungshilfe. Insgesamt gibt Deutschland anlässlich des Gipfels 50 Mio. € mehr für den Umweltschutz der Entwicklungsländer. Wie immer am Anfang einer Konferenz kommt eine schlimme Prognose: Wenn nicht entscheidend gegengesteuert wird, erwärmt sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 3 bis 4 Grad (CO2-Neutralität ist notwendig). Ein wichtiges Thema sind auch die großen Städte (Megastädte) auf der Erde. Sie haben große Probleme (Naturkatastrophen, Trinkwasserknappheit, Smog, Abfall, Verkehrsströme). In der Gruppe der C40 arbeiten die Städte zusammen. Vor der Eröffnung findet eine große Demo in Bonn statt. Die Proteste richten sich gegen den Braunkohleabbau (Stilllegung von Kohlekraftwerken würde schnell am meisten bringen; aber eine gerechte Verteilung der Lasten wäre besser) . Ziel der Konferenz in Bonn ist die Umsetzung der Beschlüsse des Pariser Klimagipfels (so genanntes Regelbuch zur Umsetzung). Im Einzelnen geht es um folgende Punkte: 1. Ein verbindliches Regelwerk. 2. Länderpartnerschaften. 3. Unterstützung der Entwicklungsländer. Syrien will als eines der letzten Länder dem Pariser Abkommen beitreten (195 Länder). Damit wären die USA völlig isoliert (sie werden in Bonn von zwei Delegationen vertreten: Gegner und Befürworten von Paris).  Eine Gegendelegation der USA kommt demonstrativ nach Bonn (Al Gore, 20 Gouverneure, darunter die Gouverneure von Kalifornien und New York; Motto "We are still in"). Für den Ausstieg der USA beträgt die Kündigungsfrist 3 Jahre. In Paris soll es im Dezember 2017 eine Folgekonferenz geben (100 Länder, 2000 Teilnehmer). Ganz am Schluss der Konferenz einigt man sich auf die Fortführung des Anpassungsfonds für Entwicklungsländer. Die weltweiten Klimaschutzbemühungen sollen schon vor 2020 unter die Lupe genommen werden. Das erarbeitete Regelwerk soll auf der nächsten Weltklimakonferenz in Kattowitz verabschiedet werden. "Versprechen und auch noch halten geht nicht", rheinische Weisheit, auch in Bonn. Auf der Klimakonferenz in Bonn im November 2017 sagt Deutschland insgesamt 107 Millionen Euro für den Umweltschutz der Entwicklungsländer zu.

"One Planet" Summit, Paris/ Seine-Insel Seguin, Kulturzentrum La Seine: Mottos: "There is no Planet B". "Make Planet great again". 11. und 12.12. 2017. Es handelt sich um ein Spitzentreffen zur Finanzierung des Klimaschutzes, weil die USA sich zurückziehen. Anwesend sind 50 hochrangige Politiker und wichtige Geldgeber aus aller Welt, vor allem aus den USA: Bill Gates, Elon Musk, Leonardo DiCaprio, Arnold Schwarzenegger, Sean Penn, Mike Bloomberg u. a. Der französische Präsident Macron hat eingeladen. Die Weltbank erklärt, dass sie ab 2019 aus der Finanzierung von Öl- und Gasprojekten aussteigt. Die führenden europäischen Staaten wollen den Preis für den CO2-Ausstoß erhöhen. Wichtige Unternehmen wollen die Anstrengungen für Umweltschutz verstärken: Versicherer Axa und andere. Es soll massiv in umweltfreundliche Projekte investiert werden. So gab es auch eine Reihe von Initiativen: "Americas Pledge Initiative", Global Alliance to Power Past Coal" oder "We are still in". "Der Markt ist unsere stärkste Waffe", Mike Bloomberg, ehemals OB von New York.

UN-Klimakonferenz in Kattowitz (Katowice), Polen Anfang (3.12.) bis Mitte Dezember 2018 (Cop24): Ca. 200 Länder. Verhandlungen über Klimapolitik. Etwa 20.000 Teilnehmer. Polen war schon zweimal Ausrichter von Umweltkonferenzen: 2008 in Poznafi, 2013 in Warschau. Polen hat die schlechteste Luft in der EU. Kattowitz ist das Kohlerevier. 80% der Energie in Polen sind noch aus Kohle. Es soll ein Regelbuch verabschiedet werden, das die Erderwärmung verlangsamt. Die Vorgaben der Pariser Konferenz von 2015 sollen konkretisiert werden. Es geht um viele technische Details. Die lassen sich in drei Punkte gliedern: 1. Robuste Leitlinien. 2. Transparenz. 3. Verlässlichkeit. Die Weltbank verdoppelt die Mittel für arme Länder für den Klimaschutz auf 200 Mrd. € (+ 1,5 Mrd. € von Deutschland). Das sehr gespannte Verhältnis zwischen China und den USA wirkt sich negativ auf die Konferenz und Klimadiplomatie aus. China bezeichnet sich immer noch als Entwicklungsland und stellt sich an die Spitze dieser Gruppe. Das tolerieren immer weniger Länder. Die USA und Saudi-Arabien behindern systematisch die Klimaverhandlungen (auch Russland). Sie provozieren mit Werbung für die fossilen Energieträger. Die Konferenz wird um einige Tage verlängert. Man braucht noch Zeit um die Ziele zu erreichen: 1. Regelbuch (konkrete Umsetzung der Pariser Beschlüsse). 2. Robuste Datentransparenz. 3. Akzeptanz der Weltklimaberichte. 4. Unterstützung der armen Länder. 5. Ein neues System zum Handeln mit Verschmutzungsrechten. Die Türkei verlangt eine Änderung ihres Status in der Klimarahmenkonvention. Sie will an die Fördergelder für arme Länder ran. Brasilien will Zertifikate für den Amazonas-Regenwald, die reiche Länder kaufen können, noch mal für sich angerechnet bekommen. Es will auch wie China noch als Entwicklungsland eingeordnet werden. Das lehnen die übrigen Länder ab. Ab 2024 sollen alle Staaten nach denselben Regeln berichten. Im Regelbuch wird auch festgehalten, was zum Klimaschutz zählt. Vor der Konferenz gibt es einen Appell von 16 Staatsoberhäuptern zum Klimaschutz: "Initiative for more Climate Ambition". Unterzeichnet haben die Präsidenten Deutschlands, Italiens, Finnlands, Griechenlands, Zyperns, Ungarns, Lettlands, Litauens, Portugals, Sloweniens, Islands, Irlands und der Schweiz. Rechtzeitig legt auch die UN eine Klimastudie vor mit dem Titel "The Lancet Countdown". Es soll mehr Hitzewellen, mehr Unwetter und mehr schlechte Luft geben. "Es ist wichtig, dass wir nicht im Chaos enden", UN-Generalsekretär Guterres auf der Weltklima-Konferenz 2018.

UN-Klimakonferenz in Bonn im Juni 2019:  Es geht um die Vorbereitung der nächsten großen Klimakonferenz in Chile. UN-Generalsekretär Antonio Guterres würde die EU gerne auf eine stärkere Verpflichtung bis 2030 festlegen (mindestens 40% weniger Treibhausgase; er möchte 55% erreichen).

UN-Klimakonferenz 2019 in Chile: Im Herbst 2019 findet die nächste UN-Klimakonferenz in Santiago de Chile statt.

UN-Artenschutz: Es werden regelmäßig Konferenzen über die Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt abgehalten. Die 9. Artenschutz-Konferenz findet im Mai 2008 in Bonn statt. 5200 Delegierte aus 190 Ländern beraten über das dramatische Tier- und Pflanzensterben auf der Welt. Es gibt zwei konkrete Ergebnisse: Stopp des künstlichen Düngens der Meere, Ausbau des weltweiten Netzes an Schutzgebieten.  Die Naturzerstörung kostet jährlich schätzungsweise 2 Bio. €. Täglich sterben 150 Arten aus. Besonders der globale Waldschutz muss verstärkt werden. Die Schwellenländer fordern einen Ausgleich für die Nutzung ihrer "Apotheke Natur". Die Banken wollen mit dem Naturwert "Regenwald " handeln: Der Regenwald speichert große Mengen CO2. Fische sichern die Eiweißversorgung für ein Sechstel der Menschheit. Bienen, die wichtig für die Bestäubung der Agrarpflanzen sind, haben einen geschätzten Wert von 8 Mrd. $. Bedroht sind auch Korallenriffe, Amphibien und Menschenaffen. Der Schutz der Biodiversität ist überlebensnotwendig. Der Begriff bedeutet Biologische Vielfalt und geht über die Artenvielfalt hinaus. Die Bedrohung spiegelt sich in den "Roten Listen" wider. 2010 wurde von der UN zum Jahr der biologischen Artenvielfalt ernannt. Die Bedrohung einzelner Arten hat auch oft ökonomische Gründe, hinter denen sich Traditionen verbergen (Horn der Nashörner als Wundermedizin in Asien, Elefantenzahn und Krokodilhaut für Schmuck und Taschen), zurückzuführen. "Wenn der Mensch nicht über das nachdenkt, was in ferner Zukunft liegt, wird er das schon naher Zukunft bereuen", Konfuzius.

Klimaschutz Deutschlands: Deutschland hat sich international verpflichtet, im Jahr 2020 40 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 auszustoßen. Allerdings sind wir 2017 auf dem Stand von 2009 stehen geblieben. Nach Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) wurden bisher nur 23,8% Minderung erreicht. Damit wird Deutschland vom Vorreiter (2000) zum Nachzügler. 2013 wurden 951 Millionen Tonnen an klimaschädlichen Treibhausgasen in die Luft geblasen, ein Anstieg zu 2012 um 1,2% (UBA). Der Handel mit Verschmutzungsrechten soll deshalb schon 2016 und nicht erst 2020 reformiert werden. Auf Drängen des Bundeskanzleramtes muss Bundesumweltministerin Hendricks Abstriche am Klimaschutzplan 2050 machen. Konkrete Ziele zum Kohleausstieg werden gestrichen (Druck vom Wirtschaftsministerium). Gegen geplante Maßnahmen im Bereich Landwirtschaft und Verkehr haben die zuständigen Minister Widerstand angekündigt (Reduzierung des Fleischkonsums, Umstellung des Straßen- und Schienenverkehrs auf Strom- und Ökokraftstoffe). Deutschland will seinen Treibhausgas - Ausstoß bis 2050 um 80 bis 95% reduzieren. Umstritten ist, welchen Beitrag die einzelnen Sektoren (Verkehr, Landwirtschaft, Energie) leisten sollen. Hier gibt es auch Gegensätze zwischen den Parteien und den einzelnen Ministerien.  Im Bundestagswahlkampf 2017 nehmen die Parteien in etwa folgende Positionen ein (auch in ihren Wahlprogrammen): Bei der CDU soll die Digitalisierung helfen. Die SPD fordert eine Energiewende im Verkehr. Die Linke will die Hausbesitzer belasten. Die FDP ist gegen jede Verbotspolitik. Die AfD will aus dem Welt-Klimavertrag raus. Deutschland droht seine Klimaziele 2020 deutlich zu verfehlen (Daten von Agora Energiewende). Ursprünglich sollten die CO2-Emissionen mit Bezug auf 1990 um 40% reduziert werden. Nach derzeitigem Stand werden nur zwischen 31 und 33% geschafft. Innerhalb der EU verpflichtet sich Deutschland im Oktober 2017 zu folgendem Klimaziel: Bis 2030 soll der Ausstoß von Treibhausgasen aus Verkehr, Gebäuden, Landwirtschaft und Müllentsorgung um 38% gegenüber dem Wert von 2005 sinken. Besonders folgende Maßnahme zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes stocken 2017 gewaltig in Deutschland: Die Autos werden immer schwerer und größer. Der Palmölimport wird gefördert (macht dem Regenwald kaputt). Der Braunkohleausstieg stockt (Niederrhein, Lausitz). Die Bundesregierung verzichtet im November 2017 auf eine Klage gegen strengere Umweltvorgaben der EU. Dies war von eineigen Bundesländern gewünscht worden. Elf Verbände fordern, die Energiewende über Steuern und nicht über die Stromkosten zu finanzieren. Bei einer Abschaltung der 20 ältesten Braunkohlekraftwerke in Deutschland wäre die Stromversorgung nicht gefährdet (Quelle: Studie von Agora Energiewende 2017). Aber eine dazu gehörende Strukturpolitik fehlt noch (Wahlergebnisse im Osten!). Die Kohlekraftwerke haben in Deutschland einen Anteil von 18,4% am CO2-Ausstoß, genauso hoch wie der Verkehr. Am höchsten ist der Anteil der Häuser (29%). Der Kohlendioxid-Ausstoß und seine Reduzierung ist ein Schlüsselthema in den Jamaika-Verhandlungen. In den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD Anfang 2018 steht das Klimaziel für 2020 auf der Kippe. Es besteht auch keine Klarheit mehr in der Energiewende. Das ist nicht ungefährlich. Menschenrechte können eingeklagt werden (wenn auch nicht Sanktionen). Deutschland steht beim Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 nicht ganz hinten, weil die Produktionsverlagerung zu einer Verzerrung führt. Im Januar 2018 wird klar, dass Deutschland auch die rechtsverbindlichen Klimaschutzziele der EU, die niedriger sind, verpasst: EU-Vorgaben für 2020:  14% weniger Kohlendioxid als 2005 in den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft und Heizenergie. Die GROKO will bis 2030 gesetzlich verbindliche Klimaziele aufstellen für die Sektoren Energie, Verkehr, Landwirtschaft und Gebäude. bisher sind die Erfolge in diesen Sektoren sehr unterschiedlich: Basisjahr 1990. Bezugsjahr 2016 (Quelle: UBA, Agora Energiewende). Energiewirtschaft -22%; Industrie 034%; Verkehr +1%; Haushalte -32%; Landwirtschaft -18%. Bis 2020 kann Deutschland voraussichtlich den Ausstoß von Kohlendioxyd nur um 32 Prozent statt wie geplant um 40% reduzieren (Stand 2018). Es gibt also eine "Klimaschutzlücke" (hohe Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum). Umweltministerin Schulz erhöht deshalb im Sommer 2018 den Druck auf CO2-intensive Branchen. Für Kattowitz kann Deutschland noch keinen Ausstiegsplan aus der Kohle vorlegen (spätestens 2030). Eine Regierungskommission schlägt im Januar 2019 vor, um die Klimaziele zu erreichen, höhere Spritsteuern und ein Tempolimit auf Autobahnen einzuführen. Im März 2019 setzt die Bundesregierung ein "Klimakabinett" ein. Das Gremium soll die rechtlich verbindliche Umsetzung der deutschen Klimaziele für 2030 umsetzen. Auf einer Klimakonferenz im Mai 2019 (35 Minister aus aller Welt) in Berlin kündigt Bundeskanzlerin Merkel an, dass sich Deutschland zur Treibhausgasneutralität bis 2050 bekennt. Noch 2019 soll in Deutschland ein Klimaschutzgesetz beschlossen werden. Bisher steht die gesamte Bundesregierung hinter der Zielmarke. AKK fordert einen "Nationalen Klimakonsens". Der soll auch einen CO2-Preis einschließen.  Im November 2017 fordert ein Firmenbündnis mehr Klimaschutz und den Kohleausstieg in Deutschland. Mit im Boot sind SAP, Siemens, Deutsche Telekom, Deutsche Börse, Aldi-Süd, Metro, Tchibo und Hermes. Auf der Klimakonferenz in Bonn im November 2017 sagt Deutschland insgesamt 107 Millionen Euro für den Umweltschutz der Entwicklungsländer zu. Das nationale Klimaziel 2020 kann noch erreicht werden, wenn Braunkohlekraftwerke abgeschaltet bzw. gedrosselt werden (Quelle: Studie der Fraunhofer-Gesellschaft im Auftrag von Greenpeace 2018; NRW Stilllegungen 7,4 Gigawatt; Niederlausitz Drosselungen 6,0 Gigawatt). Germanwatch, eine Entwicklungs- und Umweltschutzorganisation, sieht 2018 Deutschland auf dem 25. Platz bei den Risken für Klimaschäden weltweit. Das Klimakabinett in Deutschland erwägt eine Erhöhung der Luftverkehrsabgabe. Die Lufthansa ist dagegen.

Klimaschutz der EU: Am 22.01.08 beschließt die EU-Kommission ein Klimaschutzpaket: bis 2020 soll der CO2-Ausstoß europaweit um 20% gegenüber 1990 sinken. Der Anteil erneuerbarer Energien soll auf 20% erhöht werden. Dies soll durch eine Verknappung der Zertifikate erreicht werden über einen Handel (die EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard will die Regeln im Emissionshandel verschärfen). Ein Solidaritätszuschlag für das Klima ist ein Zugeständnis an die Osteuropäer. Ende 2008 beschließt man, den Autofirmen mehr Zeit bei der Reduzierung von Kohlendioxyd zu geben (bis 2015 soll Ziel von 120g pro km bezogen auf die Autoflotte erreicht werden. Die Umweltminister der EU und der WWF glauben, dass die Treibhausgase der Industrieländer in den nächsten 40 Jahren um 95 % gesenkt werden. Vgl. auch zur Klimageschichte: http://www.klimaentwicklung.de. 2009 blockiert Polen die EU-Finanzhilfen für den Klimaschutz. 2012 blockiert Polen wieder den EU-Klimafahrplan (80% CO2-Reduktion bis 2050). Polen hat viele Kohlekraftwerke. Im April 2012 findet eine Konferenz der europäischen Umwelt- und Energieminister im Dänischen Horsens statt. Es soll in Ruhe über die Europäischen Klimaziele nach 2020 geredet werden. Vier EU-Länder wollen Subventionen für ihre Atommeiler. 2014 tobt innerhalb der EU und ihrer Institutionen ein Streit um die Umweltschutzziele bis 2030. Man einigt sich auf folgende Ziele: Bis 2030 soll der Kohlendioxid-Ausstoß um 40% gegenüber 1990 gesenkt werden. Der Anteil erneuerbarer Energien soll auf 27 % erhöht werden. Es gibt keine bindenden Ziele für die einzelnen Energieträger. Über die Nutzung einzelner Energieträger gibt es leider auch noch keine Einigkeit. So kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen der EU und den Nationalstaaten. 2014 mit Deutschland über die Industrierabatte im EEG-Gesetz. Deutscher Grünstrom wird in Überschusszeiten etwa nach Polen, Belgien und die Niederlande exportiert. Eine Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten ist also dringend erforderlich. Im Juli 2014 legt die EU die Eckwerte ihrer Energiepolitik bis 2030 vor: Gegenüber 1990 soll der Energieverbrauch der Mitgliedsstaaten um ca. 30% sinken (Energieeffizienz). Etwa 89 Mrd. € pro Jahr müssen dafür in Investitionen gesteckt werden (damit soll auch das übergeordnete Ziel der CO2-Reduktion um 40% erreicht werden). Nach der EU-Wahl 2014 ist ist für Umweltschutz, Meerespolitik und Fischerei Karmenu Vella aus Malta als EU-Kommissar zuständig (für Klimapolitik und Energie Miguel Arias Canete aus Spanien). Am 24.10.2014 beschließt die EU im Rahmen der Regierungschefs Maßnahmen zum Klimaschutz bis 2030: 1. Weniger Treibhausgase (-40%); 2. mehr alternative Energien (27%); Steigerung der Energieeffizienz (+27%). Hauptinstrument zur Erreichung der Ziele bleibt der Emissionshandel (Luftverschmutzungszertifikate werden knapper). Ausnahmen gibt es für Länder, deren BIP unter 60% des EU-Durchschnitts liegt. 40% der Zertifikate können umsonst an Betriebe ausgegeben werden (Polen, Kohlekraftwerke). 2014 kommt ein Gesetz in der EU, dass den Gebrauch von Plastik-Tüten einschränkt. Am 06.03.2015 beschließt die EU ihre Klimaziele für die Verhandlungen über ein globales Abkommen Ende 2015 in Paris. Laut Climate Action Network Europe stießen die 280 Kohlekraftwerke in der EU 2014 762 Mio. Tonnen CO2 aus (ca. 20% des CO2). 2017 ermahnt die EU Deutschland wegen drei Punkten: Dreckige Luft, zuviel Dünger, schleppender Naturschutz. Die EU verschärft gegen den Widerstand Deutschlands und Polens 2017 die Umweltstandards für Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke. Es gibt schärfere Grenzwerte für den Ausstoß von Schadstoffen wie Quecksilber, Schwefeldioxid oder Stickoxid. Das gilt für 2021 Kraftwerke in der Union bis 2021. Jetzt müssen Filtersysteme nachgerüstet werden. Seit Jahren läuft in der EU ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Deutschland, weil wiederholt Grenzwerte bei Stickoxiden (Innenstädte) überschritten wurden. Jetzt, 2017, will die EU klagen. Die Europäische Investitionsbank gibt mittlerweile ein Viertel der Gelder für den Klimaschutz aus. 2017 schlägt Macron folgende Maßnahmen vor: Übergangshilfen für besonders betroffene Regionen, CO2-Mindestpreis, CO2-Steuer an der EU-Außengrenze. Die EU-Kommission will 2018 ihr Klimaziel für 2030 hochschrauben. Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber 1990 nicht um 40%, sondern um 45% senken (Quelle: Klimakommissar Miguel Arias Canete). Kurz vor der Klimakonferenz in Katowice legt die EU eine neue Strategie vor: Die EU soll 2050 klimaneutral sein (Nettoausstoß der Emissionen auf Null). Auf einem EU-Gipfel am 20.06.2019 wird der "klimaneutrale Umbau der Wirtschaft" nicht beschlossen; man kann sich nicht einigen. 2014 ist in der EU der Anteil der Öko-Energie auf 16% gestiegen. Am weitesten sind Schweden (49%), Lettland (40%) und Finnland (38%). Die EU hatte 2015 einen Anteil von 10% an dem weltweiten Treibhausgas-Ausstoß (Quelle: IPCC, World Resources Institute).

Klimaschutz in Skandinavien: Die Länder sind traditionell Vorreiter. Finnland baut auf die Kreislaufwirtschaft (circular economy). Grundidee ist, dass nichts weggeworfen wird. Der Mineralölkonzern Neste gehört zu den weltweit 100 nachhaltigsten Unternehmen. Schweden setzt auf eine nachhaltige Energieversorgung (Fernwärme und Wärmepumpen). Norwegen gilt als Mekka der grünen Mobilität. Schon 15% der Autos sind 2017 E-Autos.

Drei entscheidende Staaten: Drei Staaten sind verantwortlich für die Hälfte der Emissionen (Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß 2015): China 30%. USA 13,7%. Indien 6,6%. Dann folgen Russland 4,7%. Japan 3,6%. Deutschland 2,15%.

Top 10 der Unternehmen, die den höchsten CO2-Ausstoß haben (1988, 35% aller CO2-Emissionen): 1. China (Coal). 2. Saudi Arabian Oil Company (Aramco). 3. Gazprom. 4. National Iranian Oil Co. 5. ExxonMobil Corp. 6. Coal India. 7. Petroleos Mexicanos (Pemex). 8. Russia (Coal). 9. Royal Dutch Shell. 10. China National Petroleum Corp. 100 Unternehmen weltweit sind für 71% aller CO2-Emissionen verantwortlich. Quelle: Vgl. Welt der Wunder 8/19, S. 23.

Green GDP und 12. Fünfjahresplan in China /Umweltpolitik in China): In diesem Plan, der von 2011 bis 2016 gilt, sind 1,5 Billionen Dollar für Elektromobilität, Solarenergie und Biotechnik vorgesehen (jährlich 300 Mrd. $). Die Ziele für die Verringerung von Kohlendioxyd-Ausstoß wurden strenger. Die Binnennachfrage soll gestärkt werden. Die einkommensschwachen Westprovinzen sollen speziell gefördert werden. China will zum Vorbild einer nachhaltigen Ökonomie werden und in absehbarer Zeit weltgrößte Wirtschaftsnation werden. China bläst weltweit den meisten Smog in die Luft. Dieser wird auch exportiert. An manchen Tagen stammt ein Viertel der Schwefelgase an der amerikanischen Westküste aus China. Emissionen werden damit im doppelten Sinne exportiert. Denn rund ein Drittel des chinesischen Schwefeldioxids und der Stickoxide und fast 20 Prozent des Rußes gehen auf Konto des produzierten Exportes. Auf dem Apec-Gipfel im November 2014 geben die USA und China einen Klimaplan bekannt: Bis 2030 will China die erneuerbaren Energien auf 20 Prozent verdoppeln. auf dem UN-Weltklimagipfel in Lima/ Peru zeigt China Kooperationsbereitschaft (Einzahlung in den grünen Klimafonds; Wendepunkt 2030!). 2015 sind China gleichzeitig der größte Klimasünder (gemessen am Gesamt-CO2-Ausstoß) und der mit Abstand größte Nutzer von Wasser-, Wind-, Solar- und Bioenergie. Mittlerweile sind die Grenzwerte in China teilweise höher als in der EU und den USA: Bei Schwefeldioxid (in Milligramm je Kubikmeter Abluft) 35 für Neuanlagen und 50 für Altanlagen (EU: 75, 130; USA 60, 255). Trotzdem ist China noch für ca. ein Drittel des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Eines der größten Umweltprobleme in China ist der Wasserhaushalt. Der Norden verfügt über nur 20% des Wassers, der Süden hat ca. 80%. Der Wasserverbrauch steigt rapide an (Landwirtschaft, Viehzucht, Industrie). 70% aller Flüsse sind immer noch stark verschmutzt. Anfang September 2016 ratifiziert China das UN-Klimaabkommen von Paris. Das ist wegweisend für viele andere Länder, insbesondere die Entwicklungsländer. China geht nicht auf Trump - Kurs in der Klimapolitik. Es behält seine zugesagten Maßnahmen bei (Bekanntgabe im Ende März 2017). 2017 bohrt China erfolgreich nach Methanhydraten im Südchinesischen Meer. Dieses spezielle Erdgas könnte den Energiebedarf für Jahrtausende decken. Das tief im Meeresboden sitzende Gas ist schwer abzubauen. Entweicht Methangas in die Atmosphäre, ist es noch viel klimaschädlicher als CO2. China hat 24%-Anteil am weltweiten Treibhausgasausstoß (2015; IPCC, World Resources Institute). Nach drei Jahren Stagnation steigt 2017 wieder Kohlendioxid-Ausstoß in China. Chinas Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß beträgt 28%. allein schon durch seine Größe und die Zahl der Einwohner verschlingt das Riesenland gigantische Ressourcen. Die Tier- und Pflanzenwelt leidet nicht nur in Asien. Chinesische Investoren holzen illegal Wälder in Kambodscha, Myanmar und Indonesien ab. In Sumatra wird ein Wasserkraftwerk gebaut; genauso auf Borneo durch chinesische Investoren. Zunehmend verlagert China seine Umweltsünden in andere Länder. "In China ist grünes Wachstum das entscheidende Merkmal der künftigen Wirtschaft", Josef Ackermann, Deutsche Bank-Ex-Chef. "China hat die Fähigkeit und den Willen, mehr Gutes für die Asien-Pazifik-Region und die ganze Welt zu tun"; Xi Jinping, Staatspräsident, auf dem Asien-Pazifik-Gipfel 2014. Vgl. auch: John Mathews, Greening of Capitalism, Stanford University Press, 2015.

Umweltpolitik der USA: Die USA hat sich an den Beschlüssen der Weltklimakonferenz nicht beteiligt (auch nicht am Kyoto-Protokoll). 2013 planen die USA die ersten CO2-Grenzwerte für neue Kraftwerke, weil der Klimawandel im Land immer stärker spürbar ist. Erstmals werden von der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA damit US-weite Emissionsstandards festgelegt. Im Juni 2014 erlässt die Regierung neue Grenzwerte für Kraftwerke: Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen um 30% gesenkt werden. Den Bundesstaaten bleibt überlassen, ob sie den Durchschnittswerte über Zertifikate, alternative Energien oder Techniken (z. B. Filter) erreichen wollen. Dies ist die wichtigste Klimaschutzmaßnahme der Regierung Obama. 2014 sind noch 37% aller US-Kraftwerke Kohlekraftwerke. Bei den CO2-Emissionen 2013 liegen die USA an zweiter Stelle mit 4,8 Mio. Tonnen (Spitzenreiter ist China mit 7,6 Mio. Tonnen; pro Kopf allerdings die USA). Auf dem Apec-Gipfel im November 2014 geben die USA und China einen Klimaplan bekannt. Obama wird seine Ziele nicht mehr umsetzen können bzw. die Republikaner werden später gegensteuern. Auf dem Weltklimagipfel der UN in Lima/ Peru Ende 2014, zeigen die USA zumindest Kooperationsbereitschaft und zahlen in den grünen Klimafonds für die Entwicklungsländer ein. Die USA schließen sich auf dem G7-Gipfel in Deutschland im Juni 2015 dem 2 Gradziel an. Anfang August 2015 legt Präsident Obama den "Clean Power Plan" (Klimaplan) vor: Erhöhung des Anteils Erneuerbarer Energien an der Energieerzeugung (bis 2015 nur 7%). CO2 bis 2030 auf Basis von 2005 um 32 % senken (bis 2018 Pläne der Bundesstaaten bei der EPA). Insbesondere der Anteil der Kohle an der Energieversorgung soll reduziert werden (von 2015 39%; insbesondere Kohlekraftwerke). Die Republikaner sind dagegen (Arbeitsplatzverlust, Strompreise steigen). Obama will eine Vorreiterrolle auf der Weltklimakonferenz 2015 in Paris übernehmen. Die USA und China sind in etwa für die Hälfte des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Nach dem Abschlussbericht der Weltklimakonferenz kündigen die Republikaner an, bei einem Wahlsieg wieder auszusteigen (sie bezeichnen noch immer den Klimawandel als Hirngespinst). Im Februar 2016 stoppt der Oberste Gerichtshof der USA die Klimaschutzpläne. Im September 2016 ratifizieren die USA das Klimaabkommen von Paris. Trump gewinnt die US-Präsidentenwahl. Im Wahlkampf hat es sich zu den fossilen Energieträgern bekannt. Er will aus dem Pariser Vertrag aussteigen. Im Dezember 2016 erlässt Obama noch ein Gesetz, das die Arktis und Teile des Atlantiks vor Öl- und Gasbohrungen schützt. Kanada schließt sich an. Trump revidiert Teile davon wieder. Er streicht die Mittel der staatlichen Umweltbehörde EPA um 31% zusammen. Zahlungen im Rahmen von Klimaverpflichtungen kürzt er ganz. Am 28.03.2017 unterzeichnet Trump ein Dekret zur Klimapolitik: Kohle, Gas  und Öl (fossile Energieträger) sollen wieder mehr gefördert werden. Vor allem die Begrenzung der Kohlestoffbelastung durch Kraftwerke soll überdacht werden. Die CO2-Ausstoß-Grenzen sollen wieder abgesenkt werden. Bundesbehören sollen nicht mehr die Auswirkungen des Klimawandels bedenken müssen. Das ist eine Demontage des "Clean Power Plan" von Obama, der die Beschlüsse des Pariser Weltklimagipfels implementieren sollte. Große US-Bundesstaaten, z. B. Kalifornien, haben angedeutet, dass sie an den Klimazielen festhalten wollen (das gleiche Vorgehen planen auch Städte). Außerdem dürfte der Rückbau und das Aufweichen der Regelungen von Obama auch Jahre dauern. Sehr schmerzhaft dürfte in jedem Falle sein, wenn sich die USA aus dem Klimafonds für Entwicklungsländer zurückziehen. Im April 2017 scheitert eine gemeinsame Erklärung der Wirtschafts- und Energieminister der G7 an den USA. Im Frühjahr 2017 setzt sich eher die Position durch, den Klimavertrag neu zu verhandeln. Auf dem G7-Gipfel in Taormina in Sizilien im Mai 2017 lässt Trump offen, ob er aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigt. Am 01.06.17 verkündet Trump den ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzvertrag. Er bezeichnet das Abkommen als "unfair". Er will aber auch neu verhandeln. Diese Möglichkeit ist sehr unwahrscheinlich (Deutschland, Frankreich und Italien und die ganze EU verweigern sich, auch China und Russland). Die USA können frühestens am 4.11.2020 faktisch raus (einschließlich einjähriger Kündigungsfrist). Bis dahin sind sie gebunden. Gelder für den "Green Climate Fonds" werden nicht geleistet. Mehrere US-Bundesstaaten (30) wollen am Abkommen festhalten (auch viele Städte). Große Teile der Industrie äußern sich auch skeptisch (100 große Unternehmen, z. B. Apple, Google, Tesla; Exxon, Chevron). Die USA haben einen Anteil von 15% am weltweiten Treibhausgas-Ausstoß. auf dem G20-Gipfel in Hamburg geben die USA ihren Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen bekannt. Im September wird diese Aussage relativiert. Man kann sich ein Verbleiben vorstellen, wenn die Bedingungen fair sind (neue Verhandlungen). Im November 2017 legen 13 US - Behörden einen Klimareport kurz vor der Klimakonferenz in Bonn vor: Erstmals wird darin eingeräumt, dass der Mensch an der Erderwärmung die Verantwortung trägt (mit 95% bis 100% Sicherheit). Sie warnen vor einem Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 um 2,40 Meter. Im Dezember 2017 verkleinert Trump zwei Naturschutzgebiete im Westen der USA. NGO klagen dagegen. Die US-Regierung will auch diei Sicherheitsstandards für Ölbohrungen auf dem Meer lockern. Im August 2018 will Trump den zukünftigen Kraftstoffverbrauch von Autos wieder liberalisieren. Das sind Regeln von Obama. Trump will die Regel abschaffen aus drei Gründen: 1. Verleitung zu mehr Fahren bei effizienteren Autos. 2. Ausgefeilte Technik treibt die Preise nach oben. 3. Leichteres Material ginge auf Kosten der Sicherheit. Er will auch die Autonomie der Bundesstatten bei dieser Regelung einschränken. Mit zahlreichen Dekreten versucht Trump alles, um Umweltgesetze auszuhebeln (Beispiele: Ölförderung in Naturschutzgebieten, Agrargifte zulassen, Grenzwerte verwässern, Wasserläufe freigeben für Abraum). Insgesamt geht es um 76 Maßnahmen. Doch er hat erhebliche Probleme bei der Umsetzung. Bürger, Juristen und ganze Bundesstaaten setzen sich zur Wehr.  In den USA ist eine Bewegung entstanden, die sich "Rolling Coal" nennen. Ziel ist es, die Trucks so umzubauen, das sie möglichst viel Benzin verbrauchen und möglichst viel schwarzen Qualm produzieren. Sie wollen Präsident Obama den Stinkefinger zeigen. Radfahrer und japanische Hybrid-Kleinwagen sollen vernebelt werden. "Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für unsere Zukunft. Wir haben nur ein Zuhause, nur einen Planeten", Barack Obama, 2015 bei der Verkündung neuer klimapolitischer Ziele. "Unsere Generation ist die letzte, die noch aktiv etwas gegen den Klimawandel tun kann", Barack Obama, ebenfalls 2015. In den USA wurden zwischen 2003 und 2010 mehr als 7 Mrd. $ in Organisationen gesteckt, die Zweifel am Klimawandel schüren sollen: Heartland Institute, Committee for a Constructive Tomorrow, vgl. Studie von Robert Brulle. 

National and Atmospheric Administration (NOAA), USA: Messung des Klimawandels: Als Leuchtturm gilt die US-Organisation NOAA in Silver Springs/ Maryland. Es ist die National and Atmospheric Administration, ein U.S.- Department. Sie ist unabhängig und kooperiert mit etwa 65 Ländern und deren Wissenschaftlern. Sie wurde 1970 unter Richard Nixon gegründet. Sie legt jedes Jahr einen Bericht vor. Bericht 2018: 2017 war das drittwärmste Jahr, seit es Wetteraufzeichnungen gibt. CO2 hat einen neuen Höchststand erreicht. Der durchschnittliche Meeresspiegel ist auf einem Höchststand. Zehn der niedrigsten Eiswerte der Arktis sind in den vergangenen 11 Jahren gemessen worden.

Kanada: Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2030 um 30% gegenüber 2005. Der Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen beträgt 1,7%.

Russische Föderation: Nach Russlands INDCs-Plänen sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um rund 25% bis 30% unter das Niveau von 1990 sinken. Allerdings lag die Wirtschaft des Landes 1990 danieder, so dass die Steigerung nichts aussagt (Statistischer Basiseffekt). Vgl. zu den Zielen und der Effektivität einzelner Länder als Quelle: Climat Action Tracker, http://climateactiontracker.org/countries/developed/russianfederation.html. Russland liegt beim Kohlendioxidausstoß weltweit auf Platz 4 (1800 Mio. Tonnen 2013; 2015 Platz 5, 4,9%). Russland bezweifelt immer wieder die wissenschaftliche Basis des Klimawandels (Wirkung von CO2 u. a.). Russland hat bei den globalen Treibhausgasemissionen einen Anteil von 5,2%. Ziel ist es (in Paris vereinbart) bis 2030 um 25% bis 30% gegenüber 1990 zu senken.

Indien: Die Pro-Kopf-Emissionen in Indien sind viel geringer als bei den anderen Hauptemittenten (1,7 t CO2 pro Kopf). Insgesamt liegt Indien aber mit 2070 Mio. Tonnen Kohlendioxidausstoß 2013 schon an dritter Stelle in der Welt. Indien neigt in der Vergangenheit dazu, der chinesischen Position zu folgen. Die neue Zielsetzung für Paris ist wenig transparent. Indien scheint mit seinem Pro-Kopf-Ausstoß zu argumentieren und will sich kaum auf Ziele einlassen. Doch die Regierung stimmt schließlich dem Pariser Abkommen zu. Indien hat 6% des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes. Indien hängt noch stark an der Kohle. Das schmutzige Geschäft wird im Nachbarland Bangladesch betrieben. Wie kaum in einem anderen Land der Erde ist Indien vom Klimawandel und der Umweltverschmutzung betroffen. Alle 30 Minuten bringt sich ein Landwirt um, weil er in Existenznot ist. Die Kleinbauern bekommen keine Hilfe von der Regierung. In New Delhi ist ein Leben kaum noch möglich. Jährlich sollen vorzeitig 1,8 Mio. Inder an Luftverschmutzung sterben (Quelle: Fachzeitschrift "The Lancet" 2018). 640.000 Menschen kommen durch verunreinigtes Wasser zu Tode. Die Flüsse sind zu Kloaken mutiert, auch der heilige Fluss "Ganges" sowie seine Nebenflüsse. Inder sind sicher nicht schmutzigere Leute als anderswo. Im Lande werden Gesetze nicht durchgesetzt. Ausländische Konzerne stemmen sich auch gegen einen umweltfreundlichere Politik (z. B. deutsche Autohersteller). Sunita Narain ist Indiens bekannteste und einflussreichste Aktivistin in Umweltfragen. Indien hat einen Anteil von 6,2% an den weltweiten Treibhausgasemissionen. Es hat sich in Paris verpflichtet, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 33% bis 35% gegenüber 2005 zu senken. Indien entscheidet maßgeblich mit, ob die globale Klimakatastrophe verhindert werden kann. Indien will zum grünen Pionier werden. Indien baut derzeit einige der größten Solarparks der Welt, der Bau vieler Kohlekraftwerke wurde abgesagt. Bis zum Jahre 2030 könnte nicht fossiler Strom mehr als 40% ausmachen (Climate Action Tracker). In Indien wird noch sehr viel gebaut (Straßen, Schienen, Fabriken, ganze Stadtteile). Dies wird den Energiebedarf stark erhöhen. 2016 wurden noch 65,2% der CO2-Emissionen durch Kohleverbrennung erzeugt (Deutschland 39,5%). Bis 2030 dürften die Emissionen noch weiter ansteigen. Vgl. Höflinger, Laura: Energiewende XXL, in: Der Spiegel Nr. 28, 6.7.2019, S. 78ff..

Japan: Japan wollte seine Emissionen bis 2020 um 25% gegenüber 1990 senken. Das war die Zusage in Kopenhagen vor Fukushima. Nach dem Unglück wurde die Zusage zurückgezogen. Im Juli 2015 hat die japanische Regierung ihre Pläne für die INDCs bekannt gegeben. Darin sieht sie gegenüber 2013 eine Emissionsreduktion von 26% bis 2030 vor. Gemessen an 1990 kommt man auf minus 18%. Damit ist Japan am wenigsten ambitioniert von allen Industrieländern (würden sich auch die anderen Länder so verhalten, käme man auf 3 bis 4 Grad zusätzlicher Erderwärmung). Japan liegt beim Kohlendioxidausstoß weltweit auf Platz 5 (1360 Mio. Tonnen 2013; 2,9% des weltweiten Ausstoßes). Reduktion der Treibhausgase bis 2030 um 25% gegenüber 2005. Japan hat einen Anteil von 3,9%.

Brasilien: Brasilien hat mit dem Amazonas-Regenwald so etwas wie die "grüne Lunge" der Erde. Das Land hat am weltweiten Treibhausgas-Ausstoß 2015 einen Anteil von 2% (Platz 7 in der Welt). 2017 tobt ein Kampf zwischen Goldgräbern und der Umweltschutzbehörde. Naturschutzzonen werden missachtet, um Gold zu fördern und auch um Tropenholz zu fällen. Immer wieder kommt es zu Brandstiftungen, auch um Ureinwohner zu vertreiben. Der weltberühmte Photograph Salgado erhält 2019 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels für seinen Kampf für die Umwelt in Brasilien (hauptsächlich durch Fotos).

Südafrika: Das Land hat ein großes Wasserproblem. Dramatisch ist die Lage in Kapstadt. Für Sommer 2018 ist der Krisenfall geplant. Alle Wasserleitungen werden abgedreht; es gibt nur Notrationen. Es herrscht eine historische Dürre. Der größte Staudamm "Theewaterskloof-Damm liefert kaum noch Wasser. Südafrika verbraucht jährlich knapp ein Drittel seiner Wasser-Ressourcen. Salzwasser (Entsalzungsanlagen) könnte ein teurer Ausweg sein.

Türkei: Die Türkei verlangt auf der Weltklimakonferenz in Kattowitz eine Änderung ihres Status in der Klimarahmenkonvention. Sie will an die Fördergelder für arme Länder ran. 2019 nehmen die Türken Abschied von der Plastiktüte. An der Spitze der Bewegung steht Präsidenten-Gattin Emine Erdogan. Die türken müssen ab 01.01.2019 25 Kurus (etwa vier-Euro-Cent) für eine Plastiktüte zahlen. 

Australien: Treibhausgasreduktion bis 2030 um 26% bis 28% gegenüber 2005. Australien hat einen globalen Anteil von 1,2%.

G20 und weiter B20, W20 u. a.: Die G20 werden zu einem immer wichtigeren Forum in der Weltwirtschaft. Innerhalb dieser Gruppe gibt es Untergruppen. Die B20 sind die größten Unternehmen. Sie bilden eine Taskforce Klimaschutz (Rohstoffe sparsam nutzen). Die USA steigen aus dem Pariser Klimaabkommen aus und wollen die Rückkehr zu fossilen Energieträgern (19 + 1). Das ist aber nicht ganz richtig, weil es viele Sonderpositionen gibt: Die Türkei will sich für ihre Klimapolitik bezahlen lassen.  China und Russland zweifeln die wissenschaftlichen Grundlagen an (machen völkerrechtlich mit, weil es keine Sanktionen gibt). Saudi-Arabien will eigentlich was anderes.

Klima (Klimawandel, Klimapolitik, Folgen des Klimawandels, bei Natur und Arten, Klimakatastrophe; Erwärmung, Rückkopplungen; Umweltschadstoffe, schädliche Emissionen; Grenzwerte und ihre Messung; Störung der Lebenssysteme)

"Climate is what we expect, weather is what we get", Mark Twain (1835-1910, American writer). Für die Republikaner in den USA gibt es keinen Klimawandel. James Inhofe, Senator aus Oklahoma, warf noch 2015 metaphorisch mit einem Schneeball nach Präsident Obama, um zu beweisen, dass es keinen Klimawandel gibt.

Klimamodell von William D. Nordhaus (1992): Zusammenhang von Temperaturvorgaben und Klimawandel. Mathematisches Gleichungssystem, das abbilden kann, wie sich ein Anstieg der Treibhausgasemissionen auf die ökonomische Aktivität auswirkt und welche Kosten Maßnahmen zur Vermeidung von Emissionen verursachen. Im Kern geht es Nordhaus weniger um einen maximalen Klimaschutz als um eine Steigerung des Wohlstands. Nordhaus spricht sich in der Umweltpolitik für eine Steuer auf Kohlendioxid aus (CO2-Steuer). Nordhaus erhält dafür 2018 den Wirtschaftsnobelpreis. Er entwickelte die integrierten Bewertungsmodelle DICE und RICE. Diese bestehen aus drei Modulen: 1. Kohlenstoffkreislaufmodul. 2. Klimamodul: 3. Wirtschaftswachstumsmodul. 

Klimazerrüttung: Seit Beginn der Diskussion über Klimawandel  gibt es Gegenbewegungen, die den Klimawandel leugnen. Dazu gehören Konzerne, in deren Strategien und Geschäftspolitik der Klimawandel nicht passt. Aber auch Politik und Medien machen mit. Das beste Beispiel ist der abrupte Wandel in der Klimapolitik der USA unter Trump. Es geht dabei um folgende Fragen: Ist die globale Erwärmung vom Menschen verursacht? Hat der Erwärmungsprozess aufgehört? Sind die fehlerhaften Computermodelle schuld? Hat CO2 eine Klimawirkung? Sind die Klimaforscher nur wegen des Geldes dabei?

Fossiles Zeitalter: Das fossile Zeitalter der Menschheit beginnt ca. 1820 n. Chr., also vor etwa 200 Jahren. Ab dieser Zeit setzen die Menschen fossile Energieträger in der Industrie ein. Die Verbrennung dieser Stoffe führt zu einem drastisch erhöhten Ausstoß von CO2, was das Klima auf der Welt verändert. Seit Beginn der Industrialisierung ist die globale Durchschnittstemperatur um 0,8 Grad angestiegen. Die aktuellen Auswirkungen zeigen sich seit rund 20 Jahren. Pro Kopf müsste der Stromverbrauch erheblich gesenkt werden, von jetzt 6000 Kilowatt auf 2000 (die Schweiz scheint am weitesten zu sein). Das fossil-nukleare Betriebssystem dürfte aber keine Zukunft mehr haben. "Grüne" Investitionen würden das Wachstum und den Wohlstandszuwachs nur leicht verzögern. Die Industriegesellschaft stößt aber auch an ihre Grenzen, denn Wachstum braucht Energie. Die Gewinnung der Energie zerstört den Planeten. Allein bis 2035 dürfte der weltweite Energieverbrauch um 50% ansteigen (US-Energieministerium). Das Potsdam Climate Institut hat folgende Hochrechnung 2014 gemacht: Der CO2-Ausstoß nach Verbrauch aller fossilen Brennstoffreserven beträgt weltweit 2795 Gigatonnen (Gas 363; Öl 615; Kohle 1817). Damit beträgt die CO2-Ausstoßgrenze beim 2-Grad-Klimaziel 886 Gigatonnen. Es darf noch weltweit 565 Gigatonnen verbraucht werden. Bereits genutzt sind 321 (also darf die Welt bis 2050 886 Gigatonnen CO2  emittieren). Der Weltklimarat empfiehlt 2014 einen Verzicht auf fossile Energie, um die weitere Klimaerwärmung  zu verhindern. Der deutsche "Umweltpapst" Friedrich Schmidt-Bleek kritisiert in seinem Buch von 2014 (Grüne lügen, München) folgendes:  Umweltschutz wird häufig auf Verringerung der CO2-Emissionen reduziert. Grundlage müsse der Verbrauch natürlicher Ressourcen sein, die nicht beliebig erneuerbar sind (Gas, Öl, Kalk, Kupfer, Eisen). Rückenwind erhält die Abkehr von fossiler Energie durch die Finanzwelt: Versicherungen und Stiftungen beginnen damit, ihre Investitionen aus fossilen Energieunternehmen abzuziehen.  "Große Teile der USA glauben aus religiösen Gründen einfach nicht an Wissenschaft. Die Leute benutzen Autos, Telefone und Krankenhäuser, aber sie glauben nicht ans Sonnensystem, an den Klimawandel, an Evolution oder an Genetik", Thomas Südhof, deutscher Nobelpreisträger 2013, der in den USA lebt. Die Konzentration des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) hat 2014 in der Atmosphäre der nördlichen Erdhalbkugel einen neuen Höchststand erreicht. Zum ersten Mal wurde durchgehend der Wert 400 ppm überschritten (Quelle: WMO, Weltorganisation für Meteorologie). Vor der Industrialisierung lag der Wert bei 278 ppm. Die WMO warnt vor dem weiteren Verfeuern fossiler Brennstoffe. Durch das Verbrennen aller bekannten Erdöl-, Kohle und Gasvorkommen ergibt sich eine CO2-Emission von 2795 Mrd. Tonnen. Bis 20150 bleibt dann maximal ein CO2-Budget von 565 Mrd. Tonnen, um das 2-Grad Klimaziel einzuhalten. 2015 führt bei den CO2-Emissionen weltweit China (9900 Mio. t) vor den USA (5200 Mio. t). Bei den pro Kopf CO2-Emissionen liegen die USA (16,4 t) vor Saudi-Arabien (16,2 t), Kanada (16,0 t) und Süd-Korea (13,0 t).  Die höchsten Zuwächse bei CO2 haben seit 1990 China (+293%), Indonesien (+213%) und Indien (+198%). 2014 wurden erstmals 41% des Stromes mit Hilfe von kohle gemacht.

Industrialisierung und Erderwärmung: Seit der Industrialisierung vor 150 Jahren stieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre um 44 Prozent. Gleichzeitig wurde es immer wärmer. Seit Beginn der Klimaaufzeichnungen im Jahre 1881 stieg die globale Temperatur um 1,1 Grad Celsius (in Deutschland im gleichen Zeitraum um 1,5 Grad C). Zuletzt beschleunigte sich der Prozess. Die 20 wärmsten Jahre wurden in den letzten 22 Jahren gemessen. Studien legen nahe, dass ab einer Erwärmung um 2 Grad Celsius ein so genannter "Kipppunkt" erreicht ist, bei der es zu einer Kettenreaktion kommt, die nicht mehr aufzuhalten ist. Vgl. Welt der Wunder 8/19, S. 21.

Klimaeinflüsse: Das Klima ist Ergebnis einer Energiebilanz. Die von der Erde ins All abgestrahlte Wärmestrahlung muss die absorbierte Sonnenstrahlung im Mittel ausgleichen. Wenn dies nicht der Fall ist, ändert sich das Klima. Um Klimaänderungen zu vermeiden, gibt es drei grundsätzliche Möglichkeiten: 1. Die ankommende Sonneneinstrahlung kann sich durch Änderung der Umlaufbahn um die Sonne oder in der Sonne variieren. 2. Der ins All zurück gespiegelte Anteil kann sich ändern. Diese Albedo beträgt bei heutigem Klima 30%. 3. Die abgehende Wärmestrahlung wird durch das Gehalt der Atmosphäre an absorbierenden Gasen (Treibhausgase) und Aerosolen beeinflusst.

Klimawandel und Tote: Zwischen 1995 und 2015 sind etwa 600.000 Menschen unmittelbar aufgrund von klimabedingten Wetterextremen gestorben. Bis 2030 können nach einer Schätzung der Vereinten Nationen jährlich 250.000 Menschen am Klimawandel sterben. Die Wahrscheinlichkeit, an den folgen der Erderwärmung zu staerben, steigt in den nächsten 30 Jahren um 257%. Vgl. Welt der Wunder 8/19, S. 21.

Globale Erwärmung (global warming): Sie ist größtenteils auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Treibhausgase (Methan, CO2, Halone, Lachgas, Russ) führen dazu und damit zum Anstieg des Meeresspiegels (seit der Jahrhundert-Wende jährlich um rund vier Millimeter).  Zwischen 2000 und 21000 wird mit einer Steigerung der Temperaturen von 1,1 bis 6,4° gerechnet. Seit den Messungen 1978 schrumpft das Meer-Eis in der Arktis um etwa 11% im Jahr. 2011 wird eine beispiellose Schmelze registriert (größter Eisverlust seit 1500 Jahren). Kohlendioxid entsteht zu 80% durch Verbrennung fossiler Brennstoffe und zu  20% durch Entwaldung. Zusätzlich ist in den oberen Luftschichten in den letzten 45 Jahren die Konzentration des Wasserdampfs um 75% angestiegen, was den Temperaturanstieg etwa um die Hälfte beeinflusst. Ohne den Treibhauseffekt wäre die durchschnittliche Temperatur weltweit ca. -18  statt +15 Grad C. Den größten CO2-Emissionen-Ausstoß pro Kopf haben die USA (19,61 t), Australien (18,41 t) und Russland (10,79 t). Eine große Hoffnung setzen viele in das Elektroauto. Dabei ist die Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Batterietechnik entscheidend. 19 der 20 wärmsten Jahre weltweit seit Beginn der Wetteraufzeichnungen liegen in den vergangenen zwei Jahrzehnten. 2015 war das Jahr, in dem es erstmals ein Grad Celsius wärmer war als im Schnitt in der vorindustriellen Zeit. 2016 ist die Meereseisfläche in der Arktis stark geschrumpft (zweitstärkste Schmelze seit dem Rekordjahr 2012). Die Reduzierung der FKW-Gase (Beschluss von 200 Staaten, Unep, Kigali) ist ein Meilenstein gegen die Erderwärmung.. 2015 ist ein Rekordjahr, was den Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) angeht (Quelle: Weltorganisation für Meteorologie/ WMO). Die vergangenen fünf Jahre (von 2011 bis 2015) waren laut UN-Experten die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Daten gehen auf die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) zurück. In einigen Ländern gibt es schon Schutzräume gegen Hitzestress (("Cooling-Center", z. B. in Chicago). Von 2015 auf 2016 gab es den größten CO2-Anstieg auf der Erde seit es Aufzeichnungen gibt (Quelle: Weltorganisation für Meteorologie). Seit der Zeit vor der industriellen Revolution bis heute betrug der Anstieg 40%. Das könnte auch mit der Erwärmung der Meere zusammenhängen, die nicht mehr ausgleichen können.  Laut einem WWF-Report 2009 erwärmt sich die Arktis immer schneller. Dies führt wahrscheinlich zu Überschwemmungen und Wetteränderung. Die Konzentration des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) hat 2014 in der Atmosphäre der nördlichen Erdhalbkugel einen neuen Höchststand erreicht. Zum ersten Mal wurde durchgehend der Wert 400 ppm überschritten (Quelle: WMO, Weltorganisation für Meteorologie). Vor der Industrialisierung lag der Wert bei 278 ppm. Die WMO warnt vor dem weiteren Verfeuern fossiler Brennstoffe. Seit der vorindustriellen Zeit (1750) hat sich die globale Durchschnittstemperatur bereits um 1 Grad erhöht. Also bleiben nur noch 0,5 bis 1 Grad übrig. Die Jahre 2015 bis 2018 waren die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. "Wenn das so weitergeht, haben wir in spätestens 40 Jahren keinen Winter mehr", Mojib Latif, Klimaforscher am Leibnitz-Institut der Uni Kiel.

Sommer 2018, 2019 und Klimawandel: Deutschland ist im meteorologischen Ausnahmezustand. Man bekommt eine Ahnung davon, wie der Klimawandel in Zukunft wirken könnte. Die Zahl der Dürremonate ist seit 1971 gestiegen. Es gibt längere Trockenperioden, besonders im Mittelmeerraum, aber auch in Skandinavien. Im Juli 2018 liegen global gesehen Mittel- und Nordeuropa unter einer Wärmeglocke. Auch in Sibirien ist es außergewöhnlich warm. Im nördlichen Kanada ist es kühler. In Deutschland beträgt der Temperaturanstieg seit 1881 bis 2011 im Durchschnitt +1,22 ° C. Im Sommer fällt leicht weniger Niederschlag, im Winter erheblich mehr (+26%). Hitzewellen machen auch depressiver und erhöhen die Selbstmordrate (Studie der Uni Stanfords 2018). Der Juni 2019 war der heißeste Juni weltweit in der Geschichte. quelle: Copernicus, Erdbeobachtungssystem der EU. Die Grüne fordern im August 2018einen milliardenschweren Fonds zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Heißzeit: 2018 gibt es Warnungen vor einer Heißzeit (Potsdam Institut für Klimaforschung; Schellhuber). Es bestehe ein Risiko, dass das Klima durch verschiedene Rückkopplungsprozesse in Zustand kippe (Kippeffekt), der als Treibhaus-Erde bezeichnet werden kann. Das wäre mit einem Meeresspiegel-Anstieg um zehn bis 60 Meter gekennzeichnet. Tuvalu in der Südsee droht bald zu versinken. Fünf Millimeter pro Jahr hebt sich in der Gegend der Meeresspiegel, und das seit 1993. Die meisten Menschen leben von Tourismus, Fischfang und Export von Kokosnüssen.

Erde hat ein Thermostat: Wasserdampf in der Atmosphäre verbindet sich mit Kohlendioxid (CO2). Es entsteht kohlensäurehaltiges Regenwasser, das mit Silikongestein chemisch reagiert. Dieser Prozess holt CO2 aus der Luft. Das verwitterte Gestein wird über Flüsse in die Ozeane transportiert und bildet dort Kalkgestein. Je massiver die Verwitterung ist, desto mehr CO2 zieht sie aus der Luft und kühlt damit das Erdklima wieder ab.

Folgen des Klimawandels: 1. Gletscherschwund. 2. Rückgang des polaren Meereises. 3. Tauen des Permafrostes. 4. Die Eisschilde in Grönland und der Antarktis. 5. Der Anstieg des Meeresspiegels. 6. Änderung der Meeresströmungen. 7. Wetterextreme. 8.Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. 9. Ausbreitung von Krankheiten. Vgl. S. Rahmsdorf/ H.J. Schellnhuber: Der Klimawandel, München 2018 (8. Auflage), S. 53ff.

Klimafolgenökonomie: Der Klimawandel führt zur Erderwärmung (von 2013 15 Jahre zurück steigen die Temperaturen allerdings nicht mehr an). Die Dauerfrostböden in der Arktis, in Sibirien und im Hochgebirge sind große Kohlenstoffspeicher. Tauen Sie auf, wird durch diesen Prozess die Erwärmung beschleunigt. Weitere Temperaturtreiber sind Kühe, der Kahlschlag von Wäldern (Urwald), und Kohleverbrennung. Die Menschen stoßen immer mehr an die Grenzen ihrer Anpassungsfähigkeit. Neue Technologien und neue Verhaltensweisen sind erforderlich. Die betriebswirtschaftlichen, gesamtwirtschaftlichen und globalen Folgen müssen geschlossen ökonomisch analysiert werden. Dies sollte eine Klimafolgenökonomie leisten. Die weltweit wichtigsten Akteure müssen strategisch zusammenspielen. Am wichtigsten ist eine Anpassungsstrategie. Eine der schwersten Folgen ist der Anstieg des Meeresspiegels. Bis 2100 könnte dieser um 75 bis 190 Zentimeter höher liegen als 2010. Wenn der Meeresspiegel steigt, gehen erst mal viele Immobilien an vielen Küsten verloren (Yorkshire, GB; Malibu, USA; Gold Coast, Australien, Nantucket, USA; in Bangladesch Küstenregionen wegen Zyklonen nicht mehr bewohnbar). Wichtige Eiswelten und Gletscher schmelzen. Dies ist z. B. so im Tianshan-Gebirge in Zentralasien. Länder wie Bangladesch werden seit langem immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht. Durch künstlich erzeugte Wolken oder durch Schwefelimpfungen in der Atmosphäre wollen Forscher die Erderwärmung stoppen. Die Frage ist, wer für die Folgen des Geo-Engineering haftet. Ursprung ist die Silberjodid-Dusche gegen Hagel vor über Hundert Jahren. Diese wird auch heute noch in Russland, China und Deutschland eingesetzt (bei uns im Weinbau). In Deutschland wächst die Ernte in der Landwirtschaft durch den Klimawandel. Es gibt aber auch Probleme (Trockenheit im Frühling, viel Regen im Sommer, mehr Nässe im Herbst). Besonders drastisch wirkt der Klimawandel auf das Great Barriere Reef vor Australien. Der größte Teil ist schon geschädigt. Natürlich wird auch die Luft immer schmutziger. An dem Smog sterben laut Weltgesundheitsorganisation jährlich 1,3 Mio. Menschen. Vor allem in Ostchina, Indien und dem Nahen Osten wächst die Belastung. Wegen seiner Lage ist Santiago de Chile besonders betroffen. Eine wichtige Folge ist die Nahrungsmittelknappheit (hält nicht mit der Bevölkerungsentwicklung mit). Eine Studie der Weltbank 2013 ("Turn down the Heat") beschreibt einen Mangel bei Grundnahrungsmitteln in der Zukunft (Reis, Mais, Weizen, Soja). Eine Studie des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung kommt 2013 zu folgendem Ergebnis: Verzögerungen beim internationalen Klimaschutz führen dazu, dass das Wirtschaftswachstum beim späteren Umsteuern deutlich stärker sinkt als bei früherem Handeln (konkret: 2030 -7%; 2015 -2%). Der Bericht des Weltklimarates im September 2013 sieht eine brutale Hitze im Jahre 2100 auf 85% der Landfläche. Die Hitzewellen könnten sich schon bis 2040 vervierfachen. Die Wetterextreme verstärken den Treibhauseffekt. In asiatischen Ländern wie China und Indien ist die Ozonbelastung inzwischen so hoch, dass die landwirtschaftlichen Erträge gefährdet sind. Vor allem beim Reisertag gibt es Einbußen. Mittlerweile gibt es auch Studien über die Folgen des Klimawandels auf das BIP: Kurzfristi wird die Beschäftigung angekurbelt, Langfristig könnte sich das BIP um bis zu 0,6% schlechter entwickeln (Quelle: Nieters/ Drosdowski/ Lehr Do extreme weather events damage the German economy, Gws Discussion Paper 2015/2). Das Journal of Glaciology veröffentlicht im August 2015 eine Studie: Die Gletscher sind weltweit stark aus dem Gleichgewicht geraten. Die Eisdichte nimmt jährlich zwischen einem halben Meter und einem Meter ab. Auch in den Alpen ist dies deutlich spürbar. "Nothing in life is to be feared, it is only to be understood", Marie Curie (1867-1934), French-Polish scientist, winner of Nobel Prize for Physics. Die USA sind total gespalten. New York investiert Milliarden, um sich gegen die Monsterstürme und den steigenden Meeresspiegel zu wappnen. North Carolina schreibt per Gesetz vor, den Klimawandel zu ignorieren. Im Südwesten der USA verschwindet das Grundwasser. 65 Milliarden Kubikmeter Wasser sind z. B. aus dem Colorado-River-Becken binnen neun Jahren verschwunden. 920 Millionen Liter füllt Nestle in der Mojawe-Wüste jährlich in Flaschen ab, die unter dem Namen Arrowhead verkauft werden (umgeht Notstandsregeln, weil das Gebiet in einem Indianerreservat liegt). Der Klimawandel hat auch die Weinberge Frankreichs erreicht. Eine zweitausend Jahre alte Kultur gerät unter Druck. Hitzewellen und Trockenperioden folgen immer öfter Hagel und Starkregen. Betroffen sind alle Gebiete: Loire, Rhone, Burgund, Champagne, Bordelais. Besonders spürbar ist der Klimawandel auch in den Alpen. Dem Skitourismus stehen starke Änderungen bevor. Die Schneefallgrenze dürfte in Österreich bis zum Jahre 2030 um etwa 150 Meter ansteigen. Das dürfte zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung führen. Die Schneestürme an der Ostküste der USA häufen sich: Steigende Lufttemperaturen führen zu steigenden Meerestemperaturen. Je wärmer das Meer ist, desto mehr Potential hat ein Sturmtief (Verwirbeln von Luftmassen). An der Westküste der USA in Kalifornien wird das Wasser in Folge des Klimawandels knapp. In den Bergen fehlt der Schnee, der früher das Grundwasser speiste. Der Wasserverbrauch muss limitiert werden. Hauptverbraucher ist allerdings die Landwirtschaft mit ca. 80 Prozent (Obst, Gemüse; noch keine Einschränkungen). Es gibt auch immer mehr Waldbrände in Kalifornien (auch 2015 wieder). Es gibt auch Zonen auf der Welt, die anscheinend vom Klimawandel profitieren: Dazu gehört die Sahel-Zone. Dort gab es in den letzten zwanzig Jahren wieder mehr Regen. Der Columbia - River im US-Bundesstaat Oregon wird immer wärmer. Dadurch könnten bis zu 80% der Lachse umkommen (250.000). Der Klimawandel vernichtet Korallenriffe weltweit. Besonders betroffen ist das Great Barrier Reef vor Australien. Es hat in den letzten 30 Jahren fast die Hälfte der Korallen verloren. Besonders bedrohlich ist die australische Kohlewirtschaft. 2015 wird das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch die Temperatur der Meeresoberflächen sind am höchsten. Spanische Forscher warnen Ende 2015, dass Mallorcas Strände bald im Meer versinken könnten. Sie weisen ebenfalls darauf hin, dass das bedeutendste Obst - und Gemüseanbaugebiet der EU in der Region Andalusien bedroht ist. Ski-Gebiete unter 2000 Metern haben langfristig kaum Bestandschancen. Es gibt also weniger Ski-Gebiete. Bei vier Grad mehr Erderwärmung ist in Deutschland Schluss. Sogar der Ausbruch des Syrienkrieges wird mittlerweile mit dem Klimawandel in Berührung gebracht. Eine schlimme Dürre trieb viele Menschen vom Land in die Städte und dort erhöhten sie das revolutionäre Potential. Auch die Erfolge von Boko Haram im Norden Nigerias werden mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Das Grantham Research Institute der LSE errechnet 2016, dass ein Temperaturanstieg von 2,5 Grad ein Vermögen von 2500 Milliarden Dollar auf der Erde vernichten würde.

Treiber der regionalen Entwicklung in Deutschland: 1. Technologischer Wandel. 2. Globalisierung. 3. Klimawandel. Die Effekte des Klimawandels sind regional sehr unterschiedlich. Die Erwärmung wird Baden-Württemberg am stärksten treffen. 4. Präferenzverschiebung. 5. Nationale Wirtschaftspolitik. Vgl. Pflüger, Michael: Regionale Disparitäten und Regionalpolitik, in: Wirtschaftsdienst 2019/ Sonderheft, S. 10ff.

Bedrohungen für die Erde (Meere und Eis) durch den Klimawandel: 1,18 Mio. Quadratkilometer kleiner war die Eisfläche im Nordpolarmehr im Februar 2017 verglichen mit dem Durchschnittswert der Jahre 1981 bis 2010. 625 Mio. Menschen lebten 2006 in gefährdeten Küstenregionen - Prognosen zufolge werden es 2030 rund 900 Mio. sein. Vgl. Der Spiegel Wissen: Paradies Erde, 2/2017, S. 12,13. Um 26% hat der Säuregrad des Meeres seit 1850 durch die Aufnahme von CO2 zugenommen. Die Oberflächentemperatur der Meere steigt durch den Klimawandel pro Jahrzehnt um etwa 0,12 Grad an. Die Wassererwärmung kann  zu Sauerstoffmangel, Algenblüten und Korallenbleiche führen. Vgl. auch Mojib Latif: Die Meere, der Mensch und das Leben, Freiburg u. a. 2017. Insgesamt gerät der Wasserkreislauf durch den Klimawandel außer Kontrolle. Die Ozeanerwärmung geht schneller als bisher angenommen: in den vergangenen 25 Jahres (ab 2018 rückwärts) wurde etwa 60% mehr Wärme aufgenommen. Expertenstudie 2018.

Kosten des Klimawandels: Immer öfter wird die Frage gestellt, wer die Kosten tragen sollte. Die Hälfte der 20 schlimmsten Waldbrände entzündeten sich seit 2015. Ein Stromkonzern in Kalifornien geht insolvent. Die Hälfte der Stromleitungen in Kalifornien gehörten dem Unternehmen PG&E.

Anstieg des Meeresspiegels: Der Meeresspiegel steigt unaufhaltsam an. In den vergangenen 100 Jahren hatten wir einen Anstieg von 20 Zentimetern. Die bekommen wir in den nächsten 20, 30 Jahren noch einmal. Schon wenige Zentimeter Anstieg des globalen Meeresspiegels vergrößern das Risiko von Extremwetterlagen, Sturmfluten und Hurrikane. Wichtig ist die Westantarktis, wo Schilde abbrechen. Das Golfstromsystem verlangsamt sich. Der Permafrostboden in Sibirien baut sich ab. Als erstes betroffen werden folgende Inseln sein: South Tarawa (Kiribati, 2 m ü. d. M.), Subhdia (Bangladesch, 6 m ü d. M.). Als erstes werden auch betroffen sein Osaka in Japan, Venedig in Italien (1 m ü. d. M.), Texel und Den Haag (Niederlande, 1 - 2 m ü. d. M.). Vgl. Nass, in: Der Spiegel Nr. 49/1. 12. 2018, S. 13ff.

Rückkopplungen: Unkontrollierte Rückkopplungen spielen eine wichtige Rolle für den Klimawandel. Die Arktische Schmelze, das Auftauen des Permafrostes, das Methan vom Meeresboden und der gefährdete Regenwald haben gravierende Auswirkungen. die Entwicklungen verstärken sich gegenseitig.

Klimawandel und Migration: Der Zusammenhang ist komplex. Aber der Klimawandel kann Ursache für Flüchtlingsbewegungen sein (der Flüchtlingsbegriff ist eigentlich auf politische Verfolgung beschränkt; die Ursache ist schwer nachweisbar). Solche Wanderungen sind bekannt für Kolumbien, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Indonesien, Bangladesh. Infolge des Klimawandels wird sich die Bevölkerung umverteilen. Sie wird Abwandern oder Bleiben als Risikobewältigungsstrategie zur Sicherung von Nahrungsmitteln und Lebensgrundlagen. Folgende Muster sind erkennbar: In Asien gibt es veränderte Niederschlagsmuster und Gletscherschmelze. In Mittelamerika häufen sich Extremereignisse und reduzierte Abflüsse. In Afrika gibt es steigende Dürretendenzen. "Verlust von Heimat" wird auf jeden Fall zunehmen. Vgl. Koko Warner: Verlorene Heimat. Klimawandel und Migration, in: Marotzke, J./ Stratmann, M.: Die Zukunft des Klimas, München 2015, S. 35ff.

Investitionen gegen Klimawandel: 1. Physikalisch in Systeme, die langfristige regelmäßige und schwere Wetterereignisse vorhersagen. 2. Technologisch in Energiespeicherung, elektrisch betriebene Fahrzeuge bzw. Energieeffizienz. 3. Regulatorisch in Emissionsbegrenzung und Standards zur Energieeffizienz, veränderte Förderprogramme und Steuermodelle. 4. Sozial in verändertes Konsumverhalten und Druck von Gruppierungen, die den Ausstieg aus Investments in fossile Brennstoffe fordern. Siehe Philipp Hildebrand: Dem Klimawandel Rechnung tragen, in: Handelsblatt 24.10.16, S. 56.

Ozonloch: Ozonmoleküle wirken in der Atmosphäre wie ein Schutzschild vor übermäßiger UV-Bestrahlung. 1990 sah man im Ozonloch noch die größte Gefahr für die Menschheit. Nur zwei Jahre nach seiner Entdeckung verständigten sich 46 Staaten auf Verzicht von FCKW und anderen ozonschädigenden Gasen. Im wesentlichen wurde alles im Montreal-Protokoll festgehalten. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) rechnet 2014 damit, dass 2050 das Problem ganz gelöst ist. 2016 findet eine Konferenz in Kigali/ Ruanda statt. Man einigt sich auf Folgeabkommen zum Verbot von FKW. Schrittweise sollen von bei den Industrieländern 2019 bis 2035 85% des FKW-Ausstoßes verringert werden. Bei den Entwicklungs- und Schwellenländern ist eine Reduktion um 80 bzw. 85% von 2014 bis 2047 vorgesehen. Die Treibhausgase beschädigen die Ozon-Schicht. FKW ist Ersatzstoff für FCKW. Die Industriestaaten reduzierten seit Inkrafttreten des Montrealer Protokolls 1989 den Ausstoß von Ozonschicht schädigendem FCKW um 90%. Seit 2014 verkleinert sich das Ozonloch wieder (Quellen: UBA, Unep). Die Werte in Europa und Nordamerika sind rückläufig. In Ostasien sind die Werte gestiegen (Quelle: Forschungszentrum Jülich in Kooperation mit Unis Leicester und Edinburgh). Experten tippen auf eine illegale Produktion in Ostasien (13.000t FCKW pro Jahr).

Luftgrenzwerte: Sie wurden von Gremien wie der WHO, der EU oder den nationalen Regierungen festgelegt. Zugrunde liegen Forschungsergebnisse (epidemiologisch). Diese werden etwa vom Forum der Internationalen Lungengesellschaften (FIRS) bewertet.  Die Schädigungen liegen aber nicht nur in der Lunge. Die Auswirkungen auf die Menschen, insbesondere auf die Atemsysteme, sind umstritten. Letztlich sind es deshalb immer politisch gesetzte Grenz- und Richtwerte, die in Gesetze eingeflossen sind. Außerdem geht es um den Schutz der Schwächsten (Kinder, alte Menschen, Asthmatiker, Kranke). 2019 gibt es einen harten Streit um die Grenzwerte. Unionspolitiker wollen die Werte europaweit auf den Prüfstand bringen. Es geht auch um die Messverfahren bei den Werten (wo sollen die Messstellen platziert werden). Die Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof legt Ende Februar 2019 ihre Empfehlung für einen belgischen Fall vor: Sie spricht sich für strenge Vorgaben aus. Vor sollten einzelne Messstellen deb Ausschlag geben können. Sie spricht sich damit gegen ein häufig verwendetes Verfahren aus, viele Messstellen einzusetzen und  dann das statistische mittel zu bilden..

Luftschadstoffe: Staub und Feinstaub, Schwefeldioxid, Stickoxide, Ozon, Kohlenmonoxid, flüchtige organische Verbindungen, persistente organische Schadstoffe, Schwermetalle, Benzol.

Treibhausgase: Nach den Vereinten Nationen (UN) 2018 zufolge befinden sich so viele Treibhausgase wie noch nie zu Lebzeiten des Menschen  in der Atmosphäre. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat ihren jährlichen Treibhausgasbericht im November 2018 (Daten von 2017) vorgelegt. Die Konzentration von Kohlendioxid ist stark angestiegen. Das beruht hauptsächlich auf der Verbrennung von Kohle, Gas und Erdöl. Die Forscher befürchten einen anstieg der Welt-Durchschnittstemperatur.

Kohlendioxid (CO2): Emissionen in Deutschland 2014 nach Verursachern in Mio. Tonnen CO2. Energiewirtschaft 358, Industrie 181, Verkehr 160, Gebäude 119, Landwirtschaft 72, Sonstige 12 (Quelle: BMUB). 2018 will die EU erstmals Co2-Auflagen für LKWs vorschlagen. Dei Emissionen von LKWs sollen zwischen 2019 und 2025 um 15 Prozent zurückgehen. Die Laster sind für ein Viertel aller Emissionen im Straßenverkehr verantwortlich. Allerdings ist das Potential bei PKW höher, z. B. mit Hybridtechnik. Etwa 30% des Kohlendioxids, das in diei Umwelt gelangt, wird von Pflanzen und Boden gespeichert. Tropische Torfsumpfwälder nehmen dabei besonders viel Kohlendioxid auf. Deshalb ist es problematisch, dass sie zunehmend gerodet werden (Palmöl, Akazien). Die Natur braucht etwa 170 Jahre um die Giftstoffe abzubauen. Die Industrie bringt immer wieder den Vorschlag, eine unterirdische Speicherung von Kohlendioxid einzurichten. Die energieintensive Industrie erreicht ihre Grenzen. Die Bundesländer wollen davon nichts wissen. Die weitweiten CO2-Emissionen steigen von Jahr zu Jahr: 2005 29,2 Mrd. Tonnen; 2017 41 Mrd. Tonnen. Betrachtet man die CO2-Emissionen pro Kopf im Jahre 2016 ergibt sich folgendes Bild: 1, Saudi-Arabien 20 Tonnen; 2. USA 17; Kanada 16; Südkorea 12; Russland 11; Deutschland 9,8; Japan 9,5. VW hat bis 2019 ca. 100 Mio. Autos produziert, die noch weltweit fahren. Sie verursachen 1% des weltweiten CO2. Ab 2030 gelten in der EU für Neuwagen scharfe CO2-Grenzwerte.

CO2-Speicherung im Boden: Der Vorschlag kommt auch in Deutschland immer wieder. Zuletzt macht in Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Die Umweltverbände dagegen warnen: Das sei gefährlich, teuer und unerprobt.

Feinstaub: Feinstaub sind Teilchen in fester und flüssiger Form, die sich in der Luft befinden (Ruß mit Kohlenwasserstoffen, Schwermetalle). Sie schädigen die Lungenbläschen und zum Teil den Blutkreislauf. Jährlich sterben 3,3 Millionen Menschen vorzeitig durch Feinstaub (Max-Planck-Institut für Chemie). Die meisten Opfer gibt es mit 1,4 Mio. Menschen in Asien. Hauptquellen für den tödlichen Feinstaub sind die Industrie, der Straßenverkehr (vor allem Zweitakter und Dieselfahrzeuge), Holz- und Kohlefeuer (Feuerungsanlagen der Privathaushalte) sowie Elektrizitäts- und Heizkraftwerke. In europäischen Großstädten spielt NO2 (Stickoxid) allerdings eine größere Rolle. Er ist aus den Dieselmotoren der Autos. Die Bundesregierung vernachlässigt dieses Problem, wahrscheinlich auf Druck der Auto-Lobby. In Deutschland besonders betroffen ist Stuttgart durch seine Lage (mehrmals Feinstaubalarm). Der grüne Oberbürgermeister Kuhn setzt erstmal auf freiwillige Lösungen.  In Düsseldorf vor dem Verwaltungsgericht setzt sich die Deutsche Umwelthilfe mit einer Klage durch. Das könnte zu Fahrverboten von Dieselautos in Innenstädten führen. Nahezu ein Drittel der europäischen Großstädter sind 2013 übermäßigen Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt gewesen. Im Mai 2018 legt die WHO in Genf neue globale Untersuchungsergebnisse vor (4300 Städte in 108 Ländern): Mehr als 90 Prozent der Menschen weltweit sind verschmutzter Luft ausgesetzt. Diese entsteht nicht nur beim Straßenverkehr sondern auch daheim beim Kochen. Weltweit haben 40 Prozent der Menschen keinen Zugang zu einer abgasarmen Kochgelegenheit. Insbesondere große Städte in Afrika und Asien sind betroffen. Feinstaub ist der gefährlichste Giftstoff. Die EU-Grenzwerte liegen zweieinhalb mal so hoch wie von der WHO empfohlen. Feinstaub führt zu Bindehautentzündung, Kopfschmerz, chronischer Bronchitis, Asthmasymtomen, Herz-Kreislauferkrankungen. Mit anderen Worten: Er schädigt Lunge, Herz und Gefäße, Gehirn und den Fötus bei Schwangerschaft. Die größten Luftverpester in Deutschland sind: Industrie (80,8 Kilotonnen, 2016), Landwirtschaft (30,8), Straßenverkehr (29,1), Heizung in Privathaushalten (20,9) und Energieerzeugung (10,0).  In RLP ist Mainz am stärksten belastet vor Ludwigshafen. Die Grenzwerte werden überschritten. Verantwortlich sind vor allem alte Diesel-PKW. Die Anzahl der Todesfälle durch Feinstaubbelastung ist in China besonders hoch. 217 werden 272 Städte analysiert. Betroffen waren vor allem weniger gebildete Menschen über 75 Jahre in warmen Landstrichen. Im Oktober 2018 wird eine Studie der WHO veröffentlicht: Smog stellt die größte Gesundheitsgefahr dar. Weltweit werden durch Luftverschmutzung sieben Millionen Menschen im Jahr getötet. Für das Jahr 2015 kommen die Forscher auf 442.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Luftverschmutzung in den 28 EU-Mitgliedsstaaten. Die höchste Konzentration an Feinstaub haben folgende Städte: Zabol/ Iran 217 mg/Kubikmeter , Gwalior/ Indien 176, Allahabad/ Indien 170, Riad/ Saudi-Arabien 156. Die niedrigste Belastung mit Feinstaub haben Uppsala/ Schweden und Honolulu/USA. Die Wissenschaftsakademie Leopoldina in Halle (eine der ältesten wissenschaftlichen Einrichtungen, über 1500 Forscher) stellt im April 2019 in einem Gutachten für die Bundesregierung fest:  Stickoxide sind gesundheitsgefährdend. Begrenzte Dieselfahrverbote bringen nur wenig. Empfohlen wird eine umfassende Strategie mit dem Feinstaub (auch aus Benzinmotoren, Reifenabtrieb, Heizungsanlagen) im Mittelpunkt. Grenzwerte seien immer eine Entscheidung der Politik.

Feinstaub und Gletscher: Auch die Gletscher haben ein Feinstaubproblem. Der Schmutz sorgt dafür, dass sie weinger Sonnenlicht zurückstrahlen können. Und das lässt sie schneller schmelzen. Das Phänomen wurde zuerst in Grönland beobachtet. Mittlerweile wird es auch in den Alpen erforscht.

Feinstaub und Flugzeugtriebwerke: Neben Heizungen, Industrie und Straßenverkehr sind Flugzeugtriebwerke eine Quelle von Feinstaub. Erst in jüngster Zeit wird untersucht, wie sich die Feinpartikel auf Zellkulturen auswirken. Wie stark die Schäden sind, hängt vom Betrieb der Turbinen, der Zusammensetzung des Treibstoffs  und den Partikeln ab.

Stickstoffbelastung (Stickstoffoxide, NO2): Gasförmige Verbindungen mit den Atomen Stickstoff und Sauerstoff. Es werden starke Emissionen reaktiver Stickstoffverbindungen in Wasser, Luft und Boden für Deutschland festgestellt (Quelle: Bundesumweltministerium). Es kommt zu Schädigungen von Menschen und Natur. Hauptursachen sind die übermäßige Nutzung von Mineraldünger in der Landwirtschaft, die Kohleverstromung und der hohe Anteil von Dieselfahrzeugen. Die Bronchien verengen sich. Stickstoffoxide entstehen bei Verbrennungsprozessen. In Ballungsräumen ist der Straßenverkehr die bedeutendste Quelle. Seit Jahren läuft in der EU ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Deutschland, weil wiederholt Grenzwerte bei Stickoxiden (Innenstädte) überschritten wurden. Jetzt, 2017, will die EU klagen. Am 25. Januar 2018 fällt darüber die Entscheidung in Brüssel. Das amtliche Messnetz in Deutschland hat 2018 247 Orte im Straßenverkehr, an denen gemessen wird. In stark befahrenen Straßen kleiner Städte und Dörfer wird in der Regel nicht gemessen. Auch hier dürfte der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stichoxid pro Kubikmeter im Jahresmittel überschritten werden. Am 22. Februar 2018 verhandelt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über klagen von DUH über die Zulässigkeit von Diesel-Verboten. Bis 31.01.18 verlängert die EU die Frist für Deutschland. Danach will sie Klage vor dem Europäischen Gerichtshof wegen der Stickoxidbelastung einreichen. eine letzte Friste geht bis Karneval 2018. Das Bundesumweltministerium sieht die Grenzeinhaltung in 20 Städten bis 2020 gefährdet. Der Grenzwert für NO2 ist in der EU noch viel zu niedrig. Die WHO ist wesentlich vorsichtiger. Die Stickoxid-Belastung in den deutschen Städten sinkt zu langsam. Es drohen mehr Fahrverbote. Es gibt immer wieder Auseinandersetzungen um die Gesundheitsgefährdung durch NO2. So auch bei den deutschen Lungenfachärzten. Sie bezweifeln die Grenzwerte in ihrem Nutzen. Die Luftgrenzwerte sollen generell überprüft werden: Dies bei der Bundesregierung, in der EU und der WHO. Die EU-Kommission gibt im Februar 2019 bekannt, dass sie nichts gegen eine Höhersetzung von Grenzwerten hat, um Fahrverbote zu vermeiden. Spitzenwerte haben 2018 Stuttgart, München, Kiel und Köln. In 130 Staaten der Welt leiden die Bürger unter Stickoxiden. 2019 überschreiten 35 Stäste in Deutschland die Grenzwerte.

Schwefeldioxide: 93% weniger Schwefeldioxide als 1990 belasten 2017 die Luft über Deutschland. Auch Kohlenmonoxid, Benzol und Blei liegen unterhalb der europäischen Grenzwerte.

Phosphorbelastung: Phosphor wird häufig in landwirtschaftlichen Düngern verwendet. Nur ein kleiner teil wird von den Pflanzen aufgenommen. Der rest fließt in Flüsse, Seen und Meere, wo sie die Entstehung der Algenblüte fördert.

Emissionen nach Sektoren in Deutschland/ 2016: An der Spitze liegt die Energiewirtschaft mit 36,7%. Dann kommt der Verkehr (18,9%). Es folgen übrige Feuerungsanlagen (15,0%), verarbeitendes Gewerbe (13,9%), Landwirtschaft (7,2%), Industrieprozesse (6,8%) und Sonstige (2,1%).  Weltweit wird entscheidend sein, wie China, Indien und die USA erneuerbare Energiequellen erschließen.

Gesundheit der Menschen und Stadtluft: Der Diesel schadet mit Stickoxiden und Feinstaub. Der Benziner mit Benzol. Besonders problematisch sind Zweitakter. In Innenräumen schadet vor allem das Rauchen.

Todesfälle als Folge von Umweltverschmutzung: Umweltverschmutzung ist für jeden sechsten vorzeitigen Todesfall verantwortlich. 2015 sind neun Millionen Menschen gestorben an Folgen von Umweltverschmutzung. Besonders schädlich wirken sich Abgase aus. Quelle: Studien von 40 Wissenschaftlern im Medizin-Fachblatt Lancet, London.

Großstädte und Smog: Peking gilt als kaum noch bewohnbar zu bestimmten Jahreszeiten (November bis Februar). Industrie, Autoverkehr und Kohleheizungen in den Wohnungen erhöhen drastisch die Feinstaubbelastung. Fahrverbote helfen wenig (gerade, ungerade Nummern im Wechsel). Paris verhängt 2014 wieder Fahrverbote. London will die Anforderungen an den Schadstoffausstoß von Fahrzeugen weiter verschärfen. Zehntausende Menschen erkranken an Atemwegserkrankungen oder/und sterben. Vor allem in den schnell wachsenden Metropolen der Schwellenländer nimmt die Feinstaubbelastung rasant zu. Sogar in deutschen Großstädten überschreitet die Feinstaubbelastung oft die Grenzwerte. Lungenkrebs und Herzinfarkt können zwei der vielen Gesundheitsschäden sein. 2014 werden die zulässigen Obergrenzen vielerorts überschritten. Die EU-Grenzwerte liegen bei 50 Mikrogramm Feinstaub an 35 Tagen. In Stuttgart war der Wert schon Mitte März 2014 erreicht. Berlin, Frankfurt/ Oder, Halle und Leipzig folgen. Das Umweltbundesamt gibt in Deutschland die Belastung bekannt. Es kommt zu einer Diskussion über den Nutzen der Umweltzonen. In Europa und den europäischen Städten verschmutzt auch die Landwirtschaft sehr stark die Luft: Aus der Tierhaltung und über Düngemittel werden Vorläuferstoffe frei, die Feinstaub begünstigen.  In der Londoner Oxford Street herrscht die weltweit höchste Konzentration an Stickoxiden. Der Jahresdurchschnitt liegt bei 135 Mikrogramm (mehr als das Dreifache des EU-Limits von 40 Mikrogramm). In China ist die Luft am schlechtesten. Es gibt 1,5 Millionen Smog-Tote im Jahr Danach kommen Indien mit 735.000, Pakistan mit 130.000 Toten. Es folgen Nigeria und Bangladesch. Die kleinen Smog-Partikel gelangen in die Lunge und den Blutkreislauf und verursachen Schäden wie das Rauchen. Besondere Gefahren gehen auch vom Stickoxid aus. Dieses wird besonders von Dieselfahrzeugen ausgestoßen. In Deutschland ist aufgrund seiner Lage in einem Talkessel immer wieder Stuttgart betroffen. Bis Februar 2016 wird zum zweiten Mal innerhalb des Jahres Feinstaubalarm gegeben.

Betroffenheit von Unternehmen und Kommunen durch den Klimawandel: Man unterscheidet natürlich-physikalische Betroffenheit, regulatorische Betroffenheit und marktliche Betroffenheit. Die strategischen Reaktionen sind Anpassung und Klimaschutz. Vgl. Chrischilles, E./ Mahammadzadeh, M.:  Betroffenheit von Unternehmen und Kommunen durch den Klimawandel und Handlungsoptionen, in: Wirtschaftsdienst 2011/ 4, S. 258ff. Im November 2016 verklagt ein Bauer aus den Anden/ Peru (Huaraz) RWE in Deutschland in Essen wegen der Folgen des globalen Klimawandels. Der Konzern, einer der größten CO2-Emitttenten, weist die Anklage strikt zurück, weil es viele Verursacher gebe.

Klimaschutz: Der Mensch ist Verursacher des Klimawandels. Die erhöhten Temperaturen sind vor allem für bestimmte Regionen kritisch (besonders die armen Länder (Sahel-Zone) leiden, die an der Landwirtschaft hängen; die Malediven z. B. drohen unterzugehen, 2009 findet aus Protest eine Kabinettsitzung unter Wasser statt). Der Kohlendioxid - Ausstoß muss drastisch gesenkt werden. Als Weg dazu haben sich Emissionsrechte durchgesetzt. Insgesamt sind die Kosten der Reduzierung sehr hoch. Die EU gilt als Antreiber, China und USA sind "Wackelkandidaten". Japan will umschwenken zu den Antreibern. Die multinationalen Konzerne wollen längerfristige Investitionssicherheit und vergleichbare Chancen. Die Bundesregierung hat noch keinen Klimabeauftragten.  "Immer mehr Güter zu produzieren und konsumieren, das ist auf Dauer nicht möglich auf einem begrenzten Planeten", Hans J. Schellnhuber, Klimaforscher. Das Land Rheinland-Pfalz will 2015 die Bürgerbeteiligung beim Klimaschutz erhöhen. Ein interaktives Internetportal wird eröffnet: www.klimaschutzkonzept-rlp.de .

Klimaschutzgesetz: Noch 2019 soll ein solches Gesetz in Deutschland beschlossen werden.

Klimawandel (Klima kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie Wandlung, also ein weißer Schimmel) : Ursache für den Klimawandel ist eindeutig der Mensch (es gibt kaum Studien für das Gegenteil). Folgen sind Überschwemmungen, Wüstenbildung mit Dürren, extreme Wetterlagen, Wirbelstürme, Umkehr der Meeresströmungen im Pazifik (ozeanische Zirkulation), Erdbeben, Erdrutsche und Schmelzen der arktischen Polkappe (seit 1979 4,1 Quadratkilometer weniger Eisbedeckung) und des Permafrostbodens, Abnahme der Ozonschicht über der Arktis. Der Klimawandel führt vor allem zu einer Veränderung der Häufigkeit, Intensität, Ausdehnung, Dauer und Zeitpunkt des Auftretens extremen Wetters (Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürre, Sturm). Von den Menschen sind in erster Linie die in Entwicklungsländern betroffen. Zum Beispiel ist als größtes Land Indien besonders betroffen, das auf eine Wasserkatastrophe zusteuert, bei der sich Dürre und schwere Überschwemmungen ablösen (Ernteausfälle). Auch die Prognosen für Ägypten sind düster, befürchtet wird eine Überschwemmung und Versalzung des Nildeltas durch das Mittelmeer. Rund 90% der Todesopfer bei Naturkatastrophen stammen aus armen Ländern. Über 66 Prozent (2/3) Treibhausgasausstoß, der Hauptverursacher, geht auf die Länder China, USA, EU-25, Russland, Indien und Japan zurück. 2010 wurde soviel Klimagas ausgestoßen wie noch nie. Auch der Anstieg war sehr hoch (564 Mio. t CO2 mehr als 2009, +6%). 2012 wird der Ausstoß klimaschädlicher Gase in die Luft noch gesteigert (Weltorganisation für Meteorologie, WMO). Besondere Probleme bereitet der Flugverkehr (CO2-Ausstoß pro Kilometer sinkt; Anzahl der Flüge steigt). Die reicheren Länder haben ihren Wohlstand auf Kosten des Klimas ausgebaut, jetzt sollten sie den ärmeren Ländern bei der Anpassung helfen. Als einer der ersten Volkswirte hat sich der Amerikaner William Nordhaus mit dem Klimawandel beschäftigt. 1965 warnten Forscher in den USA erstmals Präsident Johnson vor den Folgen der Erderwärmung. Der Klimawandel zwingt uns, global zu denken. Dies ist positiv. Ziel muss sein, die gesamte Produktion klimaneutral zu gestalten und dafür eine neue Kultur aufzubauen. Über die Einschätzung des Klimawandels findet auch ein weltweiter Meinungskrieg statt. Die Industrie bezahlt PR-Manager, die organisiert die Erderwärmung leugnen (kaufen auch Wissenschaftler). Es gibt drei untrügliche Indikatoren für Klimawandel: 1. Die Abweichung der Jahrestemperatur vom Durchschnitt der Jahre 1951 bis 1980 (0,6 nach oben; Quelle: Nasa). 2. Der Anstieg des globalen Meeresspiegels seit 1960 (über 80 mm; Quelle: Nature). 3. CO2-konzentration in der Atmosphäre im Monatsmittel (auf 400 parts per million; Quelle: Scripps Institution of Oceonography).  Insgesamt 200 Mio. Menschen werden bis 2050 wegen des Klimawandels umziehen müssen. 325 Mio. Menschen sind jährlich betroffen. Die wirtschaftlichen Folgekosten werden auf 90 Mrd. € geschätzt. In Rheinland-Pfalz viel der klimagedingte Temperaturanstieg nach dem Saarland am stärksten aus (nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in den vergangenen 130 Jahren um 1,33 Grad). Dies geschah hauptsächlich durch eine Veränderung der Hauptwindsysteme (von der Westwindzone nordwärts). Durch den Hurrikan "Sandy" wird der Klimawandel in den USA Wahlkampfthema im Herbst 2012. Im November 2012 veröffentlicht die Weltbank einen Klimabericht: bis 2060 soll sich die globale Durchschnittstemperatur um 4 Grad erhöhen (maximal 2 Grad wären erträglich). Im September 2013 veröffentlich die UN die Ergebnisse des Weltklimarates über die Erderwärmung und den Klimawandel. Dieser soll schneller voranschreiten als erwartet, so dass schon 2100 viele Inseln und tief gelegene Landstriche im Meer verschwinden können, wenn nicht schleunigst gegengesteuert wird. "In gewisser Weise kann der Klimawandel jetzt als eine weitere Massenvernichtungswaffe betrachtet werden, vielleicht sogar als die fürchterlichste Waffe der Welt", John Kerry, US-Außenminister 2014. Ein weiterer Teilbericht des IPCC wird Ende März 2014 in Yokohama veröffentlicht: Hunderte Millionen Küstenbewohner werden ihre Heimat verlieren., weil Überflutungen durch den starken Anstieg von CO2 zunehmen (Meeresspiegel ist von 1901 bis 2010 um 19 Zentimeter gestiegen). 500 Experten schreiben an dem Entwurf. Weizen-, Reis und Maiserträge nehmen ab, wodurch Hungersnöte entstehen. Die Oberflächentemperatur ist von 1880 auf 2012 um 0,85 Grad Celsius gestiegen. Verantwortlich dafür ist vor allem die Nutzung der fossilen Brennstoffe. Deutschland wird sein Kioto-Ziel (Senkung des CO2-Ausstoßes bis 2020 um 40%) verfehlen (wahrscheinlich noch nicht mal Senkung um ein Drittel; Grund ist das sehr positive Wirtschaftswachstum; Umweltministerium auf eine Anfrage der Grünen im Sommer 2014). Nach einer Studie der Weltbank 2014 ist ein Anstieg der Erderwärmung bis 2050 um 1,5 bis 2 Grad Celsius nicht mehr aufzuhalten. Nie war der CO2-Ausstoß so hoch wie heute. Die Atmosphäre wird als Mülldeponie missbraucht, wobei vor allem Arme und künftige Generationen betroffen sind.

Während in der Vergangenheit eher die Vermeidung des Klimawandels im Vordergrund stand rückt in jüngster Zeit die Anpassung an die Folgen verstärkt in den Mittelpunkt. Bestimmte Klimafolgen gelten als unvermeidlich und wirken sich auf Regionen und Wirtschaftszweige aus. Das wissen über Klimaänderung hat zugenommen, so dass Modelle für die Kostenschätzung der Anpassungsmaßnahmen entwickelt werden können. Vgl. Schulze, Sven: Anpassung an den Klimawandel von zunehmender Bedeutung, in: Wirtschaftsdienst, 2/2010, S. 125-131. In Deutschland zeigen sich 2013 die folgen des längeren Winters. Komplette Branchen werden lahm gelegt. Erkältungskrankheiten steigen auch dramatisch an.  Der Earth Song von Michael Jackson von 1995 ist einer der berühmtesten Umweltballaden. In dem Film "That´s it" von 2009 ist der Song in ein interessantes Video eingebunden.

Lösung des Klimaproblems: Vermeiden, Anpassen oder Ignorieren. Klimaschaden=Klimaanfälligkeit x Klimaänderung. Vgl. S. Rahmsdorf/ H. J. Schellnhuber: Der Klimawandel, München 2018, S. 88ff. 

Klimaanpassung: Je weniger kurz- und mittelfristig die globalen Abkommen zur Treibhausgasreduktion auszuhandeln sind, desto wichtiger ist die Anpassung. Es müssen Ziele definiert werden; es muss entschieden werden, ob es autonom oder staatlich erfolgt; die ökonomische Fundierung muss geleistet werden. Vgl. Gawel, Erik/ Heuson, Clemens: Ökonomische Grundfragen der Klimaanpassung, in: Wirtschaftsdienst 2012/ 7, S. 480ff. Einige Experten sprechen auch vom "vom Mythos vom Gleichgewicht der Natur". sie beziehen sich auf die ganze Erdgeschichte, die zeige, dass es schon immer chaotisch war. Alle heutigen Pflanzen und Tiere hätten schließlich den Wechsel von Warmzeiten und Eiszeiten überstanden. die Veränderung sei Antrieb der Evolution. Wenn der Kohlendioxidausstoß zum Problem wird, gibt es auch Regionen, die profitieren (Nordeuropa, Sibirien). Vgl. Gert Ganteför: Der Mythos vom Gleichgewicht der Natur, in: Rheinpfalz am Sonntag, 15. 02. 2015, S. 17.

Climate Engineering (Gezielte Eingriffe): Hier ist die Diskussion erst am Anfang. Es gibt klimawissenschaftliche, völkerrechtliche, ethisch-moralische, ökonomische, technische und politische Fragen. Bezüglich der CDR-Maßnahmen sind in naturwissenschaftlicher Hinsicht vor allem das Potential und die Nebenwirkungen strittig. Bezüglich der Ozeandüngung gibt es bereits Feldexperimente. Vgl. Gezielte Eingriffe, in: Marotzke, J./ Stratmann, M.: Die Zukunft des Klimas, München 2015, S. 183ff.

Klimakriege: Der Klimawandel führt zu Konflikten, vor allem in den ärmeren Gegenden der Welt. Vieles spricht dafür, das die Kämpfe des 21. Jahrhunderts um Raum, Wasser und Nahrung geführt werden. Seit dem Hurrikan "Katrina" in den USA beschäftigt man sich auch mit den Klimaflüchtlingen. Die Wanderungsbewegungen werden zunehmen. Wenn es um die menschliche Existenz geht, kann es zu radikalen Lösungen kommen. Die Entwicklungsländer werden zunehmend von den Industrieländern unterstützt werden müssen. Vgl. Welzer, Harald: Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird, Frankfurt (Fischer) 2008. "Die Früchte der Erde gehören allen, die Erde selbst niemanden", Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Discours sur l´inegalite.

Klimawandel und US-Navy: Die US-Marine bereitet sich wie kaum eine andere Organisation auf den Klimawandel vor. Sie investiert Milliarden, um Lieferketten und Stützpunkte gegen den Anstieg des Meeresspiegels zu schützen. Sie wird sicher auch häufiger zu militärischen und humanitären Einsätzen entsandt. Die Armee arbeitet mit einer Kombination aus sicheren und strategischen Wetten. Diese werden mit Minderung an Investitionen und Anpassung an Investitionen kombiniert. So entsteht eine Matrix mit vier Feldern (Win-Win; Profitable Absicherung; Kostspieliger Altruismus; Strategische Investition) Vgl. F. L. Reinhardt/ M. W. Toffel: Vor der Flut, in: Harvard Business Manager, November 2017, s. 69ff. Man versucht mögliche Auswirkungen auf bauliche und natürliche Infrastruktur und Beschaffungs- und Versorgungsketten zu analysieren.

Klimakrise: Die Konsumentensouveränität kann die Nachhaltigkeit des Wirtschaftswachstums nicht gewährleisten (hier ist die klassische Theorie Fiktion). Der Strukturwandel muss durch gezielte Investitionen beeinflusst bzw. gelenkt werden. In Deutschland ist er beschäftigungsintensiv erfolgt (mehr neue Arbeitsplätze in Umweltbranchen als Arbeitsplatzverlust durch Umweltschutzinvestitionen). Vgl. Flassbeck, H.: Die Marktwirtschaft des 21. Jahrhunderts, Frankfurt 2010, S. 89ff. "Every day is Earth Day, if it`s cold or wet or hot. Pitch in (einspringen, sich engagieren, sich beteiligen) to save the planet - it`s the only one we`ve got", A Poem for our Earth (Langenscheidt Englisch-Kalender 2011).

Instrumente der Klimapolitik: 1. Regulatorische Instrumente (Mindestenergieanforderungen, Verpflichtende Anlagen, Sanierungspflichten). 2. Planerische Instrumente. 3. Information und Beratung. 4. Investitionsförderung (Fördermittel, Steuernachlässe). 5. Capacity Buildung und Vernetzung. 6. Forschung & Entwicklung bzw. Beschaffung. Quelle: U. Schneidewind: Die große Transformation, Frankfurt a. m. 2018.

Europäische Klimapolitik und Gerichte: Es gibt einige Klagen gegen die Klimapolitik der Europäischen Union vor dem EuGH. Die Kläger sind in der Regel in ihrer persönlichen Existenz betroffen (Gastwirte auf Nordseeinseln). Die Klagen wurden bisher immer abgewiesen. Begründung: Der Klimawandel werde jeden treffen. Die Kläger könnten nicht nachweisen, dass ihre individuellen Grundrechte auf besondere Weise beschnitten würden.

Klimapolitik, aktuelle: Mit Präsident Obama ändert sich die Politik der USA:  im Konjunkturpaket sind ca. 60 Mrd. $ klimarelevante Maßnahmen enthalten (neue Technologien, erneuerbare Energien, Energieeffizienzsteigerungen). Weil die LDJ die Wahlen in Japan gewonnen hat, werden die Umweltziele dort auch höher gesteckt.  Seit 2004 gibt es eine Renaissance der Kohle, vor allem in China, Indien und den USA. Damit ist die Wachstumsrate für den Kohlendioxid-Ausstoß  seit den letzten fünf Jahren so hoch wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. Eine "gute" Klimapolitik müsste die Opportunitätskosten herausarbeiten. Als beste Instrumente gelten handelbare CO2-Emissionsrecht oder eine CO2-Steuer. Insgesamt sind rund 15% der weltweiten Konjunkturpakete 2009 gegen die Wirtschaftskrise ökologische Ausgaben. Denkbar wäre es, die ungewöhnlich hohe Schuldenanhäufung durch zusätzliche ökologische Steuern und Einnahmen aus CO2-Zertifikaten abzutragen. In Deutschland spielt der Klimawandel seit 1987 in der Öffentlichkeit eine Rolle (in diesem Jahr erscheint die Denkschrift "Warnung vor weltweiten Klima- Veränderungen durch den Menschen", danach wurde der Beirat für Umweltfragen eingerichtet). Von 2020 an will die EU jährlich bis zu 15 Mrd. € für den Klimaschutz in armen Ländern geben (3 Mrd. aus Deutschland). Der Geo-Ingenieur David Keith will das Weltklima aktiv verändern. Es soll eine Art Sonnenfolter im Himmel die globale Erderwärmung bremsen. Diese Technik birgt aber viele Gefahren. 2013 richtet die EU ihre Klimapolitik neu aus. Es erfolgt eine Konzentration auf CO2-Abbau. Über den Energiemix soll es keine Vorschriften mehr geben. Im Juli 2014 schafft Australien seine 2012 eingeführte CO2-Steuer wieder ab. Das verwundert bei der Betroffenheit Australiens von Naturkatastrophen und dem Klimawandel.  "Das Wasser nimmt nicht mehr Platz in einer Schale ein, als es bedarf. So gleicht es der Mäßigung", Konfuzius. Ab 2016 will Deutschland ärmeren Ländern beim Kampf gegen Erderwärmung helfen. Dies soll vor allem mit Klima-Infos geschehen.

Klima- und energiepolitische Maßnahmen in Deutschland: 1. Erneuerbare Energien: Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (2009), Gesetz zur Einführung einer Biokraftstoffquote (2007), Gasnetzzugangsverordnung (2005), Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (2000). 2. Energieeffizienz: Gesetz über die umweltgerechte Gestaltung energie-verbrauchsrelevanter Produkte (2011), Reform der Kraftfahrzeugsteuer (2009), Gesetz über den Handel mit Berechtigungen zur Emission von Treibhausgasen (2004), Energiesparverordnung (2002), Gesetz über die Kraft-Wärme-Kopplung (2002), Ökologische Steuerreform (1999). 2012 ist der CO2-Ausstoß in Deutschland seit langem mal wieder gestiegen. Gründe sind der kalte Winter in Kombination mit Mehrverbrauch an Kohle/Holz und der steigende Kohleeinsatz, auch in Kraftwerken. Nationale Alleingänge Deutschlands bringen nicht viel für das Klima. Neue CO2-Ziele können insgesamt viel Geld kosten. Mehr Investitionen in Forschung wären sinnvoller. Vgl. Weimann, Joachim: Rationale Klimapolitik geht anders, in: FAZ 27.06.16, S. 18.   "Klimapolitik ist Vorwand für globale Gesellschaftspolitik. Es geht um die weltweite Herrschaft über den Menschen und nicht über das Wetter", Wolfgang Thüne, Diplom Meteorologe.

Klimastiftung für Bürger: Stiftung in Sinsheim von Dietmar Hopp (SAP-Gründer) gegründet und finanziell ausgestattet. Es geht vor allem um Klima-Bildung. Es werden Bildungsprojekte für die Kleinen gefördert (auch weiterführende Schulen). Es geht auch um "Greening jobs" (Berufsorientierung im Unternehmen). Gefördert wird auch die Interdisziplinarität der Lehrerausbildung. Vgl. www.klima-energie-stiftung.de .

Klimapolitik der deutschen Industrie (BDI-Papier 2018): Es geht um die Klimapolitik bis 2050. Es sind Handlungsempfehlungen. Grundlage sind Studien von der Boston CG und Prognos. Man fokusiert sich auf 80% Treibhausgas - Emissionen mit 1,5 Billionen  €.

Grüne Klimafonds: Er wurde auf der Klimakonferenz in Cancun 2010 eingerichtet. 2011 findet der Verhandlungsprozess in den Vereinten Nationen statt. Es sollen sich Staaten beteiligen (eventuell unter einer neutralen Institution), die in den Fonds einzahlen, aus dem zukünftige Investitionen bezahlt werden sollen.

Technologien gegen den Klimawandel weltweit: 1. Solaroad: Straßen und Gehwege aus Solarpanelen. 2. Cleanenergy: Wechselbatterie für E-Fahrzeuge. 3. Climeworks: CO2-Staubsauger. 4. City Tree: Moosblock zum Filtern der Atemluft. 5. Memphis Meats: Fleisch-Produktion ohne Tiere. 6. Fluidsolids: Recycling-Werkstoff, der Plastik ersetzt. 7. Ecosia: Internet-Suchmaschine, die Bäume sponsert. Vgl. Focus 42/2018, S. 28.

Naturkatastrophen: Als Folge des Klimawandels und der knapper werdenden Energie-Ressourcen häufen sich diese. Innerhalb von 25 Jahren hat sich die Zahl der katastrophalen Wettereignisse mehr als verdreifacht (1990 bis 2015). Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, die Waldbrände in Russland, die Überschwemmung in Pakistan und Australien sind die aktuellsten. Der Schadensersatz für den Golf könnte BP das Genick brechen. Helfen soll ein Zusammengehen mit Rosneft aus Russland. Die Katastrophe macht das Öl noch knapper und könnte auch zu einer neuen Krise führen. Die Versicherungsbranche entwickelt sich zur treibenden Kraft der Vorsorge. Sie versorgen erneuerbare Energien mit Geld und Policen. Am stärksten von Naturkatastrophen, insbesondere Wetterkatastrophen, betroffen sind 2010 Pakistan und China vor Mexiko. 2011 erschüttert eine Flutkatastrophe Australien (Queensland). Diese wird den Weizen- und den Kohlepreis nach oben treiben. In der Nähe von Rio in Brasilien gibt es riesige Erdrutsche mit über 1000 Toten. Dann folgt ein Erdbeben mit Tsunami in Japan (Atomkraftwerke geraten außer Kontrolle). Es ist die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. Im Herbst 2012 wütet Hurrikan "Sandy" an der Ostküste der USA (New York, New Jersey) mit hohen Flutwellen (über 100 Tote, über 200.000 Wohnhäuser beschädigt). Viele Menschen sind lange ohne Strom, Heizöl und Benzin. Eine Kältewelle droht. Im Herbst 2013 treffen zwei Wirbelstürme Mexiko. Es wird in die Zange genommen. Es ist die schwerste Naturkatastrophe seiner Geschichte. 150 Menschen sterben, schwere Verwüstungen machen Zehntausende obdachlos. Im November 2013 trifft der stärkste Taifun aller Zeiten auf die Philippinen. Der Taifun "Haiyan" sorgt für schwere Verwüstungen (über 4.000 Menschen sterben, am schlimmsten betroffen ist die Stadt Tacloban; 2,5 Mio. Menschen brauchen Hilfe). Ende 2014 kommt der Taifun "Hagupit" (Peitsche) auf die Philippinen zu. Viele Ballungszentren der Erde befinden sich auf Erdbebengebiet: Istanbul, Lissabon, San Franzisko, Mexiko City, Neapel, Genf, Jakarta. Wirbelstürme, Überflutungen und andere Naturkatastrophen haben auch 2013 Milliardenschäden angerichtet (880 Katastrophen; 90 Mrd. €; mehr als 20.000 Tote). Ein besonderes Problem stellt die Absenkung der Mündungsdeltas von Flüssen dar. Überschwemmungen an den Küsten häufen sich. Hiefür sind der Anstieg der Meeresspiegels und der Entzug des Grundwassers verantwortlich. die Deltas sind aber häufig überlebensnotwendig, weil die fruchtbaren Böden wertvolle Nahrungsmittel liefern. Nach Prognosen der Versicherer werden die Extremwetter häufiger werden. Es werden daher in Zukunft noch mehr Schäden durch Naturkatastrophen entstehen, auch in Europa (starke Winde, Rekordhitzewellen, Waldbrände, Sturzfluten, Überschwemmung, Blitzeinschläge). Mitte März 2015 wird der Inselstaat Vanuatu (83 Inseln) im Pazifik vom Zyklon "Pam" getroffen. Es muss der Notstand ausgerufen werden. Viele Menschen werden getötet oder ihr Schicksal ist ungewiss. Ende April 2015 trifft ein Erdbeben Nepal, Indien, China und Bangladesch. Das Epizentrum liegt in der Nähe von Kathmandu. Über 5000 Menschen sterben. Erdbeben sind keine Folge des Klimawandels. Extrem gefährdet sind die Gebirgszüge im Himalaja, in Japan, in Nord-, Mittel- und Südamerika. Bereits 50 Millionen Menschen sind im Süden und Osten Afrikas von einer schweren Dürre betroffen. Sie brauchen Nahrungsmittelhilfe. Bei Waldbränden in Kanada wird im Mai 2016 eine ganze Stadt in der Provinz Alberto zerstört (Fort McMurray; milder Wintern früher Frühling, trockene Luft, Wind). Der kleine Inselstaat Vanuatu im Südpazifik ist nahezu permanent von Naturkatastrophen bedroht. Dennoch gehören die Bewohner zu den glücklichsten der Welt. Immer mehr Provinzen in Indien leiden unter Dürre. 2016 ist es ganz schlimm. Es entwickelt sich eine "Durst-Wirtschaft". Ein Viertel der Bevölkerung sind betroffen (330 Mio.). Das könnte ein Vorbote neuer Krisen vieler Schwellenländer sein. Im November trifft ein schweres Erdbeben mit Tsunami Neuseeland. Besonders betroffen ist Christchurch. Im Sommer 2017 wütet ein schwerer Waldbrand in Portugal. Klimawandel, Einsparungen bei der Brandvorsorge und eine verfehlte Forstpolitik (Eukalyptusbäume, die schnell brennen) sind die Ursache. Texas, insbesondere die Millionenstadt Houston,  sind im August 2017 von Überschwemmungen infolge von Dauerregenfällen nach dem Wirbelsturm Harvey betroffen (Erhitzung des Wassers im Golf von Mexiko durch Klimawandel, Verdunstung, Bildung von Wirbelstürmen, Wolken müssen sich in Küstennähe abregnen, Wasser kann wegen Bodenversiegelung nicht versickern). Harvey ist der stärkste Hurrikan seit 2005 (30.000 Menschen obdachlos, Katastrophenfall in Texas und Louisiana). Die Rating - Agentur S&P schätzt die Kosten für die Rückverscherung bei sechs Mrd. €. Danach kommt mit Irma" direkt der nächste. Er verwüstet die Karibik. 95% der Insel Saint Martin sind betroffen. Ebenso werden die Inseln Barbuda, Sint Maarten und Anguilla getroffen, später dann Kuba und Florida (Keys, Miami, Orlando, Tampa; Flutwellen und Sturm). Der Ostküste der USA drohen in Zukunft häufiger Überschwemmungen als Regel. Sie stellen eine immer größere Gefahr dar, weil die Küstengebiete jedes Jahr um 3 Millimeter absinken in Folge menschlicher Eingriffe in die Umwelt. In Mexiko (an der Pazifikküste im Süden) hat ein verheerendes Erdbeben über 60 Todesopfer gefordert. Hurrikan "Maria" folgt sofort (Stärke 5) und richtet weitere große Schäden auf den Karibikinseln an (insbesondere auf Puerto Rico; ein Staudamm droht zu brechen). Mexiko Stadt wird im September 2017 zweimal schwer getroffen von einem Erdbeben (07.09. und 19.09.). Beim zweiten schweren Beben (7,1) stürzen über 50 Gebäude ein, Hunderte sind unbewohnbar. Es gibt mehr als 300 Tote. Ein drittes Beben folgt. Anfang März 2018 richtet ein schwerer Wintersturm große Schäden an der Ostküste der USA an (Küstenzone unter Wasser, fünf Menschenleben). 2017 waren 93% der relevanten Schadensereignisse wetterbedingt. An erster Stelle stehen mit 47% hydrologische Ereignisse wie Überschwemmungen, Sturzfluten und Erdrutsche. Die höchsten Schäden entstanden 2017 durch drei aufeinander folgende Hurrikane (Harvey, Maria, Irma).  Zyklon "Idai" verwüstet im März 2019 das Land Mosambik, über 1000 Tote. Er richtet auch großen Schaden in den Nachbarländern Malawi und Simbabwe an. Tausende kämpfen ums überleben. Hilfe ist schwierig, da die Infrastruktur zerstört ist. Hunderttausende sind auf humanitäre Unterstützung angewiesen. "Wenn die Preise uns vorgaukeln, die Natur sei unendlich, rennen der technische Fortschritt und die Zivilisation in den Abgrund", Ernst Ulrich von Weizsäcker, Umweltforscher. Mittlerweile gibt es die UN World Conference on Disaster Risk Reduction: Es geht um ein neues Rahmenwerk zur Reduzierung von Naturkatastrophen mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Die dritte Konferenz findet in Sendai/ Japan statt. vgl. www.wcdrr.org . In den vergangenen 20 Jahren sind durch Wetterkatastrophen mehr als 600.000 Menschen ums Leben gekommen (Klimabericht der UN 2015; 4 Mrd. Menschen wurden seit 1995 verletzt). Allein 2015 gab es 1060 Naturkatastrophen in der Welt. Man unterscheidet zwischen geophysikalischen, meteorologischen, hydrologischen und klimatologischen Ereignissen. 2016 wird Mittelitalien immer wieder von Erdbeben getroffen. Rund 28.000 Menschen werden obdachlos. Große Auswirkungen hatte 1755 das schwere Erdbeben bei Lissabon in Portugal. Es erschütterte massiv den Glauben an die Güte Gottes und die reine Vernunft bekommt Auftrieb (Voltaire, Schopenhauer). Nach Angaben des Versicherers Munich Re sind 2016 die Schäden durch Naturkatastrophen im Jahresvergleich um gut zwei Drittel gestiegen. Bis 2100 könnten die Schäden durch Sturm um 70 Prozent ansteigen (Quelle: Weltklimarat). Allein die Münchener Rück beziffert die Schäden für 2017 bei Naturkatastrophen mit 112 Milliarden € für sie (135 Mrd. $). Insgesamt betrugen die Schäden 330 Mrd. Dollar (nur versicherte Schäden). Die teuerste Katastrophe war der Sturm "Harvey". Am 18.01.2018 bringt der Orkan "Friedericke"  viele Verwüstungen in Deutschland mit sich. Die Bahn wird lahm gelegt. Im November 2018 werden durch Feuer über 6000 Häuser in Kalifornien zerstört. Tausende Menschen verbrennen. Kalifornien hatte die ersten und hat heute die schärfsten Umweltgesetze der USA (besonders Region Los Angeles). Das zeigt, dass Klimawandel nur global zu bekämpfen ist. Munich Re beziffert die Schäden durch Waldbrände2018 mit 21 Mrd. €. Auch dies ist ein Indiz für Klimawandel. Waldbrände richten auch in Deutschland großen Schaden an. Der erste große Waldbrand 2019 ist auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Mecklenburg-Vorpommern.

Relativierung der Naturkatastrophen: Auch ohne Klimawandel hat es schon immer große Naturkatastrophen gegeben. Als das größte Katastrophenjahr der Geschichte gilt das Jahr 536 n. Chr. Eine dichte Wolkendecke hüllte die halbe Welt in Dunkelheit. Ernten blieben aus, Hungersnöte folgten. Es war der Beginn einer schlimmen Zeit. Auslöser war womöglich ein Vulkanausbruch auf Island. Später, im Jahr 1347, kam die Pest in Europa, die 25 Millionen Todesopfer brachte.

Weltrisikobericht: Er wird vom Bündnis "Entwicklung hilft" und vom Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Uni Bochum erstellt. Die gefährdesten Regionen sind Ozeanien, Südostasien, Mittelamerika und West- sowie Zentralafrika. Das größte Risiko haben Vanuatu, Tonga, Philippinen. Deutschland liegt auf dem Gesamtindex auf Rang 155 von 172.

Unternehmen als Umweltaktivisten: Banken, Versicherer und Fonds werden zu Umweltaktivisten. Sie erhöhen den Druck auf börsennotierte Unternehmen, ihre Klimarisiken offen zulegen. 32 Billionen Dollar  Kapital sind von 310 Großinvestoren in der Initiative "Climate Action 100".

Erdbeben und Erdbebensichere Häuser: Es gibt viele Experimente in Erdbebengebieten. Bereits in den 1970er Jahren entwickelte der Deutsche Georg Minke Leinsamensackhäuser. Später gründete der Iraner Architekt Nader Khalili die Organisation Cal-Earth, die das Selbstbauen fördert. Die Earthbag -Häuser sind am stabilsten, wenn sie rund sind. Die Hilfsorganisation Good Earth Nepal experimentiert auch mit Selbstbauhäusern. In Pakistan arbeitet Nargis Latif mit Müllhäusern. Die Organisation heißt Gul Bahao. Die Häuser werden aus Plastiksäcken gebaut, die aus Müll gefertigt wurden. In Kalifornien kommt es im Sommer 2019 zu zwei Erdbeben (die stärksten seit 20 Jahren). .

Anstieg des Meeresspiegels: Allein Nord- und Ostsee sind in 100 Jahren um 10 bis 20 Zentimeter gestiegen (1870 bis 2000). Die Küstenländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein erhöhen schon ihre Deiche. Für die Welt gibt es unterschiedliche Berechnungen. Grönland und die Antarktis schmelzen ab. In diesem Jahrhundert  soll es bis zu zwei Meter höhere Meere geben. Nach jüngsten Expertenuntersuchungen (Helmholtz-Zentrum, 2018) steigt der Meeresspiegel bis Ende dieses Jahrhunderts um 65 cm an. Gründe sind die Erwärmung der Meere (größere Ausdehnung) und die Gletscherschmelze. Dann würde viele Inseln verschwinden und viele Küsten überschwemmt werden.  Im Südwesten Frankreichs sind küstennahe Bauten bedroht. Meeresströmungen und Klimawandel sind dafür verantwortlich. Jedes Jahr schiebt sich der Atlantik 1,70 bis 2,50 Meter weiter landeinwärts.

Arktis (Arctic Science Ministerial): Dies ist eine Konferenz von 26 Nationen und 10 internationalen Organisationen. Hinzu kommen 6 Vertretungen indigener Völker. Die zweite Konferenz findet vom 25. bis 26. Oktober 2018 in Berlin statt. Im Zentrum steht die Erforschung der Arktis. Das erste Treffen fand 2016 in Washington statt. Ergebnisse sind: Um den Nordpol wird es wärmer. Das Polarmeer taut auf. Das weckt nationale Begehrlichkeiten. Es eröffnen sich neue Routen im globalen Handel. Die Nordwestpassage ist viel kürzer als der Panamakanal. Die Nordostpassage ist viel kürzer als der weg über den Suezkanal. Bodenschätze werden leichter zugänglich. Es gibt weniger Eis, was Flora und Fauna verändert. Die Klimaerwärmung wird verstärkt. Seegrenzen verschieben sich. Es gibt Gebietsansprüche.

Sturzfluten als Folge des Klimawandels: Starkregen und Sturzfluten sind keine vorübergehenden Erscheinungen mehr. Künftig könnten insbesondere dicht bebaute Gebiete betroffen sein (Städte). Ursache ist der Klimawandel: Das Gefälle zwischen heißem Äquator und eisiger Arktis wird flacher. Die atmosphärische Zirkulation ändert sich. Der Ostküste der USA drohen in Zukunft häufiger Überschwemmungen als Regel. Sie stellen eine immer größere Gefahr dar, weil die Küstengebiete jedes Jahr um 3 Millimeter absinken in Folge menschlicher Eingriffe in die Umwelt. Im August 2017 ist Texas in den USA betroffen. In Houston wird ein kleiner Fluss zur Sturzflut nach Dauerregenfällen. Im September 2017 ist Kuba und Florida betroffen.

Flächenversiegelung (Flächenfraß, Flächenverbrauch): Immer weniger Menschen in Deutschland brauchen immer mehr Raum. 2011 bewohnt jeder Deutsche durchschnittlich 43 Quadratmeter. In den Metropolen in Deutschland herrscht Wohnungsmangel. Auf dem Lande werden mehr Häuser und Wohnungen gebaut als benötigt werden (Quelle: Baubedarfsanalyse 2017 des IW, Köln) . In Bayern ist eine Fläche versiegelt, die achtmal so groß ist wie der Bodensee. Pro Jahr wächst die versiegelte Fläche in Größe des Chiemsees. Folgen sind schlechtere Luft und mehr Überschwemmungen. außerdem geht Lebensraum verloren. Der Ursprungszustand kann kaum wiederhergestellt werden.  Der tägliche Flächenverbrauch, der zwar zurückgeht, ist aber immer noch mit 61 ha pro Tag viel zu hoch ist. Die Hälfte davon wird dann noch versiegelt. Ziel war bis 2020 auf 30 ha zu kommen. Das Ziel wird weit verfehlt. Der Bund setzt auch falsche Anreize, wie etwa das Baukindergeld. Die Kommunen müssten Obergrenzen festlegen. Von 1992 bis 2016 stieg die Siedlungs- und Verkehrsfläche von 40.305 auf 49.254 Quadratkilometer (+22,2%). Quelle: Umweltbundesamt 2018.

Flüchtlingsströme als Folge des Klimawandels: Die Umweltkatastrophen häufen sich (Stürme, Überschwemmungen, Wald- und Buschbrände, Vulkanausbrüche, Erdbeben. Menschen fliehen davor (7,9 Mio. in Südasien, 8,4 Mio. in Ostasien, 1,5 Mio. in Lateinamerika, 1,1 Mio. im Sahara-Afrika). Hinzu kommen die Kriegsflüchtlinge. Quelle: International Displacement Monitoring Centre 2016. Laut einer Studie der Columbia University 2019 im Auftrag der Vereinten Nationen werden 200 Mio. Menschen  bis zum Jahre 2050 zu Klimaflüchtlingen werden. Das wäre verglichen mit den aktuellen Zahlen (21 Mio. Klimaflüchtlinge) eine Verzehnfachung.

Artenvielfalt in den tropischen Naturschutzgebieten: Obwohl der Klimawandel sich bevorzugt auf der nördlichen Halbkugel bemerkbar macht, hat er einen sehr großen Einfluss auf die Lebenswelt in den Tropen. Der Fieberstress führt zu Stoffwechsel - Veränderungen vor allem bei Tieren, die temperaturabhängig sind. Ein erhöhter Stoffwechsel braucht mehr Nahrung und Sauerstoff. Dabei bleibt weniger Zeit für die Fortpflanzung.  sie sterben unter umständen aus (insbesondere Reptilien). Zu einem Artensterben, vor allem bei Vögeln, kommt es auch auf unseren Feldern. Es trifft über 40 Arten, die vom Aussterben bedroht sind. Schuld ist unter anderem der Anbau von Energiepflanzen (Raps, Mais). Im März 2014 stoppt der Internationale Gerichtshof in Den Haag den Walfang Japans in der Antarktis. Trotz Verbots  erlegen Walfänger insgesamt mehr als 1600 Tiere 2013 (Internationale Walfangkommission, IWC), darunter Japan 417. In einigen Gegenden der Welt werden Vögel gejagt. So wird in Oberitalien das Importverbot für gejagte Singvögel und das Jagdgesetz von 1992 umgangen. 2016 schließen Umweltverbände, indianische Völker und Forstwirtschaft ein Abkommen zum Schutz der Region an der kanadischen Pazifikküste. Dadurch soll auch die Bären geschützt werden (Great Bear Rainforest). Tauchen ausgestorben geglaubte Tierarten wieder auf, spricht man vom Lazarus-Effekt. Doch nur wenige Bestände erholen sich dann dauerhaft. Die Anzahl der Adeliepinpinguine wird bis 2016 um ein Drittel und bis zu 2100 um 60 Prozent zurückgehen (Folgen des Klimawandels in der Antarktis). Auch viele bekannte Tierarten stehen auf der Liste der bedrohten Arten: Giraffe, Tiger, Elefant, Nashorn, Uran Utan. In Deutschland hat die Zahl der Schmetterlinge rapide abgenommen (natürlicher Lebensraum, Gifte in der Landwirtschaft). Die Artenvielfalt schrumpft besonders stark auf Plantagen im Regenwald (Ölpalmen, Kautschuk). Die größte Verantwortung für den Verlust der Artenvielfalt hat die weltweite Landwirtschaft. Sie ist für 70% des zu erwartenden Verlustes terrestrischer Artenvielfalt verantwortlich (Global Biodiversity Outlook 4). 2017 sind 25.000 Arten bedroht. Das sind ein Viertel aller Arten (Quelle: WWF). Es gibt einen Weltbiodiversitätsrat. Ihm gehören 150 Forscher weltweit an. Präsident ist Robert Watson. Bis 2019 soll der Zustand weltweit neu definiert werden. Im April 2019 findet eine Konferenz des Weltbiodiversitätsrats in Paris statt. Es wird auch ein Bericht vorgelegt: Mindestens 500.000 Tierarten und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Besonders gefährdet sind Insekten. Ihre Anzahl hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten bereits um 80% verringert.

Artensterben: Hierfür gibt es eine Reihe von Ursachen: Übernutzung (Waldrodung, Jagd, Fischerei), Landwirtschaft (immer größere Flächen), Urbanisierung, invasive Arten, Umweltverschmutzung. Gemäß der Roten liste, die übergreifend für Tiere, Pflanzen und Pilze gilt, sieht das Bild 2015 wie folgt aus: 30% gefährdet, 6% ausgestorben oder verschollen, 37% ungefährdet. Quelle: Artenschutz-Report 2015, Bundesamt für Naturschutz. Im Mai 2019 legt der Weltbiodiversitätsrat (145 Autoren aus 50 Ländern; Hauptsitz Bonn) seinen aktuellen Bericht vor in Paris: Es gibt noch geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Welt. Bis zu einer Million Arten seien vom Aussterben bedroht.

Insektensterben: Erschreckend ist der starke Rückgang von Insekten, auch in Deutschland (76% in den vergangenen 28 Jahren ab 2017) . Sie sind auch wichtig für die Blütenbestäubung und Nahrungsgrundlage für Vögel. Es ist eine Umweltkatastrophe. Das Bundesamt für Naturschutz bestätigt 2018 den Trend: Bei 44% der Arten sei es zu einem Rückgang gekommen.

Bienen: Zwischen 1989 und 2015 ist die Zahl der Bienen in Deutschland um 75% zurückgegangen. Es soll für ein besseres Natur- und Nahrungsangebot für Bienen gesorgt werden. Vor allem die Landwirte sollen helfen. Die Intensivierung der Landwirtschaft mit wenigen Kulturpflanzen und der vermehrte Einsatz von Insektiziden schadet den Bienen.  Wildbienen brauchen vor allem die Feldränder, die immer weniger werden. Das hängt auch mit der Konzentration in der Landwirtschaft zusammen.

Tierwanderungen nach Katastrophen: Nach dem Tsunami 2011 in Japan (Fukushima) wurden Hunderte Arten von Tieren von der japanischen an die US-Küste geschwemmt. Meeresschnecken, Würmer, Muscheln,  Krusten- und Moostiere sowie andere Tierarten gelangten mit Bootsteilen und Plastikmüll-Teilen über die Ozeane ("surfen"). Auch Hurrikane und Taifune werden in Anbetracht des Klimawandels häufiger. Wahrscheinlich werden diese Wanderungen deshalb auch zunehmen. 

Ureinwohner: In vielen Ländern kämpfen die Ureinwohner um ihre Kultur, Tradition und ihren angestammten Lebensbereich. Das gilt z. B. für Brasilien und Ecuador. Ölbohrungen oder Rodungen von Urwald für Ackerland bedrohen den Lebensraum.

Fisch, Überfischung: Viele Arten sind wegen Überfischung der Meere und Flüsse bedroht. Greenpeace rät 2016 sogar zum Verzicht und stellt eine Liste der bedrohten Arten auf. Es werden 115 Arten bewertet. Zur Überfischung trägt zum Teil die Ausweitung der Fischzucht (Aquakultur) bei. Futter besteht zum großen Teil aus Fischmehl. Die weltweit geächtete Schleppnetzfischerei gefährdet empfindliche Ökosysteme am Meeresboden und an Korallenriffen. Der Beifang beträgt im Mittel 25%. (Quelle: Fischer Weltalmanach 2018, S. 707). 2018 steigen die Ausgaben für Fisch in Deutschland rapide an. Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt.

Tintenfisch, Kalmare: Kalmare sind wichtig für das Ökosystem. Sie könnten immer wichtiger werden. Sie profitieren wohl von der Überfischung der Meere. Sie fressen vieles und wachsen schnell. Tintenfischfriedhöfe versorgen die Tiefsee mit Kohlenstoff. Es gibt über 250 Arten. Insgesamt können sie 10 Meter lang werden.

Landwirtschaft und Ernteinbußen: Durch die Erderwärmung drohen in der US-Landwirtschaft Ernteeinbußen: Weizen -20%, Soja -40%, Mais -50% (Computersimulation 2017 des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung). Am schlimmsten wirkt der Wassermangel (außerdem Düngung, Temperaturen, Bewässerung, Kohlendioxidgehalt in der Luft).

Neophyten: Pflanzliche Zuwanderer. Sie werden vom Klimawandel begünstigt. Sie bedrohen zum Teil einheimische Arten und können Krankheiten auslösen. Einmal etabliert, sind sie kaum aus dem Ökosystem zu verdrängen.

Korallenbleiche:  Die Riffe sind weltweit im Klimastress. Hitzestress bewirkt korallenbleiche. Hauptursache sind der Anstieg der Meerestemperaturen. Hierin und hiervon leben ein Viertel aller marinen Lebewesen. Weiterhin führt die steigende Konzentration von Kohlendioxid zu einer Versauerung, die Skelettbildung verhindert. Vgl. www.coralreef,noaa.gov . 2016 werden die schlimmsten Befürchtungen übertroffen: Stellenweise sind zwei Drittel der Stöcke abgestorben (wenn das Wasser zu warm wird, stoßen die Korallen Algen ab und sterben; zurück bleibt der weiße Kalkmantel). Manche Korallen lieben Plastikmüll. Sie fressen gerne Mikroplastik. Korallen werden auch krank, weil ihnen schädliche Bakterien zusetzen, die sich durch die menschliche Überdüngung der Meere stark vermehren können. eingeschwemmte Stickstoffe und Phosphate führen zu einer Algenblüte. Am Great Barrier Reef nimmt 2018 ein U-Boot ("Killerroboter"), von einem Tablet gesteuert, den Kampf gegen gefräßige Seesterne auf.

Todeszonen in den Weltmeeren: Todeszonen sind Gebiete, in denen kein dauerhaftes Überleben möglich ist. In den Weltmeeren ist das Problem der sinkende Sauerstoffgehalt. +4,5 Millionen Quadratkilometer seit Mitte des letzten Jahrhunderts. Das entspricht der Größe der EU. Quelle: Futur zwei, Nr. 5/2018, S. 13.

Antarktis, Naturschutzgebiet: Ende Oktober 2016 einigt  man sich nach jahrelangen Verhandlungen (24 Staaten + EU) auf ein Naturschutzgebiet in der Antarktis (Rossmeer). Hier darf nicht gefischt oder gejagt werden. Das Gebiet ist viermal so groß wie Deutschland. Die Regelung gilt 35 Jahre und tritt ab Dezember 2017 in Kraft. Sie wird im australischen Hobart beschlossen. In der Antarktis gibt es eine Unterwasserwelt von märchenhafter Schönheit. 90% eines Eisberges liegen unterhalb des Meeresspiegels. Die Naturschönheit ist bedroht, weil die Polränder rasant abschmelzen. Im September 2017 beträgt die Größe des Eises noch 4,7 Millionen Quadratkilometer (Alfred-Wegner Institut; Fläche deutlich kleiner als 1979 und 2006). Klimaforscher der UN geben im März 2017 Alarm für die Arktis. Zu Beginn von 2017 habe es mehrere Hitzewellen gegeben. Noch nie seit 1978 war das Eis im Februar so dünn wie 2018 (Quelle: Alfred-Wegner-Institut, Helmholtz-Zentrum). Etwa 36% des heute in Gletschern gespeicherten Eises wird langfristig auch ohne weiteren Ausstoß von Treibhausgasen schmelzen.

Geoengineering: Ingenieure wollen den Klimawandel mit technischen Eingriffen in die Gestalt der Erde bekämpfen. Einige Ideen und Konzepte: Weiße Häuserdächer und weiße Straßen reflektieren des Sonnenlicht und halten die Städte kühl. Künstliche Bäume holen das Kohlendioxid aus der Luft. Eisen wird in Meere gekippt. Dadurch wachsen vermehrt Algen, die CO2 aufnehmen. Vgl. EuTRACE-Bericht des Potsdamer IASS (auf Englisch kostenlos im Internet). Weitere Quelle:  Oliver Morton, The Planet Remade. Konkrete Ansätze sind auch die Folgenden: Schattenspender im All, Ozeandüngung, Einlagerung über Biomasse, massive Aufforstung. Vgl. z.B. David Keith (US-Klimaforscher und Physiker) und Paul Crutzen, niederländischer Meteorologe (1995 chemeinobelpreis).

Magnetfeldlinien um die Erde herum: Das Magnetfeld ist nicht stabil. Es ändert seine Stärke und Lage. Im Laufe der Erdgeschichte wurde mehrmals umgepolt (Nord- und Südpol vertauscht). Der Schirm lenkt Sonnenwinde und energiereiche Partikel aus dem All entlang der Magnetfeldlinien. Der Kern dieser Linien liegt 3000 km unter uns im Erdkern.

Messung des Klimawandels: Als Leuchtturm gilt die US-Organisation NOAA in Silver Springs/ Maryland. Es ist die National and Atmospheric Administration, ein U.S.- Department. Sie ist unabhängig und kooperiert mit etwa 65 Ländern und deren Wissenschaftlern. Sie wurde 1970 unter Richard Nixon gegründet. Sie legt jedes Jahr einen Bericht vor. Bericht 2018: 2017 war das drittwärmste Jahr, seit es Wetteraufzeichnungen gibt. CO2 hat einen neuen Höchststand erreicht. Der durchschnittliche Meeresspiegel ist auf einem Höchststand. Zehn der niedrigsten Eiswerte der Arktis sind in den vergangenen 11 Jahren gemessen worden.

Ressourcen I (Rohstoffe, Bodenschätze)

Ressourcen: Grund und Boden bzw. Land und alle anderen natürlichen Ressourcen wie Wasser, Luft, Wind, Sonne, Bodenschätze und Rohstoffe. Die Ressourcen sind knapp, d. h. sie sind relativ zur Nachfrage unzureichend oder deutlich endlich. Güter, die eine konkurrierende Nutzung aufweisen, aber nicht ausschliessbar sind, heißen Gesellschaftliche Ressourcen. 20% der Weltbevölkerung verbrauchen 80% der globalen Ressourcen und verursachen zwei Drittel der Umweltverschmutzung. Das ist das Kernproblem der Erde. Von ihm hängen viele Probleme ab, letztlich auch das Flüchtlingsproblem. Wir sind die erste Generation, die unseren Planeten an den Rand des Abgrundes führt.

Ressourcenknappheit: Es ist der Ausgangspunkt der Ökonomie, mit knappen Ressourcen zu wirtschaften. Die Ressourcen können nicht unbegrenzt genutzt werden. Wir verlagern die Ausbeutung vom Raum in die Zeit zu Lasten nachfolgender Generationen. Der Wachstumsbegriff, der in der Politik und Wissenschaft als unangreifbar gilt, muss in Frage gestellt und diskutiert werden. Anzustreben ist eine strenge Trennung von Wachstum und Ressourcenverbrauch. Der Einsatz von grünen Produkten rechnet sich auch wirtschaftlich. Die Umwelttechnologie ist die Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Rapide steigende Rohstoffpreise infolge der Knappheit zwingen die Industrie zum wirtschaftlichsten Einsatz von Ressourcen (Effizienz). Die Rohstoffproduktivität ist im Vergleich zur Arbeitsproduktivität aber kaum gestiegen. Da Material den Löwenanteil der Produktionskosten ausmacht, ist hier anzusetzen. Hundert Jahre gab 1972 der Club of Rome der Weltwirtschaft - dann seien die wichtigsten Ressourcen erschöpft. Sicher finden schon lange Stellvertreterkriege um Ressourcen statt, vor allem in Afrika. Immer wichtiger wird die Arktis als zukünftiger Rohstoffstandort. Es gibt einen arktischen Rat (Anrainerstaaten, unter anderem Norwegen, Kanada, USA). Andere Staaten wie China und Indien sind Beobachter (EU wegen Robbenstreit in Kiruna ausgeschlossen). Ende 2014 erhebt Dänemark Gebietsansprüche auf die Arktis (mit Grönland; durch Rückgang des Meer-Eises Rohstoffe). El Mirador, die Wiege der Maya-Zivilisation in Guatemala, bestand aus trocken gelegten Sümpfen, gefälltem Wald und riesigen Terrassenfeldern. Irgendwann zerstörten sie durch immer aufwendigere Bauten ihre eigene Lebensgrundlage. konsequenz waren Hungersnöte und Kriege, bis sie die Stadt aufgeben mussten. Sie gilt als einer der frühesten Beispiele der Auswirkungen von Ressourcenknappheit.

Hotelling-Regel (Harold Hotelling, 1895-1973): Grundregel der Umweltökonomik, nach der der Pareto - optimale Abbaupfad einer natürlichen Ressource so aussieht, dass der Nettogrenznutzen im Zeitablauf mit einer Rate wächst, die der sozialen Diskontrate entspricht  (Nettogrenznutzen=Nutzungsgrenzkosten). Es handelt sich um eine Optimalitätsbedingung bei nicht-erneuerbaren Ressourcen. Berühmt ist sein Artikel von 1931: The Economics of Exhaustible Resources, in: Journal of Political Economy. Die Knappheitsrente steigt im Zeitablauf mit dem Zinssatz. Wird die Bedingung verletzt, führt eine intertemporale Reallokation zu einer Nutzensteigerung. Weil jede abgebaute Einheit einer Resssource wie eine Abschreibung auf das Vermögen wirkt, müssen die Anbieter zusätzliches Geld verlangen. Dies ist der Schattenpreis bzw. die Hotelling-Rente. Die kosten setzen sich aus zwei Teilen zusammen: die Förder- bzw. Abbaukosen und die Opportunitätskosten. Je weniger Rohstoffe übrig sind, desto höher sind die Opportunitätskosten. In dem Buch "Wie muss die Wirtschaft umgebaut werden?" von Bernd Meyer (Frankfurt 2008: Fischer) geht es um Perspektiven für eine nachhaltigere Entwicklung in der Welt. Es geht um den internationalen Wettbewerb um immer knapper werdende Ressourcen und den Klimawandel.

Rohstoffe: Knappe Rohstoffe drohen immer mehr zum Sicherheitsrisiko zu werden.  Wenigen Entwicklungsländern ist es gelungen, mit Rohstoffen Wirtschaftswachstum zu erreichen (75% der armen Bevölkerung leben in rohstoffarmen Ländern). Internationale Zusammenarbeit muss Regelungen finden (Konflikte entschärfen, Lage der armen Förderländer verbessern). Ein gutes Beispiel ist Nigeria, das das meiste Öl in Afrika hat. Die Rohstoffförderung beträgt 2,0 Mio. Barrel/Tag. Davon werden 1,7 Mio. Barrel/Tag exportiert. Trotzdem ist das Land arm, und das Nigerdelta (95% des Erdöls) ist verseucht. Ähnlich ist die Situation im Sudan. Sie wird verschärft durch die Abspaltung des Südens; im Grenzgebiet liegt die Ölregion Abyei und eine Pipeline führt durch den Norden. Nicht reich geworden durch Öl und Gas sind auch Algerien und Tunesien, genauso wie der Kongo als eines der rohstoffreichsten Länder der Erde. 2013 rückt Mosambik in den Mittelpunkt. Hier wurden riesige Vorräte an Grafit, Kohle, Edelsteinen, Gold und Titan entdeckt. 45% der weltweiten Kalireserven liegen im kanadischen Sasketchewan (werden hauptsächlich von Unternehmen Potash genutzt).  Deutschland muss seine Recycling-Quote erhöhen, die Forschung in Ersatzstoffe verstärken und eine zentrale Institution für Rohstoffe (Deutsche Rohstoff AG wie früher die Metallgesellschaft oder Preussag) schaffen. Zunehmend versuchen auch Minenbetreiber, wertvolle Metalle und seltene Erden mit Bakterien aus dem Gestein zu lösen (Biomining). Damit kehrt der Bergbau nach Deutschland zurück. Die größten Zinnvorkommen der Welt werden in Sachsen entdeckt, allerdings in erheblicher Tiefe. Ohne Rohstoffe bzw. Bodenschätze gibt es kein Wachstum, ohne Wachstum gibt es in vielen Staaten soziale Unruhen (z. B. in China). Also werden die Staaten im Interesse des eigenen Überlebens notfalls auch Kriege um Rohstoffe und Rohstoffrouten führen. Insofern hängen Rohstoffe eng mit der internationalen Militärpolitik zusammen. Die Staaten werden auch darauf drängen, effizienter mit Rohstoffen umzugehen. Ein Weg dazu wäre eine Rohstoffsteuer. 2010 ist der HWWI-Rohstoffpreisindex um 41,3% gestiegen. Mit dazu bei trägt die Tatsache, dass seit 2005 Zug um Zug fachfremde Anleger, Spekulanten und Banken den Handel mit Rohstoffen übernommen haben. Auch der CRB-Rohstoffindex ist von Mitte 2010 bis Mai 2011 um 40 Prozent gestiegen. Mittlerweile gibt es eine sehr hohe Volatilität. Im Herbst 2011 fallen die Preise (Gold, Kupfer, Kaffee) sehr stark. Eine stringente Begründung gibt es nicht (nur Spekulation). Einen großen Einfluss haben die Schwellenländer mit ihrer Nachfrage (China, Indien, vor allem bei Kupfer), neue Technologien (Bedarf für "Seltene Erden") und ein knappes Angebot (Bergbau- und Transportkapazitäten, z.B. Naturkatastrophe in Australien bei Kohle). Einfluss hat auch die Weltkonjunktur bzw. die Erwartungen dazu. So brechen aus diesem Grunde die Rohstoffpreise im Februar 2013 ein (Kupfer, Öl -7%, Aluminium -8%, Silber -10%). Die deutsche Regierung und die Industrie planen eine Rohstoffallianz noch 2011 (gültig ab 2012). Daran wollen sich ca. 10 Unternehmen beteiligen. Das Gemeinschaftsunternehmen soll weltweit nach Bodenschätzen suchen. Diese Rohstoff-Gruppe wird zur Rohstoff AG. In naher Zukunft will man sich auf Öl und Wolfram konzentrieren. Die nationale Rohstoffstrategie in Deutschland führt zu effizienten Funden in Europa (z. B. in Bulgarien). Ende 2015 löst sich die Rohstoffallianz auf (Zerfall der Rohstoffpreise, es wird zu kurzfristig gedacht). Die Schweiz hat sich zu einem Handelszentrum für globale Rohstofffirmen entwickelt. Hier sitzen Vitol (50% des Zuckerhandels), Glencore (35% Getreide- und Ölsaaten, 50% Kaffee ) und Trafigura (35% am Erdölhandel). Die reichsten Gold- und Nickelvorkommen Europas sind in Nord-Finnland. Hier wird der Abbau nicht zimperlich betrieben, so dass die Vergiftung von Flüssen, Seen und Mooren an der Tagesordnung ist. Ab 2015 müssen EU-Unternehmen Ausgaben für Schürfrechte deklarieren (dann unterliegen weltweit 90% aller Unternehmen dieser Regelung). Chinesische und westliche Rohstoffkonzerne beuten in Peru Rohstoffe aus. Die Berge werden durch den Gold- und Kupferabbau langsam ausgesaugt. Sogar Sand ist mittlerweile als Rohstoff knapp. Vor allem Investoren in Katar, Indien und China brauchen ihn für ihre gigantischen Bauprojekte. 2015 steigt die Volatilität der Rohstoffpreise deutlich an (Öl, Silber, Gold, Zucker, Kupfer, Weizen). Der Brexit ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Rohstoffmärkte. Im März 2017 schließen Deutschland und Australien ein Rohstoffabkommen. Die größte Müllkippe der Welt ist Jardim Gramacho in Brasilien. 1500 Catadores sortieren Recyclingstoffe und verkaufen sie weiter. Der kanadische Düngemittelriese Potash will den kleineren deutschen Konkurrenten K + S, Kassel, übernehmen (erstmals seit zehn Jahren steht ein DAX-Unternehmen vor der Übernahme). Mitte 2015 bewegen sich viele Rohstoffpreise wieder abwärts. Der Super-Zyklus hat seinen Höhepunkt überschritten (insbesondere Nachfrage aus China und Indien geht zurück). Russland, Dänemark (Grönland) und Kanada streiten sich um die Nutzungsrechte im Nordpolarmeer. Dort werden reiche Öl- und Gasvorkommen vermutet. Aufgrund des Klimawandels wird der Raum immer offener. Im Jahre 2016 werden die Rohstoffe wieder teurer. Der jahrelange Preisverfall hat sein Ende gefunden (besonders darunter gelitten haben Entwicklungsländer). Im Jahre 2017 fallen die Preise für industrielle und Agrar-Rohstoffe wieder und entlasten Wirtschaft und Verbraucher (u. a. Fracking in den USA, weltweite Nachfrage). Bei Stahl und Aluminium müssen weltweit Überkapazitäten abgebaut werden. 2018 könnten Preissteigerungen für Öl, Aluminium und Kupfer kommen.

Digitalisierung und Rohstoffe bzw. Protektionismus: Seltene Erden: Sind weiche, silbergraue Metalle, deren Schmelzpunkt je nach Element zwischen 900 und 1600 Grad C liegt. Je umweltfreundlicher und innovativer ein Produkt ist, umso größer ist die Abhängigkeit bei Seltenen Erden. Sie werden in Hochtechnologiebereichen und Energiespartechnologien eingesetzt. Konkrete Anwendungsbereiche sind Leuchtstoffe und Elektronik, Metallurgie, Katalysatoren, Keramik, Permanentmagnete, Batterien. China hat eine Quasi-Monopolstellung. Das Land arbeitet mit Exportquoten, um Produktionsstätten ins Land zu holen.  Die Quoten werden 2012 erhöht. Auf Druck der WTO werden diese ab 2015 aufgehoben.  Weitere Vorkommen sind in den GUS-Staaten, Indien, Brasilien und Nordamerika. Der Klimawandel macht auch die Arktis wirtschaftlich interessant. So gibt es seltene Erden in der ostkanadischen Provinz Quebec. Eine Kooperation mit Kanada wird angestrebt (Merkel im August 2012). Deutschland schließt im Herbst 2011 ein Abkommen mit der Mongolei: Lieferung Seltener Erden, Investitionen in Bildung und Technologie in der Mongolei. Im Februar 2012 folgt ein Rohstoffabkommen mit Kasachstan. Eine Partnerschaft mit Kanada wird angestrebt. Seltene Erden gibt es auch in den USA, Australien und Russland. In der Regel haben diese Länder ihre Lagerstätten noch gar nicht angerührt. In den Industrieländern wird das Recyceln intensiviert. 2012 gibt es einen Preissturz bei Seltenen Erden. Offensichtlich ist die Nachfrage stark gesunken (Konjunkturflaute in Teilen der Welt). China will ein Fünftel der Produktionskapazitäten schließen, um den Preisverfall zu stoppen. Mittlerweile findet man Seltene Erden auch im Rhein. Langfristig bis 2030 werden folgende Länder besonders wichtig sein: Russland für Palladium. Brasilien für Tantal, Kanada für Indium, China für Neodym und Gallium, Australien für Kobalt, Mexiko für Silber. Immer wichtiger wird das Recycling, um die Abhängigkeit zu senken. In Deutschland peilt man 20% recycelte Seltene Erden an. 2013 gibt es große Funde von seltenen Erden in Grönland. Die Förderung wäre wichtig für die EU (Teilautonomie, gehört zu Dänemark). Radioaktive Substanzen sind in der Nähe, weshalb das ökologische Risiko hoch ist. Lithium, das leichteste Metall der Welt, kommt am meisten in Bolivien vor (Salzsee Salar de Uyuni). Der Bedarf an Seltenen Erden geht weltweit zurück. Es können alternative Rohstoffe hergestellt werden. Zur Gewinnung Seltener Erden ist giftige Säure erforderlich, die jede Menge giftigen Müll erzeugt. 2019 setzt China Seltene Erden im Handelsstreit mit den USA ein: Etwa 70% der Seltenen Erden, die 2019 in der Produktion eingesetzt werden, kommen aus China. Das Land erwägt einen Exportstopp bzw. eine Reduktion. 80% der exportierten Mengen gehen in die USA.

Rohstoffe und Finanzmärkte: Rohstoffe sind eine heterogene Angelegenheit: So gibt es einmal Agrarrohstoffe. Einige davon können als Sprit verarbeitet und verwendet werden. Dazu kommen Industrierohstoffe und Energieträger. Drittens gibt es die Edelmetalle. Fast alle Rohstoffe sind mittlerweile mit Investments verbunden. Es gibt Optionen und Optionsscheine auf Rohstoffe. Ebenso gibt es Discount-, Index- und Basketzertifikate auf Rohstoffe. Hinzu kommen Exchange Traded Commodities (ETC). Die Verknüpfung mit den Finanzmärkten (Anlage von Geld) hat einen sehr starken Einfluss auf den Preis unabhängig von Angebot und Nachfrage. Sogar Wasserinvestments werden angeboten (Privatisierungswelle). Sauberes Wasser scheint heute ein marktfähiges Produkt zu sein (Wasseraufbereitung teuer). Man kann sogar von einem Megatrend sprechen (Wasserfonds, Basketzertifikate auf Wasser, Wasseraktien). Nach dem Aktiencrash haben Chinas Anleger den Rohstoffmarkt entdeckt. Es entsteht eine Spekulationslust (Baumwolle).

Wettkampf um Rohstoffe: In ihrem  Handelsstreit 2019 verschärfen die USA und China auch den Wettkampf um Rohstoffe. Die USA verschärfen das Ölembargo gegen den Iran. China sichert sich immer mehr Ressourcen für Zukunftstechnologien. 2000 war der durchschnittliche Anteil an der Weiterverarbeitung wichtiger Zukunftsrohstoffe bei Deutschland noch bei 7%, 2017 bei nur noch 4% (Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel, Stahl, Zink, Zinn). die Zahlen für die USA lauten 19% 2000, 85 2017. Für China:  2000 13%, 2017 48%. Quelle: Deutsche Rohstoffagentur DERA.

Deutsche Rohstoffversorgung: Deutschland fehlt der Zugang zu den Rohstoffen für Zukunftstechnologien. Besonders wichtig sind Kupfer und Kobalt. Fast alle Rohstoffe muss Deutschland importieren. Die Importe betrugen 2016 137 Mrd. € (46,3% Metalle; 51,5% Energierohstoffe; 2,2% Nicht-Metalle) In Höhe von 12 Mrd. € gibt es eine heimische Rohstoffproduktion; im Werte von 10 Mrd. € wird recycelt. Quelle: Bundesamt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Im August 2018 reist Bundeskanzlerin Merkel auch nach Aserbaidschan. Das Land wird von einem Familienclan beherrscht, ist aber sehr rohstoffreich.

Rohstoffe, Importland Deutschland: Deutschland importiert Braunkohle, Steinkohle, Erdöl und Erdgas, weil es selbst nicht genug eigene Vorkommen hat (relevant nur bei Kohle). Bei Uran muss zu 100% importiert werden. Bei Öl und Gas ist Deutschland insbesondere von russland und Norwegen abhängig. Deutsche Konzerne (Wintershall, RWE, Eon, Bayerngas, Suncor Energy Germany, VNG) fördern im Ausland.

Rohstoffe im Weltraum: Es gibt viel Gold, Kobalt und Platin. Sie lagern im Asteroidengürtel. Jeder Asteroid hat ein Vielfaches der Stoffe. Vielleicht wird es einmal Raumstationen voller Bergarbeiter geben. Noch sind die Kosten viel zu hoch.

Dodd-Frank Act: Das US-Gesetz verpflichtet seit 2014 alle Unternehmen, deren Aktien an US-Börsen gehandelt werden, den Nachweis zu führen, dass die von ihnen verwendeten Rohstoffe (Zinn, Tantal, Gold, Wolfram) nicht aus umkämpften Minen stammen. Eindeutig "konfliktfrei" sollen die Materialien sein. Die EU verpflichtet die Importeure von Konfliktmaterialien erst ab 2012 zu Transparenz und Sorgfaltsprüfungen. Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten müssen ihre Beschaffungspraxis offen legen.

Seltene Erden: Sind weiche, silbergraue Metalle, deren Schmelzpunkt je nach Element zwischen 900 und 1600 Grad C liegt. Je umweltfreundlicher und innovativer ein Produkt ist, umso größer ist die Abhängigkeit bei Seltenen Erden. Sie werden in Hochtechnologiebereichen und Energiespartechnologien eingesetzt. Konkrete Anwendungsbereiche sind Leuchtstoffe und Elektronik, Metallurgie, Katalysatoren, Keramik, Permanentmagnete, Batterien. China hat eine Quasi-Monopolstellung. Das Land arbeitet mit Exportquoten, um Produktionsstätten ins Land zu holen.  Die Quoten werden 2012 erhöht. Auf Druck der WTO werden diese ab 2015 aufgehoben.  Weitere Vorkommen sind in den GUS-Staaten, Indien, Brasilien und Nordamerika. Der Klimawandel macht auch die Arktis wirtschaftlich interessant. So gibt es seltene Erden in der ostkanadischen Provinz Quebec. Eine Kooperation mit Kanada wird angestrebt (Merkel im August 2012). Deutschland schließt im Herbst 2011 ein Abkommen mit der Mongolei: Lieferung Seltener Erden, Investitionen in Bildung und Technologie in der Mongolei. Im Februar 2012 folgt ein Rohstoffabkommen mit Kasachstan. Eine Partnerschaft mit Kanada wird angestrebt. Seltene Erden gibt es auch in den USA, Australien und Russland. In der Regel haben diese Länder ihre Lagerstätten noch gar nicht angerührt. In den Industrieländern wird das Recyceln intensiviert. 2012 gibt es einen Preissturz bei Seltenen Erden. Offensichtlich ist die Nachfrage stark gesunken (Konjunkturflaute in Teilen der Welt). China will ein Fünftel der Produktionskapazitäten schließen, um den Preisverfall zu stoppen. Mittlerweile findet man Seltene Erden auch im Rhein. Langfristig bis 2030 werden folgende Länder besonders wichtig sein: Russland für Palladium. Brasilien für Tantal, Kanada für Indium, China für Neodym und Gallium, Australien für Kobalt, Mexiko für Silber. Immer wichtiger wird das Recycling, um die Abhängigkeit zu senken. In Deutschland peilt man 20% recycelte Seltene Erden an. 2013 gibt es große Funde von seltenen Erden in Grönland. Die Förderung wäre wichtig für die EU (Teilautonomie, gehört zu Dänemark). Radioaktive Substanzen sind in der Nähe, weshalb das ökologische Risiko hoch ist. Lithium, das leichteste Metall der Welt, kommt am meisten in Bolivien vor (Salzsee Salar de Uyuni). Der Bedarf an Seltenen Erden geht weltweit zurück. Es können alternative Rohstoffe hergestellt werden. Zur Gewinnung Seltener Erden ist giftige Säure erforderlich, die jede Menge giftigen Müll erzeugt. 2019 setzt China Seltene Erden im Handelsstreit mit den USA ein: Etwa 70% der Seltenen Erden, die 2019 in der Produktion eingesetzt werden, kommen aus China. Das Land erwägt einen Exportstopp bzw. eine Reduktion. 80% der exportierten Mengen gehen in die USA. Außerdem beherrschen mittlerweile chinesische Firmen den Abbau im Kongo (Kobalt). Sie sind auch am Abbau in Australien beteiligt.

Yttrium, Dysprosium, Terbium: Besonders wichtige seltene Erden. Sie spielen im gesamten Bereich der Magnet- und Batterieherstellung bis zu den Laptops eine wichtige Rolle. 80% der weltweiten Förderung lag 2016 in China.

Stahl: Durch das Dammbruchunglück in einer brasilianischen Eisenerzmine des Vale-Konzerns 2018 geraten Lieferketten in die Diskussion. Die Bundesregierung appelliert an eine freiwillige Kontrolle von Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, insbesondere Automobilproduzenten. Falls Freiwilligkeit nicht zum ziel führt, will man das gesetzlich regeln.

Phosphor: Gilt als besonders begehrter Rohstoff weltweit. In Zukunft soll er vermehrt aus Klärschlamm und Abwässern der Städte zurück gewonnen werden. Der Höhepunkt des Phosphorabbaus dürfte spätestens 2040 erreicht sein. Es wird dann auch immer teurer Phosphor abzubauen (Marokko, West-Sahara). Damit könnte zum Teil auch die Überdüngung bekämpft werden.

Magnesium: Magnesium ist sehr reaktiv. Es ist auch extrem leicht, ein Drittel von Aluminium. Es wird in der Luftfahrt, der Raumfahrt und in der Autoindustrie gebraucht. Große Vorkommen sind in Russland, China, Nordkorea, Türkei, Australien und Nord- sowie Südamerika. Der Weltmarkt ist in chinesischer Hand (85%). China bestimmt auch den Preis.

Chrom: Die größten Chromreserven lagern in Südafrika. Dann kommen Gabun und Ghana. Man braucht da Metall vor allem in der Rüstungs- und Elektrotechnik.

Nickel: Wird heute vor allem in Akkus verwendet. Viel Nickel gewinnt man wieder durch Recyceln.

Mangan: Mangan ist in nicht vielen Ländern. Russland muss 100% Mangan importieren.

Bauxit: Ist der Grundstoff zur Herstellung von Aluminium. Zuerst fand man den Rohstoff in den USA, die dadurch eine Zeitlang ein Monopol hatten.

Kobalt: Der Rohstoff wird bis 2050 knapp. Der Stoff ist vergleichsweise selten auf der Erde. Man braucht ihn für Lithium-Ionen-Batterien (E-Autos, Smartphones), deren Produktion stark steigt. Man muss nach alternativen Batteriekonzepten forschen. Kobalt kommt in Deutschland im Erzgebirge vor. Eines der Hauptfördergebiete ist der Kongo (64% des weltweit geförderten Kobalts 2018, Hälfte der Reserven). Die weltgrößten Vorkommen liegen bei Mutoshi im Süden. VW allein braucht die gesamte Produktion aus dem Kongo (123.000t pro Jahr). Die BASF und BMW wollen ab 2019 zusammen mit Samsung aus Süd-Korea den Kobaltabbau im Kongo unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen testen (heute sind die Bedingungen menschenunwürdig, vor allem was Sicherheit angeht; 200.000 illegal). Es geht um den Kleinstbergbau (auch GIZ dabei). Südkorea ist der größte Abnehmer. Der Staat verdient an den Schürflizenzen. Nach dem Kongo die größten Abbauländer sind Russland, Australien, Philippinen und Kuba. Bei Kobalt lohnt sich vor allem das Recycling aus Alt-Akkus. Kobalt kann aber auch nach und nach durch andere Rohstoffe ersetzt werden. Groß sind die Kobaltvorkommen in der Tiefsee. Für die Hochsee ist die Internationale Meeresbodenbehörde in Kingston auf Jamaika  zuständig. Sie vergibt Explorationslizenzen, unter anderem an die EU, China, Japan, Russland. Eines der größten Abbauzonen ist die Clarion - Clipperton - Zone im Pazifischen Ozean. Die Kobaltnachfrage steigt in den letzten Jahren rasant an.

Lithium: Wird für Batterien benötigt. Auch für die in E-Autos. Lithium kommt in Deutschland im Erzgebirge vor (Zinnwald). Lithium gilt auch als das Aspirin der Psychiatrie. Es wird bei Patienten gegen Stimmungsschwankungen eingesetzt. Es kommt aber auf die richtige Dosierung, sonst werden die Nieren geschädigt oder es kommt zu Demenz. Der Lithium-Abbau ist aufwendig und schädigt die Umwelt. Vor allem werden enorme Mengen von Wasser verbraucht. Der Grundwasserspiegel sinkt (zeigt sich in Südamerika). In den Salzseen Boliviens lagern riesige Mengen. Es gibt weitere  hohe Vorkommen in Chile und Argentinien. Weitere Minen gibt es in Australien. Chinesische Batterie- und Autohersteller sichern sich langfristige Lieferverträge und Joint Ventures mit den Minen. 2050 sollten 50 Prozent des Lithiums aus Altakkus kommen.

Silizium: Besonders wichtig für die Akku-Industrie, Heilsbringer für Handys und E-Autos. Das nötige Material steckt auch in Reishülsen. Bisher wird das Material vor allem aus Quarzsand gewonnen.

Vanadium: Braucht man als Härtemittel für Stahl, zum Beispiel für Bohrer oder Schraubenschlüssel. Heute auch wichtig für Energiespeicher. Etwa für Redox-Flow-Batterien (z.B. in Windkraftanlagen). Vanadiumerz wird in China, Russland und Südafrika gefördert. Innerhalb des Jahres 2018 hat sich der Preis von rund 40 auf 100 Dollar pro Kilo mehr als verdoppelt.

Palladium: Edelmetall/ Weißmetall. 2018 kletterte der Wert um 15%, viel stärker als bei Gold. Katalysator-Bestandteil in der Auto-Industrie. Substitutionseffekte mit Platin.

Glimmer: Es ist ein Mineral, dass Autos zum Glänzen bringt. Es wird vor allem in Indien gewonnen. Dort werden Minen oft illegal und ohne Sicherheitsvorkehrungen betrieben. Auch Kinderarbeit ist die Regel. Glimmer stammt also aus dubiosen Quellen. Glimmerlack am Auto sorgt für einen Perlglanzeffekt. Große Lackhersteller wie Axalta und PPG (USA) arbeiten mit entsprechenden Lacken. VW, BMW und GM sind betroffen.

Coltan: Coltan ist ein wichtiger Rohstoff zum Bau von Handys. Im Osten Kongos kämpfen Milizen um die Vorherrschaft in den Coltanminen. Die Milizionäre überfallen Dörfer, vergewaltigen Frauen. Ihre Kämpfe finanzieren sie sie aus dem Coltan - Verkauf.

Cäsium (137): Radioaktives Weichmetall. Es reichert sich in Waldpilzen an. Noch immer (2019) sind Wildscheine mit über 600 Becquerel belastet. Der Jäger bekommt nach dem Atomgesetz eine Entschädigung. Die Belastung stammt aus dem Nuklearunfall in der Ukraine 1986.

Ton: Material, das aus feinkörnigen Mineralien besteht. Er ist plastisch verformbar. Er dient als Rohstoff für Töpferwaren und Keramik. Schon 24.000 Jahre v. Chr. wurde mit Ton gearbeitet. In RLP ist das Kannebäckerländchen oberhalb von Koblenz das Zentrum der Tonverarbeitung. Es ist sogar in das Kulturerbe der Unesco aufgenommen worden.

Porzellan und Glas: Porzellan wurde in China erfunden. Erst Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Johann Friedrich Böttger entschlüsselten Anfang des 18. Jh. die fernöstliche Rezeptur in Sachsen. so entstand dei Porzellanmanufaktur in Meissen. Vorher hatte man Porzellan aus China über die Seidenstraße eingeführt. Zur Glasherstellung fehlte in China das Eisen. Deshalb importierte das Land Glas über die Seidenstraße.

Gold: Gold ist seit Jahrtausenden das oder eines der wertvollsten Rohstoffe der Erde. Es ist nicht bloß eine Wertanlage, eine Währungsreserve, ein Grundmaterial in der Technik bzw. ein Grundstoff für Schmuck, sondern auch ein Heilmittel. In Form von Nanopartikeln beigemischt, kann es Hautkrankheiten bekämpfen oder es wird noch immer in der Zahnmedizin eingesetzt. Auch in der Migränebekämpfung findet Gold Verwendung. Die Gewinnung von Gold kann die Natur schädigen. Offensichtlich ist dies vor allem in Peru und Brasilien. Die Flüsse aus den Anden bringen Goldstaub mit sich. Um zu den Flüssen zu gelangen und Infrastruktur aufzubauen, wird Regenwald gerodet. Der Goldstaub wird mit Quecksilber ausgewaschen ,was die Flüsse verunreinigt. In Peru sind viele Menschen der indogenen Bevölkerung krank, weil sie von Fischen aus den Flüssen leben, die mit Quecksilber belastet sind. Deshalb gibt es mittlerweile auch Gegenbewegungen: Einmal recyceltes Gold, das nicht mehr geschürft werden muss. Zum anderen Fair Trade - Gold, das zertifiziert ist (ohne Kinderarbeit, ohne Naturzerstörung, ohne Gesundheitsgefährdung).2019 gehen den großen Goldförderern die Reserven aus. Es kommen Fusionen und Übernahmen. Neue Funde sind selten.  Im Januar 2019 kommen mindestens 30 Menschen beim Einsturz einer illegalen Goldmine in Afghanistan ums Leben (Faizabad). Illegaler Abbau ist im Nordosten Afghanistan weit verbreitet, weil sich internationale Firmen wegen des Konflikts zwischen Taliban und Regierung nicht trauen. Die größte Goldmünze der Welt ("Big Maple Leaf") wurde aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen 2017. Die Täter stehen 2019 vor Gericht. Die Münze wurde wahrscheinlich eingeschmolzen.

Silber: Früher gab es in Europa, auch in Deutschland, große Silbervorräte. Deshalb gab es Versuche, Silber als teuerstes Material zu definieren. Das verhinderte GB, das in seinen Kolonien große Goldvorkommen hatte (Bullionisten). 2019 dürfte der Silberpreis ansteigen. Enge Kapazitäten in den Minen, eine anziehende Nachfrage und auch JP Morgan tragen dazu bei.

Grüne Paradoxon: Wenn die Industrieländer weniger Rohstoffe verbrauchen, drückt das den Preis. Dadurch können  die rohstoffhungrigen Schwellen- und Entwicklungsländer mehr Rohstoffe verbrauchen. Weltweites Wohlstandsgefälle vermindert so den Klimaschutz, aber globale Armut kann bekämpft werden. Vgl. H. W. Sinn: Das grüne Paradoxon, Berlin 2008, S. 405ff.. Die grüne Politik der Kyoto-Länder soll dazu führen, dass die Kohlenstoffmengen, die von den Kyoto-Ländern nicht verbraucht werden, nach den USA, China u. a. wandern. Das Paradoxon setzt allerdings den Status-Quo von Kyoto voraus, was mit Obama nicht sicher ist. Er zeigt auch die Paradoxien, die blinden Flecken, die Kosten und die Grenzen der Umweltpolitik auf.

Cradle to Cradle (C2C) (gleichnamiges Buch 2002): Ökoindustrielle Neuordnung der Welt. Produkte ohne irgendwelche Schadstoff, die entweder biologisch als Kompost oder als sortenreiner Rohstoff in den technischen Kreislauf zurückfinden. Erfunden wurde das Konzept 1991 in einem New Yorker Wolkenkratzer  von Michael Braungart (Chemieprofessor) und William McDonough (Architekt, Designer). Damit die Rohstoffe auch wirklich in den Kreislauf zurückgeführt werden, sollen Waren geleast statt gekauft werden. Weltweit haben Firmen etwa 2000 Produkte bei Braungarts Hamburger Forschungsfirma Epea.

Nordafrika: Vor der Haustür Europas lagern umfangreiche Rohstoff- und Energievorkommen.  Algerien und der Sudan (auch Südsudan) haben eine große Öl- und Gasförderung. Der Niger und Mali besitzen Uran-Vorkommen. Mauretanien und Tunesien fördern Eisenerz.  Burkina Faso, Mali und Algerien besitzen Goldlager.

Arktis: Im arktischen Meerboden (Nordpol) werden riesige Mengen von Öl- und Gasvorkommen vermutet. Der Klimawandel lässt das Eis schmelzen. Das macht auch Schifffahrtsrouten frei. Russland erhebt immer mehr Ansprüche und baut seine militärischen Anlagen aus. Weitere Ansprüche erheben Grönland (Dänemark), Norwegen, Kanada und die USA. Ende 2017 kommt es zu einer Anklage gegen Norwegen wegen Ölförderung in der Arktis (vergeben von Lizenzen; Greenpeace und Natur og undum haben verklagt). Ende September 2015 stoppt Shell die Alaska-Ölbohrungen, weil die Kosten zu hoch sind. Das kann auch Einfluss auf Arktis-Bohrungen haben. Die niedrigen Ölkrise könnten vorläufig die Arktis vor dem Zugriff der Konzerne retten.

Offensive der EU zur Sicherung zukunftsträchtiger Mineralien 2010: Folgende Mineralien stuft die EU als strategisch wichtig ein: Antimon, Germanium, Gallium, Indium, Kobalt, Platin, Tantal, Wolfram, Niobium, Beryllium, Magnesium, Fluorit, Graphite. Hautfundorte sind China, Indien, Russland, Afrika (Kongo, Ruanda Süd-Afrika), Brasilien Mexiko, USA, Kanada. Die EU will vor allem mit der Afrikanischen Union und der WTO gegen Chinas Rohstoffkartell zusammenarbeiten. Die Initiative ist dringend notwendig. China und Indien kaufen die Märkte leer und sichern sich zunehmend langfristige Bezugsquellen. Deutschland richtet eine Rohstoffpartnerschaft mit Kasachstan ein. 2013 wird ein Rohstoffabkommen mit Chile abgeschlossen. Es geht vor allem um Kupfer (Chile hat 36% aller Kupferreserven), aber auch generell um Zusammenarbeit im Bergbau und die Nutzung mineralischer Rohstoffe. Deutschland hat auch ein Abkommen mit der Mongolei, die über viele seltene Erden verfügt. 2011 ist der Höhepunkt für deutsche Direktinvestitionen in der Mongolei. Der Verfall der Rohstoffpreise führt zu einer Investitionsflaute in der Mongolei. die Armut wächst.

Konflikt zwischen Rohstoffabbau und Natur: In vielen Ländern wird der Rohstoffabbau auf Kosten der Natur betrieben. Besonders krass zeigt sich dieses Problem in Afrika (z. B. Nigeria). Aber auch in großflächigen Ländern wie Russland, USA, Kanada und China nimmt man es oft mit der Pflege der Natur nicht so genau. In Deutschland ist z. B. die Eifel betroffen. Bergbauunternehmen wollen die einmaligen Vulkane zum Abbau von Basalt und Lava massiv nutzen. Bergbautechnisch wäre dies äußerst rentabel, aber viel zu schade.

Erdöl: Die größten Ölverbraucher sind 2010 die USA (850 Mio. Tonnen), China (429), Japan (429) und Indien (156). Die größten Ölreserven liegen in Mrd. Tonnen 2010 in Saudi-Arabien (36,3), Venezuela (30,4), Iran (18,9) und Irak (15,0). Diese Statistik ist nicht unbestritten. Einige sehen die größten Reserven in Venezuela. Die größten Ölförderländer sind 2010 in Mio. Tonnen Russland (505), Saudi-Arabien (468) und USA (339). Iran steht 2012 für ca. ein Fünftel der Erdölproduktion. 1,6% des deutschen Ölverbrauchs werden vom Iran gedeckt. 17 Mio. Barrel Rohöl passieren jeden Tag die Straße von Hormus. Die Ölvorräte in der Welt sind schwer einzuschätzen, weil immer neu Öl entdeckt wird. Brasilien entdeckt 2012 neues Öl. Venezuela entdeckt neue Reserven. Die linke Staatsführung ruiniert allerdings den wichtigsten Ölkonzern. Gerade der hohe Ölpreis lohnt das Fördern aus dem Meer oder aus unzugänglichem Gestein. Durch neue Förder-Techniken könnten die USA wieder zur führenden Energienation aufsteigen. Dazu gehören das Fördern von Schiefer-Öl und das Gas-to-Liquid-Verfahren bei Gas. Prognosen über die Erdölvorräte weichen stark voneinander ab: Die Internationale Energieagentur (IEA) ist eher optimistisch. Die Energy Watch Group (EWG) ist pessimistisch. Sie sieht das Fördermaximum für fossile Energieträger vor 2020 erreicht. Sie rechnet bis dahin mit einem Benzinpreis von 2,00 €. Im Jahre 2013 steigt China zum weltgrößten Ölimporteur auf. Täglich muss das Land 6,3 Mio. Fass (je 159 l) importieren. Das liegt auch darin, dass durch Fracking die USA zum größten Produzenten aufgestiegen sind. Beim Pro-Kopf-Verbrauch liegen die USA vorn, China ist der weltgrößte Konsument. 2013 beginnen Erkundungsbohrungen vor den Kanarischen Inseln. 2014 ist eine Zäsur bei Öl. Ab 2015 könnte sich das Wachstum der Ölnachfrage erstmals dauerhaft abschwächen (Prognose der Internationalen Energieagentur). Die Industrienationen verbrauchen immer weniger Öl (Anstieg der Energieeffizienz). In den Schwellenländern steigt die Nachfrage nicht mehr so schnell (die Metropolen explodieren und die Menschen fahren weniger; Öl zu finden und zu fördern wird immer aufwendiger). Das rapide Sinken des Ölpreises Ende 2014 und Anfang 2015 sendet völlig falsche Signale in der Energiewende und könnte fatale Verhaltens - Änderungen bewirken. Es kommt auch zu Marktbewegungen. Der Preisverfall trifft besonders Russland, Venezuela, Nigeria und Angola (sie verlieren auch langfristig Marktanteile). Die arabischen Länder mit ihren "üppigen Bargeldreserven" können die Krise aussitzen. In Europa ist Aberdeen das Zentrum von Europas Erdölindustrie. Der gesunkene Preis hat schon ganz Schottland in die Krise gestürzt. Betroffen ist auch Norwegen mit Stavanger (Statoil). Auch 2015 setzt die OPEC weiter darauf, die US-Schieferindustrie aus dem Markt zu drängen. Meist erhöht Saudi-Arabien die Fördermenge. Aber den Investoren wird immer mehr bewusst, dass fossile Energieträger riskant sind. Ende 2016 hat Obama noch Teile der Arktis und bestimmte Gebiete im Atlantik für künftige Öl- und Gasbohrungen gesperrt (Schutz der Ureinwohner). Trump versucht dies rückgängig zu machen. 2017 gibt es einen neue Ölschwemme, weil bei Erholung des Preises die Produzenten von Schieferöl zurückkommen. Die steigende US-Produktion drückt wieder den Öl-Preis. Frankreich stoppt 2017 die Förderung fossiler Energieträger (mehr symbolisch, nur 1% werden in Frankreich selbst gefördert). Die Energieagentur sieht Ende 2017 noch kein Ende vom Öl-Zeitalter. Sie prognostiziert, dass der Verbrauch noch jahrelang steigen wird. Ende 2018 sind dei USA der größte Erdölproduzent der Welt (Fässer pro Tag, Anzahl der Ölbohrtürme). Danach folgen Russland, Saudi-Arabien, Irak, Kanada, Iran, China, Kuweit, Brasilien.  "Der Rohölmarkt bewegt sich zwischen diesen beiden Extremen: der Weltrezession auf der einen Seite und der möglichen Ölknappheit auf der anderen Seite", Analysten von Goldman Sachs (nach Handelsblatt 6./7. 1. 2012, S. 9). Für 59 Tage reichen die Erdölvorräte, die Deutschland in unterirdischen Speichern lagert. Der neuseeländische Bergbauingenieur Frank Holmes entdeckte in den 1920er Jahren in der Wüste Arabiens Öl. Es gelingt ihm, die Scheichs zu überzeugen, dass sie auf einem Meer von Öl sitzen. 1938 fließt der wertvolle Rohstoff überall. Holmes wird Abu Naft genannt (Vater des Öls). Ende 2014 scheitert eine Umwelt-Kooperation zwischen Ecuador und Deutschland. Im Naturschutzpark "Yasuni" soll doch Erdöl gefördert werden. Zu Beginn 2015 verhindert die US-Regierung, dass in Alaska ungehindert Öl gefördert werden kann. Ein großer Tel von Alaska soll für die Erdölwirtschaft tabu sein (der Gouverneur ist dagegen). Allerdings gibt die Zentralregierung der USA im Mai 2015 Shell die Erlaubnis, vor Alaska nach Öl und Gas zu bohren (Arktis, unter Auflagen). Die BASF-Tochter Wintershall fördert seit 60 Jahren Öl bei Landau. 65 Pferdekopfpumpen von ursprünglich 200 sind noch in Betrieb. Ab 2015 sollen in den nächsten fünf Jahren noch 50 Mio. € in die Infrastruktur investiert werden. Im November 2015 lehnt Obama den Bau der Ölpipeline Keystone XL wegen Klimaschutzbedenken ab (von Alberta in Kanada nach Texas). Russland stoppt den Bau einer Öl-Pipeline durch die Türkei nach einem Flugzeugabschuss der Türken. Der Öl-Handel des "Islamischen Staates" rückt in den Mittelpunkt. Russland und die Türkei beschuldigen sich gegenseitig, in den Schmuggel verwickelt zu sein. 2016 gibt es eine Pleitewelle in der US-Ölindustrie. Günstige Kreditkonditionen und der hohe Ölpreis haben in den Boomjahren viele Firmen dazu verleitet, sich zu verschulden. Das rächt sich nun in Zeiten niedrigen Ölpreises. Die Ukraine versucht mit allen politischen Mittel den Bau der Nordtream2 (Ölpipeline von Russland über die Ostsee nach Deutschland) zu verhindern. Frankreich ist wohl auch dagegen. Die EU-Kommission soll eine Handhabe gegen das Projekt bekommen. Schließlich einigt man sich im Februar 2019 auf einen Kompromiss: Bau ist möglich mit strikten Kontrollen. 2018 steigt Aldi-Süd in den Tankstellenmarkt ein.

Ölvorräte: 2018 sind die Ölvorräte, d. h. die weltweiten Reserven, größer als je zuvor. Prognosen von vor 50 Jahren, dass das Öl zur Jahrtausendwende ausgehen würde, waren falsch. Gründe dafür sind technologische Fortschritte: 1. Die konventionelle Bohrtechnik hat sich verfeinert. 2. Die Schieferöl-Revolution (Fracking) hatte neue Vorräte erschlossen. 3. Nachschub aus der Tiefe: Das Tiefsee-Vorkommen ist größer als gedacht (z. B. Libra-Feld vor der Küste Brasiliens). In Texas in den USA findet im März die alljährliche Ceraweek statt. Es ist das Spitzentreffen der Ölindustrie.

Ölpreis-Schock und Ölfördermenge: 1973, 1979 und 1990 kam es zu Ölkrisen, weil der hohe Ölpreis die Weltwirtschaft nach unten zog. 2007und 2008 erreicht der Ölpreis ein Rekordniveau nach dem anderen, ohne dass die Weltwirtschaft bisher merklich darunter leiden muss. Dies wird heute mit einer anderen gesamtwirtschaftlichen Lage, mit anpassungsfähigeren Volkswirtschaften, der größeren Unabhängigkeit vom Öl und der höheren Energieeffizienz infolge des technischen Fortschritts erklärt. Die Frage ist, ob es nicht doch eine Schmerzgrenze gibt und wo diese liegt. Betrachtet man die Ölausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sind wir fast auf dem Niveau der früheren Ölkrisen. Dies dürfte auch 2008 zu einer längeren Phase niedrigerer Wachstumschancen führen. Die Ursachen des hohen Ölpreises sind die Knappheit des endlichen Rohstoffs, die Angebotsverknappung durch die OPEC, Spekulation, Krisen (Golfregion, Nigeria), steigende Nachfrage aus Asien und USA, mangelnde Raffineriekapazitäten (auch durch Schäden infolge des Klimawandels). Erdöl ist auf dem Weg zu einem Luxusgut. Wahrscheinlich steigt der Preis (gemessen bei den beiden führenden Sorten Brent und WTI) mittelfristig so hoch, dass andere Energieformen wirtschaftlicher werden (langfristig werden 250 $ pro Barrel gesehen, DIW). Saudi-Arabien, das Land mit der höchsten Produktion und den größten Reserven, versucht immer wieder, durch eine Erhöhung der Fördermenge den Trend nach oben zu brechen. Diese Strategie wird vom Ölkrisengipfel in Dschidda unterstützt (Juni 2008, 36 Staaten und 22 Ölkonzerne). Die zweit- und drittgrößten Ölvorräte haben Venezuela und Kanada. Neue Fördertechniken könnten allerdings dazu führen, dass die USA wieder größter Förderer wird (so die IEA im "World Energy Outlook" 2012). Dies würde eine Gezeitenwende bedeuten. Der weltweite Bedarf soll 2035 auf 99,7 Mio. Barrel pro Tag ansteigen (drastischer Anstieg in China und Indien). Die G8 wollen Ölproduktion und Lagerkapazitäten erhöhen und mehr alternative Energien. Die Weltwirtschaftskrise 2009 wird die Preisexplosion bei Erdöl und Erdgas nur verschieben. Schon Ende 2010 geht der Preis wieder über 90 $, die Bundesregierung führt den Öko-Sprit ein (Super E10). 2006 war das Jahr, in dem das meiste Öl gefördert wurde (Produktionsmaximum?). Vgl. dazu: James D. Hamilton (Prof. of Economics in San Diego, Ölmarkt-Experte). In den USA ist die Energieintensität relativ hoch (deutlich höher als in Europa). Deshalb schlagen dort Ölpreise stärker auf die Konjunktur durch. Weil die USA immer noch eine Lokomotive sein können, ist indirekt auch immer die EU betroffen. Auf dem G8-Gipfel im Mai 2012 wird eine Freigabe der strategischen Ölreserven zur Preisstabilität abgelehnt. Der erste Ölpreisschock war vor 40 Jahren (von 2013 aus). Heute verlaufen Wachstum und Energieverbrauch nicht mehr parallel. Ende 2014 wirkt der kräftig fallende Erdölpreis sogar wie ein Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft (man spricht von einer Entlastung von 35 Mrd. Euro). Der Preis ist auf dem niedrigsten Stand seit 4 Jahren (73 $). Die Opec lässt die Fördermenge unverändert. Viele Förderländer haben in ihren Staatshaushalten mit Ölmindestpreisen kalkuliert (Iran 140 $, Venezuela 121$, Nigeria 119$, Russland 100$). Viele kommen daher mittlerweile ins straucheln. Ca. 150 Milliarden Dollar an Investitionen im Energiesektor stehen wegen des gefallenen Ölpreises auf der Kippe. Für Unternehmen spielt Rohöl nicht mehr die gleiche große Rolle wie früher (effizienter, regenerative Energien).  "Der Benzinpreis ist der Brotpreis der Nation", Axel Graf Bülow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Freier Tankstellen. Zunehmend kommt Kritik daran auf, dass das Öl in Dollar gehandelt wird. Russland, der zweitgrößte Exporteur, möchte in Rubel handeln und seine eigene Währung als Zahlungsmittel fördern. Auch die Rohöl-Benchmarks (WTI-West Texas Intermediate, Brent) werden in Frage gestellt. 2011 stellt das Kartellamt ein Oligopol bei den Tankstellenketten fest (fünf große Konzerne diktieren die Spritpreise über dem Marktpreis). Grundsätzlich setzt sich der Benzinpreis aus dem Produkteinstandspreis (internationale Ölmärkte), den Deckungskosten (Transport, Lagerhaltung, Verwaltung), und den Steuern (Energiesteuer, Mehrwertsteuer) zusammen. 2012 will die Bundesregierung einen Markttransparenzstelle für den Ölpreis einrichten. Diese kommt 2014 und bewährt sich auch. Gegenüber Sommer 2014 hat sich der Ölpreis im Sommer 2016 halbiert. Auf dem G20-Gipfel in Hangzhou/ China vereinbaren Russland und Saudi-Arabien, den Ölmarkt zu stabilisieren. Nach Einschätzung der IEA wird die Ölschwemme dazu führen, dass der Preis bis Mitte 2017 niedrig bleibt. Ende September 2016 einigen sich die Mitgliedsstaaten der OPEC auf eine Senkung der Ölfördermenge. Der Ölpreis steigt daraufhin deutlich an. Mitte Oktober 2016 wird eine Jahreshöchststand des Preises erreicht (Aussagen Russlands). Experten rechnen ab Mitte 2017 mit starken Anstiegen. So kommt es aber nicht: Spekulation und anhaltende Ölschwemme führen zu einem Sieben-Monats-Tief. Der Ölpreis wird immer weniger von der Opec bestimmt. Die Ölindustrie der USA ist extrem flexibel. Ende 2017 und 2018 steigt der Preis wieder (auf fast 70 Dollar; Opec, Weltkonjunktur). Das ist der höchste Stand seit drei Jahren. Dadurch steigt auch wieder die Fördermenge an. Die US-Sanktionen gegen den Iran dürften wenig Auswirkungen auf den Preis haben. Hauptabnehmer sind die Türkei, China und Indien, die bei den Sanktionen nicht mitmachen. Dies garantiert ein Überleben der iranischen Ölindustrie. Im November 2018 fällt der Ölpreis erstmals seit Monaten wieder unter 70 Dollar pro Barrel. In der Folge zeigt sich der Ölmarkt sehr nervös. Der Preis geht auf und ab.  "Öl muss teurer werden, damit wir Öl sparen und andere Energieträger attraktiver werden", Thomas Straubhaar, HWWI. Vgl. zu den Quellen: IEA, EIA, BGR, Worldbank. Der niedrige Ölpreis 2015 und 2016 führt dazu, dass weltweit die Lager gefüllt werden (Überversorgung). Alle bunkern Öl. Deutschland könnte 90 Tage ohne Ölimporte auskommen. Weltweit dürften 3,0 Milliarden Barrel gelagert sein.

Krisen und Öl sowie Preis: Theoretisch bestimmen zwei Modelle die Diskussion um die Preisentwicklung langfristig: Erstens das Modell von Hotelling (1931; vgl. zum Modell weiter oben bei Theorie). Kernelemente sind heute auch die Rolle der "Back-Stop-Technik" (beschleunigt Abbau) und der Hartwich-Konsumpfad (1977, vollständige Substitution der Ressourcenanlagen durch reproduzierbares Kapital). Insgesamt ist der Ansatz eher positiv optimistisch. Zweitens die Hypothese von Hubbert (1903-1989). Diese ist eher pessimistisch (seine Vorhersage: 1995 Ölfördermaximum, "peak oil"). Praktisch dominieren kurz- und mittelfristig krisenhafte Entwicklungen in der Welt: Krisen in einzelnen Regionen in der Welt beeinflussen immer wieder den Erdölpreis. Die Unruhen in Libyen 2011 sind ein Beispiel. Mehr als 85% der libyschen Ölexporte gehen nach Europa, das meiste nach Italien. In Libyen ist auch die BASF-Tochter Wintershall tätig. Algerien, Nachbarstaat von Libyen, gilt auch nicht als besonders stabil. Viele Staaten mit den höchsten Erdölvorkommen sind nicht besonders stabil (Venezuela, Russland, Mexiko, Kasachstan, Iran, Irak). Die arabische Revolution treibt den Ölpreis gegen 120$ und weiter gegen den Höchstpreis von 2008. Die Weltbank geht davon aus, dass dies besonders die Ölimportierenden Industrieländer trifft (Wachstumsverlust von 0,2 - 0,4 Prozentpunkte). Saudi-Arabien sorgt immer wieder für eine Stabilisierung. Der Ölpreis hat mittlerweile einen großen Einfluss auf den privaten Verbrauch in den Industrieländern. Er kann wie ein "Konsumkiller" wirken. Ökonomisch hat der Ölpreis einige interessante Aspekte: Warum hat der Rohölpreis einen immer geringeren Einfluss? Welche Rolle kann Biosprit spielen? Was ist mit dem Preis, wenn in den meisten Förderländern Demokratie herrscht? Beim Öl spielt auch der Handel eine große Rolle. Die größten unabhängigen Ölhändler der Welt sind Vitol, Glencore, Trafiga, Gunvor und Mercuria. Sie haben ihren Sitz alle in der Schweiz, bevorzugt in Zug. Umstritten ist die Umweltschädlichkeit der Ölgewinnung. Zunehmend muss Öl aus Sand gewaschen werden. Besonders problematisch ist diese Methode in Kanada. Die EU will dies in einer Kraftstoffrichtlinie berücksichtigen, Kanada will bei der WTO klagen. Im Herbst 2014 geht der Ölpreis in den Keller. Viele vermuten ein Komplott von USA und Saudi-Arabien gegen Russland. Oder es handelt sich um einen Angriff gegen Fracking (ab 75$ unrentabel). Einige Förderländer leiden jetzt unter den niedrigen Preisen, besonders Venezuela, Iran und Russland. Russland und Venezuela geraten immer mehr unter Druck. Profitieren können Saudi-Arabien und die USA. Im Dezember 2014 sinkt der Preis unter 70 Dollar und damit auf ein Fünfjahrestief (zu Beginn 2015 sogar unter 50 $). Der IWF schätzt, dass der Einbruch des Ölpreises um 30% zu einem Wirtschaftswachstum in den Industrieländern von 0,8% führt. (über Verbraucher und sinkende Kosten für die Produktion) Mittelfristig wird der Ölpreis nicht weiter sinken. Die Angebotsseite muss wegen der Kosten reagieren und die Fördermenge senken. Der niedrige Ölpreis könnte aber eine Gefahr für das Weltklima und die Stabilität der Finanzmärkte darstellen. Außerdem könnte mittel- und langfristig ein Schweinezyklus drohen. Sinkende Preise sorgen für zurückgehende Investitionen, die zu geringerer Produktion führen. Zu Beginn 2015 bewegt sich der Preis fast bis auf 50 Dollar pro Fass (Brent) und geht sogar unter die 50-Dollar-Marke. Dann steigt die Unruhe am Rohölmarkt wieder - ebenso wie das Überangebot. Die Opec kann sich nicht zur Produktionskürzung einigen (Saudi-Arabien dominiert) und die Nachfrage steigt nicht stark (Weltkonjunktur). In der Folge steigt der Preis kontinuierlich bevor er Anfang Juli wieder fällt (Überangebot, auch durch Opec). Anfang August 2015 fällt der Preis sogar wieder unter 50 $. Die Weltbank rechnet mit einem weiteren Sinken des Ölpreises (Überangebot nach Atomabkommen mit Iran). Negative Folgen des niedrigen Ölpreises ist eine größere Abhängigkeit vom Nahen Osten, der besonders billig fördern kann. Die Opec ändert Ende 2015 nicht ihre Förderpolitik. Der Ölpreis schwächelt weiter. Ende 2015 kostet ein Barrel Rohöl (37,09 Dollar) nur noch ein Drittel vom Preis im Frühjahr 2014. Die großen Leidtragenden sind die Ölförderländer (Russland, Nigeria, Venezuela, Saudi-Arabien). Profiteure sind die Staaten mit hohen Ölimporten (China, Indien, Japan). Goldman Sachs erwartet für 2016 sogar noch 20 Dollar pro Barrel. Andere Experten rechnen wieder mit einem Anstieg. 2016 rutsch der Preis unter 30$ pro Barrel (Aufhebung der Iran-Sanktionen). Er fällt sogar unter 28$ (Elfjahrestief). Der Verfall der Öl- und Gaspreise ist normalerweise ein Segen für Unternehmen und Verbraucher (Konjunkturprogramm). 2016 schlägt die Stimmung aber um: Ölförderer und Börsen sehen die Nachteile (viele Länder stehen am Abgrund). Die OPEC scheitert im April 2016 mit einer Reduzierung der Fördermenge, um den Preis anzuheben (Iran will nicht). Danach bricht der Ölpreis ein. Spekulationen über ein Ende der Überproduktion lassen den Preis ab Ende April 2016 ansteigen. Ende Mai 2016 geht er wieder über 50 $ (knappere Angebot in den USA, Schieferölproduzenten drosseln). Anfang 2017 erreicht der Ölpreis den höchsten Wert seit eineinhalb Jahren (58, 37$ je Barrel; OPEC-Fördermengenreduzierung). Mitte 2017 sinkt er erheblich, sogar vor der Urlaubszeit. Die Fracking - Methoden der USA sind dafür verantwortlich. Im April 2018 steigt der Preis stark an (über 70 Dollar). Grund sind die internationalen Spannungen. Er steigt sogar auf den höchsten Stand seit 2014 (ca. 75 $). Auch der Beninpreis. Der Preis geht im Mai weiter nach oben (Angebotsengpass, Iran). Der Brent-Ölpreis steigt über 80 Dollar pro Fass. Mitte 2018 schlagen die Risiken am Ölmarkt auf die Preise durch (Iran-Sanktionen, Chaos in Venezuela). Saudi-Arabien erklärt offiziell im September 2018, den Ölpreis stabil halten zu wollen (70-80 Dollar, bis US-Kongresswahlen). Die Benzinpreise steigen trotzdem in Deutschland stark an. Das hängt mit dem Wasserstand des Rheins zusammen. Durch die Trockenheit hat sich der Transport stark verteuert. Die Bundesregierung gibt den Zugriff auf die Erdöl-Reserven erstmals frei. Der Ölpreis sinkt Ende 2018 weiter  (61 Dollar), der Spritpreis bleibt wegen der Transportprobleme hoch. Der Jahresdurchschnittspreis 2018 lag bei 70 $. Im März 2019 geht der Preis wieder nach oben (67,14 1. März 2019). Im April 2019 geht der Preis weiter stark nach oben: die USA verschärfen die Sanktionen gegen den Iran (Ausweitung auf alle Öl-Käuferländer wie China, Indien, Japan, Italien; über 80$ pro Barrel). Der Erdölpreis war immer starken Schwankungen unterworfen. Schon zu Beginn der Statistik 1861 lag der Preis bei 120$ pro Barrel wie zuletzt wieder 2017. Als im Juni 2019 zwei Tanker im Golf von Oman in Brand geschossen werden, steigt der Ölpreis sofort an.  "Der Bedarf an Energie wird weltweit kräftig steigen. Das schließt auch die Tiefseeförderung ein - und die künftige Förderung in der Arktis", Bob Dudley, BP-Chef. Im weltweit einzigartigen Yasuni-Nationalpark in Ecuador wollen Konzerne nach Öl bohren. Der Rettungsplan der UN ist umstritten. Die Staaten der Golfregion leben fast alle vom Öl. Seit der Ölpreis drastisch gefallen ist, bröckeln die Einnahmen. Die Staaten müssen ihr Geschäftsmodell ändern. Politisch ist der Nahe Osten ein Pulverfass. Zwei Golfstaaten streiten im Moment um die Vorherrschaft: Iran und Saudi-Arabien (das ist auch ein Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten). Ein Staat des Ausgleichs ist Oman. Der drastische Rückgang der Ölpreise 2016 bedroht eine BASF-Miiliarden-Investition in den USA (Freeport, Texas). Die Verwertung von durch Fracking gewonnenes Schiefergas ist gegenüber Öl nicht mehr rentabel. Die Tankstellen in Deutschland heben ihre Preise im Schnitt viermal in 24 Stunden an. Es gibt 2018 Schwankungen von mehr als 30 Cent pro Liter am gleichen Tag in der gleichen Stadt.

OPEC: Organisation erdölexportierender Länder. Es handelt sich um ein Kartell von zwölf Mitgliedsländern. 10 weitere Staaten kooperieren. Die Opec wurde 1960 in Bagdad von Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait und Venezuela gegründet. Sitz ist seit 1965 Wien. Ziel ist es, durch staatliche Kontrolle der Ölquellen und durch Förderabsprachen Gewinne zu sichern. 2014 fördert die Opec noch ein Drittel des weltweiten Erdöls und besitzt drei Viertel der Reserven. Ende 2014 scheitert eine Reduzierung der Fördermenge an Saudi-Arabien. 2018 wird dei Fördermenge wieder erhöht, um den Ölpreis zu senken. Ab Juli 2018 soll die Fördermenge um eine Million Barrel (1% der Nachfrage) erhöht werden (Treffen in Wien). Im Juli 2019 wird das Förderlimit um 9 Monate verlängert. Die Opec wird von Saudi-Arabien und Russland dominiert.  Ende 2014 ist der Ölpreis im Keller (Überangebot von 30%). Eigentlich müsste die Fördermenge reduziert werden. Saudi-Arabien stößt mit deiner Preispolitik die ärmeren Mitgliedsländer vor den Kopf. Das Ölkartell steht 2015 vor der Zerreißprobe. Dies setzt sich 2016 fort. Ende 2018 verlässt Katar die Opec.

Erdölunternehmen: Die vier größten Erdölunternehmen der Welt von der Produktion her sind staatliche Unternehmen: Saudi Aramco (Saudi.Arabien), Nioc (Iran), Petroleas Mexicanos (Mexiko) und INOC (Irak). Dann folgen Exxon und BP. Dann kommen wieder staatliche Unternehmen: Petrochina (VRChina), ADNOC (Abu Dhabi), KPC (Kuwait) und PdVSA (Venezuela).

Statoil: Auf der Suche nach Öl und Gas will der norwegische Energiekonzern ganze Förderanlagen auf dem arktischen Meeresgrund verankern. Die Fabrik aus dem Meeresgrund besteht aus Bohrlöchern, einem Separator (Trennung von Öl und Gas), einem Kompressor, einem Wartungsroboter (Crawler) und einem Versorgungskabel (Umbilical). Technisch ist die Konzeption faszinierend. Sind die ökologischen Risiken zu kontrollieren?

Erdgas: Die EU bezieht ihre Erdgaslieferungen aus Norwegen und vor allem aus Russland. Die russische Pipeline führt durch die Ukraine, was immer wieder zu Problemen führt. Mittlerweile ist die Nord Stream über die Ostsee fertig. Mehr Unabhängigkeit für Europa soll die Nabucco-Pipeline bringen, die 520 km von Aserbaidschan über Griechenland und Albanien nach Süditalien führen soll Tanap; TAP). Eine Southstream ist durch das Schwarze Meer bis Wien geplant. Bisher wird in Deutschland Erdgas (konventionelles) vor allem in Niedersachsen gefördert. Riesige Vorkommen an unkonventionellem Erdgas ( Blasen, Kohleflözen, Schiefer) werden in NRW vermutet. Weltweit wird immer mehr unkonventionell gebohrt. Dies bringt auch große Risiken mit sich. Die weltweit höchsten Erdgasreserven liegen in Nordafrika/ Naher Osten (am größten in Iran und Katar). Die Vorräte insgesamt sollen ab 2011 nach Schätzungen noch 63 Jahre reichen. Unkonventionell (Förderung auch in Tonstein, Sandstein und Kohleflözen) sind die Vorräte 1720 Billionen (Bio.) Kubikmeter (K.); konventionell 250 Bio. K.. Die größten Vorkommen liegen in Asien/Australien. Dann folgen Nordamerika und die GUS-Staaten vor Lateinamerika. Relativ hohe Vorkommen gibt es auch im Hoheitsgebiet von Zypern im Mittelmeer. In den USA wird zunehmend Gas aus so genannten "unkonventionellen Lagerstätten" (Schiefer und Kohleflöze) gefördert (Fracking). Gegenwärtig fördern sie Erdgas im Überfluss (die Exporte steigen stark an; Russland und die arabischen Länder befürchten einen Preisverfall). Dies führt zu einem Preissturz bei Erdgas. Auch in Deutschland gibt es riesige Vorkommen in Schieferschichten. Teile werden schon mit Fracking gefördert (hauptsächlich in Niedersachsen). Die Bundesländer sind allerdings in ihrer Mehrheit gegen diese Technik. Die Bundesregierung will Fracking in Schutzgebieten verbieten (sonst Umweltverträglichkeitsprüfung, Einsatz der Chemikalien umstritten). Die EU will Fracking grundsätzlich ermöglichen (Beschluss des EU-Parlaments). In Indien wird die Guar-Bohne gezüchtet, die bei der Gasgewinnung mit dem Fracking-Verfahren hilft. Es gibt insgesamt verschiedene Quellen für Erdgas: Konventionelles Gas aus Feldern oberhalb von Ölquellen, Schiefergas (USA vor Argentinien und Mexiko), Flüssigerdgas (auf minus 161 Grad gekühlt). Im östliche Mittelmeer vermuten Experten viel mehr Erdgas als man bislang dachte. Südlich von Zypern liegen zwei große unerschlossene Gasfelder (Aphrodite, Leviathan). Vor dem Libanon liegt ein umstrittenes Gebiet.  Besonders wichtig ist, dass mit Erdgas am meisten für den Klimaschutz getan werden kann. Dadurch können die CO2-Emissionen wirkungsvoller gesenkt werden als mittelfristig mit alternativen Energien (die CO2-Emissionen in den USA sind aus diesem Grunde 2012 auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gesunken). Speziell in Deutschland steigen allerdings die Gaspreise weiter (trotz der weltweiten Gasschwemme durch Fracking und schlechterer Konjunktur). Der kurzfristige Handel an Börsen scheint mittlerweile die Langfristbindung an das Öl zu überdecken. Der Europäische Gas-Mix in der EU 2012 sieht wie folgt aus: Eigenproduktion 33%, Russland 23%, Norwegen 22%, Algerien 9%, Katar 6%, Rest der Welt 7%. Gas wird im Gegensatz zu Öl nicht für Krisenfälle gebunkert. Es gibt in Deutschland relativ wenige Gasspeicher (die größten sind mit Rehden und Etzel in Niedersachsen). Nach der Krim-Krise wollen sich die 28 EU-Staaten unabhängig von Russland machen (Plan im Juni 2014). 2014 hat Gazprom Wingas zu 100% übernommen (vorher gemeinsam mit BASF). An Gazprom ist Ruhrgas beteiligt. Seit 2006 sind Eon und Wintershall an den Erdgasfeldern von Juschno Russkoje in Sibirien beteiligt. 2014 verteilt sich die Erdgasversorgung in Deutschland wie folgt: Russland 35,4%; Norwegen 26,9%; Niederlands 23,9%; Deutschland 8,5%; Sonstige 5,3%. Ende September 2014 droht Russland der EU mit Lieferunterbrechung, wenn der Westen russisches Gas an die Ukraine verkauft. Norwegen stellt höhere Gasexporte in Aussicht. Das Transitland Ukraine ist für die Versorgung Südeuropas von großer Bedeutung. Über Griechenland will Russland eine neue Pipeline bauen (Vertrag 2015). Der australische Finanzinvestor Macquarie hilft der Stadt Leipzig, den größten ostdeutschen Konzern zu kaufen (VNG). Im östlichen Mittelmeer gibt es mittlerweile große Erdgasfelder, die von Israel ausgebeutet werden. Eine geplante Pipeline soll das Gas über Zypern und Griechenland nach Europa bringen. Preisbildung beim Gas: Früher entwickelte sich der Gaspreis parallel zum Ölpreis. Heute ist die Wechselwirkung komplizierter. Die Handelsströme sind stabil. Der Transport erfolgt über Pipelines oder Flüssiggas. Leitungen sind sehr teuer. So ist Flüssiggas in Japan doppelt so teuer wie in Europa. Seit 2005 werden immer größere Anteile auf Spot-Märkten angeboten (z. B. belgische Zeebrügge). Allerdings gibt es viele alte Lieferverträge in Europa, die einen gewissen Schutz bieten. Gerade die russische Erdgasindustrie muss liefern, weil Zukunftsprojekte mit China und Japan schwer finanzierbar sind. Die Stadtwerke geben in Deutschland meist Preissenkungen nicht weiter. Die Sanktionen 2017 der USA gegen Russland betreffen auch Erdgaslieferungen. Europäische Unternehmen, die Erdgas beziehen oder fördern in Russland, werden bestraft. Das könnte zu einem Handelskrieg führen. Besonders betroffen ist die BASF. Ende 2018 steigt der Gaspreis weiter an. Grund sind höhere Beschaffungskosten. Die USA sprechen 2019 bei Flüssiggas, das durch Fracking gewonnen wird, von "Freedom Gas" (Freiheitsgas). So bemäntelt die Trump - Regierung durch Begriffsveränderungen zunehmend ihre eigentlichen Interessen.   Mit den Gasreserven, die in unterirdischen Speichern lagern, käme Deutschland 75 bis 80 Tage aus. 2914 stellen mehrere Forscherteams fest (Quelle: Nature), dass Erdgas den Klimawandel nicht aufhalten kann. CO2-ärmere alternative Energiequellen werden behindert und es wird das globale Wachstum beschleunigt, was wiederum mehr Energiehunger verursacht. Außerdem verursacht Erdgas mehr Methan, das dem Klima mehr schadet als CO2. Europas größtes Gasfeld in der Umgebung von Groningen in den Niederlanden ist bedroht, weil es Erdstöße auslöst. Ende 2016 sinkt der Gaspreis auf ein Zehnjahrestief. Das Rekordhoch lag im Dezember 2008 mit 1619 Euro. 2018 blockieren Türkische Kriegsschiffe ein Gasbohrschiff vor Zypern. Die Türkei erkennt die Hoheitsgewässer nicht an. Im Streit um das Projekt North Stream 2 zeichnet sich eine Einigung ab: Der russische Präsident Putin ist damit einverstanden, dass die Ukraine auch künftig Transitland für Gas-Transporte bleibt und will diese auch weiter beliefern.  Trump bekämpft das Nord Stream 2-Projekt massiv. Auch Polen ist dagegen. Polen und Dänemark wollen eine eigene Erdgas-Pipeline bauen, die 2022 fertig sein soll. Die EU gibt einen Finanzhilfe. Im gleichen Jahr läuft der Vertrag von Polen mit der Gazprom aus. Im Februar 2019 einigen sich die EU-Staaten auf eine neue Gas-Richtlinie mit strikten Kontrollen und Nord Stream 2  ist möglich.

Fracking: Fördertechnik für Erdgas. Zuerst erfolgt eine horizontale Bohrung. Dann wird ein Steigrohr perforiert. Unter hohem Druck wird ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand und Chemikalien in das umliegende Gestein gepresst. Durch den hydraulischen Druck entstehen Risse im Gestein. Das eingepresste Gemisch wird zurückgesaugt, bis auf Quarzsand und Chemikalien. Der Quarzsand hält die Risse offen, durch die gefördert werden kann. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) sieht im Mai 2013 noch zu viele offene Fragen. Energiepolitisch sei Fracking in Deutschland nicht notwendig. Der Fracking-Boom in den USA kann negative Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft haben. Die Energiepreise sinken weltweit, wodurch die Emissionsrechte in der EU teurer werden. So entsteht eine Schere zwischen den Energiepreisen in der EU und denen im Ausland. Die Gaspreise in den USA betragen im August 2013 nur ein Viertel der deutschen Preise. Auf das ganze Jahr 2013 gerechnet war das Erdgas in den USA 2013 um zwei Drittel günstiger (deshalb will die BASF eine Großanlage zur Herstellung von Propylen an der Golfküste der USA bauen). So besteht bei energieintensiver Produktion die Gefahr der Verlagerung. Durch Fracking haben die USA 2013 Saudi-Arabien und Russland als die größten Erdöl- und Erdgasproduzenten überholt. Experten der OPEC erwarten ein Ende des Booms ab 2018. Aber erstmal werden viele Länder dem Fracking-Boom folgen. Mitte 2014 legt das Umweltbundesamt ein Gutachten über Fracking vor: Wegen der hohen Risiken für Wasser und Boden (Risikotechnologie)  könne Fracking nicht als Brückentechnologie während der Energiewende dienen. Die Schutzstandards sollten so hoch angesetzt werden, dass sich der Einsatz der Technologie nicht mehr lohnt. Offen ist, wie sich die Risse in der Tiefe verhalten und welche Reaktionen im Bohrloch ablaufen. In den USA tritt Ozonsmog im Winter bei bestimmten Wettbedingungen auf, der zum Gesundheitsproblem wird. Der Fracking-Boom in den USA lässt aber den Ölpreis purzeln und begünstigt die Reindustrialisierung der USA (auch steigende Direktinvestitionen in den USA). Die Strategie der Bundesregierung, abzuwarten, erweist sich immer mehr als richtig. Beim jetzigen niedrigen Weltmarktpreis ist es besser, die Vorräte zu erhalten. Es ist auch besser, die Technik erst zu nutzen, wenn die Folgen für Mensch und Umwelt besser bekannt sind (jetzt noch zu teuer und aufwendig). Im Juni 2016 beschließt der Bundestag ein Fracking - Gesetz: Die Bundesländer können bei Probebohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken entscheiden. Die kommerzielle Förderung von Schiefergas soll aber verboten werden. Später erarbeitet eine Expertenkommission einen Erfahrungsbericht über die Probebohrungen. Der Bundestag entscheidet dann nochmals, ob es beim generellen Verbot bleibt. Midland in den USA gilt 2018 als inoffizielle Fracking - Hauptstadt. Es liegt im Südosten der USA. Weitere wichtige Städte dort sind Austin und Corpus Christi. Die Opec hat auf den Schiefergaspreis keinen Einfluss. Fracking belastet in jedem Falle das Trinkwasser. Das belegen Untersuchungen aus den USA, wo Fracking seit Jahren boomt. Die Belastungen entstehen durch Methan, Ethan und Propan. Entweder sind die Bohrlöcher undicht (Texas) oder es sind Risse in Gesteinsschichten (Schiefer). 700 Unternehmen aus Wasserwirtschaft und Getränkeindustrie haben sich im November 2013 deshalb gegen Fracking zusammengeschlossen. Die Umweltminister aus Bund und Ländern sprechen sich 2014 einstimmig gegen Fracking aus. Nur Bohrungen in sehr tiefen Schichten bleiben erlaubt. Amtlichen Berechnungen zufolge schlummern im deutschen Untergrund 13 Billionen Kubikmeter Schiefergas - vor allem im Norddeutschen Becken und im Oberrheingraben. Seit den 1950er Jahren wurde in Deutschland 300-mal gefrackt. Bislang zeigen sich davon keine Probleme. Ende 2014 räumt die Regierungskoalition das Verbot von Fracking ab. Eine Wissenschaftlerkommission soll die Gasfördermethode erlauben dürfen. Dies gilt für Ausnahmefälle (Genehmigung durch Bergbehörden und zuständige Wasserbehörde). Ein Erdbeben in Ohio zu Beginn 2015 wurde eindeutig durch Fracking ausgelöst. Der stark sinkende Öl- und Gaspreis 2014/ 2015 treibt die Branche in die Pleite (z. B. ist Continental Resources in den USA sehr stark betroffen; 1967 gegründet). In den USA und Kanada wird die umstrittene Keystone-Ölpipeline XL gebaut (zwischen Alberta und Texas; Teersandvorkommen; Präsident Obama legt Veto ein). Das Land RLP schafft mit einem neuen Landeswassergesetz hohe Hürden für Fracking. Im Jahre 2016 legt die BASF ihre Milliarden-Investition in Freeport in Texas zur Herstellung von Propylen auf Eis, weil das Schiefergas im Preis gestiegen ist (Rohstoffschwankungen). Die Schieferölproduktion in den USA erreicht 2019 8,4 Millionen Barrel pro Tag, ein neuer Rekord (70% der Rohölproduktion der USA)..

Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LNG): Deutschland will zukünftig sehr viel mehr Flüssiggas importieren. Das soll vor allem aus den USA kommen mit Tankschiffen. Es soll die USA im Handelsstreit besänftigen. Die Maßnahme ist umstritten, weil LNG überwiegend mit Fracking gewonnen wird. Es sollen LNG-Terminals und Tankstellen mit staatlichen Mitteln gefördert werden.

2017 bohrt China erfolgreich nach Methanhydraten im Südchinesischen Meer. Dieses spezielle Erdgas könnte den Energiebedarf für Jahrtausende decken. Das tief im Meeresboden sitzende Gas ist schwer abzubauen. Entweicht Methangas in die Atmosphäre, ist es noch viel klimaschädlicher als CO2.

Bioethanol: Kraftstoff aus Pflanzen. In Skandinavien verwendet man dafür vor allem Abfall-Holz. In Brasilien und Europa wird Raps eingesetzt. In Argentinien verwendet man hauptsächlich Soja. In Deutschland ist Cropenergy der größte Produzent, eine Tochter von Südzucker. Sie arbeiten auch mit Zuckerrüben. Die Rentabilität der Produktion hängt von öffentlichen Subventionen ab (Staat, EU). Das Hinzufügen von Ethanol zu Diesel oder Benzin (Biokraftstoffe) sollte die Reduzierung der Treibhausgase beschleunigen.

Wasserstoff: Der globale Wasserstoffrat tritt bei der G20-Tagung der Energieminister im Juni 2019 in Osaka auf. Dem Rat, der 2017 gegründet wurde, gehören 60 Konzerne an. Japan investiert zur Zeit am meisten in die Technologie.

Kohle: Bei der Verbrennung von Kohle wird Wärme freigesetzt. Heute sind hier gravierende Effizienzsteigerungen möglich. Allerdings wird immer noch mehr klimaschädliches CO2 ausgestoßen. Es ist die weltweit verbreitetste Technik zur Erzeugung elektrischer Energie. Umstritten ist das Abfangen des CO2, um es in der Erde zu lagern. Durch den Mehreinsatz an Kohle in Deutschland infolge der Energiewende steigt 2012 in Deutschland erstmals seit langem der CO2-Ausstoß. Der Braunkohleabbau in Sachsen verschmutzt zunehmend die Spree. Eisensulfid färbt den Fluss braun. Der Spreewald ist in seiner Existenz gefährdet. Der Streit um Braunkohle verschärft sich. In Schweden wächst die Kritik am staatseigenen Vattenfall-Konzern wegen seiner ostdeutschen  Braunkohlekraftwerke (die Firma will sich von der deutschen Kohlesparte trennen). Am drastischsten zeigen sich die Folgen der Kohlenutzung in China. Wenn im Herbst die Hausheizungen dazu kommen (neben Kohlekraftwerken, mehr als die Hälfte des Kohleverbrauchs weltweit), steigt der Smog gefährlich an. Die Feinstaubbelastung legt Städte wie Peking und Harbin lahm. Überwachungskameras können nicht mehr genutzt werden, die Krankheitszahlen steigen, ebenso die Unfruchtbarkeit. Bis 2018 wird die einheimische Förderung der Steinkohle eingestellt, weil sie nicht mehr konkurrenzfähig ist. Anderswo kann Steinkohle im Tagebau gefördert werden (z. B. in Australien). 30 Firmen sind weltweit für die Kohleförderung verantwortlich. Die größten sitzen in China, Indien und den USA. 1600 Kohlekraftwerke werden 2017 neu gebaut oder erweitert. Das größte Kohleunternehmen in Europa ist RWE (allein 91 Mio. Tonnen Braunkohle pro Jahr, 2017). Deutschland fördert bald keine Steinkohle mehr. Der Hauptlieferant ist schon heute (2017) Russland. Neue EU-Grenzwerte für Schadstoffe könnten für ein früheres Abschalten von Braunkohlemeilern sorgen. Mit dem Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop schließt im Oktober 2018 die letzte deutsche Steinkohlezeche. Der Hambacher Forst wird zu einem Symbol für den Kampf von Umweltschützern gegen die Kohleverstromung. RWE hat Abholzungspläne. Im September wird ein Tunnelsystem entdeckt. Die Baumhäuser werden im September 2018 geräumt von der Polizei. Das Oberverwaltungsgericht NRW in Münster entscheidet, dass der Energiekonzern RWE das Waldgebiet am Niederrhein vorläufig nicht abholzen darf (seltene Fledermausarten, Nachweis des Energiebedarfs). Ende des Jahres 2018 wird die letzte deutsche Zeche für Steinkohle geschlossen (Bottrop, Prosper-Haniel). Beim Braunkohle-Ausstieg können die betroffenen Bundesländer mit mehr Geld rechnen.

Kohlekommission: Die große Koalition einigt sich im April 2018 in Meseberg auf die Einführung einer Kohle-Kommission. Die Geschäftsstelle wird im Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt. Vier Ministerien sind daran beteiligt (Wirtschaft, Umwelt, Arbeit, Innen). Im Gremium fehlen Vertreter der Opposition, was kritisiert wird. Die Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" soll neben der Ausstiegsplanung also auch den Strukturwandel der Kohleregionen behandeln. Die Kommission hat vier Vorsitzende. Außerdem gehören ihr 24 weitere Mitglieder an. Das Bundesumweltministerium lässt 2018 prüfen, ob eine vorzeitige Abschaltung von Kohlekraftwerken verfassungsrechtlich zulässig ist. Es soll ein Kohleausstiegsgesetz kommen. Die Kommission kündigt im Oktober 2018 ein Paket (Soforthilfeprogramm) für die Kohlereviere an (1,5 Mrd. €). Die Industrie verlangt für den Kohleausstieg mindestens zwei Milliarden Euro pro Jahr (Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, Januar 2019): Ausgleichszahlungen für die zu erwartenden Strompreissteigerungen. Der Entwurf für den Abschlussbericht liegt am 23.11.19 vor: Entlastung bei den Netzentgelten (Strompreis geht nach oben), offenes Ausstiegsdatum (2023 - 2030), Entlastung für die Kohleindustrie, Abfederung des Strukturwandels in den Kohlerevieren, was sehr teuer wird. Während der Sitzungen der Kohlekommission kommt es zu Demonstrationen von Schülern in Berlin.  Die Kommission legt am 26.01.19 eine detaillierte Konzeption für den Ausstieg vor: Bis 2038 soll Schluss sein. Der Strompreisanstieg soll für Haushalte und Unternehmen abgefedert weren. Die Kohleländer bekommen Fördergelder für den Strukturwandel (1,3 Mrd. € pro Jahr für 20 Jahre). Die Kohlebeschäftigten, die älter als 58 Jahre sind, bekommen Anpassungshilfen. Energieintensive Unternehmen (Chemie, Glas, Metalle, Papier) werden von den Kosten entlastet (CO2-Verschmutzungsrechte). Stilllegungen sollen entschädigt werden. Die entscheidende Frage dürfte sein, wie stark der Strompreis steigen darf. Das könnte die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland gefährden. Ganz wichtig ist auch, ob die 40 Mrd. € den Strukturwandel wirklich auslösen und umsetzen können. Die Bundesregierung und die betroffenen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und NRW einigen sich im April 2019 auf ein Sofortprogramm für den Strukturwandel. Im ersten Schritt werden 100 Projekte in einem Umfang von 260 Mio. Euro gefördert. Im Mai 2019 gibt das Bundeskabinett die Hilfen für die betroffenen Regionen frei. Die CSU fordert einen Kohleausstieg bis 2030, um die Klimaziele zu erreichen. Die anderen (außer Bayern) Länder lehnen das ab. Das Gesetz zum geplanten Ausstieg aus der Kohle könnte bis Ende des Jahres 2019 beschlossen werden.

CO2 als Rohstoff: Neue Technologien versuchen, daraus Rohstoffe für Alltagsprodukte zu machen. Es gibt auch Versuche, daraus in Verbindung mit Wasserstoff Benzin und Diesel zu entwickeln. Daraus könnten auch Speicher für Grünstrom angelegt werden. Es könnte als Futter für Mikroben verwendet werden. Weiterhin kann es Treibstoff für Gewächshäuser und künstliche Blätter sein.

Müll als Recycelmasse: Immer noch gelangt ein Großteil des Elektromülls nach Afrika. In Nigeria oder Ghana gibt es riesige Müllhalden mit Computern, Handys und Waschmaschinen. Die Umwelt dort und die in der Nähe lebenden Menschen werden schwer belastet und geschädigt. Noch 2012 wurden 155.000 t Elektroschrott aus Deutschland ins Ausland gebracht. Die Basler Konvention sieht eigentlich vor, dass dieser Schrott im Heimatland recycelt werden muss. Weltweit fallen ca. 20 bis 50 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Die größte Elektroschrotthalde der Welt  liegt in Ghana. Es ist Agbogbloshie. Die Einheimischen sehen es als Entwicklungshilfe. Aber der Schrott macht krank. Er ist verbotswidrig gegen die Baseler Konventionen von 1992 exportiert worden.  Ein besonderes Problem stellt der Plastikmüll dar, vor allem der schwimmende Plastikmüll in unseren Meeren. Forscher errechneten eine Gesamtmenge von 269.000 t Plastik im Meer 2014. Die Bundesregierung will 2015 dafür sorgen, dass der Handel Elektroschrott zurücknehmen muss. Das wäre eine wichtige Quelle für Rohstoffe. 3,5 Mio. Tonnen Müll produziert die Weltbevölkerung jeden Tag. 2025 werden es voraussichtlich 6 Mio. t sein. Bis 2100 würde sich der Müllberg verdreifachen. In Carbage City wird der Abfall Kairos gesammelt und recycelt von koptischen Christen. Das betrifft 80% des Mülls, der Rest wird verkauft.

Nano - Materialien: Nano bedeutet sehr klein. Die vielen Verfahren zur Herstellung von Nanomaterialien werden unter dem Stichwort Nanotechnologie zusammengefasst. Sie werden in Dingen des täglichen Lebens eingesetzt. Wo landen sie aber? Wie gefährlich sind sie? Wir wissen darüber noch so gut wie nichts.

Flächenverbrauch: Zwischen 2009 und 2012 wurde in Deutschland jeden Tag im Schnitt eine Fläche von 74 Hektar verbraucht, insbesondere für Gebäude und Verkehrsprojekte. Auch 2013 wird der Flächenverbrauch noch 45 Hektar pro Tag betragen (weit über der geplanten Grenze von 30). Dadurch geht wertvoller Boden für die Agrarproduktion verloren (Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, BBSR, 2014). Lange Zeit war es in Mode, ein Häuschen im Grünen am Stadtrand zu besitzen. Heute droht manchen Vierteln die Vergreisung. Sehr umstritten ist der Flächenverbrauch in Naturschutzgebieten, die touristisch genutzt werden können. In den Alpenregionen von Deutschland, die in Bayern liegen, kommt es immer wieder bei Skiliften, Bescheiungsanlagen zu Konflikten mit geschützten Berggebieten (z. B. Balderschwang, Obermaiselstein).

Ressourcen II (Nahrung, Lebensmittel, Wasser, Integrated Water Resources, Wald, Bäume, Landwirtschaft, Nutztiere, Tiere insgesamt)

Brot: Brot ist ein Symbol der Kultur. In der christlichen und jüdischen Kultur ist es ein Symbol für Geburt, Wiedergeburt und Transformation. So war es auch schon im alten Ägypten vor Christi Geburt. Deshalb wird es auch beim Abendmahl gereicht. Es ist allgemein in unserer Kultur ein Grundnahrungsmittel. Es steht auch für das Sesshaftwerden der Menschen. Mit der Sesshaftigkeit in Mesopotamien kam der Getreideanbau und dann die Transformation zum Brot. Nicht genug Brot zu haben bedeutete Armut. So gründete F. W. Raiffeisen den Brotverein, um Bauern bei Missernten zu helfen. In Ulm steht das deutsche Brotmuseum, das diese Geschichte auch aufzeigt.

Gewürze: An diesem Beispiel kann man sehr schön sehen, wie sich die Beutung von Rohstoffen in der Geschichte wandelt. In der Antike waren Gewürze teilweise so wertvoll wie Gold (Pfeffer, Nelken, Zimt, Muskat). Im Römischen Reich kamen viele Gewürze auf der Gewürzstraße aus dem Fernen Osten nach Europa. Venedig wurde durch den Gewürzhandel groß. Mit der Entdeckung Amerikas kamen neue wertvolle Gewürze (Vanille, Paprika, Chili). Weltweit steigt die Nachfrage nach dem Edelgewürz Vanille. 80 Prozent der weltweit geernteten Vanille kommt aus Madagaskar (deutsches Unternehmen Symrise). Im 13. Jahrhundert kam die Gewürzpflanze Safran über Spanien in die Pfalz. Safran galt schon immer als Kostbarkeit. In den griechischen Bergen plündern illegale Pflücker die dort wachsenden Gewürz- und Arzneikräuter. Es ist ein Salbei-Schmuggel entstanden.

Safran: Es ist das teuerste Gewürz der Welt. 2019 kostet ein Kilo 30.000 €. Es wird aus den Blüten des Safran-Krokus gewonnen. Für ein Kilo braucht man 150.000 bis 200.000 Blüten. die Pflanze ist steril und kann nicht gezüchtet werden. Man muss mit Tochterknollen arbeiten. Seit 3500 Jahren wird die Pflanze kultiviert (ursprünglich aus Griechenland).

Wein: Die weltgrößte Anbaufläche hat Spanien. Auf dem zweiten Platz folgt schon China vor Frankreich. In China gibt es überwiegend Weinfabriken, die dazu hauptsächlich in Gebieten produzieren, wo Öl-Raffinerien sind. In Deutschland hat RLP die größte Anbaufläche (ca. 70% des deutschen Weinanbaus). In RLP ist Rheinhessen flächenmäßig die größte Weinbauzone. Weingüter und Weinberge werden zunehmend als Investition von Reichen gesehen. Zur Zeit ist Südafrika angesagt. Aber auch Güter in Frankreich sind begehrt. Die Chinesen trinken mehr deutschen Wein (2017 4 Millionen Liter, ein Viertel mehr als 2016). Hinzu kommt noch Hongkong, wo es auch einen deutlichen Anstieg gab. Deutschland ist das Land mit dem größten Wein-Import in der Welt. Die Menge beträgt 15,2 Mio. Hektoliter.

Wirkungen Alkoholkonsum: Medizinisch ist völliger Alkoholverzicht wohl am gesündesten. Sozial kann Trinken ein effizienter Signalmechanismus sein. Es kann als vertrauensbildende Maßnahme interpretiert werden (Haucap/ Herr, Düsseldorf). Je erfolgreicher Menschen sind, desto trinkfreudiger sind sie. Das gilt besonders für Frauen.

Bier: 2017 wurde in Deutschland so wenig Gerstensaft abgesetzt wie noch nie zuvor. Die Brauereien reagieren darauf mit immer neuen Produkten. Der Export konnte den sinkenden Bierdurst nicht ausgleichen. Einer der Gründe ist die demographische Entwicklung.

Whiskey: Die Exporte der USA in die EU brechen 2019 ein. Das ist eine Folge der US-Handelspolitik mit Strafzöllen und Retorsionszöllen. Die Importe aus Schottland könnten bei einem harten Brexit auch stark betroffen sein. Nach dem Handelsabkommen zwischen Japan und der EU hoffen die japanischen Whiskey-Produzenten auf Aufwind. Positive Folgen zeigen sich schon bei Sake (Reiswein).

Kakao: Der Samen des Kakaobaums wird genutzt.  Die Pflanze kommt aus Südamerika. Als Columbus Amerika entdeckte, waren die Kakaobohnen dort auch Zahlungsmittel. In der Sprache der Ureinwohner hieß der Stoff Xocoatl, woraus unser Begriff Schokolade entstand. Schokolade schmeckte erst mal nicht, bis man später Honig und Zucker dazu gab. Leider werden in der Kakao-Wirtschaft Millionen Kinder eingesetzt (Ghana, Elfenbeinküste). Die großen "Nachhaltigkeitssiegel" messen das nicht. Kakao wurden schon von den Olmeken in Mexiko genutzt, die flüssige Schokolade schlürften. Das war um mehr als 1000 Jahre vor Christus. Die Azteken und Maya tranken Kakao mit Chili, Wasser und geröstetem Mais. Das Gemisch hatte eine zeremonielle Bedeutung. Papst Gregor XIII. bestimmte im 16. Jahrhundert, dass Kakao in der Fastenzeit erlaubt sei, da es flüssig war. Heute gibt es auch in Expeditionen viel Schoko, wegen der Kalorien. Man versucht auch immer mehr noch gesündere Schokolade zu entwickeln (Algenschokolade, Proteinpralinen). Schokolade bleibt aber ein Genussmittel. Die besten Bohnen kommen heute aus Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik. Insofern ist eine "Siegelfixierung" gegen Schokolade aus Westafrika gar nicht notwendig. Ein Virus bedroht 2018 viele Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste. In der Kakao -Ernte und -Produktion werden häufig Kinder eingesetzt. So auch in Ghana. Zusammen mit der Elfenbeinküste werden 60% des weltweiten Kakaos produziert. Ein höherer Kakao-Preis könnte die Kinderarbeit verhindern (gesetzlich verboten, aber nicht durchsetzbar).

Kaffee: Die größten Kaffeeunternehmen der Welt sind Nestle/ Schweiz, Starbucks/ USA und JAB/ Reimann/ GB, Deutschland. Der Welt-Kaffee-Markt wird von einem Oligopol beherrscht. 2017 steigen die Kaffeepreise deutlich an. Schuld sind Wettextreme, die Ernten mindern. In Zukunft wird bei zu viel oder zu wenig Regen durch den Klimawandel die Qualität des Kaffees leiden. Statistisch trinkt jeder Deutsche 3,4 Tassen täglich. Weltweit werden täglich 1,4 Mrd. Tassen Kaffee ausgeschenkt. Als Land stehen die USA an der Spitze. Die zwei dominierenden Sorten sind Coffea arabica und Coffea Robusta. Der Kaffe leidet sehr unter dem Klimawandel. Bedroht sind besonders die Schwerpunktländer Madagaskar und Tansania.

Tee: Der Teeverbrauch erreicht 2016 einen neuen Rekord (19.220 Tonnen; 28 Liter pro Kopf). In Deutschland führen die Ostfriesen, in Europa die Briten. Deutschland ist eine wichtige Handelsdrehscheibe. Der meiste Tee wird aus China und Indien importiert. Global ist Tee das beliebteste Getränk der Welt. China ist 2017 wieder das größte Teeanbauland der Welt vor Indien. Dort in Assam ist das größte zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt. Dort wächst Tee auch natürlich, wie sonst nur in Yunnan und Sichuan (China). Die zweite berühmte Teeregion in Indien ist Darjeeling. 2017 wurden weltweit 5,7 Mio. Tonnen Tee produziert. Größter Produzent war China mit 2,5 Mio. Tonnen. Nach Deutschland wurde 2017 Tee aus 63 Ländern importiert. Der meiste kam aus Indien, vor China und Sri Lanka. Der weltweit größte Exporteur ist Kenia.

Grobgetreide: Hierzu gehören Gerste, Hirse und Hafer. Sie sind die Nummer eins auf den Feldern der Welt (1329 Mio. Tonnen 2016). Danach kommen Weizen (745 Mio. t) und Reis (484 Mio. t).

Weizen: Zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt wird die weltweite Getreideernte nicht reichen, um den weltweiten Bedarf zu decken. Das erwarten sowohl die UN-Welternährungsorganisation FAO als auch der Internationale Getreiderat IGC in London. Im Agrarjahr 2018/19 werden demnach 30 Millionen Tonnen mehr verbraucht als geerntet werden. Ursache ist die letztjährige Dürre in weiten Teilen Europas, die einen Rückgang der Getreideernte in der EU und Russland zur Folge hatte. Das letzte globale Getreide-Defizit gab es im Agrarjahr 2012/13 als die US-Farmer unter den Folgen einer mehrjährigen Dürre litten..

Hirse: Hirse ist ein Grasgewächs, ursprünglich aus Afrika. Da es glutenfrei und gesund (viele nützliche Bestandteile) ist, erlebt es eine Renaissance und wird sogar von Spitzenköchen wieder entdeckt. Es gibt Hirse-Pfannkuchen, Hirse-Pizza und Hirse-Salat. Das kann eine Chance für die afrikanische Landwirtschaft sein. Die Perlhirse kann im Gegensatz zu Weizen, Mais und Reis auch bei Temperaturen von bis zu 42 Grad und bei größter Trockenheit gute Erträge liefern. Wie sie das macht, ist unklar. Man will das Erbgut erforschen.  Im Süden Ägyptens entdeckten Archäologen neben den Überbleibseln einer 8000 Jahre alten Siedlung auch Hirsekörner.

Seegras: Seegras speichert große Mengen Kohlendioxid. Forscher aus Spanien beziffern den ökonomischen Wert dieser Leistung auf zehn Milliarden Euro pro Jahr. Die Pflanzen leiden darunter, dass die Meere sich erwärmen. 2060 könnte deshalb des Gras aus dem Mittelmeer verschwunden sein. In Nord- und Ostsee erholen sich die Bestände wieder langsam. Überall auf der Welt versucht man, Seegraswiesen anzupflanzen.

Soja: Soja rechnet zur Ölsaat (wie Raps, Sonnenblume). Soja ist heute als Grundstoff in vielen Nahrungsmittelprodukten. So in Schokolade und anderen Milch- und Eierprodukten. Die Sojabohne ist auch für die Massentierhaltung unerlässlich.  Andererseits werden durch ihren expansiven Anbau die Regenwälder gefährdet. Im 19. Jahrhundert gelangte die Sojabohne erstmals von Ostasien nach den USA. Soja verbessert die Fruchtfolgen des Bodens und lässt die Erntmengen explodieren. Heute führen bei dem Anbau der Pflanze Brasilien und die USA. China, die Wiege der Pflanze, ist heute der größte Importeur. 2017 lehnt die EU die Einfuhr von Gen verändertem Soja ab. Die Bundesanstalt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit findet 2018 heraus, dass Soja-Produkte kaum mit Schimmelpilzen belastet sind, aber häufiger mit Schwermetallen. 2019 suchen die USA dringend Abnehmer, seit China Soja-Importe mit 25% Importzöllen belegt. Im 1. Quartal 2019 brechen die Soja-Exporte der USA um 80% ein. Die Soja-Bauern gehörten zu den Wählern von Trump. Die EU könnte den Biokraftstoffmarkt öffnen und Soja als nachhaltig anerkennen.

Jackfrucht: Größte Baumfrucht der Welt, wächst in den Tropen. Für Vegetarier eine Alternative zu Tofu und anderen Sojavarianten. Sie ermöglicht eine Vielzahl herzhafter Gerichte. Sie ist kalorienarm und ballaststoffreich. Für die Kleinbauern in Asien bietet der ökologische Anbau eine neue Einnahmequelle.

Reis: Grundnahrungsmittel in Asien. Dort ist Reis auch ein wichtiger Bestandteil von internationalen Handelsabkommen. Der Anbau im eigenen Land soll geschützt werden (z. B. in Japan). Die Qualität von Reis ändert sich dramatisch im Klimawandel. Die gesunden Inhaltsstoffe nehmen z. B. durch den CO2-Ausstoß ab.  Schon 4000 vor Christus begannen die ersten Bauern in Südchina, Nutzpflanzen wie z. B. Reis zu kultivieren . Der Mensch griff damit schon massiv in die Natur ein (Quelle: Studie des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften der Uni Bremen 2018). 2018 gibt es weltweit eine verbreitete Initiative zum Schutz gegen den Klimawandel. Millionen von Menschen gehen auf die Straße in Thailand, Kolumbien und anderen Ländern.

Mais: Die Heimat der Pflanze ist Mexiko. Ursprünglich entwickelte er sich aus dem Wildgras Teosinte. Als Kolumbus 1492 Kuba und Haiti entdeckte, fiel ihm die Maispflanze auf. Mais ist vielseitig wie kein anderes Getreide. Für viele Menschen auf der Welt ist er ein wichtiges Grundnahrungsmittel (Öl, Stärke, Cornflakes, Grieß, Popcorn, Zusatzstoffe). Sogar zur Herstellung von Papier und Kleidung kann man ihn verwenden.

Quinoa: Wird auch "Inka-Korn" genannt. Sie wurde ursprünglich vor allem im Hochland von Bolivien angebaut (von Hand gesät und geerntet; Challapata Zentrum). 2017 zerfällt der Preis rapide. Die weltweite Nachfrage war drastisch gestiegen (Gesundheit, hoher Nährwert), so dass das Getreide auch von Peru, Indien, China und den USA angebaut wird.

Patente bei Getreide (Saatgut): Die EU lässt das zum Glück nicht zu im Gegensatz von den Patentämtern anderer Länder (USA). Durch eine Hintertür versuchen Konzerne wie Monsanto (Bayer), solche Patente zu erlangen. Als Vorbild gilt Braugerste, die für Calsberg und Heiniken patentiert wurde. 2016 wurden bei der EPA 110 Patente auf Pflanzen beantragt. Vor allem ein Biopatentverbot wäre notwendig. Norwegen besitzt die weltgrößte Saatgut-Samenbank. Es ist die Svalbard Global Seed Vault. Sie hat vier Millionen Samenproben.

Zuckerrohr: Ursprünglich aus Südostasien (vor allem Indien). Heute auch verbreitet auf Kuba und in Brasilien. Christopher Kolumbus bracht Setzlinge dorthin, weil das Klima in Europa zu rau war.  Aus dem Grundstoff wird Zucker hergestellt, auch Rum (aus dem Abfallprodukt Melasse). Die erste große Krise erlebte die Zuckerrohrproduktion Ende des achtzehnten Jahrhunderts durch die Abschaffung der Sklaverei und später durch die Kontinentalsperre von Napoleon I. Im zwanzigsten Jahrhundert litt die Produktion durch Subventionen von Zuckerrüben in Europa (wurden auf Druck der WTO abgeschafft). Zucker galt mal als krisenfestes Produkt. Doch immer mehr Menschen reduzieren den Verbrauch. Das hat Folgen für Hersteller, Händler und Bauern.

Bananen: In Deutschland ist sie das zweit beliebteste Obst nach dem Apfel. Die Tropenfrucht reift in der Regel erst nach dem Transport in Deutschland. Dafür gibt es eigens Reifereien (wie z. B. Borna). Die EU hat eine Bananenverordnung. Danach sind ehemalige kolonien von Mitgliedsländern der EU (Frankreich, GB) bevorzugt

Cashew: Ist eine Nuss. Der Cashew-Baum ist eine immergrüne Baumart. Er gehört zu den genügsamsten Baumarten überhaupt. Er wächst in Brasilien, Afrika und Indien. Aus den Schalen der Nuss werden in der Industrie verschiedene Produkte gemacht. Die Frucht enthält Magnesium, Kalium und Phosphor sowie Folsäure und Eisen. Cashew ist eine große Hoffnung Afrikas. 55 Prozent der weltweiten Produktion liegt hier (2% in Ghana). Der Anbau wird von ComCashew gefördert (GIZ, Bill und Melinda Gates Stiftung, SAP).

Vanille: Echte Vanille, die so genannte Bourbon - Vanille, kommt aus den Gebieten Madagaskar, La Reunion oder den Komoren. Schlechter ist die Tahiti-Vanille aus Papua-Neuginea. Ihr Aroma ist nicht so gut. In der Lebensmittelindustrie werden überwiegend künstliche Vanillearomen eingesetzt. Im Sommer 2018 gibt es einen Engpass bei Vanille. Bei der Lieferung aus Madagaskar gibt es Engpässe.

Palmöl: Die Ölpalme ist die effizienteste Ölpflanze der Welt - und damit extrem billig. Auch die Konsistenz ist gefragt. Malaysia und Indonesien sind mit mehr als 85% der Weltproduktion die wichtigsten Anbauländer. Gerade auf Sumatra sieht man die Auswüchse des Booms am deutlichsten. Das Produkt steckt heute in fast jedem zweiten Supermarktprodukt. Das EU-Parlament hat Anfang 2018 entschieden, ab 2021 kein Palmöl mehr für europäischen Bio-Diesel zuzulassen. Die asiatischen Exportstaaten protestieren und drohen mit Importverboten. Bisher werden 51% der Weltproduktion in Kraftstoff verarbeitet. Zei Drittel gehen in Nahrungsmittel, auch Futter.

Olivenbaum: Er ist einer der ältesten Nutz- und Kulturpflanzen. Spanische Wissenschaftler konnten 2016 das Erbgut entschlüsseln. Vielleicht kann man so raus finden, was den Baum so langlebig macht (mache Exemplare werden Tausende Jahre alt). In vielen Regionen ist der Olivenbaum durch das Bakterium Xylella fastidiosa bedroht. Es verursacht Baumsterben. Die Krankheit bedroht insbesondere Bäume in Italien und Griechenland. Die Ernte 2018/19 in Italien beträgt nur noch 7,7%-Anteil der EU (1990 25,5%). In Griechenland beträgt das Verhältnis (8,2% 2018/19) gegenüber 17,4%  1990. In die Lücke in der EU konnte Spanien springen (Erhöhung des Anteils von 54% 1990 auf 79% 2018/19).

Rauschgift als Medizin: Lange wurde in den USA Heroin als Medizin verschrieben. Erst das Verbot machte daraus für die Mafia ein großes Geschäft. Die Cannabis-Freigabe in den USA und in Deutschland 2017 macht aus Hanf unter bestimmten Umständen wieder Medizin (Betäubungsmittelgesetz). Erwiesen ist die positive Wirkung von Cannabis auf das Gedächtnis. Das könnte bei der Behandlung von Demenz helfen. Europas Cannabis stammt zum großen Teil aus Albanien und Griechenland. 2018 legalisiert Kanada Cannabis. In Italien ist die Rechtslage unklar, so dass der offene Handel gefördert wird. Libanon diskutiert 2019 die Legalisierung von Cannabis-Anbau für medizinische Zwecke. Der Gewinn soll Bauern und der Staatskasse zugute kommen.  Seit Cannabis in den USA in immer mehr Bundesstaaten legal ist, hat sich ein florierender Markt entwickelt. So stieg die Zahl der Jobs in der Cannabis-Brache 2018 um 44% an, auf über 211.000. Damit ist sie die derzeit schnellstwachsende Brache in den USA. Im Jahre 2018 legte der legale Marihuana-Umsatz um 34% auf 10,8 Mrd. $ zu. Quelle: Special Report: Cannabis Jobs Count, Leafly, März 2019.

Drogen/ Rauschgift: 2017 kommt es zu einer Kokain-Schwemme. Allein im Hamburger Hafen werden 3,8 t gefunden (Marktwert 800 Mio. €). In Süd-Amerika wird mehr Koka angebaut, vor allem in Kolumbien. Die Verarbeitungstechniken haben sich verbessert. Man hofft darauf, dass das Angebot sich eine Nachfrage schafft (Say´sche Theorem). In Südamerika, aber auch einzelnen Ländern anderer Kontinente, wird Rauschgift als Alternative zu Monokulturen angebaut (Kaffee, z.B. wenn der Weltmarktpreis unten ist).

Zigaretten: Sie haben sich zu einem weltweiten Umweltproblem entwickelt. Wegen des Tabaks werden ganze Wälder abgeholzt. Es werden auch Unmengen Spritzmittel eingesetzt. Ca. 750.000 Tonnen Filter landen irgendwo in der Natur - ein kaum verrottbarer Plastikberg.

Tabak: Die Pfalz setzt seit dem Wegfall der Subventionen auf Bio-Tabak. Dafür können höhere Preise erzielt werden. Große Abnehmer sind Ägypten und Jordanien für Tabak in Wasserpfeifen. Rund 70% gehen in diese Schiene. Die Shishas haben das Tabakgeschäft in Deutschland belebt. 2018 landen schon 96% des deutschen Tabaks in diesen Pfeifen. Deutschland hat 2000 Hektar und produziert im Schnitt 5000 Tonnen Tabak. Früher gab es 6000 Tabakbauern in Deutschland, heute ist die Zahl stark geschrumpft. In der Tabakernte müssen viele Ernthelfer eingesetzt werden.  2019 gehen die Steuereinnahmen bei Tabak in Deutschland zurück.

Baumwolle: Die Baumwolle wird meistens in großen Plantagen angebaut. In den USA ist der Anbau eng verbunden mit der Geschichte der Sklaverei. In jüngster Zeit gibt es immer mehr Bewegungen für ökologischen Baumwollanbau.

Anbau von Nutzpflanzen im Ozean: Ackerflächen an Land werden immer teurer und rarer. Insofern ist es logisch, dass Forscher und Privatunternehmer im Ozean testen. 70% des weltweit genutzten Süßwassers fließen in landwirtschaftliche Produktion.  Im Meer entfällt eine Bewässerung.  Es gibt auch das Konzept der schwimmenden Farm. Auch mit kombinierter Landwirtschaft wird experimentiert (Tomaten und Fische). Auch Algenarten wären als Nahrungsmittel nutzbar.

Gemüseanbau in intelligenten Boxen: Plantcubes werden die Boxen genannt (intelligente Gewächskühlschränke). Sie können in der Wohnung aufgestellt werden. LED-Lampen bestrahlen die Gewächse. Aus einem Wassertank werden die Wurzeln mit Wasser versorgt. Die Firma Agrilution in München baut z. B. solche Boxen. Ein Konkurrent ist die Firma Neofarms in Hannover.

Milch: Die Milcherzeugung in Deutschland und der EU wird stark von der Politik gesteuert. 2017 führt Milchknappheit zu einem höheren Butterpreis. Die EU fördert geringere Milcherzeugung.

Wald/ Wälder: Die Zerstörung und Abholzung der Wälder ist für 20% der jährlichen CO2-Emissionen verantwortlich. 54% aller Rodungen dienen zur Gewinnung neuen Ackerlands (Rest für Palmölplantagen und Viehweiden). Eine Ursache ist auch die Gewinnung von Holzkohle in Entwicklungsländern, die zum Kochen gebraucht wird. Die größten Rodungsflächen haben Brasilien (Amazonas-Regenwald, jährlich -10.000 Quadratkilometer), Indonesien und der Sudan. 2011 plant Brasilien eine Änderung des Waldgesetzes. Dies dürfte gravierende Änderungen auf den Regenwald haben (landwirtschaftliche Nutzung ausgeweitet, vor allem Mato-Grosso-Gebiet). Besonders wichtig für Ostafrika ist der Mau-Wald, der durch Rodungen bedroht ist. Die Rolle der Wälder bei der CO2-Bildung wird in der Keeling - Kurve abgebildet. Allein die Bäume des Amazonas speichern 90 bis 140 Mrd. Tonnen CO2 (WWF). Über die Bedrohung des Waldes und die entsprechende Umweltpolitik habe ich eine Kinder-Uni-Veranstaltung entwickelt. Die Waldvegetation hat großen Einfluss auf das Klima, was in gängigen Modellen kaum berücksichtigt wird: Wälder absorbieren Sonnenstrahlen wesentlich besser, weshalb Gebiete mit großen Waldflächen wärmer sind. Wälder und Bäume sind auch wichtige Rohstofflieferanten. Im Altertum spielte die Weihrauchwirtschaft eine große Rolle. Weihrauchharz war einer der wertvollsten Rohstoffe ("Duft des Himmels"). Später kamen Kautschuk, Baumwolle, Zimt, Oliven,  u. a. hinzu. Eine besondere Rolle bei der heutigen globalen Entwaldung spielt China. Illegales Holz wird in riesigen Mengen für die Holzindustrie (Möbel, holzverarbeitende Industrie) importiert. Zum Teil handelt es sich um kriminelle Kartelle. Das Holz kommt aus Burma, Laos, Russland und Mocambique. In Deutschland wird das Holz knapp, weil es eine immer größere Rolle als Brennstoff oder Baumaterial spielt. Man versucht "Turbobäume" (Pappeln) anzubauen oder "Biokohle" zu schaffen. Als wirkungsvollstes Mittel für den Kampf gegen weltweite Rodung von Urwäldern haben sich Landrechte für Kommunen erwiesen. Besondere Erfolge zeigen sich in Mexiko und Guatemala.  allerdings wollen Lobbyisten der Ölkonzerne und der Rohstoffunternehmen (vor allem Gold) die Gesetze ändern. Nicht immer werden die gerodeten Landflächen für Ackerbau oder Bauland genutzt. Zunehmend werden wieder Bäume angepflanzt, die einen direkten Nutzwert haben (vor allem Ölpalmen; Beispiel Sumatra). Philippinische Fischer kämpfen gegen die Folgen des Klimawandels, indem sie Mangrovenwälder anpflanzen. In den Wäldern der USA nimmt die Anzahl der toten Bäume stark zu. Dies ist eine Folge des Klimawandels. Ein australischer Agrarexperte erzielt große Erfolge mit der Aufforstung Afrikas. Er hatte als erster entdeckt, das Afrikas Wälder nur in den Untergrund gegangen waren. Finnland lebt vom Wald wie kaum ein anderes EU-Land. Der bisherige Raubbau wird immer mehr in Frage gestellt. Denn in Finnland kommt allmählich der Winter abhanden. Die Finnen wollen nun Klimaschutz-Vorreiter werden.  "The way to get started is to quit talking and begin doing", Walt Disney (1901 - 1966). Deutschland will einen Teil seiner Forsten verwildern lassen. Dies wäre ein Segen für die Artenvielfalt. Die Forstbetriebe sträuben sich dagegen. Am dichtesten bewaldet sind in Deutschland Hessen und Rheinland-Pfalz. Deutschlands Holzwirtschaft beschäftigt 2014 1,1 Mio. Menschen, mehr als die Autoindustrie. Es läuft ein Waldumbau in Deutschland zugunsten der Eiche (2014 10%, bis 2060 soll Anteil verdoppelt werden). Die Waldindustrie wehrt sich aber gegen die Eiche, weil sie in der Verarbeitung teurer ist als Nadelhölzer. Hitze und Trockenheit setzen dem Wald in Deutschland immer mehr zu. Die Dürreschäden im Sommer 2018 belaufen sich auf 758 Mio. €. 2018 haben in deutschen Wäldern deutlich die Waldbrände zugenommen. Es hat mehr als 1700 Mal gebrannt (mehr als viermal so viel wie ein Jahr davor). Waldschäden durch Brände, Dürre, Stürme, Schädlinge fordert ein großes Programm zur Wiederaufforstung in Deutschland heraus. Agrarministerin Klöckner  will ein "Mehrere-Millionen-Bäume-Programm" auflegen, aus dem Klimafonds der Bundesregierung finanziert werden könnte.

Teufelskreis Regenwald: Regenwälder werden abgeholzt, um Land zu gewinnen und Tropenholz zu verwenden. Auf den Flächen wird Viehzucht betrieben, Soja  oder Agrartreibstoffe angebaut. Die Rodung ist national extrem wirtschaftlich, international hat sie gravierende Folgen für den Wasserkreislauf, das Klima,  die Ernährung und die Medizin (Regenwaldapotheke). Besonders wichtig sind Brasilien und Indonesien. Bei Indonesien ist auch das Korallendreieck sehr wichtig. Es ist die artenreichste Meeresregion der Erde (es umfasst außerdem die Länder Philippinen, Malaysia, Papua Neu Guinea und Solomon). Es ist zusätzlich ein Wirtschaftsfaktor (Fische, Schutz vor Wellen, Tourismus). 2016 schließen Umweltverbände, indianische Völker und Forstwirtschaft ein Abkommen zum Schutz der Region an der kanadischen Pazifikküste. Dadurch soll auch die Bären geschützt werden (Great Bear Rainforest).

Amazonas-Regenwald: Mit einer Fläche von 6,7 Mio. Quadratkilometer der größte und artenreichste tropische Regenwald. Hier leben 10% aller Tier- und Pflanzenarten. Im Frühjahr 2012 setzt sich im brasilianischen Parlament die Agrarlobby durch: Amnestie für illegale Rodungen. Das kontinuierliche Schrumpfen könnte gravierende Folgen für den Wasserkreislauf haben. Katastrophal könnte sich die Wahl 2018 auswirken: Der gewählte Premier gilt als Lobbyist der Großindustrie, die weiter den Regenwald roden will. Tatsächlich bläst der neue Präsident Jair Bolsonaro 2019 zum Großangriff auf den Amazonas-Regenwald.  Was wird aus der grünen Lunge des Planeten?

Entwaldung: Der Waldbestand auf der Erde wird drastisch vermindert. Bis Anfang des 20 Jahrhunderts fand die  stärkste Abholzung in den Mischwäldern Asiens, Europas und Nordamerikas statt. Mitte des 20 Jahrhunderts veränderte sich dieses Muster. Während die Abholzung in den gemäßigten Breiten fast zum Stillstand kam, nahm sie in den Tropen zu. Die Abholzung von Tropenwäldern verharrt in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas auf hohem Niveau. Vgl. Tony Juniper: Unsere Erde unter Druck, München 2017, S. 150f. Europas größter Urwald ist der Bialowieza-Urwald, der sich beidseits der Grenze zwischen Polen und Weißrussland erstreckt. Der größte Teil liegt in Weißrussland und ist unter Naturschutz. Polen nutzt einen Teil des Naturschutzparks (UNESCO-Naturerbe) als Wirtschaftswald. Die EU-Kommission verklagt Polen 2018 wegen Verstößen gegen das EU-Naturschutzrecht. Russlands Waldflächen in Sibirien wachsen trotz Abholzung (Landwirtschaft stirbt schneller als der Wald). Aber sie drohen das Ökosystem zu degenerieren. Sie werden als reine Rohstoffreserve (Nutzholz-Lagerstätte) betrachtet. Gerodet wird von russischen Firmen, das meiste Holz (25%) geht nach China. Skandinavien gilt in der Waldwirtschaft als Vorbild. Dort wird Forstwirtschaft nur auf schon erschlossenen Gebieten betrieben. In Deutschland stirbt ein großer Teil des Waldes nach der großen Trockenheit 2018. Große Teile fallen dem Borkenkäfer zum Opfer. Man muss die Waldwirtschaft auch umstellen von Fichten zu Baumarten, die tiefere Wurzeln haben.

Nutzen von Wald: Wir brauchen den Wald für eine Reihe von Funktionen: Brennstoffe, C-Speicherung, Wassersorgung, Papier, Bodenschutz, Flutvermeidung, Nahrung, Artenvielfalt.

Grüngürtel-Bewegung (Green-Belt): Als eine der Begründerinnen gilt die Kenianerin Wangari Maathai. 1989 macht sie Front gegen ein Bauprojekt im Uhuru Park. Sie war die erste Afrikanerin, die den Friedensnobelpreis bekam. Sie setzte sich für die Aufforstung Kenias ein. Mittlerweile gibt es die Bewegung in vielen anderen Ländern. 2018 erhält der Australier Tony Rinaudo den Alternativen Nobelpreis. Mit seiner Hilfe sind allein im nordafrikanischen Niger Flächen aufgeforstet worden, die so groß wie Irland sind (Right Livelihood Award Foundation).

Wald und Lebensraum: Die Ureinwohner des Dschungels in Zentralafrika, die Pygmäen vom Volk der BaAka sind vom Wald abhängig. Da er weg ist, vegetieren sie vor sich hin. Survival macht Mitte 2017 den WWF für die Situation verantwortlich und geht vor ein Schiedsgericht der OECD. Ursache seien mehrere Nationalparks im zentralafrikanischen Dreiländerdreieck.

Eiche: Der Baum kann am besten den Umwelteinflüssen widerstehen. Diese Laubbäume wären ideal für den Klimawandel. Die Industrie blockiert aber den Umstieg. Nur 44% der ökologisch sinnvollen Rodung werden tatsächlich getätigt. Die Verarbeitung ist zu teuer.

Kork: Mehr als die Hälfte der Weltproduktion stammt aus Portugal. Kork wird aus Korkeichen gewonnen. Alle neun Jahre können in der Regel die Rinden der Korkeichen geerntet werden. Damit sie gut nachwachsen, darf die unterste Schicht nicht beschädigt werden.

Baumwolle: Rohstoff für Jeans, Shirts oder Unterwäsche. Es wird so viel Chemie verspritzt wie sonst selten (mehr Pestizide als bei jeder anderen Pflanze). Der Anteil an Pestiziden liegt weltweit bei 16%, obwohl die Faser nur auf 2,4% der Agrarfläche kommt. Schädlinge können die gesamte Baumwollernte vernichten. Die Baumwollernte stagniert weltweit. In Afrika will man radikal umdenken.

Wolle: Aus gewebten Tierhaaren. Es ist ein Naturstoff vom Schaf, von Ziegen, Kaninchen oder Kamelen. Besondere Wolle kommt von Alpakas, Moschusochsen oder Vikunjas. Reine Schurwolle ist ein Hinweis darauf, dass die Wolle vom lebenden Schaf kommt. Farbe spielt eine wichtige Rolle bei der Beurteilung. Biowolle aus Europa ist gelebter Tierschutz. Sie sollte also öko, fair und nachhaltig sein.

Balsam: Gehört wie Weihrauch und Myrrhe zu den Bibelpflanzen. Bei Weihrauch und Myrrhe lässt man das Harz einfach trocknen. Balsam ist schwer zu konservieren. Die kostbaren Gewächse sind heute sehr rar. König Herodes soll mit Balsampflanzen den Bau seiner Paläste finanziert haben. Im Heiligen Land hieß die Pflanze Afarsemon. Es galt als Allheilmittel gegen Bluthochdruck, Entzündungen, Kopfschmerz und epileptische Anfälle. Heute noch wird Balsam in der Nähe von Jericho angebaut in der Nähe vom Toten Meer). .

Moore: Weltweit werden Moore zerstört, um Torf zu gewinnen. Dabei sind sie wichtige Kohlenstoffspeicher., die das Weltklima kühlen. Man schätzt, dass 57 Prozent des Kohlendioxids in der Landwirtschaft aus dem Torfverbrauch stammen. Moore machen aber nur 6 Prozent der Nutzfläche aus.  Es gibt zwei Arten von Mooren: Hochmoore, die sauer und nährstoffarm sind. Der Kohlenstoffgehalt im Torf ist hoch. Niedermoore sind sehr nährstoffreich. Schottlands Whisky-Industrie benutzt schon Alternativen. Dies müsste auch der Gemüse- und Gartenbau machen. Moorlandschaften kommen mit dem Klimawandel deutlich besser zurecht als andere Lebensgemeinschaften. moore bedecken nur 3% der Erdoberfläche, bunkern aber weltweit über 500 Mrd. Tonnen Kohlenstoff (16%). Kohlenstoff kühlt die Erdatmosphäre herunter.

Agrarfläche und Lebensmittelkrise: In den letzten 10 Jahren sind die landwirtschaftlichen Nutzflächen nur in Vietnam, Indonesien und China (Düngemittel, Technologie, Ankauf von Flächen im Ausland, vgl. Lester Brown: Who will feed China) erheblich ausgebaut worden. Ansonsten sind sie geschrumpft. Da auch immer mehr Pflanzen für Energie verwendet werden und die Bevölkerung wächst, sind die Nahrungsmittelpreise explodiert (inzwischen auch spekulativer Anteil, s. u.): Milchprodukte, Öle und Fette, Getreide, Zucker und Fleisch. Der Kakaopreis erreicht 2011 den höchsten Stand seit 33 Jahren. Auch Weizen, Reis und Soja sind extrem teuer geworden. Die FAO erstellt einen Nahrungsmittelpreisindex. Dieser erreicht 2011 einen Höhepunkt (230,7). Die größte Exporteure von Agrarprodukten sind die USA, Frankreich und die Niederlande. Die größte Importeure sind die USA, Deutschland und Japan. Im Juni 2008 findet ein UN-Nahrungsmittel-Gipfel in Rom statt. Der nächste Gipfel findet im November 2009 in Rom statt. Eine ausreichende Versorgung aller Menschen würde bis zu 20 Mrd. $ jährlich mehr kosten (wer trägt die Finanzierung?). 2008 hungern weltweit ca. 963 Mio. Menschen. Die G8 beraten auf ihrem Treffen 2008 in Toyako/Japan über internationale Getreidereserven als ein Gegenmittel. Die FAO (Food and Agricultur Organisation of the United Nations) ist die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Sie soll Hunger und Unterernährung bekämpfen. Ihr gehören 191 Staaten an, ihr Sitz ist Rom. Im Jahre 2030 erwarten Fachleute eine doppelt so hohe Nachfrage nach Nahrungsmitteln wie heute. Grund ist der Bevölkerungsanstieg. 2009 sinken die Preise wieder, was dazu führen kann, dass den Produzenten der Anbau nicht mehr lohnend erscheint (die niedrigen Preise täuschen darüber hinweg, dass weltweit die Nachfrage schneller wächst als der landwirtschaftliche Ertrag). Zudem vergrößert die Klimaerwärmung das Risiko von Missernten aufgrund von Dürre und Überschwemmungen. Außerdem steigen die Erträge der Landwirtschaft in kühleren und feuchteren Weltgegenden im Gegensatz zu wärmeren Regionen. Der Klimawandel hemmt auch das Wachstum. Es findet 2009 ein UN Gipfel in Madrid statt. Der Teepreis steigt trotz Wirtschaftskrise (2009 um 15%). Grund sind die Dürren in den Anbauregionen Kenias, Indiens und Sri Lankas. Der Kaffeepreis ist stabiler, weil auch die Anbaufläche wächst (Vietnam). 2009 leiden 1 Milliarde Menschen Hunger (Welthunger-Index, bei 6,8 Mrd. Menschen). 70% davon sind Frauen. Am stärksten sind die Länder Kongo, Burundi und Eritrea betroffen. Weltweit hungern schon 2009 über eine Milliarde Menschen. Ihre Zahl steigt und 80% davon sind ausgerechnet Bauern. Bei den Lebensmittelpreisen kommt es auch immer wieder zu Spekulationswellen, vor allem im Zusammenhang mit Agrarrohstoffen (z. B. bei Zucker). Als Beispiele gilt der Preis für Kaffee und Kakao. Die Deutsche Bank kehrt 2013 in das umstrittene Geschäft mit Nahrungsmitteln zurück. Viele andere Finanzinstitute sind vorsichtig. 1,5 Mrd. Hektar sind 2010 als Ackerfläche der Erde nutzbar. 200.000 Menschen kommen jeden Tag zu den 6,8 Mrd. Menschen hinzu. Dies ist viel Raum für die große Spekulation. Vor allem Flächen in Afrika werden von ausländischen Investoren übernommen. 2013 kauft China riesige Agrarflächen in der Ukraine (Größe Brandenburgs). Am stärksten ist 2010 der Preis für Weizen gestiegen (+98%). Spekulationen um Reis, Kakao, Mais, Soja oder andere Nahrungsmittel müssten verboten werden. Empfehlenswert ist der Report "The Future of Food and Farming", der von 400 Experten 2011 erstellt wurde. Noch nicht entgültig entschieden ist in der Wissenschaft, welchen Anteil politische Fehlentscheidungen und Termingeschäfte haben. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) unterstützt 2011 100 Mio. Hungernde in 73 Staaten. Hohe Agrarpreise heizen weltweit Unruhen an (auch in Ägypten). Der Wettbewerb um agrarische Rohstoffe wird auf jeden Fall härter werden. Die Dürren in den USA und Indien 2012 führen zu enormen Erntausfällen (Mais, Weizen, Raps u. a.). Deshalb wird erwogen, den Biosprit E10 zu stoppen. 2013 gerät der Gesetzentwurf der EU für die Registrierung von Pflanzensorten in die Kritik. Man fürchtet um die Artenvielfalt. Kleinere Produzenten sind schon ausgenommen. Eine Studie der Weltbank 2013 ("Turn down the Heat") weist darauf hin, dass die Nahrungsmittelproduktion zu langsam gegenüber der Bevölkerungsentwicklung  ansteigt (Knappheit bei Grundnahrungsmitteln wie Reis, Mais, Weizen, Soja). Hauptursache sei der Klimawandel (Dürren, Überschwemmungen, sinkende Fischbestände). 2013 wird ein Bericht der UN veröffentlicht, dass fast ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel auf dem Müll landet. Damit sind auch enorm negative Folgen für die Umwelt verbunden (Treibhausgase, Wasserverbrauch u. a.). Auf dem Weltklimagipfel in Warschau 2013 wird noch einmal deutlich gemacht, wie dramatisch der Rückgang an fruchtbarem Boden ist (Welt-Boden-Informationszentrum). Land ist begehrt wie nie. China, die Golfstaaten, internationale Firmen und reiche Privatanleger investieren massiv in Grund und Boden. Es geht um Nahrungsmittelproduktion , aber auch um Spekulation. In Brasilien wird auf Grassteppen mit unzähligen Landmaschinen Soja für China angebaut. Saudi-Arabien geht in der Wüste für die Kühe das Wasser aus und pachtet überall Land (das Projekt Matrix Global Observatory verfolgt das Ganze mit einem Open Data Konzept; www.landmatrix.org ). Ausländische Agrarkonzerne nehmen jedes Jahr Tausenden Bauern ihre Felder weg. Die meisten Käufer kommen aus Malaysia, den USA, Großbritannien und Saudi-Arabien. Ackerland wird immer mehr zu einem beliebten Investitionsobjekt.  "Längerfristig müssen wir schon auch unsere Ernährungsgewohnheiten ändern", Jeffrey Sachs, Earth - Institut, N. Y. Die EU will eine Agrarreform durchführen, bei der neue Umweltauflagen und weniger Geld für große Höfe vorgesehen sind (2014 bis 2020). In mehreren Berichten 2012 (WWF, Club of Rom) wird die Ausweitung der Agrarflächen für Soja und Raps durch Waldrodung angeprangert. Jeden Tag gehen mehr als 2000 Hektar Ackerland durch Versalzung verloren (in trockenen und heißen Gebieten verdunstet das Wasser zu schnell, bevor ed zu den Pflanzen gelangt). Eine Studie der Weltbank Ende 2014 warnt vor Hunger infolge des Klimawandels (Erderwärmung, Anstieg des Meeresspiegels und Naturkatastrophen schränken die Nahrungsmittelproduktion ein). Weil die Preise für Koks und Erz 2014 im Keller sind, nutzen viele Bergwerkskonzerne ihre großen Landflächen für die Rinderzucht und Milchproduktion. Kein anderer Kontinent ist für seinen Konsum stärker auf fremdes Land angewiesen als Europa (Quelle: Bodenatlas von BUND). Der Land-Fußabdruck der EU betrage 640 Mio. Hektar (eineinhalbmal so viel wie die Fläche aller 28 Mitgliedsstaaten).

Agrarpreise:  Mittlerweile diktiert der Weltmarkt die Agrarpreise. Der Weltmarkt wächst auch. Insofern sinken die Einflussmöglichkeiten der einzelnen Landwirte. Aktuelle, kurzfristige Schwankungen der Preise häufen sich. Es muss vorsichtiger kalkuliert werden. Folgende Einflussfaktoren sind wichtiger geworden: gute oder schlechte Ernten in mehreren Erzeugerländer (Angebot), Tendenzen der globalen Konjunktur und Nahrungsmittelnachfrage, Krisenentwicklungen (Horten) und Nachfrage, Einzelhandelsstruktur und Preiskämpfe (Handelsketten, Supermärkte). Durch den Klimawandel können importierte Nahrungsmittel teuerer und qualitativ schlechter werden. Häufiges Extremwetter bedroht die Ernten von Kaffe, Orangen und Bananen.  Zum 31. März 2015  läuft in der EU die Milchquote aus. Milcherzeuger dürfen nach 30 Jahren wieder so viel Milch produzieren, wie sie wollen. Es bleibt abzuwarten, wie sich das auf den Markt und die Preise auswirkt. 

Agrarexporte: Bei den Weltagrarexporten liegen die USA vor den Niederlanden und Deutschland. Die Einnahmen von Deutschland betrugen 2015 75 Mrd. $ (Quelle: WTO). 2016 entfielen 3,28 Mrd. € auf Obst und Gemüse (Quelle: Destatis, Deutscher Bauernverband).

Auswirkungen der Spekulation: Spekulationen können Nahrungs- und Rohstoffpreise beeinflussen. Ökonometrisch lässt sich allerdings weder ein Einfluss auf die Preise noch das Gegenteil feststellen. Die Future-Preise wirken sich allerdings auf die Kassapreise aus, wenn die Übernachfrage auf dem Future-Markt über einen längeren Zeitraum hoch ist. Vgl. Conrad, C. A.: Die Auswirkungen der Spekulation mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen, in: Wirtschaftsdienst 2015/6, S. 429ff. 2007/2008 stiegen die Maispreise in Äthiopien um 100 Prozent. Die Weizenpreise in Somalia um 300 Prozent. Mitte 2015 wetten Spekulanten auf steigende Preise bei Kakao. Kakao ist knapp und teuer. Händler und Lebensmittelkonzerne wehren sich. Kakao ist Spielball der Finanzmärkte. 2016 ist der Weltmarktpreis für Vanille in schwindelnde Höhen geschossen. Schuld haben die Geldwäscher auf Madagaskar (zusätzlich gibt es wegen des Preises Heerscharen von Dieben). Von der Insel kommen über 50% der Vanille (seit über 100 Jahren; wegen des feuchtwarmen Klimas). Damit hat die Insel eine Art Monopol (Rest aus Indien, Indonesien und Mexiko).

Umweltschäden durch Landwirtschaft in Deutschland: Durch Nutztierhaltung wird Ammoniak freigesetzt, was dem Menschen in der Atemluft schadet. Der Stoff Nitrat gelangt durch Gülle in das Grundwasser. Die Landwirtschaft muss besser werden: Insektensterben, ausgelaugte Böden, verschmutzte Meere. Wir brauchen eine sinnvollere Landwirtschaft. Die stärkste Kraft dürften dabei die Verbraucher sein. Bei der Nitrat-Belastung wächst der Druck aus Brüssel auf Deutschland. Man droht Deutschland mit einer weiteren Klage. Die Bauern protestieren gegen schärfere Regelungen.

Genfood: Weltweit boomen die Gentech-Pflanzen (160 Mio. Hektar). Bei Baumwolle und Sojabohnen ist der Anteil mittlerweile höher als der konventionelle Anbau. Bei Mais und Raps ist der Anteil relativ hoch. Am stärksten wird mit Gen-Pflanzen in den Schwellenländern Brasilien, Argentinien und Indien gearbeitet. bei den Industrieländern liegen die USA und Kanada an der Spitze (Monsanto). Hauptsächlich werden Gene eingeschmuggelt, um Pflanzen gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel immun zu machen. Die EU-Kommission will 2012 die Vorschriften für gentechnisch veränderte Lebensmittel ändern. Deutschland ist dagegen. Bisher gibt es Labels, die für ohne Gentechnik stehen (Bio. ohne Gentechnik). Ohne Kennzeichnung sind gentechnisch veränderte Mikroben einsetzbar. trotz Siegel können gentechnisch veränderte Futtermittel verwendet werden. Kennzeichnungspflichtig ist die Verwendung von Zwischenstoffen aus gentechnisch veränderten Pflanzen. 2013 gibt Monsanto den Einsatz von Genpflanzen in Europa auf. Vorher hatten sich schon Bayer und BASF so entschieden. Die EU lässt den Gen-Mais 1507 zu. Es ist fraglich, ob er in Deutschland noch gestoppt werden kann. 2014 lässt der Fast-Food-Konzern McDonald`s den Einsatz von gentechnisch veränderten Futtermitteln in der Hähnchenmast zu, weil es keine ausreichende Menge an Gentechnik-freien Futtermitteln zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen mehr gebe. Die deutsche Geflügelindustrie verfüttert ab 2014 auch wieder genverändertes Soja. Die Handelsketten befürchten Umsatzeinbußen. In den USA sind schon 69,0 Mio. Hektar mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut (Mais, Soja, Baumwolle, Raps, Zuckerüben, Deutschland 35,5 Mio. Hektar Landesfläche). Dann folgen in der Reihenfolge der Anbaufläche Brasilien, Argentinien und Indien. Ab 2015 ermöglicht die EU nationale Verbote von Gen-Pflanzen (auch wichtig für die Freihandelsabkommen). In den USA wächst 2014 und 2015 die Gentechnik-Skepsis: Nur noch 37% der Konsumenten in den USA halten Genfood für sicher. General Mill, einer der größten Lebensmittelhersteller, hat Genpflanzen aus ersten Produkten verbannt. Die weltgrößte Biosupermarktkette Whole Foods will ab 2018 alle Produkte mit Genfood kenntlich machen.   "Die grüne Gentechnik hat sich als Holzweg erwiesen", Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin 2015. Argentinien ist mittlerweile das größte Anbaugebiet von Soja, genmanipuliert und unter Einsatz großer Mengen von Pestiziden und Herbiziden (Monsanto). Soja ist zum Exportgut Nr. 1 geworden. Die Monokultur verbraucht Wasser in großen Mengen, laugt die Böden aus und führt zu Missbildungen bei Menschen. 2015 genehmigt die EU die Einfuhr genveränderter Pflanzen für Hersteller aus den USA und Deutschland. Es wird aber nicht der Anbau in Deutschland erlaubt. Die Produzenten sind BASF, Bayer, Monsanto und Du Pont. Pflanzen werden nicht nur aktiv durch Gentechnologie verändert, sondern auch durch Züchtung. Zum Beispiel werden moderne Tomaten eher auf Farbe gezüchtet. Dabei wird oft ein Gen abgeschaltet, das für die Aromen sorgt. Die EU-Staaten wollen es ab 2017 der EU-Kommission überlassen, welche Neuzulassungen und Verlängerungen von Genmaissorten es geben soll. Es geht um die Sorten MON180 (Monsanto, USA), das Produkt 1507 (Dupont, USA) und Bt11 (Syngenta, Schweiz).

Genetik und Lebensmittel: Start-ups und Techkonzerne züchten in Zellfabriken tierlose Steaks und Bakterien. DNA wird als Megafestplatte genutzt. Im 21. Jahrhundert könnte dies die Lebensmittelindustrie revolutionieren. In Zukunft könnte man vielleicht Leben programmieren. Führend auf dem Gebiet ist Israel.

Lebensmittel: Die Macht der großen Lebensmittelkonzerne wächst. Dazu gehören Nestle, Mondelez, Unilever, Danone, Mars und Oetker-Gruppe. Der Lebensmittel-Markt ist immer globaler. Die USA und Brasilien dominieren den Weltmarkt für Hühnerfleisch. Mexiko ist stark bei Blumenkohl und Brokkoli. Brasilien exportiert den meisten Zucker. China exportiert Dosenpilze und Knoblauch. Die Ukraine ist der größte Exporteur von Sonnenblumenöl. Quelle: Der Spiegel, 31/2013, S. 36. Die höchste Palmölproduktion haben Indonesien und Malaysia. Die Produktion wird vom multinationalen Unternehmen Wilmar beherrscht, das die Lebensmittelkonzerne Unilever und Nestle beliefert. Das Öl wird mit brutalen Methoden gegen Menschen gewonnen. Es gibt aber auch Lichtblicke. So züchtet der japanische Forscher Hiroyuki Watanabe Biogemüse in Fabriken mit LED-Licht (Rotes Licht - süßerer Geschmack; Blaues Licht- mehr Vitamine; Violettes Licht - Dunklere Blätter und mehr Nährstoffe). Auch in Berlin werden mittlerweile in großen Fabrikhallen und Kellerräumen Gärten betrieben (Indoor-Farm). Zuckerrohr war einst das weiße Gold. Wahrscheinlich wurde die Verarbeitung zu Zucker im 4. Jahrhundert in Indien entwickelt. Die Römmer importierten Zuckerrohr für die Medizin. Die Araber sorgten für die Verbreitung im Mittelmeerraum. Vom Luxusprodukt zur Massenware wurde Zucker durch die Entdeckung Amerikas und die Sklavenarbeit. Haiti, Jamaika und Cuba wurden zu Zentren der Zuckerproduktion. 1742 entdeckte der deutsche Chemiker Andreas Marggraf den hohen Zuckergehalt der Runkelrübe (durch die Wirtschaftsblockade Napoleons gegen England kam die Expansion). Die Südzucker AG mit Sitz in Mannheim ist der größte europäische Zuckerhersteller. Das dritte Jahr in Folge sind 2014 die weltweiten Lebensmittelpreise gesunken. Dies betrifft einen Preisindex aus fünf Gruppen von Grundnahrungsmitteln (Quelle: FAO). In China selbst will die Regierung den Chinesen die Kartoffeln ("Erdbohnen", tudou) schmackhaft machen. Schon heute ist China der weltgrößte Kartoffelproduzent (jede vierte Kartoffel). Die Kartoffel ist ideal für arme Kleinbauern, weil sie weniger Wasser benötigt als Reis oder Weizen. Durch Kochserien und andere Maßnahmen soll den Chinesen der Verzehr näher gebracht werden. Manchmal gibt es auch tragische Veränderungen in der Globalisierung: Teff ist Grundnahrungsmittel in Äthiopien. Das Getreide ist glutenfrei. So entdeckt es auch der Westen und das Land exportiert immer mehr. Die eigenen Menschen hungern. 2015 droht Nestle in Indien ein großer Imageschaden: In Maggi-Nudeln wird Blei gefunden. In Reis und Reisprodukten wird immer mehr Arsen gefunden (Reispflanzen nehmen Arsen aus dem Boden auf; Arsen begünstigt Krebs). Der WWF gehen in Deutschland pro Jahr von der Ernte bis zum Verbraucher rund 18 Mio. Tonnen Lebensmittel verloren (Schätzung für 2012). 2015 gerät das Palmöl in die Diskussion. das italienische Produkt "Nutella" (Ferrero) wird non der französischen Regierung angegriffen. Darin sei Palmöl, für das Regenwälder in Indonesien und Malaysia gerodet würden. Bei einer Razzia von Europol und Interpol werden weltweit 9800 Tonnen Lebensmittel im Wert von 230 Mio. Euro beschlagnahmt.

Lebensmittel als Abfall (auch Ressourcenverbrauch): 55 Kilo Lebensmittel pro Kopf landen in Deutschland jedes Jahr im Abfall. Diskutiert wird über die Hauptschuld: private Haushalte oder Handelsketten. 1000 Tafeln in Deutschland holen gespendete Waren bei Supermärkten ab. 2,4% der aussortierten Waren landen bei den Tafeln. Wichtig für diese Prozentzahl ist die Fehlertoleranz. 820 Liter Wasser kostet die Produktion von einem Kilo Äpfel.

Betrug mit Lebensmitteln: Beispiele: Gammelfleisch in Gelatine, gepanschtes Olivenöl, Pestizid-Erdbeeren. Das ist ein Milliardengeschäft, auch für die Mafia. In Europa gründeten zehn Länder die Europol-Operation Opson. 2019 nehmen schon 78 Staaten teil. 2018 wurden 672 Personen bei den Opson - Einsätzen von Europol und Interpol festgenommen. 186 Lebensmittelrückrufe gab es 2018 in Deutschland. Das Risiko, ertappt zu werden, ist gering. Es feheln auch gerichtsfeste Vorgaben zur Qualitätssicherung. Vgl. Book, Simon/ Hielscher, Henryk: Fake Food, in: WiWo 2019/ 28, 5.7.2019, S. 16ff.

Fertigprodukte: Ab Ende 2019 will die Lebensmittelwirtschaft in Deutschland mehr für gesunde Ernährung tun. Es wird eine Grundsatzvereinbarung mit der Bundesregierung getroffen: Fertigprodukte sollen weniger Zucker, Salz und Fett enthalten. Besonders geschützt werden sollen Produkte für Kinder (Tee, andere Getränke), damit sich Kinder nicht an Zucker gewöhnen.

Landwirtschaft: Der Mangel an Nahrungsmitteln und Hungersnot ist paradoxerweise zumeist in jenen Ländern am akutesten, die sich auf die Produktion von Nahrungsmitteln spezialisiert haben. In den letzten 50 Jahren hat die Landwirtschaft einen höheren Produktivitätszuwachs erfahren als die meisten Industrien. Trotz der enormen Produktivitätssteigerung ist die Anzahl der Armen und Hungernden in der Welt nicht gesunken. Vgl. Erik S. Reinert: Warum manche Länder reich und andere arm sind, Stuttgart 2014, S. 96ff. Besonders wichtig ist die "Evergreen Revolution" in der Landwirtschaft. Sie ging von Norman E. Borlaug in den USA/ Iowa aus. Es geht im Kern um die Anpassung der zentralen Getreidesorten wie Weizen, Mais und Reis an den Klimawandel ohne Einsatz der Gentechnik. Vor allem durch die Bekämpfung von Schädlingen, die Vermeidung von Erntekatastrophen  konnte die Produktion der Landwirtschaft erheblich gesteigert werden. Die globale landwirtschaftliche Nutzfläche pro Person ist zurückgegangen und wird weiter zurückgehen: von 2420 qm 2008 auf 1810 qm 2050. Gleichzeitig werden immer mehr Tiere gehalten: 2005 259 Mio. Tonnen Fleischproduktion, 2050 455 Mio. t (Quelle: FAO). Die Zahl der unterernährten Menschen lag 2014 bei 805 Mio. (gleiche Quelle). In der deutschen bzw. europäischen Landwirtschaft könnten Subventionen genutzt werden, um die Globalisierung der Landwirtschaft zu stoppen. Ein Klimagutachten fordert 2016 höhere Steuern auf Fleisch und Milch. Es solle der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19% gelten. Dies können den Ausstoß von Treibhausgase3n verringern. Die Landwirtschaft steht weltweit vor dem größten Umbruch. Ökologie, Technik (Roboter), Konsumenten und Politik machen Druck für Veränderungen. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland hat sich stark verringert (von 588.000 1995 auf 268.000 2017; Quelle: Destatis). 2014 gerät die Torfwirtschaft in Deutschland unter Druck.  Das Trockenlegen von Mooren und der Einsatz von Torf gilt als "Klimakiller". Die grüne Landwirtschaft will deshalb des Aus für Torf. Besonders in Niedersachsen hat die Torfwirtschaft eine gewisse Bedeutung. Zu Beginn von 2015 schlagen die "sieben Umweltweisen" der Bundesregierung Alarm: Sie fordern eine deutliche Stickstoffreduzierung in Wasser, Boden und Luft. Versucher ist hauptsächlich der Dünger in der Landwirtschaft. Mitte 2015 verfallen die Milchpreise in der EU. Gründe sind die schwächere Nachfrage aus China und russische Importverbote. Die Bauern in Deutschland, Frankreich und Belgien fordern Unterstützung vom Staat. 2018 erwartet die Agrarbranche in Deutschland einen neuen Umsatzrekord. Verbraucherschützer kritisieren den Stillstand in der Lebensmittelpolitik. Die extreme Trockenheit 2018 führt zu Milliardenschäden. Es drohen Erntausfälle und steigende Futterkosten. Der Präsident des Bauernverbandes fordert Subventionen vom Bund. Das Landwirtschaftsministerium lehnt eine Dürre-Soforthilfe ab. Eventuell soll es Unterstützung für die Viehzucht geben (Futtermangel). Die Probleme sind regional. Grundsätzlich geht es um die Frage, ob Dürre zum unternehmerischen Risiko gehört. Aber auch darum, inwieweit die Landwirtschaft selbst durch ihre Produktionsweise zum Klimawandel beiträgt. Das Landwirtschaftsministerium erlässt im August 2018 eine Verordnung, wonach Landwirte auf so genannte Zwischenfrüchte zum Füttern zurückgreifen können. Für weitere Hilfen sollen die Ernteberichte abgewartet werden. Es gibt dann 340 Mio. Euro für dürregeschädigte Landwirte (Bund 150 bis 170 Mio. €; Länder bis 170 Mio. €). Davon werden bis Mitte 2019 170 Mio. € abgerufen (6311 Anträge; die Hälfte der Mittel).

Kontrolle landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung: Ein Betrieb muss in Deutschland alle 17 Jahre mit einer Überprüfung von Amts wegen rechnen. Tierschützer fordern häufigere Stichproben und mehr Personal für die Behörden. Die Kontrollen sind Sache der Länder, die sie an die Landkreise delegieren. Auch das Bundeslandwirtschaftsministerium sieht Handlungsbedarf.

Landwirtschaft und Ausbeutung: In vielen europäischen Ländern findet eine Ausbeutung in der Landwirtschaft statt. Dabei werden auch Flüchtlinge eingesetzt. So in Südspanien, damit in deutschen Läden das ganze Jahr Erdbeeren und Tomaten angeboten werden können. Ebenso werden Flüchtlinge in der Landwirtschaft in Griechenland und Süditalien sowie in Portugal eingesetzt.

Nitratbelastung des Grundwassers: Der EuGH stellt 2018 fest, dass in Deutschland durch die Landwirtschaft zu viel Nitrat ins Grundwasser und den Boden gelangt (Überdüngung mit Gülle). Das Gericht gibt damit einer Klage der EU-Kommission gegen Deutschland statt. Diese hatte Versäumnisse vor 2014 moniert. Die Bundesregierung hat 2017 die Düngeregeln für Bauern schon verschärft. Laut Umweltbundesamt weisen 18 % aller Kontrollstationen zu hohe Werte auf. Die Deutsche Umwelthilfe will gegen die hohe Nitratbelastung klagen. Im Juni 2019 verständigt man sich auf einen gemeinsamen Kurs von Landwirtschaftsministerium, Umweltministerium und der EU.

Schadstoffe und Gifte: Täglich nimmt unser Körper Schadstoffe auf. Dies geschieht über die Wege einatmen (Klebstoffe, Zigarettenrauch, rußende Kerzen, Möbel und Teppiche), Berührung (Kosmetika, Textilien; Formaldehyd, Aufheller, Galaxolid, Styrol) und essen (Pflanzenschutzmittel, Verpackungen; Botulintoxide, Dioxin, Rizin, Tetrotoxin, Bausäure).

Agrarkonzerne in der Welt: Nach Umsatz und Ergebnis führt das US-Unternehmen Monsanto 2016. Dann folgt Syngenta aus der Schweiz. An dritter Stelle liegt DuPont (Frankreich). Dann folgt Bayer aus Deutschland. Der Konzern kann 2016 Monsanto übernehmen. Dahinter liegt die BASF. Nach den vielen Zusammenschlüssen ergibt sich 2018 folgende Reihenfolge: 1. Bayer und Monsanto. 2. Chemchina und Syngenta. 3. Dupont und Dow. 4. BASF. 5. FMC und Dupont Pflanzenschutz. 6. Nestle. Diese Agrochemieunternehmen beherrschen die Ernährung der Menschheit (tragen eine große Verantwortung für das Essen der Welt). Der Kunde ist ausgeliefert. Im Juni 2019 wird Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wegen zu großer Nähe zu Nestle kritisiert (YouTube -Video). Im Zuckerstreit werben auch andere Firmen mit der Reduktion von Zucker (Danone, Iglo, Einzelhandel). Der Ablauf erinnert an die Automobilindustrie und das Verkehrsministerium.

Agrarpolitik der EU: Fast 60 Mrd. €, das sind etwa ein Fünftel des EU-Haushalts fließen jährlich in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). De größte Teil wird als Direktzahlung pro Hektar geleistet. Nur ein Drittel der Mittel fließt in Umweltschutz oder Tierschutz.

Agrarsubventionen: Sie stehen regelmäßig in der Kritik. Die anhaltende Dürre der letzten Jahre hat zu weiteren Hilfen geführt, aber die Extreme betreffen viele. Überschwemmungen und Dürre werden zunehmen. Die Frage der Entscheidung zwischen Gemeinwohlleistung und Markt wird aktuell bleiben.  Eigentlich sollte Geld gezielt für die Entlohnung von Leistungen der Landwirtschaft im Umwelt- und Klimaschutz sowie für die Erhöhung des Tierwohls verwendet werden.

Agrarexporte: An der Höhe der deutschen Agrarexporte taucht immer wieder Kritik auf. "Es ist keine tragfähige Strategie, jeden chinesischen Kühlschrank mit Schweinefleisch aus Deutschland zu versorgen", Umweltministerin Barbara Hendricks auf der Grünen Woche 2018 in Berlin. Gefordert wird eine flächengebundene Tierhaltung, bei der nur so viele Schweine, Rinder und Hühner gehalten werden, wie Boden zum ausbringen von Gülle und Mist vorhanden ist. Das liefe auf eine Eindämmung von Riesenställen hinaus. Die Agrarexporte aus Deutschland haben 2017 einen Höchststand erreicht (78,3 Mrd. €, Quelle: Gefa). Die USA stören sich erheblich an der Abschottung des EU-Agrarmarktes. Trump will das Argument der Biotechnologie (Gen) nicht akzeptieren. Auf der anderen Seite werden die US-Farmer hoch subventioniert (siehe oben).

Internationale Produktstandards (Zertifikate): Wichtig für den globalen Handel mit landwirtschaftlichen Produkten. Dei Standards knüpfen bei den Erwartungen der Verbraucher an. Eine Organisation, die diese festlegt ist GLOBALG.A.P. in Köln ("Gute Agrarpraxis").

Nationale Zertifikate, Label, Gütesiegel, Logos: Es gibt viele solcher Gütesiegel. Einige sind auch umstritten. So wie das vom Bundeslandwirtschaftsministerium geplante Tierwohlsiegel. Es gilt nur für Schweine, ist freiwillig und nach der Ansicht der Kritiker zu lasch. Es soll ab 2020 kommen. Es soll für artgerechte Tierhaltung stehen. Es soll in drei Stufen kommen: 1.Mindestens 20% mehr Platz. 2. Andere Tiere wie Geflügel sollen folgen. 3. Später verpflichtend. Der Handel führt schon 2019 ein Tierlabel ein. Es sagt allerdings nichts über die Haltung der Tiere und den Transport aus.

Ökolandbau (Bioprodukte): Die Nachfrage nach Bioprodukten steigt ständig (seit 2000 Anstieg des Umsatzes um 262%). Die hohe Biogasförderung (Energiepflanzen besetzen ein Fünftel des Ackerlandes in Deutschland), Billigimporte (aus China?) und explodierende Landpreise setzen die Branche unter Druck. Weltweit ist China 2015 schon der viertgrößte Markt für Bioprodukte. Die Lebensmittelindustrie steckt dort in einer Vertrauenskrise. Gebildete Städter kaufen bewusster ein. Es gibt auch eine Gegenbewegung zur Businesskarriere mit einem neuen Leben auf dem Land. Naturkostläden haben 2015 mehr in Deutschland umgesetzt. Das Erzeugerangebot in Deutschland reicht nicht aus (Nachfrage wächst stärker als die Produktion). Immer mehr muss importiert werden (was agrar- und umweltpolitisch unsinnig ist). Die Bioökonomie nimmt auch Einfluss auf die Entwicklungspolitik. Bis 2050 müssen wahrscheinlich über 9 Mrd. Menschen auf der Erde ernährt werden. In Deutschland ist der Anteil der Bio-Landwirtschaft aber gering: 4% des Ackerlandes, 5% des Viehbestandes werden nach ökologischen Grundsätzen bewirtschaftet. Im Koalitionspapier der GroKo im Februar 2018 soll bis Ende 2019 ein mehrstufiges staatliches Tierwohl-Label geschaffen werden. Ab 2020 sollen 20 Prozent der Landwirtschaft ökologisch sein. 2017 ist die Bio-Anbaufläche in Deutschland um rund 10% gestiegen. Auch die Nachfrage nach ökologisch erzeugter Nahrung steigt. ein grundsätzlicher Nachteil von Bio-Landwirtschaft ist, dass sie zu viel Fläche verbraucht. Also brauch man immer eine Kombination von Bio- und konventioneller Landwirtschaft (Uni Göttingen).  Die Nürnberger Biofach ist die weltgrößte Fachmesse. Die Bundesregierung hat 2009 den Bioökonomierat einberufen. 2018 anlässlich der Grünen Woche in Berlin demonstrieren Öko-Bauern für eine bessere Förderung des Ökoland-Baus und gegen die "industrialisierte Landwirtschaft" ("Wir haben es satt"). 2018 soll eine neue EU-Öko-Verordnung für die Landwirtschaft kommen. Sie setzt neue Öko-Standards. In Deutschland gibt es 2019 immer mehr Bio-Lebensmittel. Der Importbedarf nimmt ab, weil die Anbaufläche in Deutschland stark wächst.

Bio-Lebensmittelläden: Sie bekommen immer mehr Konkurrenz von Supermärkten und Discountern (Rewe, Lidl, Aldi). Der Wettbewerb geht hauptsächlich über den Preis. Die Bio-Konsumenten splitten zunehmend ihre Einkaufsgewohnheiten (hybrid). Beim Discounter ist in der Regel das einfachste Bio-Siegel (EU-Siegel). In Ludwigshafen gibt es als alt eingesessenes Bio-Geschäft die Kichererbse. Der Umsatz von Biolebensmitteln steig in Deutschland von 3,2%  2007 (5,3 Mrd. €) auf 5,3% 2018 (10,9 Mrd. €).

Nahrungsmittelkonzerne (Multis): Fertigessen - Produkte (vor allem industriell hergestellt). Dazu gehören Nestle, Coca-Cola, PepsiCo, Unilever, Danone, Mondelez International, Kraft Heinz. Sie beherrschen als Oligopolisten den Weltmarkt. diese Konzerne haben großen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten, das Übergewicht und die Gesundheit in der Welt.

Landwirtschaft 4.0: Der Ökonom T. R. Malthus meint noch, dass es das Schicksal der Menschheit sei, dass die Bevölkerung stets stärker wachse als die Landwirtschaft. Heute weiß man dass das die Produktivitätsfortschritte enorm sein können. Es gibt zwei Grenzen dafür: Anbaufläche und Wasser. Am besten könnte eine Veränderung des Konsumverhaltens helfen (weniger Fleisch essen). Die technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft stehen ökonomische entgegen: Die Nahrungsmittel in Schwellenländern und Entwicklungsländern werden in kleinbäuerlichen Strukturen bereitgestellt. Technologische Fortschritte (Drohnen, Gentechnologie) würden zu Fusionen führen und eine große Arbeitslosigkeit verursachen.

Smart Farming: 1. Autonome Traktoren. 2. Ernteroboter. 3. Drohnen. 4. Melkroboter. 5. Precision Farming. 6. Erntedaten live abrufen( automatische Dokumentation für mehr Transparenz). Jeder zweite Landwirt in Deutschland arbeitet mit digitalen Lösungen 2018. 8% der Landwirte setzen Roboter ein, 4% Drohnen. Die Landwirtschaft gehört zu den führenden Wirtschaftsbereichen im Hinblick auf Automatisierung und Digitalisierung. Der Landwirt wird zum Hofmanager mit Smartphone. Schon jeder zehnte Bauer in Deutschland setzt 2018 Drohnen ein.

Essbare Stadt nach dem Gießkannenprinzip: Obst, Gemüse, Salat und Kräuter werden zunehmend in Städten angebaut. Himmelsfarmen gibt e sin vielen Metropolen. Bundesweit haben 2018 über 100 Rathäuser beschlossen, selber ihr Gemüse anzubauen. Für Kommunen ist diese Bepflanzung oft günstiger als eine Saisonbepflanzung mit Hecken oder Geranien, die erneuert werden müssen. Als Vorbilder gelten die Gewächshäuser in Singapur mit künstlichem Licht. Auch in Brüssel gibt es schon Hochhausdächer mit Nutzpflanzen, wie auch in Tokio.

Vertical Farming: Ackerbau im Hochbetrieb. Eine wichtige Rolle spielt die Lichtindustrie. Mit moderner LED-Technik lassen sich Geschmack, Frische und Größe präzise steuern. In diesem Bereich gibt es auch immer mehr Gründungen. Bekannt ist etwa "Herbert". Das sind zwei Wiener Gründer, die einen vertikalen Gemüse- und Kräuterladen betreiben.

Foodruption: Höher, schneller, weiter in der Beschaffung von Lebensmitteln. Anpassung an den digitalen Wandel. Als Konzepte gibt es etwa Crocerant, Blockchain oder Aquaponic. Den Markt teilen sich folgende Kategorien von Hauptakteuren: DIY-Dinner, Pocket Food, Direktverkäufer und digitale Restaurants.

Landgrabbing: Fehlende Ernährungssicherheit hat einige Staaten und Investoren dazu bewogen, in anderen Ländern Anbauflächen zu erwerben. Über 50% der Ländereien, die ausländischen Investoren gehören, liegen in Subsahara-Afrika. Am aktivsten ist dabei China. Es hat viel Agrarfläche gekauft in folgenden Ländern: Demokratische Republik Kongo, Sambia, Mosambik, Tansania. Deutschland besitzt Land in Äthiopien. Sehr aktiv sind auch Saudi-Arabien und Katar.

Biologische Pflanzenschutzmittel: Schädlinge können ganze Ernten vernichten. Um sie zu bekämpfen, setzte man auf die von Agrarkonzernen und Chemiefirmen entwickelten chemischen Spritzmitteln. Da diese große Nebenwirkungen haben, werden immer mehr biologische Mittel eingesetzt. Dazu gehören Schlupfwespen, Marienkäfer und Hummeln. Der Agrarforscher Hans Rudolf Herren aus der Schweiz erhielt für seine Forschungsergebnisse 2013 den alternativen Nobelpreis. Ohne biologische Mittel wird die Welt nicht satt werden. Es gibt auch Zweifelsfälle: Bei der Schädlingsbekämpfung setzt der Bioanbau auf Kupfer. Das Schwermetall reichert sich im Boden an. Über die Auswirkungen weiß man noch wenig. 2016 gerät das nicht-biologische Unkrautvernichtungsmittel Glyphosan wieder in die Schlagzeilen. Es geht um die Verlängerung der Zulassung in der EU. Hersteller des Mittels ist Monsanto.

Aquakultur: Weltweit nimmt diese Form der kontrollierten Aufzucht von Fischen und Muscheln stark zu. In Deutschland kamen 2011  39.000 t Fisch von Aquakultur-Betrieben (4800 Betriebe). An der Spitze liegen die Regenbogenforellen vor Karpfen und Lachsforellen. In der Aquakultur gibt es auch eine  weltweite Arbeitsteilung. Schottische Firmen importieren etwa Laich aus Norwegen. Der Lachs wächst in Schottland auf. Geräuchert wird in Polen. In China wird er dann weiter verarbeitet und kommt vielleicht in Deutschland auf den Tisch. In der Region gibt es eine Meeresfischfarm in Völklingen. Die Anlage wird auch als Prototyp für weitere urbane Fischfarmen gesehen. Finanziell ist das Projekt ein Desaster für die Stadtwerke.

Lebensraumverlust: Die menschliche Besiedlung hat sich im Laufe der Jahrtausende ausgebreitet. Vor allem die Industrialisierung im 19. Jahrhundert hat die wilden Lebensräume drastisch eingeschränkt. Die Agroindustrie ist einer der größten Treiber für den Verlust und die Fragmentierung von Lebensräumen.

Fisch, Überfischung: Viele Arten sind wegen Überfischung der Meere und Flüsse bedroht. Greenpeace rät 2016 sogar zum Verzicht und stellt eine Liste der bedrohten Arten auf. Es werden 115 Arten bewertet. Zur Überfischung trägt zum Teil die Ausweitung der Fischzucht (Aquakultur) bei. Futter besteht zum großen Teil aus Fischmehl. Die weltweit geächtete Schleppnetzfischerei gefährdet empfindliche Ökosysteme am Meeresboden und an Korallenriffen. Der Beifang beträgt im Mittel 25%. (Quelle: Fischer Weltalmanach 2018, S. 707). Die deutschen Fischer haben 2018 zwei Krisen zur gleichen Zeit: Der Klimawandel vertreibt den Kabeljau und andere Fischarten. Mit dem Brexit drohen die bedeutendsten Fanggründe verloren zu gehen.

Stör/ Kaviar: Das Nahrungsmittel steht für Luxus. Die besten der Welt kommen aus Russland und China. Auf dem Qiandao-See befindet sich eine Zuchtanlage.

Wale: Seit 1986 gilt ein weltweites Walfangverbot. Drei Länder haben sich diesem Verbot nicht angeschlossen: Japan, Island, Norwegen. Wirtschaftlich lohnt sich der Fang nicht mehr. Es ist lukrativer, Touristen zur Besichtigung von Walen zu fahren. Kulturelle bzw. traditionelle Gründe geben wohl den Ausschlag. Wissenschaftliche Gründe werden vorgeschoben.

Blaualgen: Man kann aus lebenden Cyanobakterien Strom erzeugen. Das geschieht, indem die Bakterien bei Licht Kohlenstoff und Wasser in Zucker und Sauerstoff umwandeln und bei Dunkelheit diesen Zucker unter Verbrauch von Sauerstoff wieder zerlegen.

Bienen: Tödliche Seuchen, Verlust von Lebensraum, Nervengifte in Ackerpflanzen bedrohen die Honigbiene weltweit. Das könnte für die Landwirtschaft und die Menschheit eine Bedrohung werden. Ökonomen sehen die Bienen als drittwichtigstes Nutztier (Bestäubung, Honig, Landwirtschaft, Vielfalt). Bauern und Imker wollen mehr kooperieren. Eine andere Spritztechnik in Rapsfeldern soll die Insekten schützen. Ende Februar 2018 bestätigt ein Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), dass so genannte Neonicotinoide ein Risiko für Bienen darstellen. Das sind drei für Bienen giftige Insektizide: Clothinidin, Imidacloprid, Thiamethoxan. Die Verwendung in der Landwirtschaft, die strengen Auflagen unterliegt, soll weiter verschärft werden. Bayer, ein Hersteller, bezweifelt den Bericht. 2019 zeigen Freilandversuche, dass Bienenvvölker Insektizide ganz gut wegstecken, Hummeln aber nicht. Im Jahre 2017 haben sich die Importe von Honig nach Deutschland um 4,7% erhöht gegenüber dem Vorjahr. 2018 entsteht eine Plattform im Internet, die Bienen von Imkern an Bauern vermietet. Eine Studie der Uni Texas in Austin beweist im September 2018, dass Glyphosat Bienen gefährdet. Im Februar 2019 gibt es ein bayerisches Volksbegehren zur Rettung der Bienen. Es zwingt den Freistaat zu mehr Naturschutz. Es soll einen runden Tisch und eine Parlamentsvorlage geben. Die bayerische Regierung setzt noch 2019 das Volksbegehren in ein Gesetz um. Es folgt ein Doppelgesetz: ein Gesetz zum Arten- und Naturschutz. Am 27.Mai 2019 startet die EU eine Petition im Internet zur Rettung der Bienen.

Beesharing: Start-up, 2014 als Verein in Hamburg gegründet, ab 2016 Firma. Kunden sind mehr als 150 Landwirte und 1000 Imker. Die Finanzierung erfolgte über Wagniskapital, Privatinvestments, Kredite und Fördermittel. 2019 gibt es 19 Mitarbeiter. mittlerweile arbeiten 30.000 Bienen- und Hummelvölker.

Ameisen: Können sich innerhalb kürzester Zeit Klima - Veränderungen anpassen. Um auf andauernde Hitze oder Trockenheit zu reagieren, brauchen sie drei Wochen. Sie verändern die Wachsschicht auf ihrer Körperoberfläche. Ameisen haben eine ausgezeichnete Arbeitsteilung. Eine afrikanische Ameisenart bringt ihre Verletzten vom Schlachtfeld ins Nest und behandelt sie dort. Kein Oberhaupt gibt ihnen Anweisungen und doch funktionieren sie in Gemeinschaft besser als alleine. Ameisen haben auch eine wichtige ökologische Funktion: Sie bereiten den Erdboden auf.

Insekten: Einerseits erzeugen die Larven von Insekten viel Methan. Weil sich die Erde infolge des Klimawandels aufheizt, vermehren sich die Insekten rasant in Tümpeln (z. B. Schmelzgewässer der Tundra) und Seen. Weltweit könnten die Insekten verantwortlich sein für 1 bis 200 Megatonnen Treibhausgase. Andererseits setzen Ernährungsforscher große Hoffnungen auf diese Insekten. Sie könnten zukünftig eine große Rolle bei der Ernährung der wachsenden Erdbevölkerung spielen (z. B. Eiweißlieferanten; "gelbe Hoffnung"). Von 1989 bis 2016 ist die Zahl der Insekten um 79% zurückgegangen. Es gibt 2018 noch 33.000 Insektenarten. Die Bundesregierung stellt ab 2018  5 Mio. € pro bereit für den Insektenschutz. Es handelt sich um ein Aktionsprogramm. 41% der deutschen Insektenarten leiden 2018 unter starkem Populationsrückgang. Am stärkstenm betroffen sind Schmetterlinge, Käfer und Heuschrecken. Hauptursachen sind die Intensivlandwirtschaft, der Pestizideinsatz, die ökologische Anfälligkeit der Tiere und die Verstädterung. Mittlerweile gibt es einen Boom bei der Insektenzucht für die Produktion von Futtermitteln. die modernste Insektenfarm Europas steht 2019 in den Niederlanden.

Pelze: Pelz ist ein heikles Produkt. Für die einen sind Pelze ein Symbol für Luxus und Status, für andere ein blutbeflecktes Zeichen für Tierquälerei. Millionen Nerze, Füchse werden wegen ihres Felles gezüchtet. Norwegen will 2018 alle Farmen schließen lassen. Tierschützer hoffen, dass ein Pelzfarm-Verbot in Europa die Preise so in die Höhe treibt, dass sich die meisten keinen Pelz mehr leisten können. Modehäuser wie Gucci und Armani lassen schon lieber die Finger von Pelzen. Weltweit wurden 2016 75 Mio. Nerzpelze im Wert von 1,97 Mrd. € produziert.

Wölfe: Die Ausbreitung soll ab 2018 stärker kontrolliert werden. Nutztiere sollen besser vor Angriffen geschützt werden. 2018 beträgt die Anzahl etwa 500. Vgl. www.woelfeindeutschland.de . In Deutschland leben Wolfsrudel im Schwarzwald, in der Lüneburger Heide, in Brandenburg und im Alpenraum. 2019 soll ein Gesetz kommen, dass Wölfe leichter getötet werden können (wird beschlossen). Es häufen sich die Konflikte mit Weidetierhaltern. Agrarministerin Klöckner reicht das nicht aus.

Schafe: Sie haben auch eine wichtige ökologische Funktion. Mit ihren Tieren schützen Schäfer die Nordseeküste vor Erosion. Hitze, Wölfe und eine falsche Subventionspolitik hindern sie dabei. In Großbritannien leben zehnmal mehr Schafe als in Deutschland.

Schweine: 2019 steigen die Schweinepreise weltweit stark an. Grund ist die afrikanische Schweinepest, die in China wütet und dort schon den Schweinepreis um 50% in die Höhe getrieben hat. Weil in China die Mengen fehlen, wird Schweinefleisch aus Europa, insbesondere aus Deutschland, importiert. So dürfte auch dort der Preis stark ansteigen. Quelle: Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland. (ISN).

Küken: Im Juni 2019 entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Deutschland über das Kükentöten (männliche Küken, weil sie für die Fleischproduktion ungeeignet sind). Vorerst darf das Töten weitergehen, weil Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei vor der Praxiseinführung stehen.

Rotmilane, Schreiadler, Schwarzstörche: Die Tiere und ihre Horste sind streng geschützt. Gerade deshalb werden ihre Horste in großer Zahl immer wieder zerstört. Wahrscheinlich wollen die Täter den Bau von Windrädern beschleunigen. In der Regel stehen Windkraftprojekte an, wenn die Horste zerstört werden oder entsprechende Bäume gefällt werden.

Saatkrähen: Immer öfter taucht die Frage auf, ob der Kot und das Gekrächze von Saatkrähen, die auf Bäumen in Wohngebieten nisten, ein Übel ist, das beseitigt werden muss. Der Streit erreicht die Politik.

Schwalben: Der Bestand an Mehl- und Rauchschwalben in Deutschland geht zurück. Es gibt immer weniger Insekten und weniger Nistplätze.

Invasive Arten: Sie kommen in der Regel mit menschlichen Aktivitäten. Eine Minderheit kann massive Störungen verursachen.

Biomasse Energiepflanzen): 4 Prozent aller Kraftstoffe werden 2010 aus Pflanzen gewonnen. Bei einer Ackerfläche von 1,5 Mrd. Hektar auf der Welt sollen zukünftig 10% für Bioenergie genutzt werden. Dies geschieht, obwohl ca. 15% aller Menschen unterernährt sind (1,02 Mrd.). Die Höhe des Biospritanteils wird bis 2020 am höchsten in Brasilien liegen (58%) vor China mit 15%. Die EU wird dann ca. bei 10% sein. Allerdings werden dadurch die Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben. In den USA gehen bereits 30% der Maisernte in die Produktion von Bioethanol ein. Für die Bauern ist es ein Extrabonus, weil es Fördermittel gibt. Deutschland bringt 2011 E 10 (10% Bio-Ethanol), der aber nicht akzeptiert wird, weil zuverlässige Informationen fehlen. Es beginnt ein  Schwarze-Peter-Spiel. Als Mittel des Klimaschutzes ist E 10 weniger geeignet, weil er zu teuer und ineffizient ist. Deshalb wird mit der geringeren Abhängigkeit von diktatorischen Regimen geworben. Andere Mittel dürften wirkungsvoller sein, wie z. B. den Verkehrssektor in den Emissionshandel einzubeziehen. 2/3 der Biomasse sind noch ungenutzt. Dazu gehören auch Stroh und Reisig. Ebenso Krabbenschalen und Löwenzahnkautschuk. Abfälle von Stroh werden z. B. mit Enzymen aus Pilzen oder Termiten in Sprit verwandelt. Versuchsanlagen gibt es in Dänemark, Spanien, China , USA. Rheinland-Pfalz experimentiert mit Wärme aus Traubentrester (Tresterpellets). Große Hoffnungen werden auch in Algen gesetzt. Die EU plant im September 2012, den Abbau von Subventionen für Biokraftstoffe. Künftig wird die schlechte Umweltbilanz der Kraftstoffe aus Weizen und Mais berücksichtigt. 2012 sinkt der Bau von Biogas-Anlagen in Deutschland auf 300 (2009 bis 2011 jährlich 1000). Gründe sind auch die Rohstoffpreise und Akzeptanz. Ein deutsch-australisches Forscherteam weist 2014 nach, dass der Anbau von Energiepflanzen nicht gut fürs Klima ist. Der Anbau setzt Methan und Lachgas frei, weil zu viel Stickstoffdünger eingesetzt wird. Davon zu unterscheiden ist die Produktion bzw. der Ersatz von Rohstoffen aus Pflanzen: Continental entwickelt 20155 Reifen mit Kautschuk aus Löwenzahn. Ein großflächiger Anbau wird vorbereitet. Aus Lupinen kann Eiweiß gewonnen werden, so dass auf Soja verzichtet werden kann. Die ostdeutsche Prolupin kann so verschiedene Lebensmittel herstellen, was sonst auf Soja-Basis geschieht. "Ich habe fast jedes Windrad persönlich gestreichelt und jede Biogasanlage beschnuppert", Bundesumweltminister Peter Altmeier. 

Kurzumtriebsplantage: Hier werden schnell wachsende Hölzer wie Pappel oder Weide für die energetische Nutzung angebaut. Diese können nach drei bis acht Jahren maschinell geerntet werden.

Wasserkrise: Wasser ist der Urstoff des Lebens, ohne das nichts entstehen, wachsen und gedeihen kann. Bis 2050 werden nach Angaben des 2006 von der UNESCO vorgelegten 2.UN-Weltwasserberichts im günstigsten Falle 2 Mrd. Menschen in 48 Ländern und schlimmstenfalls 7 Mrd. Menschen in 60 Ländern an Wasserknappheit leiden (vor allem in Afrika, Südasien und Südamerika). Mehr als 70% der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt, allerdings ist nur ein Bruchteil davon als Trinkwasser oder zur Bewässerung von Feldern zu gebrauchen. Das Wasserproblem ist größer als das Ölproblem. Wasser ist der Rohstoff der Zukunft. Besonders betroffen ist auch China, vor allem im Weizengürtel. 243 Seen sind ausgetrocknet. In Tibet, wo fast alle großen asiatischen Flüsse entspringen, bat China Staudämme, um Wasser ins eigene Land zu lenken. Im Norden Chinas gibt es nur 20% der Wasserreserven, im Süden 80%. Auch Indien hatte erhebliche Probleme mit seinen Wasserreserven (ab 2025 Wasserstress; in Tibet schmelzen die Gletscher; Nepal hat große Binnenwasserressourcen, die Indien und China nutzen möchten; auch in den Flüssen Brahmaputra und Ganges ist immer mehr Schmutz und weniger Wasser). Es wird immer wärmer (Klimawandel) und das Wasser wird zur Bewässerung eingesetzt. Indien baut einen riesigen Zaun zu Bangladesch, um Klimaflüchtlinge abzuwehren. Der 3. Bericht von 2009 sieht eine Verschärfung, weil 90% des Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern stattfindet mit zunehmender Bewässerungslandwirtschaft. In Saudi-Arabien liegt der Wasserverbrauch siebenmal höher als in Deutschland. Lima, die Hauptstadt von Peru, könnte mit 8 Mio. Einwohnern in eine Katastrophe geraten. Die weltgrößte Entsalzungsanlage befindet sich in El Paso, Texas (pro Tag 104 Mio. l Süßwasser, Umkehrosmose). Wahrscheinlich werden in Zukunft Wassertanker eingesetzt, um das wertvollste Gut der Zukunft zu liefern. In Deutschland sorgt der Klimawandel für steigende Regenfälle, was den Grundwasserspiegel steigen lässt (u. a. wird Bauen teurer und der Stromverbrauch steigt). Rheinland-Pfalz will 2012 einen Wasser-Cent auf die Entnahme von Grundwasser einführen. Für die Kühlwassernutzung (BASF) soll es eine geringere Abgabe geben. Dieser Wasser-Cent kommt ab 2013. Die Landwirtschaft bleibt ausgenommen. Im März 2012 tagen 30.000 Wasser-Fachleute in Marseille (Weltwasserforum des Weltwasserrates). Ursprünglich wurde der Rat von der privaten Wasserwirtschaft als Interessensgruppe gegründet. Mittlerweile sind auch das chinesische Wasserministerium und andere öffentliche Institutionen Mitglieder. Es geht um den Umgang mit der knappen Ressource. Größter Wasserverbraucher ist mit 70% die Landwirtschaft. Der Wasserbrauch wird durch die Schwellenländer, Stromerzeugung u. a. bis 2050 drastisch steigen. Die EU gibt 2013 ihren Plan auf, die öffentlichen Wasserwerke zu privatisieren (Wasser bleibt bei der Konzessionsrichtlinie draußen; vgl. den Bürgerausschuss "right2water."). In Deutschland ist der Wasserverbrauch pro Kopf von 1990 in Höhe von 147 l auf 122 l im Jahre 2010 gesunken (-17%). Deshalb steigt in vielen Regionen der Grundwasserspiegel. Tadschikistan will im Pamirgebirge einen riesigen Staudamm bauen. Nachbar Usbekistan ist alarmiert. Im Westjordanland gibt es immer wieder Streit um die Wasserversorgung. Es gibt Vorwürfe, das Israel den Palästinensern weniger Wasser zur Verfügung stellt. Die Frage ist komplex, weil verschiedene Statistiken zur Verfügung stehen (Rede von Martin Schulz im israelischen Parlament: aus palästinensischen Wasserhähnen tatsächlich weniger Wasser; Oslo-Abkommen).  "We forgett, that the water cycle and the life cycle are one", Jacques-Ives Cousteau, (1910-1097, French marine explorer, filmmaker. Ring-Problem: Oft müssen knappe Ressourcen so aufgeteilt werden, dass sie von unterschiedlichen Akteuren nacheinander genutzt werden, beispielsweise beim Wasserverbrauch an einem Fluss. Hier muss eine sequenzielle Verteilungsregel entwickelt werden. Zur Verfügung stehen: Talmud-Regel, Constrained Equal Awards, Constrained Equal Losses, Proportionalitätsregel. In Deutschland bedroht die Massentierhaltung das Grundwasser: 160 Millionen Kubikmeter Gülle im Jahr fallen an. Die Deutschen fragen zu viel billiges Fleisch nach. 2015 untersucht die University of California die 37 größten Grundwasser Reservoire. Ein Drittel sind bereits übernutzt. In den USA gibt es 2016 einen Kampf ums Trinkwasser aus kommunalen Quellen. Konzerne wie Nestle, Coca-Cola und Pepsi wollen die Wasserabfüllung übernehmen. Die Bürger wehren sich meistens erfolgreich. Nach dem Fortschrittsbericht der UN 2019 haben weltweit mehr als 2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser (2,2 Mrd., mehr 29% aller Menschen).  "Ohne Wasser ist kein Heil", Johann Wolfgang von Goethe. Mittlerweile werden auch Wasserfußabdrucke ermittelt. www.waterfootprint.org . Besondere Wasserprobleme gibt es schon und dürfte es in Zukunft noch stärker geben in Mesopotamien. Die Türkei baute und baut weiter  Staudämme an Euphrat und Tigris auf ihrem Gebiet. Dadurch wird die Wasserversorgung und Landwirtschaft in Syrien und dem Irak gefährdet. Dabei nutzt die Türkei die Krisen dieser Länder geschickt aus. Gleichzeitig verschwinden viele uralte Kulturstätten im Wasser. Erhebliche Eingriffe in den Wasserhaushalt gibt es auch in Brasilien. So hat die Regierung Milliarden in umstrittene Megaprojekte wie die Umleitung des Rio Sao Franzisco gesteckt. Der Strom trocknet aus. Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Verschwendung von Trinkwasser machen Wasser in vielen Regionen der Welt zu einem knappen Gut. Damit werden die Wasseraufbereitung und das Handeln mit Wasserrechten zu einem Milliardengeschäft. Die USA sind der Pionier für das Handeln mit Wasserrechten. China richtet 2014 ein Pilotprojekt ein (nationale Börse für Wasserrechte). In Chile sind Wasserrechte seit 1981 privatisiert. Auch in Australien hat sich eine Börse etabliert. Die Familie Heinz aus Herxheim am Berg in der Pfalz war durch den Verkauf von Wasser aus ihrem Brunnen reich geworden (alle anderen Brunnen waren in einer Trockenheit außer Betrieb). Sie konnte sich wegen ihrer Monopolstellung und damit verbundenen Unbeliebtheit nicht mehr in der Pfalz halten und musste auswandern. Daraus entstand in den USA die Tomaten-Ketchup-Firma gleichen Namens 1876, die heute ein Weltkonzern ist. China baut massiv Kanäle, Tunnel und Aquädukte, um den regennassen Süden mit Peking zu verbinden. Es gibt drei große Routen (West-Route, Zentral-Route, Ostroute). Der Eingriff in die Ökosysteme ist enorm, so dass Langzeitschäden drohen. Zwischen der Türkei und Zypern ist seit 1999 ein 80 km lange Unterwasser-Pipeline gebaut worden, die 2015 fertig wird. Die Leitung ist technisch eine Meisterleistung. Das Wasser kann nicht genutzt werden, weil umstritten ist, wer die Leitung betreiben soll. Jordanien plant, Wasser vom Roten Meer ins tiefer gelegene Tote Meer zu leiten. In der ersten Baustufe soll Trinkwasser gewonnen werden. Ein Gutachten erweckt 2016 den Eindruck, dass der Rohstoffkonzern K + S in Deutschland seit Jahrzehnten wissentlich Grundwasser verunreinigt hat. Zum Weltwassertag am 22.03.2017 legt die Unicef einen Weltwasserbericht vor. Es wird eine Weltwasserkrise prognostiziert. Bis 2040 werden fast 600 Mio. Kinder in Regionen mit begrenzten Wasserressourcen leben. Abwasser sollte als Ressource genutzt werden. 2018 muss am Kap in Südafrika Wasser rationiert werden (verheerende Dürrejahre). Es werden Grenzwerte für den Wasserverbrauch eingeführt. Der Stadt könnte bald als erster großer Stadt der Welt das Wasser ganz ausgehen.

Wasserkriege: Schon lange gibt es Prognosen, dass irgendwann ein Krieg um Wasserrechte und -nutzung entstehen wird. In Asien, vor allem in Tibet mit fast allen wichtigen Quellen, verhindert dies nur die Macht Chinas. Anders sieht es in Afrika aus. Äthiopien will noch 2018 ein großes Dammprojekt am Oberlauf des Nils fertig stellen. Zwölf Staaten liegen im Einzugsbereich des längsten Flusses Afrikas. Sechs Prozent der Weltbevölkerung leben darin. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas Ägypten (100 Mio. Einwohner) besteht zum größten Teil aus Wüste und fühlt sich daher existenziell  bedroht. Hoffentlich können Diplomaten und Wassertechnokraten das Problem lösen. 2010 hat die Generalversammlung der UN in Resolution 64/292 Wasser als Menschenrecht anerkannt: "Die Generalversammlung erkennt das Recht auf einwandfreies und sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung als Menschenrecht an".

Wasser als knappes Gut: Wegen des Klimawandels und er damit verbundenen Dürre ist Wasser mittlerweile auch in Mitteleuropa und Deutschland ein knappes Gut (heiße und trockene Bedingungen). Das Umweltbundesamt warnt im Juli 2019 vor einem Verteilungsstreit in Deutschland: "Häufigere trockene Sommer bedeuten auch, dass sich voraussichtlich mehr nutzer um die Ressource Wasser streiten werden". Als neuer Nutzer von Wasservorräten wird die Landwirtschaft dazu kommen. Die Beregnungsbedürftigkeit wird bundesweit zunehmen. Die kommunalen Wasserversorger warnen bereits vor einer Konkurrenz zwischen Landwirtschaft und Industrie. Die Trinkwasserversorgung dürfte Vorrang haben.

Weltwasserforum: Besteht seit 1997. Es soll für die Probleme der Wasserversorgung sensibilisieren. Es tagt regelmäßig. 2018 trifft man sich in Brasilia. Immer mehr Menschen in der Welt leben in großen Städten, deren Wasserversorgung oft privatisiert und zu teuer ist. Vgl. Weltwasserforum .

Wasserkreislauf: Wasser wird von der Sonne erwärmt und verdunstet zu Wasserdampf. Pflanzen und Bäume nehmen mit ihren Wurzeln Wasser auf. aufsteigender Wasserdampf kühlt sich ab und kondensiert zu Wassertröpfchen. Wolken entstehen, je nach Lufttemperatur, als Wassertropfen oder Eiskristalle. In den Wolken stoßen Wassertropfen zusammen, verschmelzen und fallen als Regen, Graupel, Schnee oder Hagel. Wasser versickert durch Infiltration im Boden. Ein Teil des Wassers, das im Boden versickert, wird unter dem Gestein als Grundwasser gespeichert (mehr als 30% des Süßwassers). Das Grundwasser fließt unterirdisch zu den Flüssen hin und mündet mit ihnen schließlich in das Meer. Siehe Tony Juniper: Unsere Erde unter Druck, München 2017, S. 80f.

Meere: 22 Billionen Euro ist der Wert der Leistungen, den die Weltmeere pro Jahr für die Menschheit erbringen: Fischerei, Tourismus, Schifffahrt (Quelle: WWF). Das Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" stellt 2017 in einem Bericht fest, dass "im Meer mal mehr Leben war". Der Meeresspiegel steigt. Die Fischbestände schrumpfen. Es ist immer mehr Plastik im Meer. Die Ozeane versauern. Die Todeszonen wachsen. Zu den gleichen Ergebnissen kommt Mojib Latif in seinem Buch "Die Meere, der Mensch und das Leben, Freiburg u. a. 2017. Er zeigt eindrucksvoll auf, wie wichtig Ozeane als Nahrungsquelle sind, was die Folgen der Versauerung sind, was der Anstieg des Meeresspiegels bedeutet, wie wichtig die Meere für das Erdklima sind.  Das Tote Meer droht auszutrocknen. Jedes Jahr sinkt der Meeresspiegel um einen Meter. In 50 Jahren (ab 2017) könnte Schluss sein. Der Jordan wird so intensiv genutzt, dass im Toten Meer nur noch ein Rinnsal ankommt. Die Ozeane verlieren auch Sauerstoff. Die Weltmeere haben in den vergangenen 50 Jahren 2 Prozent Sauerstoff verloren (Quelle: Geomar Hemholtz-Zentrum für Ozeanforschung, 2018). Ursachen dafür sind der Klimawandel und die Überdüngung der Meere. Den Ozeanen geht buchstäblich die Luft aus. Die Todeszonen werden immer größer. Unter Wasser regeneriert das Ökosystem besonders langsam.

Meeresversauerung: Etwa die Hälfte des durch Menschen verursachten Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids wird von den Ozeanen aufgenommen. Dies hat zu einer schleichenden Versauerung des Meerwassers geführt.

Bedrohung der Ozeane: 1. Meeresverschmutzung (Gifte, Schwermetalle, Nährstoffe). 2. Steigende Nachfrage nach Ressourcen (Ergas und Erdöl, Sand, Kies, Steine; Aquakultur; Medikamente). 3. Überfischung. 4. Zerstörung von Lebensräumen. 5. Bioinvasion. 6. Klimawandel. Vgl. Lesch/ Kamphausen: Die Menschheit schafft sich ab, München 2018, S. 294ff.

Todeszonen: Hohe Schadstoffgehalte im Meer haben verheerende Auswirkungen. Stickstoff und Phosphor als Bestandteil von Düngemitteln lösen im Wasser Eutrophierung (Überdüngung) aus, zehren den Sauerstoff auf und schaffen Todeszonen. Vgl. Tony Juniper: Unsere Erde unter Druck, München 2017, S. 162.

Seen: Maßlose Fischerei und Einleitung von Abwässern bedroht viele Seen in der Welt. Am bekanntesten ist das Beispiel "Viktoriasee", der größte See Afrikas. Bedroht ist auch das Tote Meer. Der Salzsee braucht dringend Wasser. Das Naturwunder, das seit Jahrtausenden wegen seiner Heilkraft berühmt ist, soll durch einen Kanal gerettet werden. Die Ostsee, eigentlich ein Meer, war in den vergangenen 50 Jahren eher gestresst durch Luftnot, Überdüngung, Versauerung, Baustellenlärm, Müll, Artenschwund. Trotzdem geht es aufwärts, weil die Anrainerstaaten an einem Strang ziehen. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz ermittelt in einer Studie 2018, dass 92% der Gewässer in Deutschland in einem beklagenswerten Zustand sind. Dafür verantwortlich seien vor allem Dünger und Pestizide in der Landwirtschaft, die Schadstoffbelastungen durch den Bergbau und die Begradigung und Vertiefung  der Flüsse.

Flüsse: Viele Flüsse in der Welt sind durch Umweltverschmutzung und Gifte verdreckt. Sogar der heilige Fluss Ganges in Indien wird immer schmutziger. Der Gelbe Fluss in China ist zumindest an der Farbe nicht identifizierbar. Brasilien erlebt eine der größten Umweltkatastrophen 2015 am Rio Doce. Der Dammbruch eines Auffangbeckens einer Eisenerzmine im Südosten Brasiliens verschmutzt den Fluss.  Belebungsbecken von Kläranlagen fungieren wie ein Brutfaktor für multiresistente Keime (MRSA). Diese Superbakterien sind unempfindlich gegen mehrere Antibiotika. Robuste Arten schaffen es in die Flüsse und verbreiten die Wirkstoff-Unempfindlichkeit. Das Öko-System von Flüssen wird auch durch Aquakulturen verunreinigt (Kot, Futterreste, Antibiotika). In Deutschland sind etwa 15% (Bayern) bis 30% (RLP) der Flüsse 2017 in einem guten bis sehr guten ökologischen Zustand. Milliarden Euro müssten in die Sanierung gesteckt werden. Von Deutschlands Flüssen ist die Donau mit ihren Zuflüssen am saubersten (2016). Immer wieder kommt es  auch zu gerichtlichen Auseinandersetzungen über die Vertiefung der Flüsse (Ausbaggern). Zuletzt bei der Elbvertiefung, damit große Schiffe fahren können.  Ein Gericht entscheidet Anfang 2017, dass Hamburg nachbessern muss. Unseren Bächen und Flüssen geht es insgesamt schlecht. 2015: 19,9% sind schlecht, 34,4 % unbefriedigend, 36,2% mäßig (Quelle: Bundesanstalt für Gewässerkunde). Der wasserreichste Fluss der Erde ist der Amazonas. Er entwickelte sich vor 9 Mio. Jahren zum Strom. Die Flüsse in den USA werden immer salziger (Dünger, Streusalz, Abwasser; Quelle: Uni Maryland). Der Bund für Umwelt- und Naturschutz ermittelt in einer Studie 2018, dass 92% der Gewässer in Deutschland in einem beklagenswerten Zustand sind. Dafür verantwortlich seien vor allem Dünger und Pestizide in der Landwirtschaft, die Schadstoffbelastungen durch den Bergbau und die Begradigung und Vertiefung  der Flüsse.

Grundwasser (unter anderem Nitratbelastung): Durch die Überdüngung in Deutschland, auch mit Gülle und Mist (Massenviehhaltung), ist das Grundwasser stark mit Nitrat belastet.  Die EU-Kommission will deshalb Deutschland vor dem EU-Gerichtshof verklagen. Nitrate schaden insbesondere Schwangeren und Kleinkindern, weil sie den Sauerstofftransport im Blut blockieren. Außerdem können sich Krebs erzeugende Nitrosamine bilden. Nitrat ist ein natürlicher Stoff. Pflanzen brauchen ihn für ihr Wachstum, weil sie daraus Eiweiße formen. Zu viel Nitrat in Flüssen und Meeren führt zu einem zu schnellen Algenwachstum, woraufhin diese absterben. Andere Organismen, auch Fische, kommen um. In der Landwirtschaft ist auch der Verbrauch an nicht erneuerbarem Grundwasser zwischen 2000 und 2010 gestiegen (22%, internationale Studie). 11% fließen in die Bewässerung von Feldfrüchten. Konventionelle Berieselungssysteme in trockenen Gebieten verbrauchen 20- bis 50-mal mehr Grundwasser. Die EU-Kommission fordert im März 2019 schärfere Regeln für den Nährstoffeintrag. Eine Gefahr für das Trinkwasser besteht laut Umweltbundesamt noch nicht.  Im April beklagt die EU-Kommission die zu hohe Nitratbelastung im Grundwasser in Deutschland (es müsste ein Fünftel weniger sein). In landwirtschaftlichen Regionen in Deutschland wird zu viel gedüngt (auch mit Gülle). Die Landwirtschaftsminister der Länder stellen sich auf der Sitzung in Landau im April 2019 geschlossen gegen eine 20% Reduzierung. Besonders Nitrat belastete Gebiete wir die Vorderpfalz (Gemüseanbau) oder Niedersachsen (Intensiv-Tierhaltung) sollen flexibel reagieren. In das Grundwasser gelangen auch 2019 noch immer gefährlichere Stoffe: Arzneimittel, Gülle, Kosmetika. Irgendwann wird man entscheiden müssen: die Wasserpreise steigen deutlich oder es drohen Einschnitte in die Wirtschaft (Kostenverteilung).

Trinkwasser: 22% weniger Wasser brauchten die Wasserversorger 2013 in Deutschland im Vergleich zu 1991 weniger, um den Trinkwasserbedarf zu decken (Quellen: UBA, BMWi). Das Umweltbundesamt schlägt 2017 Alarm: Der Wasserpreis könnte kräftig steigen, weil es eine hohe Nitratbelastung gibt. 900 Mio. Menschen in der Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser (Quelle: UN). 2025 schon könnte das Trinkwasser nur für die Hälfte der Menschen reichen. Die Gletscher des Himalaja haben Milliarden von Menschen mit Trinkwasser versorgt. Die Schmelze aufgrund des Klimawandels ist bedrohlich. Im Februar 2018 schlägt die EU neue Qualitätsstandards und zusätzliche Kontrollen vor. Es soll mehr Wasser aus dem Hahn getrunken werden und weniger aus Plastikflaschen. Alle Restaurants sollen grundsätzlich kostenlos Leitungswasser anbieten. Dazu soll die Trinkwasserrichtlinie in der EU überarbeitet werden. Ein besonderes Problem hat die französische Gemeinde Vittel. Sie soll und muss Wasser sparen. Aber der Konzern Nestle darf weiterhin seine Flaschen mit dem bekannten Wasser füllen.

Infrastruktur von Wasser (Investitionen): Wassermangel ist nicht nur in Entwicklungsländern ein großes Problem. In Industrieländern ist die Infrastruktur teilweise stark veraltet. Investitionen in den Wassersektor versprechen nachhaltige Renditen. Vgl. Global Investor, 3/Januar bis März 2017, S. 11ff. Global gesehen hat sich in den vergangenen Hundert Jahren der direkte Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser verdoppelt. Die Erdbevölkerung wächst bis 2030 um bis zu drei Milliarden Menschen. Das erhöht dramatisch den Wasserbedarf. Es wird auch die reichsten Volkswirtschaften der Welt treffen. Der so genannte virtuelle Wasserabdruck Deutschlands ist einer der höchsten der Welt (aufgrund der Konsumstärke). So gesehen könnten Anlagen in Wasserfonds sehr rentabel sein (z. B. Swisscanto Equity Fund Global Water Invest AT, Tareno Waterfund)  Das beste Bewässerungssystem scheint aufgrund ihrer Effizienz die Tröpfchenbewässerung zu sein.

Wasserstoff: Wasserstoff könnte irgendwann Erdöl ersetzen und damit auch den Klimawandel bremsen. Vor allem wenn er mit Ökostrom produziert wird. Wasserstoff kann als Treibstoff in Autos verwendet werden (erster Produzent Toyota), er kann  Erdöl, Erdgas und Kohle bei der Elektrizitätserzeugung ersetzen und kann in der Industrie als Basischemikalie  verwendet werden.

Wüstenbildung (Desertifikation): Verschiedene menschliche Eingriffe wie Abholzung/ Kahlschlag, Beweidung/ Überweidung, Ackerbau/ künstliche Bewässerung/ Exportfrüchte können die Wüstenbildung mit all ihren Folgeproblemen verursachen. Unter den Folgen leiden die schwächsten Länder. Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen die Situation. Desertifikation führt in der Natur zu Bodenschäden, trockenen Flüssen und extremem Wetter. Die Auswirkungen auf den Menschen betreffen Getreide und Vieh, Landflucht, Unruhen und Tod. Vgl. Tony Uniper: Unsere Erde unter Druck, München 2017, S. 152f. Beispiele sind der Tschadsee in Afrika und die Wüste Gobi in China.

Biologie als Technologieplattform (Biotech): Ist wahrscheinlich die wichtigste Entwicklung in den nächsten Jahren. Amy Webb, eine der bekanntesten Zukunftsforscher, ist dieser Ansicht. Dazu könnten gehören smarte Nähte, also Fäden mit Nanosensoren; sie können mit dem Smartphone oder mit anderen medizinischen Geräten verbunden werden und entsprechende Daten an Patienten, Ärzte oder medizinisches Personal senden. Es könnte auch Nanohardware zum Herunterschlucken dazugehören. So entsteht ein gigantisches menschliches Netzwerk, verbunden über Daten.

Energie (einschließlich Energiepolitik; Energiewende; fossile Energieträger; alternative, erneuerbare Energien)

Atomenergie: Existenzielle Fragen der Atomkraft können nicht beantwortet werden: Ist die Atomkraft sicher? Kann Terror ausgeschlossen werden? Was geschieht mit dem Atommüll? (noch kein Endlagergesetz, in Gorleben ab 2012 Erkundungsstopp; der Atommüll ist eine weitaus größere Menge als ursprünglich eingeplant, viele Fässer sind beschädigt oder rosten; man braucht zwei Endlager). Ist der Brennstoff Uran unendlich? Wie ist der Einfluss auf den Klimaschutz? Vgl. Rosenkranz, Gerd: Mythen der Atomkraft, München 2010. Die Atomenergie wird als "Brückentechnologie" bezeichnet. Die Frage ist nur, wie lang die Brücke stehen soll. In Deutschland gibt es 17 Atomkraftwerke. Für diese Atomkraftwerke werden in der Regel folgende Argumente ausgeführt: Gut für Klimaschutz, hohe Versorgungssicherheit, Energiemix, günstige Energiequelle (hängt von den Bewertungskriterien ab!), niedriger Strompreis, Staat verdient. Dagegen sprechen folgende Gründe: Müllproblem, Alters- und Havarierisiko. Atomkraft verstopft die Netze, Deutschland hat kein Uran, militärischer Missbrauch. Beim Endlager findet man keine Lösung (Asse ungeeignet, Gorleben umstritten, Gesetzentwurf für Atom-Endlager). Die meisten Atomkraftwerke haben die USA (104) vor Frankreich (58) und Japan (54). Die Türkei und Österreich haben kein Atomkraftwerk. Einen Stopp gibt es nach der Katastrophe in Japan in China (13, 50 geplant) und einigen anderen Ländern (z. B. Venezuela). Relativ viele Atomkraftwerke haben Russland (32), Südkorea (21), Indien (20), Großbritannien (19) und Kanada (18), auch die Schweiz hat 5. Die USA planen mittlerweile den Bau von Mini-Atommeilern (keine großen Anlagen mehr wegen Preisverfall bei Erdgas). 2013 soll nach EU-Vorgaben das Atomgesetz in Deutschland geändert werden, so dass die Endlagerung von hochaktivem Müll im Ausland möglich ist (der Atommüll soll aber in Deutschland bleiben?!). 2013 einigen sich Bund und Länder auf ein Endlagergesetz (Kommission, die Kriterien entwickeln soll; geologische Fragen). Das Endlager soll bis 2031 eingerichtet sein und mindestens 1 Mio. Jahre bestehen. Es gibt eine ergebnisoffene Suche. Castor-Transporte nach Gorleben wird es nicht mehr geben. Wegen Zeitknappheit nehmen die Umweltverbände nicht zu dem Gesetz Stellung. Ein Endlager soll eine Million Jahre halten (wahrscheinlich länger als es Menschen gibt). Allein der Rückbau deutscher Atomkraftwerke wird mindestens bis zum Jahre 2080 dauern. Was ist aber, wenn zwischenzeitlich die Energiekonzerne pleite gehen?. RWE fordert 2014 aufgrund eines hohen Minus schon staatliche Unterstützung an. 2014 gibt es neue Empfehlungen im Falle eines Reaktorunglücks. Der Radius wird vergrößert und die Zeiten geändert. Deutschland will den Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2022 auf 40 bis 45 Prozent erhöhen. Dann muss der Anteil von Atomstrom von heute (2014) 20% komplett ersetzt werden. Die EU baut zusammen mit den USA, Russland, China und Japan einen Versuchsreaktor in Südfrankreich. der soll 2020 in Betrieb gehen. Auch der US-Konzern Lockheed Martin will die Atomkraft beherrschbar gemacht haben: umweltfreundlich, effizient und vor allem ungefährlich. Ein Testreaktor soll in 10 Jahren einsatzbereit sein. Staat mit Kernspaltung arbeitet man mit Atomfusion (Wasserstoffarten Deuterium und Tritium). Die EU-Kommission entwickelt im Mai 2016 ein Papier zur Stärkung der Atomenergie. Es soll wohl den Zusammenbrauch der Nuklearbranche verhindern. Es geht auch um kleine und flexible Mini-Atomkraftwerke. "Man masters nature not by force but by understanding". "Die Atomkraft ist keine Brückentechnologie, sondern nach Fukushima nur noch eine Abwicklungsindustrie", Mycle Schneider, Energieberater.

Atomkraftwerke: In Deutschland ist die Laufzeit der 17 Atomkraftwerke umstritten (AKW Emsland, Biblis A und B, Neckarwestheim 1 und 2, Brunsbüttel, Isar 1 und 2, Unterweser, Philippsburg 1 und 2, Grafenrheinfeld, Krümmel, Grundremmingen A,B,C, Grohnde, Brokdorf). 2003 wurde Stade als erstes stillgelegt (Rückbau erst 2015 abgeschlossen!). Vorher wurden die DDR-Atommeiler abgeschaltet (z. B. Lubmin). Anfang September 2010 einigte sich die Regierung auf einen Kompromiss: Sieben ältere Atomkraftwerke sollen 8 Jahre zusätzliche Laufzeit erhalten. Zehn Reaktoren, die nach 1980 ans Netz gingen, sollen 14 Jahre länger laufen. Die Betreiber sollen im Gegenzug sechs Jahre lang von 2011 bis 2016 jährlich 2,3 Milliarden Euro Brennelementesteuer zahlen (brutto). Zusätzlich sollen ein Teil der Gewinne an einen Fonds zum Ausbau erneuerbarer Energie gehen. Nicht alle Teile der Vereinbarung mit der Atomwirtschaft sollen veröffentlicht werden. Die Atomwirtschaft muss offenbar nicht für die Sanierungskosten für das marode Atommülllager Asse zahlen (zehnmal mehr mittelradioaktiver Müll). Für die Endlager soll offenbar der Steuerzahler aufkommen. Auch Fragen der Sicherheit sind nicht transparent. Die Rückstellungen - Regelung ist zum Vorteil der Betreiber und schwammig. Die Bindung künftiger Regierungen und etwaige Klagen belasten ebenfalls die Vereinbarung. Viele sehen eine Zementierung der Marktmacht des Oligopols der vier großen Konzerne. Immer wieder kritisiert wird auch der Einfluss der großen Energiekonzerne auf die Bundesregierung (Lobby, auch indirekt über große Kanzleien, die für beide arbeiten). Das größte Atomprogramm der Welt leistet sich China. Die europäischen Kraftwerksbauer verdienen kräftig mit (Areva, Siemens). SPD, Grüne, einige Bundesländer und Greenpeace klagen vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Verlängerung der Laufzeiten. Das schwere Erdbeben in Japan 2011 mit der massiven Schädigung zweier Atomkraftwerke löst eine neue Diskussion über die Sicherheit aus. Die japanischen Atommeiler sind außer Kontrolle geraten. Die Natur wird stark verstrahlt. In Deutschland gibt es ein Moratorium von drei Monaten für die Laufzeitverlängerung, was zu einer vorläufigen Abschaltung von sieben alten Reaktoren führt. Die Reaktorsicherheitskommission überprüft. Ergebnis sind Sicherheitsmängel, insbesondere gegen Flugzeugabstürze (damit stehen die älteren Meiler vor dem aus). Die Energiekonzerne stoppen ihre Zahlungen in den Öko-Fonds. Die Bundesregierung beruft weiterhin eine Kommission zu ethischen Fragen der Atomkraft (Tendenz ist, Atomkraft noch 10 Jahre bis 2021, Gaskraftwerke sollen die Lücke schließen). So lautet auch die Empfehlung, in 10 Jahren den Ausstieg zu schaffen (bis 2022). Dieser Empfehlung folgt die Bundesregierung. In der EU werden alle Atomkraftwerke einem einheitlichen Sicherheits-Check unterzogen (freiwillig?). Es gibt Versuche, die Kriterien zu entschärfen. Der Stresstest ergibt, dass Europas Kernkraftwerke sicherer werden müssen. Sie sind nicht gegen Naturkatastrophen, Terroranschläge und Flugzeugabstürze abgesichert. Betroffen sind in Deutschland vor allem die norddeutschen Kernkraftwerke. Es muss ein Aktionsplan vorgelegt werden. Elf größere Kernkraftwerke in Deutschland befinden sich 2012 in Rückbau. Bei den Kraftwerken in der ehemaligen DDR trägt der Bund die Kosten. In Großbritannien entsteht mit Hilfe von Staatsgarantien das erste neue Atomkraftwerk in Europa nach der Katastrophe von Fukushima. Mit in dem Konsortium sind Firmen aus China. 2014 vollzieht Japan eine Kehrtwende. Drei Jahre nach der Havarie in Fukushima kündigt die Regierung den Bau mehrerer Atomreaktoren an. Außerdem sollen stillgelegte AKWs wieder hochgefahren werden. Die Regierung verabschiedet im April 2014 sogar einen Plan, der Atomstrom als wichtigste Quelle für die Grundversorgung vorsieht. Vor der geplanten Wiederinbetriebnahme zweier Atomreaktoren im Süden Japans (Sendai I und II) hat die Regierung an die Bevölkerung Anti-Strahlenmedikamente verteilt (Jodtabletten). 2015 im April stoppt ein Gericht die Wiederinbetriebnahme zweier Atomreaktoren in Takahama (Sicherheit bei Erdbeben nicht gewährleistet). Ebenfalls im April 2015 beginnt die Türkei den ersten Bau eines Atomkraftwerks. Österreich klagt beim EU-Gerichtshof gegen Subventionen (Strompreisgarantie) für das britische Atomkraftwerk Hinkley Point C (ab 2023  aktiv). Im Iran werden zwei neue Atomkraftwerke mit Hilfe Russlands gebaut.  In Deutschland gibt es Sorgen wegen der Wiederinbetriebnahme zweier Atomkraftwerke in Belgien (Tihange, Doel). In Fragen der Sicherheit wollen Deutschland und Belgien enger zusammenarbeiten. Auch 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zahlt Deutschland zusammen mit anderen Ländern (19 Mio. € allein für die letzte Schutzhülle). Beim Kernkraftwerk Philippsburg waren Kontrollen manipuliert. Im Internet kann man sich ab 2016 über Radioaktivitätswerte von Kernkraftwerken informieren. Das ist vor allem im grenznahen Bereich zu Frankreich und Belgien wichtig. Der Block 2 des Atomkraftwerks Fessenheim an der deutsch - französischen Grenze bleibt ab Juni 2016 auf unbestimmte Zeit vom Netz. Großbritannien genehmigt im September 2016 den ersten Neubau eines Atomkraftwerks nach Fukushima. Chinesen und Franzosen dürfen Hinkley Point C bauen (es bestehen Zweifel an der Finanzierung). Die Kernbrennstoffsteuer für die Atomwirtschaft läuft Ende 2016 aus (die SPD will sie wieder einführen). Die Schweiz will 2017 das älteste Atomkraftwerk der Welt abschalten: AKW Beznau an der Grenze zu B-W. Die Schweizer Bevölkerung entscheidet sich aber generell gegen einen früheren Ausstieg aus der Atomenergie bis 2029. Das Aromkraftwerk Hinkley Point wird 1,7 Mrd. € teurer als geplant. Im Mai 2018 wird das weltweit erste schwimmende Atomkraftwerk in Murmansk/ Russland eingeweiht (Energie für Ölbohrinseln). Eon, RWE, EnBw und Vattenfall können Zusatzgewinne von ca. 12,3 Mrd. € erwarten (Nettogewinn: Bruttogewinn 25,5 - Brennelementsteuer und freiwillige Abgaben). Quelle: Der Spiegel, Nr.37, 13.9.10, S. 77. Aus Milliardengräbern werden nun Geldquellen. So auch Krümmel für E.On und Vattenfall. "35 japanische Kernkraftwerke funktionieren ja noch", Jürgen Großmann, RWE-Chef, nach der Katastrophe in Japan. Auch auf Cuba gibt es ein Kernkraftwerk, das nie in Betrieb ging. So wollte es Fidel Castro. Es liegt 240 km von Havanna entfernt. Es heißt Juragua und ist heute eine Ruine. Es liegt bei einer Stadt "Ciudad Nuclear", eine sozialistische Planstadt. Heute leben nur noch wenige Menschen dort. Mit dem Ende der Sowjetunion wurde 1992 das Geld gekappt. Noch heute ist die Region militärisches Sperrgebiet.

Atomunfälle: Der erste Unfall findet 1957 im britischen Windscale statt (Brand, radioaktive Wolke). 1973 folgt eine Explosion in der Wiederaufarbeitungsanlage Windscale. 1977 wird das Atomkraftwerk Grundremmingen in Bayern verseucht (Kurzschlüsse in Hochspannungsleitungen). 1979 kommt es zu einer Kernschmelze in Harrisburg/ USA. 1986 findet die bisher größten Katastrophe in Tschernobyl statt. Der neue Sarkophag ab 2011 kostet 550 Mio. € und wird von der ganzen Welt finanziert. 1999 folgt eine Kettenreaktion im Brennelementewerk Tokaimura in Japan. 2011 sind vier Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushimi Daiichi betroffen. Es wurde 1971 in Betrieb genommen. Explosionen und Feuer nach einem Erdbeben und Tsunami setzen radioaktives Cäsium, Strontium, Plutonium und Jod frei (Störfall 7). In Japan handelt es sich um Siedewasserreaktoren. Durch die Kernspaltung erzeugen Brennelemente Wärme, die das umgebende Wasser erhitzt. Der entstehende Wasserdampf wird auf Turbinen geleitet, die Strom erzeugen (Stromgenerator). Der heiße, radioaktive Dampf wird im Kondensator abgekühlt und in den Reaktor zurückgeleitet. Die Kühlwasserpumpen werden elektrisch betrieben, im Notfall von Dieselaggregaten. Das Kühlwasser wird einem Fluss oder dem Meer entnommen. Die Steuerstäbe zur Schnellabschaltung im Notfall entfalten neutronenabsorbierendes Material. Bei einer Kernschmelze tritt eine atomare Kettenreaktion ein, die hochradioaktives Material in die Umwelt freigibt. Brennelemente, die aus Bündeln von Brennstäben bestehen, fangen bei über 1000 Grad Celsius an zu schmelzen und troffen auf den Boden. Noch im November 2011 treten Xenon und Xenon 133 aus, was auf neue atomare Reaktionen hindeutet. 2012 ist die Gammastrahlung extrem hoch (kann nicht abgeblockt werden). Bei der Information über die Sicherheit der Atomkraftwerke und bei dem nicht geschlossenen Entsorgungskreislauf hat es immer wieder eine Menge Lügen gegeben, so dass auch Unfälle im Prinzip intransparent sind. Technik und Personal sind veraltert. Belastungs- und Grenzwerte für Lebensmittel werden in Bequerel (Bq) angegeben. In Deutschland gilt für Lebensmittel ein Grenzwert von 600 Bq. Die biologische Wirkung der Strahlung für den Körper wird in Sievert (Sv) ausgedrückt. Grenzwerte sind hier unterschiedlich gesetzt (in Japan ständig hochgeschraubt, weshalb der Atomberater der Regierung zurücktritt). Die Ruinen der sechs Atommeiler bergen große Risiken. Gekühlt wird weiterhin mit Wasser, aber es gibt jede Menge Lecks. Jederzeit könnte ein neues Erdbeben in der Nähe ausbrechen. Die Atomaufsicht in Japan soll unabhängig werden. Im September 2013 beschließt die Regierung einen Notfallplan. 360 Mio. € sollen in die Sicherung des havarierten Kraftwerks fließen (kann bis zu 40 Jahren andauern). Trotzdem tritt immer wieder radioaktives Wasser aus (auch verstrahltes Regenwasser aus Auffangbecken). 1533 Brennstäbe sollen aus der Atomruine gehoben werden und zur Entsorgung zwischengelagert werden. 30 bis 40 Jahre dürfte die Stilllegung dauern. 7000 Menschen arbeiten noch täglich in Fukushima. Den Atomausstieg nimmt die Regierung 2014 zurück. Naturkatastrophen stellen aber ein hohes Risiko dar (vor allem Vulkane und Erdbeben). In Deutschland wird 2011 ein "Stresstest" (Risikoanalyse) der Atomkraftwerke durchgeführt. 100 Wissenschaftler sollen in 6 Wochen die größtmöglichen Katastrophen durchspielen. Ein großes Risiko für die Umwelt stellen die russischen Atom-U-Boote dar, die in der russischen Arktis (Kara-See, ca. 19 Schiffe) entsorgt wurden. Es sind tickende Zeitbomben mit hoch angereichertem Uran. In Tschernobyl in der Ukraine fehlt das Geld für eine Schutzhülle. Es droht ein Desaster. Eine Geberkonferenz der G7 kann 530 Mio. Euro einsammeln. Gebraucht werden 615 Mio. Euro für eine neue Hülle (wahrscheinlich zahlt Russland den Rest). Im Herbst 2014 kreisen Drohnen über französischen Atomkraftwerken. Niemand weiß, wer die Fäden zieht. Das französische Verfassungsgericht stoppt vorerst ein Endlager für Atommüll in Lothringen (Bure). Die Pläne bleiben aber aktuell. Im November 2016 wird die Atomruine in Tschernobyl komplett von Stahl umhüllt. Das Land betreibt außerdem noch vier Atomkraftwerke. Im Februar 2017 kommt es zu einer Explosion im nordfranzösischen Atomkraftwerk Flamanville. Ein Strahlungsrisiko soll nicht bestehen. Im Februar 2017 muss auch das Schweizer Kernkraftwerk Leibstadt an der Grenze zu BW wegen technischer Fehlfunktion abgeschaltet werden. Das stark beschädigte belgische Atomkraftwerk Tihange 2 (starke Zweifel an der Sicherheit) nahe der deutschen Grenze bekommt Brennelemente aus Deutschland. Im April 2017 kommt es zu einem Unfall im Atomkraftwerk Fessenheim (Grenze Elsass zu BW). Frankreichs Atomaufsicht schlägt im Oktober 2017 Alarm. Es gibt erhebliche Rostschäden in Kernkraftwerken. Bei Erdbeben könnte sich ähnliche Folgen wie in Fukushima ergeben.  Belgien meldet nur jede zehnte Panne in Atomkraftwerken. Für Unruhe sorgt immer wieder das Pannen-Atomkraftwerk Tihange nahe der deutschen Grenze. Die Aufsicht ließ mehrere Kontaminationen nicht untersuchen.  "Atomkraftwerke sind der intelligente Versuch, Kriege durch Massenselbstmorde zu ersetzen", Werner Schneyder. Am 09.04.2014 muss Reaktorblock 1 des Atomkraftwerks Fessenheim im Elsass in einer Notaktion heruntergefahren werden. Man war ganz nahe am Supergau. Der größte Atomunfall der Geschichte passierte in Tschernobyl am 25 April 1986. Der Ort liegt 30 Kilometer nördlich von Kiew/ Ukraine. Grobe Fehler und Konstruktionsmängel führten zur Katastrophe. 55.000 Menschen starben an der Katastrophe. 150.000 wurden dauerhaft krank. 655.000 wurden medizinisch beobachtet.

Atomausstieg: in Deutschland bis 2022. 2015, 2017 und 2019 sowie 2021 und 2022. Ursprünglich mit "Stand-by-Lösung" für den Notfall (wurde nach Veto der Bundesländer fallen gelassen). Offen bleibt, wie der Strompreis steigt und wo endgelagert wird. Es findet in Deutschland eine Endlagersuche statt. Salzstöcke, Granit- und Tonschichten sind möglich. Experten sehen Salzstöcke als am besten geeignet an, weil sie am schnellsten umschließen. Ende Juni 2013 kommt ein Endlagersuchgesetz zustande. Bis 2031 soll der neue Standort feststehen. Es wird ein neues Bundesamt für kerntechnische Entsorgung eingerichtet.  Die Kriterien für die bundesweite Suche werden festgelegt. Die Abhängigkeit, insbesondere von Gas, könnte steigen. Es wird auch schwieriger, die Klimaziele zu erreichen. Offen ist die Verteilung der Ausstiegskosten. Am 30.06.11 beschließt der Deutsche Bundestag den Atomausstieg. Die AKW-Betreiber wollen 2012 Schadensersatz von der Bundesregierung. Die USA ändern ihre Energiepolitik nicht nach dem Fukushima-Atomunglück. Zwei neue AKW werden 2012 genehmigt. Großbritannien, Frankreich, Tschechien und Polen wollen sogar Subventionen für Atomkraftwerke. Evtl. soll dies über garantierte Abnahmepreise erfolgen (in der EU eigentlich nur für alternative Energie vorgesehen). 2014 wollen die vier großen Energiekonzerne in Deutschland die Stilllegung der Atomkraftwerke in eine öffentlich-rechtliche Tochterfirma bzw. Stiftung analog "Badbank" ausgliedern, um die Kosten auf den Staat zu verlagern. Große Teile von Gorleben werden geschlossen, so dass der Standort auf ein Minimum reduziert wird. Die Bundesländer beharren im Oktober 2014 auf Atomrücklagen der Atomkonzerne. Die Rückstellungen in Höhe von 35,8 Mrd. € sollen so gesichert werden, dass sie bei Insolvenz eines AKW-Betreibers zur Verfügung stehen. Außerdem sollen die Kosten des Atomausstiegs ständig überprüft werden. Die Rückstellungen sind zu wenig, wenn man bedenkt, dass die Energiekonzerne über 60 Jahre hinweg bis 2010 mehr als 140 Mrd. € an Subventionen bekommen haben. Insofern wird die Steuerzahler die Energiewende noch mal teuer zu stehen kommen. Nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs 2014 müssen die Atomkraftwerke die Kernbrennstoffsteuer weiterhin zahlen (sie war Anfang 2011 befristet bis Ende 2016 eingeführt worden). Die Bundesregierung hat ein Konzept entwickelt für die Rückholung hoch radioaktiven Atommülls: Abfälle sollen in Philippsburg, Brokdorf, Biblis und Isar zwischengelagert werden. Die Bundesregierung befürchtet, dass die Atomkraftwerks-Betreiber nicht genug Geld für den Abriss zurücklegen. Nun gibt es ein erstes Ultimatum (dann will sie Wirtschaftsprüfer einsetzen). Monatelang haben Wirtschaftsprüfer die Bücher der vier Atomkonzerne durchleuchtet. Das Ergebnis aus Sicht der Regierung lautet: Eon, RWE, EnBW und Vattenfall können den Atomausstieg bezahlen. Ein Papier der EU-Kommission im Februar 2016 offenbart allerdings, dass in Deutschland und den Ländern der EU Milliarden für die Atom-Entsorgung fehlen. Eine Expertenkommission schlägt einen "Atom-Entsorgungs-Finanzpakt" vor. Eine Insolvenz der AKW-Betreiber soll vermieden werden. Wahrscheinlich kommt es zu hohen Folgekosten für den deutschen Steuerzahler (so auch IPPNW). Im März 2016 verhandelt das Bundesverfassungsgericht über den Kostenstreit zum deutschen Atomausstieg. Die Energiekonzerne wollen Entschädigung. Deutschland und Luxemburg haben Angst vor dem altersschwachen Atomkraftwerk Cattenom in Frankreich. Luxemburg bietet Zahlungen bei Abschaltung und Rückbau an. Die erneute Suche nach einem Atom-Müll-Endlager wird schwierig. Bayern und Sachsen sträuben sich. Vattenfall verklagt die deutsche Bundesregierung in den USA wegen des Atomausstiegs (internationales Schiedsgericht, ICSID; noch kurz vorher investiert). Im Oktober 2016 beschließt das Bundeskabinett, dass die Kraftwerksbetreiber 23,6 Mrd. € zahlen für die Entsorgung atomarer Altlasten. Sämtliche zusätzlich Kosten für Zwischen- und Endlagerung will der Bund übernehmen (Steuerzahler). Die Verfassungsklage wegen des schnellen Atomausstiegs 2011 nach Fukushima hat Erfolg. Der Staat muss die Stromkonzerne entschädigen. Im Januar 2017 stimmt der französische Stromkonzern EDF der Schließung von Fessenheim im Elsass gegen eine Entschädigung von 490 Mio. € vom Staat zu. Die französische Umweltministerin setzt im April 2017 eine Frist für Fessenheim. Spätestens , wenn Flamanville 3 in Betrieb genommen wird 2020, muss Fessenheim abgeschaltet werden. Der Bundestag stimmt im März 2017 für ein Gesetz, das überall in Deutschland nach einem Endlager gesucht werden kann. Es wird darin ein Verfahren für das unterirdische Einlagern von hoch radioaktivem Atommüll geregelt. Im Mai 2017 entscheiden die Schweizer in einer Volksabstimmung für den Atomausstieg. Wie lange die fünf aktuellen Atomkraftwerke am Netz bleiben, entscheidet die Sicherheitsaufsicht. Am 03. Juli 2017 müssen Deutschland und die Atomkonzerne zusammen 24 Milliarden Euro einzahlen in einen Entsorgungsfonds für die Zwischen- und Endlagerung. Die AKW-Betreiber Vattenfall und RWE bekommen rund eine Milliarde Euro als Entschädigung für den Ausstieg (Kabinettsbeschluss im Mai 18).  Bis 2025 will Frankreich 17 Reaktoren abschalten (Senkung des Atomanteils auf 50%; insgesamt noch 58 Atommeiler). Am 05.0618 beginnt der Abriss des Kühlturms des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich und damit der Rückbau des Kraftwerks. Beim französischen AKW Fessenheim nahe an der deutschen Grenze wird die Stilllegung Ende Oktober 2018 gestoppt. Es werden zu starke Arbeitsplatzverluste bis 2022 befürchtet. Das Kraftwerk soll jetzt 2020 vom Netz gehen. Der Bund in Deutschland will ab 2019 seine Anteile und Beteiligungen an ausländischen Energiekonzernen abstoßen (spanisches Unternehmen Iberdrola, italienisches Unternehmen Enel, französisches Unternehmen Engie).   Im mittleren Westen der USA ist Atomausstieg ein Fremdwort. Im einstigen Land der Sioux-Indianer expandiert der Uranbergbau. Hunderte von Minen (alte und neue) stellen eine radioaktive Zeitbombe dar. Das Wasser ist vergiftet, die Strahlendosis bis zu achtmal höher als in Fukushima. "Das Kapitel ist für uns abgeschlossen", Peter Löscher, Siemens-Chef, zum Ausstieg aus der Atomtechnik im September 2011.

Erneuerbare (regenerative) Energien (der Begriff Energie kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Arbeit verrichten): Windkraft, Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse (siehe oben), Holz, Geothermie (erneuern sich rasch und natürlich). In Deutschland beträgt ihr Anteil 2011 17% (Ziel: bis 2020 30%). 2010 lag der Anteil bei 16,8%. (davon: Windkraft 35,9; Biomasse 33; Wasserkraft 19,4; Fotovoltaik 11,8). Die Erweiterung dieser Energien ist nicht unproblematisch im Hinblick auf die Bevölkerungsentwicklung: Die Verdauung der Rinder heizt das Weltklima an und die zurückgehende Anbaufläche für Nahrungsmittel fehlt für die Ernährung der stark wachsenden Erdbevölkerung. Das Wasser ist weltweit sowieso schon knapp (1 Mrd. Menschen ohne sauberes Trinkwasser). Durch die höhere Durchschnittstemperatur der Erde verdunstet auch mehr Wasser und es besteht die Gefahr in Küstenregionen, dass Salzwasser einströmt. In Europa hat Österreich den höchsten Anteil an erneuerbaren Energien mit 62%, gefolgt von Schweden mit 55,5%. Erneuerbare bzw. alternative Energien werden auch oft als Backstop-Technologien bezeichnet. Weil fossile Energieträger (Öl, Gas, Kohle) zu viel CO2 produzieren und endlich sind, sollen sie durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Die dabei anfallenden Kosten übersteigen im Allgemeinen die Kosten fossiler Energieträger, so dass staatliche Förderprogramme her müssen. Die Kosten für die erneuerbaren Energien regelt in Deutschland das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Danach werden die Kosten in den nächsten Jahren steigen, was die Akzeptanz verringern kann. Die Förderung des Solarstroms wird nach und nach zurückgefahren. Eine Reihe deutscher Großkonzerne (Eon, RWE, Siemens, Münchener Rück) plant 2009, Solarstrom in der Sahara zu erzeugen (Solarthermisches Kraftwerk, Volumen des Projektes 400 Mrd. €, Desertec). Im Bereich der erneuerbaren Energie hat Deutschland einen globalen Vorsprung. Die deutschen  Weltmarktanteile liegen bei etwa: 90% Biogas, 35% Wasserkraft, 25% Windkraft, 23% Solarthermie, 21% Photovoltaik, 15% Pelletheizungen. Deutschland hat eine Vorreiterrolle, die immer mehr deutsche Unternehmen weltweit nutzen wollen. So steigert etwa die BASF ihre Innovationskraft (Beschichtungssysteme, Schäume, Spezialmörtel, Schmiermittel, Betonzusatzstoffe). Auf europäischer Ebene der EU wären mehr Investitionen notwendig (70 Mrd. € jährlich statt 35 Mrd. €). Dazu müssten auch die nationalen Fördersysteme der EU-27 reformiert und koordiniert werden. Die EU-Kommission plant 2013 stärkere Beihilfen für Atomkraftwerke und stellt sich gegen die deutsche Politik der Energiewende. In den Koalitionsverhandlungen im November 2013 (große Koalition) wird beschlossen, "grüne Energie" billiger werden zu lassen (Ausbau gedrosselt, Förderung gekappt). Die Vergütung für alternative Energien soll sich künftig nach dem Preis des Angebotes richten, bei dem das Ausschreibungsziel (in Megawatt) erreicht ist. Am 08.07.16 billigen Bundestag und Bundesrat die Ökostrom-Reform.   Die EU will bis 2020 den Anteil von 2007 von 6,5% auf 20% steigern. Weitere Beschlüsse im März 2007 sind: Klimaschutz (Reduzierung der Treibhausgase bis 2020 um mindestens 20%), Energieeffizienz (Energieverbrauch bis 2020 um ein Fünftel senken), Kernenergie (Landesautonomie), Wettbewerb auf dem Energiesektor, Versorgungssicherheit. 2013 ist der Anteil der Stromerzeugung von Erneuerbaren Energien gestiegen um 7,3 Prozent gestiegen. In den ersten neun Monaten 2014 haben die erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasser, Bioenergie) einen Anteil von 27,7% erreicht und die Braunkohle überholt. In Europa hat Norwegen den höchsten Anteil an erneuerbaren Energien (64,5%, 2012). Dann folgt Schweden mit 51,0%. Aufgrund der niedrigen Preise für CO2-Zertifikate 2014 erlebt aber auch die Braunkohle eine Renaissance in Deutschland. 2015 liegt der Anteil an erneuerbaren Energietechnologien nahezu bei 30% (2000: 7%). Bis 2020 soll der Grünstromanteil auf 35% steigen. Bis 2030 wäre ein Anteil von 50% in Deutschland möglich. Bei der installierten Leistung (in Gigawatt) führt Deutschland bei den alternativen Energien 2014 immer noch mit 38 Gigawatt vor China (28), Japan (23) und den USA ( 18). Am stärksten war der Zuwachs 2014 in China (11 Gigawatt), so dass das Land 2015 wahrscheinlich Deutschland überholt. 2014 ist in der EU der Anteil der Öko-Energie auf 16% gestiegen. Äthiopien hat das ziel, Industriestaat nur mit erneuerbaren Energien zu werden. Es könnte ein Vorbild für die Weltsein. Vorzeigprojekt ist Afrikas größter Staudamm GERD. 2018 steigt der Anteil an Strom, der aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, auf 36 Prozent (überholt die Kohle).

Pleitewelle in der Erneuerbaren Energienbranche: Seit 2011 hat sich die Pleitewelle verschärft, vor allem im Solar- und Windkraftbereich. Hauptgründe sind ausländische Konkurrenz (insbesondere aus China) und die Umstellung staatlicher Fördermittel. Zu nennen sind Scan Energy Power Wind, Siag Schaaf und Konarka in der Windbranche sowie Solar Millenium, Solarhybrid, Centrotherm, Sunstrom, Q-Cells, Solon und Sovello u. a. in der Solarbranche. In diesen Branchen hatten viele erfolgreiche Unternehmer investiert (z. B. Ritter, Würth, Grohe, Maschmeyer, Brenningmeijer, Klatten).

Erneuerbare und Wirtschaft: Hier geht es um zwei Aspekte. 1. um die Wirtschaftlichkeit: bleiben die Erneuerbaren immer von Subventionen abhängig? 2. um die Arbeitsplatzeffekte der Erneuerbaren: Wie viel neue Jobs entstehen? Zu 1 ist relevant, wie die Kostenstruktur aussieht (unter Berücksichtigung der externen Kosten und der Zeitleiste), wie kann man Investitionssicherheit gewährleisten und wie sind die Preise.  "Wind, Sonne und Wasser schicken keine Rechnung", David McAllister, Ministerpräsident Niedersachsen.

Erneuerbare und Verkehr: Im Bereich Verkehr ist der Anteil Erneuerbare zurückgegangen: 2007 betrug der Anteil 7,5%, 2017 5,2%. Der Autobestand in Deutschland ist drastisch gestiegen (42,9 Mio. 2012: 45,8 Mio. 2017). Der stärkste Anstieg liegt bei den SUV (+20,3% von 2016 auf 2017). Der Anteil des Massenverkehrs (Bus/Bahn) liegt in Deutschland mit 14,4% unter dem EU-Durchschnitt (16,8%, Eurostat 2017)

Die dänische Insel Samsö gilt als Ökotopia, weil sie mit Windrädern, Solaranlagen, Strohbrennern und Milch-Wärmetauschern mehr Energie erzeugt als sie braucht. Sie wird auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen als Vorbild aufgebaut. "This is the way the world ends. Not with a bang but a whimper", T. S. Eliot. Weitere Projekte, die weltbekannt sind, sind die folgenden: Masdar City in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Hier werden eine Reihe von Technologien (Geothermie, Müll, Solarthermische Kraftwerke u. a.) gekoppelt. Allerdings steckt das Projekt 2011 in der Krise (Baumängel, Technik streikt).  Desertec in der Sahara., wo Strom produziert werden soll. Die Planungsfirma Dii berichtet auch vom Interesse Chinas und der USA.

Wildpoldsried im Allgäu als Energiedorf: 2500 Einwohner. Als Energiequellen stehen Windparks, Biogasanlagen, Nahwärmenetz (Blockheizkraftwerk), Photovoltaikmodule zur Verfügung. Energieerzeuger und Haushalte sind durch "Smart Grids" verbunden. Der Tarif richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Großgeräte können ein- und ausgeschaltet werden. 

High-Tech-Dorf südlich von Tokio: Das Projekt wurde von dem Konzern Panasonic angeschoben mit Millionen. Man versucht, mit so wenig Strom, Heizung, Benzin und Wasser auszukommen wie möglich. Es gibt Solar - Panels, Hybridwagen und vieles mehr. Die Häuser können sich nur Reiche leisten (500.000 Dollar). Die Häuser werden total überwacht. Zusätzlich wird gegenseitig sozialer Druck aufgebaut.

Wasserkraftkleinkraftwerke: Früher deckten Wasserräder einen großen Bedarf an Strom in Deutschland ab. Vor allem galt dies für Süddeutschland im Mühlen- und Handwerksbereich. Heute können solche Kraftwerke aufgrund des technischen Fortschritts sehr effizient gestaltet werden. Wegen der hohen technischen Reife liegen die Erzeugerkosten heute schon auf dem Niveau fossiler Kraftwerke. Sie könnten eine große Rolle bei einer dezentralen Energieversorgung spielen.

Wasserkraftwerk: Natürlich kann man Wasser auch als Großkraftwerk nutzen. Das stärkste Kraftwerk der Welt funktioniert so: Der Drei-Schluchten-Staudamm in China. Zwischen Orkney und dem schottischen Festland entsteht ein Meereskraftwerk Der Pentland Firth ist ein Gezeiten-Kraftwerk. Das größte Gezeitenkraftwerk der Welt könnte auf 269 Turbinen ausgebaut werden. Vor der Küste Australiens entsteht derzeit das größte Wellenkraftwerk der Welt. Es wird eine Leistung von 62 Megawatt erreichen. Manche große Wasserkraftwerke setzen so viel Treibhausgas frei wie Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen. Ursache: Verrotten Pflanzen unter Wasser, setzen sie Gase frei. Betroffen sind vor allem Wasserkraftwerke in Südostasien.

Wasserstoff: Wasserstoff wird in einer Brennstoffzelle in Strom umgewandelt. Er entsteht durch Elektrolyse von Strom und Wasser. Relativ leicht könnten folgende Technologie auf Wasserstoff umsteigen: Methan, Synthetische Treibstoffe, Ammoniak/Methanol. Wasserstoff könnte eingesetzt werden bei der Stahlproduktion und in Erdölraffinerien, in Energiespeichern, für Gebäudeheizung, in LKWs, busse, Züge, im Flugverkehr, in der Schifffahrt und in der Chemischen Industrie. Im Auto treibt dieser dann einen Elektromotor an. Hiermit können große Distanzen zurückgelegt werden. 350 Tonnen Wasserstoff könnte die Welt 2050 pro Jahr verbrauchen (Energie reicht der Menschheit für 80 Tage). 30 Mio. neuer Arbeitsplätze könnten bis dahin entstehen. 2,5% der weltweiten CO2-Emissionen stammten aus der Schifffahrt. Korea und Norwegen wollen als erste Schiffe mit Wasserstoff einsetzen. Vgl. Menn, A./ Stölzel, T./ Hennersdorf, A. / Fischer, K.: Das neue ÖL, in: WiWo 27, 28.6.2019, S. 16ff.

Wellen- und Gezeitenenergie: In den Meeren stecken gewaltige Energiemengen. Wellenfarmen und Gezeitensysteme nutzen die enormen Energiemengen. 80% der potentiellen kinetischen Wellenenergie kann in Elektrizität umgewandelt werden. Ein Beispiel ist die Gezeitenlagune Swansea in Wales.

Dezentrale Energieversorgung: Bei einer dezentralen Energieversorgung der Haushalte sind beide wichtig. Die Geothermie ist umstritten, weil sie Erdbeben auslösen kann, wobei der Zusammenhang schwierig  zu messen ist (z. B. Geothermiekraftwerk Landau; Geoenergy). Biogasanlagen werden in der Regel von Landwirten betrieben, die auch Alternativen zur Milchwirtschaft brauchen (Abgabe von Nahwärme). Auch diese Energiegewinnung hat oft nicht die nötige Akzeptanz (Geruch, Geräusche u. a.). Biogas entsteht grundsätzlich durch Vergärung organischen Materials. Der dezentralen Energiegewinnung trotzdem gehört eindeutig die Zukunft in Deutschland, unterstützt durch transnationale Energieversorgung, fast ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Vgl. Scheer, Hermann: Der Energethische Imperativ, München 2010. Bei der dezentralen Versorgung spielen Wärmepumpen (auch Kraft-Wärmepumpen) eine immer größere Rolle. Sie können heizen und kühlen. Sie können mit einer Photovoltaikanlage gekoppelt werden. Mittlerweile gibt es Photovoltaikanlagen für den Eigenbau für ca. 700 €. Der große Vorteil einer dezentralen Versorgung ist auch der Verzicht auf Hochspannungsleitungen. Ein wichtiges Problem dabei ist die Speicherung. Mittlerweile lässt sich erneuerbare Energie wie Wind und Sonne in Methangas umwandeln (Pilotanlage in Morbach/ Hunsrück). Der Energieversorger Eon plant 2011 den Bau von 360 Block-Heizkraftwerken, die Energie direkt vor Ort für Mehrfamilienhäuser erzeugen sollen. Als Vorreiter in Deutschland gilt der Ort Feldstein in Brandenburg. Windräder, Biogasanlage und eigenes Netz locken auch viele Besucher aus Japan an. Ende 2012 gibt es Pläne bei den Energieversorgern, Nachtspeichergeräte (elektrische Nachtspeicherheizung) als Speicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken zu nutzen. Dazu müsste die Energiesparordnung geändert werden. 2013 kippt der Bundestag auch das Verbot für Nachtspeicher (ursprünglich Verbot wegen Stromfresser, Asbestbelastung). Der Trend zur Dezentralität in der Energiewirtschaft ist aber der Megatrend. Das dürfte die Welt der Energie komplett verändern. Im Kommen sind auch regionale oder individuelle Batteriespeicher (Akkus), die die Schwankungen von erneuerbaren Energien ausgleichen können. Die Reform der EEG-Umlage führt zu einer Verzögerung: Die Solar- und Blockheizkraftwerkhersteller leiden. Sie liegen mit 10.000 Kliowattstunden in der Regel oberhalb der Grenze der Befreiung. Speicher könnten ein Ausweg sein. Wärmespeicher gelten als Zukunftsmarkt.

Private Energiewende durch Kombination von Technologien: Ein privates Hauskraftwerk besteht aus drei Komponenten: Fotovoltaik-Anlage, Mini-Blockheizkraftwerk, Batterie. Damit können sich Eigenheimbesitzer rund um die Uhr versorgen. Das wird die Zukunft sein; das Netz wird an Bedeutung verlieren.

Grünstrom-Anlagen: Ein Gutachten der Monopolkommission 2013 geht von mittlerweile 1,3 Mio. Grünstromanlagen in Deutschland aus. Damit sind kleinere, dezentrale und fossile Anlagen zur Stromerzeugung gemeint. Dazu gehören Biogas-Anlagen auf Bauernhöfen, Windräder, Solar-Panelen, Wasserräder, Wärmepumpen u. a.. Auf längere Zeit wird man aber noch die Großanlagen der Oligopolisten (Eon, RWE, Vattenfall, EnBW) brauchen, weil Strom nur begrenzt gespeichert werden kann.  Dadurch sinken aber die Renditen der großen Konzerne (Umsätze sinken, Aktien verlieren an Wert, Schulden steigen). "Ich habe fast jedes Windrad persönlich gestreichelt und jede Windgasanlage beschnuppert", Peter Altmeier, bis Dezember 2013 Bundesumweltminister.  

Grüne Wärme: Es wäre auch eine Wärmewende notwendig. Wahrscheinlich könnten die alternativen Energien Deutschland schon mit Wärme versorgen. Dann könnte man von der "Dämmwut" abrücken. Kraftwerke, Fernwärmenetze, Zwischenspeicher, Solarkollektoren, Verteilzentralen, Abluft, Kanalisation und Erdwärme könnten das Netz bilden. Projekte gibt es mit der dezentralen Kombination von Solar im Sommer und Holzheizungen im Winter. So können Dörfer ihre Heizungen koppeln. RLP unterstützt finanziell solche Projekte (neue Wärmekonzepte).

Biogas: Es entsteht bei der Vergärung von organischer Substanz unter Luftausschluss. Es besteht vor allem aus Kohlendioxid, Wasserdampf und Methan. Je höher der Methangehalt, desto höher der Brennwert. Sehr häufig explodieren Gärtanks, weil sie nicht richtig gewartet werden (Schlamperei, Unwissen). Dadurch laufen Gülle und Gärreste aus, die häufig Bäche verschmutzen. Biogasanlagen locken Investoren an. Sie kaufen in großem Stil Ackerland für den Maisanbau auf (wird mit den organischen Abfällen wie mist zusammengebracht). Die Bodenpreise steigen dadurch stark an oder explodieren sogar. Vor allem für Öko-Bauern wird das Überleben immer schwerer. Ein Schwerpunkt der Biogasanlagen in Deutschland liegt in der Eifel. Biogasanlagen können nur wirtschaftlich arbeiten, weil sie hoch subventioniert werden (langfristig garantierte Abnahmepreise). Wenn die Förderung ausläuft und die Kraftwerke an die Strombörse müssen, dürften die meisten eingehen. Mehr Effizienz bei der Biogas-Erzeugung erzielen 2015 Brennstoffzellen. Sie optimieren das Verfahren. 2015 wurden schon 85% weniger Biogasanlagen installiert. Die Branche wandert ins Ausland ab. Ursache ist die Änderung der Förderpolitik. 2016 wird beschlossen, dass Biogasanlagen doch in die Ausschreibungen für Ökostromanlagen aufgenommen werden (Druck aus Bayern). 2018 werden Biogasanlagen durch den trockenen Sommer zum Risikoinvestment.

Geothermie: Man kann oberflächennahe und Tiefen - Geothermie unterscheiden. Erstere wird in der Regel mit Wärmepumpen weitergegeben. Wichtiges Kriterium ist die Effizienz. Bohrungen sind mit Risiko behaftet. Bei der Tiefen - Geothermie ist Island Vorreiter, sehr weit ist auch die USA. Es gibt auch immer mehr Geothermiekraftwerke. Sie produzieren rund um die Uhr. die Technik muss noch in großen Anlagen erprobt werden. Geothermie kann Erschütterungen im Untergrund auslösen, die zu Erdbeben führen können. Die Zusammenhänge sind noch wenig erforscht. Es gibt bekannte Beispiele: Am 20. Juli 2013 kam es zu einem Erdbeben am Geothermieprojekt Sittertobel bei St. Gallen. Ähnliche Erscheinungen gab es bei einem Geothermieprojekt nahe Basel. Auch in Landau in der Südpfalz tauchten Probleme auf (der Boden senkt sich und es treten Risse auf; wahrscheinlich Stilllegung). Die Bundesregierung stellt 2014 die Förderung ein. Gasförderung mittels Fracking ist mit ähnlichen Problemen verbunden. Neuseeland deckt 16 Prozent des Strombedarfs mit Erdwärme. Gerade die Vulkanzone auf der Nordinsel bietet gute Voraussetzungen. Auch die im Wasserdampf enthaltene Restenergie wird in modernen Anlagen genutzt. Ein riesiges Potential hat Japan. Hier bremsen aber kulturelle Hemmnisse den Ausbau (Badekultur). Theoretisch könnte in Deutschland der Wärmebedarf halb von Geothermie gedeckt werden. Großes Potential bei der Energieerzeugung aus Erdwärme hat Island. Das Land will ein Meeresstromkabel nach Großbritannien verlegen. Groß ist auch das Potential in Japan. Hier verhindern kulturelle Gewohnheiten (viele heiße Bäder) die Nutzung als Energiequelle.

Solarstrom (von Latein Sol Sonne oder Solaris zur Sonne gehörig): Photovoltaik, bei der durch ein physikalisch-chemisches Verfahren Strom durch Halbleitermodule, z. B. auf Dächern, erzeugt wird. Es geht auch über Solarkollektoren, wo Rohrsysteme durch die Erwärmung von Wasser Sonnenenergie absorbieren. Es gibt auch mittlerweile Solarkraftwerke (CSP), in denen Sonnenstrahlen durch Spiegel konzentriert und damit Dampf produziert wird, mit dem eine Turbine angetrieben wird. Intensiv geforscht wird an Materialien, die tagsüber Wärme speichern, um sie nachts den Solarkraftwerken zur Verfügung zu stellen (z. B. Betonspeicher und Spezialsalztank). Deutschland führt bei den weltweiten Solar-Forschungskapazitäten (ca. 80%). 7,5 Gigawatt beträgt die gesamte maximale Leistung aller Fotovoltaikanlagen, die 2011 in Deutschland installiert wurden. 56% der Ökostrom-Subventionen entfallen auf Solarstrom. die größten Solarzellenhersteller weltweit sind Suntech Power (China), JA Solar (China) und First Solar (USA). 2012 kürzt die Bundesregierung die Subventionen für Solarstrom. Die auf zwanzig Jahre garantierte Vergütung für Solarstrom soll schon ab März um 15% gekürzt werden. Zusätzlich greift eine Kappung für Anlagen bis zehn Kilowatt Leistung von rund 5%. Solar-Kraftwerke über zehn Megawatt erhalten keine Hilfe mehr. Ende Juni einigen sich der Bund und die Länder auf einen Kompromiss. Die Förderung wird weniger gekürzt. Wahrscheinlich werden die Schiffe von morgen "Sonnensegler" sein, die zusätzlich von Wind und Biogas aus Algen angetrieben werden. Durch den Preisrutsch in der Solartechnologie und neue Technologien wird diese Energiequelle immer interessanter. Dächer, Fenster u. a. könnten den Sonnenstrom billiger als wie Kohle liefern. Im November 2013 waren noch 4800 Beschäftigte in dieser Branche. 5000 Arbeitsplätze sind verloren gegangen (insbesondere durch den Preiskampf mit chinesischen Produzenten). Die USA schotten den Solarmarkt gegen Firmen aus China ab (Strafzölle für Importe). Das macht auch die EU. Sie bewirken aber bei der deutschen Solarindustrie das Gegenteil (Vorleistungen werden zollfrei aus China bezogen). 2017 kann das KIT Karlsruhe neue Solarzellen entwickeln, die das Sonnenlicht deutlich besser schlucken. Vorbild sind die Flügel von Schmetterlingen. Im ehemaligen Braunkohlerevier in der Lausitz rund um das Dorf Meuro entsteht einer der größten deutschen Solarparks (152 ha, Solarmodule aus China). 2011 ist China Marktführer bei Solarzellen (21,3%), es folgen Taiwan (4,1%), Japan (2,6%) und Deutschland (2,5%). Beim größten Solarstromprojekt Desertec (Solarstrom in der Sahara) gibt es immer mehr Konflikte. Viele Mitglieder der Stiftung sind schon abgesprungen. Mittlerweile wird das Projekt 2013 mit 900 Mrd. € veranschlagt. Angeblich stehen als Finanziers jetzt auch China und die reichen Ölländer zur Verfügung. 2014 scheitert das Projekt. 2015 wird es neu aufgelegt und setzt vor allem auf reiche Ölförderländer. In Wolfhagen in Nordhessen steht mit einer Fläche von 18 Hektar der größte Solarpark in ganz Hessen. Die Sued.Link-Trasse, den Wind-Strom von der Nordsee nach Bayern bringt, soll hier durch. Was wird mit Regionen sein, die sich selbst dezentral versorgen? Das bekannteste Projekt ist zur Zeit das US-Hauptquartier von Apple, das ganz von Sonnenstrom betrieben werden soll. Die weltweit größte Solaranlage mit dem Namen "Topaz" ging 2014 in Kalifornien ans Netz (5000 Fußballfelder). Ein großer Solarpark entsteht derzeit auch bei La Paz in Mexiko. Der Fotovoltaikanteil an der Stromproduktion ist 2014 am höchsten in Italien (7,9%) vor Griechenland (7,6%), Deutschland (7,0%) und China (0,9%). 2016 wird in Marokko eine der größten Solar-Energie-Anlagen der Welt eröffnet (Noor 1, am Rande der Sahara; Ouarzazate-Wüste).  Ab 2017 sollen in Deutschland auch Mieter von Solaranlagen profitieren (neue Förderregeln). Inmitten der Atacama-Wüste im Norden Chiles entsteht das erste Solarwärmekraftwerk in Lateinamerika. Deutsches Know-how und Erfahrung spielen eine Rolle. Einen Windpark dort gibt es schon. Chinesische Solarfirmen entrücken den europäischen Konkurrenten. Sie arbeiten auch mit illegalen Methoden (Scheinfirmen werden im Ausland gegründet, die die Solarmodule vertreiben, bis eine Betriebsprüfung droht. Die chinesischen Firmen werden hoch subventioniert).

Monopolisierung der Solarstrommodule: Solarstrommodule aus China dominieren den Weltmarkt. Die Preise liegen inzwischen unter den Herstellungskosten. Auf diese Weise konnten chinesische Unternehmen ihren Marktanteil auf 80% erhöhen. Sie wurden stark von den staatlichen Banken unterstützt. Dies trifft insbesondere deutsche Firmen, die reihenweise Pleite gehen (z. B. Qcells, aber auch wegen der sinkenden Förderung in Deutschland, Conergy, Solar Millenium). Ca. 30.000 Jobs gingen 2012 verloren. Die EU-Kartellbehörde eröffnet im Herbst 2012 ein Verfahren gegen die chinesische Solarindustrie, wegen Dumping-Preisen. Die EU und China verhandeln. Ziel dürfte es sein, einen Mindestpreis für chinesische Module zu finden. Ende Jlui 2013 einigt man sich auf einen Kompromiss. Damit ist das Problem aber nicht vom Tisch. Es besteht darin, dass China die Produktion und die EU die Nachfrage subventioniert.

Windkraft: Kurz- und mittelfristig bietet die Windkraft in Deutschland das wirtschaftlichste Potential (schon 100 n. Chr. gab es erste Windräder). Es werden auch "Offshore" - Windparks (als Rotoren im Meer) eine wichtige Rolle spielen. Es wird Windenergiegürtel im Nordseeraum geben. Um das Auf und Ab auszugleichen braucht man vorübergehend Sicherungskraftwerke (Gaskraftwerke?). Bis 2030 sollen 40 Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee entstehen. 2011 wird mit dem Bau des ersten CO2-freien Speichers in Grapzow in Mecklenburg-Vorpommern begonnen. Durch eine Elektrolyse entsteht Wasserstoff, der in Tanks gespeichert wird. Dänemark gilt als Modellstaat für Windenergie (z. B. Offshore-Windpark Middelgrunden bei Kopenhagen). Windkraftwerke auf hoher See stellen sich allerdings immer mehr als ökonomischer und technologischer  Irrtum raus, weil der Strom über weite Strecken weiter geleitet werden muss. In den ersten Jahren werden hohe Einspeisevergütungen bezahlt, die per Ökostromumlage auf den Strompreis ausgeschlagen wird. Studien zeigen, dass die Anlagen zusätzlich das Klima in manchen Regionen aufheizen. Die Konflikte mit dem Naturschutz nehmen beim Ausbau der Windkraft zu. Normalerweise erstellen die Bundesländer einen Windatlas, aus dem man ersehen kann, welche Teile der Fläche geeignet sind, Windräder wirtschaftlich zu betreiben (in RLP die Höhen von Eifel, Westerwald, Hunsrück und Rheinhessen). Die Windkraftanlagen könnten durchaus zum Exportschlager in Deutschland werden. Vorraussetzungen sind die Reform der Grünstromförderung, die Wiederbelebung des Emissionshandels und Planungssicherheit. Vor 20 Jahren 1995 entstand schon ein Windpark im brandenburgischen Feldheim. Die Gemeinde ist heute energieautark und rentabel.  Wunde Punkte der Offshore-Windparks sind die Hochspannungsübertragungsanlagen und die Umspannstationen. Künftig soll der Bund entscheiden, wo gebaut wird und welche Parks als nächstes geschlossen werden. Das ist auch sinnvoll, weil ungenutzte Netzkapazitäten den Verbraucher viel Geld kosten. Bei der Reform des EEG-Gesetzes im Juni 2016 einigt man sich darauf 2 Windkraftzonen einzurichten: In Zone 1 soll das Gros der neuen Windkraftkapazitäten errichtet werden. In Zone 2, wo Überkapazitäten bestehen (Norddeutschland), soll noch ungefähr ein Drittel der letzten drei Jahre errichtet werden (Netze ausgelastet). Die Windkraft hat auch ihre eigenen Probleme: Zu viele Turbinen nehmen sich gegenseitig Leistung weg. Vielen Tieren, die am Himmel sich bewegen, werden die Rotorblätter zum Verhängnis. Die Bürgerproteste und Einsprüche gegen Windkraftanlagen nehmen stark zu. Das Umweltministerium will vermitteln. 2017 sind 16 Windparks mit 950 Windrädern auf hoher See vor Deutschland in Betrieb. Sie erzeugen ein Leistung von 4100 Megawatt. Bis 2030 sollen es Anlagen mit 15.000 Megawatt sein. EnBW plant den ersten Windpark ohne Zuschuss. Im Februar 2018 beschließt der Bundesrat, die Bevorzugung von Bürger-Energiegenossenschaften bei Ausschreibungen auszusetzen.  Der erste Windpark vor der deutschen Ostseeküste, Baltic 1, ist 2011 in Betrieb gegangen. Im August 2013 wird der größte deutsche Meereswindpark "Bard Offshore 1" eröffnet. Inzwischen liefert die Anlage 75% des deutschen Offshore-Stroms. Der Anfang August 2013 eröffnete Nordsee-Windpark "Riffgat" ist noch ohne Netzanschluss. 2013 erhält die RWE die Genehmigung für zwei Nordsee-Windparks (vor der Insel Juist). Japan will mit schwimmenden Windmühlen seine Energiewende schaffen. Vor der Insel Helgoland wird der Offshore-Windpark Meerwind Süd und Ost betrieben (RWE-Innogy). Vor Fukushima soll ein Windpark errichtet werden. Bis 2020 sollen 140 meerestaugliche Windkraftanlagen errichtet werden (1 Gigawatt=1 Atommeiler; achtmal so teuer wie an Land). Siemens baut 2014 einen Windpark vor der amerikanischen Küste (Großprojekt, Massachusetts). 2014 wird in Pirmasens mit dem Bau eines Speichers begonnen, der überschüssige Windenergie bewahren kann. Es ist eine "Power-to-Gas-Anlage", die aus überschüssiger elektrischer Energie speicherfähiges Methangas produzieren kann. Durchgeführt wird das Projekt von dem Pirmasenser Prüf- und Forschungsinstitut (PFI),  das auch 2017 mit dem Bau einer Bioraffinerie beginnen will. "Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen", Chinesisches Sprichwort. Für die deutschen Offshore-Windparks wird schon in wenigen Jahren zu viel teure Netzkapazität zur Verfügung stehen. Das Aufstellen von Windrädern scheitert immer öfter am Naturschutz. Häufig geht es um den Schutz seltener Tierarten, wie etwa im Hunsrück um den Rotmilan. Einen großen Einfluss auf die Off-Shore- Windinvestitionen dürfte die Erneuerung des EEG 2014 haben: Die Absenkung der Fördersätze kann durch Instrumente der Risikoabsicherung für Investoren abgefedert werden (z. B. Kompensationszahlungen bei Flauten; Einstieg von Kapitalgesellschaften). Das Stauchungsmodell wurde verlängert und eine weitere Absenkung für 2019 verworfen (Vgl. Balks, M/ Breloh, P.: Auswirkungen des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes auf Offshore-Wind-Investitionen, in: Wirtschaftsdienst 2014/ 7, S 520-523). Bis 2014 hat noch keine Offshore-Windanlage eine Betriebserlaubnis in Deutschland (rund 10 Mrd. € Investitionen). Die Stadtwerke München und Vattenfall bauen ab 2015 einen Windpark vor der schleswig-holsteinischen Nordseeküste ("Sandbank", 72 Turbinen, 288 Megawatt). Die Mehrheit der Pfälzer wollen keine Windkrafträder im Pfälzerwald (CMR, Mannheim Ende 2014). Die Windräder könnten die Zertifizierung als Biosphärenreservat gefährden (MAB). 2015 kommt das Aus für alle Windrad-Pläne im Pfälzerwald. 2014 wurde soviel Windkraft in Deutschland installiert wie nie zuvor (4750 Megawatt; +60% gegenüber 2013). 2015 entstehen 546 neue Anlagen an der Küste in Deutschland (Offshore; 2282 Megawatt). In Dänemark liegt der Anteil an Windkraft bei der Energieerzeugung 2015 bei 40%. Im September 2016 gibt der Pariser Atomkonzern Areva das Windkraftgeschäft auf. Die Anteile gehen an Siemens. "Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen", chinesisches Sprichwort. Die Stromproduktion der Windparks in der Nordsee hat sich im ersten Halbjahr 2016 verdoppelt gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. 2017 steigt die Produktion noch mal um 47%. EnBW investiert 2018 in Windenergie-Projekte in Taiwan.

Offshore-Windenergie (See-Windkraft): 2017 belegen Berechnungen, dass die See-Windenergie ergiebiger als gedacht ist. Der Nabu bleibt wegen Belastungen für das Ökosystem weiter skeptisch. Vgl. Artikel vorher.

Steinkohlekraftwerke: Die Energiewende mit dem Vorrang alternativer Energien setzt den fossilen Energieträgern zu. Besonders betroffen ist das Ruhrgebiet. Die Kraftwerke sind in der Hand dreier Unternehmen: RWE, Trianel, Steag. Durch die Unterauslastung der Kraftwerke werden die Kommunen belastet. Im Juni 2014 erlässt die Regierung neue Grenzwerte für Kraftwerke: Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen um 30% gesenkt werden. Den Bundesstaaten bleibt überlassen, ob sie den Durchschnittswerte über Zertifikate, alternative Energien oder Techniken (Filter) erreichen wollen. Dies ist die wichtigste Klimaschutzmaßnahme der Regierung Obama. 2014 sind noch 37% aller US-Kraftwerke Kohlekraftwerke. Den höchsten Anteil an der Energieerzeugung hat Kohlekraft auch in China und Polen. die kohl für Kraftwerke wird in Deutschland auch aus Russland, USA und Kolumbien importiert. Bei Kokskohle für die Stahlindustrie sind Australien und die USA die Hauptlieferländer. In diesem Jahr 2014 sinken die Importe um drei Prozent auf 51 Mio. Tonnen wegen der wachsenden Bedeutung alternativer Energien. In Deutschland wollen die Grünen eine Strafsteuer für Kohlekraftwerke durchsetzen. Auch die Umweltministerin Hendricks will die Zahl der Kohlekraftwerke reduzieren. Bis 2020 will der Umweltminister ab 2015 jährlich 4,4 Mio. t CO2 einsparen, also insgesamt 22 Mio. t. Damit wird Klimaschutz für Kohlekraftwerke Pflicht. Eigentlich ist das aber viel zu wenig, da mindestens 40-60 Mio. t eingespart werden müssten. Extraprämien für die Stilllegung von Kraftwerken soll es nicht geben. Mitte 2015 deutet alles darauf hin, dass die Gebühr für CO2 ab einer bestimmten Grenze nicht kommt. Dafür sollen Braunkohlekraftwerke stillgelegt werden. Etwa fünf große Anlagen sollen in die Reserve verschoben werden (+ 10 Mrd. €). Im September 2015 wird beschlossen. neue und modernisierte Steinkohl- und Braunkohlekraftwerke nicht mehr zu fördern. Ende 2015 gibt die Allianz bekannt, dass sie ihre Investitionen in Kohlekraftwerke zurückzieht. Laut Climate Action Network Europe stießen die 280 Kohlekraftwerke in der EU 2014 762 Mio. Tonnen CO2 aus (ca. 20% des CO2). Im Oktober 2017 wird in Deutschland ein Gutachten vorgelegt: Der schnelle Ausstieg ist verfassungsrechtlich ohne Kompensation möglich, weil die Kraftwerke nach einer Betriebsdauer von 25 Jahren abgeschrieben sind. Das größte deutsche Steinkohlekraftwerk ist das Großkraftwerk Mannheim. Der neue Block 9 geht im Herbst 2015 ans Netz. Vgl. www.gkm.de . In der VR China wurde 2011 im Schnitt alle fünf Tage ein neues Kohlekraftwerk mit 100 MW Leistung eröffnet. Die Vorräte dort reichen noch ca. 30 Jahre. In Deutschland reichen sie noch 218 Jahre. Kohlekraft werke haben zwei Eigenschaften: sie sind billig und sie sind Klimakiller. 2016 spaltet Eon sein Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken ab und bringt Uniper an die Börse. Der Start ist solide. Ab 2016 steigt Kanada aus der Kohleverstromung aus. Bis 2030 soll Elektrizität zu 90% aus sauberen Quellen kommen. Die Grünen fordern zu Beginn von 2017 die Abschaltung der Kohlekraftwerksblöcke bis spätestens 2027. Auf ihrem Parteitag 2017 revidieren sie diesen Termin auf 2030. Die 20 dreckigsten Kohlekraftwerke sollen sofort abgeschaltet werden. 

Braunkohlekraftwerke: Das Absinken des CO2-Zertzifikatspreises 2013/ 2014 macht die Braunkohlekraftwerke sehr rentabel. Die Förder- und Transportkosten sind ohnehin niedrig (überwiegend Ostdeutschland).  Die Kosten für Braunkohlekraftwerke sind mittlerweile günstiger als bei Steinkohle, Gas und alternativen Energien. Deshalb ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle auf den höchsten Wert seit 1990 gestiegen (162 Mrd. Kilowattstunden; Spitzenreiter vor vor erneuerbaren Energien und Steinkohle; Gas wird verdrängt). Der Anteil bei der Stromerzeugung durch Braunkohle liegt 2013 insgesamt bei 25,8%. Bis Ostern 2014 will die Bundesregierung ein neues Konzept entwickeln. Die deutschen Kohlekraftwerke stoßen über sechs Tonnen Quecksilber aus, zwei Drittel der in Deutschland emittierten Gesamtmenge. Damit werden sogar die Grenzwerte der USA weit überschritten. Der Bundeswirtschaftsminister erwägt eine Verschmutzungsabgabe für die Kohlekraftwerke. Diese kommt auch. Bei über 20 Jahre alten Braunkohlekraftwerken soll es eine Kopplung an den Börsenstrompreis geben (wenn der Strompreis hoch ist, ist auch die Abgabe hoch). Wenn die Kohleabgabe doch nicht kommt, sollen acht Braunkohlekraftwerke stillgelegt werden (2 in den neuen Ländern, 1 in Niedersachsen, 5 in NRW). Fünf sollen als Reserve dienen. Der sanfte Braunkohleausstieg soll den Energieversordern mit 1,6 Mrd. € vom Bund versüßt werden. Letztlich müssen dies die Stromverbraucher zahlen. Greenpeace will Braunkohlekraftwerke kaufen. Im Jahre 2016 verkauft der schwedische Konzern Vattenfall sein deutsches Braunkohlegeschäft an die tschechische EPH-Gruppe.

Holzkohle: sie wird auf Grills in aller Welt verwendet. Ursprünglich wurde sich handwerklich in Köhlereien hergestellt. ein uraltes Handwerk. In Rumänien (Siebenbürgen) gibt es noch einige Köhler heute. Doch die Zeit scheint abgelaufen. Heute wird die wachsende Nachfrage von Fabriken befriedigt. Dafür braucht man aber auch Holz und so wird Raubbau an den rumänischen Wäldern betrieben.

Gaskraftwerke: Selbst effiziente Gaskraftwerke sind in Deutschland nicht profitabel, weil erneuerbare Energie Vorrang hat und die CO2-Preise zu niedrig sind. Trotzdem investieren z. B. die Stadtwerke Düsseldorf in das modernste Gas- und Dampfkraftwerk der Welt, das von Siemens gebaut wird. Vielleicht geht die Rechnung auf, wenn die Anlage auch Fernwärme liefert und so unabhängiger vom Strommarkt wird. Vgl. Bernd Müller: Lichtblick für Gasriesen, in: bild der wissenschaft 3-2015, S. 80-85. Das modernste deutsche Gaskraftwerk im bayerischen Irsching ist aus den genannten Gründen nicht mehr wettbewerbsfähig und muss vielleicht stillgelegt werden. Das ist paradox. Evtl. wird das Kraftwerk in die Reserve-Kraftwerksverordnung aufgenommen. Bayern will mit Gaskraftwerken evtl. auch seinen Bedarf decken und die Nord-Süd-Trasse der Stromleitungen verhindern. Acht Kraftwerke sollen die Reserve bilden (Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke; "Hosenträger zum Gürtel"). 2016 spaltet Eon sein Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken ab und bringt Uniper an die Börse. Der Start ist solide. Die EU und Deutschland wollen sich unabhängiger machen und fördern die Verbindungen nach Russland durch die Ostsee (Nord Stream, 1 und 2). Trump und einige osteuropäische Länder sind dagegen. Die USA setzen unter Trump "eiskalte Interessen" ein. Sogar der Botschafter betreibt Lobbyismus.

Wasserstoffkraftwerke: Sie produzieren Energie aus Sonnenstrahlen und Wasser. In Andalusien/ Spanien gibt es ein kleines solches Kraftwerk. Das DLR ist beteiligt. Solche Anlage wären auch ideal für Nordafrika, Griechenland oder Süditalien.

Zahlungsströme für erneuerbare Energien: Bayern, Niedersachsen und Schleswig- Holstein profitieren am stärksten vom Ausbau erneuerbarer Energien. Diese Länder speisen überdurchschnittlich viel Strom aus Sonne und Wind ins Netz. Größter Verlierer ist Nordrhein-Westfalen.

Energiepolitik in RLP: Die großen BASF-Kraftwerke liegen zwar in B.-W., spielen aber bei der Versorgung eine große Rolle. Bis 2030 sollen 67% aus Windkraft und 23 % aus Photovoltaik kommen. Dafür notwendig sind Speicher (z. B. Wianden in Luxemburg, Pläne für Trier und Mainz) und intelligente Netze. Die wichtigste alternative Energie ist heute schon die Windkraft (es gibt Restriktionen und Ausschlussgebiete). Die größten Windkraftanlagen (7,5 MW) sind an der Rhein-Hunsrück-Schiene installiert. Die Instabilität der relevanten Gesetze schreckt Investoren ab.

Stromverbrauch: In der Regel arbeitet man weltweit damit, dass man die Millionen Kilowattstunden auf jeweils eine Million Dollar Wirtschaftsleistung bezieht. So gesehen hat Kanada den höchsten Stromverbrauch (329 Millionen Kilowattstunden auf 1 Mio. Dollar Wirtschaftsleistung). Dann folgen China (305), Russland (290), USA (221) und Japan (193). Dabei ist der Stromverbrauch aus allen Energiequellen 2014 gerechnet (CIA Factbook). Große Einflussfaktoren bei den führenden Ländern sind kalte Temperaturen (nach oben) und Armut (nach unten). 2017 passt die EU die Kennzeichnung der Energieeffizienz der technischen Entwicklung an:  Künftig gibt es nur noch die Klassen von A (hoch effizient) bis G (Stromfresser).

Stromverbrauch und Kryptowährungen: Auf der Klimakonferenz in Paris ahnte kaum jemand, was auf die Welt zukommt durch Bitcoin und Co. Jede Bitcoin - Transaktion verschlingt tausendmal so viel Strom wie eine übliche Überweisung.  2018 gibt es Hunderte von Kryptowährungen. Es fehlen staatliche Einmischung und Notenbank, wie jede Aufsicht. Es gibt nur den elektronisch gespeicherten Zahlencode. Grundvoraussetuzung ist eine elektronische Brieftasche ("Wallet"). Der zugrunde liegenden Technik Blockkette ("Blockchain") dürfte die Zukunft gehören, auch wenn Bitcoin verschwinden sollte. Also bleibt der Stromverbrauch.

Stromnetz: Das alte Konzept der Stromversorgung ist nicht mehr tauglich. Netzmodernisierungen sind überall in der Welt notwendig, vor allem in den USA und Kanada. Die notwendigen Technologien zum Aufbau eines Supernetzes sind verfügbar. Wer die Netze hat, hat auch die Macht. In Deutschland gibt es vier große Stromkonzerne: E.On, RWE, Vattenfall und EnBW. Letzterer ist 2010 wieder mehrheitlich in Staatshand von B.-W (laut gutachten bezahlte das Land 780 Mio. € zuviel, Untreuevorwurf gegen Mappus). Die vier großen Energieversorger liefern laut Greenpeace nur 0,5% ihrer Energie aus alternativen Energiequellen. Daneben gibt es eine Reihe großer Stadtwerke (Thüga u. a.). Den Netzausbau beherrschen Siemens und ABB. Das Bundeskartellamt konnte in einer breit angelegten Untersuchung den Stromproduzenten 2011 kein Fehlverhalten nachweisen. Es bringt aber auch zum Ausdruck, dass es dem Markt nicht traut. Eine Markttransparenzstelle soll im Stromgroßhandel eingerichtet werden, die beim Bundeskartellamt angesiedelt ist. Wie notwendig dies ist, zeigt sich im Januar 2012 als das Stromnetz mehrfach vor dem Kollaps steht, weil Fehlkalkulationen professioneller Stromhändler dies  herbeigeführt haben. 2013 fürchten die großen Stromkonzerne um ihre Zukunft. Ihnen drohen vorzeitige Stilllegung von Tagebauen und Kraftwerken. Ohne neue Stromleitungen in Deutschland bekommen auch die erneuerbaren Energien Probleme. Tausende von Kilometer fehlen (ca. 4500 km neue Hochleitungsleitungen werden benötigt). Freileitungen sind nicht schön für das Landschaftsbild, Erdkabel sind doppelt so teuer. Es gibt 2014 Pläne für zwei Stromtrassen durch Deutschland von Nord nach Süd (Gleichspannungsleitungen). Bayern stellt sich erst mal quer (Moratorium; Forderung nach einem Gaskraftwerk). Das Bundeskanzleramt versucht, alle Länder zu gewinnen. Da die Windenergie überwiegend in Norddeutschland erzeugt wird (Offshore- und Onshore-Windparks), eher im Süden aber gebraucht wird, regt sich Widerstand gegen Hochspannungstrassen und breite Gräben für Erdleitungen. Die EU will 2011 den Energiemarkt bis 2014 einen und beschließt Milliarden-Investitionen für den Bau neuer Strom- und Gasleitungen. Die Bundesnetzagentur will mit neuen Stromleitungen gleich auch Rohre für Glasfaser verlegen (vom Verbraucher vorfinanziert). Wichtig sind auch Intelligente Stromnetze. Sie gleichen Angebot und Nachfrage über variable Tarife aus. 2012 beklagt der Präsident der Bundesnetzagentur den schleppenden Ausbau der Stromtrassen. 214 von geplanten 1800 Kilometern Hochspannungsleitung seien erst gebaut. Der Netzausbau gilt als entscheidendes Element der Energiewende. In den nächsten 10 Jahren müssen noch 3800 km gebaut werden mit Kosten von 20 Mrd. €. 4000 km bestehende Trassen müssen erneuert werden. 4 Trassen sollen durch Deutschland von Nord nach Süd führen (davon eine ganz im Westen, eine in der Mitte). Die "Monster-Stromtrassen" sollen vorrangig unterirdisch verlaufen. Die Zusatzkosten gegenüber Strommasten werden durch höhere Strompreise finanziert.  Politisch umstritten ist die Frage, ob das Netz verstaatlicht werden soll oder ob man die Stromnetzbetreiber so in die Pflicht nehmen kann. Spannungsschwankungen im Stromnetz, die durch nicht gleichmäßige Stromproduktion der regenerativen Energiequellen entstehen, können mittlerweile durch Mittelspannungsregler ausgeglichen werden (in PLP Pilotprojekt in der Eifel). Weil die Nord-Süd-Trassen unterirdisch laufen sollen, werden sie später fertig (2025) und wesentlich teurer.  Nach Einschätzung der Energiewirtschaft ist das Stromnetz in Bayern und Baden-Württemberg nicht auf eine Flut von Elektroautos und Wärmepumpen vorbereitet. Dafür reicht zur Zeit die Strommenge in Süddeutschland nicht aus. 2017 gibt es eine Diskusion, ob der Staat Anwohnern von Stromtrassen Entschädigung zahlen soll. Die zustimmung der Anwohner hängt von der Höhe der Entschädigung ab (RWI Leibnitz Institut für Wirtschaftsforschung, 7000 HH) Ökostromanbieter in Deutschland sind EWS Schönau, Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom. 2013 wird bekannt, dass die EU Stromtrassen fördern will. 22 förderfähige Stromtrassen soll es in Deutschland geben. Es gibt in Deutschland immer wieder juristische Auseinandersetzungen darüber, wer ein Energienetz betreiben darf. Letztlich geht es auch um die Macht bei der Gestaltung der Energiewende in Deutschland. Gegenüber stehen sich Kommunen und die vier großen Stromkonzerne. Am bekanntesten ist der Fall "Titisee-Neustadt" im Schwarzwald. Gemeinsam mit der Bundesnetzagentur hatte das Bundeskartellamt 2010 einen Leitfaden zur Vergabe von Strom- und Gasnetz-Konzessionen herausgegeben. 2018 stellt das Bundeswirtschaftsministerium fest, dass der Stromnetzausbau in Deutschland hoffnungslos in Verzug ist. "Ohne Netzausbau keine Erneuerbaren , ohne Erneuerbare kein verantwortbarer Kohlelausstieg. Der Ausbau der Netze ist der Schlüssel für mehr Klimaschutz", Rolf Martin Schmitz, RWE-Chef, 2018.

Ökostrom: In Deutschland verkaufter Ökostrom stammt meist aus österreichischen oder skandinavischen Wasserkraftwerken. Einer der größten Anbieter ist Naturstrom. Weitere Anbieter des grünen Stroms sind in Deutschland Lichtblick und Greenpeace Energy. Der Anstieg der Strompreise ist teilweise auch auf Subventionen von Solarstrom zurückzuführen. Trotzdem müssten erneuerbare Energien bevorzugt ins Netz eingespeist werden, um eine Energiewende herbeizuführen. Leider führt die Legitimation über den Ökostrom immer wieder zu fragwürdigen Strompreiserhöhungen. Das Statistische Bundesamt berechnet den Durchschnittserlös pro Nutzergruppe. Der Durchschnittserlös berücksichtigt den Energiepreis (Arbeits- und Leistungspreis sowie Nutzungsentgelte), die Stromsteuer sowie die staatlich festgelegten Abgaben nach den Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, nicht aber die Mehrwertsteuer. Dies schafft Transparenz in der Strompreisbildung. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat in einer Modellrechnung festgestellt, dass Deutschland sich Mitte des Jahrhunderts vollständig mit grünem Strom versorgen kann. Zwischen 2030 und 2040 wird die grüne Versorgungsvariante billiger als die konventionelle. Die Produktionskosten für Strom aus Wind und Sonne werden sich konventionellen Quellen nach und nach angleichen. Die Kürzungen der Einspeisevergütungen sollten sich nach dem technischen Fortschritt richten. 2010 wird die Nationale Plattform Mobilität von der Bundesregierung ins Leben gerufen. Es geht um Fahrzeuge, erneuerbare Ressourcen und Infrastruktur. Nach einer Studie der Umweltverbände BUND und Greenpeace 2014 könnte die Ökostromumlage für Stromkunden um 12% sinken, wenn auch der Eigenverbrauch konventioneller Kraftwerke mit dem Öko-Obulus belegt wäre. Die größten Profiteure sind die ineffizientesten und ältesten Kraftwerke, deren Eigenverbrauch am höchsten ist. Jahresmitte 2017 steigt der Anteil an Ökostrom in Deutschland auf 35 Prozent. Im ersten Halbjahr 2017 lag die produzierte Strommenge aus Windenergie in der Nordsee 50% über dem Vorjahreswert. Die Herbststürme 2017 treiben die Ökostromerzeugung auf einen neuen Höchststand. Der Anteil steigt auf 29,5 insgesamt 2017 (Verzehnfachung seit 1990). Ökostrom kommt aus Windparks, Photovoltaik- und Wasserkraftanlagen sowie Biomasse. (2014 entscheidet der Europäische Gerichtshof, dass die Ökostromhilfe für ausländische Erzeuger nicht gilt. Der Europäische Rechnungshof kritisiert die Ökostromförderung als ineffizient. Wäre das Internet ein Land, hätte es den sechstgrößten Stromverbrauch (täglich 2,5 Mrd. Menschen). Dies beeinflusst natürlich auch stark den Klimawandel. Öko-Stromerzeugung und -Verbrauch müssen besser vernetzt werden. Der Bund fördert solche Projekte. Eines läuft in RLP mit der Bezeichnung "Design-Netz". Eingebunden sind das DFKI und das IESE in Kaiserslautern. 2016 steigt die Ökostromumlage weiter an. Die Förderung wird von 6,35 Cent pro Kilowattstunde auf 6,88 Cent angehoben. Die Reserve für die Photovoltaikanlagen steigt 2017 auf mehr als 5 Mrd. Euro an. Damit zahlen die Verbraucher zu viel Umlage für Ökostrom. 24 Milliarden € werden 2016 für Ökostrom-Förderung ausgegeben. Die Umlage für Strom aus Sonne und Wind ist erstmals seit 2006 kaum gestiegen. Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg profitieren am meisten. 2018 erreicht der Ökostrom erstmals über 40%. Dazu haben vor allem die vielen Sonnenstunden im Sommer beigetragen. Mitte 2019 erreicht der Ökostrom Rekordniveau: 44% im 1. Halbjahr 2019 (Windkraft, Sonne). Damit überholt 2019 die Grüne Energie endgültig Kohle und Atom.

Strompreis: Seit 2007 (bis 2012) ist der Strompreis um 39% gestiegen. Er hat zahlreiche Determinanten. Zunächst geben die "alten" Energieerzeuger (mit CO2-Abgabe, Steinkohle, Gas) und die "neuen" Energieerzeuger (Windkraft, Solar) ihre Angebote ab. An der Strombörse wird dann ein Preis gebildet (Stromzusammensetzung Spitzenlaststrom/ 30% und Grundlaststrom/ 70%. Die Endverbraucher müssen unterschiedlich hohe Strompreise zahlen (am wenigsten zahlt die energieintensive Industrie, vor der Industrie und Gewerbe und Dienstleistungen; am meisten zahlen private Haushalte). Zuletzt kommt noch die EEG-Umlage (bis 2011 54 Mrd. €) dazu, die die Differenz zwischen dem Börsenpreis und den Vergütungen, die den Stromerzeugern garantiert sind, ausgleicht. Andere Einflussgrößen auf den Preis sind die Umsatzsteuer, das Netznutzungsentgelt, die Konzessionsabgabe Strom, die Stromsteuer, die NEV-Umlage, die KWK-Umlage, die Offshore-Haftungsumlage, die Abrechnung der Netznutzung, der Messstellenbetrieb und die Messungsdienstleistung. Die Ökostrom-Umlage (EEG-Umlage) soll 2013 auf ca. 5,3 Cent pro Kilowattstunde steigen (es werden genau 5,277 Cent; dies polarisiert). Einige Energiekonzerne sehen den Preis bis 2020 um ein Drittel ansteigen. Dies ist im Moment "Kaffeesatz-Leserei". Aber die Preise steigen natürlich in der Energiewende (Atomausstieg) an. Der Bundesumweltminister will die Förderung für Ökostrom deckeln (andere Vorschläge wollen die Ausnahmen für die energieintensive Industrie beschränken oder die Mehrwertsteuer einschränken). 2013 wird vom Bundesumweltminister die Abschaffung der EEG-Umlage erwogen. Dies dürfte politisch zurzeit nicht durchsetzbar sein (große Auswirkungen auf Investitionen bei alternativen Energien). Rund 50% des Strompreises machen inzwischen Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Der Bund macht 2013 Pläne, die Ökostromumlage um 1,86 Mrd. € zu kürzen. Eine Einigung mit den Ländern steht aus. Eine starken Einfluss auf den Preis hat die Berechnung der EEG-Umlage: Sie wird als Differenz zwischen den garantierten Ökostromabnahmetarifen und dem Börsenstrompreis errechnet. Fallende Börsenstrompreise führen zu einer höheren Belastung der Verbraucher. Die Umlage wird jeweils am 15. Oktober fürs Folgejahr bekannt gegeben (von den Netzbetreibern auf Basis der Septemberdaten berechnet). Dabei fließen Schätzungen ein (Lage im Folgejahr, wie viel erneuerbare Energie zusätzlich, Marktpreis, Industriebtriebe, Liquiditätsreserve). Die Zahl der energieintensiven Betriebe, die von der Umlage befreit sind, erhöht sich 2013 auf ca. 2800. Die EU leitet deshalb Ende 2013 ein Verfahren gegen Deutschland ein. Es geht um versteckte Subventionierung und Verletzung europäischen Wettbewerbsrechts. 2014 einigen sich Berlin und Brüssel. Der Preisverfall an den Börsen macht aber den Energiekonzernen zu schaffen. Insbesondere die konventionellen Kraftwerke leiden darunter, dass durch den starken Ausbau der erneuerbaren Energien die Preise an den Strombörsen massiv ins Rutschen gekommen sind. Bayern weigert sich, Trassen für Windstrom aus dem Norden zu bauen. Dann könnte der deutsche Energiemarkt zweigeteilt werden und den Süddeutschen drohen höhere Strompreise (+10%; Bayern, B.-W., Süden von RLP; Studie der EU-Kommission). Durch die Erneuerbaren Energien (Aufschlag für Ökostrom) drohen die Strompreise ab 2016 noch um Jahre zu steigen.  Die Preise für Strom, Gas und andere Brennstoffe sind seit 2006 bis 2013 um 23,6% in Deutschland gestiegen. Seit 2000 haben sich die Strompreise verdoppelt. Vor allem Haushaltskunden und der Mittelstand zahlen die Kosten der Energiewende (Statistisches Bundesamt). Die Regulierungsbehörde wird wohl ab 2016 den Garantiezins senken (aktuellen Bedingungen des Kapitalmarktes anpassen). Wenn der Eigenkapitalzinssatz sinkt, gehen auch die damit fälligen Gebühren für die Stromkunden zurück.

Merit-Order-Prinzip: Verfahren für die Bildung des Strompreises an der Europäischen Energiebörse in Leipzig. Dabei werden nacheinander diejenigen Kraftwerke als Lieferanten berücksichtigt, die den Strom zu den niedrigsten Grenzkosten erzeugen. Das am kostengünstigsten produzierende Kraftwerk hat Vorrang. Steigt die Nachfrage, geht der Preis nach oben. Die Grenzkosten ergeben sich aus den Kosten der Brennstoffe. Das Kraftwerk, das als letztes gebraucht wird, um den Energiebedarf zu decken, bestimmt den Börsenpreis des Stroms. Für erneuerbare Energien wie Sonne und Wind gelten andere Regeln: Der Strom wird immer genommen, egal wie teuer er ist und ob er benötigt wird. Vgl. Bernd Müller: Lichtblick für Gasriesen, in: bild der wissenschaft 3-2015, S. 82.

Räumliche Koordination im liberalisierten Strommarkt: Einteilung in kleinere Marktzonen. Hierzu gibt es Nodal Pricing und Market Splitting. Die Netzentgelte können ein Steuerungsmechanismus sein. Bestandsanlagen sind ein Problemfall. Vgl. Korte/ Gawel: Räumliche Koordination im liberalisierten Strommarkt: angemessene Anreize für die Einspeisung, in: Wirtschaftsdienst 2018/1, S. 60ff.

Energieschwankungen und Ausgleich: Hier liegt viel Entwicklungspotential. Stromspeicher (Seen), neue Batterietechnologien, Umwandlungen (in Wasserstoff) und Pumpspeicherkraftwerke können eine Lösung sein. Pumpspeicherkraftwerke speichern elektrische Energie durch Hochpumpen von Wasser. Wird Strom benötigt, lässt man das Wasser bergab fließen und erzeugt durch Turbinen und Generatoren Strom. Das größte Pumpspeicherkraftwerk in Deutschland soll im Hotzenwald im Südschwarzwald entstehen. Noch in der Testphase sind magnetische Energiespeicher (Energiefeld, permanente extreme Kühlung). Ohne eine ausreichende Netzinfrastruktur, um Strom aus Windkraftanlagen vom Norden in den Süden zu transportieren, wird es aber nicht gehen.  Smart Grid:  englische Begriff für ein intelligentes Stromnetz. Es erfasst Verbrauchsspitzen und steuert die Einspeisung und Verteilung der Energie. Hier wird die Steuerung immer wichtiger (Siemens, SAP u. a.). Einflüsse auf die Auslastung haben Jahreszeiten (Winter problematischer als Sommer) und Tageszeiten. Wichtig sind auch gute Kühlverfahren. Die Steuerung des Stromflusses wird umso wichtiger, je mehr kleine, dezentrale Erzeugungsanlagen Strom ins Netz einspeisen. Die Forschungen in Kleinenergiespeicher (Batterien pro Haushalt) sollten intensiviert werden. Immer wichtiger wird ein effektives Demand-Site-Management (Erforschung der Preissignale). Wenn die Erzeugung sich nicht mehr nur am Verbrauch orientiert, werden Smart Grids auch für Haushalte interessant. Gaskraftwerke können Flauten von Solar- und Windstrom überbrücken. Doch die Reservisten müssen bezahlbar sein. Immer wichtiger wird die Einrichtung von Energieschwärmen (Kooperation einzelner Erzeugungsformen).  Als zukunftsträchtig gilt auch die Power-to-Gas-Technologie: Ökostrom wird unter Zuhilfenahme von Wasser chemisch in Wasserstoff und Sauerstoff umgewandelt. Dadurch wird Strom speicherbar. Mögliche Nutzungsoptionen ergeben sich im Verkehr, bei Haushalten oder in der Kraft-Wärmekopplung. 2015 entstehen immer wieder Energieüberschüsse bei Erneuerbaren Energien wie Solar und Windrädern in Deutschland. Diese Überschüsse werden in die Nachbarländer wie Polen, Tschechien, Niederlande, Belgien und Frankreich geleitet und führen dort teilweise zu Zusammenbrüchen. Die Länder wollen sich abschotten und fordern Deutschland auf, sein Stromnetz endlich auszubauen. Eine Pilotanlage wird ab 2014 in Frankfurt betrieben. 2015 startet das Pirmasenser Prüf- und Forschungsinstitut  eine Anlage zur Umwandlung von Ökostrom in Erdgas. 2,6 Mio. Euro kostet die Pilotanlage, die mit Mikroben arbeitet. 2014 betrug die Stromrechnung von Google 1300 Millionen Dollar. Lernende Algorithmen senken massiv die Energiekosten. Die schlaue Software soll bald auch in Deutschland eingesetzt werden.

Smart-Meter: In den nächsten Jahren dürften vorhandene Stromzähler durch vernetzte intelligente Messsysteme, die als Smart Meter bekannt sind, ersetzt werden. Am 2. September 2016 trat in Deutschland als ein Element des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) in Kraft. Smart-Meter haben drei Informationsaustauschfunktionen: 1. Kommunikation von intelligenten Messsystemen. 2. Datenaustausch mit steuerbaren Energieverbrauchern. 3. Datenversand und -empfang für externe Marktteilnehmer.

Speicher: 1. Betonkugeln am Meeresgrund, in die überschüssiger Strom aus Windparks gepumpt wird. Wird Strom benötigt, strömt Wasser ein und treibt eine Turbine an (Nordsee). 2. Ist Strom billig, ziehen Elektroloks Waggons lang gestreckte Hügel hoch. Rollen die Züge gen Tal, speist ein Generator Strom ein (Nevada). 3. Wasser sammelt man in einem still gelegten Bergwerk. Stürzt es an die Oberfläche, treibt es im Schacht installierte Stromturbinen an (Bottrop). 4. Setzen Kompressoren Ballons unter Druck, kann man mit der ausströmenden Luft Strom produzieren (Toronto, Kanada). 5. Nutzen des Tidenhubs bei Ebbe und Flut (Swansea, Wales). 6. Zurückverwandeln von Wärme in Strom (Hamburg). Vgl. Wirtschaftswoche 50/ 2.12.16, S. 60ff. Ab 2019 entsteht Europas größter Stromspeicher in der Lausitz. Es ist ein Batteriespeicher (genannt "Big Battery") bei Spremberg. Er kostet 25 Mio. €. Das Problem dabei ist, dass auch Strom der Braunkohlenkraftwerke und nicht nur regenerative Energie einfließt.

Modelle für Versorgungssicherheit beim Ausfall von Wind- und Solarstrom: Zusätzliche Kraftwerksreserve, reine Marktlösung ohne nennenswerte Reserve (EU-Kommission), dezentraler Kapazitätsmarkt für Zertifikate (große Regionalversorger), fokussierter Kapazitätsmarkt (BMWi).

Konzepte der virtuellen Stromspeicherung: Hiermit können zukünftig dezentrale industrielle Stromspeicher verbunden werden. Damit geht die Entwicklung vom Energiemanagement zum Flexibilitätsmanagement. Die vier Energiemärkte (negative Sekundärreserve, negative Minderreserve, Spotmärkte/ Day Ahead, Intraday) sollen gekoppelt werden. Es geht darum, die Möglichkeiten der Regelenergiebereitstellung zu optimieren (Hauptproblem: wir haben zu viel Strom). Vgl. SP energycontrol ( www.energycontro24.de ).

Kühlverfahren: Durchlaufkühlung, Ablaufkühlung, Kreislaufkühlung (Nasskühlturm), Kreislaufkühlung (Hybridkühlturm). Der Klimawandel hat Folgen für die Energiewirtschaft (erhöhte Wassertemperatur, längeres Niedrigwasser, Zunahme von Hochwasser). 

Energiepolitik: Deutschlands fünf wichtigste Lieferländer für Gas: Russland (41%), Norwegen (29%), die Niederlande (24), Großbritannien und Dänemark. Die wichtigsten Lieferländer für Öl: Russland (34%), Norwegen (17), Großbritannien (12, Libyen (11), Kasachstan (7), Saudi-Arabien u. a. (3). Beim Erdöl und Erdgas spielen die Vorräte im Meer (z. B. vor der US-Ostküste), im Eis (z. B. Grönland) und im Wüstensand (z. B. China) eine große Rolle, deren Abbau mit steigenden Preisen immer rentabler wird. Die Versorgung muss weiterhin auf eine möglichst breite Basis gestellt werden. Am besten wäre es, die Besteuerung auf den Endverbrauch (Pigou!) zu erhöhen, damit die realen Energiekosten steigen und Innovationen angestoßen werden. Beim Ausbau internationaler Verträge muss die EU gemeinsam auftreten. Zunehmend bedrohen Kriege und Terroranschläge das internationale Netz der Öl- und Gas- Pipelines. Im Herbst 2011 wird die erste Pipeline von Russland durch die Ostsee nach Deutschland fertig (Nord-Stream-Pipeline, Erdgas). Nach der Krimkrise will Deutschland seine Energiepolitik erneuern. Die Abhängigkeit von Russland soll gesenkt werden. Dabei hat man besonders die Energiereserven Kanadas im Blick. "Wenn wir es schaffen, den Verbrauch um ein Drittel zurückzuschrauben, könnten wir damit ein bis zu 50 Jahren längeres Ölzeitalter einkaufen", Matthew Simmons, US-Rohstoffexperte.

Industriepolitik mit Energiekonsens: Nach der Atomkatastrophe in Japan brauchen wir eine Neuorientierung der Energiepolitik. Noch 10 bis 15 Jahre wird es nicht ganz ohne fossile Kraftwerke gehen. Evtl. muss kurze Zeit die Stein- und Braunkohle ausgebaut werden (Problem: wegen CO2 müssen die Emissionen unter der Erde gelagert werden). Das Gesetz zur Speicherung von CO2 unterirdisch fällt jedoch durch. Daneben müssen wir uns Gedanken machen über Windparks in Nord- und Ostsee, Gezeitenkraftwerke und Energiespeicheranlagen. Norwegens Bergseen könnten die Batterie Europas werden.  Die Zukunft gehört aber der dezentralen Energieversorgung. Wasserkleinkraftwerke, Wärmepumpen, Minisolaranlagen, Biomasseanlagen u. a. müssen ausgebaut werden. Trotzdem brauchen wir auch neue Netze, zumindest für die Industrie und in Städten. Es müssen zusätzlich Kraftwerke aus erneuerbaren Energieträgern (Geothermie, Wasserkraft, Bioenergie, Fotovoltaik, Windenergie) entstehen. Das größte Solarkraftwerk der Welt steht in Spanien, die größte Windenergieanlage ist in der Wüste Gobi in China. Insgesamt ist die Energiewirtschaft in Deutschland in hohen Maße subventioniert worden: in die Stromerzeugung mit Steinkohle flossen 177 Mrd. €, die Braunkohleverstromung bekam 65 Med. €, die Atomenergie 187 Mrd. € (Form Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft). In Frankreich hat Alstom Schwierigkeiten wegen des Rückgangs an Kraftwerksbauten. General Electric (GE) aus den USA will die Industrieikone übernehmen. Im letzten Moment bietet Siemens mit. Auch ABB hatte zu Beginn 2014 einen Einbruch bei der Energietechnik.

Energiemix in Deutschland: 2010 sieht die Verteilung des Primärenergieverbrauchs wie folgt aus: Gesamtverbrauch in Mio. t SKE 243,3 Mineralöl 76,3, Erdgas 58,9, Steinkohle 32,2, Braunkohle 25,9, Kernenergie 25,6, Erneuerbare Energien 21,4. 2050 sollen 50% durch erneuerbare Energien gedeckt werden (Windkraft 9, Biomasse 31, Sonstige 10). Braun- und Steinkohle sollen dann noch 7% decken, Erdgas 16%, Mineralöl 20%. 2020 sollen die Erneuerbaren Energien einen Anteil von 65,6% haben, die Fossilen Energieträger 34,4%, die Kernenergie 0% (2010: 21,7%). 2011 nach der Naturkatastrophe in Japan leitet die Bundesregierung eine Energiewende ein: Förderprogramm für erneuerbare Energien (KfW), Ausbau von Netzen und Speichern, bessere Energieeffizienz von Produkten, flexible Kraftwerke. 2014 beträgt der Energiemix in Deutschland 57,1% fossile Brennstoffe, 23,4% Erneuerbare Energien, 15,4% Kernenergie. Nach Bereichen verbrauchen 2014 Industrie, Verkehr und Haushalte etwa gleichviel Energie (Bericht des Umweltbundesamtes 2015). Die Sektoren unterscheiden sich aber in den genutzten Energieträgern: Im Verkehr vor allem Öl, in Haushalten vor allem Gas und Strom, in der Industrie  stark Kohle. 2018 liefern konventionelle Kraftwerke in Deutschland 91 Gigawatt. Die maximale Stromnachfrage liegt bei 82 bis 84 Gigawatt. Die Prognose bis 2023 lautet: Konventionelle Kraftwerke liefern 67 Gigawatt. Durch erneuerbare Energien können zwischen 16 und 67 GW hinzukommen (stärkster und schwächster Tag; Quelle: Bundesnetzagentur, Bundesregierung, Fraunhofer). Vgl. auch McEwan, Solar (zusätzlich als Satire über den Wissenschaftsbetrieb).

Energiemix in der Welt: 2015 bestand folgender Energiemix: Öl 29%, Kohle 28%, Gas 27%, Biomasse 6%, Atomenergie 5%, Wasserkraft 3%, Solar 1%, Wind 1%. Energiemix 2050 (Prognose): Solarenergie 70%, Wind 18%, Biomasse 5%, Wasserkraft 3%, Geothermie 2%, Andere 2%.  Quelle: Energy Watch Group/ Deutschland und TU Lapeenranta/ Finnland 2019.

Energieunternehmen in Deutschland: In Deutschland gibt es drei große Energieversorger: RWE, EnBW, E.on. Vattenfall hat seinen Sitz in Schweden. 2014 brechen die Gewinne ein und die Nettoschulden steigen an. Die großen Versorger kämpfen ums Überleben. Es gibt viele Grüne dafür: Der Ausstieg aus der Atomenergie, der geplante Ausstieg aus der Kohlestromversorgung, der Umstieg auf alternative Energien, das europäische  Handelssystem für CO2-Zertifikate. Eon verabschiedet sich als erstes dieser Unternehmen von Atom, Gas und Kohle. Es gibt eine Aufspaltung des Unternehmens in alternative Energien und fossile. Viele haben Angst, dass so eine Art "Bad Firm" entsteht, die ihren Entsorgungsverpflichtungen (Atomkraftwerke) nicht nach kommt. Die Frage ist, ob die Rücklagen ausreichen. RWE und EON spalten sich in zwei Teile auf. Hauptgrund ist, dass man Investoren für die Teile sucht, die den erneuerbaren Energien zuzurechnen sind. 2017 sind der Aktienkurs von E.ON um 50% und der der RWE-Tochter Innogy auch zweistellig gestiegen. Ende 2017 gibt es Gewinnwarnungen (Stilllegung fossiler Kraftwerke). Im März 2018 wird ein Mega-Deal im Energiemarkt eingeleitet. RWE verkauft die grüne Tochter Innogy an Konkurrent Eon. Damit wird Innogy zerschlagen (der Neustarter verschwindet). Im Gegenzug verabschiedet sich Eon vom Geschäft mit erneuerbaren Energien. die großen Windparks und Wasserkraftwerke gehen an RWE. Zudem wird RWE mit 16,7% an Eon beteiligt. 20 Milliarden Euro beträgt der Wert des Geschäftsvolumens. Offen bleibt, inwieweit dies zulasten des Wettbewerbs und auf Kosten der Verbraucher geht. Die EU-Wettbewerbsbehörde muss noch zustimmen. Faktisch könnte ein Stromkonzern mit erdrückender Marktmacht entstehen (die Verbraucher würden dafür zahlen müssen). Die Innogy - Zerschlagung bringt Probleme bei vielen Stadtwerken und kommunalen Versorgern. Innogy hatte rund 100 Minderheits- und Mehrheitsbeteiligungen. Die Anteile landen bei Eon. Die Stadtwerke haben aber eine "Change-of-Control-Klausel". Bei einem Eigentümerwechsel können sie die Anteile zurückkaufen. Großes Interesse hat auch die Münchener Beteiligungsgesellschaft "Thüga".

Energiewirtschaftsgesetz: Verpflichtung für alle Netzbetreiber, ihre Netze (Natürliche Monopole) diskriminierungsfrei allen Kunden gegen ein angemessenes Entgelt zur Verfügung zu stellen. Nationale Umsetzung von EU-Gemeinschaftsrecht.

EU-Richtlinie zum Energiesparen: Im Juni 2012 einigen sich das Europaparlament und die EU-Regierungen auf diese neue Richtlinie. Innerhalb von 18 Monaten soll sie in nationales Recht umgesetzt werden. 2020 werden in der EU nur noch 1473 Millionen Tonnen Öleinheiten verbraucht. Bis 2020 werden mindestens 15% weniger Energie verbraucht. Stromkonzerne müssen Energiesparmaßnahmen machen (viele Ausnahmen), Verbesserung der Gebäudeeffizienz, insbesondere bei öffentlichen Bauten.

Energiesteuer: Indirekte Steuer und Verbrauchsteuer auf Kraft- und Heizstoff. Teil der ökologischen Steuerreform. Bekannt sind die Stromsteuer und die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) auf Benzin, Diesel, Flüssiggas und Erdgas. "Die Vereinigten Staaten borgen sich nach wie vor Geld von China, um Öl vom Persischen Golf zu kaufen und es auf eine Weise zu verbrennen, die den Planeten zerstört", Al Gore: Wir haben die Wahl, München 2009, S. 23. 2015 lehnen die Bürger der Schweiz in einer Volksabstimmung eine Energiesteuer ab.

Energieintensive Unternehmen und Steuervergünstigungen: Bei vielen Energiesteuern (z. B. bei der Stromsteuer) haben energieintensive Betriebe Vergünstigungen. Dies kann auch zu Mitnahmeeffekten führen. Deshalb ist ein Abbau geplant. Dies könnte aber die Wettbewerbsfähigkeit bedrohen. Insbesondere kleinere Unternehmen wären betroffen. Bei der Öko-Steuer versucht man Lösungen zu finden, die KMU nicht benachteiligen. Besonders umstritten ist die Netzentgeltbefreiung. Stromintensive Unternehmen (mindestens 7000 Stunden pro Jahr am Netz und Stromverbrauch über 10 Gigawattstunden) sind ganz von den Netznutzungskosten befreit. Dazu gehören 202 Unternehmen 2011. Um die Ausnahme zu finanzieren gibt es eine Sonderumlage (0,329 Cent pro Kilowattstunde für Privathaushalte). Die EU-Kommission prüft 2013 die Ausnahmetatbestände. 2013 gibt es bereits 2245 Firmenstandorte, die die Ökostromumlage nicht zahlen müssen (BAW). Bei den Verhandlungen für die große Koalition wird über Veränderungen verhandelt, damit der Strompreis für Haushalte wieder sinken kann. Manche Betriebe sind auch befreit, weil sie ihren Strom selbst erzeugen (Beispiel BASF, die Energiekosten sind 2013 am Rhein um 500 Mio. € pro Jahr höher als in den USA; ein Ammoniakwerk wird wegen des günstigen Gaspreises in Folge von Fracking an der US-Golfküste gebaut). Die Zahl der energieintensiven Betriebe, die von der Umlage befreit sind, erhöht sich 2013 auf ca. 2800. Die EU leitet deshalb Ende 2013 ein Verfahren gegen Deutschland ein. Es geht um versteckte Subventionierung und Verletzung europäischen Wettbewerbsrechts. Im schlimmsten Falle drohen Nachzahlungen. Bundeswirtschaftsminister Gabriel will die Unternehmen (ca. 2000) nur um 1 Mrd. Euro mehr belasten statt um 4 Mrd. Euro. Bis April 2014 soll eine Einigung über Industrieausnahmen vorliegen (mit EU-Kommissar Almunia abgestimmt; was ist mit Eigenstromerzeugung aus Kraft-Wärmekopplung oder erneuerbaren Energien?). Das generelle Problem ist, die Stromkosten auf einem wettbewerbsfähigen Niveau zu halten. Zusätzlich brauchen die Unternehmen für ihre Investitionspläne Planungssicherheit. die EU fordert 2014 (Wettbewerbskommissar), dass die deutsche Industrie Ökostrom-Rabatte nachzahlen soll. Gleichzeitig ist die EU bei EEG-Zahlungen aber zu Ausnahmen bereit. Im Gesetzentwurf von Gabriel von 2014 sollen folgende Branchen ausgenommen werden (bzw. Anspruch auf Rabatte haben, Auswahl) und damit subventioniert werden: Lederherstellung, Spinnen von Textilfasern, Steinkohlenabbau, Öl- und Fettproduktion, Salzgewinnung, Fruchtsaftherstellung, Zementherstellung, Verarbeitung und Konservierung von Obst und Gemüse, Aluminiumproduktion, Malzproduktion, Papierherstellung, Kupferproduktion, Sanitärkeramikherstellung. Maßgeblich ist der Anteil der Energiekosten an der Bruttowertschöpfung (magische Schwelle von 25%). Allerdings gibt es viele Tricks, um über die 25% zu kommen (z. B. Teile der Belegschaft werden durch Werkvertragsbeschäftigte ersetzt; dadurch reduzieren sich die Lohnkosten; der Energiekostenanteil steigt). Nach der Intervention dreier Bundesländer sollen die Unternehmen mit ihren Eigenstromanlagen weiterhin ausgenommen werden. Die genaue Befreiung muss mit der EU ausgehandelt werden (Ringen um Rabatte). Die Befreiung soll zumindest bis 2017 gelten. Im April 2014 beschleißt die EU-Kommission Richtlinien: Die EU verzichtet auf Rückzahlung bereits gewährter Vergünstigungen für 2013 bzw. 2014. Die Nachlässe können noch bis 2018 komplett umgesetzt werden. Dafür müssen die Staaten einen Anpassungsplan vorlegen. Unternehmen aus 68 Branchen können nach Richtlinien der EU weiterhin Ökostrom-Förderung erhalten. Unternehmen sollen nach neueren Plänen von der EEG-Umlage befreit werden, wenn ihre Energiekosten mehr als 16% ihrer Gesamtkosten betragen. Fast neun Prozent des in Deutschland erzeugten Stromes werden von Industriebetrieben produziert (2013, relativ konstant). Gut ein Drittel dieser Menge wird in der chemischen Industrie hergestellt. Hauptenergieträger ist dabei Gas. Energieintensive Betriebe können 2015 rund 800 Mio. sogenannte Netznutzungsgebühren auf normale Stromkunden abwälzen. Die Anzahl der Betrieb, die von der Nutzung befreit sind, steigt an (1000 neue Anzeigen). "Die energieintensiven Grundstoffindustrien gehören zur wirtschaftlichen DNA dieses Landes. Wir dürfen diese Wertschöpfungsprozesse nicht zerstören. Sonst zerstören wir die Zukunft des Industriestandorts Deutschland", Ullrich Grillo, BDI-Präsident.

Karussellgeschäfte am Strommarkt: Stromkonzerne kaufen Strom im Ausland. Sie bezahlen keine Mehrwertsteuer. Dann verkaufen sie den Strom in Deutschland so oft, dass man den Überblick verliert. Zuletzt wird der Strom wieder im Ausland verkauft. Daraufhin lässt man sich die Mehrwertsteuer zurückerstatten, die man nie bezahlt hat. Dieser Steuerbetrug ist eine Millionengeschäft. ENBW aus BW ist darin verwickelt. Die Karussellgeschäfte sollen von der russischen Mafia gesteuert werden.

Energiemanagement im Unternehmen: Hier werden die betriebswirtschaftlichen Funktionen Facility Management, Logistik, Energiebeschaffung, PPS (Produktions-Planung und -Steuerung), Produktion, Instandhaltung und Informationstechnologie verbunden. Vgl. Kals, J.: Betriebliches Energiemanagement, Stuttgart 2010, S. 72ff.

Energiekonzept: In Deutschland ist kein Konsens zu erzielen. Die Berechnungen von Bedarf und Effizienz zwischen alternativen und traditionellen Energien sind höchst umstritten. Noch unklarer sind die Einschätzung der Risiken und die Auswirkung der Kosten auf bestimmte energieintensive Industrien (Aluminium, Zink). Wir brauchen auch ein neues Mobilitätskonzept, man kann Benzinautos nicht einfach durch Elektroautos ersetzen. Der Plan der Bundesregierung sieht vor, ab 2050  80% mit Ökostrom zu versorgen. Das größte Potential liegt in der Energieeffizienz. Um 80% soll bis 2050 der Primärenergiebedarf von Altbauten verringert werden. Der Nullemissionsstand für alle Wohngebäude im Jahre 2050 würde Gesamtkosten in Höhe von 2 bis 2,4 Billionen € verursachen. Allerdings würde eine solche Zwangssanierung die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und sozialen Ausgewogenheit verletzen. Ende 2012 beschließt die Bundesregierung, dass Zuschüsse für die Gebäudedämmung eingerichtet werden. Mit Einzelbeiträgen von bis zu 5000 € sollen Hausbesitzer angeregt werden, Gebäude besser zu isolieren. Das Programm läuft über die KfW. "Ich bin überzeugt, dass die Energiewende jetzt schon irreversibel ist", Peter Altmaier, Ex-Bundesumweltminister (jetzt Bundeskanzleramt).

Energiemarkt in Deutschland: Geprägt wird der Markt vom EEG-Gesetz. Alternativen wären die Abschaffung, ein einheitlicher Einspeisetarif, ein Auslagerungsmodell oder eine Quotenregelung. Schwierig sind die verschiedenen Ziele unter einen Hut zu bringen (Klima, Nachfragegerechtigkeit/ Versorgung, Ordnungspolitik). Extrem problematisch ist die Einschätzung von Effizienz und Effektivität. Beim Marktdesign sollte man nicht ausschließlich mit Rationalität agieren. In vielen Techniken hat Deutschland die Lernkurven der Welt finanziert (Solar, Windkraft). 2013 prüfen Deutschlands Energiekonzerne und Stadtwerke das Stilllegen Dutzender konventioneller Kraftwerke. Dazu muss ein Antrag bei der Bundesnetzagentur gestellt werden. Vgl. auch Energieunternehmen in Deutschland

Energy-Only-Market: Bau flexibler Kraftwerke. Selbstregulierung der Märkte. Probleme: Gegenseitige Erfolgsabhängigkeit der Investoren (Engpassbeseitiugung). Besonderheiten des Strommarktes homogenes Gut, Überkapazitäten). Es bedarf Back-up-Kapazitäten, wie z. B. neue flexible Gaskraftwerke. Vgl. Marquardt, Ralf - M.: Kann der Energy-Only-Market Stromversorgungssicherheit garantieren? in: Wirtschaftsdienst 2019/1, S. 61ff.

Energiemarkt 4.0: Über den Energiemarkt kann man Einfluss nehmen auf die Energiewende. Im Zuge von Energie 4.0 (Smart, Speicher) kommen die börsennotierten Tarife,  das Intraday - Trading und die Regelung über Plattformen. Lieferant und Kunde sowie Kunde zu Kunde können kurzfristig zu Vereinbarungen kommen. Märkte können regionalisiert werden.

Gebäude und Energie: Mit erneuerbaren Energien kann man Heizkosten sparen, wenn mehrere Technologien kombiniert werden. Zu nennen wären z. B. die Erdwärmepumpe, Holzpelletskessel, Solarkollektoren. Das Plusenergiehaus (Passivhaus) ist auch eine Möglichkeit (mit Nutzung von Sonneneinstrahlung). Im Jahre 2012 sind die Heikosten im Schnitt um 7,5% gestiegen. Immer wieder gibt es Versuche in der Politik, Dämmung von Gebäuden vorzuschreiben. Doch dies ist sehr umstritten. Finanziell lohnt es sich kaum, ein altes Haus "einzupacken". Vor allem ärmere Haushalte trifft die Energiesanierung. Die Spareffekte werden überschätzt. Weniger heizen ist wirksamer.

Smart Communities: Optimale Energieausnutzung in Wohnanlagen. In der Regel anhand von Solaranlagen ausgeführt. Entscheidend ist die Steuerungs- und Speichertechnik. 2015 startet ein Experiment in Speyer (Stadt, Stadtwerke, Gewo, Nedo). Das japanische Staatsunternehmen Nedo liefert die wichtige Steuerungs- und Speichertechnik. In Landau soll ein E-Park entstehen: ein intelligentes Gewerbegebiet, in dem Firmen vieles gemeinsam nutzen. Als Smart City schlechthin gilt die spanische Stadt Santander. Hier ist fast alles miteinander verbunden (Parkplätze, Müll. Baustellen, Beschwerden gegen die Verwaltung, öffentliche Beleuchtung).

Dritte industrielle Revolution: Gemeint ist die Verbindung von erneuerbaren Energien, neuer Mobilität und Speichertechniken zusammen mit dem Internet. Vgl. J. Rifkin: Die dritte industrielle Revolution, Frankfurt (Campus) 2011.

Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG): Ein Förderinstrument zum Ausbau erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung. Es wurde im Jahre 2000 von der rot-grünen Bundesregierung verabschiedet. Stromerzeugung aus Sonnenenergie, Wind, Wasserkraft, Geothermie und Biomasse sollen gefördert werden. Es basiert auf Einspeisetarifen, die den Betreibern von Erneuerbare-Energien-Anlagen gezahlt werden. Bei der Inbetriebnahme der Grünstromanlage erhalten Besitzer 20 Jahre lang eine feste Vergütung für jede produzierte Kilowattstunde.  Pro Jahr kostet das Gesetz ca. 16 Mrd. €. Das wichtigste Ergebnis dürfte der Anstieg der installierten Leistung sein. Sehr umstritten sind die Verteilungswirkungen des Gesetzes. Sind wirklich obere Einkommensschichten benachteiligt? Eine Reform des Gesetzes wird immer wieder diskutiert. Der Druck kommt vom Anstieg des Strompreises (Differenz, s. o.). Viele Experten halten eine Quotenregelung für sinnvoller (erst Lieferung an die Oligopolisten). Der Netzbetreiber oder Stromhändler muss die Quote einhalten, die überwacht wird (regenerative Energie zertifiziert). Vorteil ist, dass die günstigste Erzeugungsart ausgewählt wird. Nachteil kann die regionale Konzentration sein. Eine Alternative wäre das Marktintegrationsmodell. Die Anlagenbetreiber müssen ihren Ökostrom selbst vermarkten. Seit 2012 wird dies schon von vielen Windparks genutzt als Zusatzoption. Drittens könnte man das EEG soft abändern, um die Betreiber von Solar- und Windanlagen weiter zu fördern. So könnte man die Einspeisvergütungen senken. Gegenwärtig können die Konzerne ihre für die Netzstabilität wichtigen Gas- und Kohlekraftwerke nicht auslasten. Im Eiltempo legt der Wirtschaftsminister im Januar 2014 eine Reform des Gesetzes vor: Bisherige Förderzusagen werden strikt eingehalten. Die Förderkosten für neue Ökostrom-Anlagen sollen im Jahre 2015 auf im Schnitt nur noch 12 Cent pro Kilowattstunde (vorher 17 Cent) sinken. Auf auf selbst produzierten Strom wird eine Öko-Umlage fällig. Die Rabatte für große Stromverbraucher wie die Industrie sollen gekürzt werden. Baden-Württemberg und Bayern schließen 2014 eine Allianz gegen die Pläne: Förderung für Biogas-Anlagen ausnehmen, Subventionierung von Reservekapazitäten, Kompromiss bei der Windkraft. Die Bundesregierung klagt im März 2014 vorsorglich gegen das EU-Verfahren zur Überprüfung der Öko-Strom-Rabatte. Im April 2014 einigt sich das Kabinett auf eine Reform des EEG. Die Befreiung bleibt grundsätzlich bestehen. Die genaue Regelung wird mit der EU abgestimmt. Die Förderung der Windenergie wird nicht so stark gedeckelt wie geplant. Bis 2025 soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf 40 bis 45% steigen. Die EEG-Umlage wird stabilisiert (erst 2020 Erhöhung um 0,2 Cent). Kleinanlagen sollen keine Umlagen leisten. Auf Druck der EU soll die Industrie 30% der EEG-Umlage zahlen. Im Juli 2014 wird die Novelle zum EEG beschlossen: Bis 2035 60% Ökostrom. Kürzung der Förderung der Ökostrom-Anlagen. Da es im September 2014 einen Milliardenüberschuss bei der Ökostrom-Umlage gibt (1,5 Mrd. €), kann die Umlage in nächster Zeit gesenkt werden: Von derzeit 6,24 Cent auf 6,17 Cent je Kilowattstunde. Die milliardenschwere Liquiditätsreserve, mit der die Netzbetreiber Kontoschwankungen im Jahresverlauf ausgleichen sollen, bleibt umstritten. Anfang Juni 2016 einigen sich Bund und Länder auf eine Reform des EEG: 1. In den Genuss von Subventionen sollen sollen Betreiber von Großablagen kommen, wenn sie die geringste Förderung verlangen. 2. Der Ausbau der Stromerzeugungskomponenten soll synchronisiert werden mit dem Netzausbau. Ab 2017 werden Windparks und große Fotovoltaik-Anlagen ausgeschrieben. Obergrenzen an Megawatt werden festgelegt. 2020 feiert das Gesetz sein 20-jähriges Jubiläum. Kann das Förderende für alte Anlagen ein Problem für die Energiewende werden? Eine Anpassung der Ausbaupfade ist besser als eine generelle Förderung von Bestandsanlagen (Lehmann/ Gawel/ Korte/ Purkus: 20 Jahre EEG, in: Wirtschaftsdienst 2017/ 10, S. 727ff.  Werden Energiefirmen an den Kosten beteiligt, die ihren Strom mit eigenen Kraftwerken erzeugen, wäre das BASF-Stammwerk in Ludwigshafen stark betroffen (größte Chemie-Areal der Welt; einer der größten Stromverbraucher Deutschlands). Es würden Zusatzkosten von etwa 60 Mio. € entstehen. Boehringer Ingelheim besitzt  Biomassenkraftwerke in Ingelheim und in Biberach.  Durch die geplante Belastung von Neubauten dieser Art, wären sie vermutlich nicht mehr wirtschaftlich. Die Umlage zur Finanzierung der Energiewende sinkt im Oktober 2018 zum zweiten Mal in Folge: Ab 2019 beträgt sie 6,4 Cent pro Kilowattstunde, dass sind 5,7% weniger als 2018. Für die privaten Haushalte könnte der Strompreis trotzdem steigen. Ende 2018 überholen die erneuerbaren Energien die konventionellen in Deutschland.

Energiewirtschaftsgesetz: Novelle 2012 beschlossen. Haftung für Netzausfälle von Windparks vor der Küste. Höhere Kosten für Verbraucher. Verbesserung der Versorgungssicherheit dadurch, dass die Bundesnetzagentur Kraftwerksbetreibern untersagen kann, Anlagen abzuschalten.

Entlastungen der energieintensiven Industrie: Stand 2012 werden der Industrie über 9 Mrd. Euro an Entlastungen gewährt. Darunter sind Vergünstigungen bei der Ökosteuer (5 Mrd. €), CO2-Zertifikatszuteilung (1,5 Mrd. €), EEG-Umlage (2,2 Mrd. €) und Netzentgelt - Reduzierung (0,4 Mrd. €). Dadurch sind die Verbraucher, besonders die kleinen, und die mittelständische Industrie stark benachteiligt. Großunternehmen kaufen marode Werke auf, um zum Eigenstromprivileg zu kommen. Kleinunternehmen kommen oft nicht auf 14% der Energiekosten im Bezug auf die Wertschöpfung. Die Bundesregierung will 2013 allerdings weniger Betriebe von der Ausnahmeregelung profitieren lassen.

Energiewende: nach dem Atomausstieg relevant. Im Kern geht es um Erneuerbare Energien ausbauen (bis 2020 um 18%, Anteil 35%) und Energieverbrauch (Senkung um 20% bis 2020, Stromverbrauch um 10%) senken. Dieses Ziel könnte etwas zu ehrgeizig sein (könnte sich bis 2050 hinziehen). Die Stromversorgung muss gesichert werden. Das Stromnetz muss ausgebaut werden. Gaskraftwerke dürften Vorrang bekommen. Die Frage ist, ob Abstriche beim Klimaschutz gemacht werden müssen. Neue Gas-Pipelines und  neue Kraftwerke müssen gebaut werden. Windstrom sollte besser kontrolliert und geregelt werden. Die Energiewende wird voraussichtlich zu einem Job-Motor. 500.000 Arbeitsplätze dürften in der "Erneuerbare-Energien-Branche" bis 2020 entstehen. Mitte 2012 stellt die Bundesregierung die Energiewende in Frage (planmäßige Umsetzbarkeit, Prognosen zur Strompreishöhe, Koordinierungsbedarf). Es wird ein Zehn-Punkte-Programm vorgelegt: Die Ökostrom-Förderung wird komplett überarbeitet. Wind-, Sonne- und Biomasse-Anlagen müssen früher als geplant ohne Subventionen auskommen (die Solarenergie wurde überfördert, weil sie eigentlich relativ ineffizient ist). Kostenlose Energieberater sollen den Bürgern helfen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Energiesparen. Der Strompreis dürfte steigen (entscheidend ist das Ausmaß). Verbunden mit der Energiewende sind Atomendlager und der Klimaschutz. Effiziente Kohle- und Gaskraftwerke sollen nicht mehr finanziell unterstützt werden. Bei einem Gipfel zur Energiewende zwischen Bundesregierung und Ländern im November 2012 einigt man sich auf die drei Ziele Versorgungssicherheit, zügigen Ausbau erneuerbarer Energien und verträgliche Preise. Prognosen der Bundesregierung 2013 gehen bis 2040 von Kosten von bis zu einer Billion Euro für die Energiewende aus (Förderverpflichtungen 680 Mrd. €). Die Opposition äußert scharfe Kritik. Dies ist sicher auch ein politisches Pokerspiel. Am 21.03.13 findet ein weiterer Energiegipfel in Berlin statt.  Der planlose Ausbau von Solarstromanlagen und Windrädern gefährdet mittlerweile die Energiewende.  In der großen Koalition Ende 2013 nach der Bundestagswahl sitzt die Kohlelobby über Hannelore Kraft mit am Tisch. Kraft ist die Verhandlungsführerin der SPD für den Energiebereich. Sie will den Arbeitsplätzen in den Industrie- und Stromkonzernen Vorrang einräumen. In den Koalitionsvereinbarungen im November 2013 wird die Förderung der alternativen Energie gesenkt. Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner scheitert mit ihrem Vorschlag, die Kosten der Energiewende teilweise über einen Fonds per Kredit zu finanzieren an Ministerpräsident Seehofer. Zunehmend rückt 2014 die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit der Energiewende in den Mittelpunkt. 17% der privaten Haushalte werden sehr stark durch Energiekosten belastet. Energiearmut wird zu einem sozialpolitischen Phänomen. Dies ist besonders heikel bei der Entlastung vieler Unternehmen im EEG. Die technologischen Grundlagen für die Energiewende sind 2015 alle vorhanden. Es ist ein dynamischer Prozess. Monitoring und Management sind zentrale Aufgaben. Die Energiewende wirkt über den Energiesektor und Deutschland hinaus. Vgl. J. - F- Hake, Energiewende, in: bdvb aktuell, Nr. 128, S. 8f. Die größte Ressource ist aber die Energieeffizienz. "Wir haben immer gewusst, dass die Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben ist", Peter Altmeier, Bundesumweltminister. "Wir brauchen einen Masterplan für die Energiewende in Deutschland. Da kann ich nicht einfach hier und dort Windmühlen aufstellen und woanders Solaranlagen", Hubert Lienard, Maschinenbauer Voith. Durch Steigerung der Energieeffizienz könnten bis 2050 zwei Drittel des Energieverbrauchs in der EU eingespart werden (Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums im November 2012). Die Industrie will sich ab 2013 mit 700 Mio. € mehr an der Energiewende beteiligen. "Die Energiewende wird nicht den Untergang des Abendlandes einläuten, aber auch keine gesellschaftliche Loveparade in Gang setzen", Wilfried Kretschmann, Ministerpräsident von B. - W.

Folgen der Energiewende: Die Diskussion um die Folgen der Energiewende ist ein Machtspiel. Selten wird mit offenen Karten "gepokert". Folgende Argumente sollten entlarvt werden, indem die Randbedingungen erläutert werden: Die Energiewende führt zu einer Explosion der Strompreise, Deutschland wird de - industrialisiert, es kommt eine soziale Verelendung. Die EU will gegensteuern und ihre Energiepolitik effizienter gestalten: Mehr Forschung, bessere Wettbewerbsfähigkeit, weniger Emissionen. Vgl. Claudia Kemfert: Kampf um Strom, Hamburg 2013. "Die Energiewende ist im Grunde richtig. Die Art, wie sie umgesetzt wird, treibt Investitionen und irgendwann vielleicht auch Unternehmen aus dem Land", Marijn Dekkers, Bayer-Chef 2014.

Energiewende und "Fake News": Claudia Kemfert liefert in ihrem Buch "Das fossile Imperium schlägt zurück" (Hamburg 2017, S. 39ff.) Argumente und Daten gegen verbreitete postfaktische Thesen: Postfakt 1: Die Energiewende ist bis 2022 nicht zu schaffen. Postfakt 2: Zielmarke 2050 -s lang im Voraus kann man doch gar nicht planen. Postfakt 3: Die erneuerbaren Energien brauchen kein Tempolimit. Postfakt 4: Es drohen Blackouts. Postfakt 5: Die Energiewende lässt die Strompreise explodieren. Postfakt 6: Es droht ein Kosten-Tsunami durch die Energiewende. Postfakt 7: Die Energiewende führt zu einer Deindustrialisierung in Deutschland. Postfakt 8: Wir brauchen keine Planwirtschaft - die Energiewirtschaft braucht Markt. Postfakt 9: Die Energiewende führt zur sozialen Verelendung. Postfakt 10: Mit einem Alleingang isoliert sich Deutschland und gerät international ins Abseits.

Energiewende und Modernisierung der Industrie: Die Industrie ist der Eckfeiler des wirtschaftlichen Erfolges Deutschlands. Die Investitionstätigkeit der Industrie ist relativ schwach. Die Kosten der Energiewende könnten die Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität des Produktionsstandortes Deutschland beeinträchtigen. Die Politik schafft Ausnahmeregelungen. Aber nur wenige Industriezweige haben gleichzeitig hohe Energiekosten und eine hohe Exportintensität, der Kapitalstock ist überdurchschnittlich alt. Die Industrie profitiert insgesamt von der Nachfrage nach Klimaschutztechnologien. Vgl. Blazejczak, J./Edler, D./ Gornig, M./ Kempfert, C.: Energiewende für die Modernisierung des Industriestandortes Deutschland nutzen, in: Wirtschaftsdienst 2018/8, S. 565ff.

Handlungselemente für Energiewende: Es muss global gehandelt werden. China scheint ernst zu machen mit der Energiewende. Trump und seine Administration werden zu Bremsern. Energiewende und Digitalisierung hängen zusammen. Die Energiewende ist auch ein Friedensprojekt. Vgl. Kemfert, Claudia: Das Fossile Imperium schlägt zurück, Hamburg 2017, S. 125ff.

Nachhaltige Energieversorgung: Ziele einer nachhaltigen Energiepolitik sind Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Erschwinglichkeit von Energie. Das sind auch die Ziele der deutschen Energiewende. Sie wird Nachahmer im Ausland finden, wenn die Ziele erreicht werden. Dazu bedarf es staatlicher Strategien. Vgl. Schiffer, Hans-Wilhelm: Zielvorgaben und staatliche Strategien  für eine nachhaltige Energieversorgung, in: Wirtschaftsdienst 2019/2, S. 141ff.

Energie-Reform-Paket 2014: Im Jahre 2035 55 bis 60% Ökostromanteil (bis 2025 40 bzw. 45%).  Kosten: Rund 23,5 Mrd. € 2014. Eigenstromerzeugung soll an der Umlage beteiligt werden. Offshore - Windkraft wird nicht ganz so stark ausgebaut. Solae und Biomasse werden bescheidener geplant. Die Industrierabatte werden gesenkt. Es soll mehr Markt bei Wind- und Solarbetreibern eingeführt werden.

NAPE: Nationaler Aktionsplan Energieeffizienz; vom Bundeskabinett Anfang Dezember 2014 beschlossen. Er soll dafür sorgen, dass Deutschland seine Klimaziele erreicht (bis 2020 Co2-Emissionen -40% gegenüber 1990). Ausbau der Erneuerbaren Energien plus Energieeffizienz (intelligenter Mix aus Beraten, Informieren, Fördern und Fordern. KfW-Mittel für Gebäudesanierung und Einsparung von Heizenergie werden aufgestockt.

Modelle für die Vorhaltung fossiler Kraftwerke, die beim Ausfall von Wind- und Solarstrom einspringen sollen: Auktionsmodell (USA). Weiterhin Strommarkt ohne bedeutende Reserven (EU-Kommissar). Freiwilliger Erwerb von Sicherheitszertifikaten (kommunale Versorger). Fokussierter Kapazitätsmarkt (Bundeswirtschaftsministerium). Zwang zum Erwerb von Zertifikaten für Versorgungssicherheit (Energiekonzerne).

Europäische Energieunion: In der Ukraine- und Russlandkrise reifen Pläne zu einer Europäischen Energieunion. Hauptziel ist die Abhängigkeit von russischem Gas zu mindern. Die Marktmacht Russlands soll durch folgende Maßnahmen gesenkt werden: 1. Abstimmung beim Gaseinkauf. 2. Zwischenstaatliche Abkommen bei der Gasbeschaffung (mehr Leitungen zwischen den Staaten). 3. Bezug auf den Klimawandel.

Deutsche Energieagentur (Dena): Sie gehört zu 76 Prozent dem Staat und zu 24 Prozent der Privatwirtschaft. Sie soll sich um die Förderung der Energieeffizienz kümmern. Über Jahre wurden überhöhte Gehälter und Zuwendungen an Manager und angestellte gezahlt.

Landesenergieagentur: in RLP ab 01.07.2012. Die unabhängige Agentur mit Sitz in Kaiserslautern soll Kommunen, Unternehmen und Bürger bei der Energiewende beraten. Es soll ein Netz von Informations- und Beratungsangeboten entstehen. Regionale Stellen sollen folgen. Die Agentur ist umstritten. Bis 2014 kommt ihr schon zweimal die Geschäftsleitung abhanden. Ergebnisse einer Evaluation sollen 2015 bekannt gegeben werden. Jedenfalls läuft sie noch bei weitem nicht rund. Die Energieagentur gibt 2015 einen Atlas heraus. In ihm ist ausgewiesen, wie es regional mit der Energiewende steht.

Rebound-Effekt: Bezeichnet Effizienzgewinne, die zunichte gemacht werden. Es handelt sich um eine Situation, in der eingesparte Energie in der Folge anderweitig verbraucht wird. Insofern nutzt Energie sparende Technik nicht immer der Umwelt. Also müssen Anti-Rebound-Strategien entwickelt werden (Obergrenzen für Schadstoffe und höhere Energiesteuern?). Makroökonomisch muss der Umweltverbrauch von Wirtschaftswachstum entkoppelt werden.

Messung, Statistik (Operationalisierung; empirische Quantifizierung; Indikatoren, Umwelt- und Energiestatistik; Umweltökonomische Gesamtrechnung; Berichte und Studien; globale Indikatoren; Messprobleme)

Sozio-Ökonomische Entwicklungstrends: Sie beeinflussen massiv die Umwelt. Weltbevölkerung, Reales BIP, ausländische Direktinvestitionen, Primärenergieverbrauch, Große Staudämme, Wasserverbrauch, Düngerverbrauch, Papierproduktion, Städtische Bevölkerung, Transportwesen, Telekommunikation, Internationaler Tourismus. Quelle: agora 42, 2018, S. 43.

Erdsystembezogene Entwicklungstrends: CO2, Stickoxid, Methan, Ozonschicht, Oberflächentemperatur, Versauerung der Meere, Seefischfang, Garnelen - Aquakulturen, Nitratbelastung der Küstengewässer, Verlust des tropischen Regenwaldes, Zivilisationsland, terrestrische Biosphärenverschlechterung. Vgl. ebenda, S. 43

Internationale Indikatoren: Environmental Performance Index (Werteskala von 0-100 basierend auf diversen Einzelindikatoren wie Umwelt, Gesundheitswesen, Vitalität des Ökosystems). Luftqualität, Kohlendioxid-Ausstoß (auch pro Person), Anteil erneuerbarer Energiequellen, Zugang zu Wasserquellen, bedrohte Tierarten, größte Veränderungen der Waldfläche.

Wert der Natur: Die Natur besteht aus einer Reihe natürlicher Systeme: Wälder, Grasland, Feuchtgebiete, Seen und Flüsse, Ackerland, Städtischer Raum, Offener Ozean, Küsten. Der Globale Wert der Natur wird auf 145,1 Billionen Dollar beziffert (2011; Umweltökonom Robert Constanza). Das global BIP lag im gleichen Jahr bei 66,9 Billionen Dollar.

Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Braunschweig und Berlin: Herrscher über alle Skalen, auch um Umwelt- und Energiebereich. Bis ins 19. Jahrhundert herrschte im Messwesen Chaos. Jedes Territorium machte, was es wollte. Erst 1875 einigte man sich auf des metrische System, das heute von über 100 Staaten genutzt wird.

Umweltbericht der Bundesregierung: Jährlich gibt der Bundesumweltminister einen Umweltbericht heraus. Hier sind alle umweltpolitischen Maßnahmen, auch die internationalen, enthalten. Das Statistische Bundesamt und das Umweltbundesamt veröffentlichen jährlich Berichte über den Zustand der Umwelt in Deutschland. Die Feinstaubbelastung ist 2011 weiter gestiegen.

Schlüsselindikatoren der OECD: Klimawandel, Ozonschicht, Luftqualität, Abfallaufkommen, Süßwasserqualität, Süßwasserressourcen, Waldressourcen, Fischressourcen, Energieressourcen, Bio - Diversität.

Umweltökonomische Gesamtrechnung (UGR, StBA): Veränderung im Naturvermögen, die durch wirtschaftliche Tätigkeiten ausgelöst werden. Durchführung Statistisches Bundesamt (StBA) als selbständige Rechnung. Drei Schritte: Umweltzustand, Entstehung der Umweltbelastungsströme und Flächennutzungen, Umweltschutzmaßnahmen. Indikatoren zur Umweltbelastung, Indikatoren des Umweltzustandes, Indikatoren des Umweltschutzes. Nicht-monetäre und monetäre Daten, Veränderungen des Umwelt-Kapitalstocks. Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen verzerren aber weiterhin: In Ländern, die wirtschaftlich stark abhängig sind von Bergbau, Erdöl, Holz und anderen Ressourcen, geht ein Großteil des Konsums auf Kosten künftiger Generationen; vgl. J. Stiglitz, Im freien Fall, München 2010, S. 445.

Naturkapital: Ökonomische Bewertung des Naturkapitals. Sie kann in vier Bereiche geteilt werden: 1. Naturkapital und Klimapolitik, 2. Ökosystemleistung in ländlichen Räumen, 3. Ökosystemleistungen in der Stadt, 4. Naturkapital Deutschland. Vgl. Hansjürgens, B./ Moesenfechtel, U.: Ökonomische Bewertung des Naturkapitals, in: Wirtschaftsdienst 2014/ 4, S. 300-302.  Auch Bernd Hansjürgens: Zur Neuen Ökonomie der Natur: Kritik und Gegenkritik, in: Wirtschaftsdienst 2015/ 4, S. 284ff. Dort werden die Messkonzepte auch vorgestellt. Bis heute misst die Weltbank Naturkapital nicht in Hektar, Biodiversität, Sauberkeit, sondern in Form von Einnahmen aus ihrer Nutzung.

Grüne alternative Masterpläne: Auch Unternehmensinitiativen beschäftigen sich mittlerweile mit dem Thema. Sie wollen auch eine Verbindung mit den Spielregeln an den Aktienmärkten. Wachstum soll neu vermessen werden, gesellschaftliche Faktoren und der Schutz der Umwelt sollen besser honoriert werden. So entwickelt eine Gruppe um das Vorstandsmitglied Saori Dubourg der BASF einen Value for Society: Er besteht aus den drei Faktoren Ökonomischer Wert, Sozialer Wert und Ökologischer Wert. Vgl. Niejahr, Elisabeth: Grüner Masterplan, in: WiWo 23, 31.5.19, S. 54f.

Verlust der Artenvielfalt: Anteil der aussterbenden Arten pro Jahr in Bezug zu 1 Mio. Arten. Die Planetarische Grenze leigt bei höchstens 10. Tatsächlich liegt die Zahl 2017 bei 100-1000 (verschlimmert sich).

Input-Output-Analyse: Matrix-Darstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Dies erlaubt die Analyse der güter- und produktionsmäßigen Verflechtung zwischen einzelnen Produktionsbereichen. Insbesondere können Liefer- und Bezugsverflechtungen durch Zwischenprodukte und Vorleistungen im Unternehmenssektor ausgewiesen werden. Diese Rechung wird vom Statistischen Bundesamt erstellt.

Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC): Es wurde von der Umweltorganisation der UN (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) 1988 gegründet, um einerseits den wissenschaftlichen Kenntnisstand in der Klimaforschung zu dokumentieren und andererseits die Weltpolitik zu beraten (der 1. Bericht 1990 sprach noch von natürlichen Klimaschwankungen; der 2.Bericht 1995 war Grundlage des Kioto-Protokolls). 2007 erhielt er den Friedensnobelpreis. Der IPCC forscht nicht selbst, sondern trägt vorhandene Daten zusammen, analysiert sie und gibt Empfehlungen, über die verhandelt und abgestimmt wird. Aktueller Weltklima-Bericht am 02.02., 02.03., 03.05., 17.11. 2007, 2500 Wissenschaftler beteiligt; Präsident Rajendra Pachauri (soll in seinem Forschungsinstitut Teri/ New Delhi Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben); jetzt nur noch Ex-Präsident: der Mensch steht als Ursache des Klimawandels fest; in den nächsten 30 Jahren steigen die Temperaturen um 0,7 Grad, bis 2100 um 4,0 Grad. Mehr Wirbelstürme, stärkere Niederschläge und weiter schmelzende Eispanzer mit steigendem Meeresspiegel wären die Folgen. Bis 2020 soll die Welternte um 50% zurückgehen. Der Klimawandel sei eine so große Gefahr wie ein Weltkrieg. Ca 8 Jahre bleibt Zeit, gegenzusteuern (würde etwa -0,12 Prozentpunkte jährlich beim Wachstum bedeuten). Die Prognosen sind im Klimahaus Bremerhaven zu sehen. 2010 stellt sich heraus, dass schlampig gearbeitet wurde: die Gletscher im Himalaja werden nicht bis 2035 verschwunden sein. Deshalb richtet die UN 2010 einen Aufpasser ein. Im September 2013 wurde ein weiterer Bericht vorgelegt. Die Meeresspiegel drohen stärker zu steigen. Bis zum Jahr 2100 können sie - je nach Szenario - um 26 bis 82 cm ansteigen. Damit gibt es große Gefahren für die Küstenregionen "The American way of life is not up for negotiation", George W. Bush auf dem Umweltgipfel in Rio 1992.Die USA zweifeln auch den Weltklimabericht an.

Kipppunkte und Kaskadeneffekte: Sie sind schwierig zu berechnen und genau einzugrenzen. Sie können insofern vom Weltklimarat kaum berücksichtigt werden. Beispiele für Kippelemente sind: Die Ozeane absorbieren etwa ein Drittel des vom Menschen freigesetzten CO2. Der Amazonas-Regenwald absorbiert immer noch ein Fünftel des gesamten CO2-Ausstoßes. Kaskadeneffekte ergeben sich, wenn mehrere Kipppunkte gleichzeitig drohen. Zum Beispiel hinzukommen kann noch das arktische Methan, auch das Arktische Meer (beeinflusst stark die Golfströme). Vgl. Fred Hageneder: Happy Planet, Saarbrücken 2019, S. 135ff.

Messung des Klimawandels: Als Leuchtturm gilt die US-Organisation NOAA in Silver Springs/ Maryland. Es ist die National and Atmospheric Administration, ein U.S.- Department. Sie ist unabhängig und kooperiert mit etwa 65 Ländern und deren Wissenschaftlern. Sie wurde 1970 unter Richard Nixon gegründet. Sie legt jedes Jahr einen Bericht vor. Bericht 2018: 2017 war das drittwärmste Jahr, seit es Wetteraufzeichnungen gibt. CO2 hat einen neuen Höchststand erreicht. Der durchschnittliche Meeresspiegel ist auf einem Höchststand. Zehn der niedrigsten Eiswerte der Arktis sind in den vergangenen 11 Jahren gemessen worden.

Global Monitoring for Environment and Security (GMES): Ein neues System zur Beobachtung der Erde. Von 2012 an soll es die Klima- und Wetterdaten von rund 25 europäischen Satelliten auswerten. "In tausend Bergen fliegt kein Vogel mehr./ Auf Wegen zugeweht der Menschen Spur./ Allein in seinem Kahn, mit Schilfumhang und Bambushut/ fischt ein Greis in kalter Flut", Liu Zongyan, Tang-Dichter, achtes Jahrhundert.

Global Marshall Plan Initiative: ökosoziale Marktwirtschaft global. Mathematische Denkfiguren, z. B. 15:50:35: 15% beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass die gegenwärtig praktizierte Form des Wirtschaftens in 20 bis 30 Jahren zum Kollaps führt. 50% Wahrscheinlicht sprechen für Brasilianisierung , bei der die reichen Staaten des Nordens zu Lasten der ärmeren Teile der Welt ein öko-diktatorisches Sicherheitsregime führen. 35% Wahrscheinlichkeit sprechen für das Modell einer ökosozialen Marktwirtschaft. 2 hoch 33=8.000.000.000: Jeder Unterstützer schafft pro Jahr bei einer weiteren Person Bewusstsein, so dass in 33 Jahren die gesamte Menschheit das gleiche Ideal teilt. Vgl. auch www.faw-neu-ulm.de ."Was wir nicht haben, ist Zeit", UN-Generalsekretär Ban Ki Moon über den Klimaschutz.

Klimazeitmaschine: Bei Freising im Kranzberger Forst steht eine Klimazeitmaschine. Ca. 300 Buchen und 500 Fichten werden mir Ozon und Kohlendioxid begast und dann überwacht. Man will herausfinden, wie der Wald auf den Klimawandel und andere Umweltprobleme reagiert.

Ökologische Effizienz: Situation, in der der soziale Grenznutzen durch ökologische Maßnahmen den sozialen Grenzkosten für diese Maßnahmen entspricht. Konkret wird die Wertschöpfung durch die Schadschöpfung geteilt.  Die Ressourcenproduktivität ist die Relation zwischen dem Bruttoinlandsprodukt in konstanten Preisen und dem Ressourceneinsatz eines Landes gemessen in Tonnen. Als Dimension ergibt sich Währungseinheiten pro Tonne. Allgemein wird die Güterproduktion durch die Quell- und Senkenressourcen geteilt. Eine große Gefahr bei ökologischer Effizienz sind die Rebound-Effekte, d. h. die Effizienz wird durch mehr Wachstum aufgefressen. Deshalb sind hohe Preise  der beste Schutz, also muss Energie teurer werden. "Die größte Ölquelle liegt unter Deutschland: Es ist die Energie-Effizienz", Jürgen Hambrecht, BASF-Vorstandschef bis 2011.

Energieeffizienz: Alle technisch bedingten Maßnahmen zur Verbesserung der Energieumwandlung. Z.B. Kraft-Wärme-Kopplung, d.h. die gemeinsame Erzeugung von Elektrizität und Wärme (15% Einsparung gegenüber getrennter Erzeugung). Sie ist die kostengünstigste und am schnellsten einsetzbare Ressource, die im Moment verfügbar ist. Wirkungsgrad: Verhältnis der erzeugten Energiemenge einer Anlage (z. B. Heizkessel) zu der eingesetzten Energiemenge. Beratung hierzu erhält man auf folgender Internetseite: http://www.thema-energie.de . Die Energieproduktivität entwickelt sich immer noch langsamer als die Arbeitsproduktivität. So hat sich die Arbeitsproduktivität im Laufe eines Jahrhunderts verzehnfacht, während Rohstoffe und Energie langfristig immer billiger geworden sind. "Energieeffizienz ist der schlafende Riese der Energiepolitik", Sigmar Gabriel, Bundeswirtschaftsminister.  Im Juli 2014 legt die EU die Eckwerte ihrer Energiepolitik bis 2030 vor: Gegenüber 1990 soll der Energieverbrauch der Mitgliedsstaaten um ca. 30% sinken (Energieeffizienz). Etwa 89 Mrd. € pro Jahr müssen dafür in Investitionen gesteckt werden (damit soll auch das übergeordnete Ziel der CO2-Reduktion um 40% erreicht werden). Im August 2014 leitet die EU-Kommission ein Verfahren gegen Deutschland und 19 weitere EU-Staaten ein, weil die Richtlinien der EU bis Juni nicht umgesetzt wurden. Den höchsten Zugewinn in der Energieeffizienz hatte in Europa Polen (+26,8%, 2000-2011). Mit neuen Anreizen und Auflagen will die Bundesregierung die Energieeffizienz ab 2015 erhöhen. Ein Hauptpunkt sind steuerlich absetzbare Sanierungsarbeiten an Gebäuden (z. B. über 15 Jahre alte Heizungen; 60% der Vor-Ort-Beratung übernimmt der Staat). Deutschland muss aufpassen, bei der Energieeffizienz nicht von China eingeholt zu werden.  "Die Energieeffizienz ist unsere größte Ressource", Carsten Voigtländer, Vaillant Group.

Wirkungsgrad: Die Effizienz eines Energieumwandlungsprozesses. Er ist immer kleiner als 1. Kohlekraftwerke z. B. haben Wirkungsgrade zwischen 35 und 45 Prozent. Fast alle Energie betriebenen Prozesse haben Verluste. Je höher die Effizienz, desto geringer die Verluste.

Energiewende-Index ETI: Die Abkürzung bedeutet Energy Transition Index. Den Index hat McKinsey zusammen mit dem Weltwirtschaftsforum in Davos entwickelt. Es wird der Stand der Energiewende in 114 Ländern untersucht. Der Sachstand wird mit 17 Einzelindikatoren gemessen, die Ausgangsbedingungen werden mit 23 Indikatoren berechnet.

Smart Metering: Digitale Meßsysteme, die Daten zum Stromverbrauch regelmäßig an die Verbraucher selbst sowie Netzbetreiber und Energieversorger übertragen. In Schweden, den Niederlanden und Österreich schon häufiger eingesetzt. In Deutschland soll die Einführung ab 2017 kommen und 2032 abgeschlossen sein. In der Vorderpfalz startet die Thüga Energienetze GmbH die Installation der neuen Zählergeneration. ziel ist ein intelligentes Netz. Es wird mit Gateway (Netzwerkknoten) gearbeitet. Das sind Verbindungen zwischen elektronischen Messgerät (Zähler) und dem Messstellenbetreiber.

Energiebilanzen: Energiebilanzen sind Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitsrechnung des Unternehmens. Sie beschreiben den Energiefluss in technischen Maßeinheiten wie Joule oder Kilowattstunden. Oft wird nach Energieträgern mit Input (Strom, Gas, Heizöl, Diesel, Benzin, Kerosin) und Output (Nutzenergie bei primären Prozessen, bei sekundären Prozessen, Wärmeverlust, Energieverlust, Erschütterungen, Lärm) gegliedert. Schwierig ist die Wirkungsabschätzung und Messung.

Messung des Klimawandels: In der Regel arbeitet man mit drei Indikatoren: 1. Abweichung der Jahresmitteltemperatur vom langjährigen Durchschnitt einer Zeitreihe. 2. Anstieg des globalen Meeresspiegel ab einem Basisjahr. 3. CO2-Konzentration der Atmosphäre im Monatsmittel. Zur Prognose arbeitet man mit Klimamodellen, die Szenarien beinhalten. Die ändern sich je nach Klimazielen und Klimapolitik. In die Modell kann man Vertrauen haben: 1. Sie basieren auf physikalischen Grundgesetzen. 2. Sie werden einer Vielzahl von Tests unterworfen. 3. Wir haben ein grundsätzliches Verständnis über die fundamentalen Effekte und die veränderte Zusammensetzung der Erdatmosphäre. Vgl. Jochem Marotzke, "Vorhersagen sind schwierig...". Möglichkeiten und Grenzen von Klimamodellen, in: Marotzke, J./ Stratmann, M.: Die Zukunft des Klimas, München 2015, S. 9ff. Daneben gibt es Indikatoren, die recht bildlich den Klimawandel anzeigen, etwa die Reaktion von Vögel auf den Klimawandel. Hauptkontrollvariable: Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre in parts per million (ppm). Die Planetare Grenze liegt bei höchstens 350 ppm. 2017 waren schon 400 ppm erreicht.

Klimaschäden - Berechnung beim Klimawandel (vgl. auch Klimarechner im Internet: http://uba.klima-aktiv.de): Schwierigkeiten bereiten vor allem die immateriellen Schäden. Umstritten sind die Eintrittswahrscheinlichkeiten von Katastrophen. Um den Gegenwartswert zukünftiger Schäden zu ermitteln, müssen diese mit einem Prozentsatz abgezinst werden (Diskontierungsfaktor). Je kleiner die Diskontrate, desto größer sind, über längere Zeiträume betrachtet, die Schadenszahlen. Hierbei ist auch der Nutzen von zukünftigen Generationen zu gewichten. Zentrale Unbekannte sind die Anpassungsfähigkeit des Menschen, der Wert von Menschenleben und die wahren Kosten der Atomenergie. Klimasubsysteme sind die Atmosphäre, der Ozean, die Kryosphäre (Summe allen Eises) und die Biologie. Die größten Klimafeinde sind die Flugzeuge, die Kohlekraftwerke, die Autos, der Smog (in Städten leben heute genauso viele Menschen wie 1950 auf der ganzen Erde), die schweren Waldbrände, die Kühe und der Reisanbau (Bakterien in Reisfeldern, die Methan produzieren). Besonders Afrika ist betroffen: es hat selbst nicht die Umwelt verschmutzt oder Ressourcen verbraucht, ist aber katastrophal vom Klimawandel geschädigt. In Adis Abeba formulieren 10 Länder 2009 eine Position für Kopenhagen.   Nach einer Studie 2007 des Kieler IfW und des WWF werden die Klimaschäden in Deutschland nach 2071 jährlich bis zu 10 Mrd. € betragen (Arbeitsproduktivität jährlich bis zu -12%). Nach einer Studie des DIW 2007 kann mit Schäden durch den Klimawandel in Deutschland bis 2050 in Höhe von 800 Mrd. € gerechnet werden. 2012 legen der WWF und der Club of Rom Berichte vor. Beide kommen zu dem Ergebnis, dass die Erde über ihre Verhältnisse lebt. Es gibt zu viele Menschen, es werden zu viele Ressourcen verbraucht und der Eiweißverbrauch (Fleisch, Milch) ist zu hoch. Besondere Sorge macht der Ausbau der Agrarflächen für Soja und Raps durch Waldrodung.

Klimamodell von William D. Nordhaus (1992): Zusammenhang von Temperaturvorgaben und Klimawandel. Mathematisches Gleichungssystem, das abbilden kann, wie sich ein Anstieg der Treibhausgasemissionen auf die ökonomische Aktivität auswirkt und welche Kosten Maßnahmen zur Vermeidung von Emissionen verursachen. Im Kern geht es Nordhaus weniger um einen maximalen Klimaschutz als um eine Steigerung des Wohlstands. Nordhaus spricht sich in der Umweltpolitik für eine Steuer auf Kohlendioxid aus (CO2-Steuer). Nordhaus erhält dafür 2018 den Wirtschaftsnobelpreis. Er entwickelte die integrierten Bewertungsmodelle DICE und RICE. Diese bestehen aus drei Modulen: 1. Kohlenstoffkreislaufmodul. 2. Klimamodul: 3. Wirtschaftswachstumsmodul. 

Rückgang der Ozonschicht: Konzentration von Ozon in der Atmosphäre, in Dobson-Einheiten (DU). Die Planetare Grenze liegt bei 275 DU. Die Erde ist 2017 bei 283 DU (verbessert sich). Quelle: Steffen et al.: The Trajectory of the Antropocene, 2015.

Diskontrate: Zentrale Schraube in den Klimamodellen der Kosten der Erderwärmung. Die größten Schäden des Klimawandels dürften erst in Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten auftreten. Um Kosten und Gewinne, die in der Zukunft anfallen, jetzt in der Gegenwart zu berücksichtigen, hat man das Konzept der Diskontrate entwickelt. Es spielt eine zentrale Rolle im Stern-Bericht ebenso wie in anderen Modellen. Wenn neue Technologien die Probleme des Klimawandels in Zukunft lösen können,  könnte man die rate heute gering ansetzen.

Modell der "planetarischen Grenzen" von Johan Rockström: Die großen Risikofaktoren sind der Klimawandel, das Artensterben und damit der Verlust biologischer Vielfalt, die Versauerung der Meere, die Luftverschmutzung, der Abbau der Ozonschicht, der Verbrauch von Süßwasser, zu viel Stickstoff und Phosphor in der Natur, der Verbrauch von Landfläche, die chemische Verschmutzung durch Gifte, adioaktive Materialien, Mikroplastik und andere gefährliche Stoffe. Vgl. Johan Rockström/ Mattias Klum: Big World Small Planet, Ullstein 2017.

Tipping Point: Der Ausdruck hat unterschiedliche Bedeutungen. Die gebräuchlichste meint den Kipppunkt, an dem ein Prozess sich verselbständigt und nicht mehr umkehrbar ist.

Deutsches Klimarechenzentrum, Hamburg: Es verwaltet mit IBMs "High Performance Storage System" (HPSS) das weltgrößte Archiv mit Simulationsdaten - derzeit (2015) rund 40 Petabyte verteilt auf 20 Millionen Dateien.

Erderwärmungsberechnung: In den meisten Simulationsmodellen werden Szenarien zugrunde gelegt, die für das 21. Jahrhundert eine Erderwärmung um zwei bis vier Grad Celsius prognostizieren. Mit fünf Prozent Wahrscheinlichkeit können es acht Prozent Erwärmung werden. Das könnte das ende der Menschheit sein. Die Erderwärmungsberechnung ist die Basis der Klimaziele. Zu später Klimaschutz geht zu Lasten der nachfolgenden Generationen. Preise für das Leben festlegen zu müssen ist das große Problem aller ökonomischen Analysen.

Regeln zur Messung der Klimagase: Erstmals einigt man sich auf der Weltklimakonferenz in Bonn im Jahre 2017 auf ein einheitliches Messverfahren. Alle Staaten sollen die gleichen Maßstäbe anwenden.

Tote durch Feinstaubbelastung: Man weiß aus der Medizin um die Gefährlichkeit des Feinstaubs. Das ist unbestritten. Allerdings ist die Angabe von exakten Todeszahlen durch Feinstaub sonderbar. In Deutschland sollen jährlich 40.000 Menschen daran sterben. Weltweit sind es 3,3 mio. Menschen. Exakte Todesursachen sind hier aber gar nicht möglich.

Lichtverschmutzung: Die Zerstörung der Nacht durch Kunstlicht ist noch eine Forschungs- und Messlücke. Unter der Lichtverschmutzung leiden Pflanzen, Tiere (insbesondere Insekten, Vögel) und Menschen. Menschen reagieren sensibel auf Blaulicht im Licht. Dies ist z. B. auch relativ stark in Energiesparlampen.

Flächenumwandlung: Bewaldete Flächen im Verhältnis zu waldbedeckten Flächen vor dem menschlichen Eingriff. Mindestens 75% ist die planetarische Grenze. Heute liegen wir bei 62%.

Deutscher Umweltindex: umweltpolitischer Indikator (DUX, seit 2000), der die Erreichung der Zielwerte bei Klima, Luft, Boden, Wasser , Energie und Rohstoffproduktivität misst.

Klimaschutzindex: Er will Transparenz in die internationale Klimapolitik bringen. Erstellt wird der Index von Germanwatch und dem Climate Action Network. Dänemark führt 2016 vor Großbritannien und Schweden. Deutschland liegt auf Platz 22.

PM: Parts of Million ist die Maßeinheit für die CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Sie ist von 280 ppm in vorindustrieller Zeit auf 380 ppm bis heute gestiegen.

I-PAT-Gleichung: Environmental Impact (Einwirkung auf die Umwelt) = Population (Bevölkerung) x Affluence (Pro-Kopf-Einkommen) x Technology (Technologie). Vgl. J. D. Sachs: Wohlstand für Viele, München 2008, S. 45.

Evironmental Life Cycle Costing: Bewertung von Produkten und Dienstleistungen über einen gesamten Lebenszyklus mit Bewertung der Umweltaspekte. Dies ist eine schnelle Maßnahme zur Erhaltung der natürlichen Umwelt. Der Ablauf kann aus Kunden- und Nutzersicht betrachtet werden. Zunehmend wird auch die Logistik (Transport) eingebunden. Die produzierenden Unternehmen (Belader) wollen Umweltrechnungen, insbesondere CO2-Verbrauch, für das Produkt insgesamt. Im Moment hat dies meist antizipatorischen Charakter, wobei der Nutzen in der Öffentlichkeitsarbeit liegt. "Die Bürger der Vereinigten Staaten warfen in nur zehn Jahren so viele Aluminiumdosen weg, dass man damit die gesamte zivile Luftflotte der Welt 25-mal nachbauen könnte", The Container Recycling Institute. Die Politik greift auch zunehmend in den Kreislauf ein, z. B. 2010 mit höheren Klimaauflagen für Klein-KKW.

Globale Energieüberblicke: REN21 Global Status Report. Jährlich aktualisierter Überblick über weltweite Förderpolitik und Investitionen in der Welt.  IEA, World Energy Outlook. Vorhersage der Zusammensetzung der Energiesysteme der Welt.

Methoden der Präferenzermittlung, um die Zahlungsbereitschaft für Umweltgüter abzufragen: Eine direkte Form der Ermittlung, die die Wirtschaftssubjekte zur wahrheitsgemäßen Aussage veranlasst, ist der Groves-Mechanismus. In der Praxis können einfachere Methoden verwandt werden. Indirekte Methoden arbeiten meist mit hedonischen Preisen.

Restrisiko: Vor der Japan-Katastrophe vor allem als Eintrittswahrscheinlichkeit angegeben. Heute Einschätzung auch vom Ablauf her und Neubewertung. Einbettung in eine neue Einstellung zu technischen Innovationen. Erdbeben, Flugzeugabstürze, Cyberattacken, Tsunamis und die Qualifikation des Personals sind in das Risiko nicht richtig eingerechnet. Müsste man die Meiler dagegen absichern, wären sie auch ökonomisch nicht mehr tragbar. Bisher ist die Haftung bei einem Atomunglück Sache des Staates. Die Betreiber müssen in Deutschland eine Deckungsvorsorge von 2,5 Mrd. € nachweisen (allerdings gegenseitige Garantieerklärungen). In Frankreich haften die Betreiber mit 91,5 Mio. € pro Kraftwerk. Diese geringe Haftung ist unfair gegenüber der alternativen Energie, die höhere Haftungseinlagen hat. Auch der aufwändige Abbau stillgelegter Atomkraftwerke rechnet zu den externen Kosten.

Ökologischer Fußabdruck und Biokapazität: Der ökologische Fußabdruck ist ein Messwert. Er misst die durchschnittliche Erdfläche, die in Abhängigkeit des Konsum- und Lebensstils einer bestimmten Person genutzt wird. Hat man den Fußabdruck ermittelt, kann man ihn mit dem tatsächlich verfügbaren Umfang der jährlich durch die Natur bereitgestellten Ressourcen vergleichen. Diese Größe und Fläche wird als "Biokapaziät" bezeichnet. Mittlerweile hat man ihn in den Corporate Cabon Footprint (CCF) übergeleitet. Hier sind alle CO2-verantwortlichen Aktivitäten und Verbräuche aus den Bereichen Energie, Transport, Geschäftsverkehr, Mitarbeitermobilität, Büromaterialien, Verpflegung, Abfälle erhoben und bewertet. Hier führt kein Weg an einer softwaregestützten Datenbanklösung vorbei.   Die jährlich verfügbare Biokapazität eines durchschnittlichen Erdenbürgers liegt bei 1,7 Hektar. Vgl. entsprechende Daten bei: Global Footprint Network: National Footprint Account results (2015 Edition).

Kohlenstoff-Fußabdruck (CO2-Fußabdruck): Er beschreibt die Emissionsmenge an Kohlendioxid (CO2), die bei der Herstellung des Produkts, bei der Dienstleistung oder bei der Aktivität entsteht. So kann der C - Fußabdruck eines durchschnittlichen Bürgers ermittelt werden. Er misst für eine Nation alle Emissionen, die durch den Konsum von finalen Gütern verursacht werden. So werden alle Emissionen einer Produktionskette einbezogen. Es spielt dabei keine Rolle in welchem Land die Emissionen entstehen.

Messung von CO2-Emissionen: Teils wird gerechnet und teils geschätzt. Zunächst wird in Sektoren unterteilt: Energie, Industrie, Verkehr, Haushalte, Landwirtschaft, Sonstige. Im Kyoto-Protokoll ist festgelegt, wie die Emissionen erfasst werden. Das Umweltbundesamt misst in Deutschland für die Sektoren (direkt CO2, indirekt NO2). Bei Großanlagen wird berechnet, bei Privathaushalten nach Modellen hochgerechnet. In der Energiebranche wird besonders genau erfasst wegen der Emissionszertifikate. Es gilt das Verursacher- und Territorialprinzip, um Daten aus verschiedenen Ländern vergleichen zu können. Schwierig wird es beim Flugverkehr.

Vorgaben für die Messung von Luftschadstoffen in Städten (Europäischer Gerichtshof, Luxemburg, Juni 2019): Eine Überschreitung der Grenzwerte schon an einzelnen Stationen reicht für Klagen aus. Schadstoffmessstationen müssen so platziert werden, dass ihnen keine Grenzwert - Überschreitung entgingen. Die deutsche Praxis wird bestätigt.  Konkreter Anlass: Klagen in Brüssel.

Wasser-Fußabdruck: Einmal wird Wasser zu Hause verbraucht. Zum andern gibt es "verstecktes Wasser", mit dem Lebensmittel wachsen, Güter und Energie erzeugt werden. Insofern wird über exportierte und importierte Güter virtuelles Wasser ausgetauscht. Der größte Netto-Exporteur sind die USA. 40% von Europas Wasser-Fußabdruck liegen außerhalb seiner Grenzen. Den höchsten Wasser-Fußabdruck hat Indien vor China (zwei Drittel für die Landwirtschaft).

Global Footprint: Vereinigung von Forschern, die jährlich die Ressourcenausnutzung berechnen. Zum 1. August 2018 hat die Menschheit die Ressourcen eines Jahres an erneuerbaren Ressourcen verbraucht: Holz, Wasser, CO2. Rechnerisch wirtschaftet  die Menschheit so, als habe sie 1,7 Planeten zur Verfügung. Technologie allein wird also die Welt nicht retten. Wir müssen von Allem weniger verbrauchen.

Landfussabdruck: Wird gemessen vom Sustainable Europe Research Institute (SERI). Der Landfussabdruck der EU beträgt 640 Mio. Hektar pro Jahr (ca. eineinhalb mal so groß wie die Fläche aller 28 Mitgliedsstaaten.

Versauerung der Meere: Durchschnittliche Sättigung mit Aragonit (Kalciumcarbonat) an der Meeresoberfläche als Prozentsatz des vorindustriellen Niveaus. Die planetare Grenze liegt bei 80% des vorindustriellen Sättigungsniveaus. 2017 waren ungefähr 84% und fallend erreicht.

Süßwasserverknappung: Frischwasserverbrauch, in Kubikkilometer pro Jahr. Höchstens 4000 Kubikkm pro Jahr. 2017 lagen wir bei 2600 Kubikkm pro Jahr ansteigend.

Wassermangel: Eine erneuerbare Wassermenge pro kopf und Jahr unter 1000 Qubikmeter; bei Werten unter 500 Qubikmeter spricht man von extremen Wassermangel.

Index for Sustainable Economic Welfare (ISEW): Die Idee geht auf Nordhaus/ Tobin zurück. Einbezogen werden die Einkommensverteilung, die unbezahlte Hausarbeit, die öffentlichen Ausgaben für Gesundheit, die Bildung, die Umweltverschmutzung, der Rückgang der Ressourcen und die Kosten der globalen Erwärmung.

Elektroschrott in der Welt: The Global E-Waste Monitor (2017).

Methoden der Wohlstandsmessung: Für den Bereich "Ökologie" drei Leitindikatoren: Treibhausgase, Artenvielfalt, Stickstoffbelastung.

Weitere Möglichkeiten der Nachhaltigkeitsmessung: Biodiversität, Rohstoffverbrauch (Rohstoffproduktivität), Treibhausgasemissionen (Niveau, pro Kopf).

Nachhaltige Produkte: Produkte , die repariert werden können und austauschbare Komponenten haben. Sie sind etwas größer, schwerer und teurer. Sogar in der Digitaltechnik gibt es mittlerweile diese Produkte. Vgl. https://phonebloks.com/en oder http://iameco.com .

Messung von Abgaswerten: Durch die Softwaremanipulation bei VW im Herbst 2015 gerät die gesamte Messung ins Visier. Sie wurden aufgedeckt vom International Council for Clean Transportation (ICCT; kleine gemeinnützige Organisation in den USA; vom Deutschen Axel Friedrich mitgegründet). Es geht um Diskrepanzen zwischen der Messung im Labor und in der Praxis (Überschreitung der Grenzwerte um das Vierzigfache). Besonders gefährlich sind im Diesel die Stickoxide. Die Motoren müssen warm werden, damit die Filter greifen.  "Wir sind ein Entwicklungsland. Wir sind noch nicht in der Lage internationale Verpflichtungen zu übernehmen", Liu Deshan, Ökonom, Qinghua-Uni Peking (zitiert nach Der Spiegel, 4/2007, S. 128).

Mathematische Theorie der Rekorde: Extremereignisse bieten einen wertvollen Einblick in komplexe Systeme wie das Klima der Erde oder auch die globalen Fianzmärkte. Mit Hilfe mathematischer Modelle lässt sich die zunehmende Zahl der Hitzerekorde auf einen allgemeinen Erwärmungstrend zurückführen. Für Rekordstürme und -niederschläge ist ein solcher Zusammenhang bislang nicht statistisch belegbar. Siehe: Wergen/Krug/Rahmsdorf:Globale Erwärmung. Klimarekorde, in: Spektrum Spezial 3/17, S. 66ff. 

Weltrisikobericht: Er wird vom Bündnis "Entwicklung hilft" und vom Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Uni Bochum erstellt. Die gefährdesten Regionen sind Ozeanien, Südostasien, Mittelamerika und West- sowie Zentralafrika. Das größte Risiko haben Vanuatu, Tonga, Philippinen. Deutschland liegt auf dem Gesamtindex auf Rang 155 von 172.

Klimaschutz-Index: Er wird von der Entwicklungs- und Umweltorganisation German Watch errechnet. Deutschland rutscht um fünf Plätze auf Rang 27 ab. Das Emissionsniveau sei seit 2009 fast gleich bleibend hoch. Der Ausbau der erneuerbaren Energien flaue ab.

 

Arbeitsökonomik (Arbeitsmarktmanagement, Verteilung, Population/ Demographie, Sozialpolitik/ Soziales, Personalökonomik, Human Resource Management, Gesundheitspolitik). Die allgemeinen theoretischen Grundlagen enthalten die Mikro- und Makroökonomik. Globale Aspekte der Arbeit finden sich bei Außenwirtschaft. Ethische Aspekte der Arbeit können bei Umwelt eingesehen werden. Die meisten Zusatzinformationen stehen unter Mittelstandsökonomik (mit Familienunternehmen arbeiten in kleineren Unternehmen/ KMU über 70% aller Beschäftigten). Viele Jahre habe ich Veranstaltungen im Personalstudiengang der HS Ludwigshafen dazu gehalten, später im Bachelor und Master.

"Die Nationalökonomie geht von der Arbeit als der eigentlichen Seele der Produktion aus, und dennoch gibt sie der Arbeit nichts und dem Privateigentum alles", Karl Marx (2018 soll in Trier, der Geburtsstadt, groß gefeiert werden). Berühmt ist auch folgendes Zitat von ihm: "Was mich betrifft, ich bin kein Marxist".

Gliederung: Verteilung und Wohlstand; Demographie/ Flüchtlinge; Lohn/ Entlohnung; Neue Arbeitsformen/ Zukunft der Arbeit; Personalpolitik und -management (HRM); Ausbildung der Arbeit; Arbeitspsychologie und Arbeitswissenschaft; Arbeitsmarkttheorie und -statistik; Arbeitsmarktpolitik; Sozialpolitik/ Soziales; Gesundheit/ Gesundheitspolitik.

Verteilung (Soziale Gerechtigkeit und Arbeit; Einkommensverteilung, Vermögensverteilung, Armut, Wohlstand, soziale Ungleichheit; vgl. auch Soziales)

"Der Edle harmonisiert, aber er macht nicht alles gleich; der Gewöhnliche macht alles gleich, aber er harmonisiert nicht", Konfuzius.

Ungleichheit: Soziale Ungleichheit wird in der Ökonomie auf Vermögen, Einkommen und Mobilität bezogen. Die Messung ist außerordentlich schwierig und umstritten. Das rechte Maß liegt zwischen Freiheit vs. Gleichheit. Die Ungleichheit hat viele Konsequenzen: Reduzierung des Wirtschaftswachstums, Spaltung zwischen Schulden und Sparen wird größer, größerer gesellschaftlicher Verteilungskampf, Minderung des Humankapitals, globale Finanz- und Wirtschaftskrisen, Verstärkung des Armutsproblems, Beeinträchtigung der Gesundheit, größere abhängigkeit vom Staat, Schädigung der politischen Teilhabe. Globalisierung und Digitalisierung können die Ungleichheit verstärken. Entscheidend ist die Chancengleichheit. Der Staat muss effektiv umverteilen. Vgl. Marcel Fratzscher: Verteilungskamp. Warum Deutschland immer ungleicher wird, München 2017. Die einzelnen Aspekte werden im Folgenden erläutert. Gründe für die Schieflage bei der Verteilung sind die Folgenden:1. Arbeitslose haben vom Aufschwung zwar profitiert, aber alle anderen Erwerbstätigen auch. 2. Haushaltseinkommen in der Mittel- und Oberschicht erhöhen sich durch Frauenerwerbstätigkeit. 3. Globalisierung und technischer Fortschritt begünstigen eher Privilegierte.  "In dem Staat, in dem die Guten nichts voraushaben und die Schlechten nichts voraushaben können, sind Friede und Eintracht", Aristoteles, griechischer Philosoph. Im Jahre 2013 bekam in Deutschland die schlechter verdienende Hälfte der Bevölkerung 17% des Volkseinkommens, die obere Hälfte 83% des Volkseinkommens (Quelle: DIW, Berlin). Laut Oxfam (NGO) besitzen 42 Menschen auf der Welt genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.

Einfluss historischer Erbsitten: Gerechte Erbschaften innerhalb von Familien begünstigen Gleichheit. Deutsche Gemeinden, die historisch fair vererbt haben, wählen bis zum heutigen Tag mehr Frauen in Kommunalparlamente. und haben weniger Aristrokaten in der sozialen Elite. Gleichzeitig lässt sich zeigen, dass faire Erbschaften Einkommensungleichheit forcieren. Es gibt also einen "Trade-off" zwischen sozialer und ökonomischer Ungleichheit. Siehe Rink, Anselm: Das Rätsel der Ungleichheit. Historische Erbsitten haben Auswirkungen bis heute, in: WZB Mitteilungen, Heft 161, September 2018, S. 14ff. Erben hat einen großen Einfluss auf dei Vermögensverteilung. In Deutschland (West) beträgt der Anteil des ererbten Vermögens am Gesamtvermögen 31,4% (Österreich 30,9%, Frankreich 23,2%, Spanien 18%; Quelle: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2019)

Drei-Sektoren-Hypothese: Langfristige Entwicklung der in drei Sektoren aufgeteilten Volkswirtschaft (von Fisher stammt die Idee, von Fourastie´ weiterentwickelt und bekannt gemacht, "Die große Hoffnung des 20 Jahrhunderts", 1949). Zunächst dominiert der primäre Sektor (Landwirtschaft, Forsten, Fischerei), dann kommt der sekundäre Bereich (industrielle Produktion) und schließlich der tertiäre Sektor (Dienstleistungen). Gilt für Industrieländer, nicht für alle Entwicklungsländer. Ist sehr schwierig empirisch zu messen (Nachfrage-Bias, Technischer Fortschritt). In der Regel nimmt man als Indikator die Erwerbstätigen. Berühmt ist die These von Baumol von der "Kostenkrankheit" (unbalanced growth): Mangelnder technischer Fortschritt bei vielen Dienstleistungen sowie die Anpassung der Löhne an die technisch fortschrittlichen Sektoren müssen dazu führen, dass der tertiäre Sektor die Wertschöpfung aufzehrt. 2007 hatte der Primäre Sektor in Deutschland einen Anteil von 1% (1990: auch 1%), der Sekundäre Sektor 30% (37%), der Tertiäre Sektor 69% (61%). Von den Erwerbstätigen 2010 sind 36,4% in Dienstleistungen, 12,1% im Produzierenden Gewerbe und 1% in Land- und Forstwirtschaft.

Kuznets-Kurve (Simon Kuznets, 1901-1985, National Income and its Composition, New York 1941, auch: Economic Growth and Income Inequality, in: AER, 1955): Zusammenhang zwischen Pro-Kopf-Einkommen und der personellen Einkommensverteilung; der Entwicklungsprozess verschlechtert sich zunächst, verbessert sich aber langfristig. "Wenn wir nicht reich werden, bleiben alle arm", Deng Xiaoping.

Einkommensverteilung (Lorenz-Kurve, Gini-Koeffizient): Statistischer Zusammenhang zwischen dem Anteil der Quantile von Einkommensbeziehern und dem Anteil der von ihnen empfangenen Einkommen am gesamten Volkseinkommen (personelle EV). Die Fläche ist mit dem Gini-Koeffizient berechenbar. Beide sind natürlich auch auf andere Probleme der Konzentration anwendbar. Die OECD hat zuletzt 2008 die Einkommensverteilung verschiedener Länder mit dem Gini-Koeffizienten vergleichen: Deutschland 0,30; USA 0,38; Schweden 0,23 (Growing Unequal?). Daneben gibt es noch die funktionale Einkommensverteilung und die EV im Sinne der VGR. Von der Verteilung schließt man auch auf die Gerechtigkeit in einem Land. Als Hauptursache für Einkommensungleichheit in einem Land gelten Technischer Fortschritt, Globalisierung und Wirtschaftspolitik (Steuerpolitik zugunsten höherer Einkommen). Nach einer Studie des DIW/ Berlin im Jahre 2006 hat das ärmste Zehntel der Bundesbürger zwischen 1995 und 2005 rund 5% seines Anteils am Gesamteinkommen eingebüßt und die Reichen sind immer reicher geworden. 10,6 Mio. Deutsche (13%) müssen mit weniger als 60% des Durchschnittseinkommen auskommen (Studie "Leben in Europa", Statistisches Bundesamt, 2006). International gehören Japan und Dänemark zu den Ländern mit den geringsten Einkommensunterschieden, und Brasilien und Süd-Afrika haben mit die größten. Laut dem "Spiegel" sind von 1992 bis 2006 die Einkommen bei den reichsten 10% der Bevölkerung um 31% gestiegen, bei den ärmsten 10% der Bevölkerung um 13% gesunken. Dies bekräftigt auch eine Studie des DIW 2008 (Frick/ Grabko): Durch die Globalisierung gehören noch 54% zur Mittelschicht. 2000 waren es noch 62%. Eine andere Untersuchung des DIW (Gornig/ Goebel) kommt 2010 zu dem Ergebnis, dass 2009 noch 61,5% zur Mittelschicht gehören (2000 noch 66,5%). Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Menschen mit niedrigem Einkommen von 18 auf 22 %. Nach einer McKinsey-Studie 2008 werden bis 2020 weniger als 50% der Bevölkerung in Deutschland ein Einkommen auf Durchschnittsniveau haben. Die Löhne zwischen den Vollzeitbeschäftigten mit niedrigem und jenen mit mittlerem Einkommen sind seit 1997 weiter auseinander gedriftet: Während Geringverdiener Ende der 1990er Jahre noch 64% des mittleren Einkommens erhielten, erreichten sie 2007 nur noch 53% (IZA). Auch eine OECD-Studie 2011 kommt zu dem Ergebnis, dass die Einkommenskluft in Deutschland wächst (drittgrößter Schub in der OECD). Die hohen Haushaltseinkommen sind stärker angestiegen als die kleinen Einkommen. Hauptursache ist die Entwicklung der Löhne, vor allem durch die stark zunehmende Teilzeitbeschäftigung. Von allen 34 OECD-Ländern haben die USA, Großbritannien und Italien die geringste soziale Mobilität. Ende 2011 wächst das Geldvermögen in Deutschland auf den Rekordstand von 4,7 Billionen €. 2013 wird eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vorgelegt: Die Einkommen sind in Deutschland heute weitgehend ungleicher verteilt als vor 20 Jahren. Grund ist der langfristige Anstieg der befristeten Jobs, Teilzeitstellen und Minijobs (atypische Beschäftigung). Die Mehrwertsteuererhöhung 2007 hat ärmere Haushalte stärker getroffen. Die Wohlhabenden profitieren von höheren Kapitaleinkommen. Das Handelsblatt Research Institute hat 2013 nach Werten der OECD und der Credit Suisse folgende Gini-Koeffzienten berechnet: 2010 für Deutschland bei der Einkommensverteilung vor der staatlichen Umverteilung 0,492. Nach der Umverteilung 0,286. Der Gini-Koeffizient der Vermögensverteilung beträgt 0,78. Ungleicher ist das Vermögen in den USA und Schweden verteilt. Das sozioökonomische Panel 2012 kommt in Deutschland zu einem mittleren Einkommen von 1641 € (zum Vergleich USA 1860 €). 15,6% der Gesamtbevölkerung lebten 2009 unter einem Nettoeinkommen von weniger als 60% des mittleren Einkommens (Median), hier spricht man von Armutsgefährdung. Ende 2014 legt die OECD eine Studie zur Einkommensverteilung vor: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in den Industriestaaten größer. Die Unterschiede werden als Wachstumsbremse gesehen. Eine weitere Studie des DIW 2017 (Quelle: Der Spiegel 9/2017, S. 15) kommt zu folgenden Ergebnissen: Veränderungen des realen verfügbaren Haushaltseinkommens von 1991 zu 2014 nach Gruppen aufgeteilt: bei den einkommensstärksten 10% bis zu +20%; bei den mittleren Einkommen +/-0%; bei den ärmsten 10% -10%. Auch der wissenschaftliche Beirat beim Bundesfinanzministerium kommt 2017 zu dem Ergebnis, dass seit der Wiedervereinigung die Einkommensschere immer weiter auseinander geht (Gini - Koeffizient von 0,33 1990 auf 0,40 2013). Im internationalen Vergleich liege Deutschland im Mittelfeld. Der Mindeslohn in Deutschland hat die Ungleichheit, gemessen mit Gini, nicht verändert: 2014, vor dem Gesetz, 0,29. Genauso war der Wert 2018.

Armut: Entscheidend ist die Definition und Operationalisierung, die für Deutschland und international erheblich abweichen dürfte. In Deutschland sind zwei Gruppen besonders betroffen: ältere Menschen (Altersarmut, vor allem Frauen) und Kinder. Wegen der starken Zunahme der geringfügigen Beschäftigung wird auch die Altersarmut zunehmen. In diesem Zusammenhang wird über eine Sockelrente (Mindestrente) bzw. eine Rente nach dem Grundeinkommen diskutiert. Es stellt sich die Frage, ob unser Sozialstaat noch effektiv die Armut verringern kann. 2010 war das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung. Sehr kompliziert sind die Statistiken über Armut. Es muss unterschieden werden zwischen Armut und Ungleichheit (in ärmeren Ländern ist die Armutsgrenze kleiner als in reichen). Die Frage ist auch, wo die "Armutsgefährdeten" einzuordnen sind (weniger als einen bestimmten Prozentsatz zum mittleren Einkommen). Zu eindimensional ist auch die Fixierung der Armut am Einkommen und die Vernachlässigung des Vermögens. Die meisten Armutsanalysen lassen das individuelle Vermögen außen vor (dadurch wird das Problem überzeichnet). Zum Vermögen  gehört ebenso das Humankapital. Die Berechnung des Einkommens ist teilweise sehr umstritten (mit Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung?, Einkommen aus Schattenwirtschaft und Haushaltsproduktion?). Die Entwicklung und "Weitervererbung" der Armut hängt stark an der Bildung. Studien belegen eindeutig, dass viele Kinder, deren Familien von Hartz IV leben, ihrer Entwicklung bereits im Vorschulalter hinterherhinken (z. B. Bertelsmann). 14% der deutschen Kinder und Jugendlichen (unter 15 Jahren; 2016) leben von Hartz IV (überwiegend allein erziehende Mütter oder Väter). Vgl. Georg Cremer: Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? wie können wir handeln?, München (Beck) 2016. Vgl. auch: Karl Brenke: Armut: vom elend eines Begriffes, in: Wirtschaftsdienst 2018/ 4, S. 260ff.  Der Armutsbericht der Bundesregierung 2008 zeigt deutlich, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden (arm= unter 890 € netto als Alleinstehender, 1871 € für ein Paar mit zwei Kindern). Alle vier Jahre erscheint dieser Bericht, so dass auch wieder einer 2012 kommt. Dabei ist zu bedenken, dass Armut und Reichtum relative Größen sind, über deren Definition in Wohlstandsgesellschaften viel mehr diskutiert werden müsste. Der Armutsbericht 2012 ist im Vorfeld sehr umstritten. Das Wirtschaftsministerium scheint den Bericht des Arbeitsministeriums "frisiert" bzw. zensiert zu haben ("sinkende Reallöhne sind das Ergebnis struktureller Verbesserungen", soziale Spaltung gibt es nicht?).  Die Daten sind über 5 Jahre alt. Eine weitere Quelle in Deutschland ist der Armutsatlas. Er berechnet Armutsrisikoquoten. Eine wichtige Grundlage ist hier das Sozioökonomische Panel. Nach einer Studie des DIW 2010 steigt in Deutschland das Armutsrisiko: 14% waren 2008 armutsgefährdet (weniger als 60% des mittleren Einkommens). Die Weltbank bezeichnet Menschen, die weniger als 1 US-$ pro Tag verdienen, als arm. Auch in den USA wird das Elend unter den Armen immer größer. Nur noch 16% der Bevölkerung glauben, dass ihre Mittel reichen. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise brechen die wichtigen Firmen-Spenden weg. 2010 berichtet die US-Statistikbehörde, dass jeder siebte Amerikaner unter der Armutsgrenze lebt (46,7 Mio.). Dies ist der höchste Stand seit 51 Jahren. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung für die OECD kommt 2011 zu dem Ergebnis, dass Deutschland unter den 31 OECD-Staaten bei der sozialen Gerechtigkeit nur Platz 15 belegt. Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband gibt einen Armutsbericht heraus. 2012 werden vom Statistischen Bundesamt die Ergebnisse einer europaweiten Untersuchung bekannt gegeben. Danach sind 15,6% (ca. 13 Mio.) aller Deutschen armutsgefährdet. Dabei handelt es sich um ein mittleres Armutsrisiko. Im September 2012 meldet das Statistische Bundesamt, dass das Armutsrisiko im vergangenen Jahr in den meisten Bundesländern gestiegen ist, vor allem in den neuen Ländern (Ausnahme Bremen). Zwei Studien über Armut 2012 widersprechen sich. Der Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium sieht eher eine Betroffenheit bei Jungen. Wohlfahrtsverbände, Kirchen und Gewerkschaften werfen der Regierung Verharmlosung vor. 2013 untersucht die Bertelsmann Stiftung das jeweilige Armutseinkommen einer Familie mit zwei Kindern und rechnet davon die Wohnkosten ab. Sie berechnet damit, was Geringverdienern nach Abzug der Wohnkosten zum Leben bleibt. Sehr dramatisch ist die Situation in Frankfurt, Regensburg und Freiburg (unter 800 €). Dramatisch lebt es sich in München, Mainz, Leipzig, Münster und Aachen (um die 1000 €). Die gestiegenen mieten in vielen Städten bergen sozialen Sprengstoff (vgl. Der Spiegel 30/2013, S. 34-36). Eine Studie der OECD 2014 weist ausdrücklich darauf hin, dass der Aufschwung in Deutschland an den sozial Schwächeren (Armen) vorbeigeht. Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes 2014 waren 20,3 Prozent aller Menschen in Deutschland arm oder sozial ausgegrenzt. Seit 2008 habe sich der Wert nur wenig verändert. Der Durchschnitt der EU liegt bei 24,5%. Nach einer Studie von Oxfam Anfang 2015 leben 1 Mrd. Menschen weltweit von unter 1,25 Dollar pro Tag. Anfang 2015 gibt das Statistische Bundesamt folgende Daten bekannt: Über 400.000 Menschen in Deutschland können von ihrem Einkommen nicht leben. 3,1 Mio. Erwerbstätige liegen mit ihrem einkommen unterhalb der Armutsschelle (979 Euro; +25% gegenüber 2008). 2015 veröffentlicht das Statistische Bundesamt den nächsten Armutsbericht: 15,4% der Einwohner sind armutsgefährdet. Je schlechter die Bildung, desto größer die Gefahr der Armut (besonderes Risiko für Geringqualifizierte). Am höchsten ist das Risiko in Bremen, am geringsten in Baden-Württemberg. Ein aktueller Bericht zur regionalen Armutsentwicklung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands 2015 zeigt auf, dass 2013 die Armutsquote von 15 auf 15,5% gestiegen ist (Hauptgruppen: Alleinerziehende, Kinder, Langzeitarbeitslose). Die Altersarmut steige rasant an. Im Süden Deutschlands herrscht weniger Armut. Sie ist am höchsten in M.-V., Berlin und Bremen. Auch 2016 erscheint der Armutsbericht im Februar. 2015 ist die Armut um 0,1% leicht gesunken (22,5 Mio. Menschen sind in D. arm). Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) ist 2014 die Anzahl der Menschen ohne Wohnung in Deutschland auf 335.000 Menschen gestiegen. Die Nationale Armutskonferenz (Wohlfahrtspflege, Sozialverbände) gibt einen "Schattenbericht" zur Armut heraus: Hartz IV habe die Armut in Deutschland deutlich erhöht. Die Armutsgefährdungsquote in Deutschland  liegt 2014 bei 15,4% (Quelle: Destatis, StBA). Ein wichtiger Indikator für Armut ist auch die Zahl der Bedürftigen in Tafeln. Die Anzahl der Tafelkunden ist 2015 im Vergleich zu 2014 um 18% gestiegen (unter den Nutzern sind 280.000 Flüchtlinge). Die Anzahl der Wohnungslosen ist in Deutschland deutlich angestiegen: Von 248.000 im Jahre 2010 auf 335.00 im Jahre 2015. In den USA liegt die Armutsgrenze 2015 (absolut definiert) bei 24.250 Dollar (2 Erwachsene, 2 Kinder). Ein Viertel der EU-Bevölkerung ist 2017 von Armut bedroht (Quelle: EU-Statistikbehörde "Eurostat").

Erwerbsarmut: Armut trotz Job ("working poor"). Sie sollte Lohn und Arbeitszeit verbinden. Erwerbsarmut wäre danach Armut trotz Vollzeitbeschäftigung. Das trifft auf viele prekär bzw. atypisch Beschäftigte zu. Hierbei ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund besonders groß. Bei der Erwerbsarmut gibt es weitere Risiko-Gruppen: Eine erste Gruppe sind die Alleinerziehenden. Besonders hier allein erziehende oder allein lebende Frauen (Kindererziehung, Pflege älterer Angehöriger). Hier hängt das auch eng mit kurzen Arbeitszeiten zusammen. Eine zweite Risikogruppe sind große Familien mit einem Alleinverdiener. Das Einkommen reicht nicht aus, um die Armutsschwelle deutlich zu überschreiten.

Ursachen der Armut: Die meisten Ursachen entziehen sich dem Einfluss des Einzelnen. Sie liegen in fehlendem Privateigentum, teurer Bildung und schlechten Berufsaussichten. Vordenker des Armutsproblems sind John Stuart Mill (1806-1873) und Amartya Sen (geb. 1933). Wichtige Bücher haben Henry George (Progress and Poverty 1879) und John Kenneth Galbraith (Gesellschaft im Überfluss 1958) geschrieben. Die untere Grenze bildet die Definition der Weltbank (weniger als einen Dollar pro Tag extreme Armut, 2012). In Deutschland, wo die Gruppe der Alleinerziehenden stark betroffen ist, liegt die Ursache darin, dass der Ex bzw. Vater nicht bezahlt. Ein hohes Armutsrisiko haben auch Einwanderer (Integrationsbericht). Die weltweite Armut und Ungleichheit ist das Produkt des modernen Wirtschaftswachstums (Angus Deaton, Nobelpreis 2015). Er ist auch der Meinung, dass Egalitarismus kein Ideal sein kann, weil er nicht zur Aufholjagd anspornt. Der zweite große Armutsforscher ist Tony Atkinson aus GB (2016 verstorben). Auch im März 2017 legt das Bundesarbeitsministerium wieder einen Armuts- und Reichtumsbericht vor. Er enthält wichtige Ergebnisse: Die Wahlbeteiligung ärmerer Menschen sinkt stark. Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens.

Armutsrisiko und -definition: Es wird eine Armutsrisikoquote berechnet. Dies macht das DIW in Berlin. 2017 werden folgende Daten bekannt gegeben: 1991 betrug das Armutsrisiko etwa 11%. 2014 lag es schon über 15%. Dabei werden die Personen genommen, die weniger als 60% des mittleren Haushaltsnettoeinkommens der Gesamtbevölkerung haben. Armut hat einen starken Bezug zur Kultur. In Entwicklungsländern geht es um einen Mangel an Nahrung, Kleidung, Zugang zu Gesundheitsleistungen. Danach gibt es kaum Armut in Deutschland. Hier geht es aber um soziale Teilhabe. Also braucht man einen relativen Armutsbegriff, der das gesellschaftliche Umfeld mit einbezieht.

Armut in Großstädten: Armut ist in deutschen Großstädten ein größeres Problem als in kleineren Kommunen. Der Anteil der Sozialleistungsempfänger ist bundesweit 10,1% der Gesamtbevölkerung. In Städten mit über 100.000 Einwohner lag der Anteil bei 14%. Die Entwicklung ist dabei in den Großstädten regional unterschiedlich. In 37 Großstädten ist der Anteil an Sozialleistungsempfängern gestiegen (13 Großstädte im Ruhrgebiet, Strukturwandel), in 27 gesunken (vor allem in Städten in Ostdeutschland). Quelle: Analyse der Bertelsmann-Stiftung 2019.

Poor Economics: Vgl. Banerjee, A. V./ Duflo, E.: Poor Economics, München 2012. "1. Armen fehlen oft wichtige Informationen und sie glauben Dinge, die nicht richtig sind. 2. Arme müssen sich um zu viele Bereiche ihres Lebens kümmern. Je reicher jemand ist, desto mehr Entscheidungen werden einem abgenommen. 3. Gibt es nachvollziehbare Gründe, warum manche Märkte den Armen nicht offen stehen bzw. warum die Armen in ihnen mit ungünstigen Konditionen zu kämpfen haben. 4. Viertens sind arme Länder nicht allein deshalb zum Scheitern verurteilt, weil sie arm sind oder weil sie auf eine unselige Vergangenheit zurückblicken. 5. Es gibt unglaublich viel Spielraum für Verbesserungen, sogar in einem "guten" institutionellen Umfeld, und ein paar Veränderungsmöglichkeiten im Kleinen selbst in einem schlechten." siehe ebenda, S. 345ff. Vgl. auch The Abdul Latif Jameed Poverty Action Lab oder www.pooreconomics.com . "All animals are equal but some animals are more equal than others", George Orwell, Englischer Schriftsteller, 1903-1950, aus "Animal Farm" (eine Parabel auf totalitäre Systeme).

Kinderarmut: Die umfangreichste regelmäßige Untersuchung in Deutschland wird von der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt. Sie bezieht sich auf die sozialstaatliche Armutsdefinition. Danach gelten Kinder als arm, die in Bedarfsgemeinschaften leben, der Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II erhält. Die Daten stammen aus der Statistik der BA, Dez. 2015. Rund zwei Millionen Mädchen und Jungen in Deutschland leben beengt, haben wenig Geld für gesundes Essen oder Bildung. Besonders stark betroffen sind Kinder von Alleinerziehenden. Die Zahl der Hartz-IV-Haushalte ist von 2011 mit 12,4% bis 2015 auf 13,2% gestiegen. Am stärksten ist die Quote in Bremen, Saarland und NRW gestiegen. Je länger ein Kind in armen Verhältnissen lebt, desto negativer sind die Folgen für ihre Entwicklung. Zur Altersarmut vgl. den Unterabschnitt "Demographie" in dieser Rubrik. Die Studie 2017 von der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass 21 Prozent aller Mädchen und Jungen in Deutschland dauerhaft oder wiederkehrend in einer finanziellen Notlage sind. Nach Berechnungen des Kinderschutzbundes (DKSB) 2018 ist die Kinderarmut noch wesentlich höher: Etwa 4,4 Mio. Kinder seien von Armut betroffen (1,4 mehr als bisher bekannt). Es wird eine Kindergrundsicherung gefordert.

Übertragung von sozialer Ungleichheit von Eltern auf Kinder: Kinder aus benachteiligten Familien erzielen weniger Bildungserfolge als Kinder mit wohlhabenden Eltern. Welche Mechanismen sorgen dafür, dass sich der soziale Status der Eltern auf die Kinder überträgt? Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Faktoren spielen einen große Rolle. Wichtig sind auch psychologische Faktoren: Erziehungsstile der Eltern und die emotionale Gesundheit von Kindern bilden ein weiteres Verbindungsstück. Vgl. Li/ Kaiser/ Pollmann-Schult: Komplizierter als gedacht. wie sich soziale Ungleichheiten von Eltern auf Kinder übertragen, in: WZB Mitteilungen, Heft 162, Dezember 2018, S. 6ff.

Alleinerziehende: Sie haben weniger Geld als Paar-Familien und sind so überdurchschnittlich häufig armutsgefährdet. 2017 gab es in Deutschland 1,5 Mio. Alleinerziehende (+200.000 in 20 Jahren). 2,4 Mio. Kinder wachsen hier auf. Für allein erziehende Mütter ist es schwierig, einen Job zu finden. Quelle: Statistisches Bundesamt.

Rückgang der Armut langfristig und relativ (Fortschrittsthese): Die Welt ist heute etwa hundertmal so reich wie vor zwei Jahrhunderten und der Reichtum wird gleichmäßiger auf Länder und Menschen verteilt. Vor 100 Jahren setzten vermögende Länder etwa ein Prozent ihres Reichtums zur Unterstützung von Armen, Kindern und Alten ein, heute sind es rund 25 Prozent. Vgl. Steven Pinker: Enlightenment Now - The Case for Reason, Science, Humanism and Progress, Februar 2018.

Altersarmut: Siehe Bevölkerungsentwicklung, Demographie.

Tafeln: Eine soziale Bewegung in vielen Ländern (auch USA, Kanada), die Reste aus dem Lebensmittelhandel bekommt und daraus Essen für Bedürftige anbietet. In Deutschland ist die Tafelbewegung 2018 25 Jahre alt. Die erste Tafel wurde in Berlin gegründet. Heute gibt es über 2000 Tafeln in Deutschland. Die Kunden haben sich verändert. Ursprünglich wurden die Tafel für Obdachlose eingerichtet, Heute kommen überwiegend Hartz IV-Empfänger und ältere Menschen sowie Familien mit Kindern. Stark angestiegen ist die Zahl der Migranten. In Essen werden Ausländer im Februar 2018 erstmals ausgeschlossen (wegen Wettbewerb junge Männer mit älteren Frauen, die nicht mehr kommen wollen). Die Tafel bekämpfen nicht Armut, sondern lindern Symptome. Deshalb stehen sie auch in der Kritik. Umstritten ist auch die Kooperation mit Einzelhandelsfirmen, die stark auf prekäre Arbeit setzen. Die Tafel haben mittlerweile auch eine wichtige soziale Funktion. Sie sind Orte der sozialen Begegnung und Kommunikation. Die Debatte um den Aufnahmestopp für Ausländer in Essen setzt eine Armuts-Diskussion in Gang. Es ist positiv, dass Probleme offener angesprochen werden. Seit Jahren ist bekannt, dass die Tafeln Probleme haben, alle Bedürftigen zu bedienen. Die Ärmsten unserer Gesellschaft sollten nicht die Probleme der Zuwanderung lösen müssen. Bei steigenden Mieten in Deutschland stehen immer mehr Menschen vor der Entscheidung "Miete zahlen oder Essen". Das merken die Tafeln deutlich. Besonders Rentner sind betroffen (Verdopplung; aber auch viele Minderjährige).

Existenzminimum: Nach dem Sozialgesetzbuch jener Betrag, der jedem Bürger eine minimale Grundversorgung (gemäß Sozialstaatspostulat des Artikels 20 des Grundgesetzes) sichern soll. Diese Leistungen zum Lebensunterhalt werden vom BMA errechnet und vom Bundestag beschlossen. Sie spielen auch beim Kindergeld eine Rolle. Es gibt auch ein steuerliches Existenzminimum, nämlich der Grundfreibetrag der Einkommensteuer (2008: 7664 €). In der makroökonomischen Konsumfunktion wird Coft als Existenzminimum und Basiskonsum interpretiert. Es gibt auch steuerrechtliche und schuldrechtliche Konzeptionen des Existenzminimums. Das steuerliche Existenzminimum liegt ab 2013 bei 8130 € steuerlicher Grundfreibetrag. "Die Misere des Kapitalismus, so müssen wir den Sozialisten sagen, besteht nicht darin, dass die einen Kapital haben, sondern darin, dass die anderen es nicht haben", Wilhelm Röpke (1899-1966). Der Armutsatlas des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von 2009 (Basis Mikrozensus von 2007) zeigt, dass die ärmsten Regionen in Deutschland Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind. Arm ist, wer weniger als 60% des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Die Daten der Erhebung "Leben in Europa 2008" zeigen, dass in Deutschland jeder Siebte an Armutsgrenze lebt. Ohne Sozialleistungen wäre jeder Vierte betroffen.

Vermögensverteilung: Das Vermögen wird in Human- und Nichthumanvermögen unterteilt. Letzteres besteht aus Konsumtiv- und Produktivvermögen. Wichtigster Teil des Konsumtivvermögens ist das Geldvermögen. Beides zusammen wird auf 6,6 Billionen € in Deutschland geschätzt. Seit vielen Jahren driften die Vermögensverhältnisse in den Industrie- und vielen Schwellenländern auseinander. Berechnet wird oft ein Vermögensindex (Vermögen in Relation zum BIP). Zwischen 1999 und 2009 hat dieser in Deutschland bei den privaten Haushalten um über 20% zugenommen. Weitere Maße sind Gini und der Anteil bestimmter Quantile am Nettovermögen. Das reine Geldvermögen ist 2012 in Deutschland so hoch wie nie zuvor. Es liegt auf der Rekordhöhe von 4939 Mrd. Euro.  2018 hat das Geldvermögen in den ersten drei Monaten an Wert verloren, zum ersten Mal seit 6 Jahren (-1%). Ursache ist dei Geldpolitik der EZB (Leitzins, Inflationsziel). Allerdings liegt auch die Verschuldung der privaten Haushalte relativ hoch (1566 Mrd. €). Die Wohnungseigentümerquote ist in Deutschland lediglich bei 45,7%. Der europäische Schnitt liegt bei 70 Prozent. In der Studie der Boston Consulting Group "Global Wealth 2014" überholt Asien Europa beim Umfang des Privatvermögens. 2018 sollen auch die USA überholt werden. Ganz entscheidend bei der Bezifferung des Vermögens ist der Wert von Immobilien. Die Frage ist, was man hier ansetzt (Marktwert, Einheitswert u. a.). Großen Einfluss auf die Vermögensverteilung in Deutschland hat die Anlageform. Die Deutschen investieren ihr Geld am liebsten in Immobilien und Spareinlagen. Damit haben sie sich die hohen Renditen am Aktienmarkt entgehen lassen. 2018 besitzen 10% der Deutschen 55% des Vermögens (Anteil am gesamten Nettovermögen der Privathaushalte; Quelle: Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2019). Das durchschnittlich Vermögen eines Privathaushalts im obersten Zehntel teilt sich wie folgt auf (Angaben in Tausend Euro): Immobilienvermögen 863, Sachvermögen 277, Finanzvermögen 241.  2007 hatten nach einer Studie des DIW in Berlin 10% der Bevölkerung ein Anteil am Gesamtvermögen von 61,1%. 1% Superreiche hatten 23% des Vermögens. Die Vermögensschere öffnet sich weiter. Vor allem Altersarmut ist in Zukunft zu erwarten (vor allem bei Langzeitarbeitslosen). "Besitzender ist jeder, der abends beim Zu-Bett-Gehen etwas für den nächsten Tag übrig behalten hat", Albert Schweitzer. Das Geldvermögen der Deutschen erhöhte sich 2009 um 5,4% auf 4,67 Billionen €. 2011 betrug es 4,715 Billionen € (1,550 Billionen Schulden der privaten HH). In den USA besitzt ein Fünftel der Menschen 84 Prozent des Vermögens. Das Fünftel am unteren Ende muss sich mit 0,1% zufrieden geben. 2013 legt die Deutsche Bundesbank eine Untersuchung über die Vermögensverteilung in Europa vor. Der internationale Vermögensvergleich erbringt 2012 folgende durchschnittliche Vermögen (in Klammern der Median): Spanien 286.000 € (178.000). Der Anteil der Immobilienbesitzer liegt bei 83%.  Italien 164.000 Median des Vermögens. Anteil der Immobilienbesitzer 68%. Frankreich 229.00 € (114.00, Immobilienbesitzeranteil 58%). Österreich 265.00 € (76.000, 48%). Deutschland 195.000 € (Median 51.000, 44%). Diese Untersuchung löst eine Debatte über die Neuverteilung der Lasten bei der Euro-Rettung aus. Grund für die vergleichsweise geringen Vermögen in Deutschland sind die Folgen der beiden Weltkriege, die Teilung des Landes und die geringe Eigenheimquote. Das Vermögen in Deutschland ist auch ungleich zwischen Nord und Süd verteilt. 2014 schlägt die Deutsche Bundesbank im Monatsbericht eine Vermögensabgabe vor. 2014 legt das Deutsche Instiut für Wirtschaftsforschung neue Ergebnisse vor: Ein durchschnittlicher Bundesbürger verfügt über ein Vermögen von 83.000 € (Immobilien, Sparguthaben, Lebensversicherungen, Aktien und Betriebsvermögen). abzüglich von Schulden. Ab 210.000 € gehört man zu den reichsten 10% der Bevölkerung. Mit über 800.000 zu den wohlhabendsten 1% der deutschen Bevölkerung. Damit ist die Ungleichheit der Vermögen in Deutschland erschreckend. Nötig wären Bildungsinvestitionen (Chancengerechtigkeit) und mehr private Vorsorge. Nach dem Allianz Global Wealth Report steigen Reallöhne und Geldvermögen in der Welt weiter an. Es führen die Schweiz, USA und Belgien. In Deutschland liegt das Geldvermögen pro Kopf bei 44.200 € 2012. Nach einer Studie von Oxfam (britische Entwicklungshilfeorganisation) Anfang 2015 werden 2016 1% der Weltbevölkerung ein größeres Vermögen haben als die restlichen 99%. Laut einer Studie des DIW 2015 gehören dem reichsten Prozent in Deutschland 3,5 Billionen Euro (neue Schätzung; alte Schätzung 1,1 Billionen). Die OECD legt 2015 eine Studie über die Verteilung des Vermögens vor. In dem Sozialbericht ist in Deutschland die Vermögensverteilung weitaus ungleicher als in vielen anderen OECD-Ländern. Die reichsten 10 Prozent der Deutschen besitzen 60 Prozent der Nettohaushaltsvermögen. Im OECD-Schnitt liegt diese Quote bei 50 Prozent. Die unteren 60 Prozent kommen in Deutschland auf sechs Prozent des gesamten Haushaltsvermögens.  Das Geldvermögen in Deutschland ist im ersten Quartal 2015 so groß wie nie: 5212 Mrd. €. 2016 wird eine Oxfam-Studie bekannt: 62 Superreiche besitzen mehr als die gesamte Hälfte der Welt (Datengrundlage intransparent). Das Credit Suisse Global Databook 2015 (J. Davies/ R. Lluberas, A. Shorrocks) kommt zu folgendem Ergebnis: 34 Mio. Personen (=0,7% der Weltbevölkerung) besitzen 113 Billionen Dollar (=45% des weltweiten Vermögens). Im Januar 2016 gibt das Arbeitsministerium Daten über die Vermögensverteilung in Deutschland bekannt: Die Ungleichheit hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Die obersten 10% der Haushalte verfügen über 52% des Nettovermögens (vor 10 Jahren 49%). Eine Studie des DIW Berlin 2016 zeigt folgende Ergebnisse: Das durchschnittliche Nettovermögen pro Haushalt ist in Deutschland von 2003 bis 2013 um 15% gesunken. Im gleichen Zeitraum ist das BIP um 10 gestiegen. Die Exporte haben um 45% zugenommen. Die Privathaushalte haben ihr Geldvermögen (5,21 Billionen €) wie aufgeteilt (Quelle: Deutsche Bundesbank): Bargeld und Einlagen (2,05), Versicherungen (incl. Pensionsrückstellungen, Forderungen: 2,00), Wertpapiere (1,16; davon Aktien 0,52). Vom Gesamtvermögen in Deutschland hat ein Zehntel der Bevölkerung 60%. die nächsten vier Zehntel haben 38%; die ärmere Hälfte der Bevölkerung hat 3% (Quelle: Die Zeit 22.09.16, S. 22). Die US-Notenbank hat 2016 ein noch krasseres Kriterium entwickelt: 47 Prozent der US-Bürger haben keine Rücklagen, um eine 400 Dollar-Rechnung für eine unerwartete Autoreparatur zu bezahlen. Das Thema der "Abgehängten" wir immer mehr zum Zentralthema des Wahlkampfes. Die Geldvermögensbestände der privaten Haushalte in Deutschland sind Ende 2016 auf 5,7 Billionen Euro gestiegen (um 230 Mrd. Euro; Quelle: DZ Bank). Um 5,2% stieg 2017 das Geldvermögen der Deutschen (Quelle: DZ Bank). 2018 sinkt das Geldvermögen der Privaten Haushalte erstmals seit drei Jahren (Flaute am Aktienmarkt).

Schichten in Deutschland nach dem realen Vermögen: 1. Bis zu einem Vermögen von 2400€ rechnet man zu den Ärmsten (20% der Bevölkerung). 2. Die Ärmeren haben bis zu 27100€ (auch 20%). 3. Die Mittelschicht. Sie hat bis 111.900€ (auch 20%). 4. Die Wohlhabenden (bis 274.700 €, 20%). 5. Die Reichsten (alles, was darüber ist; wieder 20%). Quelle: Die Zeit 15.02.2018, S. 28. Heute spielt die Schichtenforschung in den Sozialwissenschaften nicht mehr die Rolle wie in den Sechziger und Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Mittelschicht: Zur Mittelschicht (oft auch als Mittelstand bezeichnet, soziologischer Begriff) in Deutschland zählen Menschen mit guter Ausbildung und einer leitenden Stellung im Beruf. Ökonomisch zählen Singles mit einem Nettoeinkommen von 1000 bis 2200 € und alle Familien mit einem Haushaltseinkommen von 2100 bis 4600 zur Mittelschicht. Der Mittelschicht werden typische Werte zugeordnet wie Bejahung der gesellschaftlichen Ordnung, gute Steuermoral, Familienorientierung, Eigenheim. Soziologen sprechen auch von "kulturellem Kapital" (drückt sich in Bildungsabschlüssen aus) Es gibt auch andere Abgrenzungen (kein Konsens!): Ökonomen nehmen das Medianeinkommen. 150 bis 250% des Medianeinkommens gilt als einkommensstarke Mitte, 80 bis 150% ist die Mitte im engeren Sinne, 60 bis 80% ist die einkommensschwache Mitte. Nach dieser Methode gehören in Deutschland 60% zur Mittelschicht. Die Mittelschicht ist immer stark von der Steuerpolitik betroffen, weil Steuererhöhungen hier am meisten bringen. Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte hat zu einer Verteilungskrise geführt. Der Spitzensteuersatz könnte höher sein, auch die Kapitalertragsteuer kann verändert werden (Miet- und Aktieneinnahmen werden niedriger als Arbeit besteuert). Die Erbschaftssteuer kann höher sein (immer bei Ausnahmen für KMU, die weitergeführt werden). Die Mittelschicht profitiert von einem funktionierenden Gemeinwesen (Schulen, Hochschulen u. a. öffentlich). Also muss ein Gleichgewicht von Geben und Nehmen bestehen. Die Oberschicht kann sich durch Privatisierung öffentlicher Leistungen von Leistungsdefiziten der öffentlichen Hand frei machen. Man sollte die Gesellschaft aber grundsätzlich nicht auseinander dividieren lassen. Neuerdings bezieht man das Verhältnis zur Zeit ein: Oberschicht Vergangenheit; Unterschicht Gegenwart; Mittelschicht macht sich Sorgen um die Zukunft, will das Erreichte vermehren. Digitalisierung und Globalisierung bedrohen viele angestammte Jobs. 2016 bringt die Mittelschicht noch 72,8% des Einkommensteueraufkommens und 90% der Sozialversicherungsbeiträge auf (Quelle: IW). Die Mittelschicht ist besonders stark von staatlicher Umverteilung betroffen. Insofern ist sie vor Wahlen immer eine wichtige Zielgruppe. Allerdings würde es sehr teuer, die Mittelschicht zu entlasten (Steuerbelastung senken). Die Digitalisierung könnte die Mittelschicht in der Zukunft drastisch reduzieren. Die Fundamente der Mittelschicht werden bei der Lohnentwicklung, der Vermögensverteilung, durch prekäre Beschäftigung und Altersvorsorge angegriffen. Hohe Steuern, steigende Mieten und sinkende Renten machen Probleme.  In dem Koalitionsvertrag der großen Koalition Ende 2013 sind keine grundsätzlichen Änderungen in der Einkommensteuer vorgesehen ("Kalte Progression"). Die Mittelschicht ist damit weiterhin Lastenesel. Eine Studie des DIW 2016 zeigt: Bezogen auf das Jahr 1983 (62% Mittelschicht) ist die Mittelschicht 2013 geschrumpft (54%). Besonders in der amerikanischen Gesellschaft wird die Kluft zwischen Arm und Reich tiefer. Die Mittelschicht schrumpft. Die Boomregion San Francisco ist Symbol für die neue Spaltung.

Abnahme der Mittelschicht: Früher glich der Aufbau der Gesellschaft einer Zwiebel (wie die Bevölkerung): große Mitte, kleine Zipfel oben und unten. Heute spricht man von einer Birne: Die Mitte wird nach unten verschoben. Gründe sind die Digitalisierung (führt auch zu einer Singularisierung der Gesellschaft), das Hintertreffen ländlicher Regionen gegenüber städtischen, der Wegfall von Routinearbeiten durch Computer, die geringere Zahl von Festanstellungen mit sozialer Absicherung. "Die Digitalisierung wird die Mittelschicht vernichten", Joe Kaeser, CEO von Siemens, 2019.

Eliten: Sie haben Macht, gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen. In Deutschland umfasst die Elite im Kern 1000 Personen, weiter gefasst 4000 Personen. Dazu gehören Konzernmanager, Ministerpräsidenten, Bundesrichter, einige Journalisten, Oberbürgermeister größerer Städte. die Eliten haben kaum noch eine Vorstellung vom Leben der breiten Bevölkerung. Sie leben in einer eigenen Welt. Eine große Rolle spielt der Immobilienmarkt. Auch die Aufstiegsmobilität (soziale Durchlässigkeit) ist dramatisch gesunken. die rechtsradikalen Parteien betreiben ein Elitenbashing und profitieren davon. Vgl. Michael Hartmann, Die Abgehobenen, 2018

Finanz-Eliten: Sie ist in Deutschland besonders ausgeprägt, weil Deutschland keine Aktien-Kultur hat. Bei dem Aktienbesitz gibt es eine extrem hohe Konzentration. Es gibt auch eine globale Finanzelite. Sie bildet einen Art Parallelgesellschaft. Sie ist höchstbezahlt, gesellschaftlich entkoppelt und kosmopolitisch. "Die working rich sind die Hauptgewinner des Aufstiegs eines global agierenden Finanzwesens", Sighard Neckel. Vgl. Ders.: Die Gesellschaft der Nachhaltigkeit, 2018.

Vermögen in den USA: Die Vermögenspreise sind stark gestiegen (Immobilien, Anleihen, Aktien). Sie sind quasi aufgeblasen. Hauptursache ist die stark expansive Geldpolitik. Dieses Vermögen kann mal zum Risiko werden. "Wenn die Vermögenspreise auf ihr historisches Durchschnittsniveau sinken, droht ein Rückgang der Konsumausgaben um 400 Milliarden Dollar", Martin Feldstein, Professor in Harvard, in: Wirtschaftswoche 47/11.11.16, S. 39.

Vermögen weltweit: Im Jahre2017 haben die reichsten 10% der Erde 87,8% des Vermögens. Den ärmsten 50% der Menschheit gehören 0,6% des Vermögens. Den folgenden 40% gehören 11,6% des Vermögens. Quelle: IWF/ Der Spiegel Nr. 19/ 2018, S. 19.

Vermögen je Erwachsener und Medianvermögen: Bei dem Vermögen je Erwachsener führt 2017 die Schweiz vor Australien und der USA, Neuseeland, Norwegen. Beim Medianvermögen liegt die Schweiz vor Australien, Belgien, Neuseeland, Norwegen und Italien. Vgl. Fischer Weltalmanach 2019, S. 22f. Als reichste Menschen der Welt gelten 2017 Bill Gates und Jeff Bezos.

Millionäre und Reichensteuer: In Deutschland gibt es 2010 ca. 810.000 Personen mit investierbarem Vermögen von einer Million Dollar. Größer ist die Zahl in den USA mit 2.460.000 und in Japan mit 1.366.000. China hat schon 364.000 Millionäre. Die USA (11,7%) und Japan (9,0%) haben im Gegensatz zu Deutschland relativ hohe Vermögenssteuern. Sogar der OECD Durchschnittssteuersatz von 5,6% liegt über dem deutschen Satz von 2,3%. Experten fordern 2012 für die EU eine europaweite Vermögensabgabe. Ab einem Nettovermögen von 250.000 Euro sollte eine Abgabe greifen. In Deutschland fordert das DIW 2012 eine Vermögensabgabe für Reiche zur Bewältigung der Schuldenkrise. Sie soll den Charakter einer Zwangsanleihe für Vermögende haben. Da einzelne Bundesländer, vor allem NRW, weiterhin CDs mit Bankdaten aus der Schweiz kaufen, dürfte das geplante Steuerabkommen scheitern. Im November 2016 beschließen die Grünen auf ihrem Parteitag auf das Vermögen der "Superreichen" eine Steuer zu erheben (Vermögensteuer, Thema im Bundestagswahlkampf 2017).  "There is no class so pitiably wretched as that which possesses money and nothing else", Andrew Carnegie (1835-1919), Scottish businessman and philanthropist. Besonders in der amerikanischen Gesellschaft wird die Kluft zwischen Arm und Reich tiefer. Die Mittelschicht schrumpft. Die Boomregion San Francisco ist Symbol für die neue Spaltung.

Superreiche: 2017 war Amazon - Gründer Jeff Bezos, geboren 1964,  der reichste Mann der Welt. Relativ und historisch gesehen besitzt er gar nicht so viel. Der reichste Mann der Geschichte war wahrscheinlich der römische Kaiser Augustus (5% Anteil des Vermögens an der Weltwirtschaftsleistung). Dann folgen Jacob Fugger (1%), Cosimo de´Medici (0,6%), John D. Rockefeller (0,3%) und schließlich Jeff Bezos (0,16%). Quelle: Wirtschaftswoche 11/9.3.2018, S. 12. In Deutschland fehlt es an validen Informationen über die Reichenhaushalte. Bisherige Quellen waren die EVS, die Vermögensanalysen der Deutschen Bundesbank und das SOEP. Neue Projekt sind geplant: "Oversampling" der Deutschen Bundesbank, eigenes Umfrage - Panel der Hochvermögenden.

Ungleichheitseffekt der Informationstechnologie: Die Fortschritte in der Informationstechnologie führen zu immer größeren Ungleichheiten in den Industriegesellschaften (sie ersetzen das Gehirn und machen die Arbeit von vielen Menschen überflüssig). Produktivitätsgewinne verteilen sich immer mehr zu Gunsten der oberen Klassen (in US-Unternehmen ist dieser Effekt am stärksten, weil sie mehr aus der IT-Technologie herausholen). Notwendig wäre ein "Gleichheitsindex" im Steuersystem ("Steigende- Flut-Steuersystem"), der sich der Ungleichheit mit den Steuersätzen anpasst (Robert Shiller, Yale, Irrational Exuberance, Princeton 2000; New Financial Order, Princeton 2003). Shiller fordert  eine Globalisierungsversicherung für jedermann. Er untersucht auch, wann Spekulationsblasen auf Immobilienmärkten platzen ("Historic Turning Points in Real Estate", Working Paper, Juni 2007). In Deutschland arbeiten 2007  61% aller Erwerbstätigen mit dem PC. Als wichtigster Aufsatz des Autors gilt: Do Stock Prices Move Too much to Be Justified by Subsequent Changes in Dividents, in: AER, 1981. R. Shiller hat auch ein Unternehmen gegründet, das erstmals Handel mit ökonomischen Risiken aller Art betreibt (Rezession, fallende Immobilienpreise, Arbeitslosigkeit). Der Name ist Makro Market. Es gibt einen weiteren Faktor, der die Ungleichheit durch Informationstechnologie beeinflusst: menschliche Faulheit.  "Der herrschende Glaube an soziale Gerechtigkeit ist gegenwärtig vielleicht die größte Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Gesellschaft", Friedrich von Hayek, The Mirage of Social Justice. "Ein innovationsgetriebenes Wachstum kann auch Ungleichheit verschlimmern", Christine Lagarde, IWF-Chefin, 2016.

Reichtum durch Innovation: Die wachsende Ungleichheit der Einkommen in den Gesellschaften ist auch eine Folge des Erfindungsreichtums von Unternehmen. Vgl. Aghion, Alcigit, Bergeaud, Blundell, Hemous: Innovation and Top Income Inequality, Harvard 2016. Als Indikator für Innovation nimmt man hier die Patentanmeldungen. Die Daten stammen aus den USA und reichen bis 1975 zurück.

Anywheres and Somewheres: Eine interessante Unterscheidung des britischen Journalisten David Goodheart in seinem Buch "The Road to Somewhere" von 2017. Er unterscheidet zwei gesellschaftliche Gruppen: die "Anywhres", die mobil und zumeist gut gebildet sich dem Wandel anpassen und auf ihm "surfen". Die "Somewheres", die durch regionale und berufliche Verwurzelung sowie im Durchschnitt schlechtere Bildung den Anschluss verpassen oder hinterherhinken. Die "Anywheres" machen maximal ein Drittel der Bevölkerung aus und sind die Gewinner von Globalisierung und Digitalisierung. Die "Somewheres" stellen zwei Drittel und damit die klare Mehrheit, mit der sie auch Wahlen entscheiden.

Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Selbstüberschätzung: Diese Korrelation scheint stark kulturabhängig zu sein. In Ländern mit einer hohen Neigung zur Selbstüberschätzung ist auch die Einkommensungerechtigkeit in der Bevölkerung sehr stark ausgeprägt. Deutschland hat im internationalen Vergleich bei beiden geringere Werte (anders als in Südafrika, Peru oder Venezuela). Vgl. Robert Trivers: Betrug und Selbstbetrug, Berlin 2013. "What you see is what you get" für Deutschland, Trivers (Der Spiegel, 22/ 2013, S. 139).

Zunehmende Ungleichheit in der Welt: Die Ungleichheit in den meisten Ländern der Welt nimmt zu. Immer weniger Menschen haben immer mehr Reichtum (Luxus). Die Mittelschicht wird ausgedünnt und die Zahl der Armen nimmt drastisch zu. Ursachen sind Konstruktionsfehler der Marktwirtschaft, falsche Politik sowie die Globalisierung. In dieser Entwicklung liegen große Risiken. Vgl. Joseph Stiglitz: Der Preis der Ungleichheit. Wie die Spaltung der Gesellschaft unsere Zukunft bedroht, München 2012. Mehr Ungleichheit ist ein langfristiger globaler Trend, unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Systemen bzw. Konjunkturzyklen. Dadurch könnte das Wachstum und die soziale Stabilität bedroht sein. Mittlerweile gehört nach Ansicht des Weltwirtschaftsforums (WEF) die Kluft zwischen Arm und Reich zu den größten Risiken der Weltwirtschaft (neben Ungleichgewichten in den Staatshaushalten). Es folgen der Ausfall des internationalen Finanzsystems und die Trinkwasserknappheit. Hohe Wellen schlägt das Sachbuch des französischen Ökonomen Thomas Piketty. Seine Grundthese lautet: Der Kapitalismus schädigt die Demokratie. Leistung lohnt sich doch nicht. Es gibt eine wachsende Konzentration des Vermögens auf der Welt. Die Gesetzmäßigkeit im Kapitalismus lautet: Rendite aus Vermögen r (Kapitalrendite) ist größer als das reale Wirtschaftswachstum g. Vgl. T. Picketty: Das Kapital im 21. Jahrhundert (Le capital au XXI siecle, Paris, 976 S., 25 €.). Im Einzelnen stellt Piketty folgende Thesen auf: 1. Die Ungleichheit wächst; 2. Die Mehrheit der Bevölkerung kann nicht mehr mithalten; 3. Kapital gewinnt an Gewicht; 4. Das Wachstum wird in den Industrieländern immer schwächer; 5. Die Erbschaftswelle rollt. Die Zuordnung empirischer Belege zu diesen Thesen ist umstritten. Die  Datenreihen sind auch ungenau und lückenhaft (Rechenfehler, Übertragungspannen). Besonders wird kritisiert, dass an vielen Stellen die Steuern ausgeblendet werden. Ein objektives Maß für eine gerechte Verteilung von Vermögen und Einkommen gibt es noch nicht (vgl. die Seite "Casestud", Soziale Gerechtigkeit). Das Buch erzielt in den USA große Aufmerksamkeit, viel mehr als in Frankreich. Zur Ungleichheit erscheint 2014 ein weiteres Buch: Marquart,, Andreas/ Bagus, Philipp: Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden, FBV, 16,99€. Zentrale These des Buches ist, dass gegen Ungleichheit ein anderes Geldsystem helfe. Dem Staat müsse das Geldmonopol entrissen werden. Die Unternehmensberatung Capgemini kommt 2014 in einer Studie zu dem ergebnis, dass die meisten Millionäre in den USA, Japan und Deutschland leben. In Deutschland leben mehr als eine Million Millionäre.  "Macht die Menschen wohlhabend, und unterrichtet sie", Konfuzius. Nach einer Studie von OXFAM Anfang 2015 werden 2016 1% der Weltbevölkerung ein größeres Vermögen haben als die restlichen 99%. "Niemand kann vorhersehen, wie Gesellschaften Ungleichheit bewerten und was sie tun, um sie zu ändern", Thomas Piketty ("Das Kapital im 21. Jahrhundert"). Branko Milanovic, Ungleichheitsforscher der Weltbank, kommt 2016 zu folgenden Ergebnissen (Buch "Global inequality): Die Ärmsten bleiben wo sie sind. Ihre Lage verbessert sich nicht. In einigen Schwellenländern, z. B. in China, entsteht eine neue Mittelklasse mit höherem Einkommen. In den alten Industrienationen stagnieren die Einkommen der Mittelschicht oder sie fallen. Die Superreichen sind die eigentlichen Profiteure der Globalisierung. Sie sind noch reicher geworden (Plutokratie). Die Entwicklungshilfe - NGO Oxfam aus GB legt 2017 eine Studie vor, nach der die acht reichsten Milliardäre der Welt 2016 mehr Vermögen besitzen als die ärmste Hälfte der Erdbevölkerung (426 Mrd. US-$; mehr als 3,6 Mrd. Menschen). Die Daten stammen von Credit Suisse und Forbes. Es gibt eine Menge Kritik von Experten an der Methoden und den Infos. Aber die Grundaussage ist natürlich richtig.

Ungleichheit und Wachstum: Alle Gesellschaften sind ungleich verteilt. Wer kein akkumuliertes Kapital besitzt, ist unzufrieden. Es entsteht Druck auf die Politik, eine Umverteilung einzuleiten. Die Umverteilung wird durch höhere Steuern auf akkumuliertes Kapital finanziert. Höhere Steuern können das Wirtschaftswachstum verlangsamen (Quelle: Alberto Alesina, Dani Rodrik, Distributive Politics and Economic Growth, 1994; vgl. Das Wirtschaftsbuch, München 2013, S. 326, 327). "Je ungleicher der Wohlstand verteilt ist, desto höher sind die Steuern und desto niedriger ist das Wachstum", Alesina/ Rodrik, ebenda. "Die alte Ordnung kann nur überleben, wenn die Lage der unteren Schichten sich verbessert", Graf von Rumford (1753-1814; Sozialreformer, Naturwissenschaftler, Staatsmann, Ernährungsexperte; Gründer des Englischen Gartens in München).

Einfluss der Einkommensungleichheit auf das Bruttoinlandsprodukt: Hat eine hohe bzw. zunehmende Einkommensungleichheit einen positiven oder negativen Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt? Die Empirie ist nicht eindeutig. Besser wäre, man ginge nicht von einem linearen Zusammenhang aus, sondern von einem umgekehrt u-förmigen Verlauf. Vgl. Petersen, Thieß: Einfluss der Einkommensungleichheit auf das Bruttoinlandsprodukt, in: Wirtschaftsdienst 2019/4, S. 267ff.

Abstieg und Abstiegsängste in Deutschland und die Folgen: Im Niedriglohnsektor sind 2016 ca. ein Viertel der Erwerbstätigen beschäftigt (prekär bzw. atypisch beschäftigt). Stark ausgeprägt sind insbesondere Leiharbeit und befristete Arbeit. Am stärksten ist der Dienstleistungsbereich betroffen. Aus dem prekären Sektor wieder herauszukommen ist sehr schwierig beziehungsweise unmöglich. Es ist auch die Altersarmut vorgezeichnet. Vgl. Oliver Nachtwey: Die Abstiegsgesellschaft, 2016. Angehörige der Mittelklasse haben angefangen sich abzugrenzen. Gewechselt werden Kindergärten und Schulen sowie Stadtteile. Bei den Folgen gibt es zwei Erklärungsmuster: Der Aufstieg der Rechtspopulisten zeigt eine kulturelle Spaltung. Die AfD wird von Menschen gewählt, die Erscheinungsformen der modernen Gesellschaft (Gleichstellung von Homosexuellen, Multikulturalismus) ablehnen. Ein weiterer Erklärungsansatz schreibt die Erfolge der AfD wachsenden sozialen Ängsten zu. Diese Ängste haben nicht nur untere Schichten, sondern auch die Mittelschicht. Hier gibt es Angst vor den Folgen der Digitalisierung (Arbeitsplatzangst). Alle Gruppen sorgen sich um die finanzielle Situation im Alter ("Gefühl der sozialen Verunsicherung").

Great Gatsby-Kurve: Sie ist nach dem schwerreichen Mann Jay Gatsby aus F. Scott Fitzgeralds Roman benannt. Die Kurve stammt von dem Ökonomen Miles Corak. Wo Einkommen ungleich verteilt ist, ist die soziale Mobilität gering. Die ökonomische Ungleichheit wird dabei mit dem Gini-Koeffizienten gemessen. Die soziale Mobilität wird operational mit der Einkommenselastizität zwischen den Generationen erfasst. Damit wird angegeben, welcher Teil des Einkommens einer Person durch das Einkommen der Eltern erklärt werden kann. Zunächst handelt es sich um eine Korrelation.

Berechnung des Glücks (vgl. auch oben): Über das Glück hat die Menschheit seit Jahrtausenden nachgedacht, zuerst die Philosophen, dann die Soziologen. Seit einigen Jahren auch die Ökonomen. Mittlerweile gibt es ein Journal of Happiness Studies. Einer der Pioniere der empirischen Glücksforschung ist Ruut Veenhoven von der Universität Rotterdam. Er legte eine Internet-Datenbank an, auf der Ergebnisse der Glücksforschung enthalten sind (World Database of Happiness). Seit einigen Jahren wird in Deutschland jedes Jahr ein Glücksatlas erstellt. 2013 leben die glücklichsten Menschen in Schleswig-Holstein, die unglücklichsten in Brandenburg. Mannheimer Studenten (insbesondere Gina Schöler, gründen 2013 ein "Ministerium für Glück und Wohlbefinden". Das Bruttoinlandsglück soll maximiert werden. Man kann Glück auch im Karton bestellen. Es gibt auch einen "First Aid Happiness Kit". Einladung von Kanzlerin Merkel und Besuch einer Delegation aus Thailand waren die Folge. www.ministeriumfuerglueck.de . Glück rückt deshalb so sehr in den Mittelpunkt, weil andere Wohlstandsindikatoren an Bedeutung verlieren (Wachstum, Handelsbilanzen, Lohnentwicklungen). Nach einer Untersuchung der London School of Economics leben die glücklichsten Menschen in Dänemark. Der Grund liegt auch bei Berücksichtigung soziokultureller Faktoren in den Genen. Es folgen Schweden und die Niederlande. Vielleicht stammt die Idee, Glück zum Maßstab des Regierens zu machen, aus dem Königreich Bhutan. Dort gibt es ein "Gross National Happiness Product". Wenn die Bundesregierung auch nicht nur eine Messung, sondern Lebensqualität als Regierungsziel anstrebt, nähert sich diese Konzeption wieder Paternalismus. "Je gebildeter die Menschen sind und je stärker sie ihr unmittelbares Umfeld frei und eigenständig gestalten können, desto glücklicher sind sie", Bruno Frey, Schweizer Ökonom. Das Earth Institute an der Columbia - University  in New York erstellt für die UNO jährlich einen World Happiness Report. 2015 führt die Schweiz im Glücksindex. Deutschland erreicht einen 26. Rang.  2018 liegt Dänemark an erster Stelle. Deutschland liegt auf Platz 9. "Wenn soziale Institutionen unzureichend sind, kann es sein, dass sie weiter bröckeln, was die Glücksverluste noch größer macht", Uno World Happiness Report 2015 (Glück ökonomisch nicht nur von Arbeitslosigkeit und Rezession beeinflusst!). Laut einer Studie der britischen Statistikbehörde ONS 2015 sind Lebenszufriedenheit und Selbstwertgefühl größer, die Ängstlichkeit dagegen geringer, wenn der Wohlstand eines Haushalts steigt. Den größten Effekt auf die Gemütslage hat das Nettovermögen. 2016 wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Ministerium für Glück eingerichtet. In einigen Schulen in Deutschland wird mittlerweile das Fach "Glück" unterrichtet. Lernziel: wie man vom Erdulder zum Gestalter seines Lebens wird". "Das Recht des Menschen ist´s auf dieser Erden, da er doch nur kurz lebt, glücklich zu sein", Berhold Brecht, deutscher Schriftsteller.

Layard-Glückseffekt (Richard Layard, geb. 1934, LSE, The New Happiness, London 2005): es geht nicht darum, die materielle Versorgung, gemessen durch das BNE, zu maximieren, sondern es soll unmittelbar das Glück (happiness) der in der Gesellschaft lebenden Menschen erhöht werden (These von der Abkopplung des Glücks vom Wohlstand, Happiness Economics). Von einem bestimmten Einkommensniveau an macht ein höherer Wohlstand Menschen nicht glücklicher. Der Soziologe Layard erklärt dies mit Gewöhnung und Rivalität.  "Wir brauchen einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel", R. Layard. Vgl. auch : Glücksforschung bzw. Rätzel, St.: Ökonomie und Glück - zurück zu den Wurzeln, in: Wirtschaftsdienst 2007/5, S. 335ff. oder M. Ricard: Glück, München 2007 (Übersetzer des Dalai Lama). Die Einbeziehung des Glücks hat in England eine lange Tradition, die auf Jeremy Bentham (1748-1832) zurückgeht. Er war Begründer des Utilitarismus, der es als Pflicht der Regierung und des Einzelnen ansah, das Glück in der Gesellschaft zu befördern und den Schmerz einzudämmen.  Zu Beginn der 90er Jahre warnt der französische Soziologe Pierre Bourdieu vor ungezügeltem Kapitalismus und stößt die Glücksforschung an. Der Schweizer Ökonom Bruno S. Frey (laut dem Handelsblatt der forschungsstärkste deutschsprachige Volkswirt) fand heraus, dass direkte Demokratie die Menschen zufriedener macht. Auch nach seinen Forschungsergebnissen steigt Lebenszufriedenheit nicht in ähnlichem Maße wie das Realeinkommen wächst ("Happiness and Economics", Glück: Die Sicht der Ökonomie, 2010") . Mittlerweile wird die Glücksökonomie stark angegriffen: Anspruchsniveau als intervenierende Variable, Schwächen empirischer Forschung. So belegt eine amerikanische Studie 2008 (Stevenson/ Wolfers), dass es sowohl in reichen als auch in armen Ländern eine sehr starke Verbindung zwischen subjektivem Wohlbefinden und Einkommen gibt. Den Glücksgedanken gibt es in der Praxis schon lange: Cross - National - Happiness in Bhutan. In neuerer Zeit war das Easterlin-Paradoxon 1974 ein wichtiger Ausgangspunkt der Glücksforschung: Geld macht zwar glücklich, aber nicht in erster Linie dank der besseren Konsummöglichkeit, sondern weil dadurch der relative Status in der Gesellschaft steigt. Vgl. auch Wilhelm Schmid: www.lebenskunstphilosophie.de . Vgl. auch Makroökonomik (VGR) auf dieser Web-Site. Das Fach "Glück" gibt es auch als Schulfach. Zuerst in Heidelberg. Mittlerweile in 100 Schulen in Deutschland und Österreich. Glück wird als Selbst- und Kulturtechnik gelernt. Es ist auch Fach an den Universitäten Münster und München. Vom 18.11. bis 25.11.2013 ist Glück das Thema der Themenwoche in der ARD.

Gross National Happiness: Ein Konzept für das Sozialprodukt in Bhutan. Es soll aus vier Säulen bestehen: Wirtschaftliches Wohlergehen, Bewahrung einer intakten Umwelt, Respekt vor Kultur und Religion, gute politische Verwaltung. Die Bewertung dieses Systems von Fachleuten schwankt zwischen reiner Öffentlichkeitsarbeit für ein Gewaltregime bis sehr erfolgreich (wenig Emigranten, 97% aller Bhutanesen seien glücklich).

Lebensstandard: Die rein ökonomische Betrachtung von Wohlstand (eine Ebene neben sozial, kulturell, psychologisch u. a.). Schwierig ist beim Preisindex und bei der Inflation die Qualität einzubeziehen: Steigt die Qualität der Produkte stärker als der Preis, verbessert dies den Lebensstandard. Eng mit dem Lebensstandard verbunden ist die Lebensqualität. Sie umfasst aber mehr subjektive Elemente. Es gibt einen Bericht der Bundesregierung zur Lebensqualität in Deutschland. Der ist das Ergebnis einer Bürgerbefragung. Diese soll regelmäßig durchgeführt werden. Die Ergebnisse sind nichts sagend.

Lebensqualität: In Deutschland hängt sie vor allem davon ab, wo man wohnt. Reiche Städte überbieten sich mit günstigen Angeboten für die Bürger. Arme Städte erhöhen die Gebühren. Der Abstand wird größer. Das zeigen einige Indikatoren: Das höchste BIP pro Einwohner hat Ingolstadt in Bayern (130.856 €, 2015). Die höchsten Gewerbssteuereinnahmen pro Kopf hatte Frankfurt (2148 €, 2016). Die höchste Kinderarmut verzeichnet Gelsenkirchen (52%, 2016). Quelle: Der Spiegel, Nr. 4 19.1.2019, S. 61.

Gerechtigkeit: Man unterscheidet Leistungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit und Ergebnisgerechtigkeit. Daneben werden oft noch Familiengerechtigkeit, Generationengerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit genannt. Es ist ein Dauerthema der politischen Diskussion, wenn effiziente Marktergebnisse als ungerecht empfunden werden. Nach Umfragen ist die gefühlte Ungerechtigkeit seit den 80er Jahren stetig gewachsen, seit 2008 sprunghaft. Viele glauben, dass Leistung nicht mehr gerecht gemessen wird. Auch Bildung kann Aufstieg nicht mehr garantieren. Es gibt nicht mehr genug Arbeit für alle, die arbeiten wollen. Der britische Sozialforscher Roger Wilkinson behauptet: Je ungleicher eine Gesellschaft, desto größer ihre sozialen Probleme. Insofern ist der wachsende Abstand zwischen Arm und Reich schlecht für alle (zusammen mit Kate Picket: Gleichheit ist Glück, 2010). Auch ungerechte Arbeitsbedingungen im Ausland werden oft angeprangert. 2011 werden Adidas und Puma der unmenschlichen Arbeit in El Salvador beschuldigt. Die Generationengerechtigkeit ist in Deutschland durch die dramatische demographische Entwicklung gefährdet. Die Menschen leben sehr lange, es gibt zu wenige Kinder. Wächst die Ungleichheit in der Gesellschaft, verliert die Demokratie. Wer Geld hat, kann mehr Einfluss nehmen.  In Potsdam steht die erste deutsche "Gated Community" (geschlossene, bewachte Wohnsiedlung).

Chancengerechtigkeit: In modernen Demokratien wird ihr höchste Priorität eingeräumt. Eine Gesellschaft sollte permanent über die "Verfahrensgerechtigkeit" dabei reden. Am wirkungsvollsten könnte man eingreifen, wenn die Entwicklungschancen sozial benachteiligter Kinder verbessert werden (frühkindliche Förderprogramme, bessere Ausstattung von Grundschulen). Die Bildungsbeteiligung von Kindern aus Nichtakademiker-Haushalten ist besorgniserregend (21% Studium gegenüber 74%, Hochschul-Bildungsreport 2020).   "Jeder Bürger sollte unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Rasse oder ethnischen Abstammung die Chance haben, ein erfülltes Leben zu führen", John Kenneth Galbraith, Die solidarische Gesellschaft. "Weil die Lebensperspektiven eines amerikanischen Kindes in höherem Maße vom Einkommen und von der Bildung der Eltern abhängig sind als in anderen Industrieländern, weisen die USA mittlerweile die geringste Chancengleichheit unter allen Industrieländern aus", Joseph E. Stiglitz, Columbia University (Handelsblatt, Nr. 247, 23.12.2014, S. 4). Die soziale Herkunft ist auch 2016 noch ein Risikofaktor. Leistungsschwache Schüler kommen oft aus armen Haushalten (Ergebnis der Pisa-Studie; Leiter der OECD-Abteilung Schleicher). Eine Bertelsmann-Studie kommt 2017 zu dem Ergebnis, dass Kinder von Migranten öfter ohne Abschluss bleiben.

Verteilungsgerechtigkeit, Politik für: Ansatzpunkte: 1. Steuerpolitik. 2. Vollversicherung in der Pflege/ Bürgerversicherung. 3. Qualifizierung der Arbeit/ Weiterbildung in allen Lebensphasen. 4. Reform der Bildung und Schulen, um Chancengleichheit zu gewährleisten.

Nullzinspolitik und soziale Gerechtigkeit - Spaltung durch Wohnen: Die Nullzinspolitik der EZB (Draghi) ist extrem unsozial. Geringverdiener haben kaum noch eine Möglichkeit, ihren Lebensstandard zu sichern. Damit können sie auch keine Rücklagen fürs Alter bilden, um die Rente aufzubessern. Die Politik mag den Regierungen in Griechenland, Italien oder Spanien helfen, aber sicher nicht den Menschen. Sie werden kalt enteignet wie alle Sparer in der EU. Weniger betroffen sind Gutverdiener und die Reichen. Sie investieren in Immobilien, Aktien oder legen ihr Geld im Ausland an. Hohe Mieten und niedrige Bauzinsen verschärfen die Ungleichheit in Deutschland. Besonders Arme leiden unter den steigenden Kosten. 648 Milliarden Euro haben deutsche Sparer durch die Niedrigzinsen über zehn Jahre eingebüßt. Als Schuldner haben die Privathaushalte nur 290 Milliarden Euro an zinsen gespart. Unter dem Strich bleiben so 358 Milliarden Euro Nettoverlust. Quelle: Auswertung der DZ Bank 2019.

Philosophische Grundlagen: John Rawls (Theory of Justice, 1921 bis 2002): Nicht alle sind gleich, also sollen auch nicht alle gleich behandelt werden. Im Zweifel sollen die Schwächsten bevorzugt werden. "Jeder Mensch besitzt eine aus der Gerechtigkeit entspringende Unverletzlichkeit, die aus dem Namen des Wohls der ganzen Gesellschaft nicht aufgehoben werden kann. Daher lässt es die Gerechtigkeit nicht zu, dass der Verlust der Freiheit bei einigen durch ein größeres Wohl für andere wettgemacht wird", John Rawls. Alle großen Ökonomen haben sich mit der Frage der ökonomischen Gerechtigkeit beschäftigt. Schon der Begründer der Ökonomie Adam Smith ging darauf ein. Er definierte eine Art Minimum - Gerechtigkeit (vom Ertrag der Arbeit leben können). Gustav von Schmoller (1838-1917) wies auf das selbständige Denken und Handeln der Menschen ("Selbsthilfe") hin. Ludwig Ehrhard, der Begründer der sozialen Marktwirtschaft (1897-1977), wollte den Kampf um Distribution vermeiden (also Umverteilung), damit das Wachstum des BIP im Mittelpunkt steht. Als einer der ersten großen Denker machte Aristoteles (384-322 v. Chr.) die Gerechtigkeit zum Thema. Er glaubt nicht, dass Gerechtigkeit neutral sein kann. Sie ist einmal teleologisch (man muss Zweck und Ziel der Natur kennen) und hat zum anderen mit Ehre zu tun. Die Menschen sollen das bekommen, was sie verdienen. Vgl. zum Thema Gerechtigkeit auch Michael J Sandel: Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun, Berlin 2013 (Originalausgabe mit dem Titel "Justice", New York 2009). Er beschreibt auch die vier grundlegenden Theorien der Verteilungsgerechtigkeit: 1. Feudal- und Kastensystem. 2. Libertarianisch: freier Markt mit formaler Chancengleichheit. 3. Meritokratie: freier Markt mit fairer Chancengleichheit. 4. Egalitär: Rawls´Unterschiedsprinzip.

Ökonomie des Teilens (teilen statt haben, nutzen statt besitzen; teile und leide): Eigentlich nur deutsche Übersetzung des vorherigen Abschnitts. Aber es soll auf einige Spezialaspekte eingegangen werden. Die Hoffnungen dieser Ökonomie sind damit verbunden, bestehende Kapazitäten besser auszunutzen (Autos, Wohnungen, Werkzeuge, Haushaltsgeräte) und entsprechend Ressourcen schonend zu wirken (Fixkosten können umgelegt werden bei geringen variablen Kosten; im Extremfall Grenzkosten gleich Null). Die Konzeption insgesamt umfasst Reparieren statt Verwenden, Leihen, Tauschen statt Teilen, Tauschringe, Verschenken. Die Organisation der Transaktionen erfolgt mittels Informationstechnologie (Plattformunternehmer). Investoren können Organisationsrenten nutzen (allokative und distributive Eigentumswirkungen werden vernachlässigt). Stark diskutiert wird die Frage, ob hinter dem Modell mehr Markt oder mehr Gemeinschaft (z. B. Genossenschaft) steckt. Geteilt werden kann auch zwischen Unternehmen, nicht nur zwischen Privatpersonen. Offen ist noch, wann eine Regulierung notwendig ist. Das Teilen kann kostenlos oder kostenpflichtig sein (dann ist noch mieten möglich). Interessant ist, welche Motive und Struktur die Nachfrager haben (grün?, urban?). Gesamtwirtschaftlich erhoffen sich Viele, dass so das Wachstumsparadigma gerettet werden kann.  Vgl. Ökonomie des Teilens - nachhaltig und innovativ?, in: Wirtschaftsdienst 2015/ 2, S. 87ff. Einige Formen der Sharing Economy täuschen auch einen Mythos vor: Uber (Taxivermittlung) und Airbnb (Vermietung) und einige andere bekannte Firmen sind keine IT-Firmen. Sie stützen nur  ihr Kerngeschäft über Web und App (Plattformunternehmer; hohe Provision für die Vermittlung, keine Verantwortung). In gewisser Weise ist das eine spezielle neue Form der Sharing Economy. Bei der Vermietung unterlaufen professionelle Vermieter das Modell, indem sie reihenweise Wohnungen aufkaufen. Uber bekämpft im Grunde genommen regionale Monopolisten. Also liegt das Gegenteil von dem vor, was das Marketing suggeriert. Die "Old Economy" kehrt in anderem Gewand zurück (Hartmut Wies: Uber, Airbnb & Co als New Economy, in: com!professional, 3/ 2015, S. 12). Die Netzriesen drohen die Spielregeln der Sharing-Economy zu bestimmen, weil sich Netzgemeinde, Ökologiebewegung und andere damit zurückhalten. Vgl. als grundlegende Literatur: Botsman, R./ Rochers, R., What´s mine is yours: the rise of Collaborative Consumption, New York (2010, London 2011; sie sprechen von vier Gebieten: kollaborativer Konsum, kollaborative Finanzwirtschaft, kollaborative Produktion, kollaborative Bildung); Gansky, L. The Mesh, New York 2010.   "Auch in der digitalen Welt wollen Menschen Geld verdienen", Margarethe Vestager, Dänemark, EU-Wettbewerbskommissarin. Vgl. Quishare.de ; lets-share.de ; tauschring.de .  Teilen wird auch zur Lösung von Verteilungskonflikten eine immer größere Rolle spielen. Konflikte zwischen ärmeren Nachbarn und Flüchtlingen, Konflikte zwischen prekär Beschäftigten und Normalbeschäftigten, Konflikte zwischen reicheren europäischen Ländern und ärmeren müssen gelöst werden.

Das neue Wohlstandsparadox und seine Lösung: Erstmals in der neueren Geschichte wächst die Weltwirtschaft und nur wenige profitieren davon. Das digitale Zeitalter liefert unbegrenzte Möglichkeiten für Innovation. Die Unternehmensgewinne explodieren. Andererseits nimmt der Lebensstandard für viele ab. Doch es gibt einen möglichen Fahrplan für Wohlstand: Instrumente wie Handy und Internet, dauerhafte Identität, demokratisiertes Unternehmertum, dezentrales Eigentum und dezentrale Investitionen. Vgl. Don Tapscott/ Alex Tapscott: Blockchain Revolution, Kulmbach 2016, S. 233ff.

Sozio-oekonomische Panel (SOEP): Ist die ergiebigste Datenquelle zur sozialen und ökonomischen Lage deutscher Haushalte. Es handelt sich um ein Umfrage - Panel (Längsschnittstudie). In der Stichprobe sind 11.000 Haushalte mit mehr als 240 Fragen. Es ist die älteste (seit 1984) und größte (30.000 Befragte) Haushaltsumfrage in Deutschland. Die Daten können von allen Wissenschaftlern genutzt werden (Datenweitergabevertrag, Schulung). 2016 werden auch die Flüchtlinge einbezogen (zusammen mit IAB und BAMF).

Globale Elite: Dahinter steckt die Vorstellung, dass die Welt von einer kleinen, sehr reichen, sehr mächtigen international denkenden Gruppe beherrscht wird. Die These ist auch empirisch untersucht worden und kann nicht bestätigt werden. Mehr als Neunzig Prozent der Superreichen leben in dem Land, in dem sie geboren wurden. Sie unterscheiden sich nach Ländern vor allem durch ihre Hobbys. Vgl. Michael Hartmann: Die globale Wirtschaftselite, 2016. Die Mittelschicht ist heute mehr global als die Elite. Als wichtigstes Verteilungsinstrument sieht der Autor die Steuerpolitik.

Arbeitsproduktivität und Wohlstand: Die Arbeitsproduktivität sinkt in Deutschland langfristig. 1971 lag sie noch bei +5,1%. Nach der letzten Weltwirtschaftskrise 2017 brach sie ein (-2,6%). 2017 lag sie unter 2%. Das kann sehr gefährlich sein, weil die Arbeitsproduktivität als eine wichtige Quelle unseres Wohlstands gilt. Es gibt jedoch eine Reihe von Gründen für diese Entwicklung: 1. Innovationschwäche (es wird nur auf gleichem Niveau ersetzt: Kohle-Energie auf Wind, Benzinantrieb auf Elektromotor; vgl. Robert J. Gordon). 2. Billige Arbeitskräfte (Investieren in billige Arbeit statt Maschinen). 3. Ungenaue Statistik (Produkte ohne Preis, manche Güter zu hoch bewertet). 4. Mehr Dienstleistungen. 5. Demographischer Wandel. 6. Zersplitterter Mittelstand (höher qualifizierte Mitarbeiter werden nicht ersetzt, arbeitsintensive Produktion). 7. Niedrige Zinsen. Vgl. Knuth/ Reiermann: Der Fortschritt ist eine Schnecke, in: Der Spiegel 12/2018, S. 78-80.

Inklusives Wachstum (Inclusive Growth): Wachstum, das möglichst viele gesellschaftlichen Gruppen einschließt. Dazu muss der Lebensstandard unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen gemessen werden. Die OECD versucht das. Es besteht eine Gefahr dieses Konzeptes darin, dass die Politik nach eigenem Gusto interpretiert. Aus internationalen Durchschnittswerten werden Empfehlungen gegeben. Es besteht noch ein Theoriedefizit. 

Demographie (Quantität der Arbeit; Angebot an Arbeit; Bevölkerungsentwicklung, Folgen des demographischen Wandels, Erwerbspersonen, alternde Bevölkerung, Migration, Flüchtlingskrise; Migrantenökonomik)

Bevölkerungsentwicklung global: Bei der globalen Bevölkerungsentwicklung sind vier Komponenten wichtig: Die regionale Verteilung, die Fertilität, die Sterberate und die Alterung. Im Jahre 2014 leben 7,2 Mrd. Menschen auf der Erde (genau 7 284 283 000 zum Jahreswechsel 2015; Stiftung Weltbevölkerung). Mitte 2015 sind es 7,328 Mrd. (die Geburtenrate ist auf 2,5 gesunken; Quelle: Stiftung Weltbevölkerung). Ende 2016 (zum Jahreswechsel zu 2017) leben 7,47 Mrd. Menschen auf der Erde. Die Weltbevölkerung wächst jährlich ca. in Höhe der deutschen Bevölkerung, d. h. um 82 Millionen (2017 ist sie schon um 83 Mio. Menschen gewachsen). Die meisten Menschen leben in Asien, vor Afrika, Europa, Nordamerika, Südamerika und Australien. In Afrika werden 2040 doppelt so viele Menschen leben wie 2016. Gegenwärtig gilt noch das Konzept "mehr Menschen, mehr Konsum, mehr Markt, mehr Wachstum". Gleichberechtigung, Bildung, wirtschaftliche Unabhängigkeit führen dazu, dass moderne Frauen weniger Kinder wollen. Also könnte die Zahl der Menschen langfristig wieder zurückgehen. Weniger Menschen brauchen weniger Ressourcen. Vgl. Die Zeit, Nr. 7, 6. Februar 2014, S. 33ff. Nach einer Studie der indischen Regierung wird die Geburtenrate in Indien bald von 2,3 auf 2,1 Kinder zurückgehen. Dann würde die Bevölkerung Indiens mit 1,25 Milliarden Menschen nicht mehr weiter wachsen. Weltweit gilt folgende Faustformel: Wer ungebildet ist und in Armut aufwächst, hat mehr Nachwuchs. Insgesamt wächst die Weltbevölkerung 2015 wieder stärker als ursprünglich prognostiziert. So könnten 2050 schon fast 10 Mrd. Menschen auf der Erde leben (Zuwachs vor allem in Entwicklungsländern; Stiftung Weltbevölkerung). 2100 könnten in Afrika viermal so viele Menschen leben wie heute. Das schränkt die Entwicklungsmöglichkeiten und die Armutsbekämpfung erheblich ein. In der EU gibt es 2015 erstmals mehr Todesfälle als Geburten. Trotzdem wuchs die Bevölkerung nach Schätzungen von Eurostat um knapp 0,4% auf über 510 Mio. Menschen (Einwanderung). Rückläufige Fertilitätsraten und steigende Lebenserwartung führen global zu einer Alterung der Bevölkerung: Statistisch sieht man dies am besten am Medianalter (jüngere und ältere Hälfte). 2015 lag dieses Alter bei 30 Jahren. 2050 wird es bei 36 Jahren liegen und 2100 bei 42 Jahren (UN-Vorhersage). Die UN hat Millenniums-Entwicklungsziele aufgestellt. Dazu gehören die Müttersterblichkeitsrate und die Kindersterblichkeitsrate. Beide sollten gesenkt werden. Nach den jüngsten Vorausberechnungen von 2017 der UN wird bis 2100 die Weltbevölkerung vermutlich auf 11,2 Mrd. anwachsen (doppelt so viele wie im Jahre 1990). Die Anzahl der Senioren dürfte von heute 1 Mrd. auf 3,1 Mrd. anwachsen (viele in China). Indien wird 2014 spätestens an China als bevölkerungsreichstes Land vorbeiziehen. Bis 2050 wird Nigeria die USA als drittgrößte Nation ablösen. Die Geburtenrate soll bis 2100 auf nur noch 2,0 Kinder pro Frau sinken. Die Bevölkerung der EU ist durch Zuwanderung auf fast 512 Mio. Menschen angewachsen (Stichtag 1. Januar 2017; Quelle: Eurostat). Bis 2050 wird die Bevölkerungszahl von derzeit (2019) rund 7,7 Milliarden Menschen auf 9,7 Milliarden Menschen und 2100 10,9 Milliarden Menschen ansteigen. Quelle: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung auf Basis von UN-Projektionen. 2018 überholt Afrika Asien bei der Bevölkerungsdichte. Die Fertilität ist weiterhin sehr hoch. (Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung).

Weltbevölkerung in der Zukunft: Im Jahre 2100 wird die Erde voraussichtlich 11,2 Mrd. Menschen haben (andere Prognosen gehen von 10,9 Mrd. aus). Die jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung wird dann auf 0,1% gesunken sein (wirtschaftlicher Fortschritt, halbierte Geburtenrate). Die höchste Bevölkerung wird noch Asien haben (jeweils in Mio. 4780). Dann kommt Afrika (4468). Es folgen Lateinamerika (712), Europa (653), Nordamerika (499) und Ozeanien (72). Die Wachstumsrate der Weltbevölkerung war 1962 am höchsten (2,1%). Um 1800 betrug die Weltbevölkerung noch 0,8 Mrd. Ab 1920 kam es zu einer Explosion der Weltbevölkerung. Die Geburtenrate stieg an, die Kindersterblichkeit sank (von 43,3% 1800 auf 3,9% 2017). Quelle: OurWorldinData.org.UN. Viel hängt in der Prognose von den Ländern Afrikas südlich der Sahara ab. Mit 4,7 Kindern bringen Frauen dort doppelt so viel Nachwuchs zur Welt wie in anderen Regionen. Investitionen in Bildung könnten dort das Bevölkerungswachstum verlangsamen.  533.000 Menschen waren 2019 über 100 Jahre alt, so viel wie nie vorher. Die älteste Person der Welt war Mitte 2019 die 116-jährige Japanerin Kane Tanaka. Tansanias Präsident John Magufuli, genannt der Bulldozer, plädiert dafür, dass die Frauen des Landes mehr Kinder bekommen sollen. Dadurch will er den Wohlstand vergrößern. Als Vorbilder nennt er China und Indien: "Befreit eure Eierstöcke", Magufuli.

Geburtenrate: Sie ist regional und international sehr unterschiedlich. In Deutschland liegt sie bei ca. 1,4. Hoch ist sie in Europa in Frankreich (nicht mehr 2017). In Deutschland haben Religion (Katholisch) und Region (Ländlich) einen stark positiven Einfluss. Die Todesfälle bei unter Fünfjährigen (Kindersterblichkeit nach Definition der Unicef)  ist von 1990 bis heute (2016) von 12,6 Millionen auf 5,6 Mio. zurückgegangen (Quelle: Weltkinderhilfswerk der UN Unicef). 15.000 Kinder sterben aber weltweit immer noch täglich durch vermeidbare Krankheiten, schmutziges Wasser und schlechte Hygiene. Später wird diese Definition der Kindersterblichkeit von der Unicef auf die Spanne von Geburt bis einen Monat geändert. 2,6 Mio. Kinder starben danach 2017. Eine Million davon sterben schon am ersten Tag. 80 Prozent der Todesfälle sind auf mangelnde Behandlung nach einer Frühgeburt, Komplikationen bei der Geburt oder Infektionen zurückzuführen. Die besten Überlebenschancen haben Babys in Japan, Island und Singapur. Die schlechtesten Chancen bestehen in Pakistan, der Zentralafrikanischen Republik und Afghanistan. Die geringste Geburtenrate in der EU hat 2017 Spanien (1,31 Geburtenziffer pro Frau; Deutschland 1,57; Quelle: Destatis 2018). Ungarns Ministerpräsident will 2019 mit Steuernachlässen und Krediten für Mütter die Geburtenrate erhöhen.

Demographie: Wissenschaft, die die Bevölkerung analysiert. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt "Bevölkerungsbeschreibung". Es geht um die Größe, die Zusammensetzung, die Struktur und die zukünftige Entwicklung der Bevölkerung. Die Eckpunkte sind in fast allen Ländern gleich: Die Bevölkerung wird älter. Der Sozialstaat ist mehr gefordert. In der Zukunft verschärft sich das Problem. Die Bevölkerungsstruktur ändert sich (z. B. viele Zuwanderer). Die Entwicklung betrifft alle europäischen Länder (die Bevölkerung schwindet und wird älter). Der Hauptteil des jährlichen Bevölkerungszuwachses findet in Asien und Afrika statt (78 Mio. Menschen von ca. 80). Vgl. Bräuninger, M./ Teuber, M.-O.: Bevölkerungsprognosen und ihre Interpretation, in: Wirtschaftsdienst 2016/ 6, s. 44ff.

Demografischer Wandel: Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftswachstum über die Altersgruppen, die am Arbeitsprozess beteiligt sind. Außerdem ist die Frage wichtig, wie bildungsbereit die Jungen und wie weiterbildungsbereit die Alten sind. Weil die europäischen Gesellschaften in allen 25 Mitgliedsstaaten der EU strukturell immer älter werden, müssen wir uns auf ein Sinken des Wirtschaftswachstums einstellen (soziale und wirtschaftliche Probleme). Die sozialen Gegensätze werden sich zuspitzen. Die arbeitende Bevölkerung in Deutschland wird ohne Zuwanderung bis 2020 um 7% zurückgehen. Im Jahre 2010 ist schon jeder fünfte Deutsche im Rentenalter. Im Jahre 2060 wird es fast ein Fünftel weniger Deutsche geben. 14% werden dann über 80 Jahre sein. Bis 2030 schrumpft die deutsche Bevölkerung um drei Millionen, die Weltbevölkerung soll um 40% steigen. Die Schülerzahl wird dramatisch sinken: bis 2025 um 18,9%. Die Zuwanderung ist schwierig einzuschätzen: weltweit gibt es 200 Mio. Migranten. Ab 2015 schrumpft die Bevölkerung in der EU insgesamt. Bis 2060 soll die Erwerbstätigenzahl um 19 Millionen sinken (2015: 43 Mio., 2020: 41, 2025: 38). Weltweit sinkt die Fertilität in den Industrieländern, in denen heute bereits 22% der Menschen älter als 60 Jahre sind. Der Alterungseffekt ist mit zeitlicher Verzögerung auch in den Entwicklungsländern zu beobachten. Hinzu kommt der Trend zur Urbanisierung der Weltbevölkerung. Seit dem Jahr 2008 leben erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Insgesamt leben 2011 6.973.762.000 Menschen auf der Erde. Die Weltbevölkerung wächst jährlich um die deutsche Größe (80 Mio.). In den kommenden 40 Jahren wächst sie wahrscheinlich auf 8 Mrd. an, wobei das Wachstum fast ausschließlich in den Entwicklungsländern ist. In Deutschland zeigt der Prognos - Zukunftsatlas, dass  in der Mehrzahl der Städte und Kreis die Einwohnerzahl schrumpft. Die Bundesregierung setzt 2012 einen Demographiegipfel ein. Erste Ergebnisse sollen im Mai 2013 vorliegen. Der zweite Demographiegipfel findet dann auch im Mai 2013 statt. Es geht um verwaiste Dörfer, überlastete Sozialsysteme, fehlende Fachkräfte. Befriedigende Lösungswege werden noch nicht gefunden. Deutschland hat mittlerweile die zweitälteste Bevölkerung der Welt. Nur in Japan ist die Bevölkerung noch älter. Jeder fünfte Deutsche ist über 65 Jahre. Nur jeder siebte Deutsche ist unter 15 Jahren (Zahlen des StBA von 2010). Im letzten Jahr 2012 ist die Bevölkerung aber noch mal gestiegen. Von 81,8 Mio. zu Beginn des Jahres auf 82 Mio. Ende des Jahres (Statistisches Bundesamt). Ursache ist die hohe Zahl von Zuwanderern. Die Geburtenrate stieg 2015 von 8,24 auf 8,6 Kinder je 1000 Einwohner (in Japan sank sie von 8,34 auf 8,0; niedrigste Geburtenrate der Welt). 2013 gibt das Statistische Bundesamt bekannt, dass nicht einmal mehr die Hälfte der Einwohner Deutschlands in einer Familie (Eltern und Kinder zusammen) lebt. Am höchsten ist der Anteil von Familien in Bayern und Baden-Württemberg. 2014 ist die deutsche Bevölkerung so stark gewachsen wie seit 22 Jahren nicht mehr. Grund sind die hohe Zahl von Flüchtlingen (81,2 Mio. Menschen, +430.000). Ende 2015 gibt es sogar 81,9 Mio. Menschen in Deutschland (Rekord-Zuwanderung). Drei demographische Faktoren beeinflussen auch entscheidend  die künftige Haushaltssituation und Staatsverschuldung: Die Entwicklung der Geburtenrate, die Erwerbsquote, insbesondere die von Frauen, und die Entwicklung der Sozialsysteme. Ende 2017 erreicht die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer einen neuen Höchststand (10,6 Mio.; mehr als jeder Zehnte; die höchste Nettozuwanderung gab es aus Polen, Rumänien und Bulgarien).  "Je mehr Menschen, desto mehr wächst die Kraft, Forderungen an die Schatzkammer der Natur zu stellen", Henry Ch. Carey, Ökonom aus den USA. 2010 waren 50,5% der deutschen Bevölkerung Kinder, Rentner, Arbeitslose, Nichterwerbspersonen. In Rheinland-Pfalz werden nach der "mittleren Variante" des Statistischen Landesamtes 2030 noch 3,77 Mio. Menschen (-5,8%, Zahl von 1990) leben. Bis 2060 könnte die Bevölkerungszahl um 20% auf 3,19 Mio. Menschen sinken (Wert von 1952). Nur noch 70% aller Paare waren 2014 verheiratet. Die traditionellen Familienformen verlieren weiter an Boden (Statistisches Bundesamt). Die Anzahl der Geburten ist 2013 wieder leicht angestiegen (+1,3%). Das durchschnittliche Alter der Mutter beim ersten Kind beträgt 29 Jahre (steigt an; StBA). 2015 beträgt das Durchschnittsalter in Deutschland 46 Jahre. Damit sind wir nach Japan das zweitälteste Land der Welt. 2015 ist die Geburtenrate in Deutschland erstmals seit 33 Jahren auf den Durchschnittswert von 1,5 Kinder gestiegen, Bei deutschen Frauen nahm die Geburtenrate allerdings nur geringfügig zu (von 1,42 auf 1,43). Bei den Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit stieg sie dagegen von 1,86 auf 1,95 Kinder. Der EU-Durchschnitt lag 2015 bei 1,58 Kindern je Frau (in Frankreich 1,96). Zum Jahresende 2016 lebten erstmals mehr als 10 Millionen Ausländer in Deutschland (11,2%). Ende 2017 lebten 82,8 Mio. Menschen in Deutschland (Bevölkerungszuwachs von 450.000 Menschen).

Sozio - demographischer Wandel: Zur Demographie hinzu kommen Heterogenisierung, Tertiarisierung, Globalisierung und Digitalisierung.

Volkszählung und Zensus (als statistische Grundlage): Die letzte Volkszählung wurde in den alten Bundesländern 1987 und in den neuen Bundesländern (damals noch DDR) 1981 durchgeführt. Der bundesweite Zensus fand 2011 statt. Stichtag war der 9. Mai 2011. Es handelte sich nicht mehr um eine Vollerhebung, sondern nur noch jeder 10. Haushalt wurde befragt (Stichprobe). Es war ein registergestütztes Verfahren. Meldedaten über Einwohnerzahlen müssen daraufhin nach unter korrigiert werden. Deutschland hat nur noch 80,2 Millionen Einwohner (1,5 Mio. weniger als angenommen). Die Zahl der Ausländer muss auch nach unten korrigiert werden. Der Zensus hat insbesondere Einfluss auf den Finanzausgleich. Er wirkt sich im Rechensystem des Finanzausgleichs sowohl auf die Pro-Kopf-Finanzkraft der einzelnen Bundesländer als auch auf deren Pro-Kopf-Finanzbedarf aus. Die Größe der Gemeindeparlamente und die Bezahlung der Bürgermeister sind ebenfalls von der Einwohnerzahl abhängig. Vor allem in kleineren Gemeinden führt die Volkszählung zu drastischen Korrekturen. Deshalb gibt es massenweise Widerspruch (mehr als 800 Kommunen). Bei der Volkszählung 1987 gab es erhebliche Widerstände in der Bevölkerung. Heute geben die Menschen in den Sozialen Netzwerken freiwillig wesentlich mehr Informationen als die Amtliche Statistik je benötigt hat. Dies zeigt eine Art Kulturrevolution. Durch Zuwanderung wird sich in den nächsten Jahren die Zahl der Deutschen wieder stark nach oben entwickeln (Flüchtlinge). Experten erwarten, dass 2050  93 Mio. Menschen in Deutschland leben könnten. In den vergangenen Jahren kamen die meisten Zuwanderer aus Zentral- und Osteuropa sowie dem Westbalkan. 2015 und 2016 kommen die Menschen aus den Krisenländern Syrien, Irak und Afghanistan. Mittel- und längerfristig wird jedoch die große Welle aus Afrika kommen. Durch die Einwanderung lebten Ende 2015 in Deutschland 82,2 Mio. Menschen. Damit leben 16,1% der EU-Bürger in Deutschland. In Deutschland steigt die Geburtenrate wieder an. Nach Angaben des BiB ist sie nach 35 Jahren erstmals gestiegen auf 1,56 (sie soll sogar wieder auf 1,6 ansteigen). Dieses Ziel wird 2016 fast erreicht (1,59 pro Frau). Ursachen sind die Migration und die Geburten von Frauen zwischen 30 und 37 Jahren. Ende 2017 lebten in Deutschland 82,8 Mio. Menschen (+0,3% gegenüber dem Vorjahr, -405.000 durch Abwanderung). Die Klage gegen die Volkszählung 2011 scheitert 2018 endgültig vor dem Verfassungsgericht. Die Zählung hatte Mängel, war aber verfassungsgemäß. 2030 wird der Höhepunkt des Bevölkerungsproblems in Deutschland erreicht: Dann wird der Jahrgang, der sich aus der Arbeit verabschiedet doppelt so groß sein wie jener, der von unten ins Erwerbsleben hineinwächst. 2021 findet in Deutschland die nächste Volkszählung statt. Halb analog, halb digital. Man will auch zu besseren Registern kommen. Das Bundesverfassungsgericht verlangt eine Vergrößerung der Stichprobe. Die Prognose der Kosten liegt Ende Februar 2019 bei 1 Mrd. €. Ende 2018 liegt die Bevölkerungszahl für Deutschland erstmals über 83 Millionen. Dies sind 277.000 Menschen oder 0,3%  mehr als Ende 2017. Der Anstieg ist durch Zuwanderung zu erklären. Die Anzahl der Sterbefälle habe die Anzahl der Geburten überstiegen. Der Ausländeranteil erhöhte sich von 11,7% im Jahr 2017 auf 12,2%. Zuletzt lebten 72,9 Millionen deutsche und 10,1 Millionen ausländische Staatsbürger in der Bundesrepublik. Quelle: Statistisches Bundesamt.

Unterschiede in der Bevölkerung nach Ost- und Westdeutschland: 2013 war die Bevölkerung in den neuen Ländern älter, d. h. 63% waren über 40 Jahre alt. In den alten Ländern waren es 57%. Im Osten gab es mehr außereheliche Geburten (64% in Sachsen-Anhalt, 24% in Baden-Württemberg). Im Westen sind die Menschen mehr in Vereinen und Bürgerinitiativen. Das Ehrenamt ist auch wesentlich stärker ausgeprägt. Der Anteil der Menschen mit Migrations - Hintergrund ist am höchsten in Hessen und Baden-Württemberg und Berlin (über 25%). In den neuen Bundesländern leben wesentlich mehr Singles (allein lebende Personen an der Bevölkerung in Privathaushalten) als in den alten (Ausnahmen sind die Stadtstaaten). Die meisten Start-ups gibt es in Bayern, NRW und Berlin (Deutscher Start-up-Monitor). 2016 zeigt eine Studie (Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, 2008-2013), dass die Abwanderung aus Ostdeutschland gestoppt ist. Im Osten wachsen allerdings nur bestimmte Zentren: Leipzig, Jena, Erfurt, Potsdam, Dresden. Mittel- bis längerfristig dürfte Ostdeutschland interessant für zuwandernde Menschen sein.

Schrumpfende Regionen (ländlicher Raum): Sie sind Folge der Polarisierung der Bevölkerung in Deutschland. Städte wachsen, die Bevölkerung in ländlichen Regionen nimmt ab (überproportional), extrem in Ostdeutschland. Dies wird erhebliche Probleme für die Kommunalfinanzen und die Lebensverhältnisse mit sich bringen. Immer wichtiger wird eine vernünftige Regionalpolitik. Von der Bevölkerungsentwicklung werden die Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland sehr unterschiedlich getroffen. Bis 2025 werden die Regionen Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern mehr als 10 Prozent schrumpfen. Stark wachsen wird die Bevölkerung nahe München, in Hamburg und Berlin (mehr als +10%). s. FAZ, Montag 05.11.12, S. 5. Die abgelegnen Landstriche werden vernachlässigt. Dort ballen sich neuerdings die Rechte zusammen und fordern die etablierten Parteien heraus (ein typisches Merkmal solcher Regionen, die es auch in Österreich, Großbritannien und Frankreich gibt, ist der Männerüberschuss). Die Tendenz ist generell: Die Großstädte wachsen, das Land entleert sich.  Man versucht mit Förderpolitik dem Trend entgegenzuwirken. Das Wort "Heimat" hat in den Parteiprogrammen wieder einen höheren Stellenwert. Der Leiter des Berlin-Instituts für Bevölkerung schlägt 2014 vor, älteren Menschen eine Prämie zu zahlen, wenn sie bereit sind, in die nächste Stadt zu ziehen. In Brandenburg ist die Lage besonders dramatisch. Zu den billigsten Städten in Deutschland gehören 2014 Zittau, Gera, Görlitz, Idar-Oberstein, Staßfurt, Zeitz und Plauen. Der Anteil leer stehender Wohnungen ist am höchsten in Salzgitter und Chemnitz. Vgl. auch das Programm "LebensWerte Kommune" der Bertelsmann Stiftung (eBook, PDF, "Eine demographische Reise durch Deutschland").

Regionale Konvergenz: In Deutschland gat seit dem Jahr 2000 eine spürbare Konvergenz zwischen städtischen und ländlichen Regionen stattgefunden. Der ländliche Raum konnte seinen Anteil am deutschen BIP vielmehr konstant halten. Vgl. Röhl, Klaus-Heiner: Regionale Konvergenz: Der ländliche Raum schlägt sich gut, in: Wirtschaftsdienst 2108/6, S. 433ff.

Fachkräftemangel: Infolge der Bevölkerungsentwicklung fehlen in vielen westlichen Industriestaaten in den nächsten Jahren Fachkräfte. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert für 2020 in Deutschland eine Lücke von bis zu 425.000 Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Bis 2014 sollen schon 220.000 fehlen. 2010 sollen schon bis zu 400.000 Fachkräfte einschließlich Facharbeiter fehlen. Damit ist es 2010 erstmals zu einem Kipp-Effekt gekommen: die demographische Entwicklung überlagert die konjunkturelle. In den USA ergibt sich die Lücke durch eine Änderung im Studienverhalten: immer mehr Ausländer und immer weniger Amerikaner studieren technische Fächer. Eine vorausschauende Personalpolitik wäre also sehr sinnvoll. Schon 2009 konnten in Deutschland nicht mehr alle Lehrstellen besetzt werden (100.000 weniger Bewerber als 2008, es fehlt den Bewerbern auch an Wissen und Interesse). 61.000 Stellen in naturwissenschaftlichen Bereichen konnten 2009 nicht besetzt werden. Über 100.000 offene Stellen gab es in der Zeitarbeit. Mittlerweile werden auf zahlreichen Internet-Plattformen ausländische Facharbeiter umworben. Die Arbeitsministerien wollen eher mit regionalen Lösungen arbeiten. 2011 macht die Wirtschaft Druck bei der Zuwanderung und fordert eine am Bedarf orientierte Zuwanderung. Logisch gesehen müsste die Fachkräftelücke von Frauen (höhere Erwerbsquote), von Älteren (längere Lebensarbeitszeit) und Zuwanderern (Hochqualifizierte) gedeckt werden. 2011 ist der Ingenieurmangel auf einem Zehn-Jahres-Hoch (es fehlen allein 31.000 Maschinenbauingenieure). Jeder Vierte bricht das Studium ab. Man sollte darüber nachdenken, Absolventen deutscher Hochschulen automatisch ein Bleiberecht zu geben. 2011 werden die arbeitsrechtlichen Hürden für bestimmte Gruppen von Arbeitskräften gelockert (Ingenieure, Ärzte). Außerdem wird die Einkommensgrenze für die Aufenthaltserlaubnis gesenkt (und in den ersten drei Jahren nicht Hartz IV). Es wird auch die Einführung einer "Blue-Card" beschlossen (Einreise von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern, Hochschulabschluss, 44.000 € Jahresgehalt). Immer mehr Unternehmen setzen auch auf flexiblere Arbeitszeiten mit Arbeitszeitkonten. Fachkräfte haben eine große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, das Potential sollte nachhaltig entwickelt werden. Dies gilt besonders für Ingenieure. Nach einer Prognose des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) gibt es 2013 zu viele Akademiker in Deutschland und zu wenige Facharbeiter. Im Juni 2012 macht die Bundesregierung einen Fachkräftegipfel. Bei einer deutsch-spanischen Ausbildungskonferenz wird eine Zusammenarbeit vereinbart: spanische Jugendliche werden in deutschen Unternehmen in Spanien oder in Deutschland ausgebildet. Konkret sollen 5000 junge Spanier eine Ausbildung oder Beschäftigung in Deutschland erhalten. Auch die Mobilität soll gefördert werden (Sprachangebote, Umzugs- und Bewerbungshilfen). Nach einer Untersuchung der OECD 2013 zieht Deutschland nur wenige Fachkräfte an. Das Antragssystem habe einen schlechten Ruf und es mangele an Transparenz. Vor allem KMU täten sich schwer mit der Anwerbung. In den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD im November 2013 einigt man sich auf eine Initiative zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses und der Nachqualifizierung der 1,5 Mio. Jugendlichen ohne Berufsabschluss zwischen 20 und 30 Jahren. Die Rente mit 67 droht den Fachkräftemangel dramatisch zu verschärfen. Manche Experten sprechen von einem Mythos vom Mangel. Die Unternehmen suchten nicht richtig, brächten den Bewerbern nicht genug Wertschätzung entgegen und vernachlässigten das Ausland. 2018 sind besonders Unternehmen bis 200 Beschäftigte betroffen. Sie haben häufig keine Personalabteilung und stehen in Konkurrenz zu bekannteren Unternehmen. Der Fachkräftemangel wird zum Geschäftsrisiko. Der Industrie- und Handelskammertag rechnet ab 2018 längerfristig mit 1,6 Mio. unbesetzten Stellen an Fachkräften. Er wird auch zum Hammschuh der Wirtschaftsentwicklung (ohne diesen Engpass BIP +30 Mrd. €, Schätzung IW). Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft fordern die Bundesregierung im April 2018 zum Handeln gegen den Fachkräftemangel auf.  "Über Vergangenes mache dir keine Gedanken, dem Kommenden wende dich zu", Tseng Kuang. Der Demographiebericht der Bundesregierung 2011 geht davon aus, dass von rund 50 Mio. Erwerbstätigen 2011 bis 2050 noch 26,5 Mio. übrig bleiben. Der Fachkräftemangel ist im Bau und der Industrie besonders hoch. Er scheint aber noch nicht flächendeckend zu sein. Darauf deuten regionale Umfragen. Im Ingenieurbereich wird mit der Manipulation von Statistiken (kleine Stichprobe, falsche Interpretation der offenen Stellen) gearbeitet. Nach dem Fortschrittsbericht der Bundesregierung im Januar 2013 fehlen 850.000 Fachkräfte (Handwerker, Klimatechniker, Akademiker, Lokführer). Nach der BA fehlen 2013 14.00 Fachkräfte im Altenpflegebereich. Mitte 2013 stellt die Bundesregierung eine Liste von Berufsabschlüssen vor, mit denen Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt bekommen. Die Liste umfasst 18 Berufsgruppen. Nach einem Papier der BA von 2013 fehlen in Deutschland Ende 2016 19.000 examinierte Altenpfleger und noch mal so viele Pflegehelfer. 2011 waren 59% aller Absolventen in Mathematik und Statistik Frauen gegenüber 42% 2000. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Frauen in Naturwissenschaften von 27% auf 42%. RLP will in Kooperation von Landesregierung und IHK 2014 "Welcome Center" für ausländische Fachkräfte einrichten. Ein Pflege-Ausbildungsfonds soll die wachsende Lücke bei Pflegekräften schließen helfen. Bis 2022 sollen große Summen angespart werden. "Die Informationsgesellschaft erfordert andere Qualifikationen, dafür sind sicher auch mehr Akademiker notwendig. Nur keiner weiß, wie viele genau", Ludger Wößmann, Bildungsökonom, München. Deutsche Firmen such 2014 vor allem folgende Fach- und Führungskräfte: Ingenieure, Logistik, Verkauf/ Marketing, Personalwesen, IT-Technik, Forschung und Entwicklung (Umfrage Antal International ).  Bei den Branchen, die am meisten suchen, ragen die Pharma-, IT- und Automobilindustrie heraus. In folgen Berufen dauert es 2014 am längsten, Stellen neu zu besetzen: Ärzte 167 Tage, Altenpfleger 129, Ingenieur Elektrotechnik 124, Maschinenbauer 120. Ab 2015 gehen in den nächsten 15 Jahren über zwei Millionen Menschen in Rente (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung; Bundeswirtschaftsministerium). Nach Prognosen des IAB in Nürnberg fehlen spätestens ab 2020 Fachkräfte mittlerer Qualifikation (Facharbeiter, Techniker). 2014 erhielten 37.00 Bewerber aus dem Ausland ein Aufenthaltsrecht als Fachkräfte (+11%). Eine Umfrage Von ASU/ BJU 2015 zeigt, dass der Fachkräftemangel im Mittelstand zunimmt: 700 Unternehmen wurden befragt. Als Hauptgründe für unbesetzte Stellen wurden "mangelnde Qualifikation" (68%) und das "völlige Ausbleiben von Interessenten" (58%) genannt. 2018 ist die Nachfrage nach Fachkräften besonders hoch im Handel, am Bau und bei Dienstleistungsunternehmen. Die Stiftung Familienunternehmen und das IW Köln bestätigen 2018 den Personalengpass: Im IT - Bereich und technischen Berufen ist der Bedarf enorm. Besonders betroffen sind Unternehmen in ländlichen Regionen. Immer mehr Fachkräfte kommen 2017/ 2018 aus Nicht-EU-Staaten (2017 7% der 545.00 zugewanderten Menschen). 2019 sind Ingenieure, Informatiker und Pflegekräfte sowie weitere Handwerksberufe die Engpassberufe. Schon 2018 waren 183.874 Stellen in Mangelberufen nicht besetzt.

Blaue Karte EU ("Blue Card"): Vergleichbar der Greencard der USA, die aber weltweit bekannter ist. Möglichkeit der Aufnahme für Fachkräften außerhalb der EU. Sie wurde 2012 eingeführt. Kriterien sind Hochschulabschluss und Gehalt von mindestens 50800 Euro brutto. Die Aufnahme steigt kontinuierlich in Deutschland. Seit 2012 wurden bis 2017 62.000 Personen nach Deutschland geholt. Die größte Gruppe kommt aus Indien (8212; vor China und Russland). Indien (14.000 Inder haben 2018 die Blaue Karte) hat ein gutes Bildungssystem (vor allem im technischen Bereich), hat ein Überangebot an Arbeitskräften und Verkehrssprache ist Englisch.  Im ersten Quartal 2018 erhielten 6865 Menschen die Blaue Karte (+18% seit dem Vorjahreszeitraum). Das Mindesteinkommen von 52.000€ ist ein Hinderungsgrund. Es behindert vor allem Pflegekräfte. Ende 2018 sieht die Bluecard - Statistik wie folgt aus: Indien 13854, China 4790, Russland 3706, USA 2708, Ukraine 2325 Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Im April 2019 mahnt die deutsche Wirtschaft (BDA, BDI) an, mehr Fachkräfte aus dem nichteuropäischen Ausland anzuwerben. Bis 2030 fehlten 900.000 IT - Fachkräfte. "Arbeitnehmerfreizügigkeit ist das Gegenteil von Zuwanderung in die Sozialsysteme".

MINT - Berufe: Wirtschaftsinformatiker, Physiker, Energietechniker, Naturwissenschaftler, Mathematiker, Techniker. Der MINT - Anteil an den Beschäftigten ist in Wolfsburg am höchsten. Die meisten MINT - Beschäftigten hat Berlin. Der Mangel war 2019 am höchsten in der fränkischen Stadt Schabach.

Joblücke und Ausländer: 2018 wird jede zweite neu geschaffene offene Stelle von Ausländern besetzt. Die meisten Ausländer, die einen Job übernehmen, kommen aus Polen oder Rumänien. Sie sind besonders stark im Bau und bei Dienstleistungen vertreten. 2018 sind 1,5 Mio. sozialvesicherungspflichtig Beschäftigte aus Osteuropa in Deutschland tätig. Die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt vollzieht sich geräuschlos. Der Anteil der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt ist mit 327.000 vergleichsweise unbedeutend. Quelle: BA.

Brain Drain: Abwanderung von fachlich und akademisch hochqualifiziertem Personal. Gründe können schlechte Arbeitsmarktsituation oder religiöse und politische Verfolgung in einem Lande sein.

War for Talents: Kampf der Firmen um hoch qualifizierte Mitarbeiter. Oft im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel gebraucht. Im WS 213/2014 sind erstmals mehr als 100.000 ausländische Studenten an deutschen Hochschulen. Das waren fast 6% mehr als im Vorjahr. Unter den wichtigsten Herkunftsländern sind die Türkei und China. Aber auch die Zahl der Studienanfänger aus Spanien und Frankreich hat sich erhöht.

Ältere Menschen: Die Gesellschaft in Deutschland und den anderen Industrieländern, aber auch in vielen Schwellenländern, wird immer älter. Die Beschäftigungsquote bei den 60- bis 64-jährigen ist aber auf 23,4% im Jahre 2009 in Deutschland gestiegen. Die Beschäftigungsquote der über 55-jährigen beträgt 56%. In der gleichen Zeit sind aber 145.00 ältere Menschen arbeitslos gemeldet. Bei den von 50- bis 55-Jährigen sind 2011 58,5% sozialversicherungspflichtig beschäftigt (2001: 52,6%). Bei den 55- bis 60-Jährigen sind  noch 51% beschäftigt (2001: 43,4%). Bei den 60- bis 65-Jährigen sind 27,5% in Arbeit (2001: 11,6%). Die älteren Menschen - auch "Silver Hairs" genannt - spielen als Kunden eine immer größere Rolle. Allerdings herrscht ein Statistik-Wirrwarr: Die Zahlen von Statistischem Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, Eurostat der EU und Familienministerium stimmen nicht überein. Andererseits ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen 2010 in Deutschland mit 16,5% am niedrigsten in Europa. Seit 2000 ist die Zahl der Kinder um 2,1 Mio. gesunken. Nach dem IAB hat sich die Erwerbsquote der von 60- bis 64-jährigen seit 1991 bis 2011 verdoppelt. Es gibt immer mehr Vorschläge, älteren Menschen nach Erreichen des Rentenalters das Weiterarbeiten zu erleichtern (Flexi-Rente). Einige fordern sogar die Rente mit 70. Gleichzeitig wird die Lebensleistungsrente mit 63 kritisiert.
Ältere Menschen auf der Erde: Das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung liegt 2011 bei 28 Jahren. Im Jahr 2050 wird es vermutlich bei 38 Jahren liegen. Japan und Deutschland besitzen die älteste Bevölkerung mit durchschnittlich 44 Jahren. Uganda und Niger haben die jüngste Bevölkerung mit 15 Jahren.  Das Rentenproblem ist nicht das einzige. Bleiben wir auch länger gesund, so dass die Menschen länger arbeiten können? Die sozialen Probleme werden zunehmen. Ältere Menschen ermüden schneller, weil sie konzentrierter arbeiten und mehr Energie in die Arbeit stecken (Forschungsergebnisse TU Dortmund 2016).
In einem Modellprojekt werden erstmals 2012  150 Fachkräfte in der Pflege aus China nach Deutschland geholt. Es fehlen 40.000 Pflegekräfte (bis 2020 75.000). Eine Analyse der OECD zeigt, dass 2011 68,2% der 50- bis 64-jährigen berufstätig sind. Damit liegt Deutschland über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Nach Berechnungen der UN steigt der Anteil älterer Menschen (über 65 Jahre) bis zum Jahre 2050 auf 15,6 % an (Verdopplung seit 2010). Erstmals seit fast vier Jahrzehnten sind in Deutschland unter den 60- bis 65-jährigen mehr Erwerbstätige als Rentner. 2012 gingen rund 42 % dieser Altersgruppe einer bezahlten Arbeit nach (Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden). In Deutschland gab es im Dezember 2012 114.931 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Alter zwischen 65 und 70 Jahre (70 bis 75 Jahre 42.982; über 75 Jahre 16.897). Der neue Report "Altersgerechte Arbeitswelt" 2013 des Bundesministeriums für Arbeit zeigt auf, dass sich in den 12 Jahren vor 2013 die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen mehr als verdoppelt hat. Sie stieg von 19,9% im Jahr 2000 auf 46,4% im vorigen Jahr. 2012 waren laut Statistischem Bundesamt 2,35 Millionen Erwerbstätige 60 bis 64 Jahre alt; zehn Jahre zuvor waren es 1,39 Millionen. 2006 veröffentlichte die OECD die berühmte Studie "Live Longer, Work longer". Angesichts steigender Lebenserwartung und wenig nachhaltiger Rentensysteme (Lebensleistungs-Rente mit 63 in D kontraproduktiv) sind die Ergebnisse aktueller denn je. Was die Verlängerung der Lebensarbeitszeit angeht, gilt Japan als Vorbild (auch aus Gründen der Alterseinkommensarmut wird länger gearbeitet).  In Australien wird die Rente mit 70 eingeführt (nach 1965 geboren; ab 2035). Schweden hat ein flexibles Modell: Rente kann ab 61 beantragt werden; jeder kann so lange arbeiten, wie er will. Daimler holt 2013 100 Rentner zurück, weil sie im unternehmen gebraucht werden. Die Erwerbstätigenquote der 60 bis 64-jährigen lag 2000 bei 20%; 2013 bei 50%; 2014 bei 52%. Die Rente mit 63 ab 2014 senkt allerdings wieder den Anteil Älterer im Job. Offziell nahm die Anzahl der Langzeitarbeitslosen von 2012 bis 2016 jährlich um gut 5% ab. Allerdings werden die Personen über 58 Jahre in der Statistik nicht erfasst (162.000 im Jahre 2016). Im Jahre 2015 arbeiteten noch 14,4% aller Erwerbstätigen im Alter zwischen 65 und 70 Jahren (18,2% Männer, 11,0% Frauen) in Deutschland. 2005 lag die Zahl bei 6,5% (gesamt). Im Jahre 2016 ging jeder Neunte in der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen einer Erwerbstätigkeit nach (binnen eines Jahrzehnts von 5 auf 11%). Der geplante Ausstieg aus dem Berufsleben später als mit 65 und mehr Jahren ist abhängig vom Geschlecht (Männer wollen länger) und von der Bildung (Wunsch nach längerer Arbeit steigt mit der Bildung). Die Quote der Erwerbstätigen im Alter von 60 bis 64 Jahren stieg von 20% im Jahre 2000 auf 58% im Jahre 2017. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 60 und 64 stieg im gleichen Zeitraum um 1,5 Mio. auf 2,1 Mio. (Quelle: Bericht des Arbeits- und Sozialministeriums 2018 für den Bundestag). 1980 lebten 975 Hundertjährige in Deutschland. 2017 waren es schon 14.194. 2014 könnten es 150.000 sein. Quelle: Destatis.

Senior Move Manager: Neues Berufsbild in den USA. Er kümmert sich als Umzugsmanager um die Bedürfnisse von Senioren. Insbesondere geht es um die Verkleinerung des Hausstandes und um die Sicherung von Erinnerungen. In den USA gibt es auch einen Labor Day. Er fällt auf den ersten Montag im September. Im unterschied zu Europa, wo an dem Tag politische Proteste und Demonstrationen stattfinden, geht es aktuell nur noch um das Ende des Sommers.

Das größte davon ist die Altersarmut. Langzeitarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigungsformen, aber auch die Umstellung der Rentenformel, werden zu Versorgungsproblemen im Alter führen. Die Bundesregierung will mit einer Zuschussrente den langjährig Versicherten mit Niedrigeinkommen eine Rente von 850 € garantieren. Wer bei der Rente mit 67 früher aussteigt, muss Abschläge bis zu 18 Prozent in Kauf nehmen. Dies kann zu einer spürbaren Rentenkürzung führen. Es soll ein Konzept zur Bekämpfung der Altersarmut entwickelt werden (Gesetz). Darin enthalten ist eine Zuschussrente für Geringverdiener (vorerst auf Eis gelegt) und höhere Zusatzverdienste für Frührentner. Erwogen wird auch eine Mütter-Rente. Im Herbst zeigen Zahlen des Familienministeriums, dass das finanzielle Risiko zukünftiger Rentnergenerationen höher als gedacht ist: 2012 sind 400.000 Altere über 65 Jahre auf Leistungen aus der Grundsicherung im Alter angewiesen (2,4%). Bis 2035 könnte diese Zahl auf 1,1 Mio. Bezieher steigen. Wer heute weniger als 2500 € verdient ist ab 2030 auf stattliche Hilfe angewiesen. Die Bundesregierung denkt im Moment (Herbst 2012) Richtung Lohnuntergrenzen. In den Koalitionsverhandlungen einigt man sich auf eine rein steuerfinanzierte Lösung, die wahrscheinlich nur ca. 2% in Anspruch nehmen können. Man spricht von Lebensleistungsrente (unter 688 € Rente, 40 Jahre Arbeit, private Vorsorge, Pflege und Kindererziehung stark gewichtet). Die Koalition steht 2013 nicht einheitlich hinter diesem Konzept. Weiter in der Diskussion sind eine "armutsfreie Garantierente" (Grüne) und wieder eine Absenkung des Renteneintrittsalters (Kreise der SPD; durch die Erhöhung des Eintrittsalters auf 65 erfolgt indirekt eine Rentenkürzung, weil viele Menschen nicht so lange arbeiten können). 2003 wurde die Grundsicherung im Alter eingeführt. Damit ist der Rückgriff auf das Einkommen der Kinder, das die Sozialhilfe kannte, weitgehend abgeschafft. Insgesamt ist das Risiko älterer Arbeitslose, keinen Job zu finden, gestiegen. Ende 2012 waren 291.00 arbeitslose Hartz-IV-Empfänger registriert, die über 55 Jahre waren (+16% gegenüber dem Vorjahr). Auch insgesamt ist die Zahl der über 55-jährigen Arbeitslosen gestiegen (+3,8% in einem Jahr auf 534.000). Erwerbsarbeit bleibt der entscheidende Faktor für das Erreichen einer ausreichenden Zahl von Entgeltpunkten. Fehlende Zeiten durch Arbeitslosigkeit, Kindererziehung, Pflege und langen Ausbildungszeiten führen zu einer niedrigen Zahl von Punkten. Risikogruppen sind besonders geringe Erwerbseinkommen und allein erziehende, nicht berufstätige Frauen (vgl. Lewicki, M./ Wigger, B. U.: Wer ist von Altersarmut bedroht?, in: Wirtschaftsdienst 2013/7, S. 462ff.). Wer Altersarmut wirksam vermeiden will, muss rechtzeitig die Minijobs beschränken. Im März 2015 bezogen 512.000 Rentner zusätzlich Sozialhilfe (Destatis; Bedürftigkeit bis 64 Jahre; Grundsicherung im Alter bei Personen über 65 Jahre und drei Monate.). Der Trend zur Altersarmut setzt sich damit massiv fort. Er liegt auch in der Rentenformel begründet: Um die Beiträge zur Rentenversicherung stabil zu halten, wurde ein kontinuierlich sinkendes Rentenniveau eingeführt (2030: 44,4%). Hinzu kommt der stark steigende Anteil atypisch Beschäftigter, die wenig einzahlen können. Eigene Berechnungen im Bundesministerium für Arbeit zeigen folgende Absenkung des Rentenniveaus: Bis 2029 von 48% auf 43%. Bis 2045 sinken die Renten unter 40% bei Nichtreformen.  Das durchschnittliche Arbeitsleben in der EU dauert 35 Jahre. Am längsten sind die Schweden in Arbeit mit 40 Jahren. In Deutschland sind die Erwerbstätigen 37 Jahre aktiv. eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung kommt 2013 zu dem Ergebnis, dass über 40% der in Deutschland lebenden ausländischen Senioren von Altersarmut bedroht sind. 2013 teilt das Statistische Bundesamt mit, dass 2012 465.000 Deutsche über 65 Jahre von der Sozialhilfe leben (2003: 250.000). Die Deutsche Rentenversicherung erstellt 2014 eine Prognose: Danach steigen die Beitragssätze bis 2030 auf 21,9%. Das Rentenniveau vor Steuern wird auf 43,,8% absinken. Im Jahr 2006 war jeder zehnte Bundesbürger über 65 Jahre von Altersarmut bedroht; 2013 war es bereits jeder siebte. Besonders häufig betroffen sind Frauen, Alleinstehende, Geringqualifizierte und Migranten (Bertelsmann Stiftung 2015). 2016 legt Eurostat Daten vor: Danach waren 2014 mehr als 5,6 Mio. Menschen über 55 Jahre in Deutschland von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Im Juni 2017 legt die Bertelsmann-Stiftung eine Studie zur Altersarmut vor (gemacht von DIW und ZEW): 2036 sind 20% der Bevölkerung von Altersarmut bedroht. Ein besonders hohes Risiko haben allein lebende Frauen, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose (Simulationsrechnungen). Nach angaben des Bundesverbandes der Tafeln in Deutschland 2017 sind immer mehr Rentner, die die kostenlosen Lebensmittel nutzen. Innerhalb von 10 Jahren habe sich die Zahl der bedürftigen Senioren verdoppelt. Bis zu 500.000 Rentner sind 2018 von verdeckter Armut betroffen. Sie liegen unter der Armutsgrenze von 750 €, beziehen aber zusätzlich keine Sozialhilfe. "Das Rentenpaket ist nicht darauf angelegt, Altersarmut zu vermeiden", Axel Reimann, Präsident der Deutschen Rentenversicherung 2014. Die US-Kaffeehauskette Starbucks hat in Mexiko-Stadt 2019 eine Filiale eröffnet, in der ausschließlich Senioren arbeiten. Sie sind alt und brauchen das Geld. Rentner leben oft prekär. 2018 ist die Anzahl der im Alter auf Sozialhilfe angewiesenen Menschen in Deutschland auf 559.000 angewachsen (2,8% mehr als 2017). Zusätzlich erhielten 519.000 Menschen, die unter der Altersgrenze waren, eine Grundsicherung wegen Erwerbsminderung (+0,8% gegenüber 2017). Insgesamt bezogen damit 1,079 Millionen Menschen im Alter oder bei Erwerbsminderung Leistungen der Sozialhilfe.

Arbeitsleben: Die Dauer des Arbeitslebens hat sich weltweit erhöht. In der EU (28 Länder) ist die Dauer von 34,9 Jahren 2003 auf 35,2 Jahre 2013 angestiegen. In Deutschland von 34,9 Jahre 2003 auf 37,9 Jahre 2013. Das Arbeitsleben dauert am längsten in Island (2013: 45,5 Jahre) und Schweden (40,9 Jahre 2013). Häufige Probleme im Ruhestand nach dem Arbeitsleben sind Langeweile und Einsamkeit. Viele Studien belegen auch, dass Menschen umso früher streben, je früher sie in Rente gehen (gilt hauptsächlich für Männer). Die Rente kann der Gesundheit schaden.

Rentner in Beschäftigung: 2011 verfügen 154.000 Rentner über eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Gut 80.000 haben davon eine Vollzeitstelle (nicht berücksichtigt sind die Selbständigen). Die Anzahl der Rentner mit Minijob beträgt 761.000 (Anstieg gegenüber 2000 um 60%). Die Angaben stammen von der Bundesagentur für Arbeit. Dies kann eine Folge der Altersarmut sein.  Andererseits gingen 2011 so viele Arbeitnehmer in Frührente wie noch nie: Von den 700.000 Neurentnern bekam knapp die Hälfte nicht das volle Ruhegeld. Das Renteneintrittsalter lag im Schnitt bei 63,5 Jahren. Immer mehr Unternehmen holen Rentner zurück ins Unternehmen. So z. B. Daimler 2013, wo frühere Mitarbeiter für Sondereinsätze aus dem Ruhestand zurückgeholt werden. 2015 ist jeder Fünfte Deutsche 65 Jahre und älter. 14% der 65 - 69 Jährigen gehen noch arbeiten (17% Männer; 10% Frauen). Das sind mehr als doppelt so viel wie 2005 (Studie von StBA/ destatis). Im März 2015 hatten 904.000 Rentner einen Minijob (450 €). Vor 12 Jahren waren es noch knapp 533.000. 2015 sind 30% aller Rentner aus Armut in einem Minijob. Die anderen arbeiten aus Spaß, weil sie so fit sind oder aus anderen Gründen (Quelle Bundesarbeitsministerium). Im Jahre 2016 gingen 1,42 Mio. Rentner einer Beschäftigung nach (47,5% in einem Minijob). Im Jahre 2000 lag die Zahl noch bei 539.000. Die Zahl der Mini-Jobber über 65 stieg 2018 auf 1,1 Mio. Ende 2003 waren es noch erst rund 587.000. Das Durchschnittsalter der Neu-Rentner steigt von Jahr zu Jahr (2018 64,1 Jahre). Viele Rentner arbeiten auch als Ehrenamtliche weiter. So geben sie ihr Wissen z. B. in selbst entwickelten Projekten weiter (z. B. Englisch-Gesprächskreise, Computer-Beratung).

Erwerbsarbeit nach Renteneintritt: In den ersten drei Jahren nach Eintritt in die Altersrente arbeiten 30,7% der Frauen und 27,6% der Männer. Quelle: Nationales Bildungspanel NEPS SC6 8.0.0; Wellen 2012/2013 bis 2015/2016. Motive sind Geld, Kontakt, Spaß, Ausgabe. Das Beschäftigungspotential ist noch nicht ausgeschöpft. Vgl. Anger, Silke/ Trahms, A./ Westermeier, C.: Erwerbsarbeit nach Renteneintritt, in: Wirtschaftsdienst 2018/12, S. 904ff.

Kinderzahlhypothese von Gary S. Becker (geb. 1930, Nobelpreis 1992). Er  überträgt die ökonomische Betrachtung auf Ehe, Liebe, Familie, Bildung und Diskriminierung. Bezogen auf die Kinderzahl stammt von ihm folgende berühmte Hypothese: "Die Verringerung der Anzahl senkt jedoch den Schattenpreis für Qualität, was eine Substitution zugunsten der Qualität zur Folge haben wird" (Ders.: Der ökonomische Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens, Tübingen 1993, S. 219). Investitionen in die Ausbildung von Kindern - bei der Verpflichtung, die Eltern im Alter zu unterstützen - bringt meist höhere Erträge als eine Rentenversicherung. Er wendet sein Modell auch auf kriminelles Verhalten an.  "Ich bin der Auffassung, dass der ökonomische Ansatz so umfassend ist, dass er auf alles menschliche Verhalten anwendbar ist", Gary Becker. Eine Umfrage der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen 2013 kommt für Deutschland zu folgenden Ergebnissen:  Als Haupthindernisgründe für Kinder werden genannt: Kinder kosten zuviel Geld (67%), Freiheit und Unabhängigkeit (60%), Karriere wichtiger als Familiengründung (57%). Immer mehr Frauen in Deutschland bleiben kinderlos (bereits jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren in Deutschland; Statistisches Bundesamt). Im Jahr 2012 werden halb so viele Kinder geboren wie 1964 (immer mehr kinderlose Frauen, insbesondere in den östlichen Bundesländern; Die Mütter sind bei Familiengründung und erstem Kind immer älter). Seit 1970 hat sich die weltweite Geburtenrate nahezu halbiert (von 4,7 auf 2,5). Die regionalen Unterschiede sind nach wie vor groß. er kinderreichste Vater war angeblich der Mongolenherrscher Dschingis Khan. 2000 Nachkommen werden ihm zugeschrieben. Dahinter kommt der marokkanische Herrscher Ibn Sharif mit 888 Kindern. Die russische Bäuerin Valentina Wassilijewa soll es auf 69 Kinder gebracht haben. Becker schuf ein Familienmodell. Danach agieren Familien als wirtschaftliche Einheiten., in denen das Verhalten der Mitglieder tendenziell auf der Kosten-Nutzen-Analyse basiert. Becker liefert auch eine wirtschaftliche Erklärung für eine riesige Änderung des Arbeitspotentials. Die Wirkung von Kindergeld auf die Geburtenrate ist sehr umstritten. Die Diskussion bewegt sich zwischen der These von Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab, München 2010), dass die "falschen" Familien dem Anreiz folgen (Migranten, sozial Schwache) bis zu der Auffassung, das es wirkungslos sei. Kindergeld ist keine Sozialleistung, sondern wird für Kinder von Menschen bezahlt, die in Deutschland arbeiten und Einkommensteuer zahlen. Bis 2018 steigt die Zahl der Auslandsbezieher sprunghaft an (seit 2010 Verzehnfachung). Die Bundesregierung beschließt 2018 ein Baukindergeld rückwirkend ab 1.12018 (12.00 € pro Kind in zehn Jahren).

Rollenverteilung in der Partnerschaft bzw. Ehe: Die "klassische" Rollenverteilung lautete: Er verdient das Geld, sie kümmert sich um die Familie. Diese Rollenverteilung ist in Deutschland immer noch stark ausgeprägt. Am traditionellsten von allen Industriegesellschaften ist hier immer noch Japan. Die Rollenverteilung hat eine große Bedeutung für die Geburtenrate und die Lebensweise. Auch das zeigt sich ausgeprägt in Japan: Die Zahl der weiblichen Singles in Städten, insbesondere in Tokio, ist hoch. Das drückt auch die Geburtenrate in Japan stark.

Bezahlte Elternzeit (Elterngeld): Auf der Welt unterschiedlich geregelt. Die USA, Suriname und Papua-Neuguinea haben keine bezahlte Elternzeit. In China dauert der gesetzliche Mutterschutz 98 Tage. Indien gewährt zwölf Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub. In den Niederlanden sind Mütter sechs Wochen vor der Geburt und zehn Wochen nach der Geburt freigestellt. Noch nicht geklärt ist der Einfluss auf die Geburtenrate (viele intervenierende Variablen). Vgl. World Policy Analysis Center at UCLA und OECD.

Ökonomie der Partnerwahl: Geld, Besitz und Status spielen in Partnerschaften nach wie vor eine große Rolle. Es gibt dafür den Begriff "emotionaler Kapitalismus" (Eva Illouz). Nichts senkt das Scheidungsrisiko mehr als gemeinsamer Immobilienbesitz. Der Einfluss der Ökonomie steigt sogar (obwohl er durch die steigende Frauenerwerbstätigkeit sinken könnte). Frauen wünschen sich zwar immer noch einen Partner mit höherem Status, finden ihn aber kaum ("Modell "Aschenputtel" stirbt aus). Doppelverdiener sind paradoxerweise besonders auf Geld fixiert. Vgl. Die Zeit, Nr. 13, 20.03.2014, S. 24ff. Besonders interessant ist der Heiratsmarkt in China. Eine Wohnung ist in Ballungsgebieten eine notwendige Voraussetzung. Weil ein Männerüberschuss herrscht (aufgrund der Bevölkerungspolitik der vergangenen Jahre), können die Frauen auswählen (wichtige Kriterien: Auto, Einkommen, Wohnung u. a.). Der Heiratsmarkt  gehört zu den Matching-Märkten (Vgl. A. Roth), die nicht nur über den Preis geregelt werden.

Kinderehen: In vielen Gegenden der Welt werden Minderjährige zur Ehe gezwungen, oft aus nackter Not. Jedes Jahr feiern ca. 15 Millionen junge Frauen ihre Hochzeit vor dem 18. Geburtstag. Nach dem Ausländerzentralregister waren im Sommer 2016 1475 minderjährige ausländer mit dem Familienstand "verheiratet" gespeichert. Der Bundesjustizminister will mit einem Gesetz hier Einhalt gebieten. Dieses Gesetz, das Kinderehen verbietet, kommt im März 2017.

Berühmt ist auch das Bevölkerungsgesetz von Thomas R. Malthus (1766-1834; Principles of Political Economy, 1820): Die Bevölkerung verdoppelt sich alle 25 Jahre, während sich die Nahrungsmenge nur in arithmetischer Reihe erhöht ("Die Macht der Bevölkerung ist unendlich viel größer als die Macht der Erde, allen Menschen den Unterhalt zu ermöglichen"). Seine Prognose ist ein Leben am Rande des Existenzminimums für die Menschheit. Dies liegt daran, dass die nutzbare Ackerfläche begrenzt ist und der Grenzertrag zusätzlicher Arbeitskräfte auf den Feldern abnimmt. Zudem hält Malthus die Amortisationszeit von Investitionen in der Landwirtschaft für zu lang. Vergessen hat er den technischen Fortschritt und damit Produktivitätssprünge. Trotzdem ist seine ökonomische Grundidee heute aktueller denn je und es stellt sich immer mehr die Frage: Hatte er doch recht? Implizit warnte Malthus damit auch vor den Grenzen des Wachstums. Das Ackerland könne die wachsende Bevölkerung bald nicht mehr ernähren. Neuere Forschungen zeigen, dass Polygamie die Bevölkerung wachsen lässt, nicht aber die Wirtschaft (wichtig für Entwicklungsländer und die Entwicklungspolitik. Nalthus wuchs auf einem Landgut in Surrey auf. 1788 wurde er zum Priester geweiht. Er beeinflusste Darwin und Keynes bewunderte ihn.  "Indem ich meine Postulate als gesichert voraussetze, behaupte ich, dass die Vermehrung der Bevölkerung unbegrenzt größer ist als die Kraft der Erde, Unterhaltsmittel für den Menschen hervorzubringen", An Essay on the Principle of Population". Nach UN-Schätzungen 2009 soll die Weltbevölkerung 2010 6,91 Mrd. betragen (4,17 in Asien). 2050 soll sich die Zahl auf 9,15 Mrd. Menschen erhöhen (nur in Europa  schrumpft die Bevölkerung).

Günther-Paradoxon: Bei einem Geburtenrückgang verringern sich die Arbeitskräfte. Wegen des Nachfragerückgangs steigt zuvor jedoch die Arbeitslosigkeit. Konsum und Investitionen hängen auch von der Bevölkerungszahl ab. "Wir müssen aber auch sehen, dass Europa von außen betrachtet als ein alternder, schrumpfender und undynamischer Kontinent erscheint", Puprecht Polenz, CDU, Auswärtiger Ausschuss.

Männer in der Gesellschaft: Männer in Deutschland und vielen anderen Ländern haben mittlerweile Probleme, mit dem gesellschaftlichen Wandel mitzuhalten. In Deutschland liegt die Selbstmordrate bei Männern dreimal höher als bei Frauen. Zwei Drittel aller Sonder- und Förderschüler sind Männer. 75 Prozent aller Obdachlosen sind Männer. Das Problem des 21. Jahrhunderts sind die ungebildeten Männer und Jungen. Sie finden keine Aufnahme mehr in den Bereichen, wo sie früher unterkamen (Armee, Fabrik, Kirche).

Frauen: Die Position von Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich verbessert. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hat die Frauenbeschäftigung 2014 in allen 27 OECD-Staaten verglichen. Es handelt sich um den Women-in-Work-Index, der die Beteiligung der Frauen am Wirtschaftsleben misst (Kriterien im Index: Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern, Arbeitslosenrate von Frauen, Anteil von Frauen in Vollzeitjobs). Der aktuelle Index bezieht sich auf das Jahr 2012. Deutschland liegt auf dem achten Rang und verbessert sich um einen Rang. Der Index wird seit 2000 gemessen. Auf dem ersten Platz liegt immer Norwegen. Laut einer Studie der EU 2014 hat jede dritte Frau schon Gewalt erlebt (Schläge, Stalking, sexuelle Übergriffe). 54 Prozent der Mütter mit Kleinkindern im Alter zwischen zwei und drei Jahren sind wieder berufstätig (41 Prozent bei Kindern zwischen ein und zwei Jahren; Quelle: Prognos AG nach Daten des Mikrozensus 2010). 2014 bekommt der Begriff "Babypause" bei Unternehmen in den USA einen neuen Sinn: Das Baby macht Pause, der Beruf nicht. Google, Facebook und Apple zahlen ihren Mitarbeiterinnen viel Geld, wenn sie ihren Kinderwunsch aufschieben (Eizellen einfrieren lassen). Die entscheidende ethische Frage ist, ob Firmen Familien planen dürfen. Ende April 207 findet ein W20-Frauengipfel in Berlin statt. Teilnehmerinnen sind unter anderen AngelaMerkel, Trump - Tochter Ivanka Trump, Königin Maxima, IWF-Chefin Lagarde.

Behinderte: Trotz guter Konjunktur haben Schwerbehinderte es schwer, einen regulären Job zu finden. Von den schwer behinderten Erwerbslosen fand 2017 nur jeder sechste (16,6%) eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Quelle: BA.

Ausländer in Deutschland: Sie werden im Ausländerzentralregister erfasst. 2018 ist ca. jeder achte Einwohner Ausländer. 2018 ist der Anteil um 2,7 Prozent auf 10,9 Millionen angewachsen. Den 1,303 Millionen Neuankömmlingen 2018 standen 1,012 Millionen Abwanderer entgegen. Insgesamt waren zum 30. September 2018  82,979 Millionen Menschen registriert. Stark zugenommen hat die Zuwanderung von Menschen mit einer Arbeitserlaubnis aus Staaten außerhalb der EU. Bis Ende 2018 kamen 266.000 Erwerbsmigranten. Zu den wichtigsten Herkunftsländern zählen Indien (12 Prozent), China (9 Prozent), Bosnien-Herzegowina (8 %), USA (7%).

Arbeitsmigration: Wanderungen von Menschen in der Regel aus weniger entwickelten Ländern in ökonomisch starke Länder. Quantitativ zur Zeit am stärksten ist die Migration aus Lateinamerika in die USA. Schätzungen gehen davon aus, das unter den 22 Mio. Lateinamerikanern in den USA ungefähr 6 bis 10 Mio. Illegale sind, davon rund 60% Mexikaner. Tausende von Flüchtlingen versuchen auch jeden Monat, die grüne Grenze von der Türkei nach Griechenland zu überqueren. Viele Flüchtlinge aus Afrika sind in der Vergangenheit auch über Libyen in die EU gekommen (mittlerweile ein Abkommen). Die Unruhen in Nordafrika 2011 lassen die Flüchtlingszahlen nach Lampedusa wieder ansteigen. Das ILO schätzt die Zahl der Migranten insgesamt auf 200 Mio. Wegen der Einwanderungsbeschränkungen haben hoch qualifizierte Arbeitskräfte die besten Chancen. Hochqualifizierte Auswanderer (Ärzte, Facharbeiter) stellen eine erhebliche Belastung für die deutschen Sozialkassen dar: kostenlose Ausbildung gegen fehlende Sozialbeiträge (463.000 € bei einem Arzt). Eigentlich brauchen wir ca. 500.000 Einwanderer pro Jahr oder das Renteneintrittsalter  muss drastisch erhöht werden (70?). Mindestens 200.000 pro Jahr werden gebraucht, um den Fachkräftemangel zu decken (BA). Dies gilt für eine Erhaltung der Wirtschaftskraft. Als Benchmark in der Zuwanderung gilt das System in Kanada. Ein differenziertes Punktesystem steuert den Zustrom qualifizierter Arbeitskräfte. Eine Arbeitsmigration nach Deutschland könnte ab Mai 2011 durch Öffnung des Arbeitsmarktes für Arbeitskräfte aus Mittel- und Osteuropa entstehen. Probleme könnten sich im Niedriglohnbereich ergeben, wenn durch die Dienstleistungsfreiheit Zeitarbeitsfirmen aus dem Osten konkurrieren. Sicher wäre es besser, die Erwerbstätigen aus der EU zu holen (z. B. aus Spanien) als Migranten aus entfernten Kulturkreisen. Ab 1. Mai 2011 wird der Arbeitsmarkt für die Arbeitskräfte aus Osteuropa geöffnet (Freizügigkeit). Jährlich werden 140.000 Arbeitskräfte erwartet. Bis 2012 rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft allerdings mit einer ganz anderen Zahl (800.000). Es könnte Verlierer geben wie die Geringqualifizierten, ebenso könnten Auswirkungen auf Löhne und Saison-Arbeitskräfte auftreten. 2012 führt die Bundesregierung die Blue Card ein. Damit wird die Hochqualifiziertenrichtlinie der EU umgesetzt (Hochschulabsolventen mit mindestens 46.400 Euro Gehalt; Hochqualifizierte aus Mangelberufen mit mindestens 36.200 Euro Gehalt; Gültigkeit zunächst 4 Jahre). Nach drei Jahren wird eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis erteilt. Vom 01.08.12 bis 31.10.13 haben über 12.000 ausländische Akademiker die Blue Card beantragt. 2013 soll eine spezielle Internetseite mit Angeboten für Ausländer die Migration fördern. Vgl. als klassischen Aufsatz zum Thema: Harris, J./ Todaro, M., Migration, Unemployment and Development, in: AER, 1970. Im Bereich der Arbeitsmigration gibt es auch eine große illegale Dimension. Am bekanntesten ist dies an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. In der EU ist 2012 vor allem der Fluss Evros an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland ein Problem. Weltweit sind 2012 34 Millionen Menschen auf der Flucht (Syrien, Mali, politisch bedingt; UN-Flüchtlingshilfswerk). In jüngster Zeit fliehen auch zehntausende Afrikaner nach Israel. Sie finden dort aber eher Elend und lösen Rassismus aus. Ab 01.07.2013 erleichtert die Bundesregierung die Arbeitsmigration, um den Fachkräftemangel in bestimmten Branchen zu beheben: Mittlere Qualifikation von außerhalb der EU, Ausbildungsabschluss entspricht inländischem, "Positivliste". Die Pflicht zu Sprachkursen in Deutsch stößt immer wieder auf Kritik. Die EU leitet ein Vertragsverletzungsverfahren ein. Insgesamt gibt es noch viele Mängel beim Anwerben Hochqualifizierter: Bürokratie, mangelnde Umsetzung von Reformen, zögerliche Unternehmen, schwierige Anerkennung von Abschlüssen. Der Migrationsbericht der Bundesregierung 2012 zeigt, dass Deutschland in Europa in der Zuwanderung an der Spitze liegt (1,1 Mio. Menschen). Gegenüber 2011 ist die Zuwanderung um ein Drittel gestiegen. 27.349 hoch qualifizierte Fachkräfte waren darunter. Erfreulich entwickelt sich der Zustrom von Zuwanderern außerhalb der EU (Indien, Kroatien, China). Ca. 700.000 Menschen sind aus Deutschland ausgewandert. Die Deutschen arbeiten am liebsten in der Schweiz, USA und Großbritannien. Deutschland als Arbeitsland ist am beliebtesten in Bosnien-Herzegowina, Serbien, Tunesien und Kroatien. Nach der Bundestagswahl 2017 soll ein Einwanderungsgesetz kommen, das ausländischen Arbeitskräften den Weg nach Deutschland erleichtern soll. Ende April 2015 legt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration ein Gutachten vor: Er bescheinigt ein fortschrittliches migrationspolitisches Instrumentarium. Die deutschen Regelungen zur Anwerbung von Akademikern und Fachkräften in Ausbildungsberufen seien vorbildlich. Probleme gebe es bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Gleichzeitig legt das Statistische Bundesamt die neuesten Zahlen vor: Bis 2060 wird die deutsche Bevölkerung von heute 80,8 Mio. auf 67,6 bis 73,1 Mio. zurückgehen (Einbeziehung der Migration). Die Migranten aus Afrika stellen eine besondere Gruppe unter den Arbeitsmigranten dar: Sie sind nach afrikanischen Maßstäben nicht arm. Sie suchen nach zeitlich befristeten Möglichkeiten zum Geldverdienen, um ihrer Familie zuhause zu helfen. Diese Migrationart gibt es schon lange (Internationales Migrations-Institut, London). 2016 will die EU die Blue Card verbessern (für legale, hoch qualifizierte Arbeitsmigranten). Neue Zahlen 2016 belegen: Für den deutschen Beschäftigungsrekord sind vor allem Ausländer verantwortlich. Vor allem Zuwanderer aus dem Osten (Quelle: BA). In den nächsten Jahrzehnten benötigt Deutschland eine Zuwanderung von jährlich 260.000 Menschen. Andernfalls könnte die Anzahl der Arbeitskräfte bis zum Jahre 2060 um bis zu 16 Mio. auf dann 31 Mio. zurückgehen (Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung). Bisher kommen jährlich 250.000 aus EU-Staaten, das wird sich auf 114.000 verringern.  Deutschland hat einen Nettoverlust an hoch qualifizierten Arbeitskräften. 2007 verließen mit 161.000 Auswanderern so viele Deutschland wie seit 1954 nicht mehr (Ergebnis einer Prognos - Studie 2008). In Deutschland leben 2,5 Mio. Menschen mit türkischen Wurzeln. Auffällig ist, dass nur 10% der jüngeren Männer, aber 25 der jüngeren Frauen Abitur haben; dass 63,1% Arbeiter sind. Insgesamt leben 2010 6,7 Millionen Ausländer in Deutschland (Ausländerregister, 80% europäischen Pass, 412.000 in Deutschland geboren). 16 Mio. Deutsche haben ihre Wurzel im Ausland, d. h. haben einen so genannten Migrationshintergrund. "Deutschland rekrutiert seine Einwanderer vorrangig aus den Niedrigleistern des Auslands, Und deren Nachwuchs schleppt die Bildungsschwäche weiter", Gunnar Heinsohn, Uni Bremen. Eine Untersuchung des IAB 2012 kommt zu dem Ergebnis, dass in den letzten Jahren immer mehr hoch qualifizierte Migranten nach Deutschland kommen (2010 44% Akademiker). Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt 2010 zu dem Ergebnis, dass junge Migranten besonders erfolgs- und leistungsorientiert sind (2000 Menschen wurden befragt, mit und ohne Zuwanderungsgeschichte). Das Frauenbild der Migranten (auch der Muslime) ist nicht konservativer als das der Deutschen (aber viele junge türkische Männer tun sich mit ihrem Rollenbild in Grund- und Hauptschule schwer, weil hier die Lehrerinnen überwiegen). 2009 haben zum zweiten Mal nacheinander mehr Menschen Deutschland verlassen als zugezogen sind: 733.800 raus, 721.000 rein. Nach Angaben des UNHCR flohen 2011 4,3 Mio. Menschen aus der Heimat (vor Krisen und Kriegen, nicht nur Arbeitsmigranten!). Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Migration und Integration weist darauf hin, dass die freie Grundschulwahl die soziale Spaltung verschärft. Das Statistische Bundesamt meldet Ende 2012, dass jeder achte Einwohner Deutschlands im Ausland geboren wurde. 10,7 Migranten aus 194 Ländern leben in Deutschland. Die wichtigsten Herkunftsländer sind die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (2,4 Mio.), die Türkei (1,5 Mio.) und Polen (1,1 Mio.). Seit 2011 steigt die Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien rapide an. Es handelt sich häufig um Menschen, die in ihrer Heimat unter prekären Verhältnissen leben, und die in deutsche Städte mit hoher Arbeitslosigkeit ziehen. Sie brauchen eine Arbeitserlaubnis. Die Kommunen haben dadurch erhebliche Kosten (Notunterkünfte, medizinische Versorgung, soziale Leistungen). 2013 äußert sich der Städtetag besorgt über diese Armutseinwanderung (Ansehensverlust, sozialer Friede, Schlepperbanden, Einbruchskriminalität). 2012 sind über 1 Mio. Menschen nach Deutschland eingewandert (369.000 mehr als ausgewandert sind). Die meisten kamen aus Polen (176.000). Die Zahl der Einwanderer aus Spanien, Portugal und Griechenland ist um über 40% angestiegen. Vgl. das virtuelle Migrationsmuseum www.lebenswege.rlp.de . In einem Bericht der Antidiskriminierungsstelle 2013 wird ausgeführt, dass jeder vierte Schüler oder Student mit ausländischen Wurzeln sich im deutschen Bildungssystem diskriminiert fühlt. 2013 sieht die OECD eine Wende bei der Migration in Deutschland. Es kehren immer mehr Auswanderer zurück, während immer weniger Menschen auswandern (Negativsaldo 2012  18.000, Quelle StBA). 2014 sollen 150 chinesische Pflegekräfte nach Deutschland kommen. Die Zahl der Einbürgerungen ist 2013 unverändert geblieben. 112.359 Ausländer wurden in die Bundesrepublik eingebürgert. Vergleicht man die Migration nach Deutschland von 1993 und 2003 so zeigt sich folgendes: Extrem angestiegen ist die Einwanderung aus den neuen Mitgliedsstaaten der EU. Auch aus den EU14 ist die Zuwanderung gestiegen. Die Einwanderung aus Asien, Afrika, Amerika hat sich nicht gravierend verändert. 2015 fordert die SPD ein Einwanderungsgesetz mit Punktesystem (Vorbild Kanada; Vorrang für Qualifikation). Vgl. Steinhardt, M. F.: Zuwanderung nach Deutschland, in: Wirtschaftsdienst 2014/ 7, S. 524-526. Nach einer Studie des Bundesarbeitsministeriums 2015 könne pro 100.000 Personen Zuwanderung ein Wirtschaftswachstum von 0,35 Punkte erzielt werden. Nach Angaben des UN-Hochkommissars für Flüchtlingsfragen waren Ende 2014 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Ab November 2015 lassen die Balkanländer keine Wirtschaftsflüchtlinge (Arbeitsmigranten) mehr durch. 2016 lässt die Türkei keine syrischen Akademiker mehr nach Deutschland, auch wenn sie ein Visum besitzen. 2018 gibt es den Vorschlag des Spurwechsels. Asylbewerber die einen Job haben und integriert sind (Deutsch, Wohnung), aber abgelehnt werden, sollen ein Bleiberecht bekommen. Das ginge wohl nur mit Stichtag. Die SPD spricht sich für den Vorschlag aus.  "Wir können Wissen importieren, wie seinerzeit bei der Einwanderung der Hugenotten", Hans-Werner Sinn, Ökonom, in: Die Zeit, Nr. 2, 2015, S. 21.

Gesetz für Beschäftigungsduldung für abgelehnte Asylbewerber: Es wird im Juni 2019 in der Regierung beschlossen. Die Duldung bezieht sich auf Ausbildung und Arbeit.

Wirtschaftsflüchtlinge: Es handelt sich um Flüchtlinge, die in Deutschland eine bessere Zukunft suchen. Gerade die Kommunalpolitiker machen sich darüber große Sorgen. Es kommt zu einem Verteilungskampf, weil die Bürger den Eindruck gewinnen, dass für Flüchtlinge alles getan wird, aber für die Rente, Altersarmut, Wohnungssuchenden und Schulen kein Geld da ist. Die Politik muss sich um alle Gruppen gleichermaßen kümmern.

Zirkuläre Arbeitsmigration: Zirkuläre Arbeitsmigranten sind Menschen, die für Arbeit in ein Land kommen, wenn sie verfügbar ist. Aber sie gehen auch wieder, wenn sie anderswo bessere Chancen sehen bzw. keine Arbeit mehr da ist. "Ich will an alle potentiell illegalen Wirtschaftsmigranten appellieren, woher auch immer Sie stammen: Kommen Sie nicht nach Europa. glauben Sie nicht Schleppern. Riskieren Sie nicht Ihr Leben und Ihr Geld. Es ist alles umsonst". Donald Tusk, Präsident des Europarates, 2016.

Migrationsrentabilität, Migrantenökonomik (eigentlich Unworte; der Tatbestand muss aber irgendwie benannt werden): Sie ist schwierig zu berechnen. Am Beispiel Japans haben wir das mal versucht. Man kann nur erstmal grob die Faktoren beziffern, die eine Rolle spielen. Die Wohlfahrt wird durch Arbeitsmigration im Zielland nicht in jedem Falle gesteigert. Die Wanderer haben die Industrieländer als Ziel. Dort locken sie auch die hohen Löhne. Sie kommen aber auch in die Sozialsysteme. Sie verbessern dadurch ihre eigene Position, verschlechtern aber die Lage der Steuerzahler im Zielland. Je größer das Transfersystem eines Landes ist, desto attraktiver wird es für Migranten (Selbstselektion). Die Migranten benutzen und beanspruchen zusätzlich das Eigentum der indigenen Bevölkerung: Straßen, Schulen, Krankenhäuser, Justizwesen (sie treten teilweise in Wettbewerb, sie konkurrieren am ehesten mit den gering Qualifizierten). Diese Infrastruktur wurde mit Mitteln der Steuerzahler geschaffen und wird von ihnen unterhalten. Also muss ein Land aufpassen. Z. B. wäre eine Karenzzeit beim Zugang zu den Sozialsystemen eine Möglichkeit. 2015 wächst die deutsche Bevölkerung durch Zuwanderung um ca. ein Prozent. Das ist historisch und im internationalen Vergleich eine extrem hohe Zahl. Entscheidend dürfte der Zugang zum Arbeitsmarkt sein, damit Kosten von den Migranten selber getragen werden können. Sprachprobleme, Qualifikation und Mindestlohn dürften hier Einfluss haben. Wahrscheinlich spielt auch das Herkunftsland eine große Rolle dabei. Syrer und Eritreer gelten als relativ höher qualifiziert.  Die empirischen Daten sind noch zu ungenau. Zunächst wirkt die Einwanderung wie ein Konjunkturprogramm (Binnenkonjunktur). Die Nachfrage steigt an. In Bildung, Wohnungen und Gesundheit muss dringend investiert werden. Die beste Form von Investition dürfte aber eine gelungene Integration sein (Länder, die Flüchtlinge aufnehmen, gewinnen bei erfolgreicher Integration: z. B. Steuerzahler, Nachfrage). Sie besteht aus den Bausteinen "Bildung, Arbeit und Heimat" (Wohnraum, medizinische Versorgung, Sozialsysteme). Erschwert wird die Integration vor allem durch Kriegstraumata der Flüchtlinge und durch das Frauenbild männlicher islamischer Einwanderer, die die größte Gruppe stellen (50% der Flüchtlinge haben posttraumatische Belastungsstörungen; 40% von ihnen sind selbstmordgefährdet). Wichtig ist auch die Qualifikation der Flüchtlinge (Schätzungen sprechen von 70%, die nicht für den Arbeitsmarkt qualifiziert sind). Die Löhne bei einfacher Arbeit dürften unter Druck kommen (entweder legal oder illegal) und die Schattenwirtschaft wird sich ausweiten. Insgesamt wird die Einkommensverteilung in Deutschland, die schon ungleicher geworden ist, noch ungleicher werden (H. - W. Sinn in der ZEIT vom 08.10.15). Im Schnitt sind Flüchtlinge deutlich weniger qualifiziert als Deutsche. Wenn die Qualifikation hoch ist, fehlen oft Deutschkenntnisse oder zumindest Englischkenntnisse. Die Arbeitslosenzahlen werden sicher ansteigen (mit allen entsprechenden Kosten). Neben den Qualifikationsmängeln spielen auch "schwierige institutionelle Bedingungen eine Rolle" (IAB). Der Staatssektor wird sich wieder mehr aufblähen (steigende Transferzahlungen, Personalausgaben der öffentlichen Haushalte). Dafür braucht er aber weiterhin dauerhaft niedrige Zinsen, um die zusätzlichen Schulden bezahlen zu können (es gibt schon Forderungen nach Ausgliederung aus dem Haushalt). Dann drohen Fehlinvestitionen und Wohlstandsverluste (kalte Enteignung). Die rechten Populisten bekommen starken Zulauf und werden die politische Landschaft verändern. Dadurch wird auch die Kriminalität ansteigen (BKA: schon bis Oktober 2015 über 500 Anschläge auf Asylbewerber-Unterkünfte; aber keine Islamisten oder Sympathisanten unter den Flüchtlingen; Problemgruppen eher aus Nordafrika und Osteuropa). Eine Analyse der vielen historischen Einwanderungswellen in Deutschland zeigt eindeutig, dass ein wirtschaftlich starker Staat, der Arbeitskräfte braucht und dessen Gesellschaft überaltert ist, von Zuwanderung mittelfristig nur profitieren kann. Die Allianz schätzt die Kosten der Flüchtlingskrise bis 2025 auf rund 90 Mrd. €. Der SRW beschäftigt sich in seinem Jahresgutachten 2015 mit der Migrationsrentabilität: Er hält die Zuwanderung insgesamt für positiv und bezahlbar. Entscheidend seien schnelle Asylverfahren und eine zügige Integration in den Arbeitsmarkt. Die Zuwanderungskosten werden 2015 auf bis zu 8,3 Mrd. € beziffert (2016 maximal 14,3 Mrd. €, bis 750.000 Zuwanderer). Flüchtlinge können aber nur ein- und aufsteigen, wenn der Arbeitsmarkt weiter dereguliert wird. Auch eine bessere Verbindung von Humanität und Ökonomie wäre nicht schlecht (vgl. Die Zeit, Nr. 46, 12.11.15, S. 23/24). Der Mindestlohn könnte Unqualifizierte vom Arbeitsmarkt ausschließen. Der Bau von Flüchtlingsunterkünften, die Einstellung von zusätzlichem Personal und die Bildungsprogramme wirken wie ein kleines Konjunkturprogramm (mit Multiplikator).  Die steigenden Sicherheitskosten (mehr Polizei, mehr Richter; Fanal sind die Vorgänge vor dem Hauptbahnhof in Köln in der Silvesternacht) belasten aber die öffentlichen Haushalte. Eine Karenzzeit für alle Einwanderer (von D. Cameron in GB gefordert) bei den Sozialleistungen könnte die Kosten drastisch senken (Verhinderung der Entstehung eines Migranten - Prekariats). Eine Wohnsitzauflage (Residenzpflicht), wie sie vermehrt gefordert wird, könnte die Folgekosten in den Städten und Ballungsgebieten senken (Vermeidung von Ghettos). Auf keinen Fall ist Einwanderung für Alle von ökonomischem Vorteil: Einwanderung ist mit Umverteilung verbunden (Lüge der Politik!). Die Verschiebung des ethnischen und kulturellen Gleichgewichts lässt sich nur schwer messen (Indikatoren sind umstritten, z. B. Kriminalität). Asylsuchende in der Schweiz sind verpflichtet, bei der 'Einreise persönliche Vermögenswerte von mehr als 1000 Franken abzugeben. Mit denen müssen sie sich an den Kosten des Aufenthalts beteiligen (Asylgesetz). Sehr schwer zu berechnen sind die Kosten, die die Grenzkontrollen in der EU für den Handel mit sich bringen. Die Grenzkontrollen dürften verschärft werden und länger andauern. Es gibt Schätzungen, die die Kosten für den Handel mit 10 Mrd. Euro pro Jahr beziffern. Trotzdem dürften Grenzen wieder ein Comeback erleben. Im Februar 2016 zeigt sich zuerst, dass die gesetzlichen Krankenkassen hohe Defizite haben, weil sie nach der Anerkennung Asylbewerber aufnehmen müssen. Über die Sozialversicherungsbeiträge werden die Mitglieder an der Finanzierung indirekt beteiligt. Eine konsequente Einwanderungspolitik (mit Einwanderungsgesetz auf Qualifikation ausgerichtet)   - wie sie etwa Australien und Kanada betreiben - wäre sicher rein ökonomisch betrachtet die beste Lösung. Schwer zu errechnen ist der Effekt, dass durch Zuwanderer die Wirtschaft besser internationalisiert werden kann. Sprachkenntnisse können erheblich in den Heimatmärkten der Zuwanderer helfen. Die Schweizer Ökonomen Margit Osterloh und Bruno Frey entwickeln eine ökonomische Analogie zur Genossenschaftsidee: Sie wollen Länder mit ihren jeweiligen Sozialsystemen als Genossenschaften begreifen. Wer in ein Land kommen will, muss Anteilsscheine erwerben. Das gilt auch für Flüchtlinge. Rolf Langhammer vom IfW in Kiel ist der Ansicht, dass die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands durch den Zustrom an Flüchtlingen abnimmt: Die Zuwanderung lässt den Dienstleistungssektor expandieren. Die Exportindustrie wird geschwächt. Vgl. als Quelle: Faßmann, Heinz: Migration - Gefahr oder Potential, in: FAZ, Mo. 27. Juni 2016, S. 6 (der Autor ist Vizerektor der Uni Wien).  "Wir wollen, dass die Hochschulen zur Integration beitragen", Johanna Wanka, Bundesbildungsministerin 2015. "Nicht Flüchtlinge sind die Gefahr, sondern Populisten", Charles Taylor, kanadischer Philosoph (im Handelsblatt vom 09. Oktober 2015, S. 8). Im Schnitt kosten 800.000 Migranten in einem Jahr 10 Milliarden Euro. Eine aktuelle Studie aus den USA kommt zu dem Ergebnis, dass geringere Sozialleistungen und mehr Arbeitserlaubnisse den Einwanderern spürbar helfen. Vgl. George Borjas: Does Welfare Reduce Poverty? October 2015. Die Bundesländer planen für 2016  17 Mrd. € mehr für Flüchtlinge ein (vor allem für Bildung, Grundlage aber 800.000). Der Städtetag sieht einen immensen Bedarf an Wohnraum in Ballungsgebieten. Der Bund hat die Mittel für die Jahre 2016 bis 2019 fast verdoppelt (jährlich 500 Mio. €. für sozialen Wohnungsbau; wirkt auch wie ein Konjunkturprogramm). Schwierig zu messen sind die Kosten, die entstehen, wenn innerhalb Europas die Grenzen dicht gemacht werden (Aufgabe des Schengen-Raums). Die Einführung von Grenzkontrollen würde den Warenaustausch behindern und Produktionsprozesse verzögern. "Die Herausforderung ist viel größer, als wir sehen und sehen wollen. Es wird zu wenig getan", Christine Lagarde, IWF-Chefin zur Flüchtlingskrise. Zwei neue Studien zu den Kosten der Flüchtlinge in Deutschland kommen Anfang 2016 heraus: 1. Institut für Weltwirtschaft, Kiel: Im günstigsten Falle jährlich 25 Mrd. €. 2. IW, Köln: 2016 und 2017 fallen 50 Mrd. € für die Flüchtlingskrise an. Die Frage wird aber politisch sein, wer die Integration bezahlt. Bund und Länder streiten über die Kosten. Die Kommunen sind auch unzufrieden. Der IWF rechnet für Deutschland mit Kosten für 2016 von 0,35% des BIP (absolut 11 Mrd. €; Schweden 1,0%, Dänemark 0,57%). Dafür steige das Wirtschaftswachstum um 0,3 Prozentpunkte mehr. Das HWWI Hamburg empfiehlt einen Sonderhaushalt (Sondertopf mit Transparenz, Fonds). Bis 2020 kalkuliert die Bundesregierung zur Versorgung der Flüchtlinge mit Kosten von insgesamt 93,6 Mrd. Euro. Darin enthalten sind die Ausgaben zur Bekämpfung der Fluchtursachen. Bund und Länder versuchen im Juni 2016 sich über die Aufteilung der Flüchtlingskosten zu einigen (der Bund bietet an drei Jahre die Unterbringungskosten für anerkannte Flüchtlinge zu übernehmen, ebenso einen Zuschuss für die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge). Ein finanzökonomisches Modell zeigt 2016, dass der "fiskalische Break-even-Point" 2031 möglich ist. Vgl. Brühl, Volker: Die Kosten der Flüchtlingskrise in Deutschland - eine Investition in die Zukunft?, in: Wirtschaftsdienst 2016/ 7, S. 479ff. Ende 2017 richtet man Rückkehrprämien für Asylbewerber ein. Sie sind günstiger als die Kosten der Zwangsabschiebung.

Migrationsgeschichte: Die der Neuzeit beginnt im frühen 17. Jahrhundert. Der Dreißigjährige Krieg hatte die deutschsprachigen Länder verwüstet und zu einem Bevölkerungsrückgang um rund ein Drittel geführt (im Mittelalter hatte die Pest die Bevölkerung stark dezimiert). Viele Fürsten begannen daraufhin eine merkantilistische Migrationspolitik. Die Konfession stellte dabei ein wesentliches Kriterium dar. So kamen aus Frankreich stammende Hugenotten vor allem in protestantische Länder. Von Mitte des 18. Jahrhunderts prägten dann Abwanderungen aus Deutschland das Geschehen. Zunächst nach Mittel- und Osteuropa, dann in die USA. Auch nach Großbritannien wanderten viele Deutsche damals aus (London klagte über zu viele Deutsche, Daniel Defoe). Im 19. Jahrhundert kamen im Zuge der Industrialisierung und Urbanisierung millionenfache Einwanderer (um 1890 war die Zuwanderung wieder höher als die Auswanderung). Die beiden Weltkriege brachten Gewalt- und Zwangsmigrationen. Nach dem Kriege kamen 12,5 Millionen Flüchtlinge in die Bundesrepublik und die DDR. In den frühen Fünfzigerjahren bis Anfang der Siebziger wurde eine aktive Einwanderungspolitik betrieben mit "Gastarbeitern" aus Italien, Portugal, Spanien und der Türkei. Später kamen Kriegsflüchtlinge aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg und Russland-Deutsche. Vgl. Die Zeit: Die neuen Deutschen, Hamburg 2015 (Zeitgeschichte Nr. 4/2015). Heute ist Deutschland ein Einwanderungsland. Wanderungen aus islamischen Ländern und in islamische Länder gab es schon einmal im 16. und 17. Jahrhundert aus Staaten Nordafrikas (Tunis, Marokko u. a.). Nachdem die Mauren aus Spanien vertrieben worden waren, betätigten Sie sich als Seeräuber im Mittelmeer. Die "Korsaren" überfielen auch einige Küsten immer wieder (Italien, Skandinavien, Island). Die eroberten Seeleute wurden in der Regel versklavt oder als Geiseln genommen. Die Seeräuberei wurde zu einem Geschäftsmodell. Dieses konnte erst nach dem Aufbau einer Kriegsflotte in den USA mit sehr modernen Kriegsschiffen beendet werden.

Migrationstheorie: Es ist kein geschlossenes, konsistentes  theoretisches System. Es geht eher um die Behandlung zentraler Hypothesen und ihre Versachlichung. Folgende Thesen sind immer wieder umstritten: 1. Je besser die Konjunktur, desto stärker die Einwanderung. 2. Geschlossene Grenzen führen nicht einfach zu weniger Migration. 3. Migrationspolitik ist schwierig zu beurteilen (restriktiv oder nicht). 4. Entwicklungshilfe dient nicht der Bekämpfung von Migrations - Ursachen. 5. Migranten stehlen keine Arbeitsplätze. 6. Migration kann nicht das Problem alternder Bevölkerung lösen. Vgl. De Haas: Mythen der Migration, in: Der Spiegel 9/2017, S. 61ff. Der Ökonom Sinn sieht Migration und Freihandel als Substitute, nicht Komplementäre. "Wenn ich meine linke Hand verletzt habe, brauche ich die rechte besonders - und es wäre nicht klug, diese noch festzubinden". Siehe FAZ Nr. 269, Mo. 20. Nov. 2017, S. 19.

Migrationsakzeptanz: Es gibt Gesellschaften, die keine Migranten wollen. Dazu gehören etwa Japan, Singapur oder Süd-Korea sowie Israel. Andere Länder wollen sich nur die allerbesten Einwanderer sichern. Hierzu gehören Australien und Kanada (entsprechende Einwanderungsgesetze). In Gesellschaften mit hohem Anteil an Migranten, wie in Deutschland, ist die Einstellung der Menschen dazu ganz entscheidend. Ohne einen bestimmten Anteil an ehrenamtlichen Helfern klappt die Organisation nicht. Dabei gibt es insgesamt eine Polarität von Inklusionismus und Exklusionismus (Robert Prechter: Pioneering Studies in Socionomics, 2003). Anfangs überwiegt die positive soziale Stimmung (christliche Nächstenliebe, Brüderlichkeit, Solidarität). Der Stimmungsumschwung kann aber ganz schnell kommen (wenn z. B. größere terroristische Anschläge kommen oder weitere Ereignisse wie in der Silvesternacht in Köln). Gefährlich ist es, wenn das Ingroup-Outgroup-Paradigma der Sozialpsychologie wirksam wird. Es erklärt, warum und unter welchen Bedingungen Menschen innerhalb einer Gruppe mehr kooperieren und es weniger mit Menschen außerhalb der Gruppe tun. Integration stellt sicher, dass sich mehr Menschen einer Gruppe zugehörig fühlen können. Empathie gegenüber Menschen fremder Kulturen ist auch erlernbar. Behandelt uns ein Fremder aus einer anderen Kultur hilfsbereit, steigert das unser Mitgefühl  (Ergebnis der Neurowissenschaft der Uni Zürich). Auf keinen Fall ist Einwanderung für alle von ökonomischem Vorteil: Einwanderung ist mit Umverteilung verbunden (Lüge der Politik!). Also steigt bei den Verlierern der Einwanderung die Ablehnung der Eingewanderten (sie leben auch an den Nahtstellen der Ballungsgebiete zusammen). In jeder Kultur gibt es auch so was wie ein ethnisches Gleichgewicht (nicht genau zu messen). Geht das verloren, kann die Stimmung gegenüber Migranten auch schnell kippen oder die Ghettobildung wird beschleunigt. Psychologisch besteht auch eine inverse Beziehung zwischen Migrationsakzeptanz und Angst: Wenn die Angst steigt, sinkt die Akzeptanz. Die Angst steigt z. B., wenn Risken verschwiegen werden, Abstieg droht, mehr Menschen betroffen sind. Die Angst vor Flüchtlingen kann sich auch vermischen mit der Angst vor einer Polarisierung in der Gesellschaft und vor einem möglichen Verfall der EU (Flüchtlinge als Sündenböcke; politisch genutzt von Rechtspopulisten). Die Akzeptanz wird auch vom Zusammenhang von Migration und Kriminalität beeinflusst. Hier muss statistisch sauber gearbeitet werden. Entscheidend ist, inwieweit die Zuwanderer langfristig Fuß fassen (vgl. Studie von Christian Walburg im Auftrag des Rates für Migration). Nach einer Umfrage von Allensbach 2016 sorgen sich fast zwei Drittel der 30 bis 59-Jährigen angesichts der großen Anzahl von Flüchtlingen. Nach Informationen der Bundesregierung im September 2016 nehmen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Intoleranz insbesondere in den neuen Ländern dramatisch zu. 2016 gibt es 1800 Übergriffe gegen Flüchtlinge und Asylbewerber. Im April 2017 zeigt die Kriminalitätsstatistik, dass bei den Zuwanderern die Kriminalitätsrate um über 50% angestiegen ist (Männer, auch gegenüber Zuwanderern). "Man in his social and political existence must have a finctioning society just as he must have air to breathe for his biological existence", Peter F. Drucker. Im Bundesland "Sachsen" ist die Migrationsakzeptanz am geringsten und damit die Fremdenfeindlichkeit am höchsten. Nach einer Studie der Universität Leipzig im Juni 2016 ist die Ausländerfeindlichkeit gestiegen und die Akzeptanz von Migranten zurückgegangen. Die Vorbehalte gegenüber Muslimen und Minderheiten nehmen zu. Im Südosten von München wird um eine Flüchtlingssiedlung ein Lärmschutzwall gebaut. Sie sorgt international für Empörung. "Wir brauchen eine rationale Politik der Zuwanderung", Heinrich August Winkler, Historiker, Berlin.

Re-Migration: Auswanderer mit Migrationshintergrund. Der Saldo mit der Türkei ist mittlerweile negativ (mehr Auswanderer mit Migrationshintergrund als Einwanderer). Die soziodemographischen Merkmale müssen genau untersucht werden. Sehr wichtig für Deutschland ist die berufliche Struktur (sowohl Auswanderer mit einfachen beruflichen Tätigkeiten als auch Hochqualifizierte). Der Lebensabschnitt hat einen großen Einfluss. Vgl. Kuhlenkasper, T./ Steinhardt, M. F.: Neue Ergebnisse zur Struktur der Auswanderer mit Migrationshintergrund in Deutschland, in: Wirtschaftsdienst 11/2012, S. 784-786. Seit 2008 ist der Saldo der Zuwanderung positiv: Es kamen, vor allem aus der EU, mehr Einwanderer nach Deutschland als Menschen aus Deutschland wegzogen. Die Motivation liegt überwiegend in der Aussicht auf Arbeit, nicht in den großzügigen Sozialleistungen.  Die Re-Migration funktioniert mit einigen Staaten sehr gut (z. B. mit Vietnam). Fachkräfte für die Altenpflege werden in Deutschland ausgebildet und eingesetzt und gehen dann wieder in ihr Heimatland zurück. Ende 2018 ruft der Irak die Flüchtlinge aus seinem Land zur Heimkehr auf.

Emigration: Die meisten Deutschen wandern in die Schweiz, nach Österreich, in die USA oder Großbritannien aus.

Zuwanderergruppen nach Deutschland: Normalerweise werden folgende Gruppen unterschieden: EU-Binnenmigration, Familiennachzug, Spätaussiedler (einschl. Familienangehörige), Asylbewerber, IT-Fachkräfte, Studienanfänger mit ausländischem Schulabschluss. 2013 sind die Zuwanderer überwiegend jung und gut qualifiziert. Sie kommen aus anderen EU-Ländern, die eine schlechte Konjunktur haben. Zwischen 2010 und 2011 ist die Zuwanderung stark angestiegen. Es kamen rund 300.000 Menschen nach Deutschland. Damit steht Deutschland an fünfter Stelle unter den Zielländern der OECD (Quelle: "Internationaler Migrationsausblick", OECD). Im ersten Halbjahr 2013 steigt stark die Anzahl der Asylbewerber an (43.000; 86,5% mehr als im Vorjahreszeitraum; aus Russland, Syrien und Afghanistan). 2013 kommen die meisten Asylbewerber aus Russland (21,9%), Syrien und Afghanistan. Von den 2012 nach Deutschland Zugewanderten kamen die meisten aus Polen, gefolgt von Rumänien und Bulgarien. Die meisten Zugewanderten haben einen akademischen Abschluss. Die EU beschließt Ende 2013, die Armutseinwanderung zu beschränken. Von Bürgern aus Balkanstaaten können wieder Visa verlangt werden. Ab 01. Januar können Arbeitnehmer auch aus Rumänien und Bulgarien in jedem anderen der insgesamt 28 EU-Länder frei arbeiten (Freizügigkeit). Es galten Übergangszeiten. Die CSU verlangt, die "Armutszuwanderung zu beschränken, indem in den ersten drei Monaten keine Sozialleistungen gezahlt werden sollen. Aber 55% der Zuwanderer mit bulgarischen oder rumänischen Hintergrund verfügen mindestens über einen Fachhochschulabschluss (Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Berlin). Die Bundesregierung setzt 2014 ein Staatssekretärsausschuss ein, der sich damit beschäftigen soll. Es gibt einen Streit innerhalb der EU darüber, ob Deutschland bedürftigen Zuwanderern Sozialleistungen zahlen muss (Bedingungen, zustängiger Kommissar Laslo Andor). Die EU will sich speziell mit dem "Sozialtourismus" beschäftigen. Es geht um die Frage, ob EU-Ausländer bereits während der Arbeitssuche Anspruch auf Hartz IV haben (auch wenn sie "wirtschaftlich inaktiv" sind). Verfahren sind beim EuGH und beim Sozialgericht Leipzig anhängig. Die Bundesregierung hat Pläne gegen Sozialmissbrauch 2014: befristete Wiedereinreisesperren für Sozialbetrüger; Steueridentifikationsnummer. Die Bundesregierung will ab 2015 Jugendliche unter 18 Jahren, die ohne Begleitung nach Deutschland kommen, in möglichst allen Bundesländern unterbringen. Alle Parteien im Bundestag sind Mitte 2015 für ein neues Einwanderungsgesetz, das unter anderem die schnellere Integration auch von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt regeln soll. Im Nahen Osten und in Afrika (vor allem in Uganda, Tschad und Somalia) gibt es besonders viele Junge Männer ohne Job und Perspektive. Die Integrationsmöglichkeiten in Deutschland steigen, wenn die Gesellschaft aufnahmebereit ist und die Zuwanderer sich an die Spielregeln der neuen Heimat halten. Über Lampedusa kommen nur Flüchtlinge aus Afrika nach Europa. Sie kommen aus Nigeria, Sambia und Somalia. Die Bundesregierung plant Migrationspartnerschaften mit diesen Ländern (Entwicklungshilfe gegen Rücknahme von Flüchtlingen). Mitte 2016 kommen immer mehr Flüchtlinge über die Schweiz nach Deutschland. Sie kommen zum großen Teil aus den Ländern Nordafrikas. Der Brexit dürfte auch die Einwanderung nach Deutschland beeinflussen. Mehr Menschen aus Osteuropa, die in GB nicht mehr erwünscht sind, könnten nach Deutschland kommen. Ein Rückkehrabkommen mit Afghanistan wird im Herbst 2016 geschlossen. Jeder fünfte Bürger in Deutschland hat 2016 Wurzeln im Ausland. Die drei wichtigsten Herkunftsländer sind die Türkei, Polen und Russland (Quelle: Destatis). 2016 sind fast 105.000 Familienangehörige nach Deutschland nachgeholt worden (Familiennachzug). Ab 2017 könnte es noch 300.000 Migranten durch Nachzug geben. Weltweit sind 45 Mio. Menschen vor politischer Verfolgung, militärischer Bedrohung oder materieller Not auf der Flucht. 2015 steigt die Zahl auf 60 Mio. Viele suchen in der EU Schutz. Das größte Auffanglager hat die Insel Lampedusa, die zu Italien gehört. Deutschland nahm in der EU die meisten Flüchtlinge auf, nämlich 680.980. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl nahm Malta die meisten Flüchtlinge auf. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass in vielen europäischen Ländern das Bleiberecht erkauft werden kann (Immobilienkäufe, Staatsbürgerschaft gegen Geld). Bei den Zuwanderergruppen aus Bulgarien und Rumänien, die ab 2013/ 2014 verstärkt zuu uns kommen ist Folgendes bemerkenswert: Das Durchschnittseinkommen liegt unter 6000 € im Jahr (Deutschland 43.000 €). Der Anteil der Arbeitskräfte ohne abgeschlossene Ausbildung ist höher als in Deutschland (ca. 25% gegen 18%). die Arbeitslosenquoten in diesen Ländern sind höher (ca. 10% gegen 6%).  Die Zuwanderer konzentrieren sich auf wenige Städte (z. B. Berlin, Dortmund). Dort werden sie oft ausgebeutet. Laut einer Untersuchung des IAB der BA 2014 lässt sich ein Missbrauch von Sozialleistungen nicht belegen: Inanspruchnahme geringer als bei anderen Ausländergruppen. Zwei Drittel der im ersten Halbjahr 2013 nach Deutschland eingewanderten Bulgaren und Rumänen sind erwerbstätig. Nach einer Untersuchung des IW 2014 ist die überwiegende Zahl der Zuwanderer gut ausgebildet. Knapp 25 Prozent der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien besitzen einen Hochschulabschluss (innerhalb der Gesamtbevölkerung nur 19%). Der Bund sagt auf einer Konferenz mit den 13 am stärksten betroffenen Städten zu, Geld für "Schrottimmobilien" zur Verfügung zu stellen (Kauf und Sanierung). Im Auftrag der Partei Die Linke legt das IAB 2014 eine Studie mit folgenden Ergebnissen vor: Jeder zweite Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien arbeitet 2014 unter der Mindestlohngrenze. Ende 2013 ist die Zahl der Ausländer in Deutschland auf einen Höchststand gestiegen: 7,6 Mio. leben hier (+420.000, Ausländerzentralregister, StBA). 2014 sind weltweit über 51 Mio. Menschen auf der Flucht vor Krieg und Gewalt (Afghanistan, Irak, Somalia, Syrien). Das ist die höchste Zahl von Flüchtlingen seit dem Zweiten Weltkrieg. 2014 will die Bundesregierung den Zugang zu Sozialleistungen für Zuwanderer erschweren (6 Monate Arbeit vorher, Steueridentifikationsnummer). 2014 soll die Gesetzeslage verschärft werden, um Islamisten deutscher Staatsangehörigkeit die Wiedereinreise aus Kampfgebieten zu erschweren. Auch der Umgang mit ausländischen Extremisten soll verschärft werden. Die Bundesregierung gibt 2014 25 Mio. Soforthilfe an Städte mir besonders vielen Zuwanderern aus ärmeren EU-Staaten. Im Oktober 2014 einigt sich die EU auf einen Verteilungsschlüssel für die Aufnahme von Flüchtlingen (freiwillig und zeitlich begrenzt). Ende 2014 veröffentlicht das ZEW/ Mannheim eine Studie, nach der 2012 durch Zuwanderung die Sozialkassen um 22 Mrd. Euro entlastet wurden. Ende 2014 kommt ein Gesetzesentwurf, der das Aufenthaltsrecht reformiert: Wer integriert ist, soll ein Bleiberecht bekommen. radikale und kriminelle Zuwanderer sollen leichter abgeschoben werden. Die dauerhafte Zuwanderung nach Deutschland hat 2013 stark zugenommen. Nach der OECD hatte Deutschland die zweithöchste Zuwanderung nach den USA (465.000). Der Migrationsbericht 2013 wird Mitte Januar 2015 vom Bundesinnenminister vorgelegt: Die Nettoimmigration war nicht so hoch, weil auch 800.000 Menschen ausgewandert sind (1,23 Mio. Einwanderer; höchster Zuwachs seit 1992, 470.000 Einwanderer mehr). Die meisten Einwanderer kamen aus Polen, Rumänien und Italien. Noch nie seit 1967 haben so viele Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Deutschland gelebt wie 2015 (8,2 Mio.). Die Vorsitzende des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Christine Langenfeld, spricht sich Ende August 2015 für ein Einwanderungsgesetz für Deutschland aus. Für Lebensunterhalt, Spracherwerb und Qualifizierung hält das Bundesarbeitsministerium 2016 1,8 bis 3,3 Milliarden Euro zusätzlich vor (800.000 Flüchtlinge; Anerkennungsquote von 35 bis 45%; 2019 werden 7 Mrd. € 2019). 2014 verzeichnet das Statistische Bundesamt die höchste Zuwanderung seit 21 Jahren: 1.465.000. 830.000 kamen aus der EU. Auf dem Gipfel zwischen Bund und Ländern Ende September 2015 geht es im Kern um drei Punkte: Fehlanreize abstellen, Integrationsanreize schaffen, Gesundheitskarte. Bei der Rückführung setzen die Länder auf verschiedene Konzepte: Abschiebung und freiwillige Rückkehr. 290.000 Flüchtlinge sind Ende September 2015 noch nicht registriert. Eine Prognose der Bild-Zeitung rechnet für 2015 mit insgesamt 1,5 Mio. Asylbewerbern. Folgende Daten liegen Anfang November 2015 vor: Bei den Herkunftsländern liegt Syrien an der Spitze. 25% der syrischen Befragten haben Hochschulbildung. Die meisten Asylbewerber sind unter 16 Jahren (48.362). 2015 steigt stark der Anteil der Flüchtlinge aus Afghanistan auf der Balkanroute (24%). 2015 kamen 26.000 flüchtende Menschen aus den Magreb-Staaten (Algerien, Marokko, Tunesien). Die Schutzquote ist relativ niedrig (Algerien 1,7%, Marokko 3,7%, Tunesien 0,2%). 2015 sind ca. 6000 minderjährige Flüchtlinge in Deutschland verschwunden. Aus den nordafrikanischen Maghreb-Ländern kommen im März 2016 nur noch 480 Flüchtlinge nach Deutschland (sichere Herkunftsländer). Im April erreichen allerdings 8370 Migranten Europa über die südliche Mittelmeerroute (Italien). Seit langem erstmals mehr als über die griechischen Inseln (2700). Immer mehr syrische Flüchtlinge bekommen 2016 nur noch subsidiären Status (zweites Asylpaket). Die Aufenthalterlaubnis beträgt dann nur ein Jahr und der Familiennachzug wird auf zwei Jahre ausgesetzt. Kriminelle Gruppen aus Georgien schicken Landsleute nach Deutschland, die unter dem Deckmantel eines Asylverfahrens in Wohnungen, Häuser und Läden einsteigen. Von Januar bis September 2016 sind nur noch 166.000 Flüchtlinge und Migranten über die Griechenland-Route gekommen. Insgesamt sind im gleichen Zeitraum 300.000 über das Mittelmeer gekommen. 2019 fliehen Tausende Venezolaner in die EU.

Asylbewerber: Das Kriterium der Verfolgung aus politischen, rassistischen, religiösen oder sonstigen Gründen unterscheidet den Flüchtling bzw. Asylbewerber vom Migranten. Zugang zum Arbeitsmarkt: In Deutschland herrscht Residenzpflicht. Die Asylbewerber dürfen sich nur innerhalb von Landes- oder Kreisgrenzen bewegen. Sie dürfen erst nach neun Monaten arbeiten, solange sie keinem Deutschen den Arbeitsplatz wegnehmen. Anspruch auf einen Sprachkurs haben sie nicht. Ihnen steht ein Taschengeld zu. Mehr als 50 Prozent sind in Heimen und Wohncontainern untergebracht, die meist am Rande der Stadt liegen. Die Bundesländer stehen vor massiven Herausforderungen. Im September 2014 wird das Asylrecht geändert (Länder billigen Kompromiss, entscheidend ist der Ministerpräsident von B.- W.). Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina werden als "sichere Herkunftsstaaten" eingestuft. Das soll Flüchtlingen aus Syrien und Irak zugute kommen. 2015 müssen Asylbewerber in Deutschland durchschnittlich 7,1 Monate warten bis das Verfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgeschlossen ist. Mit dieser Dauer ist Deutschland Schlusslicht in der EU. Die lange Übergangszeit verzögert die Arbeitssuche und verlangsamt die Integration. Das Bundesarbeitsministerium plant ein Bleiberecht für Flüchtlinge mit Ausbildung. Die Angriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland nehmen zu. Mitte 2015 beschließt das Parlament die Asyl-Reform: Es gibt ein Bleiberecht für geduldete Bewerber, die gut integriert sind (8 Jahre, Job). Die Regeln für die Abschiebung werden verschärft. Um eine bessere Effektivität zu erzielen, könnten folgende Maßnahmen helfen: Arbeitsmarkt öffnen, Sprachförderung verbessern, Verteilung besser organisieren, Verwaltung verbessern. Mitte 2015 wird der Zugang zu Praktika erleichtert. Im August 2015 gibt die EU 2,4 Mrd. € für die Flüchtlinge (an 19 EU-Staaten, insbesondere an Italien, Spanien und Griechenland. Die Gelder werden über eine Zeitraum bis 2020 gewährt (aus dem europäischen Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds/ AMIF). UN-Generalsekretär Ban will einen weltweiten Flüchtlingsgipfel organisieren. Ende September stellt die OECD ihren Migrationsausblick 2015 vor: Für die 34 Mitgliedsländer wird ein Rekordwert an Asylanträgen 2015 erwartet. In Deutschland wird ein professionalisiertes Asylsystem gesehen, das den Zustrom meistern kann. Die EU verhandelt im Oktober 2015 mit der Türkei. Die EU will erreichen, dass die Türkei den Zustrom nach Griechenland stoppt. Bundeskanzlerin Merkel verhandelt direkt mit Präsident Erdogan. Die Stimmen in Deutschland mehren sich, einen Grenzzaun zu bauen (CDU, Polizeigewerkschaft). Die Staats- und Regierungschefs der am meisten von der Flüchtlingswelle betroffenen europäischen Länder treffen sich am 25.10.15 in Brüssel, um nach Lösungen zu suchen. Beschlüsse sind (17-Punkte-Programm): Große Auffanglager in den Ländern an der Balkan-Route mit Registrierung (mit Mitteln der EU). Bessere Sicherung der EU-Außengrenzen. Bessere Abstimmung, Information und Koordinierung zwischen den Ländern. 2016 kommt in Deutschland der Flüchtlingsausweis (künftig zentrale Datenbank mit Informationen über Asylsuchende). Bei Nordafrikanern (Algerien, Marokko, Tunesien) sollen Asylanträge vom Bundesamt für Migration vorrangig bearbeitet werden (NRW bekommt zu große Kontingente). Die Rückführung soll beschleunigt werden. Die Vize-Parteichefin der CDU Julia Klöckner legt einen "Plan A2" vor: Er beinhaltet unter anderem die Einrichtung von Grenzzentren und Tageskontingente. Die EU-Innenminister beschließen im Januar 2016 Grenzkontrollen für längere Zeit. Sogar ein Mini - Schengen steht im Raum. Beim Asylpaket II (Verschärfung des Asylrechts; Familiennachzug 2 Jahre aussetzen für subsidiäre Flüchtlinge, Einzelfallprüfung; sichere Herkunftsländer erweitern; neue Registrierzentren; auch Abschiebung bei gesundheitlichen Einschränkungen; Residenzpflicht; Kostenbeteiligung der Migranten) scheint eine Einigung in Sicht und wird erzielt. Auch die Abschieberegeln werden verschärft: Ausweisung krimineller Ausländer (wenn die Rückkehr in die Herkunftsländer nicht möglich ist, Abschiebung in Drittstaaten). Leistungen für Flüchtlinge sollen die Integration gekoppelt werden. Die NATO soll den Grenzschutz in der Ägäis unterstützen (Türkei und Griechenland sollen zusammenarbeiten; deutsche Aufklärung). Die illegale Migration soll beendet werden. Ungarn, Tschechien, Polen, die Slowakei und Mazedonien wollen ihre Grenzen für Flüchtlinge schließen. Die Folge könnte ein Chaos in Griechenland sein (die Hotspots auf den Inseln vor der türkischen Küste werden eingerichtet). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat die Anzahl der Entscheidungen über Asylanträge innerhalb eines Jahres fast (von Februar 2016 gerechnet) verdoppelt. Im April 2016 kommen Hunderte Flüchtlinge zwischen Libyen und Italien um. Die EU-Außenminister wollen die Seerettungsmission "Sophia" ausweiten. Libyen soll stabilisiert werden (Abkommen mit der Türkei als Vorbild?). 2016 leben noch eine halbe Million abgelehnter Asylbewerber in Deutschland. Drei Viertel von ihnen länger als 6 Jahre. Eine Änderung der Gesetze wäre überlegenswert. Bis Februar 2017 soll ein nationales Abschiebezentrum eingerichtet werden (Koordination Bund, Länder). Ab 15.03.17 will die EU wieder zum Dublin-System zurückkehren. Flüchtlinge werden dann nach Griechenland oder Italien zurückgeschickt. 2017 kommen die weitaus meisten Asylbewerber aus Libyen über Italien und die Schweiz nach Deutschland.  Im September 2017 entscheidet der Europäische Gerichtshof, dass die Zuweisung der Kontingente durch die EU rechtens war (die Slowakei und Ungarn müssen Flüchtlinge aufnehmen). Die EU-Kommission und Deutschland drohen den Unwilligen Konsequenzen an. Die Asylstandards in der EU sollen angeglichen werden. Die Asylverfahren in Deutschland werden immer kürzer: 2018 im Schnitt ein halbes Jahr. 2019 steigt die Anzahl der Asylbewerber in die EU deutlich an. Auf Platz zwei sind schon Menschen aus Venezuela. Weltweit zählte das UN-Flüchtlingskommissariat 2013 1,1 Mio. Asylbewerber. Die Anzahl der Asylbewerber in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr 2014 (genau Januar bis Juli 14) stark erhöht (um 62% auf 97.093). Rechnet man die aufgenommenen Asylbewerber pro eine Million Einwohner liegt Schweden in Europa an der Spitze (1359) vor Luxemburg (500), Malta (475) und Deutschland (460). Im Herbst 2014 wird ein Programm entwickelt, um Asylbewerber schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Wartezeiten werden verkürzt. 89,6% der im ersten Halbjahr 2014 gestellten Asylanträge syrischer Flüchtlinge wurden positiv beschieden. 2015 und 2016 will die Bundesregierung die Länder  bei der Versorgung von Flüchtlingen unterstützen. Es wird jeweils eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung gestellt plus Gebäude im Bundeseigentum (Kasernen). Das Bundesamt für Migration rechnet 2015 mit einer Zunahme an Asylbewerbern um 230.000. Die CSU strebt schnellere Asylverfahren an (6 Wochen für Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern). Die Länder wollen mit Integrationsprogrammen arbeiten, um hoch qualifizierte Asylbewerber (z. B. aus Syrien) schneller in den Arbeitsmarkt einzugliedern. In Ludwigshafen startet die BA mit dem Projekt "Early Intervention".  Im Januar 2015 steigt die Anzahl der Neuanträge für Asylsuchende sprunghaft an (22,9% gegenüber dem Vormonat). Ende 2014 gab es 629.000 Flüchtlinge in Deutschland. Dies waren 130.000 mehr als ein Jahr zuvor (Massenexodus aus dem Kosovo). Die EU lässt in der Ukraine Flüchtlinge in Gefängnisse sperren. 2015 werden ca. 300.000 Asylbewerber erwartet. Die Finanzierung sorgt für eine Debatte in Deutschland. Minderjährige Flüchtlinge, die immer mehr werden, sollen belastungsgerechter verteilt werden. Als Reaktion auf die jüngsten Flüchtlingstragödien im Mittelmeer plant die EU ab April 2015 mit doppelt so vielen Rettungsschiffen. Europa-Parlament und EU-Kommission fordern eine Flüchtlingsquote für alle EU-Länder (vor allem Großbritannien und Ungarn lehnen ein verpflichtendes Verteilungssystem ab). Beim "Flüchtlingsgipfel" von Bund und Ländern Anfang Mai 2015 einigt man sich darauf, 200.000 Altfälle bevorzugt zu prüfen. Es werden 2000 neue Stellen geschaffen. Die Bundesmittel werden 2015 verdoppelt und der Bund beteiligt sich 2016 dauerhaft an den Versorgungskosten. Die Sprachkurse für Asylbewerber sollen verstärkt werden. In einzelnen europäischen Ländern werden Asylbewerber immer stärker für den Wahlkampf instrumentalisiert (Dänemark, Frankreich). Ungarn setzt das Dublin III-Abkommen aus: Zehntausende Flüchtlinge kommen über Serbien. Als Erstland müsste Ungarn damit zurechtkommen (baut bis Ende August 2015 einen Grenzzaun). Eine Pflicht-Quote scheitert in der EU; man einigt sich auf eine freiwillige Verteilung. Europas Innenminister einigen sich am 20.7.15 darauf, die Mittelmeerländer zu entlasten: Knapp 55.000 Flüchtlinge werden auf EU-Staaten verteilt (darunter 40.000 in Italien und Griechenland).  Pro Einwohner gerechnet nimmt Schweden2015  mit 128 die meisten Asylbewerber auf vor Ungarn (240) und Österreich (331). Mitte September 2015 soll ein neuer Anlauf der EU zu den Flüchtlingen stattfinden (Sondertreffen der Innenminister über Flüchtlingsquoten: Verteilung, Schlüssel, Pflichtquote). Man kann sich nicht auf feste Quoten einigen. 160.000 sollen aber verteilt werden. Der Westbalkan soll als sicher gelten. Die Bundesregierung will möglichst schnell bis Ende Oktober 2015 Gesetze ändern: bei Erstaufnahme kein Bargeld mehr;  Flüchtlinge mit Bleibeperspektive schneller in den Arbeitsmarkt integrieren; die anderen möglichst schnell zurückschicken; einige Grenzen sollen wieder kontrolliert werden. In der Koalition einigt man sich auf ein entsprechendes Asylrecht. Ab 14.09.15 werden die Grenzen wieder kontrolliert (Schengen wird einige Wochen ausgesetzt). In der EU kursiert im September 2015 der Vorschlag, dass nicht aufnahmewillige Länder je abgelehnten Flüchtling 6500 Euro zahlen sollen. Bei der Konferenz der Innenminister der EU am 22.09.15 werden durch Mehrheitsentscheid (vier osteuropäische Länder dagegen) 120.000 Asylbewerber, insbesondere aus Griechenland und Italien, verteilt. Die EU-Kommission eröffnet Ende September ein Vertragsverletzungsverfahren gegen 19 EU-Staaten, darunter Deutschland. Die Asylrichtlinien werden nicht vollständig umgesetzt. Beim Sondertreffen von Bund und Ländern am 24.09.15 wird eine Pro-Kopf-Pauschale vereinbart, pro Flüchtling und Monat bekommen die Länder 670 €. Mit schärferen Grenzkontrollen will die EU im Herbst 2015 die Flüchtlingskrise eindämmen (vor allem Delegation an die Türkei; hier sitzen auch die wichtigsten Schmuggler). Es sollen neue Verteilzentren vor der Küste eingerichtet werden (Lesbos, Chios, Samos, Leros, Kos). Der Grenzschutz soll koordiniert werden ("Hotspots"). Die CSU will Transit-Zonen an der Grenze einrichten, in denen kurzfristig über die Einreise entschieden werden soll. CDU/ CSU einigen sich auf diese Zonen (+ 2 Jahre Nachzugstop für Familien). Schutzsuchende, die keinen Anspruch auf Asyl haben (sichere Drittstaaten), können im beschleunigten Verfahren in die Heimat zurückgeschickt werden. Die SPD ist für Einreisezentren über das Bundesgebiet verteilt. Der Kompromiss vom 04.11.15 sieht folgendes vor: Spezielle Aufnahmeeinrichtungen für (Registrierungszentren, 5) für Asylbewerber mit geringer Bleibeperspektive (sichere Herkunftsländer). Beschleunigte Asylverfahren und schnellere Abschiebungen. Mitte November 2015 gibt es Überlegungen in der Bundesregierung, den Status syrischer Flüchtlinge zu verändern (Familiennachzug beschränken). Seit dem 21.10.2015 ist das Dublin-Verfahren wieder gültig auch für Syrische Flüchtlinge: Rücksendung in das EU-Land möglich, wo sie zuletzt herkommen. Die Attentate in Paris heizen die Flüchtlingsdebatte in Deutschland an. Die Bundesregierung setzt verstärkt auf Flüchtlingskontingente (Verteilung in der EU, Absprache mit der Türkei; die SPD ist mit im Boot). Am 29.11.15 findet eine EU-Türkei-Konferenz in Brüssel statt. Die Türkei bekommt 3 Mrd. €, wenn Sie die Grenze besser überwacht (+ Beitrittsverhandlungen und Visa für die EU). Schon lange blockieren Flüchtlinge aus so genannten sichern Drittstaaten den lukrativen Güterverkehr aus Griechenland nach Mitteleuropa aus Protest. Griechenland bekommt die Flüchtlingskrise nicht in den Griff und kommt Vereinbarungen nicht nach (Hotspots, Transport von Migranten). Anfang Dezember 2015 beschließen die Innenminister von Bund und Ländern bei Syrern wieder die Einzelfallprüfung einzuführen (Missbrauch von Pässen; IS erbeutete Tausende von Pässen). Die Anzahl der Abschiebungen steigt Ende 2015 stark an. Bayern will seine Grenzen in Eigenregie kontrollieren. Allein im Januar 2016 kommen 92.000 registrierte Asylbewerber nach Deutschland. Die Zahlen gehen gegenüber den gleichen Zeiträumen des Vorjahres zurück. Jeder achte registrierte Asylbewerber in Deutschland ist 2016 nicht mehr auffindbar. IS-Pässe (aus bestimmten Regionen) werden in Deutschland nicht mehr anerkannt. Im Februar und März 2016 sind auf der Balkanroute vor allem Frauen und unbegleitete Jugendliche unterwegs (80%). Diese Route wird quasi geschlossen (Ungarn, Bulgarien dicht; Slowenien, Kroatien und Serbien lassen ganz geringe Mengen durch). Nato und Türkei schließen die Grenze oder Griechenland wird zum Wartesaal.  Die Türkei will jeden geflohenen Menschen zurücknehmen. Dafür soll dann ein syrischer Flüchtling legal aus der Türkei in die EU kommen. Dafür fordert die Türkei noch einmal 3 Mrd. € und Visa - Erleichterungen sowie eine Beschleunigung der Beitrittsverhandlungen (Grundsatzvereinbarung). Griechenland stimmt dem Flüchtlingspakt mit der Türkei zu. Ab 04.04.16 beginnt die Rückführung der Flüchtlinge in die Türkei. Der Pakt mit der Türkei soll zum Vorbild für ein Abkommen mit Nordafrika werden. Im März 2016 sind nur noch 5500 Flüchtlinge in Deutschland angekommen. Allerdings hat sich der Berg unerledigter Asylanträge erhöht (im erste Quartal 2016 150.233 Anträge entschieden). Im Jahre 2016 sollen 1 Mio. Asylanträge entschieden werden. Die Zahl der Untätigkeitsklagen gegen das BAMF nehmen 2016 stark zu. Im ersten Halbjahr 2016 kamen 222.264 Mio. Flüchtlinge nach Deutschland. Im August 2016 kommt die niedrigste Anzahl des Jahres (4200). Die Zahl der Asylanträge von unbegleiteten minderjährigen männlichen Jugendlichen ist im ersten Halbjahr 2016 sprunghaft angestiegen. Insgesamt sind im Oktober 2016 51.000 unbegleitete Jugendliche registriert. Im Jahre 2016 insgesamt werden weniger als 300.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Von Januar bis November 2016 wurden 723.027 Asylanträge gestellt. Es gab 615.527 Asylentscheidungen im gleichen Zeitraum. 389.732 Entscheidungen waren positiv. 280.000 Asylsuchende kamen 2016 nach Deutschland. 55.000 gingen wieder freiwillig in die Herkunftsländer zurück. Ende 2017 veröffentlicht das Statistische Bundesamt neuste Zahlen: Ende 2016 waren 1,6 Mio. Schutzsuchende in Deutschland. Das waren 113% mehr als Ende 2014. Fast 400.000 Ausländer sind in der Statistik nicht berücksichtigt, weil sich nicht bestimmen lasse, ob sie aus humanitären Gründen hier seien. 2017 sind mehr als 200.000 Anträge auf Asyl in Deutschland gestellt worden (BAMF). Deutschland ist das begehrteste Asylland in der EU (auch mehr als die USA). 2018 wurden 166.000 Asylanträge gestellt, weniger als 2017 und deutlich unter der vereinbarten Grenze (16,5% weniger als 2017; Quelle: Migrations - Bericht, 23.01019).

Flüchtlinge mit subsidiärem Schutzstatus: Menschen, die sich auf das Asylgrundrecht berufen können und keinen Schutzstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention genießen. Sie werden nicht heimgeschickt, weil ihnen zuhause Todesstrafe oder Folter droht. Vorher greift der Flüchtlingsschutz (Aufenthaltserlaubnis zunächst drei Jahre) oder die Asylberechtigung (auch drei Jahre). Wenn kein Schutz gewährt wird, kann ein Abschiebeverbot erlassen werden. Normalerweise erhalten drei Viertel der Flüchtlinge einen Schutzstatus. Der Familiennachzug wird auf zwei Jahre ausgesetzt. Das hat eine große Bedeutung für die Einwanderungszahlen. Die aktuelle Aussetzung geht bis März 2018. In Koalitionsverhandlungen sowohl bei Jamaika als auch bei der GroKo ist der Familiennachzug ein Streitpunkt.

Familiennachzug nach Deutschland: Bis Ende 2017 werden 400.000 in Deutschland lebende Asylbewerber anerkannt sein. Nur sie haben gegenwärtig das Recht, Familienangehörige nachziehen zu lassen. 100.000 bis 120.000 Ehepartner und minderjährige Kinder dürften dies in Anspruch nehmen (Quelle: IAB Nürnberg). Der Familiennachzug wird im Abschlusspapier der Sondierungen zwischen CDU/CSU und SPD mit 1000 pro Monat gedeckelt. Landesverbände der SPD wollen eine großzügigere Härtefallregelung. Es geht vor allem um die Flüchtlinge mit subsidiärem Schutzstatus. Die Härtefallklausel wird entwickelt und ihre genaue Auslegung bleibt umstritten. Ab 01.08.2018 ist der Familiennachzug nach Deutschland wieder möglich (Gesetz). Der Antrag muss bei den deutschen Vertretungen im Ausland gestellt werden. Die Verfahren werden lange dauern (Kriterien: Dauer der Trennung, Minderjährigkeit, Integrationsleistungen, Kernfamilie). Es dürfen höchstens 1000 Personen pro Monat kommen. Von Anfang August bis Mitte September wurden lediglich 112 Visa erteilt. Damit wurde die Obergrenze deutlich unterschritten.

Zugang zum Arbeitsmarkt: Für EU-Bürger herrscht grundsätzlich freie Wahl des Arbeitsplatzes (teilweise mit Arbeitsgenehmigung im EU-Ausland). Für einige Länder (z. B. das Neumitglied Kroatien) gelten Einschränkungen bei der so genannten Arbeitnehmerfreizügigkeit. Bis Mitte 2015 gelten Beschränkungen für nach Deutschland entsandte Arbeitnehmer in den Branchen Bau, Gebäudereinigung und Innendekoration. Saisonkräfte wie Erntehelfer können bis zu sechs Monate in Deutschland jobben. Qualifizierte Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Staaten in so genannten Mangelberufen können einen erleichterten Zugang bekommen (legt BA fest, Positivliste). Die Arbeiternehmerfreizügigkeit in der EU wird Schritt um Schritt gestärkt. Die Übertragung der Zusatzrentenversicherung wird erleichtert. Bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen soll die Kompetenz erfasst werden. In Kreisen können Beschäftigungspiloten eingesetzt werden. Möglichst schnell muss die Sprache (Mini-Sprachkurse) erlernt und eine kleine Landeskunde durchlaufen werden. Sprachförderprogramme und spezielle Angebote der IHK und Handwerkskammern sollen folgen. Das Ludwigshafener Dienstleistungszentrum Handwerk und das Jobcenter Vorderpfalz Ludwigshafen bauen ein Integrationsprojekt auf: 50 Betriebe sollen geeignete Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Das Projekt heißt "Begleitung in Arbeit". Das Handwerk in Deutschland will insgesamt in den nächsten zwei Jahren (ab 2016) 10.000 junge Flüchtlinge in einem Betrieb führen (Qualifizierungsoffensive von ZDH, BA und Bundesbildungsministerium). In den ersten 15 Monaten haben Flüchtlinge ein Verbot in der Zeitarbeit (könnte verkürzt werden, um Einstieg in Arbeitsmarkt zu erleichtern). An den Hochschulen ist nur ein Gasthörerstatus möglich, solange das Asylverfahren durchlaufen wird. Das Bundesarbeitsministerium beantragt im Februar 2016 Zusatzmittel, um 100.000 Arbeitsplätze für Flüchtlinge schaffen zu können (500 Mio. €). Die Kurse sollen parallel Integration und Sprachkurse beinhalten. Mittlerweile gibt es auch Jobbörsen für geflüchtete Menschen (workeer, arrivo-berlin). Erhebungen des IAB 2016 zeigen, dass 70% der Flüchtlinge keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Deshalb können sie überwiegend als Hilfskräfte tätig werden (Gastronomie, Dienstleistungen, Reinigung, Handel, Lagerarbeiten). Nach Angaben der BA können maximal 10 bis 15% der Flüchtlinge im ersten Jahr Arbeit finden. Dazu müssen sie mehr im ländlichen Raum angesiedelt werden, wo Arbeitsplätze sind. 2016 gelingt wenigen Flüchtlingen den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Die Zahl der anerkannten Asylbewerber, die sich arbeitslos melden steigt im Mai 2016 auf 145.000. Bisher gab es fast nur Jobs für Helfer. Die Bundesregierung ruft das Projekt "Willkommenslotsen" ins Leben. Damit sollen KMU und ihre Personalabteilungen Hilfe haben. Im Herbst 2016 werden zwei Studien zum Arbeitsmarkt für Flüchtlinge in Deutschland vorgelegt. Eine ist von der OECD, die andere von der EU-Kommission. Beide kommen zu dem Ergebnis, dass Deutschland auf einem guten Weg ist. In Deutschland haben innerhalb eines Jahres ca. 50.000 Deutsche Arbeit im Zusammenhang mit den Flüchtlingen gefunden (November 2015 bis November 2016). Von den Flüchtlingen selbst haben im gleichen Zeitraum nur 34.000 Menschen Zugang zum Arbeitsmarkt gefunden. 57 Prozent sind in Leiharbeit, Gastgewerbe oder wirtschaftsnahen Dienstleistungen (Quelle: IAB, Nürnberg). Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege sollen verstärkt dafür Flüchtlinge ausgebildet werden. Der Mindestlohn kann für Flüchtlinge unterschritten werden, wenn sie für die Anerkennung von Berufsabschlüssen aus der Heimat noch Praxis - Erfahrung oder andere Qualifikationen brauchen. 2015 wurden 30.000 Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt integriert (Quelle: BA). Flüchtlinge, die eine Ausbildung in einem Pflegehelferberuf machen, sollen einen sichereren Aufenthaltsstatus in Deutschland bekommen. Im April 2017 reduziert das Bundesarbeitsministerium zusammen mit der BA den Zugang von Flüchtlingen zu Ein-Euro-Jobs (Begründung: schnellere Asylverfahren). In einer Studie im April 2017 kommt das IAB zu folgenden Ergebnissen: Etwa die Hälfte der nach Deutschland Geflüchteten wird nach fünf Jahren einen Job haben. Migrantinnen können einheimische Frauen in bestimmten Bereichen entlasten (Altenpflege, Kinderbetreuung, haushaltsnahe Dienstleistungen). Die einheimischen Frauen haben dann mehr Möglichkeit, am Erwerbsleben teilzunehmen (Quelle: Studie des IAB 2018). DEr BDI sieht Ende 2018 die Flüchtlinge als Stütze der deutschen Wirtschaft. 311.000 Migranten haben einen job (28%). Ich hab` nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier", Methusalix in Asterix: Das Geschenk Caesars. Die erfolgreichste Zuwanderung ist die nach einem Punktesystem. Dies funktioniert bereits wunderbar in Kanada. Mit den Vorteilen der Einwanderung (nicht so sehr mit den sozialen Kosten) beschäftigt sich folgendes Buch: Paul Collier, Exodus: Warum wir Einwanderung neu regeln müssen, München 2014 (nur legale Einwanderung zulassen; alle illegal Eingereisten zurückschicken). Collier weist darauf hin, dass das Problem der Armut niemals durch Migration in den Griff zu bekommen ist. Wenn die Armen in den armen Staaten reicher werden, würden sie sogar mehr auswandern, weil sie sich die Reise leisten können. 2016 erwartet das IAB einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 130.000 wegen des Flüchtlingszustroms. Es dauere viele Jahre, bis Flüchtlinge eine Stelle finden. Die meisten finden in weniger qualifizierten Jobs eine Stelle (Hotel, Gaststättengewerbe, Lagerist). Die Arbeitgeber in Deutschland fordern für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose Mindestlohn - Änderungen (Ausnahmeregelung auf 12 Monate verlängern). Das Arbeitsmarktprojekt "Early Intervention" für Flüchtlinge läuft Ende 2015 aus. Das Projekt lief zwei Jahre in 9 Städten. Insgesamt 1350 Flüchtlinge nahmen an dem Programm teil. 67 wurden in Arbeit und 27 in eine Ausbildung gebracht. Die Vorstellung, bei den Flüchtlingen wären sofort einsetzbare Arbeitskräfte hat sich als verfehlt erwiesen (es fehlen Sprachkenntnisse, schulische und berufliche Qualifikationen). Für die Flüchtlinge ab 40 Jahre ist eine Integration in den Arbeitsmarkt schwer. Erst die Kinder der Flüchtlinge werden eine gute Perspektive haben, Fachkräfte von übermorgen zu werden. Die anerkannten Flüchtlinge werden zu einer Belastung für die Jobcenter. Die Finanzierung wird zum Streitpunkt werden. Nach einer Studie des IAB in Nürnberg können nach einem Jahr maximal 8% der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden (nach 2 Jahren 20%; nach 5 Jahren 50%). Erfahrungen in Bayern und BW deuten darauf hin, dass viele Flüchtlinge lieber sofort, unqualifiziert arbeiten wollen (80% BW, 70% Bay). 350.000 Arbeitsplätze könnten jährlich von Flüchtlingen besetzt werden (insgesamt entstehen ab 2016 jährlich 700.000 Arbeitsplätze; Quelle: BA, Vorstandsmitglied). Im Februar 2016 macht das Ifo-Institut eine Umfrage bei 1000 Unternehmen: Jeder dritte Betrieb will Flüchtlinge einstellen. Als Hindernisse werden die Vorrangprüfung, die deutsche Bürokratie und fehlende deutsche Sprachkenntnisse gesehen. Im Juni 2016 waren 131.00 Flüchtlinge arbeitslos gemeldet (Quelle: BA). Die Beschäftigungsquoten unterscheiden sich stark 2016: Bevölkerung 65,4%, Ausländer 45,5%, Ausländer aus Kriegs- und Krisenstaaten 14,7%. Nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung 2016 finden Flüchtlinge nur selten reguläre Jobs in der Wirtschaft. Viele Geflüchtete hätten nur eine geringe oder gar keine Qualifikation. Vgl. auch: Garloff, Alfred: Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt, in: Wirtschaftsdienst 2016/9, S. 690ff. anhand einer Analyse vergangener Flüchtlingswellen und der Integration auf dem Arbeitsmarkt wird eine günstige Prognose abgegeben. Ab 2017 will Österreich seinen Arbeitsmarkt gegen Zuwanderer aus dem Osten abschotten. Die Grünen fordern 2017 Talentkarten für Zuwanderer. Sie stellen ein Kontingent für Zuwanderung nach Fachkräftebedarf dar. Die IHK der Pfalz bietet 2017 einen Kompetenz-Check für Flüchtlinge an. So soll das praktische Können besser eingeschätzt werden. 1 Mio. € kommt von den Mitgliedsbetrieben. Nach einer Umfrage des DIHK 2016 beschäftigen 11% aller deutschen Betriebe Flüchtlinge. 10% haben vor, in den kommenden zwei Jahren Flüchtlinge einzustellen. Eine Befragung von 2349 Flüchtlingen 2016 zeigen sich folgende Ergebnisse bei der Ausbildung im Herkunftsland (Quelle: IAB, Bamf, SOEP): keinen Schulabschluss 58%, einen weiterführenden Schulabschluss 32%, Hochschulabschluss 13%, keine abgeschlossene formelle Berufs- oder Hochschulausbildung 69%. Im Mai 2018 hatten 307.000 Flüchtlinge (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien) eine Beschäftigung. Von waren 238.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt (Quelle: BA). Weit öfter als in anderen Ländern arbeiten Migranten in Deutschland in einfachen und schlecht bezahlten Jobs. 69 Prozent der Migranten haben einen Job für Geringqualifizierte.

Migrationsbilanz für Deutschland: Profit oder Last? (Stand 2019)  Flüchtlinge kommen mit schlechten Startvoraussetzungen. 76 Prozent der Flüchtlinge haben keine abgeschlossene Ausbildung (bei Deutschen ohne Migrationshintergrund sind es 10%). 15% der Flüchtlinge haben einen akademischen Abschluss. Unter den Einheimischen sind es 23%. In den Integrationskursen sind 30% Analphabeten. Bei den Hartz-IV-Beziehern sind 20% Ausländer und 62% aus Asylherkunftsländern. Vgl. Rudzio, Kolja: Wer kommt, wer geht, in: Die Zeit Nr. 19, 2. Mai 2019, S. 19.

Flüchtlingspolitik: Folgende Elemente und Bausteine spielen in der Politik in Deutschland und anderswo eine Rolle: 1. Registrierung, 2. Unterbringung, 3. Verteilung, 4. Sofortige Kompetenzerfassung, 5. Asylverfahren, 6. Rückführungen, 7. Geförderte freiwillige Ausreise. 8. Sinnvoller Zusammenhang mit einer Einwanderungspolitik. Diese sollte werben und hoch qualifizierte Zuwanderer integrieren. Die EU hat zur Lösung der Flüchtlings-Krise zu Beginn von 2016 immer weniger Zeit: die europäische Lösung klappt nicht; die Kontrolle an den Außengrenzen funktioniert nicht; die Verteilung der Flüchtlinge stockt. Integrationskraft und mögliche Verteilungskämpfe können nur ganz schwierig operationalisiert werden. Vor den Landtagswahlen in Deutschland im Frühjahr 2016 sucht man nach Bremsen für die Flüchtlinge. Gedreht wird an drei Schrauben: Familiennachzug, Sichere Herkunftsländer, Abschiebung in sichere Drittstaaten. Frankreich spricht sich Mitte Februar 2016 gegen eine weitere Umverteilung von Flüchtlingen aus. Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei wollen die Balkanroute abriegeln. Die EU stellt ein Nothilfe-Paket vor, dass Griechenland und die anderen Staaten, die unter der Flüchtlingskrise leiden, unterstützen soll. Die UN will 2016 eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge in der ganzen Welt. Mindestens 480.000 Syrer sollen vorübergehend innerhalb von drei Jahren in der Welt verteilt werden. Die EU-Kommission will die Asylpolitik reformieren. Es soll ein neues europäisches Rechtssystem geschaffen werden. Dann würde die EU entscheiden , nicht mehr der Mitgliedsstaat. Die Türkei droht mit dem Bruch des Flüchtlingsdeals, wenn die EU ihren Pflichten nicht nachkommt. Österreich verschärft sein Asylrecht drastisch Ende April 2016 (Zurückschicken an der Grenze möglich). Die EU-Kommission macht im Mai 2016 einen Vorschlag für Flüchtlinge: Dublin bleibt im Prinzip erhalten. Umverteilung von Flüchtlingen (Anteile für einzelnen Länder, Anteil nach Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft). Staaten können sich von diesem System freikaufen. 2016 will die EU-Kommission strengere Regeln für Asylbewerber einführen. Kern ist folgender: Wer nicht mit den Behörden des Aufnahmestaates zusammenarbeitet, müsse mit einer Ablehnung rechnen. Bis Mitte 2016 wurden in Deutschland 90.000 Flüchtlingsausweise ausgestellt. Nach mehreren mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlägen wird überlegt, auch in Krisenstaaten abzuschieben. Nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU wenden sich die osteuropäischen Visegrad-Staaten in der Flüchtlingspolitik ab. Die CSU fordert einen Vorrang für christliche Zuwanderer. Die EU will Abkommen mit mehreren afrikanischen Ländern schließen, die die Migration regeln sollen. Man spricht von Migrationspartnerschaften (zynischer Begriff; es geht um das Erkaufen von Hürden; eher Beruhigung der Wähler im eigenen Land). Afrikanische Staaten werden auch mit deutscher Überwachungstechnik ausgerüstet, um Flüchtlinge zu stoppen. Die Grenzkontrollen im Schengen-Raum werden verlängert. Auf dem Parteitag der CDU Ende 2016 dominiert die Flüchtlingspolitik. Die Abschiebepraxis soll verschärft werden. Bund und Länder einigen sich auch im Februar 2017 darauf, schneller abzuschieben. Anfang Februar 2017 findet ein EU-Treffen auf Malta statt. Ein 10-Punkte-Programm wird beschlossen. Kern ist die Bekämpfung der Migration aus Libyen (Lager in Afrika, Grenzbefestigung). Als Folge des Terroranschlags in Berlin verschärft die Bundesregierung das Vorgehen gegen Gefährder und erhöht die Abschiebungen. Einige Bundesländer erlassen einen Abschiebestopp für Afghanistan (mit Beteiligung der Grünen). Ein EU-Jurist will 2017 ein Visarecht für Verfolgte. Er bewirkt ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof. Das Flüchtlingsamt darf Handys von Asylbewerbern auslesen. Ungarn will ab 2017 alle Flüchtlinge internieren (Lager an der Grenze). Alle EU-Staaten wollen die Grenzkontrollen wieder verschärfen. Der EuGH lässt keinen neuen Weg für humanitäre Flüchtlinge über die Botschaften zu. Die nordafrikanischen Magreb-Staaten werden im März 2017 vom Bundesrat (Grüne) als nicht sicher eingestuft. Im März 2017 findet eine Innenministerkonferenz der EU und der Staaten Nordafrikas in Rom statt. Es geht um das Verhindern von Migration und um die Rücknahme von Flüchtlingen (insbesondere aus Libyen). Das Geschäft der Schleuserbanden soll unterbunden werden. Im März 2017 werden Kinderehen grundsätzlich verboten. Im April 2017 vergleicht der Papst Flüchtlingslager mit KZ (er hat einige besucht). Premierministerin May will in GB die Zahl der Zuwanderer pro Jahr unter 100.000 drücken. Österreich verschärft 2017 die Grenzkontrollen am Brenner zu Italien (wegen der Migrationsströme nach Italien). Deutschland will Italien helfen (Geld; Unterstützung in Nordafrika, Aufnahme von Flüchtlingen; Kontrolle der Rettungsschiffe). Ende August 2017 findet ein Flüchtlingsgipfel in Paris statt. Es geht um die Flüchtlingsströme aus Afrika (Flüchtlingsabkommen; bessere Bedingungen für Migranten in Libyen; Asylprüfung schon in Afrika). In den Gesprächen für eine Jamaika-Koalition ist das Flüchtlingsthema ein Knackpunkt (Obergrenze, Großlager). EU-Ratspräsident Tusk spricht sich im Dezember 2017 gegen die verbindlichen Quoten für Flüchtlinge in der EU aus. In den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD einigt man sich auf zentrale Flüchtlingslager (in die Kommunen erst nach Anerkennung), Höchstgrenzen 180.000 bis 220.000), begrenzter Familiennachzug (1000 pro Monat) und Sachleistungen (statt finanziellen Zuwendungen; wird wieder revidiert). "Ankerzentren" werden die zentralen Aufnahmelage genannt (auch die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist dafür). Für das Jahr 2017 wurden 186.644 neue Asylsuchende registriert (Quelle: BAMF). Der Tübinger OB Boris Palmer fordert im Februar 2018 feste Wohnsitze für Flüchtlinge, um eine angemessene Verteilung zu gewährleisten (viele Städte verweigern die Aufnahme). Im April 2018 gibt es einen Koalitionsstreit über den Nachzug von Familien. Das Innenministerium will nur Flüchtlinge nach Deutschland lassen, deren Angehörige nicht Hartz IV beziehen. 2018 nimmt die EU insgesamt noch mal 50.000 Flüchtlinge aus Lagern auf. Davon kommen 10.000 nach Deutschland. Im Mai 2018 gibt es in der Bundesregierung Überlegungen, die Entwicklungshilfe an die Zurücknahme von Flüchtlingen in den Heimatländern zu koppeln. Die Innenminister in der EU können sich bei einem Treffen in Luxemburg nicht auf ein baldige Reform des Asylpolitik einigen. Im Juni will Bundesinnenminister Seehofer einen Masterplan der Flüchtlingspolitik vorlegen. Das scheitert, weil er sich mit der CDU nicht einigen kann. Seehofer will mit Österreich und Italien "eine Achse der Willigen" bilden. Die Kanzlerin bietet einen Kompromiss. Sie braucht Zeit bis zum EU-Gipfel über Migration Ende Juni 2018. Dann soll eine Entscheidung fallen.  Mit Macron einigt sie sich am 19.06.18 über die Rücknahme von Flüchtlingen. Andere Staaten wie Italien, Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei sind gegen eine Rücknahme. Italien schließt auch seine Häfen für Rettungsschiffe. Der Streit um den Masterplan wird zur Farce, was kaum noch jemand versteht. Seehofer setzt wohl auf Abschreckung. Im Februar 2019 veranstaltet die CDU einen Migrations - Gipfel (Werkstattgespräch; Partei und Experten). Man will Härte und Humanität vereinen. Ein "Migrationsmonitoring" und ein Frühwarnsystem sollen eingerichtet werden. Im Jahre 2015 kamen 960.000 Flüchtlinge (ca. 1 Mio.) nach Deutschland. Bis Ende November 2015 gab es 356.000 unbeantwortete Anträge. Ca. 20% der Flüchtlinge sind nach erster Kompetenzerfassung direkt für den Arbeitsmarkt qualifiziert. Sie können hauptsächlich im Handwerk und im Dienstleistungsbereich eingesetzt werden. 2015 gibt es über 800 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland. Ab 2016 wird ein eigener Ausweis für Flüchtlinge eingeführt. Die EU-Außengrenzen sollen notfalls notfalls von der EU selbst (Grenzschutzkorps, Frontex) gesichert werden können. Notfalls kann in Krisenzeiten auch gegen den Willen von Mitgliedsstaaten eingegriffen werden. Ein EU-Gipfel im Dezember 2015 versucht noch einmal, die Verteilung der Flüchtlinge in der EU zu regeln. Laut UN waren 2015 60 Millionen Flüchtlinge unterwegs. Auf einer internationalen Geberkonferenz in London werden Hilfsgelder gesammelt, die den Opfern des Bürgerkriegs in Syrien das Überleben sichern sollen. Es kommen 9 Milliarden Euro zusammen, Deutschland verspricht 2,3 Mrd. €. Am 18.02.2016 beginnt ein EU-Gipfel, der die Verteilung der Flüchtlinge in der EU regeln soll. Er endet ohne Ergebnis. Anfang März soll ein weiterer Sondergipfel mit Beteiligung der Türkei stattfinden. Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien uns Mazedonien schließen die Grenzen. Wichtige Bausteine der europäischen Grenzsicherung funktionieren noch nicht (Hotspots, Rückführungsabkommen zwischen der Türkei und Griechenland). Bis Jahresende 2016 soll die Ordnung der Innen- und Außengrenzen wiederhergestellt sein. Bis Februar 2016 kommen 103.000 neue Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Griechenland. Nach Deutschland sind 38.570 über die Grenze gekommen. Die Zahl der Flüchtlinge nimmt im März 2016 aufgrund der Grenzschließungen stark ab (4587). Weil die Flüchtlingsverteilung innerhalb Europas nicht klappt, sollen Dörfer und Städte helfen, die dafür Geld bekommen. Im Mai 2016 wird das Lager Idomeni in Griechenland an der Grenze zu Mazedonien geräumt. Die Flüchtlinge werden umgesiedelt. In Nord-Frankreich wird das Flüchtlingslager in Calais geräumt. Viele Flüchtlinge gehen nach Paris. Der Bundesinnenminister plädiert dafür, Flüchtlinge, die im Mittelmeer gerettet oder aufgegriffen werden nach Afrika zurückzubringen. 2016 wurde 22.000 Migranten die Einreise nach Deutschland verweigert (überwiegend aus Afghanistan, Syrien, Irak und Nigeria). 54.000 Flüchtlinge reisten freiwillig wieder aus Deutschland aus. Die EU-Kommission hat im Juni 2017 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen, Ungarn und Tschechien wegen Weigerung zur Aufnahme von Flüchtlingen eröffnet. Italien erwägt 2017, seine Häfen für nicht italienische Rettungsschiffe zu schließen (Geduld geht zu Ende wegen fehlender europäischer Solidarität). Die Kooperation von Italien mit der libyschen Küstenwache führt zu einem Rückgang der Flüchtlingsströme um 90%. Die Anzahl der illegalen Einreisen in die EU ist 2017 stark gesunken: 204.700 gegenüber 511.000 im Jahre 2016 und 1,8 Mio. 2015. Die Flüchtlingsrouten ändern sich. Es gibt eine zunehmende Migration über das westliche Mittelmeer nach Spanien (Quelle: Grenzschutzagentur der EU "Frontex"). Im Juni nimmt Spanien nach dem Regierungswechsel (sozialistische Regierung) 629 Flüchtlinge vom Rettungsschiff "Aquarius" auf. Vorher hatten sich Italien (auch mit neuer Regierung) und Malta geweigert. Italien sperrt seine Häfen für Flüchtlingsboote. Mit Spanien wird am 08.08.18 ein Rückführungsabkommen geschlossen. Entsprechende Abkommen sollen auch mit Griechenland und Italien geschlossen werden. Am 17.08.18 kann auch mit Griechenland ein Rücknahmeabkommen geschlossen werden.

Europäische Flüchtlingspolitik der EU: Die Flüchtlinge kommen in der Regel auf dem Seeweg. Drei Länder sind in erster Linie betroffen: Spanien (2017: 8677), Italien (2017: 97.462), Griechenland (2017: 12.725). Die EU muss eine gerechte Verteilung schaffen. Sie muss vor Ort in Afrika helfen. Sie muss die Außengrenzen besser kontrollieren. Sie muss den afrikanischen Ländern beim Aufbau helfen und ungerechten Handel begrenzen. Eventuell müssen Transitzentren eingerichtet werden. Vgl. Abe, N./ Elger, K./ Schaap, F.: Die Jahrhundertfrage, in: Der Spiegel , Nr. 35/25.08.18, S. 10ff. 2018 fürchtet Griechenland eine Fluchtwelle aus der Türkei wegen der politischen und wirtschaftlichen Lage dort. 2018 gelingt es Deutschland mit Spanien, Griechenland und Italien Rückführungsabkommen zu schließen (davon sind aber nur wenige Asylbewerber betroffen). Im September 2018 schränkt Italien sein Asylrecht ein (Sicherheitsdekret): Keine Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen mehr. Asylanten können bis zu 180 Tagen in Abschiebehaft bleiben können.  Ab Ende 2018 erprobt die EU Künstliche Intelligenz  (Lügendetektor) an der Grenze zu Drittstaaten. Ende Februar 2019 gibt es ein Gipfeltreffen zwischen der EU und der Arabischen Liga in Scharm El-Scheich/ Ägypten. Die Europäer erwarten von den Nordafrikanern mehr Grenzsicherung. Die Anlandezentren sind vom Tisch. Ende März 2019 beendet die EU den Einsatz der Marine vor Libyen (Italien will die Flüchtlinge nicht, die Verteilung auf andere Staaten funktioniert nicht). Private Schiffe von NGO kreuzen weiter. Italien schließt dafür allerdings Lampedusa. Die Hilfsorganisation Sea-Watch tut sich durch den Einsatz von Schiffen hervor. Die Kapitänin der Sea-Watch 3 wird verhaftet.  2018 sind mehr als 20.000 Flüchtlingen in griechischen Auffanglagern. Besonders sind die Lager auf den Inseln in der Ostägäis (Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos). Berüchtigt ist das Lager "Moria" auf Lesbos. Menschenrechtsorganisationen beklagen die Situation. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Ende Februar 2019 den Umgang mit minderjährigen Flüchtlingen in Frankreich und Griechenland als "unmenschlich und entwürdigend" gerügt. SPD-Spitzenkandidatin Katarina Barley will bei der Flüchtlingspolitik aktive Städte belohnen. Ein europäischer Fonds soll geschaffen werden, bei dem Gemeinden, Städte und Kreise Geld abrufen können, wenn sie Flüchtlinge aufnehmen. Im Mai 2019 beschlagnahmt Italien das deutsche Rettungsschiff "Sea-Watch". Kapitänin Rakete muss laut Gericht aus der Haft entlassen werden. Die EU hatte die Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer vorerst eingestellt. Einige NGO haben ihre Seerettungsnotschiffe (Sea-Watch3, Alan Kurdi) weiterhin im Mittelmeer im Einsatz und müssen sich Aufnahmeländer suchen. Sie beherrschen die Schlagzeilen. Dabei nimmt die Zahl der Bootsflüchtlinge ab, die in Südeuropa ankommen. Es werden auch weniger Todesopfer registriert. Der Bundesinnenminister spricht sich im Juli 2019 gegen Aufnahmequoten für EU-Länder aus.

Außereuropäische Auffangzentren für Flüchtlinge: Der Vorschlag taucht 2018 immer öfter auf. Unter anderem auch vom EU-Ratspräsidenten Donald Tusk. Den Vorschlag gibt es seit 2014. Die Auffangzentren sollen vor allem in Afrika eingerichtet werden. Man spricht auch von Ausschiffungsplattformen.  Mit 3,5 Mio. Flüchtlingen nimmt die Türkei weltweit die meisten auf. Die Auffanglager in Nordafrika wird es nicht geben. Alle betroffenen Länder äußern ein klares "Nein".

Ankerzentren: Die ersten werden in Deutschland in Bayern eingerichtet (Transit- und Erstaufnahmelager). Sie sollen die Asylverfahren beschleunigen. Es gibt sie ab 01.08.2018. Pro Zentrum sollen 15.000 Menschen leben. Standort sind Ingolstadt, Bamberg, Zirndorf, Donauwörth, Regensburg, Deggendorf und Schweinfurt Die Kritik bezieht sich vor allem auf die Ghettoisierung. Auch Sachsen richtet Ankerzentren ein.

Humanitärer Flüchtlingsgipfel der UN (UN-Nothilfegipfel; UN-Migrationspakt): Der erste findet Ende Mai 2016 in Istanbul statt. Es kommen über 60 Staatschefs und über 100 internationale Organisationen. Insgesamt gibt es über 5000 Teilnehmer aus über 160 Ländern. Die Flüchtlingshilfe soll schneller und effizienter organisiert werden. In erster Linie sollen Organisationen vor Ort eingebunden werden. Am 19.09.2016 findet ein weiterer UN-Flüchtlingsgipfel in New York statt. Die 50 teilnehmenden Staaten wollen 2016 360.000 Flüchtlinge aufnehmen. Im Oktober 2018 legen die Vereinten Nationen Grundsätze für den Umgang mit Flüchtlingen vor (Migrationspakt). Die USA und auch Ungarn lehnen das UN-Regelwerk ab. Eine Ablehnung kommt auch aus Österreich und Tschechien. Ebenso aus Polen. Es folgen Australien, Bulgarien und Estland. Auch aus der CDU kommt Kritik an der fehlenden Unterscheidung vom Flucht- und Arbeitsmigration (Kandidat Spahn ist dagegen). Am 10.12.2018 wird der Migrationspakt in Marrakesch/ Marokko beschlossen (ursprünglich 193 - 15 Länder dagegen). Merkel ist eine der wenigen anwesenden Staatschefs. Am 17.12.18 wird dann in der UN in New York noch ein UN-Pakt für Flüchtlinge beschlossen. Man setzt auf freiwillige Beiträge. Die USa und Ungarn stimmen nicht zu. Ende 2015 waren nach Angaben des UNHCR 65 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Das war bezogen auf die Weltbevölkerung jeder 113. Mensch. Die Konflikte in Afghanistan, Somalia und Syrien sind die Hauptursache. Die meisten Binnenflüchtlinge hat Kolumbien. Die meisten Flüchtlinge werden von der Türkei aufgenommen. Deutschland ist inzwischen der zweitgrößte Geldgeber des UNHCR. 2017 gab Deutschland 477 Millionen Dollar. Größter Geber bleiben die USA mit 1,45 Mrd. Dollar.

Finanzierung der Flüchtlingskrise in Deutschland und der EU: Bundesfinanzminister Schäuble und die EU-Kommission erwägen europaweit eine zusätzliche Abgabe auf Benzin (Benzinsteuer) einzuführen. Damit würde der historisch niedrige Ölpreis genutzt. Die französische Wirtschaftswissenschaftlerin Helene Rey schlägt eine Flüchtlingsanleihe vor, um die Kosten der Integration aufzufangen. Sie soll Investitionen in die Zukunft Europas finanzieren und über die europäische Investitionsbank laufen. Die Eurobonds sollen zweckgebunden sein. Damit sollen Unterkünfte, Wohnungen, Sprachkurse usw. finanziert werden. Die Kommunen in Deutschland, die die Arbeit an der Basis leisten, bekommen Geld von Bund und Ländern. Wie viel sie bekommen, liegt in der Hand der Bundesländer. Einige erstatten die vollen Kosten (Bayern). Andere zahlen eine Pauschale (NRW). Diese sind oft niedriger als die realen Kosten. Die Kosten werden oft schön gerechnet und die Kommunen zahlen. Insgesamt kommen zur Finanzierung noch die folgenden Wege theoretisch dazu: Staatsverschuldung, Steuererhöhung, Reduzierung internationaler Beiträge, Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge, Erhöhung des Renteneintrittsalters. Immer mehr Bundesländer und der Deutsche Städtetag fordern, dass der Bund zusätzliche Finanzhilfen gibt. Die EU richtet im März 2016 eine Flüchtlings-Nothilfe ein: 700 Mio. € in drei Jahren. Eigentlich müsste Deutschland auch mehr Geld aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) bekommen. Dazu müsste der bis 2020 beschlossene Verteilungsschlüssel geändert werden. Ende April 2016 taucht der Vorschlag auf, die Flüchtlingskrise in Europa über einen höheren Benzinpreis zu finanzieren (Prof. Sebastian Dullien, Berlin). Auf Dauer wird Migration und freie Migration in Europa nicht mit einem ausgebauten Sozialstaat vereinbar sein. In Deutschland ist die Zahl der Asylbewerber, die mit Geld- und Sachleistungen unterstützt wurden, nach oben geschnellt. Rund 975.000 Menschen bezogen Regelleistungen und damit 169 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (Quelle: Destatis; zwei Drittel waren männlich; ein Drittel kam aus Syrien). Das Plus des Haushaltes von 2016 (6,2 Mrd. €) fließt vollständig in die Rücklage des Bundes für Flüchtlinge. Indirekt zahlt Deutschland auch für Flüchtlinge im Afrika-Fonds der EU: Hier zahlen Länder ein, um Migrations - Ursachen zu bekämpfen. Deutschland hat bis 2018 136 Mio. Euro eingezahlt. 2018 bekommt die Türkei weitere 3 Mrd. € für die Versorgung von Flüchtlingen aus Syrien. 2018 geben immer mehr Bundesländer den Wohnort der Migranten vor oder weisen zu. Einige Kommunen können nicht mehr die Kosten der Infrastruktur aufbringen. Im Juni 2019 einigen sich Bund und Länder auf eine dauerhafte Verteilung der Flüchtlingskosten: Der Bund zahlt an die Länder 350 Millionen Euro im Jahr für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Weiterhin übernimmt er die Kosten für Unterkunft und Heizung. Dazu zahlt der Bund noch eine Pauschale von 617 Euro pro Asylbewerber und Monat des Asylverfahrens.  Zwei neue Studien zu den Kosten der Flüchtlinge in Deutschland kommen Anfang 2016 heraus: 1. Institut für Weltwirtschaft, Kiel: Im günstigsten Falle jährlich 25 Mrd. €. 2. IW, Köln: 2016 und 2017 fallen 50 Mrd. € für die Flüchtlingskrise an. Die Frage wird aber politisch sein, wer die Integration bezahlt. Bund und Länder streiten über die Kosten. Die Kommunen sind auch unzufrieden. 20 bis 25 Milliarden Euro der Flüchtlingskosten sind 2016 noch ungeklärt. Die Bundesländer fordern im März 2016, dass der Bund mindestens die Hälfte der Flüchtlingskosten übernimmt. Bis mindestens 2022 dürften die Gesamtkosten er öffentlichen Haushalte für Flüchtlinge zwischen 21 und 26 Mrd. € jährlich liegen. 428 Mio. € kostet der deutsche Anteil bis 2019 am Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei (127 Mio. € 2016). Bis 2020 will der Bund über 77 Milliarden Euro ausgeben, um die Zuwanderung zu bewältigen und die Fluchtursachen zu bekämpfen (Quelle: Finanzplan der Bundesregierung 2016). Im Juni 2016 fordern die Länder weitere 8 Mrd. € jährlich gestaffelt auf drei Jahre für die Integration der Flüchtlinge vom Bund. Sie erreichen 6 Mrd. € plus 1 Mrd. € für den Bau bezahlbarer Wohnungen. Die Frage ist nun, ob die Ansprüche der Kommunen erfüllt werden, die die Hauptlast tragen. 2016 kostet die Flüchtlingshilfe 20 Mrd. Euro - zwei Mrd. mehr als geplant (die Länder tragen rund zwei Drittel der Kosten). Der Bund alleine gab 2016 insgesamt 21,7 Mrd. Euro aus, rechnet man die Bekämpfung der Fluchtursachen dazu (humanitäre Hilfe). 2017 stehen viele Flüchtlingsunterkünfte in den Bundesländern leer. Die Leerstände in zwölf Bundesländern verursachen immense Kosten. Die Unterkünfte werden "Stand-by" gehalten. Mit den Flüchtlingen sind die Kosten für Kriminalität gestiegen (Kriminologisches Institut Niedersachsen: Alter, Männer, Enge der Unterkünfte, Nordafrikaner, Machokultur). Besonders Kommunen leiden immer mehr durch die Kosten anerkannte Asylbewerber. Die ziehen häufig in Städte mit geringeren Mieten, wo schon viele Landsleute leben (in RLP z.B. in Pirmasens und Ludwigshafen). Die Bertelsmann-Stiftung stellt im Februar 2018 in einem Projekt fest, dass Flüchtlingshilfe oft nicht bei den Initiativen ankommt. Vor allem kleinere Initiativen sind benachteiligt. Bei einer internationalen Geberkonferenz für Syrien im April 2018 kommen nur 3,6 Milliarden Euro zusammen. Mit eine Milliarde Euro hat Deutschland den höchsten Anteil. Deutschland kann im nächsten Jahrzehnt mit mehreren Milliarden Euro (etwa 4,8 Mrd. €) Flüchtlingshilfe von der EU rechnen.  Von 2018 bis 2022 rechnet der Bund mit Kosten in Höhe von 70 Milliarden Euro für Flüchtlingspolitik. Zwischen 2019 und 2022 will der Bund 15 Mrd. € an die Länder zahlen (die Hilfe an die Länder wird verlängert). 2017 gibt der Bund 20,8 Mrd. € für Flüchtlinge aus. Ab 2020 will der Bund bei den Flüchtlingskosten weniger gebe. Das würde zu einer Mehrbelastung bei Ländern und Kommunen für die Integration führen. Im Jahre 2018 hat die Bundesregierung 23 Milliarden Euro für die Integration von Migranten und die Bekämpfung von Flüchtlingsursachen ausgegeben (10,6% mehr als 2017). Darunter wurden Länder und Kommunen mit 7,5 Mrd. € unterstützt. 7,9 Mrd. € entfielen auf die Bekämpfung der Fluchtursachen. 

Spenden: 2015 haben die Deutschen soviel wie nie vorher gespendet, nämlich 5,5 Mrd. € (vor allem für Nepal und Flüchtlinge). 47 Prozent der Deutschen engagieren sich ehrenamtlich für Flüchtlinge (31,8 Mio. Menschen) .

Geldstrom von Migranten in Deutschland in ihre Heimatländer: 2018 wurden 5,1 Mrd. € in die Heimatländer überwiesen. Das war eine Rekordsumme. Vielen Familien vor Ort helfen die Heimatüberweisungen aus der Armut. Gastarbeiter in Deutschland schickten das meiste Geld in die Türkei (822 Mio. €), vor Polen (468), Rumänien (395). Das Geld kann auch diktatorische und korrupte Regime stabilisieren. Der Ökonom Bhagwati hatte eine Migrationsteuer vorgeschlagen (Zuschlag auf die Einkommensteuer). Eritrea verlangt schon seit Jahren ein "Aufbausteuer). Vgl. Wirtschaftswoche 15, 5.4.2019, S. 38f.

Dublin-System: Sollte die Flüchtlingspolitik in der EU regeln. Es war verbunden mit dem System offener Grenzen in der EU (Schengen). Maßgeblich war die Sicherung der Außengrenzen. Flüchtlinge können in das Land der EU zurückgeschickt werden, aus dem sie kommen. Das System ist 2016 zusammengebrochen. Die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten stellen Griechenland im Februar 2016 ein Ultimatum: Das Land hat drei Monate Zeit, die Sicherung der EU-Außengrenzen zu gewährleisten. Sonst droht der faktische Ausschluss aus dem Schengen-Raum. die Flüchtlinge stauen sich massiv an der Griechisch-Mazedonischen Grenze. Grenzkontrollen werden in Zukunft nicht zu vermeiden sein. Die alte ökonomische These, dass Mauern und Zäune Wohlstand kosten, muss revidiert werden.  Wichtig für das Dublin-System sind die Begriffe "Sicherer Drittstaat, Sicherer Herkunftsstaat und Erst-Asylstaat". Ab 07.04.2017 wird der Schengen-Raum wieder stärker an den Außengrenzen kontrolliert. Vorgeschrieben ist die systematische Überprüfung der Ein- und Ausreisenden.  Ab 15.03.2017 gelten in der EU wieder die Dublin-Regeln. Flüchtlinge, die z.B. ab diesem Termin aus Griechenland oder Italien einreisen, können wieder in das Land zurückgeschickt werden, wo sie europäischen Boden betreten haben (vor allem Straftäter, Gefährder, Alleinstehende Personen). Die Lage auf Lesbos eskaliert 2017. Mehr als 8000 Migranten sitzen dort fest. Sie leiden unter Dreck und Gewalt. Die Inselbewohner wehren sich zunehmend. 2018 werden die Kontrollen an den Schengen-Grenzen wieder gelockert. Das griechische Verfassungsgericht entscheidet, dass Flüchtlinge nicht auf den Inseln festgehalten werden dürfen. Die neue EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen will den Dublin-Vertrag neu verhandeln.

Ökonomie der Flucht/ Fluchtursachen: Es gibt eine Reihe von Ursachengruppen: 1. Handel und Handelspolitik (vgl. Globalökonomik, Reale Außenwirtschaftstheorie). 2. Rassistische Verfolgung, Intoleranz, Fanatismus in der Kultur. 3. Klimawandel als Fluchtursache der Zukunft. 4. Sünden der Vergangenheit und Korruption in Ländern (Kolonialvergangenheit, korrupte Regime, Instabilität, falsche Militarisierung, imperiale Außenpolitik). 5. Das hohe Bevölkerungswachstum in vielen Entwicklungsländern droht in den nächsten Jahren den Migrationsdruck dramatisch zu verstärken. Die Herkunftsländer liegen hier vor allem in Asien. In Bezug auf Afrika gibt es auch einen großen Irrtum: Heute sind die Menschen oft so arm, dass sie sich Flucht nicht leisten können. Bekommen die Menschen mehr Bildung, steigt die Abwanderungsbereitschaft. Also wird sich das Migrationsproblem verstärken. Wachsender Wohlstand, bessere Lebensperspektiven  und mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen führen zu sinkenden Kinderzahlen, was die Lösung sein muss.. "Fiction is oblidged to stick to possibilities. Truth isn´t, Mark Twain (1835-1910, American author). Der Klimawandel verstärkt die Probleme im Nahen Osten und in Nordafrika. Das kann zu neuen, größeren Flüchtlingswellen führen. Es gab sechs große Flüchtlingswellen aufgrund von schlechtem Klima (z. B. 1815 auf der Insel Sumbawa/ heute Indonesien).

Flüchtlingsströme in der Welt: Nach Angaben des UN-Hochkommissars für Flüchtlingsfragen waren Ende 2014 etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht. In Nigeria sind 2015 2 Mio. Menschen Binnenflüchtlinge. Sie fliehen vor der Terrororganisation Boko Haram. Schweden, Dänemark und Österreich schwenken in der Asylpolitik auf Abschottungskurs. Im Master Studiengang "International Human Resources Management" habe ich einen Kurs zu diesem Thema durchgeführt. Alle wichtigen Länder der Welt wurden behandelt. Von den Kontinenten her gesehen gibt es zwei die einen positiven Saldo aufweisen: Nach Nordamerika (+1247 Tausend Menschen 2005 - 2010) und Europa (1262 Tausend Migranten 2005 - 2015) wollen die Migranten. Auch nach Australien, das allerdings ein rigides Einwanderungsgesetz hat. Aus Asien, Afrika und Süd- bzw. Mittelamerika wollen die Menschen raus. Nachdem Trump die Präsidentenwahl in den USA gewonnen hat, will er Millionen Migranten abschieben (Wahlversprechen). Australien verschärft im April 2017 drastisch seine Einbürgerungsbedingungen: mindestens 4 Jahre im Land, fester Arbeitsplatz, Nachweis der Integration in die Kultur, Beherrschung der englischen Sprache. Die Schweiz wird immer mehr zum Transitland für Flüchtlinge. Viele der "Verschwundenen" tauchen im benachbarten Baden-Württemberg auf. 6,6 Mio. Flüchtlinge warteten Ende April 2017 in Nordafrika, Jordanien und der Türkei auf eine Weiterreise nach Europa (vertrauliches Papier der deutschen Sicherheitsbehörden; Bild). Uganda hat bereits fast 1 Mio. Flüchtlinge aus dem Südsudan aufgenommen. Dafür erhält das Land 2017 2 Mrd. Dollar an Hilfszusagen. Bis 2100 könnte es 2 Milliarden Klimaflüchtlinge geben, wenn der Klimawandel ungebremst weiter geht (Studie der Cornell University). Die EU und einige Partner haben im Februar 2018 mehr als 400 Mio. € für die Sahel-Zone in Aussicht gestellt. Eine gemeinsame Militäreinheit wird unterstützt. Dadurch sollen auch Flüchtlingsursachen und -Routen bekämpft werden. Ende 2017 waren 68,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, so viel wie nie vorher (Quelle: UN). Knapp 70% der Flüchtlinge kommen aus Syrien, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Somalia. 19,9 Mio. Menschen lebten in einem anderen Land. Im Juli 2018 wird in der Vollversammlung der UN ein Pakt für Migration geschlossen. Die USA gehören ihm nicht an. Der Pakt ist rechtlich nicht bindend. 250 Mio. Menschen sind im Sommer 2018 auf der Flucht (3% der Weltbevölkerung). Es gibt neue Flüchtlingsströme aus Mittel- und Südamerika Richtung USA. 2019 kommen immer mehr Menschen aus Venezuela in die EU. Das vor allem, weil sich die USa und Mexiko auf schärfere Regeln im Umgang mit Flüchtlingen geeinigt haben.  Österreich will 2016 eine Obergrenze für Flüchtlinge einführen. Es werden nur noch 80 Asylanträge pro Tag bearbeitet. In der Schweiz sollen kriminelle Ausländer automatisch abgeschoben werden. Als Schandfleck der europäischen Flüchtlingspolitik gilt Calais in Frankreich. In einem Flüchtlingslager leben 2016 10.000 Menschen. sie wollen nach Großbritannien. Die EU will erreichen, dass im Mittelmeer aufgegriffene und gerettete Flüchtlinge künftig in einem Lager in Nordafrika untergebracht werden. Regierungen in Afrika und Nahost sollen gegen Geld zur Flüchtlingshilfe verpflichtet werden. Im Herbst 2016 warten eine viertel Million Menschen in Libyen auf die Fahrt nach Europa. In Italien bahnt sich eine Notlage an. Militärs sollen die Flüchtlinge abfangen. Helfer wollen sie retten. Menschenschlepper wollen verdienen. Weltweit sind 2017 65 Mio. Menschen auf der Flucht. 40 Mio. sind Binnenflüchtlinge. Ca. 25 Mio. fliehen über die Landesgrenze (Quelle: UN). Die Anzahl der Flüchtlinge, die von Algerien oder Marokko (Westroute) über das Mittelmeer nach Europa kommen, ist 2017 stark gestiegen (in einem Jahr verdoppelt). Die Zahl der Flüchtlinge, die über die libysche Küste nach Italien kommen ist im Juli eingebrochen (Libysche Küstenwache erweitert Hoheitsgewässer und duldet keine Schiffen von NGO; es werden Lager in Libyen eingerichtet). Griechenland verlagert Flüchtlinge aus der Ostägäis auf Festland Ende 2017. Die Türkei will mehr Flüchtlinge zurücknehmen. 2017 leben 258 Millionen Menschen nicht in ihrem Heimatland. Seit 2000 ist der Strom um 85 Millionen gewachsen. Die USA, Saudi-Arabien und Deutschland gehören zu den beliebtesten Einwanderungsländern (Migrationsbericht der UN 2017). Die UN will einen globalen Pakt gegen Schlepper erreichen. Es wird 2018 verhandelt, um die Migration in geregelte Bahnen zu lenken. Die USA unter Trump wollen davon nichts wissen. Die Flüchtlingsrouten von Afrika nach Europa ändern sich 2018 ständig. Der Weg über die Türkei ist relativ dicht, Italien nimmt keine Flüchtlinge mehr auf, immer mehr kommen über Spanien. 2018 (von Januar bis August) waren es schon 22.000, 180 € kostet die Überfahrt pro Person auf einem Schlauchboot). Wegen der Haftbedingungen für illegal ins Land gekommene Migranten wird die US-Regierung im August 2018 verklagt. 2018 gibt es einen Flüchtlingsstrom von Venezuela nach Brasilien. Die Menschen leben in Lagern in Brasilien. Die türkische Regierung unterstützt 2018 die Rückkehr von Syrern in ihre Heimat. Die Mehrheit der Flüchtlinge will aber vorerst wohl bleiben.

Einwanderungsgesetz: Ein Einwanderungsgesetz regelt die Zuwanderung in ein Land. Es ermöglicht die Definition von Kontingenten. Als Vorbild werden oft die Gesetze in Australien und Kanada aufgeführt. Auch in Deutschland gibt es Überlegungen zu einem solchen Gesetz. Z. B. arbeitet die SPD an einem Entwurf. Vorgesehen ist nach dem Vorbild Kanadas ein Punktesystem. Kriterien sind Qualifikation, Sprachkenntnisse, Nachweis einer Arbeitsstelle. Kontingente sollen sich nach dem Arbeitsmarkt richten. Die Mindestpunktzahl wird jährlich neu definiert. Man muss aber aufpassen, dass keine Doppelstruktur entsteht. Denn europarechtlich gilt die "Blue Card". Auf jeden Fall müsste es eher eine europaweite und konsistente Lösung geben. Im Abschlusspapier der Sondierungen zwischen CDU/ CSU und SPD Mitte Januar 2018 ist ein Einwanderungsgesetz vorgesehen. Deutsche Unternehmer fordern schon lange ein Einwanderungsgesetz für Fachkräfte: Es soll fünf Kriterien erfüllen: 1. Schützt die, die hier sind. 2. Holt mehr Praktiker. 3. Helft Akademikern. 4. Werdet klarer. 5. Macht Werbung. Siehe Wirtschaftswoche 31, 27.7.2018, S. 38. Im Juni 2019 macht die Regierung den Weg frei für das Gesetz. Es soll auch Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern anlocken, insbesondere studierte Fachleute. Die Zuwanderung ist für unser Land eine Schicksalsfrage. Um Wirtschaftskraft, stabiles Sozialsystem und Wohlstands halten zu können, brauchen wir die nächsten Jahre hoch qualifizierte Zuwanderer.