Werner Krämer

Mercator/ Digital *

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Zur Inhaltsangabe und Gebieten der Digitalisierung

(Agenda; Digitale Ökonomie und Revolution/ auch E-Business)

 * Mercator ist einfach die lateinische Übersetzung meines Nachnamens Krämer, der auch Kaufmann bedeutet. Im alten China bildeten die Kaufleute  die vierte soziale Schicht nach Gelehrtenbeamten, Bauern und Handwerkern. .("Diejenigen, die Güter transportieren und Waren verkaufen, nennt man Kaufleute/ shang, aus dem Hanshu, der "Geschichte der Han", von Ban Gu, 32-92). Mercator heißt auch ein relativ junges Asien-Institut in Berlin, dem die gemeinsame historische Entwicklung mit dem Aufstieg Chinas fehlt (wird im März 2021 mit Gegensanktionen für die EU-Sanktionen belegt). Mercator heißt ebenfalls eine Stiftung an der Uni Duisburg-Essen. Die Digitalisierung ist die größte Herausforderung für die Gesellschaft heute. An dieser Stelle sind querschnittartig alle wichtigen Infos zu diesem Thema aufgeführt.  

2019 war das "Leonardo-Jahr". Im Jahre 2019 am 2. Mai starb vor 500 Jahren (1519) Leonardo da Vinci, geboren 1452. Er war ein besessener Erfinder und Innovator. Er war Architekt, Maschinenbauer, Ingenieur, Anatom, Feinschmecker, Naturphilosoph  und Maler (Mona Lisa, Salvator Mundi, Fresko Das Abendmahl). Der Codex Madrid, den man 1965 gefunden hat, enthält zahllose Ideen von ihm. Vgl. Bernd Roeck: Leonardo. Der Mann, der alles wissen wollte, Verlag C. H. Beck 2019. Er hätte fast alleine mit seinen Ideen eine technologische Revolution auslösen können; er vereinigte alle Eigenschaften in sich, die heutzutage wichtig sind, wenn von Fortschritt die Rede ist. Er war insofern eine Jahrtausendfigur. Er hatte großen Mut zum "Gegendenken", heute spricht man von Disruption. Es war auch ein Umbruch der Geschichte, das Ende des Mittelalters, der Beginn der Neuzeit. Sein Umbruch geht aber noch darüber hinaus.  Vgl. auch: Ulrike Knöfel: Unheimlich modern, in: Der Spiegel Nr. 18, 27.4.2019, S. 100ff. Leonardo konnte nicht so viele inspirieren, weil viele seiner Entwürfe Hunderte Jahre verschollen waren. Vieler seiner Konstruktionen hätten allerdings auch nicht funktioniert. Vgl. Matthias Eckoldt: Leonardos Erbe. Die Erfindungen da Vincis - und was aus ihnen wurde, Pinguin Verlag 2019.  "Die ganze Welt ist Phantasie und jeder folgt seinem Gesetz, das heute Königreiche beherrscht, um jedes Begehren zu verfolgen", Jean Hesdimois, Zeitgenosse von da Vinci. "Die Tugend will, dass man ihr folgt, nicht der Fortuna: Bei der ist`s vergeblich. Nicht fern von der Tugend soll sein, wer sein Leben glücklich beenden will", Marchetta Cara, ebenfalls Zeitgenosse.                                   

"Ich habe mich so lange um `s Allgemeine bemüht, bis ich einsehen lernte, was vorzügliche Menschen im Besonderen leisten", Goethe, Maximen und Reflexionen, Sophienausgabe Bd. 42 II, S. 135 (gemäß dieser Aussage kann es immer nur um die passende Umsetzung und Anwendung der Erkenntnisse großer Wissenschaftler und Praktiker gehen.

Links sieht man das Denkmal von James Watt, dem Erfinder der Dampfmaschine in Glasgow auf dem George Square. Die Dampfmaschine löste die erste industrielle Revolution aus. Gegenwärtig  findet die digitale Revolution statt, ausgelöst durch die Möglichkeiten des Internet, das sowohl die Produktion als auch die Organisation der Unternehmen grundlegend verändern wird. Zusätzlich wird ein starker Wandel bei Transport/ Logistik, Marketing und  beim Informationsmanagement ausgelöst. Insgesamt wird in der Folge eine gesellschaftliche Revolution vor sich gehen (Substitution physischer Arbeit und Routinearbeit, mehr Kreativität in der Bildung, mehr prekäre Löhne). Auch der Arbeitsort ändert sich in vielen Bereichen (Homeoffice). Dadurch wird massiv der Beratungsbedarf ansteigen.

 

Inhalt:

Vorgeschichte und Zukunft: Technologische Revolutionen und ihre Wirkungen

Von der industriellen zur digitalen Revolution (Karl Marx - Jahr 2018: 200. Geburtstag und 150 Jahre "Das Kapital"; 200. Geburtstag von Friedrich Engels 2020)

Digitale Revolution und Transformation im kompakten Gesamtüberblick ("The Second Machine Age"; Industrial Transformation)

Internetökonomie als Gebiet (Digitalisierung, Netzökonomie, die wichtigsten Merkmale, Plattformökonomik, digitale Infrastruktur, Games Technology)

Stellenwert des Internet heute

Stichworte (besonders wichtig): Künstliche Intelligenz (Artificial, KI), Blockchain, Cloud Computing/Edge, Big Data Virtual Reality, Roboter/ Automatisierung/ Mensch-Maschine, Drohnen, Smart Factory/IoT, 3-D-Druck, Energie/ Smart Grid, Ära 3.0, digitale Zukunft, Autonomes Fahren, 5G, Cyber Security/ CYS.

Die wichtigsten globalen digitalen Unternehmen und ihre Strategien sowie globaler Wettbewerb  (Exkurs: Weltweite Zentren der IT-  Wirtschaft).

Digitale Umsetzung im Unternehmen/ IT- Management und -Beratung im Überblick; IT - Dienstleistungen, Wirtschaftsinformatik, Data Science, Software Engineering and Development, Operation Management, Cloud Computing, Efficient Algorithms

Digitalisierung im Mittelstand (einschließlich Digital and Sustainable Entrepreneurship)

Strategisches Management im E-Business (Digital Business, digitale Geschäftsmodelle)

Digitales Marketing (auch Data-Driven Marketing)

Digitale Produktion (Industrie 4.0, Produktionsinformatik) und Logistik (Lieferketten, Supply - Chain)

Digitales Human Resources Management (digitales HRM, Unternehmensführung in digitalisierten Arbeitswelten)

Digitale Finanzierung  und Blockchain (Digital Finance, Finanzierung über Plattformen, mit wichtigen Unternehmen; Digital- und Parallelwährungen, Robo Adviser)

Portale "Finanzierung, Fintech"

Ethik/ Werte in der Digitalisierung (Digital Moral)

Digitalisierung und Recht (Regulierung der Internetökonomie)

Digitalisierung und Arbeit ("neue Arbeitswelt", "Wandel der Arbeit") bzw. Arbeitsmarkt/ Arbeitsmarktpolitik, Transformation der Arbeitswelt.

Digitalisierung der Bildung (Weiterbildung 4.0, Blended Learning, Kompetenzen, Digitalität in Elementar- und Primarbildung bzw. Hochschulbildung, digitale Medienkulturen)

Digitalisierung und Wettbewerbspolitik  ("digitale Marktbegleiter")

Digitalisierung und Steuerpolitik

Digitalisierung und Industriepolitik

Digitalisierung und Umwelt/ Umweltpolitik, (Smart Sustainability, Klimawandel)

Digitalisierung und Gesundheit bzw. Gesundheitspolitik (Smart Health, eHealth-Infrastruktur, Digital Healthcare)

Smart City und Bedeutung der Kommunen bei der Dezentralisierung (autonomes Fahren, Verwaltungsinformatik)

Digitalisierung und Landwirtschaft/ Weinbau: Smart Farming, Smart Wine

Smarte Energieinfrastruktur/ Energiepolitik (4 D: Dekarbonisierung, Digitalisierung, Dezentralisierung, Demokratisierung). Smart Grid

Die Genossenschaftsidee von F. W. Raiffeisen - Die ideale Organisationsform in einer digitalen und nachhaltigen Welt? (200 Jahre Raiffeisen-Jubiläum; mit Fokus auf "Japan"),

"Made in China 2025" (Masterplan der KPCh/ Regierung für die digitale Transformation in China und Auslandsnetzwerk in den USA)

Digitalisierung und Mikroökonomik (die Ökonomik der Information, Digital Economy)

Digitalisierung und Makroökonomik (Handel, Wachstum, Verteilung, Geld, Währung, Krypto, Beschäftigung, Strukturwandel, Volkswirtschaftslehre 4.0, Einfluss auf Wirtschaft)

Digitale Gesellschaft (Soziologie/ Sozialpsychologie der Digitalisierung, Kulturen der Digitalität, Digital Humanities, Einfluss auf Menschen und Gesellschaft)

Einfluss der Digitalisierung auf das menschliche Denken (Wissenschaftliches Denken im Wandel, Psychologie)

Empirische Messung der Digitalisierung (Indikatoren)

Big Data und Statistik: Daten und Methoden (in Bezug zu Digital Business, Data Analytics)

Zur Rolle der Ökonometrie/ Statistik in der Ökonomie im Zusammenhang mit Big Data

Power Point - Auswendig - und fertig! Reflexionen über die ökonomische Bildung im digitalen Zeitalter (Vortrag)

Nutzen Sozialer Netzwerke und anderer E - Learning - Systeme

 

                                                

 

 

 

Links sieht man ein Bild der Universität Glasgow, an der Adam Smith, James Watt und David Hume studierten (Schottische Aufklärung). Offenbar besteht ein enger Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Stärke eines Landes und der Bedeutung des ökonomischem Denkens für die Welt. Glasgow war im 18. jahrhundert ein Zentrum des Welthandels und der ersten industriellen  Entwicklung. Die wissenschaftssoziologische These von der Verbindung ökonomischer Macht mit wissenschaftlichem Einfluss in der Welt hat auch heute nichts von ihrer Bedeutung verloren. Zentrum der heutigen technologischen Revolution ist noch die US-Westküste (Silicon Valley).  Wahrscheinlich wird sie in Kürze von der Region um Shenzhen im Süden Chinas abgelöst.

Vorgeschichte und Zukunft: Technologische Revolutionen und ihre Wirkungen:

"Die Welt verändert sich fortwährend, nur eines bleibt gleich: der Mensch", Frederico Fellini, italienischer Regisseur.

Strukturwandel: Veränderung der Wirtschaftsstruktur in der Zeit, insbesondere Anteil der Sektoren, gemessen an Wertschöpfung und Beschäftigtenzahl. Ursachen sind der Wandel von Nachfrage- und Angebotsstruktur, technischer Fortschritt, und internationale Arbeitsteilung. Die Folgen zeigen sich z. B. in der Arbeitsplatzstruktur und in der Rollenverteilung der Geschlechter.

Technischer Fortschritt: Die Herstellung neuer, verbesserter Produkte (Produktinnovation). Einführung verbesserter Produktionsverfahren (Prozessinnovation). Heute treten neue Formen des technischen Fortschritts auf: Insbesondere ist er disruptiv. Er erfasst in kurzer Zeit und mit großer Wucht das gesamte System der Produktion und Konsumption. Man spricht auch von General Purpose Technologies (GPT, Bresnahan/ Trajtenberg; drei Merkmale: großes Anwendungsfeld, bedeutendes Potential für weitere Verbesserungen, leichte Kombinierbarkeit). 2018 bekommt Paul M. Romer den Wirtschaftsnobelpreis. Er hat einen neue Wachstumstheorie (endogen) entwickelt, in der der technische Fortschritt dominiert. Die Akteure, die Marktformen, der Wettbewerb sowie der Staat bestimmen zusammen das Wachstumstempo. Vgl. P.M. Romer: Endogenous Technological Change, in: Journal of Political Economy, 98. Jg. (1990), S. 71-102. "Wir dürfen den technologischen Fortschritt niemals als monströses Naturereignis ansehen", Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, 2019. Ausführlicher formuliert: "Technologischer Fortschritt gilt als sichtbarstes Zeichen menschlicher Fortentwicklung. Solange wir aber die Einbettung von Technik in Umwelt und Gesellschaft nicht mitdenken, fehlt uns der Blick dafür, wo sie uns hintreibt. Um in der neuen Realität gut zusammenleben zu können, müssen wir auch unsere Vorstellung von Fortschritt ändern, sonst verschieben wir die Probleme einfach weiter in die Zukunft", in: Maja Göpel: Unsere Welt neu denken, Berlin (Ullstein) 2020, S. 117.

Transformation: Wir leben im 21. Jahrhundert in einem Zeitalter der großen Transformation. Sie ist mit der im 19. Jahrhundert vergleichbar, die von Dampfmaschine und Aufklärung ausgelöst wurde. Als der Anfangspunkt der industriellen Arbeit gilt der Fluss Derby in Mittelengland. 1771 entsteht in Cromford (Dorf) die erste Fabrik, eine Textilfabrik. An diesem Fluss werden nach und nach weitere Textilfabriken gebaut (Waterframe). Es sind Spinnmaschinen, die mit Wasser angetrieben werden und erst viel später mit Dampfmaschinen. Die erste Fabrik in Deutschland entsteht in Ratingen und wird dann Cromford nach dem englischen Dorf genannt. Die aktuelle Transformation ist global. Die großen Treiber dieses Prozesses sind Demographie (Hauptfaktor "Migration"), Ökologie (Grenzen des Wachstums müssen akzeptiert werden), Technologie (Digitalisierung; Was man digitalisieren kann, wird man digitalisieren); Verschuldung aller öffentlichen Haushalte und auch der privaten Wirtschaftssubjekte (Haushalte, Unternehmen). Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren ergibt sich eine hohe Komplexität. Vgl. Fredmund Malik: Navigieren in Zeiten des Umbruchs. Die Welt neu denken und gestalten, Frankfurt 2015, S. 51-72. Der Begriff "Transformation" geht auf Polanyi zurück. Vgl. Karl Polanyi: The Great Transformation, New York 1944.

Vierte Industrielle Revolution (digitale Transformation, the Second Machine Age): Sie verläuft mit exponentieller Geschwindigkeit und basiert auf der Digitalisierung. Sie verknüpft zahlreiche Technologien und betrifft alle Sektoren. Digitalisierung bedeutet auch Automatisierung. Die Wertschöpfung ist mit immer weniger Beschäftigten möglich. Besondere Sorge bereitet die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft. Eine herausragende Bedeutung kommt dem Plattform-Effekt zu: Digitale Unternehmen bauen Netzwerke auf, die Käufer und Verkäufer mit einer breiten Palette von Produkten und Dienstleistungen zusammenführen. Megatrends sind selbst fahrende Kraftfahrzeuge, 3D-Druck, Robotik, neue Materialien. Vgl. Klaus Schwab, Die vierte industrielle Revolution, München 2016. Damit einhergehen eine verbesserte Verarbeitungskapazität (bessere Leistung der Hardware), erhöhte Speicherkapazität (Cloud) und Energieeffizienz zusammen mit der stärkeren Vernetzung der Daten und Informationen (Big Data). Eine Basistechnik ist die Blockchain. "Nie hat es eine Zeit gegeben, die so große Möglichkeiten und zugleich so große Gefahren bereithielt", Klaus Schwab. Die EU will bis 2030 technologisch zur Weltspitze aufsteigen. Vizepräsidentin Vestager rechnet mit einer neuen "industriellen Revolution". Beim Digitalisierungsgrad in der EU liegt Finnland vor Schweden. Deutschland ist 2020 knapp über dem EU-Durchschnitt.

Dezentrale Revolution: Sie schafft eine neue Welt, die durch die Erfindung der dezentralen Vertrauensbildung möglich wird. Das Grundprinzip, auf dem Krypto - Währungen und Block - Chain - Technologie beruhen, ist die Dezentralität. In einem dezentralen Netzwerk gibt es keine zentrale Server. Jeder Computer kann Sender und Empfänger zugleich sein. Die Vordenker der dezentralen Revolution wollen eine wirklich freie Gesellschaft schaffen, in der freiwillige Vereinbarungen Hierarchien und Machtstrukturen ersetzen. Vgl. Koenig, Aaron: Die dezentrale Revolution, München (FBV) 2019.

Digitalisierung und Strukturwandel: Die Wirtschaftswelt wird zunehmend von Software geprägt. Hardware und Ingenieurskunst verlieren an Boden. Die Automobilindustrie ist die Schlüsselbranche in Deutschland. Elektrofahrzeuge sind technisch weniger komplex und einfacher zu bauen. Im DAX (30 Unternehmen) sind nur zwei Digitalkonzerne, SAP und Wirecard. Die künftige Wirtschaftswelt wird weniger von Ingenieuren und Maschinen geprägt als von Programmierern und Daten. Die große Gefahr besteht darin, dass die eigentlichen Produzenten nur noch Zulieferer für die großen Digitalkonzerne sind. Traditionelle Managementtechniken sind zu langsam. Möglichst viele Geschäfte sollten die Unternehmen selbst machen, damit sie nicht von Plattformen abhängig werden. Im Konsumgüterbereich und auch im Industriegeschäft schieben sich Plattformen wie Amazon und Alibaba zwischen Produzenten und Endkunden.

Megatrends des Strukturwandels als Folge der Digitalisierung: 1. Zunehmende Vernetzung von Produkten und Technologien. Daten- und Kundenzentrierte Geschäftsmodelle dominieren. Es kommt zum Boom Anbieterabhängiger Plattformen (etwa bei Mobilität). 2. Globale Wachstumsverlagerung. Die Bevölkerung nimmt vor allem in Städten zu. Konsumenten fragen mehr lokale Produkte nach. Es gibt dadurch einen Trend zur Regionalisierung.  Weil natürliche Ressourcen begrenzt sind, gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung. 3. Gesellschaftliche Veränderungen. Die Automatisierung verändert die Arbeitsanforderungen. Es ist eine große Zuwanderung erforderlich. Fragen der Datensicherheit werden immer relevanter. "Digitalisierung ist binär in ihrer Natur: Eins und Null, Gewinne rund Verlierer. Das ist vor allem eine Attacke auf die Mittelmäßigkeit", Joe Kaeser, Siemens-Chef 2019.

Regionalentwicklung als Folge der Digitalisierung:  Mit der wirtschaftlichen Entwicklung beeinflussen 4 Faktoren die Bildung von Raumstrukturen: 1. Migration. 2. Handel. 3. Kapitalmobilität. 4. Wissensdiffusion. Die wirtschaftlich Entwicklung kann analytisch in vier Dimensionen getrennt werden: a. Agrarwirtschaft; b. Industrialisierung; c. Tertiarisierung; d. Digitalisierung. Daraus kann eine Matrix gebildet werden. Agrarwirtschaft: Migration gering, Handel: Agrarhandel entlang der Thünenschen Kreise, stationärer Handwerkshandel. Kapitalmobilität: kaum/ ortsgebunden. Wissensdiffusion: kaum, wegen disjunktiver Tätigkeiten (Agrar, Handwerk). Industrialisierung: Migration Land - Stadt, dynamisch, Landflucht. Handel: Transportkosten. Kapitalmobilität: agglomerationsgebunden. Wissensdiffusion: produktionsortgebunden. Tertiarisierung: Migration: Land -  Stadt, dynamisch. Handel: Arbeitskosten. Kapitalmobilität: hoch. Wissensdiffusion: Vernetzung, Verbundproduktion. Digitalisierung: Migration: zentrale Orte. Handel: Transportkosten. Kapitalmobilität: hoch. Wissensdiffusion: Vernetzung, Verbundproduktion. Quelle/ siehe: Hüther, Michael: Wozu Regionalpolitik? Wo liegt das Problem? in: Wirtschaftsdienst 2019/ 13 (Sonderheft), S. 7.

Kontratieff-Zyklus: Der russische Wirtschaftswissenschaftler Kondratieff beschäftigte sich in den 20er Jahren ähnlich mit langen Wellen im 50 Jahre - Abstand, die durch Basisinnovationen ausgelöst werden. Heute wäre das Internet die Basisinnovation. Manche bevorzugen heute den Begriff Sprunginnovationen. Das sind Innovationen. die die Welt verändern und sehr lange andauern.

Kurzweil` s  Law: Es wurde von Ray Kurzweil formuliert. Im Englischen lautet es "the law of accelerating returns".  Er sagt voraus, dass die Menschheit in ein Zeitalter des exponentiellen Fortschritts einsteigt, in dem der Fortschritt der nächsten hundert Jahre sich wie zwanzigtausend Jahre Fortschritt anfühlen werden. Eine neue Generation von Wissenschaftlern  kann auf die Ergebnisse der vorherigen Generation zurückgreifen. Außerdem hat die Zahl der Wissenschaftler sich sehr stark erhöht.

Mooresche Gesetz: Die Chip-Leistung verdoppelt sich etwa alle zwei Jahre. Wird das irgendwo einen Endpunkt haben? Mittlerweile wird das Gesetz umfassender interpretiert und auf die technologische Entwicklung insgesamt angewandt.

Schöpferische Zerstörung: Schon immer verdrängten neue Produkte alte. Schumpeter (Joseph Schumpeter, 1883 - 1950) bezeichnete diesen Prozess als schöpferische Zerstörung. Heute nennen das viele Wissenschaftler Disruption. Der Motor der schöpferischen Zerstörung sind Unternehmer, die neue Ideen umsetzen. Nach Schumpeter ist diese Art Innovation die treibende Kraft hinter langfristigem Wachstum. Die schöpferische Zerstörung bezeichnete er als "entscheidendes Faktum des Kapitalismus". "Der fundamentale Antrieb, der die kapitalistische Maschine in Bewegung setzt und hält, entspringt neuen Konsumgütern, neuen Produktions- oder Logistikmethoden, neuen Märkten oder neuen Formen industrieller Organisation, die neue kapitalistische Unternehmen entstehen lassen", Joseph Schumpeter. Vgl. Marron, Donald: Wirtschaft in 30 Sekunden, Librero 2018, S. 76.

Konzeption  des Bauhauses, das in Weimar seinen Ursprung hatte. Zentrale Persönlichkeiten waren Walter Gropius, Hannes Meyer, Ludwig Mies van der Rohe. Berühmt sind unter anderen auch Marianne Brandt, Wilhelm Wagenfeld, Johannes Itten, Paul Klee, Lyonel Feininger, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky. Im Jahre 2019 hat das Bauhaus das 100 Jahre - Jubiläum nach der Gründung.  Die Aufnahme stammt aus dem Bauhaus-Museum in Weimar aus der Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum. Später wanderte man nach Dessau (hier ist das größte Museum) und Berlin, bis die Nazis die Bewegung 1933 verboten. Mies van der Rohe emigrierte 1938 in der die USA. Er starb 1969 in Chicago. Das Bauhaus war Teil einer neuen Kulturbewegung, die auf den Wandel der Zeit reagierte. Man wollte Produktgestaltung, Bauen, Kunst  und Handwerk optimal an die Industrialisierung anpassen. Die Frage ist heute, ob eine ähnlich einflussreiche Kulturbewegung in Sicht ist, die die die Anpassung an den digitalen Wandel propagiert. Quelle der Darstellung oben und Beschreibung auch: Magdalena Droste: Bauhaus, Bauhaus-Archiv Berlin, 2019, S. 73.

Veränderung der Welt durch KI (AI): 1.Das größte Verwerfungs- und Zerstörungspotential der KI liegt nicht auf militärischem Gebiet, sondern in ihrer Wirkung auf unsere Arbeitsmärkte und Sozialsysteme. Nutzen können wir KI im Bildungssystem (Vorbild Süd-Korea). Handwerkskultur wird bleiben (Japan, Schweiz, Deutschland). Routinearbeiten macht der Mensch immer weniger. 2. Der Mensch kann KI gestalten (liegt in unserer Hand. 3. KI und Mensch im Unterschied: KI KI kann menschliche Denkprozesse quantifizieren und auch menschliches Verhalten erklären. sie kann aber nicht Herzen und Gefühle ersetzen. Vgl.  Vgl. Kai-Fu Lee: AI Super-Powers. China, Silicon Valley und die neue Weltordnung, Frankfurt/ New York 2019, S. 291ff. 

Auswirkungen der Digitalisierung: 1. Innovationen. Bis 2024 die Hälfte aller ITK - Ausgaben in die Digitalisierung. 2. Cloud-Vernetzung. 3. Dezentralisierung. Bis 2023 über 50% der neu installierten IT - Infrastruktur. 4. Digitale Innovationsfabriken. Bis 2025 fast zwei Drittel der Unternehmen sind produktive Software-Hersteller, über 60% cloudnative Apps. 5. Branchen-Apps. 6. Künstliche Intelligenz. bis 2025 90% der neuen Unternehmens - Apps mit Künstlicher Intelligenz. 7. Vertrauen. Bis 2023 haben die Hälfte der 2000 größten Unternehmen weltweit einen sogenannten Chief Trust Offcer. 8. Unternehmen als Plattform. 9. Branchenübergreifende Mashups. 10. Plattformkriege. Quelle: Marktforschungsunternehmen IDC, com!professional 1/2020, S. 17.

Die wichtigsten digitalen Trends ab 2020: 1. Hyperautomation (Tools, Machine Learning). 2. Multiexperience (VR, AR, MR). 3. Democratization (einfacher Zugang). 4. Human augmentation (Leistungsfähigkeit des Menschen erhöhen). 5. Transparency and traceability. 6. The empowered edge. 7. The distributed cloud. 8. Autonomous things. 9. Practical blockchain. 10. AI Security. Quelle: Beratungshaus Gartner, com!professional 1/2020, S. 20.

Notwendigkeit industrieller Kerne: Eine große Herausforderung wird es sein, industrielle Kerne zu erhalten. Die Hartz-Reformen haben einen wichtigen Beitrag geleistet. In der Digitalisierung ist die Verteilung zwischen Dienstleistungen und Produktion sehr wichtig. Als reine Dienstleistungsgesellschaft kann eine Gesellschaft nicht überleben. GB ist ein gutes Beispiel. Das Land ist auch tief gespalten, nicht nur durch den Brexit.

Lokale Ebene/ lokale Gemeinschaft: Der Ökonom Raghuram Rajan hat zur Bedeutung der lokalen Gemeinschaft 2020 ein Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel "die dritte Säule". Er war 2003 bis 2006 Chefvolkswirt des IWF. Von 2015 bis 2016 war er Vize-Chef der BIZ in Basel. 2020 ist er Professor für Finanzen an der Uni Chicago. Er warnt vor Zentralregierungen und überstaatlichen Organisationen. Die lokale Ebene droht als Stütze der Gesellschaft weg zu brechen. Das sei ein Einfallstor für rechten und linken Populismus. Der Dienstleistungssektor in Großstädten profitiert vom Technologiewandel. So entsteht ein großes Stadt-Landgefälle. Diesen Tatbestand stellt schon Karl Marx beim Übergang von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft fest. Man kann den Verlierern des Wandels nicht einfach Transferleistungen anbieten. Durch den Kompetenzverlust der kommunalen Ebene fühlen sich die Menschen machtlos. Man müsste wieder zurück zur Subsidiarität kommen. auch die Entwicklung in der EU geht in eine andere Richtung: Mindestlohn, Steuerharmonisierung. Vgl. auch: Malte Fischer: Stärkt die lokale Gemeinschaft, in: WiWo 6/ 31.1.2020, S. 38f.

Corona und digitale Transformation: Vom Homeoffice bis E-Commerce. Auf vielen Gebieten wird der digitale Wandel durch Corona rasant beschleunigt. Es ist die Stunde der Apps. Durch den Lockdown haben Läden Nachteile. Digitale Technik wird für bessere Effektivität und Effizienz genutzt. Die Ausgangsbeschränkungen waren der entscheidende Push. Es stellt sich die Frage nach der sozialen Ausgewogenheit (Sozial Schache werden weiter abgehängt). Die großen digitalen Unternehmen hatten durch die Pandemie starke Wertzuwächse (obwohl nicht genau der Ursache zuzurechnen). Kursveränderungen von Tech - Firmen in Prozent 27. Mai 20 gegenüber Jahresbeginn: Zoom (+138%), Amazon (+30%), Microsoft (+15%); Dow Jones-Index -10%. Quelle: Refinitiv Datastream, Der Spiegel Nr. 23, 30.20, S. 72f.

Forschungseinrichtungen: 1. Einstein Center Digital Futures - https://www.digital-futures.berlin . 2. Sozial-ökologische Transformation - TU Berlin /Tilman Santarius - https://wwwtransformation.tu-berlin.de . Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb, München: https://www.ip-mpg.de .

Novozän (englisch original "Novacene"): Der einflussreiche Ökodenker James Lovelock entwickelt mit 100 Jahren eine Theorie über das zukünftige Leben auf der Erde. Er sieht die Menschheit an der Schwelle eines neuen Zeitalters. Vor uns liegt das Novozän: das Zeitalter der Hyperintelligenz. Vgl. Lovelock, James: Novozän. Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz, München (C. H. Beck) 2020 (zuerst englisch 2019). Zunächst beschreibt er das Beispiel Alpha Go. Das ist ein Supercomputer, der sich selbst das Go-Spiel beibrachte und dann von keinem Menschen mehr zu schlagen war. Er hofft auf einen Cyborg, den der Mensch beherrschen kann. Danach kommt das Bit, in dem Sonnenlicht direkt in Informationen umgewandelt wird. Cyborgs hätten ihre eigene Sphäre. Aber wir könnten von Maschinen behütet werden voller Liebe und Güte. Es gäbe einen bewussten Kosmos.

Ich halte diesen Ansatz und damit die Prognose für zu einseitig. Richtig ist, dass wir in ein neues Zeitalter des Wandels kommen. Aber wir kennen die Wesenszüge kaum. Sicher werden sie nicht nur von KI gesteuert. Die Globalisierung hat zunächst Wohlstand geschaffen. Dann gerieten die reichen Länder ins Wanken, weil die Arbeitseinkommen in den Osten und Süden des Globus wanderten. Dadurch kamen Fundamentalismus, Populismus, Nationalismus u. a. Im letzten Akt kam es zu Handelskriegen und zum Zusammenbruch der alten Weltordnung (WTO, IWF, WHO, UN u. a.). Also werden neue ökonomische Machtstrukturen entstehen. Wahrscheinlich wird China die Führung übernehmen, auch mit seinen High-Tech-Riesen. Vgl. auch: Nadv Eyal: Revolte. Der weltweite Aufstand gegen die Globalisierung, Berlin (Ullstein) 2020, insbesondere S. 351ff.

Exponentielles technologisches Wachstum und Deutschland: Es gibt die These, dass in den nächsten zehn Jahren (ab 2020) die technologische Entwicklung so dynamisch sein wird, wie in den vergangenen 100 Jahren. Das ist eine Prognose, die zum Teil aber nur Extrapolation ist. Träger dieser Entwicklung sollen die Riesen-Digitalunternehmen sein, die ihren Sitz entweder in den USA oder in China haben (siehe unten). Während diese Unternehmen in ihren Mutterländern einen Aktienwert von etwa je 5 Billionen € haben, kommen entsprechende deutsche Unternehmen auf 100 Milliarden. Es könnte also die Gefahr bestehen, dass Deutschland zwischen den beiden Blöcken zerrieben wird. Die Corona-Krise aber hat gezeigt, dass Deutschland viele komparative Vorteile hat: gutes Gesundheitssystem, gutes politisches System, kollektive Disziplin. Klar ist aber auch, dass Deutschland national viel zu klein ist (ein Zwergenland).  Gemessen an seinen Grundvoraussetzungen (Bevölkerung, Fläche, Rohstoffe) ist Deutschland ungeheuer erfolgreich. Um diesen Status von Erfolg halten zu können, muss Deutschland auf Europa setzen. Nur mit einer erfolgreichen EU wird auch Deutschland erfolgreich sein. Wie sich genau Deutschland und die EU im Netz von Digitalisierung, Klimawandel und, Globalisierung neu verorten müssen, weiß im Moment niemand. Da war die Situation zu Beginn der industriellen Revolution einfacher. Als genialer Prophet hat sich hier Karl Marx erwiesen (siehe oben). Aber wenn es stimmt, das 9 Menschen auf dieser Welt so viel Vermögen haben wie die Hälfte der Menschheit, stellt sich die Frage, wie lange die Milliarden von armen Menschen in Asien, Afrika und Südamerika sich diese Verteilung noch gefallen lassen. Militärische Macht wird sich in Zukunft mehr darauf ausrichten, den Reichtum gegen die Armut zu verteidigen.

Ära 3.0: Bausteine sind das Quantum Computing, die Kernfusion, die Singularität und der Brain Appstore. Die neue Epoche könnte ab ca. 2030 einsetzen. Quanten Computing ist ein neuer Weg, die Naturgesetze zu nutzen. Aufgabenstellungen werden durch zusammenlegen mehrerer paralleler Realitäten zu bearbeiten sein und zu neuen Ergebnissen führen.  Es geht um hochkomplexe Optimierungsaufgaben (Verkehrssteuerung z. B.). Kernfusion könnte Energie-Versorgung ohne Umweltverschmutzung und globale Erwärmung ermöglichen. Fusionsreaktoren sollen auf der Basis der Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium laufen.  Der Appstore hat Hirnschnittstellen. Durch ontogenetische Verfahren sollen Nervenzellen im Gehirn angeregt werden ("Fahrräder für unseren Verstand", Steve Jobs). Singlarität ist der Zeitpunkt, wann künstliche Intelligenz schlauer ist als der Mensch.   Vgl. auch: Thelen, Frank/ Schorn, Markus: Das Mindset der Zukunft, Bonn 2020, S. 158ff. Wirklich kann noch niemand die Welt vorausahnen. Aber sicher wird der Mensch als denkendes Wesen mehr in Frage gestellt. eigentlich soll die Technik ja Fehler des menschlichen Denkens verhindern. Nikolaus Kopernikus hat die Eitelkeit der Menschen gekränkt, indem er nachwies, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht. Heute geht es um die Grenzen des Menschen. Schwache Denker sind mit der Flut von Tweets, Headlines und Woke durch die emotionale Sofortbewältigung beschäftigt und schaffen Nachdenken gar nicht mehr. Gerade heute brauchen wir aber eine Kultur des Nachdenkens, die uns in richtiger Weise handeln lässt. Vgl. Anders Indset: Quantenwirtschaft. Was kommt nach der Digitalisierung, 2019.

Technologische Singularität: Nach einigen Experten soll 2045 dies eintreten. Bis dahin hat der technische Fortschritt sich derart beschleunigt. dass die Zukunft der Menschheit danach nicht vorhersehbar ist. Bis zum Jahre 2030 kommen bei Gehirnscans Nanobots zum Einsatz mit kleinen Kohlenstoffatomen. Dadurch kann dann das Gehirn auch von innen "durchleuchtet werden.  Dann kann durch Reverse-Engine-Verfahren Software erstellt werden, die das Gehirn simulieren können. Das könnte die Geburtsstunde des Maschinenmenschen sein. Vgl. Specht, P.: Die 50 wichtigsten Themen der Digitalisierung, München 2020, S. 15ff.

Digitalisierungsindex: Er miss den Grad der Digitalisierung nach Branchen. Er wird vom Institut der deutschen Wirtschaft ermittelt (IW, IW Consult). Er soll zeigen, wo die Schwächen in Deutschland liegen. Großunternehmen seien deutlich stärker digitalisiert als mittelständische Unternehmen. Den größten Nachholbedarf hätten Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten. Bei den Branchen führt naturgemäß die Informationstechnik (273 Punkte), vor Fahrzeigbau (193), Elektrotechnik/ Maschinenbau (144,3), Unternehmensnahe Dienstleistungen (135), Grundstoffe/ Chemie/ Pharma (99,4), Verkehr/ Logistik (75,3), Handel (74,9), Sonstiges Verarbeitendes Gewerbe (66,7), Tourismus (64,4). Quelle: Handelsblatt Nr. 232, 30. 11.2020, S. 10.

Revolution durch erneuerbare Energien und Ausstieg aus den fossilen Energien: Man spricht 2020 von einem Tipping Point: Eine Umkehrung tritt ein, die die digitale Revolution stark mitbestimmt. Es tritt eine Wende weltweit zuu erneuerbaren Energien ein. Dafür braucht man die digitale Hilfe.  Kapitalgeber haben einen großen Einfluss. Dazu gehören auch die Notenbanken. Es taucht das Problem auf, was mit den Investitionen in fossile Energieträger passiert. Kommt irgendwann eine fossile Badbank.

Gutachten 2021 des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) zur Digitalisierung: "Digitalisierung in Deutschland - Lehren aus der Corona-Krise". In dem Gutachten werden die eklatanten Rückstände bei der Digitalisierung moniert. Man setzt auf einen neuen Staatsvertrag. Es wird auch die Forderung nach einer Generalinventur erhoben. Die Strukturen und Prozesse in der öffentlichen Verwaltung werden als archaisch bezeichnet. Besonders die Zustände im Bildungs- und Gesundheitswesen werden kritisiert.

 

Digitale Revolution und Transformation im Gesamt-Überblick ("The Second Machine Age")

"Die Zukunft ist schon da, sie ist nur ungleich verteilt", William Ford Gibson, Science-Fiction-Autor. "Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance", Victor Hugo.

Links Konrad Zuse mit dem ersten Grundmodell eines Computers (hier im Konrad Zuse Museum Hoyerswerda, wo Zuse Abitur machte). Er gilt als Erfinder des Computers (Motiv: "Ich war zu faul zum Rechnen"). 1948 veröffentlicht er den Aufsatz "Ein neues Rechengerät für technische und wissenschaftliche Rechnungen, in: Der Wirtschaft Spiegel, Bd. 1 (1948), S. 55-58. Schon 1936 hatte er in Berlin, seiner Geburtsstadt,  mit der Z1die erste Rechenmaschine der Welt gebaut. Es folgten weitere Modelle. Die Z4 steht im Deutschen Museum in München. Im September 2020 wird eine Anleitung dazu an der ETH Zürich gefunden. Nach dem Krieg gründete er in Bad Hersfeld/Hessen eine eigene Computerfirma, die Zuse KG. Sie war bis 1964 im Privatbesitz von Zuse. 1964 ging sie an Rheinstahl, BBC und 1967 an Siemens. "Wenn die Computer zu mächtig werden, dann zieht den Stecker aus der Steckdose", Konrad Zuse. Außerdem: "Ich hatte nur das Glück, das meiner zuerst lief".

Der zweite große Deutsche in diesem Bereich war Hollerith. Prof. Georg Hollerith wanderte 1848 aus Großfischlingen in der Pfalz in die USA aus.  Sein Sohn Hermann (1860-1929) entwickelte die erste Apparatur zum Auswerten von gestanzten Lochkarten, welche erfolgreich für die damalige Volkszählung in den USA eingesetzt wurde. 1896 gründete er die erste Fabrik für Datenverarbeitungsmaschinen, die Weltfirma IBM. Ehemalige Mitarbeiter von IBM gründeten dann viel später in Walldorf bei Heidelberg die Firma SAP.

Der erste brauchbare Peronal Computer, der Apple I, wurde von Steve Wozniak entwickelt. Er bildete den praktischen Gegenpol zum visionären Kumpanen Steve Jobs.

Die nächste entscheidende Innovation war das WWW. Dei Idee für das weltweite Netz geht auf den Briten Tim Berners-Lee am Europäischen Kernforschungszentrum Cern nahe Genf zurück (1989, wurde zunächst als vage abgetan). Er war Physiker und wollte den Austausch von Forschungsergebnissen beschleunigen. So gab er 1993 WWW-Standards für die Öffentlichkeit Preis ohne jeden Patenschutz oder Lizenzauflagen. So konnte sich die Idee rasend verbreiten. Berners-Lee hatte schon das Konzept der Standardsprache (HTML) und des passenden Protokolls (HTTP). Berners-Lee lehrt auch in Cambridge (USA, 75 Jahre alt) und ist noch in einem WWW-Consortium (W3C). So hat er immer noch Einfluss.

1. Definition, Grundlage: Sie verläuft mit exponentieller Geschwindigkeit und basiert auf der Digitalisierung. Sie verknüpft zahlreiche Technologien und betrifft alle Sektoren. Digitalisierung bedeutet auch Automatisierung. Die Wertschöpfung ist mit immer weniger Beschäftigten möglich. Besondere Sorge bereitet die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft. Eine herausragende Bedeutung kommt dem Plattform-Effekt zu: Digitale Unternehmen bauen Netzwerke auf, die Käufer und Verkäufer mit einer breiten Palette von Produkten und Dienstleistungen zusammenführen. Megatrends sind selbst fahrende Kraftfahrzeuge, 3D-Druck, Robotik, neue Materialien. Vgl. Klaus Schwab, Die vierte industrielle Revolution, München 2016. "Nie hat es eine Zeit gegeben, die so große Möglichkeiten und zugleich so große Gefahren bereithielt", Klaus Schwab.

2. Chancen und Risiken: Machtkonzentration und Totalitarismus entstehen durch die Digitalisierung: In der Internetökonomie liegt eine große Gefahr, das Private abzuschaffen und Menschen effektiv zu kontrollieren. Am Anfang steht oft Freiwilligkeit (wie in der Share Economy), dann kommt Profit in der Regel durch Werbung und am Ende Machtakkumulation (alle Informationen über das soziale Leben). Teilweise erhöhen Unternehmen mit diesen Informationen den Druck auf die Menschen (z. B. wenn Versicherungen einen Bonus zahlen, wenn man sein Verhalten kontrollieren lässt). Die Internetunternehmen versuchen auch, an immer jüngere Nutzer heranzukommen. Ein Beispiel ist die Streaming-Plattform "YouNow". Danach muss sich auch die Wettbewerbspolitik neu ausrichten. Sicher gilt in der digitalen Ökonomie zwei Gesetzmäßigkeiten: 1. Information entwickelt sich zum wichtigsten Rohstoff zur Welterschließung ("Informationskapitalismus" löst den "Finanzkapitalismus" ab). 2. Der Mensch selbst wird zur Information und zum Rohstoff. Die Rolle de Menschen verändert sich: Er ist gleichzeitig Datenkonsument und Datenproduzent (große Gefahr der modernen Sklaverei). Er lässt sich aber auch zurichten (Empfehlungen von Streaming - Diensten, Follower). Monopole, insbesondere die aus dem Silicon Valley, gewinnen an Bedeutung (sie werden als Garant des Fortschritts beworben). In der Preisbildung wird das Image immer wichtiger (Beispiel Apple: macht den Preis nicht der Markt). Preise haben früher die wichtigsten Informationen verdichtet, heute verändert Big Data das Spiel.  Informationsdienste - etwa Google - streben eigentlich die Integration aller Marktzugänge an. Digital-industrielle Komplexe ersetzen die Gesetze von Angebot und Nachfrage. Vgl. Douglas Rushkoff, Present Shock, Orange Press, 2015; Yvonne Hofstetter, Sie wissen alles, 2015. Deutschland und Europa haben fast kein Internetunternehmen unter den Top 20 der Welt (SAP Ausnahme). Damit fehlt die Schnittstelle in der Wertschöpfung. Der Staat muss digitaler Wettbewerbshüter sein.

3. Digitales Defizit und Herausforderungen: Deutschland hat in Bezug auf Digitalisierung große Schwächen: Die Vernetzung ist unterentwickelt. In der Produktion verlassen wir uns zu sehr auf alte Stärken (Mittelstand). Wir denken zu sehr in Fachgebieten und meiden Risiken. Im Management wird Perfektion zu sehr belohnt und Fehler bestraft. Wir müssen Technologien weiter entwickeln. Plattformen müssen ausgebaut werden. Die Disruption muss gefördert werden, alte Märkte kollabieren. Neue Geschäftsmodell, die  das "Wie" in den Fordergrund stellen, müssen entwickelt werden. Vgl. Christoph Keese: Silicon Germany, München 2016 (Wirtschaftsbuch 2016 auf der Frankfurter Buchmesse). Netzwerkeffekte wirken wie externe Effekte: Das Handeln einzelner Akteure beeinflusst das Handeln anderer Akteure. Die Technologie ist gut standardisiert. "Lock-in", virtuelle Märkte, Wertschöpfungsmodule und Systemwechselkosten wirken als Betreiber der Internetökonomie.

Um mit den führenden Technologieplattformen mithalten zu können, muss sich in Europa einiges ändern: 1. Die EU muss einheitlicher werden. Verschiedene Sprachen, viele Verbraucherschutzbestimmungen, unterschiedliches Steuerrecht wirken als Barriere. Da haben es die USA und China einfacher. 2. Die Finanzierungsmöglichkeiten müssen verbessert werden. Es fehlt vor allem Venture Capital. 3. Die einzigen Computer - Science - Fakultäten in der EU sind in GB, das aber evtl. die EU verlässt.

4. Bausteine:  Die digitale Ökonomie (the Second Machine Age) besteht aus mindestens folgenden Bausteinen: Produktion 4.0, Internet der Dinge (kommunizierende Geräte), digitale Transformation (vor allem Dienstleister mit Plattformen), Breitbandausbau. Sie beeinflusst insbesondere folgende Branchen (Rangfolge): Technologie, Medien/ Unterhaltung, Handel, Finanzen, Telekom, Bildung, Gastgewerbe, Fertigung, Gesundheit. Eigentum geht auch in der digitalen Ökonomie nicht verloren. Es bleibt vor allem als eine mentale Ressource. Teile des Wirtschaftslebens wandern von den Märkten ab: Der Konsument ist zugleich Produzent ("Prosument"). Vielleicht lässt sich erst viel später erkennen (50 Jahre), wohin die Basistechnologie Internet führt. Bis der Massenmarkt erreicht ist, dauert es etwa so lange (Anfang des Digitalzeitalters?). Auf digitalen Märkten tummeln sich vier Technologien: Speicher- und Übertragungstechnik, Steuerungstechnik bzw. Robotik, Künstliche Intelligenz und Informationsplattformen.

Die Technologien hängen also mit Daten und neuen Kundenrollen zusammen. In Unternehmen werden Prozesse ausgelöst, die mit Disruption (Wandel von Geschäftsmodellen), Change Management und Entrepreneurship beschrieben werden. Vgl. Nicolai, A. T./ Schuster, C.: Digitale Transformation, in: WiSt, H. 1, 2018, S. 15ff.

5. Glossar: 1. Distributed Ledger: Zentral gesteuerte und weltweit verteilte Datenbanksysteme. Die Blockchain gehört dazu. 2. Tangle: Transaktionsdaten werden nicht - wie bei der Blockchain - chronologisch hintereinander angeordnet, sondern in einem netzwerkartigen Gewirr (Tangle) mit vielfältigen Knotenpunkten (Nodes). "Miner" fallen hier weg. 3. Smart Contracts: Eine beliebige Transaktion wird automatisch unter der Voraussetzung abgewickelt, dass alle beteiligten Parteien die zuvor in der Blockchain niedergelegten Konditionen erfüllt haben. 4. DApps: dezentralisierte, automatische Apps. Open Source, öffentlich in einer Blockchain gespeichert. 5. DAO (Decentralised Autonomous Organization): Ein eneue Form der Organisation, deren Geschäftsordnung, Gesellschaftsvertrag oder Satzung durch einen Smart Contract festgelegt und automatisch ausgeführt wird. 6. ICO: Bei einem Initial Coin Offering (ICO) werden quasi digitale Wertpapiere aufgelegt. 7. Kryptokatze: Eine der erfolgreichsten Anwendungen auf der Blockchain - Plattform Ethereum. Anwender können virtuelle Kätzchen (Cryptokities) züchten und mit ihnen handeln. Vgl. Sommer, Sarah: Vertraut den Daten, in: brand eins 06/18, S. 20ff.  8. Token: Digitale Münze bzw. Schlüssel. Sie wird mithilfe eines Smart Contract erstellt. Bei Ethereum heißen die Münzen ERC20-Token. Ein Token kann verschiedene Funktionen haben: Sollen Eigentümer ihn einsetzen, um Dienstleistungen eines Start-ups zu nutzen, handelt es sich um einen Utility-Token. Soll er Anteile an einem Unternehmen repräsentieren, also einer Aktie gleichkommen, heißt er Equtiy- oder Security-Token und fällt unter die Kontrolle der Finanzaufsicht. 9. Whitepaper: Projektbeschreibung des Start-ups zum ICO. Verbindliche Zahlen fehlen fast immer. Es ist kein Börsenprospekt.

6. Innovationen im Finanzbereich: Blockchains: Treten im Zusammenhang mit Digitalwährung auf. Block ist eine Liste von Cryptocoin-Transaktionen, die mit einem Zeitstempel versehen ist. Blockchain ist ein dezentrales, auf vielen Computern gespeichertes Verzeichnis von Transaktionsdaten, das öffentlich zugänglich und im Nachhinein unveränderbar ist. Ein gutes Beispiel ist Bitcoin. Interessant ist die Technologie und die Logik: 1. Person A kauft von Person B bestimmte Diamanten (Geschäft). 2. Verifizierung (Identifizierung, Eigentümer). 3. Transaktion (anonym). 4. Validierung. 5. Umsetzung. 6. Ergebnis. Vgl. Bettina Schulz, Das ärgert Betrüger, in: Die Zeit, Nr. 3, 14.01.2016, S. 24f. Allgemein ist eine Blockchain ein dezentrales Register für Transaktionen. Alle Transaktionen werden in Blöcken zusammengefasst und bilden eine Kette. Ein aufwendiges Rechenverfahren gewährleistet die Unveränderbarkeit der Blockchain. Sie kann vertrauensbildende Intermediäre ersetzen, zum Beispiel Banken. So werden Geschäftsprozesse automatisiert. Es entsteht eine gemeinsame Vertrauensgrundlage (Konsens, Proof-of-Work). Zwischengeschaltete Finanzinstitute fallen weg. Es entsteht auch mehr Transparenz, da die Blockchain ein globales Hauptbuch darstellt, in dem alle Transaktionen gespeichert werden. Bei einzelnen Schritten bestehen Variationsmöglichkeiten: Da der Proof-of-Work-Mechanismus viel Rechenleistung und Energie fordert, wurde Proof-of-Stake als energiesparende Alternative entwickelt.

Die Blockchain besteht aus vier Teilen: 1. Einem Wallet und Schlüssel. Ein Wallet ist eine digitale Geldbörse, bestehend aus einem öffentlichen (public key) und privaten Schlüssel (private key, geheim). Mit dem privaten Schlüssel wird die Identität las berechtigter Besitzer der Wallet bestätigt. Der öffentliche Schlüssel entspricht etwa einer gewöhnlichen Kontonummer. 2. Verteiltes System. Die Transaktionsabwicklung läuft in einem Netzwerk auf spezieller autorisierter Hardware. Geschäftsabschlüsse werden kryptographisch abgesichert. 3. Kassenbuch. Transaktionen werden chronologisch aufgezeichnet. 4. Peer-to-Peer. Direkter Austausch von Werten zwischen einzelnen Marktteilnehmern. Vgl. com professional 11/16, S. 14ff.  Im Bereich Finanzen  arbeiten US-Unternehmen wie IBM, Intel und J. P. Morgan schon mit der Blockchain -Technologie. Hierüber werden die Bücher sicher ausgetauscht. Sie können von jedem geprüft werden, der eine Berechtigung besitzt. Den Unternehmen bietet das den Vorteil, dass sie zum Beispiel die Einhaltung von Bilanzregeln per Croudsourcing prüfen lassen und sie bekommen von einem breiten externen Netzwerk Feedback zu ihrem Finanzmanagement. Das signalisiert auch Vertrauenswürdigkeit. Mittlerweile gibt es auch Blockchain - Finanzdienste: Es handelt sich um P2P-Kreditvergabeunternehmen (Peer-to-Peer). Einige sollen hier aufgeführt werden. lendico.de ist ein P2P-Kreditvergabe- und Anlageportal von Privatpersonen an Privatpersonen und Kleinunternehmer. auxmoney.com ist ein P2P-Kreditvergabeportal von Privatpersonen an Privatpersonen. Sieben Gestaltungsprinzipien beeinflussen die Blockchain - Wirtschaft: 1. Vernetzte Integrität. 2. Verteilte Macht. 3. Wert als Anreiz. 4. Sicherheit. 5. Datenschutz. 6. Wahrung von Rechten. 7. Inklusion. Vgl. Don Tapscott/ Alex Tapscot: Die Blockchain - Revolution, Kulmbach 2016.

Andere wichtige Elemente: Mining: Ein Verfahren, um die Blockchain zu aktualisieren und zu überprüfen. Mining-Pool: Ein Zusammenschluss mehrer Miner, die gemeinsam nach neuen Blöcken suchen und sich die Einnahmen teilen. Mehrfachsignatur (Multi-Signature): Ein Verfahren, bei dem mehrere Schlüssel notwendig sind, um eine Transaktion abzuzeichnen. Vgl. Koenig, Aaron: Dezentrale Revolution, München 2019, S. 204ff.

Geldtransfer via Blockchain: Person A will Person B Geld schicken. Die Transaktion wird online in einen Datenblock verwandelt. Der Datenblock wird an jeden Rechner im Blockchain - Netzwerk geschickt. Jeder Rechner prüft die Transaktion automatisch und gibt sie frei. Der Datenblock wird zu der Kette hinzugefügt und kann nicht mehr verändert werden. Das Geld wechselt von Person A zu Person B. Vgl. Financial Times. , 2016.

Die Entwicklung schreitet fort. Einmal zum Algorithmischen Handel: Computergestützte und automatisierte Entscheidungs- und Durchführungshilfen setzen sich immer mehr durch. Damit können Marktdaten unvorstellbar schnell bearbeitet werden. Finanztransaktionen werden in Form von Small Contracts abgebildet. Die damit verbundene Digital Ledger-Technologie hilft, Kreditvertragsbeziehungen, Wertpapiertransaktionen und Derivate - Geschäfte zu verifizieren und zu automatisieren.

Aber insgesamt gibt es mittlerweile ein digitales Finanzleben, das den traditionellen Banken Konkurrenz macht: so gibt es Giro-Konten per App (N26), Bezahlung per Smartphone (SumUp), Vermittlung von Privatkrediten (Auxmoney), Onlinebezahlsysteme (Billpay), Wertpapierhandel (Ayondo), Vermögensverwaltung (Liqid).

Vor- und Nachteile: Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Sie wird Auswirkungen auf Lieferketten haben. Sie wird einen Peer-to-Peer-Handel begünstigen und zu Börsen führen. Die Blockchain bietet Chancen für neue Geschäftsmodelle. Sie erhöht die Sicherheit von Transaktionen. Sie führt zu mehr Dokumentensicherheit. Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Die Blockchain hat auch viele Nachteile: De Rechenaufwand ist riesig und damit auch der Energieverbrauch. Der Stromverbrauch soll 2018 so hoch sein wie der von ganz Österreich. Der US-Ökonom nennt die Blockchain in einem Gutachten für den US-Senat 2018 "die am stärksten überschätzte Technik aller Zeiten". Neue Anwendungen 2018 waren Plattform für Online-Wahlen, Flugschreiber für Drohnen, virtuelle Kryptoschweine für Kinder (Pigzbe), Verwaltung von Lieferketten in der Logistik, Patientendaten in der Medizin.  80% der Projekte sollen aber Betrug sein (Beratungsfirma Satis Group). Man muss den Institutionen vertrauen, die die Datenbank betrieben.

Treasury - Management: Immer wichtiger wird auch das Treasury - Management - System. Es ist eine Art Schatzmeister aus der Cloud. Die KI steht hier erst am Anfang. Funktionen sind der Zahlungsverkehr, die Kontakte zu Banken und Kapitalmärkten, das Cash- und Liquiditätsmanagement, das Finanzmanagement, die Absicherung finanzieller Risken und Reporting. Bisher kann man das noch nicht von der Stange kaufen. Vgl. Jürgen Mauerer: Schatzmeister aus der Cloud, in: com! professional 1/2019, S. 54ff.

Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein", Johann Wolfgang von Goethe.

7. Produktion/ Industrie 4.0: In der Fabrik der Zukunft werden IT- und Fertigungstechnik verschmelzen. Immer mehr Maschinen kommunizieren über das Internet. Damit wird auch immer mehr improvisiert (ausgehend von einem groben Schema viele kleine Abweichungen). Die gesamte Produktion ist vernetzt. Das heißt, es findet eine umfassende Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Maschinen statt, in die auch Kunden und Geschäftspartner eingebunden sein können. Robotterquallen sind relativ autonom. Durch die starke Vernetzung wird die Sicherheit zum Problem. Diese Technik gilt als Krönung der Produktion. Die deutsche Industrie hat 2014 ein bis zwei Jahre Vorsprung. Die Vernetzung bietet grundsätzlich ganz neue Geschäftsmodelle (völlig neue Produktionslogistik). Die größten Hindernisse gegen die Ausbreitung von 4.0 sind: Lücken in der IT - Sicherheit, fehlende Normen, fehlende Fachleute, mangelnde Infrastruktur und hohe Kosten. Die KMU sind in dieser Produktionstechnik stark (Pionier dieser vierten industriellen Revolution). Einzelfertigungen und Kleinserienfertigungen, die traditionell hier gefertigt werden, können sehr viel billiger hergestellt werden. Die Produktion 4.0 hat drei Grundelemente: Selbststeuerung (Smart Factory, cyber-physische Systeme, CPS, es verschmelzen virtuelle und reale Welt); Interaktion (alle Daten tragen die Produktkomponenten in sich, dezentrale Selbstorganisation); Information (der Industriearbeiter ist Planer und Entscheidungsträger, Smartphone). Die "Integrated Industry" mit ihrer Vernetzung hat auch Auswirkungen auf den Markt, auf Arbeitsplätze, auf Ausbildung und Geschäftsbeziehungen. Der Produktionsstandort Europa könnte gesichert werden. Es kommen neue Entwicklungspartnerschaften mit mehr Kooperationen. Die Arbeitsplätze könnten höherwertiger werden. In den USA entsteht 2014 ein neues Normungskartell. Dadurch könnten die deutschen Unternehmen ihre bislang gute Position bei den Standards für die Industrie 4.0 verlieren. Normensetzung und ein gutes Rechtssystem sind Voraussetzungen der Produktion 4.0. Von den Arbeitnehmern fordert die Produktion 4.0 mehr Flexibilität (Abhängigkeit von Marktimpulsen wird stärker, Produktionszyklen werden noch kürzer).  Am 12.06.17 beginnt der Digital-Gipfel der Bundesregierung in Ludwigshafen. Das Stammwerk der BASF dort soll schnell digitalisiert werden (Sensoren, Datenerfassung zur Wartung und Steuerung der Kraftwerke und der Steamcracker). Eine Datenschutz-App für Bauern wird entwickelt.

8. Internet der Dinge (Internet of Things, IoT, Vernetzung): Die Entwicklung geht rasend schnell. Den Endpunkt bildet das Internet of Everything. Systeme sind z. B. automatische Verkehrssysteme, intelligente Straßen, intelligentes Stromnetz, vernetzte Geschäfte, intelligente Krankenhäuser, intelligente Stadt, Logistiksysteme. Die Gefahr könnte sein, dass die künstliche Intelligenz in einigen Jahren den Menschen überlegen ist. Im Unternehmen können Algorithmen bisherige Managementaufgaben übernehmen. Die Unternehmen haben Zugriff auf einen riesigen digitalen Datensatz. Marktforscher sind leicht ersetzbar; Kundenprofile können auf Knopfdruck erstellt werden. Große Gefahren sind der Kontrollverlust, die fehlende Transparenz, falsche Analysen, Diskriminierung. Anwendungsbereiche sind die Automobilelektronik, branchenspezifische Geräte (Produktion, Transport, Versorgung), allgemeine industrielle Anwendungen (Bankautomaten, Terminals), Konsumenten. IoT verunsichert viele Unternehmenslenker. Sie müssen teilweise völlig neue Strategien entwickeln. Vor allem der Wettbewerb ist immer schwieriger einzuschätzen (Quelle: Bain). Chancen und Risiken sind ganz schwer einzuschätzen: Es es zu einem Verlust von Arbeitsplätzen oder werden mehr entstehen? Auch persönlich sind die Folgen schwer abzuschätzen: Es kommt zu Effizienzsteigerungen, gleichzeitig steigt die Ablenkung und der Autonomie- und Privatsphäreverlust. Zum Internet der Dinge gehört auch folgendes: Facebook, Microsoft und andere arbeiten an digitalen Parallelwelten. Per Datenbrille erfüllen sich Simulationen, die sich wie echt anfühlen. Bald können Menschen so arbeiten, leben und shoppen an Orten, die nur im Computer existieren. Man setzt hier auch große Hoffnungen in die Digitalisierung, weil sie bei großen gesellschaftlichen Themen helfen könnte: Bei der Energiewende, beim Klimaschutz, bei der Qualität von Bildung, bei Gesundheitsvorsorge und Pflege in ländlichen Gebieten.  Im Juni 2017 gewinnt Darmstadt den digitalen Wettbewerb "Digitale Stadt" des Branchenverbandes Bitcom. Unter anderem war auch Kaiserslautern als Finalist im Wettbewerb. Es gibt Fördergelder von unternehmen, die hier sponsern.

9. Plattform - Kapitalismus: Dies ist eine weitere Bezeichnung für die Sharing Economy oder die digitale Ökonomie. Hier geht es speziell um Online-Plattformen. Sie ändern rapide den Büroalltag. Einerseits schaffen sie große Freiheiten, andererseits führen sie zu neuen Abhängigkeiten. Sie revolutionieren Märkte wie z. B. den Wohnungsmarkt (Airbnb) oder Taximarkt (Uber). Sie bringen auf dem Arbeitsmarkt direkt Arbeitnehmer und Auftraggeber zusammen (Upwork in den USA, Freelancer in Australien). Arbeitnehmer werden so von angestellten zu Freiberuflern. Wer via Plattform arbeitet konkurriert mit Millionen anderer Anbieter. Das dereguliert radikal den Arbeitsmarkt. Scheinbar hohe Stundenlöhne relativieren sich dadurch, dass man sich selbst für Alle versichern muss und oft noch die Ausrüstung stellt. Die Ratings geben den Plattformen noch mehr Macht. Vgl. O. V. : Immer auf Abruf, in: Wirtschaftswoche 29.7.16, S. 87ff. Die meisten Plattformfirmen kommen aus den USA. Sie dominieren die Weltwirtschaft. Es werden zunehmend Klagen laut, dass die ganz großen Plattformen ihre Marktmacht missbrauchen und Wettbewerber mit unlauteren Methoden zurückdrängen. Der Konsument wird zum User degradiert (nicht mehr Besitzer). Bei der Software wird er nur zum Lizenznehmer. Damit werden Eigentumsrechte reduziert. Ganz wichtig ist, dass die Vielfalt der Entscheidungsassistenten sichergestellt wird.

10. Management und Personal: Die Verwaltung der Mitarbeiter mit HR-Software verlagert sich in die Cloud. HR-Dienste können auch aus der Cloud abgerufen werden. Damit verliert die klassische Personalverwaltung an Bedeutung. Anbieter sind z. B. Haufe (Umantis), IBM (Kenexa Talents Insights), Oracle (Human Capital Management Cloud), SAP (ERP Core Human Resources), Workday (Human Capital Management) und Sage (HR & Personalabrechnung). Erfahrung und Routine im Bezug zu Industrie 4.0: Die fortschreitende Digitalisierung verlangt von den Beschäftigten, mit Komplexität und Wandel umzugehen. Bisher weiß man wenig über die dafür notwendigen informellen Anforderungen. Erste Ansätze bringt ein Index des Arbeitsvermögens mit folgenden Elementen: Situatives Umgehen mit Komplexität, Situative Unwägbarkeiten, Strukturelle Komplexitätszunahme, Relevanz Erfahrungslernen. Vgl. Pfeiffer, S./ Suphan, A.: Erfahrung oder Routine? Ein anderer Blick auf das Verhältnis von Industrie 4.0 und Beschäftigung, in: BWP 6/ 2015, S. 21ff.

11. Beschäftigungseffekte: Die aktuelle Entwicklungen der digitalen Technik eröffnen große Rationalisierungspotenziale. Ob der Arbeitsplatzverlust tatsächlich eintritt, ist bisher offen. Denn Digitalisierung schafft auch viele neue Arbeitsplätze, insofern ist ein Strukturwandel sicher. Die Wirkungen dürften auch entscheidend von den Reaktionen der Beschäftigten abhängen: Es ist ein strukturiertes und zertifiziertes Weiterbildungssystem erforderlich. Sinnvoll ist auch ein Flexicurity-Konzept. Zur Anwendung kommen sollte auch eine integrative regionale Strukturpolitik. Vgl. Kurt Vogler-Ludwig: Beschäftigungseffekte der Digitalisierung - eine Klarstellung, in: Wirtschaftsdienst 2017/12, S. 861ff. Im April 2018 legen das IAB der BA und das BIBB eine gemeinsame Studie zu der Folgen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt vor: Fazit ist, dass die Jobs kaum weniger, aber anders werden. Regional soll sogar ein Plus an Arbeitsplätzen möglich sein. Vor allem im Bereich Information  und Kommunikation könnte es zu einem deutlichen Stellenaufbau kommen.   "Die Tätigkeit des Arbeiters auf eine bloße Abstraktion der Tätigkeit beschränkt, ist nach allen Seiten hin bestimmt und geregelt durch die Bewegung der Maschinerie, nicht umgekehrt. Die Wissenschaft , die die unbelebten Glieder der Maschinerie zwingt, durch die Konstruktion zweckgemäß als Automat zu wirken, existiert nicht im Bewußtsein des Arbeiters, sondern wirkt durch die Maschine als fremde Macht auf ihn, als Macht der Maschine selbst", Karl Marx, MEW 42, S. 599.

12. Marketing: Digitales Marketing: Alle Maßnahme im Marketing, die über Computer und Internet ausgeführt werden. Technologien müssen integriert und Strategien angepasst werden. Zunächst muss "eine digitale Reife" entwickelt werden. Das Marketing muss optimal in das Management von Daten eingefügt werden. "Zero Trust" muss bei der Sicherheit das Konzept sein. Es muss eine Verbindung bzw. Schnittstelle zur Industrie 4.0 geben. Im Vordergrund steht "Augmented Reality" als Kombination aus wahrgenommener und vom Computer erzeugter Realität. Das Netzwerk der "Quantified Self" muss genutzt werden. Fog-Computing wird Cloud-Computing ablösen. Digitales Marketing heißt auch direkter Kundenkontakt, Produkt- und Serviceinnovation, Unternehmen 3.0 (Effizienzsteigerung entlang der Wertschöpfungskette). Die Aktivitäten im Digitalen Marketing sind entweder sichtbar oder unsichtbar. Sichtbar sind z. B. Internetauftritt, E-Commerce, Online-PR. Nicht sichtbar ist Suchmaschinen-Marketing, Suchmaschinen-Optimierung, Auswertung des Nutzungsverhaltens. Vgl. H. Ahlf: Digitales Marketing, in: WISU 1/2016, S. 49f.

Big Data: Es könnte die größte Veränderung im Marketing sein seit dem Internet. Es geht um das Sammeln von Kundendaten, die Auswertung in Systemen und die zielgenaue Kundenansprachen daraufhin. Gemeint sind auch Applikationen auf mobilen Geräten (Handys). So wird der Wettbewerbsvorteil über die Datennutzung definiert. "Customer-Journey" heißt die Reise zum Verkauf und Vertrieb auch. Big Data läuft in mehreren Phasen ab: 1. Assessment: Potentiale für den Einsatz von Big-Data-Methoden; 2. Readiness: erforderliche Hardware- und Software-Infrastruktur und entsprechende Kompetenzen; 3. Implementierung und Integration: Verbindung mit vorhandenen Datenquellen; 4. Reporting und Predictive Analytics: Optimierung der Reporting-Prozesse und evtl. Prognose. Bestandteile von Big Data sind die Datenmenge (Volumen), die Datenvielfalt, die Geschwindigkeit und Analytics. Insgesamt werden die Menschen immer mehr vermessen (Werbung, Shoppen, Onlinehandel, Kreditwesen, Reisen, Gesundheit, Lebensplanung u. a.), um Verhalten vorherzusagen. Die Frage ist, wie die einzelnen Menschen ihre Freiheit schützen können und wollen.  "Wer aus Daten die richtigen Schlüsse zieht, hat die Macht", com professional 11/2014, S. 3. "Die Daten über unser Verhalten explodieren", Susan Athey, Stanford. 2015 entbrennt über die Daten der Autofahrer ein heftiger Verteilungskampf. die Autofirmen wollen ihre Märkte sichern. Internetkonzerne wollen werben. Versicherungen wollen bessere Tarife entwickeln.

13. Digitaler Markt, Eigenschaften: Digitale Märkte haben besondere Merkmale: 1. Hohe Dynamik und Innovationskraft. 2. Hohe Fixkosten und geringe marginale Kosten (kaum Kapazitätsgrenzen, Log-in-Effekte). 3. Hohe Transparenz und geringe Transaktionskosten. 4. Große Bedeutung von (personenbezogenen) Daten (Abschöpfung der Zahlungsbereitschaft?). 5. Internet-Plattformen und mehrseitige Märkte (Matching). 6. Fehlende unmittelbare monetäre Gegenleistung auf Plattformen (Finanzierung nur durch eine Marktseite). Marktteilnehmer treten individuell in Kontakt in einem Netzwerk. Eine solche Blockchain besteht aus vier Teilen: 1. Einem Wallet und Schlüssel. Ein Wallet ist eine digitale Geldbörse, bestehend aus einem öffentlichen und privaten Schlüssel. Mit dem privaten Schlüssel wird die Identität als berechtigter Besitzer der Wallet bestätigt. Der öffentliche Schlüssel entspricht etwa einer gewöhnlichen Kontonummer. 2. Verteiltes System. Die Transaktionsabwicklung läuft in einem Netzwerk auf spezieller autorisierter Hardware. Geschäftsabschlüsse werden kryptographisch abgesichert. 3. Kassenbuch. Transaktionen werden chronologisch aufgezeichnet. 4. Peer-to-Peer. Direkter Austausch von Werten zwischen einzelnen Marktteilnehmern. Vgl. com professional 11/16, S. 14ff. Auch: Brynjolfsson, E. / McAfee, A.: The Second Machine Age, Kulmbach 2015. Weiterhin spielt in den digitalen Märkten das Eigentum nicht mehr die große Rolle. Menschen sind mehr bereit, nur zu teilen. Zugleich verliert der Preis als Steuerungsmechanismus an Bedeutung. Von der Größe von Internetgiganten profitieren auch die Kunden massiv. Auf den digitalen Märkten gelten auch andere Regeln als früher. Der Tendenz nach sieht dies wie folgt aus: 1. Monopole statt Wettbewerb. 2. Daten statt Preise. 3. Clickworkertum statt Sozialpartnerschaft. 4. Sharing statt Eigentum. Vgl. A. Wambach/ H.-C. Müller: Digitaler Wohlstand für Alle, New York/ Frankfurt 2018, S. 24ff.

14. Wettbewerbspolitik in der digitalen Wirtschaft:  Bei sozialen Netzwerken, Suchmaschinen und dem Online-Handel beherrschen große Unternehmen den Markt (fast Monopolisten). Die entscheidende Frage ist aber, ob dies zu Wettbewerbsbeschränkungen führt. Das zu beurteilen hängt davon ab, wie digitale Märkte abgegrenzt werden können und was faire Marktbedingungen bedeuten. Geklärt werden muss auch, ob das geltende Wettbewerbsrecht ausreicht. Sonst bedürfte es sektorspezifischer Regulierungen. Der Missbrauch von Datenmonopolen muss verhindert werden. Marktbeherrschende Plattformen müssen angemessen reguliert werden. Kunden brauchen echte Wahlfreiheit. Aber auch die Infrastruktur durch Gigabyte - Netze muss wettbewerbspolitisch ermöglicht werden. In der digitalen Wirtschaft werden marktbeherrschende Unternehmen begünstigt.  Verantwortlich dafür sind Skaleneffekte (Vorteile gegenüber kleinen Anbietern) auf der Angebotsseite, Netzwerkeffekte (mehrseitige Märkte, verschiedene Gruppen treffen sich) und Lock - in - Effekte (Wechselkosten für den Kunden).  Das Datenschutzrecht müsste dringend an die digitale Wirtschaft angepasst werden. Es muss Transparenz darüber hergestellt werden, wie die Plattformen die erhobenen Daten verwenden und auch welche überhaupt gesammelt werden. Vgl. auch: Big Data aus wettbewerblicher Sicht, in: Wirtschaftsdienst 2016/9, S. 648ff. Der Mittelstand in Deutschland wird sicher in Zukunft von Wettbewerbern angegriffen werden, an die wir gar nicht denken.  Im Jahre 2016 taucht der Verdacht auf, dass sich die USA und die EU in einem Wirtschaftskrieg befinden ("transatlantische Feindschaft"). Die USA gehen hart gegen VW und die die Deutsche Bank vor. Die EU bekämpft Google und Apple.

15. Mögliche strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft als Folgen: Hierüber kann man nur Vermutungen anstellen. Bildet sich eine Mainstream-Blockchain heraus? Bewegen wir uns auf dem Weg zur Peer-to-Peer-Gesellschaft? Wird die Blockchain nur in Nischen erfolgreich sein (Notarwesen)? Wird es zu einer selektiven Disruption kommen? Vgl. Martin, Diehl, Deutsche Bundesbank, in einem Vortrag bei der Volkswirte - Tagung am 18.5. 2017 in Worms.

Die Wirtschaftswelt wird zunehmend von Software geprägt. Hardware und Ingenieurskunst verlieren an Boden. Die Automobilindustrie ist die Schlüsselbranche in Deutschland. Elektrofahrzeuge sind technisch weniger komplex und einfacher zu bauen. Im DAX (30 Unternehmen) sind nur zwei Digitalkonzerne, SAP und Wirecard. Die künftige Wirtschaftswelt wird weniger von Ingenieuren und Maschinen geprägt als von Programmierern und Daten. Die große Gefahr besteht darin, dass die eigentlichen Produzenten nur noch Zulieferer für die großen Digitalkonzerne sind. Traditionelle Managementtechniken sind zu langsam. Möglichst viele Geschäfte sollten die Unternehmen selbst machen, damit sie nicht von Plattformen abhängig werden. Im Konsumgüterbereich und auch im Industriegeschäft schieben sich Plattformen wie Amazon und Alibaba zwischen Produzenten und Endkunden. Die Grenzen zwischen klassischen Branchen verändern sich oder lösen sich auf.

16. Digitalisierung und gesellschaftliche Ungleichheit: Die Fortschritte in der Informationstechnologie führen zu immer größeren Ungleichheiten in den Industriegesellschaften (sie ersetzen das Gehirn und machen die Arbeit von vielen Menschen überflüssig). Produktivitätsgewinne verteilen sich immer mehr zu Gunsten der oberen Klassen (in US-Unternehmen ist dieser Effekt am stärksten, weil sie mehr aus der IT-Technologie herausholen). Notwendig wäre ein "Gleichheitsindex" im Steuersystem ("Steigende- Flut-Steuersystem"), der sich der Ungleichheit mit den Steuersätzen anpasst (Robert Shiller, Yale, Irrational Exuberance, Princeton 2000; New Financial Order, Princeton 2003). Shiller fordert  eine Globalisierungsversicherung für jedermann. Er untersucht auch, wann Spekulationsblasen auf Immobilienmärkten platzen ("Historic Turning Points in Real Estate", Working Paper, Juni 2007). In Deutschland arbeiten 2007  61% aller Erwerbstätigen mit dem PC. Als wichtigster Aufsatz des Autors gilt: Do Stock Prices Move Too much to Be Justified by Subsequent Changes in Dividents, in: AER, 1981. R. Shiller hat auch ein Unternehmen gegründet, das erstmals Handel mit ökonomischen Risiken aller Art betreibt (Rezession, fallende Immobilienpreise, Arbeitslosigkeit). Der Name ist Makro Market. Es gibt einen weiteren Faktor, der die Ungleichheit durch Informationstechnologie beeinflusst: menschliche Faulheit. Einige Experten sprechen von einer "Winner takes all"- Welt: Wenige profitieren übermäßig.  "Der herrschende Glaube an soziale Gerechtigkeit ist gegenwärtig vielleicht die größte Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Gesellschaft", Friedrich von Hayek, The Mirage of Social Justice. "Ein innovationsgetriebenes Wachstum kann auch Ungleichheit verschlimmern", Christine Lagarde, IWF-Chefin, 2016. "Wir müssen verhindern, dass die Gewinne der Digitalisierung privatisiert werden, während die Gesellschaft die Folgekosten trägt.

17. Digitalisierung und Besteuerung: Die "Bepreisung" von Daten, insbesondere die der Konsumenten, ist ein Gerechtigkeitsproblem jetzt und in der Zukunft. Die Menschen liefern kostenlos Daten und andere verdienen damit viel Geld. Die Menschen als Datenlieferanten sind doppelt benachteiligt. Weil das Steuersystem an realen Gütern orientiert ist, müssen die Bürger die Steuern aufbringen. Andererseits werden die Daten-Unternehmen nicht ausreichend besteuert. Die Digitalsteuer wird von der eU ins Auge gefasst. Was würde aber passieren, wenn die USA und China auch diese Steuern einführten?

18. Auswirkungen der Digitalisierung auf den öffentlichen Sektor: Der öffentliche Sektor ist in vielerlei Hinsicht durch den digitalen Wandel betroffen. Der Handlungsspielraum des Staates könnte vergrößert werden, wenn zusätzliches Wachstum entsteht. Die Polarisierungsthese behauptet, dass durch die Nutzung digitaler Technologien funktionale, räumliche und personelle Ungleichheit zunehmen. Die Erosionsthese behauptet, dass digitale Technologien zu einem langfristigen Rückgang der Lohnquote und einer Erosion des Ausmaßes der voll versicherungspflichtigen Beschäftigung führt. Dann gibt es noch die steuertechnische Herausforderung bei der Besteuerung von Einkommen bzw. Gewinnen sowie Umsätzen  digitale Geschäftsmodelle nicht zu begünstigen. Vgl. Margit Schratzenstaller: Auswirkungen der Digitalisierung auf den öffentlichen Sektor - ein erster Überblick, in: Wirtschaftsdienst 2018/11, S. 799ff.

19. Digitalisierung und Handel/ Außenhandel bzw. internationale Arbeitsteilung: Kampf um Wertschöpfungsketten (Modell der Institutionenökonomik/ Jean Tirole, Toulouse, Nobelpreis 2014): Die Institutionenökonomik/ Tirole bietet ebenfalls wie Krugman eine Alternative zum Freihandelsmodell. Freihandel wird nicht als Wert an sich gesehen. Es ist eines der Verfahren, um für eine Gesellschaft Wohlstand zu erzeugen. Aktuelle Handelskonflikte (wie zum Beispiel der zwischen den USA und China 2018) ergeben sich danach aus grundlegend veränderten Risiko- und Kommunikationsstrukturen. Die Digitalisierung senkt die Transaktionskosten weiter und verändert das Risiko. Es entstehen durch reduzierte Informationsasymmetrien neue Institutionen im Kontext der Plattformökonomie. Dadurch wandeln sich Informationstransport, Informationsspeicherung und Informationsverarbeitung. Die Digitalisierung beeinflusst auch die Industriestruktur: Systemtreiber sind die Fähigkeit zur Kontrolle des Agenten und die Möglichkeit, Skaleneffekte zu realisieren. Es kommt zu einer Reintegration von Wertschöpfungsketten. Treiber sind die Finanz- und Schuldenkrise, die Störanfälligkeit von Lieferketten und die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts. In diesem Zusammenhang sind Zölle ein Mittel der politischen und wirtschaftlichen Rivalität. Unter zu erwartenden Konfliktbedingungen ist die Sicherung der Lieferkette entscheidend dafür, die Rivalität auszuhalten bzw. siegreich zu beenden. Die Staaten haben ein Dominanzproblem:  Die USA haben ein großes Leistungsbilanzdefizit (im Opiumkrieg hatte es England), China hat einen historischen Nachholbedarf (mandschurische Machtübernahme 1647, Opiumkrieg 1839). "Made in China 2025" soll die Hochtechnologie sichern aufgrund eines schuldengetriebenen Entwicklungsmodells. Im Grunde genommen will China sich weiterhin erfolgreich in der globalen Lieferverflechtung positionieren. Man kann dies in der "Crying Curve of Asia" darstellen. Freie Märkte sind nach diesem Modell auf dem Rückzug. Vgl. Ulrich Blum: Der Kampf um Wertschöpfungsketten: Krieg gegen den Freihandel? in: Wirtschaftsdienst 2018/10, S. 737ff. 

20. Industriepolitik: Der Mangel an großen deutschen IT - Konzernen birgt erhebliche Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Zu diesem Schluss kommt auch eine Analyse der Beratungsfirma McKinsey 2019. Technologie-Konzerne mit über 100 Mrd. Dollar Börsenwert wie Google, Apple, Facebook oder Amazon hat Deutschland nicht, nur die SAP. Solche Konzerne sind aber ein zentraler Motor der globalen Wirtschaft und Gesellschaft. China hat dies strategisch genau erkannt und seit Jahrzehnten Gegenunternehmen aufgebaut, die eine vergleichbare Größe haben oder sogar größer sind (Tencent, Huawei, Alibaba, Baudu). Dafür gibt es laut McKinsey Gründe: Aufstrebende Technologieunternehmen brauchen drei Schlüsselfaktoren: Talent (hochkarätige Tech-Gründer und Mitarbeiter), Kapital (um Wachstum zu finanzieren) und günstige Marktbedingungen (optimales Umfeld). So gibt es 2019 eine Diskussion in Deutschland, ob eine Industriepolitik die Schwächen ausgleichen sollte. Dabei geht es um folgende Punkte: 1. Sollte die Politik national oder europäisch sein? 2. Sollten sich Deutschland und Frankreich mehr zusammentun? 3. Kann man ohne Protektionismus nicht mehr gegen die USA und China bestehen? 4. Welche Schwächen müssten konkret ausgeglichen werden? (Langfristigkeit, Kapitalmärkte in Deutschland, Wagniskapital,  Sicherheitsrelevanz, nationale Sicherheitsinteressen). 5. Härteres Verhandeln mit China ("Walk the Talk, "Level playing field"). 6. Rahmenbedingungen (Beihilfen, Ausschreibungen). 6. Braucht man Europäische Champions?

21. Ökologische Transformation: Das Ziel besteht in hohem Klimaschutz. Dieses Ziel muss mit höchster Priorität verfolgt werden. Uneins ist man in vielen Ländern über das wie und wie schnell. Es geht darum, ob marktwirtschaftliche Methoden oder der Einfluss des Staates dabei dominieren sollen. Hinzukommen  muss Globalisierung, die mit grenzenlosem Informationsfluss (Digitalisierung) zusammenpassen sollte. Die EU schafft das nur, wenn die Integration ein Erfolgsmodell wird. Vgl. Obermann, Rene: Blaupause für die Welt, in: Focus 24/2021, S. 58f. Das Bundeswirtschaftsministerium stellt im Juni 2021 massive Hilfen für die Transformation in Aussicht. Das könnten bei Bund und Ländern bi szu 8 Mrd. € sein, insbesondere für den Einsatz von grünem Wasserstoff. Das "Industriepaket" der Grünen geht in ähnliche Richtung, sieht aber später die Zurückzahlung vor.

21. Volkswirtschaftslehre 4.0: Die letzten Abschnitte zeigen schon, dass Volkswirtschaftslehre in ihrer Bedeutung mit der Digitalisierung und Globalisierung stark ansteigt. Das zeigt sich auch konkret darin, dass die großen Tech - Firmen, insbesondere im Silicon Valley, ihre volkswirtschaftlichen Abteilungen massiv ausbauen. Sie sollen bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen helfen. Auf der anderen Seite bieten die Datenflut und die Plattformen Ökonomen neue Möglichkeiten, Theorien und Hypothesen zu testen. Die vorrangigsten Aufgabe der Volkswirte ist aber, Muster zu erkennen (Algorithmen), Szenarien durchzuspielen und neue Start - ups in ihren Strategien auszurichten. Daten können die Märkte und die Wirtschaft besser koordinieren. Die angewandten Hochschulen in Deutschland (frühere Fachhochschulen, oder die dualen Hochschulen) haben auf diesen Trend noch nicht reagiert. Sie handeln azyklisch. Die Mechanismen der Selbstverwaltung sind zu stark politisch (durch Finanzen) gegängelt und zu stark an den eigenen Berufszielen (oft Lebensqualität) ausgerichtet. Vgl. Buhse, Malte: VWL 4.0: Wie Wissenschaft und Techunternehmen voneinander lernen, in: Wirtschaftswoche, 50/ 2.12.16, S. 40f. Im Zeitalter der Digitalisierung nehmen Verteilungsfragen stark zu in allen Ländern. Wenn es nicht gelingt, Lohn und Arbeit zu entkoppeln, werden viele Menschen in Zukunft keinen Arbeitsplatz mehr finden (vgl. Mayer-Schönberger/ Ramge: Das Digital, Berlin 2017). Weiterhin könnte aber die Blockchain - Technologie  mehr möglich machen als nur Handel mit Krypto - Währungen. Es könnte eine neue Weltwirtschaftsordnung entstehen. "Die Digitalisierung vernichtet in Summe keine Jobs. Sie verändert Berufsbilder und die Ausbildung", SAP-Vorstand Bernd Leukert 2017 (s. Handelsblatt 24.01.17, S. 17).

"Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen, was du denkst", Alphabet-Chairman Eric Schmidt (Google, bis Dez 2017). "Wir erfüllen eine soziale Mission, indem wir die Welt offener, vernetzter und transparenter machen", Facebook-Chef Mark Zuckerberg 2015.

 

Digitalisierung als Gebiet (Internetökonomie, Netzökonomie, die wichtigsten Merkmale; Plattformökonomik, digitale Infrastruktur, Games Technology):  

Digitalisierung: Der Prozess umfasst vier Teile: Die digitale Infrastruktur (Netzausbau), die Digitale Verwaltung (E-Government), die Digitalisierung der Wirtschaft und die Digitalisierung aller Wirtschaftssubjekte (private Haushalte, Smart Home). In der neuen Bundesregierung ab 2018 hat man noch kein schlüssiges Konzept für die Digitalisierung gefunden. Die Digital-Staatsministerin Bär hat weder Etat noch Personal. Der Kern ist im Verkehrsministerium angesiedelt. Unklar bleibt, ob und wie Deutschland zur Digital-Nation aufsteigen will. Am 16.11.18 gibt es einen Digital-Gipfel der Bundesregierung in Potsdam. Auch hier bleibt Vieles im Nebel.

Inhalte der Digitalisierung ("Software is eating the world", Leben und Digitalsphäre) : 1. Social Networking. Digital Connection. 2. Verkettung und Automatisierung einfacher Prozesse, Verknüpfung. Beliebig kombinierbare Elemente. 3. Frage der Teilhabe. Mensch - Maschinen - Dienst - Cyborgs. Maschinenkompatibilität. 4. Plattformen, die auch für alles eingesetzt werden können (z. B. Wechat in China). 5. Sharing und Crowd (Crowdfunding, Crowdsourcing).

Homo Digitalis: Der Mensch wird die biologische Form behalten, die aber mit digitalen Assistenten erweitert wird. Können wir unsere Gehirne in der Cloud hoch laden (können wir nur noch als Bachup in der Cloud leben)? Wird der Homo Digitalis teils biologisch, teils digital sein? Wir werden auch digitale Avatare haben, die wie wir aussehen und in einer digitalen Welt handeln. Das menschliche Leben ist durch seine Kürze definiert. Wenn der Homo Digitalis das hinter sich lässt, brauchen wir möglicherweise neue Überzeugungen, um unserem Leben einen Sinn zu geben. Die menschliche Existenz könnte sich ändern. Wenn eine gewisse Unsterblichkeit nur den Reichen vorbehalten ist, wird sich unsere Gesellschaft weiter spalten. Reiche haben ohnehin eine höhere Lebenserwartung. Vgl. Toby Walsh: The World that AI Made, Black 2018. Ders.: Kommt der Homo Digitalis? in: digital pioneers 54, 1/2019, S. 42f. Für ihn ist die entscheidende Frage, was Bewusstsein ist.

Postdigital: Am besten hat das der ehemalige Chef des MIT Media Labs Nicholas Negroponte beschrieben (Beyond Digital 1998): "Wie die Luft und das Wassertrinken wird Digitales nur durch seine Ab- und Anwesenheit bemerkt werden. Computer werden ein umfassender, wenn auch unsichtbarer Teil unseres Alltags sein: Wir werden in ihnen wohnen, sie tragen, sie sogar essen". Entscheiden wird der Unterschied vom Menschen zum Computer werden: die Fähigkeit Fragen zu stellen. Warum ist das so? Kann das nicht auch anders sein? Pablo Picasso.

Digitalisierungsstrategie: Politik der Bundesregierung, die digitale Transformation in Deutschland voranzutreiben. Erkennbar sind folgende Elemente: Digitale Kompetenz (DigtalPakt Schule). Künstliche Intelligenz (KI; EXIST, Arbeitswelt und Arnbeitsmarkt). Vgl. Bertschek, Irene: Digitalisierungsstrategie - das Matrjoschka-Prinzip, in: Wirtschaftsdienst 2018/12, S. 834ff. Die Bundesregierung hat einen Reihe von Gremien eingesetzt, die die Strategie vorantreiben und umsetzen sollen: 1. Digitalkabinett (Vorsitz D. Bär). 2. Digitalrat (Vorsitz K. Suder). 3. Datenethikkommission (ethische Leitlinien). 4. IT - Rat (H. Braun). 5. IT - Planungsrat (Bund, Länder, Kommunen).

Digitalisierung der Verwaltung: Deutschland hinkt hier hinterher. Am weitesten in Europa sind 2018 Finnland, Estland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Italien.  Das hat auch Gründe: 1. Die Größe Deutschlands. 2. Suche nach perfekter Lösung. 3. Preußen als Erfolgsmodell. 4. Angst vor Datenmissbrauch. 5. Risikoscheue des Staates. Vgl. Der Spiegel Nr. 48/24.11.18: Im Ja - aber - Land, S. 66ff. Hessen erhält nach der Wahl 2018 ein Ministerium für Digitales.

Digitaler Markt, Eigenschaften: Digitale Märkte haben besondere Merkmale: 1. Hohe Dynamik und Innovationskraft. 2. Hohe Fixkosten und geringe marginale Kosten (kaum Kapazitätsgrenzen, Log-in-Effekte). 3. Hohe Transparenz und geringe Transaktionskosten. 4. Große Bedeutung von (personenbezogenen) Daten (Abschöpfung der Zahlungsbereitschaft?). 5. Internet-Plattformen und mehrseitige Märkte (Matching). 6. Fehlende unmittelbare monetäre Gegenleistung auf Plattformen (Finanzierung nur durch eine Marktseite). Marktteilnehmer treten individuell in Kontakt in einem Netzwerk. Eine solche Blockchain besteht aus vier Teilen: 1. Einem Wallet und Schlüssel. Ein Wallet ist eine digitale Geldbörse, bestehend aus einem öffentlichen und privaten Schlüssel. Mit dem privaten Schlüssel wird die Identität als berechtigter Besitzer der Wallet bestätigt. Der öffentliche Schlüssel entspricht etwa einer gewöhnlichen Kontonummer. 2. Verteiltes System. Die Transaktionsabwicklung läuft in einem Netzwerk auf spezieller autorisierter Hardware. Geschäftsabschlüsse werden kryptographisch abgesichert. 3. Kassenbuch. Transaktionen werden chronologisch aufgezeichnet. 4. Peer-to-Peer. Direkter Austausch von Werten zwischen einzelnen Marktteilnehmern. Vgl. com professional 11/16, S. 14ff. Auch: Brynjolfsson, E. / McAfee, A.: The Second Machine Age, Kulmbach 2015. Weiterhin spielt in den digitalen Märkten das Eigentum nicht mehr die große Rolle. Menschen sind mehr bereit, nur zu teilen. Zugleich verliert der Preis als Steuerungsmechanismus an Bedeutung. Von der Größe von Internetgiganten profitieren auch die Kunden massiv. Auf den digitalen Märkten gelten auch andere Regeln als früher. Der Tendenz nach sieht dies wie folgt aus: 1. Monopole statt Wettbewerb. 2. Daten statt Preise. 3. Clickworkertum statt Sozialpartnerschaft. 4. Sharing statt Eigentum. Vgl. A. Wambach/ H.-C. Müller: Digitaler Wohlstand für Alle, New York/ Frankfurt 2018, S. 24ff.

Zweiseitige Märkte: Preisstruktur und die Interaktion von mindestens zwei Nutzergruppen sind ausschlaggebend. Die Nutzergruppen sind indirekt miteinander verbunden (der Nutzen der Mitglieder der einen Gruppe ändern sich mit der Größe der anderen Gruppe). Dazu gehört ein Intermediär, der in der Regel die Plattform einrichtet (bringt beide Nutzergruppen zusammen).  Beispiele sind Suchmaschinen, Bezahldienste, Immobilienportale. Vgl. Reiner Clement: Zweiseitige Märkte, in: WISU 1/2016, S. 102ff.

Konvergierende Märkte: Die einzelnen Märkte wie Telekommunikation, Information, Media und Entertainment wachsen immer mehr zusammen. Private Güter können eingerichtet werden. Personen können ausgeschlossen werden. Die Nutzung kann genau festgelegt werden.

Weitere Marktmerkmale: Der Markteintrittskosten sind in der Regel sehr niedrig,. Dafür ist der Wettbewerb härter. Die Preisfindungsmechanismen können sehr schnell individualisiert werden. Das Internet ist weltweit standardisiert. Suchmaschinen haben eine große Bedeutung. Beziehungsmanagement ist idealerweise möglich.

Digitalisierung und Strukturwandel: Die Wirtschaftswelt wird zunehmend von Software geprägt. Hardware und Ingenieurskunst verlieren an Boden. Die Automobilindustrie ist die Schlüsselbranche in Deutschland. Elektrofahrzeuge sind technisch weniger komplex und einfacher zu bauen. Im DAX (30 Unternehmen) sind nur zwei Digitalkonzerne, SAP und Wirecard. Die künftige Wirtschaftswelt wird weniger von Ingenieuren und Maschinen geprägt als von Programmierern und Daten. Die große Gefahr besteht darin, dass die eigentlichen Produzenten nur noch Zulieferer für die großen Digitalkonzerne sind. Traditionelle Managementtechniken sind zu langsam. Möglichst viele Geschäfte sollten die Unternehmen selbst machen, damit sie nicht von Plattformen abhängig werden. Im Konsumgüterbereich und auch im Industriegeschäft schieben sich Plattformen wie Amazon und Alibaba zwischen Produzenten und Endkunden. Die Grenzen zwischen klassischen Branchen verändern sich oder lösen sich auf. Vgl. auch: Krämer, Hagen: Digitalisierung, Monopolpreisbildung und wirtschaftliche Ungleichheit, in: Wirtschaftsdienst 2019/1, S. 47ff.

Volkswirtschaftslehre 4.0: Die Volkswirtschaftslehre steigt in ihrer Bedeutung mit der Digitalisierung und Globalisierung stark an. Das zeigt sich auch konkret darin, dass die großen Tech - Firmen, insbesondere im Silicon Valley, ihre volkswirtschaftlichen Abteilungen massiv ausbauen. Sie sollen bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen helfen. Auf der anderen Seite bieten die Datenflut und die Plattformen Ökonomen neue Möglichkeiten, Theorien und Hypothesen zu testen. Die vorrangigsten Aufgabe der Volkswirte ist aber, Muster zu erkennen (Algorithmen), Szenarien durchzuspielen und neue Start - ups in ihren Strategien auszurichten. Daten können die Märkte und die Wirtschaft besser koordinieren. Die angewandten Hochschulen in Deutschland (frühere Fachhochschulen, oder die dualen Hochschulen) haben auf diesen Trend noch nicht reagiert. Sie handeln azyklisch. Die Mechanismen der Selbstverwaltung sind zu stark politisch (durch Finanzen) gegängelt und zu stark an den eigenen Berufszielen (oft Lebensqualität) ausgerichtet. Vgl. Buhse, Malte: VWL 4.0: Wie Wissenschaft und Tech - Unternehmen voneinander lernen, in: Wirtschaftswoche, 50/ 2.12.16, S. 40f. Im Zeitalter der Digitalisierung nehmen Verteilungsfragen stark zu in allen Ländern. Wenn es nicht gelingt, Lohn und Arbeit zu entkoppeln, werden viele Menschen in Zukunft keinen Arbeitsplatz mehr finden (vgl. Mayer-Schönberger/ Ramge: Das Digital, Berlin 2017). Weiterhin könnte aber die Blockchain - Technologie  mehr möglich machen als nur Handel mit Krypto - Währungen. Es könnte eine neue Weltwirtschaftsordnung entstehen. "Die Digitalisierung vernichtet in Summe keine Jobs. Sie verändert Berufsbilder und die Ausbildung", SAP-Vorstand Bernd Leukert 2017 (s. Handelsblatt 24.01.17, S. 17).

Peer Production: Wer Google oder Facebook nutzt, schafft damit Werte. Es gibt immer mehr Ökonomen, die fordern, dass die Nutzer dafür bezahlt werden müssen (z. B. Glen Weyl, der selbst für Microsoft arbeitet). Peer Production verlagert in vielen Bereichen immer mehr Kosten auf den Konsumenten (Flughäfen, Bahnhöfe u. a.). Wo liegt die Grenze für kostenlose Leistung der Konsumenten?

Neue Produktionsfunktion: Durch Künstliche Intelligenz entsteht einen neue Produktionsfunktion. Der Output als abhängige Variable ist eine Funktion der unabhängigen Variablen Daten, Kapital, Arbeit. KI macht Daten zum dritten Produktionsfaktor. Die Daten sind rückgekoppelt mit Kapital und Arbeit. Der Output hat eine Interdependenz mit Daten, arbeit und Kapital. KI kombiniert Kapital und Arbeit, KI definiert das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit neu. Die industrielle Ordnung (vertikale Wertschöpfungsketten) wird durch die digitale Ordnung ersetzt (hybride Unternehmen mit Kollaboration und Integration). Vgl. Vöpel, Henning: Wie künstliche Intelligenz die Ordnung der Wirtschaft revolutioniert, in: Wirtschaftsdienst 2018/11, S. 828ff.

Neo-Dataismus: Eine Wirtschaft, in der Daten ihren Verursachern gehören, nicht Konzernen.

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Preisbildung:  Die Digitalisierung kann dazu führen, dass man dem Ideal der vollständigen Konkurrenz immer näher kommt. Damit würde sich dann auch die Wohlfahrt erhöhen. Bisher ist aber offen, welche Hypothese eher zutrifft: 1. Durch eine höhere Markttransparenz und verringerte Transaktionskosten ist eine generelle Preissenkung möglich. 2. Die Digitalisierung führt zu Monopolen und neuen Informationsasymmetrien. Das führt zu Angebotskurven mit Null-Grenzkosten, Kundenbindung durch Umstellungskosten und Preisdifferenzierung. Vgl. Thieß Petersen: Auswirkungen der Digitalisierung auf Preisbildung und Wohlfahrt, in: Wirtschaftsdienst 2018/5, S. 340ff. Die Digitalisierung revolutioniert die Preisbildung insgesamt. Man spricht auch von einer Revolution der digitalen Preise. Das kann Folgen haben für Statistiker und Notenbanken. Die Preismessung wird auf jeden Fall komplizierter und komplexer. So rückt auch das Inflationsziel in die Diskussion.  "Der Wettbewerb zwischen Internethandel und traditionellem Einzelhandel drückt die Preise und schmälert die Gewinnspannen. Dieser Amazon-Effekt könnte die niedrigen Inflationsraten der vergangenen Jahre erklären", Alberto Cavallo, Professor an der Harvard Universität (Quelle: Wiwo 17, 18.4.2019, S. 26).

Kurve komplementärer Güter: Wenn zwei Güter miteinander verknüpft sind, also zwei Produkte in Kombination verkauft werden, kann sich der Preis des einen Produktes auf die Nachfrage des anderen auswirken. Lange sprach man in der Umgangssprache von Burgerbrötchen-Kurve. Wenn ein Supermarkt günstiges Rindfleisch anbietet, steigt auch die Nachfrage nach Burgerbrötchen. Die Industrie macht sich diesen Zusammenhang immer wieder zu Nutzen: So sind bei Nassrasierern  die Rasierklingen oft teurer als der Rasierer. Oder Druckerpatronen sind relativ teuer im Vergleich zum Drucker. Am deutlichsten zeigt sich heute der Zusammenhang bei Smartphones. Erst die Entwicklung von Apps in großem Ausmaß konnte die Nachfrage nach den Handys so ansteigen lassen. Heute sind Plattformen in vielen Bereichen wichtiger als die Produkte.

Digitalisierung und Besteuerung: Die "Bepreisung" von Daten, insbesondere die der Konsumenten, ist ein Gerechtigkeitsproblem jetzt und in der Zukunft. Die Menschen liefern kostenlos Daten und andere verdienen damit viel Geld. Die Menschen als Datenlieferanten sind doppelt benachteiligt. Weil das Steuersystem an realen Gütern orientiert ist, müssen die Bürger die Steuern aufbringen. Andererseits werden die Daten-Unternehmen nicht ausreichend besteuert. Die Digitalsteuer wird von der eU ins Auge gefasst. Was würde aber passieren, wenn die USA und China auch diese Steuern einführten?

Beschleunigungsgesellschaft: Die Begriffe Beschleunigungsregime oder auch Beschleunigungstotalitarismus stammen von dem deutschen Soziologen Hartmut Rosa (Uni Jena). Unsere Welt wird durch die wachsende Mobilität und das Internet immer weiter beschleunigt. Wie viel Beschleunigung verträgt aber der Einzelne? Vgl. H. Rosa: Beschleunigung und Entfremdung, Berlin 2013.

Digitalisierung und gesellschaftliche Ungleichheit: Die Fortschritte in der Informationstechnologie führen zu immer größeren Ungleichheiten in den Industriegesellschaften (sie ersetzen das Gehirn und machen die Arbeit von vielen Menschen überflüssig). Produktivitätsgewinne verteilen sich immer mehr zu Gunsten der oberen Klassen (in US-Unternehmen ist dieser Effekt am stärksten, weil sie mehr aus der IT-Technologie herausholen). Notwendig wäre ein "Gleichheitsindex" im Steuersystem ("Steigende- Flut-Steuersystem"), der sich der Ungleichheit mit den Steuersätzen anpasst (Robert Shiller, Yale, Irrational Exuberance, Princeton 2000; New Financial Order, Princeton 2003). Shiller fordert  eine Globalisierungsversicherung für jedermann. Er untersucht auch, wann Spekulationsblasen auf Immobilienmärkten platzen ("Historic Turning Points in Real Estate", Working Paper, Juni 2007). In Deutschland arbeiten 2007  61% aller Erwerbstätigen mit dem PC. Als wichtigster Aufsatz des Autors gilt: Do Stock Prices Move Too much to Be Justified by Subsequent Changes in Dividents, in: AER, 1981. R. Shiller hat auch ein Unternehmen gegründet, das erstmals Handel mit ökonomischen Risiken aller Art betreibt (Rezession, fallende Immobilienpreise, Arbeitslosigkeit). Der Name ist Makro Market. Es gibt einen weiteren Faktor, der die Ungleichheit durch Informationstechnologie beeinflusst: menschliche Faulheit. Einige Experten sprechen von einer "Winner takes all"- Welt: Wenige profitieren übermäßig.  "Der herrschende Glaube an soziale Gerechtigkeit ist gegenwärtig vielleicht die größte Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Gesellschaft", Friedrich von Hayek, The Mirage of Social Justice. "Ein innovationsgetriebenes Wachstum kann auch Ungleichheit verschlimmern", Christine Lagarde, IWF-Chefin, 2016. "Wir müssen verhindern, dass die Gewinne der Digitalisierung privatisiert werden, während die Gesellschaft die Folgekosten trägt.

Beschäftigungseffekte der Digitalisierung: Die aktuelle Entwicklungen der digitalen Technik eröffnen große Rationalisierungspotenziale. Ob der Arbeitsplatzverlust tatsächlich eintritt, ist bisher offen. Denn Digitalisierung schafft auch viele neue Arbeitsplätze, insofern ist ein Strukturwandel sicher. die Wirkungen dürften auch entscheidend von den Reaktionen der Beschäftigten abhängen: Es ist ein strukturiertes und zertifiziertes Weiterbildungssystem erforderlich. Sinnvoll ist auch ein Flexicurity-Konzept. Zur Anwendung kommen sollte auch eine integrative regionale Strukturpolitik. Vgl. Kurt Vogler-Ludwig: Beschäftigungseffekte der Digitalisierung - eine Klarstellung, in: Wirtschaftsdienst 2017/12, S. 861ff. Die Beratung PwC legt 2018 eine Studie vor. Sie macht folgende Prognosen: 37% der Arbeitsplätze in Deutschland werden bis Mitte der 2030er-Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Maschinen ersetzt. Kurzfristig werden aufgaben in Finanz- und Versicherungsunternehmen automatisiert, langfristig trifft es die Transportbranche, die Industrie und den Bau. Mehrere neue Studien schüren Zweifel, ob die Digitalisierung tatsächlich so viele Jobs vernichtet: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2018. Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie, 2018.  Im April 2018 legen das IAB der BA und das BIBB eine gemeinsame Studie zu der Folgen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt vor: Fazit ist, dass die Jobs kaum weniger, aber anders werden. Regional soll sogar ein Plus an Arbeitsplätzen möglich sein. Vor allem im Bereich Information  und Kommunikation könnte es zu einem deutlichen Stellenaufbau kommen.  Eine Studie des ZEW/ Mannheim 2018 mit dem Thema "Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit" kommt zu folgenden Ergebnissen: Die jüngsten Investitionen in vernetzte Produktionstechnologien haben zwischen den Jahren 2011 und 2016 etwa 1 Prozent zusätzliche Beschäftigung geschaffen. Die Ungleichheit steigt. In erster Linie profitieren Hochlohn-Berufe. Es könnte insofern eine weitere Spaltung des Arbeitsmarktes drohen. Wenn Computer und Roboter Routineaufgaben übernehmen, können sich die Menschen kreativeren Aufgaben widmen oder solchen, die soziale Interaktionen erfordern. Doch die Bildungspolitik muss die Menschen auf die Digitalisierung vorbereiten. Auf jeden Fall sind die Auswirkungen auf den Jobmarkt 2018 noch nicht klar vorherzusagen.

Digitalisierung der Arbeitswelt (Zukunft der Arbeitswelt): 1. Maschinen können Menschen auch das Denken abnehmen. 2. Arbeitstag muss nicht mehr zwangsläufig im Büro verbracht werden. 3. Es entstehen eine Reihe neuer Berufe (Clickworker, Crowdfunder u. a.). 4. Die Digitalisierung kann die Ausbeutung der Arbeit erhöhen und führt zur Totalüberwachung (auf der anderen Seite ist sie eine Chance für Autonomie). 5. In der Internetwelt wird der Mindestlohn nicht greifen. Es wird nicht nach Zeit, sondern nach Projekten und Produkten gezahlt. Fünf Trends werden die Arbeit von morgen mit prägen: 1. Das Homeoffice (lockere Bürogemeinschaft, "Coworking-Space"). 2. Vertrauensarbeitszeit (selbst Einteilung der Arbeitszeit in einem gewissen Rahmen). 3. Familienarbeitszeit und -Pflegezeit (orientiert an den Lebensphasen der Menschen; z. B. arbeiten beide Elternteile 80%, die Lücke schließt der Staat). 4. Job-Sharing (auf Führungsebene "Top-Sharing" mit Plattform, z. B. tandemploy.de ). 5. Flexible Übergänge in die Rente ("Flexi-Rente"). Die Weltbank hat eine Studie über den Zusammenhang zwischen Digitalisierung der Wirtschaft und Arbeit weltweit 2016 machen lassen: Der Anteil der Jobs, die durch Digitalisierung und Automatisierung gefährdet sind beträgt in %: Äthiopien 85, China 77, Thailand 72, Indien 69, Argentinien und Nigeria 65, OECD-Durchschnitt 57, USA 47, Großbritannien 35. Am besten gewappnet sind die Länder, die auf Complex Problem Solving, Critical Thinking und Creativity setzen (Quelle: Weltbank: World Development Report 2016). 2018 setzt die Bundesregierung eine Datenethikkommission zur Digitalisierung der Arbeitswelt ein.

Digitalisierung und Umwelt: Der digitale Wandel kann nicht notwendigerweise das Dogma des immerwährenden Wirtschaftswachstums aufrechterhalten. Es besteht immer eine Spannung zwischen einerseits lokal erzeugtem Produkt mit digitalem Service und der jeweiligen Wertschöpfungskette im globalen Markt. Man könnte argumentieren, digitale Wertschöpfung sei um vieles effizienter und Ressourcen schonender als herkömmliche. Aber man bezeichnet dies als "Achilles und die digitale Schildkröte". Das digitale Produkt ist klein und schnell, miniaturisiert und hochperformant. Aber es ist exponentielles Wachstum, egal welche Größenordnung oder Skalierung man wählt. Vgl. Peter Reichl: Achilles und die digitale Schildkröte, in: Futur zwei 5/2018, s. 18ff.

Wachstumseffekte der Digitalisierung: Nach einer Prognose der Weltbank wird die Digitalisierung das Wirtschaftswachstum beschleunigen. Die etablierten Volkswirtschaften können den Wert ihrer produzierten Güter und Dienstleistungen bis 2030 nur langsam steigern: ISA 24%, Deutschland 17%. China dagegen soll auch dank Automatisierung bis 2030 noch einmal um 85% zulegen. Damit hätte das Land dann die größte Volkswirtschaft der Welt. Der erwartete Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts bis 2030 wird wie folgt eingeschätzt: Nordamerika +3,7%, Nordeuropa +1,8%, Südeuropa +0,7%, China +7,0%. Quelle: Handelsblatt 26./27./28. Oktober 2018, S, 57. Das globale Finanzierungsvolumen von KI-Startups 2017 betrug: USA 48%, China 38%, Sonstige 14%. Quelle: PwC, WEF, CB Insights.

IT - Konzerne und Wirtschaftsstandort: Der Mangel an großen deutschen IT - Konzernen birgt erhebliche Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Zu diesem Schluss kommt auch eine Analyse der Beratungsfirma McKinsey 2019. Technologie-Konzerne mit über 100 Mrd. Dollar Börsenwert wie Google, Apple, Facebook oder Amazon hat Deutschland nicht, nur die SAP. Solche Konzerne sind aber ein zentraler Motor der globalen Wirtschaft und Gesellschaft. China hat dies strategisch genau erkannt und seit Jahrzehnten Gegenunternehmen aufgebaut, die eine vergleichbare Größe haben oder sogar größer sind (Tencent, Huawei, Alibaba). Dafür gibt es laut McKinsey Gründe: Aufstrebende Technologieunternehmen brauchen drei Schlüsselfaktoren: Talent (hochkarätige Tech-Gründer und Mitarbeiter), Kapital (um Wachstum zu finanzieren) und günstige Marktbedingungen (optimales Umfeld). https://mck.de/techtitanen .

Digitalisierung und Makroökonomik: Wichtige Rahmenbedingungen sind: 1. Eine gleichgewichtige Verhandlungsmacht zwischen den Sozialpartnern. 2. Einen handlungsstarken Staat (adäquaten Anteil am Produktivitätszuwachs über Steuern zu vereinnahmen, auskömmliches Einkommen für digitalisierungsbedingt Arbeitslose, funktionierender Wettbewerb, größeres Gewicht für Umweltschutz). Vgl. Koll, Willi: Makroökonomische Aspekte der Digitalisierung, in: Wirtschaftsdienst 2019/ 1, S. 41ff.

Digitalisierung und Handel/ Außenhandel: Kampf um Wertschöpfungsketten (Modell der Institutionenökonomik/ Jean Tirole, Toulouse, Nobelpreis 2014): Die Institutionenökonomik/ Tirole bietet ebenfalls wie Krugman eine Alternative zum Freihandelsmodell. Freihandel wird nicht als Wert an sich gesehen. Es ist eines der Verfahren, um für eine Gesellschaft Wohlstand zu erzeugen. Aktuelle Handelskonflikte (wie zum Beispiel der zwischen den USA und China 2018) ergeben sich danach aus grundlegend veränderten Risiko- und Kommunikationsstrukturen. Die Digitalisierung senkt die Transaktionskosten weiter und verändert das Risiko. Es entstehen durch reduzierte Informationsasymmetrien neue Institutionen im Kontext der Plattformökonomie. Dadurch wandeln sich Informationstransport, Informationsspeicherung und Informationsverarbeitung. Die Digitalisierung beeinflusst auch die Industriestruktur: Systemtreiber sind die Fähigkeit zur Kontrolle des Agenten und die Möglichkeit, Skaleneffekte zu realisieren. Es kommt zu einer Reintegration von Wertschöpfungsketten. Treiber sind die Finanz- und Schuldenkrise, die Störanfälligkeit von Lieferketten und die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts. In diesem Zusammenhang sind Zölle ein Mittel der politischen und wirtschaftlichen Rivalität. Unter zu erwartenden Konfliktbedingungen ist die Sicherung der Lieferkette entscheidend dafür, die Rivalität auszuhalten bzw. siegreich zu beenden. Die Staaten haben ein Dominanzproblem:  Die USA haben ein großes Leistungsbilanzdefizit (im Opiumkrieg hatte es England), China hat einen historischen Nachholbedarf (mandschurische Machtübernahme 1647, Opiumkrieg 1839). "Made in China 2025" soll die Hochtechnologie sichern aufgrund eines schuldengetriebenen Entwicklungsmodells. Im Grunde genommen will China sich weiterhin erfolgreich in der globalen Lieferverflechtung positionieren. Man kann dies in der "Crying Curve of Asia" darstellen. Freie Märkte sind nach diesem Modell auf dem Rückzug. Vgl. Ulrich Blum: Der Kampf um Wertschöpfungsketten: Krieg gegen den Freihandel? in: Wirtschaftsdienst 2018/10, S. 737ff. 

Digitalisierung und Rohstoffe bzw. Protektionismus: Seltene Erden: Sind weiche, silbergraue Metalle, deren Schmelzpunkt je nach Element zwischen 900 und 1600 Grad C liegt. Je umweltfreundlicher und innovativer ein Produkt ist, umso größer ist die Abhängigkeit bei Seltenen Erden. Sie werden in Hochtechnologiebereichen und Energiespartechnologien eingesetzt. Konkrete Anwendungsbereiche sind Leuchtstoffe und Elektronik, Metallurgie, Katalysatoren, Keramik, Permanentmagnete, Batterien. China hat eine Quasi-Monopolstellung. Das Land arbeitet mit Exportquoten, um Produktionsstätten ins Land zu holen.  Die Quoten werden 2012 erhöht. Auf Druck der WTO werden diese ab 2015 aufgehoben.  Weitere Vorkommen sind in den GUS-Staaten, Indien, Brasilien und Nordamerika. Der Klimawandel macht auch die Arktis wirtschaftlich interessant. So gibt es seltene Erden in der ostkanadischen Provinz Quebec. Eine Kooperation mit Kanada wird angestrebt (Merkel im August 2012). Deutschland schließt im Herbst 2011 ein Abkommen mit der Mongolei: Lieferung Seltener Erden, Investitionen in Bildung und Technologie in der Mongolei. Im Februar 2012 folgt ein Rohstoffabkommen mit Kasachstan. Eine Partnerschaft mit Kanada wird angestrebt. Seltene Erden gibt es auch in den USA, Australien und Russland. In der Regel haben diese Länder ihre Lagerstätten noch gar nicht angerührt. In den Industrieländern wird das Recyceln intensiviert. 2012 gibt es einen Preissturz bei Seltenen Erden. Offensichtlich ist die Nachfrage stark gesunken (Konjunkturflaute in Teilen der Welt). China will ein Fünftel der Produktionskapazitäten schließen, um den Preisverfall zu stoppen. Mittlerweile findet man Seltene Erden auch im Rhein. Langfristig bis 2030 werden folgende Länder besonders wichtig sein: Russland für Palladium. Brasilien für Tantal, Kanada für Indium, China für Neodym und Gallium, Australien für Kobalt, Mexiko für Silber. Immer wichtiger wird das Recycling, um die Abhängigkeit zu senken. In Deutschland peilt man 20% recycelte Seltene Erden an. 2013 gibt es große Funde von seltenen Erden in Grönland. Die Förderung wäre wichtig für die EU (Teilautonomie, gehört zu Dänemark). Radioaktive Substanzen sind in der Nähe, weshalb das ökologische Risiko hoch ist. Lithium, das leichteste Metall der Welt, kommt am meisten in Bolivien vor (Salzsee Salar de Uyuni). Der Bedarf an Seltenen Erden geht weltweit zurück. Es können alternative Rohstoffe hergestellt werden. Zur Gewinnung Seltener Erden ist giftige Säure erforderlich, die jede Menge giftigen Müll erzeugt. 2019 setzt China Seltene Erden im Handelsstreit mit den USA ein: Etwa 70% der Seltenen Erden, die 2019 in der Produktion eingesetzt werden, kommen aus China. Das Land erwägt einen Exportstopp bzw. eine Reduktion. 80% der exportierten Mengen gehen in die USA.

Auswirkungen der Digitalisierung auf den öffentlichen Sektor: Der öffentliche Sektor ist in vielerlei Hinsicht durch den digitalen Wandel betroffen. Der Handlungsspielraum des Staates könnte vergrößert werden, wenn zusätzliches Wachstum entsteht. Die Polarisierungsthese behauptet, dass durch die Nutzung digitaler Technologien funktionale, räumliche und personelle Ungleichheit zunehmen. Die Erosionsthese behauptet, dass digitale Technologien zu einem langfristigen Rückgang der Lohnquote und einer Erosion des Ausmaßes der voll versicherungspflichtigen Beschäftigung führt. Dann gibt es noch die steuertechnische Herausforderung bei der Besteuerung von Einkommen bzw. Gewinnen sowie Umsätzen  digitale Geschäftsmodelle nicht zu begünstigen. Vgl. Margit Schratzenstaller: Auswirkungen der Digitalisierung auf den öffentlichen Sektor - ein erster Überblick, in: Wirtschaftsdienst 2018/11, S. 799ff.

Digitalisierung und Demokratie: Die Wende war die Wahl Donald Trumps in den USA. Seitdem gelten die Digitalkonzerne als Demokratie gefährdend. Sie sorgen für den Reichtum weniger. Sie bilden Monopole. Sie bieten Technologien zur Kontrolle (Gesichtserkennung). Demokratien haben auch an Strahlkraft verloren. Vor allem junge Europäer könnten zu den Verlierern der Digitalisierung werden (weil die USA und China sich absetzen).   "Wie die Digitalisierung weitergeht und welche Folgen sie haben wird, ist daher kein Naturereignis oder Verhängnis. Es gibt keine Alternativlosigkeit. Diese Einsicht ist der erste Schritt zu einem gestaltenden Blick auf die Entwicklung der digitalen Technologie", Armin Grunwald, Professor für Technikphilosophie und -Ethik am Karlsruher Institut für Technologie. Quelle: WiWo 3/ 11.1.2019, S 47. Vgl. auch: Martin, Hans-Peter: Game over. Wohlstand für wenige, Nationalismus für alle - und dann? Penguin -Verlag 2019.

Digitaler Humanismus (Ethik): Die Digitalisierungsindustrie  wirbt mit Transparenz, Berechenbarkeit, ökonomischem erfolg, Weltverbesserung und mäzenatischem Engagement. Sie nimmt damit humanistische Impulse als Ausgangspunkt und transformiert sie zu anti-humanistischen Utopien. Die Bedingungen der Humanität werden infrage gestellt. Die Big - Data - Ökonomie lebt von der Enteignung der Menschen, sie verlieren die Kontrolle über ihre persönlichen Daten. Vgl. Nida-Rümelin/ Weidenfeld: Digitaler Humanismus, Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, München (Piper) 2018.

Die Ethik der Algorithmen: Der Algorithmus ist so etwas wie die unsichtbare Hand der digitalen Wirtschaft. Er sollte transparent sein, verantwortlich, Gesetzen folgen und ein klares Ziel haben. Eine entscheidende Frage ist, wer für Fehler haftet. Das könnte in einigen Bereichen ein großes Problem sein (z. B. Pflegeroboter, autonomes Fahren). Vereinfacht könnte man einen Algorithmus mit einem Rezept zum Kuchenbacken vergleichen (Erestellen eines Kuchens). Bei der schwachen KI geht es meist um Empfehlungsalgorithmen. Der Begriff kommt aus dem Arabischen. Schon Euklid formulierte so etwas im alten Griechenland: Euklidische Algorithmus. Bei der starken KI geht es um selbst lernende Algorithmen (Kausalzusammenhänge, Verselbständigen).

Digitale Transformation: Umsetzung der Digitalisierung im Unternehmen. Die Unternehmen werden dabei in fünf Gruppen eingeteilt: 1. Digital Leaders, 2. Digital Adapters, 3. Digital Evaluators, 4. Digtal Followers, Digital Laggards. Nach einer Erhebung von Dell 2018 (4600 Entscheider in 42 Ländern) liegen die meisten Unternehmen in den Gruppen 3 und 4.

Digitalrevolution in Unternehmen: Supercomputer können selbständig lesen (z. B. alle Studien zu einem Thema, was Menschen heute nicht mehr möglich ist). Sie können unvorstellbare Datenmengen bewältigen. Sie können schon selbständig Werbung machen und Jobbewerber aussuchen. Neue Programme übersetzen live und machen damit teure Dolmetscher überflüssig. Werden die Menschen im Unternehmen davon profitieren oder eher ihren Job verlieren? Selbst in Billiglohnländern ersetzen Computer mehr Arbeitsplätze in der Fertigung (z. B. bei Foxconn in China). Die künstliche Intelligenz könnte aber auch zunehmend Arbeitsplätze im gehobenen Bereich kosten. So plädieren Experten (wie Brynjolfson vom MIT) wieder für die Idee des Grundeinkommens. Die Arbeitsmärkte werden sich weiter spalten: Die, in denen "Out-of-the-Box"-Denker und Hochqualifizierte die gut bezahlten Jobs haben, und die, in denen gering qualifizierte Arbeitskräfte unter prekären Bedingungen arbeiten müssen (ohne Aufstiegschancen mit hohem Risiko des Jobverlusts). Eine Studie der Commerzbank 2016 kommt zu dem Ergebnis, dass die Digitalisierung ein Job-Motor ist. 43 Prozent der Mittelständler brauchen mehr Personal.

Digitalisierung und Unternehmensstruktur: In klassischen Unternehmen herrschen vertikale Wertschöpfungsketten vor. Sie beruhen auf Spezialisierung und Arbeitsteilung. In der Digitalisierung kommt es nach und nach zu hybriden Unternehmen. Sie produzieren nicht nur, sondern betreiben auch Plattformen mit Daten. Kollaboration und Integration stehen im Vordergrund.

 Neufassung des GWB 2017: Im März 2017 wird die 9. Novelle des GWB verabschiedet. Sie soll insbesondere der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft Rechnung tragen. Die Fusionskontrolle wird auf Unternehmen ausgeweitet, in denen nur geringe Umsätze generiert werden, die jedoch hohe Unternehmenskaufpreise gepaart mit starken Netzwerkeffekten und schädlichen Konzentrationswirkungen aufweisen.

Andere Gesetze: 2016 kommt die WLAN - Reform (Änderung des Telemediengesetzes). Wlan-Anbieter und  und Internetanbieter sollen von Haftungsrisiken befreit werden (Störerhaftung). Der Europäische Gerichtshof schränkt diese Regelung wieder etwas ein: es muss kein Schadensersatz für Urheberrechtsverletzungen geleistet werden Aber Anbieter, z. B. die Musikindustrie,  können einen Passwortschutz verlangen. Ende Juni 2017 beschließt der Bundestag ein Gesetz gegen Hasstiraden im Internet. Soziale Netzwerke müssen künftig rechtswidrige Hetzkommentare innerhalb von 24 Stunden löschen oder hohe Strafen zahlen. Das Gesetz tritt ab 06.01.2018 in Kraft. Schon nach wenigen Tagen fordern viele Experten eine Änderung (Satire wird verhindert, Überreaktion). Die EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova sieht in dem Gesetz kein Modell für Europa.

Europäische Copyright: Der EU-Rechtsausschuss beschließt dieses im Juni 2018. Es werden Upload-Filter eingeführt. Weiterhin ist ein europaweites Leistungsschutzrecht geplant.

EU-Urheberrecht: Es geht um den Schutz von Musikern, Autoren, Fotografen, Wissenschaftlern und Journalisten in der EU. Im Februar 2019 einigt man sich auf eine Reform. Es kommt ein EU-weites Leistungsrecht. Online-Plattformen wie Google oder Facebook sollen für die Verwendung von bereits veröffentlichten Online-Artikeln zahlen müssen. Es gibt viele Demonstrationen gegen das geplante Gesetz. Start-ups könnten in der entscheidenden Phase geschwächt werden. Den besten Internet-Filter scheint YouTube, eine Google - Tochter, zu haben, so dass der Marktführer begünstigt würde. News - Dienste könnten um ihre Existenz kämpfen müssen. Sehr umstritten sind die Uploud - Filter, die mit Algorithmen arbeiten. Die EU-Richtlinie muss in nationales Recht überführt werden. Die EU billigt sie am 26.03.2019. Im April 2019 stimmt eine qualifizierte Mehrheit der EU-Länder, darunter Deutschland, der Richtlinie zu. Jetzt haben die Mitglieder zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Disruption (aus dem Lateinischen: Zerreißung, Zerbrechung; eigentlich physikalisch-technischer Begriff, keine biologische Entwicklung). Gemeint ist der Zerfall von Gesetzmäßigkeiten, der Abschied von Gewissheiten, eine radikale Verschiebung. Der Begriff soll auf den US-Ökonom Clayton Christensen (Harvard Business School) zurückgehen. Genau weiß man das nicht. Gedanklich als Schöpfer gilt Joseph Schumpeter (1883 - 1950). Er wird auch "Theoretiker" der Disruption genannt. Er setzte sich in der Ökonomie für das Denken in Prozessen, nicht in Modellen ein. Disruptive Geschäftsmodelle haben folgende Merkmale: Eine digitale Strategie, die nicht nur die IT, sondern alle Geschäftsbereiche umfasst. Anstoß für innovative Projekte sollte von oben kommen. Engere Zusammenarbeit mit externen Partnern und Start-up-Initiativen. Förderung der Unternehmenskultur. Ausbau der technischen Kompetenzen. Schnelligkeit. Kundenbedürfnisse und Kundennutzen als Ausgangspunkte. Vgl. com!professional 8/2017, S. 20ff. Vgl. auch Interview mit Wolf Dieter Enkelmann in: Wirtschaftswoche 53/ 22.12.17, S. 37ff.

Staatliche Agentur für Disruption: Sie soll 2019 gegründet werden. Man sucht auch einen Chef, der Chief Innovation Officer heißen soll. Organisatorisches Vorbild ist die amerikanische Darpa (Forschungsagentur des Pentagon).

Netzökonomie: Das Internet der Dinge ist auf den Fortschritt in der Telekommunikation angewiesen. Spezialisierte schmalspurige Netze wurden hin zu All - IP - Breitbandnetzen umgebaut. Die Qualitätsanforderungen bei der Datenpaketübertragung steigen beständig an. Sensornetze, Adaptoren oder intelligente Regler müssen alles umsetzen können. Intelligente Netze der Zukunft müssen die physische Welt mit komplementären virtuellen Netzen verknüpfen können.

Netzwerk-Effekt und Plattform: Jede Plattform braucht einen Kernzweck. Es kann dann um weitere Geschäftsbereiche ergänzt werden. Man braucht eine klare Nutzergruppe. Hinzu kommt eine gute Vorbereitung. Man sollte schrittweise weiterentwickeln. Aktuelle Standards sollten gewahrt ein. Zusatzdienste sollten angeboten werden. Man braucht aber immer einen langen Atem. B2B-Plattformen sind im Kommen.

Glasfasernetze (gute Infrastruktur, Breitband): Sie sind notwendig für schnelles Internet. Das Problem ist ihre Finanzierung (Nutzer, Anbieter, Staat). Der Ausbau des Glasfasernetzes ist international am weitesten in Lettland (60% aller HH), in Schweden (51%), Spanien (50%) und Norwegen (50%). Deutschland liegt bis 2019 (Prognose) abgeschlagen mit 3%. Die Parteinen nehmen vor der Bundestagswahl 2017 unterschiedliche Positionen zum Netzausbau ein: Die CDU setzt auf strukturelle Veränderungen ("Chefsache"). Die SPD sieht das Netz als Völkerrecht. Die Linken wollen keine digitalen Tagelöhner. Die Grünen setzen auf Selbstbestimmung. Die FDP sehen darin die zentrale Herausforderung. Die AfD sieht im Internet allgemein ein Medium freier Meinungsäußerung. 2017 richtet die EU ein Förderprogramm ein, um auch abgelegenen Dörfern Internet zu bringen. Die Monopolkommission und die Bundesnetzagentur denken über Alternativen nach. In der Diskussion ist ein Gutscheinsystem. In den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD im Februar 2018 werden Milliarden für den Ausbau von "Gigabit-Netzen" zur Verfügung gestellt.  Deutschland hingt bei den Glasfasernetzen weltweit ziemlich hinterher, weil ein wichtiger Minister (Schwarz-Schilling) an einem Kupferunternehmen beteiligt war. Vorreiter beim Breitbandausbau sind Estland, Finnland und etliche Länder in Asien. In Deutschland sind im Sommer 2017 76,9 % aller Haushalte mit Breitbandleitungen von mindestens 50 Mbit pro Sekunde ausgestattet. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland beim schnellen Internet weit zurück (Platz 28 von 32 in der Rangliste der OECD-Länder). 42% aller Firmen haben in Deutschland 2018 schnelles Internet. Im Koalitionsvertrag vom Februar 2018 steht: Rechtsanspruch auf schnelles Internet bis 2025. 12% aller mobilen Verbindungen sollen 2025 über 5G-Netze laufen. Sehr umstritten ist die Flächendeckung. Bitkom hält sie vorerst für nicht erreichbar. United-Internet will bei der 5G-Versteigerung mit bieten als vierter Mobilfunkbetreiber neben Telekom, Vodafone und Telefonica. Die Versteigerung (Auktion) wird von der Bundesnetzagentur durchgeführt (Präsident seit 2012 Jochen Homann). Sie startet am 25.03.2019. 1500 Milliarden Renminbi (rund 200 Mrd. €) will China zwischen 2019 und 2025 in den Aufbau des Netzes der fünften Mobilfunkgeneration (5G) investieren. 580 Mio. Chinesen sollen dann 5G nutzen. Für Europa schätzt die Telekom die Kosten für einen flächendeckenden Ausbau auf bis zu 500 Mrd. Euro. In RLP will das Land Kaiserslautern zu einer Modellregion bei 5G machen. Die Telekom plant 2021 Rekordinvestitionen für Glasfaser (18,4 Mrd. .€, zusammen mit 5G). Die Deutsche Bahn und das Technologieunternehmen One Fiber wollen neben den Gleisen ab 2021 nein neues, deutschlandweites Glasfasernetz aufbauen.

In Deutschland stockt der Ausbau des Glasfasernetzes seit Jahren. Nur in der Hauptstadt Berlin gehen Deutsche Telekom, Vodafone und weitere Wettbewerber in die Offensive. Es zeigt sich, dass Wettbewerber sich tummeln, wo die Erschließungskosten niedrig sind und die Haushaltsdichte hoch ist. Das Grundproblem ist schwierig aufzulösen.

Internetknoten: Diese gibt es weltweit. Deutschland hat mit Frankfurt (DE-CIX) den weltweit größten Internetknoten. Der BND darf hier Daten abschöpfen, wie die anderen Geheimdienste auch bei den Knoten in ihrem Land.

Tiefseekabel: 382 Kabel liegen weltweit im Meer. Sie sind das Rückgrat des Internet. 97% laufen über Glasfaserkabel. Eigentümer dieser Kabel (allein oder zu mehreren) sind die Telekommunikationskonzerne (Orange, Telecom Italia, Tata-Communications, Dt. Telekom) und die Internet-Konzerne (Google, Facebook, Amazon, Microsoft). Die Kabel sind sehr kostenintensiv.

Frequenzauktionen und mobile Netztechnik: Sie werden von der öffentlichen Hand durchgeführt und spülen viel Geld in die Kassen. Der neuste Standrad ist das Echtzeitmobilfunknetz 5G. 2019 werden die 5G-Lizenzen versteigert. Es sollte ein gesunder Wettbewerb stattfinden. 5G könnte die Schlüsseltechnik für die Digitalisierung werden. Die Technik könnte dann 2020 starten. Bahn brechend ist die MIMO - Technik. Sie könnte zu Einsatzszenarien führen für: Augmented Reality, autonomes Fahren, Smart City, Robotik, Drohnen - Monitoring, Smart Farming, Medizin. Die Autoindustrie will sich an der Versteigerung der 5G-Technik beteiligen, um eine eigene Vernetzung der Autos zu ermöglichen. Ende 2018 kommt harte Kritik an den 5G-Auflagen. Die Netzbetreiber beklagen hohe Kosten. 5G bietet mehr als Standard: Schnelle Standleitung. Neue Anwendungen. Eigene Netze. In der Schweiz gibt es bereits startet bereits der schnelle 5G-mobilfunk zu Beginn 2019. Die Politik hatte sich vollkommen raus gehalten. Ein Geschäftsmodell für die EU fehlt. Im Juni 2019 endet die 5G-Mobilfunk-Auktion. Sie bringt dem Staat 6,6 Mrd. Euro, mehr als erwartet. Am 17.11.19 beschließt die Bundesregierung eine Mobilfunk-Strategie. Funklöcher sollen geschlossen werden. Der Bund nimmt dafür 1,1 Mrd. € in die Hand. In Berlin wächst der Widerstand gegen Huawei als Mobilfunk-Netzausrüster. Immerhin haben zwei europäische Firmen hohe Marktanteile weltweit (Ericsson 27%, Nokia 22%, Huawei 31%). Man müsste doch eine Kontrolle einzelner Bauteile hinbekommen, die in Russland, USA  oder China produziert werden.   Kaiserslautern wird 5G-Modellregion. Die Idee der Versteigerung (Auktion) geht auf den Ökonomen Coase zurück, der die Regulierungsbehörde FCC in den USA dazu überzeugte.

5G contra Wi-Fi: Für viele Einsatzbereiche ist Wi-Fi die bessere Technologie. Für 5G gibt es hohe Kosten der Netzbetreiber. Funk schlägt WLAN bei der großflächigen Abdeckung. 5G-Mobilfunk ist manchmal sinnvoller als Glasfaser. Wi-Fi 6 als neuer Standard bietet viel. Die Firmen arbeiten schon an 6G. 5-G sollen die Deutschen nur in einer Sparversion erhalten. In anderen Ländern ist man weiter (Südkorea, Kuwait, Schweiz, USA, Katar, GB, Finnland, China). 5G wird in Deutschland die Downloadgeschwindigkeit nur verdreifachen (3,3) gegenüber 4G. Damit liegt Deutschland an drittletzter Stelle. Saudi-Arabien liegt an der Spitze vor Südkorea, Australien und Taiwan (Quelle: Opensignal). Im November 2020 legt die Bundesregierung einen neuen Gesetzentwurf fest. 5-G-Anbieter müssen vertrauenswürdig sein. Huawei wird der Netz-Zugang erschwert. Dei Entscheidung über eine Beteiligung von chinesischen Unternehmen kann nicht mehr unter dem Radar geregelt werden. Zuerst sind in Deutschland Online-Spieler und Kunden, die die modernste Technik wollen, die Zielgruppe. Das Netz wird zunächst in den Ballungsgebieten eingerichtet. Die größten Stärken hat 5G im industriellen Einsatz. Immer mehr Firmen bauen eigene Campusnetze. Sie sind dann nicht länger von den Mobilfunkern abhängig.

Wi-Fi 6: Ist ein neuer Standard für Wireless. Er soll bei Performance, Stromverbrauch, Roaming, Latenzen und Investitionskosten punkten. Er funktioniert über das 2,4 GHz und das 5 GHz-Band. 2021 wird man auch das 6 GHz-Frequenzband nutzen können. Es kommt zu weniger Signalstörungen. Verzögerungen werden bei vielen Endgeräten verhindert.

Internet aus dem All (Satellitensystem, Konstellation): Die EU plant das Projekt. Die Ausschreibung schließt allerdings die junge deutsche Raumfahrtindustrie aus. Es könnten fast nur französische Unternehmen zum zu kommen. Deshalb erwägt die deutsche Regierung ein eigenes Projekt. Die Technologie wäre vorhanden. Autokonzerne wären die idealen Kunden.

Marshallplan für Datenverkehr: Großprojekte wie autonomes Fahren brauchen eine funktionierende Infrastruktur. Mit einem Projekt will das Bundeswirtschaftministerium für Europa vorangehen. Es heißt IPCEI-CIS. 750 Mio. € aus dem EU-Wiederaufbaufonds sollen bereitgestellt werden. damit soll auch die Idee einer europäischen Datensouveränität verbunden werden. 

Cyber-Security (Security Nudges): Eine wesentliche Ursache sind fehlgeleitete Anreize. Marktakteure müssen nicht die vollen Kosten ihren informationstechnologischen Handelns tragen. So entstehen ineffiziente Märkte. Es fehlen ausreichende Verfügungsrechte an den eigenen Daten im Internet. Notwendig wäre eine Ausweitung des Wettbewerbsrechts, um die Machtkonzentration auf der Anbieterseite zu verhindern. Vgl. Dold, M./ Krieger, T.: Cyber Security aus ordnungspolitischer Sicht: Verfügungsrechte, Wettbewerb und Nudges, in: Wirtschaftsdienst 2017/ 8, S. 559ff. Bei der Cyber-Security müssen die Kompetenzen von Bund und EU festgelegt werden. Die EU hat dafür einen eigenen Kommissar. 2017 wird erwogen, in der EU eine neue Behörde für Cybersicherheit einzurichten (Verfünffachung von 2013 bis 2017). Sicherheitslücken gibt es nicht nur bei der Software. 2018 werden Lücken im Kern der Hardware publik: Betroffen sind die Chips/ Mikroprozessoren vieler Hersteller (Intel, AMD, Apple). Sicherheitssoftware könnte die Rechenleistung reduzieren. Besonders Intel scheint betroffen. Die Prozessoren sind besonders anfällig für Angriffe (besonders Passwörter). Der Aktienkurs sinkt. Es geht immer um eine Abwägung zwischen Schnelligkeit und Sicherheit. Viele Unternehmen der IT - Branche arbeiten mit Bug-Bounties (Prämien für Hacker), um ihre Sicherheit zu testen. Der Mitarbeiter Daniel Gruss von der Uni Graz entdeckte die schweren Sicherheitslücken bei den Computerchips. Generell brauchen wir neue Regeln, Gesetze, die die Digitalisierung, die Vernetzung und das Internet der Dinge absichern. Der Staat steckt in einem Dilemma: Kriminelle nutzen Schwachstellen in Soft- und Hardware. Der Staat will die Lücken schließen. Zugleich braucht er sie, um zurückzuschlagen. 2019 ist die Anzahl der Cyberattacken um 15% in Deutschland gestiegen (über 100.000). Zunehmend greifen Hacker kritische Infrastrukturen an (Kritis; Gesundheits-, Energie-, Kommunikations-, Lebensmittelwirtschaft). 2020 ist die Gefährdungslage stark gestiegen. Die Hacker brauchen keine verseuchten E-Mails mehr, sondern nutzen schwere Lücken in Business-Software (Microsoft Exchange, Citrix). Im Sommer 2021 greifen sie die Software Kaseya der US-IT-Firma an (VSA-Netzwerk). Dadurch fallen viele Firmen aus (Einzelhandel; Coop, ca. 1000 Firmen betroffen).  Der US-Geheimdienst soll untersuchen, ob Russland dahinter steckt. Die Hacker fordern 70 Mio. $ Lösegeld, damit sie verschlüsselte Daten wieder hergeben.  Große Konzerne machen eine Charta für Internet-Sicherheit. Als eines der ersten Unternehmen prescht Siemens vor. Die Charta umfasst 10 Handlungsfelder. 2017 dringen Hacker in das Datennetz der Bundesverwaltung ein (IVBB), was erst 2018 bekannt wird. Die Hacker sollen einen russischen Hintergrund haben (APT28). Es handelt sich um Hacker, die weltweit in Regierungen und Geheimdienste eingedrungen sind. Deutsche Unternehmen, die mit Kuka zusammenarbeiten geben keine geheimen Infos mehr raus. Man hat Angst vor Industriespionage durch den chinesischen  Mehrheitsaktionär. 2018 will die NRW-Datenschutzbehörde klären, ob des Adresshandel der Post im Einklang mit den Datenschutzgesetzen steht. In der Bundesregierung wird 2018 überlegt, eine Meldepflicht für IT - Sicherheitsvorfälle einzurichten. Das Innenministerium veranstaltet 2018 eine zentrale Wirtschaftsschutzkonferenz. Der DIHK will nicht teilnehmen. 2018 gibt es Hackerattacken der Russen. So soll die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen in Den Haag angegriffen worden sein. Bloomberg meldet im Oktober 2018, dass man chinesische Spionagechips bei Amazon und Apple entdeckt habe. Der Aktienwert reagiert sofort. Die Konzerne dementieren. Auf die Bundesregierung gibt es immer mehr Cyberangriffe (Schadstoffsoftware, IT - Spionage).  Der russische Computerviren-Jäger Kaspersky wird beschuldigt, für Russland spioniert zu haben. Deshalb zieht er mit Teilen seiner Firma in die Schweiz. Anfang 2019 werden private Daten von Politikern und Journalisten im Netz veröffentlicht. Man vermutet einen rechtsradikalen Hintergrund. Tatsächlich handelt es sich bei dem Datendieb um einen 20-jährigen Einzeltäter. Hinweise auf politische Beweggründe gibt es keine. Ein Frühwarnsystem ist geplant. 

Cyberangriffe: Sie häufen sich weltweit. Die Weltmächte werfen sich gegenseitig Angriffe vor: USA, China, Russland. Man versucht, Absprachen untereinander zu treffen. Biden befürchtet sogar einen Krieg als Folge von Cyberangriffen. In Deutschland hilft bei Cyberangriffen auch die Bundeswehr. So bei dem Angriff auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld im Juli 2021.

Whistleblower: Mitarbeiter oder Experten im Netz decken Betrug und illegale sowie unangenehme Fakten eines Unternehmens auf. Meist handelt es sich um interne Tippgeber. Manche sind auch ökonomisch sehr erfolgreich mit ihren Tipps. In Deutschland werden Whistleblower relativ schlecht geschützt.

Chips: Herzstück von Computern, autonomen Autos und Servern in Rechenzentren. Hightechkonzerne entwickeln diese immer mehr selbst. So Amazon, Google, Apple und Huawei. Neuromorphe Chips imitieren das Gehirn für Anwendungen der künstlichen Intelligenz. 2021 bedroht ein Chipmangel die Autoindustrie. Ford und Skoda müssen die Produktion stoppen- Es fehlen Halbleiter. Die Autoindustrie spricht sich aber gegen Produktionsstopps aus.

Computerchips als Schlüsseltechnologie: Sie sind eine strategische Ressource im Wettrennen um die Technologische Vorherrschaft in der Welt. An der Sitze liegen die USA (ohne Bezeichnung) bzw. verbündete Länder. Noch ist China ganz hinten. Hier die Rangfolge der Chipanbieter 2020: 1. Intel (Umsatz erstes Quartal 2020 19,5 Mrd. $). 2. Samsung Electronics/ Südkorea 14,8. 3. TSMC/ Taiwan 10,3. 4. SK Hynix/ Südkorea 6,0. 5. Micron Technology 4,8. 6. Broadcom 4,0. Qualcomm 4,0. 7. Texas Instruments 3,2. 8. Nvidia 3,0. 9. HiSilicon (Huawei, China) 2,7. Quelle: IC Insights. Die Branche ist stark globalisiert, Protektionismus unüblich. Trump will allerdings die Chips als Waffe einsetzen. Die US-Chips werden umfangreich in Europa (ARM/ GB, ASML/ Niederlande, Autos/ Deutschland, in Handys/ China (Foxconn, Huawei), Sumco/ Japan, Handys/ Taiwan, Gebäude/ Malaysis (Amkor) eingesetzt.

Quanten- und Minimaschinen (neue Computer): Forscher arbeiten an immer besseren, schnelleren, energiesparenden Prozessoren. Sie werden die Wirtschaftswelt revolutionieren. Das könnte helfen, den Unternehmen wieder die Hoheit über ihre Daten zurückzugeben.  Beim Edge Computing finden Rechenvorgänge nicht mehr in fernen Rechenzentren, wie beim Cloud Computing statt, sondern vor Ort. So sind dezentrale Rechenvorgänge in gesicherter Umgebung möglich.

Quantentechnologie: Im Januar 2021 sollen die ersten Pläne vorgelegt werden, wie die Quantentechnologie in Deutschland gefördert werden soll. Damit soll die Aufholjagd gegenüber der USA und China beginnen, die bei dieser Schlüsseltechnologie vorne liegen. Vorgesehen sind mehr als 2 Mrd. €. Nach China hat Deutschland 2020 mittlerweile das größte Forschungsprogramm für den Aufbau eines nationalen Quantenforschungszentrums. Quelle: McKinsey 2020.  Im Juni 2021 stellt IBM in Ehningen den ersten Quantencomputer in Deutschland vor.

Mooresche Gesetz: Die Chip-Leistung verdoppelt sich etwa alle zwei Jahre. Wird das irgendwo einen Endpunkt haben?

Künstliche Intelligenz, Elemente: Vereinfacht ausgedrückt besteht sie aus drei Elementen: Spracherkennung (z. B. Alexa), Gesichtserkennung (z. B. Azure), Algorithmus.

Künstliche Intelligenz (engl. Artifical Intelligence): Computer können viele Aufgaben vereinfachen. Für die Menschen ergeben sich viele Konsequenzen. Denken, Führen, Einordnen, Erfinden werden Fähigkeiten bleiben, die Menschen und Mitarbeiter verstärkt einsetzen. Insofern werden Wissensarbeiter immer wichtiger. Damit steigt auch die Bedeutung des Denkens. Wer das nicht mehr in ausreichendem Maße schafft, wird auf der Seite der Verlierer stehen. Vgl. E. Brynjolfsson und A. McAffee: Von Managern und Maschinen, in: Harvard Business Manager, November 2017, S. 22ff. Der Begriff geht auf den Mathematikprofessor John McCarthy vom Dartmouth College und das Jahr 1956 zurück. Ein weiterer Vertreter der ersten Stunde war der Ökonom Herbert Simon (1957). Mittlerweile halten KI-Techniken in vielen Systemen Einzug (Auto, Produktionsanlage). KI leitet ein Kooperationszeitalter ein. Konkurrenz kann sich auflösen, die Grenzen zwischen Branchen lösen sich auf. Ab 2018 bis 2025 will die Bundesregierung KI sehr stark fördern (Klausur in Potsdam; +3 Mrd. €; 100 neue Professuren; Forschung besser vernetzen). Deutschland will bei der KI stärker mit Japan zusammenarbeiten. Es soll ein Gegengewicht zu China entstehen. Auf der Hannovermesse 2019 steht die KI im Mittelpunkt. Der Oxford-Professor Nick Bostrom rechnet mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit damit, dass bis 2075 eine intelligente Maschine entwickelt wird, die den Menschen in allen kognitiven Fähigkeiten mindestens gleichkommt. In Peking gibt es bereits eine Hotpot - Restaurantkette, die Roboter für voll automatisierte Arbeitsabläufe als Kellner einsetzt. Es wird künstliche Intelligenz benutzt. Die Kette heißt Haidilao. In Peking werden zehn humanoide Roboter beschäftigt.

Geschichte der künstlichen Intelligenz: 1950: Turing Test, ob Computer denken können. 1956: Der Begriff entsteht auf der Dartmouth Conference. 1963-1965: Ein Computer besteht am MIT einen IQ-Test. 1970-1980: Stillstand. 1989: Selbstfahrende Autos. 1997: Deep Blue, Supercomputer von IBM. 1997: Suchmaschine von Google live. 2005: Prognose: 2045 soll Rechenleistung von Computern Gehirne übertreffen. 2014: Google Car. 2017: Reproduktive KI (kann Software schreiben, Google). Vgl. Wirtschaftswoche 50/01.12.2017, S. 52ff.

Die vier Wellen der KI: 1. Internet KI: Empfehlungsmaschinen. Beispiele You Tube, Streaming. Erlernen persönlicher Präferenzen. Internetnutzer erzeugen automatisch Daten. Erzeugt das subjektive Gefühl, das Internet werde besser. Auswüchse sind robotergestützte Berichte und Fake News. 2. Business-KI: Durchsucht Datenbanken nach versteckten Zusammenhängen. Grundlage starker Merkmal und schwacher Merkmale. Business-KI kann zum Geschäftsmodell werden (Verkauf von Dienstleistungen). Einsatz von Algorithmen. Bisher sind die USA hier führend. 3. Wahrnehmungs-KI: Gesichtserkennung. Grenzen zwischen Online- und Offline- Welten werden verwischt. Man spricht von gemischten Umgebungen (OMO). Der Einkaufwagen kennt ihren Namen. Öffentliche Räume und persönliche Daten verschmelzen. Hier ist China der Vorreiter: Made in Shenzhen, Xiaomi. 4. Autonome KI: Maschinen treffen Entscheidungen. Erdbeerfelder und Roboterkäfer. Schwarmintelligenz. Vgl. Kai-Fu Lee: AI Super-Powers. China, Silicon Valley und die neue Weltordnung, Frankfurt/ New York 2019, S. 141ff.

Künstliche Intelligenz (KI) als Produktionsfaktor: Um 16,7% soll die deutsche Wirtschaft durch Einsatz von KI bis 2030 wachsen. KI verändert Geschäftsmodelle und ist Treiber einer neuen industriellen Revolution. KI basiert auf einer Vielzahl von Teildisziplinen. Dazu gehören etwa Textmining, Clustering und maschinelles Sehen.  Die Wertschöpfung wird sich verändern. Einige Beispiele seien genannt: Operative Effizienz, Einkauf, Service, Vertragswesen, Selbstlernende Robotik, Personalisierung, Bilderkennung, Objektwahrnehmung, Betrugsbekämpfung, Materialwirtschaft und Werkstofftechnik. Vgl. O. V.: Künstliche Intelligenz als Produktionsfaktor, in: com! professional 1/2019, S. 22ff.

Technologische Überlegenheit/ Führerschaft bei KI: 2021 wird die USA von China eingeholt. Das gilt sowohl für die Entwicklung als auch für den Einsatz von KI. Zu diesem Schluss kommt die National Security Commission on Artifical Intelligence. Sie wird vom ehemaligen Google-Chef Eric Schmidt geleitet. Der Bericht hat 750 Seiten. Binnen einer Dekade wird China allein vorne sein. Dei Forschungsmittel müssten jährlich verdoppelt werden  (bis 32 Mrd. $). Es wird dazu aufgefordert, den Vorsprung in der Halbleitertechnik zu wahren. Vgl. Amerika bangt vor China, FAZ Nr. 52, 3.3.2021, S. 17.

Errungenschaften der KI: Mit ihr haben Forscher eines der größten Probleme der Biologie gelöst: die Vorhersage der Proteinentfaltung. Der Durchbruch schürt Hoffnung auf Biotech - Innovationen (Nanoroboter gegen Krebs bis zu Einzellern, die Kohlendioxid schlucken). Das Instiute for Protein-Design kennt vier Strukturen: Primärstruktur (Aminisäuren), Sekundärstruktur (gedrehte Spiralform), Tertiärstruktur (gefaltete Struktur), Quartätstruktur (mehrere Tertiärstrukturen). Designerproteine könnten die Welt verändern. Vgl. Menn, Andreas: Maschinenbau mit Molekülen, in: WiWo 31, 30.7.21, S. 66ff.

Artifical Morality: Durch die Fortschritte der Technik wird die künstliche Intelligenz in Zukunft mehr moralische Entscheidungen fällen. Dabei sollten Entscheidungen über Leben und Tod immer beim Menschen bleiben. Menschliche Verantwortung und Selbstbestimmung haben Priorität. So muss also der Mensch folgende Kriterien auf sich nehmen: 1. Verantwortungsübernahme. 2. Mensch muss Infos der Maschine überprüfen. 3. Qualitätssicherungsprozesse müssen installiert sein.

Weiteres Glossar der KI: 1. Maschinelles Lernen: Software erlernt automatisch Regeln für Datensätze. 2. Supervised Learning: Die KI wird mit Daten angefüttert, die jenen gleichen, die sie vorauszusagen lernen soll. 3. Unsupervised Learning: Keine Labels, eigene Methodik. 4. Deep Learning: Basiert auf neuronalen Netzen. Viele verbundene mathematischen Funktionen. Beispiel: Das Essentielle an einem Gesicht.

Gute und schlechte KI: Die Einordnung ist natürlich subjektiv. sie wurde von der Wirtschaftswoche vorgenommen (20.12.2019, S. 10). Als Top gilt: Texte verfassen, strategisch denken, Diagnosen stellen, Zusammenhänge erkennen. Als Flop wird eingeordnet: Überwachung, Stromverbrauch, Deep Fakes, Diskriminierende AI, Social-Media Filter.

Übertriebene Erwartungen/ Herausforderung KI: Man unterscheidet mittlerweile schwache und starke KI. Schwache KI: Programme können konkrete Fragestellungen bearbeiten und sind für spezifische Anwendungsfälle konzipiert. Ändern sich die Voraussetzungen oder lässt sich das Problem mit der vorgegebenen Verfahrensweise nicht lösen, scheitert schwache KI. Sie muss vom Menschen neu trainiert oder umprogrammiert werden. Derzeit sind noch alle KI - Programme schwach. Starke KI: Ein starkes KI-System würde die kognitiven Fähigkeiten von Menschen erreichen oder sogar übertreffen. Es könnte frei und in natürlicher Sprache mit Menschen kommunizieren, logische Schlussfolgerungen ziehen, Pläne erstellen und diese situativ an veränderte Rahmenbedingungen anpassen, sich ziele setzen und diese verfolgen. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass eine solche Superintelligenz in absehbarer Zeit entwickelt werden könnte. Vgl. Hafen, Thomas: Falsche Versprechungen und übertriebene Erwartungen, in: com!professiona 8/2020, S. 12ff.

KI-Start-ups: 2018 führen die USA mit 2594. Die EU hat 1096. Davon sind 175 in Deutschland. Inder Statistik nicht enthalten ist China, das an der Spitze liegen dürfte. Quelle: Crunchbase. Die USA und China betreiben eine rigide IT-Industriepolitik. Einerseits lassen sie führende Unternehmen des Konkurrenten nicht ins Land (Facebook in China, Tencent in den USA). Die USA arbeiten mit einem versteckten Wagniskapital-Fonds: das Pentagon vergibt große Aufträge. Viele Aufträge laufen über Darpa. Das ist eine kleine Behörde in Virginia, die technische Innovationen fördert. China steckt Milliarden in Industrieparks, auch einen KI-Industriepark. Deutschland und die EU müssten daraus lernen.

KI-Nutzung in Unternehmen: 1. IT (39%). 2. Produktion (18%). 3. Produktentwicklung (17%). 4. Cybersecurity (16%). 5. Finanzen (15%). 6. Customer Service (11%). 7. Logistik/Supply Chain (11%). 8. Vertrieb (11%). 9. Operations (10%). 11. Marketing (10%). 12. Strategie (9%). 13. Legal/Compliance (9%). 14. HR (8%). 15. Einkauf (8%). Quelle: Deloitte-Studie, com!professional 3/21, S. 15.

Pohoiki Springs: Neuromorphes Forschungssystem. Biologisch inspirierte Bereiche der Physik, Mathematik, Informatik und Ingenieurwissenschaften werden für KI eingesetzt. Das System besteht aus 768 entwickelten Prozessoren. Intel arbeitet mit dem System. Es ist Cloud basiert und ahmt das menschliche Gehirn nach.

Computer und menschliches Gehirn: 2020 steigen einige Tech-Milliardäre in Kalifornien ein. Vor allem Musk und Zuckerberg.

Institut für digitale Ökonomie am MIT in Cambridge, USA: Hier wird seit Jahrzehnten erforscht, wie Informationstechnologie die Arbeitswelt verändert. Direktor dort ist Erik Brynjolfson. Berühmt wurde sein Buch "The Second Machine Age" von 2014.

Schweizer Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (IDSIA, wissenschaftlicher Direktor seit 1995: Jürgen Schmidhuber): Die neuronalen Netzwerke sind vielfach preisgekrönt. Bekannt sind die LSTM (Long-Short-Term-Memory-Netzwerke). Smartphones hören auf Befehle, die dort entwickelt wurden. Schmidhuber gründete auch 2014 das Start-up Nnaisense. Schmidhuber weist immer wieder darauf hin, dass europäische Ideen Maschinen das Denken gelehrt haben. Hier liegt die Wiege der künstlichen Intelligenz.

Deutsches Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI; in Saarbrücken, Bremen, Kaiserslautern): Erforscht 2018 seit 30 Jahren die Technologie der Künstlichen Intelligenz. Zuletzt arbeiteten 900 Mitarbeiter in dem Institut. Es ist die weltgrößte Einrichtung ihrer Art. 2019 kommt eine neue Chefin: Jana Köhler (auch langjährige IBM-Forscherin). www.dfki.de .

Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG), Berlin: Wird von der Stiftung "Internet und Gesellschaft" getragen und ist eine gemeinnützige GmbH. Wird sehr stark von Google gefördert. 18 Mio. €  bis 2021 (2019 noch einmal 4,5 Mio. €). Das Institut beschäftigt sich mit der Regulierung der Internetwirtschaft, mit Big Data und künstlicher Intelligenz. Google hatte die Gründung des Instituts 2011 erst möglich gemacht.

Institut für intelligente Systeme, Tübingen (Bernhard Schölkopf, Labor: https://is.tuebingen.mps.de )

Erste Professorin für Informatik in Deutschland: Christiane Floyd 1978 an der TU Berlin 8vorher Studium in Wien, Zeit in Stanford/ USA). Beim Programmieren sollte man den Menschen ins Zentrum stellen. Später ist sie Mitbegründerin des "Forums Informatiker für Frieden". Vgl. Nezik, A.-K.: Mit mir muss man rechnen, in: Die Zeit Nr. 8, 13.02.2020, S. 32.

Digitalrat der Bundesregierung: Wurde im August 2018 gegründet. Berät in Fragen der Digitalisierung. Mitglieder sind Wissenschaftler und Unternehmer. 2019 verlässt Andres Weigend  (früherer Chief Scientist bei Amzon) das Gremium.

Frameworks und Künstliche Intelligenz: Frameworks erleichtern den KI-Einstieg. Diese Werkzeuge sind in der Regel in der Cloud oder auch On-Premise. Führende Anbieter sind Amazon, Microsoft, Apache u. a. 

Digitale Assistenten: Home (Google), Siri (Apple), Alexa (Amazon), Cortana (Microsoft). Google hat den Vorteil einer eigenen Suchmaschine.

Smarte Sprachanwendungen: Amazon, Google, IBM Watson, Microsoft arbeiten mit KI-Tools. Im Zentrum stehen Chatbots. NLP ist das Rückgrad. Mit Deep Learning könnte der Durchbruch gelingen.

Parallelwirklichkeit: Mithilfe algorithmischer Fakes entstehen Parallelwirklichkeiten. Der Markt für Meinungen muss anders organisiert werden. KI kann Identitätsklau möglich machen. Was ist Wirklichkeit? Eine Frage des technisch möglichen, eine Frage der Wahrnehmung oder der Wiederholung.

Blockchain: 1994 definiert Nick Szabo ein Konzept für einen Smart Contract (Geburtsstunde). Unter dem Pseudonym Satoshi Nakatomo wird ein Artikel über Bitcoin veröffentlicht. David Rutter gründet R3CEV für einen technischen Standard. Das waren die Anfänge. Sie stellt eine Art digitales Grundbuch dar (dezentrale, verteilte Datenbank). Sie ist auf viele tausend Computer verteilt und kann daher nicht von Hackern angegriffen werden. Änderungen an Blocks kann nur die Mehrheit der Beteiligten beschließen (unendlich großer Ordner, jeden Tag mit neuen Überweisungen gefüttert wird). Die Funktionsweise ist wie folgt: X will Y Geld schicken. Statt Überweisung wird die Blockchain genutzt. Die Transaktion wird als Block hinterlegt (Daten wie Leistung und Gegenleistung wird aufgeschrieben). Alle Parteien im Netz erhalten den Block. Die Parteien bestätigen die Transaktion. Der Block wird an eine Kette von Transaktionen angehängt. X transferiert das Geld sicher an Y. Im Grunde genommen ist die Blockchain ein dezentrales öffentliches Protokoll. Alle Telnehmer kontrollieren im Netzwerk. Nutzer müssen weder dem Staat noch der Zentralbank vertrauen. Die Teilnehmer erhalten Zugang zu einem Netzwerk, auf dem sie Informationen austauschen. Jeder erhält eine Kopie des Registers mit sämtlichen Transaktionen. Neue Eintragungen müssen gemeinsam verifiziert werden. Versucht ein Teilnehmer, Einträge zu manipulieren, fällt das bei einem automatischen Abgleich auf. Insgesamt muss eine Blockchain also fünf Merkmale haben: 1. Kryptographisch verschlüsselt. 2. Konsensverfahren. 3. Verteiltes Kassenbuch. 4. Logbuch der Transaktionen. 5. Automatischer Ablauf. Die Technologie wird bleiben, auch wenn die Krypto-Währungen verschwinden sollten. Die entscheidende Rolle der Blockchain liegt darin, eine regelmäßige, manipulationssichere Aufzeichnung von Informationen zu gewährleisten. Die Unternehmensberatung McKinsey zweifelt 2019 in einer Studie am Erfolg der Technologie in der Praxis. Konkrete Anwendungsbeispiele: Schwedens Liegenschaftsverwaltung will Grundbucheinträge digitalisieren. Haushaltsgeräte könnten eigenhändig nachbestellen (z. B. Waschmaschinen Spülmittel), überschüssige Energie  könnte privat verkauft werden, das Laden von Elektroautos könnte so einfacher werden, der US-Versandhändler Overstock vertreibt Anleihen und Aktien über eine digitale Handelsplattform.

Blockchain - Glossar: 1. Distributed Ledger: Zentral gesteuerte und weltweit verteilte Datenbanksysteme (dezentraliisert). Die Blockchain gehört dazu. 2. Tangle: Transaktionsdaten werden nicht - wie bei der Blockchain - chronologisch hintereinander angeordnet, sondern in einem netzwerkartigen Gewirr (Tangle) mit vielfältigen Knotenpunkten (Nodes). "Miner" fallen hier weg. 3. Smart Contracts: Eine beliebige Transaktion wird automatisch unter der Voraussetzung abgewickelt, dass alle beteiligten Parteien die zuvor in der Blockchain niedergelegten Konditionen erfüllt haben. 4. DApps: dezentralisierte, automatische Apps. Open Source, öffentlich in einer Blockchain gespeichert. 5. DAO (Decentralised Autonomous Organization): Eine neue Form der Organisation, deren Geschäftsordnung, Gesellschaftsvertrag oder Satzung durch einen Smart Contract festgelegt und automatisch ausgeführt wird. 6. ICO: Bei einem Initial Coin Offering (ICO) werden quasi digitale Wertpapiere aufgelegt. 7. Kryptokatze: Eine der erfolgreichsten Anwendungen auf der Blockchain - Plattform Ethereum. Anwender können virtuelle Kätzchen (Cryptokities) züchten und mit ihnen handeln. Vgl. Sommer, Sarah: Vertraut den Daten, in: brand eins 06/18, S. 20ff. Weiterhin ist die Blockchain konsensbasiert, dezentralisiert, sie nutzt Kryptographie, jeder Datensatz ist mit dem vorhergehenden verbunden, Datensätze können nur schwer manipuliert werden, es kann nahezu in Echtzeit aktualisiert und reproduziert werden. 8. Token: Digitale Münze bzw. Schlüssel. Sie wird mithilfe eines Smart Contract erstellt. Bei Ethereum heißen die Münzen ERC20-Token. Ein Token kann verschiedene Funktionen haben: Sollen Eigentümer ihn einsetzen, um Dienstleistungen eines Start-ups zu nutzen, handelt es sich um einen Utility-Token. Soll er Anteile an einem Unternehmen repräsentieren, also einer Aktie gleichkommen, heißt er Equtiy- oder Security-Token und fällt unter die Kontrolle der Finanzaufsicht. 9. Whitepaper: Projektbeschreibung des Start-ups zum ICO. Verbindliche Zahlen fehlen fast immer. Es ist kein Börsenprospekt.

Vorteile und Nachteile der Blockchain und Zukunft: Die Blockchain bietet Chancen für neue Geschäftsmodelle. Sie erhöht die Sicherheit von Transaktionen. Sie führt zu mehr Dokumentensicherheit. Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Sie wird Auswirkungen auf Lieferketten haben. Sie wird einen Peer-to-Peer-Handel begünstigen und zu Börsen führen. Die Blockchain hat auch viele Nachteile: De Rechenaufwand ist riesig und damit auch der Energieverbrauch. Der Stromverbrauch soll 2018 so hoch sein wie der von ganz Österreich. Der US-Ökonom nennt die Blockchain in einem Gutachten für den US-Senat 2018 "die am stärksten überschätzte Technik aller Zeiten". Neue Anwendungen 2018 waren Plattform für Online-Wahlen, Flugschreiber für Drohnen, virtuelle Kryptoschweine für Kinder (Pigzbe), Verwaltung von Lieferketten in der Logistik, Patientendaten in der Medizin.  80% der Projekte sollen aber Betrug sein (Beratungsfirma Satis Group). IBM bastelt an Blockchain namens Hyperledger. Man muss den Institutionen vertrauen, die die Datenbank betrieben. Vor allem bei einer Bedingung für die Blockchain gibt es immer wieder Probleme: Je mehr Teilnehmer sich dem Netzwerk anschließen, desto schwieriger wird der Prozess. Die Abwicklung von Transaktionen lässt sich nicht mehr beschleunigen. Dezentral und sicher alleine reichen nicht.

Blockchain in der Praxis: 1. LAMP - Stromnetz der Zukunft (Landau). 2. Fizzy - Verspätungsabsicherung (Axa). 3. Winding Tree - Verreisen (direkt in Kontakt treten zu Hotels u. a.). 4. Zug - wählen per Blockchain. 5. KodakOne - gesicherte Bildrechte. 6. Metro - Blockchain als Archiv. 7. GAMB - Marktplatz. 8. TradeLens - papierloser Handel. 9. BlockCharge - mobile Steckdose. Die Bundesregierung hat im September 2019 ihre Blockchainstrategie veröffentlicht. Sie beschreibt, wie Wertpapiere und der Euro auf Blockchain-Systeme gebracht und wie Krypto-Assets und Stablecoins künftig reguliert werden können. Die Regelung dürfte Rechtssicherheit und eine solide Rechtsgrundlage schaffen. Vgl. Sandner, Philipp/ Groß, J.: Blockchain-Strategie. Ein wichtiger Schritt, in: Wirtschaftsdienst 2019/11, S. 744f.

Blockchain-Frameworks für den Mittelstand: Offene Blockchains stärken KMU gegen die Konzerne. Viele KMU zögern aber noch. Die bekanntesten Frameworks sind Ethereum, MultiChain, Hyperledger Fabric.

Use Cases für die Blockchain: 1. Regulierte Währung. 2. Transparente Lieferkette. 3. Digital Twins. 4. Transaktionen und Verträge. 5. Digitale Wertpapiere. 6. Zeugnisse.

Vorteile der Blockchain: 1. Sie ist unveränderlich. 2. Die Daten sind bei allen Nodes identisch. 3. Transfers finden nahezu in Echtzeit statt. 5. Jeder Wert lässt sich zweifelsfrei einem Teilnehmer zuordnen. 6. Kryptographie gewährleistet Nachprüfbarkeit und Transparenz. 7. Sämtliche Transaktionen haben vermittelnde Zwischeninstanzen.

Allianzen: Es geht um Standards für Blockchain - Anwendungen. Sie werden geschlossen zwischen internationalen Organisationen, Unternehmen und Softwarespezialisten. 2018 sind die wichtigsten folgende Allianzen: 1. Enterprise Ethereum Alliance (EEA). Sie ist sehr beliebt bei Entwicklern. 2. Hyperledger Netzwerk: Dachorganisation. 3. Trusted IoT Alliance: Bosch und Cisco mit dem Finanzdienstleister BNY Mellon. 4. Deutsche Telekom Blockchain Group: Zusammen mit der Tochter T-Labs. 5. EU-Blockchain. 6. UN-Blockchain.

Globaler "Internet-Computer" auf Blockchain: Eine dezentrale Web-Plattform ermöglicht neuartige Applikationen. Es gibt dazu eine neue Generation von Software. Sie ist quelloffen und "unzerstörbar".  Der Bereich ist sehr forschungsintensiv. Weltweit führend ist die Schweiz. Hier gibt es eine Reihe Unternehmen: Ethereum, zweitstärkste Krypto-Währung. Modum.io. Ist ein Unternehmen in zürich. Es bietet Supply-Chain Intelligence und Automatisierungslösungen an. Seba und Sygnum sin die ersten Kryptobanken mit einer Lizenz der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Polkadot. Verknüpfung von Blockchains über Netzwerkprotokolle. Vgl. Kobylinska, Anna/ Martins, Filipe: Globaler "Internet-Computer" auf Blockchain, in: com!professional 7/2020, S. 36ff.

Shiftschool: Akademie für digitale Transformation und "digital Leadership". Sitz ist Nürnberg. Erste Schule dieser Art in Deutschland.

Machine Learning: Vorreiter in Deutschland beim Einsatz sind die Auto- und Konsumgüterindustrie, die Medienbranche und der IT - Sektor. Die Technik nimmt zu, weil die Datenmengen steigen, die Computer leistungsfähiger werden und die Algorithmen komplexer. Das Hauptproblem bleibt die Datenqualität, wichtig bleibt auch der Datenschutz. Es gibt immer mehr Anbieter von Lösungen (Amazon, Google, Facebook, IBM, Microsoft, Oracle, SAP). 

Big Data: Analytics-Lösungen. In allen Branchen und Unternehmen ein wichtiger Trend. Die Vorteile sind: Effizientere Unternehmensführung. Massenindividualisierung. Intelligentere Produkte. Der Einsatz heute ist bereits bei Versicherungen, im Handel, im Gesundheitswesen. Dem Big Data lassen sich drei Dimensionen zuordnen: Volume (Datenberg), Velocity (enorme Geschwindigkeit), Variety (Vielzahl von Datenquellen). Big Data verursacht drei wesentliche Änderungen: 1. Möglichkeiten der Datenanalyse ohne Grenzen. 2. Bereitschaft zur Unschärfe der Daten. 3. Korrelationen erfahren eine zunehmende Akzeptanz. Vgl. Specht, Philip: Die 50 wichtigsten Themen der Digitalisierung, München 2019, S. 180ff.

Wichtige Messen in der Welt: Am wichtigsten ist die Weltkonferenz für künstliche Intelligenz. Sie findet 2018 in Shanghai statt. China und die USA machen hier die Zukunft unter sich aus. Bis 2030 will China zur globalen  Nummer eins in dem Milliardenmarkt aufsteigen. Die Volksrepublik hat den größten Markt, das Silicon Valley die klügsten Köpfe. Europa ist abgemeldet. Wichtig ist auch die CES: Es ist die Consumer Electronics Show in Las Vegas. Sie wird von der Consumer Technology Association veranstaltet. Der Start 2019 ist am 08.01.2019.

Wichtige Messen in Deutschland: In Deutschland gibt es drei wichtige Messen, die weltweit den Stand der Digitalisierung anzeigen: Die IDA in Berlin, die Cebit in Hannover und die Digital Life Design-Messe in München. Wichtig ist auch die IFA in Berlin. Sie zeigt die neuesten Elektronik-Innovationen. Wichtig ist auch die Sicherheitsfachmesse it-sa in Nürnberg. Sie findet im Oktober statt. Im November ist in Frankfurt die Techweek mit Cloud Expo und B2B Events. Im Oktober findet in Nürnberg die Sicherheitsfachmesse it-sa statt. Hier werden die neuen Security-Trends gezeigt. Die Münchener Konferenz Bits & Pretzels gibt einen guten Überblick über Start-ups in der digitalen Disruption.

Politische Initiativen: Es finden immer wieder Digital - Gipfel statt. Der letzte in Nürnberg am 03.12.2018.

Lobbying: Bitcom, Bundesverband Bitcoin, Eco, Blockchain-Bundesverband, Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), Bundesverband Deutsche Start-ups.

Share Economy (auch Shareconomy oder Sharing Economy): In der Wirtschaft bedeutet dies, dass Gebrauchsgüter nicht mehr nur gekauft und genutzt werden sondern gemeinsam gekauft oder gemeinsam benutzt oder verliehen werden . Das betrifft z. B. Formen der Mobilität (Carsharing) oder das Teilen von Land (Gardensharing), aber auch das Teilen von Musikstücken. Auch bei Software (wo es von umfassenden Paketen zu Teillösungen aus der Cloud geht) gibt es solche Lösungen. Offen ist die Diskussion um ein internationales Nutzungsrecht. Bisher gibt es überwiegend nationale Teillösungen, die für die globalisierte Wirtschaft nicht förderlich sind. Die CeBIT machte „Shareconomy“ 2013 zu ihrem Leitthema und unterstreicht die Zunahme der Bedeutung von Sharing, das sich über Internetplattformen organisiert. Mittlerweile gibt es weiterhin Wohnungssharing, Booksharing, Sharing von Finanzen, Tauschbörsen und Verschenkbörsen. Sharing entwickelt sich zu einem Spezialgebiet in der Ökonomie. Beim Carsharing führt in Deutschland die Stadt Karlsruhe. Sie hat die meisten Carsharing Autos pro Einwohner. Es folgen Stuttgart, Hannover und Frankfurt. Ursprünglich war die Sharing-Economy als Alternative zum Kapitalismus gedacht. Vgl. als eines der ersten Werke "Weitzman, M.: The share economy. Conquering stagflation, Cambridge 1984".  Doch es kommen allmählich die Investoren in dieses Modell: 1. Unternehmen unterlaufen Arbeitsstandards und Rechtsvorschriften (Beispiel "Privatchauffeure über Taxi-App", Uber; wird 2014 aber verboten wegen Verstoß gegen Personenbeförderungsgesetz). 2. Firmen bereichern sich an dem, was andere anbieten (Uber verlangt hohe Vermittlungsgebühr). 3. Es entsteht ein neues Prekariat aus Taglöhnern (Versteigerungsplattforen für Online-Jobs wie TaskRabbit oder oDesk). 4. Die Tauschwirtschaft nützt vor allem denen, die selbst haben und besitzen (Wohnungsvermittlung Airbnb). 5. Aus idealistischen Ideen werden renditeorientierte Geschäftsmodelle (Google). 6. Vertrauen wird ersetzt durch Kontrolle. 7. Menschliche Beziehungen werden zur Ware (vgl. moderne Sklaverei in der Share Economy bei Neue Arbeitsformen/ Arbeitsökonomik). Siehe "Die Zeit", Nr. 27, 26. Juni 2014, S. 212-22. Man muss allerdings sehr genau verfolgen, welche Unternehmen in der Share Economy ein knallhartes Geschäft verfolgen. Airbnb und Uber zum Beispiel wollen Wirtschaftszweige dominieren und auch irgendwann Profit machen ("Teilen und Herrschen"; an Uber sind Großinvestoren wie Goldman Sachs, Benchmark Capital, Google beteiligt). Gegen das Verbot erzwingt Uber (Verstoß gegen das Beförderungsgesetz) eine einstweilige Verfügung. 2015 steht Uber in Deutschland vor dem aus. Der legale Dienst UberX soll gegründet werden. Uber ist 2014 auch in den indischen Markt eingestiegen. Jetzt müssen die traditionellen Rikschas gegen die neuen Taxidienste konkurrieren (in Kalkutta gibt es noch 6000 Rikschas). Uber will auch 2015 in China investieren (1 Mrd. $). Eine abschließende Einschätzung kann es noch nicht geben: Die beiden Extreme lauten letzte Chance  zur Herrschaft über die Produktionsmittel oder gibt sie der solidarischen Gesellschaft den Rest, Vgl. Dieter Schnaas, Teile und habe!, Wirtschaftswoche Nr. 49, 1.12.2014, S. 118). Staat, Gewerkschaften und Verbände verlieren an Macht. Regeln werden als Störfaktor wahrgenommen. Die digitale Sharing Economy beutet Produzenten und Mitarbeiter aus ("besessen vom Kunden"). Der Konsum wird radikal verbilligt (durch die Verbilligung der Arbeit, Arbeit wird ganz schnell prekär, an der Provisionsschraube wird gedreht). Damit könnte ein Niedriglohnbereich bei Akademikern kommen. Es gibt so Ich-Unternehmer (Mikrounternehmer), die nur noch die Sorge um den nächsten Auftrag haben. Der Mikrounternehmer muss ein Gewerbe anmelden, sich selbst versichern (einschließlich Haftpflicht) und alle Verantwortung übernehmen. In den USA gibt es eine beachtliche Dynamik des "clickworking" (Internetnutzer erledigen freiberuflich bestimmte Arbeiten für Unternehmen). Kollaborative Ökonomie im engeren Sinne ist die Vernetzung von Firmen und Einzelpersonen über Internet-Plattformen. Vgl. auch: Eichhorst, W./ Spermann, A.: Sharing Economy: Mehr Chancen als Risiken? in: Wirtschaftsdienst 2016/6, S. 433ff. In diesem Aufsatz geht es um die Frage, ob die Chancen oder  Risiken überwiegen. Im Mittelpunkt stehen Wachstum und Beschäftigung. Behandelt wird auch der Aspekt, ob und wie der Staat regulieren sollte. 2014 bereitet Daimler ein Carsharing-Angebot in China vor. Mitfahrzentralen, deren Idee schon alt ist, gehören auch in diesen Bereich (vgl. etwa: www.blablacar.de, weltgrößter Vermittler von Mitfahrgelegenheiten will in Deutschland Provisionen nehmen, www.mitfahrzentrale.de ).  Marktführer in Deutschland ist Carpooling (will 2015 auch in die USA). 2015 startet Opel eine Carsharing-App für private Autobesitzer. 20.000 Mitarbeiter stellen ihre Autos für Car-Unity bereit. Es gibt immer verrücktere Share-Ideen: Hund teilen, Abendessen teilen, Bett für die Nacht finden. Aber auch durchaus Erfolg versprechende Modelle: Babysachen teilen. Die Bewertung der Share -Unternehmen an der Börse ist eher abenteuerlich: Airbnb soll 20 Mrd. $ wert sein; Uber 40 Mrd. $. Das deutet doch stark auf Blase und Crash hin (zuviel Geld gedruckt!). Den Deutschland gibt es bei Taxis noch den Internet - Dienstleister "Mytaxi". Er gehört mittlerweile zu Daimler. Er darf 2016 keine Rabatte mehr anbieten. "Ich bin mit Leib und Seele Unternehmer. Ich will Ideen verwirklichen. Es geht nicht ums Geld", Travis Kalanick, Chef des Taxidienstes Uber 2015.

Ökonomie des Teilens (teilen statt haben, nutzen statt besitzen; teile und leide): Eigentlich nur deutsche Übersetzung des vorherigen Abschnitts. Aber es soll auf einige Spezialaspekte eingegangen werden. Die Hoffnungen dieser Ökonomie sind damit verbunden, bestehende Kapazitäten besser auszunutzen (Autos, Wohnungen, Werkzeuge, Haushaltsgeräte) und entsprechend Ressourcen schonend zu wirken (Fixkosten können umgelegt werden bei geringen variablen Kosten; im Extremfall Grenzkosten gleich Null). Die Konzeption insgesamt umfasst Reparieren statt Verwenden, Leihen, Tauschen statt Teilen, Tauschringe, Verschenken. Die Organisation der Transaktionen erfolgt mittels Informationstechnologie (Plattformunternehmer). Investoren können Organisationsrenten nutzen (allokative und distributive Eigentumswirkungen werden vernachlässigt). Stark diskutiert wird die Frage, ob hinter dem Modell mehr Markt oder mehr Gemeinschaft (z. B. Genossenschaft) steckt. Geteilt werden kann auch zwischen Unternehmen, nicht nur zwischen Privatpersonen. Offen ist noch, wann eine Regulierung notwendig ist. Das Teilen kann kostenlos oder kostenpflichtig sein (dann ist noch mieten möglich). Interessant ist, welche Motive und Struktur die Nachfrager haben (grün?, urban?). Gesamtwirtschaftlich erhoffen sich Viele, dass so das Wachstumsparadigma gerettet werden kann.  Vgl. Ökonomie des Teilens - nachhaltig und innovativ?, in: Wirtschaftsdienst 2015/ 2, S. 87ff. Einige Formen der Sharing Economy täuschen auch einen Mythos vor: Uber (Taxivermittlung) und Airbnb (Vermietung) und einige andere bekannte Firmen sind keine IT-Firmen. Sie stützen nur  ihr Kerngeschäft über Web und App (Plattformunternehmer; hohe Provision für die Vermittlung, keine Verantwortung). In gewisser Weise ist das eine spezielle neue Form der Sharing Economy. Bei der Vermietung unterlaufen professionelle Vermieter das Modell, indem sie reihenweise Wohnungen aufkaufen. Uber bekämpft im Grunde genommen regionale Monopolisten. Also liegt das Gegenteil von dem vor, was das Marketing suggeriert. Die "Old Economy" kehrt in anderem Gewand zurück (Hartmut Wies: Uber, Airbnb & Co als New Economy, in: com!professional, 3/ 2015, S. 12). Die Netzriesen drohen die Spielregeln der Sharing-Economy zu bestimmen, weil sich Netzgemeinde, Ökologiebewegung und andere damit zurückhalten. Vgl. als grundlegende Literatur: Botsman, R./ Rochers, R., What´s mine is yours: the rise of Collaborative Consumption, New York (2010, London 2011; sie sprechen von vier Gebieten: kollaborativer Konsum, kollaborative Finanzwirtschaft, kollaborative Produktion, kollaborative Bildung); Gansky, L. The Mesh, New York 2010.   "Auch in der digitalen Welt wollen Menschen Geld verdienen", Margarethe Vestager, Dänemark, EU-Wettbewerbskommissarin. Vgl. Quishare.de ; lets-share.de ; tauschring.de . Sehr stark auf Teilen setzt die Regierung in China. Weil die Städte im Smog versinken, werden neue Mobilitätskonzepte und E-Autos weiterentwickelt. Diese Ideen werden mit Teilen verbunden. Sehr stark expandiert (mit auch negativen Folgen) ist das Sharing bei Fahrrädern.

Sharing beim Konsum (kollaborativer Konsum; Teilen statt Haben): Teilen von Konsum statt Dinge als Eigentum zu nutzen. Dadurch Ende des Konsumterrors und Lösung weltweiter Umweltprobleme, da viel weniger Produktion. Das ganz private Teilen kann Ausdruck von Mitgefühl, Vertrauen, Sympathie und Freundschaft sein. Es handelt sich um einen neuen Lebensstil: Reparieren statt wieder verwenden, leihen, Tauschen und Teilen, Tauschringe und Verschenken. Viele Erscheinungsformen sind allerdings getragen von Renditeerwartungen. Hierbei wird die "alte" Ökonomie mit dem Internet verknüpft. Vgl. dazu: kokonsum.org ; Freecycle.org ; utopia.de . Insbesondere drei Aspekte müssen beachtet werden: 1. Welches Arbeitsmodell steckt hinter dem Teilen (z. B. Klickworking, Gig-Economy, Arbeitssklaven)? 2. Wie wird Vertrauen erzeugt und überwacht (insbesondere in P2P-Plattformen)? 3. Ist Teilen wirklich nachhaltiger (Carsharing auch bei Haushalten, die schon mehrere Autos haben)?. Nach neuesten Forschungen hängt der Tauscherfolg von drei Kriterien ab: 1. Die Objekte sollten relativ teuer sein. 2. Der Gebrauch ist nur sporadisch. 3. Der Zeitpunkt der Nutzung ist planbar. Also sind Brautkleid und Smoking positive Beispiele. Ein Fußball ist ein negatives Beispiel. Horton/ Zeckhauser: Peer-to-Peer Rental Markets. Some Thougts on the "Sharing Economy", http//john-joseph-horton.com/papers/sharing.pdf . Teile des Wirtschaftslebens wandern von den Märkten ab: Der Konsument ist zugleich Produzent ("Prosument"). Kollaborativer Konsum im engsten Sinne ist die Vernetzung von Einzelpersonen und Unternehmen über Plattformen.

Peer-to-Peer-Ansatz: Im Internet der Dinge werden Millionen Transaktionen generiert. Verteilte Sensoren tragen die Informationen zusammen. Das können zentralisierte Transaktionsmodelle nicht schaffen. Man benötigt dafür die Blockchain.

Selbstproduktion (Selbermachen und Selbstbedienung; meist dient Peer - Produktion als Oberbegriff): Restaurants, Banken oder Flughäfen sowie Konsumgüteranbieter animieren zur Selbstbedienung und Selbstproduktion. Sie nutzen den Effekt, dass sich die Menschen dabei besser fühlen. Automaten geben die Illusion, dass man selbst Sinnvolles erledigen kann und keine Zeit verschwenden muss. In der Produktion gibt es das "tailoring". Man kann sich online ein Produkt selbst zusammenstellen und hat dann das Gefühl etwas einigartiges zu haben. Beziehungen zwischen Menschen werden so durch Automaten ersetzt. Aufmerksamkeit und Höflichkeit sind entbehrlich. Oberflächliche Verbindungen ersetzen die menschliche Kommunikation. Die Frage ist, ob dadurch unser Leben nicht unglücklicher wird. Eine wichtige Frage ist auch, ob Nutzer, wenn sie eine große Eigenleistung vollbringen, nicht bezahlt werden sollten. Besteht eine Möglichkeit, dafür eine Grenze zu bestimmen? Ein interessantes Experiment ist das Scannen von Artikeln, die man im Supermarkt kauft. Damit wird letztendlich das Kassenpersonal eingespart. Der Kunde hat zwei Vorteile: Er achtet mehr auf den Preis. Er kann Schlangen an den Kassen umgehen. Die Frage ist aber, on die Selbstproduktion sich wirklich für den Kunden lohnt? Der Web-Erfinder Tim Berners-Lee will einen Ausweg schaffen mit der Plattform "Solid". Dahinter baut er auch die Firma Inrupt auf. Ziel ist es, dass die Nutzer volle Transparenz und Kontrolle über ihre Daten behalten.

Open Source: Einsatz quelloffener Software. Die Freiheit des Nutzers steht im Vordergrund. Anwendungen aus der Public Domain sind kostenlos und dürfen uneingeschränkt kopiert oder verändert werden. Rund ein Drittel der deutschen Unternehmen nutzt Open Source für Container-, Big - Data- und Cloud-Anwendungen. Open-source-Organsationen sind etwa Linux Foundation, Open Software Initiative (OSI), Open Invention Network OIN), Free Software Foundation (FSF), Organization for the Advancement of Structured Information Standards /OASIS). Fünf Prinzipien sind wichtig: 1. Offenheit. 2. Zusammenarbeit. 3. Meritokratie. 4. Gemeinschaft. 5. Kurze Rellease-Zyklen. Vgl. Thomas Hafen: Open Source als Motor der Digitalisierung, in: com!professional 3/2020, S. 14ff.

Künstliche Intelligenz (KI) als Produktionsfaktor: Um 16,7% soll die deutsche Wirtschaft durch Einsatz von KI bis 2030 wachsen. KI verändert Geschäftsmodelle und ist Treiber einer neuen industriellen Revolution. KI basiert auf einer Vielzahl von Teildisziplinen. Dazu gehören etwa Textmining, Clustering und maschinelles Sehen.  Die Wertschöpfung wird sich verändern. Einige Beispiele seien genannt: Operative Effizienz, Einkauf, Service, Vertragswesen, Selbstlernende Robotik, Personalisierung, Bilderkennung, Objektwahrnehmung, Betrugsbekämpfung, Materialwirtschaft und Werkstofftechnik. Vgl. O. V.: Künstliche Intelligenz als Produktionsfaktor, in: com! professional 1/2019, S. 22ff.

Null-Grenzkosten-Phänomen: Die Produktion und Verteilung eines Produktes an einen weiteren Nutzer kostet so gut wie nichts. Unter Druck ist besonders die Informationsgüterindustrie mit Datentausch, Musik und Videos. Neuerdings gibt es auch Online - Massenvorlesungen (MOOCs). Das könnte zu einem System kollaborativer Gemeingüter werden (Jeremy Rifkin, vgl. Die Zeit, 4.12.14, Nr. 50, S.23). Im Mittelpunkt steht das "Internet der Dinge", das dreigeteilt ist: Kommunikationsnetz, Energienetz, Transportnetz.

Informationsgüter: Ein Informationsgut ist ein Gut, bei dem der Wert aus der Information resultiert, die das Gut enthält. Informationsgüter haben eine wachsende Bedeutung für die Volkswirtschaften. Informationsgüter haben geringe Grenzkosten und hohe Fixkosten. Durch die Schaffung temporärer Monopole können Patente und Urheberrechte die Produktion erleichtern. Informationsgüter haben häufig Netzwerk - Externalität.  Der Wert eines Gutes ist für ein Individuum größer, wenn eine große Anzahl anderer Individuen ebenfalls dieses Gut verwendet. Deshalb treten auch häufig positive Rückkopplungseffekte auf. Vgl. Krugman, P./Wells, R.: Volkswirtschaftslehre, Stuttgart 2010, S. 685ff.

Digitale Ökonomie: Machtkonzentration und Totalitarismus durch die Digitalisierung: In der Internetökonomie liegt eine große Gefahr, das Private abzuschaffen und Menschen effektiv zu kontrollieren. Am Anfang steht oft Freiwilligkeit (wie in der Share Economy), dann kommt Profit in der Regel durch Werbung und am Ende Machtakkumulation (alle Informationen über das soziale Leben). Teilweise erhöhen Unternehmen mit diesen Informationen den Druck auf die Menschen (z. B. wenn Versicherungen einen Bonus zahlen, wenn man sein Verhalten kontrollieren lässt). Die Internetunternehmen versuchen auch, an immer jüngere Nutzer heranzukommen. Ein Beispiel ist die Streaming-Plattform "YouNow". Danach muss sich auch die Wettbewerbspolitik neu ausrichten. Sicher gilt in der digitalen Ökonomie zwei Gesetzmäßigkeiten: 1. Information entwickelt sich zum wichtigsten Rohstoff zur Welterschließung ("Informationskapitalismus" löst den "Finanzkapitalismus" ab). 2. Der Mensch selbst wird zur Information und zum Rohstoff. Die Rolle de Menschen verändert sich: Er ist gleichzeitig Datenkonsument und Datenproduzent (große Gefahr der modernen Sklaverei). Er lässt sich aber auch zurichten (Empfehlungen von Streaming - Diensten, Follower). Monopole, insbesondere die aus dem Silicon Valley, gewinnen an Bedeutung (sie werden als Garant des Fortschritts beworben). In der Preisbildung wird das Image immer wichtiger (Beispiel Apple: macht den Preis nicht der Markt). Informationsdienste - etwa Google - streben eigentlich die Integration aller Marktzugänge an. Digital-industrielle Komplexe ersetzen die Gesetze von Angebot und Nachfrage. Vgl. Douglas Rushkoff, Present Shock, Orange Press, 2015; Yvonne Hofstetter, Sie wissen alles, 2015. Deutschland und Europa haben fast kein Internetunternehmen unter den Top 20 der Welt (SAP Ausnahme). Damit fehlt die Schnittstelle in der Wertschöpfung. Die digitale Ökonomie besteht aus mindestens folgenden Bausteinen: Produktion 4.0, Internet der Dinge (kommunizierende Geräte), digitale Transformation (vor allem Dienstleister mit Plattformen), Breitbandausbau. Sie beeinflusst insbesondere folgende Branchen (Rangfolge): Technologie, Medien/ Unterhaltung, Handel, Finanzen, Telekom, Bildung, Gastgewerbe, Fertigung, Gesundheit. Eigentum geht auch in der digitalen Ökonomie nicht verloren. Es bleibt vor allem als eine mentale Ressource. Teile des Wirtschaftslebens wandern von den Märkten ab: Der Konsument ist zugleich Produzent ("Prosument"). Vielleicht lässt sich erst viel später erkennen (50 Jahre), wohin die Basistechnologie Internet führt. Bis der Massenmarkt erreicht ist, dauert es etwa so lange (Anfang des Digitalzeitalters?).  Im internationalen Vergleich ist die deutsche Digital-Wirtschaft nur Mittelmaß. Sie hat großen Nachholbedarf (Studie von TNS Infratest und ZEW 2015). "Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen, was du denkst", Alphabet-Chairman Eric Schmidt (Google). "Wir erfüllen eine soziale Mission, indem wir die Welt offener, vernetzter und transparenter machen", Facebook-Chef Mark Zuckerberg 2015. Mehrere IT-Größen gründen 2016 eine Stiftung für Digitalisierung (Internet Economy Foundation). Digitale Stadt wird 2017 Darmstadt. Es handelt sich um einen Wettbewerb des Brachenverbandes Bitcom. Unternehmen sponsern den Sieger. In Ludwigshafen findet am 12. und 13.06.2017 der Digitalgipfel statt. Es handelt sich um ein Forum aller Beteiligten (Unternehmen, Regierung, Kommunen, Verbände).

Virtuelle Ökonomie durch NFT (Non-fungible Tokens): Auf Basis einer neuen Blockchain - Technologie erfährt der digitale Kapitalismus ein neues Update. Kunstwerke, Musik, Gaming, Mode und Immobilien werden zu digitalen Unikaten. Einzigartigkeit wird behauptet.  Ein Bild von Mike Winkelmann kann für 69 mio $ verkauft werden durch Christie`s (Everydays - The First 5000 Days).

Plattform - Kapitalismus (als neues Geschäftsmodell): Dies ist eine weitere Bezeichnung für die Sharing Economy oder die digitale Ökonomie. Hier geht es speziell um Online-Plattformen. Sie ändern rapide den Büroalltag. Einerseits schaffen sie große Freiheiten, andererseits führen sie zu neuen Abhängigkeiten. Sie revolutionieren Märkte wie z. B. den Wohnungsmarkt (Airbnb) oder Taximarkt (Uber). Sie bringen auf dem Arbeitsmarkt direkt Arbeitnehmer und Auftraggeber zusammen (Upwork in den USA, Freelancer in Australien). Arbeitnehmer werden so von angestellten zu Freiberuflern. Wer via Plattform arbeitet konkurriert mit Millionen anderer Anbieter. Das dereguliert radikal den Arbeitsmarkt. Scheinbar hohe Stundenlöhne relativieren sich dadurch, dass man sich selbst für Alle versichern muss und oft noch die Ausrüstung stellt. Die Ratings geben den Plattformen noch mehr Macht. Vgl. O. V. : Immer auf Abruf, in: Wirtschaftswoche 29.7.16, S. 87ff. Die meisten Plattformfirmen kommen aus den USA. Sie dominieren die Weltwirtschaft. Es werden zunehmend Klagen laut, dass die ganz großen Plattformen ihre Marktmacht missbrauchen und Wettbewerber mit unlauteren Methoden zurückdrängen. Der Konsument wird zum User degradiert (nicht mehr Besitzer). Bei der Software wird er nur zum Lizenznehmer. Damit werden Eigentumsrechte reduziert. Viele Plattformen arbeiten nach dem Prinzip "The winner takes it all". Das Bundeswirtschaftsministerium hat zwei interessante und wichtige Unterlagen zu Plattformen herausgegeben: Das Grünbuch Digitale Plattformen. Das Weißbuch "Digitale Plattformen: digitale Ordnungspolitik für Wachstum, Innovation, Wettbewerb und Teilhabe".

Vergleichsportale: Bewertungen in Vergleichsportalen sind in vielen Fällen manipuliert. Verbraucherschützer fordern schon lange Mindeststandards. Dabei müsste es eine staatliche Regulierung geben. Ein Problem besteht darin, das Algorithmen geheim bleiben sollen. So kommt es zu einer paradoxen Folge: Die Markttransparenz nimmt durch Vergleichsportale ab. Sie haben auch eine wachsende Macht. Bekannte Vergleichsportale sind Check24 und Verivox. Verschiedene Fallen sollte man bedanken: 1. Listenplätze sind käuflich. 2. Es gibt versteckte Werbung. 3. Bestimmte Anbieter fehlen. 4. Wer gehört zu wem? 5. Falsche Angaben (die nicht geprüft werden). 6. Verbraucherschutz ist nicht gewährleistet. Die SPD und die Verbraucherverbände wollen 2019 dem Kartellamt mehr Kompetenzen im Kampf gegen die verbraucherunfreundlichen Vergleichsportale geben.

Verbesserungen in Europa, um Technologieplattformen aufzubauen: 1. Die EU muss einheitlicher werden. Verschiedene Sprachen, viele Verbraucherschutzbestimmungen, unterschiedliches Steuerrecht wirken als Barriere. Da haben es die USA und China einfacher. 2. Die Finanzierungsmöglichkeiten müssen verbessert werden. Es fehlt vor allem Venture Capital. 3. Die einzigen Computer - Science - Fakultäten in der EU sind in GB, das aber evtl. die EU verlässt.

Wettlauf der Weltmächte bei der Künstlichen Intelligenz: Wer bei dieser Zukunftstechnologie vorne liegt, kann Standards festlegen und die Entwicklungen der nächsten Jahre bestimmen. Die USA sind noch der Spitzenreiter, insbesondere das Silicon Valley. China hat einen Masterplan, der bis 2030 China an die Spitze bringen soll. Europa baut auf seine Forschungszentren. Weiterhin mischen Japan, Indien, Süd-Korea und Israel mit. "I believe there is something out there watching us. Unfortunatly, it`s the government", Woody Allen.

Digitaler Eiserner Vorhang: Der Begriff stammt vom ehemaligen US-Finanzminister Hank Paulson. Gemeint ist die Aufspaltung der Welt in eine westliche und eine chinesische Einflusszone. Man spricht auch von einem "kalten Technologiekrieg". Die Sanktionen der US-Regierung im Mai 2019 gegen Huawei aus China verstärken diese Diskussion. Zugang zum chinesischen Markt erhält nur, wer den Chinesen Einblick in Patente und geistiges Eigentum gewährt. Die USA wollen diese Strategie nicht länger akzeptieren. Huawei ist mittlerweile führend bei der 5G-Netztechnik. Ericson oder Nokia in Europa könnten dies auch, sind aber viel teurer. So entsteht auch eine Diskussion, ob Europa nicht anstreben muss, unabhängig von den Blöcken zu werden (eigenes Handy - Betriebsystem, eigene Suchmaschine, eigene Rating - Agentur,  eigenes Zahlungssystem usw.)

Flixmobility als gutes Beispiel: Das ist die Dachgesellschaft von Flixbus mit Sitz in München. Es ist einige der wenigen deutschen Plattformen, die konkurrenzfähig sind. Sie können so zu niedrigsten Kosten ihr Unternehmen ausdehnen. Das Unternehmen ist sehr erfolgreich in Europa und will auch in die USA expandieren. Gründer waren Krauss, Engert und Schwämmlein. Seit Ende 2016 ist Silver Lake Partners als Investor mit an Bord.

Datenökonomie: Wie kann man gute Daten von schlechten Daten unterscheiden? Im Netz gibt es vieles umsonst - aber nur gegen Informationen. Daten sind zum entscheidenden Produktionsmittel geworden. Ohne Vertrauen in Datenschutz funktioniert diese Ökonomie nicht. Chancen dieser Ökonomie sind, wenn Produkte besser, individueller und passender werden. Die Risiken liegen darin, dass Dinge ohne Plan und System entstehen und die Gefahren zu spät sichtbar werden. Vgl. A. Wambach/ H.-C- Müller: Digitaler Wohlstand, New York/ Frankfurt 2018, S. 77ff.

Netzwerkeffekte digitaler Monopole: Daraus resultiert die Monopolstellung, die relativ schnell erlangt werden kann. Das ist auch vom Kunden ausdrücklich erwünscht. Je mehr Kunden ein Internetportal hat, desto besser ist meist die Qualität (Beispiel Suchmaschine von Google). Portale, die kaum Kunden haben, will der Konsument nicht. Mit der Zahl der Nutzer steigen auch die Werbemöglichkeit und die Einnahmen. Diese Monopole sind allerdings auch latent instabil, weil die Technik rapide voran geht. Die geringere Kapitalintensität erhöht die Angreifbarkeit. Andererseits erlaubt die Marktdominanz immer höhere Gewinne (vgl. Uni Harvard: The Fall of the Labor Share and the Rise of Superstar Firms, 2017). Es steigt auch die Intransparenz (die Firmen hüten ihre Big Data wie Augäpfel). Die Marktmacht der digitalen Monopole ist so lange keine Bedrohung, wenn sie immer noch angreifbar sind. Ein Wandel kündigt sich bei der Verantwortung für die Inhalte an. Hier lernen Staaten und die Digitalkonzerne.

Die Facebook-Kurve: Hier wird nach dem Konzern ein Phänomen der Internetwirtschaft benannt. Ist ein Digitalkonzern erst mal in Führung, wächst sein Geschäft immer schneller. Je mehr Nutzer in einem sozialen Netzwerk unterwegs sind, desto interessanter wird es für andere Nutzer. So explodiert der Wert von Internetnetzwerken (als erstens vom MIT-Forscher Robert Metcalfe entdeckt; von Brian Athur weiterentwickelt). Wachstum schafft immer mehr Wachstum.

Ökonomische Theorie sozialer Medien: Likes, Retweeds und Followerzahlen von Facebook, Twitter und Instagram prägen die Kommunikation moderner Gesellschaften. Diese Größen stehen auch für Wert, der produziert wurde. Passmann vertritt die These, dass die Social-Media-Plattformen Kopf und Zahl einer Person symbolisieren. Anerkannt würde nicht bloß der Wert einer Währung, sondern anerkannt wird mein Post oder mein Account von der spezifischen Person, die mich und meine Postings likt. Die Anerkennung ist der Kopf, die Zahl der Verkehrswert. Wenn man aber nur schreibt, um Likes abzusahnen, ist man fremd gesteuert. Ab einem bestimmten Punkt ist es deshalb sinnvoll, seine Position durchzuhalten. Man muss natürlich auch fragen, was sind das für Medien und was ist ihre Funktion.  Vgl. Passmann, Johannes: Die soziale Logik des Likes, Frankfurt/ New York 2018.

Negative Folgen sozialer Medien: 1. Stammesdenken oder Gang-Mentalität: Rückzug in die digitale Filterblase, in die moralisch homogene Gruppe, die sich gegenüber dem Feind abgrenzt. 2. Einfluss auf die Psyche: Junge Männe werden durch die sozialen Medien aggressiver, junge Frauen eher depressiver. 3. Wenn die Plattformen zivilisiert werden (Desinformationen abwehren) steigt gleichzeitig ihre Macht weiter. 4. Die sozialen Medien wirken wie eine Manipulationsmaschine: Sie verkaufen die Aufmerksamkeit und die Daten ihrer Nutzer an Werbetreibende und andere Propagandisten (Jaron Lanier).

Theorie der digitalen Gesellschaft: Die Gesellschaft wird nicht nur von Individuen geprägt, sondern auch von Mustern, denen die Datenverarbeitung überhaupt erst Informationen entlocken kann. Das besondere der digitalen Technologie ist deshalb: Sie kann permanent verdoppeln, was schon da ist. Und sie kann Informationen kombinieren, um Wert aus ihnen zu schöpfen. Komplexe Computer verarbeiten einfache Daten. Armin Nassehi: Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft, München (Beck) 2019. Der moderne Mensch hat Angst vor dem Verlust der Autonomie. Digitalisierung besetzt die Gesellschaft und unterwirft sie einem unsichtbaren Mechanismus. Es entstehen digitale Muster. Die Selbstbestimmung wird desillusioniert. Vgl. auch: Kritik in Der Spiegel 36/ 31.8.2019, S. 109.

Monopoleigenschaften, die den Markteintritt neuer Unternehmen verhindern: Apple, Google und Facebook verfügen über riesige Datenmengen. Feedback-Effekte verbessern ständig die Systeme. Damit können sie ihre Service-Qualität auf einem hohen Niveau halten und verhindern Konkurrenten. Ein neues Kartellrecht müsste weltweit gelten. Es müsste eine "progressive Daten - Sharing - Pflicht" enthalten. Die Bundesregierung will 218 des Kartellrecht für Internetkonzerne verschärfen: Firmenkäufe verbieten, Aufkaufen von Start-ups schwieriger, Datenzugang für andere verbessern, Prüfung bereits auf dem Weg zur Marktbeherrschung.

Neurokapitalismus (Gehirn-Maschine-Schnittstelle): Technische Updates fürs Gehirn. Gehirnfähigkeiten, die den Fähigkeiten von Computern ähneln. Die Frage ist, wenn das Gehirn irgendwann in seiner gesamten Komplexität simuliert werden kann. Erste Geschäftsmodelle gehen in die Medizin. Bei Konsumenten allgemein dürfte es noch lange dauern, erste Ansätze gibt es bei Gedächnisstörungen. Man spricht bei Menschen, die mit Chips verbunden sind, von Cyborgs.  Facebook will etwa erreichen, dass man Nachrichten in Smartphone denken kann. Querschnittsgelähmte Patienten haben implantierte Chips im Gehirn, Körperteile lenken sollen.

Homo ludens: Der durch das Spiel sich entwickelnde Mensch. Diese Sichtweise ist nicht neu (Schiller: "der Mensch ist nur ganz Mensch, wo er spielt"). Die Digitalisierung fördert dieses Menschenbild wieder. Dahinter steckt die Vorstellung, das Spielen die primäre Kulturtechnik ist und er wichtigste Grund für Gesellschaften (das wusste schon Niklas Luhmann:  Art der Kommunikation). Heute spricht man von einer Weltgesellschaft, die in ihrer Komplexität noch nicht ausreichend erforscht ist. Das Spielerische in der digitalen Welt kann motivieren. Man spricht auch von einem Trend zur "Gamifizierung". Vgl. Manouchehr Shamsrizi, Interview in: bdvb aktuell, Nr. 137, S. 6f.

Gamefication: Anwendung spieltypischer Elemente in einem spielfremden Kontext. Die Videospiele haben Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse. Sie spielen eine große Rolle beim Lernen bestimmter Berufe (Feuerwehr, Polizei, Militär, Medizin). Der Lernerfolg ist dadurch in der Regel nicht größer, aber das Lernen macht mehr Spaß und geht schneller.

Wertschöpfungsketten: Es entstehen neue Ketten und Werte. Ebenso integrierte Geschäftsprozesse. Beschränkungen hängen von den finanziellen Ressourcen der Nutzer ab, von den Zeitressourcen und der Akzeptanz des Mediums. Der Nutzen der einzelnen Kunden hängt zusammen (positive Rückkopplung). Weitere Merkmale der Internetökonomie: Neuartige Kostenfunktionen (niedrige Grenzkosten) kommen hinzu. Dazu gehören auch spezielle Zahlungsmittel wie etwa Bitcoin (vgl. den Abschnitt "Geldpolitik"). Vgl. Harald Meisner: Finanzwirtschaft in der Internetökonomie, Wiesbaden 2017, S. 9ff.

Virtuelle Betriebsstätte und die "Konsumentenorientierung" der internationalen Besteuerung: Das internationale Steuerrecht muss an Herausforderungen der digitalen Ökonomie angepasst werden. Die EU hat etwa 2017 eine umsatzbasierte Ausgleichssteuer vorgeschlagen. Damit wird der Betriebsstättenbegriff in Richtung "digitale Betriebstätte" weiterentwickelt. Weiterhin müsste die Besteuerung der Unternehmen künftig stärker am Standort des Konsums orientiert sein (Bestimmungslandprinzip).

E-Business: E-Communication, E-Entertainment, E-Education, E-Commerce, E-Collaboration.

Smart City: Entwicklungskonzepte, die die Stadt effizienter, fortschrittlicher, ökologischer und sozial inklusiver gestalten. Dazu gehören als Bausteine bzw. Ebenen  Smart Ecomomy, Smart People, Smart Governance, Smart Mobility, Smart Governance,  Smart Environment, Smart Living. Akteure der Wirtschaft wie IBM, Siemens, Cisco Systems, Vattenfall sind an internationalen Projekten beteiligt. Es werden Netzwerke gebildet ("Internet of Everything"), die den Sektor Wirtschaft in den Städten produktiver machen sollen. Im Bereich von Governance (Politik, Verwaltung) gibt es Fördermittel im EU-Programm Horizont 2020. Geförderte Städte sind Kopenhagen, Amsterdam, Wien und Berlin. Häufig sind Hochschulen mit eingebunden (z. B. Barcelona). Häufig ist der Sharing - Gedanke enthalten. Man spricht von Urban Commons" (E. Oström). Ideen der Kreislaufwirtschaft (Thünen) sollen die Nachhaltigkeit erhöhen. Mobile Verkehrskonzepte (Mobile App) sollen Umwelt und Energie schonen. Die Kritik geht Richtung Social Scoring und Manipulierung der Menschen durch perfektes Marketing. Vgl. Wikipedia - Artikel.

Intelligente Kameras: Sie arbeiten auch mit Algorithmen. Sie können automatisch bestimmte Konfliktfälle erkennen, bei denen die Polizei eingreifen sollte. Ein Versuch findet vor dem Hauptbahnhof in Mannheim statt.

Digitaler Behördengang: Die Behörden schaffen ein Dienstleistungsangebot (ab 2022).  Es soll drei Portale geben: Portal des Bundes, Portale der Länder, Portale der Kommunen. Sie sollen intelligent verknüpft werden. Später sollen Konten für Bürger und Unternehmen geschaffen werden. Sie sollen eine sichere Authentifizierung erlauben.

Digtal - Kommissar der EU: Zuständig für die digitale Wirtschaft in der EU (Wettbewerb, Cyber-Sicherheit, Fake News u. a.). Seit August 2017 ist die Bulgarin Marija Gabriel neue Kommissarin (Nachfolgerin von Günther Oettinger).

Big Data in der Zukunft: In China entsteht ab 2017 eine Big-Data-Diktatur. Das könnte ein Zukunftsmodell auch für andere Länder sein. Die Aktivitäten der Bürger werden lückenlos durch Datenspeicherung und Gesichtserkennung überwacht. Jeder Bürger bekommt ein Punktekonto zugewiesen. Es ist ein Sozialkreditesystem. Bewertet werden Aufrichtigkeit positiv und Gesellschaft schädigendes Verhalten negativ. Unter 555 Punkte wird es kritisch. Mit möglichst viele Punkten hat man Vorteile bei Krediten, Schulen u. a. Vgl. Assheuer, T.: Die Big-Data-Diktatur, in: FAZ, Nr. 49, 30. Nov. 2017, S. 47.

Big Data und Nudging: Nudging erfolgt immer öfter auf der Basis von Big-Data-Analysen. Differenzierte Untersuchungen fehlen bisher. Es ist eine Kombination von "Sehen" und "Lenken". Ganz gut kann man das am Beispiel intelligenter Stromzähler sehen. datengestützte Beobachtung und subtile Beeinflussung greifen ineinander. Vgl. Irgmaier, F./ Ulbricht, L: Big Data und Nudging, in: WZB Mitteilungen, H. 158, 2017, s. 15ff.

Macht sozialer Netzwerke: Nutzerdaten sind die Basis des Geschäftsmodells. Sie können aber leicht missbraucht werden. Die Frage ist, wer den Zugang bekommt. Netzwerke tragen politisch zur Polarisierung bei. Sie können die Demokratie gefährden. Netzwerkausfälle können dramatische Folgen haben. Vgl. von Niall Ferguson, The Square and the Tower, 2017 und sein Artikel bzw. Interview in Die Zeit, Nr. 53, 20.12.17, S. 24.

Social - Media: Jaron Lanier, einer der Internet-Pioniere, kritisiert 2018 die Social - Media - Konzerne massiv. Er rät dazu die Accounts zu löschen. Er spricht auch auf der Cebit 2018 in Hannover. Er argumentiert mit folgenden Punkten ( www.jasonlanier.com ; "Delete your accounts", in Deutsch bei Hoffmann und Campe): 1. Du verlierst deinen freien Willen. 2. Social Media macht dich zum Arschloch. 3.  Social Media untergräbt die Wahrheit. 4. Social Media macht das, was du sagst, bedeutungslos. 5. Social Media tötet dein Mitgefühl. 6. Social Media macht dich unglücklich. 7. Social Media fördert prekäre Arbeitsverhältnisse. 8. Social Media macht Politik schwerer. 9. Social Media hasst deine Seele. 10. "Bummer": Wahrscheinlichkeit wird zur Gewissheit.

IT - Standorte/ Internettech - Nationen: Die Weltführung hat noch (2017) die USA. Zweitwichtigster Standort ist China, das Europa überholt hat. Bei mobilen Bezahlvorgängen ist China schon weit an der Spitze (790 Mrd. $ 2016 gegenüber 74 Mrd. $ in den USA). Bei der Zahl der Unicorns (Start-up mit über einer Milliarde Dollar Unternehmenswert) führen die USA noch knapp vor China (397 Mrd. $, 380 Mrd. $).

Institute für Digitalisierung: Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft. Einstein Center Digital Future. Berlin Open Lab. Agentur "Torben, Lucie und die Gelbe Gefahr".

Nutzung des Internet: Rangfolge nach Häufigkeit (Quelle ARD/ ZDF 2016): 1. Kommunikation. 2. Medien. 3. Informationssuche. 4. Spielen. 5. Transaktionen.

Rechenzentren: Data - Center sind dei logistische Drehscheibe der Globalisierung. In Deutschland gibt es 2020 ca. 53.000 Rechenzentren. Diese haben etwa zwei Millionen Server. Es wächst der Stromhunger, vor allem von Cloud-Data-Centern.

Paradoxon der digitalen (Un-) Produktivität: Digitalisierung allein reicht nicht aus. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, darf die Industrie auch Investitionen in Sachanlagen nicht vergessen. Die Digitalisierung ineffizienter Prozesse hat ineffiziente digitale Prozesse zur Folge. Das Produktivitätsniveau von 2021 entspricht dem von 2011. Vgl. Horn, Alexander: Das Paradoxon der digitalen (Un-) Produktivität, in: WiWo 24/11.6.21, S. 41.

 

Die wichtigsten globalen digitalen Unternehmen und ihre Strategien (China, USA,  Japan, Deutschland, Russland, Indien u. a.) sowie Wettbewerb (auch IT-Zentren, Macht):

"Es gibt mehr Ding` im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt", William Shakespeare, Hamlet.

GAFA und BAT als Quasi-Monopole: Mit GAFA sind Google, Amazon, Facebook und Apple gemeint. Sie machen die wertvollsten Unternehmen der Welt aus und sind die mächtigsten Unternehmen in der westlichen Internetökonomie. Mit BAT sind die chinesischen Technologieriesen Baudu (Suchmaschine), Alibaba (Internethändler) und Tencent (Soziale Netzwerke und Messenger WeChat). Sie versuchen, ihre Monopolstellung und Marktmacht, die sie aufgrund von Netzwerkeffekten haben, weiter auszubauen und zu verteidigen. Dazu setzen sie generell drei Methoden ein: 1. Bestpreismethode (Preissteuerung und Verhinderung von Wettbewerb). 2. Exklusivmethode (Ausschließlichkeitsvereinbarung). 3. Knebelmethode (Marktplatz und gleichzeitig Händler). Vgl. Witte-Petit, Kerstin: Methode Platzhirsch, in: Rheinpfalz am Sonntag, 14. April 2019, S. 6. Im Oktober 2020 gibt es in den USA einen neuen Untersuchungsbericht über GAFA: Die Unternehmen haben ihre Marktmacht mit unfairen Mitteln errungen. Der Untersuchungsbericht ist 450 Seiten dick. Verfasst haben den Bericht die Demokraten (er wird nicht von den Republikanern unterstützt). Google habe gnadenlos bei Konkurrenten kopiert. Amazon wird Mobbing von Konkurrenten vorgeworfen. Facebook sei zu nachsichtig mit dem politischen System. Apple missbrauche seinen App Store. Vgl. Nezik, A.- K.: Vier dominieren, in: Die Zeit Nr. 43, 15.10.20, S. 26. Die Konzerne sollen wohl nicht zerschlagen werden, aber stärker eingeschränkt werden. Wichtig dürfte der Ausgang der Präsidentenwahl sein.

US-Wettbewerbsbehörde FTC: Federal Trade Commission. Geht immer öfter gegen die Sharing Economy vor. Der Google - Kauf von Double klick wird untersucht. 2016 wird die Datenverarbeitung von Uber und Airbnb geprüft. Deutsche Unternehmen stehen auch immer wieder im Blickpunkt: Die Behörde schließt sich 2015 dem Vorgehen gegen VW in den USA an. Für den Vergleich, der Mitte 2016 zustande kommt, ist aber ein Gericht zuständig. Heidelberger Cement muss sich aus Wettbewerbsgründen eine Zementfabrik in Martinsburg verkaufen. 2019 will sich die FTC verstärkt um die großen Plattformen wie Google, Facebook und Amazon kümmern. Es geht um die Prüfung von Monopolmacht und deren Missbrauch. https://www.ftc.com. Die Regierung will die Marktmacht von Amazon überprüfen. Der Chef, Jeff Bezos, ist einer der schärfsten Kritiker von Trump. "Amazon hat den Einzelhandel in den Vereinigten Staaten zerstört", Steven Mnuchin, US-Finanzminister. In den USA wollen sich Dow Chemical und Dupont zum weltgrößten Chemieunternehmen zusammenschließen. Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden steht noch aus (auch ob sie überhaupt notwendig ist). Die US-Wettbewerbsbehörden stimmen unter Auflagen zu (Verkauf von Unternehmensteilen). Ende 2017 übernimmt der Disney-Konzern die meisten Sparten des Rivalen Fox (Simpsons). Die FTC muss zustimmen. Die Genehmigung der Monsanto-Übernahme durch Bayer steht noch aus und wird unter Auflagen gegeben.

Unternehmen mit dem höchsten Barvermögen: Die Digitalunternehmen sind die Unternehmen mit dem höchsten Barvermögen. Es besteht folgenden Reihenfolge Ende 2017 (damals mussten die Unternehmen Steuern zahlen, wenn sie das Barvermögen ausländischer Töchter in die USA holten): Alphabet 106,8 Mrd. $, Apple 102,2 Mrd. $, Microsoft, Facebook.

Die Fünf Tech-Riesen in den USA: Amazon, Apple, Alphabet (Google, Youtube, Androit), Facebook (mit Instagram, Whats App), Microsoft Alle Quartalszahlen im August 2020 (2. Quartal) lagen über den Erwartungen. 2020 müssen sich die Chefs der mächtigsten Tech-Unternehmen vor dem US-Justizausschuss Fragen unterziehen. An Sundar Pichai (Alphabet) werden 61 Fragen gerichtet. Tim Cook von Apple muss 35 Fragen beantworten. Jeff Bezos erhält 59 Fragen. Auf Mark Zuckerberg kommen 62 Fragen zu. Es geht das Gerücht um, dass Washington mehr Amazon-Lobbyisten zählt als US-Senatoren. Ähnlich dürfte es bei den anderen aussehen. Entsprechend milde fielen die Fragen aus. Die Vier beherrschen das Internet. Die Frage ist, ob sie überhaupt noch zähmbar sind (z. B. für die EU). die vier unternehmen geben mehr Geld für Forschung aus als alle Unternehmen zusammen in Deutschland.  Jeder dieser Riesen ist 2020 mehr wert als ein großer europäischer Aktienmarkt: Microsoft übertrumpft alle 30-DAX-Konzerne. Apple ist größer als GB (FTSE 100). Amazon übertrumpft Frankreichs CAC 40. Alphabet ist größer als die Schweiz (SMI). Die vier Konzerne haben mit Millionen Dollar den neuen US-Präsidenten Biden unterstützt. Trotzdem setzt er die gefürchtete Expertin Lina Khan an die Spitze der Regulierungsbehörde FTC. Die Firmen müssen nun doch ihre Zerschlagung fürchten.

Exkurs: Stanford University (1885 von Leland und Jane Stanford gegründet; Goldgräber und Multimillionär; wurde mit 37 Jahren Gouverneur von Kalifornien; billige Arbeiter aus China in seinen Unternehmen/ Immigration der Chinesen; heute studieren die Kinder der chinesischen Elite hier; Ursprung des digitalen Aufstiegs Chinas. Die Eliteuniversität hat auch die meisten Gründer aus dem Silikon-Valley hervorgebracht. ein Netzwerk ist sehr erfolgreich: Palo Alto High School, Google Campus, Stanford University (Studiengebühr 2021 75.000 $ 1 Jahr). Einer der berühmtesten Ökonomen der Uni ist John B. Taylor. Professor in Stanford ist auch Andrew Ng. Er leitete Google Brain. Dann war er KI-Chef von Baidu und gründete Coursera. Er gehört zu den Stars der Szene.

Bedrohungen für die fünf Tech-Riesen in den USA: Sie kommen von vier Seiten. Einmal versucht die US-Wettbewerbsbehörde eine Aufspaltung nach dem Amtsantritt von Biden (allerdings haben diese seinen Wahlkampf massiv unterstützt). Zum anderen formiert sich unter den Beschäftigten eine neue Gewerkschaftsbewegung. Diese breitet sich immer mehr aus, vor allem bei Amazon und Google. Doch die Arbeiter haben das Problem der vielen Subunternehmer. Eine weitere Front tut sich durch neue Bewegungen auf: Sie kämpfen für die Vision einer besseren Datenwelt, so für eine Netzgesellschaft für alle. Vor allem Frauen kämpfen hier. die letzte Front besteht in China. Die Regierung schottet das Land gegen die amerikanischen Konzerne ab und hat Gegenunternehmen aufgebaut. Vgl. Heuser, Uwe Jean: Digital, aber gut, in: Die Zeit Nr. 14, 31. Märt 2021, S. 21. auch in der gleichen Quelle: Buchter, Heike: Dreckig, gefährlich, erniedrigend.

Teilung der digitalen Welt zwischen den USA und China: China hat in seinem Land fast alle US-Plattformen gestoppt: Google, Facebook sind überwiegend inaktiv. Die USA haben oder schlagen zurück: Huawei wird bekämpft. WeChat und Tik Tok sollen verboten werden. Die USA haben 5 Weltunternehmen: Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet, Facebook. China hat auch 5: Bytedance, Alibaba, Huawei, Baidu, Tencent. Die spannende Frage ist: Was macht die EU? (aber auch Indien, Russland, Brasilien). Tik Tok richtet sich z. B. darauf ein. Die Firma baut ein eignes Datenzentrum für europäische Nutzerdaten in Irland. Weitere Nutzerdaten werden in den USA und Singapur gespeichert. Die entscheidende Frage ist: wie endet der Kampf? Kommt ein Nullsummen-Wettbewerb? Oder ist eine Koexistenz nach wie vor möglich? Im Moment 2020 hat China große Vorteile: Riesige Bevölkerung,  wenig Datenschutz, strategische Entschlossenheit. Die Lücke zur US-KI-Industrie ist so gut wie geschlossen. Vgl. auch: Allison, G./ Schmidt, E.: Peking schlägt Washington, in: WiWo 35, 21.8.2020, S. 42f. Der Kampf wird auch nicht mir einer evtl. Wahl von Biden enden. Der "Kalte Krieg" in der digitalen Welt wird weiter gehen. Die USA streben folgendes an: 1. Abkoppeln aller chinesischer Telekommunikationsanbieter vom US-Netz. 2. "Nicht vertrauenswürdige Apps von US-App-Stores entfernen. 3. Chinesische Handy-Herstellern Vorinstallation gewisser Apps untersagen. 4. Speicherung von Daten über US-Bürger in chinesischen Cloud-Diensten verhindern. 5. Datenverkehr auf Tiefseekabeln vom Zugriff chinesischer Nachrichtendienst schützen. China macht das gleiche schon umgekehrt ("Große Brandmauer" genannt). China macht große Anstrengungen, ein eigenes Betriebssystem für Handys und Notebooks zu entwickeln. Nicht nur Huawei arbeitet daran, auch viele kleine Start-ups. Schwierig ist der Aufbau eines eigenen "Ökosystems" (Verbindung von Hard- und Software). Mitte 2021 gehen die Marktwerte chinesischer Technologiekonzerne in den Keller. Seit Anfang des Jahres kann man von einer Schrumpfkur sprechen. Tencent bricht um -316 Mrd. € ein, Alibaba um -307, Metuan um -156, JD.com um -50. Dahinter stecken Befürchtungen, US-Investoren könnten von ihrer Regierung gedrängt werden, chinesische Vermögenswerte abzustoßen. Aber auch die zunehmende Reglementierung der chinesischen Regierung spielt eine Rolle.

Tech-Allianz: Die USA streben 2021 eine Tech-Allianz an. Sie sehen das als Wertebündnis , das sich dem autoritären China entgegenstemmen soll.  Die USA wollen auch Einblicke bekommen in die Algorithmen der Firmen. In der EU gibt es gegen diese Konzeption Vorbehalte. Aber die EU plant eine umfassende Reform der Online-Regulierung. Der "digital Services Act" könnte 2022 in Kraft treten. Die EU strebt mehr digitale Unabhängigkeit an, will aber auch vertieft mit den USA zusammenarbeiten. Das muss miteinander in Einklang gebracht werden. Als Beratungsinstitution wird das "Digital Policy Lab" aufgebaut. Es soll sich mit diesen Fragen beschäftigen. "Wir müssen beweisen, dass die Demokratie funktioniert", Joe Biden 2021. "Die kommunistische Partei Chinas hat es darauf abgesehen, die USA technologisch und wirtschaftlich zu übertreffen", Mark Warner, US-Senator 2021.

DIN-Norm als Wettbewerbsinstrument: Die deutsche Industrie hat lange Technologiestandards gesetzt. Nun dominieren Amerika und Asien. Gerade China nutzt Normen als politisches Instrument. Gerade bei der 5-G-Technologie ist Asien weit vorne. Normen sind auch bei Software notwendig. Die chinesische Führung übersetzt Normen und Standards ins digitale Zeitalter. Vgl. Delhaes/ Hoppe/ Koch: Chinas Angriff auf die DIN-Norm, in: HB Nr. 52, 16.3.21, S. 10f.

Technologische Überlegenheit/ Führerschaft bei KI: 2021 wird die USA von China eingeholt. Das gilt sowohl für die Entwicklung als auch für den Einsatz von KI. Zu diesem Schluss kommt die National Security Commission on Artifical Intelligence. Sie wird vom ehemaligen Google-Chef Eric Schmidt geleitet. Der Bericht hat 750 Seiten. Binnen einer Dekade wird China allein vorne sein. Dei Forschungsmittel müssten jährlich verdoppelt werden  (bis 32 Mrd. $). Es wird dazu aufgefordert, den Vorsprung in der Halbleitertechnik zu wahren. Vgl. Amerika bangt vor China, FAZ Nr. 52, 3.3.2021, S. 17.

Rolle von Europa in der digitalen Welt: Die EU hat den Anschluss verpasst. Sie hat nur noch eine "Scharnier-Funktion" (so Huawei)  zwischen China und den USA. Sie ist in ihrer gesamten Infrastruktur auf die beiden Technologie-Riesen angewiesen. Es fehlt an einer überzeugenden Strategie, sich aus dieser Umklammerung zu lösen und zu befreien. Deutschland als führendes Land in Europa hat sich zu lange auf dem industriellen Komplex und seinen damit verbundenen Hidden - Champions ausgeruht. Vorrang muss eine effiziente Besteuerung der digitalen Riesen in Europa haben. Amazon, zum Beispiel, nutzt die gute Infrastruktur in der EU, macht den etablierten Handel kaputt und zahlt kaum Steuern. Europa muss alles tun, um seine technologische Souveränität zu wahren bzw. wiederherzustellen. Wichtig ist, dass die Headquarter auch in Europa sind. Wo es möglich ist, muss man Leadership/ Marktführerschaft anstreben. Wenn es nicht mehr geht, muss man verhandeln (Intel zur Chip-Produktion nach Deutschland bringen). Als dritter Weg bleibt Disruption: Open Source nehmen und optimal variieren. Die USA und China haben ihre Führungsrolle durch staatliche Förderung erreicht, nicht durch Venture Capital oder Private Equity. DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency, Verteidigungsministerium der USA als Dach) hat das Silicon Valley aufgebaut, ebenso der chinesische Staatsfonds die Tech - Giganten Chinas. Von entscheidender Bedeutung sind auch die Börsen. Die Wall Street bietet immer noch mehr. Der Börsengang in Deutschland ist schwierig. Von Nachteil für Europa ist auch die Tatsache, dass der Binnenmarkt nicht homogen ist. Das begrenzt den Economy of Scale - Effekt.

Besonders wichtig ist die Software für die deutschen Autoriesen (VW, Daimler, BMW). Sie müssen alles dransetzen, um eigene Software zu erfinden. Es ist ein Rennen um die Zukunft.

Industrie - Cloud: Die europäischen Unternehmen haben den Anschluss an die globale Konkurrenz verloren. In der Welle der Industrie betriebenen Digitalisierung wird eine neue Chance für Plattforminnovationen in Europa gesehen. Die neue digitale Industriepolitik der EU dürfte mit entscheidend sein. Vielleicht kann der Weg zu einer pluralistischeren globalen Plattformökonomie erreicht werden. Vgl. Lechowski, Grzegorz: Die Industriecloud als zweite Chance. Europas neuer Anlauf in der globalen Plattformökonomie, in: WZB Mitteilungen Heft 171, März 2021, S. 35ff. Aber auch das größte deutsche IT - Unternehmen SAP muss die Clouds der Tech - Giganten der USA nutzen. Amazon und Google investieren Milliarden in die Cloud, was kaum noch aufzuholen ist.

2021 macht die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" einen Vergleich bei der Technologie in zehn Technologiefeldern der führenden Akteure in der Welt China, EU, USA. Dabei ist zu bedenken, dass ein exakter Vergleich gar nicht möglich ist. Es kann nur eine Annäherung sein. Vgl. Petring, Jörn und viele andere: Die roten Pioniere, in: WiWo 9, 26.2.2021, S. 14ff. Resümee: Für Panik in der EU besteht kein Anlass. 1. KI: Beim maschinellen Lernen sind China und die USA den Europäern weit voraus. 2. Energie/ Wasserstoff: China forciert das E-Auto. Deutschland liegt bei der industriellen Nutzung von Wasserstoff weit vor. 3. Computerchips: Halbleiter sind der technologische Schwachpunkt Chinas. Dei USA erhöhen den politischen Druck. 4. Luftfahrt/ Rüstung: Boing und Airbus sind weit voraus. Militärtechnisch holt China auf. 5. Schnellzüge: China zeigt, was mit Industriepolitik möglich ist. Viel wurde von Deutschland übernommen. 6. Batterietechnik: China liegt gleichauf mit den USA. Auch Europa holt auf. 7. Raumfahrt: China erobert auch den Himmel (Mars, Mond). Bei Innovationen liegen die EU und die USA vorne. 8. Quantenforschung: China ist dem Westen wohl enteilt. 9. Netzwerktechnik: Das Rennen ist noch offen. Brückenkopf für die Digitalisierung. 10. Zahlungssysteme: China ist technologisch noch nicht top, ist aber in der Anwendung vorne. 2021 gibt es zunehmend staatliche Eingriffe  bei den chinesischen Tech - Konzernen.  Das ist das Risiko für Chinas Aktienmarkt. Die Aktienkurse sind eingebrochen. Die Eingriffe sind von der Regierung genau durchdacht. Der Aktienmarkt ist aber mittlerweile der dynamischste der Welt.

Die Russische Föderation und Indien als Mitspieler: Nicht nur Europa muss seine Rolle im globalen Machtkampf zwischen den USA und China finden. Das gleiche gilt für andere relativ starke IT - Nationen: Russland und Indien. Russland will ausländische Internet-Plattformen blockieren können. Ein besonderer Dorn im Auge ist den Russen Youtube. Russische Abgeordnete wollen entsprechende Gesetze machen, die ausländische soziale Netzwerke blockieren können. Auf der anderen Seite versucht der russische Geheimdienst immer wieder soziale Medien im Ausland zu beeinflussen oder zu lenken. Das zeigt sich besonders in Wahlkämpfen. Im Moment deutet alles daraufhin, dass sich die digitale Welt zersplittern wird. Es wird regionale Sphären geben.

Digitale Hidden-Champions: Sie haben entweder digitale Produkte (1), digitale Prozesse (2) oder digitale Services (3). Zu (1) zählen etwa Volocopter, Bruchsal (elektrischer Hubschrauber); DeepL, Köln (Übersetzungsprogramm, leistungsfähiger als Google Translate); MK Technology, Grafschaft bei Bonn (Investment Casting); Phoenix Contact, Göppingen (schnellstes Batterieladesystem). Zu (2) gehören: Kärcher (Hochdruckreiniger); Knauf (Baustoffe); Trumpf (Lasermaschinen). Zu (3): Teamviewer (Feinwartung von Computern; Flixmobility (Organisation von Systemen); Wirecard (Financial Services). Vgl. Simon, Herman: Die digitalen Hidden Champions, in: HBM, November 2019, S. 62ff.

Einhörner: Einhörner sind Start-ups mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde Dollar vor dem Börsengang oder Verkauf. Nach Ländern ergibt sich für 2020 folgende Rangfolge (Zahl der Unternehmen, Quelle: Hurun Global Unicorn List 2020): USA 233, China 227, Großbritannien 24, Indien 21, Südkorea 11, Deutschland 10, Brasilien/ Israel je 8, Frankreich 7, Indonesien/ Schweiz je 5, Japan/ Kanada je 3.

Reformvorschläge, damit Deutschland den Anschluss an die Digitalisierung schafft:  Berührungsängste zwischen Start-ups und Konzernen. Spitzenwissenschaftler forschen an der falschen Stelle. Fiktive Champions müssen besser gefördert werden. Deutsche Start-ups müssen vor den US-Digital-Riesen besser geschützt werden. ausgeschiedene Manager sollten sich in Start-ups einbringen. "Wenn eine US-Firma mehr wert ist als alle 30 DAX-Konzerne, sehen wir bald den Ausverkauf der Wirtschaft". Boersch, Business Angel 2020, Quelle: Handelsblatt, 6.10.20, S. 27. Vgl. Boersch, Cornelius/ Middelhoff, Thomas: Zukunft verpasst? ,erscheint 2020 in 7 Sprachen.

Digitalrat und Digitalgipfel: Beide Institutionen sollen den Anschluss Deutschlands sicherstellen. Vorsitzende des Digitalrats ist 2020 Katrin Suder (Unternehmensberaterin, Ex-Staatssekretärin im Verteidigungsministerium).

Researchgate: Forschernetzwerk im Digitalen. Kommerziell und sozial. Auch Datenbank im Internet. https://www.researchgate.net .

Computerchips als Schlüsseltechnologie: Sie sind eine strategische Ressource im Wettrennen um die Technologische Vorherrschaft in der Welt. An der Sitze liegen die USA (ohne Bezeichnung) bzw. verbündete Länder. Noch ist China ganz hinten. Hier die Rangfolge der Chipanbieter 2020: 1. Intel (Umsatz erstes Quartal 2020 19,5 Mrd. $). 2. Samsung Electronics/ Südkorea 14,8. 3. TSMC/ Taiwan 10,3. 4. SK Hynix/ Südkorea 6,0. 5. Micron Technology 4,8. 6. Broadcom 4,0. Qualcomm 4,0. 7. Texas Instruments 3,2. 8. Nvidia 3,0. 9. HiSilicon (Huawei, China) 2,7. Quelle: IC Insights. Die Branche ist stark globalisiert, Protektionismus unüblich. Trump will allerdings die Chips als Waffe einsetzen. Die US-Chips werden umfangreich in Europa (ARM/ GB, D ASML/ Niederlande, Autos/ Deutschland, ST Microelectronic , Deutschland;  Handys/ China (Foxconn, Huawei), Sumco/ Japan, Handys/ Taiwan, Gebäude/ Malaysis (Amkor) eingesetzt. Vgl. Hohensee, M. u. a.: Der Stich ins Herz, in: WiWo 41/ 2.10.2020, S. 14ff. Europas Chipindustrie ist in der Klemme: Sie geraten zwischen die Fronten von USA und China. Sie brauchen China als größten Halbleiter-Markt, sie müssen Anweisungen aus den USA Folge leisten. Es trifft auch Infineon: Sie beziehen bei SMIC  aus China Chips der Größe 20 bis 40 Nanometer. Das ist ein Nischenprodukt und nur aus China zu bekommen. Infineon prüft die Lage. Aber auch in Europa gibt es sehr starke Firmen. Die junge britische Firma Graphcore legt sich mit dem Marktführer Nvidia an. Geldgeber sind Bosch und BMW. 2021 bedroht ein Chipmangel die Autoindustrie. Ford und Skoda müssen die Produktion stoppen- Es fehlen Halbleiter. Die Autoindustrie spricht sich aber gegen Produktionsstopps aus. Dell rechnet mit einem langen Chip-Mangel. Halbleiter könnten einige Jahre knapp bleiben. Betroffen sind auch E-Bikes, Computer u. a. Eine europäische Chip-Fabrik wäre ein Gewinn.

Die alte Systemfrage stellt sich bei den Chips immer neu. In den kommenden Jahren wird es zwei konkurrierende Familien geben. Apple stellt auf M1-Architektur um (eigene Chips, verdrängt Intel). Auch Microsoft arbeitet an ARM - Prozessoren in eigener Regie. Weltweit steigt die Nachfrage 2021 stärker als das Angebot. Es kommt zu einem gnadenlosen Verteilungskampf. Die Verteilung der Chips auf Branchen sieht ungefähr wie folgt aus: Kommunikation  33%, Computer 28,5%, Unterhaltungselektronik 13,3%, Autoindustrie 12,2%, übrige Industrie 11,9%. Intel ist der größte Hersteller vor Samsung. Die EU müsste wohl 50 Mrd. € investieren, um autark zu werden.

Halbleiter: Das ist eine weitere Achillesferse für China. Es hängt direkt mit den Chips zusammen. Das Land ist mit Einfuhren in Höhe von 300 Milliarden Dollar der weltgrößte Importeur. Man braucht die Halbleiter für Laptops, Smartphones, Drohnen und künstliche Intelligenz. China arbeitet mit Hochdruck an der technologischen Selbstversorgung. Allein 2020 wurden 35 Mrd. $ investiert. Größter Produzent in China ist SMIC/ Shanghai. Das Ziel von 70% aus heimischer Produktion bis 2025 dürfte verfehlt werden. Man versucht auch, Experten aus Taiwan abzuwerben. Es entstehen viele neue Unternehmen. Doch deren Erfolge sind bislang begrenzt. Da helfen auch die vielen neuen Milliarden an staatlichen Investitionen nicht. ein neuer hoffnungsträger ist Enflame in Shanghai.

Quantentechnologie: Im Januar 2021 sollen die ersten Pläne vorgelegt werden, wie die Quantentechnologie in Deutschland gefördert werden soll. Damit soll die Aufholjagd gegenüber der USA und China beginnen, die bei dieser Schlüsseltechnologie vorne liegen. Vorgesehen sind mehr als 2 Mrd. €. Nach China hat Deutschland 2020 mittlerweile das größte Forschungsprogramm für den Aufbau eines nationalen Quantenforschungszentrums. Quelle: McKinsey 2020.  Im Juni 2021 stellt IBM in Ehningen den ersten Quantencomputer in Deutschland vor. In den USA hat Google den größten Quantencomputer. China soll einen Quantencomputer haben, der bis zu zehn Milliarden schneller sei als der von Google. Er wurde in Hangzhou von Pan Jianwei gebaut (Ausbildung in Wien und Heidelberg). Niemand kann das überprüfen. Der Computer wurde von dem Physiker an der Universität Hefei gebaut. 

Cloud-Anbieter: Die beschriebene Teilung der Welt geht bis in den Cloud-Bereich. Das zeigt sich in den Marktanteilen. Das sieht 2020 wie folgt aus: Amazon/ AWS 33%, Microsoft Azure 18%, Google Cloud 9, Alibaba Cloud 5, IBM Cloud 5, Salesforce 3, Tencent Cloud 2, Oracle Cloud 2, OVHcloud 1, andere 21. OVH ist der größte Anbieter in Europa. Vgl. WiWo 3, 15.01.21, S. 58. Das Cloud-Projekt der EU Daia-X soll Europa von der Dominanz der US-Firmen befreien.

Peter Thiel, Investor, Unternehmer: Geboren in Frankfurt. Eltern wanderten aus nach Foster City/ Silicon Valley. Er studierte an der Stanfort University Philosophie und Jura. Er gründete einen Risikokapitalfonds 1996. Milliardär. Er hat das Silicon Valley mit geprägt. Er gründete PayPal (zusammen mit Elon Musk), den ersten Internet-Bezahldienst. Er war der erste Investor bei Facebook 2004. Thiel unterstützte früh Präsident Trump und ist nach der Wahl in seinem Übergangsteam. Thiel verschwieg seine neuseeländische Staatsbürgerschaft, die er sich als Superreicher erkaufen konnte (deckten 2017 die Medien auf). Neuseeland gilt aktuell als Fluchtort der Reichen für alle Fälle ("Apokalypseversicherung"). Peter Thiel erhält 2021 den Frank-Schirrmacher-Preis. "Die europäischen Start-ups werden zu früh verkauft. Sie werden gegründet, sind dann 150 oder 500 Mio. Euro wert, und die Gründer geben sie ab", Peter Thiel, in: FAZ, Freitag, den 8.10.21, S. 13. Auch: "Spitzenuniversitäten führen wir wie Nachtclubs, an denen wichtig ist, dass fast niemand hineinkommt.

Kai-Fu Lee: AI Super-Powers. China, Silicon Valley und die Neue Weltordnung, Frankfurt/ New York (Campus) 2019. Es geht darum, wie sich in der Welt die Gewichte verschieben. Kai-Fu Lee ist Ex-Google-China-Ceo. Er war auch in leitenden Positionen bei Microsoft, SGI und Apple. Er beschreibt die chinesisch-amerikanische Perspektive. Es prallen Business-Kulturen aufeinander. Er sieht China bald ungebremst an der Weltspitze. Er fordert, dass die Weltmächte gemeinsam Verantwortung für die sich neu formierende Wirtschaft übernehmen.

Vier Hauptbausteine für die KI-Supermacht des 21.Jahrhunderts: umfangreiches Datenmaterial, zähe Unternehmer, gut ausgebildete KI-Wissenschaftler, unterstützendes politisches Umfeld. All das hat China. Bei Ingenieuren geht mittlerweile Quantität vor Qualität. Diese Ingenieure werden mit den neuen sozialen Medien ausgebildet (WeChat - Gruppen, Video-Streaming, Smartphone, hoher Vernetzungsgrad). Vgl. Kai-Fu Lee a.a.O. , S. 112ff.

Hax als Accelerator: Hax wurde 2011 von Cyril Ebersweiler in Shenzhen gegründet. Es ist ein Beschleuniger für High-Tech-Firmen. Sie launcht Unternehmen, schon über 200. Ebersweiler fördert auch im Silicon Valley. Er ist auch Partner von SOS Ventures.

Web of Things (WoT): Das World Wide Web Consortium (W3C) ist das Gremium zur Standardisierung der Techniken des World Wide Web, Im Jahre 2017 wurde die Arbeitsgruppe Web of Things gegründet. Ziel ist eine einheitliche Anwendungsschicht. Dazu gibt es zwei Standards: WoT Architecture und WoT Thing Description. 

Digitale Mythen in Bezug auf Unternehmen: 1. Digitalisierung erfordert ein radikal neues Wertversprechen. In Wirklichkeit geht es darum, digitale Werkzeuge einzusetzen, um bekannte Kundenbedürfnisse zu erfüllen. 2. Die digitale Welt verdrängt die physische. In Wirklichkeit bleibt ein Nebeneinander beider Welten. 3. Digitalisierung bedeutet, Start - ups zu kaufen. In Wirklichkeit geht es darum, Start-ups zu schützen. 4. Bei der Digitalisierung geht es um Technologie. In Wirklichkeit geht es vor allem um die Kunden. 5. die bestehenden Systeme müssen komplett erneuert werden. In Wirklichkeit bringt eine schrittweise Modernisierung oft mehr. Vgl. Furr, Nathan/ Shipilov, Andrew: Digital heißt nicht disruptiv, in: HBM November 2019, S. 50ff.

Exkurs: Weltweite Zentren der IT-Wirtschaft

Shenzhen ist heute die am schnellsten wachsende Metropole der Welt. Sie gilt auch als die offenste, reichste und teuerste Stadt Chinas. Die Chinesen sehen sie als globale Modellstadt, die Hongkong einmal ablösen soll. Shenzhen war die erste Stadt für folgende Entwicklungen: Anfang mit Landversteigerungen, Einführung von Arbeitsverträgen, Privatisierung von Staatsunternehmen, Gründung eines Technologieparks, Public Private Partnership, Genehmigung ausländischer Tochterunternehmen. Hier werden auch die Trends bei wichtigen Zukunftstechnologie gesetzt: Elektromobilität (siehe oben), Gentechnik, Künstliche Intelligenz. Shenzhen wird oft mit dem Silicon Valley verglichen, was zu einseitig ist. Shenzhen ist nicht nur Zentrum der IT - Wirtschaft, sondern hat auch eine große industrielle Basis. Die Region um die Stadt, auch Perlflussdelta genannt, ist darüber hinaus das Zentrum der KMU in China (anderer Begriff: Greater Bay Area). Foxconn ist im Norden von Shenzhen. Weitere Handy und IT-Firmen sind Huawei, ZTE, Oppo, Vivo (jedes vierte Handy weltweit kommt aus der Stadt). Weitere berühmte Konzerne in der Stadt sind Tencent, Ping An.

Silicon Valley/ Sandhill Road:  Straße im Menlo Park, Kalifornien (in der Nähe der Uni Stanford). Starke Ansammlung von Risikokapitalgebern (Venture Capitalists). Inbegriff der Venture-Capital-Branche. Das Silicon Valley  südlich von San Fransisco beherbergt fast alle wichtigen IT-Unternehmen (Oracle, Facebook, Google, Yahoo, NetApp, Cisco, Intel, Apple, Adobe, SAP, Nvidia). Eine Reihe von Start-ups aus dem Silicon Valley jagt die IT-Größen: Pure Storage (Flash- und Disc-Markt), DataDirect Networks (Speicherlösungen), Big Switch Networks (Software-defined Networking), EMC (Alternativen für Festplatten). Zentrale weitere Städte sind Mountain View, Palo Alto, Cupertino. Wichtige Geldgeber und Investoren waren Fairchild Semiconductor, Kleiner Perkins und Sequoia. Der Aufstieg des Silicon Valley begann Anfang der 1950er Jahre mit der Errichtung des Stanford Industrial Park. Zuerst wurden kleinere Unternehmen gegründet. einige entwickelten sich zu Weltkonzernen. Heute sind mehr als 7000 Hightechfirmen mit mehr als 250.000 angestellten ansässig. 2020 liefert Anna Wiener mit ihrem Buch "Code kaputt" eine bitterböse Chronik des Tales und der Digital-Industrie ("Tal der Bestie", manische Überwachungskultur). 2020 beginnt eine Massenflucht aus dem Silicon Valley. Gründe  sind der Trend zum Homeoffice durch Corona und die extrem hohen Immobilienpreise. Viele ziehen nach Texas um.

Ab 2020 entsteht eine neue Tech - Zentrale in Miami. Start-ups aus dem Silicon Valley und aus New York ziehen nach Florida um. Miami könnte sich zu einem internationalen Zentrum für Technologie und Innovation entwickeln. Sehr begehrt in Florida ist auch Jacksonville. Im Kommen ist auch Austin/ Texas.

Andere in der Welt: Stockholm, Schweden: Sie gilt als die Start-up-Hauptstadt Europas. Sie hat die meisten "Einhörner" (milliardenschwere Digitalunternehmen) hervorgebracht. Dazu gehören Spotify, Skype, Fintech Klarna. Dafür verantwortlich ist die optimale Mischung von Infrastruktur, Universitäten, Lebensqualität, freies Kapital, gesellschaftliche Offenheit, wohlwollende Politik. Seoul, Tel Aviv, Kapstadt: Alle drei Städte (Südkorea, Israel, Südafrika) gelten als Mekka für Gründer und Innovationen (Kreativwirtschaft). Sie arbeiten mit Centern, die von der Regierung bezahlt werden: Seoul Center for Creative Economy and Innovation; Shimon Peres Center for Peace and Innovation; Cape Innovation and Technology. Israel ist zum Zentrum für Mobilitätstechnologie der Zukunft geworden. Auch deutsche Autobauer suchen dort nach Innovationen.  Bangalore. Die indische Metropole ist die Universitäts- und IT -Hochburg. Die Stadt ist Sitz des Digitalriesen Infosys. Google betreibt dort sein größtes Forschungszentrum außerhalb der USA. Es ist eine der innovativsten Städte der Welt. 

Schweiz: Globaler "Internet-Computer" auf Blockchain: Eine dezentrale Web-Plattform ermöglicht neuartige Applikationen. Es gibt dazu eine neue Generation von Software. Sie ist quelloffen und "unzerstörbar".  Der Bereich ist sehr forschungsintensiv. Weltweit führend ist die Schweiz. Hier gibt es eine Reihe Unternehmen: Ethereum, zweitstärkste Krypto-Währung. Modum.io. Ist ein Unternehmen in zürich. Es bietet Supply-Chain Intelligence und Automatisierungslösungen an. Seba und Sygnum sin die ersten Kryptobanken mit einer Lizenz der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Polkadot. Verknüpfung von Blockchains über Netzwerkprotokolle. Vgl. Kobylinska, Anna/ Martins, Filipe: Globaler "Internet-Computer" auf Blockchain, in: com!professional 7/2020, S. 36ff.

Deutschland: München (insbesondere TU): Gilt als erfolgreichste Forschungsuniversität in Deutschland und als beste Stätte zur Umsetzung von Unternehmergeist. Es steht ein Fonds mit Risikokapital zur Verfügung (70 Mio. €, 16 Unternehmen wurden finanziert bis 2017). Das Umfeld gilt hier als ideal (vergleichbar Silicon Valley). Man versucht, den Vorteil der USA bei Finanzierung und Betreuung von Start-ups künstlich herzustellen. Berlin: Auch hier gibt es viele Start-ups der digitalen Branche. Diese kooperieren mit zahlreichen Forschungseinrichtungen in Berlin, z. B. der TU.  Viele Digitalprojekte laufen in Hinterhöfen ("Maschinenraum" von Viessmann, Co-Creation-Space, Co-Working-Areas). Der größte deutsche Technologiepark ist auch in Berlin: Berlin-Adlerhorst (Science at Work).

In Ludwigshafen wird im ehemaligen Hallenbad Nord ab 2017 ein Zentrum für Existenzgründer eingerichtet.

Rechenzentrum und Cloud: Immer mehr Unternehmen migrieren in die Cloud. Das verändert die Hosting - Landschaft. Damit bekommen die großen Cloud-Unternehmen immer mehr Macht (Hyperscaler). Alternativen sind Co-Location-Anbieter (Rechenzentrum-Betreiber). Die Unternehmenshardware wird in das Rechenzentrum eines Anbieters verlagert.  Dazu braucht man große Server-Flächen. 13 Mrd. kwh verbrauchten 2017 Rechenzentren und Server in Deutschland.

 Google/ Alphabet (nach einer ungeheuer großen Zahl mit 100 Nullen, die "googol" heißt): Das Unternehmen steht symbolisch für die Mission und die Möglichkeiten der digitalen Ökonomie. Das Geschäft von Google macht 13% des Umsatzes der Konzernmutter Alphabet aus (2020, von 150 Mrd. €))Es ist die effektivste Datenkrake der Menschheitsgeschichte. Die staatliche Forschungsförderung in den USA für Mathematik und Informatik beläuft sich in den USA auf weniger als die Hälfte des firmeninternen Forschungshaushalts von Google. Rund die Hälfte der 100 Spitzenforscher und -ingenieure im Bereich der KI arbeitet bei Google. Kern des Unternehmens ist die Suchmaschine (geht auf einen Algorithmus von Larry Page zurück, Page-Rank; Partner und Mitgründer ist Sergey Brin), die vor allem dank Werbung im Internet große Gewinne abwirft (ebenso wie Maps und You Tube). Mittlerweile ist Alphabet ein riesiger Konzern (Calico, Google Fiber, Google, Verily, Waymo, Forschungsabteilung, nest, android, Suchmaschine, Youtube). Hauptgründer und Eigentümer ist Larry Page (zusammen mit Sergey Brin), der als einflussreichster Unternehmer der Welt gilt. Sie verpflichteten sich selbst, bei aller Macht nicht "böse" zu werden. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet (im September dann Suchmaschine und viel später Browser Chrome). Page will mit seinen Milliarden die großen Menschheitsprobleme lösen. Allerdings beugt er auch für den Klimakollaps vor. Er erkauft sich 2021 ein Aufenthaltsrecht in Neuseeland mit mehreren Millionen Euro. In Zukunft will er sich um selbst fahrende Autos und digitale Brillen ebenso kümmern wie um die Wege für digitalen Journalismus. Auch ein elektronisches Bezahlsystem startet bald. Mit 350 Mrd. $ Börsewert 2015 ist Google eines der teuersten Unternehmen der Welt.  Graue Eminenz als Chef-Ökonom bei Google ist Hal Varian. Er arbeitet an Markt- und Werbeanalysen für den Vorstand (Verwaltungsratschef Eric Schmidt, der Ende 2017 zurücktritt) zusammen mit 1000 Statistikern. Vorher war er Professor für Volkswirtschaftslehre (Spezialgebiet: Mikroökonomie) in Berkeley. Gerade an Google kann man sehen, wie Geschäftsmodelle lange intransparent gehalten werden, um den Spiel- und Nachahmungstrieb der Menschen besser ausnutzen zu können. Im August 2015 ändert Google seine Konzernstruktur. Sie soll klarer werden. Die Holding (Sammlung von Unternehmen) heißt "Alphabet" (mit Töchtern wie Kerngeschäft: Suchmaschine/ Internetwerbung/ Android, Youtube/ Maps; weiter: Drohnen; selbst fahrende Autos). Der Name ist sehr gut, denn das Alphabet ist eine der wichtigsten Innovationen der Menschheit (außerdem umfasst es von A bis Z alles). Damit wird Google zu einem Konglomerat für die Zukunft im digitalen Kapitalismus. Flexibel steuerbare Einheiten können neue Technologien entwickeln, innovativ bleiben, Wertzuwächse gezielt generieren und künftig im Wettbewerb schnell reagieren. Google handelt nach dem Prinzip "Think big". Dadurch wird verhindert, dass im Ausland andere Unternehmen mit der Idee eine Chance haben  (z. B. bei Suchmaschinen). In Deutschland baut Google München zum größten deutschen Standort aus. 2016 weitet der Konzern weiter die personalisierte Werbung aus. Die Nutzer werden um Erlaubnis gefragt. Es wird damit argumentiert, dass die Werbeeinnahmen dazu dienen, die Suchdienste weiterhin kostenlos zur Verfügung zu stellen. Google soll auch national kartellrechtlich stärker unter die Lupe genommen werden. Die Internetfirmen sollen auch für Hass - Postings belangt werden. In Googles Vision wird das Netz eine natürliche Erweiterung des Menschen sein. Mittlerweile hat Android, das Betriebssystem für Smartphones, 2016 einen Marktanteil von 90%. Das gleiche Ziel setzt sich Google mit Android Things. Google Home kommt 2017. Das Innovationslabor von Alphabet heißt X. Es ist besonders stark bei vermarktbaren Produkten. 2017 macht Alphabet Milliarden Minus. Der Google - Konzern legt aber beim Umsatz zu. 2018 plant Google einen Werbefilter für seinen Internetbrowser. Damit könnte der Konzern seine Werbung weiter ausbauen. Es soll vor allem mehr Geld mit der Produktsuche verdient werden. Alphabet führt 2016  klar bei den Werbeeinnahmen (79,4 Mrd. $ vor Facebook 26,9). Google beendet nach Protesten eigner Entwickler ein Rüstungsprogramm mit der US-Regierung. Im Juli 2018 muss Goggle in der EU eine Strafe von 4,34 Mrd. Euro zahlen. Die EU-Kommission rügt damit die beherrschende Marktstellung des Betriebssystems Android (Pflicht für Google Play und Google-Suchmaschine). Google will Widerspruch einlegen. Google will ab 2018 in großem Stil in die Außenwerbung einsteigen (mithilfe von Begegnungsdaten). 2018 bildet Google eine Allianz mit Paypal bei Handy-Zahlungen. Google Plus wird 2018 eingestellt und war vorher gehackt worden. Im Oktober 2018 erhebt Google Lizenzgebühren für seine Apps. Das wird regional gestaffelt. Damit sollen in der EU die Wettbewerbsstrafen ausgeglichen werden. 2018 erschüttert eine Belästigungsaffäre Google. In den letzten zwei Jahren wurden aus diesem Grund 48 Mitarbeiter entlassen. Betroffen ist auch der Android - Schöpfer Rubin. Börsenwert Ende Oktober 2018 733 Mrd. Dollar. Wenn die Macht von Alphabet weiter so wächst, dürfte eine Aufspaltung unumgänglich sein. Der Aktienwert bricht Ende 2018 ein. Google - Tochter Waymo liegt 2019 beim autonomen Fahren noch vorne. 2019 gibt es eine Millionenstrafe gegen Google in Frankreich. Im gesamten Geschäftsjahr 2018 wuchs der Umsatz um 23% auf 136,8 Mrd. Dollar und der Gewinn stieg auf 30,7 Mrd. Dollar. Im September 2019 muss Google eine Rekordstrafe in den USA zahlen: 170 Millionen US-Dollar für personenbezogene Daten von Jugendlichen auf You Tube. Im September 2019 wächst der Druck auf Google durch die Generalstaatsanwälte der 50 Bundesstaaten. Sie leiten eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung ein (auch bei Facebook). Mitte September 2019 erleiden die Verlage in Deutschland einen Dämpfer gegen Google: Der Internet-Gigant muss Zeitungen keine Vergütung für die Übernahme kurzer Texte zahlen. Im September 2019 setzt sich Google vor dem EU-Gerichtshof gegen Frankreichs Datenschutzbehörde durch: Google muss nicht global löschen. 2019 rebellieren Mitarbeiter gegen Google. Im Mittelpunkt steht ein Auswertungsprogramm für Drohnenflüge, das nach Auswertung von Bildmaterial wiederum autonom Drohnen steuert (Auftraggeber US-Verteidigungsministerium, Projekt "Maven")). Viele kritische Mitarbeiter wollen da nicht mehr mitmachen. Sanktionen häufen sich. Google wird intransparenter. Ein zweiter Streitpunkt ist immer wieder das Verhalten gegenüber China. Im Dezember 2019 zieht sich Gründer Larry Page vom Chefposten beim Dachkonzern Alphabet zurück. Google - Chef Sundar Pichai wird auch Alphabet-Chef. Im Oktober 2020 nimmt die US-Regierung Google ins Visier (Monopolklage, Suchsystem). Google macht sich zunehmend in der deutschen Wirtschaft breit (Banken, Autokonzerne, Industrie, Mittelstand). In Frankreich muss Google ein Bußgeld von 100 Mio. € zahlen (Verstoß gegen das Privatleben). Am 12.01.2021 sperrt Youtube das Konto von Donald Trump (wegen Sturm auf das Kapitol). Google hat ein neues Protokoll initiiert. Es könnte zentraler Transporteur im Internet werden (schneller, sicherer: Quic. Google droht im Januar 2021  Australien abzuschalten. Ein neues Gesetz soll die Suchmaschine verpflichten, für Links zu zahlen. Man fürchtet einen Präzedenzfall. Die EU will Australien nacheifern: Google soll seine Profite teilen. Manche Experten raten dazu, Google raus zuwerfen, um der heimischen Wirtschaft eine Chance zu geben. 2021 gewinnt die SAP Google als Kunden. Im Juni 2021 akzeptiert Google eine Millionenstrafe in Frankreich. Es sind Bußgelder für den Missbrauch einer marktbeherrschen Stellung (Vergleich). Für die Verletzung von Urheberrechten in Frankreich muss Google 2021 500 Mio. €  bezahlen. Im Juli 2021 führt Google die Impfpflicht für seine Mitarbeiter ein. Das Betriebssystem Chrome OS setzt sich durch.  Das ist ein Durchbruch im PC-Markt. Ab 2021 baut Google zwei neue Rechenzentren in Deutschland (Hanau, Großraum Berlin; 1 Mrd. € Investition). Mein ganzes Streben geht dahin, herauszufinden, wie die Zukunft aussieht - und sie dann zu erschaffen", Alphabet-Chef Larry Page. Februar 2016 überflügelt Alphabet Apple im Börsenwert und ist damit das teuerste Unternehmen der Welt (2015 +40%, Wette auf die digitale Zukunft). 2016 klettern Umsatz und Gewinn weiter. Chef von Google ist seit 2015 Sundar Pichai (Motto: "Respekt aus Vernunft"). Neuer Unternehmensgrundsatz: "Künstliche Intelligenz zuerst". 2016 eröffnet Google einen Campus in Berlin. Es geht um die Förderung der lokalen Start-ups. Ökosysteme sollen eingerichtet werden. 2017 droht Google in einem Verfahren der EU-Wettbewerbsbehörde zur Shopping-Suche eine Milliardenstrafe (10% vom Umsatz). Eigene Dienste sollen bevorzugt worden sein. Das Verfahren ist nur eines von dreien. Der Börsenwert von Alphabet steigt 2017 um 21,2%. Ein Urteil des Bundesgerichtshofes Ende Februar 2018 besagt, dass keine allgemeine Kontrollpflicht für Suchmaschinen, also insbesondere Google, besteht. Die EU straft Google im März 2019 mit 1,49 Mrd. Euro ab (marktbeherrschende Stellung bei Online-Werbung ausgenutzt). Ab 2021 will Boehringer/ Ingelheim mit Google kooperieren: für drei Jahre Quantencomputer von Google nutzen). Google und Citigroup starten 2021 zusammen ein Bankkonto. "Google kann es nicht allen recht machen, besonders, da sich Moral so schwer definieren lässt", Gregory La Blanc, University of Berkeley. In den USA wird im Sommer eine Klage von 36 Bundesstaaten eingereicht. Sie nehmen den App-Store für Androit-Geräte ins Visier.

Google-Projekte, die weltweit im Einsatz sind: 1. Projekt Foghorn. Gewinnung von Benzin aus Meerwasser. Elektroanalyse. 2. Projekt Loon. Netzwerk aus Stratosphären - Ballons, das abgelegene  Gebiete mit Internet versorgen soll. 3. Projekt Wing. Sich selbst steuernde elektrische  Lieferdrohen sollen CO2-neutrale Pakete in Ballungszentren ausliefern. 4. Projekt Malta. Die Speicherung großer Mengen regenerativer Energie. Malta löst das Problem durch elektrisch-thermische Speicherung der Energie in geschmolzenem Sand. 5. Projekt Makani. An Flugdrachen befestigte Windturbinen erzeugen deutlich mehr Strom als Windräder. 6. Projekt Verily. Neue Tech-Lösungen für den Gesundheitsmarkt. Vgl. Thelen, Frank/ Schorn, Markus: Das Mindset der Zukunft, Bonn 2020, S. 18f.

Youtube: Teil von Google. Wirft hohe Gewinne ab. Die Online-Plattform sperrt im September 2021 die deutschsprachigen Kanäle des russischen Senders RT. RT (früher Russia Today) ist regierungsnah in Russland. Man spricht in Russland von "Zensur" und droht mit Vergeltung. Man stellt sogar eine Youtube-Blockade in Russland in Aussicht.

Google Maps: Inzwischen hat Google das beste Navigationssystem. Es ist die perfekte Einstiegsdroge für Autohersteller. 5 Milliarden Euro nimmt Google schätzungsweise mit seiner Landkarten - App ein. Die Einnahmen kommen über Werbung und Lizenzen.

Waymo, Google-Tochter: Autonomes Fahren. Vorrang haben autonome Taxis. Die Software fährt 2020 schon besser als der Mensch. 2030 rechnet man mit 800.000 solcher Taxis. Man arbeitet mit KI-Chips. Man will nicht auf 5G-Netze angewiesen sein. 2021 neues Führungsduo: Tekedra Mawakana, Dmitri Dolgow.

China als Testlabor für autonomes Fahren: Die chinesische Regierung genehmigt 2021 umfassende Pilotprojekte. Allein Baidu hat 2021 schon 10  Mio. Testkilometer mit seinen autonom fahrenden  Autos absolviert. Weitere Testfirmen sind Pony.ai (von Toyota unterstützt) und AutoX (von Alibaba). Yutong lässt in Zhengzhou autonom Busse fahren (mit Sicherheitsbegleiter). Millionen von Chinesen werden zu Versuchsobjekten.

Baidu: Chinesische Suchmaschine. Auch E-Mail-Service, Kartendienst uns Cloud-Storage. Wert 88,4 Mrd. US-Dollar 2018. Jährliches Wachstum 24%. Am ehesten mit der Suchmaschine von Google vergleichbar. Robin Li gründete im Jahr 2000 die Suchmaschine. Der Marktanteil in China lag bei ca. 80%. 2019 ist er auf 61% gefallen. Die Suchmaschine ist das Kerngeschäft. Es gibt noch Baidu Maps und Baidu Baike (chinesische Wikipedia). Baidu hatte 2017 einen Umsatz von 12,6 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn lag bei 2,7 Mrd. Dollar. Das Unternehmen investiert massiv in künstliche Intelligenz. Börsenwert Ende Oktober 2018 65 Mrd. $. 3,3 Mrd. Suchanfragen täglich. Ab Ende 2018 kooperiert Baidu mit VW in China beim autonomen Fahren. VW und Baidu entwickeln ein Mobilitätskonzept. Wegen staatlichen Regulierungen hat Baidu Probleme. Deshalb hat die Aktie seit Juni 2018 bis zu 70% an Wert verloren.

Baidu Maps: Äquivalent zu Google Maps in China.

Sogou: Suchmaschine in China. Sie ist standardmäßig mit den Tencent -Diensten verbunden. Sie hat Baidu Nutzer weggenommen.

Weitere Suchmaschinen-Alternativen: Es gibt mittlerweile viele Suchmaschinen neben Google und Baidu. Allerdings hat Google immer noch einen Anteil von 94% (2021, weltweit, ohne China). Bing (3%), Yandex RU (1,5%), Yahoo (1,0% ), DuckDuckGo (0,5%), Ecosia (0,4%). Ecosia pflanzt weltweit Bäume aus dem Gewinn.

Apple: Gründer: Steve Jobs, Steve Wozniak 1976. Apple hat in der Vergangenheit Maßstäbe gesetzt in Sachen Technik, Handhabbarkeit und Design. Tim Cook führte in zehn Jahren Apple durch Innovation und Integration an die Weltspitze. Zwei Faktoren bedrohen immer wieder den Konzern: die Kartellwächter und dei Abhängigkeit von China. Apple erobert 2016 die Position als wertvollstes Unternehmen der Welt zurück (Ende 2016 Aktienwert von 617,6 Mrd. $; 2007 173,4 Mrd. $). 2007 wurde das iPhone präsentiert, eine Revolution unserer Zeit.  Der dabei auftretende Mechanismus sagt viel über die Grundzüge der digitalen Ökonomie aus: Apple macht wegen der niedrigen weltweiten Zinsen Schulden (obwohl 200 Mrd. Dollar Cash da sind). Apple kauft mit dem billig aufgenommenen Geld Apple-Aktien. Dadurch steigt der Aktienkurs und Apple erreicht wieder seine Spitzenposition. Das neue iPhone enthält so gut wie keine Innovationen und wird trotzdem mit viel zu hohem Preis gekauft (Snob-Effekt). Verbraucher lassen sich verdummen und die chinesischen Arbeiter kassieren weiterhin Dumping-Löhne. 231 Milliarden Dollar hat Apple 2016 an Finanzmitteln angehäuft. Davon 93% im Ausland. Grund von letzterem sind die hohen Steuern in den USA. Das Unternehmen hat zunehmend Schwierigkeiten. Investoren entziehen ihm das Vertrauen. 2016 stellt die Wettbewerbskommisarin fest, dass Apple in Irland Steuererleichterungen in Höhe von 13 Mrd. € gewährt wurden, die wettbewerbswidrig waren ("unzulässige rechtliche Konstruktionen"). Das Land, die USA und der Konzern wehren sich. Apple muss die Steuern nachzahlen auf ein Sperrkonto, Klagen haben keine aufschiebende Wirkung. 2017 führt Apple einen Rechtsstreit mit Qualcomm. Das Unternehmen hält einige Lizenzen, für die Apple nicht mehr zahlen will. Apple tut sich nicht dadurch hervorgetan, Daten mit anderen zu teilen. Daten werden auch nicht so vermarktet wie bei Facebook und Google. Steuern werden in Europa aber fleißig gespart. 2018 kauft Apple die Musikerkennungs-App Shazam. Ab 2018 entwickelt Apple eigene Displays. Es gibt bereits eine kleine Produktionsstätte in Kalifornien für Micro-LED-Technologie. Apple plant 2018 den Einsatz eigener Prozessoren in Macs. 2018 stockt die Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffet Berkshire Hathaway den Aktienanteil auf. Mit Attacken auf Facebook 2018 will Apple-Chef Tim Cook sich als verantwortungsvolles Unternehmen profilieren. Apple fährt eine außergewöhnliche China-Strategie: Es betreibt Datenzentren mit Dienstleistern, die der Staatsführung nahe stehen. Liberale Angebote (New York Times) werden verschleiert oder aus dem Store genommen. Da ist also eine klassische Doppelmoral. Zu viel Umsatz hängt am iPhone. Wenn das nicht so läuft wie erwartet - wie Ende 2018 . bricht der Akteinwert ein. Ende 2018 startet Apple seinen Bezahldienst in Deutschland. Apple erzielt weniger Umsatz, weil die Partnerschaft zwischen den USA und China bröckelt. Das China-Geschäft mit iPhones schwächelt massiv. Anfang 2019 hat Apple einen Klageerfolg gegen Qualcomm (Patentstreit). 2019 kommt ein Fehler bei Facetime ans Licht. Dies ist eine Funktion, die Audio- und Videotelefonate ermöglicht. Dadurch kann das iPhone zum Spion in den eigenen vier Wänden werden. Dieser technische Fehler ist ein Desaster für die Glaubwürdigkeit von Apple. Man hat ja gerade mit der höheren Sicherheit geworben. Ab 2019 will Apple einen Streaming - Dienst aufbauen analog zu Netflix. Apple weiß sehr viel über seine Nutzer (E-Mails, Kontakte, App-Downloads, Fotos, Kreditkarten, Musiktitel, Websites, Standorte, Passwörter, Geräte, Sonstiges). 2019 verlässt der Design-Chef Jony Ive das Unternehmen ("Form follows function", Bauhaus; Aktie fällt um 1,5%)). Er gründet sein eigenes Studio. Im August 2019 legt Google Schwachstellen bei der Software vom iPhone offen. Daten in großem Ausmaß wurden abgegriffen, wahrscheinlich vom chinesischen Geheimdienst. Die Faszination ist 2019 beim Unternehmen vorbei. Es kommt an einem Neustart nicht vorbei. Ein EU-Gericht verhandelt im September 2019 über eine Nachzahlung in Milliardenhöhe von Apple. Im Oktober 2019 nimmt Apple auf Druck Chinas eine von Hongkonger Demokratieaktivisten genutzte App aus dem Angebot. 47% aller Apple-Zulieferer sind in China. Bisher war Apple von der Zollpolitik von Trump ausgenommen; das könnte sich ändern. Anfang 2020 ist Apple fast so viel wert wie der DAX. Mitte Februar macht man eine Gewinnwarnung: Umsatzrückgang in China wegen Corona-Virus. Ein ehemaliger Manager (Tom Sadowski, Apple München) schreibt ein Buch über Apple, das der Konzern stoppen will. Im März 2020 schließt Apple für zwei Wochen alle seine Läden weltweit, um bei dem Kampf gegen das Corona-Virus zu helfen. Apple will künftig alle Bauteile selbst fertigen. Man spricht von einer neuen Ära. Jetzt fertigt man auch die Chips selbst (nicht mehr von Intel). Im Juli 2020 erlagt Apple einen Sieg vor dem EuGH. Apple sollte 13 Mrd. € Steuern nachzahlen wegen einem illegalen Steuerabkommen mit Irland. Das wird vom Gericht abgesagt. Das ist ein weiteres Argument für eine EU-Digital-Steuer. Die EU will Berufung einlegen. Alle neuen iPhones sind mit 5G-Technik ausgestattet. Im Herbst 2020 bringt Apple neue MacBooks mit neuen Prozessoren und frischem Betriebssystem: M1-Chip. Hardware und Software aus einer Hand.  Apple steckt viel Geld in Aufforstungsprojekte (Bindung von CO2). Bis 2030 will der Konzern klimaneutral arbeiten. Die Rekordumsätze bleiben 2020 (275 Mrd. $) und 21, aber der Stern verblasst etwas: Die Leidenschaft der Kunden lässt nach und damit die Bereitschaft, die hohen Preise zu zahlen. 2021 will Apple den Datenschutz ausbauen (Browser Safari soll die Adresse verchleiern). 2021 steht die EU gegen Apple: Die EU will ein einheitliches Lagegerät für Handys. Google sieht das als Angriff auf sein Geschäftsmodell (arbeitet mit Lightning). Das iCar steht 2021 in den Startlöchern und könnte der nächste Coup sein. Im august 2021 kauft man einen Streaming-Dienst für klassische Musik (Primephonic).   Anfang 2017 übernimmt das iPhone wieder die Spitze im Smartphone-Markt und überholt Samsung (Durchbruch im Weihnachtsgeschäft). Apple hat wohl das Thema künstliche Intelligenz verschlafen. Jetzt, 2017, will Tim Cook das Versäumte nachholen. Ende Juni 2017 führt Apple das weltweite Börsenwert-Ranking (Anstieg 2017 +40,3%) an vor Alphabet und Microsoft. Im August 2017 wird der Apple-Campus in der Nähe von San Francisco bezogen (Cupertino, Raumschiffarchitektur, 12.000 Angestellte). Einer der Gründer von Apple war Steve Wozniak. Er galt Anfang der 70er als technisches Genie im Silicon Valley. Er machte sich einen Namen als Hacker. Er gründete nachher noch mehrere Firmen. Im Dezember 2017 einigt sich Apple mit Irland über die Steuerschuld (af Druck der EU). Es geht um 13 Mrd. €, die bis zu einem Gerichtsentscheid auf ein Treuhandkonto kommen. Bei der Marktkapitalisierung führt Apple auch 2016 (735 Mrd. Dollar, Gewinn 19,5). 2018 nach der US-Steuerreform holt Apple 252 Mrd. $ aus geparkten Gewinnen in die USA zurück und zahlt 38 Mrd. $ Steuern. Die entscheidende Frage ist, ob wirklich die Steuerreform die Ursache ist. Es könnte ja auch sein, dass Apple das Geld an die Aktionäre ausschüttet. Werden also wirklich Jobs verlagert oder wird nur Geld verschoben? 2017 erwirtschaftet Apple einen Unsatz und Gewinn auf Rekordniveau. 2018 ist Apple das erste Unternehmen der Welt, dass mehr als eine Billion $ wert ist (1039 Mrd. $ Ende Oktober 2018). Auch die anderen Digitalriesen der USA stehen an der Schwelle (Amazon, Microsoft, Alphabet). Im August 2020 knackt Apple die zwei Billionen Dollar-Grenze (Marktkapitalisierung). Innerhalb von zwei Jahren ist eine  Verdopplung eingetreten. Anfang August 2021 steigt der Börsenwert auf 2,5 Billionen Dollar. Der Gewinn dürfte 2021 bei 70 Mrd. € liegen. Immer mehr Umsatz wird mit Services gemacht. Im September 2021 beseitigt Apple die Schwachstelle gegen die Spionage-Software Pegasus.  "Unser Ziel ist es, die Welt besser zurückzulassen, als wir sie vorgefunden haben", Tim Cook, 2017, Apple-CEO.

Einzigartige Organisations- und Führungsstruktur von Apple: Sie ist auf das Fördern von Innovationen ausgerichtet. Es gibt keine General Manager, sondern nur Experten, die andere Experten führen. Der Konzern ist nach Funktionen organisiert. Dabei treffen die Personen mit der größten Fachkompetenz die Entscheidungen. Die Führungskräfte arbeiten funktionsübergreifend zusammen und verfügen über enormes Detailwissen auf ihrem Gebiet. Podolny, J. M./ Hansen, M. T.: Wie Apple Innovationen fördert, in: HBM Januar 2021, S. 65ff.

Facetime: 2021 will Apple massiv die Videochat-App ausbauen. Sie soll zu einer ernsthaften Konkurrenz für Zoom werden. Sie soll auch mit Android laufen. Die Apple-Produkte sollen verbunden werden.

App-Stores von Google und Apple: Hersteller und Anbieter müssen hohe Provisionen bei In-App-Käufen zahlen. Es gibt immer wieder Klagen und Beschwerden. Die Smartphone-Plattformen sind sehr mächtig geworden.

Xiaomi: Peking (seit 2010; wichtigster Smartphone-Hersteller, innerhalb kürzester Zeit vom Start up zum Großkonzern; auch Luftfilter, Sportgeräte u. a.; will sich ab 2016 in deutsche Firmen einkaufen. 2014 schon weltweit drittgrößter Smartphone Hersteller; Lei Jun gilt als neuer Steve Jobs; will die ganz Großen angreifen; Führungsmanager Barra wechselt 2013 von Google zu Xiaomi, mit ihm beginnt der Aufstieg, 2017 verlässt er das Unternehmen). 2018 kommt ein großer Börsengang. Damit soll der Aufbau einer Ladenkette finanziert werden. 2015 Grünung eines Parteikomitees, 104 KPC-Mitglieder 2018; das Geschäft mit vernetzter Elektronik wird 2018 deutlich ausgebaut. 2018 viertgrößter Smartphone - Hersteller der Welt. Auch Produzent von Laptops und Heimelektronik.  Xiaomi profitiert 2019 in den USA und Europa von der Sanktionierung von Huawei. Mit einem neuen Standort in Düsseldorf plant das Unternehmen ab 2019 eine Expansion in Deutschland. Als erster Handyhersteller der Welt sollen die Handys Strom durch die Luft bekommen  (ohne Kabel oder Ladeschale). Phaseinterferenz-Antennen. Das zu ladende Gerät kann präzise angepeilt werden. 2021 wird das Unternehmen zum neuen Star der Branche. Man setzt Primus Apple immer mehr unter Druck. Der Gründer Lei Jun will bessere Smartphones bauen. In China hat er Rockstar-Status (Mischung zwischen Musk und Jobs). Das Unternehmen steht nicht mehr auf der Schwarzen Liste der US-Regierung. Man hat eine wichtige Kooperation mit dem US-Chipriesen Qualcomm. Die Firma kommt Apple immer näher: Die Spitzenmodelle 2021 sind Hochleistungs-Smartphones

Huawei, Shenzhen: Elektronik, Netzwerkbetreiber, Netzausrüster, 1987 gegründet (mit 3500 $ Start-Kapital). In der Nähe von Shenzhen ist eine Produktionsstätte. Es gibt auch einen Campus, Ox Horn getauft. hier sind viele Bauwerke der Welt nachgebaut (Heidelberger Schloss, Verona, Fribourg, Grenada u. a.). 2010  3000 Mitarbeiter in Europa, weltweit 180.000. Umsatz im Jahr 2017 78 Mrd. Euro; Gewinn 6,15 Mrd. Euro. Huawei arbeitet in 170 Ländern. Mittlerweile ist die Firma der weltgrößte Hersteller für Kommunikationstechnik. Hauptquartier in Deutschland Düsseldorf; größter Konkurrent von Cisco; jahrelang von der NSA ausspioniert. Chairman ist Eric Xu 2018. Will sich durch Innovationen stark verbessern. Zunehmend bei Grundlagenforschung. Mehr als 80.000 Mitarbeiter sind am Unternehmen beteiligt (Shareholder). 2017 führt das Unternehmen bei der Zahl der Patente: 4024. Gründer Ren Zhengfei, Ingenieur, 1987; Deutschland-Chef 2018 Yang Tao. Zhenfei hält noch 1% der Aktien. Der Rest gehört der Mitarbeitergewerkschaft, die über ihren Dachverband an den Staat gebunden ist. Huawei ist 2018 der einzige chinesische Konzern von Weltrang (außerhalb Chinas sehr erfolgreich); die Kooperation mit der Telekom verleiht dem Konzern große Macht in Deutschland (mit dem 5G-Standard dürfte der Einfluss noch wachsen). Huawei überholt 2018 Apple beim Handy-Verkauf. Noch ist Samsung vorne. Die USA haben das Unternehmen unter einen Bann gestellt, ebenso Australien, Neuseeland und GB (Einflussnahme der chinesischen Regierung, Spionage, Störung der Netze). Es ist direkter Konkurrent von Apple. Die Marke Honor gehört auch zum Unternehmen. 2018 setzt das Unternehmen voraussichtlich 100 Mrd. Dollar um. Im Dezember 2018 wird die Finanzchefin von Huawei Meng Wanzhou in Kanada festgenommen. Sie ist auch die Tochter vom Firmengründer Ren Zhengfei. Die USA verlangen die Auslieferung. Es geht um Verstöße gegen die US-Sanktionen gegen den Iran. Die Verhaftung könnte die Handelsgespräche zwischen den USA und China platzen lassen. Die USA verstärken am 29.01.19 kurz vor der nächsten Runde der Handelsgespräche in Washington den Druck: Huawei wird nun auch der Spionage und des Betrugs beschuldigt (bis zu 10 Jahre zurück). Die Nähe zur Staatsführung in China wird recht eng eingestuft. Huawei ist mittlerweile der der größte Telekom-Ausrüster der Welt. Auch in Deutschland wird 2019 diskutiert, ob es sinnvoll ist, den bevorstehenden Ausbau des Mobilfunknetzes (5G) mit Huawei zu planen. Bundeskanzlerin Merkel fordert Garantien, dass Daten nicht an die chinesische Regierung weitergegeben werden. Man könnte natürlich auch testen. Beim Bau mobiler Mobilfunknetze führt Huawei (31% Marktanteil) vor Ericsson/ Schweden, Nokia/ Finnland, ZTE/ China und Samsung/ Südkorea. Weltweit gibt es immer mehr Kritik am Smartphone - Produzenten und Netzwerkausrüster Huawei. 2001 wurde die Niederlassung in den USA eröffnet. Es gab immer wieder Geheimdienstoperationen gegen Huawei in den USA. Der erste Angriff war 2006 von der NSA ("Parody Blowup", G. W. Bush) 2009 gab es eine zweite Operation ("Shotgiant"). Die Sorgen gründen sich vor allem darauf, dass Gründer Ren Zhengfei früher als Offizier der nationalen Volksarmee gedient habe. Die Bundesregierung plant 2019 ein Antispionageabkommen mit China. Im Gegenzug soll Huawei in Deutschland weiter aktiv sein dürfen. Allerdings war ein "No-Spy-Abkommen" zwischen den USA und China schon einmal wirkungslos geblieben.  Trump ruft 2019 den nationalen Notstand für den Telekom-Sektor aus. Damit kann er Huawei auf eine schwarze Liste setzen.   Im Mai 2019 setzen die USA Huawei auf eine "schwarze Liste". Daraufhin will Google das Unternehmen nicht mehr mit dem Betriebssystem "Android" versorgen. Das könnte Huawei schwer schaden. Diese Sanktion wird dann für 90 Tage ausgesetzt. Huawei arbeitet seit 2012 an einem eigenen Betriebssystem mit Namen HongMeng. Doch ein Betriebssystem komplett mit Apps auf die Beine zu stellen ist sehr schwierig, was das Beispiel Microsoft zeigt. Huawei braucht wohl noch 2-3 Jahre für die Marktreife. Insofern kommt der Schritt der USA etwas früh. Ursprünglich wollte die Firma Android von Google langsam Schritt für Schritt ersetzen. 2019 droht Huawei ein Wettbewerbsverfahren der EU: es sind kaum europäische Bewerber (Ericsson, Nokia) bei den 5G-Ausschreibungen in China zum Zuge gekommen (in 37 von 40 Städten bekam Huawei die Aufträge). 2019 streicht das Unternehmen Jobs in den USA: Forschungseinheit. 2018 hatte Huawei Apple in Europa überholt und war Zweiter hinter Samsung. Nach den Sanktionen der USA (Androit) bricht der Absatz in Europa ein (-1%). Auch die Deutsche Telekom überprüft die Kooperation. Der Übergang auf die neue Mobilfunk-Technologie der fünften Generation (5G) würde ohne Huawei um Jahre zurückgeworfen. Deshalb will die Bundesregierung die Firma nicht ganz ausschließen, sondern die Sicherheitsvorkehrungen erhöhen. Die USA sehen Huawei 2020 weiter als "trojanisches Pferd" und als Gefahr für die Nato. Im Frühjahr 2020 schickt Huawei Hilfspakete mit Atemmasken für Italien, Polen, Tschechien und will die ganze EU beliefern. Ein deutscher Exmanager hat Huawei wegen Verstößen gegen den Datenschutz verklagt und recht bekommen (Infos über deutsche Angestellte nach China). Luxemburg will in der EU vorpreschen und Huawei als 5G-Netzausrüster. 2020 entwickeln die USA eine neue Strategie: Sie greifen Huawei über die Halbleiter an (7-Nanometer-Halbleiter): 3 Firmen gibt es weltweit: TMSC aus Taiwan, Samsung aus Südkorea, Intel aus den USA. Die USA arbeiten daran, den Export zu beschränken. GB will Huawei beim 5G-Netz verbannen (Sicherheitsbehörden haben Bedenken). Man vermutet auch Druck aus den USA. 65 des 4G-Funknetzes der Deutschen Telekom sind mit Huawei-Technik bestückt. Bei Vodafone sind es 55%. Die EU tut sich schwer mit einer einheitlichen Linie. Huawei plant im Oktober 2020 eine Firma für 5G-Antennen im Elsass. Macron ist ein Fan des neuen Mobilfunkstandards. Huawei beliefert weltweit Autohersteller mit Chips für vernetztes Fahren. das könnte für deutsche Premium-Hersteller zum Problem werden. Der Marktanteil von Huawei liegt hier bei 50%. Die USA zahlen Brasilien 1 Mrd. $ für den Verzicht auf Huawei. Huawei gibt Ende 2020 seine Tochter Honor an einen Staatskonzern ab. Honor soll mit einem neuen Betriebssystem experimentieren und einen eigenen Playstore für China entwickeln. In Deutschland erleidet die Firma 2021 einen schweren Rückschlag. Ein neues Sicherheitsgesetz verlangt die Überprüfung von sicherheitsrelevanten Elementen durch das BMI. Die Lobby-Arbeit der Telekom nützt nichts. Ende September 2021 kommt die Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada frei. Das Auslieferungsverfahren der USA wurde eingestellt.  In Shenzhen unterhält Huawei einen Firmencampus mit ca. 40.000 Mitarbeitern. Huawei betreibt seit 2018 in Bonn ein Labor (war mit dem BSI vereinbart) . Das BSI hat unangemeldet Zugang jederzeit. Die Briten haben ein ähnliches Labor bei Oxford. Allerdings gibt es in China ein Gesetz, dass heimische Organisationen verpflichtet, bei Bedarf den Geheimdiensten zuzuarbeiten. Deshalb misstrauen alle Länder. Frankreich gibt nur Teile des Netzes an Huawei. Nach den Snowden - Dokumenten haben bisher nur US-Firmen weltweit Schläfer-Software eingebaut, nicht China. Vodafone lässt 2021 seine Antennen nicht mehr von Huawei warten.

ZTE, Shenzen (Netzausrüster, Telekommunikation; Handys; halbstaatliches Unternehmen, präsent in den USA; geht 2018 fast zugrunde aufgrund der US-Strafzölle und des Protektionismus; Trump hat dann ein Einsehen; dahinter könnte auch Korruption stecken: in Indonesien sind die Trump-Kette und ZTE in einem Hotelkomplex aktiv; trotzdem trifft es ZTE hart, weil der Konzern gegen Iran- und Nord-Korea-Sanktionen der USA verstoßen haben soll)

Foxconn, ursprünglich Tucheng/ Taipeh, Taiwan (seit 1974; Elektronik; Produktion für Apple in Süd-China; 2019 zu viele Zeitarbeiter). Heute Hauptquartier in Shenzhen. In den 1990er Jahren kam man dorthin. Ein weiteres großes Werk ist in Zhengzhou (350.000 B.). Foxonn hat es nie geschafft oder nicht gewollt, eigene Marken herzustellen. Dabei werden fast alle Handys der Welt in der Firma hergestellt. Ursprünglich produzierte man auch Handys von Nokia. Mit dem Abstieg von Nokia begann der Aufstieg von Apple.

Luxshare Precision Co. Ltd., Shenzhen/ China (Medizintechnik, Konsumelektronik, Steckverbindungen, Netzkabel, Computerprodukte)

Fiberhome Networks, Wuhan/ China: Zulieferer in der Telekommunikation (Kabel, Glasfiber). Beliefert auch die Telekom. Gerät 2020 auf die Schwarze Liste der USA. Überwachungsanlagen für die Uiguren.

Kingdee Co. Ltd., Hongkong:  Unternehmenssoftware, Cloud.

Tsinghua Unigroup, Peking/ Shanghai (Halbleiter, Chips; deutscher Konkurrent Infineon; Tsinghua wird stark subventioniert; 100%-Tochter der gleichnamigen Elite-Universität)

Acer, Asus, HTC: Das sind Firmen die in der 1990er Jahren aus Taiwan nach China kamen, meist nach Shenzhen im Süden. Sie starteten als ODMs (Original Design Manufacturer). Das sind Unternehmen, die nur Produkte für andere Marken herstellen. Sie haben sich im Laufe der Jahre von dieser Auftragsfertigung verabschiedet und haben eine eigene Marke aufgebaut. Asus ist sehr erfolgreich im Imitieren von Apple.

BBK, Shenzhen: Marken Oppo und Vivo. Zwei bekannte Handys. Die Firma wird bibugao in Chinesisch ausgesprochen. Dahinter steckt der Milliardär Duan Yongping. Oppo steigt 2020 auf den fünften Platz weltweit (hinter Samsung, Huawei, Apple und Xiaomi). In China liegt Oppo schon auf dem zweiten Platz hinter Huawei. 2020 gewinnt Oppo Vodafone als Netzanbieter in Deutschland.  

Microsoft Corporation, Redmond/ Washington: Das Unternehmen hat fast ein Monopol bei PC - Betriebssystemen. Latente Konkurrenten sind das freie System Linux und Android bei Handys. Versuche der Monopolisierung - etwa bei Browsern - werden von den Kartellämtern unterbunden. Überzeugt 2017 mit starken Quartalszahlen. Profitiert vom Cloudcomputing. Microsoft wurde 1975 von Bill Gates und Paul Allen gegründet. Das Unternehmen hat 2017 114.000 Beschäftigte und ist der größte Softwarehersteller der Welt. 2018 bricht das Unternehmen mit der Windows-Ära. KI und Quantencomputer sollen das Cloud-Geschäft expandieren, um mit Amazon mithalten zu können. Microsoft unterstützt mittlerweile auch Linux (mit Azure). 2018 überholt Microsoft Google (Alphabet) wieder im Aktienwert.  Es führt Apple und Facebook liegt an vierter Stelle bei den großen US-Digitalfirmen. 2018 stirbt Mitbegründer Paul Allen mit 65 Jahren (Erfinder des Firmennamens; trieb auch MS-DOS und Word voran). 2018 gibt es einen Gewinnsprung. Im dritten Quartal floriert die Cloud-Sparte und die Büro-Software. Microsoft geht 2019 bei der  Cloud eine Kooperation mit Oracle ein. 2019 sind die Aktien auf Rekordkurs, es gibt einen Gewinnsprung. Mitte 2019 ist das Unternehmen das wertvollste der Welt. Vier-Tage-Woche: Versuche laufen in einigen Ländern. 2019 startet Microsoft einen solchen Arbeitsversuch in Japan. Die Vier-Tage-Woche bringt dort einen höhere Produktivität. Es soll eine Wiederholung geben. 2019 erhält die Firma einen Cloud-Computing-Auftrag vom US-Verteidigungsministerium (Jedi - Milliardenauftrag). Amazon klagt gegen die Auftragsvergabe. 2020 plant Microsoft, Tik Tok aus China zu übernehmen. Microsoft will mehr Macht in den sozialen Netzwerken. Tik Tok könnte einem Verbot in den USA entgehen. Microsoft will für die USA, Kanada, Australien, Neuseeland agieren. Trump will am Verkauf verdienen. 2020 erhält Microsoft einen Milliardenauftrag vom Pentagon (10 Mrd. $, Jedi-Projekt, Cloud). Das Unternehmen hat dabei Amazon ausgestochen, das sich heftig wehrt. In der Corona-Krise beflügelt der Trend zum Homeoffice die Geschäfte.  Ende 2020 greifen Hacker Microsoft an. Sie gelangen bis an die Quellcodes. Die Bundesregierung ist reichlich abhängig von den Produkten von Microsoft. Sie steigt weiter an. Im Haushaltsjahr 2020 wurden  178,5 Mio. € für Softwarelizenzen, Cloud- und Serverdienste ausgegeben. Das widerspricht den strategischen Zielen der Bundesregierung. 2021 kommt die zweitgrößte Übernahme nach LinkedIn (2016, 26 Mrd. $): Nuance. 19,7 Mrd. $,   Spracherkennung. Vorher wurde schon Bethesda ("Doom", "Fallout") als Spiele- Entwickler übernommen (7,5 Mrd. $). am 5. Oktober 2021 kommt Windows 11 auf den Markt.  Bill Gates leitet mittlerweile eine der größten Stiftungen weltweit. Anfang 2019 wird die Suchmaschine Bing von der chinesischen Regierung gesperrt. Betroffen sind auch einzelne VPN-Verbindungen. 1995 begann der Siegeszug von Microsoft mit dem Betriebssystem Windows 95. Die Software machte s einfacher, am PC zu arbeiten und zu spielen. Es war für Microsoft ein Meilenstein, obwohl es am Anfang noch nicht stabil und sicher war.

Bill & Melinda Gates Foundation (2020 50 Mrd. Dollar; größte Privatstiftung der Erde; 1994 angefangen, 2000 gegründet; 20 Jahre nach dem Tod von Gates muss das Geld ausgegeben sein; Entwicklung in armen Ländern, Klimaschutz, Bildungs- und Gesundheitsbereich). Viel Geld fließt an die WHO und den Impfschutz. Schon 2015 warnte Bill Gares vor der Bedrohung durch Viren. Daraus versucht man ihm in der Corona-Krise einen Strick zu drehen. Es entstehen Verschwörungstheorie, dass Gates die Seuche geplant habe, um reicher zu werden. Die Verdächtigung verfängt sogar in der Heimat. "Bill saugt Wissen auf wie ein Schwamm das Wasser", Richard Roy über Bill Gates (Roy ist Investor, ist Ex-Deutschlandchef von Microsoft). 2021 lassen sich Bill und Melinda nach 27 Jahren Ehe scheiden. Offen bleibt, welche Konsequenzen das für die Stiftung hat.

Facebook als Konzern  (mit Instagram und Whats App): Die Zentrale in Menlo Park ist der größte offene Büroraum der Welt. Facebook ist der unangefochtene Marktführer für geschlossene soziale Netzwerke. Die drei Unternehmen haben auch den Sitz im Sillicon Valley (Menlo Park).

Facebook: Zuckerberg startet die erste Website 2004. Es ist ein Netzwerk für Studenten. Die Idee geht auf die Winklevoss - Brüder zurück, die Zuckerburg als Programmierer engagieren. Später gibt es Gerichtsverfahren (Zuckerberg wird als komplett skrupellos geschildert).  Zuckerberg hatte das Angebot von Yahoo 2006 für 2 Mrd. $ zu verkaufen. Er lehnte ab. 2015 hat Facebook eine neue Firmenzentrale mit Blick auf die Bucht von San Francisco bezogen. Das ganze Dach ist ein enormes Biohabitat. 2018 kommt der Einstieg in die Partnervermittlung. Nach einer Datenpanne Ende 2018 ermittelt Irland gegen Facebook. Die Vizechefin von Facebook Sheryl Sandberg will 2019 Vertrauen zurückgewinnen: Manipulationen bei der Europawahl sollen verhindert werden. Russland leitet Anfang 2019 ein Verfahren gegen Facebook ein. 2019 kauft Facebook für über 6 Mio. € ein Institut für Wirtschafts-Ethik an der TH München. Wegen fehlender Transparenz im Umgang mit Hasskommentaren muss Facebook im Sommer 2019 ein Millionen-Bußgeld in Deutschland zahlen. Quelle: Bundesamt für Justiz. Im Sommer 2019 muss dei Firma eine Rekordstrafe in den USA zahlen wegen Datenmissbrauch. Dann kommt raus, dass bei Facebook mitgehört wurde. Es geht um Systeme, die menschliche Sprache verstehen. Im Sommer 2019 werfen Twitter und Facebook China vor, in Online-Netzwerken gezielt gegen die Proteste in Hongkong Stimmung zu machen. Sie sperren Nutzerkonten. Im September 2019 kauft Facebook die Firma CtrI-Labs: Steuerung per Gedanken. Facebook will ab 2019 den Wohnungsbau fördern. Es gibt eine Milliardeninvestition in Kalifornien, weil Programmierer aus Not im Reisemobil schlafen. 2020 richtet Facebook ein Oversight-Board ein. Es soll sich mit Lügen, Hass und Verschwörungstheorien beschäftigen. 40 Experten sollen urteilen. Facebook steckt in der größten Krise seiner Geschichte. Die Nutzerzahlen stagnieren. Politiker wollen den Konzern zerschlagen. Wachstum bringt vor allem Instagram. 2019 will Facebook seine verschiedenen sozialen Netze miteinander verknüpfen. Das erzeugt viel Argwohn. Das Bundeskartellamt will 2019 Nutzern des sozialen Netzwerks Facebook mehr Kontrolle über Informationen geben, die gespeichert werden (nicht automatische Zusammenführung von Facebook, Whats app und Instagram). Roger McNamee, einer der größten Investoren und Mentoren, rechnet in einem Buch 2019 mit Facebook ab: Das Buch heißt "Zucked" und meint, dass Facebook zu mächtig sei und sich nicht um den Schaden kümmere, den es weltweit anrichte. Mitte März 2019 verlässt die Nummer drei von Facebook den Konzern (Chris Cox hinter Mark Zuckerberg und Sheril Sandberg). Er hält nichts von dem Strategiewechsel  (Kommunikation in verschlüsselten Chatdiensten und strikterer Schutz der Privatsphäre). Im Februar 2020 nimmt Mark Zuckerberg an der Münchener Sicherheitskonferenz teil (hat nichts gegen höhere Besteuerung von Facebook). 2020 soll Facebook in den USA Steuern nachzahlen: 2020 übertrug Facebook Nutzungsrechte für sein Netzwerk an eine Konzerntochter in Irland, die dafür Gebühren zahlte. Die US-Steuerbehörde befindet, dass Facebook die Gebühren zu niedrig ansetzte. 2020 veröffentlicht Facebook alle von Hass und Fake News geprägten Nachrichten, auch die von Trump. Es weicht damit voll von Twitter ab. Zuckerberg und Trump scheinen zu kooperieren. Facebook verbündet sich mit den Mächtigen in den USA. Man könnte von einer Lobbyoffensive sprechen, um seine Macht weiter auszubauen (Libra, nach Google die höchsten Lobbyausgaben). Als das Trump - Wahlkampfteam ein altes Nazisymbol aus Konzentrationslagern verwendet, löscht allerdings auch Facebook die Werbung. Der Bundesgerichtshof gibt einer Klage des Bundeskartellamtes Recht (Eilverfahren): Facebook darf nicht Daten von Nutzern von Tochterunternehmen wie Whats App und Instagram einfach sammeln und nutzen. Es muss dafür jeweils die Zustimmung der Nutzer vorliegen. Keine Verknüpfung personenbezogener Daten. Facebook weitet sein Vorgehen gegen Hassbotschaften aus. Es reagiert darauf, dass immer mehr Firmen ihre Werbung bei Facebook ausgesetzt haben. Hunderte Firmen wollen aus Protest nicht mehr bei Facebook werden ("Stop Hate for Profit"). Das ist meist nur halbherzig, weil Instagram auch zu Facebook gehört. Die Bundesregierung plant 2020 ein Gesetz, dass Geheimdienste den Zugriff auf Whats App ermöglichen soll. Im Juli 2020 erleidet Facebook eine schwere niederlage. Der EuGH kippt den Privacy Shield zwischen USA und EU. Persönliche Daten von EU-Bürgern dürfen nicht mehr an US-Server geschickt werden. Vor der US-Wahl kämpft Facebook gegen Schmutz auf der Plattform. 2016 gab es ein Desaster, das jetzt verhindert werden soll. Die US-Regierung (Kartellbehörde) und 40 Bundesstaaten wollen Ende 2020 Facebook wegen unfairen Wettbewerbs verklagen. Es geht um die Übernahmen von Instagram und Whats app.  Es droht eine Zerschlagung. Europa-Chefin von Facebook ist Angelika Gifford. Sie ist für 32 Länder zuständig. Insgesamt hat Facebook Anfang 2021 3,2 Mrd. Nutzer, 10 Mio. Firmen. Das Unternehmen machte 2019 einen Nettogewinn von 18,5 Mrd. $, ist 780 Mrd. $ wert und hat 50.000 Mitarbeiter.  Nach dem Sturm auf das Kapitol wird der Account von Trump   vorübergehend gesperrt. Die Büroleiterin von Digitalministerin Dorothee Bär Julia Reuss , die mit Verkehrsminister Andres Scheuer liiert ist, wird ab Ende Februar 2021 bei Facebook für Zentraleuropa zuständig sein. Sie weiß alles über die Regierungspläne zur Regulierung von Facebook. Die Sache ist zwar legal, aber auch geschmacklos. Australien macht 2021 ein neues Mediengesetz. Facebook soll an die Zeitungen und Magazine Geld bezahlen, wenn es Inhalte übernimmt. Facebook schaltet daraufhin jede Menge Seiten ab. Schließlich findet man einen Kompromiss. Ein Bezirksgericht in Nordkalifornien verdonnert Facebook zu rund 1,6 Mio. Dollar. Mit einer Gesichtserkennungstechnologie wurden Daten genutzt, ohne die Nutzer zu fragen. Im April 21 reagiert Facebook auf den Erfolg von Clubhouse. Man stellt einen Konkurrenten für die populäre Audio-App vor (Live Audio Rooms).  Im Juli 2021 bildet der konzern ein Expertenteam für das "Metaverse-Projekt". Facebook will eine virtuelle Welt schaffen. Im Juli 2021 führt Facebook die Impfpflicht für seine Mitarbeiter ein. Im September 2021 löscht Facebook die Konten von "Querdenkern". Das sind 150 Konten und Gruppen. Am 04. Oktober kommt es wegen technischer Probleme zu einem mehrstündigen Ausfall aller drei Subunternehmen (Facebook, Instagram, Whats App). Eine Whistle-Blowerin (Frances Haugen) hat Materialien gesammelt, dass Facebook spalten will und die Profitmaximierung immer im Vordergrund steht. Die Diskussion um eine Aufspaltung des Konzerns erhält weitere Nahrung. Der US-Kongress will Mark Zuckerberg wieder mal vorladen. Der Daumen geht immer mehr nach unten. Auch in europa wäcjst der Druck. Mit Aufsicht über den Algorithmus sollen Hass und Hetze eingedämmt werden.  "Ich denke, die Zukunft der Kommunikation verschiebt sich hin zu privaten, verschlüsselten Diensten", Mark Zuckerberg, 2019).  "Move fast and break things" war einst das Firmenmotto. Ein großer Teil der russischen Propaganda im Trump - Wahlkampf lief über Facebook. Das wurde nicht erkannt, obwohl die Russen in Rubel bezahlten. 2017 werden in einer Minute 56.000 Bilder auf Instagram gepostet. Im Frühjahr 2018 soll die Datenplattform Verimi an den Start gehen. Große deutsche Firmen wie Allianz, Springer, Daimler , Deutsche Bank planen eine Konkurrenz zu Facebook. Auch Giesecke + Devrient tritt bei. Anfang 2018 droht das Kartellamt Facebook mit Sanktionen (Missbrauch von Marktmacht). Im März 2018 kommt heraus, dass die britische Firma "Cambridge Analytica" millionenfach (ca. 50 Mio.) auf unzulässige Weise Facebook - Profile benutzt hat, um in Wahlkämpfe einzugreifen, auch in den US-Wahlkampf. Wegen des gigantischen Datenmissbrauchs gerät Facebook unter politischen Druck. Investoren ziehen sich zurück. Eine Klagewelle droht. Der Aktienkurs bricht ein. Die Existenz des Unternehmens, zumindest das Geschäftsmodell, steht auf dem Spiel. Zuckerberg entschuldigt sich in einem Interview mit CNN. Die Aufsichtsbehörden in GB und den USA untersuchen den Fall. Der Chef von Cambridge Analytica Alexander Nix wird suspendiert. "Move fast and break things", Facebook. Der Film zu Facebook heißt "The Social Network" (2010). Die Hälfte aller deutschen Nutzer erwägen einen Austritt. Konkret verlässt Tesla die Plattform. Im April 2018 stellt sich heraus, dass der Datenskandal größere Dimensionen hat. Die Daten von 87 Mio. Nutzern seien unzulässig verwendet worden. 2018 dürfte der Anteil von Facebook am digitalen Werbemarkt erstmals sinken. Im April 2018 muss sich Zuckerberg Anhörungen im Senat und Kongress der USA stellen. Er entschuldigt sich mehrmals, räumte Fehler ein und gelobte Besserung. trotz der Krise steigt die Anzahl der Nutzer auf 2,2 Milliarden. Der Gewinn stieg im ersten Quartal 2018 sogar um 63%. Zuckerberg will 2018 zu einer Anhörung vor dem EU-Parlament kommen. Es geht um den Datenmissbrauch in seinem Unternehmen. Im Sommer 2018 verliert Zuckerberg viele Milliarden durch einen Einbruch der Facebook-Aktie. Am 28.09.18 gibt es einen großen Hacker-Angriff auf Facebook. 50 Mio. Konten des sozialen Netzwerks sind betroffen. Es wurden auch digitale Schlüssel gestohlen (Token). Die Sicherheitslücke konnte einen Tag später geschlossen werden. In Deutschland häufen sich Vorschläge, den Konzern wegen zu großer Marktmacht zu zerschlagen. Der Aktienwert sinkt Ende 2018. Im März 2019 kommt heraus, dass Millionen Passwörter für Mitarbeiter lesbar waren. "Zuck ist ein Soziopath, der alles für den Börsenwert tut", Scott Galloway, Marketing-Professor in den USA. Die Geschäftsführerin Sheryl Sandberg hält 2020 ihr Versprechen, gegen Miss-Infos stärker vorzugehen. Ein Informationszentrum soll im US-Wahlkampf dafür sorgen, dass die Wähler verlässliche Auskünfte erhalten. Trumps Konten bei Facebook bleiben vorerst gesperrt. Es soll alle sechs Monate geprüft werden.

Instagram ist die weltweit führende Plattform zum Teilen von Fotos (Gründungstag 6.10.2010; seit 2012 bei Facebook). Mehr als 500 Jahre war das geschriebene Wort am wichtigsten. Durch Internet und Smartphones werden Wörter langsam durch Bilder verdrängt. Täglich werden in Instagram 80 Mio. Momente festgehalten. Im dritten Quartal macht das Unternehmen einen Gewinnsprung (+166% im Vergleich zum Vorjahreswert).  Ursache sind die Werbeeinahmen. Die Plattform hat mittlerweile Facebook und Twitter als Nachrichtenquelle überholt. Es geht auch um Politik. Immer mehr Nutzer setzen sich auch für eine bessere Zukunft ein ("Sinnfluencer"). 2020 hat man 1 Mrd. Nutzer. 2017 hat Facebook fast zwei Milliarden Nutzer (2018 über 2 Mrd., insgesamt alle Unternehmen). Zuckerberg definiert Facebook als Technologieunternehmen. Mit dem Wahlsieg von Trump entsteht eine Diskussion über die politischen Einflüsse. Facebook zeichne eine neue Welt, nämlich wie man sich mit Freunden umgebe und Medien konsumiere. Es geht um Facebook als Quelle der Wahrheit. Mittlerweile gibt es Steigerungen bei den Quartalsgewinnen um 77% (Smartphone-Werbung). Am 18.05.2012 ging das Unternehmen an die Börse. Bundesjustizminister H. Maas bringt im Mai 2017 einen Gesetzentwurf, der Firmen wie Facebook zwingen will, rechtswidrige Inhalte aus ihren Angeboten zu entfernen ("Löschgesetz" mit hohem Bußgeld bei Verstoß). Gegner dieses Gesetzes sehen die Meinungsfreiheit gefährdet. Facebook richtet in Deutschland zwei "Löschzentren" ein (Berlin, Essen). Man arbeitet zusätzlich mit mit selbst lernender Filtersoftware. Facebook liegt auf Platz drei der Digitalkonzerne (2016: 516 Mrd. Dollar Marktwert, Gewinn 10,2). Der gewinn ist 2017 um 56 Prozent gestiegen. 2018 macht Instagram einen Test mit einem "Stand-alone-Messenger". Facebook will 2018 wieder mehr das Private betonen. Der Konzern erleidet 2018 eine Schlappe vor dem deutschen Gericht: Voreinstellungen für seine Dienste müssen verändert werden. Im Februar 2018 kritisiert die EU-Kommission Facebook, weil es EU-Regeln nicht beachte. Im April 2018 warnt auch der Kartellamtschef Facebook. Er sieht aber auch Gefahren durch die Internetfirmen aus China. Im November 2018 wird über Facebook ein 16-jähriges Mädchen im Süd-Sudan versteigert. Wenn das so weiter geht, ist Facebook zum Scheitern verurteilt. Im September 2019 verliert Renate Künast einen Prozess gegen Facebook: Laut Landgericht Berlin sind die drastischen Kommentare zulässige Meinungsäußerung. 2021 spricht man von Insta-Beauty. Gesichter werden gleichgeschaltet. Wenn man nicht dem Ideal entspricht, setzt man Botox und Hyaloron ein. Im Bilderstrom von Instagram ähneln sich dei Gesichter immer mehr. Bella Hadid und Kylie Jenner sind die Vorbilder. Vgl. Baier, Corinna: Die Insta Beauty. Oder die Gleichschaltung des Gesichts, in: Focus 31/2021, S. 22ff.

Whats App wird täglich von mehr als 2 Milliarden Menschen genutzt (2021). Es enthält keine Werbung. 2018 verlässt Mitbegründer Jan Koum das Unternehmen. Facebook versucht zunehmend, mit Whats App seinen Umsatz zu steigern. 2019 fällt das auf fünf Jahre gegebene Werbeverbot. In irgendeiner Weise wird Werbung eingebaut werden. Im Juni 2018 muss Facebook zugeben, dass Daten mit chinesischen Firmen geteilt wurden (Huawei, Lenovo, TCL). Es gibt im gleichen Monat eine erneute Datenpanne (private Mitteilungen öffentlich sichtbar, 14 Mio. Nutzer). Im Juni 2018 muss der Chef-Stratege und PR-Chef Elliot Schrage gehen (berät den Konzern aber weiter). 2019 schränkt Whatsapp die Weiterleitung ein. Eine schwere Sicherheitslücke wird im Mai 2019 geschlossen (Zugriff des israelischen Geheimdienstes). Der Börsenwert beträgt Ende Oktober 2018 422 Mrd. $. 2021 gerät Whatts App in die Kritik. Man erlässt neue Richtlinien, um Geld verdienen zu können. Das verärgert die Nutzer. Die Konkurrenz profitiert (vor allem Signal). Die EU erwägt ein Gesetz gegen die Dominanz von Whatsapp. In sozialen Netzwerken gibt es heiße Diskussionen. An der Verschlüsselung der Chat-Teilnehmer will man festhalten. Es werden neue Funktionen in Aussicht gestellt. Der Dienst kritisiert Regierungen (wollen die Verschlüsselungen in Chatdiensten aufheben).

Alternativen zu Facebook:1. Die beruflichen Netzwerke (Xing, LnikedIN). 2. Human Connection (ohne Werbung, Plattform für gute Zwecke, lebt von Spenden, gemeinnützig). 3. Ello (Künstlernetzwerk). 4. Vero (Alternative zu Instagram). 5. Diaspora (verteiltes System, Vielzahl von Server). 6. Signal (wird von Whats App-Gründer Brian Acton finanziert). Der Markt der Messenger-Dienste ist in Bewegung. Hinzu kommen noch Facebook Messenger, Threema, Viber und Skype. In China ist Facebook gesperrt. Sie setzen auf eigene Dienste: Weixin/We Chat, Tencent. Telegram hat seinen Sitz in Dubai.

Snapchat, Snap Inc:  2016 boomt der Konkurrent Snapchat. Er hat schon 235 Mio. aktive Nutzer (Ende 2016).  Der Aktienwert beträgt Ende 2016 25 Mrd. $.  Foto-App.  Entwickelt 2021 eine alltagstaugliche Computerbrille.  Instant Messaging, seit 2011.

Emerdata Limited, West Malling/ GB auch Henderson, Nevada/ USA (Datenhandelsunternehmen; gegründet 2017; Ersatz für Cambridge Analytics, das 2018 abgewickelt wurde; dahinter steckt die Familie Mercer, reich durch Hedge-Funds, sie verhalf Trump ins Weiße Haus; sie fördern systematisch rechte Sammelbecken; 2020 das rechteradikale Netzwerk  Parler, auch Ku-klux-Klan, auch Söldnerunternehmen Blackwater; Massenkommunikation über soziale Netzwerke, personenbezogene Daten, spezialisiert auf Präsidentenwahl; Microblogger parler.com seit 2018; französisches Wort für freie Rede). Die Anhänger des abgewählten Präsidenten Trump verlassen die sozialen Netzwerke. Sie finden in Parler eine Alternative. Nach dem Sturm auf das Weiße Haus entziehen die großen Tech-Unternehmen Parler die technische Unterstützung (Amazon, Google). Nach dem Löschen seines persönlichen Kontos will Trump ein eigenes soziales Netzwerk aufbauen. Das kann er nur mithilfe der Familie Mercer.

Alternativen zu WhatsApp: Telegram, Threema, Signal, Viber, Wire, Hoccer, Wickr, Ginlo/ Simsme.

Signal: Signal wird von WhatsApp-Gründer Brian Acton finanziert. Chef ist 2021 Moxie Marlinspike. Er ist Segler, Zugreisender, Autodidakt. Er hat die Verschlüsselung entworfen. Als WhatsApp 2021 seine Datenschutzbedingungen grundlegend ändert, entsteht ein großes Unbehagen gegen den Facebook-Konzern. Viele Nutzer wollen wechseln. Marlinspike hat die Verschlüsselung nutzerfreundlich gemacht. Vgl. Nezik, Ann-Kathrin: Der Verschlüsselungskünstler, in: Die Zeit Nr. 5, 20.01.2021, S. 21.

Threema: Die Firma ist aus der Schweiz. Zahlreiche IT-Chefs gehen deshalb weg von Whatts App zu Threema. Dazu gehören die Konzerne Bosch und Daimler. Threema ist Ende 2020 bei 8 Mio. Nutzern. Es ist noch hinter Signal (20 Mio.), WeChat (1300 Mio.), Facebook Messenger (1300), Whats App (2000 Mio.)

Telegram: Russischer Messanger-Dienst. Gründer ist Pawel Durow mit seinem Bruder Nikolai (Gründung 2013). Er hatte Privatvermögen (eigene Angaben). Noch heute finanziert er aus Privatvermögen, Geld verdient er nicht. Telegram ist berühmt, weil es als Verteidiger der Meinungsfreiheit gilt. Der Dienst moderiert und löscht wenig. So ist er zum Hort von Verschörungstheoretikern und Demokratie-Aktivisten (Russland, Belarus, Ukraine) gleichermaßen geworden. Anonymität soll sehr ernst genommen werden. Bisher blieb man auch gegenüber dem russischen Geheimdienst standhaft (deshalb sollte 2018 Verbot kommen, weil Verschlüsselung nicht offen gelegt). Man hat 30 Mio. Nutzer. Seinen Anteil des Unternehmens verkaufte Durow an Vkontakt.  Er lebt heute in Dubai. Leider wird der Dienst immer mehr zum Hort für Hass.  Vgl. Pett, Christina: Sicherer Hafen für Hass, in: Die Zeit Nr. 43, 15.10.20, S. 27. Schellschmidt, Sebastian: Telegramme aus dem Schatten, in: Focus 46/2020, S. 27ff. 2021 werden über Telegram massenweise falsche Impfpässe angeboten (Stempel falsch).

Clubhouse (App): Social Network App, audio-basiert; seit 2014; Gründer Kurt Schrader; Kritik wegen Datenschutz, fehlender Moderation, rechtliche Mängel, im Februar 2021 nur über IOS/ Apple.

Mozilla Corporation, Mountan View/ Kalifornien (Mozilla-Stiftung, seit 2003; ; Vorstandsvorsitzende 2021 Mitchell Baker; Firefox, FTP Mozilla; fordert die Transparenz von Plattformen)

Tencent: Shenzhen. Wertvollster Konzern in China 2016; IT-Riese; Internet, soziale Netzwerke; WeChat; E-Commerce; Bezahlsysteme; Online-Spiele; seit 1998; Gründer M. Huateng; Chef heute Pony Ma (auch einer der Gründer); steigt 2017 mit 5% bei Tesla/ USA ein; strebt 2017 auf den deutschen Markt. Im Februar 2018 504 Mrd. $ Marktkapitalisierung. Am ehesten mit Facebook vergleichbar. Nach einer Studie von Amnesty International liegt Tencent beim Schutz der Privatsphäre auf dem letzten Platz. Das verschafft dem Unternehmen Vorteile in China, vor allem gegenüber der Regierung, aber Nachteile bei globalen Ambitionen. Niemand wird dem Unternehmen vertrauen. Das Maskottchen von Tencent ist der Pinguin. China hat 2018 750 Millionen Internetnutzer. Tencent hatte 2017 einen Umsatz von 22,9 Mrd. US-Dollar, einen Gewinn von 6,2 und gibt 1,8 für Forschung aus. Tencent ist mittlerweile die Macht beim Online - Gaming. Immer wichtiger werden neben Social Media die Finanzdienstleistungen. Besonders wichtig ist die App "QQMail". Sie ist das, was bei uns Gmail ist. 34% an Tencent hält der Medienunternehmer Naspers aus Südafrika. Bei Tencent geht heute fast jeder Service: Taxi buchen, Essen bestellen, Arzttermin buchen, Kinokarte kaufen, Rechnungen bezahlen, Geld überweisen, Spiele spielen, Zeitschriftenartikel lesen, WeChat-User treffen, telefonieren, chatten, Videos. Börsenwert im August 2020 578 Mrd. €.

Beteiligungen von Tencent: Tencent ist an vielen Unternehmen weltweit beteiligt. Man hat sich auf Games - Produzenten spezialisiert. Dazu gehören Riot Games (USA, 100%), Funcom (Finnland, 100%), Sharkmob (Schweden, 100%), Supercell (Finnland, 84%), Grinding Gear Games (Neuseeland, 80%), Epic Games (USA, 40%), Fatshark (Schweden, 36%), Activision blizzard (USA, 5%), Ubisoft (Frankreich, 5%), Yager Development (Deutschland, ?). Quellen: PCGamer, The Gamer. Die Beteiligungen werden von der chinesischen Regierung streng kontrolliert.

Ping An Insurance Co. Ltd, Shenzhen (46 Mrd. € Marktkapitalisierung 2010; Gründer Peter Ma;  Lebensversicherungen; Nummer vier hinter Axa, Allianz umd Metlife; leidet aber 2018 und 2019 massiv unter der Abschottung ausländischer Märkte. Es gibt auch Versicherungen gegen schlechtes Wetter und Flugausfälle. Der Konzern ist auch Supermarkt für Finanzprodukte. Er bietet Kredite an und macht Vermögensverwaltung. Er ist auch Gesundheitskonzern. Gleichzeitig ist er Internetkonzern, weil die meisten Dienste online angeboten werden).

WeChat (auch Weixin, gehört zu Tencent) ist das wichtigste Produkt (erfunden von Ma Huateng 2011; App, mit der 1 Mrd. Menschen telefonieren, Nachrichten senden, Essen bestellen, Stromrechnungen zahlen, Behördengänge erledigen, Bewerbungen). Baut ab 2018 seine Datenspeicher in der Provinz Guizhou, geschützt im Gestein. 6,1 Milliarden Sprachnachrichten verarbeitet WeChat täglich. Der Börsenwert beträgt Ende Oktober 2018  335 Mrd. $. Das Unternehmen gehört zu Tencent. Es ist wesentlich umfangreicher als bei uns Whats App von Facebook. Im August 2020 droht Trump und verhängt auch Maßnahmen. Das Netzwerk wird allerdings in den USA kaum genutzt. Alles läuft auf ein Verbot hinaus. Die USA stört, dass große Mengen Daten von Nutzern gesammelt und gespeichert werden (auch Geodaten und Suchverläufe). Man könnte Wechat als die digitale Lebensader im Reich der Mitte bezeichnen. In den USA nutzen sie vor allem Chinesen. Wenn Apple oder Google gezwungen werden Wechat aus den Stores herauszunehmen, könnte der Absatz in China um bis zu ein Drittel zurückgehen. Der Schuss würde also nach hinten losgehen. Wichtigster Bezahldienst in China: 80% aller Chinesen.

Andere Chinesische Netzwerke: Tik Tok/ Douyin, QQ, QZone, Sina Weibo.

Twitter: Kurznachrichtendienst. Gerät 2017 und 2018 in die Schlagzeilen, weil der US-Präsident regelmäßig seine Nachrichten über Twitter verkündet. 2018 sinkt die Nutzerzahl stark. In der Folge stürzt die Aktie ein. Der Gewinn ist relativ niedrig oder gar nicht da. Chef ist 2018 Jack Dorsey. Russland leitet 2019 ein Verfahren gegen Twitter ein. China sperrt Twitter. 2018 gibt es ein Umsatzplus trotz Nutzerschwund. Im September 2019 wird das Nutzerkonto von Twitter-Chef und -Gründer Jack Dorsey gehackt. Der Fehler lag beim Mobilfunk-Anbieter (Zwei-Faktor-Authentifizierung). Im Mai 2020 korrigiert Twitter zum ersten Mal Trump. Der greift seine Lieblingsplattform scharf an und streut Mordgerüchte. Dann kommt eine Rechtsverordnung, die die Kritik oder das Löschen einzelner Äußerungen verhindern soll. Die Sozialen Netzwerke sollen stärker reglementiert werden. Dann eskaliert der Streit zwischen Trump und Twitter: Trump ruft zu Gewalt gegen Demonstranten in Minneapolis (ein Schwarzer wurde von Polizisten getötet) auf. Twitter kennzeichnet das als Gewaltverherrlichung. Am 15.7.20 werden viele Accounts von Prominenten durch Hacker geknackt. Die Hacker verlangen Bitcoints als Lösegeld. Viele zahlen. Die Hacker müssen Insider sein. Jack Dorsay entschuldigt sich. Nach dem Sturm auf das Kapitol wird der Account von Trump 12 Stunden gesperrt. Schließlich sperrt Twitter das persönliche Konto von Trump dauerhaft. Im Mai 2021 bringt Twitter ein Konkurrenzangebot zu der Audio-App Clubhouse. Es heißt Twitter Spaces.

Weibu: Chinesischer Kurznachrichtendienst. 2018 sollen homosexuelle Inhalte verbannt werden. Seit 1997 ist Homosexualität in China straffrei. Oasis, eine Tochter, ist ein heißes Eisen im Feuer. Sie funktioniert ähnlich wie Instagram. Zhou Xiaoxuan kämpft 2021 gegen sexuelle Gewalt. Dann wird das Weibo-Konto der Aktivistin gesperrt.

Patreon, USA (Social Payment, Geldbetrag für Kultur und Kreative)

Substack, USA (Online-Plattform, Infrastruktur für Veröffentlichen, Analyse, Design)

NetEase Inc., Guhangzhou, Peking: 1997 von William Ding (Ding Lei) gegründet. Er ist 2020 noch Chef. Bietet hauptsächlich Internetspiele an. Internettechnologie, Musik; Onlinespiele, Musik-Streaming, Internetdienstleister; 18.000 B.

LinkedIn, Sunnyvale/ Kalifornien (seit 2002, gegründet in Santa Monica; Elternorganisation Microsoft; berufliches Netzwerk, global; Web basiert. Im April 2021 wird dei belegschaft eine woche in Urlaub geschickt: 15.900 Vollzeit-Beschäftigte; Erholung von Corona-Homeoffice. Eine kleine Mannschaft soll den Betrieb aufrechterhalten).

Xing, Hamburg: Berufliches Netzwerk. Überwiegend im deutschsprachigen Raum. Gehört zu New Work SE. Gegründet 2003.

Frauennetzwerke: Überwiegend beruflich. FidAR (seit 2014), Global Digital  Women (seit 2017), Merton Kreis (seit 2016), Generation CEO (seit 2007), Working Moms (seit 2007), Mission Female (seit 2019).

Uber: Ist 2016 das wertvollste Start-up der Welt.  Es ist eine Plattform für Mobilität, die von Daten statt Benzin angetrieben wird. Es ist eine Revolution auf dem Taximarkt. Mittlerweile ist Uber auch ein  Global Player, der stark in Indien und China expandiert. 2016 beträgt der Marktwert 62,5 Mrd. $ (Chinesische Konzerne, Staatsfond Saudi-Arabien, Toyota). Uber transportiert Personen, Essen und Güter. In Pittsburgh hat das Unternehmen 50 Robotterspezialisten angeheuert, die an selbst fahrenden Taxis und Lieferwagen forschen. Noch wichtigstes Feld ist der Taxiservice. 2017 kriselt das Unternehmen an allen Ecken. Das Geschäftsmodell stimmt nicht mehr. Besonders ein "moralischer Kompass" wird vermisst (sexuelle Belästigungen, aggressive Firmenkultur). Uber - Chef Travis Kalanick nimmt eine Auszeit (hält nur noch 10% Anteile). Die Investoren streiten, auch über den neuen Chef. Im November 2017 kommt raus, dass Uber 2016 einen Datendiebstahl verheimlicht hat (57 Mio. Kunden betroffen). Ende 2017 steigt der japanische Technologie-Konzern Softbank bei Uber ein. Uber-Chef Dara Khosrowshahi will bis 2020 Prototypen von Flugtaxis einsetzen. Der Börsenwert liegt Mitte 2018 bei 72 Milliarden Dollar, Ende Oktober 2018 bei 76 Mrd. $. Toyota entwickelt ab 2018 zusammen mit Uber Roboterautos. Uber will ab 2019 wieder autonom fahrende Autos testen (Antrag in Pennsylvania). Bundesverkehrsminister Scheuer will Ende 2018 Uber fürs flache Land, wo Taxis fehlen, öffnen. In Spanien, insbesondere in den Großstädten Madrid und Barcelona, kommt es 2019 zu einem Taxikrieg wegen der Konkurrenz von Uber. 2019 steckt Uber in der Krise. Die Konzern hofft auf Robottaxis. Es könnte eine Illusion sein. Im November 2019 verliert man die Lizenz in London . Der Fahrdienstvermittler darf aber erst mal weiterfahren. 2016 hat das Unternehmen einen Verlust von 2,8 Mrd. Dollar eingefahren. Ende 2017 verbietet der EuGH private Uber-Fahrer. 2018 findet ein Krieg auf Istanbuls Straßen statt zwischen Uber-Fahrern und Taxifahrern. Im August 2018 deckelt New York die Anzahl der Lizenzen für Fahrdienste von Uber (Verkehrskollaps, Lohndumping). 2018 gerät Uber immer tiefer in die Verlustzone. Das US-Unternehmen will 2019 an die Börse gehen. Der Marktwert dürfte bei 70 Mrd. Dollar liegen. Der Quartalsverlust im 1. Quartal 2019 beträgt 1 Milliarde Dollar.

Didi Chuxing, (Uber von China; Geldgeber sind Alibaba und Tencent; hat 2016 Uber China übernommen; weitere Investoren sind Apple, Softbank und Uber). Das Unternehmen ist Nummer eins unter den Ride-Sharing-Plattformen in China. 2017 vermittelte Didi 7,43 Milliarden Fahrten (30 Mio. Fahrten täglich). Nach dem Mord an einer Passagierin verschärft das Verkehrsministerium die Aufsicht. Didi bzw. Kuadai Dache ist dazu eine umfassende App für Taxen-Services. Im Juli 2021 erfolgt der Börsengang an der Wallstreet in New York. Die Expansion in Deutschland und frankreich soll gefördert werden. 2021 ist Jean Liu die Chefin. Die chinesische Cyberaufsicht CAC leitet Untersuchungen wegen illegal gesammelter Daten ein. Das Download der App ist vorübergehend in China verboten.

Lyft: Fahrdienstleister. Er will 2019 an die Börse. 2018 hat sich der Umsatz auf 2 Milliarden Dollar verdoppelt. Aber auch der Verlust liegt bei 911 Millionen.

Airbnb: Onlineplattform für Übernachtungen. Vermittlungen für Privatunterkünfte. "Belong anywhere". 2017 bietet Airbnb schon weltweit drei Millionen Übernachtungsmöglichkeiten an. Es gab erstmals einen Gewinn. 2028 sind eine Milliarde Übernachtungen pro Jahr angestrebt. Es entwickelt sich zu einem Tourismusriesen. Der Co-Gründer Nathan Blecharcyk will das Unternehmen eventuell an die Börse bringen (ab 2019?). Es soll auch Angebote für Geschäftsreisende geben. Die Hälfte seines Privatvermögens will er ab 2018 spenden (über die Kampagne "The Giving Pledge"). In Deutschland ist die Vermietung oft illegal, weil Steuerhinterziehung. Der Staat will gegen die Boombranche vorgehen. Am meisten nehmen die Vermieter 2017 in Berlin (143 Mio. €), München (60,9 Mio. €) und Hamburg (54,4) ein. 2018 erweitert Airbnb sein Angebot. Das Portal bietet auch Kurse und Entdeckungen an. Die Städte Berlin und Hamburg wollen gegen Airbnb-Vermieter vorgehen, die ihre Einkünfte nicht versteuern. Der Börsenwert beträgt Ende Oktober 2018 31 Mrd. $.Im Dezember 2018 siegt die Stadt München vor Gericht gegen Airbnb. Die Stadt muss informiert werden, wenn Wohnräume länger als acht Wochen über die Plattform vermietet werden. Das Urteil könnte Signalwirkung für andere Städte haben. 2020 entlässt die Firma ein Viertel ihrer Angestellten. Das sind weltweit 1900 Beschäftigte. Grund ist die Corona-Krise. In Deutschland kümmert sich vermehrt das Finanzamt um Vermieter. Ende 2020 plant Airbnb den größten Börsengang des Jahres. Die Frage ist, ob der Zeitpunkt stimmt (man strebt 35 Mrd. $ an) . In europäischen Städten stößt die Firma zunehmend auf Widerstand. Besonders Paris geht gegen den Wildwuchs vor. Vor allem Einheimische leiden darunter, dass der Markt für kleine Wohnungen außer Rand und Band ist. Brüssel will sich 2021 mit Airbnb und Booking anlegen. Man will einheitliche Regeln in der EU: Vermietungen von unter einem Monat komplett untersagen?  "Airbnb muss verpflichtet werden, Daten an das Bundeszentralamt für Steuern zu übermitteln", Fabio De Masi, Finanzpolitischer Sprecher Die Linke.  "Die Grenzen zwischen Reisen und Leben verschwinden", Chesky, Airbnb-Chef 2020.

Dropbox: Cloud-Service. 2007 von Drew Houston gegründet. 2016 10 Mrd. US-Dollar wert. Jetzt steht mehr die Kollaborationsplattform im Vordergrund. Mittlerweile hat das Unternehmen eine Private Cloud. Die Schaltzentrale ist in San Francisco (gegründet wurde das Unternehmen im Silicon Valley). 2018 ist der Börsengang geplant. Es werden 18 bis 20 Dollar pro Anteilsschein erwartet (Quelle: US-Börsenaufsicht SEC). 

Palantir: Das Unternehmen wertet große Datenmengen aus. Es arbeitet mit Regierungen zusammen. Vorstandschef 2019 ist Alex Karp (promovierter Philosoph und Jurist; ist im Aufsichtsrat von Axel Springer). Investor ist auch der Deutsche Peter Thiel. Die CIA gehört auch zu den Investoren (Risiko-Kapital-Fonds). Geschätzter Wert 41 Milliarden Dollar. 2020 gibt es eine Diskussion darüber, wie "böse" diese Datenfirma ist. Sie arbeitet z. B. für die US-Einwanderungsbehörde ICE. Die Firma arbeitet auch im Anti-Terrorkampf. Das Unternehmen ist nicht offen und transparent. Es ist auch führend in der Gesichtserkennung bei Videos. 2020 strebt das Unternehmen an die Börse. Der Weg ist mühsam, weil es 2018 und 2019 Verluste gab/ fast 600 Mio. US-$ (2020 sogar 1,2 Mrd. $). Das Unternehmen ist auch stark in GB und Frankreich. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind sehr hoch (2019 300 Mio. $). Der Börsengang soll über 20 Mrd. $ erbringen. Das Unternehmen hat etwa 2400 Beschäftigte. Der Börsenwert betrögt im April 2021 42,3 Mrd. $. Die Firma wird immer umstrittener. Sie soll sich bewusst in europäische Behörden einschleichen. Vgl. Holst, Ben u. a.: Sehende Steine, in: Der Spiegel Nr. 14/ 3.4.21, S. 88ff. Palantier hat im wesentlichen zwei Produkte: Gotham für Nachrichtendienste, Sicherheitsbehören, Militärs. Foundry für zivile Kunden. Daten unterschiedlicher Formate können zusammengebracht werden. 

Snowflake, San Mateo: US-Softwarespezialist. 2020 geht das Unternehmen an die Börse. Berkshire Hathaway (Warren Buffet) steigt groß ein. Es geht um cloudbasierte Lösungen, mit denen Firmen Daten auswerten. Auf dem gleichen Gebiet arbeitet die Firma Yeti Data aus Palo Alto (gegründet von Ex-SAP-Manager Victor Szcerba). Sie hat diesen Namen schützen lassen Es läuft ein Rechtsstreit vor dem Landgericht Düsseldorf 2020.

Adobe, San Jose`/ Kalifornien/ USA: Software, Seitenbeschreibungssprache, Postscript; seit 1982; 196 Mrd. € Aktienwert Ende 2020; Platz 32 in der Welt. Zentraleuropachef ist 2021 Christoph Kull, Deutschlandzentrale München)

Amazon, Seattle: Gründer und Chef ist Jeff Bezos (1994 in einer Garage als Online-Buchversand). Er war vorher Vizepräsident der Investmentbank D. E. Shaw & Co. Er führt das Unternehmen in permanenter Revolution. Er strebt die Alleinherrschaft als Online-Handelsplattform an. Er will möglichst viel selber machen. Motto ist: Der Kunde ist König. Der Mitarbeiter Diener. Er formt die Mitarbeiter gerne nach seinem Bild. Im Backoffice sind ungeheuer viele Daten, die ausgewertet werden. Heute versteht sich Amazon als Innovationsunternehmen mit vielen verschiedenen Geschäftsfeldern. Deutschland ist nach den USA der zweitwichtigste Markt (seit 1998). 2016 hat das Unternehmen 230.000 Beschäftigte mit 100 Mrd. € Jahresumsatz. 2015 verkauft das Unternehmen über seine Plattform in Deutschland Waren im Wert von 19,4 Mrd. € (22% mehr als ein Jahr zuvor). Damit führt Amazon deutlich im Online-Handel. 2016 meldet Amazon ein Patent auf fliegende Warenhäuser an (Luftschiffe, von denen Drohnen für die Lieferung vom Himmel schweben). 2017 steigt Amazon in den USA in den stationären Handel ein. Es kommt im April 2017 Amazon Fresh (frische Lebensmittel). Zunehmend führt Amazon Eigenlabel ein (z. B. Damenunterwäsche). 2018 ist eine Krankenversicherung geplant. Zu Beginn 2018 sind 566.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigt. MBA-Absolventen erhalten im ersten Jahr schon 173.000 Euro. Massenhaft werden 2018 MBA-Absolventen eingestellt. Amazon ist mittlerweile der führende Cloud-Anbieter. Die Cloud-Nutzung ist relativ einfach, der Wechsel schwer. Bei den Kunden herrscht Angst vor der NSA. Amazon erhöht 2018 die Zahl der Abholstationen stark (auf rund 400, Amazon Locker). Nachdem Amazon stark den Handel beherrscht ("everything store"), dringt der Konzern ab 2018 in das Geschäftsfeld der Post ein. Im Englischen gibt es die Redewendung "to be amazoned" (amazonisiert). Zunehmend gibt es Konflikte zwischen Markenherstellern und Amazon (DM, basic, Birkenstock, NewYorker). EU-Wettbewerbskommissarin Vestager hat Amazon im Visier. Amazon zeigt Schwächen: Mangelhafte Markenbindung, Premiumflaute, Konkurrenz aus China, Regulatorische Risiken, Image. Der Börsenwert beträgt Ende Oktober 2018 812 Mrd. $. Im November 2018 gibt Amazon bekannt, weiter stark wachsen zu wollen. Es werden zwei neue Sitze eingerichtet: New York und Virginia. Die Kartellbehörden beäugen Amazon argwöhnisch; Ende 2018 geht es mit dem Aktienwert nach unten. Weltweit arbeiten Ende 2018 613.000 Menschen für das Unternehmen. Die Scheidung von Jeff Bezos von MacKenzie nach 25 Jahren macht die Amazon-Investoren nervös. Zum Vermögen gehört auch eine 16%-Beteiligung. Seit 2018 hat das Unternehmen ein Logistikzentrum in Frankenthal. Anfang 2019 ist Amazon die wertvollste Marke der Welt (188 Mrd. Dollar) vor Apple und Google (Quelle: Brand Finance Ranking). Es kommt zu einem Krieg zwischen Jeff Bezos und dem US-Klatschblatt "National Enquirer" (Chef Pecker ist einglühender Anhänger von Trump). Es geht um Nackfotos von Bezos mit seiner Geliebten. Man vermutet Saudi-Arabien dahinter (Bezos gehört die Washington Post). Die New Yorker wollen 2019 nicht, dass Amazon ein Hauptquartier in ihrer Stadt baut. Das Auftreten des Konzerns erzeugt Ärger. 2019 im Herbst will Amazon mit Drohnenlieferungen beginnen (Prime Air Service). Wahrscheinlich startet der Service in GB. Parallel werden in Seattle kleine Lieferroboter getestet, die auf Gehwegen fahren. Die US-Zeitung "Washington Post" ist in Privatbesitz von Jeff Bezos. Sie greift immer wieder Trump an, der deshalb Amazon sehr kritisch gegenüber steht. Mit dem "Project Zero" will Amazon ab 2019 die Zahl gefälschter Produkte reduzieren. Seit dem Start konnten schon 65 Mil verdächtige Produkte gestoppt werden. Häufigstes Herkunftsland ist China, häufigstes Produkt sind Schuhe. 2019 macht sich Amazon immer unabhängiger von Logistikpartnern. Zunehmend kommen eigene Amazon - Dienste zum Einsatz. Die Firma betreibt ein Logistikimperium mit eigenen Lieferdiensten, es gibt auch einen Online-Werbedienst. Hinzu kommen Cloud-Dienste und als Kern der Online-Handel. Amazon gehört zu den am schnellsten wachsenden Konzernen der Welt. In der Kritik steht regelmäßig die Steuervermeidung und die Arbeitsbedingungen in den Lagerhallen. 2017 wurde die weltweit größte Biosupermarktkette Wholefoods übernommen. Zunehmend Problem gibt es am Hauptstandort Seattle. Hier arbeiten 50.000 B. Amazon Web Services enthält immer mehr Daten (hier laufen Netflix, Spotify, CIA-Daten). Amazon hat die größte Cloud. Alexa kann immer mehr. Im Januar 2020 kommt heraus, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman das Handy von Amazon-Chef Jeff Bezos hat hacken lassen. Er wollte intime Details über Bezos und dessen Geliebte ausnutzen (Bezos ist Besitzer der Washington Post). In der Corona-Krise kollabiert der US-Einzelhandel. Amazon kann seine Marktmacht zementieren. Der Konzern liefert immer mehr Pakete selbst aus. 2019 waren dies 3,5 Milliarden. In der Corona-Krise muss Amazon eine Zeitlang in Frankreich schließen (Verstoß gegen Hygiene-Vorschriften). Die Bewertungssterne bei Amazon sind zum Teil gekauft (wird 2020 in einer Studie nachgewiesen). Der Konzern profitiert enorm von der Corona-Krise 2020 (Wertsteigerung + 702 Mrd. $). Er fährt Umsatzrekorde ein. Stark expandiert der Lebensmittelservice. Börsenwert im August 2020 1326 Mrd. €. In Deutschland überholt Amazon Ford als umsatzstärkstes Unternehmen aus den USA (Umsatz in Deutschland). Auf dem früheren Opel-Gelände in Kaiserslautern will Amazon bis zu 1000 Stellen schaffen.  In der EU droht Amazon Ende 2020 eine Milliardenstrafe. Der Händler nutzt Online-Daten unabhängiger Händler für das eigene Geschäft. Frankreich verhängt im Dezember 2020 ein Bußgeld: 30 Mio. € wegen unzulässiger Cookies. In Deutschland wird massiv der eigene Paketdienst ausgebaut. Das könnte zu einer Bedrohung für DHL werden (Beispiel GB). Der Druck auf Amazon wächst 2021: Steuertricks, Arbeitsbedingungen, Regulation/ Marktmacht. In Deutschland führt Amazon auch Amazon Explore ein: Virtueller Rundgang im realen Laden. In den USA werden darüber auch Kochkurse und Stadtführungen vermittelt. 2021 kauft Amzon die MGM-Filmstudios.  Im Mai 1997 ging Amazon an die Börse. Wer damals Aktien im Werte von 1000,- $ kaufte ist heute im Mai 2017, also 20 Jahre später, um 640.000 $ reicher. 2016 ist Amazon 570 Mrd. Dollar wert (Gewinn 2,4). Mitt Amazon Alexa for Business hat die Firma ein Assistenzsystem für Telefonanlagen in Firmen entwickelt, was ab 2018 auch in Deutschland eingeführt werden soll (bisher nur USA). Amazon hat 2018 einen Anteil von 46% am Online-Handel in Deutschland. Im ersten Quartal 2018 steigt der Umsatz um 43%, der Gewinn verdoppelt sich (1,63 Milliarden Dollar). Jeff Bezos ist 2018 der reichste Mann der Welt. Internethandel und IT - Dienste florieren. Bloomberg meldet im Oktober 2018, dass man chinesische Spionagechips bei Amazon (und auch Apple) entdeckt habe. Der Aktienwert reagiert sofort. Die Firmen dementieren. Die Anleger sind wohl auch über den Gewinn enttäuscht. Eine Verzehnfachung im Quartal ist einigen noch zu wenig?! Ende 2018 gerät Anazon ins Visier des deutschen Kartellamtes. Nach Händlerbeschwerden wird ein Missbrauchsverfahren eingeleitet. Ende 2018 im Weihnachtsgeschäft ruft Verdi zum Streik bei Amazon in Deutschland auf (Streitpunkt: Amazon bezahlt nach Logistiklöhnen, nicht nach Einzelhandel). In der Eingangshalle des Firmengebäudes in Seattle hängen die berühmten 14 "Leadership Principles". Die Überschrift des ersten Gesetzes lautet "Customer Obsession" - Kundenbesessenheit.

Amazon-Chef Jeff Bezos: Er fing in einer Garage in Seattle an.  (1994 in einer Garage als Online-Buchversand). Er war vorher Vizepräsident der Investmentbank D. E. Shaw & Co. Er führt das Unternehmen in permanenter Revolution. Er strebt die Alleinherrschaft als Online-Handelsplattform an. Er will möglichst viel selber machen. Motto ist: Der Kunde ist König. Der Mitarbeiter Diener. Er formt die Mitarbeiter gerne nach seinem Bild. Im Backoffice sind ungeheuer viele Daten, die ausgewertet werden. Heute versteht sich Amazon als Innovationsunternehmen mit vielen verschiedenen Geschäftsfeldern.Er baute den global operierenden und heute führenden Handelsriesen Amazon auf. Bezos Vermögen wird 2020 auf 130 Mrd. Dollar geschätzt (Forbes). In Seattle hat er ein hochmodernes Hauptquartier errichtet. Seattle ist aber auch ein Zentrum der Klimabewegung der USA. So ist der Druck aus der eigenen Belegschaft immer mehr gewachsen, etwas für den Klimaschutz zu tun. So gründet Bezos 2020 einen Klimaschutz-Fonds, den er mit 10 Mrd. Dollar ausstattet. Häufig steckt dahinter auch eine krude Philosophie: Jeff Bezos von Amazon nutzt die Mechanismen des Kapitalismus bedingungslos aus und verspricht, mit seinem Geld - wenn die Erde zerstört ist - vorher den Weltraum bewohnbar zu machen. Amazon ist 2020 dominanter denn je (840.000 B., Börsenwert 1300 Mrd. US-$, Marktanteil am deutschen Online-Handel 48%, Nettojahresgewinn 2019 12 Mrd. US-$). Es formiert sich aber Widerstand gegen die Marktmacht. Im Februar 2021 kündigt Bezos an, dass er als Chef im Sommer 2021 abtreten will (Grund: Zenit des Erfolges). Er will ab dann als Verwaltungsratsvorsitzender agieren.  "Wir sind stur bei der Vision, flexibel bei den Details", Jeff Bezos.

Ebay: Zweiter US-Online-Handelskonzern. Das Grundprinzip sind Auktionen. Im Oktober 2018 verklagt Ebay Amazon wegen illegalen Abwerbens von Verkäufern. Illegal sollten hunderte von Top-Verkäufern abgeworben werden. Ebay kaufte 2002 PayPal für 1,5 Milliarden Dollar.

Alibaba: China; Jack Ma (ursprünglich Lehrer, Touristenführer, studierte später Wirtschaft), Börsengang in Hongkong im Nov. 2007; 25,6 Mrd. $; Börsengang in New York September 2014: höchstes Emissionsvolumen mit 25 Mrd. US-$; besteht aus 25 Sparten: z.B. Taobao,Tmall, Juhuasuan, AliFinance, AliExpress; begann als Kontaktbörse zwischen KMU aus China und dem Westen; Yahoo hat Beteiligung; 2017 beginnt eine Expansion ins Ausland, vor allem in die USA; das Bezahlsystem Alipay nun auch in Deutschland aktiv; strebt 2017 auf den deutschen Markt. 2018 ist der Konzern schon 500 Milliarden US-Dollar wert (Marktkapitalisierung an der Börse in New York). Alibaba ist eine Handelsplattform und mit Amazon vergleichbar. Konkurrent in China ist JD.com. Der Umsatz liegt 2017 bei 23,5 Mrd. US-Dollar, der Gewinn bei 6,5. Das Unternehmen gibt 2,5 Mrd. Dollar für Forschung & Entwicklung aus. Mittlerweile ist Alibaba 2018 das zweitgrößte E-Commerce-Unternehmen der Welt. Es betreibt auch die Plattformen Taobao und Tmall. 2018 regelt Jack Ma seine Nachfolge. Vorstandsvorsitzender wird Daniel Zhang. 2018 hat Alibaba einen Jahresumsatz von 40 Milliarden Dollar und 85.0000 Beschäftigte. Die versprochene eine Million Jobs kann Alibaba 2018 in den USA nicht schaffen. Die Handelspolitik der USA ist dazwischen gekommen. Ende Oktober 2018 beträgt der Börsenwert 362 Mrd. $. Die Plattform will zunehmend auch Marken anbieten. Luxusgüter kommen immer mehr ins Angebot. China ist der größte Luxusgütermarkt der Welt. Jack Ma ist Mitglied der KPC (unbekannt wie lange schon). Er ist 2018 der reichste Mann in China. Als größte Vorzüge von Amazon gelten folgende Merkmale: Kundennah, schnell, omnipräsent. Alibaba testet 2019 Roboter-Hotels. Das erste Hotel wird in Hangzhou betrieben (Gesichtserkennung, Roboter im Restaurant). 2019 baut Alibaba seine Logistik in Deutschland aus. Das EU-Zentrum ist in Belgien.  Nach New York will das Unternehmen einen zweiten Börsengang in Hongkong Ende 2019 machen (12,5 Mrd. $; Wunsch der chinesischen Regierung; wegen der Proteste verschoben). Im März 2020 schickt Alibaba Hilfspakete mit Atemmasken nach Italien. Seit Monaten ist der Chef Jack Ma verschwunden. Auch Anfang Januar 2021 taucht er nicht auf. Hängt das mit seiner Kritik an der Regierung zusammen? Die meisten Experten vermuten, dass er sich vorübergehend zurückgezogen hat. Folgender Spruch deutet darauf hin: "Meine Philosophie ist, die Regierung zu lieben, aber sie nie zu heiraten", Jack Ma.  Im Januar 2021 taucht er mit einem Video wieder auf. Es richtet sich an 100 Lehrer im ländlichen Raum. Ma will mehr für karitative Zwecke tun. Staatliche Behörden ermitteln wegen Monopolvergehen gegen ihn. "Es ist schon komisch. Da leite ich eines der größten E-Commerce-Unternehmen in China, vielleicht sogar der Welt, aber ich verstehe nichts von Computern. Das Einzige, was ich kann, ist E-Mails senden und im Internet herumsurfen", Jack Ma. Am 11. November 2017 erzielte Alibaba an einem einzigen Tag 25 Mrd. Dollar Umsatz. Trotzdem ist der Umsatz 2018 geringer als gedacht. Alibaba hat den Tag der Singles (11.11.) aus Marketing-Gründen erfunden. Mittlerweile ist das der weltweit größte Online-Shopping-Tag. Alibaba sammelt dabei fleißig Daten über seine Kunden, wie auch Amazon. Dies e Daten verkauft Alibaba mittlerweile an Konsumgüterhersteller (z. B. Pepsi). Alibaba betreibt auch Kameras in realen Geschäften. Deutschland-Chef 2018 ist Ralf Kleber.

Ant Financial (auch Ant Group): Alibaba-Tochter, zu der das mobile Bezahlsystem Alipay gehört. Es ist das teuerste Finanztechnologie-Unternehmen der Welt 82018 höher bewertet als Goldman Sachs). Es hat 870 Mio. User jährlich. Jack Ma; ermöglicht mobiles Bezahlen; 2020 Doppellisting in Shanghai und Hongkong, wahrscheinlich größter Börsengang der Geschichte: 20 Mrd.?; auch Kredite, Versicherungen, Vermögensverwalter; Alipay wird auch immer mehr in Deutschland akzeptiert; Gründung 2014, Tochter von Alibaba; CEO 2018 Simon Ho). Plant im Oktober 2020 den Börsengang. Er soll 30 Mrd. $ erbringen (manche rechnen mit 35 Mrd. Dollar). Er findet nicht an der Wallstreet, sondern in Hongkong und Shanghai statt. Kurz vor dem Gang wird der Termin auf unbestimmte Zeit verschoben (Gründe: US-Wahl, Kritik von Ma an der Regierung und umgekehrt?  Wurde Jack Ma zu eigenmächtig? Will die Regierung Zügel anlegen? Geschäftsmodell ändern?). Die Börse von Shanghai stoppt, der Gang droht zu scheitern. Danach bleibt Jack Ma verschwunden. Was ist passiert? Es gibt wilde Gerüchte.  Im Januar 2021 taucht er mit einem Video wieder auf. Es richtet sich an 100 Lehrer im ländlichen Raum. Ma will mehr für karitative Zwecke tun. Staatliche Behörden ermitteln wegen Monopolvergehen gegen ihn. Alipay droht 2021 die Zerschlagung. 255 Mrd. € hatte Ant Ende Juni 2020 an ausstehenden Konsumentenkrediten in den Büchern. Regulierer forcieren die Entflechtung.

Jack Ma: Jack Ma (ursprünglich Lehrer, Touristenführer, studierte später Wirtschaft). Er gründete Alibaba und Ant Financial. Ma und Xi Jinping kennen sich schon sehr lange und sehr gut. Das ist aus der Zeit als Xi Chef der Provinz Fujian war.  87 Tage war Ma Ende 2020 und Anfang 2021 aus der Öffentlichkeit verschwunden. Am 19.01.21 kehrt er zurück mit einem Video, in dem er die Regierung lobt und Armutsbekämpfung verspricht. Drei Motive für das Verschwinden könnte es gegeben haben: 1. Explosives Wachstum der Ant Gruppe. 730 Mio. Nutzer, 300 Mrd. $ Kredite an Klein- und Kleinstbetriebe. 2. Konkurrenz gegenüber den staatlichen Banken. 3. Eine Rede gegen die politische Führung. Vgl. Zand, Bernhard: Von Pekings Gnaden, in: Der Spiegel Nr. 4, 23.1.21, S. 14. Aktuell wird über eine Zerschlagung des Unternehmens diskutiert. Die neue staatliche Politik geht in diese Richtung (auch bei HNA). Es wurde vom Politbüro 2020 eine Verordnung zu den Monopolen erlassen. 2021 muss Jack Ma 18 Milliarden Yuan (2,3 Mrd. €) an Strafe zahlen. Die chinesischen Wettbewerbshüter werden Alibaba vor, seine marktbeherrschende Stellung missbraucht zu haben.

Deutsche Post: Amazon will DHL Konkurrenz machen. Die Post will sich im Paketgeschäft nicht noch einmal auf einen Preiswettbewerb einlassen. Stattdessen investiert man zwei Milliarden Euro in digitale Technik (auch Blockchain). Es wird auch in Frachtflugzeuge investiert.

Taobao: Shopping App. Auf jedem chinesischen Smartphone.

D.com: Alibaba - Rivale und Nummer zwei unter den B2B-Anbietern im chinesischen E-Commerce-Netz. Der Wert des Unternehmens beträgt 2018 46,84 Mrd. US-Dollar. 90 Prozent der Waren stellt JD.com noch am selben oder nächsten Tag zu. Der Chef wird 2018 verhaftet und muss einige Tage im Gefängnis verbringen (sexuelle Verfehlungen). 2019 steigt der Aktienkurs um knapp 50%. Das Unternehmen hat auch eigene Warenlager und ist nicht nur eine Plattform. Es ist also auch Händler. Deshalb galt das Unternehmen auch lange Zeit als die chinesische Antwort auf Amazon. JD konzentriert sich auf E - Commerce. Die Zahl der Kunden in den kleineren Millionenstädten stieg 2019 um 60% im Vergleich zum Vorjahr. Mittlerweile wird noch die Plattform Jingxi betrieben.

Pinduoduo, Shanghai: Das Unternehmen hat seit seiner Gründung 2015 einen rasanten Aufstieg erlebt. Der Börsenwert liegt manchmal höher als der von JD. Geschäftsbasis ist die Verknüpfung von Shopping und Social Media. Noch schreibt die Firma Verluste. Eingekauft wird in Gruppen, je mehr Käufer, desto niedriger der Preis. Plattform für Schnäppchenjäger, E-Commerce; seit 2015; 6000 B.; Gründer Colin Huang

Meituan, Peking (Gründung 2010, von Wang Xing; Lieferservice, Konsumgüter, Einzelhandel).

Dian ping: Bietet Alles ums Essen in China. Gehört zu Meituan.

Meitu Pic: Foto-app in China.

ByteDance, Peking (Gründung 2012; Gründer Zhang Yiming; Content-Plattformen). 2019 soll der Konzern schon 78 Mrd. € wert sein, 2020 schon 117 Mrd. € (nicht an der Börse, geschätzt).  Die Firma plant einen Börsengang. Hauptgeldgeber ist Softbank aus Japan. Kooperationen mit Apple sind geplant. 2020 will Microsoft Tik Tok kaufen (für USA, Australien, Neuseeland, Kanada). Dann steigt im August 2021 die chinesische Regierung beim Konzern ein. Vermutlich verfügt sie jetzt über ein Vetorecht. Damit dürfte die Debatte um Tiktok in den USA wieder aufflammen.

TikTok: Chinesische App. Dahinter steht ByteDance. 800 Mio. Menschen nutzen die Social-Media-App 2019 weltweit. Es ist hauptsächlich eine Video-Plattform. Sie läuft auf Android- und IOS-Geräten.  Die meisten Nutzer  sind Jugendliche. 2016 wurde TikTok gegründet. Zwei Jahre später wurde es fusioniert mit Lip-Sync-App Musical.ly. Nachdem 2019 eine US-Nutzerin (Feroza Aziz) gelöscht wurde, kommt es zu Kritik aus aller Welt. Erstmals rückt die App in den Mittelpunkt der weltweiten Öffentlichkeit. Diskussion: Manipulation der Jugend möglich? 2019 überholt TikTok bei den jährlichen Downloads Facebook, Instagram und Snapchat. Die App wird 2020 in Indien verboten aus Sicherheitsbedenken. Das trifft das Unternehmen hart, weil Indien mit über 100 Mio. Nutzern einer der größten Wachstumsmärkte ist: Auch die USA prüfen ein Verbot: Es geht um die Nutzerdaten. Weitere große Nutzerländer sind Brasilien, Russland und Mexiko. Keine App wächst 2020 so schnell. Doch die Plattform hat ein China-Problem. Viele Staaten sind misstrauisch. Mitte 2020 torpediert Trump Tik Tok. Rache? Er strebt an, Tik Tok zu verbieten. Microsoft will Tik Tok kaufen. Die Firma baut ein eigenes Datenzentrum für europäische Nutzerdaten in Irland. Weitere Datenzentren liegen in den USA und Singapur. Trump verstärkt im August 2020 den Druck: entweder Verbot in den USA oder Verkauf an Microsoft. Die USA stört, dass automatisch große Mengen von Daten gesammelt werden (Geodaten, Suchverläufe). Sie argumentieren mit der nationalen Sicherheit. Tik Tok ist mittlerweile die beliebteste App bei Jugendlichen. Sie hat allein in den USA 100 Mio. jugendliche Nutzer. China selbst  hat im Land eine "Great Firewall" errichtet: Facebook, Whats App, Twitter, New York Times. Nutzerdaten müssen zensiert und auf chinesischen Servern gespeichert werden. Ein Konsortium unter Führung von Oracle kann Tik Tok für die USA übernehmen. Das globale Geschäft von Tik Tok zieht in die USA um. Die Daten bleiben in den USA. Tik Tok zahlt 5 Mrd. € in einen Fonds in Texas, der "patriotische Bildung" fördern soll. Trump lobt den Deal; die chinesische Regierung muss noch zustimmen. Ein Gericht stoppt am 27.9.20 die Sperrung der Plattform für die USA. Mittlerweile gibt es auch TikTok für Business. Marken sollen die Plattform erfolgreich nutzen können. Es gibt auch immer mehr Wissenschaftler, auch Ökonomen, die die Plattform nutzen. Dazu gehört auch Robert Reich, der ehemalige Arbeitsminister der USA und Ex-Professor in Berkeley. Wegen Datenschutzverstößen muss die Plattform in den USA 92 Mio. $ zahlen. Im Gegenzug werden Verfahren eingestellt.  Mitte 2020 hat Tik Tok weltweit 800 Mio. Nutzer. 69 % frt Nutzer sind zwischen 16 und 24 Jahren alt. 40% der Nutzer sind männlich, 60% weiblich. Bei der chinesischen Plattform Tik Tok gibt es den Account @marxians. Im August 2020 hat er 14.400 Fans. Sie huldigen Karl Marx als ihrem "Daddy" und wenden sich gegen Kapitalismus. Im Januar 2021 gerät TikTok in Italien unter Druck. Bei einer Internet-Mutprobe kommt eine Zehnjährige ums Leben.

Tiktok gewinnt 2021 immer mehr an Einfluss. Der Dienst hat mehr als 11 Mio., Nutzer in Deutschland. Er wird auch für die Politik interessant. Die ersten Parteien arbeiten systematisch damit. Der Erfolg lässt sich noch schwer messen. Facebook ist fast nur noch eine Social-Media-Plattform für Alte. Junge Menschen nutzen Instagram, Youtube oder TikTok. Sie verbringen  auf TikTok im Schnitt 45 Minuten, mehr als auf jeder anderen Plattform.

Toutiao, China: dahinter steht Bytedance, künstliche Intelligence; Start-up; strebt an die Börse; Content Plattform; will auch Nachrichten ausgeben; seir2012.

Yuanfudao; China (Online-Bildungsplattform; soll 2020 15 Mrd. $ wert sein, strebt an die Börse)

YY: Verbreitung und Monetarisierung von Lifevideos in China. Der Konzern wurde 2005 gegründet. Es ist auch der Streaming-Dienst Huya hervorgegangen.

Youku: Videomarkt, Alles.

Kuaishou, China (mobile Video-Sharing-App; Gründung 2011; Cheng Xiao)

Bitmain Technologies Ltd., Beijing (seit 2013; Chiperstellung für Bitcoin-Mining; Gründer Jihan Wu, Micree Zhan)

SMIC, Shanghai (Semiconductor Manufactoring International; Halbleiter, will Schwachstelle Chinas gegenüber den USA ausgleichen, massive Unterstützung der Regierung in Peking; seit 2004 an der Börse, auch in N. Y.)

Kingdee Co. Ltd., Hongkong (Unternehmenssoftware, Cloud)

China Mobile (Hongkong, größter Mobilfunkanbieter der Welt; größerer Gewinn als anderen Anbieter in China)

China Unicom, Peking (Telekom, Telekommunikation; Oligopolist; staatseigen)

China Telecom Corp. Ltd., Chengdu (auch in Hongkong; in 31 Provinzen; seit 2002; größter Telekommunikationsanbieter in China)

China Tower Corporation Limited, Peking (seit 2011; Kommunikationsinfrastruktur, Informationstechnologie, Konmmunikationsformen)

Nreal, Beijing/ China (Start-up, Gründer Bing Xiao, Chi Xui, seit 2017; AR, XR)

Sina (größtes Internetportal Chinas)

Media-Markt/ Saturn (Ceconomy): Einkauf, Datenanalyse werden mit dem französischen Wettbewerber Fnac gebündelt, um gegen Amazon und Alibaba in Europa bestehen zu können.

 Otto Group GmbH & Co. KG, Hamburg (gegr. 1949; Handel, auch Online; 123 Unternehmen in 30 Ländern; z. B. About you, Sportscheck; über 50.000 B. weltweit; Vorstandschef 2018 Alexander Birken; will wie Amazon auch kassenlose Läden in Innenstädten; führt einen Kulturwandel im Unternehmen durch. Im Mai 2019 Attacke gegen Amazon wegen zu niedriger Steuerzahlungen in der EU. Otto ist in Deutschland die Nummer 2 im Versandhandel hinter Amazon. Ca. 13 Mrd. € Umsatz. Holt zunehmend mit seiner Plattform auf. Könnte eine echte deutsche Alternative zum übermächtigen Amazon sein. Für 2019 wird ein Umsatzwachstum von 8%  angestrebt. Das wäre das neunte Wachstumsjahr in Folge. Ca. 13 Mrd. € Umsatz. Slogan: "Otto...find ich gut". Seit 1993 wird eine Umweltstiftung betrieben. Der Versandkatalog revolutionierte den Stationären Handel ähnlich wie später dann das Internet. Otto blieb immer einer der größten Versandhändler. Den Katalog gibt es nicht mehr. Otto entwickelt einen eigenen Zahlungsdienstleister. Damit wird die Transformation zur Plattform fortgesetzt. Man braucht eine Bafin -Lizenz. Die Corona-Krise hat Otto mehr Umsatz gebracht. Otto ist 2021 der zweitgrößte Online-Händler in Deutschland nach Amazon und vor Zalando. Gründersohn Michael Otto, 78, führt als eines der ersten Unternehmen ein Umweltmanagement-System ein und digitalisierte den Konzern.)

Zalando SE, Berlin (gegründet 2008 von Davis Schneider und Robert Genz; Chef Rubin Ritter bis 2020; Gewinnzone, Unternehmen ist an der Börse; 36 Mio. Kunden; in 17 Ländern Europas)

About you, Hamburg (Internethändler, Online-Versandhandel; Elternorganisation Otto Group; gegründet 2014, Gründer Tarek Müller, Hannes Wiese; drängt 2021 an die Börse; der Umsatz steigt stark an 2020/21 auf 1200 Mio. €)

Suse, Nürnberg (Software-Unternehmen, Open-Source; Coding-Wissen der Masse; gehört dem schwedischen Finanzinvestor EQT; betreut auch eine Linux - Distribution; Chefin 2021 die US-Amerikanerin Melissa Di Donato; 1992 gegründet; 2000 B.; 30.000 Linux - Entwickler)

ARM limited, Berlin (Chipentwickler, ursprünglich von Acron, GB, entwickelt; Nvidia aus den USA will 2020 übernehmen. 40 Mrd. Dollar. Die EU-Wettbewerbskommissarin will das nicht zulassen: "Waffe für Trump")

Netflix ("Net" von Internet und "flicks" steht umgangssprachlich für Filme): Gründung August 1997. Gründer Reed Hastings. 1999 Flatrate. 2002 Börsengang mit 15 Dollar pro Aktie. Seit 2007 Streaming (Video). Seit 2013 gibt es eigene Inhalte. 2016 ist Netflix in allen Ländern außer Nordkorea, Syrien und die Krim. Seit 2014 gibt es Netflix in Deutschland. Weltweit hat Netflix 118 Mio. Abonnenten (gewann im letzten Quartal 2017 allein 8 Mio.). Starkes Wachstum und Steigerung des Gewinns 2017. 2018 gibt es sieben Millionen neue Kunden. Das Unternehmen ist weiter auf dem Wachstumspfad. Allerdings bricht der Aktienkurs Ende 2018 ein. Es gibt immer mehr Konkurrenz (Amazon, Apple, Walt Disney). 2019 wachsen die Schulden, die Rendite ist schwach. Höhere Abogebühren bremsen den Kundenzuwachs. In den USA sinkt sogar die Zahl der Mitglieder. Die Corona-Krise 2020 kommt dem Unternehmen voll zugute: Die Zahl der Kunden steigt sprunghaft an (+16 Mio.). Videostreaming verschlingt weltweit 2020 so viel Strom wie die Haushalte in Deutschland, Italien und Polen zusammen brauchen. Die Branche soll in die Pflicht genommen werden. die Firma verändert grundlegend, wie die Welt fernsieht. Sie hat also großen Einfluss auf Kultur und Lebensart. Co-CEO 2020  Ted Sarandos. Angestellte werfen der Firma eine Kultur der Angst vor.  Tik Tok wird immer mehr zur Konkurrenz bei jungen Leuten. 2020 flaut das Kundenwachstum ab. Die wachsende Konkurrenz macht zu schaffen. Ende 2020 beim Aktienwert auf Platz 33 in der Welt. Das Geheimnis besteht darin, den Nutzern den genau passenden Film zu zeigen. 2021 testet Netflix mehr Strenge: rund ein Drittel der Abonnenten gibt ihre Passwörter weiter. Es findet ein Handel mit Passwörtern statt. Die Corona-Krise hat Abo-Rekorde beschert. Ende 2021 schwächelt das Wachstum. Man will in Europa viel anpacken.  In der Corona-Krise ist Marie Kondo aus Japan bei Netflix sehr erfolgreich. Sie zeigt, wie man Küchenschränke und Sockenschubladen entrümpelt. Später kümmert sie sich um die Home - Office - Ordnung.

Walt Disney Company, Burbank/ Kalifornien (Medien: Filme, Parks; seit 1923;  2020 Boom beim Streaming durch Corona, Online-Videodienst Disney+, 2020 21 Mio. Abokunden neu; Umsatz 2019 69,6 Mrd. $).

Streaming - Plattformen: Netflix, Prime Video (Amazon), Apple TV, Sky Ticket, Disney, TV Now, Joyn, Mubi.

Pinterest: Soziales Netzwerk, 250 Mio. aktive Nutzer (2019). Pinwände mit Fotos. Verdient Geld mit Werbung und Shopping-Funktion. Mitbegründer und Chef ist Ben Silbermann. Das Unternehmen wurde 2010 gegründet. Geschätzter Wert 2019 12 Milliarden Dollar. Das Unternehmen will 2019 an die Börse. 2019 arbeitet man intensiv an Shopping Features für Unternehmen.

Spotify Stockholm: Musikstreamingdienst aus Schweden. Seit 2006. 2018 weltweit 70 Mio. zahlende Abonnenten. Es drohen Milliardenklagen wegen Urheberrechtsverletzung. Der Börsengang wird vorbereitet. Spotify und Tencent aus China rücken 2018 näher zusammen. Spotify geht im April 2018 an die Börse (Direct Public Offering; Referenzpreis 132 Dollar). Der Marktführer schreibt seit Jahren rote Zahlen. Die Investoren lieben aber das Milliardengrab. Mitbegründer des Streaming - Dienstes ist der Schwede Daniel Ek. Zunehmend dringen Konkurrenten auf den Markt (amazonmusic, MUSIC/ Apple, DEEZER). 2019 legt sich der Streamingdienst mit Apple an. Er bringt eine Beschwerde gegen Apple bei der EU-Kommission vor. Es geht um die Gebühren im App-Store. Die Produkte der Konkurrenz werden benachteiligt. 2021 nimmt man 85 neue Märkte in Angriff.

Deezer, Frankreich (Steaming - Dienst; deutscher Chef 2020 Hans-Holger Albrecht; aktive Nutzer 16 Mio., zahlende Abonnenten 9 Mio.; Marktanteil 2%. Abhängig von Apple.

Kugou Music: Jede Art und alle Musik in China. Copyright scheint es nicht zu geben.

Tinder, Los Angeles/ USA (Mobile Dating App, Partnersuche, Soziales Netzwerk; 2012 gegründet; mittlerweile in 190 Ländern, gehört zum US-Konzern Match Group, EU-Filiale in Deutschland).

Bumle, Austin/ Texas/ USA (Dating-App, feministisch: nur Frauen können Männer kontaktieren, seit 2014; Gründerin Whitney Wolfe Herd, kommt von Tinder, vorher Hatch Lab; 2021 an die Technologiebörse Nasdaq; Anstieg der Aktie um 77%, 2021 weltweit 100 Mio. Nutzer. Das Hauptquartier in Austin/ Texas ist einem Bienenstock nachempfunden. Herd sieht sich als Bienenkönigin)

Momo: Ist Chinas führende Dating-App. Hat Tantan übernommen. Ist jetzt die chinesische Ausgabe von Match Group (Tinder). Verdient Geld durch die Vermarktung von Livevideos.

Unterhaltungskonzerne: Netflix, Amazon und Disney bestimmen immer mehr die Regeln und verändern die Branche. Netflix hat Ende 2019 167 Mio. Abonnenten. Die Anzahl der Eigenproduktionen liegt bei 268. Amazon Prime hat 150 Mio. Abonnenten und 141 Eigenproduktionen. Dann kommt Disney mit 29 Mio. und 25 Eigenproduktionen. Hinzu kommen Maxdome und Sky. Das wird den Markt und auch das Fernsehen grundlegend verändern (ARD und ZDF sind die Verlierer).

Wearables: Kleine vernetzte Computer, die am Körper getragen werden. Sie finden sich in den bereichen Lifestyle, Fitness, Pflege und Medizin. Zu den Produktkategorien gehören Kopf-/Ohrhörer, Smartwatches, Fitnessarmbänder und Andere. Die größten Märkte liegen in China, USA und Indien. Die wichtigsten Hersteller sind Apple, Xiaomi, Huawei, Samsung, Fitbit. Von 2014 auf 2020 betrug die Steigerungsrate +1435%, von 2020 bis 2024 werden nur noch +42% erwartet. Vgl. WiWo 18/ 30.4.21, S. 8.

Wikipedia: Das größte Lexikon der Welt (Internet-Enzyklopädie). Es startete am 15. Januar 2001. Es ist im Internet frei und werbefrei zugänglich. Wikipedia gibt es in über 300 Sprachen. Das Peer-to-Peer-Netzwerk wurde von Jimmy Wales, einem ehemaligen Investment-Banker gegründet. Es gehört zu den weltweit Top - Ten der meistbesuchten Websites. Die Finanzierung erfolgt über Spenden (2019 fast 120 Mio. Dollar). eine große Rolle spielt mittlerweile Crowdsourcing. Darunter sind auch große Unternehmensstiftungen (Apple, Google, Microsoft). Es gibt häufiger Streitfälle. Die Nutzer sind eher älter, überwiegend männlich und gut gebildet (Umfrage von Wikipedia). In der deutschen Wikipedia ist 2020 die Zahl der Autoren zurückgegangen.  2020 wurde am häufigsten die Biographie von Joe Biden eingesehen, vor Donald Trump.

Baidu Baike: Enzyklopädie. Pendant zu Wikipedia. Wird allerdings gesteuert. Ungewollte Themen und Personen werden aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen. So der Eintrag zum Tiananmen-Massaker 1989. Auch der Eintrag über die Wirtschaftspolitik von Mao (Autarkie), die die größte Hungersnot der Geschichte auslöste, wird gestrichen. 2021 gibt es keinen Eintrag zu Cloe Zhao. Sie erhält den Oskar für die beste Regie: Film "Nomadland" (auch beste Schauspielerin, bestes Drehbuch). Zhao wurde in Peking geboren. 1982 hatte sie ein Interview gegeben. Darin spricht sie von einer rebellischen Jugend in China, "wo Lügen überall sind, Viele Informationen, die ich erhielt, waren nicht wahr". Sie gilt als Landesverräterin.

IBM: "Dinosaurier" der IT. Das Unternehmen schrumpft sich seit Jahren gesund. Vorzeigeprojekt ist die KI-Plattform Watson. Daneben gibt es IBM Cloud, IBM Security, IBM Systems, IBM Research. Die Cloud-Dienst sorgen 2018 für einen Schub. Ende 2018 kauft IBM Red Hat. Das ist ein Softwarespezialist. Es ist der größte Zukauf in der 107-jährigen Firmengeschichte (29,8 Mrd. Euro). Red Hat wurde 1993 gegründet und bietet eine Version des offenen Betriebssystems Linux an. Damit wird IBM die Nummer eins unter den Anbietern im hybriden Cloud-Sektor. IBM zahlt 33 Mrd. Dollar. IBM will den Vorsprung von Amazon und Microsoft aufholen und vom Trend zur Hybrid-Cloud proditieren. Viele IT - Unternehmensgründer kommen von IBM. So auch die Gründer der SAP in Deutschland.

Cisco, USA (Telekommunikation, Netzwerke; vom Aktienwert 2020 an 50 Stelle in der Welt, Aktiewert ende 2020 156 Mrd. €).

AT&T, Dallas/ Texas/ USA: Kommunikation, Netze; Telefon, Mobilfunk; Internet; 170 Mrd. € Aktienwert Ende 2020; Platz 42 in der Welt.

Comcast, Philadelphia/ USA: Telefon, Kabelnetz; 189 Mrd. € Aktienwert 2020, Platz 34 in der Welt

Verizon, Basking Ridge, N. J./ USA: Netzwerk, Telefon, Mobilfunk, Internet; 202 Mrd. € Aktienwert 2020, Platz 30 in der Welt, seit 2000.

Lenovo, Peking (Computer, Computertechnik;  3. größter der Welt seit Übernahme von Medion 2011; Liu Chuanzhi war viele Jahre Chef des China Entrepreneur Club; hatte die Hardware Sparte von IBM übernommen; "Drei Flüsse"-Kultur: Lenovo, IBM, Dell; seit 1996 Marktführer in China; in 160 Ländern präsent; beim Besuch von Dreyer im Oktober 2019 Vereinbarung von Kooperation mit DFKI, Kaiserslautern. Mutter im Hintergrund: Legend Holdimg)

Hewlett & Packard (HP) Inc., Wilmington/ Delaware, Zentrale in Palo Alto: Von Bill Hewlett und David Packard 1939 gegründet als Garagenfirma. Unterstützer war W. Disney Technologiefirma. Computer, PC, Drucker. Seit 1959 auch in Deutschland. Ca. 55.000 Beschäftigte. 2019 macht der Drucker- und Kopierer-Spezialist Xerox ein Übernahmeangebot. HP lässt ihn abblitzen.

Xerox: Es werden große Drucker und Kopierer hergestellt. Umsatz 9,83 Mrd. US-$ 2019; 32.400 Mitarbeiter. Marktkapitalisierung 7,8 Mrd. US-$. 2020 holt sich Xerox eine Kreditzusage für die Übernahme von HP. Die Vorteile einer Kombination aus HP und Xerox sind offensichtlich. HP ist aber viel größer (siehe oben).

Unisys Corporation, Blue Bell/ Pennsylvania (Gründung 1986; Filiale in Hattersheim/ Main; Information Dienstleister, früher auch Hardware; Umsatz 3,015 Mrd. USD; hatte mal ein Konkurrenzprodukt zu SAP, das ursprünglich erfolgreicher war; lehnte Kooperation aber ab).

Dell Technologies, Round Rock/ Texas: Computer und Speichersysteme; Gründer Michael Dell 1984; noch CEO. Hat sich 2013 von der Börse zurückgezogen. Will 2018 wieder zurückkehren bzw. fusionieren. 2016 wurde schon der Speicherspezialist EMC gekauft, was zu Schulden geführt hatte. Mit einem Börsengang könnte frisches Geld beschafft werden. 

Qualcomm: US-Chipgigant. Darf 2018 nicht durch den Rivalen Broadcom aus Singapur übernommen werden. Trump begründet sein Veto mit  der nationalen Sicherheit.

Intel Corporation, Santa Clara/ Kalifornien/ USA (Chips; Sieben-Nanometer-Halbleiter; seit 1968). Gründer war Gordon Moore. Er formulierte auch das nach ihm benannte Gesetz "Moore` s Law: Alle 18 Monate werde sich die Anzahl der Transistoren auf einem Prozessor verdoppeln. Die Leistungsfähigkeit der Prozessoren nehme also über die Zeit exponentiell zu. Heute wird das Gesetz vereinfacht zu "steigende Rechenleistung bei sinkenden Kosten". Intel möchte 2021 eine Direktinvestition in Deutschland tätigen (Standort in der EU). Man erwartet hohe Subventionen vom deutschen Staat (Dresden darf sich Hoffnungen machen). In Taiwan und Südkorea bekommen die Hersteller 40%. eine Fabrik kostet mindestens 10 Mrd. €. 2021 ist Intel der weltgrößte Halbleiterhersteller. Der Umsatz erreicht fast 20 Mrd. US-$. Der Aktienkurs steigt um 16%. Intel will ab 2021 bis zu 80 Mrd. Euro in Europa investieren. Auch deutsche Standort sind geplant. Bis zu 12.000 Arbeitsplätze könnten EU-weit entstehen. Man sucht Bauplätze in Irland, Belgien, Polen Italien und Deutschland.

Nvidia, Santa Clara/ Kalifornien (Computerchips, Grafikkarten, Künstliche Intelligenz; seit 1993; Gründer Jen-Hsun Huang). 2020 überholt das Unternehmen Intel. Man will auch den britischen Chipdesigner ARM für 40 Mrd. $ kaufen. 271 Mrd. € Aktienwert Ende 2020. Mitte Februar sind des schon 376 Mrd. $. Mehr wert als Intel und AMD zusammen. Huang sieht "zehn Billionen Dollar Profitpotential". Er will die Welt verändern (selbst fahrende Autos).

Paypal, USA (Zahlungsdienstleister, E-Payment; Aktienwert 229 Mrd. € Ende 2020; beim Aktienwert auf Platz 27 in der Welt)

AMD, Santa Clara, Silicon Valley: Advanced Micro Devices, Halbleiterprozessoren, Radeon Software, Chiphersteller. 2020 Übernahme des Konkurrenten Xilinx für 30 Mrd. $. CEO ist Lisa Su. Sie übernahm den Konzern 2014, als er kurz vor dem Bankrott stand. 35% des Umsatzes werden in China erzielt.

Zoom, San Jose´/ Kalifornien (Videokonferenz-Anbieter; Deutschlandzentrale in Köln; profitiert von der Corona-Krise; unsere Hochschule arbeitet auch mit dem System. Konkurrenten sind Teams und Skype von Microsoft. Im letzten Quartal 2020 wächst der Umsatz um 369%! Das ist der Trend zum Home-Office in Corona-Zeiten). Im Sommer 2021 kauft man die Firma Kites aus Karlsruhe dazu (20215 gegründet). Die automatisierten Übersetzungen sollen in das Video-Konferenzsystem integriert werden.

Slack Technologies, San Francisco: Messenger-Dienste für Firmen, eine Art Plattform. Kollarborationstool. Konkurrenz zu Emails. Gründer und Chef ist Steward Butterfield, auch Cal Henderson. Geschätzter Wert 10 Milliarden Dollar. Slack profitiert von der Corona-Krise. Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit könnte sich weiter auflösen. Die Firma hat 2100 Beschäftigte. Die Software ähnelt der von Whats App (Facebook) und Teams (Microsoft). Die Software ist aus einem Spiel entstanden (wie Flickr und Glitch). Die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben verschwimmen. Der Boss kann kontrollieren. Durch die digitale Kommunikation setzt Slack aber auch Kapazitäten frei. Persönliche Gespräche können dann Themen behandeln, die mehr Gefühl und Nuancen erfordern. Verliert in der Corona-Krise Boden gegenüber Microsoft/Teams und Zoom. Ende 2020 will Salesforce das Unternehmen kaufen (20 Mrd. $?).  2020 hat Slack 122.000 Kunden. 12.000 Organisationen sind 2020 dazugekommen. "Viele kennen einander nur als Bildschirmausschnitt. Sie wissen nicht mal, ob ihre Kollegen groß oder klein sind", Cal Henderson, Mitgründer.

Udacity, Mountain View, Kalifornien/ USA: Private Online-Akademie; 2011 vom Deutschen Sebastian Thrun gegründet, er war Chef der KI bei Google, deshalb auch Google-Uni; Vorlesungen und Prüfungen; anfangs kostenlos)

Sumologic, Redwood City/ Kalifornien seit 2010, Mitgründer war der Karlsruher Christian Beetgen; 2020 an der New Yorker Börse; 2 Mrd. $; Maschinendaten in der Cloud analysieren, Sicherheit und Zuverlässigkeit von IT-Systemen.

Red Hat, Raleigh/ North Carolina:  Open Source Unternehmen. KI, Machine Learning, Edge-Computing. Gegründet 1993. Seit 2019 Teil von IBM. sitz der Deutschlandfiliale ist München. Chef ist 2021 Robert Lindner. 16.000 B., Umsatz 3,4 Mrd. $ 2018.

SAS, North Carolina (Computer, Analytics-Software; Deutschlandzentrale in Heidelberg; Deutschland-Chefin 2021 ist die gebürtige Deutsche Annette Green)

Neurolink, Fremomt: Firma von Elon Musk. Übermittlung von Infos vom Hirn zum Handy. Für spezielle Handikaps: Sehstörungen, Hörverlust, Schlaflosigkeit, Schmerzen. Verletztes Nervengewebe soll überbrückt werden.

UiPath, New York/ USA: Gründung 2005 in Bukarest/ rumänien; Software-Roboter, Automatisierung von Geschäftsprozessen, Abschaffung manueller Prozesse).

Nintendo: Kyoto,Japan Computerspiele (Präsident Saturo Iwata stirbt 2015 mit 55 Jahren; prägend war das von Shigeru Miyamoto, dem wichtigsten Videospielentwickler der Geschichte,  erfundene Videospiel Super Mario Bros.; Nintendo hat in Deutschland eine Filiale in Frankfurt)

Gamestop, Grapevine/ Texas (Computerspiele, Handel; 2021 gibt es Turbulenzen um die Aktie: +400% in einer Woche, Auseinandersetzung von Hedgefonds mit Robinhood, Finanzministerin Yellen lässt den Handel prüfen. 8000 Filialen in 18 Ländern, 1200 in Europa; seit 1984; 1999 mit dem heutigen Namen; 972 Mio. $ nach dem Börsengang 2002; unter Ceo Daniel DeMatteo Expansion nach Europa, Kanada, Australien 2008; 2008 Übernahme von Micromania/ Frankreich; 16% Umsatzeinbruch 2016)

Sea, Singapur (seit 2017 an der Börse; als Hinterlegungscheine auch an der New Yorker Börse/ ADR; +70% in der Corona-Krise; E-Commerce-Plattform Shopee; Gaming-Plattform Garena; ebenso mobiles Zahlen).

Epic Games, Raleigh/ North Carolina: Software, Produziert eines der beliebtesten Videospiele: Fortnite. Wird 2020 aus den Stores von Apple und Google verbannt. Gründung 1991, Gründer und Chef 2020 Ti, Sweeney. es gibt 2020  350 Mio. Fortnite-Spieler.

Allianz gegen App Store: Im September 2020 gründen Epic Games, Spotify, Deezer und Tinder eine Allianz gegen die App Stores. Es ist eine Koalition für App Fairness. Man will gemeinsam neue Regeln. Online-Plattformen sind der entscheidende Zugang zu den Nutzern digitaler Produkte.

Bridgefy: App. Man kann Botschaften ohne Web senden. Man nutzt das Bluetooth-Netzwerk durch Selbstvernetzung. Für bis zu 30 Nutzer ist die Nutzung kostenlos. Bis zu 1000 Nutzer werden 2021 99 US-Dollar fällig. Das Netz erlangt traurige Berühmtheit in Myanmar. Es  kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Behörden  das Internet abschalten.

Softbank: Masayoshi Son; Minato/ Tokio (seit 1981; Telekommunikation und Kabelnetze; kauft 2016 den britischen Chiphersteller ARM/ 95% der Prozessoren für Smartphones, Mehrheitseigner  des Mobilfunkanbieters Sprint in den USA; plant eine Gegenoffensive gegen das Silicon Valley; gründet 2016 mit Saudi-Arabien einen Technologiefonds; Son ist ein guter Freund von Trump; er will Arbeitsplätze in den USA schaffen; der Konzern steigt Ende 2017 bei Uber ein). Der japanische Konzern kauft sich in hohem Tempo in Mobilitätsketten ein (automobiles Netzwerk von morgen). Das Roboterauto besteht aus den Elementen Fahrdienste, Prozessorhersteller, Navigation, Big Data, Dienstleistung. Softbank ist 2018 der größte Investor in KI: Zahl der Finanzierungen 524, davon Risikokapital 449. Das Investitionsvolumen liegt bei 175 Mrd. $. Die größten Projekte sind Uber, WeWork, Didi Chuxing. Der Absturz von WeWork, an dem man beteiligt ist, und Uber schadet auch dem Ansehen von Softbank. Das Reise-Start-up Getyourguide soll jetzt zur Weltfirma wachsen). Der Softbank-Chef Son gilt als der mächtigste Tech-Investor der Welt. Er hatte schon vorher in Alibaba, Slack und Wirecard investiert. Insgesamt investierte Softbank 70,7 Mrd. Dollar über den Vision Fund in 88 Start-ups.   "Man soll sich an mich erinnern als den verrückten Typen, der auf die Zukunft wettete", Masayoshi Son. Ebenso von ihm folgender Spruch: "Die augen eines Gründers müssen leuchten, der Geschäftsplan kommt an zweiter Stelle".

Sony: Japan. Founder Masaru Ibuka und Akio Morita 1908-1997, Transistor Licence from Bell. 2017 wird ein Rekordgewinn durch das Musikgeschäft erzielt. Insgesamt findet sich der Konzern aber in einem langsamen Abstieg. Er versucht, mit alten Technologien neue Märkte zu erobern. Ein gutes Beispiel ist die Fototechnik. 2020 bringt Sony als erster Tech - Konzern ein eigenes Auto auf den Markt (Elektroauto)  "Für einen etablierten Konzern wie unseren ist es nicht einfach, in den Start-up-Modus zu schalten und Märkte zu erobern, in denen wir bisher nicht mehr als ein kleiner Angreifer sind", Kenichiro Yoshida, Vorstandschef von Sony 2018.

SAP Deutschland SE & Co. KG, Walldorf Software, Betriebwirtschaftliche Lösungen; 2007 neuer Anlauf: billiges, schnelles Produkt von der Stange für KMU, auch Mietsoftware, "Business by Design"; 2014 wird für KMU die Geschäftseinheit SMB Solutions Group gegründet; die Gründer unterstützen über Stiftungen Neugründungen; 2014 Abbau von1500 Stellen weltweit; Übernahme des Reisekostenexperten Concur; Cloud-Nutzer 50 Mio.; 2016 7200 Mitarbeiter mehr, +7% Umsatz; 2017 Zorn über den Aufsichtsrat und das Gehalt des CEO; Focus kostet 1000 Jobs weltweit; im September 2017 Übernahme von Gigya in den USA: Kunden-Informationen-Software; im Herbst 2017 Korruptionsvorwürfe in Südafrika, in denen die US-Justiz ermittelt; im November 2017 verkauft Hasso Plattner ein großes Aktienpaket. SAP will 2018 profitabler werden. Marketing und Vertrieb werden gestrafft. Von den 45 Rechenzentren weltweit sollen bis Ende 2018 18 vom Netz gehen. Daten werden in die Cloud verlagert. 2018 weiten die SAP und Alibaba ihre Partnerschaft aus. 2018 kommt eine Kartellbeschwerde wegen der Lizenzpolitik (von Voice, dem Bundesverband der IT-Anwender). Ende 2018 wird die Plattform für Marktforschung in Echtzeit  Qualtrics gekauft (für 7,1 Mrd. €). Ende Januar verkündet der SAP-Chef Bill McDermott ein Restrukturierungsprogramm: 4500 Stellen sollen weltweit gestrichen werden. Deutschland trifft es überproportional: 1500 Stellen sollen wegfallen. Man plant ein Freiwilligen- und Vorruhestandsprogramm für 950 Mio. €. Im April 2019 steigt der umstrittene US-Finanzinvestor Elliot mit 1,2 Mrd. Euro ein. 2020 sollen Klein und Jennifer Morgan den Vorstand führen. Morgan tritt nach sechs Monaten zurück und verlässt das Unternehmen. Sie war die einzige Frau an der Spitze eines DAX-Unternehmens. Insider klagen über eine zu große Macht von Seilschaften und Netzwerken. Hasso Plattner, der Aufsichtsratschef, scheint immer noch wie ein Inhaber geführter Mittelständler aufzutreten. Für ihn muss auch ein geeigneter Nachfolger gefunden werden. 2020 wird Sabine Bendiek neuer Personalvorstand. Sie arbeitete vorher als Chefin von Microsoft Deutschland. Die SAP hat im September 2020 massiven Ärger in Südafrika. sie soll in Korruptionsskandale verstrickt sein. Im Oktober 2020 kauft die SAP ein Spezialunternehmen für Kundenbindung dazu: Emarsys, Wien, 800 b., 13 Niederlassungen. 2021 befindet sich das Unternehmen in einer Umbruchphase. Zahlreiche Altsysteme laufen aus. Erste Kunden zögern und wechseln. 2021 gewinnt die SAP Google als Kunden. Die Programme werden in die cloud gebracht. SAP könnte zum Amazon der Maschinendaten werden.  2018 soll die Google - Managerin Diane Greene, eine Cloud-Spezialistin, in den Aufsichtsrat geholt werden. 2018 macht die SAP erstmals mit dem Mietmodell (Cloud) mehr Umsatz als mit traditioneller Software.

Software AG, Darmstadt: Zweitgrößter deutscher Software-Anbieter. Die Firma ist führend bei Plattformen für das Internet der Dinge. Sanjay Brahmawar wird 2019 neuer Vorstandschef. Man will den Abstand zur SAP verringern. Man betreibt ein Joint Venture namens Adamos mit den mittelständischen Firmen Dürr, Zeiss, ASM PT und DMG Mori. Ziel ist eine IoT - Plattform für den Maschinenbau. 2017 wurde das Start up Cumulocity übernommen. Gründer war Bernd Gross. Es handelt sich um eine cloudbasierte Plattform für das Internet der Dinge. 2019 wird die Multifunktions- iPAAS-Plattform vorgestellt. Sie heißt Web-Methods.io. Ein Set von 300 Konnektoren zur Integration von Apps, Daten, APIs, B2B und IoT-Geräten steht zur Verfügung. Vorstandsvorsitzender 2020 ist Sanjay Brahmawar, gebürtiger Inder und Belgier. In der Pandemie steigen die Aufträge um 30%. Der Börsenkurs verdoppelte sich fast.

Siemens AG, München (seit 1847, ursprünglich in Berlin/ Telegraphenbauanstalt; drei Brüder; mit Seekabeln verbinden sie die Kontinente;  Technologie, Medizintechnik, Infrastruktur, übernimmt 2016 Mentor Graphics/ USA; will zu einem digitalen Unternehmen werden; bereits 1872 Pensions-, Witwen- und Waisenkasse; Siemens Stiftung, in der noch Familienmitglieder sind; Brüder gründeten die Geschäfte in Russland und Großbritannien; erfindet 1866 die Dynamomaschine; Start-up-Offensive "Next 47"; ab 2017 Umbaupläne bei Medizin- und Bahntechnik; 1700 Stellen sollen in Deutschland wegfallen; 2017 Embargo-Streit um Turbinen auf der Krim-Halbinsel; 2018 Fusion in der Bahntechnik mit dem französischen Konzern Alstom, es entsteht zweitgrößtes Bahntechnikunternehmen nach CRRC aus China). Aufgrund der Umstrukturierung sollen 2018 zwei Werke in Deutschland geschlossen werden. Seit 170 Jahren muss sich Siemens ständig neu erfinden; heutige Sparten: Power und Gas, Energy Management, Mobility, Digital Factory, Healthineers; bei Gasturbinen droht ein Kahlschlag bzw. eine Verlagerung in die USA; 2018 ist ein Börsengang für Healthineers geplant: 7 Mrd. € ?; Siemens gibt ende 2018 bekannt, dass in Berlin ein Innovationscampus entsteht: Siemensstadt, 600 Mio. € Investition, bis 2030 fertig, mit Technologiepark; "urbaner Stadtteil der Zukunft"). Der Konzern steigert 2020 vor allem bei digitalen Kerngeschäften die Margen. Bitter sieht es beim Börsenkandidaten Siemens Energy aus. Bei Siemens soll zum 1. oktober 2020 ein Führungswechsel stattfinden. Roland Busch soll Joe Kaeser nachfolgen als CEO, der formal bis Februar Vorstandschef bleibt. Hoffentlich lähmt das Siemens nicht. Judith Wiese wird neue Personalchefin.  "Ich sehe im Geschäft erst in zweiter Linie ein Geldwert-Objekt", Gründer Werner von Siemens 1887.

Deutsche Telekom AG, Bonn (Telekommunikation, größte in Europa; will ab 2018 die nächsten Jahre 20 Mrd. € Netzausbau investieren. Gibt in der Corona-Krise anonymisierte Handydaten an das RKI. Die Fusion mit Sprint im US-Geschäft kann 2020 abgeschlossen werden. 2020 spricht man von einem Deal von Merkel/ Deutschland mit China: Deutschland hält den zugang für Huawei in Deutschland offen. Dafür bekommen Nokia, Ericson und die Telekom Zugang zum chinesischen Markt). Ab 2021 investiert die Telekom 18,4 Mrd. € in den Ausbau von Breitband und 5G.

Tooz Technologies, Aalen (Start-up, von Telekom und Zeiss; Datenbrille, AR. Von außen unsichtbar werden zusätzliche Infos ins rechte Glas eingeblendet. Das Start-up könnte schaffen, woran Google gescheitert ist: Menschen für eine vernetzte Brille begeistern)

!&1 Drillisch, Maintal/ München (Netzanbieter; Mobilfunk; Zusammenarbeit mit Telefonica/ O2)

GFT Group, Stuttgart (seit 1987; Informationstechnik, IT - Infrastruktur, Cloud, Hybrid; Partnerschaften mit Amazon, Microsoft, Pivotar; 5000 B.; über 13 Länder)

Digitale Hidden-Champions: Sie haben entweder digitale Produkte (1), digitale Prozesse (2) oder digitale Services (3). Zu (1) zählen etwa Volocopter, Bruchsal (elektrischer Hubschrauber); DeepL, Köln (Übersetzungsprogramm, leistungsfähiger als Google Translate); MK Technology, Grafschaft bei Bonn (Investment Casting); Phoenix Contact, Göppingen (schnellstes Batterieladesystem). Zu (2) gehören: Kärcher (Hochdruckreiniger); Knauf (Baustoffe); Trumpf (Lasermaschinen). Zu (3): Teamviewer (Feinwartung von Computern; Flixmobility (Organisation von Systemen); Wirecard (Financial Services). Vgl. Simon, Herman: Die digitalen Hidden Champions, in: HBM, November 2019, S. 62ff.

Start-ups im Silicon Valley: 1. Compliance.ai  SaaS-Plattform zur automatischen Analyse von Gesetzestexten  im Finanzbereich. 2- Kinetica  mehr Echtzeit in der Analytics-Welt. 3. Onepanel Infrastruktur für KI. 4. Valohai Automatiiserung von Machine Learning. 5. RapidAPI Austausch von API. 6. Ayehu IT-Support rund um die Uhr. 7. Promethium  Zuerst Fragen, dann Suche. 8. Corelight  IT-Sicherheit. 9. Petuum Fertige KI-Lösungen. Vgl. Perler, Luca: Start-ups, die die IT-Welt verändern wollen, in: com!professional 8/2020, S. 36ff.

Augustus Intelligence, (Start-up in KI; 2018 gegründet; vom Mediziner Wolfgang Haupt; sammelte ca. 35 Mio. $ ein; vor allem reiche Investoren durch Lobbyismus: Stefan von und zu Liechtenstein, Kai Diekmann, Karl Theodor zu Guttenberg, August von Finck. Lobbyisten Philipp Amthor, Hans-Georg Maaßen, August Hanning. 2020 werden viele Mitarbeiter entlassen. Die Millionen scheinen vergeudet.

Digitalisierung bei KMU: Die Deutsche Telekom erstellt einen Digitalisierungsindex. Der wird auch speziell für KMU gemacht: Digitalisierungsindex Mittelstand.  Der Gesamtindex aller KMUs liegt bei 100. Daran gemessen ergeben sich für einzelne Sparten folgende Werte 2020: Digitalisierung der Dienstleister 51, 05. Beziehung zum kunden 48, -7. Digitale Angebote und Geschäftsmodelle 39, -9. IT - Informationssicherheit, Datenschutz 68, 0.

Salesforce: Direkter Konkurrent aus den USA von SAP beim Kundenmanagement. CRM - Marktführer. Hat mittlerweile 2017 SAP bei den Marktanteilen überholt (auch Oracle). Das Unternehmen hat weltweit über 50.000 Angestellten. Man ist der größte Arbeitgeber in San Francisco. Die Software ist erfolgreicher und eleganter. 9,3 Milliarden Euro Umsatz erzielt Salesforce 2017. Salesforce ermittelt regelmäßig die IT - Trends der Zukunft. Chef ist 2020 Marc Benioff. Er ist Großwohltäter und Förderer eines besseren Kapitalismus. Er kritisiert häufig die Social Media - Firmen: "Facebook sind die neuen Zigaretten unserer Gesellschaft". Benioff machte ein privates Konjunkturpaket in der Corona-Krise 2020: 50 Mio. Masken und Schutzkleidung. Kleine unternehmen konnten sich um ein Geldgeschenk bewerben ("Salesforce Care Small Business Grant"). Er kämpft auch gegen Obdachlosigkeit in seiner Stadt und spendet ein Kinderhospital. Er zahlt allerdings in den USA so gut wie keine Steuern. Salesforce will Ende 2020 Slack übernehmen. Der Preis soll über 20 Mrd. $ liegen. Der strategische Sinn wird nicht sofort deutlich.

Oracle. Redwood City/ Kalifornien: Betriebswirtschaftliche Software. Geht 2019 bei der Cloud eine Kooperation mit Microsoft ein. Mittlerweile auch großer Cloud-Anbieter. Ein Konsortium unter Führung von Oracle kann Tik Tok für die USA übernehmen. 2021 zieht die Firma aus dem Silicon Valley nach Texas um. Hauptquartier wird die Stadt Austin. Die Mieten sind niedriger und auch die Einkommensteuer. Ende 2020 156 Mrd. € Aktienwert. Deutschlandchefin ist 2021 Stefanie Kemp. Sitz ist Düsseldorf. Hier tritt Oracle vor allem als Cloudanbieter auf.

Insight Enterprises, Tempe/ Arizona:  IT - Unternehmen, USA; maßgeschneiderte Lösungen aus Hard- und Software, auch in der Cloud. Business-to-Business; seit 1986)

Hewlett Packard Enterprise/ HPE, San Jose`/ Kalifornien: Zieht 2020 nach Houston in Texas um. Abspaltung von HPC; Informationstechnik, Cloud; seit 2015.

Equinix Inc., Redwood City/ Kalifornien/ USA (Rechenzentrumsbetreiber, seit 1998, Nummer eins in der Branche; jährlich 5 Mrd. Euro Umsatz; Deutschlandzentrale in Frankfurt; Colocation; Chef 2020 C. J. Meyers)

Rocket Internet, Deutschland: Der Börsenwert steigt 2017 um +14,6%. 2020 bewegt sich das Unternehmen weg von der Börse. Die Samwer-Brüder wollen dem Unternehmen eine längerfristige Ausrichtung ermöglichen. Der Aktienkurs liegt auch weit unter dem von vor 6 Jahren.

Zalando, Deutschland: Der Börsenwert steigt 2017 um +25%. Einer der wenigen konkurrenzfähigen Internetplattformen in Deutschland.

Autodoc, Berlin: Onlineersatzteilhändler. Eines der wachstumsstärksten Unternehmen Europas. Günstige Preise und poppiges Marketing.

Nextcloud, Stuttgart: Softwareanbieter, Cloud für KMU und öffentliche Hand. 90.000 Server. Konkurrenz für die großen US-Rivalen.

Triwago: Deutsch Reiseplattform, die mit Booking.com und anderen in etwa mithalten kann.

Wirecard AG, Aschheim bei München (Zahlungsplattform, IT - Dienstleistungen, Software; regelt vor allem Zahlungen zwischen Firmen international; steht 2018 vor dem Sprung in den DAX, bisher im TecDax; in den DAX am 24.09.2018, löst die Commerzbank ab; das Unternehmen wurde immer wieder mit Schmuggelgeschichten verbunden; 2020 wird mit 210 Mrd. Euro Zahlungen gerechnet; ca. 5000 B.; 2005 Entstehung durch Namensänderung; Gründer und Chef ist der Österreicher Markus Braun; in der Dotcom-Blase war das Unternehmen fast tot; Pornos und Glücksspiel waren die Rettung). Das Unternehmen hat vier Geschäftsbereiche: 1. Wirecard Bank. Prepaid-Karten für Privatkunden und die Abwicklung des Zahlungsverkehrs von Kreditkarten. 2. Issuing. Technische Abwicklung von Zahlungen per Kreditkarte für die Bank, die die Karte ausgestellt hat. 3. Acquiring. Technische Abwicklung von Kartenzahlungen für stationäre und für Online-Händler. 4. Mobiles Bezahlen. Mit der App namens Boon können Kunden per Smartphone in Geschäften bezahlen. Von Singapur aus bedient das Unternehmen den asiatischen Markt. 14,7 Mrd. € beträgt der Wert Anfang März 2019 an der Börse( seit Ende Januar 2019 -28%). 2020 wird James Freis Compliance - Chef und Mitglied des Vorstands. Er war vorher Sonderprüfer bei der KPMG. Die Vorwürfe wegen Bilanz - Manipulatíon kosten viel Vertrauen. Der Aufsichtsrat nimmt dem Chef Braun ein Teil seiner Macht. Der Gründer wird immer mehr entmachtet. Aufsichtsratschef Eichelmann ist der starke Mann. Hauke Stars von der Deutschen Börse kommt neu dazu. 68% des Konzerngewinns gehen auf ein eine Tochterfirma in Dubai zurück. 2020 jagt der britische Analyst Matthew Earl, Investmentmanager, das Unternehmen. Er ist Auslöser des Zatarra-Schocks. Im Juni 2020 wird zum vierten Mal die Bilanzvorlage verschoben. Der Aktienkurs geht in den Keller. Gründer und Chef Braun muss im Juni 2020 gehen. 1,9 Mrd. Euro bleiben verschwunden. Das Geld bleibt spurlos verschwunden oder es hat nie existiert. Die BaFin hat sich auch blamiert. Der Dax - Konzern steht möglicherweise vor der Zerschlagung. Am 25.06.20 beantragt die Firma die Insolvenz. Das passiert zum ersten Mal im Dax. 5800 Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze, die Anleger um ihr Geld. Gegen den Wirtschaftsprüfer EY wird Strafanzeige erstattet. auch Bundesfinanzminister Scholz gerät ins Visier. Er wusste offenbar schon früh von den Schwierigkeiten, half aber noch bei der Expansion nach China (Guttenberg hatte um Flankierung gebeten). Die Nummer 2 im Vorstand J. Marsalek bleibt verschwunden. Wahrscheinlich ist er in Moskau. Er ist die Schlüsselfigur. Er soll Kontakte zum russischen Militärgeheimdienst gehabt haben. Der Finanzausschuss soll klären, wann die Bundesregierung vom Betrugsskandal wusste. Seit 5 Jahren wurden die Bilanzen systematisch gefälscht. Das war gewerbsmäßiger Bankenbetrug. Es gibt Haftbefehle gegen drei Vorstände. Mit tatsächlichen Geschäften wurden Verluste erzielt. So erfand man Scheingeschäfte, vor allem in Asien. Das Vertrauen in Wertpapiere wurde schwer erschüttert. Das ist auch ein Debakel für die Bundesregierung. Das auch besonders, weil massiv Lobbyismus betrieben wurde (zu Guttenberg, Amthor, Fritsche, Maaßen). Am 25.06.20 beantragt die Firma die Insolvenz. Die Justiz sichert das Vermögen ehemaliger Wirecard-Chefs. Es kommt wohl auch ein Untersuchungsausschuss. EY will nicht haften. Man hatte die Bafin als Aufsicht 90 Mal gewarnt (Marktmanipulation, Geldwäsche, Bilanzierung). Investoren wollen gegen den Bund und die Bafin klagen. Das Wirecard - Kern-Geschäft wird im November 2020 an die spanische Santander Bank verkauft (rettet vielleicht 1300 Arbeitsplätze). Ende November 2020 stellt sich heraus, dass vor der Insolvenz noch viel mehr Geld aus dem Konzern abfloss als bisher vermutet (+800 Mio. €). Ex-Vorstand Marsalek diktierte eine Bande von Mitwissern. Die Aufarbeitung des Skandals zeigt 2021, dass der erfolgreiche Weltkonzern ein Märchen war. Dokumente und Insiderberichte belegen, wie Firmenchef Markus Braun und sein Vize Jan Marsalek Vertraute narrten und Kritiker gefügig machten. Vgl. Die Vorstadtbande, in: Der Spiegel Nr. 6/6.2.2021, S. 8ff.   Ende Januar 2019 gibt es einen verdächtigen Kurseinbruch. Die Finanzaufsicht hält eine  kriminelle Aktion von Spekulanten für möglich. Der Chef des Zahlungsdienstleisters widerspricht auch allen Vorwürfen manipulierter Bilanzen. Im Februar 2019 unterbindet die deutsche Finanzaufsicht Spekulationen mit des Aktie des DAX-Konzerns. Leerverkäufe werden gestoppt. Die Volatilitäten waren zu groß geworden (z.B. Fall der Aktie von 160 auf unter 100 €). Die Maßnahme wird auch kritisiert ("Parteinahme der Bafin für das Unternehmen"). Am 03.09.2018 betrug die Marktkapitalisierung 24,4 Mrd. €, am 23.06.20 betrug der Aktienwert noch 2,1 Mrd. €.

Finanzguru/ Dwins, Bergenhausen:,  Fintec-Start-up, Der Löwe Carsten Maschmeyer steigt 2018 als Investor ein. Kostenlose App für Nutzer. Das Konzept lebt von den Spartipps. Folgt man den Tipps, erhält Dwins eine Provision. Bislang hat man schon 350.000 Verträge.

Infineon Technologies, Neubiberg bei München: Chiphersteller (Halbleiter). Umsatz 2017 über 7 Mrd. €. Plant 2019 einen Milliardenzukauf in den USA: 9 Mrd. € für den US-Rivalen Cypress.

Team-Viewer GmbH, Göppingen (IT-Konzern, cloudbasierte Innovationen, Fernwartungssoftware; seit 2005; 2020 soll der Umsatz auf 450 Mio. € steigen; man benötigt in der Corona-Krise die Software für Home - Office; Gerätesteuerung, wo keine Menschen sind; z.B. Fütterungsprozess von Lachsfarmen, Schneekanonen, Bewässerungsanlagen; Finanzier Permira, Private Equity; 2019 größter Börsengang in der EU, die Aktie steigt auf ein Rekordhoch. CEO 2020 ist Oliver Steil. Großer Gewinner der Corona-Krise. Einer der größten deutschen Tech-Hoffnungen). 2021 kauft die Firma im Bereich Augmented Reality (AR) zu. Es ist die US-Firma Upskill. Die Übernahme ermöglicht auch einen Zugang zum US-Markt. 2021 kommt der Absturz (von Januar 2021 bis Oktober -31% Aktienkurs). Die Prognose wird gesenkt. CEO Oliver Steil muss viele Probleme lösen.

Nero AG, Nordschwarzwald (Marktführer bei Software zum Brennen von CDs, 450 B.)

OHB (Orbitale Hochtechnologie Bremen), AG Bremen. Satelliten; Familie Fuchs; Navigationssystem Galileo, erster Auftrag 2010, EU will unabhängig von GPS aus den USA werden, die unter militärischer Kontrolle steht; 70% in Familienbesitz; Anteile hält der berüchtigte Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte. 2019 ist Marco Fuchs der Chef. Nun werden auch Raketen gebaut. Die Firma liegt im Uni-Viertel.

Secontec, Augsburg (IT - Sicherheit, Netzwerktechnik, Überwachung, Beratung, Xetra)

8com GmbH & Co. KG, Neustadt/ W. (Sicherheitslücken in der digitalen Wirtschaft, Testhacker, Awareness-Maßnahmen; 2018 europaweit führend bei IT-Sicherheit; 2004 von Götz Schartner und seiner Frau Sandra gegründet; ca. 60 B. )

Sentryc GmbH, Berlin (Start-up; seit 2019; 24 B.; Aufspüren von Produktpiraten im Netz; Eigenmittel und Privatinvestoren; Gründerin Nicole Hofmann). https://sentryc.com

Getyourguide, Berlin (Buchungsplattform für Touren oder Tickets für Museen und andere Sehenswürdigkeiten; Einhorn; seit 2008; sammelt 2019 fast eine halbe Milliarde Euro ein. Investoren sind Softbank/ Japan und Temasek/ Staatsfonds von Singapur; Schlüsselpersonen: Johannes Reck, Tao Tao).

Tax on Tour GmbH, Berlin: Steuerberater, Start-up; Umsatzsteuer in der EU zwischen den Ländern)

Cemas, Berlin (seit 2021; Start-up; gemeinnützig; fünf Geisteswissenschaftler; Frühwarnsystem für antidemokratische Radikalisierung im Netz, soziale Medien, Antisemitismus, Hetze im Internet)

Userlane, München: Start-up. Plattform, die Mitarbeiter Computerprogramme beibringen soll. Sammelte in einer Finanzierungsrunde 10 Mio. € ein. clevere Idee für die neue Arbeitswelt.

Celonis, München (Software, Visualisierung und Analyse von Unternehmensprozessen, Process-Mining; über 1000 B.; Favorit bei Investoren).

Q2factory GmbH, München (IT, Software, Beratung, 25 B.)

Ippen-Digital, München (Internetportal für Verlage und Zeitungen; eine der größten deutschen Internetplattformen; auch E-Commerce (Masken, Weinpakete u. a.).

Leanix, Bonn (Cloud-Dienst, Kartographieren von IT; Probleme identifizieren beim Datenschutz und Sicherheit; auch Büro in den USA)

Ionos SE, Montabaur (Internetdienstleister, 1 & 1, seit 1988, Gründer Ralf Donnermuth; bietet auch eine Cloud an)

Personio, München (Start-up; Personalsoftware; für KMU; Bewerbermanagement, Urlaubsplanung, Beteiligung von Accel; im Januar 2021 mit 1,7 Mrd. € bewertet; die Zahl der Mitarbeiter soll verdoppelt werden; Meritech ab 2020 ist als Colead-Investor dabei, auch Northzone, Picus Capital; ein Börsengang wird ins Auge gefasst).

Mynaric, München (Laserkommunikationstechnik, militärisch einsetzbar; Verkauf der Technologie nach China verboten 2020).

Lilium, Weßling/ München (Elektro-Flugtaxi-Hersteller, nutzt bei Ausbildung der Piloten Virtual-Reality; bis 2025 Serien-Produktion)

Isar Aerospace, München  (Raumfahrt, Satelliten)

Konux GmbH, München (Wartungssensoren für Weichen, KI, Innovative Sensoren; 108 Mio. € Risikokapital 2021)

Volocopter GmbH, Bruchsal (erste elektrische Hubschrauber der Welt, autonomes Lufttaxisystem; 2019 Auftrag in Dubai; 150 B.; seit 2007; 2020 Auftrag aus Singapur; bis 2024 Flugtaxi-Dienst einrichten)

All For One Group SE, Filderstadt (IT-Beratung, Systemintegration; 1850 B. insgesamt; Unternehmensführung 2021 Lars Landwehrkamp; Umsatz 355 Mio. € 2020)

Alcan Systems, Darmstadt (Hochleistungsantennen auf Basis von Flüssigkristallen).

Wingcopter GmbH, Darmstadt (seit 2017; Drohnen, Transportdrohnen;  KfW Award Gründen 2020; Geschäftsführer 2021 Tom Plümmer)

Black Semiconductor, Aachen (neuartige Chips für Anwendungen der künstlichen Intelligenz).

Hyperganic, München (Designsoftware für 3-D-Druck).

Metaio GmbH, München (seit 2002; AR, Software, von Apple aufgekauft)

Algeier SE, München (It-Beratung, Systemintegration; 11.000 B.; Gesamtumsatz 765 Mio. € 2020; CEO Carl Georg Dürschmidt)

CAS Software AG, Karlsruhe (CRM-Systeme für den Mittelstand; seit 1986; 450 B. ).

SNP-Group, Heidelberg (Software, Cloud, IT-Beratung; Vorstandsvorsitzender 2021 Eberhardt, SAP-Dienstleister für Mittelstand; seit 1994; 1400 B.)

Scoutbee GmbH, Würzburg (Beschaffungs-software, smarte Lieferantenauswahl, KI, 62 Mio. € Risiko-Kapital 2021)

Bryter, Berlin/ auch Frankfurt (Software, KI, Decisions automated; US-Investoren; Unternehmensexpansion in die USA; CEO 2021 Michael Grupp)

EMCC Deutschland, Berlin, auch Oberfranken (Messspezialist. Folgen von Blitzeinschlägen und Störungen. Gefahrenanalyse. 3-D-Simulation. Weltmarktführer bei Prüflaboren; Mutter in USA seit 1927)

Aareon AG, Mainz (ERP-Software, digitale Lösungen, Schwerpunkt Immobilienwirtschaft; 1800 B.; Gesamtumsatz 2020 258 Mio. €; Chef Manfred Alflen)

Wortmann AG, Hüllhorst/ Westfalen/ NRW (seit 1986; Computer, Server, Familien geführt)

Delivery Hero SE, Berlin/ inoffiziell Zürich (globaler Lieferdienst, in vielen Ländern, eigene Plattform, Online-Bestellplattform für Essen, 500.000 Restaurants als Partner, 22.000 B.; in der Türkei 80 eigene Warenlager; bekanntester Gründer Niklas Östberg. In der Corona-Krise boomt das Geschäft. Das Unternehmen ist sogar Kandidat für den DAX. Es wachsen aber Zweifel und Kritik an dem Geschäftsmodell. Im August steigt das Unternehmen in den DAX auf, obwohl es noch nie Gewinn gemacht hat). Mitte 2020 beträgt der Börsenwert 18,8 Mrd. €. Der Umsatz liegt bei 1,5 Mrd. € 2019, Verlust 0,6 Mrd. €. 666 Mio. Bestellungen gab es 2019. Im 3. Quartal 2020 gibt es einen Bestellrekord.

Tegut, Fulda (Handelskette, erster Markt im Februar 2021 ohne Personal; Supermarkt in Fulda; Chef 2021 Thomas Gutberlet; 283 Filialen in mehreren Bundesländern; 8000 B.; seit 2018 im Besitz von Migros/ Zürich).

Gorilla, Berlin. Start-up. Bringt Lebensmittel bis an die Haustür. 2000 Lebensmittel und Haushaltsprodukte. In Deutschland ist man in 17 Städten aktiv (2021). 52 Warenlager hat man deutschlandweit. 2021 streiten bei diesem Lebensmitteldienst immer mehr für bessere Arbeitsbedingungen. Fahrer schließen sich zur "Gorillas Workers Collective" zusammen. Der Arbeitsminister Heil besucht die Belegschaft.

Contentful, Berlin (seit 2013; Softwareentwicklung, CMS)

Grover, Berlin (seit 2015; Datenanalyse, E - Commerce, Finanzwesen, vermietet auch Unterhaltungselektronik)

memoresa GmbH, Leipzig (Start-up; digitaler Nachlass, Online-Plattform, digitale Zugänge)

Nemetschek SE, München, (Software für die Bauindustrie, seit 1963)

Sensortechnik Wiedemann GmbH,  Kaufbeuren (Elektrofizierung mobiler Maschinen)

Contact-Software, Kaiserslautern, (Softwareplattformen für Ingenieure, innovative Bedienkonzepte)

Suse Software Solutions Germany GmbH, Softwarehersteller, Open Source - Spezialist, Linux-Distribution, gehört dem Finanzinvestor EQT, Börsengang 2021 geplant, Bewertung läuft.

Adyen, Amsterdam: 2006 gegründet; schon 2018 wertvoller als die deutsche Bank; Börsenwert 20 Mrd. €; Bezahldienst, E-Commerce, Point-of-Sale.

Nokia, Espoo/ Finnland (Handy, Computer, Netze, Kommunikation; seit 1865; EURO STOXX 50, OMX Helsinki 25; mit dem Aufstieg von Apple begann der Abstieg von Nokia; ließ ursprünglich auch bei Foxconn in Shenzhen fertigen;  2020 laufen 10 Klagen gegen Daimler wegen Patenten. Es droht bei Daimler Produktionsstopp. 2020 steht die Firma auch im Zentrum von Übernahmegerüchten).

OneLogin, London: Vertrauensplattform, Identitäs- und Zugriffsmanagement, IT-Sicherheit; stellt in der Coronakrise Sicherheitslücken im Home - Office fest; https://www.onelogin.com )

Gaia-X: Europäisches Cloud-Projekt, von Deutschland und Frankreich voran getrieben. Es soll Europa unabhängiger von den USA und China machen. Man will eine europäische Cloud- und Dateninfrastruktur aufbauen. 22 Unternehmen arbeiten an dem Projekt mit. Mittlerweile  gibt es bis November 2020 schon 49 Mitglieder aus Deutschland. Das große Ziel ist digitale Souveränität. Es ist ein industriepolitisches Projekt und wohl die letzte Chance, auf digitale Augenhöhe mit China und den USA zu kommen. Es geht insbesondere um den Schutz digitaler Industriedaten. Die Bundesregierung fördert das Projekt mit 215 Mio. €. Die US-Konzerne wollen sich an der EU - Cloud beteiligen. Aufsichtsbehörden halten das für keine gute Idee (Datenschutz). Bundeswirtschaftsminister Altmaier widerspricht.

Europäischer Quantencomputer: Es soll ein europäisches Joint-Venture geben. Es wird von den österreichisch- schweizerischen  Unternehmen QMware gebildet. Einige DAX-Konzerne haben Interesse. Die Bundesregierung fördert eher Terra Quantum.

Bezahl-Apps: Paypal, Applepay, Cash, G Pay, Alipay, Samsung pay, WeChat.

Software-Konzerne: Nach den Marktanteilen in West-Europa führt Microsoft vor IBM, Oracle, SAP, VMware und Adobe. An der Marktkapitalisierung gemessen sind 2017 die wertvollsten Unternehmen der Digitalbranche alle Unternehmen aus den USA: 1. Apple, 2. Alphabet, 3. Microsoft, 4. Facebook, 5. Amazon. Die EU entwirft 2017 Steuerpläne, die Software-Konzerne, insbesondere Apple und Google, in Europa nicht mehr nach Gewinn, sondern nach Umsatz zu besteuern. Die Digitalkonzerne erzielen 2017 die höchsten Wertzuwächse an den internationalen Börsen.

IT-Start-ups als Motor der Digitalisierung: Die Zahl der Digital-Start-ups steigt in Deutschland. Schwerpunkt ist das B2B-Business. Die meisten sind in den Bereichen IT/ Software-Entwicklung, Software as a Service und Industrielle Technologie aktiv.

Agentur für Sprunginnovationen (SPRIND, Bundesagentur (disruptive Technologien; 2020 gegründet. Im ersten Jahr 2020 fördert man fünf große Projekte: 1. Alzheimer Medikament. 2. Analogrechner. 3. Super-Windrad. 4. Mikroplastik-Filteranlage. 5. IT - Struktur für Gaia-X. Der Chef Rafael Laguna de la Vera fordert im Februar 2021 mehr Geld und stärkere Unabhängigkeit)

Darknet: Parallelwelt im Internet, wo Daten, Drogen, Waffen, ausgespähte Daten u. a. gehandelt wird. Man spricht auch von der digitalen Welt des Bösen. Der Schaden durch Darknet soll bei ca. 300 Milliarden US-Dollar liegen. Am bekanntesten ist die Drogenplattform "Silk Road" geworden. Über herkömmliche Suchmaschinen ist Darknet nicht zu finden. Notwendig ist eine Verschlüsselungssoftware. Die Nutzer bewegen sich anonym. Bezahlt wird mit Bitcoin. Kuroserweise ist man bei Geschäften im Darknet auch auf Vertrauen angewiesen. Deshalb geht man bei präventiven Maßnahmen dazu über, dieses Vertrauen zu zerstören (schlechte Bewertungen).

SPACS: Mantelfirmen ohne Inhalt, die an die Börse gehen. Der Trend ist international. Die Phasen: 1. Gründung: Die Gründer eines Spacs finden sich zusammen und wenden sich meist einmal an professionelle Investoren, um viel Geld einzusammeln. 2. Börsengang: Die SPAC geht als leere Unternehmenshülle an dei Börse und kann dabei noch viel Geld einsammeln. Auch Privatanleger können sich dann an einer SPAC beteiligen. 3. Firmenübernahme: Die SPAC sucht ein Unternehmen, das an die Börse möchte, häufig ein Start-up. Die beiden fusionieren - und im besten Fall steigt danach der Aktienkurs. Vgl. Jensen, Maren: Ein Hauch von nichts, in: Die Zeit Nr. 23, 2.6.2021, S. 25.

 

 

SAP-Logo (Quelle: SAP). Die Firma hatte fünf Gründer 1972 (Hopp, Plattner, Wellenreuter, Tschira, Hector). Die SAP war wie jedes Unternehmen auch einmal ein mittelständisches Unternehmen und natürlich auch ein Start - up. Es hat aber nicht wie viele digitale Weltunternehmen der USA im Silicon - Valley in einer Garage angefangen. Erster Standort war Weinheim, seit 1977 ist es Walldorf. 1988 war die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, seit 1998 ist man auch an der Börse in New York.  In den Anfängen war meine Frau noch bei der Firma Unisys beschäftigt. Diese verfügte über ein vergleichbares Produkt; die SAP wurde eher belächelt und einer Kooperation nicht für würdig gehalten. Geschichtliche Entwicklungen hängen oft von im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbaren Entscheidungen ab. Heute ist die SAP ein Groß- und Weltunternehmen und das einzige deutsche IT - Unternehmen von Weltrang (das auch eine wichtige Niederlassung im Silicon Valley betreibt).. Das Unternehmen ist natürlich auch im DAX. 1991 wurde das Softwarepaket R/3 auf der Cebit präsentiert. Wenn man den deutschen Mittelstand verstehen will, muss man sich mit den Gründen beschäftigen, warum SAP nie im deutschen Mittelstand Fuß gefasst hat, obwohl es immer die Absicht war. Das Foto stammt von der Homepage der Firma, wo auch die Firmengeschichte erläutert wird. Die SAP ist eine der größten Firmen in der Metropol -Region - Rhein - Neckar, zu der auch die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein gehört. Sie hatte SAP ins Chinesische übersetzt, die Niederlassung in Peking aufgebaut und damit den Sprung des Unternehmens nach China unterstützt. Ich selbst habe viele Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten zu Projekten der SAP, insbesondere in Asien, betreut. Die Hochschule Ludwigshafen hat Kooperationsstudiengänge mit der SAP. Viele Absolventen der Hochschule arbeiten mittlerweile in der Firma. Einige Jahre war ich Gutachter der Klaus Tschira -Stiftung in Heidelberg (verliert viel Geld bei der Lehman Bank, mehrere Gerichtsverfahren in der Schweiz und London). Tschira war einer der Gründer von SAP. Hopp, ein anderer Gründer, tritt als Sponsor in der Region auf (SAP-Halle, Uni Mannheim, Eishockey Mannheim, Fußball in Hoffenheim). Ein weiterer Gründer, Hasso Plattner, der noch Aufsichtsratsvorsitzender ist, fördert ein IT - Institut in Berlin (vorher gab es auch einmal eine Privatuni der SAP). Hasso Plattner bleibt auch 2019 mit 75 Jahren noch Aufsichtsratvorsitzender. Auch der Gründer Dietmar Hopp betreibt eine Stiftung. Sie hat in 25 Jahren (bis 2020) 1 Milliarde Euro für Projekte ausgegeben (Medizin, Bildung, Soziales, Sport, Klimaschutz, Kultur). Die Gründer halten noch große Aktienpakete. SAP hat auch eine Partnerschaft mit Alibaba in China. Das Unternehmen ist sehr bekannt in China. Delegationen, wie z. B. vom Umweltministerium 2019, wollen das Unternehmen besuchen. Mittlerweile spielt der Cloud-Bereich eine große Rolle. Ende 2018 wird die Plattform für Marktforschung in Echtzeit  Qualtrics gekauft (für 7,1 Mrd. €). Diese verwenden wir auch bei Umfragen an der Hochschule für Abschlussarbeiten. 2011 kam Hana, eine Hochleistungsdatenbank. Die gesamte Software wurde auf Hana umgestellt. Heute besteht die Herausforderung darin, die Programme in die Cloud zu bringen und Netzwerke mit der Industrie aufzubauen. So könnte die SAP zum Amazon der Maschinendaten werden.

2003 habe ich das letzte Lehrbuch über die Mittelstandsökonomik veröffentlicht: W. Krämer, Mittelstandsökonomik, München (Vahlen) 2003. Heute kann man die Dynamik der Entwicklung in der digitalen Transformation nur noch im Internet darstellen (Vgl. Mittelstandsökonomik). Bei der Digitalisierung müssen Großunternehmen, wie die SAP, und KMU kooperieren.

Umsetzung im Unternehmen: Digitalisierung/ digitale Transformation/ Mittelstand 4.0; IT - Beratung, IT/ EDV/ ERP; IT - Management; Informationen und Daten als Produktionsfaktor, IT - Dienstleistungen, Wirtschaftsinformatik, Data Science, Software Engineering, Operations Management, Cloud Computing)

Mittelstandssoftware: 2013 stoppt die SAP die Weiterentwicklung der Mittelstandssoftware Business By Design. Es ist der größte Flop der Unternehmensgeschichte. KMU behelfen sich in der Regel mit Microsoft Office und mit Modifikationen dieses Programms. Weitere bekannte Anbieter sind DATEV (insbesondere für Steuern) und Haufe (Lexmark). ERP-Systeme tun sich schwer damit, dass die KMU einzelne Prozesse auslagern (Steuerbüro, Buchführung). Weiterhin haben die KMU vor allem im Produktionsbereich spezielle Anforderungen, auf die einzugehen zu teuer ist. Neue Entwicklungen wie Produktion 4.0 oder Energiemanagement können aber zu einem Wandel führen. Softwarepaket für den Mittelstand: Die meisten KMU haben Einzelprodukte, die lose miteinander verknüpft sind. Im Mittelpunkt stehen in der Regel die Business bzw. Professional Pakete "Windows Office". Das Mittelstandspaket "Business by Design" von SAP wartet noch wie alle Versuche vorher auf Erfolg. Die SAP baut auch den neuen Geschäftsbereich "SMB Solution Group" auf. Der Markt für Lösungen für Unternehmen unter 500 Beschäftigten soll neu definiert werden. Marktforscher rechnen mit einer Erhöhung der IT-Ausgaben von KMU bis 2018 auf 680 Mrd. US-Dollar. "Never change a running system", Glaubensbekenntnis vieler IT-Abteilungen.

Enterprise Resource Planning (ERP): Ein solches System besteht aus einer zentralen Datenbank und Anwendungs -Modulen drum herum (für Controlling, Personalwirtschaft, Produktion, Finanzwirtschaft, Warenwirtschaft, Versand und Logistik, Marketing und Vertrieb. Am bekanntesten in Deutschland ist sicher SAP. Systeme stellen aber auch Microsoft, Oracle, Comarch, Sage, Planat, Weclapp und Scopevisio zur Verfügung. Wichtig ist, das passende ERP-System fürs Unternehmen zu finden (Qualität der Prozessaufnahme, Unternehmenskultur, Kosten, Dauer der Implementation). Im Zeitalter von Industrie 4.0 ist das ERP die Schaltzentrale für die smarte Fabrik. Hier laufen alle Fäden zusammen. SAP HANA ist ein solches integriertes System. Es besteht aus drei Faktoren: 1. Asset/ Anlage (Device, Connector). 2. Platform as a Service (PaaS, IoT-Applikationen & Services, Hana Cloud, Hana Cloud Integration, Datenmanagement) 3. Business Suite Systems (ERP,CRM, et cetera). Nach 2020 werden ERP-Systeme mehr zu offenen Plattformen.

Unternehmenssoftware: Optimierung der Geschäftsabläufe. SAP ist hier Weltmarktführer. Probleme gibt es immer wieder bei der Einführung des Systems. Viele Projekte dauern länger, werden deutlich teurer oder scheitern ganz. Es gibt fünf Faustregeln: Ordentlich aufräumen, keine Sonderwünsche, Unterstützung von oben, Sprints statt Big bang, nur nicht entmutigen lassen. Flops gab es bei Deutsche Post, Edeka, Lidl, Otto. Vgl. Kroker, M.: Überforderung made in Germany, in: Wirtschaftswoche 11, 8.3.2019, S. 15ff.

Aufwand für IT-Produkte: 3,7 Billionen Dollar geben Unternehmen 2018 weltweit für IT-Produkte aus. Investiert wird vor allem in Block-Chain, Internet of Things, Cloud und Künstliche Intelligenz. Das sind 4,5% mehr als im Vorjahr. Quelle: Gartner.

My Open Factory: ERP-Systeme unterschiedlicher Hersteller lassen sich mit Hilfe der per Internet zugänglichen Plattform gegenseitig verständlich machen. Zahlreiche Kommunikationsformate können untereinander Daten austauschen.

Systemhaus als Digitalisierungsberater: IT - Dienstleister entwickeln sich vom IT - Handwerker hin zum Consulting - Unternehmen. Das Kerngeschäft ist noch immer Infrastruktur. Individualanwendungen werden überwiegend in der IT - Abteilung der Unternehmen betrieben. Standardanwendungen werden überwiegend im Outsourcing bzw. der Cloud betrieben. Plattformen und Middleware hält sich noch die Waage. Bekannte IT - Dienstleister in Deutschland sind Bechtle, Unisys, Freudenberg - IT, Datagroup, adesso, cancom.

Unternehmens - IT vor dem Aus?: Viele Experten bezweifeln mittlerweile, das ihre IT - Organisatoren mit den Herausforderungen der Digitalisierung fertig werden. Unternehmenswachstum und steigende Ansprüche bei der Entwicklungs- und Bereitstellungsgeschwindigkeit überfordern die IT. Also wird sie vielleicht als selbständige Einheit verschwinden. Auswege sind Cloud und Outsourcing.

Performance-Measurement-Systeme (PMS, CPM): Setzt bei Defiziten klassischer Steuerungselemente an (Unternehmensstrategie, immaterielle Kenngrößen, externe Stakeholder, Zeit). Informationssystem als Kern des Performance-Management-Prozesses. Konzepte sind z. B. Performance Pyramid, PM-Matrix, Balanced Scorecard, Wissensbilanz, Six Sigma. In KMU ist der Einsatz erst am Anfang. PMS hat seinen Erfolg in ganz unterschiedlichen Organisationen nachgewiesen: Banken, Bundeswehr, Flughäfen, Kirchen, Hotels u. a. Probleme bereiten die Berücksichtigung der Abhängigkeiten zwischen Zielen und die Beachtung von Ursache- Wirkungsketten. Die Zukunft dieser Technik liegt sicher in der Cloud (siehe unten).

Performance-Monitoring für KMU: Erleichterung bei KMU in administrativen Aufgaben. Schaffen automatisierter Prozesse. Vor allem in Unternehmen bis zu 50 Mitarbeiter.

Data-Warehouse: Daten aus dem internen System eines Unternehmens (Rechnungen, Vertriebsprotokolle) werden zusammen mit Daten aus externen Quellen in einem elektronischen Lager abgespeichert. Die Rohdaten müssen so verarbeitet werden, das sie lesbar sind (lesbares Format). Die Daten werden als Metadaten, zusammenfassende Daten und Rohdaten gespeichert. Auf diese Daten kann zugegriffen werden (spezifische Fragen/ OLAP, Berichte, Data-Mining).

Slack: Gleicht dem Messenger-Dienst "WhatsApp" und bietet mehr. Der Arbeitsalltag könnte sich radikal verändern. Im Vordergrund steht die unmittelbare Kommunikation. Alle können in Echtzeit die Kommunikation verfolgen. Noch gibt es Datenlecks und die Speicherung ist problematisch. Der soziale Zusammenhalt könnte verloren gehen. Die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben verschwimmen. Der Boss kann kontrollieren. Durch die digitale Kommunikation setzt Slack aber auch Kapazitäten frei. Persönliche Gespräche können dann Themen behandeln, die mehr Gefühl und Nuancen erfordern.

Beacons: Kleine Sender, die per Bluetooth - Technologie Nachrichten an Smartphones senden können. Sie werden heute verstärkt für Shop Analytics und Retargeting eingesetzt. die eigentliche Ansprache findet schon außerhalb des Geschäftes statt.  Das Nutzungsszenario ist hauptsächlich im Handel. Aber auch außerhalb kann man die Technik einsetzen (Kreuzfahrtschiffe, Gebäudemanagement)..

Sicherheitsbewusstsein: Seit 2011 befragt DsiN (Initiative Deutschland sicher im Netz) 1500 Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern. Ergebnis 2014: Nur 43 Prozent der Firmen schützen Emails mit Maßnahmen wie Passwort, Signatur oder Verschlüsselung. Sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Hauptgrund scheint Fatalismus zu sein ("man kann sowieso nichts machen"). Das Sicherheitsbewusstsein muss aber immer besser werden, wenn man an die Produktion 4.0 denkt. Mittlerweile gibt es Sicherheitspakete, etwa für den Rundumschutz (etwa von Norman). Sicherheit in der Cloud: wichtigstes Problem. Lücken müssen identifiziert werden. Dann müssen sie geschlossen werden. Risiken müssen erkannt werden. Am besten arbeitet man mit Hackern zusammen. Versicherungen sind noch nicht möglich.

Schutz vor Cyberangriffen: Das Idaho National Laboratory, eine US-Forschungseinrichtung, hat eine vierstufige Methode entwickelt: Unternehmen identifizieren ihre wichtigsten Prozesse und reduzieren dann die digitalen Wege, über die Angreifer dort eingreifen können. Das Grundprinzip lautet: Raus aus dem Netz. Vgl. Andy Bochman: Raus aus dem Netz! in: HBM, September 2018, S. 38ff.

Business Continuity Management (BCM): Sicherung gegen Cyberangriff, Naturkatastrophe oder Brand. Bewertung von Risiken. Notfallplan und Checklisten. Ständige Tests. Es gibt auch spezielle Tools dafür.

Datenschutz: Der Europäische Gerichtshof setzt Anfang Oktober 2015 der Übertragung personenbezogener Daten in die USA Grenzen. Die EU-Kommission will nun neue Richtlinien für Internetfirmen wie Facebook erarbeiten. Die USA wird nicht mehr als "Safe Harbor" gesehen. Die EU-Kommission erarbeitet neue , einheitliche Datenschutzregelungen für die EU: Recht auf Vergessen werden; Übertragung von Bildern und  Kontakten zwischen sozialen Netzwerken; Entscheidung über Löschen u. a.

Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Schutz personenbezogener Daten. Unternehmen müssen wissen, wo Daten zu Personen gespeichert sind. Am 25.Mai 2018 tritt die Grundordnung in Kraft. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 20 Mio. €. Für viele Unternehmen wird die Zeit knapp.

Consent Management Platform (CMP): Sie steuern Anfragen, speichern Daten und lassen Kunden wählen, welchem Anbieter sie welche Einwilligung erteilen. Es ist ein digitales Tool, um die Einwilligungserklärung der Kunden zu managen.

Künstliche Intelligenz: Ein Computer trifft analog einem Menschen Entscheidungen in einem nicht klar definierten (nicht eindeutigen) Umfeld, kann somit Probleme eigenständig lösen. Die nächste Stufe ist maschinelles Lernen: Eine Maschine wird für bestimmte Aufgaben trainiert. Sie lernt nicht einfach nur Beispiele auswendig, sondern erkennt Muster, so dass sie auch unbekannte Daten einordnen kann. Beim Deep Learning besteht ein künstliches neuronales Netz mit mehreren Schichten. Es löst aufgaben, die sich kaum mathematisch beschreiben lassen. Es erkennt z. B. automatisch Sprache, Gesichter oder Bilder. Die Anwendung im unternehmen liegen im Marketing, Fertigung und Logistik, Business Intelligence und Verwaltung, Produktentwicklung und Innovation. Siehe Wilson, James H./ Daugherty, Paul R.: Mensch und Maschine als Team, in: HBM 10/2018, S. 54ff.

Narrow intelligence: Das sind spezifische KI-Systeme. Es handelt sich um "general intelligence". Vorerst ist sie Domäne der Menschen. Aber es werden domänen-spezifische KI-Systeme erfolgreich entwickelt, die für bestimmte Funktionen den Menschen ersetzen können: Lead Prediction im Sales-Service-Bots im Kundenkontakt oder Prognosen von Bonität.

Embedded Al: Integration von KI in Produkte, Devices und Prozesse. Der Sprung von KI in Business. Ein gutes Beispiel ist Alexis von Apple oder Bixby von Android.

Übertriebene Erwartungen/ Herausforderung KI: Man unterscheidet mittlerweile schwache und starke KI. Schwache KI: Programme können konkrete Fragestellungen bearbeiten und sind für spezifische Anwendungsfälle konzipiert. Ändern sich die Voraussetzungen oder lässt sich das Problem mit der vorgegebenen Verfahrensweise nicht lösen, scheitert schwache KI. Sie muss vom Menschen neu trainiert oder umprogrammiert werden. Derzeit sind noch alle KI - Programme schwach. Starke KI: Ein starkes KI-System würde die kognitiven Fähigkeiten von Menschen erreichen oder sogar übertreffen. Es könnte frei und in natürlicher Sprache mit Menschen kommunizieren, logische Schlussfolgerungen ziehen, Pläne erstellen und diese situativ an veränderte Rahmenbedingungen anpassen, sich ziele setzen und diese verfolgen. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass eine solche Superintelligenz in absehbarer Zeit entwickelt werden könnte. 

Unsupervised and Reinforcement Learning: Das dynamische System lernt aus der Interaktion. Es sind keine Trainingsdaten mehr notwendig.

Conversational Commerce: Optimierung der Kundenkommunikation und der Customer Journey. Lernen aus der Verhaltensweise beider Seiten.  

Mensch und Maschine als Team: Künstliche Intelligenz (KI) verändert Unternehmen grundlegend. Den größten Nutzen hat sie, wenn sie dazu eingesetzt wird, menschliche Fähigkeiten und Stärken zu unterstützen statt Personal zu ersetzen. Unternehmen sollten ihre Geschäftsprozesse neu denken und sich darauf konzentrieren, KI dort einzusetzen, wo sie größere Flexibilität oder Geschwindigkeit, neue Größenordnungen, bessere Entscheidungen oder eine stärkere Personalisierung von Produkten und Dienstleistungen anstreben.

Blockchain: Neue, innovative Verschlüsselungstechnologie. Sie kann für die Abwicklung von digitalen Transaktionen genutzt werden. Das geht auf der Grundlage eines dezentral organisierten Computernetzwerks. Mittlerweile sind smarte Verträge möglich (Geschäfte laufen ohne Zutun von Menschen ab). Der Vollzug von Verträgen kann automatisiert werden. Das führt zu Kostensenkungen, Zeiteinsparungen, Minimierung von Fehlern und dem lückenlosen Nachverfolgen vertragsrelevanter Ereignisse. Es fehlen noch geeignete technische Standards, Datenschutz und Cybersicherheit.

Blockchain und KI: KI eröffnet der Blockchain - Technik besondere Perspektiven. Sie stellt einen sicheren Hub für Genom-Daten dar. Sie ermöglicht Training für KI-Algorithmen. Genauere Vorhersagen sind möglich. Transparenz kann geschaffen werden. Verteilte Transaktionen sind möglich. Vor Angriffen von außen kann geschützt werden.

Glossar zur Blockchain: 1. Distributed Ledger: Zentral gesteuerte und weltweit verteilte Datenbanksysteme. Die Blockchain gehört dazu. 2. Tangle: Transaktionsdaten werden nicht - wie bei der Blockchain - chronologisch hintereinander angeordnet, sondern in einem netzwerkartigen Gewirr (Tangle) mit vielfältigen Knotenpunkten (Nodes). "Miner" fallen hier weg. 3. Smart Contracts: Eine beliebige Transaktion wird automatisch unter der Voraussetzung abgewickelt, dass alle beteiligten Parteien die zuvor in der Blockchain niedergelegten Konditionen erfüllt haben. 4. DApps: dezentralisierte, automatische Apps. Open Source, öffentlich in einer Blockchain gespeichert. 5. DAO (Decentralised Autonomous Organization): Ein eneue Form der Organisation, deren Geschäftsordnung, Gesellschaftsvertrag oder Satzung durch einen Smart Contract festgelegt und automatisch ausgeführt wird. 6. ICO: Bei einem Initial Coin Offering (ICO) werden quasi digitale Wertpaiere aufgelegt. 7. Kryptokatze: Eine der erfolgreichsten Anwendungen auf der Blockchain - Plattform Ethereum. Anwender können virtuelle Kätzchen (Cryptokities) züchten und mit ihnen handeln. Vgl. Sommer, Sarah: Vertraut den Daten, in: brand eins 06/18, S. 20ff.

Ethereum - Plattform und andere: Das 2018 beliebteste Blockchain - System. Die größten anderen Systeme sind: Stellar, Litecoin, Ripple, Bitcoin, EOs, Cardano, IOTA, NEO, Bitcoin Cash.

Allianzen: Es geht um Standards für Blockchain - Anwendungen. Sie werden geschlossen zwischen internationalen Organisationen, Unternehmen und Softwarespezialisten. 2018 sind die wichtigsten folgende Allianzen: 1. Enterprise Ethereum Alliance (EEA). Sie ist sehr beliebt bei Entwicklern. 2. Hyperledger Netzwerk: Dachorganisation. 3. Trusted IoT Alliance: Bosch und Cisco mit dem Finanzdienstleister BNY Mellon. 4. Deutsche Telekom Blockchain Group: Zusammen mit der Tochter T-Labs. 5. EU-Blockchain. 6. UN-Blockchain.

Peer-to-Peer-Ansatz: Im Internet der Dinge werden Millionen Transaktionen generiert. Verteilte Sensoren tragen die Informationen zusammen. Das können zentralisierte Transaktionsmodelle nicht schaffen. Man benötigt dafür die Blockchain.

Cloud:  Es gibt immer mehr Anbieter für KMU. Mit der Plattform "Azure" steigt auch Microsoft massiv ein. Microsoft will dies mit der Nutzung von Office 365 verbinden. 90 Prozent aller Office-365-Kunden sind Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten. KPMG und Bitkom legen 2014 eine Untersuchung vor ( www.bitcom.org : Cloud-Monitor 2014). Allerdings ist die Skepsis im Mittelstand noch sehr groß. Bei einer Umfrage bei 140 Unternehmen in der Region Mainfranken äußern sich nur 53 Prozent der Befragten positiv (vgl. Com -  professionell, 10/2014, S. 6). Die Unternehmen fürchten die Abhängigkeit vom Cloud-Anbieter, die Datenhaltung im EU-Ausland, die Datensicherheit, den Verlust der Kontrollmöglichkeit und die Rechtsunsicherheit. 2014 bilden sich Cloud-Kompetenz-Zentren. Diese werden von Start-ups inspiriert. Die Richtung geht in Verbindung mit Produktion 4.0. Wahrscheinlich ist der Trend nicht mehr aufzuhalten, weil die Cloud große Kostenvorteile für KMU bringt. Es gibt folgende Betriebsmodelle: Private Cloud (nur für ein KMU), Community Cloud (teilen einer Cloud Infrastruktur von mehreren KMU), Public Cloud (Behörde oder akademische Einrichtung betreibt), Hybrid Cloud (Kombination aus den anderen Modellen). Es gibt auch eine Gegenbewegung zur Cloud, die für KMU sehr wichtig ist. Das Hamburger Start-up Protonet verspricht eine Cloud für zuhause. Es handelt sich um orangefarbene Serverboxen. Das Unternehmen gewinnt dafür einen Preis nach dem anderen. Trotzdem setzt sich wohl auch bei KMU der Siegeszug der Cloud fort, das gilt für jede Größe und Branche. Verlockend sind zunächst die reinen Kostenvorteile, hinzu kommt die Flexibilität. Zunehmend werden auch unternehmenskritische Anwendungen in die Cloud verlagert. die Migration von Kernprozessen erhöht die Flexibilität weiter. Man sollte allerdings die Steuerung in der Hand behalten. Im Trend liegen Multi-Cloud-Strukturen.   44% der Unternehmen nutzen 2014 Clouddienste. Nur 31% der KMU nutzen aber 2015 Software aus der Cloud. Damit liegt Deutschland 15% unter den internationalen Durchschnitt. Am stärksten wird die Cloud für CRM genutzt. 2015 freunden sich aber immer mehr Mittelständler mit der Cloud an (Umfrage bei 220 Unternehmen, Crisp Research). Über 85% der befragten KMU setzen sich mit der Cloud auseinander. 2016 haben schon 65 Prozent aller deutschen Unternehmen Cloud-Dienste. Damit schließt sich auch das Gefälle zwischen Großunternehmen und KMU.

Formen des Cloud-Computing: 1. IaaS (Infrastructure as a Service): Der Dienstleister stellt lediglich die elementaren IT-Ressourcen wie Rechenleistung, Speicher und Netzwerkanbindung zur Verfügung. Der Kunde ist für die Installation, den Betrieb und die Wartung selbst verantwortlich. 2. PaaS (Platform as a Service): Der Deinstleister stellt auf der IT-Hardware ein lauffähiges System etwa mit Datenbanken bereit. Der Kunde führt innerhalb des Systems Cloudanwendungen aus. 3. SaaS (Software as a Service): Der Dienstleister stellt dem Kunden auf einem Cloud-System eine Software zur Miete zur Verfügung.  Speziell mittelständische Cloud-Anbieter sind: Cancom, Comarch, Freudenberg IT, Pironet NDH. Die Technologiekonzerne Amazon, Microsoft, Google und IBM machen mit dem Geschäft Milliardenumsätze.

Hybrid Cloud: Intelligente Verknüpfung von Public und Private Cloud. Damit können Flexibilität und Sicherheit verbunden werden. Vgl. com! professional 9/2017, S. 16ff.

Cloud-Plattformen: Sie regelt den Zugang zu KI und Blockchain. Größte Anbieter sind Alibaba (Alibaba Cloud), Amazon (Amazon Web Services), Microsoft (Azure) und Google (Google Cloud Plattform) und IBM (Watson IoT). Die Wahl der Plattform hängt von der Digitalisierungsstrategie ab. Der Weg in die Cloud wird Cloud-Migration genannt. Ihr sollte eine Cloud - Migrationsanalyse voraus gehen. Für die passende auswahl können folgende Kriterien berücksichtigt werden: Services der Plattform, Netzwerkanbindung (Connectivity), Erfahrung, Edge-Infrastrukturen, Integration in IoT-Komponenten, Datentarife, Komplettpakete, Device-Management, Update, Ökosystem.

Vorteile von Cloud bei KMU: Hohe Zugangsschranken für Hacker, moderne Anwendungen sind flexibel und integrierbar, schnelle Reaktion auf Sicherheitsbedrohungen, Kosten werden gespart. 

Cloud-Service-Provider: Systemhäuser erweitern ihr klassisches Geschäftsmodell mit dem Vertrieb der Cloud. Cloud - Dienste umfassen Planung und Design der Cloud-Architektur, Migration, Entwicklung und Implementierung neuer Applikationen und Systeme, Infrastrukturumgebung, Schulungen und Workshops, Beratung bei Datenschutz, IT - Security und Compliance.

Probleme bei der Cloud: Die Cloud hat fünf große Probleme: 1. Sicherheit. 2. Datenschutz. 3. Verfügbarkeit. 4. Abhängigkeit. 5. Kosten. Somit stellt sich die Frage, ob sie wirklich der Königsweg bei der digitalen Transformation ist. Die Wachstumsraten sind ungebrochen. US-Cloud-Anbieter könnten natürlich zunehmend in den Wirtschaftskrieg hineingezogen werden. Hafen, Thomas: Die fünf größten Probleme beid er Cloud-Nutzung, in: com!professional 11/2020, S. 14ff.

Iaas (Infrastructure as a Service): Sie wird aus der Public Cloud genommen und ist immer verfügbar, schnell eingerichtet und sehr flexibel. Ob sie kostengünstiger ist, hängt vom Einsatzzweck sowie den Rahmenbedingungen ab. Es gibt zahlreiche Anbieter wie z. B. Amazon Web Services, Google Cloud Platform, IBM Cloud, Microsoft Azure und Rackspace.

Künstliche Intelligenz (KI) als Service: Mittlerweile werden fertige Module und API-Services angeboten. Anbieter sind gegenwärtig Amazon Web-Services/ Amazon KI, Google/Cloud AI, IBM/Watson, Microsoft/Cognitive Services. Folgende hilfen werden geboten: Bildanalyse, gesprochene Sprache und Text, Sprachanalyse, Wissen.

Machine Learning (ML): Bereich der künstlichen Intelligenz. Treibt mittlerweile auch den Finanzsektor. Robotergestützte Services, Kredit - Scoring sind auf dem Vormarsch. 

Deep Learning (DL): Wird oft mit KI gleichgesetzt, was nicht korrekt ist. DL ist eine Methode des maschinellen Lernens. Der entscheidende Unterschied zwischen DL und anderen Methoden des maschinellen Lernens ist, dass beim ML der Mensch in die Analyse der Daten und den Entscheidungsprozess eingreift. Beim DL muss der Mensch nicht mehr eingreifen. Der Mensch sorgt nur noch für Infos und Dokumentation. Die Analyse und das Ableiten von Prognosen und Entscheidungen überlässt er dem DL-Algorithmus.

Brücke zwischen digitaler und physischer Realität (Augmented Reality, AR): Neue Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Es verändert die Wertschöpfung von Unternehmen: Produktion, Personalentwicklung, Kundenkontakt. Technik: Mithilfe erweiterter Realität können digitale Bilder und Daten auf reale Gegenstände projiziert werden. Dadurch werden Daten direkt in den Kontext gestellt, in dem wir sie brauen. Dadurch können Informationen besser als Handlungsgrundlage genutzt werden. AR kann visualisieren, anweisen bzw. anleiten und auch interagieren. Vgl. Michael E. Porter, James E. Heppelmann: Eine Brücke zwischen Digitaler und Physischer Welt, in: HBM, Februar 2018, S. 20ff.

Hosting: Jegliche Art der Bereitstellung von externen IT-Services, bei denen die Hardware im Rechenzentrum eines Dienstleisters untergebracht ist. Hosting ist heute mehr als Webhosting, also das Zurverfügungstellen von Webseiten. Langsam aber sicher wandert Hosting in die Cloud. Es gibt beim Hosting Co-Location oder Housing (eigene Server im Rechenzentrum des Service-Providers), Dezidiertes Hosting (Anmietung von Rechenleistung) und Virtuelles Hosting (mehrere Kunden teilen sich einen Server).

Private und Public Cloud verbinden (Cloud-Integration): Hier sehen mittelständische Unternehmen den größten Bedarf. Es geht um die Integration möglichst vieler Plattformen. Man spricht auch von Hybrid - Cloud (wie und wann?).

Safe Harbor: Das seit 2000 zwischen der EU und der USA geltende Safe-Harbor-Abkommen ist nicht mit dem europäischen Datenschutzrecht vereinbar. Das hat der EuGH im Oktober 2015 entschieden. Die Frage ist, ob jetzt noch legal US-Cloud-Dienste genutzt werden können. Zumindest personenbezogene Daten dürfen nicht in die USA übermittelt werden (Informationspflicht, Wahlmöglichkeit, Sicherheit, Datenintegrität, Auskunftsrecht).  Ein soll ein neues Abkommen geschlossen werden mit Namen "Privacy Shield". Der Inhalt bleibt aber im Prinzip der gleiche. Das Datenschutzverständnis zwischen EU und USA ist zu unterschiedlich. Ein Heer von Billig-Dienstleistern auf den Philippinen rüstet sich dafür, die Sünden der digitalen Gesellschaft (Kinderpornographie, Gewalt, abstoßende Inhalte) aus den sozialen Netzwerken zu entfernen. Algorithmen helfen hier wenig.

Digitalisierung der Unternehmen/ digitale Transformation: Durch die Digitalisierung treten immer neue Mitbewerber auf (z. B. in der Automobilindustrie will Google zukünftig selbst steuernde Autos bauen; in der Logistikbranche kann es Drohnenflüge mit Transporten geben). Viele Unternehmen werden wegdigitalisiert (Kodak, Videotheken). Die Digitalisierung ist umfassend  (Alles wird digitalisiert): Es ist ein IT-Paradigma, eine Organisations-Paradigma, ein Business-Paradigma und ein Customer-Experience-Paradigma. Daten müssen optimal genutzt werden. Fähigkeiten müssen angepasst werden (neue Spezialisten). Der Zugang zu den Kunden muss gesichert werden. Alles wird schneller ablaufen. Die Datensicherheit muss erhöht werden. Der deutsche Weg in die Digitalisierung ist eher langsamer und nachhaltiger. Es fehlen die Leuchttürme wie Google und Amazon in den USA. Der Mittelstand zögert noch (liegt auch an fehlendem Wagniskapital). Die Infrastruktur ist mangelhaft. Mittlerweile gibt es den Digital Readiness Index (Wirtschaftswoche, Karl-Heinz Land). Er misst die Digitalisierung der Wirtschaft. Prof. Land hat zwei Bestseller zu dem Thema geschrieben: Karl-Heinz Land, Digitaler Darwinismus - der stille Angriff auf ihr Geschäftsmodell und ihre Marke, 2013. Dematerialisierung - Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des digitalen Darwinismus, 2015. Vgl. auch www.neuland.digital . "Immer mehr Unternehmen verlagern die IT-Verantwortung in die Vorstandsebene, um die Bedeutung des Themas zu betonen. Diese Funktion ist von Natur aus strategisch und ein Werkzeug für viele Unternehmen", Laurie Miller, CIO Bayer Material Science. In diesem Zusammenhang entstehen auch eine Reihe von IT-Start-ups: Scanbot archiviert Belege in der Cloud; Blue Yonder liefert Prognosen mit Big Data; Protonet hat eine Personal Cloud. "Alles, was sich digitalisieren lässt. wird digitalisiert. Alles, was sich vernetzen lässt, wird vernetzt. Alles, was sich automatisieren lässt, wird automatisiert", Karl-Heinz Land, in: bdvb aktuell Nr. 131, S. 8. 63% der KMU habe 2016 die digitale Transformation abgeschlossen (internationale Studie im Auftrag der SAP 2016). Hauptziel ist eine höhere interne Effizienz. Eine Studie der KfW, Frankfurt, 2018 kommt zu folgenden Ergebnissen: Von 2014 bis 2016 haben lediglich 26% der kleinen und mittelgroßen Firmen in neue und bessere Digitaltechnologie investiert. Es wurde vor allem in neue IT investiert (54%). Die Studie umfasst 11043 Unternehmen.

Digitalisierung und Hidden Champions: Unterschieden wird die Digitalisierung insgesamt, Automatisierung von Prozessen, Analytics (datengetriebenes Entscheiden), digitale Kommunikation, digitale Vertriebskanäle, digitale Geschäftsmodelle. Bei der Digitalisierung insgesamt liegen die Hidden Champions knapp vor den KMU und hinter Konzernen und allen Unternehmen. Quelle: Alexander Jake Freimark et al.: Hidden Champions Champions der digitalen Transformation?, Hidden Champion Institute an der ESMT Berlin, November 2018.

Digitale Prozesse: Digitale Prozesse bestehen aus fünf Bausteinen: 1. Infrastruktur. Dafür braucht man vor allem gute Netze (Highspeed-Internet, Breitband). 2. In Europa fehlen die Basisunternehmen wie in den USA Apple, Google, Amazon. Die europäische Industriepolitik müsste vorhandene Unternehmen strategisch unterstützen. 3. Big Data muss ausreichend installiert werden und funktionieren. 4. Der Arbeitsmarkt muss eine ausreichende Flexibilität aufweisen, um sich zu wandeln. 5. Ein transatlantisches Datenschutzabkommen wäre sinnvoll. Vgl. Ries, Florian: Die Digitalisierung in fünf Fakten, in: bdvb aktuell, Nr. 131, S. 20f. Auch Unternehmensprozesse laufen zunehmend digital ab. Dazu gehören digitale, elektronische Rechnungen, digitale Verträge, digitales Personalmanagement, digitales Marketing (direkter Kundenkontakt, Produkt- und Serviceinnovation, Unternehmen 3.0) . "Ohne ausgebildete Fachkräfte und den tatkräftigen Einsatz Tausender, besser Hunderttausender unternehmerisch denkender kluger Köpfe in unserem Land werden wir den Wettbewerb um die digitalen Märkte der Zukunft nicht gewinnen können", Winfried Kretschmann, Ministerpräsident BW.

Digitale Strategie der KMU: Unternehmen mit einer solchen Strategie sind innovationsaktiv, haben eine eigene IT - Abteilung, haben einen Anteil an Smarten Produkten im Sortiment und achten auf die digitale Schnittstelle zum Konsumenten (Quelle: Institut für Mittelstandsforschung, Bonn, 2017).

Digitales Denken in KMU: 1. Digitale Strategie, weil der Kunde es erwartet und fordert. Denken und Technik. 2. Erwartungen moderner Kunden: digital, serviceorientiert und interaktiv. 3. Change überall: erfolgreiche Geschäftsmodelle. 4. digitales Marketing: ganzheitlich, strategisch, Kunden fokussiert. 5. Controlling: Tests, Analysen, Steuerungsmöglichkeiten ohne Streuverluste. 6. Experten für die Umsetzung. 7. Der klassische Vertreib stirbt aus. Vgl. Spancken, Christian: Digital Denken statt Umsatz verschenken, Berlin 2018.

Kompetenzzentren für KMU: Die vom Bundeswirtschaftsministerium getragenen Kompetenzzentren sind für die KMU ein erster Anlaufpunkt in Sachen Digitalisierung. Deren Experten entwickeln gemeinsam mit den Rat suchenden Unternehmen die Anforderungen, die an eine digitale Lösung gestellt werden. Es gibt Kompetenzzentren nach Städten gegliedert und solche nach Themen sortiert (Handel, IT-Wirtschaft, Kommunikation, Handwerk, Planen und Bauen, Textil Vernetzt, Usability).

Digtal Labs: Es gibt vier Grundtypen: 1. Innovation Lab. Sie sollen neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle kreieren. 2. Company Builder. Sie sollen Ideen für Start-ups, Spin-offs oder Tochterunternehmen entwickeln. 3. Accelerator. Temporärer, projektbezogener Charakter. 4. Incubator. Entwicklung bei der Unterstützung von Geschäftsideen. Sie sind im Gegensatz zu 3. auf Dauer angelegt.

Servitization: Aus Produkten werden Dienstleistungen. Vernetzung und Digitalisierung führen zu einer anderen Art des Wirtschaftens. Man will nicht mehr unbedingt besitzen, sondern mehr nutzen. Servitization bietet Vorteile für Anbieter und Kunden: Für Anbieter: Bessere Margen als bei Produkten, bessere Kundenbindung, intensivere Beziehung zum Kunden, Alleinstellungsmerkmale. Vorteile für Kunden: Fixkosten werden zu variablen Kosten, Kunde hat zeit fürs Kerngeschäft, höhere Zuverlässigkeit.

Datenintegration in KMU: Es sollte ein einheitlicher Blick auf Firmendaten herrschen. Mittlerweile gibt es Datenintegrationsplattformen. Die Ziele sind Extract, Transform, Load. Mögliche Lösungen sind Actian, Adepta, Attunity und Denodo sowie Talend.

Stufen der Digitalisierung: 1. Grundlegend: extern: stationäres Internet, Homepage; intern: PC, ERP-Software. 2. Vernetzte Informationen und Kommunikation. 3. Vernetzte Produkte und Dienste. Vgl. Digitalisierung ist für den Mittelstand ein IT -Thema, in: com!professional 2/2018, S. 40ff.

Digitale Dividende: Es gibt einen Zusammenhang zwischen digitalem Reifegrad und Geschäftserfolg. Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Digitalitätsindex von 58 Punkten haben ihren Umsatz im vergangenen Jahr 2017 um mindestens 10% gesteigert. Quelle: Telekom-Studie "Digitalisierungsindex Mittelstand" , 2017.

Digital Leadership: In der Regel in der Fort- und Weiterbildung für Führungskräfte. Es geht um die Durchsetzung und Begleitung digitaler Prozesse im Unternehmen. Vgl. Sattelberger, Thomas u. a. (Hrsg.): Das demokratische Unternehmen. Neue Arbeits- und Führungskulturen im Zeitalter digitaler Wirtschaft, Haufe 2015.

Plattformstrategie (Plattform-Ökonomie): Plattformunternehmen bringen Produzenten und Konsumenten zusammen. Die größten Werte einer Plattform sind ihre "Community" und die Ressourcen der Mitglieder. Der Schwerpunkt verlagert sich vom Kontrollieren zum Organisieren von Ressourcen. Externe Interaktionen müssen Vorrang vor dem Optimieren interner Prozesse haben. Nicht nur Kundenwert, sondern der Wert des gesamten Ökosystems (gemeint ist das Umfeld) soll gesteigert werden. Traditionelle KMU müssen versuchen, Plattformen anzubieten und damit verbundene neue Strategien lernen. Konkurrenten können sehr leicht aus fremden Branchen auftauchen. KMU sollten intelligent entscheiden, wen sie auf die Plattform lassen und was die Teilnehmer dort tun dürfen. Mit neuen Kennzahlen sollten die Interaktionen überwacht werden. Das Grund-Modell eines Plattformunternehmens sieht also wie folgt aus: Produzenten, also KMU,  sind in der Regel die Urheber der Plattform. Sie verbinden sich mit Konsumenten, die kaufen und nutzen wollen. Wichtig ist die Infrastruktur: Mobilfunkgeräte ermöglichen die Plattform. Inhaber der geistigen Eigentumsrechte und die Entscheider über den Zugang und die Nutzung der Plattform müssen sich ausreichend absichern. Vgl. O. V.: Plattform statt Pipeline, in: Harvard Business Manager, Juni 2016, S. 23ff.

Data-Management-Plattform (DMP): Eine einzige Plattform integriert alle Daten. Marketing- und Analytic-Teams können hier gemeinsam arbeiten.

Low-Code-Plattformen: Sie ermöglichen Software-Entwicklung fast ohne Programmierkenntnisse. Es ist eine Art Software-Baukasten. Vorteile sind die schnelle Bereitstellung von Business-Anwendungen, sehr geringer Programmieraufwand, niedrige Entwicklungskosten. Man kann Low Code in vier Bereiche unterteilen: 1. Visuelle Modellierung. 2. Drag-and-Drop-Interfaces. 3. Plattformübergreifende Funktionen. Deklarative Tools. Mittlerweile gibt es viele Low-Code-Plattformen. Hier eine Auswahl: Mendix, Salesforce, Simplifier, Agilepoint, K2, opentext, zoho, Outsystems, Microsoft, UiPath.

Prozessautomatisierung durch Low-Code/ No-Code-Plattformen: Professionelle Entwickler sind Mangelware geworden. Also müssen teilweise Laien die Entwicklung vorantreiben. Low-Code-Plattforen bieten: Vorgefertigte Module., visuelle Modellierung, Skalierbarkeit, Rollenbasiertes Nutzungskonzept, Überwachung von Sicherheits-Richtlinien, Reporting und Monitoring. Man spricht auch von Citizen Developer. Vgl. Hafen, Thomas: Demokratisierung der Entwicklung, in: com!professional 7-8/2021, S. 20ff.

Shopify: E-Commerce-Plattform. Seit 2004 (zuerst Onlineshop für Snowboards). Sie wurde von dem Deutschen Tobi Lütke (aus Koblenz, Schulabbrecher) aufgebaut. Er war Unternehmenschef des Jahres in Kanada 2014. 2018 ist das Unternehmen mehr wert als die Lufthansa (15 Mrd. Dollar). Das Unternehmen stellt den Software-Hintergrund für den Online-Verkaufsladen auf (Bezahlsystem, Design, Buchführung, Produktversand, App, Social-Media-Management).

Netzwerkeffekte und Kettenreaktionen (Wirkungsketten):  Positive Wirkungsketten sorgen dafür, dass Plattformen schnell wachsen. Die Dynamik ist dann am größten, wenn es um gleichartige Interaktionen geht. So entstehen Kettenreaktionen, die für beide Seiten wertvoll sind. Vgl. Geoffrey Parker et al.: Platform Revolution: How Networked Markets are Tranforming the Ecomomy - and How to Make Them Work for You, Norton & Company 2016.

Internet der Dinge (Internet of Things, IoT): Die Entwicklung geht rasend schnell. Den Endpunkt bildet das Internet of Everything. Systeme sind z. b. automatische Verkehrssysteme, intelligente Straßen, intelligentes Stromnetz, vernetzte Geschäfte, intelligente Krankenhäuser, intelligente Stadt, Logistiksysteme. Die Gefahr könnte sein, dass die künstliche Intelligenz in einigen Jahren den Menschen überlegen ist. Im Unternehmen können Algorithmen bisherige Managementaufgaben übernehmen. Die Unternehmen haben Zugriff auf einen riesigen digitalen Datensatz. Marktforscher sind leicht ersetzbar; Kundenprofile können auf Knopfdruck erstellt werden. Große Gefahren sind der Kontrollverlust, die fehlende Transparenz, falsche Analysen, Diskriminierung. Anwendungsbereiche sind die Automobilelektronik, branchenspezifische Geräte (Produktion, Transport, Versorgung), allgemeine industrielle Anwendungen (Bankautomaten, Terminals), Konsumenten. IoT verunsichert viele Unternehmenslenker. Sie müssen teilweise völlig neue Strategien entwickeln. Vor allem der Wettbewerb ist immer schwieriger einzuschätzen (Quelle: Bain). Chancen und Risiken sind ganz schwer einzuschätzen: Es es zu einem Verlust von Arbeitsplätzen oder werden mehr entstehen? Auch persönlich sind die Folgen schwer abzuschätzen: Es kommt zu Effizienzsteigerungen, gleichzeitig steigt die Ablenkung und der Autonomie- und Privatsphäreverlust. Zum Internet der Dinge gehört auch folgendes: Facebook, Microsoft und andere arbeiten an digitalen Parallelwelten. Per Datenbrille erfüllen sich Simulationen, die sich wie echt anfühlen. Bald können Menschen so arbeiten, leben und shoppen an Orten, die nur im Computer existieren. Die Firmen erkennen nach und nach das Potential von IoT. Die Einsatzbereiche kennen so keine Grenzen. Produkte können selbstständig Berichte erstellen oder Eigendiagnose. Arbeitsprozesse werden automatisiert. Die Maschine-zu-Maschine Kommunikation wird selbständig. Das größte Wachstum wird bei digitalen Lösungen bestehen. Wichtig ist das Schaffen allgemeingültiger Standards. Ein gutes Beispiel ist die Vision einer Smart City (öffentliche Gebäude, Straßenbeleuchtung, Energie).

IoT und neue Geschäftsmodelle: 1. Smarte Produkte (Überwachung oder Steuerung). 2. Business Chancen  (Smart City, Smart Supply Chain, Smart Energy, Connected Car, Connected Health, Smart Agriculture). 3. Monetarisierung von Produkten. 4. Smart Services.

Blockchain - Technologie: A trifft eine Vereinbarung mit B. Diese wird in einem Datenblock festgehalten (Smart Contract). Der neue Datenblock wird an alle Mitglieder  verteilt und so durch alle Mitglieder der Chain bestätigt. Dieser Datenblock wird an die bestehende Blockchain gefügt und kann nicht mehr verändert werden. Die Vereinbarung trifft in Kraft. McKinsey zweifelt 2019 in einer Studie am Erfolg der Technologie in der Praxis. Quelle: Higginson, Matt et al.: Blockchains´s Occam problem.

Blockchain - Glossar: 1. Distributed Ledger: Zentral gesteuerte und weltweit verteilte Datenbanksysteme (dezentraliisert). Die Blockchain gehört dazu. 2. Tangle: Transaktionsdaten werden nicht - wie bei der Blockchain - chronologisch hintereinander angeordnet, sondern in einem netzwerkartigen Gewirr (Tangle) mit vielfältigen Knotenpunkten (Nodes). "Miner" fallen hier weg. 3. Smart Contracts: Eine beliebige Transaktion wird automatisch unter der Voraussetzung abgewickelt, dass alle beteiligten Parteien die zuvor in der Blockchain niedergelegten Konditionen erfüllt haben. 4. DApps: dezentralisierte, automatische Apps. Open Source, öffentlich in einer Blockchain gespeichert. 5. DAO (Decentralised Autonomous Organization): Ein eneue Form der Organisation, deren Geschäftsordnung, Gesellschaftsvertrag oder Satzung durch einen Smart Contract festgelegt und automatisch ausgeführt wird. 6. ICO: Bei einem Initial Coin Offering (ICO) werden quasi digitale Wertpapiere aufgelegt. 7. Kryptokatze: Eine der erfolgreichsten Anwendungen auf der Blockchain - Plattform Ethereum. Anwender können virtuelle Kätzchen (Cryptokities) züchten und mit ihnen handeln. Vgl. Sommer, Sarah: Vertraut den Daten, in: brand eins 06/18, S. 20ff. Weiterhin ist die Blockchain konsensbasiert, dezentralisiert, sie nutzt Kryptographie, jeder Datensatz ist mit dem vorhergehenden verbunden, Datensätze können nur schwer manipuliert werden, es kann nahezu in Echtzeit aktualisiert und reproduziert werden. 8. Token: Digitale Münze bzw. Schlüssel. Sie wird mithilfe eines Smart Contract erstellt. Bei Ethereum heißen die Münzen ERC20-Token. Ein Token kann verschiedene Funktionen haben: Sollen Eigentümer ihn einsetzen, um Dienstleistungen eines Start-ups zu nutzen, handelt es sich um einen Utility-Token. Soll er Anteile an einem Unternehmen repräsentieren, also einer Aktie gleichkommen, heißt er Equtiy- oder Security-Token und fällt unter die Kontrolle der Finanzaufsicht. 9. Whitepaper: Projektbeschreibung des Start-ups zum ICO. Verbindliche Zahlen fehlen fast immer. Es ist kein Börsenprospekt.

Ethereum: Plattform, die Softwareentwicklern ermöglicht, die unterschiedlichsten Anwendungen auf einer Blockchain zu schreiben.

Bots: Sie stellen ein Element künstlicher Intelligenz dar. Sie verbessern die Kommunikation mit Kunden. Sie werden bei Shopping und Wetter eingesetzt. Ein Beispiel ist check24 oder Tay von Microsoft. Sie spielen auch eine wichtige Rolle in sozialen Netzwerken.

Botnetz: Infrastruktur, meist krimineller Natur, um fremde Geräte zu kontrollieren und persönliche Informationen wie Passwörter auszuspähen (Pishing). Sehr bekannt wird das Netzwerk "Avalanche", das beim Online - Banking die Zugangsdaten ausgespäht hat und viele Kunden um Geld erleichtert hat.

Bimodale IT: In größeren Unternehmen braucht man zwei Arten von IT, die parallel laufen. Sie basiert in der Regel auf einem 3-Säulen-Modell: 1. Organisation (digitale Geschäftsprozesse, Sourcing Strategie, Business-Models), 2. Prozesse (Innovation, Agile Entwicklung, Continuous Testing und Delivery), 3. Technologie (Private & Public Cloud, CEP & Big Data, API-Management). Vgl. com! professional, 2/2016, S. 114ff.

Virtualisierung der Business-IT: Virtualisierungsansätze von Hardware gab es schon in den 1960er und 1970er Jahre bei Großrechnern von IBM. Das technologische Herzstück der Server- und Hardware-Virtualisierung ist der Hypervisor. Es ermöglicht insbesondere eine optimale Auslastung. Weiterhin gehören dazu die Anwendungs - Virtualisierung sowie Netzwerke und Speichersysteme. Hinzu kommen virtuelle digitale Arbeitsplätze. Insgesamt entsteht so ein "Rechenzentrum to go" (für einpaar  Stunden oder Tage).

Process Mining: Ein Workflow - System hält die digitalen Spuren fest, die jeder Schritt eines Prozesses produziert. Die digitalen Spuren können in betriebswirtschaftlichen Systemen entstehen, wie z. B. SAP. Unterschiedliche Aspekte eines Prozesses können berücksichtigt werden., um Schwachstellen aufzuzeigen.

Videos fürs Intranet: In Kürze könnten 80 Prozent des Intranet auf Videos entfallen. Eine Integration gibt es schon bei 60 Prozent aller Unternehmen.

Business-Chats: Das professionelle Miteinander verlagert sich von der E-Mail-Kommunikation zu Chat-Diensten. Als Überflieger gilt Slack. Facebook bietet Workplace an. Weitere Anbieter sind Microsoft (Team) und RingCentral (Glip).

Business Intelligence (Analysewerkzeuge): Man beobachtet auch eine starke Zunahme im mittelständischen Bereich. Haupteinsatzgebiete 2015 bei KMU sind Groupware (Kalender, E-Mail), Customer Relationship Management, Telefonie aus der Cloud, Collaboration-Anwendungen, Security as a Service, Branchenspezifische Anwendungen,  Office-Anwendungen, Enterprice Resource Planning.

Management by Null und Eins: Werden nicht nur Facharbeiter durch Roboter ersetzt? Sind Maschinen vielleicht die besseren Entscheider? Das kommt darauf an. Es gibt Bereiche, wo Computer überlegen sind, etwa im Controlling. Generell fehlen den Computer aber wichtige Fähigkeiten, die ein Manager braucht: komplexe Mustererkennung, gute Verhandlungsführung, Kreativität. Das alles kann ein Computer schlechter.

Collaboration: Mitarbeiter werden vom Informationsempfänger (klassische Email) zum aktiven Teilnehmer am Wissensmanagement. (vgl. Hochschule Mainz, www.trends-in-der-it.de ). Unternehmen werden zu Teilen von Netzwerken. Arbeit ist nicht mehr an Ort gebunden, sondern wird unabhängig von Zeit, Ort und Endgerät. Eine moderne Collaborations-Lösung muss die Teilnehme an Online- und Videokonferenzen von überall und mit jedem Endgerät ermöglichen. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Produkten (Auswahl: Asana, Basecamp, Jive, Slack, Trello). Folgende Element gehören in der Regel dazu: Ganzheitlichkeit, Best-of-Breed-Ansatz, Integration in den Workflow, Geschäftsprozesse, Verbindung zu Social Media, Sicherheitskonzept, kulturelle Aspekte beachten, Migrationskonzept, Leistung und Verfügbarkeit sicherstellen.

Agile Collaboration: Teams sollten multidisziplinär zusammengesetzt sein. Zum Netzwerk sollten auch externe Kollaborationspartner gehören. Kollaborationstools sollten zur Unterstützung bereit stehen.

Agile Methoden: Design thinking (komplexe Problemstellungen) Innovationslabore (Förderung innovativer Prozesse), Personal Kanaban (Organisation des Tagesgeschäftes), Lean Startup (Methode, um Produkt auf den Markt zu bringen), Instant Open Space (Meetingmethode), Scrum (Rahmenwerk für multidisziplinäre Teams), Lean Coffee (kollegialer Wissensaustausch), Delegation Poker (Delegation von Entscheidungen üben)

Agile Unternehmen (von der Mode zur Notwendigkeit, Firmenkultur, Frameworks): Das wichtigste ist, Agilität braucht ein echtes Ziel. Ohne das funktioniert Agilität nicht. Weiterhin müssen Unternehmen auf dem langen Weg zum agilen Unternehmen ihre Firmenkultur verändern. Agile Transformation muss bei jedem Mitarbeiter stattfinden. Dann müssen die Entscheidungsprozesse agil gestaltet werden (erhöht Engagement, Selbstorganisation, Beschleunigung). Es stehen eine Reihe von Frameworks bereit für agile Prozesse: Kanban, XP, SAFe, LeSS, OKB, Scrum.

Large-Scale Agile Frameworks: Frameworks sollen helfen, auch große Projekte mit agilen Methoden zu bewältigen. Dabei gibt es neun Prinzipien: 1. Wirtschaftlichkeit. 2. Systemisches Denken. 3. Variabilität voraussetzen, Optionen bewahren. 4. Inkrementelle Entwicklung, häufige Integration und schnelle Lernzyklen. 5. Objektive Bewertung funktionierender Systeme. 6. Arbeitsbelastung visualisieren und reduzieren. 7. Intervalle und Synchronisierung. 8. Intrinsische Motivation fördern.9. Entscheidungen dezentralisieren. Vgl. Hafen, Thomas: XXL-Projekte mit agilen Methoden bewältigen, in: com!professional 7/2019, S. 22ff.

Emotional Computing: Mitfühlende Computer. Eine einst absurde Idee wird immer realer. Menschen verstehende Avatare werden entwickelt. Die Maschine stellt eine einzige Wahrheit dar (die Individualität ginge verloren). 

Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung: 1. Backoffice: Durch direkte Erfassung und Verarbeitung von Daten verschwinden traditionelle Bürotätigkeiten. 2. Deep Learning: Systeme sind mit Datenbanken verknüpft und erkennen Muster. Dies kann auch höher qualifizierte Fachkräfte ersetzen. 3. Gig-Economy: Freie Mitarbeiter suchen auf virtuellen Plattforen nach Arbeit, die Unternehmen global ausschreiben. 4. Selbstfahrsysteme (Drohnen) ersetzen Taxi- und LKW-Fahrer, Lageristen, Post- und Paketboten. 5. Robotisierung: 3-D-Drucker ersetzen hoch qualifizierte Handarbeit (Zahntechnik, Wartungs- und Arbeitsroboter in Fertigungsstraßen).

Augmented Reality und Virtual Reality: Ersteres: Bildschirme, auf denen real existierende Aufnahmen mit graphischen Objekten angereichert werden. Zweites: VR-Brillen, mit denen Nutzer digital simulierte Welten direkt vor Augen haben. VR kann zum Innovationstreiber für den B2B-Bereich werden. Interne Prozesse eines Unternehmens können optimiert werden und die Interaktion mit den Kunden kann neu gestaltet werden. Für Ingenieure und Designer können Anwendung - Szenarien realitätsnah simuliert werden. Dreidimensionale Marken-, Produkt- und Innovationswelten können unmittelbar für den Kunden erlebbar gemacht werden. Am meisten wird die Technik im Computerspielesektor eingesetzt.

Assisted, Augmented und Mixed Reality, Cross Reality: Bei Assisted Reality werden Zusatzinformationen, die einen Vorgang unterstützen und vereinfachen, am Rande des Sichtfeldes transparent eingeblendet. Beispiele sind die Head-up-Displays mancher Navigations- und Assistenzsysteme, die Informationen auf die Windschutzscheibe in die periphere Sicht des Fahrers projizieren. Augmented Reality geht einen Schritt weiter und blendet computergenerierte 3D-Welten statt dürrer Zahlen oder einfacher Symbole in die reale Umgebung ein. Die echte Realität wird um virtuelle erweitert. Die Mischung aus virtuellen und physischen Komponenten bezeichnet man als Mixed Reality, es sind also VR-Anwendungen. Cross-Reality (XR) oder auch Extended Reality wird als Oberbegriff für VR, AR, und MR verwendet und bezieht sich auf alle Erfahrungswelten, die von Computern und tragbaren Geräten erzeugt oder verändert wird.

Datenbrillen: Man unterscheidet zwischen Monokularen Datenbrillen für Assisted Reality und Binokularen Datenbrillen für Assisted/Augmented)Mixed Reality. Hersteller ersterer sind z. B. Vuziz, Telepathy, Google und Fujitsu. Letztere kommen z. B. von Epson, ODG oder anderen. Die Hololens von Microsoft hat eine Sonderstellung. Windows Mixed Reality ist eine durchgängige Plattform zur Erstellung und Nutzung von Mixed-Realty-Anwendungen.

Einsatzmöglichkeiten von Assisted, Augmented und Mixed Reality: Mehrwerte könnten in folgenden Bereichen erzielt werden: Logistik (Kommissionierung, geringere Fehlerquote, mehr Produktivität, höhere Mitarbeiterzufriedenheit); Fertigung (Anweisungen als Schritt-für-Schritt-Anleitung, komplexe Montagevorgaben); Bauwesen (Gebäude lassen sich visualisieren); Medizin (erweiterte Information während der OP); Qualitätssicherung (Prüfprotokolle); Marketing (Produkte in der realen Umgebung); Zusammenarbeit (Schulungen, Design); Service und Wartung (Wartungshandbücher, graphische Darstellungen); Aus- und Weiterbildung (Training an virtuellen Objekten); Militär (Informationssysteme in Fahrzeugen, Befehle). Vgl. com!professional 3/2018, S. 20.

Soziales VR-Netzwerk: Fans können mit fotorealistischen 3D-Abbildern ihrer Lieblingsstars aus Sport, Film oder Entertainment interagieren. Das Start-up "STARAMBA SE" arbeitet daran. die Firma ist Technologieführer bei fotorealistischen 3D-Avataren.

E-Learning: Ist auf dem Vormarsch in der Fortbildung bei KMU. Digital lässt sich eine Menge Geld einsparen. Die Methode muss zum Zweck mit ihren Stäken und Schwächen passen. Eingesetzt werden kann Virtuelles Lernen (Webinare/Podcasts), Integriertes Lernen (Schulungsvideos), Computergestützte Informations- und Kommunikationssysteme, Fachforen und 3-D-Plattformen.

Digitalkompetenz: Digitale Fähigkeiten bei Unternehmen und Mitarbeitern. Neun von zehn Jobs werden in Zukunft diese Kompetenz erfordern. Informatik und digitale Medien müssen stärker in die Bildung einfließen. Die Mittelschicht dürfte von Robottern am stärksten gefährdet sein (auch qualifizierte Kräfte in Büros, Kanzleien und Praxen).

Social Tools: Soziales Intranet im Unternehmen. Meist handelt es sich um Cloud basierte Anwendungen. Dabei sollten folgende Punkte beachtet werden: Sinn und Zweck festlegen. Ein Bewusstsein schaffen. Verhaltensregeln definieren. Vgl. Paul Leonardi und Tsedal Neeley: Social Tools richtig eingesetzt, in: HBM, Februar 2018, S. 52ff.

Bring Your Own Devise (BYOD): Private Mobilfunkgeräte (Smartphones, Tablets, Notebooks) werden im Unternehmen eingesetzt. Das bringt den Unternehmen Vorteile und Risiken. Die Vorteile liegen in der Optimierung von Geschäftsprozessen, der erhöhten Flexibilität und Mobilität der Mitarbeiter, der erhöhten Effizienz der Mitarbeiter, der schnellern Entscheidungsprozesse. Die Risiken stellen eigene Anwendungen, Viren, Spionage u. a. dar. Also sollte es ein Mobile Device Management 8mit Risk Management) geben. 

Business Process as a Service (BPaaS): Verlagerung von Geschäftsprozessen in die Cloud. Prozesse wie Marketing und Buchhaltung lassen sich komplett in der Cloud abwickeln. Geeignet sind auch Personalverwaltung, Beschaffungswsen, Projektmanagement, Supply-Chain-Management.

Netzneutralität: gleichberechtigte, neutrale Übertragung von Daten im Internet, unabhängig von Sender und Empfänger der Daten sowie deren Art und Funktion. Ausgewählte Datenpakete sollen in Zukunft bevorzugt transportiert werden. Diese Möglichkeit schafft eine Verordnung der EU.

Internet-Infrastruktur: Die KMU versorgen den ländlichen Raum mit Arbeitsplätzen. Das schnelle Internet ist aber noch nicht auf dem Land angekommen. Der teure Netzausbau lohnt sich für die Anbieter kaum. "Digitale Feldwege"  zwischen Standorten von Unternehmen müssen systematisch bekämpft werden. Ohne öffentliche Förderung geht es dabei nicht. So fördert vor allem das Land Baden-Württemberg gezielt Glasfaseranschlüsse in Gewerbegebieten. Das Bundesförderprogramm ist eher für Haushalte gedacht.

WebRTC (Echtzeit-Kommunikation über den Browser): Die Relevanz von Endgeräten geht in Unternehmen zurück. Die Arbeitsplätze werden digital. Unterschiedliche Plattformen werden zusammengeführt.

Sonderwege in der Cyber-Technologie: China versucht mit einem scharfen Cyber-Sicherheitsgesetz einen Sonderweg in der Digitalisierung zu gehen. Man hat auch Angst vor einer Dominanz der USA. Ausländische Verbande, wie der Verband der deutschen Maschinenbauer, warnen davor.

SAP HANA 2: Neue Version der In-Memory-Datenbank. Sekundärsysteme können für leseintensive Workloads eingesetzt werden. Erweiterung beim Datenmanagement (Unternehmensmodellierung, Datenintegration, Datenqualität). 2017 rücken SAP und Mikrisoft im Cloud-Geschäft näher zusammen. HANA wird voll in Azure integriert.

Data-Science-Plattformen: Datengetriebene Geschäftsmodelle im operativen Alltag. Als Elemente gelten Import unterschiedlicher Datenformate, Konsolidierung der Daten, Integration verschiedenster Werkzeuge, Analysemöglichkeiten für unterschiedliche Zielgruppen, Finden von Mustern, Erstellen prädiktiver Modelle, Integration in Geschäftsmodelle, Anpassung. Entscheidende Voraussetzung ist, genug Daten in der richtigen Qualität zu haben.

Deep Learning: Hocheffizienter Mechanismus, der es ermöglicht, Speicheranforderungen in Deep Neuronal Networks (DNN) auf verschiedene Maschinen zu verteilen. Auf diese Weise kann die Kapazität bestehender IT - Infrastrukturen ausgeweitet werden. Im Moment ist Fujitsu aus Japan führend. Dell holt auf. Dell EMC bringt neue Lösungen. Es gibt "Ready Bundles".

Index der digitalen Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland liegt 2017 auf dem 17. Rang. Berechnet wird der Index vom World Competitiveness Center des International Institutes of Management Development der Universität Zürich. Vorne liegen Singapur, Schweden, USA, Finnland und Dänemark.

Drohnenwirtschaft: Drohnen werden mit den Komponenten Drohne, Apps und Cloud betrieben. Sie werden benutzt von einer Bastlerszene, Privatnutzern und Unternehmern sowie vom Militär und öffentlichen Institutionen. Sie sind das Internet der fliegenden Dinge. die kommerzielle Nutzung wird der Wirtschaft einen Schub verleihen. Die Informationen über den öffentlichen Raum können in der Landwirtschaft, in der Bauwirtschaft, in der räumlichen Orientierung (Katastrophenschutz, Versicherung) verwendet werden. Extrem ist der Nutzen in der Logistik bzw. beim Transport. Zunehmend helfen Drohnen auch den Energieversorgern. Zum Beispiel kann die Drohne Stromleitungen inspizieren. Immer mehr High-Tech-Drohen sind im kommerziellen Einsatz (Vermessung, Inspektion, Film und Foto, Kartierung, Datenerhebung, Transport, Sonstiges). In der Corona-Krise erlebt die Drohne einen Aufschwung (Überwachung, Lieferung, Messung). 2020 gibt es eine heftige Debatte über Kampfdrohnen für die Bundeswehr.   2017 soll es in Deutschland 600.000 Drohnen geben. Immer mehr werden Drohen im Verkehr eingesetzt: Inspektionsdrohnen beim Transport gefährlicher Güter, Cargo-Drohen, Flugtaxi, Rettungsdrohne mit Defibrilator, Aufklärungsdrohnen für die Polizei.Seit 2017 gibt es einen Führerschein für unbemannte Fluggeräte. In der Corona-Krise 2020 sind die Drohnen die Gewinner der Pandemie. Sie überwachen Abstandsregeln, sie desinfizieren Gebäude, sie liefern Medikamente. Der Kölner Dom wird 2021 zentimetergenau vermessen. Der digitale Zwilling der Kathedrale soll die Instalthaltung vereinfachen und Kosten sparen.

Geschäftsfelder für den Drohneneinsatz: Paketboten und Schwerlastesel. Flugtaxis für Großstädte. Wartung aus der Luft. Säen, Düngen und Spritzen. Lagerverwaltung. Intelligente Auswertung. Nach Bauart unterscheidet man zwei Typen: Multikopter, Kippflügler. Nach Größe und Gewicht unterscheidet man drei Typen: Nano - Drohnen, Mikro - Drohen, Mini - Drohnen.

Verantwortlicher für KI-Strategie und Bezeichnung: Die ausführliche Bezeichnung wäre "Chief Artifical Intelligence Officer". Als weitere Funktions- bzw. Berufsbezeichnungen werden verwendet: Chief Information Officer, Chief Technology Officer, Chief Executive Officer, Chief Data Officer, Chief Digital Officer, Chief Operations Officer.

Industrial Analytics: Veredeln von Daten mit Analytic-Tools. Maschinendaten sollen so Umsatztreiber werden. Tools sind: Advanced Analytics Platforms, Business Intelligence Tools, Predictive Analytics Tolls, Simulation Tools, Statistical Package, Artifical Intelligence, Streaming Analytics Tools, Cognitive Analytics, Fog Analytics.

Tracking-Software: 77,4% der Webseiten (page loads) werden getrackt. Gostery hat dafür 850.000 Nutzer aus mehr als 20 Ländern untersucht. Ganz vorne ist Google vor Facebook.

E-Privacy: Kampf um den Datenschutz im Internet. Die EU plant eine neue Verordnung. Sie soll die Nutzung von Cookies und Tracking weit reichend einschränken. Die Medien- und Werbebranche läuft Sturm dagegen.

Digitalisierung und soziale Änderungen im Betrieb: Digitalisierung ist ex definitione die Summe von Zusammenhängen. Die Menschen müssen mehr denn je im Team zusammenarbeiten. Reinhard Sprenger spricht von einem Füreinander, das ein qualitatives Mehr schafft.

Wert von Digitalem: Digitale Produkte vermitteln nicht das gleiche Eigentumsgefühl wie physische Güter. Weil wir sie nicht anfassen, festhalten und kontrollieren können, empfinden wir sie nicht richtig als Eigentum. Vgl. Atasoy/ Morewedge: Digital Goods Are Valued Less Than Physical Goods, in: Journal of Consumer Research, Oktober 2017.

Composable Infrastructure: Flexible Ressourcen. Infrastructure as a Code. Modular aufgebaute integrierte Infrastrukturplattform.

Tools für Projekt-Nomaden: Start-ups, die sich mit Projektentwicklung befassen, setzen auf agile Entwicklung. Dabei werden oft so genannte remote - Fachkräfte eingesetzt. Diese Mitarbeiter sind nicht mehr im Büro ansässig. Sie arbeiten auch mit meist kostenfreien Tools. solche sind scoro, workzone, N, huddle, Wrike, connectwise, toggl oder meistertask (auch zoho, when I work).

Datengetriebenes Business/ Datenablagen/ Vermeiden von Datensilos: Datensilos sollten kontinuierlich beseitigt werden. Dazu gehören folgende Elemente: 1. Bestandsaufnahme (Datenqualität, Datenschutz, Recht). 2. Durchführung (Themen generieren, Lösung evaluieren). 3. Pilot-Projektstart (Daten ermitteln, Daten analysieren). 4. Technische Umsetzung (Datenextrahierung, Adapter). Vgl. Datengetriebenes Business statt Datensilos, in: com!professional 3/2019, S. 74ff.

Reifegradmodelle der Digitalisierung für Unternehmen: Sie zeigen mögliche Handlungs- und  Optimierungsfelder. Digitale Reife macht erfolgreicher, flexibler und krisenfester. Ansatzpunkte sind: 1. Agiles Steuerungsmodell. 2. Digitale Geschäftsprozesse. 3. Data Mastery. 4. Tech-Fitness. 5. Zusammenarbeit mit Ökosystemen. 5. Digitals Portfolio. Kriterien zur Ermittlung der digitalen Reife sind: 1. Strategie. 2. Technologe. 3. Produkte & Dienstleistungen. 4. Organisation. 5. Mitarbeiter. Vgl. Mauerer, Jürgen: Digital reife Unternehmen sind krisenfester, in: com!professional 1/2021, S. 14ff.

Unified-Data-Analytics-Plattformen: Daten und Analysen aus einer Hand. Sie sollen zu fundierten Entscheidungen führen. Es herrscht eine komplexe Architektur: Datenquellen, Daten- und Analytics-Plattformen und Business-Anwender (Business Uders) werden unter einem Hut vereint. Es gibt eine Reihe von fertigen Lösungen dafür bei den üblichen Anbietern (z. B. Amazon, IBM, SAP, Microstrategy, Oracle u. a.). Vgl. Reder, Bernd: Daten und Analysen aus einer Hand, in: com!professional 5/2021, S. 14ff.

Agiles Testmanagement: Unternehmen müssen Funktionsfähigkeit, Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit von Applikationen optimieren. Es gibt zahlreiche Anbieter für Testautomatisierung (Code Intelligence, Micro Focus, Progress, Ranorex, RapidRep, SmartBear, Symflower, Tricentis, Verfysoft Technology). Es gibt eine Reihe von Methoden und Konzepten: Akzeptanztest (UAT, letzte Phase vor einem Release). Dynamische Tests (zur Laufzeit des Programms, Laufzeitparameter). Fuzz-Testing (zufällige Eingaben). Headless-Testing (Webapplikationen). Integrationstest (fehlerfreie Zusammenarbeit). Modultest (Fehler). Regressionstest (Wiederholung). Statische Code-Analyse (Quellcods). Usability-Tests (Nenutzerfreundlichkeit). Vgl. Hafen, Thomas: Wege zum agilen Testmanagement, in: com!professional 6/2021, S. 12ff.

Low-Code-Plattformen: Immer mehr Unternehmen arbeiten damit. So werden Apps und Webseiten gebaut. Anwendungen lassen sich mit vorgefertigten Modulen mit wenigen Mausklicks erzeugen. Es ist wie ein Baukasten. Vorgefertigte Programmmodule werden zusammengestellt. Das hilft bei IT -Projekten und spart Zeit.

 

Digitalisierung im Mittelstand (einschließlich Digital Entrepreneurship):

Neugestaltung des Unternehmens als solches in der digitalen Welt. Der Schlüssel sind die Entscheidungen über Grenzen, vor allem die Festlegung der Unternehmensgrenzen. Die Entwicklung geht von der Hierarchie zum Monopol. Als Kriterien dienen: 1. Suchkosten. 2. Vertragskosten - Intelligente Verträge, Multisignatur: Intelligente komplexe Verträge. 3. Koordinationskosten. 4. Die Kosten des (Wieder-) Aufbaus von Vertrauen. Vgl. Don Tapscott/ Alex Tapscott: Blockchain Revolution, Kulmbach 2016, S. 123ff. Facebook und Mittelstand: Etwa 40% der KMU in Deutschland haben keine Website. Sogar in den USA sind es bei KMU 35% (2016). Facebook appelliert an alle KMU in der Welt, also 60 Mio. Unternehmen, dem Netzwerk beizutreten. Der Hintergedanke bei Facebook liegt natürlich wie immer in der Vergrößerung der Werbeplattform.

Digitalisierung im deutschen Mittelstand: 1. Deutschland hat ein Defizit: Nur 18 Mrd. € wurden 2019 investiert, bei 223 Mrd. € Investitionen insgesamt. Beim Digitalisierungsindex der EU liegt Deutschland nur auf Platz 18 (Irland Rang 1). 2. Die Corona-Krise hat einen Schub gebracht: 33% haben investiert, keine Aktivitäten zeigen auch 33%. Die Anzahl der Patentanmeldungen im Digitalen ist 2018 in den USA 2726) , China (1542), Japan (907) und Südkorea (634) um ein Vielfaches höher al sin Deutschland (411). 3. Lösungsansätze: a. Finanzielle Anreize (VC). b. Fehlen von Fachkräften  (Experten, Fort- und Weiterbildung, Lebenslanges Lernen). c. Infrastruktur (Rahmenbedingungen). Vgl. Vortrag von Fritzi Köhler-Geib, Leiterin der volkswirtschaftlichen Abteilung der KfW, Frankfurt, am 18.5.21 in der bdvb Lounge online über Zoom.

Vor- und Nachteile von KMU in der Digitalisierung: 1. Vorteile: Freiheiten, flache Hierarchien, keine Quartalsergebnis-Zwänge, Homeoffice - Möglichkeit, vernetztes Arbeiten. 2. Nachteile: Größe/ keine finanziellen Fehler leistbar,  in der Fläche (Infrastruktur), Besicherung (un- besicherte Kredite), Venture Capital nicht immer möglich (Einfluss). Vgl. Diskussion in der bdvb - Lounge am 18.5.21. Beiträge von Bertram Kawlath, Geschäftsführender Gesellschafter bei der Schuber & Salzer GmbH, VDMA, BDI.

Blockchain-Frameworks für den Mittelstand: Offene Blockchains stärken KMU gegen die Konzerne. Viele KMU zögern aber noch. Die bekanntesten Frameworks sind Ethereum, MultiChain, Hyperledger Fabric.

Datenintegration in KMU: Es sollte ein einheitlicher Blick auf Firmendaten herrschen. Mittlerweile gibt es Datenintegrationsplattformen. Die Ziele sind Extract, Transform, Load. Mögliche Lösungen sind Actian, Adepta, Attunity und Denodo sowie Talend.

Kompetenzzentren für KMU: Die vom Bundeswirtschaftsministerium getragenen Kompetenzzentren sind für die KMU ein erster Anlaufpunkt in Sachen Digitalisierung. Deren Experten entwickeln gemeinsam mit den Rat suchenden Unternehmen die Anforderungen, die an eine digitale Lösung gestellt werden. Es gibt Kompetenzzentren nach Städten gegliedert und solche nach Themen sortiert (Handel, IT-Wirtschaft, Kommunikation, Handwerk, Planen und Bauen, Textil Vernetzt, Usability).

Digitale Strategie der KMU: Unternehmen mit einer solchen Strategie sind innovationsaktiv, haben eine eigene IT - Abteilung, haben einen Anteil an Smarten Produkten im Sortiment und achten auf die digitale Schnittstelle zum Konsumenten (Quelle: Institut für Mittelstandsforschung, Bonn, 2017).

Digitales Denken in KMU: 1. Digitale Strategie, weil der Kunde es erwartet und fordert. Denken und Technik. 2. Erwartungen moderner Kunden: digital, serviceorientiert und interaktiv. 3. Change überall: erfolgreiche Geschäftsmodelle. 4. digitales Marketing: ganzheitlich, strategisch, Kunden fokussiert. 5. Controlling: Tests, Analysen, Steuerungsmöglichkeiten ohne Streuverluste. 6. Experten für die Umsetzung. 7. Der klassische Vertreib stirbt aus. Vgl. Spancken, Christian: Digital Denken statt Umsatz verschenken, Berlin 2018.

Digitalisierung und Hidden Champions: Unterschieden wird die Digitalisierung insgesamt, Automatisierung von Prozessen, Analytics (datengetriebenes Entscheiden), digitale Kommunikation, digitale Vertriebskanäle, digitale Geschäftsmodelle. Bei der Digitalisierung insgesamt liegen die Hidden Champions knapp vor den KMU und hinter Konzernen und allen Unternehmen. Quelle: Alexander Jake Freimark et al.: Hidden Champions Champions der digitalen Transformation?, Hidden Champion Institute an der ESMT Berlin, November 2018.

Kooperation zwischen Mittelstand und Start-ups: Zusammenarbeit von etabliertem Mittelstand und innovativen Start-ups bietet große Chancen (insbesondere bei digitalen Geschäftsmodellen). Vor allem vier Wege bieten sich an: Plattformangebote nutzen. Auf Netzwerke zurückgreifen. Grenzen zwischen Industrie und Dienstleistungen verschwimmen. Breitbandabdeckung und Qualität der Mobilfunknetze gemeinsam berbessern. Vgl. Röhl, K.-H./ Engels, B.: Mehr Kooperation von Start-ups und Mittelstand als Chance für Digitalisierung und Innovation, in: Wirtschaftsdienst 5/2021, S. 381-386.

 

Das Unternehmen "Bionade" in Ostheim/ Rhön. Das Unternehmen teilt das Schicksal vieler Start-ups. Wenn sie lange erfolgreich sind und nicht ausreichend wachsen, werden sie von großen Firmen aufgekauft und bleiben nur noch als Marke erhalten. Zunächst kaufte Dr. Oetker, später Hassia. Die gleiche Geschichte mit gleichem Ablauf hat sich in der Digitalisierung beschleunigt. Die meisten Start-ups werden aufgekauft, bevor sie entscheidend wachsen können.

"Alles in der Welt kehrt sich einmal um", Theodor Fontane; Schach von Wuthenow.

Strategisches Management im E-Business (Digital Business, Innovative und digitale  Geschäftsmodelle):

Strategisches Management: Im Mittelpunkt steht die Unternehmenspolitik. Darunter versteht man sämtliche Entscheidungen, die das Verhalten des Unternehmens nach außen und nach innen langfristig bestimmen. Ziel ist die strategische Erfolgsposition (Bereiche: Produkte, Markt und Unternehmensfunktionen). Es geht darum, im Vergleich zur Konkurrenz und längerfristig die Existenz und Glaubwürdigkeit zu sichern. In KMU fehlt es oft. Mintzberg plädiert dafür, es eher auf ein entsprechendes Verhalten der Führungspersönlichkeiten herunter zu brechen.

Strategische Planung: 1. Strategische Zielbildung. 2. Umweltanalyse. 3. Unternehmensanalyse. 4. Strategieentwicklung. 5. Strategieimplementierung. 6. Strategische Kontrolle. Vgl. T. Amely: BWL kompakt für Dummies, Weinheim 2017, S. 177.

Strategisches Umfeld: Es wird durch sechs Kräfte bestimmt. 1. Konvergenz (Neue Marktbedingungen und Dekonstruktion von Wertschöpfungsketten). 2. Digitalisierung und Innovationsdynamik (E-Produkte und E-Services). 3. Komplexität von Markt und Wettbewerb (Marktstruktur - Veränderung durch Digitalisierung). 4. Digitale Disintermediation und digitale Disruption (Veränderung von Wertschöpfungskonstellationen). 5. Digitale Transformation und digitale Organisation (andere Interaktions- und Organisationsformen). 6. Customer Enpowerment und Social Networking (Internet als Buyer Market). Siehe Wirtz, Bernd W.: Electronis Business, Wiesbaden (Springer, Gabler) 2020 (7. Auflage), S. 320 und 320ff.

Strategieentwicklung: Grundlagen: Einordnung der Strategie. Definition der Strategie. Systematik: Zielplanung, Electronic-Business-Analyse, Electronic-Business Strategieformulierung, Strategieimplementierung, Strategieaudit.  Siehe a. a. O. S. 414ff.

Geschäftsmodelle im E-Business: Man unterscheidet 2 Typen: 1. B2C-Geschäftsmodell (Content, Commerce, auch hybride Modelle). 2. B2B-Geschäftsmodell (Sourcing, Sales, supportive Collaboration, Service Broker). a. a. o. S. 481ff.

Change Management: Unternehmen, Märkte, Technik, Lebensmodelle verändern sich rasant. Noch nie vorher in der Geschichte war so viel Anpassungsfähigkeit verlangt. Die Zyklen, innerhalb derer sich Unternehmen erneuern müssen, werden immer kürzer. Der planvolle Umgang mit diesem Wandel ist der Gegenstand von Change Management, das immer mehr zur Daueraufgabe der Unternehmensführung wird. So werden Qualifikationen immer wichtiger, die für dieses Management notwendig sind: Ressourcen organisieren, Technologiesprünge managen, gesellschaftliche Akzeptanz herstellen. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung bestehende Geschäftsmodell umkrempelt (vor allem in der Telekommunikation, Energie, IT, Logistik, Handel, Banken und Versicherungen). Große Unternehmen sammeln bereits Know-How durch Start-Ups und Nerds. "Take a chance for change", Werbespruch. "Auf der Welt gibt es nichts, was sich nicht verändert, nichts bleibt ewig, so wie es einst war", Dschuang Dsi, chinesischer Philosoph und Daoist.

Aufgaben, Treiber und Hindernisse von Change-Management: Wenn Veränderungsprozesse schief gehen (drei Viertel aller Projekte scheitern), liegt der Fehler darin, dass das Management anfangs falsch einschätzt, was überhaupt verändert werden soll. Bevor Prioritäten festgelegt werden, sollten die drei Faktoren analysiert werden: Treiber, Aufgaben und Hindernisse. Aufgaben sind Globale Präsenz, Kundenorientierung, Innovation, Wendigkeit und Nachhaltigkeit. Vgl. Anand Narasimhan/ Jean-Louis Barsoux: Warum Change-Management scheitert, in: Harvard Business Manager, Juni 2018, S. 18ff.

Digitale Strategien und neue Geschäftsmodelle, die Change auslösen: Überzeugung ist die Grundlage der Unternehmenskultur, die auch zur Kundenbindung führt. Digitalisierung muss intern und extern sein. Vor allem müssen immer neue Produkte angeboten werden mit dem entscheidenden Faktor "Service". Auf Bestandskunden sollte immer geachtet werden. Vgl. Spancken Christian: Digital denken statt Umsatz verschenken. Online-Strategien für den Mittelstand, Berlin (Econ) 2018, S. 63ff.

Agile Methoden/ Agiles Management: Agile Innovationsmethoden stammen aus der IT (Software-Entwicklung). Sie haben diese mit revolutioniert. Jetzt werden diese Methoden auch in anderen Funktionen eingesetzt. Die Grundprinzipien sind die folgenden: Menschen sind wichtiger als Tools und Prozesse; auf Veränderungen reagieren, statt einen Plan abzuarbeiten; funkionierende Prototypen sind wichtig; Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtiger als starre Verträge. Agiles Management hat folgende Schritte: 1. Lernen, wie Agilität funktioniert. 2. Verstehen, wann sich agile Methoden eignen. 3. Klein anfangen und auf Mundpropaganda setzen. 4. Erfahrenen Teams mehr Freiheit gewähren. 5. Agile Methoden im Topmanagement einführen.6. Alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Vgl. Rigby, D./ Sutherland, J./ Takeuchi, H.: Schnell und Flexibel, in: Harvard Business Manager Oktober 2016, S. 58ff. Das agile Management wird auch als Zauberformel für Zukunftsfähigkeit gesehen. Hierarchien sollen möglichst verschwinden, dann sprudeln die Ideen automatisch. Mittlerweile haben sich in der Praxis Formen entwickelt: 1. Holokratie: Holons sind selbständige Einheiten, die mit anderen eine Struktur bilden (etwa 50 Organisationen weltweit). 2. Design Thinking: innovative Geschäftsmodelle. Menschen aus verschiedenen Disziplinen. 3. Scrum: Arbeitsschritte in Phasen zerlegen. Zwei Wochen. Der Scrum-Master überwacht die Regeln. Der Product Owner kümmert sich um die Wünsche des Auftragsgebers. Agile Methoden sollen in alle Funktionen des Unternehmens Eingang finden (Produktion, Marketing, IT, Personal). Agile Methoden haben besondere Vorteile für Innovationsprozesse. Damit das Ende der Patriarchen eingeläutet.

Agile Organisation: Man muss starker Netzwerker sein, um in dieser Organisation voranzukommen ("Lautsprecher" gewinnen). Grübler haben keine Chance mehr.  Animalische Trieben ersetzen oft Regeln. Entscheidungen bleiben offen. Wo Hierarchien ganz fehlen, bleiben Entscheidungen unbearbeitet. Es entwickeln sich wieder Bedürfnisse nach Strukturen.

Agile Chefetage: Um ein wirklich agiles Unternehmen zu schaffen, muss auch ein Topmanagement agile Grundsätze leben. Die Mitglieder des Führungsteams laben mehrere Rollen: System aufbauen, Geschäftsbereiche steuern, Mentoren sein, Krisen entschärfen. Das Topmanagement gewinnt mehr Zeit für Strategieentwicklung. Vgl. Rigny/ Elk/ Berez: Die agile Chefetage, in: HBM Oktober 2020, S. 20ff.

Wann ist Agilität sinnvoll? Unternehmen brauchen einen perfekten Mix aus klassischen und agilen Koordinationsmechanismen. Das Wassermodell zeigt, wie das funktioniert. Mithilfe der Stacey-Matrix können Unternehmen analysieren, in welchem Umfeld sie agieren (einfach, kompliziert, komplex, chaotisch).  Vgl. Heidbrink, Marcus/ Klaussner, Stefan: Wann machen wie zu viel agil? in: HBM Oktober 2020, S. 30ff.

Business Resilience, Business Continuity: Geschäftsprozesse und IT - Umgebungen müssen auf unerwartete Entwicklungen vorbereitet werden. Es geht um das Antizipieren des Unerwarteten. Hierfür sollten Strategien vorliegen. Man teilt in der Regel in drei Bereiche: 1. Cybersecurity/ Cyber-Resilience. 2. Disaster Recovery (DR). 3. Business Continuity Management (BCM). Mittlerweile gibt e seine Reihe von Anbietern in diesen Bereichen.

Notwendigkeit zur Digitalisierung: Jedes Unternehmen muss digitalisieren (Beispiel Gaststätten in der Corona-Pandemie). Jeder muss insofern sein Geschäftsmodell hinterfragen. Wer auf Digitalisierung verzichtet, wird vom Markt verschwinden. Man hat auch immer weniger Ausreden: Im Haupthindernis, der Finanzierung, wird das Angebot immer größer: Eigenmittel, ERP-Digitalisierungsfonds, VC, Zukunftsfonds der Regierung.

Wirtschaftliche Ökosysteme (Win-Win-Win-Formel, faire Partner): 1. Problem: Produkte und Dienstleistungen sind in fast allen Brachen vom Internet abhängig. Viele Unternehmen beschäftigen sich damit, ihre Produkte mit einer Internetverbindung auszustatten. Das reicht jedoch nicht aus, um sich fit für dei Zukunft zu machen. Stattdessen müssen Unternehmen ihr komplettes Geschäftsmodell neu denken. 2. Die neue Gleichung: Managerinnen und Manager müssen übe rdie Grenze ihrer Branche hinausgehen und neue Partnerschaften schließen. Dabei müssen sie berücksichtigen, dass jedes Geschäftsmodell nicht nur ihnen selbst und den Kunden, sondern auch den Partnern in ihrem Ökosystem Mehrwert bringen muss. 3. Das Vorgehen: Unternehmen sollten vier Fragen beantworten: Wer sind die Kunden? Was bieten wir ihnen an? Wie setzen wir unser Angebot um? Warum ist es profitabel? Eine Checkliste aus der Innovationsforschung hilft, die wichtigsten Elemente des Geschäftsmodells zu bestimmen. "Der Point of Sale liegt heute nicht mehr in den Einkaufsstraßen, sondern in den Taschen der Kunden, denn dort sind ihre Smartphones". Vgl. Gassmann, Oliver/ Ferrandina, Fabrizio:  Die Win-Win-Win-Formel, in: HBM Juni 2021, S. 30ff.

Vereinfachte Gesamtstrategie: Die meisten Unternehmen verzetteln sich und entwickeln Dutzende Strategien für jeden Beeich. Besser ist es, sie besinnen sich auf das Wesentliche und vereinfachen ihre Strategie. Ein neues Modell zeigt, wie sich ein echter Mehrwert schaffen lässt - für Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten. Eine wertorientierte Strategie einen ganzheitlichen Blick auf die unzähligen Aktivitäten im unternehmen. Eine strategische Maßnahme ist nur dann sinnvoll, wenn sie mindestens eine der drei folgenden Voraussetzungen erfüllt: Sie schafft einen Mehrwert für die Kunden und erhöht die Zahlungsbereitschaft. Sie schafft Mehrwert für Mitarbeiter, indem sie die Arbeit im unternehmen attraktiver macht. Sie schafft Mehrwert für die Zulieferer, indem sie deren Betriebskosten senkt. Vgl. Oberholzer-Gee, Felix: Weniger ist mehr, in: HBM Oktober 2021, S. 18ff.

 

Digitales Marketing (auch "Data-Driven Marketing"):

"Renommieren ist ein elendes Handwerk", Theodor Fontane, Der Stechlin.

(auch Internetmarketing; dieser Teil ist umfangreicher, weil er oft noch in Lehrbüchern fehlt): Alle Maßnahme im Marketing, die über Computer und Internet ausgeführt werden. Technologien müssen integriert und Strategien angepasst werden. Zunächst muss "eine digitale Reife" entwickelt werden. Das Marketing muss optimal in das Management von Daten eingefügt werden. "Zero Trust" muss bei der Sicherheit das Konzept sein. Es muss eine Verbindung bzw. Schnittstelle zur Industrie 4.0 geben. Im Vordergrund steht "Augmented Reality" als Kombination aus wahrgenommener und vom Computer erzeugter Realität. Das Netzwerk der "Quantified Self" muss genutzt werden. Fog-Computing wird Cloud-Computing ablösen. Digitales Marketing heißt auch direkter Kundenkontakt, Produkt- und Serviceinnovation, Unternehmen 3.0 (Effizienzsteigerung entlang der Wertschöpfungskette). Die Aktivitäten im Digitalen Marketing sind entweder sichtbar oder unsichtbar. Sichtbar sind z. B. Internetauftritt, E-Commerce, Online-PR. Nicht sichtbar ist Suchmaschinen-Marketing, Suchmaschinen-Optimierung, Auswertung des Nutzungsverhaltens. Vgl. H. Ahlf: Digitales Marketing, in: WISU 1/2016, S. 49f. IT-Technik formt aber auch den Point of Sale der Zukunft. Im Einzelnen umfasst digitales Marketing folgende Elemente: Echtzeit-Transaktionen (Technologieprogramm für Werbekampagnen), Big Data (siehe folgenden Artikel), Datenanalyse, Mobile Technologie, Datenspeicherung, Social Media, Verfolgung (Schritte der Kunden bei ihren Internetaktivitäten und beim Kaufprozess).

Systematik des digitalen Marketings: Einteilungen sind möglich nach dem Wirkungsbereich, den Märkten, den Phasen, den Instrumenten und den Technologien. Häufig wird auch nach Schwerpunkten mit besonderer Bedeutung gegliedert: Social Media, Content Marketing, Personalisiertes Marketing, Marketing-Automation, Influencer-Marketing und Native Advertising.

Digitales Marketing als Antwort auf eine digitale Gesellschaft: Die Gesellschaft digitalisiert sich. Dann haben auch moderne Kunden neue Erwartungen. Diese richten sich auf die Eigenschaften "digital, serviceorientiert und interaktiv". Die digitalen Generationen sind Kunde, Mitarbeiter, Partner. Entscheider sind auf jeder Ebene: Personalstrukturen müssen neu gedacht werden. Kommunikation sollte auf Augenhöhe sein (schnell und bidirektional). Kooperation ersetzt Konkurrenz. Kundenbindung wird durch Begleitung erreicht. Vgl. Spancken, Christian: Digital Denken statt Umsatz verschenken. Online-Strategien für den Mittelstand, Berlin (Econ) 2018, S. 25ff.

Digitale Prozesse: Digitale Prozesse bestehen aus fünf Bausteinen: 1. Infrastruktur. Dafür braucht man vor allem gute Netze (Highspeed-Internet, Breitband). 2. In Europa fehlen die Basisunternehmen wie in den USA Apple, Google, Amazon. Die europäische Industriepolitik müsste vorhandene Unternehmen strategisch unterstützen. 3. Big Data muss ausreichend installiert werden und funktionieren. 4. Der Arbeitsmarkt muss eine ausreichende Flexibilität aufweisen, um sich zu wandeln. 5. Ein transatlantisches Datenschutzabkommen wäre sinnvoll. Vgl. Ries, Florian: Die Digitalisierung in fünf Fakten, in: bdvb aktuell, Nr. 131, S. 20f. Auch Unternehmensprozesse laufen zunehmend digital ab. Dazu gehören digitale, elektronische Rechnungen, digitale Verträge, digitales Personalmanagement, digitales Marketing (direkter Kundenkontakt, Produkt- und Serviceinnovation, Unternehmen 3.0) . "Ohne ausgebildete Fachkräfte und den tatkräftigen Einsatz Tausender, besser Hunderttausender unternehmerisch denkender kluger Köpfe in unserem Land werden wir den Wettbewerb um die digitalen Märkte der Zukunft nicht gewinnen können", Winfried Kretschmann, Ministerpräsident BW.

Marketing 4.0: Ein anderer Begriff für digitales Marketing. Die Betonung liegt aber auf der Kombination von Online- und Offline - Interaktionen, also um die Integration von klassischem und digitalen Marketing. Nach Kotler sollen die Ebenen Engagement, Experience und Enjoyment erreicht werden mit Aware, Appeal, Ask, Act und Advocate. Ziel soll WOW sein. Vgl. Kotler u. a.: Marketing 4.0, Frankfurt/ New York 2017, S. 59ff.

Digitale Marktstrategie: Digitales ändert alles. 1. Kundennutzen muss neu gedacht werden. Produkte und Dienstleistungen werden individualisiert. Ein digitaler Prozess hin zum Kunden setzt auf Einfachheit und Kundenerlebnis (Simplification/ Experience). Im Business-to-Business-Bereich ist Fernwartung möglich. 2. Wertschöpfung kann neu definiert werden. Wertschöpfungsketten können digitalisiert und automatisiert werden. 3. Market making neu denken. Verbindung industrieller Plattformen mit industrieller Wertschöpfung. Vgl. Thomas Hutzschenreuter, TU München in: FAZ 269, Mo. 20.11.2017, S. 18.

10 häufigsten Fehler beim digitalen Marketing: 1. Sich auf Endbenutzer statt auf Angebote konzentrieren. 2. Nicht die Kunden ansprechen. 3. Von potentiellen Kunden zu früh zu viel verlangen. 4. Nicht für Webseitenbesucher zahlen wollen. 5. Zu sehr auf das Produkt ausgerichtet sein. 6. Die falschen Kennzahlen verfolgen. 7. Seine Medieninhalte bei Dritten parken. 8. Bei Inhalten auf Quantität statt auf Qualität zu achten. 9. Marketingziele und Vertriebsziele nicht in Einklang bringen. 10. Sich ablenken lassen. Siehe  Ryan Deiss/ Russ Henneberry: Digitales Marketing, Weinheim 2018, S. 325ff.

Elemente eines digitalen Marketings: 1. Ganzheitlich: Pricing - der Preis ist variabel. Place - der Ort ist überall.  Produkt - Gesamtbild soll stimmen. 2. Strategisch: Branding vs. Performance - Ziele und Zielgruppe bestimmen, Maßnahmen wählen. Kommunikation statt Werbung.  3. Kundenfokussiert: Jeden Kunden im richtigen Moment abholen, begeistern, binden. Suchmaschinen als kommunikative Spielwiese. Vgl. Spancken, Christian: Digital Denken statt Umsatz verschenken. Online-Strategien für den Mittelstand, Berlin (Econ) 2018, S. 25ff.

E-Business: E-Communication, E-Entertainment, E-Education, E-Commerce, E-Collaboration.

Agile IT: Menschen reden miteinander, die früher Nichts miteinander zu tun hatten. Die IT muss heute die schnelle Umsetzbarkeit abbilden. Die IT wird zum Enabler. Sie eröffnet auch neue Flexibilitätsräume. Vgl. Carsten Hentrich/ Michael Pachmajer: d.quarks, Hamburg (Murmann), S. 25ff.

Social Listening: Überwachung des Social-Web und Kümmern um Kundendienstfragen und Problemen im Online-Reputations-Management, die dort auftauchen. Reputation muss gepflegt werden, Kundenabwanderung sollte reduziert werden, Produktlücken sollten ermittelt werden, ebenso Content Gaps. 

Search Engine Optimization (SEO): 1. Content. 2. Backlinks. 3. Click-Through Rate. 4. Keywords. 5. Externe Links. 6. Textstruktur und Multimedialität. 7. Mobile friendly. 8. URL. Vgl. Specht, P.: Die 50 wichtigsten Themen der Digitalisierung, München 2019, S. 119ff.

Brücke zwischen digitaler und physischer Realität (Augmented Reality, AR): Neue Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Es verändert die Wertschöpfung von Unternehmen: Produktion, Personalentwicklung, Kundenkontakt. Technik: Mithilfe erweiterter Realität können digitale Bilder und Daten auf reale Gegenstände projiziert werden. Dadurch werden Daten direkt in den Kontext gestellt, in dem wir sie brauen. Dadurch können Informationen besser als Handlungsgrundlage genutzt werden. AR kann visualisieren, anweisen bzw. anleiten und auch interagieren. Vgl. Michael E. Porter, James E. Heppelmann: Eine Brücke zwischen Digitaler und Physischer Welt, in: HBM, Februar 2018, S. 20ff.

Crowd: Wenn Unternehmen im Internet die Konsumenten über Produktideen abstimmen lassen. doch die Beziehungen der Teilnehmer untereinander, die schwer zu kontrollieren sind, verfälschen die Ergebnisse. Deshalb sollte man nicht sein ganzes Vertrauen in eine Crowd stecken.

Zum Inbound-Marketing gehören Blogs, Social-Media-Marketing und Suchmaschinenoptimierung. Vgl. BWL Kompakt. Der visuelle Crashkurs, München 2016, S. 210ff. Inbound-Marketing ermöglicht mehr Leads. Die Marketing-Aktivitäten werden auf einer Plattform gebündelt. Eine optimale Abstimmung von Vertrieb und Marketing ist möglich. Insgesamt kann die Marketing-Strategie optimiert werden.

Wandel der Kunde-Unternehmensbeziehung in der Digitalisierung: Mit dem Aufstieg der Social-Media-Plattformen tauschen sich Menschen untereinander stärker über Produkte aus. Marketingfachleute müssen kanalübergreifend kommunizieren und mit positiven und negativen Botschaften über ihre Marken umgehen können. Sie müssen bedeutungsvollere Beziehungen zum Kunden aufbauen. Big Data und künstliche Intelligenz müssen integriert werden. Kommunikation und Produkte werden immer mehr personalisiert. Insgesamt findet eine Machtverschiebung zum vernetzten Kunden statt. Marketing wird horizontal (F-Faktor: Freunde, Familie, Fans, Follower), inklusiv (weniger Barrieren, mehr Kopperationen)  und stärker sozial (soziales Umfeld, auch im Netz).

Paradoxien beim vernetzten Verbraucher: 1. Online- und Offline - Interaktion. 2. Informierter und abgelenkter Kunde. 3. Negative und positive Empfehlung. Das veränderte Umfeld in der digitalen Welt schafft diese Paradoxien. Vgl. Kotler u.a.: Marketing 4.0, Frankfurt/ New York 2017, S. 43f.

Customer Touch Points: Berührungspunkte zwischen Unternehmen und Kunden. Kunden beschaffen sich Informationen über die Kontaktpunkte. Am Ende steht die "Customer Experience". Die Anzahl der Punkte steigt rapide durch die Digitalisierung.

Beacons: Kleine Sender, die per Bluetooth - Technologie Nachrichten an Smartphones senden können. Sie werden heute verstärkt für Shop Analytics und Retargeting eingesetzt. die eigentliche Ansprache findet schon außerhalb des Geschäftes statt.  Das Nutzungsszenario ist hauptsächlich im Handel. Aber auch außerhalb kann man die Technik einsetzen (Kreuzfahrtschiffe, Gebäudemanagement)..

Kooperation zwischen Marketing und IT (CMO und CIO): Marketingfachleute und IT - Spezialisten müssen in Zukunft eng zusammenarbeiten. Einerseits weitet das Marketing seine Aktivitäten auf Websites, mobile Geräte, soziale Medien und E-Mail aus, andererseits muss die IT dafür eine funktionierende Infrastruktur bereitstellen. Die Grenzen der Verantwortungsbereiche werden unschärfer. Beide müssen daher auf gemeinsame Zielgrößen ausgerichtet werden. Daher sollten Boni nur an Ziele geknüpft werden, die beide gleichzeitig erreichen können. Vgl. CMO und CMI: die Powerpartnerschaft, in: Harvard Business Manager, September 2017, S. 32ff.

Content-Marketing: Kommunikation im Online-Zeitalter. Es geht um die spezifische Gestaltung der Kommunikationspolitik eines Unternehmens. Durch überzeugende Geschichten sollen Gespräche in Gang gebracht werden. Kern ist, den Zielpersonen und Zielgruppen informierende, beratende und unterhaltende Inhalte zu präsentieren, die häufig nur einen indirekten Bezug zum Leistungsangebot des kommunizierenden Unternehmens haben (nützliche Inhalte statt Wertversprechen). Kanäle des Content-Marketings sind die Quadranten "Unterhalten", "Inspirieren", "Bilden" und "Überzeugen". Vgl. Kreutzer, r. T.: Content-Marketing. Buzzword oder Erfolgsstrategie? in: WiSt, Heft 5/ 2016, S. 263ff. Ein anderer Begriff für diesen Sachverhalt ist  Journalismus-Marketing: Unternehmen jagen mit als Nachrichten getarnten Internetseiten nach Kunden. Nebenbei werden Daten über den Alltag der Kunden gesammelt. Den Nutzern werden unterhaltsame und informative Inhalte geboten. Es ist keine neue Erfindung. Eine der ältesten Beispiele ist der Guide Michelin. Heutige Formen sind meist Internet basiert (Blogs, Whitepaper, Tweets, Posts). Insofern ist es also datengesteuert. In einer weiten Interpretation ist dies Content Marketing an sich. Kein Wunder also, dass nach einer Studie 2016 (Oracle) 77% aller Unternehmen ihr Budget aufstocken wollen. Das Grundproblem von Content-Marketing sind viele Inhalte, aber keine Aufmerksamkeit ("digitales Nirwana"). "Republishing" kann dagegen helfen.

Ziel, Instrumente und Inhalte des Content-Marketing: Ziel ist es, aus potentiellen Kunden Kunden machen. Instrumente sind die Bekanntheit, die Evaluierung (Bewertung der Kunden) und die Konversion (kaufen oder nicht kaufen). Inhalte können sein: Blogs, Webinare, You Tube-Videos, Events, Produktvergleiche, Aussagen zufriedener Kunden.

Engagement-Marketing: Einbeziehung der Kunden bei der Entwicklung einer Marke. Kunden sollen ihre Meinung mitteilen und sich so der Marke näher fühlen. Wichtige Hilfsmittel sind Handy - Apps, Social CRM und Gamification. So kann die digitale Erfahrung optimiert werden und eine Markenaffinität erzeugt werden. .

Digitale Markenführung: Sie zerfällt in einzelne Disziplinen: Markenbotschaft im Netz (Wiedererkennungwert, Verlinkung), Kommunikation mit dem Kunden im Netz (Benutzerfreundlichkeit, Inhalt, vor allem Schnelligkeit), Nutzwert im Netz, Einsatz von Online-Trends (Innovationsfreude). Besonders Unternehmen, die ihre Kunden für sich einspannen, sind erfolgreich (Bewertungen, Kooperation in der Produktentwicklung, Inhalte weitergeben).

Plattformstrategie: Plattformunternehmen bringen Produzenten und Konsumenten zusammen. Die größten Werte einer Plattform sind ihre "Community" und die Ressourcen der Mitglieder. Der Schwerpunkt verlagert sich vom Kontrollieren zum Organisieren von Ressourcen. Externe Interaktionen müssen Vorrang vor dem Optimieren interner Prozesse haben. Nicht nur Kundenwert, sondern der Wert des gesamten Ökosystems (gemeint ist das Umfeld) soll gesteigert werden. Traditionelle KMU müssen versuchen, Plattformen anzubieten und damit verbundene neue Strategien lernen. Konkurrenten können sehr leicht aus fremden Branchen auftauchen. KMU sollten intelligent entscheiden, wen sie auf die Plattform lassen und was die Teilnehmer dort tun dürfen. Mit neuen Kennzahlen sollten die Interaktionen überwacht werden. Das Grund-Modell eines Plattformunternehmens sieht also wie folgt aus: Produzenten, also KMU,  sind in der Regel die Urheber der Plattform. Sie verbinden sich mit Konsumenten, die kaufen und nutzen wollen. Wichtig ist die Infrastruktur: Mobilfunkgeräte ermöglichen die Plattform. Inhaber der geistigen Eigentumsrechte und die Entscheider über den Zugang und die Nutzung der Plattform müssen sich ausreichend absichern. Vgl. O. V.: Plattform statt Pipeline, in: Harvard Business Manager, Juni 2016, S. 23ff.

Homo ludens: Der durch das Spiel sich entwickelnde Mensch. Diese Sichtweise ist nicht neu (Schiller: "der Mensch ist nur ganz Mensch, wo er spielt"). Die Digitalisierung fördert dieses Menschenbild wieder. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Spielen die primäre Kulturtechnik ist und er wichtigste Grund für Gesellschaften (das wusste schon Niklas Luhmann:  Art der Kommunikation). Heute spricht man von einer Weltgesellschaft, die in ihrer Komplexität noch nicht ausreichend erforscht ist. Das Spielerische in der digitalen Welt kann motivieren. Man spricht auch von einem Trend zur "Gamifizierung". Vgl. Manouchehr Shamsrizi, Interview in: bdvb aktuell, Nr. 137, S. 6f.

Big Data: Entweder absolute Größe der Daten oder Wachstumsrate. Es könnte die größte Veränderung im Marketing sein seit dem Internet. Es geht um das Sammeln von Kundendaten, die Auswertung in Systemen und die zielgenaue Kundenansprachen daraufhin. Gemeint sind auch Applikationen auf mobilen Geräten (Handys). So wird der Wettbewerbsvorteil über die Datennutzung definiert. "Customer-Journey" heißt die Reise zum Verkauf und Vertrieb auch. Big Data läuft in mehreren Phasen ab: 1. Assessment: Potentiale für den Einsatz von Big-Data-Methoden; 2. Readiness: erforderliche Hardware- und Software-Infrastruktur und entsprechende Kompetenzen; 3. Implementierung und Integration: Verbindung mit vorhandenen Datenquellen; 4. Reporting und Predictive Analytics: Optimierung der Reporting-Prozesse und evtl. Prognose. Bestandteile von Big Data sind die Datenmenge (Volumen), die Datenvielfalt, die Geschwindigkeit und Analytics. Insgesamt werden die Menschen immer mehr vermessen (Werbung, Shoppen, Onlinehandel, Kreditwesen, Reisen, Gesundheit, Lebensplanung u. a.), um Verhalten vorherzusagen. Die Frage ist, wie die einzelnen Menschen ihre Freiheit schützen können.  "Wer aus Daten die richtigen Schlüsse zieht, hat die Macht", com professional 11/2014, S. 3. "Die Daten über unser Verhalten explodieren", Susan Athey, Stanford. 2015 entbrennt über die Daten der Autofahrer ein heftiger Verteilungskampf. die Autofirmen wollen ihre Märkte sichern. Internetkonzerne wollen werben. Versicherungen wollen bessere Tarife entwickeln. "Datenorientierung darf nicht auf Kosten der Kreativität gehen", Philip Kotler, in: HBM, September 2017, S. 50. Die Totalüberwachung in China soll auch im Marketing genutzt werden. Die Gesichtserkennung ist weit verbreitet. Alibaba will die Technik im Handel nutzen.

Einteilung von Big Data: 1. Datenmenge (Volume). 2. Datenvielfalt (Variety). 3. Datengenerierung, Geschwindigkeit (Velocity). 4. Erkennen von Zusammenhängen (Analytics, Muster, Vorhersagemodelle).

Data Science für Nichtprogrammierer: Selfservice - Plattformen sollen selbst anspruchsvolle Big - Data - Analysen bewältigen. Es gibt eine Reihe von Data Science Tools. Dazu gehören RapidMiner, DataRobot, Driverless AI. BigML. Vgl. com!professional 12/2018, S. 80ff.

Roadmap für KMU bei Big Data: Beginnen mit kleinen Projekten. eindeutige Definition der Ziele. Zuerst kostengünstige Tools. Am Anfang keine weit reichenden strategischen Entscheidungen aufgrund von Big Data treffen. Aufbau von eignem Know- how.

Algorithmus: Eine Formel: Wenn A eintritt, verhalte dich so - tritt B ein, verhalte dich so. Ein Algorithmus kann auch lernen und die richtigen Antworten geben. Er kann aber den Sinn nicht verstehen und die Bedeutung erkennen. In jedem Falle fehlt ihm die wichtige Komponente Empathie. Trotzdem sind die Menschen, die die Algorithmen schreiben, die Schwachstelle.

Algokratie: Herrschaft der Algorithmen durch künstliche Intelligenz. Nutzer werden ausgespäht und damit Entscheidungsmöglichkeiten entzogen.

Online-Marketing: Die Kampagnen werden mit Software überwacht und analysiert. Dazu können gehören Content Marketing (vgl. Artikel oben), soziale und mobile Plattformen (vgl. Artikel unten), Marketing-Software, Website-Architektur, Programmierung, Daten und Analyse, IT-Operations (siehe oben).

Agile Marktforschung (Online-Marketing): Marktforschung der Online-Shops. Diese Methode hat viele Vorteile: Gute Datenqualität, echte Repräsentativität, Dialog und Feedback, Schnelligkeit, Reporting.

Marketing mit Daten: Das traditionelle Marketing muss einem Change - Management - Prozess unterworfen werden. Optimal verknüpft werden müssen der Datenbestand, führende Technologien, die Marketing-Effizienz und das Team bzw. die Organisation. Das kostet Zeit, Geld und Geduld. Vgl. Katharina Meran: Das Marketing mit Daten erfordert ein umdenken, in: com!professional 4/2017, S. 34ff.

Marketing-Automation: Kundendaten können automatisch analysiert und genutzt werden. Individuelles Einkaufverhalten kann personalisiert werden. Rabattangebote können auf zögerliche Käufer zugeschnitten werden. Kunden können gezielt Chat-Fenster angeboten werden. Käufe können auf Social Media gepostet werden. Die voraussichtliche Warenkorbgröße kann vorausgesagt werden.

Tools zur Datenvisualisierung: Easelly, CARTO, Infogram, Tableau Online, Qlik Sense.

Tracking-Software: 77,4% der Webseiten (page loads) werden getrackt. Gostery hat dafür 850.000 Nutzer aus mehr als 20 Ländern untersucht. Ganz vorne ist Google vor Facebook.

Retargeting: Der Kunde hat im Oneline - Shop einen Besuch ohne Kauf gemacht. Beim nächsten Besuch erscheint Werbung in Bezug zu dem ursprünglich gesuchten Gut (Wiedererkennungseffekt).

Marketing-Cloud-Lösungen ("Marketing-Wolke"): Die IT-Riesen Adobe, Salesforce und Oracle bieten Lösungen an. Für KMU sind mögliche Alternativen Marketo, Experian und Hubspot.

Insights Engine; Consumer and Market Insights (CMI): Neue Konzeption für Aufbau und Funktionsweise der Marktforschung im Unternehmen. Sie schafft es, über die reine Datenerhebung hinaus echte Erkenntnisse zu liefern: "Dank der engen Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, dem innovativen Einsatz neuer Technologien und einer ganzheitlichen Mentalität, die kreatives und analytisches Denken in Einklang bringt", s. Frank van den Driest, Stan Sthanunathan, Keith Weed: So werden aus Daten Erkenntnisse, in: Harvard Business Manager Oktober 2016, S. 47. Insights Engine integriert Datenquellen, Innovationsinput, Maßnahmen und betriebliche Kapazitäten.

Data Analytics: Descriptive Analytics (What happened?). Diagnostic Analytics (Why did it happen?). Predictive Analytics (What will happen?). Prescriptive Analytics (How can we make it happen?) Die Schwierigkeit steigt mit den letzteren Verfahren, da sie die Zukunft im Auge haben.

Predictive Analysis: Auf Grundlage von Mustern aus historischen Daten werden zukünftige Ereignisse vorausgesagt. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass sich Muster wiederholen. Ziel ist die Optimierung (direkte Verarbeitung von Daten, um eine optimale Durchführung zu erreichen). Vielleicht können Zahlen irgendwann das Bauchgefühl ersetzen (ich selbst glaube nicht daran, weil die Annahme kühn ist). Knackpunkte sind Business Case, Datenqualität und Umsetzung. Die Methode kann auch zur Findung des idealen Preises eingesetzt werden. So optimiert die Methode Warenverfügbarkeit und Preise bei Otto.de .

Retail Analytics: Dient dazu, möglichst viel über die Kunden und ihre Wünsche herauszufinden. Bei Online-Shops gehört die Analyse von Besucherströmen zum Alltag. Insofern ist Webseiten-Analyse das Vorbild.  

Chatbots: Ein Chatbot (to chat=unterhalten, bot=Robot) ist ein Computerprogramm, das einen menschlichen Gesprächspartner simulieren kann. Sie können heute auch gesprochene Sprache verstehen. Sie werden daher auch kognitive oder virtuelle Assistenten genannt. Künstliche Intelligenz (KI) macht die Chatbots also immer schlauer (24-Stunden-Service, Schnelle Antworten auf einfache Fragen, sofortige Reaktion, effizientes Beschwerdemanagement). Damit werden sie Märkte und Marktteilnehmer in Zukunft verändern. Mittlerweile werden auch immer mehr Frameworks (Baukästen) für Chatbots entwickelt und angeboten. Die großen Anbieter sind Amazon, Facebook, Google und Microsoft. Chatbots kann dem Menschen Routine-Aufgaben abnehmen und dadurch Kosten sparen helfen.  Microsoft machte im März 2016 ein Experiment: Ein Sprachcomputer mit künstlicher Intelligenz sollte auf Twitter Sprechen lernen. Nutzer brachten der Maschine rassistische Antworten bei. Für die Medien ein gefundenes Fressen. Das Suchinteresse verzehnfachte sich. Die BA verwendet einen Chatbot als Berufstest. "Bis Menschen Dialoge mit Maschinen führen können, vergehen noch Jahre", T. Wingenter, Leiter Digital Innovations, Lufthansa.

Chatbots - Einsatz: Chatsbots müssen funktionieren und dem Kunden weiterhelfen. Wenn Chatbots gut gemacht sind, erhöhen sie die Kundenbindung. Es gibt fünf Gründe für Chatbots: Beitrag zum Verkaufserfolg, wertvolle Insights, Abbau von Komplexität, Ständig rund um die Uhr erreichbar, Zeit und Geld. Vgl. com!professional 12/2018, S. 64ff.

Growth-Hacking: Marketing im Internet mit minimalen Kosten, wie etwa die Nutzung der sozialen Medien zur Absatzförderung.

Hype: Entstehen neuer Trends im Internet durch Disruption. Der Google Trend Index zeigt das Suchinteresse von bestimmten Begriffen. Durch ein abruptes Ansteigen des Suchinteresses entstehen auch Geschäftsmodelle.

Startup THE SAAS CO.: In Berlin. Vertriebs - Bot für den Posteingang. Künstliche Intelligenz schafft einen Assistenten, der neue Kunden automatisch aufspürt. Lisa: Learning Intelligent Sales Agent.

Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR), Mixed Reality (MR): Alle diese Verfahren dürften Marketing und Vertrieb revolutionieren. Die Kunden können das Produkt ihrer Wahl intensiv erfahren (Auto, Haus, Schiff u. a. ) und emotionalisiert werden. Auch Konstruktionsmängel oder unpraktische Details können erkannt werden. Einige Unternehmen setzen die Elemente schon erfolgreich ein (Ikea, Lego, DER Touristik). In der Reisebranche wird sich diese Technik sicher weit verbreiten. Dadurch kann mehr Umsatz erzielt werden. Bei Virtuel Reality unterscheidet man zwischen 360-Grad-Videos und "echten" VR-Welten. Augmented Reality (AR) ist eine Kombination aus wahrgenommener und vom Computer erzeugten Realität. In ein Displaybild werden zusätzliche Informationen und virtuelle 3D-Objekte eingeblendet. Virtual Reality wird in folgenden Bereichen zunehmend eingesetzt: Planung und Projektierung von Gebäuden, virtuelle Inbetriebnahme von Produktionsanlagen, Produktdesign, Medizin, Fortbildung, Bildung, Forschung, Marketing und Vertrieb, Dienstleistung. Zunehmend wird Virtual Reality auch in Meetings eingesetzt.

Assisted, Augmented und Mixed Reality: Bei Assisted Reality werden Zusatzinformationen, die einen Vorgang unterstützen und vereinfachen, am Rande des Sichtfeldes transparent eingeblendet. Beispiele sind die Head-up-Displays mancher Navigations- und Assistenzsysteme, die Informationen auf die Windschutzscheibe in die periphere Sicht des Fahrers projizieren. Augmented Reality geht einen Schritt weiter und blendet computergenerierte 3D-Welten statt dürrer Zahlen oder einfacher Symbole in die reale Umgebung ein. Die echte Realität wird um virtuelle erweitert. Die Mischung aus virtuellen und physischen Komponenten bezeichnet man als Mixed Reality, es sind also VR-Anwendungen. AR hat ein großes Potential, vielleicht wie von Smartphones. Alle wichtigen IT - Firmen arbeiten daran (Apple, Google, Microsoft, Amazon, Facebook). Im Marketing wird die Technik zunehmend eingesetzt werden (Möbel in 3-D, Häuser besichtigen beim Makler, Produktansicht und -probe, weniger Retouren). Es funktioniert 2021 schon in Google Maps (man läuft einem Fuchs nach). Es könnte irgendwann so weit kommen, dass gewohnte Hardware ganz wegfällt (z. B. Fernseher, Computer-Bildschirm).

Extented Reality (XR): Umfasst AR, VR und MR zusammen. 2024 rechnet man mit einer Größe des Marktes von 800 Millionen Euro (Vervierfachung gegenüber 2020). Bei VR hat man dann keine Realität. Bei AR ist Realität da. Bei Mixed Reality  wird in die Realität integriert. Genaueres siehe oben.

Datenbrillen: Man unterscheidet zwischen Monokularen Datenbrillen für Assisted Reality und Binokularen Datenbrillen für Assisted/Augmented)Mixed Reality. Hersteller ersterer sind z. B. Vuziz, Telepathy, Google und Fujitsu. Letztere kommen z. B. von Epson, ODG oder anderen. Die Hololens von Microsoft hat eine Sonderstellung. Windows Mixed Reality ist eine durchgängige Plattform zur Erstellung und Nutzung von Mixed-Realty-Anwendungen. Wahrscheinlich ist Microsoft mit der Hololens 2021 am weitesten. Apple versucht, aufzuholen (von anderen zu lernen ist grundsätzlich die Strategie von Apple, zusätzlich werden Experten abgeworben und Start-ups gekauft).

Internetnetzwerke (soziale Netzwerke, Social Media): Soziale Netzwerke im Internet sind Plattformen, in denen man sich mit Freunden, Bekannten, Kollegen, Kunden u. a. verständigen kann. Jede zweite mittelständische Firma ist in sozialen Netzwerken im Internet aktiv. Am beliebtesten sind Facebook, Xing, You Tube und Twitter. Daneben gibt es u. a. noch LinkedIn und Google+. Besonders für Dienstleistungsunternehmen sind die Netzwerke interessant, weil sie auch kostenlos sind. Bei den großen Unternehmen ist es eine etablierte Marketing-Methode. Soziale Netzwerke sind zwar eine ideale, kostengünstige Methode, aber es gelingt vielen KMU noch nicht, die Vorteile zu nutzen. Es bestehen große Defizite beim Controlling der Aktivitäten.  58% der deutschen KMU sind in sozialen Netzwerken vertreten (2014). Bei Großunternehmen sind es mit 81% deutlich mehr. 32% der kleineren Firmen prüfen, welchen Erfolg sie mit Social Media haben. 5% sind reine Karteileichen.

Service via Social Media (für vernetzte Kunden): Digitale Kunden stellen zunehmende Ansprüche an den Service. sie erwarten, dass Facebook, Video, Chat in die Beratung einbezogen werden. Man spricht von Cross-Channel-Konzepten. Schon 86% der Kunden nutzen fünf oder mehr Support-Kanäle. Die größten Hürden für die Unternehmen liegen in der technischen Einbindung.

Produktplatzierung bei Online-Händlern: Dazu muss man die Marktplatzoptimierung (MPO) bei den führenden Händlern kennen und studieren. Produktmittel und Produktmerkmale müssen richtig eingesetzt werden. Die Ranking-Faktoren müssen erforscht werden. Allgemeine Schlüsselwörter sind wichtig.

E-Commerce: Elektronischer Handel, Internethandel oder Onlinehandel genannt. Das Handelsgeschäft wird zwischen Wirtschaftssubjekten über ein computergestütztes, elektronisches Medium abgewickelt. Eine Sonderform ist M - Commerce, wenn das Geschäft über Handy oder Tablet - PC abgeschlossen wird. Weltweit dominierend sind Anbieter aus den USA wie Amazon und Ebay. Die chinesischen Unternehmen wie Alibaba, Jingdong Mall holen auf. In China ist mittlerweile der führende Online-Sales-Market (2015 Waren für 590 Mrd. Dollar). E-Commerce steht in engem Zusammenhang mit Online-Payment-Systemen, Social Media und Cross-Border E-Commerce.

Webshop: Teil einer Plattform oder Homepage. Sozusagen eine kleine E - Commerce - Lösung. Angebotssortiment, Bestellungen und Buchungen.

Shopsoftware für kleine und mittlere Unternehmen: Cosmoshop, ePages, Gambio, Magento, Oxid eSales, Prestashop, Shopware, Websale.

Kundenbindungsprogramme im E-Commerce: Bonuspunkte (Gratispunkte), Cashback, Preisnachlass,  ohne Versandkosten.

Influencer: Von engl. "influence" - beeinflussen. Ursprung der Idee ist eine alte soziologische Studie: Paul F. Lazarsfeld, The People´s Choice, 1940. Er zeigte, das die Mehrheit der Wähler stark von Meinungsführern beeinflusst wurde (Opinion Leader, Multiplikatoren). Seit 2007 im Marketing durch das Buch von Paul Gillin, The New Influence. Quill Driver, Fresco 2007. Als Ursprung gilt folgendes Buch eines amerikanischen Psychologen: Robert Cialdini, Influence, Science und Practice, 2001. Das Konzept der Multiplikatoren wird auf Social Media übertragen. Es handelt sich um Personen, die aufgrund einer starken Präsens oder eines hohen Ansehens in den sozialen Netzwerken des kommerziellen Internets (Facebook, Twitter, You Tube, Instagram) großen Einfluss haben. Es geht also um Kooperationen mit Social-Media-Stars. Cialdini nennt unter anderem folgende Einflussfaktoren: soziale Autorität, Vertrauenswürdigkeit, Hingabe, konsistentes Verhalten. Eine Theorie komplexer Netzwerke ist in der Psychologie erst in der Entwicklung. Grundlage der Influencer sind "Relevance", "Resonance" und "Reach". Übernehmen bekannte Politiker oder Sportler die Rolle spricht man von Celebrity Branding. Ein empirisches Maß für die Bedeutung eines Influencer ist die Zahl der Follower. Stars wie Cameron Dallas haben 2017 ca. 35 Mio. Follower (Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter). Einige Firmen starten Werbekampagnen mit ihnen (z. B. Calvin Klein). Einige Influencer vermarkten sich selbst über You Tube, auch mit eigenem Logo. Mittlerweile gehören Influencer zu den Großverdienern der Werbeindustrie. Man unterscheidet danach in Medi- und Micro-Influencer. Der Branchenverband Bitkom ermittelt 2017, dass immer mehr Online-Käufer Empfehlungen von Internet Meinungsführern folgen. Dazu gehören Blogger und Youtuber. 70 Prozent der Kunden seien aber enttäuscht. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Agenturen in Deutschland (z. B. Buzzbird, Divimore, Mediakraft,Pulse Group). Influencer schreiben auch zunehmend Bücher (Paola Maria, Pamela Reif, Paluten). Im Februar 2019 beginnt ein wichtiger Prozess gegen Cathy Hummels. Es geht um den Vorwurf unlautere Werbung ("Schleichwerbung"). Grundsätzlich geht es um den Rahmen von Influencern (in diesem Fall bei Instagram). Ein Star ist die Kölnerin Bianca Heinicke, genannt Bibi, mit eigenen Youtube-Kanal. Er heißt "Bibis Beauty Palace" und hat mehr als vier Millionen Abonnenten. Er erreicht eine passgenaue Zielgruppe. Damit ist Bibi selbst zur Marke geworden. Weiterhin sehr bekannt ist Leonie Hanne. Sie postet vor allem auf Instagram. Sie bekommt 2017  6000 US-Dollar für einen Marken-Post (Quelle: Statista). Werbe-Ikone ist auch Caro Daur. Einer der wenigen erfolgreichen Männer ist Flying Uwe aus Hamburg (Körper und Fitness). 2017 gerät das Geschäfts-Modell in Verruf. Es wird bekannt, wie leicht Follower zu kaufen sind (Dienstleister aus den USA arbeiten mit Bots). Außerdem werden die Blogs auch von Abmahnvereinen und Steuerfahndern gelesen, die für Ärger sorgen. Vgl. zu Daten über Influencer Handelsblatt, Montag, 21. August 2017, S. 24f. "Ich gucke mir einen Influencer an und denke: So eine Dumpfbacke. Warum macht der so einen Alarm?", Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins. Der Bundesgerichtshof entscheidet im September 2021, dass der Werbehinweis bei Influencern nicht zwingend ist. Influencer - Werbung muss nicht gekennzeichnet sein.

Unterschied zwischen Werbung und Produktplatzierung: Spielt bei der Einschätzung von Influencer-Marketing eine große Rolle. Produktplatzierung liegt vor, wenn ein Produkt kostenlos zur Verfügung gestellt wird, damit der Influencer dieses in seine Posts oder Videos einbauen kann. Der Influencer unterliegt anders als bei Werbung keinen inhaltlichen Vorgaben. Deshalb muss das Post auch nicht als Werbung gekennzeichnet werden. Zunehmend tauchen Influencer auch auf Festivals auf (Musikfestivals). Sie nutzen diese als Bühne im Auftrag von Unternehmen. Das ist wieder Product Placement ("Marketing im Matsch").

Instagram: Momentan (2017) die effektivste Plattform für Likes und Shares. Die durchschnittliche Interaktionsrate ist am höchsten. Die visuelle Komponente ist sehr wichtig. Somit handelt es sich um den führenden Kanal.

Whats App Business als Marketing-Kanal für kleinere Firmen: Facebook will seinen Messenger-Dienst als Marketing-Tool für KMU etablieren. Firmen können sich ab 2018 auf dem Business-Account präsentieren. Eine Einwilligung der Kunden ist erforderlich.

Enterprise Marketing Management mit IT - Tools (integrierte Lösungen): Mittlerweile gibt es eine Reihe von Anbietern und Lösungen. Als Beispiele seien genannt: Adobe Marketing Cloud, IBM Unica, Microsoft Dynamics CRM 2015, Oracle Marketing Cloud, Salesforce Marketing Cloud. Die Konzepte unterscheiden sich durch ihre Preise, kostenlose Testversion, maximale Nutzer, Erfassung und Anwenderunterstützung.

Künstliche Intelligenz (engl. Artifical Intelligence): Computer können viele Aufgaben vereinfachen. Für die Menschen ergeben sich viele Konsequenzen. Denken, Führen, Einordnen, Erfinden werden Fähigkeiten bleiben, die Menschen und Mitarbeiter verstärkt einsetzen. Insofern werden Wissensarbeiter immer wichtiger. Damit steigt auch die Bedeutung des Denkens. Wer das nicht mehr in ausreichendem Maße schafft, wird auf der Seite der Verlierer stehen. Vgl. E. Brynjolfsson und A. McAffee: Von Managern und Maschinen, in: Harvard Business Manager, November 2017, S. 22ff. Der Begriff geht auf den Mathematikprofessor John McCarthy vom Dartmouth College und das Jahr 1955 zurück. Ein weiterer Vertreter der ersten Stunde war der Ökonom Herbert Simon (1957). Typische Anwendungen im Marketing liegen im Mapping: Kaufhistorie als Eingabe (Input) und als Ergebnis (Output) das zukünftige Kaufverhalten. Die Anwendung dient der Kundenbindung. Rezeptdaten als Eingabe, Kundenbewertungen als Ergebnis, die Anwendung liegt bei Essens- bzw. Kaufempfehlungen. Eingabe von Gesichtern, als Ergebnis Namen, Gesichtserkennung von Stammkunden. KI kann ungeliebte Fleißarbeit ersetzen (personalisierte Kampagnen über Emotionen).

KI-Patente: Im Jahre 2018 führen folgende Unternehmen: Google 259, Microsoft 154, Ford 126, Bosch 126, Philips 120, Samsung 114, BMW 96, AUDI 93, Daimler 89, Intel 69. Quelle: DPMA, Wirtschaftswoche 49, 22.11.19, S. 68.

KI im Marketing: KI unterstützt die Mitarbeiter bei der Steuerung von Kampagnen oder im Content-Marketing. Vielleicht können so Emotionen verdrängt werden. In der Automatisierung von Marketingprozessen zeigt KI heute schon einen hohen Reifegrad und Praxiseinsatz. KI ermöglicht es auch, neue Zielgruppen zu identifizieren - auf Basis von mehreren tausend Datenpunkten. Vgl. Peter Gentsch: Mit lernenden Algorithmen zu neuen Zielgruppen, in: t3n Magazin 53/2018, S. 136ff.

Conversational Commerce: Optimierung der Kundenkommunikation und der Customer Journey. Automatisches Lernen der KI aus der Verhaltensweise beider Seiten.  

Rettung vor dem Information Overkill: Die KI hilft die Informationen zu begrenzen und zu bewältigen. Hierzu ist NLP nützlich (Natural Language Processing). Sie können Filtersysteme herstellen.

Marketing-Automation: 1. Kundendaten sammeln. 2. Kampagnensteuerung (mit Bausteinen E-Mail, Landing-Pages, Formulare, Content). 3. Lead-Management (mit Marketing-Automation-Tools: Lead scoring, Lead Nurturing, Lead Routing). 4. Analyse und Erfolgskontrolle (Optimierungspotentiale). Vgl. com! Es muss eine Digtal Trust Strategie entwickelt werden. professional 1/2017, S. 34ff.

Location-based Marketing: Mobiles Marketing biete eine große Chance für den Handel. Es funktioniert wie folgt: Das Smartphone empfängt Signal vom Beacon. App sendet empfangenen Code an einen Cloud-Dienst. Cloud-Dienst sendet Informationen zu den mit dem Code verknüpften Angeboten. Kunde erhält Push-Mitteilung mit Angeboten. Vgl. com!professional, 11/2017, S. 40f.

Automatische IT-Analyse von Gefühlen und Schwächen: Einige Unternehmen setzen diese Software bereits in der Werbung oder am point-of-sale ein. Gesichtserkennung, die den Gemütszustand analysiert, kann Werbung und Kaufentscheidungen individuell steuern. Kernprodukt ist die Software Affdex. Ihre Grundlage sind 4,8 Mio. Gesichter aus 75 Ländern. Ein Konkurrenzprodukt ist Realeyes. Real-Geschäfte arbeiten 2017 in Deutschland damit. Man spricht von Gesichtsanalyse. Es handelt sich um ein Testsystem. Die Gesichter von Kunden werden analysiert, um ihnen zielgruppenspezifische Werbung zu zeigen. Die Deutsche Post arbeitet mit ähnlichen Systemen.

Intelligenter Kontakt zu den Kunden: Unified Communications & Collaboration (UCC). KI kann die Stimmungslage eines Anrufers erkennen und reagiert darauf. Dafür gibt e seine Reihe von KI - Angeboten. Man nennt sie UCC - Hersteller Dazu gehören Wildix, Starface, Mitel, Avaya.

Mass Customization: Maßgeschneidertes zum Preis von Massenware (Produktion nach Kundenwünschen). Individualisierung durch Digitalisierung. Philips macht dies z. B. mit Rasierapparaten. Der Autobauer Daihatsu lässt individuell Autos gestalten. Beispiele sind aber auch Textilien, Uhren, Schuhe, Fertighäuser, Küchen, Möbel, Lebensmittel. Der Bergriff ist ein Oxymoron: aus mass production und customization. Im Deutschen könnte man von Kundenindividueller Massenproduktion (individualisierte Massenfertigung) sprechen. Einerseits werden die Vorzüge der Massenfertigung Skaleneffekte, Erfahrungskurvenvorteile, Automation mit andererseits optimaler Befriedigung der Kundenbedürfnisse verbunden. Man unterscheidet Hard und Soft Customization. Die Produktionsweise beinhaltet Modularisierung (siehe oben) und "Open-Innovation". Wertschöpfungsprozesse werden durch digitale Vernetzung der einzelnen Stufen und dank immer genauerer Big-Data-Analysen tatsächlich immer kleinteiliger und feingliedriger. Das begünstigt Individualisierung. Das kann auch zu größerer Gründungsdynamik mit beruflicher Selbständigkeit (mit Selbstorganisation, Selbstvermarktung) führen, worauf Bildungseinrichtungen reagieren müssen. Vgl. Piller, F.; Mass Customization: Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im Informationszeitalter, in: Picot/ Reichwald/ Franck (Hrsg.): Markt- und Unternehmensentwicklung, Wiesbaden 2006, S. 1 - 389.

Integrative Bestellmöglichkeiten: Werden ab 2018 immer mehr kommen. Sie sind mehr in den Alltag integriert. Dazu zählen Sims Me und Whatsapp. Ziel dürfte das Bestellen von der Armbanduhr oder direkt vom Mülleimer aus sein.

Vorteile der Individualisierung: Zusätzliche Wertschöpfung. Minimale Lagerkosten bei On-Demand-Fertigung. Steigerung des subjektiven Werts des Angebots aus Sicht des Käufers. Erhöhung der emotionalen Bindungskraft der Marke. Stärkung der langfristigen Kundenloyalität. Steigerung der Wechselkosten zu einem alternativen Anbieter. Mehr Customer Intelligence für das Unternehmen. Personalisierung wird immer wichtiger. Intent Recognition lässt sich mit KI-basierter Analytik unterstützen. Der User erwartet zunehmend, dass sein individueller Kontext  über alle Kanäle berücksichtigt wird. Ein Cafebetreiber in Sydney/ Australien setzt 2018 Gesichtserkennung ein, um Kunden persönlicher bedienen zu können.

Personalisierung: Heute unverzichtbar in Online-Marketing und E - Commerce. Es geht darum zum richtigen Zeitpunkt das richtige Produkt anzubieten. Ca. 44% aller Unternehmen einer Umfrage arbeiten 2018 bereits damit. Quelle: Internet World Business. Begonnen hat Alles mit dem E-Mail-Marketing. Auch die Nutzer, die bereits personalisierte Angebote erhalten haben, hätten dies gerne wieder. Als tools werden eingesetzt: 1. Am häufigsten E-Mail-Marketing. 2. Dann folgt Shop-Software. 3. Marketing-Automation, Cloud. 4. CRM - Software. 5. Customer Data Platform. 6. Digital Experience Platform. Als nützlichen Service schätzen die Kunden den digitalen Produktberater, das begleitende Shoppen im Geschäft, Curated Shopping oder begleitetes Shopping online. 

Customer Centricity: Kundenzentrierung. Amazon gilt als Erfinder. Auch Ikea ist heute sehr weit. Es handelt sich um ein komplexes Konzept: Kundenzufriedenheit, Kundenbindung, Gewichtung zwischen Preisschiene und Kundenschiene, Individualisierung, Click&Collect, Haustürbelieferung, Beratung, kundenfreundliche Lieferung.

Bedeutung der Unsicherheitsabsorption: Der Umgang mit Unsicherheit und das Bedürfnis, Unsicherheit zu vermeiden,  beeinflussen das Verhalten am Markt. Die Dimension wird in fast allen Kulturstudien von Hofstede bis Globe  gemessen. Länder mit einem hohen Unsicherheitsvermeidungsindex zeigen ein spezielles Kaufverhalten im Bezug auf Konsumprodukte.

Digital Trust: Ohne Vertrauen gibt es keinen Zugang zu Daten, keinen Zugang zu User Experience, kein Teilen von Daten in der Cloud. Authentifizieren und Identifizieren werden zu Schlüsseln. Vgl. meinen Artikel über Vertrauen.

Digitalplattformen (bei KMU): Sie vernetzen die KMU mut Kunden und Lieferanten ("Kuscheln"). 2017 geht man von weltweit 1000 Industrieplattformen aus, die schon bestehen oder im Endstadium entwickelt werden. Für Großunternehmen sind dies Plattformen wie Predix (GE) und Mindsphere (Siemens). Für Mittelständler gibt es z. B. Axoom (Karlsruhe) und Accenture. Sie wollen helfen, neue Kunden zu gewinnen, effizienter zu produzieren, Anlagen zu vernetzen, alte Maschinen zu digitalisieren, Daten zu analysieren, schneller regieren zu können. Reine Produkt-Vergleichsportale verfolgen finanzielle Interessen. Hier bieten Internetseiten oft persönliche Meinungen ab.

Communications Platforms as a Service (CPAAS): Sie helfen Entwicklern, Kommunikationsfunktionen in jede Applikation zu integrieren. Es geht um Messaging, Sprachdienste, Contact-Center-Dienste, Videodienste, Sicherheit und Zusatzdienste. Es geht um standardisierte Schnittstellen (APIs) oder Software Development Kits (SDK).

Video-Plattformen: Die populärsten Plattformen für Videos und Bewegungsbildsequenzen sind youtube, Facebook, Vimeo, Vevo, Dailymotion, Twitch, Snapchat, Instagram und Musical.ly. Letztere sind vor allem bei Jüngeren angesagt.

Social-Media-Marketing: Besteht aus drei Elementen: Social Graph - Diagramm über die Verbindungen zwischen Nutzergruppen. Social-Media-Optimierung - Möglichst viele Postings über Produkte und Ereignisse. Social-Media-Monitoring - Aufzeichnungen , wie oft eine Marke oder Firma auf den Websites in Social Media erwähnt wird. Wichtig ist eine strategische Steuerung. Die aufgabe ist nicht leicht, weil sie viel Zeit und Ressourcen verschlingt. Mittlerweile sind eine ganze Reihe  von Tools entwickelt worden: AgoraPulse (All-in-One-Kommunikation), Buffer (Publishing), Hootsuite (fast aale Dienste), Lithium (Monitoring und Analysen), Sendible (Beitragsgestaltung), Zoho (KMU). eine andere Einteilung besteht aus vier Bausteinen: 1. Social Listenning. 2. Social Influencing. 3. Social Networking. 4. Social Selling. Vgl. R. Deiss/ R. Henneberry: Digitales Marketing, Weinheim 2018.  2013 nutzen 37% der Firmen in Deutschland Social Media.

Suchmaschinenoptimierung (SEO): 92% der Google - Sucher, die größte Suchmaschine, klicken einen Eintrag auf der ersten Seite. Wirksame Tools sind: Schlagwortauswahl, Schlagwortrevision, Messungen, Links, Wettbewerbsanalyse.

Effektivität von Social-Media-Kampagnen: Unternehmen investieren viel Geld in aufwendige Social-Media-Kampagnen. Sie glauben: Wer ein Produkt in einem sozialen Netzwerk wie Facebook liket, gibt anschließend auch mehr dafür aus. Vorliegende empirische Studien zeigen das Gegenteil. Viele Fans nutzen nur, wenn man sie nutzt um den einzelnen Gruppen die für sie passende Werbung zuzuspielen. Man muss mit Werbung in den Timelines der Follower auftauchen. Vgl L.K. John/ O. Emrich/ D. Mochon/ J. Schwarz: Was bringt ein Like? in: Harvard Business Manager Juli/ 2017, S. 80ff.

Effektivitäts-Tools: Es gibt mittlerweile viele, die aber nicht öffentlich bzw. transparent sind: TweetReach (Monitoring-Tool bei Twitter), Klout, Engagement Rate (Interaktionsrate, am wichtigsten), Sentiment, Traffic, Gutscheincodes, Zahl der Erwähnungen.

Social-Media-Monitoring: Messgrößen: Share of Buzz. Anzahl der relevanten Beiträge zu einem Suchbegriff in einem bestimmten Zeitraum. Share of Voice. Wie schneiden eigene Marken im Vergleich zu Mitbewerbern ab. Engagement. Shares, Kommentare, Favorites und Likes zu einem Beitrag.

Kundenbewertung (Onlinebewertung): Neun Sterne sind besser als zehn Sterne. Sie zeugen von einer akkuraten Bewertung. Wichtig sind ausführlich Rezensionen dabei. Vgl. D. Kupor/ Z. Tormala: The Persuasive Power of Deviatory Reviews, in: Journal of Consumer Behavior Research, Oktober 2018.

Einfluss der Digitalisierung auf die interne Kommunikation: Sie wird in der Regel schneller und einfacher. Sie kann weiterhin zu einer Vernachlässigung der "face-to-face"- Kommunikation führen. Es können neue Spannungsfelder durch permanente elektronische Anreize entstehen.

Native Advertising: Native Advertising umfasst Virales Marketing, darunter insbesondere Videos, Bilder und Musik, aber auch Artikel. Auch das Suchmaschinenmarketing, bei dem Werbeanzeigen gleichrangig mit den gewohnten und erwarteten Suchresultaten angezeigt werden, und verschiedene Werbestrategien auf Twitter, wie etwa bezahlte Tweets, Trends und Personen, zählen zum Native Advertising. Auch bei Facebook ist es üblich, bezahlte Inhalte in die Timeline der Nutzer einzuschleusen. Dasselbe gilt für Tumblr. s. Wikipedia.

Programmatic Advertising: Werbung automatisiert auf allen Kanälen. Datengetriebene Kampagnen-Automatisierung. Man arbeitet mit Demand-Side-Plattform (DSP) und Sell-Side-Plattform (SSP), die Werbetreibende, Publisher und Zielgruppen zusammenbringen.

Datensammeln als digitale Verkaufshilfe: Roboter, Interaktive Spiegel und Monitore werden im stationären Handel zunehmend eingesetzt.

Customer Journey: Zyklus, den ein Kunde durchläuft, bevor er sich zum Kauf eines Produktes entschließt. Fünf Phasen werden gesehen: Awareness, Favorability, Consideration, Intent to Purchase, Conversion. Der englische Ausdruck wird insbesondere im Zusammenhang mit Online-Marketing und Digitalisierung eingesetzt. Kotler sieht die Aspekte "aware, appeal, ask, act, advocate". Hier geht die "Reise" von der Wahrnehmung bis zur Empfehlung. Grundsätzlich geht es um das Verständnis, wie Menschen einkaufen. Vgl. Kotler u.a. : Marketing 4.0, Frankfurt/ New York 2017, S. 75ff. Sprachassistenten werden an Bedeutung zunehmen und mit anderen Smart Devices vernetzt.

Customer Journey Tracking: Die Kunden sollen im richtigen Moment angesprochen werden. Am besten geht dies mit Cross-Device Tracking auf Login-Basis. Wichtige Events sind Conversions. Alle Klicks und Views will man erfassen. Die Daten müssen dann richtig bewertet werden (intelligente Attribution).

Moment of Truth: Der Begriff stammt von Jan Carizon, Vorstandsvorsitzender von SAS Scandinavian Airlines (Buch: Alles für den Kunden). Es bezieht sich auf den Zeitpunkt, wann der Kunde zum ersten Mal mit einem Produkt in Berührung kommt. Dabei kann der Eindruck positiv oder negativ sein. Die deutsche Übersetzung ist "Kontaktpunkt". Man spricht auch von Kundenkontaktmanagement. Oft wird "first" moment of truth hinzugefügt. Daneben gibt es den "zero moment of truth", wenn dieser erste Stimulus im Internet lag.

Lead-Konvertierung: Das Interesse potentieller Neukunden sollte in einem Verkaufabschluss münden. Dieser Prozess wird als Lead-Konvertierung bezeichnet. Stufen dazu im Internet sind:  Besucher der Website, Interessenten, die Schaltfläche anklicken; Interessenten, die mit der Firma interagieren; wahrscheinliche Käufer; Kaufabschlüsse. Lead-Scoring ist ein System zur Bewertung der Kaufbereitschaft. Lead Nurturing ist die Pflege von Kontakten informeller Art. Adressen sind Raw Leads. Dead Lead ist eine Sackgasse. Vgl. BWL-kompakt, München 2016, S. 237f.

Customer Retention Apps: Aktive Kundenbindung. Vorhandene Kunden zu halten, ist weniger aufwendig, als neue zu gewinnen. Kundenbindungstools sind Collect Loyalty, Customer.io, Get Satisfaction, Talkus oder Yotpo.

Customer Success Management (CSM): Dahinter steckt die Formel "Kundenerfolg=Kundenbindung". Ziel ist es, die Produktnutzung für den Kunden so produktiv und profitabel zu machen wie möglich. Es muss dabei auch klar werden, wann die Verantwortung für den Kunden vom Vertrieb auf das Customer Success Management übergeht. Folgendes Vorgehen wird oft empfohlen: Implementieren von CSM - Lösungen als Teil eines umfassenden Kundenbindungs- und Kundenserfahrungsprogramms. Bewerten Sie die Produkte danach, wie gut sie den Kundenerfolg (Customer Health) messen können. Man sollte Tests mit mehreren Produkten durchführen, um die Genauigkeit der Vorhersageverfahren zu überprüfen (Predictive Analysis). Mittlerweile gibt es eine Reihe von automatisierten Lösungen (z. B. Amity, Client Success, Kapta, Salesmachine). Vgl. Thomas Hafen: Wie Kundenerfolg den Umsatz steigert, in: com! professional 1/2018, S. 20ff.

User Experience (UX) und Customer Experience (CX): Tiefes Verständnis für die Kunden, einschließlich des Interaktionsverhaltens. Für Erfolg sprechen: Kontextbasierung und Personalisierung. Reibungslosigkeit. Relevanz, Konsistenz.

Customer Experience Management (CEM): Das spielt in vielen IT - Abteilungen in Deutschland 2019 noch keine Rolle. Hauptgründe sind fehlendes digitales/ agiles Mind-Set und fehlendes Know-how der Mitarbeiter.

Custom-Audiences: Mit Wissen über Kunden, diese als potentielle Käufer über soziale Medien, wie z. B. Facebook, ansprechen. So sind auch Kampagnen möglich. Sehr erfolgreich hat der Baur Versand damit seine Neukundenquote um fast 100 Prozent gesteigert.

Smarte Geräte, insbesondere Sprachassistenten, als Kauf - Entscheider: Sprachassistenten wie Alexa könnten zum Türsteher werden. Sie lassen z. B. nur bestimmt Produkte zu. Wer dabei sein will, muss zahlen.

Marke 4.0: Die Digitalisierung bringt Veränderungen mit sich. Die müssen auch aktiv mit beeinflusst werden. Dabei sind folgende Fragen zu beantworten: 1. Warum gibt es uns? Was treibt uns an? (Mission). 2. Wofür stehen wir? (Grundsätze). 3. Wer sind wir (Markenidentität). 4. Warum sollen die Kunden uns kaufen? (Positionierung). 5. Welchen Zielhafen möchten wir in zehn bis 15 Jahren erreichen? (Vision). Siehe Esch, F. - R.: Das Rückgrat starker Marken, Frankfurt 2016. In den sozialem Medien ist Authentizität besonders wichtig. Die Marke sollte wachsen können, innovativ sein, Komplexität muss in den Griff bekommen werden, die Marke muss wandlungsfähig sein. Vgl. Gietl, J.:  Marke: das unentdeckte Management-Instrument unserer Zeit, in: bdvb aktuell Nr. 138, S. 24f.

10 Tools, die den Kern von digitalem Marketing bilden: 1. Website erstellen. 2. Website hosten. 3. Software für E-Mail-Marketing. 4. CRM - Programme für Kundenbeziehungsmanagement. 5. Zahlungsabwickler. 6. Landing-Page-Software. 7. Bilder suchen und bearbeiten. 8. Social-Media-Auftritt verwalten. 9. Leistungsfähigkeit messen (Daten und Analysefunktionen). 10. Marketingoptimierung. Vgl. Ryan Deiss/ Russ Henneberry: Digitales Marketing, Weinheim 2018, S. 325ff.

Marketing-Suiten: All-in-one-Programme für Marketing von KMU. Man versucht den Kunden auf jedem Weg zu erreichen (Landing Pages, Blog, Social Media). Bekannte Systeme sind: Hatchbuck, Salesfusion, Sharpspring u. a.

Adtech: Adblocker und Spamblocker gegen die digitale Werbebranche. Vom Gesetzgeber fehlen klare Vorgaben. Verbraucher wehren sich gegen personalisierte Werbung. Politiker und Datenschützer haben ein Ohr dafür. Es müssten einheitliche Standards und rechtliche Rahmenbedingungen  geschaffen werden. Gegenwärtig wird auf Login-basierte Plattformen ausgewichen. So haben Google und Facebook große Vorteile.

"State of Marketing-Report" 2018: Salesforce befragte dafür 300-Marketingspezialisten. Das sind einige Ergebnisse: 1. 39% der befragten Marketer hierzulande verwenden Künstliche Intelligenz. 2. 41% der befragten Mareter betrachten die Balance zwischen Personalisierung und Privatsphäre als Herausforderung. 3. 86% berichten, dass Marketing und Werbung integrierte Technologielösungen nutzen.

Messe "Online Marketing Rockstars" (OMR): Eine der größten digitalen Konferenzen in Europa. Begründet von Philipp Westermeyer.

Facebook-Effekt bei Kaufentscheidungen: Wer unmittelbar vor einem Onlinekauf auf Facebook unterwegs ist, entscheidet sich beim Kauf für konventionellere Auswahlmöglichkeiten als andere Onlinekunden. Diesen Facebook-Effekt können Unternehmen nutzen, um ihre Rentabilität zu steigern. Wer konventionelle Produkte verkaufen will, der sollte seine  Kunden vorher auf Facebook locken. Quelle: Hildebrand, C./ Schlager, T.: Focusing on others before you shop: exposure to Facebook promotes conventional product configurations, Journal of the Academy of Marketing Science, August 2018.

KI-Agenten und Personalisierung der Kundenbeziehungen: 72% der deutschen Verbraucher wünschen sich personalisierte Services. 4,5 Mrd. Dollar geben Unternehmen 2019 für automatisierten Kundendienst aus (Quelle: Adobe Experience Index 2019). Im Marketing ist KI noch in den Kinderschuhen. Möglichkeiten bestehen in folgenden Bereichen; Account-based Marketing: KI unterstützt B2B-Marketer bei Aufgaben wie Lead-Qualifizierung, der Key-Account-Identifikation un der Absichtserkennung (Intent Identification). Audience Management: Zielgruppenfragmentierung durch die KI-gestützte kanalübergreifende Segmentierung. Bedarfsvorhersagen. Einzelhandel: Sensordaten aus Regalen und RFID-Chips in Ausstellungslücken. Kontextbezogene Individualisierung: z. B. Schmerzpunkte (Painpoints) aus der Customer-Journey entfernen. Vertrieb und Kundendienst: Chatbots und Konversationsagenten. Inbound-Marketing: automatische Inhaltserstellung. Programmatische Marken-Platzierung. Zielgruppenforschung und Produktdesign. Transaktionsvermittlung durch KI-Agenten. Vgl. Anna Kobylinska/ Martin, Filipe: KI-Agenten personalisieren die Kundenbeziehungen, in: Com! professional 8/ 2019, S. 20ff.

B2B und Online-Shops: Die Digitalisierung verändert den Handel zwischen Unternehmen. Immer mehr B2B-Händler setzen auf eigene Online-Shops. Der Mittelstand-4.0-Agentur Handel ist Teil der Initiative "Mittelstand 4.0 Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse", die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Sie empfiehlt folgende Checkliste für die Implementierung eine sB2B-E-Commerce-Geschäftsmodells: Autoriiserungsstufen, Benutzerfreundlichkeit, Bestellauslösung, Flexibilität und Skalierbarkeit, Konsistentes Cross-Channel-Management, Kundenservice, Lagerbestandsabgleich, Mobile Commerce, Neue Medienkanäle, Online-Shop-zugang, Personalisierung, Reporting und Analytics, Preisgestaltung, Social Media, Zielgruppe. Ob Unternehmen für den Vertrieb ihrer Produkte nun auf einen eigenen Online-Shop oder auf spezielle B2B-Marktplätze setzen, hängt vom Einzelfall ab. Vgl. Pfliegl, Konstantin: B2B-Händler setzen auf eigene Online-Shops, in: com! professional 8/ 2019, S. 28ff.

Customer Data Platforms (CDPs): Folgende Anforderungen muss eine solche Plattform erfüllen: Sammlung aller relevanten Kundendaten. Unterstützung beim Datenschutz (Einwilligungsmanagement). Unterstützung bei der Datenaufbereitung und der Datenbereinigung. Bildung einheitlicher Kundenprofile. Segmentierung der Kundengruppen. Aktivierung von (personalisierten) Folgemaßnahmen. Kontrolle der Wirksamkeit der Anpassungen. Personalisierung braucht aber eine gute Datenbasis. Vgl. Schonscheck, Oliver: Peronalisierung braucht eine gute Datenbasis, in: com!professional 5/2020, S. 60ff.

Erfolgsmessung im Marketing (Performance Marketing): MarTech-Lösungen machen die Wirksamkeit von Kampagnen messbar. Grundprinzipien dabei sind: Vergütung erfolgt strikt leistungsbezogen. Qualität geht vor Quantität. Vergütung gegen Leistungsnachweis. Realismus schlägt Idealismus. Auf Alt folgt Neu. Anreize fördern Engagement. Synergien durch mehrere Kanäle. Vgl. Kobylinska, Anna: Erfolgsmessung im Marketing, in: com!professional 5/2020, S. 66ff.

Analysen am Point of Sale: Messen des individuellen Verhaltens des Kunden in Filialen. Vor allem geht es um den Standort des Kunden. Die Echtzeitanalyse ermöglicht eine die genaue Bewegung der Ware zu verfolgen (RFID-Chips an den Verpackungen). So kann man auch messen, wenn der Kunde länger steht. Laufwege und Standzeiten werden analysiert. Der Self-Checkout (Kunde scannt die Ware selbst ein und bezahlt ohne Beteiligung einer Kassenkraft) nimmt zu.

Evolution des Point of Sale: Der digitalisierte Store soll neue Technologien und menschliche Qualitäten verbinden. Eine Reihe von Innovationen bewähren sich: 1. Smart Mirror kann via Smartphone QR-Codes zu Angeboten und Kampagne lesen. 2. Das Selbstbedienungsformat bei Teegut (Teo) besteht aus App und Terminal. Öffnen kann man so rund um die Uhr. 3. Roboter Paul hilft bei Saturn dem Kunden, das gewünschte Produkt zu finden. Bei Conrad hilft Roboter Alex bei der Bedienung. 4. Virtual Fitting. Kunden lassen sich scannen und erhalten ihr digitales Ebenbild, einen Avatar bei H&M. so kann eine virtuelle Anprobe stattfinden. 5. Self-Checkout. Kann bald zum Alltag werden. Vgl. com!professional 4/2021 (verschiedene Artikel).

Netzwerk-Effekt und Plattform: Jede Plattform braucht einen Kernzweck. Es kann dann um weitere Geschäftsbereiche ergänzt werden. Man braucht eine klare Nutzergruppe. Hinzu kommt eine gute Vorbereitung. Man sollte schrittweise weiterentwickeln. Aktuelle Standards sollten gewahrt ein. Zusatzdienste sollten angeboten werden. Man braucht aber immer einen langen Atem. B2B-Plattformen sind im Kommen.

Qaltrics: SAP-Tochter. Hat das Unternehmen 2018 für acht Milliarden Dollar übernommen. Will in den USA an die Börse (Nasdaq). Gilt als Erfinder des Experience Management. Misst auch Zufriedenheit von Mitarbeitern. Will Kundenemotionen messbar machen. Wird von unseren Marketing-Studenten für Interviews eingesetzt.

Daten als Erlösquelle: Oft fallen Daten an, deren Verkauf Geld einbringen kann. Das kann ohne Konflikt mit dem Datenschutz geschehen. Bei B2B-Datenmarktplätzen unterscheidet man zwischen dezentralisierten und einem zentralisierten Ansatz. Dezentralisiert: Einige Datenmarktplätze (z. B. Advaneo) agieren im Wesentlichen als reine Vermittler. Die Repräsentation verkaufter Daten findet in Form von Megadaten statt, während die eigentlichen Daten beim Unternehmen verbleiben. Erst im Falle eines Geschäftsabschlusses werden Daten im Peer-to-Peer-Verfahren übermittelt. Zentralisiert: Datensätze werden zentral hoch geladen. Vorteil liegt in zusätzlichen Tools. 

Marktplätze für das B2B-Geschäft (B2B-E-Commerce): Typologie: 1. B2B-Marktplatz mit Geschäftskunden-Dependance. 2. Online-Marktplatz statt Branchenbuch. 3. Der Platzhirsch macht den Marktplatz (Sortimentserweiterung, Beispiele Metro, Wucato, Klöckner). 4. VC - getriebene Spezialisten (Branchennischen). Vgl. Lommer, Ingrid: Das Rennen um die Spitzenplätze ist offen, in: com!professional 10/2020, S. 30ff.

E-Distribution (Wertkette): 1. Produktpräsentation (Online-Kataloge, Online-Präsentation). 2. Information und Kommunikation (Versorgung der Kunden mit kaufrelevanten Infos). 3. Produktbereitstellung. 4. Finanzierung und Zahlung (Abwicklung). 5. Beratung und Service. Vgl. Wirtz, Bernd W.: Electronic Business, Wiesbaden 2020 (7. Auflage), S. 619.

Data-driven Commerce: Der Handel setzt immer stärker auf Daten. Die größten Schwierigkeiten liegen in der Menge und Qualität der Daten. In den Unternehmen fehlt oft das notwendige Umdenken. Es gibt eine Reihe von Daten gesteuerten Tools.

Direct Brands: Als Marke braucht man keinen stationären Handel mehr. Der Vertriebsweg hängt von der Branche ab. Im Kosmetikbereich benutzen 55% Shopify. 15% Woocommerce. 38% nutzen Amazon. Man steckt nur noch wenig Geld ins Marketing. 95% haben eine Instagram-Präsenz, 62% eine Facebook-Präsenz. 20% sind auf Pinderest, 15% auf Youtube. Vgl. com!professional 3/21, S. 30ff.

Social Commerce: Shopping-Bummel auf Social Media. Das ist ein großes Ding für die Zukunft. Vorreiter ist China. Dort liegt Social Commerce 2021 schon bei 13% Anteil am Online-Handel (Schätzung für 2023 14,2%). Instagram Shopping hat den Trend eingeleitet. Inhalte haben den größten Einfluss: Shoppable Images and Videos, Videos Advertising, Posts from brands I follow. Social Commerce verkürzt die Customer-Journey drastisch: Awareness (Ad auf Instagram), Consideration (Instagram Shop), Purchase (Chek-out). Facebook plant Live-Shopping-Feature. Vgl. Van rinsum, Helmut: Zäsur für das Online-Shopping, in: com1professional 6/2021, S. 22ff.

Services statt Produkte: Viele Unternehmen steigen auf nutzungsbasierte Vertriebsmodelle um. Vor allem in der Tech -Branche setzt man nutzungsbasierte Geschäftsmodelle (Beispiel Microsoft). Kunden kaufen also nicht mehr einmalig ein Produkt, sondern zahlen für die Dauer der Nutzung. Dann müssen aber auch Änderungen im Vertrieb vorgenommen werden: 1. Kunden neu segmentieren. 2. Vertriebsorganisation umbauen. 3. Vertriebsmitarbeiter einbeziehen. Vor allem die technischen Anforderungen erhöhen sich. Vgl. Chung, Doug J.: Wie Sie Services verkaufen statt Produkte, in: HBM Juli 2021, S. 28ff.

 

Diese Gulli-Decke (der auf dem Bild ist in der Stadt Brandenburg im Havelland) wurden einst in Kaiserslautern bei Buderus gefertigt. Dadurch und dafür  war Kaiserslautern einst als Produktionsstandort und Stadt in Deutschland bekannt. Heute steht Kaiserslautern für die digitale Produktion und Smart Factory. Zusammen mit der TU wird eine der führenden Smart Factory betrieben.

"Wer die Praxis hat, hat auch die Theorie, Theodor Fontane, Vor dem Sturm.

Digitale Produktion und Logistik (Produktionsinformatik, Lieferketten und ihr Wandel):

3-D-Produktion: Diese Technologie wird dazu führen, dass Verbraucher ihre Waren selbst drucken. Damit kommt der Binnenmarkt wieder mehr zum Zuge. Große Teile der auf Billiglöhnen basierenden Massenproduktion in Indien und China wird damit Probleme kriegen. Denn alles, was zwischen der Produktion in China und dem Kauf in Deutschland liegt - Transport, Zölle, Lagerhaltung, Handelsstufen - wird eingespart. Mittlerweile setzen auch Siemens und General Elektrik 3-D-Drucker in Service und Produktion ein. Extrem genaue 3-D-Drucker mit Lasertechnologie bietet in Deutschland EOS/ Krailling an. Sogar direkte Konkurrenten arbeiten mit Lizenz von EOS Erfinder Hans J. Langer. Der Großraum München ist eine Art 3-D-Cluster. Der industrielle 3D-Druck wird immer mehr ausgeweitet. Die Produktion von Gütern profitiert von innovativen Techniken der additiven Fertigung. Es kommt Drucken on demand und 3D-Druck als Service. Noch ist die Ersatzversorgung eher schlecht. Aber personalisierte Produkte sind auf dem Vormarsch. Der entscheidende Vorteil liegt bei den Kosten: Bei herkömmlicher Produktionsweise treten nach einiger Zeit Skalierungseffekte bei den Kosten auf. Beim 3D-Druck bleiben die Kosten dagegen immer gleich.  3D-Drucker können Spielzeug, Waffen, Autos drucken. Einer chinesischen Firma ist es nun 2015 gelungen, eine Villa herzustellen. Daimler arbeitet in Stuttgart mit "Augmented Reality": Mitarbeiter nutzen 3-D-Brillen. Damit testen sie Montierbarkeit, die Ergonomie und das Design. Konstruktions- und Wartungsfehler können vermieden werden. 2017 bringt Adidas individualisierte Sportschuhe auf den Markt. Sie kommen aus dem 3-D-Drucker und werden zusammen mit der kalifornischen Firma Carbon erstellt.  In uganda und anderen Entwicklungsländern versorgen Helfer Patienten mit günstigen Prothesen aus dem 3-D-Drucker. Sie haben allerdings ein Problem: Die damit hergestellten künstlichen Glieder brechen schnell. Zunehmend wird der 3D-Druck bei Sportartikeln eingesetzt. Sie können so maßgefertigt werden.

3-D-Druckstrategie: Sechs neue Geschäftsmodelle haben sich herauskristallisiert. Unternehmen sollten überlegen, mit welcher Strategie sie sich optimal gegen Wettbewerber durchsetzen können. 1. Individualisierte Massenfertigung. 2. Massenvielfalt. 3. Massensegmentierung. 4. Massenmodularisierung. 5. Massenkomplexität. 6. Massenstandardisierung. Vgl. Richard A. D´Aveni: Die 3-D-Druck-strategie, in: Harvard Business Manager, September 2018, s. 68ff.

Digital Twins: Digitale Kopien optimieren Produktionsprozesse und die Wartung von Geräten. Es gibt drei Kategorien: Geschlossene digitale Zwillinge (Ausrüstungs-OEMs). Geteilte digitale Zwillinge (OEMs erlauben eine gemeinsame Nutzung von Daten mit Partnern und eine Erweiterung durch Kunden). Offene digitale Zwillinge (Jeder kann sie uneingeschränkt nutzen oder erweitern). Es ist mehr als eine Simulation. Die Technik hat großes Potential.

Agile Produktion: Das Unternehmen muss so schnell und behände wie möglich die Richtung ändern können. Die Produktionsanlagen müssen sich rasch umstellen lassen. Das geht nur mit computergestützten Produktionsmethoden. Aspekte sind stete Innovation, integrierte Technologie, Transportsystem und flexible Arbeitskräfte (Wissenskultur) sowie modulare Produkte.

Vernetzte Produktion: Produktionsanlagen und Maschinen bleiben unverändert. Die Fertigungsprozesse werden nicht beeinflusst. Die Vorteile bestehen zunächst bei Wartung und Produktionsplanung. Es wird nur über Maschinenzustände informiert.

Netzwerkwirtschaft: Online-Netzwerke wie Facebook sind selten von Größennachteilen betroffen. Ihr Größenvorteil wächst auch auf internationaler Ebene (zunehmende Skalenerträge, weil die Kosten eines zusätzlichen Nutzers gleich null sind). Die Vorteile für die Nutzer wachsen auch.

Speed Factory: Produktsysteme müssen sich immer schneller Änderungen schwankender Märkte oder stärkerer Produktpersonalisierung anpassen. Änderungen sind mit viel Aufwand, Zeit und Kosten verbunden. Deshalb müsenadaptive Systeme entwickelt werden, die Produktionsressourcen, Produktionsabläufe und Materialflüsse modellieren. Vgl. Keddis, N./ Zoitl, A./ Hill, J.: Die adaptive Fabrik von Morgen. Zukunftsvision oder heute schon Wirklichkeit? in: WiSt Heft 5 /2016, S. 229ff. Adidas arbeitet im bayrischen Ansbach mit einem solchen Werk. Turnschuhe werden komplett maschinell, aber gleichzeitig auch individuell produziert. So kann optimal auf Markttrends reagiert werden. Außerdem werden hohe Lagerhaltungskosten vermieden.

Produktion 4.0 (Industrie 4.0, Smart Factoring): In der Fabrik der Zukunft werden IT- und Fertigungstechnik verschmelzen. Immer mehr Maschinen kommunizieren über das Internet. Damit wird auch immer mehr improvisiert (ausgehend von einem groben Schema viele kleine Abweichungen). Die gesamte Produktion ist vernetzt. Das heißt, es findet eine umfassende Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Maschinen statt, in die auch Kunden und Geschäftspartner eingebunden sein können. Der Begriff wird 2011 auf der Hannover Messe etabliert.  Robotterquallen sind relativ autonom. Durch die starke Vernetzung wird die Sicherheit zum Problem. Diese Technik gilt als Krönung der Produktion. Die deutsche Industrie hat 2014 ein bis zwei Jahre Vorsprung. Die Vernetzung bietet grundsätzlich ganz neue Geschäftsmodelle (völlig neue Produktionslogistik). Die größten Hindernisse gegen die Ausbreitung von 4.0 sind: Lücken in der IT - Sicherheit, fehlende Normen, fehlende Fachleute, mangelnde Infrastruktur und hohe Kosten. Die KMU sind in dieser Produktionstechnik stark (Pionier dieser vierten industriellen Revolution). Einzelfertigungen und Kleinserienfertigungen, die traditionell hier gefertigt werden, können sehr viel billiger hergestellt werden. Die Produktion 4.0 hat drei Grundelemente: Selbststeuerung (Smart Factory, cyber-physische Systeme, CPS, es verschmelzen virtuelle und reale Welt); Interaktion (alle Daten tragen die Produktkomponenten in sich, dezentrale Selbstorganisation); Information (der Industriearbeiter ist Planer und Entscheidungsträger, Smartphone). Die "Integrated Industry" mit ihrer Vernetzung hat auch Auswirkungen auf den Markt, auf Arbeitsplätze, auf Ausbildung und Geschäftsbeziehungen. Der Produktionsstandort Europa könnte gesichert werden. Es kommen neue Entwicklungspartnerschaften mit mehr Kooperationen. Die Arbeitsplätze könnten höherwertiger werden. In den USA entsteht 2014 ein neues Normungskartell. Dadurch könnten die deutschen Unternehmen ihre bislang gute Position bei den Standards für die Industrie 4.0 verlieren. Normensetzung und ein gutes Rechtssystem sind Voraussetzungen der Produktion 4.0. Von den Arbeitnehmern fordert die Produktion 4.0 mehr Flexibilität (Abhängigkeit von Marktimpulsen wird stärker, Produktionszyklen werden noch kürzer).  Als Keimzelle der Produktion 4.0 gilt der Lehrstuhl von Prof. Dr. Detlef Zühlke an der TU Kaiserslautern  zusammen mit dem Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz GmbH, Kaiserslautern. Zusammen wurde dann die "Smart Factory" gegründet, die als Modell für die Industrie der Zukunft gilt. 40 Mrd. Euro will die Wirtschaft jährlich in digitale Technik investieren bis 2020: An der Spitze liegt die Autoindustrie vor dem Maschinen- und Anlagenbau, der Elektroindustrie und der Informations- und Kommunikationsindustrie. 2015 plant die Bundesregierung ein Industrie-4.0-Konsortium (Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft). Es soll bei der Fraunhofer-Gesellschaft angesiedelt sein und Standards schaffen. 2015 bringt die Boston Consulting Group eine Studie zu den Folgen der Industrie 4.0. Die Prognose geht bis 2025. Die Folgen erstrecken sich auf die Änderung der Verteilung der Branchen, das zusätzliche Umsatzwachstum, die Produktivitätssteigerungen, die Zahl der Arbeitsplätze und den Jobzuwachs. Es werden erhebliche Zuwächse gesehen. 2015 nutzt bereits jedes vierte Unternehmen in den vier Kernbranchen Automobilbau, Chemie, Elektrotechnik sowie Maschinen- und Anlagenbau spezielle Anwendungen für Industrie 4.0 (Quelle: Umfrage Bitkom). Nach einer Umfrage von PAC 2015 halten vor allem zwei Gründe die Industrie noch von Industrie 4.0 ab: Hohe Investitionskosten und fehlende Standards für Datenaustausch. Auf dem dritten Platz liegt fehlendes Know-how/ Ressourcen. Der Maschinenbauer Trumpf betreibt eine Smart Factory in Chicago. Hier können die Kunden des Unternehmens sehen, wie eine ideal vernetzte Produktion im Zeitalter der Digitalisierung aussieht. Maschinen und Kunden sollen optimal vernetzt werden. Der Heizungsbauer Viessmann wandelt sich vom Heizungsbauer zum Lösungsgeschäft: Die Produkte sind digitaliisert und vernetzt. Die Daten wandern in die Cloud und die Heizung kann per App gesteuert werden. Die gesamte Anlage kann online gewartet und überwacht werden.

Industrie 4.0: Deutsche IT - Fachleute erdachten zur Hannover Messe 2011 den begriff. Er etablierte sich und rund um die Welt. In der nächste Welle dürfte die Interoperabilität der Software- und Hardwarekomponenten eine entscheidende Rolle spielen. Die technologische Souveränität Europas muss gesichert werden, ebenso wird er internationale Marktzugang deutscher Mittelständler. Standards, Normen und Zertifikate sind entscheidende Treiber. Es muss auch eine enge Kooperation auf der Ebene von Verbundprojekten und Plattformen geben. Vgl. Kagermann, Henning/ Wahlster, Wolfgang: Zehn Jahre Industrie 4.0, in: FAZ Nr. 74, 29. März 2021, S. 18.

Next Generation Industry: Zusammenführen von KI und Industrie. Die deutsche Ingenieurskunst ist ein weltweites Qualitätssiegel. Wenn wir mit den USA und China zukünftig mithalten wollen, muss diese Stärke ins Digitale übersetzt werden. Deutsche Ingenieurskunst und Daten müssen verknüpft werden. Vgl. Ametsreiter, Hannes: Wir brauchen keine Kopie vom Silicon Valley - aber eine Antwort darauf, in: WiWo 14, 1.4.2021, S. 10 (der Autor ist Vorstandsvorsitzender von Vodafone Deutschland).

SmartFactory KL: 2005 gründete sich die Technologie-Initiative als eingetragener Verein in Kaiserslautern. Gründungsmitglieder sind die BASF in Ludwigshafen und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern, Siemens und die TH Kaiserslautern. 2007 wurde die erste Demonstrationsanlage erstellt. 2013 wird die zweite Anlage auf der Hannovermesse gezeigt. Es handelt sich um eine Forschungsplattform für vernetzte Produktion: Funketiketten verbessern die Lagerhaltung, intelligente Roboter sparen eigenhändig Energie, organisierte Produktionsabläufe melden Mängel. Es werden in Deutschland Kompetenzzentren eingerichtet. Die Federführung hat das DFKI in Kaiserslautern. Vier weitere Zentren entstehen in Darmstadt, Hannover, Dortmund und Berlin. Langfristig sollen in allen Bundesländern Zentren vorhanden sein.

Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum, Kaiserslautern www.kompetenzzntrum-kaiserslauter.digital . Kostenfreie Beratung von KMU bei der Digitalisierung in RLP und Saarland. Themen sind auch Qualifizierung, Bildung und Sicherheit. Es werden immer mehr Demonstratoren (kleine modulare Anlagen der Smart Factory) eingesetzt.

Wertstromkinematik (Industrie 5.0): Revolution bei der Fertigung. Beinhaltet eine neuartige Produktionsplanung. Einbeziehung der Kunden, Kreativität nutzen.  Besonders geeignet für volatile Märkte. Flexibel und produktiv. Einsatz: Wiederaufarbeitung gebrauchter Produkte (Remanufactoring). Einsatz auch in kleinen Handwerksbetrieben. Das WBK Institut für Produktionstechnik/ Karlsruhe (gehört zum KIT, Karlsruher Institut für Technologie) arbeitet an der Technik.

Horizontale Integration: Kombination verschiedener IT-Systeme zu einer integrierten Lösung innerhalb eines Unternehmens und entlang der Wertschöpfungskette über mehrere Unternehmen. Es handelt sich um die Informationstechnologie, die in Planung, Fertigung, Logistik und Vermarktung zum Einsatz kommt. Bei der vertikalen Integration werden mehrere IT-Systeme über verschiedene Hierarchieebenen verknüpft. Solche Hierarchieebenen sind z. B. Steuerung, Sensorik und Produktion.

Cyber-physische Systeme (CPS):  Sie sind über digitale Netze verbundene "soziotechnische Systeme", die völlig neue Funktionen, Dienste und Eigenschaften mit sich bringen. Sie erfassen über Sensoren Daten, reagieren auf diese und erlauben umfangreiche Steuerungseingriffe in Echtzeit. Das kann die Umrüstzeit von Anlagen verkürzen und kleine Produkt-Stückzahlen können zu den Preisen von Massenproduktion hergestellt werden. Damit verbunden sind aber große Sicherheitsprobleme. Für die ausgetauschten Informationen müssen auch die Kapazitäten der Übertragungsnetze für riesige Datenmengen erhöht werden. Intensiv in diesem Geschäft ist der Technologiekonzern ABB tätig. Die Fernwartung von Robotern und Maschinen ist eine große Herausforderung.

Manufactoring Exekution System (MES): IT-System zur Echtzeitsteuerung und -kontrolle der Produktion, das in den Produktionsprozess integriert ist. So ist eine Erfassung von Maschinen-, Betriebs- und Prozessdaten möglich.

Entwicklungsstufen in der industriellen Produktion (historisch): Im 18. Jahrhundert wurden mechanische Produktionsanlagen mithilfe von Wasser- oder Dampfkraft eingeführt (zuerst mechanischer Webstuhl 1784). 1870 kam das erste Fließband in den Schlachthöfen von Cincinnati. Ford setzte erstmals in großem Maße das Fließband beim T-Modell ein (30% Kostenersparnis). 1969 gab es die erste speicherprogrammierte Steuerung. Zunehmend wurde Elektronik und Informationstechnologie zur weiteren Automatisierung eingesetzt (Dritte industrielle Revolution). Heute haben wir die vierte industrielle Revolution. Maschinen und Produkte sind "vernetzt" und kommunizieren miteinander. Man spricht auch von vier Revolutionen.

Digitalrevolution in Unternehmen: Supercomputer können selbständig lesen (z. B. alle Studien zu einem Thema, was Menschen heute nicht mehr möglich ist). Sie können unvorstellbare Datenmengen bewältigen. Sie können schon selbständig Werbung machen und Jobbewerber aussuchen. Neue Programme übersetzen live und machen damit teure Dolmetscher überflüssig. Werden die Menschen im Unternehmen davon profitieren oder eher ihren Job verlieren? Selbst in Billiglohnländern ersetzen Computer mehr Arbeitsplätze in der Fertigung. Die künstliche Intelligenz könnte aber auch zunehmend Arbeitsplätze im gehobenen Bereich kosten. So plädieren Experten (wie Brynjolfson vom MIT) wieder für die Idee des Grundeinkommens.  "Es droht die Entstehung eines digitalen Prekariats", Reiner Hoffmann, DGB-Chef 2014. Folgendes zusätzliches Wertschöpfungspotential zeigt sich im Jahre 2025 in folgenden Brachen: Maschinen- und Anlagenbau 89Mrd. Euro; Logistik 54 Mrd. Euro. Nach Eigeneinschätzung haben folgende Branchen die höchste digitale Reife: Chemie (46%); Logistik (39%). Quelle: Roland Berger Unternehmensberatung. "Es ist wichtig, dass der Kopf sich ständig weitet. Wenn wir nicht mehr neugierig sind, dann bleiben wir stehen", Jörg Mittelsten Scheid, als Digitalisierungsmacher für sein Lebenswerk geehrt, mit 81 Jahren. Erfolgsgeschichten sind folgende Beispiele: Digitale Bilder (CEWE aus Oldenburg, Fotodienstleister), BLG Logistics (Bremen, mit Carrys, Exoskelette und Drohnen), Hausner HLS Passau mit effizienter Müllentsorgung, digitale Pressen (Maschinenbauunternehmen Schuler).

Montageinseln: Digital vernetzte Montageinseln sorgen für eine Revolution in der Produktion, z. B. in der Automobilindustrie. Es fliegen Drohen und 3-D-Drucker fertigen Teile. Führerlose Gabelstapler liefern aus. Die Verkehrsströme werden von Paula (selbst entwickelte Transportroboter mit GPS und Sensoren).

Disruption: Entmaterialisierung der Geschäftsmodelle. Das größte Transportunternehmen der Welt im Individualverkehr besitzt keine Autos, nur eine Plattform. Der weltgrößte Anbieter von Übernachtungen besitzt kein Hotel, nur eine Plattform.

Modularisierungsstrategie: Firmen zerlegen Produkte in Module und setzen sie anschließend wie Baukastenteile neu zusammen (Lego-Prinzip). So erreichen die Produkte eine größere Standardisierung. Damit aber nicht alle irgendwie gleich aussehen, muss zusätzlich eine Individualisierung erfolgen. Die unternehmen haben mit dieser Strategie das Dilemma der Globalisierung gelöst: Sie können einerseits mehr regionale und lokale Märkte bedienen und andererseits den Weltmarkt bedienen. Komplexität und Kosteneinsparung kann gleichzeitig erreicht werden. Hauptziel ist es, die Kosten in einem Unternehmen zu senken, das viele Produkte oder Modelle hat. Dank des modularen Vorgehens können Unternehmen ihre Produktion und Entwicklung weniger komplex machen. dieses Baukastenprinzip vereinfacht die Planung und Konstruktion und verbilligt den Einkauf. Das Prinzip hat sich vor allem in der Autoindustrie durchgesetzt. Bei Volkswagen wird es besonders intensiv verfolgt. Es gibt modulare Querbaukasten, Längsbaukasten, Sportbaukasten und Baukasten für Nutzfahrzeuge. Auch Toyota führt die Strategie ein.

Künstliche Intelligenz (Mensch-Roboter-Kooperation/ MRK,KI, z. B. Kuka-Roboter): Industrielle "Sklaven" für die Produktion. Sie werden in der Automobilindustrie, aber auch zunehmend in der Logistik, der Medizin und Landwirtschaft, eingesetzt. Damit schrumpfen die Kostenvorteile der Schwellenländer (vor allem die Lohnstückkosten). Alte Industrieländer wie z. B. die USA werden wieder wettbewerbsfähiger, weil sie über bessere Infrastruktur und höhere Stabilität verfügen. Bei den USA kommen noch die geringeren Energiekosten und die Einschätzung als Kompetenzzentrum dazu. Betrachtet man die Anzahl der Roboter je 10.000 Arbeiter führt 2014 Südkorea mit 396 Robotern, vor Japan 332, Deutschland 273, USA 141, China 23 (Quelle: International Federation of Robotics). Rund 17 Milliarden Dollar flossen seit 2009 in KI-Unternehmen). 2014 war das Jahr der KI (Google-Programm kann Fotos beschreiben, Nestle setzt Roboter in seinen Kaffeeläden ein). 2045 könnte Roboter so schlau wie Menschen sein (Fabriken, Verkehr und Landwirtschaft sind komplett automatisiert).  Nach einer Studie der IFR World Robotics gab es 2007 einen Absatz von etwas über 100.000 Industrierobotern weltweit. 2013 lag der Absatz schon fast bei 200.000. 2017 werden fast 300.000 geschätzt. Die zunehmende Vernetzung von Mensch und Maschine in der Industrie-Fertigung soll die Arbeitsprozesse erleichtern. Eine besondere Form der künstlichen Intelligenz besteht in der Aneinanderkoppelung von menschlichen Gehirnen und Computern. Es geht um Lenken per Gedanken (Human-Brain). Die Frage wird immer wichtiger, wer künftig haftet, wenn Maschinen Fehler machen (sind sie vergleichbar den Sklaven in der Antike?). Immer wichtiger wird die Grenze in der Informatik, die man Berechenbarkeit nennt. Was jenseits der Grenze der Berechenbarkeit liegt, lässt sich nicht automatisieren. Dazu gehören die Gefühle oder alles, was Leben ausmacht. Vielleicht gelingt es, ein künstliches Bewusstsein zu schaffen. Damit würden wir die Kontrolle in uns selbst gewinnen. Das wäre dann die größte Revolution seit Beginn des Lebens auf dem Planeten. Vgl. Y. N. Harari: Homo Deus, München 2017.  Es gibt bekannte und einflussreiche Warner und Anhänger der künstlichen Intelligenz. Zu den bekanntesten Gegnern gehören Elon Musk und Stephen Hawking (letzter Fortschritt der Menschheit, Kriegsgefahr). Zu den Anhängern zählen Mark Zuckerberg und Larry Page.   Deep Mind - Mitarbeiter (mittlerweile gehört das Unternehmen zu Google) haben eine Software entwickelt, die bei dem Strategie-Spiel Go (schwieriger als Schach) immer gegen Menschen gewinnt. Apple hat wohl das Thema künstliche Intelligenz verschlafen. Jetzt will Tim Cook das Versäumte nachholen.

KI-Nutzung in Unternehmen: 1. IT (39%). 2. Produktion (18%). 3. Produktentwicklung (17%). 4. Cybersecurity (16%). 5. Finanzen (15%). 6. Customer Service (11%). 7. Logistik/Supply Chain (11%). 8. Vertrieb (11%). 9. Operations (10%). 11. Marketing (10%). 12. Strategie (9%). 13. Legal/Compliance (9%). 14. HR (8%). 15. Einkauf (8%). Quelle: Deloitte-Studie, com!professional 3/21, S. 15.

Industrial Internet Consortium (IIC): Es arbeitet in den USA am Internet der Dinge. Es hat 2015 mehr als 200 Mitglieder. Es entspricht in etwa dem deutschen Pendant Industrie 4.0. Das IIC wird non der Normungsgesellschaft OMG geführt (etwa 800 Mitglieder). Es ist für die Entwicklung von Standards zuständig. Beide Institutionen führt der Computerexperte Richard Soley.

Industrial Internet of Things (IIOT): Es schafft Effizienzgewinne und neue Geschäftsmodelle. Von 2017 an soll der deutsche IIOT-Markt um fast 20% jährlich zulegen (von 7,2 Mrd. € 2017) auf 16,8 Mrd. € 2022  (Quelle: Arthur D. Little 2018). In der Regel verläuft IIOT in drei Schritten: 1, Pilotierung un dGrundlagenbildung. 2. Industrialisierung und Wachstum. 3. Skalierung. Ein ganz wichtiges Element ist die Plattform. Es gibt z. B. Adamos, Bosch Software Innovations/IoT-Plattform, Deutsche Telekom/ IoT-Plattformen, Siemens/ Mindshere u. a. Sicherheit ist die Achillesferse det IIOT.

Anwendungsbereiche von Industrial-IoT-Plattformen: Asset Tracking und Management, Automation Control und Management, Business Process Optimization, Emergency und Incident Management, Logistics, Predicitive Maintenance, Real Time Workforce Tracking und Management, Supply Chain Management. Es gibt eine Reihe von kommerziellen Plattformen: Bosch IoT Suite, Google Cloud IoT, IBM Watson IoT Plattform, Oracle IoT Plattform, Siemens Mindsphere, Voith OnCumulus.

Web of Things (WoT): Das World Wide Web Consortium (W3C) ist das Gremium zur Standardisierung der Techniken des World Wide Web, Im Jahre 2017 wurde die Arbeitsgruppe Web of Things gegründet. Ziel ist eine einheitliche Anwendungsschicht. Dazu gibt es zwei Standards: WoT Architecture und WoT Thing Description,

KI im industriellen Umfeld: Die Integration von KI in IoT - Umgebungen spielt vor allem in der Wartung und Fertigung eine Rolle. speziellere Bereiche sind: Predictive Maintainance, Qualitätssicherung und prüfung, Optimierung von Herstellungsprozessen, IT-Sicherheit und Datenschutz, Automatisierte physische Sicherheit, Ressourcenoptimierung. Vgl. Thomas Hafen: Wie KI das Internet der Dinge revolutioniert, in: com!professional, 5/2020, S. 14ff.

Erklärbare KI: Transparente Algorithmen fördern die Umsetzung von KI-Projekten in Unternehmen. Man muss die Dinge verstehen, um vertrauen zu können. KI kann mehr als Prognosen und das Clustern von Gruppen. Es gibt Planung, suche, Schlussfolgerungen und Wissensrepräsentation. Man kann eine Art Gehirnscan für KI machen (Blackbox). Man kann sich bei Open Source bedienen. Empathische KI wird es vielleicht in ferner Zukunft geben.

Blockchain: Sie ermöglicht ganz neue Prozessketten. Dezentralisierung ist das Stichwort. Lieferketten verändern sich. Handelsregister kann umgestellt werden. Vier Formen sind möglich: Private Blockchain (werden von einer Organisation kontrolliert). Halb private Blockchain (Organisation vergibt Zugriffsrechte). Konsortium-Blockchain (Gruppe). Öffentliche Blockchain (von jedem lesbar).

Sensitive Robotik: Roboter, die von Menschen eingesetzt werden, um z. B. gefährliche Materialien zu berühren, können in Zukunft spüren, was sie berühren und dementsprechend darauf reagieren. Audi setzt auf Mensch-Roboter-Kooperation. In der Montage werden schutzzaunlose Roboter eingesetzt. Sie heben die schweren Teile und positionieren sie im Fahrzeug. Die Montagemitarbeiter verschrauben die eingesetzten Teile.

Roboter und ihr Einsatz: Einsatzbereiche für Roboter sind heute oder in naher Zukunft Lieferbereich (Paketboten), Nanoroboter (bringen Medikamente in die Zellen), Pflegeroboter in Japan, Operationsroboter (präziser als Menschenhände), Verkaufroboter, Kampfmaschinen beim Militär, autonom fliegende Drohnen-Taxis ohne Stau, Haushaltsroboter, Industrieroboter.

Industrieroboter: So gibt es im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)  AILA als Forschungsplattform. Produktionsprofis werden in der Flugzeug- und Automobil- bzw. in der Möbelindustrie eingesetzt. Mehrzweckroboter lassen sich mit anderen interagieren (KMU). Selbstfahrer werden in der Logistik eingesetzt. Kollaborierende Roboter arbeiten mit dem Menschen zusammen (Berührungsprobleme). In Singapur wird ein Roboter entwickelt, der Ikea-Möbel nach Studieren der Anleitung zusammenbauen kann. 2018 setzen 16% der deutschen Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe (mindestens 10 Beschäftigte) setzen Industrieroboter oder Serviceroboter ein.

Einsatz von Industrierobotern weltweit  (weltweiter Durchschnitt 85, Roboter je 10.000 Industriebeschäftigte; Stand 2017): Südkorea 710, Singapur 650, Deutschland 322, Japan 308, Schweden 240, Dänemark 230, USA 200. Insgesamt sind 2,1 Mio. Roboter im Einsatz. Quelle: IAB, IFR.

Kollaborative Roboter: Roboter, die mit Menschen zusammenarbeiten. Führende Hersteller in der Welt sind: ABB (Schweiz), Bosch (Deutschland), Fanuc (Japan), Universal Robots (Dänemark), Smokie, Han´s Motor, Elephant (alle China). China subventioniert der heimischen Hersteller mit Milliarden. Das führt zu einem Überangebot in China. Wenn es dies exportiert, könnte eine Roboterblase und ein Preisverfall drohen.

Humanoide Roboter: Die Maschinen werden immer menschlicher. Führend in Deutschland ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In Japan ist die Softbank führend. Der Nutzen ist eher fragwürdig. Aber insgesamt können Spezialmaschinen weiterentwickelt werden.

Hyperautomatisierung: Elemente: 1. Robotics Process Automation (RPA): Automatisierung repetitiver Aufgaben durch Software-Roboter. Abläufe können über Skripte definiert und als Macro aufgezeichnet und dann vom Roboter selbständig ausgeführt werden. 2. Process Mining: Analyse der Log-Dateien von Applikationen mit dem Ziel, Muster, Trends in der Verarbeitung von Prozessen zu erkennen. 3. Process Discovery. 4. Natural Language Understanding (NLU): Semantische Analyse von Nutzereingaben. 5. Natural Language Processing (NLP): Computerbasierte Erkennung von Inhalten. 6. Low Code( No Code: Plattformen, die automatisch programmieren. 7. KI - basierte Entscheidungsfindung: 8. Intelligent Business Process Management (IBPM). 9. Human/ bot Engagement. 10. Enhanced Optical Character Recognition (OCR). 11. Case Management. 12. Businesss Rules Engine. Vgl. Hafen, Thomas: Wenn Unternehmen zum Selbstläufer werden, in: com!professional 12/2020, S. 14ff.

Robotik in der Intralogistik: Nutzung automatisierter Förderfahrzeuge und Regalsysteme für Einlagerung, Transport und Kommissionierung innerhalb eines Standorts. Beispiele von Innovationen: Butlersysteme für den Transport Ware-zu-Mensch, Ergonomische Exossklelette zur Unterstützung des Menschen. Pilotanwendungen: VW-Werk-Bratislawa. Amazon. Vgl. Hoberg, K./ Alicke, K./ Rachor, J.: Die Digitale Lieferkette, in: HBM, Januar 2020, S. 53.

Online-Plattformen der Zulieferer: E-Commerce und Online-Shopping breitet sich auch immer mehr bei Firmen aus. Dabei steht das Finden eines günstigen Preises im Mittelpunkt. Das Geschäft zur digitalen Lieferabwicklung wird stark expandieren. Kataloge können dynamisch angepasst werden; Bestätigungen automatisch versandt werden (dies kann bis zum Transportmanagement ausgedehnt werden). 2000 namhafte Autozulieferer haben die Plattform "SupplyOn" gegründet, um der Einkaufsmacht der Autohersteller etwas entgegenzusetzen.  

Kollaborations- und Cloud-Plattformen: Anwendung von Cloud-Technologie zur Vernetzung unterschiedlicher Akteure innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette. Beispiele: Echtzeitdatenaustausch zwischen Partnern. Einbindung von Echtzeitverbrauchsdaten von Kunden. BASF.

Micro Factories: Fabriken, die nicht größer sind als ein Supermarkt. Hier werden mit 3-D-Druckern, CNC-Maschinen und Laserschneidern Produkte für den lokalen Bedarf gebaut. Beispiele sind das US-Start-up Local Motors (Kleinbus Olli), GE oder Barcelona.

Mass Customization: Maßgeschneidertes zum Preis von Massenware. Philips macht dies z. B. mit Rasierapparaten. Der Autobauer Daihatsu lässt individuell Autos gestalten. Beispiele sind aber auch Textilien, Uhren, Schuhe, Fertighäuser, Küchen, Möbel, Lebensmittel. Der Bergriff ist ein Oxymoron: aus mass production und customization. Im Deutschen könnte man von Kundenindividueller Massenproduktion (individualisierte Massenfertigung) sprechen. Einerseits werden die Vorzüge der Massenfertigung Skaleneffekte, Erfahrungskurvenvorteile, Automation mit andererseits optimaler Befriedigung der Kundenbedürfnisse verbunden. Man unterscheidet Hard und Soft Customization. Die Produktionsweise beinhaltet Modularisierung (siehe oben) und "Open-Innovation". Wertschöpfungsprozesse werden durch digitale Vernetzung der einzelnen Stufen und dank immer genauerer Big-Data-Analysen tatsächlich immer kleinteiliger und feingliedriger. Das begünstigt Individualisierung. Das kann auch zu größerer Gründungsdynamik mit beruflicher Selbständigkeit (mit Selbstorganisation, Selbstvermarktung) führen, worauf Bildungseinrichtungen reagieren müssen. Mass Customization ist ein Konzept zwischen Einzel- und Massenfertigung. Der Kunde wird einbezogen, damit eine möglichst hohe Effizienzsteigerung innerhalb der Wertschöpfungskette möglich ist. Es wird auf feste Routineprozesse gesetzt (hohe Varietät der Produkte, Baukastensysteme). Vgl. Reichwald/ Piller: Interaktive Wertschöpfung: Open Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung, Wiesbaden 2009.

Design Thinking: Bei der Entwicklung von Produkten steht der Nutzer im Fokus. Der Prozess ist in der Regel Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideen finden, Prototypen entwickeln, Testen. Diese elemente setzen auf einen mehrstufigen Prozess mit optimierten räumlichen Gegebenheiten und multidisziplinären Teams. Drei Faktoren müssen optimal verbunden werden: Menschliche Bedürfnisse, Technische Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit.

Individualisierung in der Fertigung: Digital Factories können individuelle Massenfertigung und eine vernetzte Fabrik. 91% der deutschen Industrieunternehmen investieren 2018 in digitale Fabriken. Ziele sind verbesserte Prozesse, verbesserte Kapazitätsauslastung, geringere Produktionskosten, schnellere Umsetzung von Kundenwünschen, bessere Planung von Wartungsfenstern, geringere Personalkosten, flexiblere Arbeitsorganisation.

Vorteile der Individualisierung: Zusätzliche Wertschöpfung. Minimale Lagerkosten bei On-Demand-Fertigung. Steigerung des subjektiven Werts des Angebots aus Sicht des Käufers. Erhöhung der emotionalen Bindungskraft der Marke. Stärkung der langfristigen Kundenloyalität. Steigerung der Wechselkosten zu einem alternativen Anbieter. Mehr Customer Intelligence für das Unternehmen. Ansprache neuer Kundengruppen. Erweiterung der Produktpalette.

Elemente der Individualisierung: 1. Digitale Zwillinge: auch Digital Twins genannt. Es handelt sich umeine virtuelle Repräsentation der physischen Realität in Bezug auf Objekte wie auch auf Prozesse mit dem Ziel, die Optimierung der Betriebsabläufe zu erleichtern. 2. Vertikale Integration: Industrie 4.0 wird als Anwender und auch interner Lieferant im Bereich industrieller und mobiler Steuerungssysteme sowie hydraulischer Bewegungseinrichtungen genutzt. 3. Licht aus und Hände weg: nur noch Datenwissenschaftler und Softwareentwickler. 4. ARENA 2016 ist ein Forschungscampus der Ubi Stuttgart zusammen mit dem BMBF. Es ist die größte Forschungsplattform für Mobilität.

Unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit und Industrie 4.0: Drei Tendenzen sind prägend: Vernetzungen, Digitalisierung, Big Data. Diese Entwicklungen wirken sich in drei Bereichen aus. 1. Effizienz: (Energie- und Ressourceneffizienz, Produktivitätssteigerungen). 2. Time-to-Market (Kürzere Innovationszyklen, komplexere Produkte). 3. Flexibilität (Individualisierte Massenfertigung, Volatile Märkte). Wertschöpfung muss mehr aus dem Service um die Produkte herum kommen. Additive Fertigung in Niedriglohnländern könnte bald der Vergangenheit angehören.

Praktische Konsequenzen von Industrie 4.0: 1. Individuelle Angebote. 2. Selbständige Diagnosen (Fernwartung). 3. Lieferantenwechsel bei laufendem Produktionsprozess. 4. Integration der Kunden in die Wertschöpfung. Vgl. Heng, Stefan: Industrie 4.0, in: WISU 3/17, S. 321ff.

Peer-Produktion: Gemeingutfertigung durch Ebenbürtige. Sie basiert auf dem Bedürfnisprinzip. Die heute schon greifbaren Resultate sind freie Softwareprojekte wie Linux und Firefox oder auch Wikipedia. Die Trennung von Produzent und Konsument ist überwunden. Die Beteiligten produzieren - ohne Hierarchie und Machtstrukturen - in freiwilliger Kooperation.

Assisted, Augmented und Mixed Reality: Bei Assisted Reality werden Zusatzinformationen, die einen Vorgang unterstützen und vereinfachen, am Rande des Sichtfeldes transparent eingeblendet. Beispiele sind die Head-up-Displays mancher Navigations- und Assistenzsysteme, die Informationen auf die Windschutzscheibe in die periphere Sicht des Fahrers projizieren. Augmented Reality geht einen Schritt weiter und blendet computergenerierte 3D-Welten statt dürrer Zahlen oder einfacher Symbole in die reale Umgebung ein. Die echte Realität wird um virtuelle erweitert. Die Mischung aus virtuellen und physischen Komponenten bezeichnet man als Mixed Reality, es sind also VR-Anwendungen.

Datenbrillen: Man unterscheidet zwischen Monokularen Datenbrillen für Assisted Reality und Binokularen Datenbrillen für Assisted/Augmented)Mixed Reality. Hersteller ersterer sind z. B. Vuziz, Telepathy, Google und Fujitsu. Letztere kommen z. B. von Epson, ODG oder anderen. Die Hololens von Microsoft hat eine Sonderstellung. Windows Mixed Reality ist eine durchgängige Plattform zur Erstellung und Nutzung von Mixed-Realty-Anwendungen. Die Technik erobert Architekturbüros, Logistikhallen und Fertigungsstraßen.

Einsatzmöglichkeiten von Assisted, Augmented und Mixed Reality: Mehrwerte könnten in folgenden Bereichen erzielt werden: Logistik (Kommissionierung, geringere Fehlerquote, mehr Produktivität, höhere Mitarbeiterzufriedenheit); Fertigung (Anweisungen als Schritt-für-Schritt-Anleitung, komplexe Montagevorgaben); Bauwesen (Gebäude lassen sich visualisieren); Medizin (erweiterte Information während der OP); Qualitätssicherung (Prüfprotokolle); Marketing (Produkte in der realen Umgebung); Zusammenarbeit (Schulungen, Design); Service und Wartung (Wartungshandbücher, graphische Darstellungen); Aus- und Weiterbildung (Training an virtuellen Objekten); Militär (Informationssysteme in Fahrzeugen, Befehle). Vgl. com!professional 3/2018, S. 20.

Cloud-Integration in der Produktion: Z. B. Cloud + SAP HANA. Anwendungsintegration und Prozessintegration. So kann unmittelbar eine Verbindung von Preisschwankungen auf den Märkten (Wechselkurs, Ölpreis) und den Kosten im Unternehmen hergestellt werden. SAP unterscheidet zwischen der Public Cloud und der Managed Cloud (+ Marketplace). Damit wird auch Energiemanagement ermöglicht.

Machine Learning: Aufbau von Algorithmen, die maschinelles Lernen ermöglichen. Vorher brauchen sie immer noch Lehrer. Die sprachliche Kommunikation wird immer besser. IT-Konzerne investieren viel in die Technik. Möglich sind heute Bildanalysen, Spracherkennung u. a.. Frameworks (von der Stange) senken die Einstiegshürden. Solche Frameworks sind z. b. Apache Singa, Chainer, PaddlePaddle oder Theano.

Robotic Process Automation (RPA): Software-Roboter beschleunigen Prozesse und entlasten Mitarbeiter. Die Vorteile sind: Höhere Produktivität, Zeitgewinn, geringere Fehlerquote, Ausdauer, hohe Skalierbarkeit, Kostenvorteile.

Intelligent Automation: Plattformen und Künstliche Intelligenz erweitern die Möglichkeiten der Automatisierung. Prozesse können effizienter gemacht werden. Es gibt typische Einsatzgebiete: Datenquellen, die bisher nicht genutzt werden können. Routinevorgänge, die regelmäßig hohe Fehlerquoten aufweisen. Welche Arbeiten können beschleunigt werden? Gibt es Synergien? Welche Kanäle können zusätzlich für die Datenerfassung genutzt werden? Intelligent-Automation-Plattformen sind: Automation Anywhere; Blue Prism; Celonis; Kofax; Redwood Software; Pegasystems; UiPath. Vgl. Intelligent Automation macht Prozesse effizient, in: com! professional 8/2019, S. 14ff.

Supply Chain Management (SCM): IoT, Blockchain und KI verändern die Lieferkette. Besonders fehlen globale Prozessorganisationen. Bestandteile müssen sein Verfügbarkeit, Vertrauen, Transparenz, Sicherheit.

Die Rolle des Controllers: Die Wertschöpfungskette ist weiter und über das einzelne Unternehmen hinausgehend zu verstehen. Dies macht es möglich, die Produktion nach individuellen Kundenwünschen auch in kleinen Serien auszurichten. Die digitale Transformation von Unternehmen erfolgt aber nicht nur entlang der Wertschöpfungskette, sondern auch in organisatorischen Zentralfunktionen wie Einkauf, Personal, Finanzen und Controling. Das Controlling bekommt echtzeitbasierte Steuerungsinstrumente über die gesamte Supply Chain hinweg. So kann kurzfristig und schnell auf geänderte Marktentwicklungen und Produktanforderungen oder auf unvorhergesehene Ereignisse flexibel reagiert werden. siehe: Oehl, Holger: Industrie 4.0. Die Rolle des Controllers.

Product Information Management: Produktdaten ordnen und nutzbar machen. Wenn Artikelzahl und Datenmenge zunehmen, könnte sich ein PIM-System lohnen. Es gibt eine Reihe fertiger Systeme. Einige Beispiele: Apollon, Brickfox, Contentserv, Informatica. Vgl. Christiane Fröhlich: Produktdaten ordnen und nutzbar machen, in: com!professional 10/2019, S. 74ff.

IP500: Kommunikationsstandard für Sicherheitsanwendungen im Internet of Things. Ermöglichung einer drahtlosen und sicheren Gebäudeautomation. Dazu gehören: Feuer- und Rauchmelder, Steuerung der Wege zu Notausgängen, Alarmsysteme, Licht- und Klimasteuerung. Definiert wird IP500 von der IP500 Alliance.

Lieferketten (Supply-Chains) und ihre Digitalisierung:  1. Mit Transparenz zu mehr Resilienz. 2. Geschäftskontinuität dank Schadensbegrenzung. 3. Kundenorientierung für mehr Profitabilität. 4. Smarte Logistik als Wachstumshebel. 5. Effizienzsteigerung dank KI. Vgl. Kobylinska, Anna: Lieferketten schützen und krisenfest machen, in: com!professional 10/2020, S. 74ff.

"Just - in - Time" versus Just - in - Case": In der Corona-Krise und bei der Havarie im Suezkanal zeigen sich die Grenzen der Just-in-Time-Logistik. Das Prinzip steht vor der Ablösung. Die unternehmen investieren jetzt lieber in mehr Lagerraum als in teure Notfalltransporte. Außerdem streuen sie das Risiko und lassen mehr Zulieferteile und Vorprodukte in der Nähe fertigen. eine langsame Lieferkette ist immer noch besser als eine kaputte. 

E - Procurement: Internetbasierte Beschaffung. "Integration von netzwerkbasierter Informations- und Kommunikationstechnologie zur Unterstützung der operativen Tätigkeiten und strategischen Aufgaben in den Beschaffungsbereichen von Unternehmen", siehe: Wirtz, Bernd W.: Electronic Business, Wiesbaden 2020, S. 817. Der Entwicklungspfad geht von indirekten Gütern über geringwertige direkte Güter, Rohstoffe zu hochwertigen direkten Gütern (E-Collaboration, Integration von Lieferanten) Wirtz, Bernd W.: E-Business, Wiesbaden 2020 (7. Auflage), S. 820.

E-Products (digitales Produkt): 1. By Composion (Produkt nur in digitaler Form, z. B. Software). 2. Digital präsentierbare Produkte (tangibles Element: Flug und Ticket). 3. Information (mit monetärem Wert, Online-Varianten). a. a. O. S. 676.

Product Experience Management (PXM): Produktionsdaten sollen einen stärkeren Beitrag zur Customer Experience leisten. Dabei gehen das Product Information Management (PIM), das Digital Asset Management (DAM) und ein Data Governance Hand in Hand.

Industrial Cloud: Cloud Computing im Herzen der Industrie. Zulieferer und Maschinenbauer sollen ihre Produkte auf einem Marktplatz für Industrieanwendungen feilbieten. Die Meinungen darüber gehen noch weit auseinander. Befürworter sind Volkswagen und Amazon.

Von Kubernetes zu Container as a Service (CaaS): Mit CaaS wird die Ablaufumgebung für Container, also die Container-Plattform, von einem Cloud-Anbieter bereitgestellt und muss nicht im eigenen oder gemieteten Rechenzentrum aufgebaut werden. Als Unternehmen spart man sich den Betrieb und die Bereitstellung der Plattform. Das kann ein optimaler Weg für den Mittelstand sein. Knackpunkt ist die Sicherheit. Sicher wird das Management und die Implementierung von Container-Technologien immer wichtiger  (Patch-Prozess). Vgl. Pfliegl, Konstantin: Aus Kubernetes wird Container as a Servise, in: com!professional 1/2021, S. 42ff.

Neuorganisation der Lieferketten unter Nachhaltigkeitsaspekten nach der Corona-Krise: In der Corona-Krise gibt es Ansätze, Lieferketten zurück nach Deutschland und Europa zu holen. Das hat erst mal per se einen Nachhaltigkeitseffekt. die Frage bleibt, ob in globalen Lieferketten die externen Effekte im Ausland vermieden werden können. hier hat man Hoffnung in das neue Lieferkettengesetz in Deutschland. Der technische Fortschritt könnte auch zu mehr Nachhaltigkeit führen, z. B. Vermeidung von Seltenen Erden. Vgl. bdvb - Veranstaltung am 09.02.21 in Zoom, Diskussion Claudia Kempfert/ DIW, Timm Rugen/ BCG. Vgl. auch: World Economic Forum & BCG: The Supply Chain Opportunity, January 2021.

Produktion in der Heimat: Die lokale Herstellung wird von der Corona-Pandemie belebt. Es ist der verzicht von Fertigung in Asien oder Amerika. Nachteil: Personal ist vor Ort häufig knapp. Schnelles Wachstum ist auch schwieriger möglich. Wichtig sind die guten Beziehungen zu den Lieferanten. Vor allem im Outdoor - Bereich üblich (Wanderschuhe, Fahrradtaschen). Vgl. Gröger, Thomas/ Esslinger, Martin: Wie die Produktion in der Heimat im Corona-Chaos hilft, in: Handelsblatt Nr. 65, 6. April 2021, S. 44.

Globale Arbeitsteilung: Die Erfahrung von Versorgungsengpässen in der Corona-Pandemie und sinkende Kapitalkosten verändern die globale Arbeitsteilung. Automatisierung und 3-D-Druck könnten nach Corona verstärkt an die Stelle unsicherer Lieferketten treten. Das wiederum könnte zum Problem der Entwicklungsländer werden. Sie brauchten ein neues Geschäftsmodell. Vgl. Losse, Bert: Roboter bekommen kein Corona, in: WiWo 23/ 4.6.21, S. 36f.

Lieferkettengesetz: Sozial- und Umweltstandards (auch Menschenrechte) in globalen Lieferketten: Ende 2019 planen Arbeitsministerium und Entwicklungshilfeministerium ein solches Gesetz. Sie wollen Standards in der globalen Produktion erreichen. Es geht um mehr Fairness bei der Herstellung. Preise sollen offen gelegt werden. Große Handelsketten haben sich schon freiwillig verpflichtet, Existenz sichernde Einkommen für Erzeuger in Herkunftsländern zu fördern. 2200 große Unternehmen sollen einen Fragebogen ausfüllen, der 37 Kriterien überprüft. Die Corona-Krise führt dazu, dass das Gesetz vorläufig auf Eis gelegt wird. Danach geht ein Gezerre los. Die Spitzenverbände der Wirtschaft laufen Sturm gegen das Gesetz. Sie fürchten um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Aber auch die EU arbeitet an neuen regeln. Es soll eine Gleichbehandlung von Online- und stationärem Handel geben. Eine europäische Antwort wäre auch besser. Im Februar 2021 einigt man sich in der Regierung auf das Gesetz (Arbeitsminister, Entwiklungshilfeminister, Wirtschaftsminister). Es ist ein Minimalkonsens. Es gilt für größere Unternehmen ab 2023. Weltweit sollen Menschenrechte und Umweltvorgaben eingehalten werden. Es gibt auch Bußgelder und einen Klageweg für Hilfsorganisationen. Ende Mai 2021 wird das Gesetz im Bundestag beschlossen.  Von der Wertschöpfung aus den globalen Produktionsnetzen entfallen 67 Prozent auf dei Industriestaaten der OECD und 33 Prozent auf die Schwellen- und Entwicklungsländer. 152 Mio. Kinder arbeiten trotz Verbots. 25 Mio. Menschen gelten als moderne Sklaven. Quellen: ILO, UN-Handelskonferenz.

Friedhelm Loh Group GmbH & Co. KG, Haiger/ Hessen: Fertigen von Industriegehäusen für Industrie 4.0. Schlüsselfertige Lösungen für vernetzte Fabriken. Produktion mit künstlicher Intelligenz und Datensouveränität; seit 1961; 12.000 B.; 2,6 Mrd. € Umsatz 2019.

Paradoxon der digitalen (Un-) Produktivität: Digitalisierung allein reicht nicht aus. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, darf die Industrie auch Investitionen in Sachanlagen nicht vergessen. Die Digitalisierung ineffizienter Prozesse hat ineffiziente digitale Prozesse zur Folge. Das Produktivitätsniveau von 2021 entspricht dem von 2011. Vgl. Horn, Alexander: Das Paradoxon der digitalen (Un-) Produktivität, in: WiWo 24/11.6.21, S. 41.

Produktion "just in case": Neue Produkttionsweise nach der Corona-Krise. Das strategische Outsourcing wird überprüft. Ein neues Risikobewusstsein setzt ein. Klimaschutz und explodierende Rohstoffpreise zwingen Unternehmen, ihre Produktion neu zu ordnen. Alles wird dem Ziel untergeordnet "Kontrolle behalten und resistenter werden". Im Falle eines Falles muss Material da sein. das notfalls gelagert wird. Zulieferer werden auch umgangen, um Rohstoffe zu sichern und sie Zulieferern zur Verfügung zu stellen. Unternehmen setzen wieder mehr auf Lager und holen Produktion ganz nach Europa zurück. Der Einsatz von Robotern und 3-D-Druck könnte Differenzen in den Lohnkosten in der Heimat, Osteuropa und Asien ausgleichen. Vgl. Kiani-Kress, Rüdiger u. a.: Globalisierung 4.0, in: WiWo 24/11.6.21, s. 46ff.

 

Digitales HRM:  Mission mit Mensch im Mittelpunkt (Unternehmensführung in digitalisierten Arbeitswelten)

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen, Chinesisches Sprichwort.

Stratege der Zukunft: Er steht zwei Unsicherheitsfaktoren gegenüber: 1. Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung. 2. Politische und wirtschaftliche Stabilität wichtiger Märkte. Es gibt vier Typen: 1. Der Weiterentwickler und Verbesserer. 2. Der Fels in der Brandung. 3. Der digitale Vorbereiter. 4. Der Weichensteller. In der Kompetenzpyramide gibt es drei Stufen: Stufe 1, 2 und 3. Vgl. Wulf, T./ Meissner, P./ Hutzschenreuter, T.: Der Stratege der Zukunft, in: HBM Dezember 2018, S. 38ff.

Chief Digital Officer (CDO): Seine Aufgabe besteht darin, analoge Prozesse ins digitale zu transformieren.  Er soll Innovationen hervorbringen und das Geschäftsmodell des Unternehmens für die Digitalisierung umbauen. Er muss sowohl technisches als auch kaufmännisches Verständnis haben.

Digitalisierung der Mitarbeiter und von HR: Die Verwaltung der Mitarbeiter mit HR-Software verlagert sich in die Cloud. HR-Dienste können auch aus der Cloud abgerufen werden. Damit verliert die klassische Personalverwaltung an Bedeutung. Anbieter sind z. B. Haufe (Umantis), IBM (Kenexa Talents Insights), Oracle (Human Capital Management Cloud), SAP (ERP Core Human Resources), Workday (Human Capital Management) und Sage (HR & Personalabrechnung).

INSEL: Fünf systemrelevante Kompetenzen nach einer Framework der OECD. 1. Informativität (Information und Aktivität). 2. Netzkompetenz (Interaktion in heterogenen Gruppen). 3. Selbstorganisation (Selbstmanagement, Lernfähigkeit, Selbstvermarktung). 4. Ethos (sittliche Verfasstheit). 5. Leadership.

Neue Jobs im Zeichen der Digitalisierung: Chief Digital Officer (CDO, s. o.), Data Strategist, Chief Disruption Manager, Data Scientist, Social Media Manager, Security Manager, Real-Time Advertising Manager.

Tagelöhner in der Digitalwirtschaft: Auch der Bereich braucht Arbeiter. Die häufigsten Tätigkeiten sind: Vermietung, Lieferservice, Testen von Produkten, IT - Tätigkeiten, Texte schreiben/ redigieren, Erfassen/ Überprüfen von Daten. Vgl. Schwarz, Elisa: Tagelöhner im Nebenjob, in: Die Zeit, Nr. 19, 2. Mai 2019, S. 29.

Erfahrung und Routine im Bezug zu Industrie 4.0: Die fortschreitende Digitalisierung verlangt von den Beschäftigten, mit Komplexität und Wandel umzugehen. Bisher weiß man wenig über die dafür notwendigen informellen Anforderungen. Erste Ansätze bringt ein Index des Arbeitsvermögens mit folgenden Elementen: Situatives Umgehen mit Komplexität, Situative Unwägbarkeiten, Strukturelle Komplexitätszunahme, Relevanz Erfahrungslernen. Vgl. Pfeiffer, S./ Suphan, A.: Erfahrung oder Routine? Ein anderer Blick auf das Verhältnis von Industrie 4.0 und Beschäftigung, in: BWP 6/ 2015, S. 21ff.

Workplace Design: Die digitale Welt beginnt am Arbeitsplatz. Das Stichwort heißt Flexibilität. Wissen, Kompetenzen und Menschen müssen zusammengebracht werden. Die Innenarchitektur, Raumgestaltung müssen dies befördern. Vgl. Hentrich, C/ Pachmajer, M:: d.quarks, Hamburg 2017, S. 33ff.

Personalized Employment: Arbeit wird in der Digitalisierung individualisiert statt standardisiert. Talente wollen Flexibilität. Die Digitalisierung erweitert so die Möglichkeiten für die Menschen. Innovation ersetzt zunehmend Struktur. Es gibt auch neue digitale Rollen (Talent-Management).

People Analytics: Bewältigung der Personalauswahl und -entwicklung mit Big Data. IT-gestützte, automatisierte Analyse und Steuerung von Personalmaßnahmen (Bewerberauswahl, Personaleinstellung, Messung der Mitarbeiterzufriedenheit, Karriereplanung). Vielleicht können die quantitativen Analysen für mehr Fairness sorgen. Die Firmen sind noch eher vorsichtig (Angst vor Betriebsräten?). Die Algorithmen können natürlich Foto und Namen nicht auswerten.

Tools für HR-Manager: Cloud-Lösungen: Sage, Lohnabrechnung; Zep, Projekte abwickeln, Arbeitszeiten erfassen, Reisekosten verwalten; Xpenditure, Reisekosten. auch HR-Analytics der Personalabteilungen wird zunehmen. 

Die digitale Personalakte: Mit modernen HR-Tools können KMU ihre Personalarbeit digitalisieren. Dabei stehen schlanke Tools versus All-In-One-Lösungen. Die meisten Tools gibt es für das Recruting. Dann folgen digitale Personalakte, Personalentwicklung, Zeitwirtschaft und Personalabrechnung. Anbieter sind Softgarden, Erecruiter, Coveto, Bite, Personic, Heaven HR, Javando, HR Works und andere. Vgl. Diego Wyllie: Die Digitale Personalakte, in: t3n Magazin 53/2018, S. 152ff.

Recruiting 4.0:  Neue Methoden der Personalauswahl, insbesondere Integritätstests und Sprachanalyse. Anhand der Sprache zieht man Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschen (Precire Technologies).

Future Work Skills: Flexibilität, Urteilskraft, Digitale Teamfähigkeit, Denken wie ein Computer, Sinn für Prioritäten, Medienkompetenz, Kooperationsbereitschaft, Interkulturelle Kompetenz, Soziale Intelligenz (Quelle: IFTT, University of Phoenix, 2020). "Die Digitalisierung beginnt in den Köpfen und setzt die Bereitschaft zu ständiger Veränderung und Innovation voraus", Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des IT - Branchenverbands Bitkom 2017.

Soft Skills: Mitgefühl (Empathie), Interkulturelle Kompetenz, Blick in den Spiegel (eigene Grenzen), Professionalität, Respekt u. a.. Ergänzung zu den Fachkenntnissen. Oft auch umfassender gesehen: Fachliche Kompetenzen, soziale Kompetenzen, methodische Kompetenzen, personale Kompetenzen (Selbstbewusstsein, Leistungswille, Ausdauer).

Mission mit Mensch im Mittelpunkt: Der digitale Wandel stellt Entscheider vor große Herausforderungen. Doch die betreffen nicht allein neue Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle, sondern auch den Menschen selbst.

Dem Menschen kommt im Prozess dieser digitalen Transformation eine zentrale Bedeutung zu - er wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Man sollte folgende Schritte ausführen:

1. Digitalkompetenz im Topmanagement aufbauen.

2. Moderne Führungskonzepte etablieren.

3. Lernagilität von Beschäftigten fördern.

4. Kundenkontakte in den Mittelpunkt stellen.

5. Beschäftigungsfähigkeit sichern.

6. Digitale Vereinsamung bekämpfen.

Vgl. Bruch, Heike/ Jochmann, W./ München, A.- P./ Stein, F.: Auf digitaler Mission, in: HBM, April 2019, S. 20ff.

Digitale Hilfsarbeiter (KI im Recruiting): Vor allem drei Anwendungen ragen hervor. 1. Matching-Alorithmen: Vergleich von gebrauchten und vorhandenen Fähigkeiten. 2. Chatbots: Beantwortung von Bewerberfragen. 3. Stimmenanalyse: KI analysiert die Psyche. Vgl. Guldner, Jan: Unnatürliche Selektion, in: WiWo 28, 5.7.2019, S. 92ff.

Digitale Fingerfertigkeit: Auf das Digital-Know-how der Mitarbeiter kommt es an. Dazu gehören: 1. Digital Dexterity. Gesamtheit aller Fähigkeiten von Menschen und Organisationen sich an neue Technologien anzupassen. Im Einzelnen umfasst sie den Ton angeben, Vorleben, Kollaborative Arbeitsweise, Wissenstransfers erleichtern, Autonomie stärken, Operativ einbetten. 2. Lebenslanges Lernen.

10 Top Skills in der digitalen Welt: 1. Lösung komplexer Probleme. 2. Kritisches Denken. 3. Kreativität. 4. Mitarbeiterführung. 5. Abstimmung mit anderen. 6. emotionale Intelligenz. 7. Urteilsvermögen und Entscheidungsfähigkeit. 8. Serviceorientierung. 9. Verhandlungsführung. 10. Kognitive Flexibilität. Siehe Andera Gadeib: Die Zukunft ist menschlich. Manifest für einen intelligenten Umgang mit dem digitalen Wandel in unserer Gesellschaft, Offenbach (Gabal) 2019, S.131.

Digital-Know-how in KMU: 2020 mach KfW  - Research eine Analyse dazu. Es besteht ein Mangel an einschlägigen Kompetenzen. 38% der KMUs sehen aktuell fehlende Kenntnisse des Personals als Digitalisierungshürde. Für acht von zehn Mitttelständlern ist mindestens eine Digitalkompetenz von großer Bedeutung: Standard-Software/ digitale Endgeräte, Online-Kompetenzen, digitale Maschinen, Programmieren, Statistische Datenanalyse.

Change-Management für digitalen Wandel: Phasen: Unfreezing (Auftauen), Moving (Bewegen), Refreezing (Einfrieren), Bewusstsein für Veränderungen schaffen, Vision und Strategie entwickeln, Vision und Strategie kommunizieren, kurzfristig sichtbare Erfolge planen, Professionelle Steuerung, Veränderungen institutionalisieren, neue Verhaltensweisen kultivieren. Manchmal werden Change Agents gebraucht oder auch Hilfe von außen. Konstantin Pfliegl: Digitaler Wandel braucht Change-Management, in: com!professional 2/2020, S. 18ff.

Talente finden mit künstlicher Intelligenz: Algorithmen in Recruiting und Personalmanagement. Das ist, dass bessere Entscheidungen getroffen werden. Jeder HR-Bereich kann betroffen sein. Die große Gefahr ist Diskriminierung. Es gibt schon eine Reihe von Tools: Actonomy, Crystal, Eightfold, IBM, Recruit Robin, Textio, Textkernel.

Soziale Distanzierung (social distancing) und Digitalisierung: Räumliche Distanzierung (physische Distanzierung). Reihe von nicht-pharmazeutischen Maßnahmen zur Infektionskontrolle, die die Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit stoppen oder verlangsamen sollen. Es handelt sich um eine Art Quarantäne. Diese Strategie, die medizinisch in bestimmten Fällen geboten ist, steht menschlichen Bedürfnissen und kulturellen Gewohnheiten gegenüber. Deshalb kann es zu negativen folgen psychischer Art kommen (Einsamkeit, Angst, Panik, häusliche Gewalt, persönliche Konflikte).

Bei Sozialer Distanzierung zeigen sich große Vorteile der Digitalisierung: 1. Arbeit kann von zu Hause aus unter bestimmten Bedingungen verrichtet werden (Homeoffice). 2. Schulen und Hochschulen können ihre Lehrinhalte digital vermitteln (E-Learning). 3. Soziale Kontakte, die für jeden Menschen notwendig sind, können virtuell aufrechterhalten werden (soziale Medien). 4. Viele Solo-Selbständige (Künstler, Musiker u. a.) können ihre Leistungen und Programme virtuell vermitteln.

New Work: Arbeiten von morgen im Rahmen der Digitalisierung. Dazu gehören Workshifting, Jobsharing und Viertagewoche. Workshiftung ist die Verlagerung von Arbeit. Es ist die Bereitstellung einer Arbeitsumgebung zur zeit- und ortsunabhängigen Zusammenarbeit von Mitarbeitern.  Beim Jobsharing teilen sich zwei oder mehr Arbeitnehmer in Teilzeit einen Vollzeitjob. Beim Hybrid Jobshare wird ein Arbeitsplatz von zwei Mitarbeitern besetzt, die diesen in Vollzeit besetzen. Viele dieser Formen wird es in Zukunft mehr geben.

Chief Learning Officer (CLO): Weil sich die Arbeitswelt gerade rasant verändert, ist eine kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg entscheidend. Dabei hat der CLO eine immer größere Rolle. Sie und die Bezeichnung beinhaltet, dass er mehr Transformer ist. Er muss Veränderungen in den Lernzielen, Lernmethoden und Weiterbildungsabteilungen umsetzen. Konkret geht es um folgende Fähigkeiten für die digitale Welt: 1. Digitale Kommunikation. 2. Agile Praktiken. 3. Digitale Geschäftsmodelle. 4. Compliance und Risiken. 5. In Abläufen denken. 6. Digitale Technologie. 7. Datenbasiertes Denken. Vgl. Lundberg, A./ Westermann, G.: Vom Trainer zum Transformer, in: HBM Mai 2020, S. 48ff.

Collaboration: Die Begriffe Collaboration, Social Collaboration oder Social Intranet werden inflationär verwendet. Es ist also auch ein Modewort. Es geht im Kern darum, Teamarbeit intelligent umzusetzen. Arbeitsweise und Unternehmenskultur werden verändert. Voraussetzung sind bestimmte Freiheitsgrade (eigenständiges Handeln). Das Rahmen-Thema ist Change-Management. In der Regel werden Collaborations - Plattformen aufgebaut. Vgl. Pfliegl, Konstantin: Collaboration, in: com!professional 7/2020, S. 22ff.

Digitale Lehrinhalte: Lehrinhalte sollten digital werden, nicht nur ihre Vermittlung. Programmiersprachen sind die Grundlage der digitalen Zukunft. Digitale Technologie darf nicht nur zur Unterhaltung genutzt werden, sondern muss in Lösungsansätzen integriert werden.

Digital Leadership: Sie ist eine Kombination vieler Faktoren: Antizipieren der Marktanforderungen, der Produktexellenz und der schnellen Time-to-Market. Bildung neuer interdisziplinärer Teams.

Digitalisierung erfordert ein neues Führungsverständnis. Es gibt digitale Anführer. Diese haben drei Rollen: Digital Investors, Digital Pioneers, Digital Transformers.

Führungskräfte besitzen ein breites Spektrum an Rollen. Es gibt klar definierte Prinzipien und Prozesse. Es gibt Abstimmungsprozesse. Es herrscht hohe Transparenz. Lernen aus Fehlern. Innovation und Wachstum.

Erfolgreich ist Digital Leadership nach folgenden Kriterien: 1. Erfolgsfaktor Kultur nicht unterschätzen. 2. Mitarbeiter aktiv in den Kulturveränderungsprozess einbinden. 3. Nicht versuchen, alles auf einmal zu verändern. 4. Sicherstellen, dass man sich bei der Mitarbeiterkommunikation vor allem auf das "Warum" konzentriert. 5. Ein starkes Governance-Programm hinter der Vision. 6. Etablieren einer Lernkultur und eine Infrastruktur aufbauen, die kontinuierliches Lernen ermöglicht. 7. Besonders für die Digital-Native-Generation neue und innovative Lernmethoden nutzen. 8. Zusammenarbeit von Führungskräften aus IT- und Business-Departments. Vgl. Pfiegl, Konstantin: Führungskräfte als digitale Vorreiter, in: com!professional 9/2020, S. 14ff.

Führungskraft und Digital Leader muss eins werden: Technologiekompetenz ist in allen Führungsgremien erforderlich. Insofern ist der Chief Digital Officer falsch.

Digitale Lernplattformen: 1. Lecturio: Karriere- und Softwarethemen. Online-Repetitorium für Jura und Medizin. 2. EDX: Seit 2012. Von Harvard und MIT. Kostenlos. 3. Masterplan: Deutsches Start-up. Kostenpflichtige Kurse zur Digitalisierung. 4. Udemy: Globale Weiterbildungsplattform. 210 gegründet. Auch breites Angebot auf Deutsch. 5. Usacity: Schwerpunkt IT. Kostenpflichtig. Vom Deutschen Thrun in Stanford 2012 gegründet.

Social-Media-Recruiting: In Deutschland noch ganz am Anfang. Auf der beruflichen Plattform "Xing"  gibt es erste Versuche.

HR-Jobs der Zukunft: Stratege für die Aufrecherhaltung der Arbeitsfähigkeit, Chatbot- und Sprachexperte, HR- Daten - Detektiv, Anti-Bias-Spezialist (Algorithmen), Anti-Bias-Analyst (Mitarbeiter), Home - Office - Unterstützer, Koordinator für interne Talentmärkte, Experte für genetische Vielfalt, Virtual - Reality  - Berater, Architekt für Arbeitsumgebung, Stratege für dei Arbeitswelt der Zukunft, Coach für ältere Jobwechsler, Koordinator für lebenslanges Lernen, Experte für Businessverhalten, Koordinator für Mensch-Maschine-Teams, Purpose - Entwickler, Coach für Ablenkungsprävention, Coach für Mitarbeiterqualifikation, Beauftragter für Gesundheit und Wellbeing, Leiter der Klimakommunikation. Quelle: Robert H. Brown et al.: 21 HR Jobs of the Future, Cognizant Center for the Future of Work, Mai 2020.

 

Digitale Finanzierung und Blockchain (Digital Finance, Finanzierung über Plattformen, mit wichtigen Unternehmen, Digital- und Parallelwährungen, Robo Adviser):

"Das menschliche Gehirn ist eben nicht zum Auswendiglernen von Sachverhalten, sondern für das Lösen von Problemen optimiert", Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Mutmacher, Frankfurt (S. Fischer) 2011, S. 160.

Blockchains: Treten im Zusammenhang mit Digitalwährung auf. Ein gutes Beispiel ist Bitcoin. Interessant ist die Technologie und die Logik: 1. Person A kauft von Person B bestimmte Diamanten (Geschäft). 2. Verifizierung (Identifizierung, Eigentümer). 3. Transaktion (anonym). 4. Validierung. 5. Umsetzung. 6. Ergebnis. Vgl. Bettina Schulz, Das ärgert Betrüger, in: Die Zeit, Nr. 3, 14.01.2016, S. 24f. Allgemein ist eine Blockchain ein dezentrales Register für Transaktionen. Alle Transaktionen werden in Blöcken zusammengefasst und bilden eine Kette. Ein aufwendiges Rechenverfahren gewährleistet die Unveränderbarkeit der Blockchain. Sie kann vertrauensbildende Intermediäre ersetzen, zum Beispiel Banken. So werden Geschäftsprozesse automatisiert. Es entsteht eine gemeinsame Vertrauensgrundlage (Konsens, Proof-of-Work). Zwischengeschaltete Finanzinstitute fallen weg. Es entsteht auch mehr Transparenz, da die Blockchain ein globales Hauptbuch darstellt, in dem alle Transaktionen gespeichert werden. Bei einzelnen Schritten bestehen Variationsmöglichkeiten: Da der Proof-of-Work-Mechanismus viel Rechenleistung und Energie fordert, wurde Proof-of-Stake als energiesparende Alternative entwickelt. Die Bundesregierung hat im September 2019 ihre Blockchainstrategie veröffentlicht. Sie beschreibt, wie Wertpapiere und der Euro auf Blockchain-Systeme gebracht und wie Krypto-Assets und Stablecoins künftig reguliert werden können. Die Regelung dürfte Rechtssicherheit und eine solide Rechtsgrundlage schaffen. Vgl. Sandner, Philipp/ Groß, J.: Blockchain-Strategie. Ein wichtiger Schritt, in: Wirtschaftsdienst 2019/11, S. 744f.

Die Blockchain besteht aus vier Teilen: 1. Einem Wallet und Schlüssel. Ein Wallet ist eine digitale Geldbörse, bestehend aus einem öffentlichen (public key) und privaten Schlüssel (private key, geheim). Mit dem privaten Schlüssel wird die Identität las berechtigter Besitzer der Wallet bestätigt. Der öffentliche Schlüssel entspricht etwa einer gewöhnlichen Kontonummer. 2. Verteiltes System. Die Transaktionsabwicklung läuft in einem Netzwerk auf spezieller autorisierter Hardware. Geschäftsabschlüsse werden kryptographisch abgesichert. 3. Kassenbuch. Transaktionen werden chronologisch aufgezeichnet. 4. Peer-to-Peer. Direkter Austausch von Werten zwischen einzelnen Marktteilnehmern. Vgl. com professional 11/16, S. 14ff.  Im Bereich Finanzen  arbeiten US-Unternehmen wie IBM, Intel und J. P. Morgan schon mit der Blockchain -Technologie. Hierüber werden die Bücher sicher ausgetauscht. Sie können von jedem geprüft werden, der eine Berechtigung besitzt. Den Unternehmen bietet das den Vorteil, dass sie zum Beispiel die Einhaltung von Bilanzregeln per Croudsourcing prüfen lassen und sie bekommen von einem breiten externen Netzwerk Feedback zu ihrem Finanzmanagement. Das signalisiert auch Vertrauenswürdigkeit. Mittlerweile gibt es auch Blockchain - Finanzdienste: Es handelt sich um P2P-Kreditvergabeunternehmen (Peer-to-Peer). Einige sollen hier aufgeführt werden. lendico.de ist ein P2P-Kreditvergabe- und Anlageportal von Privatpersonen an Privatpersonen und Kleinunternehmer. auxmoney.com ist ein P2P-Kreditvergabeportal von Privatpersonen an Privatpersonen. Sieben Gestaltungsprinzipien beeinflussen die Blockchain - Wirtschaft: 1. Vernetzte Integrität. 2. Verteilte Macht. 3. Wert als Anreiz. 4. Sicherheit. 5. Datenschutz. 6. Wahrung von Rechten. 7. Inklusion. Vgl. Don Tapscott/ Alex Tapscot: Die Blockchain - Revolution, Kulmbach 2016.

Geldtransfer via Blockchain: Person A will Person B Geld schicken. Die Transaktion wird online in einen Datenblock verwandelt. Der Datenblock wird an jeden Rechner im Blockchain - Netzwerk geschickt. Jeder Rechner prüft die Transaktion automatisch und gibt sie frei. Der Datenblock wird zu der Kette hinzugefügt und kann nicht mehr verändert werden. Das Geld wechselt von Person A zu Person B. Vgl. Financial Times. , 2016.

Die Entwicklung schreitet fort. Einmal zum Algorithmischen Handel: Computergestützte und automatisierte Entscheidungs- und Durchführungshilfen setzen sich immer mehr durch. Damit können Marktdaten unvorstellbar schnell bearbeitet werden. Finanztransaktionen werden in Form von Small Contracts abgebildet. Die damit verbundene Digital Ledger-Technologie hilft, Kreditvertragsbeziehungen, Wertpapiertransaktionen und Derivate - Geschäfte zu verifizieren und zu automatisieren.

Aber insgesamt gibt es mittlerweile ein digitales Finanzleben, das den traditionellen Banken Konkurrenz macht: so gibt es Giro-Konten per App (N26), Bezahlung per Smartphone (SumUp), Vermittlung von Privatkrediten (Auxmoney), Onlinebezahlsysteme (Billpay), Wertpapierhandel (Ayondo), Vermögensverwaltung (Liqid).

Vor- und Nachteile: Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Sie wird Auswirkungen auf Lieferketten haben. Sie wird einen Peer-to-Peer-Handel begünstigen und zu Börsen führen. Die Blockchain bietet Chancen für neue Geschäftsmodelle. Sie erhöht die Sicherheit von Transaktionen. Sie führt zu mehr Dokumentensicherheit. Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Die Blockchain hat auch viele Nachteile: De Rechenaufwand ist riesig und damit auch der Energieverbrauch. Der Stromverbrauch soll 2018 so hoch sein wie der von ganz Österreich. Der US-Ökonom nennt die Blockchain in einem Gutachten für den US-Senat 2018 "die am stärksten überschätzte Technik aller Zeiten". Neue Anwendungen 2018 waren Plattform für Online-Wahlen, Flugschreiber für Drohnen, virtuelle Kryptoschweine für Kinder (Pigzbe), Verwaltung von Lieferketten in der Logistik, Patientendaten in der Medizin.  80% der Projekte sollen aber Betrug sein (Beratungsfirma Satis Group). Man muss den Institutionen vertrauen, die die Datenbank betrieben.

Treasury - Management: Immer wichtiger wird auch das Treasury - Management - System. Es ist eine Art Schatzmeister aus der Cloud. Die KI steht hier erst am Anfang. Funktionen sind der Zahlungsverkehr, die Kontakte zu Banken und Kapitalmärkten, das Cash- und Liquiditätsmanagement, das Finanzmanagement, die Absicherung finanzieller Risken und Reporting. Bisher kann man das noch nicht von der Stange kaufen. Vgl. Jürgen Mauerer: Schatzmeister aus der Cloud, in: com! professional 1/2019, S. 54ff.

Blockchain in der Praxis des Finanzbereichs: Die Technologie ist viel versprechend, aber äußerst komplex. In der Finanzbranche lässt sie sich in allen Bereichen einsetzen, in denen es zu einem Austausch von Daten zwischen Partnern kommt. 47% aller Ausgaben der Blockchain wurden 2018 von Banken und Finanzdienstleistern geleistet.

Grundelemente von Blockchain: 1. Register technology. 2. Capitalized register (z. B. Euro). 3. Programmable money (tokenized assets).

Virtuelle Ökonomie durch NFT (Non-fungible Tokens): Auf Basis einer neuen Blockchain - Technologie erfährt der digitale Kapitalismus ein neues Update. Kunstwerke, Musik, Gaming, Mode und Immobilien werden zu digitalen Unikaten. Einzigartigkeit wird behauptet.  Ein Bild von Mike Winkelmann kann für 69 mio $ verkauft werden durch Christie`s (Everydays - The First 5000 Days).

Digitale Währungen bzw. Geld: 1. Digitaler Euro (in Blockchain). 2. Kryptowährungen (z. B. Bitcoin, Etherium: traditionell). 3. Digitale Wertpapiere (de-centralized securities, mit Crypto licence). 4. Private stable coins (Libra, in Zukunft in diem umbenannt).

Einsatzbereiche von digitalem Geld: 1. Industrieller Komplex (z. B. Industrie 4.0). 2. Kapitalmarkt (Wertpapier, Anleihen, Börse). 3. Remittances (internationaler Zahlungsverkehr, cross border payments). 4. Internet of things (Machine money, streaming money). 5. Crypto assets (storage of value trading).  6. Prvat (Retail; keine direkten benefits; Gebühren könnte man allerdings einsparen, Europa müsste souverän bleiben). Der Bitcoin ist noch keine Zahlungsmittel. Das versuchen manche mit dem Begriff Kryptowährung zu suggerieren.

Anwendungen von digitalem Geld: 1. Autonomes Fahren (Bezahlen). 2. Datenhandel im Internet. 3. Digtal Payment (Zahlungsinfrastrukur passend zu Smart contracts). 4. Programmierbares Geld (Geldwäsche verhindern, konfigurierbares Geld). 5. Zusammenführen von Leistung und Geld (Clearing kann wegfallen).

Bevorstehende Innovationen: 1. Trickering (Verbindung von Bank und Blockchain, 2021). 2. Euro stable coins (bridge coins, 2022). 3. sCBDC (token based, 2023). 4. CBDC (und ECB, 2026 - 2028).  Quelle für die letzten 5 Abschnitte: Phillip Sandner, Jonas Groß (Frankfurt School of Finance, Blockchain Center, auch Uni Mannheim):  Präsentation Digitale Zentralbankwährung, Blockchain, Zoom-Video-Konferenz/ Online-Webinar, bdvb, 9.12.2020. Die Autoren rechnen mit einer Dynamik wie beim Smart Phone. In etwa 15 Jahren 100%-Durchdringung.

Kreditportale (Vergleichsportale, Crowdlending, Fintech; Online-Vermittler): Sie sammeln Geld von Anlegern ein, um es an Selbständige und kleine Firmen weiterzureichen. Man kann zwischen Crowdlending-Anbietern und Kreditvergleichsportalen unterscheiden. Crowdlending-Anbieter sind Auxmoney, Finmar, Lendico und Zencap. Crowdlending wird weiter unten bei Schwarmfinanzierung inhaltlich behandelt. Kreditvergleichsportale sind z. B. Creditolo, Compeon, Finpoint, Sava (Marktstart: die meisten bei 2007). 2009 entsteht in London Funding Circle (Studenten). In der Regel fallen hier keine Gebühren an. Bestimmte Finanziers sind angeschlossen. Bewerbungen können per Video erfolgen. Kleininvestitionen können durch diese Portale erleichtert werden. Die Finanzierung kann aber teurer werden. Die Unterschiede zwischen den Anbietern bestehen in folgenden Merkmalen: Zahl der angeschlossenen Finanziers, direkte Gebühren für Kreditnehmer, Voraussetzungen, Finanzierungsart, Marktstart, Volumen bisher vermittelter Firmengeschäfte. Durch die vielen Portale drängen Internetfirmen ins Bankgeschäft (auch mit Online-Bezahldiensten). Die meisten Banken kooperieren mittlerweile mit Fintech-Unternehmen. Sie investieren auch in Fintech-Unternehmen (z. B. die Genossenschaftsbanken in Lendstar, iZettle und Zencap). Trotzdem hinkt Deutschland bei den Investitionen in Fintech hinterher (es führen die USA vor Großbritannien). Bei Krediten für kleine Unternehmen sind die Banken vorsichtig. Das versuchen die Online-Vermittler auszunutzen. 2016 erlebt die Branche ihren ersten großen Skandal. Lending Club in den USA scheitert (persönliche Verfehlungen des Chefs Laplanche; Verkauf "fauler Kredite" u. a.; Justizministerium ermittelt). Online-Portale etablieren sich immer mehr als Alternative zu Kreditinstituten. 2017 zeigt eine Studie, dass sie nicht billiger sind, aber unbürokratischer. Vgl. Daniel Schönwitz: "Wir sind schneller als dei Banken", in: Die Zeit, Nr. 20, 11.05.2017, S. 30.  China legt als erstes Land 2015 die Kreditportale an die kurze Leine. Sie dürfen keine Einlagen von Sparern mehr einsammeln oder Renditen garantieren. Sie dürfen auch nicht Vermögensverwalter sein. Es soll nur noch um das Zusammenbringen von Kreditnehmern und Geldgebern gehen. In dem Land gibt es mehr als 2600 Kreditplattformen. In dieser Internet-Sparte gilt das Prinzip "The winner takes it all". Produkt-Vergleichsportale verfolgen finanzielle Interessen. Internetseiten bieten persönliche Meinungen statt objektiver Tests.

Plattform Marcus: Tochter von Goldman Sachs. Die Plattform soll zuerst in den USA, dann in Großbritannien und später in Deutschland Kleinsparer erobern. Man arbeitet etwa mit Influencern (Instagram-Star Jo Jo Fletcher).

Fintech-Firmen:  Im engeren Sinne spricht man von Fintech - Firmen, wenn junge Finanzdienstleister mit Internet und Apps arbeiten und hoch spezialisierte Finanzdienstleistungen anbieten. 2016 gibt es in Deutschland etwa 250 solcher Firmen, hauptsächlich in Berlin und Frankfurt. Im Einzelnen können dies sein digitale Zahlungsdienste mit digitalen Geldbörsen (Online - Shopping), Crowd-Lending, automatisierte Vermögensberater und -verwalter (Robo Advisers). Die Bafin hat ein Auge auf diese Anbieter geworfen. Neue Finanztechnologien: Sie sind eine echte Konkurrenz für Banken. Digitale Beratungsangebote und Crowdlending bieten Kunden die Chancen, ihr Vermögen unabhängig von Banken zu verwalten und auch Kredite untereinander zu vergeben. Es könnte hier ein unregulierter Bereich entstehen. Dann für Finanzgeschäfte benötigt man klare und verlässliche Informationen. Wenn aber zu stark reguliert würde, könnten innovative Dienstleistungen im Keim erstickt werden. Natürlich gibt es auch in den neuen Technologien Spielräume, die Kreditwürdigkeit von Kunden zu überprüfen. Vgl. Neue Finanztechnologien - Bankenmarkt in Bewegung, in: Wirtschaftsdienst 2016/9, S. 631ff.   Die Nutzung von Fintech - Diensten ist am höchsten in China, Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Europa ist die Nutzung in Spanien am höchsten.

Fintech - Start-ups und Finanzwesen: In Deutschland gibt es 2018 zwischen 350 und 700 Fintech - Firmen. Es sind Firmen, die technologiegetrieben sind und neue Finanzprodukte entwickeln. Sie arbeiten in den Bereichen Zahlungsverkehr, Vermögensbildung, Banking, Kreditwesen, Factoring oder E - Commerce, sowohl B2C als auch B2B. Alle diese Firmen arbeiten mit Plattformen. Sie bieten meist folgende Services: Accounting (Optimierung von Finanzprozessen), Alternative Finanzierung (z. B. Crowdinvesting), APIs für Banking (Schnittstellen, technische Infrastruktur), Bitcoin/ Blockchain, Identitätsmanagement, Immobilien, Investment, Payments, Regulierung (Risikokontrolle, Compliance), Versicherungen.

Insurtech: Digitale Versicherer. Sie wirbeln die Branche durcheinander. Allerdings ist dies ein schwieriger Markt. Der Trend geht zu Bankassurance 2.0, also Verzahnung mit den Banken. Es besteht ein großes Potential bei Themen wie Sensorik, Fitness-Tracking oder Telematik-Tarifen.

Banking-Software für Firmenkunden: Zahlungsverkehr der Unternehmen mit Weblösungen. Erst allmählich werden diese Lösungen benutzt. Mögliche Anbieter sind Windata, PPI, Star Finanz, Fiducia GAD, Omikron, Business-Logics GmbH.

Wirecard AG, Aschheim bei München (Zahlungsplattform, IT - Dienstleistungen, Software; steht 2018 vor dem Sprung in den DAX, bisher im TecDax; in den DAX am 24.09.2018, löst die Commerzbank ab; das Unternehmen wurde immer wieder mit Schmuggelgeschichten verbunden; 2020 wird mit 210 Mrd. Euro Zahlungen gerechnet; ca. 5000 B.; 2005 Entstehung durch Namensänderung; Gründer und Chef ist Markus Braun; in der Dotcom-Blase war das Unternehmen fast tot; Pornos und Glücksspiel waren die Rettung). 2019 tauchen immer wieder Gerüchte über Aktienmanipulationen auf, die aber dementiert werden. Der Dax - Konzern steht möglicherweise vor der Zerschlagung  2020 jagt der britische Analyst Matthew Earl, Investmentmanager, das Unternehmen. Er ist Auslöser des Zatarra-Schocks. Im Juni 2020 wird zum vierten Mal die Bilanzvorlage verschoben. Der Aktienkurs geht in den Keller. Gründer und Chef Braun muss im Juni 2020 gehen. 1,9 Mrd. Euro bleiben verschwunden. Das Geld bleibt spurlos verschwunden oder es hat nie existiert. Die BaFin hat sich auch blamiert. Der Dax - Konzern steht möglicherweise vor der Zerschlagung. Am 25.06.20 beantragt die Firma die Insolvenz. Das passiert zum ersten Mal im Dax. 5800 Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze, die Anleger um ihr Geld. Gegen den Wirtschaftsprüfer EY wird Strafanzeige erstattet. Die Aufarbeitung des Skandals zeigt 2021, dass der erfolgreiche Weltkonzern ein Märchen war. Dokumente und Insiderberichte belegen, wie Firmenchef Markus Braun und sein Vize Jan Marsalek Vertraute narrten und Kritiker gefügig machten. Vgl. Die Vorstadtbande, in: Der Spiegel Nr. 6/6.2.2021, S. 8ff.

Digitalisierung und Finanzsektor: Die Digitalisierung revolutioniert den Finanzsektor. Dezentrale Blockchain-Technologien und die Kryptowährung (z. B. Bitcoin) werden die treibenden Kräfte sein. Daten sind der Rohstoff des Informationszeitalters. Die Amerikaner haben mit dem Silicon-Valley einen Riesenvorsprung. Verbraucher und Kunden regeln ihre Finanzgeschäfte zunehmend über Smartphone. Digitale Finanzdienstleistungen sind eine Konkurrenz für traditionelle Banken. "Die Digitalisierung des Finanzdienstsektors bietet die Chance, Geldgeschäfte schneller, einfacher und billiger zu machen", Jens Weidmann.

Schwarmfinanzierung (auch "Crowdinvesting" bzw. "Crowdfunding" genannt; "Schwarm" = Vielzahl von Geldgebern): Finden von Kapitalgebern über das Internet. Junge Unternehmen holen sich das Geld nicht von großen Investoren oder Wagniskapitalgebern, sondern von Kleinanlegern über das Internet. Diese Finanzierungsform gewinnt an Bedeutung. Im Moment steht noch die Anschubfinanzierung von Start - Up - Unternehmen  im Mittelpunkt. Der Grundmechanismus besteht darin, dass Investoren - vermittelt über das Internet - Kapital an Start-ups geben und dafür einen Erfolgsanteil bekommen. Oft liegen mittlerweile Investitionsprojekte schon bei 100.000 € und mehr. Es geht darum, Investoren zu finden und zu halten. Zuerst muss eine Plattform im Internet ausgewählt werden (vgl. zu Adressen die Seite "Links"/ KMU/Finanzierung; Bsp. Compeon; Seedmatch). Dann muss man Geldgeber finden. Dazu braucht man gute Kennzahlen und ein innovatives Geschäftsmodell. Die Investoren sollten regelmäßig betreut und informiert werden. Feedback im Internet sollte genutzt werden. Fallstudien aus Deutschland: Das Tiefbauunternehmen Doms aus Leverkusen finanzierte einen Bagger mithilfe von Crowd (Genussrechte). Der Sensorhersteller Urbana konnte 3 Mio. € über eine Finanzierungsrunde im Netz sammeln. Die Crowdfunding-Plattform Companisto expandiert als erster deutscher Anbieter ins Ausland (seit 2012 zwei Dutzend Firmen von mehr als 14.000 Anlegern Geld eingesammelt; Mindestanlagebetrag fünf Euro). Das bekannteste Crowd-Funding-Projekt in Deutschland ist der Kino-Film "Stromberg", der aus Finanzspritzen von Fans bezahlt wurde. In der Regel erhalten die Geldgeber keine finanzielle Gegenleistung in Form von Zinsen, sondern Sachgüter (CD, Buch, Freikarten, Privilegien u. a.). Probleme entstehen, wenn das Geld gegeben wurde, aber das Projekt nicht zustande kommt. Projekte können auch während der Laufzeit scheitern.  Deshalb sprechen Verbraucherschützer mehr von Spende als von Geldanlage. Im Englischen ist das der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting (Rendite fließt nur, wenn das Vorhaben gelingt und Gewinne abwirft). Mittlerweile ist der Anfangszauber verflogen. Die Pleiten bei von Schwarmfinanzierern  finanzierten Start-ups häufen sich. Die Investoren merken dabei, dass sie kaum Rechte haben. Auch die den Anlegern angebotenen Erlöse haben sich als niedrig erwiesen. 2014 gibt es in Deutschland 26 Plattformen. Folgende entsprechend finanzierte Unternehmen sind in die Pleite gegangen:  Betandsleep (Hoetelvermittlung), foodieSquare (Lebensmittel-Versand), Zapitano (TV-Community), BluePatent (Schutzrecht-Recherchen), Speed Car (Schlagloch-Beseitigung). 2013 holen sich auch immer mehr Privatkunden Kredite aus dem Internet (14 % über eine Bank; 7% über ein Kreditvergleichsportal). 2014 rückt die Internetplattform "Zencap" in den Vordergrund. Sie vermittelt Darlehen an Firmen. Vorher erfolgt eine gründliche Bonitätsprüfung (aber Projekt wichtiger als Bilanz). Es geht um Kredite bis zu 100.000 Euro. Die Wirecard Bank kümmert sich um die Abwicklung. Neben Crowdfunding (ideelle Unterstützung, Projekt- oder Produktbeteiligung; reine Spenden; nicht-monetäre Belohnungen) und Crowdinvesting (Geldanlage; Investments durch Überschreibung von Anteilen am Projekt oder sogar am Unternehmen durch Eigenkapital) gibt es noch Crowdlending (Geldanlage auf Zinszahlung plus Tilgung basierend). 2014 wurden weltweit 16,2 Mrd. $ durch Crowdfunding eingesammelt (2013: 6,1; 2012: 2,7). Am wichtigsten ist die Finanzierungsquelle in den USA (2014: 9,5 Mrd. $). Europa lag hinter Asien an dritter Stelle. Am meisten wurde 2014 für Produkte und Unternehmen eingesammelt (dann folgen: Soziale Projekte, Filme, Immobilien und Musik). Hauptproblem der Schwarmfinanzierung ist, dass die Rendite  gemessen am Risiko zu gering ist. Also kommt es noch eher auf immatrielle Belohnungen an. Eine ausführliche Studie des IfM Bonn 2015 (Unternehmensgründung und Crowdinvesting; 145 KMU befragt) kommt zu folgenden Ergebnissen: Die Finanzierungsform ist besonders geeignet für innovative Wachstumsunternehmen. Der finanzielle Beitrag der Gründer ist entscheidend. Der Ablasshandel von Tetzel zu Luthers Zeiten kann als Schwarmfinanzierung für klerikale Zwecke (Petersdom) gesehen werden. Die Idee ist also sehr alt. Chinesische Raubkopierer nutzen Crowdfunding -Plattformen, Inspirationen zu erhalten. Ihre Plagiate sind dann oft früher am Markt als das Urprodukt.  "Neither a borrower nor a lender be" (Kein Borger sei und auch Verleiher nicht), William Shakespeare, 1564-1616, Dramatiker und Dichter (Zitat aus "Hamlet", 1, Akt, 3.Szene). 2014 ereignet sich eine kuriose Crowdfunding - Aktion: Zack Danger Brown isst gerne Kartoffelsalat. Er stellt am 04.07. auf die Plattform "Kickstarter" ein Projekt ein: 10$ einsammeln, um sich davon selbst einen Kartoffelsalat zu machen. Schon am 08.07. gaben 3500 Menschen 38.000 Dollar (Prämien: 1 $ Namen; 2$ Foto; 5 $ selbst Zutat aussuchen; 10$ mit in die Küche; 25$ Kartoffelsalat-Hut; 35$ T-Shirt; 50$ Kartoffelrezepte). Die Unterstützer kommen aus der ganzen Welt. Gesammelt wird bis zum 2. August. Der Berliner Michael Bohmeyer sammelt per Crowdfunding 12.000 €, um einem anderen Menschen ein Jahr lang ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren. Chris Roberts, ein Pionier der Computerspiel-Branche, kann 2014 mit Crowdfunding 49 Mio. Dollar für das Spiel "Star Citizen" (Weltraumsimulation, Luke Skywalker) einsammeln. 2014 kommt die erste Crowdfunding-Anleihe (Mittelstandsanleihe, Crowdrange). Ende 2014 will der Pirmasenser Maßschuhfertiger Ralf Siebert mindestens 20.000 € durch Crowdfunding einsammeln für vegane, fair und nachhaltig hergestellte Schuhe. Als größte Crowdfunding-Flops in Deutschland gelten bisher Ubuntu Edge, NUIA eyeCharm und Smarty Ring. Italiens Filmindustrie finanziert immer mehr Filme über Crowdfunding. Auch die Landwirtschaft sammelt zunehmend Geld im Internet. Crowdfunding wird für Weinberge und Äcker eingesetzt. Die Finanzierer erhalten Naturalien. 2015 erscheit eine Studie der britischen Uni Cambridge zur Schwarmfinanzierung in Europa: Deutschland hinkt hinterher, obwohl sich die Summe der Projekte von 2012 auf 2014 verfünffacht hat (140 Mio. € 2014). Es führt GB. 2015 wird mittels Crowdfunding auch die Flüchtlingsrettung auf dem Mittelmeer finanziert (Unternehmerpaar Catrambone aus Malta, Migrant Offshore Aid Sation). Am 19.10.15 startet in London eine Crowdfunding-Aktion für das Projekt eines "Todescafes". Mithilfe des "Death Cafe" sollen sich Menschen mit der Endlichkeit des Lebens beschäftigen. Eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn 2015 zeigt, das Schwarmfinanzierer im Schnitt 10 Prozent Verlust machen. Untersucht wurde der Zeitraum 2011 bis 2014. Die Forscher hatten 163 Finanzierungsrunden in 145 Firmen. 85% der Firmen wollten wieder mit Crowdinvesting finanzieren. 2017 wird in Deutschland mit einem Gesamtumfang der Schwarmfinanzierung von 34 Mio. US-$ gerechnet. Diese Finanzierungsart steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, ganz im Gegensatz zu den USA und China. 2017 scheitert der Zugbetreiber Locomore. Er war stark über Crowdinvesting finanziert. Hunderte Investoren fürchten um ihr Geld.

Crowdfunding (auch Crowdsourcing): Beim Crowdfunding steht die ideelle Unterstützung im Vordergrund (es geht um Emotionen, potentielle Geldgeber sollen berührt werden): Projekt- oder Produktbeteiligung; reine Spenden; nicht-monetäre Belohnungen. Trotzdem kann man Donation-Based-Crowdfundung und Reward-Based-Crowdfunding (Danksagung, Abspann des Films) unterscheiden. Eine so genannte "Community" ist also der Geldgeber. Das bekannteste Crowd-Funding-Projekt in Deutschland ist der Kino-Film "Stromberg", der aus Finanzspritzen von Fans bezahlt wurde. In der Regel erhalten die Geldgeber keine finanzielle Gegenleistung in Form von Zinsen, sondern Sachgüter (CD, Buch, Freikarten, Privilegien u. a.). Probleme entstehen, wenn das Geld gegeben wurde, aber das Projekt nicht zustande kommt. Durch Crowdfunding werden mittlerweile Projekte in Kunst, Kultur und Wirtschaft finanziert. Immer mehr entdeckt der Sport Crowdfunding. So kommen Exoten zur Unterwasserhockey-WM, Jugendmannschaften sammeln für Trikots, Afghanistan finanziert so sein Frauen-Handballteam. Führende Plattform im Sport ist "Fairplaid". In Deutschland könnte sich diese Finanzierungsart im Sport zur dritten Säule entwickeln neben staatlicher Förderung und dem klassischen Sponsoring. Ähnlich dem Crowdfunding ist das Crowdsourcing: Hier arbeiten Mitarbeiter kostenlos mit. Nach diesem Muster funktionieren alle Bewertungsportale. Aber auch Wikipedia gehört zu diesem Modell. In der Wissenschaft hat dieses Modell eine lange Tradition. Schon Charles Darwin griff auf die Arbeit von Hobbywissenschaftlern zurück. Der Astrophysiker Chris Lintott von der Uni Oxford hat das Modell auf die Astrophysik übertragen. Auch immer mehr Privatleute versuchen, mit Crowdfunding private Dinge zu finanzieren lebenswichtige Operationen, Studium, Flitterwochen). Sie starten dazu eigene Crowdfunding-Kapagnen im Internet (oft über soziale Netzwerke). Noch unklar bleibt, was dabei der Kern ist (moderne Bettelei, Bedürfnis der Kommunikation, Not). Ende 2015 fordern die Verbraucherschützer schärfere Regeln für Geldanlagen über Internet-Plattformen (Schutz für Kleinanleger; weder Altersvorsorge noch Vermögensaufbau; Kontrolle durch Bafin). Ein Brite startet 2015 eine Kampagne, um Griechenlands Staatsschulden zu bezahlen. Er wollte 1,6 Milliarden über eine Crowdfunding-Plattform einsammeln. In Deutschland kamen allein 2015 dafür fast 10 Mio. € zusammen.   2014 ereignet sich eine kuriose Crowdfunding - Aktion: Zack Danger Brown isst gerne Kartoffelsalat. Er stellt am 04.07. auf die Plattform "Kickstarter" ein Projekt ein: 10$ einsammeln, um sich davon selbst einen Kartoffelsalat zu machen. Schon am 08.07. gaben 3500 Menschen 38.000 Dollar (Prämien: 1 $ Namen; 2$ Foto; 5 $ selbst Zutat aussuchen; 10$ mit in die Küche; 25$ Kartoffelsalat-Hut; 35$ T-Shirt; 50$ Kartoffelrezepte). Die Unterstützer kommen aus der ganzen Welt. Gesammelt wird bis zum 2. August.Der Berliner Michael Bohmeyer sammelt per Crowdfunding 12.000 €, um einem anderen Menschen ein Jahr lang ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren. Chris Roberts, ein Pionier der Computerspiel-Branche, kann 2014 mit Crowdfunding 49 Mio. Dollar für das Spiel "Star Citizen" (Weltraumsimulation, Luke Skywalker) einsammeln. 2014 kommt die erste Crowdfunding-Anleihe (Mittelstandsanleihe, Crowdrange). Ende 2014 will der Pirmasenser Maßschuhfertiger Ralf Siebert mindestens 20.000 € durch Crowdfunding einsammeln für vegane, fair und nachhaltig hergestellte Schuhe. Als größte Crowdfunding-Flops in Deutschland gelten bisher Ubuntu Edge, NUIA eyeCharm und Smarty Ring. Italiens Filmindustrie finanziert immer mehr Filme über Crowdfunding. Auch die Landwirtschaft sammelt zunehmend Geld im Internet. Crowdfunding wird für Weinberge und Äcker eingesetzt. Die Finanzierer erhalten Naturalien. 2015 erscheit eine Studie der britischen Uni Cambridge zur Schwarmfinanzierung in Europa: Deutschland hinkt hinterher, obwohl sich die Summe der Projekte von 2012 auf 2014 verfünffacht hat (140 Mio. € 2014). Es führt GB. 2015 wird mittels Crowdfunding auch die Flüchtlingsrettung auf dem Mittelmeer finanziert (Unternehmerpaar Catrambone aus Malta, Migrant Offshore Aid Sation). 2015 finanziert die Sängerin Elen Wendt aus Berlin ihr Album "Elen" über Crowdfunding. "Croudfunding ist eine Demokratisierung von Kapital - jeder entscheidet selbst, wie er sein Geld investieren möchte", Jens-Uwe Sauer, Gründer und Geschäftsführer von Seedwatch. 2015 haben die Deutschen 249 Mio. € in Crowdfunding angelegt (Quelle: KPMG, Uni Cambridge).

Crowdfunding - Plattformen  für nachhaltige Investments (Green Finance): GreenX-Money (E.On) hat sich auf erneuerbare Energien spezialisiert. Beteiligungsform ist ein Forderungskaufvertrag. GLS Crowd finanziert Immobilien und erneuerbare Energien. Es handelt sich um ein Nachrangdarlehen. Green Rocket sammelt Geld für Start-ups. Beteiligungsform ist hier Nachrangigkeitsdarlehen bzw. Genussrechte. Bettervest kümmert sich um Erneuerbare Energien und Entwicklungsländer. Beteiligungsform ist ein Nachrangigkeitsdarlehen. Econeers (Eigentümer Seedmatch) finanziert Start-ups und Erneuerbare Energien. Es handelt sich um ein Partiarisches Nachrangigkeitsdarlehen. Vgl. Wirtschaftswoche 28/ 7.7.17, S. 75. "Wer in die Spielbank geht, weiß auch, dass er Geld verlieren kann", Daniela Bergdolt, Anlegeranwältin, über das Risiko der Schwarmfinanzierung, 2017.

Große Crowd - Projekte in Deutschland: Erfolgreiche Start-ups über Crowd-Investing-Plattformen: LeaseRad (Fahrradleasing), Erdbär (Obst-Snack), Companisto (Crowdplattform), Foodist 1 (Essens-Abo), Refined Investmet (Fianzberatung). Die größten Immobilien-Projekte sind: Weissenhaus, SpreeSide-Residenz, Urbanara (Immobilien). 

Ablauf und Funktionsweise eines Crowdfunding:  Oft fängt man mit der Erstellung eines Videos an. Dann wählt man eine passende Plattform aus. Die Plattform überprüft den Bewerber, was man Screening-Prozess nennt. Dann geht man online. Ständig müssen Informationen nachgeliefert werden. Nach dem Ende der Kampagne erfolgt eine Nachbereitung. Die Provisionen der Plattformen sind unterschiedlich. Sie liegen meist bei 5% plus Transaktionsgebühren. Manche geben auch das Geld zurück, wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wurde.

Crowdfunding in der Realität: Die Bundesregierung hatte ein Kleinanlegerschutzgesetz gemacht, um Privatinvestoren mehr Informationen und besseren Schutz am Kapitalmarkt zu geben. 2019 lässt sie eine Bestandsaufnahme machen, die sich auf die Zeit zwischen 2011 und April 2018 bezieht. Quelle der folgenden Infos ist also die Bundesregierung: 60,5% gehen in die Immobilienfinanzierung (193 Projekte, 220 Mio. €). Dann kommt die Unternehmensfinanzierung (425 Projekte, 114 Mio. €). Mit 8% folgen soziale/ökologische Projekte (124, 29 Mio. €). Schlusslicht ist der Film (0,1%, 1 Projekt, 0,4 Mio. €). Nur ein Drittel der Projekte benötigt mehr als 500.000 €. Die meisten Anleger sind männlich (88%). Die meisten Investitionen liegen unter 1000 € (86%). 10% aller Anlagen sind Ausfälle.

Finanzierung über ICOs (Initial Coins Offering; Coins/ Token): Kapitalaufnahme über globale Crowd. Sie könnten die Finanzwelt revolutionieren. Bei einem ICO verkauft ein Unternehmen über die Crowd eigne Coins und kann dieses Kapital dann langfristig zur Finanzierung nutzen. Technisch abgewickelt wird das mit der Blockchain-Technologie. ICO-Vorreiter in Europa ist die Schweiz.

Online-Spenden: Sie sind auf dem Vormarsch. Das geschieht auch über Plattformen. Eine führende Plattform ist betterplace.org. Sie bietet Unternehmen jeder Größenordnung Lösungen an. Es geht um digitale Lösungen von CSR-Strategien. Unternehmen sollen ihr gesellschaftliches Engagement digital denken und online sichtbar machen. Im Gegensatz zu Crowdfunding geht es hier nur um eine Spende. Es gibt auch keine Mindestkapitalmenge.

Social Community: Im Nachgang zur Finanzkrise 2008 sind Social Trading-Plattformen entstanden, die auf gebündelte Erfahrungen einer Social Community setzen ("Weisheit der Vielen"). Die entscheidende Frage ist, ob die Empfehlungen für Investitionen (Investmentfonds) besser sind als die von professionellen Fonds-Manager. Das kann mit einer Risiko-Rendite-Betrachtung angegangen werden. Vgl. Breitmayer, B/ Pelster, M.: Investmentfonds der Social Community, in: WiSt 4/2017, S. 19ff.

Token: Ein digitaler Jeton, der einen Wert repräsentiert. Im Unterschied zu echten Bitcoins mit eigener Blockchain nutzen Tokens eine bestehende Blockchain wie etwa die von Ethereum oder Bitcoin.

Security Tokens: Finanzinnovation. Sie werden in so genannten Security Token Offerings (STOs) angeboten. Sie sind mit wertpapierähnlichen Eigenschaften ausgestattet. Durch STOs können die Kosten für KMU ganz erheblich gesenkt werden. Sie könnten die Wertpapieremissionen und dei Unternehmensfinanzierung für Start-ups auf den Kopf stellen. Immer mehr Börsen bieten Security-Token-Dienstleistungen an. Damit dürfte die Professionalisierung steigen.

Andere Token: Equity Token: ein Token, der einen Anteil an einem Unternehmen darstellt, ähnlich einer Aktie. DAICO: Mischwort aus DAO und ICO. Ein Token Sale, bei dem die Investoren darüber abstimmen, wann welche Gelder freigegeben werden. Utility Token: Token, die man benötigt, um ein dezentralisiertes Anwendungsprogramm (DApp) zu nutzen.

Funktionsweise der Krypto - Währungen am Beispiel von Bitcoin: Die Technologie beruht auf drei Säulen: Dezentral, Cash- artig und Digital. Dezentral: Es besteht Unabhängigkeit. Es gibt keine Zentralbank die die Währung kontrolliert. Die Rechner funktionieren unabhängig voneinander. Cash-Charakter: Bargeld kann man nicht leicht zurückholen. Die Zahlungen sind schwer zurück verfolgbar. Digital: Blockchain. Kette von Blöcken". Jeder Block enthält Transaktionswünsche. Diese müssen konsistent sein. Die maximal im Markt verfügbare Anzahl an Bitcoins ist auf 21 Mio. begrenzt. Voraussichtlich 2140 wird der Wert erreicht. Wer Bitcoins anlegen will, ohne selbst zu minen oder Hashpower zu erwerben, kann sie auch auf einer Börse kaufen. Die erste lizensierte Börse war Bitstamp. "Bitcoin is Evil", Paul Krugman 2013.

Der virtuelle Börsengang: Er läuft über Initial Crypto Offerings (ICOs). Ein ICO ist eine neuartige Methode, um Unternehmen oder Projekte zu finanzieren. Sie basiert auf dem Prinzip des Croudfunding und kombiniert es mit Kryptotechnologie. Vgl. Koenig, Aaron: Dezentrale Revolution, München 2019.

Initial Coin Offering (ICO): Finanzierung über eine Plattform mit einer Krypto - Währung, z. B. Bitcoin Man arbeitet mit der Block-Chain-Technologie. In der Regel wird diese Finanzierungsform bei Start-ups eingesetzt. Positive Beispiele gibt es 2018 aus der Schweiz (etwa im Berner Oberland).

ASIC-Miner: Mining - Rechner, die auf speziellen Microchips basieren, welche ausschließlich für das Cryptocoin - Mining gebaut sind. ASIC steht für Application Specific Integrated Circuit. 

Fintech-Szene in China: Sie eilt der Konkurrenz davon. Einerseits liegt es an der Größe des Marktes in China. Andererseits daran, dass China am besten vom Silicon Valley lernt. Fünf der größten Fintech-Firmen liegen 2016 in China: Lu.com, JDFinance, Fenqile, Welab, Weidai. Vergeben werden Mikro-Kredite (in Gegenden, wo es kaum Banken gibt) an Klein-Kunden, größere Kredite an Start-ups. 2015 flossen 150 Mrd. $ über die etwa 2000 Plattformen. Vieles läuft über das Handy. Geldgeber sind auch die großen Firmengründer in China. In China nutzen auch die meisten Verbraucher Fintech-Dienste (84,4% 2016; Quelle: Capgemini Financial Services). 2016 werden intime Bilder (Nacktfotos) als Sicherheit für Online-Kredite eingeführt. 2018 wird der Börsengang des Start-up Ant Financial vorbereitet. Es könnte der größte Börsengang aller Zeiten werden. Dahinter stecken der Internetkonzern Alibaba und Jack Ma. Dieser ist Mehrheitsaktionär (62%). 33% hält Alibaba. 5% der China National Social Security Fund. Ant Financial hieß ehemals Alipay (520 Mio. Nutzer). Im Mittelpunkt stehen einfache Bürger und kleine Firmen. China ist mittlerweile so weit voraus, dass selbst der IWF auf China schaut, um zu lernen.

Innovationen im Zahlungsverkehr und Wirtschaftsentwicklung (Ende des Bargeldes?): Die größte Innovation der letzten Jahre sind "electronic payments" und das Sinken des Bargeldbestandes in der Folge . Die Hypothese lautet hier, dass dadurch mehr Kredite und mehr Konsum angeregt werden, wodurch sich das Wachstum einer Wirtschaft erhöht. Für Deutschland kann diese These eher bestätigt werden, für China falsifiziert. Eine Bargeld-Obergrenze soll auch helfen, die Schwarzarbeit einzudämmern (5000,- €?). Die Abschaffung von Bargeld ist sicher ein Eingriff in Freiheitsrechte. Die Regierungen begründen die Abschaffung des Bargeldes mit der Bekämpfung der Schattenwirtschaft. Umfragen zeigen, dass über 80% aller Deutschen gegen eine Abschaffung sind. Volkswirtschaftlich stehen drei Hypothesen im Vordergrund: 1. Die Existenz von Bargeld begrenzt die Effektivität der Geldpolitik. 2. Bargeld begünstigt illegale Aktivitäten und Steuervermeidung. 3. Digitale Währungen, wie z. B. Bitcoin, ersetzen Cash mittel- bis langfristig. Eine Bargeldobergrenze ist der Einstieg in den Ausstieg, denn die Obergrenze lässt sich leicht absenken. Es gibt Befürworter der Abschaffung des Bargeldes unter Politikern, Bankern (John Cryan von der Deutschen Bank) und Wissenschaftlern (Kenneth Rogoff: Warum unser Bargeld verschwinden wird). Als Vorbild gilt Schweden (Swish). Dort wurden 2016 nur noch 15% der Zahlungen im Einzelhandel bar bezahlt. Doch es gibt auch erhebliche Risiken: totale Kontrolle und Repression durch die Notenbank. Auch der Schaden durch Kartenbetrug steigt kontinuierlich an. Einige Notenbanken denken darüber nach, digitale Währungen als Bargeldersatz herauszugeben.  2014 ist Bargeld in Deutschland noch immer das häufigste Zahlungsmittel (53,2 %), gefolgt von EC-Karte (29,4%), Überweisung (5,3%) und Kreditkarte (3,9%). Ökonomen fordern 2015 die Abschaffung der Barzahlung (Peter Bofinger in Deutschland; Larry Summers in den USA). Seit der Euro-Einführung ist die Realität aber eine andere: Es wächst beständig die Anzahl der Scheine und Münzen (Bargeldumlauf). Mitte 2015 sind ca. 18 Milliarden Euro-Scheine unterwegs. Die Bundesregierung plant 2016, eine Obergrenze für Bargeldzahlungen einzuführen (5000 €). Ziel ist der Kampf gegen Geldwäsche. Dagegen spricht der Datenschutz (absolute Kontrolle der Verbraucher). 79% der Deutschen sind 2016 für den Erhalt des Bargeldes (53,2% des Zahlungsverkehrs sind 2016 noch Bargeld). Je älter die Menschen sind, desto eher bezahlen sie bar. In einigen Krisenländern der EU, wie in Griechenland, wird viel Bargeld in Form von 500-€-Scheinen gebunkert. Die Abschaffung dieser Scheine, wie sie die EZB plant, hätte unangenehme Folgen. Einige Ökonomen sehen auch den Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Dollar mit dem Abschaffen schwinden. Die Abschaffung wird von der EZB im Mai 2016 beschlossen (ab Ende 2018 aus dem Zahlungsverkehr, Schein bleibt aber gültig). Die EZB betont, dass dies nicht der Anfang des Ausstiegs aus dem Bargeld sei. "Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten", Mario Draghi, Präsident der EZB. In der VR China ändern sich in den Metropolen, vor allem in Shanghai, massiv die Zahlungsgewohnheiten. Das ist in einem Bargeld-Land sehr ungewöhnlich. Alipay, der Bezahldienst von Alibaba, und WeChat Wallet, der größte Anbieter von Bezahldiensten, sind stark auf dem Vormarsch. "Bargeld ist das Geld der Bürger", Carl-Ludwig Thiele, Vorstand der Deutschen Bundesbank 2017, zuständig für Bargeld und Zahlungsverkehr. 2017 macht der Finanzminister in Griechenland Druck gegen Steuerhinterziehung. Er setzt Anreize zum bargeldlosen Bezahlen. Kartenterminals werden abgeschafft (eine beliebte Methode der Handwerker). 2017 kommt eine Studie des Instituts für Handelsforschung der Uni Köln zu dem Ergebnis, dass in Deutschland beim Zahlen noch eindeutig das Bargeld überwiegt. Vgl. auch: Smolinski, R./ Gerdes/ Siejka/ Bodek: Innovationen und Innovationsmanagement in der Finanzbranche, Wiesbaden 2017.

Digitale Zahlsysteme: In einigen Ländern boomt der Markt. So in Schweden und China. In China verschärft die Notenbank die Vorschriften für die Anbieter solcher Systeme ab 2018: Ab April müssen Zahlungsabwickler 42 bis 50% ihrer Kundenreservegelder auf zinsfreien Konten parken. In China ist der Markt rasant gewachsen. 2016 sollen es Transaktionen im Wert von 2,4 Billionen Euro gewesen sein. Die Regierung bemüht sich darum, den Markt gläsern zu machen. In der EU wurden 2016 noch 79% aller Einkäufe bar bezahlt. Doch digitale Bezahlsysteme wie Amazon Go oder Pay Pal expandieren (auch Apple Pay, Visa Checkout, Google Pay, Alipay, Samsung Pay, Masterpass, Square Cash). Sie locken mit Bequemlichkeit. Doch es besteht die Gefahr der totalen Überwachung. In China sind die Smartphone - Zahlungen im digitalen Handel am höchsten vor den USA.

Libra von Facebook (wird 2020 umbenannt in Diem): Die Digitalwährung soll 2020 kommen. Damit wird das Nischendasein der Krypto - Währungen beendet. Innerhalb von WhatsApp oder dem Facebook Messenger sollen Überweisungen möglich sein. Damit wagt sich Facebook auf das Feld der Banken. 1,7 Mrd. Menschen haben weltweit keinen Zugang zu Banken (Quelle: Weltbank). Für diese Menschen wäre der Vorteil am größten. Sie Facebook auf jeden Fall erreichen. So können 2,7 Mrd. Menschen erreicht werden. Es soll eine Libra Association mit Sitz in der Schweiz gegründet werden. Aktuell sind es 28 Partner (Visa, eBay, Facebook, Vodafone, Uber u. a.). Diese investieren je 10 Mio. Dollar (Mindestschwelle)  und erhalten Dividenden. Die eingehenden Dollars oder Euro werden in Bankeinklagen oder Staatsanleihen angelegt. Die Bindung der Libra - Währung an einen Währungskorb soll erhalten bleiben (anders als bei Bitcoin). Die Libras werden an Nutzer vergeben. Die Libras landen in einem Calibra (wie Wallet). Dieses ist über Whats App und Facebook verfügbar. Man kann damit Überweisungen tätigen, einkaufen oder auch Rabatte erhalten. Vgl. Der Spiegel Nr. 26, 22.6.19, S. 61. Die Währung hätte das Potential, die Weltmärkte weltweit auf den Kopf zu stellen. Stabilität und niedrige Inflation sollen die Qualitätskriterien sein. Kursschwankungen sollen gang niedrig gehalten werden, indem die Währung an einen Korb echter Währungen gekoppelt wird. Die Bundesbank hält die Währung für ein Risiko. Ein nationales Verbot dürfte aber kaum machbar sein. Insgesamt werden die Notenbanken herausgefordert, die ihre Macht verlieren würden. 2,7 Mrd. Menschen nutzen Facebook weltweit. Einige Notenbanken erwägen, eigenes Digitalgeld herauszugeben. So etwa die schwedische Notenbank mit der E-Krone. Im Oktober springen einige wichtige Firmen von Libra-Konzept ab (Visa, Mastercard, Ebay, Stripe, Paypal). Vorerst gilt der Rückzug. 25 Länder könnten von dem Geld profitieren. Der Anteil der Bevölkerung ohne Bankkonto liegt weltweit unter dem Durchschnitt von 64%. Das sind Länder in Südamerika, Afrika und Asien. Die Regierungen in den USA und Deutschland kündigen Widerstand gegen die Währung an. Politik und Notenbanken wollen das Projekt ausbremsen und haben damit wahrscheinlich Erfolg.

Libra/ Diem und Europa: Eine von Facebook angeführte Unternehmensgruppe plant die Einführung der neuen Kryptowährung Libra (siehe vorhergehenden Abschnitt). Der Einsatz der Blockchain - Technologie für Geldtransfers kann auf Dauer nicht verhindert werden.  Allerdings nimmt kaum ein europäische Unternehmen an diesem Projekt teil. Daher kann die Gefahr bestehen, dass Europa bei der Digitalisierung des Geldes verliert. Die Vorteile sind augenscheinlich: 1. Kostengünstige Peer-to-Peer-Geldtransfers. 2. Stabiles Instrument der Wertaufbewahrung mit geringen Risiken aus Wechselkursschwankungen. 3. Rechnungseinheit für globale Handelsplattformen. Vgl. Holste, Björn/ Mayer, Thomas: Libra ist eine Herausforderung für Europa, in: Wirtschaftsdienst 8/2019, S. 567ff. Die Bundesregierung (Koalition 2019) will Libra nicht zulassen. Facebook verteidigt Libra. Politische Bedenken werden zurückgewiesen. "Ein Kernelement der staatlichen Souveränität ist die Herausgabe einer Währung, wir werden sie nicht Privatunternehmen überlassen", Olaf Scholz, Bundesminister der Finanzen 2019.

Konzept von Libra/ Diem: Libra erlaubt den Austausch zwischen Kunden. Kunden können sich an Wallets und Börsen bedienen. Transaktionsdaten werden ausgetauscht und validiert. Wiederverkauf ist möglich. Das Dach bildet die Libra Association, die auch die Libra-Reserven verwaltet. Gearbeitet wird auch mit Finanzassets. Facebook hat 2019 weltweit etwa 2,1 Milliarden Nutzer (mit Whats App, Instagram und Messenger. So könnte erstmals ein globales Geld entstehen (digitale Weltwährung).

Wirtschaftspolitische Implikationen von Libra/ Diem:  Libra könnte das Geldsystem von seinen staatlichen Fesseln befreien. Der Zahlungsverkehr könnte weltweit liberalisiert und verbilligt werden. Die Nutzung könnte aber auch erhebliche Risiken für einzelnen Nutzer und das gesamte Finanzsystem mit sich bringen. Die Effizienz der nationalen Geldpolitik könnte eingeschränkt werden. Vgl. Groß, Johannes/ Herz, Bernhard/ Schiller, Jonathan: Libra - Konzept und wirtschaftpolitische Implikationen, in: Wirtschaftsdienst 2019/ 9, S. 625ff. "Die Digitalwährung Libra könnte geld- und regulierungspolitische Maßnahmen untergraben. Steigen die Bürger eines Landes aus der nationalen Währung aus, wird die Zinssetzungspolitik der Zentralbank beeinträchtigt", Barry Eichengreen, University of California Berkeley 2019 (Quelle: WiWo 45, 25.1019, S. 26).

WeChat und Alibaba in China: Das Konzept dürfte Vorbild für Libra sein. Der Konzern Tencent betreibt das System. Über WeChat können alle möglichen Dienstleistungen bezahlt werden. Es hat die Chinesen, also 1,4 Mrd. Menschen, schon weitgehend von Bargeld entfernt. Es wird allerdings in der Landeswährung Renminbi abgewickelt. Damit hat China aber ein wesentliches Gegengewicht gegen die USA.

E-Euro: Die Entwicklung in den USA und in China bringt Europa in Probleme. Soll die EZB einen E-Euro, um ein Gegengewicht zu haben und die Souveränität  zu wahren? Der Beschluss für den E-Euro soll im Juni 2021 getroffen werden. Sowohl der Euro-Gruppen-Chef Paschal  Donohoe als auch Bundesfinanzminister Scholz gelten als Fans des digitalen Geldes. Man könnte damit auch auf die private Initiative von Facebooks Diem reagieren. Die Euro-Finanzminister sollen im ersten Halbjahr 2023 zustimmen. Ein gibt ein Problem: die besten Experten sitzen noch in London. Vgl. Nachhilfe aus London, in: WiWo 14, 1.4.2021, S. 7. Der digitale Euro soll auch gegen Facebokks Währung gerichtet sein. Die EZB leitet im Juli 2021 die nächste Phase ein. Bargeld soll aber erhalten bleiben. Viele Politiker sehen das Vorhaben als zentrales Thema nach der Bundestagswahl 2021.

Digitales Zentralbankgeld in China: Die Regierung treibt das Projekt immer mehr voran. Es soll den Aufstieg des Renminbi zur globalen Reservewährung beschleunigen. Es geht um den Aufbau einer staatlichen Digitalwährung. China will als erstes Land der Welt virtuelles Zentralbankgeld auf den Markt bringen. Testgebiete sind schon Suzhou, Shenzhen, Chengdu und Xiong`an. In ausgewählten Restaurants und Geschäften kann man mit dem Geld zahlen. Im großen Stil könnte die Einführung schon 2021 kommen. Andere Länder haben angst: Wer als erster die marktrelevante Nutzung erreicht, setzt die Standards und Rahmenbedingungen. Es handelt sich um Vollgeld, das ausfallsicher wie Bargeld ist. Die Regierung ist auch an den elektronischen Spuren interessiert. Kryptowährungen soll entgegengewirkt werden. Auch soll die Vormachtstellung der USA im globalen Zahlungsverkehr gebrochen werden. Es gefällt China auch nicht, dass der Libra an einen Währungskorb gebunden wird, der nicht den Renminbi enthält. Auch andere Länder experimentieren mit staatlichem digitalen Geld (Kanada, Schweden, Japan). Vgl. auch Petring, Jörn: Libra auf Chinesisch, in: WiWo 23, 29.05.2020, S. 36f. Die Schweiz ist auf dem Feld schon relativ weit, vielleicht am weitesten in Europa. Die USA nehmen erst Fahrt auf. Sie sind aber 2020 noch weit hinter China zurück. Die Innovationen kommen auch vom Privatsektor, in China vom Staat verordnet. Facebook ist allerdings weit bei stable coins.

EU und digitale Finanzwirtschaft: Im September 2020 legt die EU einen Aktionsplan vor. Damit soll die Kapitalmarktunion einen großen Schritt weiter gebracht werden. Ein Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen soll die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abfedern. Die Abhängigkeit vom Finanzplatz London soll verringert werden. Ein entscheidendes Instrument soll die Digitalisierung sein. Es soll auch ein einheitliches europäisches Zahlungssystem geben. Das Projekt hat höchste Priorität. Die Eu hat zwei Ziele: Finanzmarkt-Stabilität, Souveränität. Vielleicht kann die Verbindung zwischen Banken und Blockchain schon 2021 kommen (trickering). Euro als stable coin soll 2022 eingeführt werden (Commerzbank sehr weit). CBDC könnte 2023 "token based" kommen und CBDC bei der ECB 2026 bis 2028.

Decentralized Finance: Vorteile: 1. Lückenlose Transparenz. 2. Automatische Konformität. 3. Einfache Datenerfassung und -analyse. 4. Programmierbare, zentral steuerbare Wirtschaftsleistung. Anwendungen: Kreditaufnahme und -vergabe. Schutz vor Spekulationen. Liqudität. Wertschöpfungsquellen. Tokenisierung von Vermögenswerten. KI-gestützte Vermögensverwaltung. Kunden- und Identitätsmanagement. Bezahlsysteme. vgl. Kobylinska, Anna: Blockchain-Versprechen: Decentralized Finance, in: com!professional 11/2020, S. 32ff.

Beispielfirmen: NGO Finanzwende e. V. (Bürgerbewegung, nachhaltige Finanzwirtschaft, Bürgerengagement für die Veränderung von Investmentanlagen; Chef Gerhard Schick, Die Grünen; auch Initiative Transparente Zivilgesellschaft). Deposit Solutions, Deutschland (Fintec, soll 2020 1,0 Mrd. $ wert sein, strebt an die Börse; wurde 2011 gegründet). Tomorrow, Hamburg (Start-up, Fin-Tech; "grüne Geldanlage"; nur 5% aller Deutschen investieren 2020 in nachhaltige Geldanlage; einer der Gründer ist Jakob Berndt. Gründung 2018; zwei Jahre später etwa 41.000 Kunden; arbeitet mit Interchange - Gebühr: bei jeder Kartenzahlung muss ein Geschäft 0,2% des Kaufbetrages an die Bank abgeben; man braucht mindestens1 Mio. Kunden; Geschäft aber noch intransparent).

Reddit: Website, auf der registrierte Benutzer Inhalte einstellen. Sie wurde 2005 vom Steve Huffman/ Clanian/ Swartz gegründet. Dahinter steckt ein Wortspiel: "I read it on Reddit". Es gibt viele Subreddits, von denen viele auch schon wieder gelöscht wurden. Karma nennt man die Reputation auf Reddit. Reddit spielt stark auf den großen Börsenplätzen mit. Es hat Einfluss auf den Edelmetallhandel (Gold, Silber). Es beeinflusst stark bei einzelnen Aktienkursen, z. B. der Gamestop-Aktie 2021. Die Gamestop-Aktie hat im April 21 einen Tiefsstand. Investoren kaufen Aktien und sorgen für einen Anstieg des Kurses. Hedgefonds wetten gegen eine dauerhafte Erholung des Kurses. Kleinanleger verabreden sich über Reddit, Aktien und Optionen zu kaufen. Der Aktienkurs steigt auf über 340 $ und die Hedgefonds erleiden hohe Verlust.

Robinhood: Onlinebroker/ Trading App. Hat sich dem Kampf der Kleinen gegen die großen Spekulanten gewidmet. Man spricht von Demokratisierung der Kapitalmärkte. Gründer ist Vlad Tenev. Man hat insbesondere die jungen  Generation als Kunden. Das Geschäftsmodell besteht darin, die Orders der Kunden vor der Ausführung gegen eine Gebühr an so genannte Market-Maker zu verkaufen. Die Partner sind allerdings dubios: Citadel Securities gehört Kenneth Griffin (Hedgefondsmanager). Es geht auch um Melvin Capital, der stabilisiert werden soll. Interessant ist, dass mittlerweile organisierte Amateurtrader die Wall Street in Aufruhr versetzen können. Sie zwingen Hedgefonds zum Ändern der Geschäftsmodelle. 2021 will das Unternehmen in den Nasdaq. Man strebt eine Bewertung von 30 Mrd. $ an (dreimal soviel wie im Juni 2021)

Trade Republic, Berlin: Deutsches Start-up. Neobroker und App. Sammelt 2021 730 Mio. € Wagniskapital ein, neuer Rekord. Mehr als 1 Mio. Anleger. Geschäftsmodell:  Zusammenarbeit mit Market-Makern. Die Händler wickeln die Käufe und Verkäufe ab und zahlen Provision. Der einzige Market-Maker ist Lang & Schwarz, Hamburg zusammen mit der Börse Hamburg. 400 B. Der bekannteste Geldgeber ist Sequoia Capital aus den USA. Er finanziert auch das US-Vorbild Robinhood.

Trading-Apps: Aktienhandel per Smartphone. Zunächst ist beim Aktienhandel das Endgerät egal. Wenn aber die Gebühren vergleichsweise gering sind und die Benutzeroberflächen verführerisch, können die Apps zum Zocken verführen. Im Shutdown steigt die Zahl der Nutzer stark an. Auf der einen Seite erleichtern die Apps den Zugang zu den Wertpapiermärkten. Auf der anderen Seite steht die Frage nach dem Risiko. Der Handel betrifft Aktien und Optionsscheine genauso wie Bitcoin. Lockdown - Langeweile ist ein schlechter Grund. Neben den oben näher beschriebenen Apps (Reddit, Robinhood) gibt es z. B. noch Trade Republic, Smartbroker.

Trade Republic, Berlin: Online - Trader. Sie werben für Freiheit und Demokratie. Sie wollen aber auch Geld verdienen. Gründer Hecker, Pischke, Cancelliere. Kooperation mit Solaris Bank).

Immutable Insight GmbH, Grünwald/ Bayern : Blockchain, Gründerin Katharina Gehra; auch Forschungsinstitut, Nutzen von Blockchain. https://immutableinsight.com .

Bitpanda GmbH, Wien/ Österreich: Anlageplattform, Kryptowährungen: Bitcoin, Ada, Ripple, Dogecoin, USD Coin.

Klarna, Stockholm/ Schweden  (Zahlungsanbieter, Bank, E - Commerce;  seit 2005;  31 Mrd. US-$ Bewertung 2021; Start-up).

eToro, London/ GB: Broker, Social Trading, Investmentplattform.

Celonis SE, München/ auch New York. Unternehmenssoftware, Process Mining: Unternehmen können ihre Abläufe analysieren. Komplexe Daten können abgebildet werden.  2021 gibt es Spekulationen über einen Börsengang. Der renommierte Investor Henry Ellenbogen beteiligt sich. 2021 werden allein 820 Mio. € an Finanzmitteln eingesammelt. Bewertung 2021 11,1 Mrd. US-$. Kunden: Lufthansa, Siemens, Telekom. 750 B., Chef 2021 Bastian Nominacher.

Virtuelle Hauptversammlungen: Sie werden in der Corona-Krise Standard. Es gibt eine Sonderegelung für Online-HVs. Wie sieht es mit den Aktionärsrechten aus? Wie sehen die Fristen aus? Könnte das eine Dauereinrichtung werden?

Stripe, San Francisco/  Silicon-Valley/ USA (US-Start-up; Gründer Patrick und John Collison; 2021 am wertvollsten; neue Finanzierungsrunde 2021; die Gründer wollen damit vor allem in Europa investieren; seit 2010; 450 Mio. $ Umsatz 2019; Online-Bezahldienst, in 25 Ländern)

Abkoppeln von China und Russland vom globalen Finanzsystem: Beide Länder haben Sorgen über härtere Sanktionen. Sie wollen das Sanktionsrisiko verringern und mehr Unabhängigkeit. Man fürchtet vor allem den Ausschluss vom Finanzdienstleister Swift. Beide Länder haben bereits eigene Kreditkartenfirmen gegründet. Beide Länder wollen sich mehr zusammentun.

Digitale Finanzdienstleister in China: 2021 hat das Kartellamt (koordiniert mit Steuer- und Internetaufsicht) 34 Digitalunternehmen ("Digitalfürsten") nach Peking einbestellt. Man spricht von "ungeordneter Kapitalvermehrung". Man erwähnt auch "rote Linien". Besonders hat man die digitalen Finanzdienstleister im Auge.  Die Tech - Riesen in China haben daraufhin 2021 Angst. Es gibt Demutsbekundungen (JD.com, Bytedance). Es zeigen sich auch immer mehr Anzeichen von Marktmissbrauch (Alibaba, nur Bezahldienst von Alibaba). Die Finanzdienstleister vergeben auch Kredite in großem Ausmaß. Der wichtigste Punkt ist aber, dass der Staat die Kontrolle behalten will.  "Das Huhn töten, um den Affen zu erschrecken", chinesische Volksweisheit, die die Strategie der Regierung beschreibt. Mehr als 100 Start-ups legen ihre Börsenpläne auf Eis.  Vgl. Zand, Bernhard: Die Entmachtung der Digitalfürsten, in: Der Spiegel Nr. 17/ 24.4.21, S. 67.

Digitales Wertpapier: Der Gesetzgeber bereitet ab 2021 den Boden vor für virtuelle Wertpapiere. Man beginnt mit Schuldverschreibungen. Das ist ein Baustein in der Block - chain - Strategie.

Value Investors Club (VIC): Online-Forum. Investorenzirkel, sehr exklusiv. Man muss einen Aufnahmetest bestehen. Seit 1999, anonym.

Coinbase, San Francisco/ USA: US-Handelsplattform für digitale Währungen. Geht 2021 an die Börse. Gründer ist Brian Armstrong. Gründung 2012. Man strebt an die Tech-Börse Nasdaq. Die Bewertung liegt bei 100 Mrd. $. "Die Krypto - Ökonomie beginnt gerade erst", Brian Armstrong.

Lieferketten finanzieren (Supply - Chain Finance): Boomt in der Corona-Krise. Besonders in den USA, EU. Umfang 2020 1,311 Mrd. US-$. Funktionsweise: 1. Ein Unternehmen bestellt Ware. 2. Der Lieferant liefert die Ware und stellt Rechnung aus. 3. Das Unternehmen prüft und bewilligt die Rechnung. 4. Der Lieferant kann den Kaufpreis von der Supply-Chain-Plattform abrufen. 5. Das Unternehmen (Käufer) begleicht gegenüber der Plattform die Rechnung zum Zeitpunkt des vereinbarten Zahlungsziels.  Vgl. HB Nr. 79, 26.4.21, S. 32.

Tech - Konzerne als globale Finanzdienstleister: Die globalen und großen Tech - Konzerne schlüpfen immer mehr in die Rolle von Finanzdienstleistern. Das zeigt sich auf der ganzen Welt. Amazon als E-Commerce-Riese, Facebook mit Diem, der Chatanbieter Kakao in Südkorea, die Handelsplattform Mercado Libre in Südamerika, M-Pesa in Kenia, Alibaba und Tencent in China. Ant Financial und WeChat haben eine Fülle von Finanzprodukten im Angebot.  Diese Konzerne offerieren heute  im Finanzbereich so gut wie alles. Das kommt einmal von Bezahlsystemen. Zum anderen hängen Banken und Fintechs von den Cloud-Computer-Systemen der Techkonzerne ab. Schon länger hat die chinesische Regierung die Gefahren dieser Entwicklung erkannt. Auch die Zentralbanken und Regierungen westlicher Länder sind aufgeschreckt. Die Tech-konzerne haben noch einen großen Vorteil: Sie können daten des Verbraucherverhaltens auswerten und Verhaltensmuster ihrer Kunden ausnutzen. Es entsteht auch eine erhöhte Risikobereitschaft bei der Kreditvergabe. Die chinesische Regierung will die Kredite beschränken (nur noch 30% aller Kredite, Finanzierung aus eigener Bilanz). Vgl. Eichengreen, Barry: Der Wettlauf zwischen Windhunden und Bluthunden, in: WiWo 18/ 30.4.2021, S. 37.

Virtuelle Aktien über Blockchain: In Zukunft könnte der Anleger A Aktientokien über Wallet kaufen, die der Anleger B über Aktientokien verkauft. Dazwischen wäre ein Handelsplatz, etwa 360X. Es müsste einen Kryptoverwahrer geben, der Kryptoassets und private Schlüssel verwahrt. Vgl. Littmann, Sakia/ Zeinlinger, Tina: Kaufen, um dabei zu sein, in: WiWo 20/14.5.21, S. 74ff.

Decentralized Finance (dezentrale Netzwerke): Junge Firmen aus der Blockchain - Welt bauen ein dezentrales Netzwerk auf, dass die alten Finanzriesen überflüssig machen könnte. Die Aufseher sind alarmiert. Sie haben Angst vor einem neuen Schattenbankensystem. Das Netzwerk arbeitet auch mit der Datenbanktechnik Blockchain (dezentral, jeder Nutzer Kopie der gespeicherten Transaktionen). Etherem bietet zusätzlich Dienstleistungen und Verträge. Es werden Stablecoins eingesetzt (wertstabil, Absicherung durch reale Anlagen, Staatsanleihen). Tokien als virtuelle Abbildungen physischer Assets werden eingesetzt (virtuell handelbar).   Im Mai 2021 sind 60,6 Mrd. US-$ Vermögen in Decentralized Finance angelegt. Die Marktkapitalisierung von Kryptowährungen beträgt: Bitcoin 668 Mrd. $, Ethereum 288, Tether 61, Ripple 40. Vgl. Dörner, A. u. a.: Krypto - Revolution an den Finanzmärkten, in: HB Nr. 102, 31. Mai 2021, S. 30f.

SPACS: Mantelfirmen ohne Inhalt, die an die Börse gehen. Der Trend ist international. Die Phasen: 1. Gründung: Die Gründer eines Spacs finden sich zusammen und wenden sich meist einmal an professionelle Investoren, um viel Geld einzusammeln. 2. Börsengang: Die SPAC geht als leere Unternehmenshülle an die Börse und kann dabei noch viel Geld einsammeln. Auch Privatanleger können sich dann an einer SPAC beteiligen. 3. Firmenübernahme: Die SPAC sucht ein Unternehmen, das an die Börse möchte, häufig ein Start-up. Die beiden fusionieren - und im besten Fall steigt danach der Aktienkurs. Vgl. Jensen, Maren: Ein Hauch von nichts, in: Die Zeit Nr. 23, 2.6.2021, S. 25.

Scalable Capital, München (2021 mit 1,4 Mrd. € bewertet, damit gilt das Fintech als Einhorn, Chef ist Erik Podzuweit).

Bitcoin - Schürfer und China: Große Server, die man für Bitcoin benötigt,  werden dort aufgestellt, wo die Strompreise günstig und die Behördenkontrollen lax sind. Das war bisher am Fuße des Himalayas der Fall (Provinzen Guizhou, Innere Mongolei, Xinjiang, Sichuan/ 10%). Man spricht auch von Bitcoin - Farmen. Sie waren der Regierung in China immer ein Dorn im Auge: Sie stören die staatliche Finanzordnung und die staatliche Digitalwährung. Die Regierung gibt im Sommer 2021 ein zeitliches Ablaufdatum. Sie ist aber vorsichtig, weil sie die Wut der eigenen Bürger befürchtet, die mit Bitcoin Geld verdienen. Das treibt den Kurs des Bitcoin kurzfristig in den Keller, langfristig könnte es aber stabilisierend sein. Das Bitcoiun -Netzwerk wird zu 65% von chinesischen Surfern betrieben. Vgl. auch: Xifan Yang: Die Angst der Schürfer, in: Die Zeit Nr. 26, 24. juni 2021, S. 24.

Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein", Johann Wolfgang von Goethe.

 

Ethik/ Werte in der Digitalisierung:

Ethik: "Den griechischen Philosophen ging es um ethische Fragen des "guten Lebens", nicht um effizientes oder rationales Wirtschaften", Mikl-Horke, G.: Sozialwissenschaftliche Perspektiven der Wirtschaft, München/ Wien 2008, S. 8.  Aristoteles unterschied zwischen "oikonomia" (Hauswirtschaft, daher kommt der Begriff "Ökonomie"), "chresmatia" (Erwerb von Geld, Bereicherung) und "katallage" (Austausch, Ausgleich). Dieser Gedanke findet sich auch in der chinesischen Philosophie. Im Jahre 1759 entstand "Die Theorie der ethischen Gefühle" von Adam Smith. Der schottische Moralphilosoph  beobachtete die Prinzipien hinter dem menschlichen Verhalten (Einfühlungsvermögen, Wohlwollen, Fairness, Gewissen). Empirische Studien deuten darauf hin, dass sich Ökonomen eher von Effizienzkriterien und Laien eher von Fairness und Moral leiten lassen. Ende 2010 starten in Deutschland Spitzenmanager die Initiative "für verantwortliches Handel". Die Unterzeichner verpflichten sich zu fairem Wettbewerb, Sozialpartnerschaft, Leistungsprinzip und Nachhaltigkeit. Der tschechische Ökonom Tomas Sedlacek landet mit dem Buch "Die Ökonomie von Gut und Böse" einen großen Erfolg. Er fundiert die ethische Bindung der Ökonomie in der Ideengeschichte, die auch eine Geschichte der Menschheit ist. David Graeber, einer der führenden Köpfe der "Occupy Wall Street" - Bewegung sieht eine feste Verbindung zum Markt: "These I  Weder der Egoismus noch der Altruismus stellen natürliche Triebe dar; sie erwachsen vielmehr aus der wechselseitigen Beziehung zueinander und wären ohne den Markt undenkbar" (Kampf dem Kamikaze-Kapitalismus, München 2012, S. 120). Ein früher Vertreter dieser Schule (Ethik als Basis) war auch Wilhelm Röpke (1899-1966). Sein Ideal war eine mittelständische Gesellschaft mit vielen Selbständigen. Marktwirtschaft statt Kapitalismus, Subsidiarität statt Zentralismus. Familiäre, nachbarschaftliche, private Solidaritätsnetzwerke statt Wohlfahrtsstaat. Er hatte auch stets die sozialen und ethischen Wertefundamente im Blick. Vgl. W. Röpke: Jenseits von Angebot und Nachfrage, 1958. "Wenn die Sittenlehre nur eine Glückseligkeitslehre wäre, so würde es ungereimt sein, zum Behuf derselben sich nach Prinzipien a priori umzusehen", Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Stuttgart 1986. "Die moderne Ökonomie ist um ein Vielfaches ärmer geworden durch die Distanz zur Ethik", Amartya Sen (Harvard, geb. 1933 in Indien, 1998 Nobelpreis, Ökonomie für den Menschen). "Moral ist, wenn man moralisch ist", Georg Büchner, Woyzeck. "Der Weise hat keine unumstößlichen Grundsätze, er passt sich anderen an", Laotse. Vgl. zum Thema: Lütge, C./ Uhl, M.: Wirtschaftsethik, München 2018.

Normen und Werte in der digitalen Welt: 1. Nur mit Zustimmung der Kunden in die Privatsphäre eindringen. 2. Bei individuakisierten Preisen keine Notlagen ausnutzen. 3. Daten nur mit Aufklärung und Zustimmung der Kunden erheben. 4. Digitale Identitäten nicht ohne Zustimmung und Korrekturmöglichkeiten der Kunden anlegen. 5. Unternehmen transparent machen. 6. Krankheiten nicht auf Verhalten gründen ohne soziale, genetische und umweltbedingte Faktoren zu berücksichtigen. 7. Daten müssen der ursprünglichen Absicht entsprechen. 8. Kunden, die Rohdaten generieren, sollten dafür entschädigt werden. Vgl. Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften: Big Data - Ethische Herausforderungen für Unternehmen, 2018. "Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Chance. Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance", Albert Camus.

Die drei Robotergesetze von Isaac Asimov (Science-Fiction-Autor, 1942): 1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird. 2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen, es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren. 3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Weg in eine menschenfreundliche Zukunft: Computer kennen keine Werte, keine Normen, keine Moral. Technologie ist kein Selbstzweck, sie ist Mittel zum Zweck. Es sollte nicht gelten: Yes, we can - so let`s do it. Folgende Rechte sollten gelten (Gerd Leonard): 1. Das Recht, ein natürlicher und nicht augmatisierter Mensch zu bleiben. 2. Das Recht ineffizient zu sein, wenn davon unsere Menschlichkeit abhängt. 3. Das Recht, abzuschalten. 4. Das Recht, anonym zu bleiben. 5. Das Recht, Menschen zu beschäftigen statt Maschinen. Vgl. Gerd Leonard, Technology vs. Humanität, München 2017.

Digitaler Humanismus: Die Digitalisierungsindustrie  wirbt mit Transparenz, Berechenbarkeit, ökonomischem Erfolg, Weltverbesserung und mäzenatischem Engagement. Sie nimmt damit humanistische Impulse als Ausgangspunkt und transformiert sie zu anti-humanistischen Utopien. Die Bedingungen der Humanität werden infrage gestellt. Die Big - Data - Ökonomie lebt von der Enteignung der Menschen, sie verlieren die Kontrolle über ihre persönlichen Daten. Vgl. Nida-Rümelin, Julian/ Weidenfeld, Nathalie: Digitaler Humanismus, Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, München (Piper) 2018. Andererseits ist menschliches Verhalten immer die Grundlage. Noch nicht geklärt ist, was KI macht, wenn die Menschen sich grundlegend ändern. Die Autoren sehen in der Silicon - Valley - Ideologie einen Religionsersatz. Die Unterscheidung zwischen menschlichem Handeln, Denken und Empfinden und Software gesteuerten, algorithmischen Prozessen wird immer bleiben.

Einheit von Seele und Körper: Das die Seele etwas vom Körper Unterschiedenes, eigenständig Existierendes und möglicherweise Ewiges ist, ist einen Vorstellung, die von vielen Religionen, vertreten wird (auch in der Philosophie). Bis heute gibt es auf die Frage keine befriedigende Antwort. Die moderne Neurophysiologie sieht mehr und mehr Anzeichen dafür, dass geistige und seelische Prozesse aufs engste mit körperlichen Prozessen zusammenhängen. Damit scheint sich die These zu bestätigen, die der materialistische Aufklärungsphilosoph Julien Offray de La Mettrie (1709 - 1751) bereits 1748 in seiner Schrift "Die Maschine Mensch" aufgestellt hat: Körper uns Seele sind vom selben Stoff. Seelen bleiben an den Körper gebunden. "Da aber alle Fähigkeiten der Seele derartig von dem eigentümlichen Bau des Gehirns und des ganzen körpers abhängen, dass sie offensichtlich nichts anderes als deiser Bau selbst sind, haben wir also eine durch die Vernunft gut erleuchtete Maschine vor uns", Julien Offray de La Mettrie. Vgl. Philosophie-Kalender 2020 in Kooperation mit Die Zeit.

Die Ethik der Algorithmen: Der Algorithmus ist so etwas wie die unsichtbare Hand der digitalen Wirtschaft. Er sollte transparent sein, verantwortlich, Gesetzen folgen und ein klares Ziel haben. "Um den ethischen Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden, muss Ethik in die DNA aller selbstlernenden Algorithmen programmiert werden. Eine alte IT - Weisheit sagt: A fool with a tool is still a fool. Ohne ethische Standards wird KI ein Tool für Fools bleiben - und einen Rückschritt für die Humanität bedeuten". Sascha Puljic, VP Central Europe Teradata (Quelle: com! professional 9/2019, S. 7.

Algorithmen und Diskriminierung: Algorithmen sollen stets das Optimum berechnen. Sie dürfen aber Menschen nicht diskriminieren. Entwickler und Entwicklerinnen müssen sensibel mit dem Thema umgehen. Das Bewusstsein für die ethischen Herausforderungen muss entwickelt werden.

Artifical Morality: Durch die Fortschritte der Technik wird die künstliche Intelligenz in Zukunft mehr moralische Entscheidungen fällen. Dabei sollten Entscheidungen über Leben und Tod immer beim Menschen bleiben. Menschliche Verantwortung und Selbstbestimmung haben Priorität. So muss also der Mensch folgende Kriterien auf sich nehmen: 1. Verantwortungsübernahme. 2. Mensch muss Infos der Maschine überprüfen. 3. Qualitätssicherungsprozesse müssen installiert sein.

Ethik, Gesellschaft und Technologie: Neue Initiative der Stanford Universität 2018, der Kaderschmiede des Silicon Valley. Es geht um die Bekämpfung von Hasskampagnen, Fake News und Manipulationen in sozialen Netzwerken. Der ehemalige Google - Manager Tristan Harris gründete das "Center for Humane Technology" und fordert eine stärkere Ausrichtung an menschlichen Bedürfnissen. Bekämpft werden sollen auch die "Dark Patterns". Das sind User-Interface-Muster in Apps und Websites, die die Nutzer unbewusst dazu motivieren, bestimmte Aktionen durchzuführen (z. B. Like-Dynamik). Informatik ohne Ethik sollte nicht mehr gelehrt werden. Es muss ein Grundverständnis darüber vermittelt werden, was Ethik ist, wie Politik funktioniert und wie Technik auf Gesellschaften wirkt. "Die ethische Naivität, die den Aufstieg der sozialen Medien begleitet hat, wird bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz fatale Folgen haben", Luca Caracciola, in: t3n Magazin 53/2018, S. 56.

Digitalisierung und Demokratie: Die Wende war die Wahl Donald Trumps in den USA. Seitdem gelten die Digitalkonzerne als Demokratie gefährdend. Sie sorgen für den Reichtum weniger. Sie bilden Monopole. Sie bieten Technologien zur Kontrolle (Gesichtserkennung). "Wie die Digitalisierung weitergeht und welche Folgen sie haben wird, ist daher kein Naturereignis oder Verhängnis. Es gibt keine Alternativlosigkeit. Diese Einsicht ist der erste Schritt zu einem gestaltenden Blick auf die Entwicklung der digitalen Technologie", Armin Grunwald, Professor für Technikphilosophie und -Ethik am Karlsruher Institut für Technologie. Quelle: WiWo 3/ 11.1.2019, S 47.

Digitale Demokratie: Digitale Instrumente sollten in der Demokratie ausprobiert werden. Digitale Instrumente sind Co-Voting (in repräsentativen Demokratien) bzw. Assessment Voting (in direkten Demokratien). Dadurch könne demokratische Verfahren verbessert und das Band zwischen Stimmbürgern und Demokratie gestärkt werden.  Vgl. Gersbach, Hans: Mehr digitale Demokratie wagen, in: Wirtschaftsdienst 2019/8, S. 582ff.

Liquid Democracy: Mischform aus direkter Demokratie und repräsentativer Demokratie. Dabei kann man sein Stimmrecht entweder selbst wahrnehmen oder es an einen Vertrauten delegieren. Im Unterschied zur repräsentativen Demokratie kann man es jederzeit zurückholen. Vgl. Koenig, Aaron: Dezentrale Revolution, München 2019, S. 203.

Spontane Ordnung: Der Begriff wurde ursprünglich vom chinesischen Philosophen Zhuangzi (369-286 v. Chr.) geprägt. In neuerer Zeit stammt die Definition von dem Ökonomen von Hayek: "Die spontane Ordnung ist von der geplanten Ordnung, auch Organisation genannt, abzugrenzen. Der Begriff spontane Ordnung, den Hayek (1963) popularisiert hat, bezieht sich auf die Genese dieser Ordnungsart: Sie ist entstanden, ohne dass irgendjemand sie bewusst geplant hätte, sie hat sich spontan gebildet", Gabler Wirtschaftslexikon. Eine spontane Ordnung entsteht aus einem scheinbaren Chaos, wenn man die Dinge sich selbst überlässt. Vgl. Koenig, Aaron: Die dezentrale Revolution, München (FBV) 2019.

Interessengruppen: Im Englischen wird dafür der Begriff "Stakeholder" gebraucht. Er bezeichnet jede Person oder Gruppe, die von der Tätigkeit des Unternehmens betroffen ist. Dabei kann es auch um Werte gehen, die übereinstimmen oder verschieden sind. Interessengruppen sind Nichtregierungsorganisationen, Gemeinden/ Kommunen, Gewerkschaften, Regierung, Kunden, Zulieferer, Mitarbeiter, Gläubiger. Interessengruppen wirken direkt auf das Unternehmen, indirekt über Verbände oder soziale Medien.

Ethische Richtlinien für selbst lernende Systeme: Die EU will bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) ethische Standards setzen. Die EU-Kommission veröffentlichte im April 2019 Leitlinien einer Expertengruppe, die Grenzen für den Einsatz solcher selbst lernenden Systeme setzen sollen. Angesichts des Rückstands bei der Technik gegenüber China und den USA sieht die EU "vertrauenswürdige KI" gleichzeitig als einen möglichen Wettbewerbsvorteil für europäische Anbieter. Künstliche Intelligenz stützt sich auf die Auswertung großer Datenmengen und maschinelles Lernen, bei dem Programme und Algorithmen sich selbst weiterentwickeln. KI gilt deshalb als Zukunftstechnologie etwa bei selbst fahrenden Autos oder in der Medizin, aber auch in der Strafverfolgung und Videoüberwachung und bei autonom handelnden Kampf- und Verteidigungssystemen im Militärbereich. Ursprünglich sollten "Rote Linien" formuliert werden. Das war nicht möglich.

Digitale Gefolgschaft: "Während die Bindungskräfte von Familien, Institutionen, Parteien, Verbänden und Staaten schwinden, entstehen um digitale Plattformen wimmelnde Schwärme und Horden. Ihre Benutzer sind Follower. Digitale Gefolgschaft hält die Clans zusammen". Siehe: Christoph Türcke: Digitale Gefolgschaft. Auf dem Weg in eine neue Stammesgesellschaft, München (C. H. Beck) 2019, Umschlagtext. Die Nutzer werden nicht geknechtet, sondern ausgesaugt. Das Bildungs-, Gesundheits- und Verkehrssystem sollen nach dem Prinzip der Plattform umgebaut werden. Es soll aufgezeigt werden, wohin die Dynamik der Digitalisierung führt. Der autor sieht eher eine digitale Hölle, die mit lauter verheißungsvollen Errungenschaften gepflastert ist.

Netz-Fragmentierung und ihre negativen Folgen: Plattformen sind Systeme, die sich von ihrer Umwelt abkapseln. Man kann nur noch gefiltert in sie reinkommen. Sie stabilisieren sich durch Binnenkommunikation, bei der sie die Regeln bestimmen. Google und Facebook sind sicher gute Beispiele. Man könnte das auch als "narzisstische Blasenbildung" bezeichnen. Follower sind sehr erwünscht und gelten als Qualitätsmerkmal. Man missbraucht sie sogar, wenn nötig, für Netz-Fundamentalismus. "Shitstorms" sind so leicht organisierbar. Das ist umso leichter, je mehr Plattformen Infrastruktur und Produktion selbst in der Hand haben. Vgl. Türcke, a. a. O., S. 178ff.

Negative Folgen sozialer Medien: 1. Stammesdenken oder Gang-Mentalität: Rückzug in die digitale Filterblase, in die moralisch homogene Gruppe, die sich gegenüber dem Feind abgrenzt. 2. Einfluss auf die Psyche: Junge Männe werden durch die sozialen Medien aggressiver, junge Frauen eher depressiver. 3. Wenn die Plattformen zivilisiert werden (Desinformationen abwehren) steigt gleichzeitig ihre Macht weiter. 4. Die sozialen Medien wirken wie eine Manipulationsmaschine: Sie verkaufen die Aufmerksamkeit und die Daten ihrer Nutzer an Werbetreibende und andere Propagandisten (Jaron Lanier).

Digitale Demenz (Gehirn): Es gibt Untersuchungen (Nonnenstudie: sie hatten degenerierte Gehirne, aber keine demenziellen Symptome), die darauf hindeuten, dass man mit Lust am Leben Demenz am besten bekämpfen kann. Für die Entstehung demenzieller Erkrankungen im Alter sind nicht nur die von Demenzforschern beschriebenen Abbauprozesse im Gehirn verantwortlich, sondern die Verkümmerung unserer Neugier und die fehlende Lust am Lernen. Synopsenhemmend sind Fernsehen, Spielkonsolen, Computer, Resignation. Vgl. Gerald Hüther: Raus aus der Demenz-Falle, Arkana Verlag 2017. Manfred Spitzer: Digitale Demenz, Droemer Verlag 2014.

Zumindest kann auch die Verstrickung im digitalen Netz die Entwicklung seichter Persönlichkeitsstrukturen fördern. Lebens- und Denkenergie kann entzogen werden. Vgl. Sarah Spiekermann, Digitale Ethik, München 2019, S. 114.

Fehler, die durch Digitalisierung provoziert werden: 1. Unvollständigkeit. Big-Data erzeugt leicht die Illusion der Vollständigkeit. 2. Gespaltene Natur. Kann nie wie das Reale sein. Manchmal wird das Analoge nicht mehr als perfekt angesehen. 3. Eigenleben. Problem der Selbstunterbrechung. Sucht als Gefahr. 4. Illusion menschlicher Gemeinschaft. Wie kann Leistungsmotivation gefördert werden? 5. Negative Folgen auf die Persönlichkeit. Vgl. S. Spiekermann, a. a. O., S. 79ff.

Verbrauchergerechtes Scoring: Immer mehr Aspekte des Verhaltens der Bürger werden durch "Scores" vorhergesagt oder gesteuert. Scoring hat eine Reihe von Problemen: mangelnde Transparenz und Qualitätskontrolle für Daten und Algorithmen, ungenügende personelle sowie technische Ausstattung der Aufsicht und die zukünftige Gefahr eines kommerziellen Superscores ähnlich dem System in China. Anbieter von sensitiven Scores sollten verpflichtet werden, den Betroffenen alle Merkmale und deren Gewichtung offen zulegen. Es muss eine leistungsstarke Aufsicht geschaffen werden. Vgl. Gigerenzer, G./ Rebitschek/ Wagner, G. G: Eine vermessene Gesellschaft braucht Transparenz, in: Wirtschaftsdienst 2018/1, S. 880ff.

Nachhaltiger Konsum in der Postwachstumsgesellschaft (Einfluss der Ethik): Produkte müssen haltbarer, weniger werden. Sie dürfen nicht mehr sinnstiftend sein. Die Menschen sollten ihr Glück mehr über Partizipation, Kontakte, Kommunikation u. a. definieren. Der Anstieg der Arbeitsproduktivität bringt mehr Freizeit, die für immaterielle Bedürfnisse verwendet werden sollte. Auch empirisch kann man nachweisen, dass die Bürger nachhaltige Produktion unterstützen, soziale Kriterien zugrundelegen und auf artgerechte Tierhaltung Wert legen. Der Einfluss ethischer Werte wird immer größer: 2009 achteten 13,3% der Konsumenten auf Fair Trade, 2015 schon 19,5%; 2009 waren 14,4 der Konsumenten ökologisch und sozial verantwortungsvolle Hersteller wichtig, 2015 16,7% (Quelle: Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse).

Überwachung durch das Internet in China: 2017 plant die KPC eine totale Überwachung: Mit einem gigantischen Punktesystem wollen wollen Chinas Kommunisten jeden einzelnen Bürger zu tugendhafter Folgsamkeit zwingen. Regierungskritiker werden bestraft. Man spricht von einem "Sozialkreditpunktesystem". Ein Versuch läuft bereits in der Verwaltungszone Xiongan nahe Peking (soll Peking in Zukunft entlasten). Zum Beispiel bringt allein leben in großer Wohnung  Minuspunkte. Familie in kleiner Wohnung gibt Pluspunkte. Wer mit einem großen Auto zur Arbeit fährt bekommt Minuspunkte. Das "Soziale Bonitätssystem" soll ab 2020 eingeführt werden. Gleichzeitig will man eine zentrale Datenbank errichten (Big Data). Derzeit gibt es wohl 40 unterschiedliche Experimente dazu, auch Apps. Es ist noch unklar, was am Ende rauskommt. Vgl. FAZ 22.11.2017, S. 15. Ideologisch könnte man argumentieren, dass der Maoismus wieder auf dem Vormarsch ist. 2019 kommt eine neue App. Mit ihr will die KPC ihre Bürger auf Linie bringen. Sie enthält Reden, Schriften und Ermahnungen des Parteichefs Xi Jinping. Wer den Text mindestens vier Minuten lang liest, bekommt einen Pluspunkt. Millionen Menschen haben die App bereits herunter geladen. Für KP-Mitglieder ist das sogar verpflichtend.

Digitalkonzerne und Nachhaltigkeit: Die Technologieriesen aus dem Silicon Valley oder aus China versprechen zwar, positiv an der Lösung der größten globalen Problemen zu arbeiten. Aber in der Praxis bleiben bisher große Zweifel. Google und Facebook spähen fleißig ihre Kunden aus und verkaufen Werbeinformationen. Immer größere Rechenleistungen auf immer größeren Servern haben einen Reisen-Stromverbrauch. Amazon zerstört die dezentrale Verteilung von Gütern und die Lieferfahrzeuge verstopfen die Straßen und stoßen eine Menge CO2 aus. Airbnb trägt mit dazu bei, dass die größten Sehenswürdigkeiten der Erde von Touristen überlaufen werden. Bisher ist nicht erkennbar, dass die digitale Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit führt. Das gleiche gilt für alle Sharing-Modelle, die in der Regel den CO2-Ausstoß nicht senken.

Schritte für den Einzelnen im Fortschritt des digitalen Zeitalters: 1. Schritt: Wertebewusstsein (Selbstreflektion): Aufmerksamkeit für Werte, eigene Werteprioritäten in die Gemeinschaft einbringen, die richtigen Vorbilder für den Fortschritt, sich selbst erkennen und die Bedeutung der Technologie. 2. Schritt: Werte verstehen. Konzeptionelle Tiefe der Werte. 3. Schritt: private Gewohnheiten, Technik und Politik. Bedeutung des Maßhaltens. Rhythmus und Rituale. Technische und politische Maßnahmen, um Werte leben zu können. Vgl. Spiekermann, Sarah: Digitale Ethik. Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert, München (Droemer) 2019, S. 258ff.

Wertkonflikte und -folgen aus der Natur des Digitalen: 1. Effizienz versus Würde. 2. Vertrauen versus Vorsicht. 3. Macht versus Sucht. 4. Erreichbarkeit versus Freiheit. Vgl. Sarah Spiekermann, a. a. O., S. 122ff.

Vielfalt als Grundbedingung der Ethik: Es bedarf der Vielfalt von privaten, staatlichen und zivilgesellschaftlichen Softwarebetreibern. Es muss einen geteilten Zugang zu hochwertigen Datensets geben. Die Techbranche sollte ein Höchstmaß an Diversität haben (bunte Belegschaften). Vgl. Dräger, Jörg/ Müller-Eiselt, Ralph: Wir und die intelligenten Maschinen, DVA Verlag 2019. "Unser Gemeinwesen braucht auch intelligente Maschinen, die sich nict an monetären Gewinnen orientieren. Der Staat hat eine gewaltige Nachfragemacht, die er nutzen sollte, um Vielfalt zu stärken", Dräger/ Müller-Eiselt: Teile und herrsche! in: WiWo 35, 23.8.2019, S. 42f.

Vertrauen: Vertrauen ist eine zentrale Ressource für junge Unternehmen und ältere Unternehmen, die Kooperationen planen. Risiko, Unsicherheit und Informationsasymmetrie spielen dabei eine große Rolle. Vertrauen in die Investoren und Vertrauen in die Kooperationspartner unterliegt bestimmten Bedingungen. Vgl. Welpe, I. M.: Die Entstehung von Vertrauen im Kontext von Unsicherheit und Informationsasymmetrie, in: ZfB 2008, H. 12, S. 1251-1283. Die Bedeutung von Vertrauen als ökonomisches Handlungsmotiv im Rahmen der "animal spirits" (Adam Smith) wird zunehmend gesehen, auch um der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Vgl. auch Beise, M./ Diederichs, L. (Hg.): Hoffnung Mittelstand, München 2009, S. 47 ff. Auch in der Weltwirtschaftskrise 2008 zeigt sich die Bedeutung des Vertrauens für die Marktteilnehmer, hier insbesondere das Vertrauen im Interbankenmarkt. Gesellschaftliches Vertrauen und Systemvertrauen stellen eine übergeordnete Ebene dar, die die Interdisziplinarität aufzeigt. Auf den Finanzmärkten muss der Staat in und nach der Weltwirtschaftskrise als Vertrauensgeber einspringen. Dadurch wird das Risiko von der Wirtschaft auf die Gesellschaft überwälzt. Vertrauensverlust ist auch ein zentrales gesellschaftliches Thema unserer Zeit: aktuelle Beispiele sind Toyota, die Kirche, die Banken. Vertrauen fördert das Wirtschaftswachstum insgesamt (Reduktion von Transaktionskosten, Lösung für Probleme kollektiven Handelns wie Trittbrett fahren, Prinizipal-Agent-Problem; Paul Whiteley, Essex). Einige Unternehmen sind ganz besonders auf Vertrauen angewiesen. Dazu gehören etwa die Fluggesellschaften. Ein einziges Unglück, wie der Absturz durch Selbstmord 2015 bei der Lufthansa/ German Wings, kann das Vertrauen zerstören. Die Kategorie "Vertrauen" rückt in den ganzen Sozialwissenschaften und der Medizin immer mehr in den Mittelpunkt. So weiß man mittlerweile um das Hormon "Oxytocin, das uns vertrauen lässt. Vertrauen ist auch extrem wichtig im Sport (Bergsteigen). Ohne Vertrauen würde der Gebrauchtwagenhandel zusammenbrechen. Einige Plattformen haben digitale Vertrauenswerkzeuge entwickelt. Bekannt ist das D.R.E.A.M.S.-Gerüst von Blablacar. Es besteht aus sechs Säulen: persönliche Angabe (Declared Information), Bewertungen (Ratings), Engagement, Aktivität, Moderation und soziale Netzwerke. Ohne Vertrauen könnte es keine Sharing Economy geben. Warum genießen aber wildfremde Online-Plattformen mehr Vertrauen als manche Nachbarn? Das hängt mit der Konstruktion digitaler Vertrauensnetzwerke zusammen (siehe oben). Empirisch ist die Studie "Trusted Company 2017" eine der wenigen Studien. 168 Unternehmen werden ausgezeichnet. Vertrauen führt volkswirtschaftlich zu geringerer Regeldichte und höherer Flexibilität. Auch die positive Reziprozität wird erhöht.  GPRA ermittelt einen Vertrauensindex. 2017 liegt Wikipedia an der Spitze. Gering ist das Vertrauen für Facebook. Mit im Spiel ist auch immer das Hormon Oxytoxin. Vertrauen hängt auch stark von Erfahrungen ab. Auch die Rahmenbedingung ist wichtig: In armen Ländern sind die Menschen viel weniger vertrauensselig als in den reichen Nationen. Wer aber ein reiches Sozialleben hat (und mehr vertraut) lebt länger, glücklicher und gesünder. Mit der Künstlichen Intelligenz wird das Vertrauen noch wichtiger, weil KI es nicht ersetzen kann. Über die Bedeutung von Vertrauen für eine Gesellschaft hat auch die Wirtschaftsnobelpreisträgerin 2009 Elinor Ostrom gearbeitet (Wege, die sicherstellen, dass andere vertrauenswürdig sind). Nach einer repräsentativen Studie für die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) 2013 haben die Deutschen wenig Vertrauen in den Markt. Vor allem bei Finanzprodukten gilt dies. Aber auch beim Kauf von Lebensmitteln. Der Verband fordert ein Frühwarnsystem. Die Bürger vertrauen den folgenden Institutionen am meisten, ihre Interessen als Verbraucher zu vertreten: Stiftung Warentest,Verbraucherzentralen, Bundesamt für Verbraucherschutz, Bundeskartellamt. Die Wirtschaftswoche berechnet einen Vertrauensindex (Elektronikmärkte vor Baumärkten und Unterhaltungselektronik). In den USA will man versuchen, mit dem Zerstören von Vertrauen im Darknet den Drogenhandel zu bekämpfen. Forscher  (Duxbury/ Haynie, Ohio State) haben herausgefunden, dass beim Drogenkauf weder Preis noch Auswahl entscheidend ist, sondern das Vertrauen. Also will man systematisch schlechte Bewertungen erzeugen  "Je länger ich über die Bedeutung von Vertrauen nachdenke, desto wichtiger kommt es mir vor", Jaron Lanier, Veteran des Internets, Informatiker.

Glaubwürdigkeit: Hohe Glaubwürdigkeit kann zum Erfolgsfaktor werden. Kommunikation sollte ehrlich sein. Das gilt gerade für E-Commerce. Nur dann gilt ein Unternehmen auch als nachhaltig.

Transparenz-Paradoxon: Millionen Menschen nutzen die Dienste der Techkonzerne wie Amazon und Google. Daran ändern auch immer neue Datenskandale wenig. Wie entsteht Vertrauen in der digitalen Welt? Die Konzerne missbrauchen Vertrauen, um ihre Marktmacht zu zementieren. Anders als früher, als Unternehmen sehr direkten Einfluss auf das Vertrauen von Kunden besaßen, verteilt sich das Vertrauen in der digitalen Welt auf unterschiedliche Akteure und entzieht sich so immer mehr der zentralen Kontrolle. Der Anreiz für Sicherheit ist zu gering. Vgl. Broszka, Ina: Das Transparenz-Paradoxon, in: WiWo 38/ 13.9.2019, S. 79f. Auch Botsman, Rachel: Who can you trust?: How Technology Brought Us Together - and Why It Could Drive Us Apart, 2019.

Content Authenticity Initiative (CAI): Vertrauen in der digitalen Welt hängt entscheidend von der Authentizität der Inhalte ab. Um bei der Zuordnung digitaler Inhalte für Transparenz zu sorgen haben Adobe, Twitter und New York Times die CAI ins Leben gerufen.

Bildungsprogramm für die Mechanismen des Internet: Vgl. James Bridle: New Dark Age. Der Sieg der Technologie und das Ende der Zukunft, München (Beck) 2019. ER plädiert für ein umfassendes Bildungsprogramm, um den einzelnen in die Lage zu versetzen, mit den Herausforderungen der Internetökonomie umzugehen und ihre Mechanismen zu durchschauen. Voraussetzung für Verständnis ist aber Transparenz.

Digitaler Minimalismus: Smartphones und Internet bewusst nutzen. Mit mehr Zeit und Gelassenheit vorgehen, um als Mensch keinen Schaden zu nehmen. Digitals nutzen, um das Leben leichter zu machen. Dabei auch mal abschalten und bewusster leben. Man spricht von einem reflektierten Umgang mit dem digitalen. entscheidend ist das "wofür" wir die sozialen Medien nutzen. Gezielter Einsatz der Technologie erhöht die Lebensqualität. Der Begriff geht auf den Computerwissenschaftler Cai Newport zurück (Digitaler Minimalismus, Redline, 2019). Man sollte vor allem darauf achten, von Apps nicht manipuliert zu werden. Man muss auch eine Balance zwischen Business und bewusstem Leben gewinnen.

Menschen und Liebe: Reise zurück von Maschinen auf Menschen und von der Intelligenz auf Liebe. Vgl. "Was der Krebs uns lehrt" in: Kai-Fu Lee: AI Sper-Powers. China, Silicon Valley und die Neue Weltordnung, Frankfurt/ New York (Campus) 2019, S.229ff. Der wert als Mensch darf nicht unmittelbar von seinem ökonomischen Wert abhängen. Die Menschlichkeit muss neben KI bestehen. Drei Ansätze: Reduzieren, umschulen, umverteilen. Die Koexistenz von Mensch und KI im Arbeitsmarkt muss überdacht werden. Es muss einen Sozialinvestitionsgehalt geben: Fürsorge, gemeinnützige dienste, Fortbildung.

Überwachungskapitalismus: Der Begriff stammt von der Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff. Sie meint damit folgendes: Es wurde eine neue Ware geschaffen. Die Digital-Unternehmen haben Beziehungen, Gefühle und Begierden von Privatmenschen zu einem Rohstoff gemacht, den sie ausbeuten und gewinnbringend vermarkten können. Das Ziel dabei ist, Voraussagen über deren künftige Entscheidungen zu treffen bzw. Menschen zu Entscheidungen zu drängen. 2019 erscheint ein Buch von bei Campus: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus.

Zero Trust: Kontrolle statt Vertrauen. Neues Sicherheitskonzept. Soll für mehr Schutz sorgen als bei Perimeter und VPN. Das Konzept besteht aus drei Wegen: 1. Software-defined Perimeter (SDP). 2. Mikrosegmentierung des Netzwerks. 3. Cloudbasierte Zugriffsmodelle (Proxies). Es gibt auch Anbieter von Zero-Trust-Lösungen (Auswahl): Cisco, Google, Sophos, Palo Alto Networks. IoT und IIoT öffnen den Angreifern neue Türen.

Culture Hacking: Ethisch umstrittene Maßnahmen. Gezielte Provokationen sollen die Transformation vorantreiben. Die Agilität soll gefördert werden. Es ist eine indirekte Methode. sie kann ausprobiert werden, wenn die Belegschaft zu erstarrt ist, um Veränderungen mitzumachen. Diese Methode ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet: 1. Geringer Aufwand. 2. Regelverletzung. 3. Unmittelbare Auswirkungen. 4. Sichtbarkeit. 5. Emotionale Reaktionen. Hacks können von oben und unten kommen.

Green IT: Data - Center sollen umweltfreundlicher werden. Der Energiebedarf von Rechenzentren ist sehr hoch. Die Digitalisierung erweist sich als Stromfresser. Der Bedarf steigt von Jahr zu Jahr: Server, Kühlung, Storage, USV, Netzwerk, Sonstige Infrastruktur fressen Strom. Das Potential der Abwärmenutzung soll ausgeschöpft werden. Abwärme kann etwa Algen züchten. Data-Center können als Heizung dienen. Man will Rechenzentren im Meer bauen. Vgl. Pfliegl, Konstantin: Das Rechenzentrum nachhaltig gestalten, in: com!professional 11/2019, s. 60ff.

Dateneigentum: Der französische Philosoph Gaspard Koenig bereist und analysiert die Welt der künstlichen Intelligenz. Für ihn gibt es am Ende nur eine Rettung: Dateneigentum (persönliches). Jeder soll seine Daten verschenken, vernichten, zurückhalten, verkaufen können. Die kostenlose Nutzung für Jedermann ginge damit auch dem Ende entgegen. Das Geschäftsmodell müsste geändert werden. So ließe sich das Individuum retten.  Vgl. Schubert, Christian: Der neue Weg zur Sklaverei, in: FAZ, 15. November 2019, S. 9. Dateneigentum spielt auch eine große Rolle in der Industrie. Die Digitalisierung erhebt eine Unmenge von Daten (für Reparatur, Service usw.). Hier muss eine Vereinbarung getroffen werden zwischen Produzent und Käufer/ Nutzer. Das lässt sich kaum staatlich regeln (Vertrauen).

Der Markt als Ware: Die digitalen Großunternehmen treten als machvolle Marktbesitzer auf. Sie schöpfen Profite von Produzenten ab als leistungslose Renten. Sie türmen riesige Cash-Reserven auf.  "Diese Firmen zielen darauf ab, durch die Integration immer neuer Produktkategorien und über eine aggressive Akquisitionspolitik mit den von ihnen bespielten Märkten deckungsgleich zu werden". Google ist z. B. ein Öko-System und hat eine ungeheure Marktmacht und kann Quelle von Ungleichheit sein. .   S. & Vgl. Staab, Philipp: Digitaler Kapitalismus, Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit, Suhrkamp Verlag 2019.

Digitale Selbstverteidigung: Die Partei die Linke fordert 2019 das Schulfach "Digitale Selbstverteidigung" (Vorsitzende Katja Kipping). Damit soll der "digitale Blindflug" verhindert werden: Alle bewegen sich im Internet, aber ganz wenige kennen die Funktionsweise. Damit steigt die Gefahr der Manipulation.

Daten als Arbeit: Zentrales Problem ist die Bewertung einzelner Beiträge zur digitalen Wirtschaft. In der Datenarbeit müsste sich der Auktionsgedanke bei der Bewertung  durchsetzen. Daten müssen als Eigentum gesehen werden, die einem Monopol gleichen.  Vgl. Posner, Eric A./ Weyl, E. Glen: Wir sind der Markt! Radikale Utopien für das digitale Zeitalter, Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 2019. Soziale Ungleichheit und ökonomische Stagnation auf den freien Märkten sind die zentralen Probleme unserer Zeit. Das Buch offenbart mutige neue Wege, Märkte zum Wohle aller zu organisieren und die Gesellschaft gerechter zu machen. Märkte werden nicht verdammt, sondern radikale wie produktive neue Wege aufgezeigt. S. 198ff.

Privileged Account Management (PAM): Nutzer mit privilegierten Konten haben ein hohes Risiko. Je weit reichender die Rechte eines Nutzers, desto attraktiver ist sein Konto als Angriffsziel. 40% der Unternehmen setzen 2019 bei Passwörtern auf unsichere Verfahren. Am gefährdesten sind die Domain Admis. Sie haben die größten Rechte.

Computerspiele und Sucht: Die Gefahren werden unterschätzt. Vor allem junge Spieler können den Tricks der Industrie schlecht widerstehen. Sie werden schnell abhängig. Das Vergnügen ist auch teuer. Jungens sind mehr gefährdet als Mädchen. Das Spielverhalten soll Probleme überspielen (unangenehme Dinge, Streit mit anderen, an nichts anderes denken).

Moralische Werte in der Konstruktion von Robotern und Algorithmen: Waren und Produkte sind nicht moralisch neutral. Relevant sind Herstellung und Design, Autonomie und Aufgabenbereich, Daten und Sicherheit, Kontext und Einsatzbereich. Vgl. Janina Loh: Roboterethik. Eine Einführung, Junius Verlag 2019.

Ethik der Kommunikation: Sie soll Respekt und Rationalität sicherstellen. Sie soll Empathie und Wertschätzung mit der Bereitschaft zum Streit und zur klärenden Konfrontation verbinden. Das soll auch gegen Elitenherrschaft und perfektes Nudging helfen. Das Netz sei ein Medium der radikalen Differenz - Erfahrung. Es befeuere Zorn, den man "information rage" nennt. Es sei eine elementare Gereiztheit als Resultat der Sofort-Vergleichbarkeit von Lebensumständen.  Vgl. Pörksen, B./ Schulz von Thun, F.: Die Kunst des Miteinander-Redens. Über den Dialog in Gesellschaft und Politik, Hanser, 2020.

Richtlinien des Ethikbeirats für HR-Tech (kann auch anderswo gelten): 1. Transparenter Zielsetzungsprozess. 2. Fundierte Lösungen. 3. Menschen entscheiden. 4. Notwendiger Sachverstand. 5. Haftung und Verantwortung. 6. Zweckbindung und Datenminimierung. 7. Informationspflicht. 8. Achten der Subjektqualität. 9. Datenqualität und Diskriminierung. 10. Stetige Überprüfung.

Grenzen hybrider Mensch-Maschinen-Kopplungen: Der Mensch überwacht seinen Körper mit Instrumenten der Selbstvermessung (z. B. Fitness-Uhren). Dazu gehören Sensoren und sogar transplantierbare Chips. Aus der ständigen Überwachung werden Daten erzeugt. Das bleibt nicht ohne Folgen für unseren Alltag. Als Begründung wird in der Regel die Prävention genannt. Aber dadurch ändern sich auch Kulturzustände. Wo liegen die Grenzen? Unternehmen müssen immer zwischen Datenschutz, Fairness, Präzision und Sicherheit abwägen. Die entscheidende Frage ist: Blockieren oder nicht? Fehlentscheidungen sind nie auszuschließen. Die Haftung ist oft unklar.

Pandemie und Digitalisierung: Asiatische Staaten verstärken die digitale Kontrolle ihrer Bürger massiv in Zeiten von Covid-19. Man arbeitet an Smartphone - App, die jede Person registriert und den Behörden meldet, der man auf zwei Meter nahe kommt. In Hongkong sind Quarantänepflichtige seit Anfang Februar verpflichtet, elektronischen Armbänder zu tragen. Verlässt ein Patient die Wohnung, wird die Gesundheitsbehörde alarmiert. In Südkorea werden viele Apps herunter geladen, die Alter, Geschlecht, Nationalität und das Bewegungsprofil Infizierter zeigen. Dazu gehören die Apps Corona1000m, Corona Doctor, Corona Map. In China startet im Februar eine Plattform, die "Close Contact Detector" heißt. Über sie lässt sich ermitteln, wie nahe man Infizierten gekommen ist. Auch die großen Mobilfunkanbieter ermitteln Bewegungsprofile für die jeweils letzten vierzehn Tage. In Hangzhou, dem Sitz von Alibaba, werden bei Alipay ein "Gesundheits-Code" installiert, der registrierte Kunden mit Datenbanken der Gesundheitsbehörden abgleicht. Eine ähnliche App verwendet auch schon Tencent ("Anti-Virus-Code"). Die große Frage ist, wenn alle Staaten dieser Welt aus Gesundheitsgründen ähnliche Mechanismen einrichten. Quelle: Der Spiegel Nr. 12, 14.3.2020, S. 68ff.

Oversight-Board: 2020 richtet Facebook ein Oversight-Board ein. Es soll sich mit Lügen, Hass und Verschwörungstheorien beschäftigen. 40 Experten sollen urteilen. Das Gremium soll unabhängig sein und die Beschlüsse sollen für das Unternehmen bindet sein. Unter anderen ist die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt im Gremium. Zur Finanzierung wurde eine Stiftung gegründet, die mit einem Budget von 130 Mio. $ ausgestattet ist. Die Mitgliedstätigkeit wird vergütet. Es besteht eine Pflicht zur Transparenz. Die Mitglieder sollen Verfechter der Meinungsfreiheit und der Menschenrechte sein. Es gibt die Kritik, dass dies nur ein Alibi sei. In Wirklichkeit sei Facebook mit den Mächtigen in den USA verbunden und vertrete ihre Interessen.

Soziale Medien und Wahrheit: 2020 entbrennt ein Konflikt zwischen Twitter und Trump. Trump will weiter ungestört Lügen verbreiten dürfen. Twitter bewertet die Nachrichten: es wird gesagt, ob sie wahr oder Gewalt verherrlichend sind. Trump bedroht darauf hin die Sozialen Netzwerke. Im Grunde genommen geht es darum, wie weit die Meinungsfreiheit reicht. Das ist auch eine hoch ethische Frage. Twitter begrenzt die Meinungsfreiheit. Facebook verbündet sich mit den Mächtigen in den USA, insbesondere dem Präsidenten. Informationen werden ungefiltert und unbewertet weitergegeben.

Lobby-Arbeit und digitale Unternehmen (neues Geschäftsmodell?): Der junge CDU-Politiker Philipp Amthor hat gegen Geld Tätigkeit für ein digitales US - Start-up betrieben. Er gerät in den Verdacht, käuflich und bestechlich zu sein. Es geht um das US-Unternehmen Augustus Intelligence. Er hat die Nebentätigkeit gemeldet. Die erhaltenen Aktien-Optionen waren nicht meldepflichtig. Der Fall wird intensiv diskutiert unter ethischen Gesichtspunkten (rechtlich: Bundestagsverwaltung und BGB). Dahinter kommt auch ein neues Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft zum Vorschein: Mit viel Lobbyismus (Amthor, Gutenberg, Maaßen) und Öffentlichkeitsarbeit wird von (Schein-) Firmen Geld eingesammelt. Wenn man genug Kapital zusammen hat, kauft man sich die Produkte und stellt erst die Firma auf. .  

KI als Ablenkungsmanöver ("Roboter können keine Moral") oder neues Zeitalter: Die erste These vertritt der Philosoph Richard David Precht in seinem neuen Buch: Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens, Goldmann Verlag 2020. Dei Künstliche Intelligenz wird Homo Sapiens nicht in den Schatten stellen. Eine ethische Programmierung könne es nicht geben. Man müsse ethisch mit Maschinen umgehen. Vgl. auch: Ders., Roboter können keine Moral, in: Die Zeit 26, 18.Juni 2020, S. 32. Damit vertritt Precht die Gegenthese zu James Lovelock. Dieser sieht ein kommendes Zeitalter der Hyperintelligenz. Er nennt es Novozän. Er sagt weitreichenden Einfluss von Cyborgs voraus (KI). Vgl. Lovelock, James: Novozän, München (Beck) 2020.

Europäischer Ansatz in der Digitalisierung: Technologie ist eine große Macht. Das muss Europa sehen und sich nicht dem US - Shareholder Value oder dem Zugriff Chinas ausliefern. Die EU-Politik muss ihr Primat wahren und für eine faire und offene Gesellschaft in der EU sorgen. Sie muss folgende Kriterien bewahren: Freiheit, Verantwortung, Nachhaltigkeit und Sicherheit. Man spricht von smarter Resilienz. Widerstandsfähigkeit auf neue technologische Herausforderungen. Vgl. Müller-Eiselt, Ralph/ Steiner, Falk: Freiheit! Verantwortung! Nachhaltigkeit! Sicherheit! in: WiWo 29, 10.7.20, S. 42f.

Mensch als Zwischenwirt der Vernunft: "Die KI würde eigenständig grün handeln. Ihr oberstes Gebot wäre nicht die Würde des Menschen, sondern das Überleben der Gattung, nicht individuelle Freiheit, sondern das Glück der vielen". siehe Roberto Simanowski: Der Mensch - nur ein Zwischenwirt der Vernunft, in: WiWo 31/ 24.7.20, S. 42f. Vgl. auch: Ders.: Todesalgorithmus. Das Dilemma der künstlichen Intelligenz, Passagen Verlag 2020.

Kontrolle über soziale Netzwerke: Einige Staaten wollen die Kontrolle über die sozialen Netzwerke behalten. So etwa die Türkei. Die Netzwerke müssen eine Niederlassung in der Türkei gründen und einen Repräsentanten benennen. Dieser wird verantwortlich gemacht.

Schattenseiten und ethische Probleme: 1. Filterblasen. 2. Fake News. 3. Trolle. 4. Viren, Würmer. 5. NSA und Datenüberwachung. 6. Darknet. Vgl. Specht, Philip: Die 50 wichtigsten Themen der Digitalisierung, München 201^9, S. 137ff.

Zentrale Informationsplattform zur digitalen Aufklärung durch die Bundesregierung: Sie wird geplant. Es soll auch eine bundeszentrale eingerichtet werden. Es soll die Angebote von Bund, Ländern und Kommunen bündeln. Es soll technische Transparenz hergestellt werden.

Ethik-Kontrolle der KI-Nutzung: Die Ethik bei KI hat vier Dimensionen: 1. Transparenz (Funktionsweise ist klar, konsistent und nachvollziehbar). 2. Erklärbarkeit (Interpretierbarkeit; Fähigkeit, die Funktionsweise in verständlicher Sprache zu erklären). 3. Bias und Fairness (Beseitigt Diskriminierung bestimmter Nutzer durch vorurteilsbehaftete Datensätze). 4. Überprüfbarkeit (Ermöglicht Dritten, den Daten-Input zu bewerten und sicherzustellen, das Ergebnisse vertrauenswürdig sind). Vgl. Schonschek, Oliver: Vor der KI-Nutzung steht die Ethik-Kontrolle, in: com!professional 11/2020, S. 24ff.

Fair & Gerecht in die KI: Die KI breitet sich immer mehr aus. In den USA berechnet ein Algorithmus, wie hoch das Risiko ist, dass ein Täter rückfällig wird. Mit Programmen , die eine Sprachstörung erkennen, lässt sich die Vergabe von Krediten verknüpfen. In China zeichnet die KI mittels Gesichtserkennung gute und schlechte Taten auf und berechnet Social Scoring. Der Rechner sammelt bei Bewerbern diejenigen aus, die die Kriterien erfüllen. Der Mensch kann dann die Besonderheiten ermitteln. Bei Baustellen  kann man in Navis Empfehlungen differenzieren. Wie bringt man die Ethik in den Rechner? Dafür sind heute Sozio - Informatiker zuständig. Vgl. Zweig, Katharina: Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl. wo künstliche Intelligenz sich irrt, und warum uns das betrifft  und was wir dagegen tun können, Heyne 2019. Allerdings muss man auch sagen, dass Fairness und Transparenz nicht allein durch Technik hergestellt werden können. Algorithmische Fairness-Metriken und technische Instrumente genügen nicht. Vgl. Eyert, Florian/ Lopez, Paola: KI demokratisieren, in: WZB Mitteilungen Heft 171, März 2021, S. 29ff.

Institut für Ethik in der Künstlichen Intelligenz, TU München (Facebook spendet 6,5 Mio. €; kann ein gesponsertes Institut wirklich kontrollieren?).

Datentreuhänder: Viele Unternehmen gehen mit Informationen, die ihnen anvertraut wurden, fahrlässig um. Das kann das Vertrauen der Kunden beschädigen. Man sollte die Haltung ändern: 1. Bericht über die Datenverwendung. 2. Ermutigen zu weniger Datennutzung. 3. Vieraugenprinzip, wenn es um den Zugang zu besonders sensiblen Daten geht. 4. Gremium für Datenschutz. Vgl. Lee, Frederic: Vom Datenkraken zum Datentreuhänder, in: HBM, November 2020, S. 36ff.

Internet of Behaviors (IoB): Viele Menschen schaffen täglich einen gewaltigen Datenstrom mit ihrem Handy, Fitness-Tracker oder der Kreditkarte. Wer diese Daten ausliest, erfährt Dinge über unsere Gewohnheiten und Bewegungsprofile. Das kann für Unternehmen sehr verheißungsvoll sein. Im Deutschen spricht man von Internet der Verhaltensweisen. Es laufen viele Erprobungsprojekte (Corona-Warn-App, KfZ-Versicherungen,  Gesichtserkennung auf Bahnhöfen usw.). Offen sind noch die Grenzen solcher Messungen.

Cybersicherheit: Der Cyberraum wird auch zu einem Schlachtfeld der Supermächte. Die USA, China, Russland und Indien testen gegenseitig die Sicherheit ihrer Netze bzw. greifen sich an. Einmal geht es um Wirtschaftsspionage. Zum anderen werden Regierungsbehörden, kritische Infrastruktur, Stromnetze und private Unternehmen attackiert. Ende 2020 gibt es einen groß angelegten  Angriff auf US-Behörden. Man vermutet Russland dahinter. Bei den Firmen ist Solarwinds am stärksten betroffen. Dei Hacker sind mit großer Geduld vorgegangen und haben ihre Aktionen sehr gut verschleiert.

Sperren in Social-Media-Plattformen (Gewaltenteilung?): Das Ausschließen bzw. das Sperren der Konten von D. Trump in den sozialen Medien (Twitter, Facebook. Youtube) hat zu einer Diskussion weltweit geführt (Grund war der Sturm seiner Anhänger in das Kapitol). Merkel setzt sich für die Meinungsfreiheit ein und hält das für nicht gut. Andere sind für eine Beauftragung der Gerichte. Die Frage ist, wer soll die Auswahl vornehmen und wer ordnet die Sperrung an. Dürfen das allein Unternehmen entscheiden?

EU und Ethikregeln: Die Vizepräsidentin der EU-Kommission Vera Jourova fordert im Januar 2021 Ethikregel für Programmierer. Profit dürfe nicht das einzige Kriterium sein. Beim Entwickeln der Algorithmen sollten die Auswirkungen auf Nutzer und Gesellschaft im Blickfeld sein. In der Finanzindustrie ist diese Strategie schon mal kläglich gescheitert. Die US-Elite-Hochschulen hatten den höchsten Anteil an Ethik-Unterricht.

Cybermobbing: Besonders häufig sind Kinder betroffen. Das hat sich in Corona-Pandemie verstärkt. Etwa jeder sechste Schüler wurde im Internet schon einmal beleidigt oder verleumdet. Beim eigenen kind sollte man versuchen, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Digitale Identität/ Authentifizierung/ Identitätsmanagement: Eine sichere, komfortable und datensparsame Authentifizierung ist sehr schwierig. Die ID ist aber ein _Menschenrecht. Es gibt mittlerweile 2021 viele Protokolle und Konzepte. Hier einige: ACME, OAuth2.0, OpenID, OpenIDconnect, OpenSocial, SAML, Shibboleth.

Cookies, Privatsphäre, Werbeverzicht/ Google: Google präsentiert sich 2021  als Schützer der Privatsphäre. Konkurrenten berichten allerdings von rücksichtslosem Ausbau der Marktmacht. Ab 2022 will Goggle einen "Werbeverzicht" machen (personalisierte Werbung). Abschalten cookiebasierten Trackings im Browser Chrome ("schlechte Daten"). Das scheint eine Mogelpackung zu sein. Direkte Kundenbindung steht im Vordergrund. Man strebt nach den guten Daten für das eigene Geschäft. Man brauchte staatlich neue Einwilligungssysteme. Vgl. Jarzombek, Thomas/ Schwartmann, Rolf: Gute Daten - schlechte Daten, in: FAZ Nr. 68, Montag 22.März 2021, S. 18.

Digitale Souveränität: Wenige Anbieter dominieren die Digitaltechnik. Dazu gehören Google, Amazon, Facebook aus den USA und immer stärker chinesische Unternehmen wie Huawei, Alibaba, Tencent. Sie beschäftigen die besten Forscher und verfügen über die führende Infrastruktur. Die anderen Unternehmen, auch die deutschen, drohen ihre digitale Selbstbestimmung zu verlieren. Die EU kümmert sich zunehmend um die digitale Souveränität Europas (Cybersicherheit, Mobilfunkstandard 5G, Cloud). Der Begriff ist gleichzeitig Ausdruck der Sorge, dass die digitale Transformation die staatliche und individuelle Selbstbestimmung bedroht. Das Fehlen eines normativen Rahmens in der digitalen Politik macht sich bemerkbar. Noch dominiert in Deutschland die Diskussion um die wirtschaftspolitische und sicherheitspolitische Perspektive. Ein demokratisch fundiertes Verständnis muss sich erst noch herausbilden. Vgl. Pohle, Julia: Digitale Souveränität: Das Ringen um Handlungs- und Entscheidungsfreiheit im Netz, in: WZB Mitteilungen Heft 171, März 2021, S. 6f.

Unsterblichkeit in der digitalen Welt: Es sollen virtuelle Begegnungen mit Verstorbenen möglich sein. Das könnte den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer verändern. Tech - Unternehmen arbeiten daran. Es geht um ein besonderes virtuelles Vermächtnis. Man arbeitet mit Virtual-Reality-Design. Vgl. Koch, Julia: Auferstanden in Maschinen, in: Der Spiegel 14/ 3.4.21, s. 98ff.

Heimarbeit (Homeoffice) und "gläserner Mensch": Bei der Corona - App wird immer wieder über Daten diskutiert und über Bürgerrechte. Der Zwang zur Heimarbeit und die Kontakt- und Ausgangssperren drängen Menschen in eine Situation, in der der Datenschutz außen vor bleibt. Grundsätzlich ist alles, was digital ist, auslesbar. Alle Arbeitsvorgänge sind plötzlich analysierbar. Bildschirmmeetings können aufgezeichnet, gespeichert und ausgewertet werden. Es gibt schon eine Reihe von Start-ups, die sich auf die Auswertung spezialisieren. Auch im Bereich der Personalentwicklung sind kaum noch Grenzen gesetzt. Bei der digitalen Kommunikation bleiben die Kommunizierenden nicht mehr unter sich. So kann es "Spione", aber auch Kommunikationsforscher, Team - Coacher und Organisationsmanager geben, die profitieren wollen. Es gibt sogar mittlerweile Apps, die Mimik, Gestik und Stimmlage auswerten ("affective computing"). Bekannte Apps sind Affecta und Beyond Verbal. Die Daten - Aggregation der Internetplattformen wird zur "ursprünglichen Aggregation" (Karl Marx). Die Ausweitung der Akkumulationszone wird die informationelle Selbstbestimmung entscheidend schwächen. Vgl. Simanowski, Roberto: Todesalgortitmus. Das Dilemma der künstlichen Intelligenz, 2020. Ders.: Das Virus und das Digitale, Passagen Verlag 2021. "Ich bin häßlich, aber ich kann mir die schönste Frau kaufen. Also bin ich nicht häßlich", Karl Marx (zitiert nach Simanowski, Roberto: Schau mir in die Augen, Heimarbeiter, in: WiWo 18/ 30.4.21, S. 38f.)

Daten-Diskriminierung: Es fängt schon bei der Handy-Kamera an. Die Sensoren sind auf weiße Hautfarbe eingestellt. Normalerweise sind alle Algorithmen zum großen Teil auf männlich, jung und weiß eingestellt. Gesichtserkennungssoftware auf Flughäfen und Bahnhöfen funktioniert halbwegs akkurat bei weißen Personen. Auch die englische Sprache ist dominant, beherrscht zu 60% das Internet. Vgl. Volland, Holger: Die Zukunft ist Smart. Du auch? München 2021, S. 185ff.

Cemas, Berlin (seit 2021; Start-up; gemeinnützig; fünf Geisteswissenschaftler: Sozialpsychologe, Datenwissenschaftler, Kognitionsexperte, Politikwissenschaftler; Frühwarnsystem für antidemokratische Radikalisierung im Netz, soziale Medien, Antisemitismus, Hetze im Internet).

Behavioral Targeting: Zentrales Geschäftsmodell der großen Digitalkonzerne. Bestandteile: 1. Erheben unendlich vieler Daten. 2. Je privater, desto besser. 3. Verwendung der Daten, um die Nutzer zu steuern. Viele Experten fordern deshalb ein Grundrecht auf Manipulationsverbot. Dieses ethische Recht würde das Geschäftsmodell bedrohen. Es gibt also einen Kampf um Meinungsmacht und Deutungshoheit. Vgl. Bijan Moini: Rettet die Freiheit! Ein Weckruf im digitalen Zeitalter, Atrium 2021.

Überwachungssoftware Pegasus: Sie wurde von dem israelischen Anbieter NSO entwickelt. Sie nutzt Sicherheitslücken in der Smartphone-Software. Meist erfolgt der Zugriff über Whatsapp. Journalisten und Oppositionelle sollen damit ausgespäht worden sein (Ungarn).

Cyberangriffe vom chinesischen Ministerium für Staatssicherheit (MSS): Die US-Regierung und mehrere Verbündete werfen der Behörde in China immer wieder vor, dass sie hinter böswilligen Cyberaktivitäten wie Hackerangriffe stünde. Besonders der Exchange Server von Microsoft ist betroffen. Es werde auch Geistiges Eigentum gestohlen.

Chinesische KI als Herrschaft über die Welt: Moritz Rudolph: Der Weltgeist als Lachs, Berlin (Matthes & Seitz) 2021. Das Buch ist sicher kein Sachbuch, aber es ist auch unklar, was es ist. Es könnte Satire, Warnung oder Prognose sein. Der Autor selbst sieht sein Werk als "spekulatives  geschichtsphilosophisches Essay". "Mit dem Reiche China hat die Geschichte zu beginnen". Dieser erste Satz der hegelschen Weltgeschichtsphilosophie ist der Anfang. Er will Francis Fukuyamas Werk aus den Angeln heben ("Demokratie stiftet keine Identität"). China wird als Geburtsort der Zivilisation und des Weltgeistes gesehen, zu der in naher Zukunft der Weltgeist wieder zurückkehrt. Deshalb auch der Titel: Der Lachs wird geboren und kehrt zum Sterben wieder an den selben Ort zurück. Das Buch ist sehr unterhaltsam, interessant und lesenswert. Der Kern der Aussage könnte zutreffen: Die künstliche Intelligenz, in der China führend ist, befreit die Menschheit von Zügeln wie Demokratie, Freiheit und Ähnlichem. Der Krieg wird verschwinden, aber nicht die Herrschaft. Das Werk besteht aus zwei Kapiteln: I. Der Weltgeist als Lachs. Geschichtsphilosophische Implikationen des chinesischen Aufstiegs.  II. Kommt jetzt der globale Babeuf?  "Auch der Überlebende muss etwas  vom Wesen des Besiegten in sich aufnehmen und damit selbst einen kleinen Tod sterben, der mit der Zeit immer größer wird, bis auch er verschwindet", aus dem Umschlagtext.

 

Digitalisierung und Recht (Regulierung der Internetökonomie):

Grundgesetz: Das Grundgesetz regelt die Meinungsfreiheit, die Informationsfreiheit, Pressefreiheit und Rundfunk- sowie Filmfreiheit (Artikel 5).

Medienrecht: Telemediengesetz (TMG) und Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien (Rundfunkstaatsvertrag - RStV) sowie der Jugenschutz in Rundfunk und Telemedien (Jugenmedienschutz-Staatsvertrag - JMStV).

Grundprinzipien: Zwei Grundprinzipien spielen immer wieder eine zentrale Rolle: Geistiges Eigentum und Schutz der Privatsphäre.

Digitalisierung der Verwaltung: Deutschland hinkt hier hinterher. Am weitesten in Europa sind 2018 Finnland, Estland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Italien.  Das hat auch Gründe: 1. Die Größe Deutschlands. 2. Suche nach perfekter Lösung. 3. Preußen als Erfolgsmodell. 4. Angst vor Datenmissbrauch. 5. Risikoscheue des Staates. Vgl. Der Spiegel Nr. 48/24.11.18: Im Ja-aber-Land, S. 66ff. Hessen erhält nach der Wahl 2018 ein Ministerium für Digitales.

Europäisches Copyright: Der EU-Rechtsausschuss beschließt dieses im Juni 2018. Es werden Upload-Filter eingeführt. Weiterhin ist ein europaweites Leistungsschutzrecht geplant.

EU-Urheberrecht: Es geht um den Schutz von Musikern, Autoren, Fotografen, Wissenschaftlern und Journalisten in der EU. Im Februar 2019 einigt man sich auf eine Reform. Es kommt ein EU-weites Leistungsrecht. Online-Plattformen wie Google oder Facebook sollen für die Verwendung von bereits veröffentlichten Online-Artikeln zahlen müssen. Es gibt viele Demonstrationen gegen das geplante Gesetz. Start-ups könnten in der entscheidenden Phase geschwächt werden. Den besten Internet-Filter scheint YouTube, eine Google - Tochter, zu haben, so dass der Marktführer begünstigt würde. News - Dienste könnten um ihre Existenz kämpfen müssen. Sehr umstritten sind die Uploud - Filter, die mit Algorithmen arbeiten. Die EU-Richtlinie muss in nationales Recht überführt werden. Die EU billigt sie am 26.03.2019. Im April 2019 stimmt eine qualifizierte Mehrheit der EU-Länder, darunter Deutschland, der Richtlinie zu. Jetzt haben die Mitglieder zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Die Diskussion beim Urheberecht geht weiter. Man will in Europa ein Bündnis gegen Google und Facebook schmieden. Microsoft und mehrere europäische Verlegerverbände wollen ein System für die Bezahlung im Netz entwickeln. Australien gilt als Musterbeispiel. Facebook hat dort Nachrichtenseiten gesperrt, weil man nicht für Nachrichten die Medien bezahlen will. Facebook behauptet, dass nur vier Prozent der Inhalte Nachrichten seien. Das offenbart, wie unsozial eigentlich Facebook ist. Man klaut Nachrichten, macht keine Quellenangaben und zahlt nicht dafür. Ohne die Inhalte seriöser Medienhäuser wäre aber das Geschäftsmodell "Facebook" nicht überlebensfähig. Kein seriöses Unternehmen würde mehr Werbung einstellen. Schließlich findet man einen Kompromiss: Facebook zahlt zukünftig für Nachrichten. Bisher gibt es in Europa und Deutschland eine neue Form der Zusammenarbeit, die Google in Spiel gebracht hat: In einem Schaufenster werden ausgewählte Artikel von Verlagen gezeigt. Dafür bezahlt das Unternehmen Lizenzgebühren. Nahezu alle großen deutschen Medienhäuser sind dabei. Vgl. Knuth, H. / Nezik, A. - K.: Feinde mit Vorzügen, in: Die Zeit Nr. 9, 25.02.21, S. 23.

Datenschutz: Der Europäische Gerichtshof setzt Anfang Oktober 2015 der Übertragung personenbezogener Daten in die USA Grenzen. Die EU-Kommission will nun neue Richtlinien für Internetfirmen wie Facebook erarbeiten. Die USA wird nicht mehr als "Safe Harbor" gesehen. Die EU-Kommission erarbeitet neue , einheitliche Datenschutzregelungen für die EU: Recht auf Vergessen werden; Übertragung von Bildern und  Kontakten zwischen sozialen Netzwerken; Entscheidung über Löschen u. a. 2020 wird der Modehändler H&M zur einer Geldbuße von 35,3 Mio. € in Deutschland verurteilt: Verstoß gegen Datenschutz in de Geschäften. Ausspähen der Privatsphäre der Mitarbeiter.

Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Schutz personenbezogener Daten. Unternehmen müssen wissen, wo Daten zu Personen gespeichert sind. Am 25.Mai 2018 tritt die Grundordnung in Kraft. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 20 Mio. €. Für viele Unternehmen wird die Zeit knapp.

Privacy-by-Design und Privacy-by-Default: Das erste meint Datenschutz durch Technikgestaltung. Das zweite Schutz durch datenschutzfreundliche Voreinstellung.

Neufassung des GWB 2017: Im März 2017 wird die 9. Novelle des GWB verabschiedet. Sie soll insbesondere der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft Rechnung tragen. Die Fusionskontrolle wird auf Unternehmen ausgeweitet, in denen nur geringe Umsätze generiert werden, die jedoch hohe Unternehmenskaufpreise gepaart mit starken Netzwerkeffekten und schädlichen Konzentrationswirkungen aufweisen.

Andere Gesetze: 2016 kommt die WLAN - Reform (Änderung des Telemediengesetzes). Wlan-Anbieter und  und Internetanbieter sollen von Haftungsrisiken befreit werden (Störerhaftung). Der Europäische Gerichtshof schränkt diese Regelung wieder etwas ein: es muss kein Schadensersatz für Urheberrechtsverletzungen geleistet werden Aber Anbieter, z. B. die Musikindustrie,  können einen Passwortschutz verlangen. Ende Juni 2017 beschließt der Bundestag ein Gesetz gegen Hasstiraden im Internet. Soziale Netzwerke müssen künftig rechtswidrige Hetzkommentare innerhalb von 24 Stunden löschen oder hohe Strafen zahlen. Das Gesetz tritt ab 06.01.2018 in Kraft. Schon nach wenigen Tagen fordern viele Experten eine Änderung (Satire wird verhindert, Überreaktion). Die EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova sieht in dem Gesetz kein Modell für Europa.

Künstliche Intelligenz und Haftungsrecht: Was ist, wenn KI-Systeme Schäden verursachen. Gegenwärtig geht die Diskussion darum, on ein KI-System selbst haftbar gemacht werden kann. Dazu wurde die Rechtskonstruktion der e-Person entwickelt. Dies könnte aber an der technischen Wirklichkeit vorbeigehen und Marktversagensprobleme auslösen. Vgl. Scheufen, Marc: Künstliche Intelligenz und Haftungsrecht: die e-Person aus ökonomischer Sicht, in: Wirtschaftsdienst 2019/6, S. 411ff.

Bundesamt für Justiz: Überwacht Rechtsverstöße im Internet in Deutschland. Wegen fehlender Transparenz im Umgang mit Hasskommentaren muss Facebook im Sommer 2019 ein Millionen-Bußgeld in Deutschland zahlen. Quelle: Bundesamt für Justiz.  

Dezentrale Autonome Organisation (DAO): Eine neuartige Organisationsform, die auf Smart Contracts beruht. Mit Smart Contracts können Tokens aller Art sehr detailliert beschrieben und erzeugt werden. Es handelt sich um ein Computerprogramm, das Vertragsverhältnisse automatisiert. Die allermeisten folgen dabei dem Standard names ERC-20. Über folgende Wege können Nutzer Zugang bekommen: Ethereum (ERC-20, fast Monopol). Rootstock (mit Sidechain). EOS (eine Art Betriebssystem). Vgl. Koenig, Aaron: Dezentrale Revolution, München 2019, S. 99ff.

Datentransfer in die USA durch Facebook: Der EuGH muss Mitte 2019 prüfen, ob der Datenfluss von Facebook in Europa, der über Irland in die USA geht rechtens ist. Nach EU-Recht wahrscheinlich nicht. Nach US-Recht wahrscheinlich schon. Das Problem ist, dass in den USA die NSA und das FBI Zugangsrechte haben. Ein Urteil für die Nutzer von Facebook in Europa könnte aber insgesamt den Datentransfer von der EU in die USA oder China einschränken.

Sprachassistenten und Abhören: Die Sprachassistenten ermöglichen auch eine Spionage und ein Abhören. Vom Amazon - Sprachassistent Alexa weiß man dies genau. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat ein Gutachten über die Risiken erstellen lassen. Auch Kinder können das Gerät unbeaufsichtigt nutzen.

Verbraucherschutzbehörde FTC in USA: Sie ist einige der wenigen Organisationen, die die US-Internetriesen kontrollieren können. Sie hat unter anderem gegen Facebook ermittelt. Es ging um Verstöße gegen den Datenschutz, wegen Weitergabe von Daten an die Datenanalyse-Firma Cambridge - Analytica. Dabei wurde ein Vergleich geschlossen 5 Milliarden Dollar).

EU-Richtlinie für Online - Banking und Shopping im Netz: Sie gilt ab Mitte September 2019. Sie soll mehr Sicherheit bei Online-Geschäften bringen. Kunden müssen ihre Identität mit zwei Merkmalen nachweisen. An der Umsetzung mangelt es noch. Kleine Händler sind benachteiligt.

Identitätsdiebstahl (Identity Fraud):  Neue Form der Kriminalität. Sie tritt vor allem im Online-Handel auf. Es geht um gestohlene Kreditkartendaten, gehackte Paypal-Accounts, Übernahme von Nutzer-Accounts und Identitätsbetrug durch gestohlene persönliche Daten.

Cookies: Im September 2019 stärkt der europäische Gerichtshof die Rechte der Verbraucher. Keine Cookies ohne Zustimmung.

Hasspostings-Suche: Im Oktober 2019 fällt der EU-Gerichtshof ein wichtiges Urteil bezüglich Hasspostings. Betroffen ist hauptsächlich Facebook. Der Konzern muss bei beleidigenden und rechtswidrigen Kommentaren nicht nur dazu gezwungen werden, weltweit nach sämtlichen "wortgleichen" Äußerungen zu suchen, sondern auch nach "sinngleichem" Hintergrund.

Gestärktes Recht auf löschen (Gesetz für soziale Netzwerke): Es kommt ein Netzwerksdurchsetzungsgesetz. Beschweren sollen einfacher sein. Mehr Recht beim Löschen. Klage vor Gericht ist möglich.

Bremse für Datenschöpfung (Beispiel Facebook): Der BGH stellt in einem Eilverfahren im Juni 2020 fest, dass Facebook das Sammeln von Daten seiner Nutzer einschränken muss. Damit wird das vom Bundeskartellamt angeordnete Verbot der umfassenden Datenverarbeitung bestätigt. Facebook darf nicht ohne die Einwilligung von Nutzern, Daten seiner Konzerntöchter Whats App und Instagram und Facebook verknüpfen.

Schutz der Daten der Bürger: Wann darf der Staat Daten von Handy und Internetnutzern für seine Zwecke abgreifen? Das Bundesverfassungsgericht kassiert im Juli 2020 bisherige Regeln. Bis spätestens Ende 2021 soll die Politik die Befugnisse für Polizei und Nachrichtendienste einschränken.

Recht auf Datenlöschung: Die Bundesdatenschutzgrundverordnung sieht ein solches Recht vor ("Recht auf Vergessenwerden"). Nach einer bestimmten Zeit hat jeder das Recht, dass Inhalte im Netz gelöscht werden. 2020 gibt es mehrere Klagen vor dem Bundesgerichtshof, die gegen die Suchmaschine von Google gerichtet sind. Hier geht es um negative Nachrichten in der Zeitungspresse, die Google immer noch findet. Der Bundesgerichtshof entscheidet am 27.7.2020 darüber: Ein grundsätzliches Recht auf Löschen gibt es nicht. Informations- und Meinungsfreiheit ist hoch zu werten. Das öffentliche Interesse überwiegt. Es muss also eine Abwägung stattfinden zwischen Vergessen und Informationsfreiheit. Jeder Einzelfall muss aber geprüft werden.

Machine Learning und Datenschutz: Die Datenschutzgrundverordnung enthält eine Reihe von Geboten und Verboten. Sie sind schwierig mit KI in Einklang zu bringen. Es gibt zwar eine Reihe neuer Anonymisierungstechniken. Es muss eine Unmöglichkeit der De - Identifizierung bestehen oder es werden alle Identifizierungsmerkmale entfernt. Auf dem Vormarsch sind synthetische Daten (zwei neuronale Netze zu interagieren).

Klarnamenspflicht: Soziale Netzwerke dürfen die Nutzung von Pseudonymen verbieten. Gerichte in Deutschland entscheiden zugunsten der Klarnamenspflicht (etwa Oberlandesgericht München) . Facebook hatte die Profile von Nutzern gesperrt, die mit Pseudonymen unterwegs waren.

Lahmlegen der sozialen Netzwerke oder des ganzen Internets: Viele Staaten greifen zu diesen Mitteln. Der digitale Blackout ist besonders beliebt in Afrika. Er wird besonders vor Wahlen eingesetzt.  Einige Staaten fallen besonders auf: Uganda, Tschad, Kamerun.

Klare Regeln für Online-Plattformen: Die Bundesregierung (Justizministerium) plant 2021 ein Gesetz. Es soll Regeln für die digitale Welt enthalten. die Debattenkultur im Netz soll sicher werden.

Telekommunikationsgesetz-Novelle: Das Bundesinnenministerium will Nutzer von E-Mail- und Messenger-Dienste dazu verpflichten, ihre Personalien bei den jeweiligen Anbietern verifiziert zu hinterlegen.

Feindeslisten: Die Aufstellung und Verbreitung von Feindeslisten in Sozialen Netzwerken (mit Daten) wird unter Strafe gestellt. Beschluss im März 2021.

Lücke in Microsoft - Exchange - Servern: sie sind das ideale Einfallstor für auf Spionage spezialisierte Hackergruppen. sie arbeiten oft in staatlicher Mission. Manchmal arbeiten sie mit den Nachrichtendiensten ihrer Länder zusammen. Herkunftsländer sind Nordkorea, China, Russland, Vietnam, Iran.

Cookies: Der strengere Datenschutz erschwert den Einsatz von Cookies. Man sucht in den Tech - Konzernen nach neuen Möglichkeiten der Kundenvermessung. Kontextbasierte Werbung ist wieder im Kommen. Trackingtools werden geändert. Vorreiter ist der Google - Browser. Auch Apple macht vorne weg mit. Das erschüttert die Werbewelt. Das neue iOS erschwert das Tracking. Das wird als Werbeargument eingesetzt.

Sicherheitsgesetz für Mobilfunknetze 2021 (in Deutschland): Das gilt besonders für die 5G-Technik. Sicherheitskomponenten müssen streng geprüft werden. Das hat weitreichende Folgen für den Ausbau des Mobilfunknetzes. Es gibt ein Genehmigungsverfahren beim BMI. Kritische Komponenten, die erstmals verbaut werden, müssen gemeldet werden. Telekom-Lobbyisten blitzten in letzter Sekunde ab. Anlass war eine Warnung der USA. Das ist ein schwerer Rückschlag für Huawei. Vgl. Hoppe, Till u. a.: Schwerer Rückschlag für Huawei, in: HB Nr. 79, 26.4.21, S. 11.

Jugendschutzrecht: Es kommt im Mai 2021 ein neues Gesetz zum Schutz der Jugend und Kinder vor den sozialen Medien (Änderung des Jugendschutzgesetzes). Soziale Medien mit über1 Mio. Nutzer müssen Sicherheitsvorkehrungen einbauen. Eine Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wird aufgebaut. "Angemessene und wirksame strukturelle Vorsorgemaßnahmen für eine unbeschwerte Teilhabe zu treffen" (Anbietervorsorge).

Daten in Europa lassen (örtliche Aufbewahrung): In bestimmten Bereichen der Internet-Technologie ist die EU abgehängt. Es kommt immer wieder zum Streit darüber, wo die Daten der Tech-Giganten der USA (Apple, Google, Facebook, Amazon, Microsoft) gelagert werden sollen. Im Mittelpunkt steht dabei die Cloud-Technologie. Als erstes US-Technologie-Unternehmen will Microsoft auf rechtliche Bedenken eingehen. Es will die Daten in Europa lassen.

Grundsätzliches Verhältnis von Recht, Unrecht und Digitalem: Ungerechtigkeiten und Vorurteile können nur sehr bedingt durch das Recht geregelt werden. Falschmeldungen bzw. Fake News werden nicht ausgerottet werden können. Schaden wird nie ganz zu vermeiden sein, vor allem Reputations-Zerstörung. Auch das Pöbeln im Netz wird wahrscheinlich nie ganz zu vermeiden sein. Die Moral wird immer von den Menschen kommen, nicht von der Maschine. Leider hingt das Recht zeitlich fast immer der Realität hinterher. Auch windige Geschäftsmodelle werden immer zu spät bekämpft (z. B. Abmahnungen).

Exkurs: Soziale Medien und Zensur in China. Große Plattformen wie Twitter und Facebook kann man in China nicht nutzen. Google und Wikipedia können nicht aufgerufen werden. Die chinesische Führung argumentiert zweigleisig: Einmal will man die Dominanz der sozialen Medien des Konkurrenten USA brechen. So gibt es immer "Gegenunternehmen" zu denen der USA. Zum anderen will man mit einem umfangreichen Überwachungsapparat mögliche Gegner kontrollieren. Deshalb werden auch eigene Plattformen wie TikTok unter die Lupe genommen. Man kann sich auf das Cybersicherheitsgesetz von 2017 berufen. Dei Sozialen Medien müssen danach ihre Inhalte auf Gesetzeskonformität überprüfen und illegale Inhalte löschen (kontrolle bei den privaten Firmen). Allein bei Bytedance (die Firma hinter TikTok) arbeiten 50 Software-Ingenieure an diesem Thema. Zusätzlich zum technischen Team gibt es 20.000 Moderatoren, die auf der untersten Ebene entscheiden. Es wird auch eine "Kochtopf-Metapher" vermutet. Das heißt, die Zensuren lassen immer einen bestimmten Teil an unbequemen Informationen zu (Beispiel Corona und Wuhan, Ablassen öffentlichen Frusts). Vgl. Kretschmer, Fabain: Wie Zensur in China funktioniert, in: Rheinpfalz 4.3.2021.

Cyber Security in China: 2017 kommt ein Cyber Security Gesetz als Antwort auf die DSGVO und die EU NIS - RZ. Man sammelt in der Praxis Erfahrungen damit. 2021 werden dann Modifikationen vorgenommen, meist Abschwächungen.

Reform des Urheberrechts in Deutschland: Der Bundestag macht im Mai 21 mit den Stimmen von CDU und SPD den weg frei für neue Regeln bei Urhebern, Presseverlagen und Plattformbetreibern sowie Nutzern. Es musst eine EU-Richtlinie national umgesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen Plattformen, die Inhalte hoch laden. Die Betreiber können in Haftung genommen werden, wenn Nutzer urheberrechtlich geschützte Werke wie Bilder, Texte oder Videos unerlaubt und ohne Lizenzvereinbarungen verwenden. Das Gesetz gilt ab 1. Januar 2022 (Deutschland ist weltweit das erste Land mit der Praxis).

Autonomes Fahren: Im Mai 2021 beschließt der Bundestag ein Gesetz, dass autonomes Fahren ermöglicht. Damit wird Deutschland zum Vorreiter beim autonomen Fahren. Autonomes Fahren ist ab 2022 möglich. Es ist auch Stufe 4 erlaubt (nur maschinengesteuert)

Europäische Staatsanwaltschaft gegen Finanzverbrechen (EUSta): Sie startet im Juni 2021. 22 von 27 EU-Ländern machen mit. Einige Länder fürchten um ihre Souveränität (Schweden, Dänemark), andere haben zu viel Dreck am Stecken (Ungarn, Polen, Tschechien). Sie kann rückwirkend bis 2017 gehen.

Explizites Einverständnis des Nutzers für personalisierte Werbung: Damit greift die EU (Europaparlament) das Geschäftsmodell von Facebook und Co. an. Die Onlineplattformen machen mit individueller Werbung für jeden Nutzer Geld. Laut Gesetzentwurf soll immer klar sein, wer eine Werbung finanziert hat.

Algorithmus vs. Anwalt: Software kann sich Tausende Paragrafen merken und wird nie müde. Smarte Codes dringen in der Rechtspflege vor. auch in der automatisierten Vertragsgestaltung gibt es smarte Helfer (z. B. Legal OS). Die Amtsgerichte sind total überlastet. Bankgebühren und Mieten könnten die Fallzahlen stark erhöhen. Vgl. Focus 38/2021, S. 82ff.

 

Kleingewerbliche Produktion von Schlangenschnaps im Norden von Saigon/ Vietnam. In dem Land haben nur ca. 15% bis 30% aller Menschen einen festen Arbeitsplatz, in der Regel in ausländischen Direktinvestitionen. Diese Arbeitsplätze in der Schuh-, Textil- und Elektronikindustrie dürften durch Produktionsverlagerungen und Digitalisierung bedroht sein. Der Löwenanteil der Beschäftigten arbeitet in der Landwirtschaft/ Fischerei oder im Dienstleistungsgewerbe (überwiegend Tourismus) sowie im Kleinhandwerk. Die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und Fischerei (Bauer mit Wasserbüffel/ BMW und Fischfarmen) und im menschennahen Dienstleistungsbereich sind aber durch die Digitalisierung  nicht bedroht. So werden die Effekte der Digitalisierung über wiegend industrielle Arbeitsplätze betreffen und so überwiegend die hoch industrialisierten Länder .

Digitalisierung und Arbeit ("neue Arbeitswelt", "Wandel der Arbeit") bzw. Arbeitsmarkt/ Arbeitsmarktpolitik, Transformation der Arbeitswelt:

"Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll", Friedrich Nietzsche (1844 - 1900). Ersetzt die Maschine den Menschen?

Kompensationsthese von David Ricardo (1772-1823): Schon der klassische Ökonom Ricardo analysierte die Wirkung von technischen Innovationen auf die Arbeit. Er stellte schon zu Beginn der industriellen Revolution  die zentrale Frage, ob wegfallende Arbeitsplätze durch neue Aufgabenfelder kompensiert werden können. Er bezieht auch schon konsumptive  Folgen mit ein. Ebenso berücksichtigt er die Arbeitslosigkeit, die Lohnverteilung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Digitalrevolution in Unternehmen: Supercomputer können selbständig lesen (z. B. alle Studien zu einem Thema, was Menschen heute nicht mehr möglich ist). Sie können unvorstellbare Datenmengen bewältigen. Sie können schon selbständig Werbung machen und Jobbewerber aussuchen. Neue Programme übersetzen live und machen damit teure Dolmetscher überflüssig. Werden die Menschen im Unternehmen davon profitieren oder eher ihren Job verlieren? Selbst in Billiglohnländern ersetzen Computer mehr Arbeitsplätze in der Fertigung (z. B. bei Foxconn in China). Die künstliche Intelligenz könnte aber auch zunehmend Arbeitsplätze im gehobenen Bereich kosten. So plädieren Experten (wie Brynjolfson vom MIT) wieder für die Idee des Grundeinkommens. Die Arbeitsmärkte werden sich weiter spalten: Die, in denen "Out-of-the-Box"-Denker und Hochqualifizierte die gut bezahlten Jobs haben, und die, in denen gering qualifizierte Arbeitskräfte unter prekären Bedingungen arbeiten müssen (ohne Aufstiegschancen mit hohem Risiko des Jobverlusts). Eine Studie der Commerzbank 2016 kommt zu dem Ergebnis, dass die Digitalisierung ein Job-Motor ist. 43 Prozent der Mittelständler brauchen mehr Personal.

Aspekte des technologischen Wandels und Arbeit: Vor allem vier technologische Entwicklungen werden die Arbeit und  die Arbeitsanforderungen rapide verändern: 1. Künstliche Intelligenz (KI, Maschinen simulieren intelligentes menschliches Verhalten). 2. Robotik (Roboter ersetzen oder entlasten menschliches Personal; Landwirtschaft, Dienstleistungen, Medizin). 3. Internet der Dinge (Vernetzung von Geräten, die ohne menschliche Steuerung funktionieren). 3-D-Druck (Objekte durch digitale Baupläne). Vgl. Fischer Weltalmanach 2019, S. 12ff.

Digitalisierung der Arbeitswelt (Zukunft der Arbeitswelt): 1. Maschinen können Menschen auch das Denken abnehmen. 2. Arbeitstag muss nicht mehr zwangsläufig im Büro verbracht werden. 3. Es entstehen eine Reihe neuer Berufe (Clickworker, Crowdfunder u. a.). 4. Die Digitalisierung kann die Ausbeutung der Arbeit erhöhen und führt zur Totalüberwachung (auf der anderen Seite ist sie eine Chance für Autonomie). 5. In der Internetwelt wird der Mindestlohn nicht greifen. Es wird nicht nach Zeit, sondern nach Projekten und Produkten gezahlt. Fünf Trends werden die Arbeit von morgen mit prägen: 1. Das Homeoffice (lockere Bürogemeinschaft, "Coworking-Space"). 2. Vertrauensarbeitszeit (selbst Einteilung der Arbeitszeit in einem gewissen Rahmen). 3. Familienarbeitszeit und -Pflegezeit (orientiert an den Lebensphasen der Menschen; z. B. arbeiten beide Elternteile 80%, die Lücke schließt der Staat). 4. Job-Sharing (auf Führungsebene "Top-Sharing" mit Plattform, z. B. tandemploy.de ). 5. Flexible Übergänge in die Rente ("Flexi-Rente"). Die Weltbank hat eine Studie über den Zusammenhang zwischen Digitalisierung der Wirtschaft und Arbeit weltweit 2016 machen lassen: Der Anteil der Jobs, die durch Digitalisierung und Automatisierung gefährdet sind beträgt in %: Äthiopien 85, China 77, Thailand 72, Indien 69, Argentinien und Nigeria 65, OECD-Durchschnitt 57, USA 47, Großbritannien 35. Am besten gewappnet sind die Länder, die auf Complex Problem Solving, Critical Thinking und Creativity setzen (Quelle: Weltbank: World Development Report 2016).

Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung: 1. Backoffice: Durch direkte Erfassung und Verarbeitung von Daten verschwinden traditionelle Bürotätigkeiten. 2. Deep Learning: Systeme sind mit Datenbanken verknüpft und erkennen Muster. Dies kann auch höher qualifizierte Fachkräfte ersetzen. 3. Gig-Economy: Freie Mitarbeiter suchen auf virtuellen Plattforen nach Arbeit, die Unternehmen global ausschreiben. 4. Selbstfahrsysteme (Drohnen) ersetzen Taxi- und LKW-Fahrer, Lageristen, Post- und Paketboten. 5. Robotisierung: 3-D-Drucker ersetzen hoch qualifizierte Handarbeit (Zahntechnik, Wartungs- und Arbeitsroboter in Fertigungsstraßen). In der digitalen Arbeitswelt könnten sich viele Tätigkeitsprofile an der Mensch-Maschineschnittstelle wieder ähneln. Annäherung ersetzt feste Berufsstrukturen. Berufsbilder können sich von Brachengrenzen lösen. Jobwechsel wird so einfacher, die Möglichkeiten beruflicher Mobilität nehmen zu. Die Digitaliiserung führt auch zu neuen Managementkonzepten der Arbeitswelt: Agiles Management, Hierarchiefreies Arbeiten, Permanent Beta, Experimentierräume, Diversity.  In den nächsten fünf Jahren von 2016 an will das Bundesbildungsministerium fünf Milliarden Euro in digitale Bildung investieren. 16 Prozent aller Arbeitsplätze können laut Schätzungen in den nächsten zehn Jahren (ab 2017) ersetzt werden (Quelle: Rise-Konferenz, Hongkong). Eine McKinsey-Studie von Ende 2017 kommt zu folgendem Ergebnis: Bis 2013 könnte rund ein Viertel der Arbeit in Deutschland durch Roboter erledigt werden. Die Automatisierung habe für Deutschland besonders große Folgen, weil das höhere Lohnniveau besonders große Anreize bilde.

Institut für digitale Ökonomie am MIT in Cambridge, USA: Hier wird seit Jahrzehnten erforscht, wie Informationstechnologie die Arbeitswelt verändert. Direktor dort ist Erik Brynjolfsson. Berühmt wurde sein Buch "The Second Machine Age" von 2014.

Beschäftigungseffekte der Digitalisierung: Die aktuelle Entwicklungen der digitalen Technik eröffnen große Rationalisierungspotenziale. Ob der Arbeitsplatzverlust tatsächlich eintritt, ist bisher offen. Denn Digitalisierung schafft auch viele neue Arbeitsplätze, insofern ist ein Strukturwandel sicher. die Wirkungen dürften auch entscheidend von den Reaktionen der Beschäftigten abhängen: Es ist ein strukturiertes und zertifiziertes Weiterbildungssystem erforderlich. Sinnvoll ist auch ein Flexicurity-Konzept. Zur Anwendung kommen sollte auch eine integrative regionale Strukturpolitik. Vgl. Kurt Vogler-Ludwig: Beschäftigungseffekte der Digitalisierung - eine Klarstellung, in: Wirtschaftsdienst 2017/12, S. 861ff. Die Beratung PwC legt 2018 eine Studie vor. Sie macht folgende Prognosen: 37% der Arbeitsplätze in Deutschland werden bis Mitte der 2030er-Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Maschinen ersetzt. Kurzfristig werden aufgaben in Finanz- und Versicherungsunternehmen automatisiert, langfristig trifft es die Transportbranche, die Industrie und den Bau. Mehrere neue Studien schüren Zweifel, ob die Digitalisierung tatsächlich so viele Jobs vernichtet: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2018. Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie, 2018.  Im April 2018 legen das IAB der BA und das BIBB eine gemeinsame Studie zu der Folgen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt vor: Fazit ist, dass die Jobs kaum weniger, aber anders werden. Regional soll sogar ein Plus an Arbeitsplätzen möglich sein. Vor allem im Bereich Information  und Kommunikation könnte es zu einem deutlichen Stellenaufbau kommen.  Eine Studie des ZEW/ Mannheim 2018 mit dem Thema "Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit" kommt zu folgenden Ergebnissen: Die jüngsten Investitionen in vernetzte Produktionstechnologien haben zwischen den Jahren 2011 und 2016 etwa 1 Prozent zusätzliche Beschäftigung geschaffen. Die Ungleichheit steigt. In erster Linie profitieren Hochlohn-Berufe. Bis 2030 wird jeder vierte Job in Deutschland durch die Digitalisierung wegfallen (24%; Quelle: Korn Ferry 2019; andere Prognosen sind optimistischer). Vgl. auch: Wenn die Roboter kommen, Streitgespräch zwischen Jens Südekum und Frank Thelen, in: Die Zeit Nr. 16, 11. April 2019, S. 26.  Eine Studie der OECD 2019 kommt zu folgenden Ergebnissen: Ab 2019 ist weltweit durch die Digitalisierung jeder siebte Arbeitsplatz bedroht. In Deutschland sind 18,4% aller Arbeitsplätze in Gefahr. Den geringsten Anteil bedrohter Jobs hat Norwegen mit 5,7%. Den höchsten Anteil hat die Slowakei mit 33,6%.

Automatisierung und Betroffenheit von Berufen: Die Automatisierung vieler Arbeitsfelder wirkt sich vor allem auf Berufe aus, in denen Routineaufgaben, körperliche Arbeit sowie leicht berechenbare kognitive Aufgaben vorherrschen. So ist das Automatisierungspotential in folgenden Branchen am höchsten (in Prozent): Gastonomie (81), Produktion (79), Verwaltung (69), Landwirtschaft (60), Transportwesen (56), Bauwesen (55), Instandhaltung (49), Vertrieb (43). Quelle: Muro, Mark et al.: Automation and Artificial Intelligence. How Machines Affecting People and Places, Metropolitan Policy Program at Brookings, Januar 2019.

Smarte Belegschaft: Die Arbeitswelt verändert sich auf jeden Fall durch Digitalisierung. KI kann Jobs schaffen. Die Technik in Büros wird anders werden, vor allem einfacher. Business-Apps werden kommen. So wird es WhatsApp fürs Büro geben. Die IT - Anforderungen werden sicher steigen. Umlernen wird ständig nötig sein. Die Security nimmt an Bedeutung zu. Es gibt mehr Flexibilität. Es wird den Digital Workplace geben.

E-Mobilität und Arbeitskräfte: Die Autobauer brauchen anderes Personal. Insgesamt könnten bis zu 350.000 Arbeitsplätze wegfallen. Quelle: Birgit Henschel-Neumann: Elektromobilität und die möglichen Auswirkungen auf den Personalbestand der deutschen Automobilindustrie, El-Net, 2018. Eine Studie der Fraunhofer Gesellschaft von 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2030 110.000 Stellen in der Automobilindustrie durch E-Autos verloren gehen können.

Mehr Freizeit oder Scheitern einer Gesellschaft, die auf Arbeit basiert (Prognose): 1. Roboter werden  Menschen unterstützen aber auch ersetzen. Umstritten ist, wie viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Marx sah ein vollständiges Ersetzen der menschlichen Arbeitskraft voraus (Maschinenfragment). 2. Kann die Gesellschaft, die heute noch auf Arbeit basiert, anders organisiert werden? Werden Internetgiganten aus den USA wie Google, Facebook und Amazon zusammen mit den chinesischen Giganten einen Großteil der Arbeitsplätze auf sich ziehen? 3. Wird die mehr zur freien Verfügung stehende Zeit die Lebensqualität verbessern? Wird sie wirklich mit Gemeinsinn ausgefüllt? 4. Welcher neue Gesellschaftsvertrag kann geschlossen werden? Vgl.  Was machen wir morgen? in: Die Zeit Nr. 18, 26.04.2018, S. 25ff.

Arbeitsplätze mit hohem Automatisierungspotential nach ausgewählten Staaten (in Mio.): China 395,3, Indien 235,1, USA 60,6, Japan 35,6, Russland 35,4, Deutschland 20,5, Großbritannien 11,9, Italien 11,8, Frankreich 9,7, Spanien 8,7. (Quelle: McKinsey). Am stärksten bedroht sind dabei folgende Arbeitsplätze: Körperliche Arbeit/ Führen von Maschinen (81%); Datenverarbeitung (69%); Datenerhebung (64%).

Qualifikationsentwicklung (bzw. Gestaltungsoptionen) bei Arbeit 4.0: Verschiedene Szenarien werden diskutiert: 1. "Upgrading" von Arbeit. 2. Polarisierung von Arbeit. 3. Flexibilisierung und Entgrenzung von Arbeit. Gestaltungsoptionen bestehen an den Schnittstellen "Mensch-Technik" Komplementarität, Kontextsensitivität) und "Mensch-Organisation" (Ganzheitlichkeit, Dynamik von Tätigkeiten). Vgl. Hartmut Hirsch-Kreinsen: Arbeit 4.0 - Qualifikationsentwicklung und Gestaltungsoptionen, in: Wirtschaftsdienst 2017/7, S. 473.

Künstliche Intelligenz und Faktor Arbeit: Aus Unternehmensperspektive verläuft der Wandel der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz weitaus langsamer und weniger disruptiv (im Gegensatz zu wissenschaftlichen Studien, die an schlechter Datenqualität und fragwürdiger Methodik leiden). Der Einfluss der künstlichen Intelligenz läuft über drei Kanäle: 1. Ersatz menschlicher Arbeit. 2. Effizienzsteigerung durch intelligente Zuarbeit. 3. Neue Aufgaben für Unternehmen und Arbeitnehmer durch neue Geschäftsmodelle. Künstliche Intelligenz besteht aus folgenden Kognitiven Technologien: 1. Mustererkennung (pattern recognition; Algorithmen). Maschinelles Lernen (machine learning; Computerprogramme verbessern sich selbst). Unternehmen verfolgen drei Schritte: 1. Tätigkeitsprofile erfassen. 2. Tätigkeitsprofile auf Ersetzbarkeit untersuchen. 3. Zeitpfade bestimmen. Vgl. Heinen, N./ Heuer, A./ Schautschick, P: Künstliche Intelligenz und der Faktor Arbeit, in: Wirtschaftsdienst 2017/10, S. 714ff.

Berufliche Herausforderungen durch KI: Trotz Automatisierung, Robotik und Algorithmen wird der Mensch die Arbeitswelt beherrschen. Trotzdem werden Berufsbilder verschwinden und neue entstehen. Die typisch menschlichen Tätigkeiten werden Kontroll-, Entwicklungs- und Steuerungsarbeiten sein. Hinzu kommen kommunikative und interaktive Tätigkeiten. Psychosoziale Kompetenzen werden noch wichtiger. Es braucht eine Kombination von Hightech und Menschlichkeit. Vgl. Marion Weissenberger-Eibl: Welche Berufe werden wir ausüben? in: digital pioneers 1/2019, S. 44f. Auch die Menschen werden sich bilden müssen, die man auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr braucht. Sie müssen aufpassen, nicht zu verblöden. Insofern wird das Bildungssystem dafür sorgen müssen, dass wir Menschen bleiben und nicht "Konsumparasiten". Millionen Menschen könnten aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden und es könnte eine Klasse von scheinbar Nutzlosen entstehen.

Künstliche Intelligenz und Arbeitsmarkt: Die KI könnte sich sehr positiv auf den globalen Jobmarkt auswirken. Bis 2020 werden weltweit 1,8 Mio. Arbeitsplätze verloren gehen. Gleichzeitig entstehen aber 2,3 Mio. neue, vor allem in Bildung, Gesundheitswesen, und im öffentlichen Dienst. Siehe Poltevin, Helen et al.: Predicts 2019: AI and the Future of Work, Gartner, Dezember 2018.

Plattform - Kapitalismus und Arbeitsmarkt: Dies ist eine weitere Bezeichnung für die Sharing Economy oder die digitale Ökonomie. Hier geht es speziell um Online-Plattformen. Sie ändern rapide den Büroalltag. Einerseits schaffen sie große Freiheiten, andererseits führen sie zu neuen Abhängigkeiten. Sie revolutionieren Märkte wie z. B. den Wohnungsmarkt (Airbnb) oder Taximarkt (Uber). Sie bringen auf dem Arbeitsmarkt direkt Arbeitnehmer und Auftraggeber zusammen (Upwork in den USA, Freelancer in Australien). Arbeitnehmer werden so von angestellten zu Freiberuflern. Wer via Plattform arbeitet konkurriert mit Millionen anderer Anbieter. Das dereguliert radikal den Arbeitsmarkt. Scheinbar hohe Stundenlöne relativieren sich dadurch, dass man sich selbst für Alle versichern muss und oft noch die Ausrüstung stellt. Die Ratings geben den Plattformen noch mehr Macht. Vgl. O. V. : Immer auf Abruf, in: Wirtschaftswoche 29.7.16, S. 87ff.

Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 (Wirkungen auf dem Arbeitsmarkt): Zukunft der Arbeit in der Produktion. Der technologische Wandel verändert die Industrie (Industrie 4.0). Neue Software-Lösungen und vernetzte Fertigungsmaschinen lassen den Automatisierungsgrad steigen. Die Verbindung von Privatleben und Arbeit muss anders organisiert werden. Wie viel Raum wird in Zukunft für Freizeit da sein? Das soziale Leben wird sich verändern. Die Industrie 4.0 wird massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben:  Die Arbeitsnachfrage wird sich verändern (mehr höherwertige Jobs, Zunahme planerischer Tätigkeiten, mehr Interaktionstätigkeiten, die nicht rationalisierbar sind). Die akademischen Bereiche werden also gewinnen, Verluste treten im mittleren Qualifikationsbereich auf. Die interne Flexibilität wird ansteigen, auch in Unternehmen (lebensbegleitend). Es wird auch eine Dynamik der regionalen Entwicklung geben ("smart regions", z. B. Erlangen, Jena). Die Löhne werden sich weiter spreizen (schon seit Mitte der Neunziger Jahre zu beobachten). Die Verlagerbarkeit der Jobs ist wichtig (hoch bei manuellen Tätigkeiten und bei Routinetätigkeiten). Eine zunehmende Wertschöpfung scheint mit Industrie 4.0 verbunden zu sein. Insgesamt ist sie aber weder eine Job-Maschine noch ein Job-Vernichter. Nach einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) 2016 könnten bis 2020 fünf Millionen Arbeitsplätze in den wichtigsten Industrieländern durch die Industrie 4.0 vernichtet werden (7 Mio. alte Arbeitsplätze fallen weg; 2 Mio. neue werden geschaffen). "Die digitale Wirtschaft hat Potential - aber nur, wenn sie angemessen gesteuert wird. Sonst wirken sich diese Dienste verheerend auf die Mittelschicht aus", Steven Hill, American Academy, Berlin (Handelsblatt, 26.27.28. Februar 2016, Nr. 40, S. 72). Sehr einflussreich ist folgende Studie: Carl Benedikt Frey/ Michael Osborne, Oxford: The Future of Employment (Ursprünglich und heute noch im Internet). Danach sollen etwa die Hälft der Arbeitsplätze von 2013 bis 2030 wegfallen. Die Studie umfasst 72 Seiten und wurde als Thesenpapier veröffentlicht. Es wird eine Liste von 702 Berufen in den USA aufgestellt. Dann wird gesagt, welche Berufe gefährdet sind. Die Methode ist "eyeballing" (Pi mal Daumen). Diese Studie hat sich verselbständigt, weil ein Mangel an Alternativen vorliegt. Vgl. Wetzel, Detlef: Arbeit 4.0. Was Beschäftigte und Unternehmen verändern müssen, Herder 2015.

Industrie 4.0 und Jobwandel: Die Industrie 4.0 schichtet die Arbeitsplätze um. Am ehesten sind Routinearbeiten gefährdet. Andererseits können die Lohnkosten sinken (pro Stunde um 25 bis 30 %). Die Einsparungen kann die Wettbewerbsfähigkeit und die Höherqualifizierung fördern. Die Ergonomie am Arbeitsplatz kann verbessert werden. Das ermöglicht die Reintegration erfahrener und funktionsgeminderter Mitarbeiter. Die Krankheitstage können reduziert werden. Mut, Kreativität und Fleiß sind digital nicht zu ersetzen. Der Handlungsspielraum kann steigen. Die Transparenz und Effizienz steigen und geben neue Chancen. Es entstehen auch neue Berufsbilder. so benötigt die digitale Wirtschaft eine neue Art von Architekt, Digital Design.  Im Grunde ist der Wahlsieg von Trump in den USA zum Teil der Automatisierung in den US-Fabriken geschuldet. Sogar in den USA gab es den Hemmschuh Mobilität. Es gibt Gewinner und Verlierer der Automatisierung. Die Verlierer können sich das Wohnen in prosperierenden Regionen nicht mehr leisten. Mittlerweile leben Ober- und Unterschicht in verschiedenen Städten (kognitive Segregation). Die Technologiestädte erleben einen Aufwind. Die Städte der traditionellen Industrien ("Rust-Belt") leiden unter Nichtbeschäftigung, Verbrechen und früherer Sterblichkeit. Der Wert der Männer dort auf dem Heiratsmarkt sank. Immer mehr Frauen heiraten nicht oder suchen reichere Männer.

Digitalisierung als Jobwandler statt Jobvernichter: Das Bild über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeit scheint differenziert zu sein. Das IAB geht davon aus, dass in Deutschland acht Millionen Menschen arbeiten, deren heutige Tätigkeiten (2018) zu 70 Prozent oder mehr durch digitale Technologien und Automatisierung ersetzt werden könnten. Vgl. Joachim Möller: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeitsmarkt und Gesellschaft, in: bdvb aktuell, Nr. 145, 2019, S. 30ff.

New Work: Volatilität, Komplexität, Vernetzung, Flexibilität, Unsicherheit, Ambiguität und Dynamik als zentrale Merkmale der modernen Arbeitsgesellschaft ("der Job organisiert uns"). Vgl. Markus Väth: Arbeit. Die schönste Nebensache der Welt, Offenbach 2016. New Work soll uns vor Depression, Burn-out und anderen Psycholeiden bewahren. New Work bedeutet nach einem Konzept des US-Philosophen Frithjof Bergmann Kritik am Lohnarbeitssystem, Selbstversorgung (high-tech self-providing) und arbeitsbezogene Berufung (Calling). Zum Gelingen von New Work sollen folgende Elemente beitragen: Life-Blending (den eigenen Bedürfnissen folgen), systemrelevante Kompetenzen (Methoden- und Handlungskompetenz neben personalen Kompetenzen wie Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz), Akzeptanz in der Organisation (Vertrauen), die Qualität der Arbeit für den Menschen verbessern. Eine wichtige Rolle spielt die Arbeitszeit. Sie soll sich mehr an den Lebensphasen der Menschen orientieren. Vgl. auch: Brandes-Visbeck, C./ Thielecke, S: Fit für New Work: Wie man in der neuen Arbeitswelt erfolgreich besteht, Redline Verlag, Oktober 2018.

New Work und Freelancer: Wir leben immer mehr in einer Outsourcing-Gesellschaft. Dies bietet sich etwa in der Buchhaltung, bei Texterstellung und Design an. Mittlerweise gibt es eine Absicherungsmöglichkeit über Factoring.

Next Work: Zukunft der Arbeit in der digitalen Revolution. Arbeit sollte neu gedacht werden. Es handelt sich um eine gesellschaftspolitische Augabe.

Eco-Working: Die menschliche Zivilisation hat mittels Technologie jede Form von Naturzwang beseitigt. Nahrung, Wasser, Strom, Licht sind jederzeit verfügbar. Der Mensch ist aber mit der endlichen Logik der Natur verbunden. Diese beiden Welten müssen versöhnt werden. Das steckt hinter der Idee des Eco-Working. Co-Working, digitale Nomaden u. a. gehen in die Richtung. Vgl. Melanie Petersen: Arbeiten unter Ameisen, in: t3n, digital pioneers, 1/2019, S. 64ff.

Brain Engineering: Man spricht auch von fünfter industrieller Revolution. Computer können auch Gefühle und Empfindungen einprogrammiert werden. Damit sind sie in der Lage, die Steuerung der Menschheit zu übernehmen.

Arbeit auf Abruf: Die Beschäftigten werden "Flexkräfte" genannt. Ihnen wird eine Mindeststundenzahl pro Woche zugesichert (Rahmenarbeitsvertrag). Oft zahlreiche Einzelarbeitsverträge geschlossen. Nach oben ist je nach Bedarf keine Grenze gesetzt. Die Stunden werden von den Unternehmen bezahlt. Konzerne wie H&M und die Post nutzen dieses Modell. Nach Schätzungen (Quelle: DIW, Berlin) sind 1,5 Mio. Menschen in Deutschland betroffen.

Mobiles Arbeiten: Mobiles Arbeiten ist eng mit Flexibilität verbunden. Es geht auch nur über die modernen Kommunikationsmittel mit gestiegenen Arbeitsanforderungen und führt zu einer größeren Verdichtung der Arbeit. Es erfordert Selbstorganisation und Leistungsbewusstsein. Angestellte, die gelegentlich von zu Hause arbeiten, haben eine längere Wochenarbeitszeit als Angestellte, die dies nie tun (43,5 Stunden gegenüber 39,4). Die Frage ist, ob die Regeln für diese Arbeitsform verstärkt werden müssen, damit nicht ein immer größerer Teil der Freizeit verloren geht.

Heimarbeit (Homeoffice): 2019 will das Bundesarbeitsministerium ein Recht auf Heimarbeit schaffen. Die Niederlande haben ein solches Gesetz. Continental erlaubt den Mitarbeitern die Entscheidung.  Das Recht auf Homeoffice ist in Deutschland heftig umstritten. Bundeswirtschaftsminister Altmaier lehnt die Pläne ab. 2020 erlebt Homeoffice durch die Corona-Krise einen Hype. Es gibt keine Dienstreisen mehr, keine Messen, keine Konferenzen. Distanz prägt das Arbeitsleben. Dadurch löst sich auch die Grenze zwischen Freizeit und Arbeit immer mehr auf. Viele Unternehmen erden auch nach der Krise an dem Modell festhalten.  55% der Arbeitnehmer fühlen sich im Homeoffice produktiver, Quelle: Fraunhofer-Umfrage 2020.

2020 nach Corona macht die DAK eine repräsentative Studie über das Homeoffice. Die Menschen haben weniger Stress. Sie haben mehr Zeit für die Familie. Sie sind produktiver. Sie haben flexiblere Arbeitszeiten. Sie sparen die Zeit für den Arbeitsweg. Die Steigerung an Homeoffice betrug von April bis Juni 2020 40%. 75% fehlte allerdings auch der Kontakt zu Kollegen. Es fehlte eine klare Trennung zwischen Beruf und Privat, was als Mangel empfunden wurde.

Größte Herausforderung ist, Privat- und Berufsleben zu trennen. Es kommt auch zu weniger Small Talk. Der soziale Austausch fehlt. So geht Vertrauen verloren. Großer Vorteil in der Pandemie war, dass fast alle gleichzeitig im Homeoffice waren und dass man gemeinsam nach Lösungen gesucht hat. SoziologInnen sehen Nachteile für Frauen. Sie würden auch am Karrieremachen gehindert (so Jutta Allmendinger, Wissenschaftszentrum Berlin).

2021 im 2. Lockdown in der 2. Welle gibt es eine Diskussion, ob des Homeoffice zur Pflicht werden soll. Vielleicht könnten Tausende von Menschenleben gerettet werden. Allerdings ist eine gesetzliche Vorgabe ein harter Eingriff. Man arbeitet erst mal mit Appellen an die Unternehmen, mehr Homeoffice zuzulassen (Bundespräsident, Gewerkschaften Arbeitgeberverbände). Am 19.01. in der Verschärfung des Lockdowns  kommt dann eine Verordnung der Bundesregierung, das Homeoffice dann umzusetzen, wenn es möglich ist. Ende Januar 2021 arbeiten etwa ein viertel der Erwerbstätigen im Homeoffice. Quelle: Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung.

Infrastruktur für Remote - Arbeit: Wie schnell lassen sich große Teile der Arbeit ins Internet verlagern? Das hängt von der digitalen Infrastruktur und von der Zuverlässigkeit wichtiger digitaler Plattformen ab. Weitere Faktoren sind die Verbreitung digitaler Bezahlsysteme und die Erwerbsbevölkerung. Es zeigt sich eine deutliche Kluft zwischen armen und reichen Ländern. Hochentwickelte Staaten liegen in vielen Kriterien vorn (Finnland, Schweden, Irland, USA, Singapur). Vgl. The Fletcher School of Tufts University: How Countries Around the World are Prepared to Work in a Socially Distant Using Digital Technologies, Digital Planet, April 2020.

Produktivität im Homeoffice: Das Homeoffice scheint die Produktivität zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt folgende empirische Studie: Claudia Crummenerl et al. : The Future of Work: From remote to hybrid. Capgemini Research Institute, Dezember 2020. Die studie bezieht sich auf mobiles Arbeiten im 3. Quartal 2020. Insgesamt erhöhte sich bei 63% der befragten Unternehmen die Produktivität positiv (Wahrnehmung). Am höchsten war der Anstieg in Frankreich und den Niederlanden. Deutschland liegt auf dem dritten Platz vor den USA, Spanien, Indien und Italien. Dann folgen Schweden und Großbritannien. 

Motivieren im Homeoffice: Motivieren aus der Ferne. Arbeit im Homeoffice senkt die Motivation erheblich. Was kann man dagegen tun? Drei positive und drei negative Motivationsfaktoren bestimmen, wie es um das Engagement jedes einzelnen Mitarbeiters bestellt ist: emotionaler und wirtschaftlicher Druck sowie Trägheit schaden. Spieltrieb, Sinnhaftigkeit und Potential haben einen positiven Effekt. Vgl. McGregor, Linsay/ Doshi, Neel: Motivieren aus der Ferne, in: HBM Juli 2020, S. 34ff.

Mobiles Arbeiten auf Dauer: Mobiles Arbeiten funktioniert. Aber klappt es auf Dauer? Kommunikation, Wissenstransfer, kreativer Austausch und die Datensicherheit lassen sich noch deutlich verbessern. Vgl. Choudury, P.: Das bleibt jetzt so, in: HBM Februar 2021, S. 52ff.

Heimarbeit (Homeoffice) und "gläserner Mensch": Bei der Corona - App wird immer wieder über Daten diskutiert und über Bürgerrechte. Der Zwang zur Heimarbeit und die Kontakt- und Ausgangssperren drängen Menschen in eine Situation, in der der Datenschutz außen vor bleibt. Grundsätzlich ist alles, was digital ist, auslesbar. Alle Arbeitsvorgänge sind plötzlich analysierbar. Bildschirmmeetings können aufgezeichnet, gespeichert und ausgewertet werden. Es gibt schon eine Reihe von Start-ups, die sich auf die Auswertung spezialisieren. Auch im Bereich der Personalentwicklung sind kaum noch Grenzen gesetzt. Bei der digitalen Kommunikation bleiben die Kommunizierenden nicht mehr unter sich. So kann es "Spione", aber auch Kommunikationsforscher, Team - Coacher und Organisationsmanager geben, die profitieren wollen. Es gibt sogar mittlerweile Apps, die Mimik, Gestik und Stimmlage auswerten ("affective computing"). Bekannte Apps sind Affecta und Beyond Verbal. Die Daten - Aggregation der Internetplattformen wird zur "ursprünglichen Aggregation" (Karl Marx). Die Ausweitung der Akkumulationszone wird die informationelle Selbstbestimmung entscheidend schwächen. Vgl. Simanowski, Roberto: Todesalgorithmus. Das Dilemma der künstlichen Intelligenz, 2020. Ders.: Das Virus und das Digitale, Passagen Verlag 2021. "Ich bin häßlich, aber ich kann mir die schönste Frau kaufen. Also bin ich nicht häßlich", Karl Marx (zitiert nach Simanowski, Roberto: Schau mir in die Augen, Heimarbeiter, in: WiWo 18/ 30.4.21, S. 38f.)

Hybride Arbeitswelt der Zukunft: Nach Corona-Pandemie deutet vieles auf eine hybride Arbeitswelt hin. Das Homeoffice wird teilweise bestehen bleiben oder sogar noch deutlich ausgebaut. Die großen Vorteile des Homeoffice sind: Eingesparte Fahrtzeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, höhere Arbeitsleistung, angenehmerer Arbeitsbedingungen. Die digitale Zusammenarbeit klappt größtenteils. Eines der Haupthindernisse ist die digitale Infrastruktur (Glasfiber, Internetprobleme). Vgl. Fischer, Konrad u. a.: Home oder Office, in: WiWo 21/ 21.5.21, S. 14ff. Hierbei handelt es sich vielleicht um den größten Wandel der jetzigen Generation. Die Bürowelten werden neu gestaltet. Das Massen-Großraumbüro ist eher überholt (Facebook - Zentrale). Moderne Büros (etwa bei WeWork) ähneln Wohnzimmer. Zwei Drittel aller Führungskräfte weltweit denken Richtung hybrid. Der Job soll, sich mehr dem Leben anpassen. Arbeit wird zum gemeinsamen Event. Konferenzräume könnten zum Zoom-Raum werden.

Büro als Ort für Chaos und Gefühle: Mobile sArbeiten un dHomeoffice führen kurzfristig zu Produktivitätssteigerungen und sparen Kosten. Langfristig können die Leistung und dei Unternehmenskultur darunter leiden. Menschen brauchen den persönlichen Kontakt, um Vertrauen aufzubauen. Lernen erfolgt zudem nicht nur durch Schulungen , sondern zu großen Teilen durch Beobachtung, das setzt physische Nähe voraus. Nicht zuletzt sind zufällige Begegnungen eine wertvolle Quelle der Innovation. Das Büro der Zukunft ist in erster Linie ein sozialer Treffpunkt, ein Ort des Lernens und ein Ort, der zufällige Entdeckungen ermöglicht. Durch seine Gestaltung und den Einsatz moderner Technologien fördert es die soziale Interaktion. Vgl. Fayard, Anne-Laure u. a.: Ein Ort für Chaos und Gefühle, in: HBM Juni 2021, S. 46ff.

Intrapreneurship: "Arbeitskraftunternehmer", "Binnenunternehmertum". Aus den englischen Begriffen "intracorporate" und entrepreneurship". Unternehmerisches Verhalten von Mitarbeitern im Unternehmen. Der Begriff soll 1978 von Pinchot Gifford III geprägt worden sein. Er umfasst Verantwortungsbewusstsein, Selbständigkeit, unternehmerisches Handeln im Unternehmen. Folgen sind flachere Hierarchien und besondere Anreizsysteme.

Grenzmanagement: Selbststeuerung: Abstimmungsprozess zwischen Freiheiten und Selbstausbeutung.

Work-Life-Blending: Hochflexible Joblösungen erlauben ein Arbeiten ohne Büro. Angestellte werden zunehmend zu Mini - Entrepreneuren. Die Autonomie ist aber oft eine Selbsttäuschung und gerät zur Mogelpackung mit Selbstausbeutung. Ständige Grundanspannung verhindert einen Erholungseffekt. Als neue Arbeitsformen hierzu gehören unter anderen: Fluide Teams, virtuelle Teams, individualisierte Arbeit, Desksharing, Homeoffice, flexible Arbeitszeiten. Die Mitarbeiter werden an der langen Leine geführt ("indirekte Steuerung").

Clickworking (Crowdworking): Internetnutzer übernehmen freiberuflich bestimmte Arbeiten für Unternehmen (Freelancer). Die Arbeitskräfte werden "on demand" zusammengestellt. Beachtliche Dynamik in den USA. Vor allem im Zusammenhang mit den Betreibern von Plattformen. Für die Arbeitnehmer gelten keine Mindestlöhne und keine sozialen Standards. Da Kapital hoch mobil ist, muss es dafür internationale Lösungen geben. Unternehmen vergeben Aufgaben und Projekte über Onlineplattformen an Externe. Was früher Festangesellte oder Freiberufler erledigten, übernimmt die "Crowd", auf die Unternehmen mittels digitaler Plattformen zugreifen können. Insgesamt spricht man auch von "gig economy". Arbeit besteht aus vielen kurzen Einsätzen. Die Folgen für die Sozialsysteme dürften dramatisch sein. Sie beruhen nämlich auf einem stabilen Verhältnis von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Dieses Verhältnis wird infrage gestellt. Der Sozialstaat ist für diese Vielfalt nicht gedacht. 2016 zeigt sich, dass mittlerweile auch Großunternehmen in Deutschland Arbeiten in kleine Projekte zerlegen und an Freie vergeben. Beispiele sind Arbeiten für Schreibkräfte, Produktdesign, Marktforscher, IT-Experten zur Fehlerprüfung in Software, Produkttester, Wirkstoffentwickler (Chemiker, Mediziner). Nimmt dieser Trend zu, muss man sich Sorgen um die Arbeitnehmer machen. Crowdworking ist eine völlig neue Form der Arbeitsorganisation. Die durchführenden Unternehmen verweisen auf Innovation als Begründung (die Kostenersparnis dürfte aber im Vordergrund stehen). Arbeitnehmervertreter sprechen von Ausbeutung. Vgl. als Beispiel die Plattform "Jovoto". Auch folgenden Artikel: Florian Alexander Schmidt: Arbeitsmärkte in der Plattform-Ökonomie, 2016 (Friedrich-Ebert-Stiftung).  Dort wird zwischen Gigwork (ortsgebunden) und Cloudwork (ortunabhängig) unterschieden. Der Auftrag kann jeweils an ein Individuum oder eine Crowd gehen.  Gewerkschaften wollen in Zukunft auch Solo-Selbständige aufnehmen.

Crowdsourcing: Teilaufgaben des Unternehmens werden auf Vermittlungsplattformen im Netz ausgelagert. Das Netz bietet Spezialisten für fast alles.

Coworking: In Coworking-Spaces arbeiten Freelancer in der gleichen Umgebung. Sie sollen sich gegenseitig auf Ideen bringen. Mittlerweile gibt es Start-ups für Coworking. Eines davon ist WeWork. Die Coworking-Nachfrage steigt 2018 in Deutschland an. Auch große Unternehmen arbeiten mittlerweile mit Coworking Spaces, so Porsche, Beiersdorf, TUI.

Stillarbeiter: Wissensarbeiter, die sich eher in Einzelbüros oder in einer Mischform mit verschiedenen Raumangeboten wohl fühlen.

Digitale Nomaden: Generation von Selbständigen, die ortunabhängige Arbeiten überall auf der Welt durchführen. Sie sind hypermobil und globalisiert. Sie haben keine Bindung zu einem geographischen Gebiet (keine nationale Loyalität oder Identität). Langfristig könnten 5 bis 10 Prozent der Menschen auf diese Art und Weise ihren Lebensunterhalt verdienen. Von einem Randphänomen hat sich dies zu einem Trend entwickelt. Die Berufswelt könnte sich nachhaltig verändern. Die Tätigkeiten reichen von Online-Marketing, Software-Entwicklung und -Betreuung bis zum Bloggen.  Der Vorteil der Arbeit ist die gewonnene Freiheit (auch für die Familie) und die größere Selbstbestimmung. Das Problem sind die Kosten. Vgl. Patrick Dixon: The Future of Almost Everything.

Ortsungebundenes Arbeiten: In der digitalen Welt steigt die Zahl der digital-mobil arbeitenden Menschen rapide an. 2016 liegt der Anteil in Schweden schon bei 32%, in Deutschland bei 12%, in Italien bei 5% (Quelle: ILO).

Workation: "Urlaubsarbeiter". Man hält sich zeitlich begrenzt in der Ferne auf, für ein Paar Wochen oder Monate. Dank der Digitalisierung ist die Präsens am Arbeitsplatz nicht notwendig.

Open Space: Offene, große Büros. Sie sollen Kreativität und Kommunikation fördern. Früher sprach man von Großraumbüros. sie waren Teil der US-Unternehmenskultur (z. B. auch IBM in Deutschland).

Desksharing: Keine festen Arbeitsplätze mehr. Weniger Schreibtischplätze als Mitarbeiter. Je nach Bedarf werden die Plätze genutzt.

Büroformen: Einzelbüros 33%), Kombibüro (Einzelbüro mit Glastür, Multifunktionszone, 9%), Gruppenbüro (17%, Zweipersonenbüro (16%), Mehrpersonenbüro (3 bis 5 Personen, 14%), Großraumbüro (ab 21 Personen, 6%), flexibles Arbeitskonzept (4%). Quelle: Fraunhofer-Institut IAO, Online-Umfrage 2017, 7545 Befragte.

"Arbeit ohne Grenzen": 1. Veränderte Kommunikationsgewohnheiten durch Smartphone und Notebook, aber auch neue Produktions- und Dienstleistungsrhythmen, führen zu einer Entgrenzung der Arbeitszeit. Verbindliche Arbeitszeitgrenzen weichen auf, Kontrolle und Selbstkontrolle werden schwieriger. 2. Die Globalisierung und Internationalisierung der Wirtschaft  erfordern eine mobilere Arbeit. Für den Einzelnen verlieren nationale Grenzen an Bedeutung. Beide Phänomene verändern die Arbeit. Sie lassen auch die Personalführung und Unternehmenskultur nicht unbeeinflusst.

Downshifting: Abkehr vom Gewinn- und Konsumstreben. Flucht aus einem beruflichen Alltag mit Stress, Hektik und Geld verdienen. Zuwendung zu einem bescheideneren, einfacheren Leben. Spanne zwischen Komplettausstieg und kritischem Normalverbraucher. "Die Freiheit fängt da an, wo die Arbeit aufhört", Karl Marx.

IT - Jobs mit Zukunft: Blockchain-Architect (Programmierung von Blockchain bzw. Distributed Ledger-Anwendungen). Chief Digital Officer (CDO): Seine Aufgabe besteht darin, analoge Prozesse ins digitale zu transformieren.  Er soll Innovationen hervorbringen und das Geschäftsmodell des Unternehmens für die Digitalisierung umbauen. Er muss sowohl technisches als auch kaufmännisches Verständnis haben. Chief Distribution Manager (ähnliche Aufgaben wie CDO, Disruption umsetzen). Data Scientist (Entscheidungen aufgrund von Datenanalysen). Data Strategist (Big Data, Verwaltung: Server, Cloud u. a.). Mobile Developer (mobile Betriebssysteme). Security Manager (Verleiden von Datenlecks). Social Media Manager (Geld für Surfen im Netz). 

Echtzeit: Die permanente Verfügbarkeit von Informationen und Nachrichten im Netz und die ständige und gleichzeitige Kommunikation.

Lockerung der Arbeitszeit (Flexibilisierung): Starre Strukturen und Hierarchien weichen im Zuge der Digitalisierung auf. Damit verbunden soll die Arbeitszeit vom Bundesarbeitsministerium gelockert werden. Es soll zunächst mehr Flexibilität erlaubt werden. Es sollen auch größere Anstrengungen bei der Qualifizierung und Weiterbildung unternommen werden. Die Gewerkschaft IG Metall will eine zeitweilige Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden erreichen.

Moderne "Sklaverei" und Ausbeutung in der Share Economy (Motto: Teile und Leide): Angebot von - haushaltsnahen - Dienstleistungen (Hilfe beim Lohnsteuerjahresausgleich, Vermittlung von Reinigungskräften, Vermittlung von Wohnungen; z. B. Helpling). Es kommt zu einem Kontrakt zwischen Plattformunternehmen (im Internet) und Mikrounternehmer.  Gegenwärtig sind diese Kontrakte kaum reguliert. Der Mikrounternehmer muss ein Gewerbe anmelden, sich selbst versichern (einschließlich Haftpflicht) und oft kostenlos Probearbeiten. Dadurch kann der Mindestlohn unterlaufen werden. Nach Abzug seiner Kosten bleibt dem Mikrounternehmer kaum was.  Der Plattformunternehmer versucht, immer mehr Mikrounternehmer zu gewinnen und dreht dann an der Provisionsschraube. Gelockt wird mit der freien Zeiteinteilung. Die Plattformunternehmer arbeiten zum Teil mit Kunstwährungen (z. B. Ricks). Verantwortung wird in der Regel vom Plattformunternehmer abgelehnt und auf den Mikrounternehmer geschoben. Die großen Plattformen wie Uber (Taxivermittlung, in über 50 Ländern, 40 Mrd. $ Firmenwert) und Airbnb (Wohnungsvermittlung) agieren global und versuchen, eine Monopolstellung zu erreichen. Es fehlt weltweit eine Definition der Plattformen und des unlauteren Wettbewerbs. Am 06. Dezember 1865 trat der 13. Verfassungsakt in den USA in Kraft, mit dem die Sklaverei verboten wurde. 1860 lebten in den USA vier Millionen versklavter Menschen. Die befreiten Menschen standen vor dem Nichts. Erst rund 100 Jahre später wurden Gleichheit und Freiheit schrittweise Wirklichkeit. Weltweit leben 46 Mio. Menschen in 167 Ländern in moderner Sklaverei (Walk Free Foundation, Australien).

Sozialer Arbeitsmarkt: Öffentlich geförderter Arbeitsmarkt. Statt Hartz IV und Wohnung regulär Arbeitsplätze schaffen. Motto "Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren". Die Idee wird von BA, SPD und Diakonie unterstützt. In NRW gibt es mittlerweile viele Projekte. Im Abschlusspapier der Sondierungen im Januar 2018 ist eine Stärkung dieser Konzeption vorgesehen. Es geht hierbei vor allem um Langzeitarbeitslose (2018 gibt es z. B. über 1,2 Mio. offene Stellen und über 800 Mio. Langzeitarbeitslose). Der Anreiz zur Arbeitsaufnahme soll erhöht werden. 150.000 Langzeitarbeitslose sollen mit Lohnkostenzuschüssen einen Job in Unternehmen, gemeinnützigen Einrichtungen und Kommunen bekommen. Hier ist der Zusammenhang zum "solidarischen Grundeinkommen". Das Bundesnetzwerk Jobcenter geht allerdings davon aus, dass nur 80.000 bis 100.000 Fälle gefördert werden können. Kritisiert wird, dass es eine Förderung öffentlicher Beschäftigung ist. Der Bund will nur bis zum Mindestlohn fördern. Man will die Sockelarbeitslosigkeit aufbrechen. Voraussetzung für die Förderung im Jobprogramm ist sechs Jahre Bezug von Hartz IV innerhalb von sieben Jahren. Das Programm soll vorerst bis 2024 befristet sein.

Arbeitsproduktivität und Wohlstand: Die Arbeitsproduktivität sinkt in Deutschland langfristig. 1971 lag sie noch bei +5,1%. Nach der letzten Weltwirtschaftskrise 2017 brach sie ein (-2,6%). 2017 lag sie unter 2%. Das kann sehr gefährlich sein, weil die Arbeitsproduktivität als eine wichtige Quelle unseres Wohlstands gilt. Es gibt jedoch eine Reihe von Gründen für diese Entwicklung: 1. Innovationschwäche (es wird nur auf gleichem Niveau ersetzt: Kohle-Energie auf Wind, Benzinantrieb auf Elektromotor; vgl. Robert J. Gordon). 2. Billige Arbeitskräfte (Investieren in billige Arbeit statt Maschinen). 3. Ungenaue Statistik (Produkte ohne Preis, manche Güter zu hoch bewertet). 4. Mehr Dienstleistungen. 5. Demographischer Wandel. 6. Zersplitterter Mittelstand (höher qualifizierte Mitarbeiter werden nicht ersetzt, arbeitsintensive Produktion). 7. Niedrige Zinsen. Vgl. Knuth/ Reiermann: Der Fortschritt ist eine Schnecke, in: Der Spiegel 12/2018, S. 78-80.

Digitalisierung und Wandel von Berufen: einige Bereiche sind davon besonders betroffen. Die Berufe werden sich in diesen Bereichen gravierend verändern. 1. Bankenbereich. Hier werden klassische Berufe wie der Bankkaufmann erheblich unter Druck geraten. 2. Handwerk. Wesentliche Teile in der Diagnose werden durch Computerprogramme ersetzt. Die übrigen sparten werden höhere Anforderungen stellen. 3. Handel und Einzelhandel: auch hier werden ganze Berufsgruppen wegfallen.

Digitaler Stress: Besonders belastend in der Digitalisierung ist das Gefühl, dauernd erreichbar zu sein. Dadurch löst sich die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben auf. Viele fühlen sich auch von Informationen überflutet und haben dadurch das Gefühl, mehr und schneller arbeiten zu müssen. Folgen können Unzufriedenheit mit dem Job und schlechtere Leistung sein. Weitere Folgen sind körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen. Quelle: Studie des Fraunhofer-Instituts für Informationstechnik (5000 Teilnehmer).

Arbeitsplatz-Risiko-Diagramme: Arbeitsplatzrisiko Kognitive Tätigkeiten und Arbeitsplatzrisiko Körperliche Tätigkeiten. Kai-Fu Lee: AI Sper-Powers. China, Silicon Valley und die Neue Weltordnung, Frankfurt/ New York (Campus) 2019. Bei den Kognitiven Tätigkeiten hat Lee folgende Szenarien: Menschliche Fassade: Hochzeitsplaner, Lehrer, Allgemeinmediziner, Fremdenführer. Sicherer Bereich: Hausmeister, Strafverteidiger, Sozialarbeiter, Psychiater. Gefahrenzone: Radiologe, Persönlicher Steuerberater, Versicherungssachverständiger, Einfacher Übersetzer. Schleichende Veränderung: Grafikdesigner, Finanzanalyst, Künstler, Wissenschaftler, Medizinforscher, Leitartikler. Bei den Körperlichen Tätigkeiten sehen die Szenarien wie folgt aus: Menschliche Fassade: Barkeeper, Caterer, Cafe-Kellner. Sicherer Bereich: Altenheimmitarbeiter, Physiotherapeut, Haarstylist, Hundetrainer. Gefahrenzone: Kassierer, Fast-Food-Zuarbeiter, LKW-Fahrer, Restaurantkoch, Tellerwäscher, Textilfabrikmitarbeiter. Schleichende Veränderung: Taxifahrer, Klempner, Nachtwächter, Wohnungsbauarbeiter, Hausreinigungskraft. Er sieht zwei Arten von Arbeitsplatzverlusten: unmittelbare Verdrängung, grundlegende Umwälzungen.

These der Segenswirkung der künstlichen Intelligenz: Sie wird von Erik Brynjolfsson vertreten Er erforscht die Wirkung der der Informationstechnologie auf die Arbeitwelt (The Second Machine Age). Sie bewirke einen Produktivitäts- und Wachstumsschub. Im Zuge dessen komme es zu Massenrestrukturierungen (Neuorganisation von Jobs). Es tauche das "Winner-takes-it-all"- Phänomen auf: Firmen, die digital sind, hängen Wettbewerber ab. Menschen sollten sich auf das konzentrieren, was Maschinen nicht können: Kreativität und Teamgeist. Menschen müssen lernen, die Technologie zu beherrschen (Bildung).

Soziale Distanzierung (social distancing) und Digitalisierung: Räumliche Distanzierung (physische Distanzierung). Reihe von nicht-pharmazeutischen Maßnahmen zur Infektionskontrolle, die die Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit stoppen oder verlangsamen sollen. Es handelt sich um eine Art Quarantäne. Diese Strategie, die medizinisch in bestimmten Fällen geboten ist, steht menschlichen Bedürfnissen und kulturellen Gewohnheiten gegenüber. Deshalb kann es zu negativen folgen psychischer Art kommen (Einsamkeit, Angst, Panik, häusliche Gewalt, persönliche Konflikte).

Bei Sozialer Distanzierung zeigen sich große Vorteile der Digitalisierung: 1. Arbeit kann von zu Hause aus unter bestimmten Bedingungen verrichtet werden (Homeoffice). 2. Schulen und Hochschulen können ihre Lehrinhalte digital vermitteln (E-Learning). 3. Soziale Kontakte, die für jeden Menschen notwendig sind, können virtuell aufrechterhalten werden (soziale Medien). 4. Viele Solo-Selbständige (Künstler, Musiker u. a.) können ihre Leistungen und Programme virtuell vermitteln.

Videodienste: In der Corona-Krise wird der Videodienst Zoom zum neuen Standard (300 Mio. Besprechungsteilnehmer). Ende April 2020 führt aber noch Cisco Webex (324 Mio. Besprechungsteilnehmer). Google Meet (100 Mio.) und Midcrosoft Teams (Skipe, 200 Mio.) hinken hinterher. Um virtuell zu begeistern, gibt es folgende Empfehlungen: 1. Technische Funktionen nutzen. 2. Eröffnen mit einer ansprechenden Geschichte. 3. Im Voraus um Teilnahme bitten. 4. Seien Sie klar, leise und prägnant. 5. Suchen Sie sich einen Anker für nonverbale Signale. 6. Holen Sie Feedback ein. Vgl. Storms, Gia: Wie Sie virtuell begeistern, in: HBM Mai 2021, S. 84f.

Ende des klassischen Büros: Digitalisierung, Corona und Homeoffice setzen ihm zu. Deutsche Unternehmen planen Flächenreduzierungen und fördern mobiles Arbeiten. Damit fallen auch negative Effekte weg: Intrigen, Gerüchte, Schaukämpfe. Am berühmtesten sind die Uffizien (von italienisch "uffici" für Büros; sie wurde im 16 Jahrhundert von den Medici errichtet. Sie waren als Bürogebäude gedacht). Heute sind sie eine der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt. Der Trend geht Richtung hybrides Arbeiten mit einer klaren Zunahme mobilen Arbeitens. Das könnte die Mieten vielerorts purzeln lassen. Offene, flexible Büros, Co-Working-Spaces, mobiles Arbeiten breiten sich aus. Man muss neue Modelle des Arbeitens finden.

Modern Workplace: Die digitale Transformation der Unternehmen erfasst verstärkt auch die Arbeitsplätze. Das hat sich durch Corona beschleunigt. Es wird einen zunehmenden Einsatz von Wearables und IoT geben. Die Arbeitsplatz-Infrastruktur wird sich verändern. Es wird Desk-Sharing durch flexible Arbeitszeiten geben. Wahrscheinlich wird es immer mehr Mischformen zwischen Homeoffice und teilweise benutzten Büroräumen geben (hybride Arbeitswelt). "Teure Mietflächen in Großstädten" können so verkleinert werden. Die Arbeitswelt wird volatiler und schnelllebiger. Der Führungsstil in Unternehmen wird kooperativer werden und die Unternehmenskultur offener. Microsoft 365 ist nur der Einstiegspunkt. Es gibt schon Workplace as a Service. Vgl. Dumont, Andres: Der Arbeitsplatz der Zukunft ist schon da, in: com!professional 10/2020, S. 12ff.

Mangel an IT-Kräften: Der Mangel kann die Wirtschaft bremsen. Es fehlen ende 2020 10.000 zusätzliche Ausbildungsplätze für die Informationstechnik. Es feheln auch die Ausbilder. Quelle: Branchenverband Bitkom.

Wandel der Arbeit durch zunehmende Digitalisierung in der Corona-Krise: 1. Abschaffung physischer Arbeitsplätze schleichend (Präsens-Unkultur). 2. Neue Begrüßungskultur 3. Hybrides Arbeiten (tageweise nur Büro). 4. Coworkation. 5. Entmystifizierung des Homeoffice. 6. Weniger Dienstreisen, vor allem ins Ausland. 7. Wegfall des Daddelns (Prokrastinationsverluste). 8. Virtuelle Kaffeeküche (Whatss app?). 9. Drückeberger und Dampfplauderer bleiben. Vg. O. V.: Alles bleibt anders, in: Welt am Sonntag Nr. 52, 27.12.2020, S. 34f.

Digitalisierung der Arbeit und Arbeitsanforderungen: "Die Digitalisierung treibt den Wandel der Welt der Arbeit voran. Dieser Wandel könnte durch die wissenschaftlich-technische Dynamik, die von Unternehmen kontrollierte Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften oder vielmehr durch das Qualifikationsangebot der Arbeitnehmenden determiniert sein. Dabei ist fraglich, welcher kognitiven und sozialen Fertigkeiten es in der Vierten Industriellen Revolution bedarf." Siehe: Kornwachs, Klaus/ Stehr, Nico: Die Frage der Qualifizierung in einer digitalisierten Gesellschaft, in: Wirtschaftsdienst 1/2021, S. 33-39. Manche Experten sehen in Zukunft vor allem zwei Arten von Jobs: Die, die Maschinen steuern oder die, die von Maschinen gesteuert werden. Das würde dann auf eine Dichotomisierung hinauslaufen. Vgl. Volland, Holger: Die Zukunft ist Smart. Du auch? München 2021, S. 261ff.

Cloudbasierte Spracherkennung: Spracherkennungslösungen spielen am Arbeitsplatz eine immer wichtigere Rolle. Man kann damit einmal schnell und günstig dokumentieren (z. b. bei Banken). Man kann damit auch die Datenverarbeitung sicherer machen. Vgl. Jovanovski, Milko: Arbeiten 4.0: Cloudbasierte Spracherkennung, in: com!professional 2/2021, S. 44f.

Work Panorama der Zukunft: Es wurde von dem Trend - Scout Raphael Gilgen entwickelt (arbeitet hauptsächlich für die Möbelfirma Vitra/Schweiz). Quelle: Präsentation des Autors beim bdvb in einer Zoom-Videokonferenz am 9.3.21. : 1. Anywhere Eco-System (viele Orte der Arbeit, Co-working Spaces. 2. Virtual Connectivity (virtueller Raum mit riesigen Datenvolumen, was sich in den nächsten fünf Jahren verdreifacht). 3. Permanent Beta (neues Denken: abduktiv). 4. Talent Transfer (Jobs of Tomorrow). 5. The Culture Framework ("Geistige Beweglichkeit als Mantra der neuen Zeit").

Rollenverteilung in der Arbeitswelt: Es gibt Digital Immigrants (ältere Menschen) und Digital Natives (Junge). In der Arbeitswelt müssen beide Gruppen zusammengebracht werden.

Telemigration: Der Begriff wird in der Corona-Pandemie geprägt. Es geht um eine grundsätzliche Änderung der Globalisierung im Rahmen des technischen Fortschritts.  Arbeitnehmer in Ländern mit niedrigem Lohniveau erbringen Dienstleistungen für Unternehmen in Ländern mit höherem Lohnniveau. Arbeitsplätze in den G7-Ländern werden dadurch unter Druck geraten. Der Handel mit Dienstleistungen dürfte also zunehmen. Anders könnte es bei Produktion und Waren sein. Hier gibt es starke Tendenzen der Rückverlagerung. Vgl. zum Beispiel Richard Baldwin, Genf (Handelsökonom). Vgl. auch: Junge, Svea: Die Zukunft der Globalisierung, in: FAZ Nr. 109, 12. Mai 2021, S. 17.

 

Digitalisierung der Bildung (Weiterbildung 4.0, Blended Learning, digitale Kompetenzen, Digitalisierung der Elementar- und Primarausbildung bzw. Hochschulbildung, digitale Bildung als Hol-Schuld, digitale Medienkultur):

Digitale Bildung in den Schulen: Die großen Technologiekonzerne drängen in die Schulen, in dem sie die digitale Infrastruktur sponsern. Sie hoffen so auf künftige Fachkräfte und Kunden. Insbesondere Google tut sich hervor. Vom Marketing her ist das verständlich, aber die Grenzen verschwimmen. Lehrer werden zu Markenbotschaftern. Kanzlerin Merkel sagt im Februar 2018 zu, die Schulausstattung aus Mitteln des "Digitalpaktes" zu fördern. 3,5 Mrd. € sollen dafür zur Verfügung stehen. Ab 2019 zahlt der Staat für die digitale Bildung in Schulen.  Es generell mehr Bundesmittel in den Bereich Bildung fließen. Die dafür nötige Mehrheit ist zwar im Bundestag da, nicht aber bei den Ländern. Einige (vor allen B.-W-) sind gegen die erforderliche Grundgesetzänderung. Der Widerstand gegen den Digitalpakt wächst. Er muss modifiziert werden. Es kommt vorerst keine Änderung der Verfassung zustande. Im Februar 2019 kommt es zu einer Annäherung im Streit um den Digitalpakt. Ko - Finanzierungspflichten für die Länder sollen entfallen. Der Vermittlungsausschuss von Bundesrat und Bundestag vereinbart eine Grundgesetzänderung. Als Pionierin der digitalen Bildung gilt die Britin Kathryn Parsons. Sie will, dass alle Menschen programmieren lernen. Sie bietet Kurse in ihrer Firma an. Sie ist Mitbegründerin von Decoded, die 2011 gegründet wurde.Heute bietet die Firma weltweit in 85 Städten (2019) Kurse in Digitalisierung an. Man arbeitet auch mit der Geschichte von Ada Lovelace, die 1843 als Mathematikerin die erste Programmiererin der Welt war. Parsons hat in GB durchgesetzt, dass die Schüler schon in Grundschule "Codieren/Programmieren" lernen. In der Corona-Krise 2020 ist digitaler Unterricht gefragt denn je. Aber es zeigt sich auch, dass die Mittel unzureichend sind. Die Lehrer arbeiten meist mit privatem PC und die Schulen haben eine schlechte Infrastruktur. Im Juli 2020 werden 500 Mio. € für ein Sofortprogramm für Schüler-Laptops zur Verfügung gestellt. Das Programm wird erweitert: Es soll Computer vom Staat für alle Lehrer geben. Die Telekom will einen Schülertarif anbieten. Am 21.9.20 treffen sich die Kultusminister mit der Bundeskanzlerin und der Bundesbildungsministerin. Die Digitalisierung der Schulen muss schneller kommen (Dienst-Laptops, Schulungen, Infrastruktur, Schülertarife). Auch die Lüftung der Klassenräume soll verbessert werden.

Weiterbildung 4.0: Lernen für die digitale Zukunft. Es geht um die Automatisierung und die digitale Fabrik. Die Integration des Menschen steht im Mittelpunkt. Der Mittelständler Festo hat schon vor 50 Jahren eine eigene Bildungssparte gegründet. Sie beschäftigt 2016 über 900 Menschen. Auch die Formen der Weiterbildung passen sich dem an. Neue App - Angebote kommen hinzu. Aber auch Online-Selbststudium, Training am Computer, virtuelles Klassenzimmer gewinnen an Boden neben Einzelcoaching, Workshop, Action Learning in Präsens und Lernen im Team. Weiterbildung für die digitale Zukunft muss ein soziales Problem bewältigen helfen: Viele Jobs wird es nicht mehr geben, neue werden entstehen. Darauf muss die Weiterbildung ausgerichtet werden.

Digitale Lernmethoden: 1. Adaptive Learning: Web-Based Training mit Assistenzfunktionen. Stoff und Schwierigkeit kann dem individuellen Wissensstand angepasst werden. 2. Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR). 3. Blended Learning. Mischung aus Präsensseminaren und anderen digitalen Methoden. 4. Digitale Lernassistenten: Begleitung durch Lernprozesse im Internet. 5. Gamification. Lerninhalte in Spielen verpackt. 6. Mobile Apps: Lernsoftware für Smartphones. 7. Soziale Netzwerke. 8. Video-Schulungen. 9. Virtuelle Klassenräume/ Webinare. 10. Web-Based Trainings inklusive Video.

Chief Learning Officer (CLO): Weil sich die Arbeitswelt gerade rasant verändert, ist eine kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg entscheidend. Dabei hat der CLO eine immer größere Rolle. Sie und die Bezeichnung beinhaltet, dass er mehr Transformer ist. Er muss Veränderungen in den Lernzielen, Lernmethoden und Weiterbildungsabteilungen umsetzen. Konkret geht es um folgende Fähigkeiten für die digitale Welt: 1. Digitale Kommunikation. 2. Agile Praktiken. 3. Digitale Geschäftsmodelle. 4. Compliance und Risiken. 5. In Abläufen denken. 6. Digitale Technologie. 7. Datenbasiertes Denken. Vgl. Lundberg, A./ Westermann, G.: Vom Trainer zum Transformer, in: HBM Mai 2020, S. 48ff.

Die Zukunft des Lernens in der Digitalisierung:  Das stetig wachsende Angebot an Onlinekursen, sozialen Plattformen und Lernwerkzeugen trägt dazu bei, die entstandene Lücke in der Weiterbildung von Führungskräften zu schließen. Anbieter sind sowohl traditionelle Unternehmen aus der Branche als auch Neueinsteiger. Man spricht von einer persönlichen Lernwolke: Diese hat vier Eigenschaften. 1. Das Lernen ist personalisiert. 2. Lernen läuft gemeinschaftlich. 3. Lernen ist in einen Kontext eingebunden. 4. Lernergebnisse können transparent verfolgt und überprüft werden. Die persönliche Lernwolke ist im Vergleich zu traditionellen Angeboten wesentlich günstiger. Vgl. Moldoveanu, M./ Narayandas, D. in HBM Juni 2019, S. 30ff.

Lernen mit Youtube - Videos: Dieses Lernen nimmt in allen Bildungsinstitutionen zu. Immer mehr Schüler nutzen Internet-Videos zum Lernen. Das wird auch zunehmend in die Lernkonzepte von Schulen eingebaut. Auch an den Hochschulen spielen diese Videos eine immer größere Rolle.

Blended Learning: Online- wird mit Präsensunterricht verbunden. Vier Bausteine gehören dazu: Flipped Classroom: Der Stoff wird online vorbereitet. Gamification: Elemente aus Computerspielen erleichtern das Lernen. Präsenszeit: Im Hörsaal werden Praxisbeispiele besprochen und diskutiert. E-Assessment: Durch eine Plattform werden die Lernfortschritte überprüft. Lernen wird personalisierbar.

Skilling und Reskilling: Ohne Bildung ist alles nichts. Diese beiden Begriffe beherrschen das World Economic Forum 2019 in Davos. Die Belegschaften sollen fit gemacht werden für den digitalen Wandel - auch um Abstiegsängste und Populismus zu bekämpfen. Einem IT-Fachkräftemangel soll entgegengewirkt werden. "Wir erleben eine Vertrauenskrise und gleichzeitig eine Qualifizierungskrise", Gina Rometty, IBM-Chefin 2019 auf dem World Economic Forum. 

Digitalexperte: Wahrscheinlich wird ein neues Berufsbild entstehen, das des Digitalexperten. Die Gradwanderung zwischen Spezial- und Basiswissen wird nicht einfach sein. Studiengänge in Data Science müssen in Deutschland entstehen (Informatik, Statistik, Datenbanken, Rechtskenntnisse im Umgang mit Informationen). Fernhochschulen müssen für kreative Eigeninitiativen und -reaktionen zur Verfügung stehen. Lernplattformen müssen mithelfen. 

Digitalisierung im Bildungswesen: Das Schließen von Schulen und Hochschulen während des Lockdowns und danach im Zuge der Corona-Krise hat das Potenzial, die Digitalisierung zu beschleunigen. Lernprozesse werden digitalisiert durch Kombination von Hardware (Notebooks) mit Video- und Audio-Unterstützung. Digitale Whiteboards, Video live, freigegebene und geteilte Dokumente finden mehr Verbreitung. Plattformen, Lerntools, Chats und Emails ergänzen. Lernende und Lehrende müssen sich auf neue Formen einlassen.

Digitale Lernplattformen: 1. Lecturio: Karriere- und Softwarethemen. Online-Repetitorium für Jura und Medizin. 2. EDX: Seit 2012. Von Harvard und MIT. Kostenlos. 3. Masterplan: Deutsches Start-up. Kostenpflichtige Kurse zur Digitalisierung. 4. Udemy: Globale Weiterbildungsplattform. 210 gegründet. Auch breites Angebot auf Deutsch. 5. Usacity: Schwerpunkt IT. Kostenpflichtig. Vom Deutschen Thrun in Stanford 2012 gegründet.

Selbstmanagement: 7 Fähigkeiten, die keine Maschine beherrscht: 1. Kommunikation. 2. Inhalte (Themen, Fachwissen). 3. Kontext (Zusammenhänge erkennen, Urteilskraft). 4. Emotionale Intelligenz. 5. Lehre. 6. Beziehungen (Netzwerke). 7. Ethischer Kompass (moralisches Urteil). Vgl. Gutstein, Adam J./ Sviokla, John: 7 Fähigkeiten, die keine Maschine beherrscht, in: HBM Januar 2019, S. 76ff.

Onlineplattform Mentoring Club. Vermittlung von digitalen Coachings, kostenlos.

Digitale Kompetenzen: Die Trends in der Weiterbildung 2021 sind weniger Präsenz (Folge von Corona), Lern-Nuggets (häppchenweise lernen), Personalisierung (individuell zugeschnitten). Einige Anbieter unterscheiden zwischen Mindset (Grundinventar der Einstellungen und Eigenschaften ) und Skills. Es gibt online zahlreiche Anbieter von Weiterbildung: Bitkom Akademie, Fraunhofer Academy, Haufe Akademie, SAP Education und viele andere. Vgl. Mauerer, Jürgen:  Digitale Kompetenzen für die Mitarbeiter, in: com!professional 2/2021, S. 14ff.

Corona, Digitale Defizite und Reaktionen in der Bildung: Corona hat die Digitalisierungsdefizite in Deutschland offen gelegt. Digitalisierung braucht Wissen. Man braucht einerseits Fachkräfte, die Anwendungen entwickeln und implementieren können. Andererseits braucht man digital kompetente Menschen, die in der Lage sind, diese Anwendungen zu nutzen. Möglichste schnell sollte man folgende Punkte umsetzen: 1. Digitale Infrastruktur. 2. Wissen und Fachkräfte. 3. Vermittlung digitaler Kompetenzen. 4. Effiziente Koordination. Detailarbeit. Vgl. Bertschek, Irene: Die Schnelligkeit lässt zu wünschen übrig..., in: WiWo 7, 12.2.21.

Unternehmertum und Bildung: Verena Pausder hat 2020 ein Buch veröffentlicht mit dem Titel "Das Neue Land". Das Buch bekommt Preise. Das buch enthält acht Themen. Zwei sind Unternehmertum und Bildung. Pausder ist auch Unternehmerin (zusätzlich auch Mutter von vier Kindern). Sie hat bzw. hatte zwei Start-ups im Bildungsbereich: 1. App - Entwicklung für Kinder. 2. Digitalwerkstätten. Die digitale Bildung erhält durch Corona Auftrieb. Bildungsgerechtigkeit ist ein zentrales Problem in Deutschland. Digtale Bildung stützt die Demokratie, Das sind drei Thesen. Bei der Förderung von Unternehmertum sollte zwischen digitalem Konsum un d digitaler Kompetenz differenziert werden. Sie fordert auch mehr Kooperationen im Bildungsbereich. "Nicht zu viel meckern, bitte machen", ihr Motto.

Fähigkeiten der Zukunft in einer digitalen Welt: 1. Geistige Beweglichkeit. 2. Neugier. 3. Mut. 4. Signale verstehen. 5. Abduktives Denken. Trend- Scout Raphael Gielgen.

Pearson for Works: Verschiedene Projekte für die digitale Bildung der Zukunft. Der Verlag selbst entwickelt sich immer mehr zum Bildungsunternehmen. Er kooperiert mit McKinsey und EY. Er versucht, future proof skills zu entwickeln: core competencies, addidtional skills, hybrid skills. Letztere sind für die professional transformation. Der Verlag bietet auch spezielle Kurse mit Zeugnissen an: Digital Smartness License, Carbon Manufactoring, Robotics License.  Quelle: Zoom Video-Konferenz 10.3.2021 mit Pearson.

Sekundärtugenden: Sie geraten in der Corona-Krise, aber auch im Zusammenhang mit digitalem Lernen (Lernen von zu Hause), wieder in den Vordergrund der Betrachtung: Dazu gehören Disziplin, Selbstkontrolle, Gewissenhaftigkeit, Durchhaltevermögen, Neugier, Mut. Diese Fähigkeiten bilden sich relativ früh in der Kindheit aus. Wichtig sind die Familie, der Sport, andere Hobbys oder außerschulische Aktivitäten. Diese Tugenden sind wichtig für den lebenslangen Erfolg (vielleicht sogar wichtiger als Noten). Vgl. Spiewak, Martin: Haltet durch! , in: die Zeit Nr. 11, 11.3.21, S. 27ff. Die Digitalisierung bietet in der Bildung und Weiterbildung fast unendliche Chancen. Aber die Eigenverantwortung muss maximal vorhanden sein und optimiert werden. Vor allem müssen die Fähigkeiten geschult werden, in denen der Mensch besser als die Maschine ist.

Coaching: Vier einfache Tipps: 1. Bewerten Sie die Situation. 2. Hören Sie zu. 3. Stellen Sie offene Fragen. 4. Üben Sie nicht direktes Coaching. Es gibt vier Coaching-Stile: 1. Direktiv: Mehr Informationsinput, weniger Energiegewinn. 2. Laisser-faire: Weniger Informationsinput, weniger Energiegewinn. 3. Nicht direktiv: Weniger Informationsinput, nicht direktiv. 4. Situativ: Mehr Informationsinput, mehr Energiegewinn. Vgl. Ibarra, Herminia/ Scoular, Anne: Führen wie ein Coach, in: HBM Juli 2020, S. 22ff. Zentrale Plattform der Branche ist Greator. Experten sprechen oft von Quacksalber (Falsche Prediger). Aber die Branche boomt. Die Nachfrage wächst und mit ihr das Angebot. Es drängen auch kapitalstarke Digitalkonzerne auf den Markt. Zu Coaching gehören Führung, Strategie und Beratung. In der Corona-Krise arbeiten Executive Coaches auch per Video-Konferenz. Wichtig ist die Abgrenzung zum Psychotherapeuten.  Vgl. auch Fischer, Konrad: Du kannst es besser, in: WiWo 12, 19.3.2021, S. 14ff. Der Markt liegt 2020 weltweit bei 12 Mrd. Dollar.2020 gibt es 10.000 Business Coaches in Deutschland. Der Begriff ist nicht geschützt. Die Branche ist nicht zentral organisiert. Viele Führungskräfte, die ihren Job verlieren, bilden sich zu Coaches fort. Mit Coachhub gibt es mittlerweile auch eine Plattform.

Gamefication und Lernen für Berufe: Spiele werden zunehmend in bestimmten Berufen als Lernmittel eingesetzt. Besonders große Erfolge erzielt man bei der Feuerwehr, der Polizei, beim Militär und in der Medizin (Chirurgen).

Videodienste: In der Corona-Krise wird der Videodienst Zoom zum neuen Standard (300 Mio. Besprechungsteilnehmer). Ende April 2020 führt aber noch Cisco Webex (324 Mio. Besprechungsteilnehmer). Google Meet (100 Mio.) und Midcrosoft Teams (Skipe, 200 Mio.) hinken hinterher. Um virtuell zu begeistern, gibt es folgende Empfehlungen: 1. Technische Funktionen nutzen. 2. Eröffnen mit einer ansprechenden Geschichte. 3. Im Voraus um Teilnahme bitten. 4. Seien Sie klar, leise und prägnant. 5. Suchen Sie sich einen Anker für nonverbale Signale. 6. Holen Sie Feedback ein. Vgl. Storms, Gia: Wie Sie virtuell begeistern, in: HBM Mai 2021, S. 84f.

(Bildungs-) Bausteine für die Beschleunigung des digitalen Wandels: 1. Sonderabschreibungen für Digitales. 2. Betriebe als digitale Schulpaten. 3. Zusätzliche Jobs staatlich belohnen. 4. Neue Konzepte für die Lehre.  Vgl. Weber, Enzo: Es gibt keinen Weg zurück in die Zeit vor Corona, in: WiWo 23/ 4.6.21, S. 39.

Virtuelle Lernplattform "Wi.Fo!-Lab": Sie umfasst zwölf brandaktuelle multimediale Module zu den Themen digitale Ökonomie, Wirtschaftsethik und Eigenverantwortung. Vgl. auch: www.pwc-stiftung.de . und Wirtschaftsforscher-Programm www.wirtschafts-forscher.de .

 

Seerosenbild von Claude Monet im Museum Barberini in Potsdam. Die Seerosenphase dauerte bei Monet ca. 30 Jahre. Das Museum hat die größte Monet-Sammlung in Europa. Sie gehört, wie alle Bilder der Impressionisten im Museum, zur Hasso Plattner-Stiftung, die sie dem Museum zur Verfügung gestellt hat. Plattner war einer der Begründer der Weltfirma SAP. Plattner lebt heute in Potsdam und hat auch viele Lehrstühle für Digitalisierung gestiftet. Die Frage ist, wie lange sich die Firma, die einige der weinigen deutschen Firmen in diesem Bereich ist, noch in der Weltspitze behaupten kann. Das wird im Wesentlichen von der Behauptung im Wettbewerb und einer erfolgreichen Wettbewerbspolitik abhängen.

"Gerade die, die dasselbe Ziel verfolgen, bekämpfen sich immer am heftigsten", Theodor Fontane; Der Stechlin.

Digitalisierung und Wettbewerbspolitik (wettbewerbsrechtliche Regulierungsaspekte, digitale Märkte; "Marktbegleiter"):

Monopoleigenschaften, die den Markteintritt neuer Unternehmen verhindern: Apple, Google und Facebook verfügen über riesige Datenmengen. Feedback-Effekte verbessern ständig die Systeme. Damit können sie ihre Service-Qualität auf einem hohen Niveau halten und verhindern Konkurrenten. Ein neues Kartellrecht müsste weltweit gelten. Es müsste eine "progressive Daten - Sharing - Pflicht" enthalten. Die Bundesregierung will 218 des Kartellrecht für Internetkonzerne verschärfen: Firmenkäufe verbieten, Aufkaufen von Start-ups schwieriger, Datenzugang für andere verbessern, Prüfung bereits auf dem Weg zur Marktbeherrschung.

Die Facebook-Kurve: Hier wird nach dem Konzern ein Phänomen der Internetwirtschaft benannt. Ist ein Digitalkonzern erst mal in Führung, wächst sein Geschäft immer schneller. Je mehr Nutzer in einem sozialen Netzwerk unterwegs sind, desto interessanter wird es für andere Nutzer. So explodiert der Wert von Internetnetzwerken (als erstens vom MIT-Forscher Robert Metcalfe entdeckt; von Brian Athur weiterentwickelt). Wachstum schafft immer mehr Wachstum.

Ökonomische Theorie sozialer Medien: Likes, Retweeds und Followerzahlen von Facebook, Twitter und Instagram prägen die Kommunikation moderner Gesellschaften. Diese Größen stehen auch für Wert, der produziert wurde. Passmann vertritt die These, dass die Social-Media-Plattformen Kopf und Zahl einer Person symbolisieren. Anerkannt würde nicht bloß der Wert einer Währung, sondern anerkannt wird mein Post oder mein Account von der spezifischen Person, die mich und meine Postings likt. Die Anerkennung ist der Kopf, die Zahl der Verkehrswert. Wenn man aber nur schreibt, um Likes abzusahnen, ist man fremd gesteuert. Ab einem bestimmten Punkt ist es deshalb sinnvoll, seine Position durchzuhalten. Man muss natürlich auch fragen, was sind das für Medien und was ist ihre Funktion.  Vgl. Passmann, Johannes: Die soziale Logik des Likes, Frankfurt/ New York 2018.

Wettbewerbspolitik in der digitalen Wirtschaft:  Bei sozialen Netzwerken, Suchmaschinen und dem Online-Handel beherrschen große Unternehmen den Markt (fast Monopolisten, Quasimonopolisten). Die entscheidende Frage ist aber, ob dies zu Wettbewerbsbeschränkungen führt. Das zu beurteilen hängt davon ab, wie digitale Märkte abgegrenzt werden können und was faire Marktbedingungen bedeuten. Geklärt werden muss auch, ob das geltende Wettbewerbsrecht ausreicht. Sonst bedürfte es sektorspezifischer Regulierungen. Der Missbrauch von Datenmonopolen muss verhindert werden. Marktbeherrschende Plattformen müssen angemessen reguliert werden. Kunden brauchen echte Wahlfreiheit. Aber auch die Infrastruktur durch Gigabyte - Netze muss wettbewerbspolitisch ermöglicht werden. Die Auswirkungen sind auch umfassender: Innenstädte veröden. Einzelhändler werden an die Wand gedrückt.  In der digitalen Wirtschaft werden marktbeherrschende Unternehmen begünstigt.  Verantwortlich dafür sind Skaleneffekte (Vorteile gegenüber kleinen Anbietern) auf der Angebotsseite, Netzwerkeffekte (mehrseitige Märkte, verschiedene Gruppen treffen sich) und Lock - in - Effekte (Wechselkosten für den Kunden).  Das Datenschutzrecht müsste dringend an die digitale Wirtschaft angepasst werden. Es muss Transparenz darüber hergestellt werden, wie die Plattformen die erhobenen Daten verwenden und auch welche überhaupt gesammelt werden. Vgl. auch: Big Data aus wettbewerblicher Sicht, in: Wirtschaftsdienst 2016/9, S. 648ff. Der Mittelstand in Deutschland wird sicher in Zukunft von Wettbewerbern angegriffen werden, an die wir gar nicht denken. Wettbewerbsprobleme können auch durch die Blockchain begünstigt werden. Wenn alle Vergabedokumente im Internet kostenfrei zugänglich sind für jedermann und jeder Zeit, könnte totale Transparenz kontraproduktiv sein und die Kartellbildung begünstigen. Das neue, geplante EU - Vergaberegister könnte hier ein erster Test sein. Grundsätzlich gibt es folgende kartellrechtliche Herausforderungen: Abgrenzungskriterien der Fusionskontrolle. Dauer der Missbrauchsverfahren. Vorschläge der Moko in SG 68. Marktabgrenzung. Offen ist noch das Problem inwieweit Algorithmen Kartelle bilden können. Was ist, wenn zwei Anbieter sich aufeinander beziehen (durch Algorithmen), ohne sich dabei abgesprochen zu haben. Die Missbrauchsaufsicht des Kartellamtes wird in der Digitalisierung immer wichtiger: Es muss etwa darauf achten, dass Preisvergleichsportale ihre Informationen nicht manipulieren. Insgesamt muss die Plattformökonomie in einzelnen Bereichen reguliert werden. Insbesondere müssen Handelsplattformen und App Stores in den Provisionen gedeckelt werden. Im Jahre 2016 taucht der Verdacht auf, dass sich die USA und die EU in einem Wirtschaftskrieg befinden ("transatlantische Feindschaft"). Die USA gehen hart gegen VW und die die Deutsche Bank vor. Die EU bekämpft Google und Apple. Das Bundeswirtschaftsministerium plant eine Digitalbehörde, die die Dominanz der Internetgiganten brechen soll und mehr Verbraucherrechte durchsetzen kann. Schon jetzt ist Europa bei den größten Unternehmen mit Plattform-Geschäftsmodellen abgehängt. Es gibt in Europa 27 große, in Asien 82 und in Nordamerika 64. Bei der Marktkapitalisierung dieser Unternehmen fällt Europa noch mehr zurück. Das Bundeswirtschaftsministerium plant 2018 neue Kartellregeln, um die Internetkonzerne zu zähmen. Die Prüfung soll schon einsetzen, wenn unfaire Mittel auf dem Weg zur Marktbeherrschung eingesetzt werden. Das Bundeskartellamt will 2019 Nutzern des sozialen Netzwerks Facebook mehr Kontrolle über Informationen geben, die gespeichert werden (nicht automatische Zusammenführung von Facebook, Whats app und Instagram). "Eine Zerschlagung großer Techkonzerne ist nur die Ultima Ratio. Ein solcher Schuss kann nach hinten losgehen. Besser als radikale Maßnahmen ist in der digitalen Wirtschaft eine funktionierende Missbrauchsaufsicht", Achim Wambach, Chef der Monopolkommission, des ZEW und des Vereins für Socialpolitik 2018.

EU-Wettbewerbskommissar: Die EU kann auch Kartellstrafen verhängen. Die höchste Strafe wurde 2012 gegen Produzenten von TV- und PC-Monitoren verhängt (1,47 Mrd. €). Betroffen waren auch folgende Brachen: Autoglas, Euro-Zinsderivate, Aufzüge, Luftfracht, Vitamine, Kerzenwachs, Yen-Zinsderivate und Flüssiggaskristalle. 2014 gibt es eine Strafe von über 900 Mio.€ gegen ein Autozulieferer-Kartell (KFZ - Wälzlager). Allein Schaeffler in Deutschland muss über 370 Mio. € zahlen. 2014 will Siemens einen Teil von Alstom übernehmen (Energie, Gasturbinen). Miitsubishi aus Japan soll die Dampfturbinen haben. Alstom kann mit Wind und Solar eigenständig bleiben. Über das Zuggeschäft soll später entschieden werden. GE dürfte sein Übernahmeangebot des gesamten Konzerns erhöhen. Die französische Industriepolitik entscheidet sich für GE: Der Staat übernimmt selbst auch 20% von Alstom. In der neuen EU-Kommission nach den EU-Wahlen 2014 ist die Dänin Margarethe Vestager für Wettbewerb zuständig (eine der mächtigsten Personen in Brüssel). Sie ist Ökonomin. Sie legt sich mit Weltkonzernen an (Google, Gazprom, Amazon). Der starke Anstieg von Firmenkäufen durch Investoren aus Fernost führt zu der Forderung, eine EU-Kontrolle für Käufer aus China einzuführen. Politiker fordern eine Aufsichtsbehörde (ausländische Investoren auf Motive prüfen). Durch die Verfahren gegen Google wird Vestager zum Star. Im Juli 2018 muss Goggle in der EU eine Strafe von 4,34 Mrd. Euro zahlen. Die EU-Kommission (EU-Wettbewerbskommissarin Vestager) rügt damit die beherrschende Marktstellung des Betriebssystems Android (Pflicht für Google Play und Google-Suchmaschine). Google will Widerspruch einlegen. Die EU durchkreuzt Googles Geschäftsmodell. 2014 verhängt die EU-Kommission eine Millionenstrafe gegen ein Pilzkonservenkartell. Ende 2014 geraten die Lastwagenhersteller unter Kartellverdacht (Daimler, MAN, Volvo, Scania, Iveco). Nach der Financial Times soll die Zusammenarbeit schon seit 14 Jahren bestehen. Die EU-Wettbewerbskommissarin muss auch noch über Beschwerden mehrer US-Konzerne zum Nürburgringverkauf entscheiden. Nach der Strafe gesehen das größte Kartellverfahren der EU war 2012 gegen Philips, LG u. a. für Absprachen bei Fernseher, Computerbildschirme (1,47 Mrd. €). 2015 wird das bisher größte europäische Verfahren gegen Google eingeleitet. Es geht um den Vorwurf, dass die Suchmaschine Google - Unternehmen massiv bevorzugt (besonders bei Preisvergleichen). In Europa laufen über 80% aller Suchvorgänge über Google (in Deutschland sogar über 90%). Das Verfahren bezieht sich auch auf das Betriebssystem Android (insgesamt 6 Mrd. €). 2016 wird das Verfahren erweitert: Es geht um unfairen Wettbewerb bei Werbung. Eberspächer und Websto müssen eine EU-Kartellstrafe zahlen, weil sie die Preise bei Auto-Standheizungen abgesprochen haben. Der deutsche Rüstungskonzern KMW und der französische Rüstungskonzern Nexter wollen fusionieren. Hier muss der EU-Kommissar entscheiden (die Trümpfe aus der Fusion liegen auf französischer Seite). Im Juli 2016 wird eine Strafe gegen ein LKW-Kartell verhängt (Verkaufs-Preisabsprachen, Zeitplan für Einführung neuer Technologien, 14 Jahre). Es handelt sich um drei Mrd. Euro gegen vier LKW-Produzenten (Daimler, Volvo/Renault, Iveco, DAF). Die Münchener VW-Tochter MAN muss nicht zahlen, weil es das Kartell als Hinweisgeber aufgedeckt hat. 2016 verdächtigt die EU-Kommissarin Margarethe Vestager das russische Gasunternehmen Gazprom, in fünf osteuropäischen Ländern unfaire Preise zu diktieren. 2016 stellt die Wettbewerbskommisarin fest, dass Apple in Irland Steuererleichterungen in Höhe von 13 Mrd. € gewährt wurden, die wettbewerbswidrig waren ("unzulässige rechtliche Konstruktionen"). Das Land, die USA und der Konzern wehren sich. Apple muss die Steuern nachzahlen auf ein Sperrkonto, Klagen haben keine aufschiebende Wirkung. 2016 untersucht die EU-Wettbewerbsbehörde die Übernahme der kroatischen Tochter von Cemex durch Heidelberg Cement. Der französische Autobauer PSA (Peugeot/ Citroen) will 2017 Opel von GM übernehmen oder zumindest eine Kooperation mit GM eingehen. Im März 2017 wird der Kaufvertrag (Memorandum of Understanding) abgeschlossen (1,3 Mrd. €; 900 Mio. € für Bank; Patente können gegen Lizenzerwerb genutzt werden; 88 Jahre bei GM). Die EU-Kommission genehmigt für die EU den Zusammenschluss der US-Chemie-Riesen Dow und Dupon unter Auflagen. Im April 2017 genehmigt die EU-Kommission die Fusion von Fox und Sky. Die Fusion der niederländischen Fahrradbauer Accell und Pon zum größten Fahrradhersteller der Welt platzt. Facebook muss 110 Mio. € Strafe zahlen, wegen falscher Angaben zu Whats App (Adressenweitergabe). 2017 droht Google in einem Verfahren der EU-Wettbewerbsbehörde zur Shopping-Suche eine Milliardenstrafe (10% vom Umsatz). Eigene Dienste sollen bevorzugt worden sein. Das Verfahren ist nur eines von dreien. Die EU verhängt ein Rekord-Bußgeld (2,42 Mrd. €). Im August 2017 beschwert sich der irische Fluganbieter Ryan Air bei der EU und beim Bundeskartellamt über die Hilfe der Bundesregierung für die insolvente Air Berlin (Überbrückungskredit über die KfW; unerlaubte Wettbewerbsunterstützung für die Lufthansa). Die Wettbewerbs-Beschwerde dürfte wenig Aussicht auf Erfolg haben, weil die Bundesregierung damit argumentiert, dass sie das Interesse der Bürger schützt, die Flüge gebucht haben.  Es gibt aber Bedenken des Bundeskartellamtes und der Monopolkommission gegen die ungeprüfte Übernahme großer Teile von Air Berlin durch die Lufthansa. Es entsteht der Anschein einer professionell geplanten Subvention.2017 geben Siemens und Alstom aus Frankreich bekannt, dass sie bei der Bahntechnik fusionieren wollen. So würde 2018 der zweitgrößte Bahntechnikkonzern der Welt entstehen (Sitz Paris; Weltmarktführer ist CRRC in China). Man will auf dem Weltmarkt bestehen können. Die Fusion stockt. Die Politik soll helfen. Die Firmen wollen 2019 Konzessionen machen gegenüber den EU-Kartellwächtern. Doch die EU-Wettbewerbskommissarin lehnt den Zusammenschluss am 06.02.19 ab (Monopol in der EU, Preissteigerungen). Im Oktober 2017 beantragt Daimler den Kronzeugen-Status bei den EU Behörden. Es geht um Absprachen von Daimler, BMW, VW (auch Töchter Audi und Porsche) über ihre Autos, Kosten und Zulieferer. Kern ist, dass man umweltfreundlichere Technologien nicht in vollem Umfang genutzt hat (Abgastechnik). Die Firmen müssen mit Bußgeldern der EU in Milliardenhöhe rechen. Im Januar 2018 verhängt die EU-Kommission (Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager) eine Kartellbuße gegen den US-Chiphersteller Qualcomm (Zahlung an Apple, um Konkurrenten zu beihindern). Der EU-Wettbewerbskommissar stimmt der Übernahme von Monsanto durch Bayer zu, bei strengen Auflagen. Mastercard muss 2019 571 Millionen Euro Kartell-Strafe zahlen wegen zu hoher Gebühren. 2019 hegt die EU den Verdacht auf ein Anleihenkartell. Acht Banken könnten beteiligt sein. Die verbotenen Aktionen wurden mutmaßlich zwischen 2007 und 2012 durchgeführt. Die EU straft Google im März 2019 mit 1,49 Mrd. Euro ab (marktbeherrschende Stellung bei Online-Werbung ausgenutzt). Fiat - Chrysler und Renault verhandeln 2019 über eine Fusion. Damit würde einer der größten Autohersteller der Welt entstehen.

EU-Gericht für Wettbewerb, Luxemburg: Es entscheidet in der EU über Wettbewerbsstreitigkeiten. 2018 verklagt die Lufthansa Ryanair und die EU (hatte 2014 die Beihilfen für legal erklärt), weil sie Subventionen am Flughafen Hahn bekommen habe. Die günstigen Konditionen für die irische Fluggesellschaft sollten als illegale Beihilfe gewertet werden. Die Richter folgten 2019 dieser Argumentation nicht. Für jede Fluggesellschaft am Hahn hätten die gleichen Konditionen gegolten. In den Genuss der Subventionen kam auch Fraport, die Mehrheitseigentümerin am Hahn war. Ab 2024 muss der Hahn ohne Subventionen auskommen.

Kartellamt Frankreich: Frankreich gilt in Europa als Vorreiter bei der Kontrolle von  Marktmissbrauch digitaler Konzerne. 2021 akzeptiert Google das Ergebnis eines Verfahrens. Es geht um die Vormachtstellung des Suchsystems. Google - Kunden (Google ad Exchange) wurden bei der Zuteilung von Werbeplätzen bevorzugt. Google stimmt einem Vergleich zu.

US-Kongress und Repräsentantenhaus: Legislative in den USA. Es gibt spezielle Unterausschüsse für Wettbewerb. Diese entwickeln 2020 Pläne, den Wettbewerb zwischen den großen Tech - Konzernen der USA fairer zu gestalten. auffällig ist jetzt schon dass Microsoft in den Plänen keine Rolle spielt

US-Wettbewerbsbehörde FTC: Federal Trade Commission. Geht immer öfter gegen die Sharing Economy vor. Der Google - Kauf von Double klick wird untersucht. 2016 wird die Datenverarbeitung von Uber und Airbnb geprüft. Deutsche Unternehmen stehen auch immer wieder im Blickpunkt: Die Behörde schließt sich 2015 dem Vorgehen gegen VW in den USA an. Für den Vergleich, der Mitte 2016 zustande kommt, ist aber ein Gericht zuständig. Heidelberger Cement muss sich aus Wettbewerbsgründen eine Zementfabrik in Martinsburg verkaufen. 2019 will sich die FTC verstärkt um die großen Plattformen wie Google, Facebook und Amazon kümmern. Es geht um die Prüfung von Monopolmacht und deren Missbrauch. https://www.ftc.com. Dies könnte zu einer Selbstdisziplinierung der Tech - Riesen führen. Eine Zerschlagung droht vorerst nicht. In den USA wollen sich Dow Chemical und Dupont zum weltgrößten Chemieunternehmen zusammenschließen. Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden steht noch aus (auch ob sie überhaupt notwendig ist). Die US-Wettbewerbsbehörden stimmen unter Auflagen zu (Verkauf von Unternehmensteilen). Ende 2017 übernimmt der Disney-Konzern die meisten Sparten des Rivalen Fox (Simpsons). Die FTC muss zustimmen. Die Genehmigung der Monsanto-Übernahme durch Bayer steht noch aus und wird unter Auflagen gegeben. Das geschieh auch. Die vier großen Tech-Konzerne (Facebook, Amazon, Alphabet, Apple) haben mit Millionen Dollar den neuen US-Präsidenten Biden unterstützt. Trotzdem setzt er die gefürchtete Expertin Lina Khan an die Spitze der Regulierungsbehörde FTC. Die Firmen müssen nun doch ihre Zerschlagung fürchten. Die FTC bessert ihre Klage gegen Facebook nach. Der Online-Riese soll zerschlagen werden.

US-Justizministerium: Es kann Klagen einreichen gegen die Tech - Giganten im   Silicon - Valley. Im Sommer 2020 ist eine Anklage gegen Google geplant. Es geht um die dominierende Stellung bei der Online-Werbung. Es wäre das erste große wettbewerbsrechtliche Verfahren in den USA seit den Neunzigerjahren (Microsoft). Die US-Regierung will offenbar mehr kontrollieren (da erscheint der Konflikt zwischen Trump und Twitter in einem anderen Licht).

Börsenaufsicht SEC in den USA: Neuer Chef nach dem Amtsantritt von Biden wird Gary Gensler. Er leitete unter Obama die Derivateaufsicht CFTC. Gensler gilt als Bankenkritiker. Biden will Fintechs und Kryptowährungen stärker regulieren.

Generalstaatsanwälte der US-Bundesstaaten: Sie können wettbewerbsrechtliche Untersuchungen einleiten.  Im September 2019 wächst der Druck auf Google durch die Generalstaatsanwälte der 50 Bundesstaaten. Sie leiten eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung ein (auch bei Facebook).

Koreanische Kommission für fairen Handel (KFTC). Sie ist auch Koreas Kartellbehörde. Sie ermittelt 2021 gegen Google/ Alphabet in Korea. Es geht um Wettbewerbsbehinderung. Das Verfahren endet mit einer Geldstrafe von 207,4 Milliarden Won (etwa 150 Mio. €). Google hindere bei seinem Betriebssystem Android andere Hersteller von Google nicht nicht genehmigte Versionen verwenden zu können.

Lobbyausgaben der US-Tech-Riesen: Bei den Zahlungen im US-Senat und -Repräsentantenhaus führt Google (21.2 Mio. $ 2018) vor Amazon (14,2) , Facebook, Microsoft und Apple. Quelle: US-Kongress.

Bundeskartellamt ( www.bundeskartellamt.de ): Es hat die Aufgabe, den Wettbewerb in Deutschland zu schützen und das GWB umzusetzen. Es ist eine selbständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundeswirtschaftsministeriums. Sitz ist Bonn. In jedem Bundesland gibt es auch eine Landeskartellbehörde, die bei den Wirtschaftsministerien angesiedelt sind. 2013 prüft das Amt den Zusammenschluss von E-Mobile und O2. 2014 gerät das Kartellamt unter große Kritik: Die Geschäftsleute, insbesondere die Fachhändler, wehren sich gegen die Konkurrenz aus dem Internet. Doch das Bundeskartellamt unterbindet diese Maßnahmen und begünstigt die Onlinemärkte. Ein Grundproblem besteht darin, dass ein Großteil der deutschen Wirtschaft global agiert, die Behörde aber sich in erster Linie an lokalen Märkten orientiert. Aufgrund von Gesetzeslücken können Konzerne durch geschickte Umstrukturierung ihrer Tochtergesellschaften Bußgelder umgehen. Die Spritpreisstelle (Markttransparenzstelle für Kraftstoffe), die das Bundeskartellamt eingerichtet hat, scheint zu wirken. Viele Märkte sind immer noch national, so dass das Bundeskartellamt noch seine Berechtigung hat. Die meisten Kartelle werden aus Angst verraten. Bisher ignorieren die Kartellbehörden die Macht des Datenbesitzes. Damit werden die Internetgiganten zu wenig kontrolliert. Ende 2017 wagt sich das Amt an die Untersuchung von Vergleichsportalen. 2018 sollen verstärkt Internetdienste auf Verstöße überprüft werden. Die Unternehmen von Toll Collect haben den Steuerzahler betrogen (kommt 2018 raus). Toll Collect hat dem Staat jahrelang Millionen Euro zu viel in Rechnung gestellt. Die Regierung (Verkehrsministerium) stört das nicht. Die SPD und die Verbraucherverbände wollen 2019 dem Kartellamt mehr Kompetenzen im Kampf gegen die verbraucherunfreundlichen Vergleichsportale geben. Das Kartellamt soll zusätzlich mehr Befugnisse bekommen bei der Kontrolle der großen Digitalkonzerne (Google, Facebook, Amazon). Keine Bevorzugung von eigenen Produkten auf den eigenen Plattformen. 2014 widmet sich das Kartellamt der Forstverwaltung. Es spricht von einem Vertriebskartell. 2015 droht dem Kartellamt eine Niederlage gegen das Wurstkonglomerat. Böklunder (Tönnies) will sich durch einen Konzernumbau dem Bußgeld entziehen. 2015 verhängt das Kartellamt Bußgelder gegen Matratzenhersteller. Im Fall der geplanten Fusion von Tengelmann und Edeka hat das Bundeskartellamt Einwände (Fristverlängerung?). Die Unternehmen beantragen eine Ministererlaubnis. 2016 will Bundeswirtschaftsminister Gabriel die Fusion genehmigen unter harten Auflagen (Beschäftigungszusagen). Die 16.000 Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben. Der Vorsitzende der Monopolkommission Daniel Zimmer tritt daraufhin aus Protest zurück.  Das Oberlandesgericht stoppt  den Zusammenschluss (mögliche Befangenheit von Gabriel). Der Bundeswirtschaftsminister will Rechtsmittel einlegen. Der BGH muss nun urteilen. Alle Beteiligten wollen eine Lösung finden. Es gibt eine Fristverlängerung für den Verkauf der Supermarktkette Kaiser`s Tengelmann bis 17.10.16. Am gleichen Tag beginnt der Verkauf der einzelnen Filialen (Zerschlagung). Der frühere Bundeskanzler Schröder wird Mediator in einer letzten Schlichtungsrunde. Rewe und Edeka können sich in vielen Regionen einigen. Schließlich einigt am sich Ende 2016 ganz. 2015 gerät der die Ticket-Plattform "Eventim" ins Visier des Kartellamtes (Prüfverfahren). Sie soll ihre Marktmacht missbraucht haben. 2015 wird auch gegen Verpackungsfirmen ermittelt (Verdacht auf Absprache). Es wird ein Bußgeld in Höhe von 115 Mio. € fällig (acht Hersteller und zwei Händler). 2015 werden auch Preisabsprachen zwischen Autozulieferern aufgedeckt. Vier deutsche und ein österreichischer Autozulieferer sollen wegen illegaler Preisabsprachen 75 Mio. € zahlen. 2014 verhängte das Bundeskartellamt Bußgelder in Höhe von 1120 Mio. € (neuer Rekord). Im Jahre 2015 verbietet das Bundeskartellamt Bestpreisklauseln bei Hotelportalen (HRS, Booking.com). Die Klauseln müssen bis Ende 2016 verschwinden, weil sie den Wettbewerb einschränken. 2016 rückt Facebook in das Visier des Bundeskartellamtes: Bei den Vertragsbestimmungen zur Verwendung von Nutzerdaten soll die marktbeherrschende Stellung ausgenutzt werden. Im Mai 2016 spricht das Kartellamt Strafen gegen die Handelsketten (Edeka, Netto, Kaufland, Lidl, Metro, Rossmann) aus wegen Preisabsprachen  bei Bier , Süßigkeiten und Kaffee. Das Kartellamt kritisiert die Konzentration im Lebensmittelhandel. Im März 2017 wird der deutsche Milchmarkt kritisiert (übliche langjährige Verträge mit Ausschließlichkeitsklauseln). 2017 müssen einige Batteriehersteller Bußgeld bezahlen (28 Mio. €; Zuschlag für Preisschwankungen). 2017 gerät wieder mal die Stahlbranche unter Kartellverdacht. Anfang 2018 droht das Kartellamt Facebook mit Sanktionen (Missbrauch von Marktmacht). Wursthersteller "Rügenwalder" muss 2018 wegen verbotener Preisabsprachen eine Geldbuße in Höhe von 5,5 Mio. € zahlen. Anfang 2018 geraten wieder mal die deutschen Autobauer unter Kartellverdacht: Sie sollen sich bei beim Einkaufspreis von Stahl abgestimmt haben. Im September 2018 schließen sich Kaufhof (Eigentümer HBC) und Karstadt (Eigentümer Signa) zusammen. Es sind 243 Standorte und 32.000 Mitarbeiter betroffen. Nötig ist noch die Zustimmung der Kartellämter. Im November 2018 billigt das Bundeskartellamt die Fusion. Im November 2018 kritisiert das Amt den Ablesemarkt in Deutschland (nur wenige Ablesefirmen). Dominant sind Ista und Techem, die Finanzfirmen gehören und traumhafte Renditen erwirtschaften. Bis März 2019 will das Kartellamt über Facebook entscheiden (Missbrauch von Marktmacht, Sammeln von Nutzerdaten aus Drittquellen, z. B. WhatsApp). 2019 will das Kartellamt die Vergleichsportale überprüfen. Das Verfahren gegen elf Brauereien, das 2014 eröffnet wurde, läuft 2019 noch weiter. Es geht um Preisabsprachen. Mitte 2019 knickt Amazon vor dem Bundeskartellamt ein: Änderung der Geschäftsbedingungen: Umgang mit Händlern. 2019 müssen die deutschen Autobauer VW, Daimler und BMW eine Kartellstrafe zahlen wegen Absprachen  bei Stahl (100 Mio. €).  Ein Stahlkartell muss im Dezember 2019 646 Mio. Euro Bußgelder zahlen (ThyssenKrupp, Voestalpin, Salzgitter). Im Januar 2020 verhängt das amt Millionenbußen gegen Großhändler von Pflanzenschutzmitteln (155 Mio. €). Die Raiffeisengenossenschaft Karlsruhe (Raiffeisenmarkt; Absprachen bei Preisen) zahlt eine Buße und das Kartellverfahren wird eingestellt. 2020 kommt raus, dass ein LKW-Kartell die Bundeswehr geschädigt hat. Deutschland plant 2021 ein neues Gesetz, das für mehr Wettbewerb bei den Internetkonzernen sorgen soll.  "Auf unserer Agenda stehen die digitale Wirtschaft, die Wasserkosten und die Entsorgungsbranche", Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, im März 2017.

Neue Aktionen des Bundeskartellamtes gegen die Digitalkonzerne: Durch Corona erwartet man eine Fusionswelle. Der Online-Handel ist der große Verlierer. Die großen Plattformen und Tech - Giganten sind mächtiger geworden. Die Novelle zum GWB soll den Zugriff auf Digitalkonzerne ab 2021  erleichtern. Verfahren gegen Amazon und Facebook werden eingeleitet. Das Gesetz enthält klare Regeln und verkürzt Rechtswege. Besonnders bekämpft werden sollen die Preisabsprachen im Online-Handel durch Algorithmen. Vgl. Interview von Bert Losse mit Andres Mundt, Präsident, in WiWo 4, 22.1.21, S. 36f.

Zugriff auf die Digitalökonomie (Bundeskartellamt, Digitalregister für öffentliche Aufträge): Mit der am 19. Januar 2021 in Kraft getretenen Novelle des GWB erhält das Bundeskartellamt besseren Zugriff auf dei Digitalwirtschaft. Unter anderem ist der Rechtsweg verkürzt, Beschwerden gegen Entscheidungen des Bundeskartellamtes landen direkt vor dem Bundesgerichtshof. Das Bundeskartellamt hat direkt die Regulierungsfunktion für die Digitalwirtschaft. Vgl. Losse, Bert: Bonn gegen Böse, in: WiWo 9, 26.2.2021, S. 40f.

Monopolkommission: Sie ist im GWB institutionalisiert als unabhängiges Beratergremium. Sie beobachtet regelmäßig die Wettbewerbssituation und fertigt darüber Gutachten (Hauptgutachten) an. Zu speziellen Problemen des Wettbewerbs kann es Sondergutachten geben (TKG, PostG, AEG, EnWh). Die Geschäftsstelle ist in Bonn. Dort sind 15 Leute beschäftigt. 12 davon sind Wissenschaftler. Mitglieder der Kommission sind fünf Personen: 3 Personen müssen aus der Wirtschaft sein. Seit 2012 ist Daniel Zimmer (Uni Bonn) der Vorsitzende. Seit 2016 ist Achim Wambach an Spitze. Schwerwiegende Verstöße gegen das Kartellrecht sollen zukünftig mit Bußgeldern und Freiheitsstrafe geahndet werden können. Vgl. Daniel Zimmer: Weniger Politik! Plädoyer für eine freiheitsorientierte Konzeption von Staat und Recht, 2013. Im Jahre 2015 kommt ein Sondergutachten zu den Herausforderungen digitaler Märkte. Im Jahre 2016 trägt das Hauptgutachten den Titel "Sharing Economy und FinTechs" (Neunte Novelle des GWB).    "Ich wäre vorsichtig mit strukturellen Eingriffen. Google hat sich seine Marktstellung nicht "gestohlen" - sondern bekommen, weil die Google-Suche für viele Bürger Mehrwert bedeutet", Daniel Zimmer, in: Handelsblatt, Nr. 220, 14. November 2014, S. 85. Mitte 2015 fordert die Monopolkommission die Zerschlagung der Bahn. Im August 2015 spricht sich auch die Monopolkommission gegen die Übernahme von Tengelmann durch Edeka aus (Gutachten gegen Ministererlaubnis). Nach der Ministererlaubnis 2016 tritt der Vorsitzende Zimmer zurück. Nachfolger wird Achim Wambach (auch Präsident des ZEW). Die Monopolkommission kommt in ihrem Gutachten 2018 zu folgenden Ergebnissen: Die Umsatzkonzentration in Deutschland hat sich zuletzt relativ konstant entwickelt, die Preisaufschläge von Unternehmen nach der Wirtschafts- und Finanzkrise sind deutlich angestiegen. Indirekte Unternehmensverflechtungen über institutionelle Investoren stellen ein potentielles Wettbewerbsproblem dar.Monopolkommission: XXII. Hauptgutachten, Wettbewerb 2018, Baden-Baden 2018.

International Competition Network (ICN): Globaler Zusammenschluss nationaler Wettbewerbsbehörden. Chef 2021 Andreas Mundt.

Zusammenarbeit von Google mit dem US-Militär: Diese Art der Kooperation, die auch für andere Unternehmen weltweit gilt, beinhaltet auch immer eine versteckte Subventionierung. Außerdem wird die Vergabefreiheit erheblich eingeschränkt (nationale Sicherheit). Hier liegt die große Bedeutung für die Wettbewerbspolitik. Es gibt eine gemeinsame Strategie für Künstliche Intelligenz. Algorithmen sollen effizienter trainiert werden.

5G-Auktion und Rolle von Huawei: Huawei soll in Deutschland beim Ausbau der neuen 5G-Technik helfen. Das ist sehr umstritten, weil die USA Sicherheitsbedenken haben (Verbindung der Firma zum Staat). Europäische Firmen, die das auch stemmen könnten, wie Nokia oder Ericsson wären viel teurer. Dabei ist aber zu bedenken, dass Huawei durchaus mit Dumpingpreisen arbeitet, weil es chinesische Industriesubventionen bekommt.  Also wäre es eigentlich sinnvoll, dass die Netzbetreiber einen möglichen Ausfall von Huawei einrechnen und so höhere Kosten einkalkulieren. Sie müssten dann realistischerweise ihre Gebote reduzieren. Vgl. Südekum, Jens: Deutschland versteigert sein Wirtschaftsmodell, in: WiWo 24, 7.6.2019, S. 44f.

Wettbewerbsverfahren der EU: 2019 droht Huawei ein Wettbewerbsverfahren der EU: es sind kaum europäische Bewerber (Ericsson, Nokia) bei den 5G-Ausschreibungen in China zum Zuge gekommen (in 37 von 40 Städten bekam Huawei die Aufträge).

Widerstand gegen Facebook, Amazon, Apple und Google: Sowohl in den USA, der EU und im Asien wächst der Widerstand gegen die große vier. Es gibt zahlreiche Szenarien, wie ein Zerschlagung aussehen könnte. Am stärksten steht Facebook im Blickfeld, vor allem, seit für 2020 die neue digitale Währung "Libra" angekündigt wurde. Damit tritt der Konzern ins traditionelle Bankgeschäft ein. Hier wäre eine Zerschlagung auch relativ einfach. Instagram und Whats App könnten selbständig werden.

Marktzugang und Überwachung in China: China schottet ab 2018 auch den Zugang zum Internet weiter ab. VPN-Tunnelzugänge werden verboten (verschlüsselte Punkt-zu-Punkt Kommunikation). Mit denen konnte eine Zensur bisher umgangen werden. Apple hat nachgegeben und überträgt sämtliche Cloud-Daten an einen lokalen Dienstleister (GCBI). VPN wird in China aus dem App-Store genommen. Amazon hatte schon 2017 seine Cloud-Daten an einen lokalen Dienstleister übertragen. Zugänge zu ausländischen Social Media werden weiter eingeschränkt: Facebook, Twitter, Google. Eine der berühmtesten Society - Bloggerin in China war Ma Ling. Sie schrieb über Gier, Sex und Neid. Im März 2019 wurden alle Accounts auf Anweisung der Regierung gelöscht. Zu Fall brachte sie ein Post übe reinen krebskranken Mann. An der Geschichte war zu viel erfunden und sie war zu negativ. Ma Ling hatte 200 Mio. Follower auf Weibo.

2018 schränkt die Regierung auch den Zugang für Ausländer ein. Dienstleister blockieren schon lange den Zugang vor Großereignissen auf Anweisung der Regierung. Manchmal nehmen die Behörden die Blockade nicht zurück. Viele Organisationen nutzen ein offiziell genehmigtes VPN. Das soll es aber zukünftig nicht mehr geben. Auch firmeneigene VPN von ausländischen Firmen, die Server im Heimatland nutzen, sollen nicht mehr toleriert werden. Das hat enorme Auswirkungen auf ausländische Unternehmen in China. Auch Diplomaten könnten betroffen sein. Vgl. Friederike Böge: China duldet keine Grauzone mehr, in: FAZ, Dienstag, den 23.01.18. Der Künstler Deng Yufeng zahlt 2018 650€ für persönliche Daten aus dem Netz  in der Stadt Wuhan (346.000 Einw.). Die Daten hat er in einem Museum auf die Leinwand projiziert. Chinesen sollten auf ihre Privatsphäre achten. Nach zwei Tagen schloss die Polizei die Ausstellung.

Wettbewerbsrecht in China: Das chinesische Wettbewerbsrecht ist im Jahre 1993 entstanden (ChUWG). Wichtig ist der § 10 III: Er regelt den sachlichen Anwendungsbereich. Es geht um technische und betriebliche Informationen. Es darf nicht allgemein bekannt sein. Es muss ein wirtschaftlicher Nutzen bestehen. Es muss praktisch umsetzbar sein. Es müssen Geheimhaltungsmaßnahmen getroffen werden. Die Auslegung  ist in der Öffentlichkeit. Das OVG legt besonderes Augenmerk auf den wirtschaftlichen Wert. Ein Kartellrecht ist in China erst 2007 entstanden. 2016 will China die Spielregeln für die Autokonzerne für leichteren Marktzugang lockern. Es sind keine Zwangsbündnisse (Joint - Venture) mehr vorgesehen.  Begonnen wird mit den Produzenten von Elektronik und Batterien in den Freihandelszonen. Über eine Aufhebung in der gesamten Automobilbranche wird nachgedacht.

China Academy of Information and Communication Technology: Wichtig bei Kooperationen im digitalen Bereich, auch mit ausländischen Unternehmen. Wichtig ist in China auch die Staatsverwaltung für Marktaufsicht.

Regulierung von Plattformen in China: Die Staatsverwaltung für Marktaufsicht hat 2021 einen Entwurf für "Neue Anti-Monopol-Richtlinien für die Plattform-Ökonomie" vorgelegt. Diese bringt Beschränkungen für IT-Monopolisten. Kernstück ist das Verbot der Nutzung digitaler Überwachung dafür, den Preis von Waren dynamisch von der Zahlungsbereitschaft der Kunden abhängig zu machen. Solche Preisdiskriminierung, bei der loyale Kunden mit höheren Preisen belastet werden, ist schwer zu erkennen. Die neuen chinesischen Regeln geben einen Entscheidungsspielraum, Datenauswertung zu bestrafen, die dazu dient, die Kaufkraft eines potentiellen Kunden zu ermitteln. Sie verpflichtet aber nicht die Behörden, die Nachsicht üben können.  Vgl. Cory Doctorow: Homo oeconomics, China nimmt Plattformen ins Visier, in: Handelsblatt Nr. 5, 8./9./10. Januar 2021, S. 12. Es wurde vom Politbüro 2020 schon eine Verordnung zu den Monopolen erlassen. 2021 muss Jack Ma 18 Milliarden Yuan (2,3 Mrd. €) an Strafe zahlen. Die chinesischen Wettbewerbshüter werden Alibaba vor, seine marktbeherrschende Stellung missbraucht zu haben.

Westliche Ökonomen (Neoklassik) halten Preisdiskriminierung eher für optimal. Sie könne bei Verbreitung von Ressourcen besser sein. Die Kunden selbst hassen natürlich Preisdiskriminierung und empfinden sie überall auf der Welt als unfair.

2021 hat das Kartellamt (koordiniert mit Steuer- und Internetaufsicht) 34 Digitalunternehmen ("Digitalfürsten") nach Peking einbestellt. Man spricht von "ungeordneter Kapitalvermehrung". Man erwähnt auch "rote Linien". Besonders hat man die digitalen Finanzdienstleister im Auge.  Die Tech - Riesen in China haben daraufhin 2021 Angst. Es gibt Demutsbekundungen (JD.com, Bytedance). Es zeigen sich auch immer mehr Anzeichen von Marktmissbrauch (Alibaba, nur Bezahldienst von Alibaba). Die Finanzdienstleister vergeben auch Kredite in großem Ausmaß. Der wichtigste Punkt ist aber, dass der Staat die Kontrolle behalten will.  "Das Huhn töten, um den Affen zu erschrecken", chinesische Volksweisheit, die die Strategie der Regierung beschreibt. Mehr als 100 Start-ups legen ihre Börsenpläne auf Eis.  Vgl. Zand, Bernhard: Die Entmachtung der Digitalfürsten, in: Der Spiegel Nr. 17/ 24.4.21, S. 67.

Marktregulierungsbehörde State Administration for Market Regulation (SAMR) in China: Auch bei der Marktregulierung wird China restriktiver: Die Marktregulierungsbehörde State Administration for Market Regulation (SAMR) verbietet Tencent die Zusammenlegung mit den Videodiensten Huya und Douyu.

Indirekte Unternehmensverflechtungen über institutionelle Anleger und Wettbewerb bzw. Wettbewerbspolitik:  Das Risikopotential ergibt sich daraus, dass aus Sicht eines Miteigentümers ein Wettbewerb auf Kosten eines Konkurrenten unattraktiver wird, falls der Miteigentümer auch bei diesem Konkurrenten beteiligt ist. Die erwogenen Maßnahmen zur Eindämmung dieses Risikopotentials mögen bislang hinsichtlich ihrer Effektivität und Umsetzbarkeit unausgereift sein, die Diskussion über die Maßnahmen sind dennoch notwendig. Folgende Maßnahmen sind in der Diskussion: 1. Berücksichtigung von Common-Ownership-Verflechtungen im Rahmen der Fusionskontrolle. 2. Regulatorische Ansätze zur allgemeinen Begrenzung indirekter Verflechtungen. 3. Verschärfung von Corporate Governance-Regeln. Vgl. Wambach, Achim/ Weche, John P.: Das wettbewerbliche Risikopotential institutioneller Anleger, in: Wirtschaftsdienst 2019/ 8, S. 575ff.

Digitale Souveränität: Wenige Anbieter dominieren die Digitaltechnik. Dazu gehören Google, Amazon, Facebook aus den USA und immer stärker chinesische Unternehmen wie Huawei, Alibaba, Tencent. Sie beschäftigen die besten Forscher und verfügen über die führende Infrastruktur. Die anderen Unternehmen, auch die deutschen, drohen ihre digitale Selbstbestimmung zu verlieren. Die EU kümmert sich zunehmend um die digitale Souveränität Europas (Cybersicherheit, Mobilfunkstandard 5G, Cloud).

Einrechnen von Digitalem ins BIP: Die Berechnung des BIP ist in der Digitalisierung falsch. Es wird berücksichtigt, was wir für Güter zahlen. Der Konsum digitaler Güter wird nicht eingerechnet. Wir müssen die Messgröße BIP-B sehen (MIT). Darin ist enthalten, welchen Wert Güter für die Menschen haben. Vgl. Multi-Billionen-Dollar-Frage, in: Der Spiegel, Nr. 6/ 1.2.2020, S. 68ff.

Schutz vor Übernahmen und Beteiligungen digitaler Unternehmen: Die Regierung befürchtet feindliche Übernahmen von deutschen Unternehmen durch Investoren aus dem Ausland in der Corona-Krise. Sie will einen Schutzschild errichten. Es gibt großes Interesse an Unternehmen aus den Bereichen Mobilität und Infrastruktur. Übernahmen und Beteiligungen sollen erschwert werden, auch im Energiesektor und der Netzwirtschaft. Internetbasierte Kommunikation erweist sich in der Corona-Krise als existenziell. Auf EU-Ebene vereinbart man verschärfte Prüfregeln bis Ende des Jahres.

Marktmacht der App-Stores: Die App-Stores von Apple und Google beherrschen den Markt. Sie Verhindern damit das hochkommen kleiner Entwickler. Apple bevorzugt eindeutig eigene Dienste. Ohne den Store hat man kaum Zugang zu den Geräten. Die Wettbewerbshüter wollen sich diesem Thema zuwenden. Auslöser war die Corona - Warn - App des Robert-Koch-Instituts. 2021 leitet die EU-Kommission ein Kartellverfahren gegen Apple ein. Wettbewerber werden wohl im App-Store benachteiligt. In den USA wächst auch der Druck. dort hatte Epic geklagt.

Computerchips als Schlüsseltechnologie: Sie sind eine strategische Ressource im Wettrennen um die Technologische Vorherrschaft in der Welt. An der Sitze liegen die USA (ohne Bezeichnung) bzw. verbündete Länder. Noch ist China ganz hinten. Hier die Rangfolge der Chipanbieter 2020: 1. Intel (Umsatz erstes Quartal 2020 19,5 Mrd. $). 2. Samsung Electronics/ Südkorea 14,8. 3. TSMC/ Taiwan 10,3. 4. SK Hynix/ Südkorea 6,0. 5. Micron Technology 4,8. 6. Broadcom 4,0. Qualcomm 4,0. 7. Texas Instruments 3,2. 8. Nvidia 3,0. 9. HiSilicon (Huawei, China) 2,7. Quelle: IC Insights. Die Branche ist stark globalisiert, Protektionismus unüblich. Trump will allerdings die Chips als Waffe einsetzen. Die US-Chips werden umfangreich in Europa (ARM/ GB, ASML/ Niederlande, Autos/ Deutschland, in Handys/ China (Foxconn, Huawei), Sumco/ Japan, Handys/ Taiwan, Gebäude/ Malaysis (Amkor) eingesetzt. Vgl. Hohensee, M. u. a.: Der Stich ins Herz, in: WiWo 41/ 2.10.2020, S. 14ff. Deutschland hat Infineon und ARM.

Protektionismus-Datenbank: An der Universität St. Gallen wird ei größte Protektionismus-Datenbank der Welt betrieben: Global Trade Alert (GTA; Prof. Simon Evenett). Mit Algorithmen werden versteckte Handelsbarrieren aufgespürt. Unter Trump ist vor allem auf dem Feld nicht-tarifärer Handelshemmnisse stark zugelegt worden. China ist die beliebteste Zielscheibe. Vgl. Zeinlinger, Tina: Professor Protektionismus, in: WiWo 41/ 2.10.2020, S. 36f.

Auktionsmärkte: Produkte werden im Rahmen eines formalen Bietprozesses ge- oder verkauft. Man unterscheidet Auktionen mit gemeinsamem Wert (gleicher Wert, aber unbekannt) und privatem Wert (persönlicher Wert bekannt). Versteigert werden in Zukunft wahrscheinlich auch Parkplätze. Autos und Stellplätze können digital vernetzt werden. Damit entstehen völlig neue Möglichkeiten (z. B. erzielte in Boston 2013 ein Parkplatz eine Viertelmillion Dollar). 2020 erhalten die US-Ökonomen Paul R. Milgrom und Robert A. Wilson (sein Lehrer) für die Verbesserung der Auktionstheorie den Wirtschaftsnobelpreis. Sie erfinden neue Auktionsformate und zeigen praktische Anwendungen. Unterschiedliche Formen (Fischereirechte, CO2-Zertifikate, Strompreise, Start- und Landerechte, Funkfrequenzen) haben unterschiedliche Auswirkungen. Die öffentliche Aufmerksamkeit für Auktionen stieg in den 1990er Jahren. Da wurden Mobilfunkfrequenzen mithilfe von Auktionen vergeben. Zahlungsbereitschaften der Bieter waren von denselben fundamentalen Daten abhängig. Die Simultaneous Multiple Round Auction stellte ausgeklügelte Regeln zur Verfügung. Die zunehmende Digitalisierung ermöglicht immer komplexere Auktionsformate.

Verschärfung des deutschen Wettbewerbsrechts un d des EU-Rechts im Hinblick auf die Digital-Riesen (Digital Markets Act/ DMA): Bundeswirtschaftsminister will Ende 2020 ein schärferes Wettbewerbsrecht. die Digitalkonzerne aus den USA sollen einer verschärften Kartellaufsicht unterzogen werden. Es soll ein Novelle zum GWB kommen. Die Plattformen sollen strikter reguliert werden: Daten auch Konkurrenten zur Verfügung stellen. Bevorzugung eigener Angebote auf Kosten kleinerer Wettbewerber verbieten. Die Macht der App - Stores soll begrenzt werden. Erfolgreiche deutsche Mittelständler sollen nicht betroffen sein. Vgl. Hoppe, Till/ Siebenhaar, H. - P.: Trotz BDI-Kritik: Koalition will schärferes Wettbewerbsrecht, in: Handelsblatt, Nr. 201, 16./17. 10. 20, S. 9. Man ist sich auch mit der EU-Kommission einig, dass die Tech - Konzerne an die kurze Leine gehören. Die Durchsetzung dürfte aber die Achillesferse des DMA sein. Kernpunkte müssen die Besteuerung am Ort der Wertschöpfung und Zuständigkeit für die Kartellwächter sein. Die neuen Vorschriften des Wettbewerbsrechts gelten ab 1. Januar 2021. Zentraler Bestandteil ist die Modernisierung der Missbrauchsaufsicht. Die Aufsichtsbehörden können nun bei Verstößen großer Digitalkonzerne früher einschreiten  und wettbewerbsgefährdende Praktiken untersagen. Aufgrund der neuen Vorschriften werden 2021 Verfahren gegen Facebook, Google, Amazon und Apple eingeleitet.

Monopolklage (Wettbewerbsklage, US-Regierung): Im Oktober 2020 bereitet die US-Regierung eine Monopol-Klage gen Google vor. 80 bis 90% aller Suchen laufen über das Suchsystem. Konkurrenten können nicht Fuß fassen.

DIN-Norm als Wettbewerbsinstrument: Die deutsche Industrie hat lange Technologiestandards gesetzt. Nun dominieren Amerika und Asien. Gerade China nutzt Normen als politisches Instrument. Gerade bei der 5-G-Technologie ist Asien weit vorne. Normen sind auch bei Software notwendig. Die chinesische Führung übersetzt Normen und Standards ins digitale Zeitalter. Vgl. Delhaes/ Hoppe/ Koch: Chinas Angriff auf die DIN-Norm, in: HB Nr. 52, 16.3.21, S. 10f.

Tech-Allianz: Die USA streben 2021 eine Tech-Allianz an. Sie sehen das als Wertebündnis , das sich dem autoritären China entgegenstemmen soll.  Die USA wollen auch Einblicke bekommen in die Algorithmen der Firmen. In der EU gibt es gegen diese Konzeption Vorbehalte. Aber die EU plant eine umfassende Reform der Online-Regulierung. Der "digital Services Act" könnte 2022 in Kraft treten. Die EU strebt mehr digitale Unabhängigkeit an, will aber auch vertieft mit den USA zusammenarbeiten. Das muss miteinander in Einklang gebracht werden. Als Beratungsinstitution wird das "Digital Policy Lab" aufgebaut. Es soll sich mit diesen Fragen beschäftigen.  "Wir müssen beweisen, dass die Demokratie funktioniert", Joe Biden 2021. "Die kommunistische Partei Chinas hat es darauf abgesehen, die USA technologisch und wirtschaftlich zu übertreffen", Mark Warner, US-Senator 2021.

Plattformen und Wettbewerb: Ab einer bestimmten Größe ist eine Plattform wettbewerbsschädigend. Sie kann den Marktzutritt kleinerer Konkurrenten verhindern. Das ist mittlerweile international ein Problem (die marktbeherrschenden Plattformen sind in den USA oder China). Die EU - wahrscheinlich geht es nur auf dieser Ebene - muss vergleichbare Gegenmodelle aufbauen, wie z. B. Gaia X. Vgl. Phillipe Aghion: The Power of Creative Destruction, 2021.

EU-Industriestrategie: Der große Nachteil gegenüber China und den USA ist das Fehlen einer Strategie. Die Suche und die Entscheidungsprozesse dauern in der EU zu lange. Die Abhängigkeiten von anderen Regionen müsste systematisch reduziert werden. Die Kultur in den EU-Ländern ist noch zu unterschiedlich: Frankreich will in der Regel staatliche Investitionen, andere Länder wollen eher Subventionen. Über die Ziel muss auch Klarheit herrschen: Gegenposition zu China, USA oder Wirkung auf Jobs/ Wachstum.

Coopetition: Zusammenarbeit mit der Konkurrenz. Oft müssen Rivalen heute gemeinsame Sache machen. Nur so können sie erfolgreich bleiben und Märkte verteidigen. Im Vordergrund stehen Kosten senken und doppelten Aufwand vermeiden. Man muss Chancen und Risiken abwägen. Basis ist eine gemeinsame Einigung: Umfang und Leitung festlegen. Den Kuchen gerecht aufteilen. Die Einstellung entscheidet. Man sollte auch kartellrechtliche Fragen beachten. Die Größe des Risikos hängt von der jeweiligen Position ab (geheime Zutat, Aufteilung, Wettbewerbsvorteil, Kundenstamm). Vgl. Brandenburger, Adam/ Nalebuff, Barry: Wie Ihr Feind Ihnen hilft, in: HBM Juni 2021, S. 20ff. 

Paradoxon der digitalen (Un-) Produktivität: Digitalisierung allein reicht nicht aus. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, darf die Industrie auch Investitionen in Sachanlagen nicht vergessen. Die Digitalisierung ineffizienter Prozesse hat ineffiziente digitale Prozesse zur Folge. Das Produktivitätsniveau von 2021 entspricht dem von 2011. Vgl. Horn, Alexander: Das Paradoxon der digitalen (Un-) Produktivität, in: WiWo 24/11.6.21, S. 41.

Anti-Auslands-Sanktionsgesetz in China: Es wird im Juni 2021 vom Ständigen Ausschuss des Volkskongresses beschlossen. Vom Inhalt ist wenig Konkretes bekannt. Es herrscht wenig Transparenz. Das Gesetz besteht aus 16 Paragraphen (1240 Schriftzeichen). Es ermöglicht einen großen Ermessensspielraum. EU-Unternehmen sind sehr besorgt. Ausländische Firmen dürften in die Zwickmühle geraten im Wettbewerb in China, wenn sich sich an Sanktionen ihrer Heimatländer oder der USA beteiligen müssen. Vgl. Heide, Dana: Verhaltenskodex für deutsche Firmen in China, in: HB Nr. 111, 14.6.21, S. 10. Bisher wurde das Gesetz noch nicht angewendet. Man setzt vor allem auf Einschüchterung (Werkzeugkasten für Folterkammer). Eine "Schwarze Liste" für unzuverlässige Auslandsfirmen, die es seit 2019 gab, wird modifiziert.  Besonders unangenehm könnte Paragraph 12 werden: Unternehmen können von chinesischen Gerichten aufgefordert werden, Entschädigungszahlungen zu leisten, wenn sie den westlichen Sanktionen folgen.

Digitale Ordnungspolitik (BMWi): Mit "Digitalisierung gestalten" wird 2020 ein Konzeptpapier vorgelegt. Grundthese ist, dass die Wettbewerbspolitik bleiben kann und sie nur an die Digitalisierung angepasst werden muss. Vgl. Steinberg, Philipp/ Börnsen, Nils/ Neumann, Dirk: Digitale Ordnungspolitik, in: Wirtschaftsdienst H. 9/ 2021, S. 706ff.

 

Digitalisierung und Steuerpolitik:

Verkaufsorientierte Besteuerung von Unternehmen statt wertschöpfungsorientierte (EU-Digitalsteuer): Aktuell sucht die EU nach Konzepten, Firmen wie Amazon, Google und Apple in Europa gerecht zu besteuern. Das Problem besteht darin, dass die Körperschaftssteuer an der Wertschöpfung orientiert ist, aber bei den Internetfirmen die Wertschöpfung nicht mehr einem Standort zugeordnet werden kann (ist der Standort gar dort, wo der Algorithmus entwickelt wird; das möchte die USA). So haben diese Konzerne rigoros die Steueroasen in der EU genutzt. Es ist schwierig zu ermitteln, wo Gewinn entsteht. Ähnliche Probleme gibt es beim Umsatz. Deshalb gibt es das Konzept, Unternehmen zu besteuern, wo sie verkaufen. Sinn macht dieses Konzept aber nur, wenn alle Volkswirtschaften mitmachen. Die Idee ist aber als eine Warnung an die Steuerreformpläne der US-Regierung zu sehen. Im März 2018 sollen neue Pläne vorgestellt werden. diese offenbar milder als ursprünglich geplant: "Besteuert werden soll der Gewinn, den Internetkonzerne dank der Nutzung von Daten generieren". Konkret könnte das auf eine neue Steuer für Gewinn aus Onlineanzeigen hinauslaufen. Das wäre günstiger als eine auf Umsatz bezogene Ausgleichssteuer. Italien hat bereits beschlossen, ab Januar 2019 eine Websteuer einzuführen, die ebenfalls auf Werbeeinnahmen im Netz abzielt und E-Commerce ausnimmt. Einige Länder sind gegen eine Digitalsteuer, die einstimmig beschlossen werden müsste (Irland, Luxemburg, Malta, Zypern, Niederlande). Frankreich ist dafür. Die EU-Kommission will 2018 3 Prozent Umsatzsteuer für große Internetkonzerne vorschlagen. Voraussetzungen sind: weltweiter Jahresumsatz mindestens 750 Mio. Euro, Online-Umsatz in der EU 50 Mio. €. Davon wären lediglich 120 bis 150 unternehmen weltweit betroffen. Das soll aber nur eine Übergangslösung sein. Langfristig sollen die Körperschaftssteuer-Vorschriften angepasst werden. Dabei sollen folgende Kriterien gelten (eines von dreien reicht): 1. In einem Mitgliedsland mehr als 7 Mio. € Gewinn. 2. Es gibt mehr als 100.000 Nutzer. 3. Es gibt mehr als 3000 Verträge mit gewerblichen Nutzern.  Diese Steuer ist nicht unproblematisch. Es ist eine Zusatzsteuer für ein halbes Dutzend US-Firmen und ein protektionistischer Akt. Das könnte wie ein Bumerang zurückkommen. Denn Deutschland als Exportweltmeister verkauft die meisten Produkte im Ausland, die deutschen Konzerne versteuern ihre Gewinne aber in Deutschland. Beim Treffen der Finanzminister im Dezember 2018 scheitert eine Digitalsteuer vorerst. Die Debatte soll aber 2019 fortgesetzt werden.

Digitalsteuer: Die OECD und die G20 arbeiten an Konzepten. Das Problem besteht darin, dass die großen Digitalunternehmen weltweit Geschäfte machen, aber Steuern nur am Firmensitz in den USA zahlen. Digitale Plattformen werden nicht erfasst. Die OECD will diese Lücke bis 2020 schließen. 110 Länder sind beteiligt. sie zerfallen hinsichtlich einer langfristigen Lösung in drei Gruppen: 1. Frankreich ist hier Wortführer. Nur das Datengeschäft soll besteuert werden. 2. Weitere Debatte, da alle Branchen digitalisieren. 3. Kein Handlungsbedarf. Hierzu gehört die USA. Gegner einer Digitalsteuer argumentieren mit den höheren  Forschungsausgaben. Daher müsse die effektive Steuerbelastung geringer sein. Am 08.09.18 beraten die EU-Finanzminister über eine Konzeption. Eine Einigung könnte bald möglich sein. Die Geltungsdauer soll begrenzt werden, bis es eine globale Lösung gibt. 2018 melden sich massenhaft chinesische Unternehmen in Neuköln an (6600 Online-Händler). Dahinter steckt ein neues Gesetz, dass Plattformbetreiber für die hinterzogenen Umsatzsteuer haften. Die Händler haben wohl viele Jahre Steuern hinterzogen. Zum 1. Januar 2019 führt Frankreich im Alleingang eine Digitalsteuer ein. Sie soll 500 Mio. € einbringen (auf Umsätze, Werbeeinnahmen, Verkauf von Daten). 2019 plant Österreich eine eigene Digitalsteuer. Deutsche Finanzämter holen sich Steuern, die Google mit Werbung verdient, von den Auftrag gebenden Unternehmen (diese müssen sich dann wieder an Google wenden). Da der Zugriff auf Google in Irland in der EU nicht möglich ist, wählt man bisher diesen Ausweg. Frankreich führt im März 2019 eine Digitalsteuer ein: rückwirkend ab 01.01,19; Unternehmen über 700 Mio. Umsatz, über 35 Mio. in Frankreich, Steuersatz 3%. Auch die Regierung in Österreich führt im April 2019 eine Digitalsteuer ein: Internet-Unternehmen mit einem weltweiten Jahresumsatz von 750 Millionen Euro sollen in Österreich künftig 5 Prozent Steuern auf online erzielten Werbegewinn zahlen. Man erhofft sich damit Einnahmen von mehr als 200 Millionen Euro. Neben der Steuer auf Online-Werbeeinnahmen soll in Österreich eine Umsatzsteuerpflicht für digitale Händlerplattformen eingeführt werden.

Mindestbesteuerung von Digitalunternehmen in den G20-Staaten: Auf dem G20-Gipfel der Finanzminister und Notenbankchefs im Juni 2019 in Fukuoka/ Osaka/ Japan konnte man sich darauf einigen, die Steuervermeidung der Internetriesen zu beenden. Bis Ende 2020 soll es in den G20-Staaten eine Mindestbesteuerung geben. Staatliche Besteuerungsrechte sollen auch neu verteilt werden. Sie dürften sich künftig weniger am jeweiligen Firmensitz orientieren, sondern dort angesiedelt sein, wo Kunden bzw. Nutzer von Dienstleistungen angesiedelt sind.  Die USA wollen aber verhindern, dass die Unternehmen aus dem Silicon - Valley zu stark getroffen werden. Im Juli 2019 sprechen sich auch die G7 für einen gemeinsamen Mindeststandard bei der Digitalsteuer aus. Es werden gemeinsame Regeln vereinbart. Sogar die USA machen mit, wo die meisten großen Digitalunternehmen ihren sitz haben. Das könnte daher kommen, dass Frankreich kürzlich schon eine Digitalsteuer eingeführt hatte.  Nach Schätzung der britischen Organisation "Fair Tax Mark" haben die großen sechs des Silicon Valley (Apple, Amazon, Facebook, Google, Microsoft, Netflix) zwischen 2010 und 2019 durch geschicktes Taktieren zusammen ca. 100 Milliarden Dollar Steuern vermieden Quelle: Fairtaxmark: https://fairtaxmark.net/wp-content/uploads/2019/12/silicon-Six-Report-5-12-19.pdf). Auf dem G7-Gipfel im Juni 2021 (Finanzminister in London) wird die Mindestbesteuerung von 15% beschlossen. Damit ist es uninteressant in Steueroasen zu gehen. Steuern werden nicht nur am Firmensitz erhoben, sondern auch in den Ländern, in denen die Konzerne aktiv sind (Umsätze). In einem nächsten Schritt sollen die G20 ins Boot geholt werden.

Digitale Unternehmen und Steuerstrafen: 2020 soll Facebook in den USA Steuern nachzahlen: 2020 übertrug Facebook Nutzungsrechte für sein Netzwerk an eine Konzerntochter in Irland, die dafür gebühren zahlte. Die US-Steuerbehörde befindet, dass Facebook die Gebühren zu niedrig ansetzte. Nach einem EU-Verfahren soll Apple 2020 14,4 Mrd. $ Steuerstrafe an die EU zahlen. Wegen Wettbewerbsverstößen wird Google zu Strafzahlungen von 4,8 Mrd. Dollar verurteilt.

Paketsteuer: Ende 2020 wird in der CDU eine Paketsteuer diskutiert ("Pakt für lebendige Innenstädte"). Sie soll Online-Sendungen betreffen. Die Einnahmen sollen den Innenstadtgeschäften zugute kommen. Die Corona-Krise beflügelt den Online-Handel und die Geschäfte in den Innenstädten leiden durch den Lockdown.

 

Strukturwandel hat es zu allen Zeiten gegeben. Hier ist ein Weberhof auf der ostfriesischen Insel Juist abgebildet. Es ist ein Gebäudekomplex, wo früher Schafe gehalten wurden. Es wurde dann die Wolle verarbeitet und auch verkauft. Heute sind in allen Gebäuden Ferienwohnungen. Der Tourismus hat da Wohlstandsniveau der einheimischen Bevölkerung erheblich angehoben. So könnte auch die Digitalisierung, wenn  sie vom Staat sinnvoll unterstützt wird, von Nutzen für den Wohlstand  in der Zukunft sein.

Digitalisierung und Industriepolitik:

Industrie-, Forschungs- und Technologiepolitik: Ist hauptsächlich auf EU-Ebene angesiedelt. Sie ist in den Titeln XV (Transeuropäische Netze, XVI (Industrie) und XVIII (Forschung und technologische Entwicklung) des EU-Vertrages geregelt. Schwerpunkt ist zur Zeit die Informationstechnologie. Die Industriepolitik ist darauf ausgerichtet, bestimmte Wirtschaftssektoren zu fördern. Als Vorbild gilt die Industriepolitik in Japan in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Treiber war damals das Ministerium für internationalen Handel und Industrie (MITI). James Brander und Barbara Spencer (Kanada) entwickelten eine Theorie, derzufolge staatliche Eingriffe in die Branchenstruktur unter bestimmten Bedingungen die allgemeine Wohlfahrt steigern. F. A. von Hayek warnte vor "Anmaßung von Wissen" und plädierte für den "Wettbewerb als Entdeckungsverfahren".

Notwendigkeit bzw. Legitimation der Industriepolitik durch Digitalisierung, Energiewende und den Aufstieg Chinas. Es geht um die Grundsatzfrage, ob es ein ineffizienter staatlicher Eingriff ist oder eine zukunftsweisende Option. Direkte Interventionen können in eine technologische Sackgasse führen und dem Wettbewerb schaden. Investitionen sind auf der anderen Seite mit großer Unsicherheit über die Zukunft und mit hohen Risiken belastet. Die Wirtschaft wird mittlerweile von Netzwerkeffekten und Pfadabhängigkeiten dominiert. Ziele könnten sein, mehr Wohlfahrt und Nachhaltigkeit für die gesamte Gesellschaft zu erreichen. Es geht aber auch vor allem um das "Wie". Wettbewerb, Technologie und Innovation sollten im Mittelpunkt stehen. Vgl. Industriepolitik, in: Wirtschaftsdienst 2019/2, S. 87ff.

Industriepolitik: Grundprinzipien: ist staatliche Förderung entscheidend oder der Wettbewerb? Unterstützung der Unternehmen durch die Wirtschaft. Schlüssel- und Zukunftstechnologien sollen wachsen. Die Unternehmen wollen allerdings keine Dauerintervention des Staates. Die Industriepolitik für KMU wird zur Mittelstandspolitik gerechnet. Im Hinblick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher KMU ist sie im Auge zu behalten. In den asiatischen Ländern ist die Mittelstandspolitik (SME-Policy) in die Industriepolitik eingebunden. So versuchen China und Japan, längerfristig ihre Wirtschaftsstrukturen zu beeinflussen. In der EU muss sich erstmal eine klare Arbeitsteilung zwischen EU-Mittelstandspolitik und den Politiken der Länder herausbilden (dazu habe ich 2012 einen Artikel geschrieben, vgl. Working Paper 1/ 2012 der HS LU). In Deutschland bewegt sich die Industriepolitik zwischen "Rheinischem Kapitalismus" und Beschränkung der freien Kräfte des Marktes durch Gesetze. Mittlerweile ist China die größte Herausforderung für eine moderne Industriepolitik. Die Erfolge der Chinesen erklären sich aus der Mischung von plan- und marktwirtschaftlichen Strategien. Sie wurden aber auch durch die schiere Größe des Marktes und die Abschottung begünstigt. Vor allem auf dem Feld der Digitalisierung arbeitet China mit einem Tempo, das unheimlich ist. "Die heimische Wirtschaftspolitik verunsichert die Unternehmen zunehmend, vor allem den Mittelstand", Martin Wansleben, DIHK. Die Übernahme von Kaiser´s Tengelmann durch Edeka und die damit verbundenen Schwierigkeiten zeigen die Schwachpunkte der Industriepolitik in Deutschland.

Industriepolitik in China: Datenspeicherung/ IT/ Digitale Ökonomie: Firmen müssen ihre Daten künftig im Land speichern. Wer das nicht tut, dem drohen Sanktionen. Im Moment ist noch nicht abzusehen, was das Gesetz von 2017 genau bedeutet. Die Verschlüsselung soll auch "Made in China" sein. Das Gesetz ist sehr brisant, weil es der chinesischen Regierung einen Zugang zu Daten westlicher Unternehmen verschafft. Die Internetbehörde CAC will allerdings Übergangsfristen anbieten.

Die großen Internet-Unternehmen in China holen immer mehr gegenüber den US-Konkurrenten auf (auch beim Aktienwert). Dabei hilft ihnen, dass US-Wettbewerber in China kaum Chancen haben. Baidu steht gegen Google, Alibaba gegen Amazon, Tencent gegen Facebook, Huawei gegen Apple. Der riesige Heimatmarkt hilft ihnen, rapide zu wachsen.

Innovationsanleihe für digitale Investitionen: Wird 2020 intensiv diskutiert. Unter anderem auch auf der CSU-Klausur in Kloster Seeon. Im Mittelpunkt soll die Umsetzung digitaler Entwicklungen in der Industrie stehen. Die Anleihe soll festverzinslich sein. Der Staat soll mit einem garantierten Zins über 10 Jahre die Sparer anlocken. Start-ups im KI-Bereich sollen so mehr Risiko-Kapital bekommen. Ann-Kristin Achleitner und Matthias Nießner setzen sich für die Idee ein.   

Digitalpakt der Regierung für Schulen: Fünf Milliarden Euro stehen zur Verfügung. Bis 2020 wurden erst 125 Millionen Euro abgerufen (2,5%). Gründe sind die Richtlinien, aber auch die Infrastruktur in den Schulen. Oft fehlen ganz einfach die Personen dafür.

Maßnahmen im Konjunkturpaket der Bundesregierung nach der Corona-Krise: Im Juni 2020 enthält das Programm auch spezielle digitale Maßnahmen: Netzinfrastruktur, Glasfaserkabel u. a. Für ein flächendeckendes 5G-Netz sind 5,0 Mrd. € vorgesehen. Die Künstliche Intelligenz soll mit 2,0 Mrd. € gefördert werden. Für den Bau von Quanten-Computern werden 2,0 Mrd. € bereitgestellt. 1 Milliarde € umfasst der Digitalpakt Schule.

Besteuerung des Online-Handels: Einführung einer Digital-Steuer, übe rdie sich Online-Händler stärker am Ausbau von Infrastruktur wie Breitbandinternet beteiligen. Andere Experten diskutieren über eine "Paketabgabe", über die ein Innenstadtfonds fin anziert werden könnte.

EU-Wiederaufbau-Fond: Deutschland stehen ca. 26 Mrd. Euro zu. Die Bundesregierung will das Geld für Klimaprojekte und Digitalisierung verwenden. Vor allem ein digital orientiertes Bildungssystem soll gefördert werden.

Förderung digitaler Innovationen in der EU: Technologieunternehmen bestimmen auch die geopolitischen Kräfteverhältnisse mit. Das ist keine philosophische Frage mehr, sondern eine strategische. Die Förderung  ist in der EU zu gering. Beide Weltmächte (USA, China) investieren Milliarden. Außerdem gibt es eine neue Kategorie von Unternehmen, die Hyperscaler (modernste Technologien, massentauglich, postindustrielle Geschäftsmodelle). Mit 2,7 Mrd. Nutzern ist Facebook größer als jede Volkswirtschaft. Mit 150 Mrd. $ liquider Mittel übertrifft Apple jeden mittelgroßen Staat. Google hat ein jährliches Investitionsbudget von 20 Mrd. $, mit konkreten Zielen. In Europa ist es extrem unwahrscheinlich, dass sich eines der Industrie-Ikonen in Hyperscaler verwandelt.  Vgl. Suder, Katrin/ Boss, Chris: Europa droht die Verzwergung, in: HB Nr. 111, 14.6.21, S. 48. Suder ist die die Vorsitzende des Digitalrates in Deutschland, Boos Mitglied.

Innovationsagentur SprinD: Sie soll dafür sorgen, dass aus Ideen revolutionäre Produkte werden (Sprunginnovationen). Wagniskapital soll zur Verfügung gestellt werden. Chef ist 2021 Rafael Laguna.

Innovationsagentur Darpa/ USA: Sie ist mit sehr viel Kapital ausgestattet (3 Mrd. $ jährlich). Sie ist beim Verteidigungsministerium aufgehängt. Sie hat aber viele Freiheiten. GPS und Moderna wurden gefördert.

Sondierungspapier von SPD, Grünen und FDP im Oktober 2021 "Moderner Staat und digitaler Aufbruch". Schnelle Planungsverfahren seien dazu zentral, die Verfahrensdauer solle mindestens halbiert werden. Gesetze sollen einem Digitalisierungscheck unterzogen werden. Auch ländliche Regionen sollen mit schnellem Internet ausgestattet werden. 

 

Digitalisierung und Umwelt/ Umweltpolitik (Smart Sustainability, Klimawandel):

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für die Welt, Mahatma Ghandi.

Digitalisierung und Umwelt: Der digitale Wandel kann nicht notwendigerweise das Dogma des immerwährenden Wirtschaftswachstums aufrechterhalten. Es besteht immer eine Spannung zwischen einerseits lokal erzeugtem Produkt mit digitalem Service und der jeweiligen Wertschöpfungskette im globalen Markt. Man könnte argumentieren, digitale Wertschöpfung sei um vieles effizienter und Ressourcen schonender als herkömmliche. Aber man bezeichnet dies als "Achilles und die digitale Schildkröte". Das digitale Produkt ist klein und schnell, miniaturisiert und hochperformant. Aber es ist exponentielles Wachstum, egal welche Größenordnung oder Skalierung man wählt. Vgl. Peter Reichl: Achilles und die digitale Schildkröte, in: Futur zwei 5/2018, s. 18ff.

Umwelt und Markt: Im Umweltbereich mit den Problemen "Artenschwund, Waldsterben, Überfischung, Sterben der Meereskorallen, Gletscherschmelze, Wasserverknappung, Ressourcenmangel, umweltbedingte Migration, Naturkatastrophen (schwere Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen), Ausbreitung der Wüsten und Klimawandel" macht sich besonders negativ bemerkbar, das der Markt global, aber das Umweltrecht weitgehend national ist. Außerdem belohnt der Markt die Geschwindigkeit und die Bedenkenlosigkeit und fördert externe Effekte. Auch die Wohlstands-Disparitäten in der Welt zwischen Industrieländern, Schwellenländern und Entwicklungsländern verhindern globale Lösungen (Energieeffizienz, d. h. Primärenergieverbrauch je 1 Mrd. $ BIP: China 0,83; Russland 1,09; Indien 0,86). Die größten Klimaverschmutzer USA, China, Indien und Australien können sich zu keiner effektiven Reduktion entscheiden. Die Umweltökonomik ist sicher der wichtigste Teil der Volkswirtschaftslehre, da von ihrer Problemlösungskompetenz die Zukunft der Menschheit und das Überleben der Erde abhängt. Die Entwicklung der Zertifikate und ihre weltweite umweltpolitische Umsetzung spricht einerseits für diese Problemlösungskompetenz, andererseits können damit alleine nicht alle Umweltprobleme gelöst werden. Zertifikate (Erlaubnisscheine) sind eine marktwirtschaftliche Vorgehensweise, die aber mit erheblichen institutionellen Problemen verbunden sind.

Moralisch (in der Umweltpolitik ist Moral purer Realismus) und rational sind in beiden Bereichen globale Institutionen notwendig. Vielleicht kann man die Weltbank als multilaterales Kreditinstitut für Entwicklungsländer zurückfahren und ihr mehr Aufgaben in der Umweltpolitik und im Finanzcontrolling geben. Die Wirtschaftswissenschaften und ihre Theorien widmen diesen für die Menschheit zentralen Phänomen viel zu wenig Aufmerksamkeit, weil sie einmal in der Regel fernab der normalen Lehrbuchweisheiten liegen und andererseits ein interdisziplinäres, ethisches Denken erfordern. Die StudentInnen werde ich bei diesen Themen für Abschlussarbeiten, aber auch bei speziellen Wünschen nach Sonderveranstaltungen, nach meinen Kräften unterstützen. "Unser Marktradikalismus war ein unverschämter Ego-Trip", Erhard Eppler.

Anleger können über Aktien, Fonds und Zertifikate für das eigene Vermögen beide Bereiche verbinden: Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen ist das Potential der Zukunft. In den vergangenen drei Jahren erzielte der Dow Jones Sustainable Total Return Index, der die Entwicklung nachhaltiger Aktien abbildet, eine bessere Wertentwicklung als das Börsenbarometer für internationale Aktien "MSCI". "Bis 2030 sind wir der größte Treibstofflieferant der Welt", L. I. Lula da Silva, brasilianischer Staatspräsident über Ethanol aus Zuckerrohr. Ebenso Chancen bieten Unternehmen, die sich mit Energieeffizienz beschäftigen. 46 Staaten wollen 2007 eine starke UN-Umweltbehörde schaffen (allerdings sind die größten Verschmutzer "USA, Russland, China und Indien" nicht dabei). Über die Finanzmärkte können Bürger vielleicht den größten Einfluss ausüben. Die Aktionäre sollten niedrigere Vorstandsgehälter, weniger Atomstrom und mehr Moral durchsetzen. 2011 betrug das Volumen nachhaltiger Geldanlagen weltweit 11,0 Billionen $ (2006 3,6 Bio.). Die Umweltbranche boomt seit langem in Deutschland und hat sehr viele Arbeitsplätze geschaffen. Ebenso dürfte die Energiewende eine große Chance darstellen (First-mover- advantage). Das Angebot an Nachhaltigkeitsfonds wächst auch 2015. Dabei setzen ihre Manager auf unterschiedliche Konzepte.  "Nachhaltigkeit liegt im Auge des Betrachters, jede Fondsgesellschaft legt dieses Ziel anders aus", Detlev Glow, Lipper, 2015.  

Mittelstand und Nachhaltigkeit: Eine besondere Rolle spielt der Begriff "Nachhaltigkeit" in mittelständischen Unternehmen. Hier wird er oft im Zusammenhang mit Familienunternehmen gebraucht. Im engeren Sinne wird der Begriff häufig auf die Nachfolge zugespitzt. Er kann aber auch umfassender im Mittelstand strategisch und ökologisch verwendet werden oder die gleichzeitige Berücksichtigung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten meinen. So wird nach der Finanz- und Weltwirtschaftskrise darauf verwiesen, dass der Mittelstand mit seiner Nachhaltigkeit für den schnellen Wiederaufstieg Deutschlands entscheidend verantwortlich sei. Nachhaltigkeit kann speziell sozial sein (social compliance - Erhalt langfristiger Beziehungen) oder auch finanziell (Erhöhung des Eigenkapitals, um die Abhängigkeit von Krediten zu verringern, Lösen von den Banken) sowie technologisch (optimale Anpassung an die Digitalisierung).

Digitalkonzerne und Nachhaltigkeit: Die Technologieriesen aus dem Silicon Valley oder aus China versprechen zwar, positiv an der Lösung der größten globalen Problemen zu arbeiten. Aber in der Praxis bleiben bisher große Zweifel. Google und Facebook spähen fleißig ihre Kunden aus und verkaufen Werbeinformationen. Immer größere Rechenleistungen auf immer größeren Servern haben einen Reisen-Stromverbrauch. Amazon zerstört die dezentrale Verteilung von Gütern und die Lieferfahrzeuge verstopfen die Straßen und stoßen eine Menge CO2 aus. Airbnb trägt mit dazu bei, dass die größten Sehenswürdigkeiten der Erde von Touristen überlaufen werden. Bisher ist nicht erkennbar, dass die digitale Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit führt. Das gleiche gilt für alle Sharing-Modelle, die in der Regel den CO2-Ausstoß nicht

Eine neue, ökologische Ökonomie müsste folgende Kriterien erfüllen: 1. Die ökonomischen Ziele als solches müssen in Frage gestellt werden (insbesondere Wachstum). 2. Die Messkonzepte müssen verändert werden (bis heute misst die Weltbank Naturkapital nicht in Hektar, Biodiversität, Sauberkeit, sondern in Form von Einnahmen aus ihrer Nutzung). 3. Ein konsequentes Bezahlen für Umweltverbrauch muss gewährleistet sein. 4. Die Integrationsformel für Umwelt und seine Fassung im Drei-Säulen-Modell haben die Kernprobleme verschleiert. 5. Lebensqualität muss stärker einfließen. 6. Die Grenzen sind erreicht, so dass einen neue Utopie der Ökonomie gebraucht wird. Vgl. Maja Göpel: Das Ende des Homo oeconomicus, in: Futur zwei, Nr. 5/ 2018, S. 14ff. Frau Göpel ist Mitglied des Club of Rome (vgl. auch: Dies.: The Great Mindshift, 2016/Springer). Es muss auch konsequent definiert werden, welche Natur geschützt werden soll. Es muss ein ökologisch definierter Rahmen des volkswirtschaftlichen Strukturwandels geschaffen werden. Degrowth und freiheitliches Wirtschaften gehen nicht zusammen. Vgl. Michael Hüther: Marktwirtschaft + Öko, in: Futur zwei, 5/ 2018, S. 30f.

Finanzsektor und Nachhaltigkeit: Der Finanzsektor soll zukünftig auch Klimaschutzzielen unterworfen werden. Anleger und Investoren wollen für Nachhaltigkeit Rendite kassieren. Das ganze läuft unter dem Motto "Nur grünes Geld ist gutes Geld" (vgl. WiWo 17, 18.4.2019, S. 28). So wird auch der DAX einem Nachhaltigkeits-Check unterworfen. Äußerst positiv werden Allianz und Münchener Rück bewertet. Sehr positiv sind SAP, Infineon, und Deutsche Börse. Positiv Merck, Wirecard, Deutsche Telekom, Henkel, Siemens, Adidas, Deutsche Post, Neutral Covestro, Continental, BMW, FMC. Negativ werden die restlichen unternehmen bewertet. Quelle: Globalance Footprint. Ebenso werden Investitionen in ihrer positiven Wirkung auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft bewertet: 2018 wurden 2900 Milliarden Euro investiert. Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen.

Digitalisierung und Rohstoffe bzw. Protektionismus: Seltene Erden: Sind weiche, silbergraue Metalle, deren Schmelzpunkt je nach Element zwischen 900 und 1600 Grad C liegt. Je umweltfreundlicher und innovativer ein Produkt ist, umso größer ist die Abhängigkeit bei Seltenen Erden. Sie werden in Hochtechnologiebereichen und Energiespartechnologien eingesetzt. Konkrete Anwendungsbereiche sind Leuchtstoffe und Elektronik, Metallurgie, Katalysatoren, Keramik, Permanentmagnete, Batterien. China hat eine Quasi-Monopolstellung. Das Land arbeitet mit Exportquoten, um Produktionsstätten ins Land zu holen.  Die Quoten werden 2012 erhöht. Auf Druck der WTO werden diese ab 2015 aufgehoben.  Weitere Vorkommen sind in den GUS-Staaten, Indien, Brasilien und Nordamerika. Der Klimawandel macht auch die Arktis wirtschaftlich interessant. So gibt es seltene Erden in der ostkanadischen Provinz Quebec. Eine Kooperation mit Kanada wird angestrebt (Merkel im August 2012). Deutschland schließt im Herbst 2011 ein Abkommen mit der Mongolei: Lieferung Seltener Erden, Investitionen in Bildung und Technologie in der Mongolei. Im Februar 2012 folgt ein Rohstoffabkommen mit Kasachstan. Eine Partnerschaft mit Kanada wird angestrebt. Seltene Erden gibt es auch in den USA, Australien und Russland. In der Regel haben diese Länder ihre Lagerstätten noch gar nicht angerührt. In den Industrieländern wird das Recyceln intensiviert. 2012 gibt es einen Preissturz bei Seltenen Erden. Offensichtlich ist die Nachfrage stark gesunken (Konjunkturflaute in Teilen der Welt). China will ein Fünftel der Produktionskapazitäten schließen, um den Preisverfall zu stoppen. Mittlerweile findet man Seltene Erden auch im Rhein. Langfristig bis 2030 werden folgende Länder besonders wichtig sein: Russland für Palladium. Brasilien für Tantal, Kanada für Indium, China für Neodym und Gallium, Australien für Kobalt, Mexiko für Silber. Immer wichtiger wird das Recycling, um die Abhängigkeit zu senken. In Deutschland peilt man 20% recycelte Seltene Erden an. 2013 gibt es große Funde von seltenen Erden in Grönland. Die Förderung wäre wichtig für die EU (Teilautonomie, gehört zu Dänemark). Radioaktive Substanzen sind in der Nähe, weshalb das ökologische Risiko hoch ist. Lithium, das leichteste Metall der Welt, kommt am meisten in Bolivien vor (Salzsee Salar de Uyuni). Der Bedarf an Seltenen Erden geht weltweit zurück. Es können alternative Rohstoffe hergestellt werden. Zur Gewinnung Seltener Erden ist giftige Säure erforderlich, die jede Menge giftigen Müll erzeugt. 2019 setzt China Seltene Erden im Handelsstreit mit den USA ein: Etwa 70% der Seltenen Erden, die 2019 in der Produktion eingesetzt werden, kommen aus China. Das Land erwägt einen Exportstopp bzw. eine Reduktion. 80% der exportierten Mengen gehen in die USA.

CO2-Last der IT: Informationen dazu liefert die Ericson-Studie "Quick guide to your digital carbon footprint" von 2020. Die drei Kernaussagen der Untersuchung lauten: Der Fußabdruck der IKT-Branche bleibt trotz des wachsenden Datenverkehrs bei 1,4% der weltweiten Emissionen. Die CO"-Emissionen pro Person bei einem Transatlantik-Hin-und Rückflug sind gleichzusetzen mit 50 Jahren Smartphone-Nutzung. Erneuerbare Energien können den CO2-Fußabdruck um rund 80% senken.

Rebound-Effekt: Senkt die Digitalisierung den Ressourcenverbrauch und schützt das Klima? Die Digitalisierung erhöht den Energieverbrauch in zwei Bereichen: 1. Produktion, Nutzung und Entsorgung des IKT-Sektors sind energieintensiv. 2. Selbstlernende Maschinen und KI erhöhen die Produktivität der Betriebe. Vgl. Lange, Steffen/ Pohl, Johanna/ Santarius: Studie an der HU Berlin, in: Ecological Economics 2020. Also nutzt Digitalisierung nur bedingt. Es kommt darauf an.

Ökosysteme: Partnerschaften in Ökosystemen bieten Unternehmen viele neue Möglichkeiten für Wertschöpfungen und Innovationen. Man spricht auch von Digital Hub. Merkmale sind: 1. Netzwerk der Stakeholder (Kunden und Lieferanten). 2. Vernetzung der Informations- und Kommunikationstechnologien. 3. Kooperationen im Netzwerk. 4. Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung. Das gilt besonders für genossenschaftliche Ökosysteme. 5. Offenheit für Experimente. 5. Vorbild: Vancouver-Modell (Gemeinwohlorientierung, Integration der Zukunftstrends Smart City, Green Economy, langjährige Einbindung aller wesentlichen Stakeholder, Campus-City Collaborative, Unterstützung lokaler Unternehmen, zielgerichtete Einbindung der Finanzwirtschaft, Aufbau von Innovations-, Gründer- und Wagniskapital). Vgl. Mauerer, Jürgen: Viele schaffen mehr als einer, in: com!professional 10/2020, S. 22f.

Konjunkturpolitik unter sozial-ökologischer Perspektive in der Corona-Krise: Ende Mai in der Corona-Krise stellte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit die Studie "Sozial-ökologisch ausgerichtete Konjunkturpolitik in und nach der Corona-Krise" vor (DIW, ifSO, IMK, FÖS). Bewertungsmatrix der vier T: targeted (Konjunkturpolitischer Bedarf) - timely (mögliche kurzfristige Umsetzung) - temporary (Maßnahmen vorübergehend und nicht dauerhaft) - transformative (positive Wirkungen auf Umwelt und Nachhaltigkeit). Es wird auch ein Schutzschirm für Kommunen vorgeschlagen (20 bis 40 Mrd. € 2020. 2021). Quelle: Downloads die Ministeriums auf der Homepage. Vgl. auch: Kemfert, C. : Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften am Wendepunkt, in: bdvb aktuell, Nr. 150, 2020, S. 10ff. Man schätzt, dass von den 138 Mrd. € im Konjunkturpaket in der Corona-Krise etwa 38% "grün" sind.

Revolution durch erneuerbare Energien und Ausstieg aus den fossilen Energien: Man spricht 2020 von einem Tipping Point: Eine Umkehrung tritt ein, die die digitale Revolution stark mitbestimmt. Es tritt eine Wende weltweit zuu erneuerbaren Energien ein. Dafür braucht man die digitale Hilfe.  Kapitalgeber haben einen großen Einfluss. Dazu gehören auch die Notenbanken. Es taucht das Problem auf, was mit den Investitionen in fossile Energieträger passiert. Kommt irgendwann eine fossile Badbank. Dekarbonisierung (Erneuerbare Energie), Digitalisierung (Smart Grit), Dezentralisierung (Kommunen) und Demokratisierung (Partizipation) müssen Hand in Hand gehen (4 D). Vgl. Claudia Kemfert: Mondays for Future, Hamburg 2020.

Neuorganisation der Lieferketten unter Nachhaltigkeitsaspekten nach der Corona-Krise: In der Corona-Krise gibt es Ansätze, Lieferketten zurück nach Deutschland und Europa zu holen. Das hat erst mal per se einen Nachhaltigkeitseffekt. die Frage bleibt, ob in globalen Lieferketten die externen Effekte im Ausland vermieden werden können. hier hat man Hoffnung in das neue Lieferkettengesetz in Deutschland. Der technische Fortschritt könnte auch zu mehr Nachhaltigkeit führen, z. B. Vermeidung von Seltenen Erden. Vgl. bdvb - Veranstaltung am 09.02.21 in Zoom, Diskussion Claudia Kemfert/ DIW, Timm Rugen/ BCG.

Green Finance: Blackrock hält weltweit in rund 2500 Firmen fünf bis zehn Proent des Kapitals, teils als größter Aktionär. Wenn der Chef Larry Fink in seinem Neujahrsbrief auf eine Systemwechsel verweist hat das Wirkung.  CO2 wird zum Risiko für Firmen.  Weltweit verwalten Pensionsfonds ein Vermögen von über 41 Billionen US-$. Der internationale Publikumsfondsmarkt ist mit 53 Billionen US-$ noch größer. Wenn diese Gelder in Dekarbonisierung umgesteuert werden, könnte  ein grünes wirtschaftswunder kommen. Vgl. Claudia Kemfert: Mondays for Future, Hamburg 2020, S. 72. Die Digitalisierung ist im Finanzbereich am weitesten.

Cirplus: Plattform für Plastikabfälle. Verbesserung der Recycling-Quote. Recycle rund Verarbeiter sollen zusammengebracht werden. Der Kunststoffkreislauf soll geschlossen werden.

Bitcoin und Klima: Die Kryptowährung steht in der Kritik wegen des hohen Stromverbrauchs. Elon Musk macht die Währung sogar zum Spielball seiner Firmenpolitik. Dabei spielen vier Fragen eine Rolle: 1. Wie viel CO2 setzen Bitcoins frei?   Es wird vor allem dort geschürft (Mining), wo die Stromkosten niedrig sind (China).  2. Ist der hohe Verbrauch unabdingbar - oder ginge s auch effizienter? Grundlage des hohen Stromverbrauchs ist das Prinzip "proof of work". 3. Ist die gute alte Reservewährung Gold denn besser? Steigt der Goldpreis an, kommen die Goldsucher (z. B. im Amazonas-Regenwald). 4. Haben die Kryptos angesichts ihres CO2-Ausstoßes überhaupt eine Zukunft? Notwenig wäre ein neues Grundprinzip. Etwa "proof of stake".  Vgl. Tönnesmann, Jens: Wie sehr schadet der Bitcoin dem Klima? in: Die Zeit Nr. 21, 20 Mai 2021, S. 25. Die Branche hat das Problem mittlerweile erkannt. Ein Teil setzt mittlerweile auf Ökostrom. Man träumt vom grünen Bitcoin. Ein wichtiges Zeichen setzt Musk von Tesla. Er setzt das Bezahlen mit Bitcoin wegen des Energieverbrauchs aus. Am 2.6.21 betrug der weltweite Energieverbrauch durch Bitcoins 115,3 TWh.

Ökologische Transformation: Das Ziel besteht in hohem Klimaschutz. Dieses Ziel muss mit höchster Priorität verfolgt werden. Uneins ist man in vielen Ländern über das wie und wie schnell. Es geht darum, ob marktwirtschaftliche Methoden oder der Einfluss des Staates dabei dominieren sollen. Hinzukommen  muss Globalisierung, die mit grenzenlosem Informationsfluss (Digitalisierung) zusammenpassen sollte. Die EU schafft das nur, wenn die Integration ein Erfolgsmodell wird. Vgl. Obermann, Rene: Blaupause für die Welt, in: Focus 24/2021, S. 58f. Das Bundeswirtschaftsministerium stellt im Juni 2021 massive Hilfen für die Transformation in Aussicht. Das könnten bei Bund und Ländern bi szu 8 Mrd. € sein, insbesondere für den Einsatz von grünem Wasserstoff. Das "Industriepaket" der Grünen geht in ähnliche Richtung, sieht aber später die Zurückzahlung vor.

Green IT: Nachhaltigkeit wird zur Pflicht. Rechenzentren und IT - Umgebungen müssen umweltfreundlicher gestaltet werden. Die Netzwerkverkabelung bis zum Cloud-Service müssen nachhaltiger werden. Eine große Rolle spielen die hohen Strompreise in Deutschland. Es gibt mittlerweile "grüne" Software-Ressourcen. Es gibt auch Anbieter von Lösungen für Environment (Green Step Solutions, EcoOnline, Sphera). Vgl. Reder, Bernd: Viele Wege führen zur Green IT, in: com!professional 7-8/2021, s. 10ff. Kleine Schritte sind: Vorhandene IT-Systeme nicht vorschnell ausmustern. Reparaturfreundliche Systeme. Einsatzbedingungen berücksichtigen. Entsorgung beim Kauf berücksichtigen. Endgeräte bei längerer Abwesenheit abschalten.

 

Digitalisierung und Gesundheit bzw. Gesundheitspolitik (Smart Health; eHealth-Infrastruktur, Digital Healthcare):

"Besser bewahrt als beklagt", Theodor Fontane, Der Stechlin.

Digitalisierung und Gesundheit: Digitale Lösungen machen Gesundheitssysteme effektiver und effizienter (bessere Versorgungsqualität trotz kosteneinsparungen). Mit "Deep Data" kann man Krankheiten viel schneller erkennen und besser verstehen. Damit können Therapien personalisiert werden. Die Gesundheitswirtschaft gehört 2017 noch zu einer am wenigsten digitalisierten Branche, obwohl schon Ende 2016 ein E-Health-Gesetz in Kraft getreten ist. Betroffen sind die elektronische Patientenakte bis zur Telemedizin. Chancen werden vor allem in der besseren Vernetzung gesehen. Aber auch Routinebehandlungen können elektronisch unterstützt werden. Die größten Probleme treten beim Datenschutz auf.

Digitale Diagnose: Patienten können künftig ab 2018 auch ausschließlich über elektronische Kommunikationsmedien (z. B. Skype) behandelt werden. Der Patient muss über die Besonderheiten der Onlineberatung aufgeklärt werden. Die Schweiz gilt als Vorreiter der Telemedizin. Der Deutsche Ärztetag spricht sich im Mai 2018 für Online-Diagnosen aus.

Onlinearzt: 2018 kommt der Onlinearzt. Mitglieder privater Krankenversicherungen können ab sofort Ärzte für Internetsprechstunden konsultieren. Teleclinic bietet eine Smartphone APP. Teleclinic ist ein Vorreiter in Deutschland. sitz des Unternehmens ist München. Gründerin und Geschäftsführerin ist Katharina Jünger. Das Unternehmen wurde an die Schweizer Zur-Rose-Gruppe verkauft.

Gesundheits-App auf Rezept: Dies ist Teil eines Gesetzes zur digitalen Versorgung, das im November 2019 beschlossen wird. Patienten sollen Ärzte, die Online-Sprechstunden anbieten, leichter finden.

Fließbandmedizin: Die digitale Technik hält Einzug in Praxen und Krankenhäuser. Digitaltechnik kann traditionelle Diagnoseverfahren ersetzen. Es gibt Apps für Gesundheitsdaten.

Gesundheitskarte: Durch ein E-Health-Gesetz will die Bundesregierung 2015 den Nutzen der elektronischen Gesundheitskarte erhöhen.

Pandemie und Digitalisierung (Sars-CoV-2): Asiatische Staaten verstärken die digitale Kontrolle ihrer Bürger massiv. Man arbeitet an Smartphone - App, die jede Person registriert und den Behörden meldet, der man auf zwei Meter nahe kommt. In Hongkong sind Quarantänepflichtige seit Anfang Februar verpflichtet, elektronischen Armbänder zu tragen. Verlässt ein Patient die Wohnung, wird die Gesundheitsbehörde alarmiert. In Südkorea werden viele Apps herunter geladen, die Alter, Geschlecht, Nationalität und das Bewegungsprofil Infizierter zeigen. Dazu gehören die Apps Corona1000m, Corona Doctor, Corona Map. In China startet im Februar eine Plattform, die "Close Contact Detector" heißt. Über sie lässt sich ermitteln, wie nahe man Infizierten gekommen ist. Auch die großen Mobilfunkanbieter ermitteln Bewegungsprofile für die jeweils letzten vierzehn Tage. In Hangzhou, dem Sitz von Alibaba, werden bei Alipay ein "Gesundheits-Code" installiert, der registrierte Kunden mit Datenbanken der Gesundheitsbehörden abgleicht. Eine ähnliche App verwendet ach schon Tencent ("Anti-Virus-Code"). An Hauptbahnhöfen in China messen Kameras die Körpertemperatur (so am Pekinger Hbf). Quarantänemaßnahmen im Einzelfall werden aufgrund von Handydaten getroffen. Taiwan ist auch sehr erfolgreich durch den Einsatz digitaler Medien (auch Rückkopplung per SMS). Man erfährt über Handy-App, welche Apotheken Gesichtsmasken haben. Auch in Deutschland erhält das RKI Handydaten. Die große Frage ist, wenn alle Staaten dieser Welt aus Gesundheitsgründen ähnliche Mechanismen einrichten. Quelle: Der Spiegel Nr. 12, 14.3.2020, S. 68ff. Deutschland will Handy-Auswertungen zulassen (Datenanalyse, anonymisiert, Bewegungsströme, Daten der Telekom). Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist die Grenze.  Deshalb will man noch nicht mit Tracking und personalisierten Daten arbeiten. Entsprechende Pläne wurden vorerst auf Eis gelegt. aber auf freiwilliger Basis könnte man eine App einsetzen und Erfahrungen sammeln (Menschen, die die App haben werden gewarnt, wenn einer infiziert ist, Tracking). Man arbeitet an einer App, die datenschutzverträglich ist. Mit Bluetooth werden Handys verbunden und eine anonyme Kontaktliste erstellt. Bei einer Infizierung werden Push-Nachrichten verschickt. Die Nutzung ist freiwillig. Sehr erfolgreich sind auch Israel und Singapur mit der Auswertung von Handydaten, auch Taiwan. Bei Singapur muss man allerdings bedenken, dass das Land ein hervorragendes Gesundheitssystem hat und außerdem Notfallpläne in der Schublade hatte (große Erfahrung mit Sars und Mers).  In Zeiten der Corona-Krise ist auch die Zahl der Cyberangriffe auf Firmen gewachsen. entsprechende Infos sind sehr begehrt. Also müssen auch hier die Abwehrmaßnahmen verstärkt werden. 

Tatsächlich bringt die Corona - App dann doch nicht so viel. Sie ist recht ungenau. Szenarien beruhen auf groben Schätzungen. Es fängt an bei der Verbreitung als Notwendigkeit: Schätzungen schwanken zwischen 60 und 15%. Zugrunde liegt meist eine Simulation der Uni Oxford. Die Abstände zwischen den Nutzern können nicht gemessen werden. Je mehr Unvernünftige es gibt, desto weniger Fehlalarme werden ausgelöst.

Corona und digitale Transformation: Vom Homeoffice bis E-Commerce. Auf vielen Gebieten wird der digitale Wandel durch Corona rasant beschleunigt. Es ist die Stunde der Apps. Durch den Lockdown haben Läden Nachteile. Digitale Technik wird für bessere Effektivität und Effizienz genutzt. Die Ausgangsbeschränkungen waren der entscheidende Push. Es stellt sich die Frage nach der sozialen Ausgewogenheit (Sozial Schache werden weiter abgehängt). Die großen digitalen Unternehmen hatten durch die Pandemie starke Wertzuwächse (obwohl nicht genau der Ursache zuzurechnen). Kursveränderungen von Tech - Firmen in Prozent 27. Mai 20 gegenüber Jahresbeginn: Zoom (+138%), Amazon (+30%), Microsoft (+15%); Dow Jones-Index -10%. Quelle: Refinitiv Datastream, Der Spiegel Nr. 23, 30.20, S. 72f.

Doktor Big Tech (die Gesundheitsinitiative der großen Drei): Apple, Amazon, Google wollen die Gesundheitsbranche erobern. Apple ist bisher am weitesten: die Smart Watch misst schon Puls und Blutdruck sowie Sauerstoffgehalt des Blutes. Google ist bisher weit bei der Früherkennung von Krankheiten (Grauer Star, Krebs, Gentherapie). Amazon will mit einer Plattforn alle Gesundheitsdienste liefern  (Apotheken ersetzen, Alexa erkennt Krankheiten). Vgl. Baier, Corinna: Doktor Big Tech, in: Focus 42/2020, S. 62f.

Noventi und Phoenix starten Gesundheitsplattform: Die Pharmahändler bauen eine eigene App. Das soll auch eine Antwort an Amazon sein, das auf den Apothekenmarkt drängt.

Telemedizin: Es kommen immer mehr Start-ups. So gibt es etwa Kry. Es verbindet in seiner App per Videochat mit Ärzten. Die Anwendung können Patienten in Schweden, GB, Frankreich, Norwegen und Deutschland nutzen. Auch das Unternehmen Teleclinic aus München arbeitet auf dem Gebiet (wurde 2020 von der Schweizer Zur Rose Group übernommen). Erweiterungen sind das elektronische Rezept mit folgendem Medikamentenhandel. Die Versandapotheke Apologistics akzeptiert schon digitale Rezepte.

Algorithmus zur Diagnose: Bei Hautkrankheiten gibt es so was. Der erste wurde in Süd-Korea entwickelt. Mit dem Smartphone kann eine App eine Diagnose erstellen, ob etwa Hautkrebs vorliegt. Vgl. Volland, Holger: Die Zukunft ist Smart. Du auch?, München 2021, S. 237ff.

Amazon - Klinik: Der Konzern betreibt versuchsweise eine eigene Klinik für seine Angestellten. Dort wird stark mit Telemedizin gearbeitet. Der Service soll auch anderen Firmen angeboten werden. Das geheime Entwicklungsteam bei Amazon, das sich "Grand Challenge" nennt, arbeitet intensiv an neuen Ideen für den Gesundheitsmarkt. Da wird in den nächsten Jahren noch einiges kommen.

Apple Watch, Samsung Watch, Huawei Watch (IOS und Androit): Auf den Handys gibt es Apps für Health und Health Monitor. Sie können wichtige Gesundheitswerte erfassen: Blutdruck, Herzfrequenz, Puls und Fitness-Daten (Schritte, Kalorien u. a.).

Facebook, Amazon, Google und neue Geschäftsmodelle: Sicher werden in den nächsten Jahren neue Plattformen oder Collaborationen entstehen. Die Sprung-Innovationen werden bei den Geschäftsmodellen stattfinden. Treiber werden die Digital-Riesen und die Förderlandschaft sein. Vertrauen, Nutzen und intuitive Einfachheit werden die Erfolgsfaktoren sein. Mit diesen Kriterien wird man auch den Datenschutz in den Griff kriegen.

Digitale Innovationen in der Kette "Prävention, Diagnostik, Therapie und Reha/ Pflege": Es werden neue Technologien zum Einsatz kommen. Es geht zentral um die Sicherstellung der Versorgung. Es kommen neue Akteure (Digital-Riesen), neue Rollen, neue Geschäftsmodelle und neue Innovationsansätze.

5G4Health: Die Schlüsseltechnologie 5G ermöglicht viele Verbesserungen: Integrierte Versorgung (Klinik, Hausarzt), Häusliche Versorgung (Pflege). Die Versorgung wird verbessert: Wundmanagement, Notfallversorgung, Internet of Medical Things. Die Technik besteht aus drei Komponenten: eMBB (viele Nutzer, Datenmengen pro Funkzelle), mMTC (Campus-Netze, Beamforming), URLLC. Projekt des BMVI, Prof. Dr. Steffen Hamm, Hochschule Amberg-Weiden, in der bdvb Lounge am 20.5.21, 18.30 Uhr via Zoom.

Cognizant: Beratung im Gesundheitswesen. Weltweit tätig. 300.000 Beschäftige. Medical Device: Zusammenführen von CDO (Digital Strategy), CIO (IT Capatilities), R & D (Product Development) und CMO (Market View).

Digitale Anker: 1. Digital Supply Chain Tower (Visibilität der Lieferkette). 2. Drug Discovery (Zusammenarbeit der großen Pharmariesen Roche, Sanofi, Pfizer, Johnson & Johnson). 3. Personalized  Treatment (Preventation, Prediction Doctor). 4. Patient Identification (Profile, Patienten für Versuchsstudien finden). 5. Connected Health (Werte - Mobiltelefon - Arzt; smarte Medikamentenüberwachung ). 6. Virtual Realty/ Augmented Reality (Einblick in Körper, Pharmaproduktion, Studium). 7. Digitalizing Manufacturing and Supply Chain. 8. Telehealth - Companies. 9. Medical Robots. Vortrag von Michael Huber, Cognizant, in der bdvb Lounge am 20.5.21, siehe oben.

Digitaler Impfpass in der EU: Das Covid - Zertifikat soll in der EU ab 1.7.21 gelten. Es soll Mobilität und Reisen erleichtern. Der Ausweis enthält Impfung, Test und Genesung.

Innoplexus, Eschborn: Wurde 2011 von Gunjan Bhardwaj gegründet (indischer Auswanderer). Er wurde in Indien geboren, studierte an der Elite-Uni IIT in Mumbai (Indian Institute of Technology). Die Firma wertet medizinische Daten mithilfe von KI aus und will damit auch den Krebs bekämpfen.

CompWare Medical, Darmstadt (IT-gestütztes Tabletteneinnahmesystem Maja sana, Apps und automatisierte Arzneimittelspender, Mietung bei Apotheken; Millionen von Deutschen müssen täglich viele Tabletten einnehmen. Gerade ältere Menschen verlieren hier den Überblick, ein Problem für Pfleger und Ärzte).

Morbus Google bzw. Cyberchondrie: Die Suche im Netz wird zum Zwang. Pathologische Angst vor Krankheiten. Betroffene wollen sich durch die Recherche im Internet beruhigen. Dadurch aber steigern sie ihre Ängste. Rund die Hälfte aller Deutschen nutzt das Internet zur Krankheitsrecherche.

Morphosys AG, München (Biotech, 2021 Übernahme von Constellation)

Nimbus Health GmbH, Offenbach am Main (seit 2019, Start-up; Einfuhr und Handel mit Cannabis-Produkten, Chef 2021 Linus Weber; gegen chronische Schmerzen, Schlaflosigkeit, Multiple Sklerose)

Gutachten des SVR Gesundheit vom März 2021: Das Gutachten enthält unter anderem folgende Aspekte: Elektronische Patientenakte (ePa). Ausbau des Glasfasernetzes. Implementierung notwendiger Hrs- und Software. Besonderheiten digitaler Gesundheitsprodukte.  Vgl. Jochimsen, Beate: Digitalisierung für Gesundheit - ökonomische Aspekte des Gutachtens des SVR Gesudheit, in: Wirtschaftsdienst 5/2021, S. 376 - 380.

Apps gegen psychische Störungen: Sie ergänzen mehr die klassische Psychotherapie. sie geben Hausaufgaben auf. Sie können bei Depressionen und Ängsten unterstützen. Beispiele sind: Somnio. Sie hilft bei Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Velibra. Einsatzbereich ist die Agoraphobie (Platzangst).

 

Smart City (autonomes Fahren, Lieferdienste, Kommunen als zentrale Ebene; Smart Nation; Verwaltungsinformatik):

Kutsuplus-Pilotprojekt in Helsinki: Helsinki ist die erste Stadt, die einen voll automatisierten, echtzeitbasierten öffentlichen Minibustransportdienst mit flexiblen Routen eingeführt hat. Das Experiment ist auf drei Jahre angelegt. Die Busse sind nicht fahrerlos. Ein wesentlicher Kostenbestandteil sind aber die Lohnkosten für die Fahrer. Das Projekt wird von der EU finanziert.

Big Data für die Stadt: Mit der fortschreitenden Digitalisierung ergeben sich Optionen für eine effizientere und flexiblere Verkehrsordnung. Daran arbeiten neben der Politik auch die Technologiekonzerne Google und Microsoft. Die Städte werden als Living Labs gesehen, um selbst lernende Verkehrs- und Logistiksysteme zu nutzen. Diese Entwicklung hat aber auch eine Kehrseite: der öffentliche Raum wird zur Überwachungszone (automatische Gesichtserkennung, Drohnen, digitales Dorf).

Smart City (Deutschland, EU): Entwicklungskonzepte, die die Stadt effizienter, fortschrittlicher, ökologischer und sozial inklusiver gestalten. Dazu gehören als Bausteine bzw. Ebenen  Smart Ecomomy, Smart People, Smart Governance, Smart Mobility, Smart Governance,  Smart Environment, Smart Living. Akteure der Wirtschaft wie IBM, Siemens, Cisco Systems, Vattenfall sind an internationalen Projekten beteiligt. Es werden Netzwerke gebildet ("Internet of Everything"), die den Sektor Wirtschaft in den Städten produktiver machen sollen. Im Bereich von Governance (Politik, Verwaltung) gibt es Fördermittel im EU-Programm Horizont 2020. Geförderte Städte sind Kopenhagen, Amsterdam, Wien und Berlin. Häufig sind Hochschulen mit eingebunden (z. B. Barcelona). Häufig ist der Sharing - Gedanke enthalten. Man spricht von Urban Commons" (E. Oström). Ideen der Kreislaufwirtschaft (Thünen) sollen die Nachhaltigkeit erhöhen. Mobile Verkehrskonzepte (Mobile App) sollen Umwelt und Energie schonen. Die Kritik geht Richtung Social Scoring und Manipulierung der Menschen durch perfektes Marketing. Vgl. Wikipedia - Artikel. Siemens entwickelt 2018 ein innerstädtisches Verkehrssystem für Hamburg. Man spricht von intelligenter Infrastruktur. In Siemensstadt in Berlin soll von Siemens eine technologische Musterstadt aufgebaut werden. 2018 sind in Deutschland drei Städte am weitesten: Bielefeld, Darmstadt und Norderstedt. Wichtige Elemente sind: Stromersparnis, mehr Sicherheit für Patienten, im Amt mit PayPal bezahlen. Vgl. auch: Gassmann, Oliver/ Böhm, J./ Palmie, M.: Smart City. Innovationen für die vernetzte Stadt -  Geschäftsmodelle und Management, Hanser Fachbuch, Oktober 2018. 2020 macht der Digitalverband Bikom eine Rangliste der "Smarten" Städte in Deutschland: Hamburg, vor München und Köln. Kaiserslautern landet auf Platz 27, Ludwigshafen erreicht Platz 69.  In Deutschland will Duisburg "Deutschlands China-Stadt" werden. 100 Mio. € soll das "Duisburg Gateway Terminal" kosten, an dem sich auch Chinas Großreederei Cosco beteiligt. Mit einerexklusiven Partnerschaft hofft man Investitionen aus China anzuziehen. Man will Smart City dank Huawei werden. Vgl. HB Nr. 28, 10.02.21, S. 20

Digitalranking Deutscher Großstädte: Es stammt von Bitkom für Städte über 100.000 Einwohner. Felder sind Verwaltung, Energie/ Umwelt, IT/Kommunikation, Mobilität, Gesellschaft und Gesamt. In diesem Ranking führt 2020 Hamburg vor München, Köln, Darmstadt, Karlsruhe, Stuttgart, Berlin, Osnabrück, Aachen, Heidelberg. Es gibt aber auch Projekte in vielen Mittel- und Kleinstädten (Freiburg, Mönchengladbach, Kassel, Jena, Gütersloh). Dazu kommen noch Interkommunale Kooperationen und Landkreise.

Smart Citys in der Welt: Relativ weit ist Singapur (vgl. Artikel weiter unten). Dort nehmen Straßen so viel Platz ein wie die gesamte Wohnfläche. Toshiba hat in einem Stadtteil von Tokio eine Smart City aufgebaut. Pittsburg in den USA ist eine ehemalige Kohle- und Stahlhochburg. Start-ups gestalten den Verkehr von morgen. Casharing - Dienste teilen ihre Verkehrsdaten mit der Stadt, um Staus zu umgehen. Die Stadt will führende Innovationsstadt werden. Altanta ist der Nachhaltigkeitschampion der USA. Die Stadt hat den Energieverbrauch in allen Bereichen optimiert.

Woven City in Japan: Am Fuße des Fuji entsteht die Stadt von Toyota auf 150 ha. Man spricht von einem Living Laboratory. Sie wird von einem dänischen Architekten gebaut.

Smart Communities: Optimale Energieausnutzung in Wohnanlagen. In der Regel anhand von Solaranlagen ausgeführt. Entscheidend ist die Steuerungs- und Speichertechnik. 2015 startet ein Experiment in Speyer (Stadt, Stadtwerke, Gewo, Nedo). Das japanische Staatsunternehmen Nedo liefert die wichtige Steuerungs- und Speichertechnik. In Landau soll ein E-Park entstehen: ein intelligentes Gewerbegebiet, in dem Firmen vieles gemeinsam nutzen. Als Smart City schlechthin gilt die spanische Stadt "Santander". Hier ist fast alles miteinander verbunden (Parkplätze, Müll. Baustellen, Beschwerden gegen die Verwaltung, öffentliche Beleuchtung).

Kommunaler Klimaschutz: Nationale Klimaschutzziele können nur zusammen mit den Kommunen erreicht werden. Deshalb gibt es eine Reihe von kommunalen Förderprogrammen (über das Umweltministerium). Diese sind z. B. für die Installierung von Klimaschutzmanagern, Energiesparmodellen an Schulen oder Kindergärten, sowie die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf Leuchtdioden. Kommunen können sich auch dem "Masterplan 100 Prozent Umweltschutz" verschreiben und sich verpflichten, bis 2050 ihre Treibhausgasemissionen um 95 Prozent zu senken. Dann bekommen sie achtzig Prozent der Kosten ersetzt. Die Mittel stammen aus dem Handel mit Emissionszertifikaten. 5 Städte in Deutschland wollen und sollen im Umweltschutz vorangehen. Sie sollen verschiedene Konzepte ausprobieren, um die Luftqualität weiter zu verbessern (ÖVP, Fahrrad, Individualverkehr reduzieren, Digitalisierung; dazu gehören Bonn, Essen, Mannheim, Herrenberg, Reutlingen).  Als ein Vorreiter im kommunalen Klimaschutz gilt Grenoble in Frankreich. Der erste grüne Bürgermeister Eric Piolle (kommt aus der Wirtschaft) hat neue Maßstäbe gegen die Belastung der Einwohner durch Feinstaub, Kohlendioxid und Ozon gesetzt. Radfahrer haben immer Vorfahrt.

Städte als handelnde Akteure in der globalen Umweltpolitik: Wie im Mittelalter, als die großen Städte Vorreiter in Kultur, Innovation und Organisation waren, so übernehmen auch heute Städte immer größere globale Aufgaben. In der EU handelte z. B. Danzig in der Flüchtlingspolitik nicht im Sinne Polens sondern der EU. In den USA haben sich 300 Städte ("Städte der Zuflucht") zusammengeschlossen, weil sie gegen den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen sind.

Smart City Berlin: Bürgernutzen, Klimaschutz, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind von besonderer Bedeutung. die Strategie stammt aus dem Jahre 2015. Eingebunden sind Energietechnik, Verkehr, Mobilität und logistik, Informations- und Kommunikationstechnologien.

Smart City Darmstadt: 2017 gewann die Stadt den Bitkom - Titel "Digitale Stadt". Alle Bereiche der Daseinsvorsorge sollen abgedeckt sein. Insgesamt 14 Bereiche werden betrachtet: Verwaltung, Mobilität, Handel & Tourismus, Bildung, Gesellschaft, Umwelt, Energie, Sicherheit, IT - Infrastruktur, Cybersicherheit, Datenplattform, Gesundheit, Kultur, Industrie 4.0. Gesamtprojekt "Digitalstadt Darmstadt".

Smart City München: Technologiekonzerne von Weltrang nehmen münchen als Standort. Apple und Google sind schon lange präsent. Apple investiert in drei Jahren eine Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung. Apple hat 1500 Kernmitarbeiter und noch weitere. Google hat 2500 Beschäftigte. Auch andere Tech - Konzerne sind vertreten, wie Microsoft und IBM.  Slogan "Laptop und Lederhose". Die TU München spielt eine wichtige Rolle.

Smart City Wolfsburg: Die Wobcom GmbH, eine Tochter der Stadtwerke Wolfsburg, baut mithilfe von Pure Storage eine neue IT-Infrastruktur auf.

Smart City Zürich: Die Stadt entwickelt sich zur Cloud-Metropole. Stromversorger rüsten nach. Im Kanton gibt es 2021 schon 28 Rechenzentren. Die große Anbieter bauen lokale Knoten aus (Google, Microsoft). Dazu gibt es auch lokale Größen wie Green. In Dielsdorf wird ein Metro-Campus gebaut.

Die Rolle von Augmented Reality: Es ist eine Art Smarter Architekt. Man erlangt auch einen Röntgenblick. Besonders geeignet ist es für den Tourismus. Es hilft bei der Einrichtung eines Hochwasserwarnsystems. Virtuelle Städteverschönerung ist auch möglich.

Autonomes Fahren: Es gibt 5 Stufen: 1. Fahrerassistenz. 2. Partielle Autonomie. 3. Bedingte Autonomie. 4. Hohe Autonomie. 5. Volle Autonomie (jede Fahrsituation wird ohne Insasse bewältigt). Die Fahrsicherheit kann erhöht werden durch die Kombination von Sensordaten. 2016 gab es in Mountain View den ersten Unfall. Dann folgt ein zweiter Unfall mit Toten. Dadurch erhielt das autonome Fahren Kratzer und wurde um Jahre zurückgeworfen. Im Mai 2021 beschließt der Bundestag ein Gesetz, dass autonomes Fahren ermöglicht. Damit wird Deutschland zum Vorreiter beim autonomen Fahren. Autonomes Fahren ist ab 2022 möglich. Es ist auch Stufe 4 erlaubt (nur Maschinen gesteuert).   In Hambach (Neustadt Weinstraße, RLP) findet ein Versuch der TH Kaiserslautern statt. Kleinbusse fahren autonom (Fahrer nur zur Sicherheit dabei) auf mehreren Routen zum Schloss.

Lieferdienste für Essen: Hier dürfte es in den nächsten Jahren hohe Zuwächse geben. Die Umsätze mit Essenslieferungen betrugen 2019 in den großen Wirtschaftszonen: 1. Europa 16,5 Mrd. $ (davon D 2). 2. USA 22,0 Mrd. $. 3. China 40,2 Mrd. $. Für 2024 werden folgende Zahlen erwartet: 1. Europa 28,6. 2. USA 32,0. 3. China 67,6. Größter Anbieter in China ist Meituan Dianping. Größter Anbieter in den USA sind Grubhub und Domino`s Pizza.  In Deutschland liegt Takeaway.com vorne. Vgl. Online Food Delivery Report 2020 (Statista); WiWo 41, 2.10.20, S. 8.

Kommunen als zentrale Akteure des digitalen und dezentralen Energiesystems: Kommunen sind die zentralen Mittler. Sie müssen Smart Grid, Smart Meter, neue Geschäftsmodelle, Flexibilisierung des Strommarktes umsetzen. sie sollten auch kleine Akteure unterstützen (Prosumer, Genossenschaften, KMU). Quelle: AEE 2019; Heinrich - Böll - Stiftung: Energieatlas 2018. Dekarbonisierung (Erneuerbare Energie), Digitalisierung (Smart Grit), Dezentralisierung (Kommunen) und Demokratisierung (Partizipation) müssen Hand in Hand gehen (4 D).

E-Government:  Als großes Vorbild wird immer wieder Estland genannt. In Deutschland ist dafür sicher der Föderalismus nicht unbedingt förderlich.

 Smart Nation Singapur: Smart City, Future City, Green City. Das Innovationsmanagement gilt als das Beste in der Welt. Ab 2017 soll Siemens Singapur zur digitalen Modellstadt machen.  Vgl. Schnaas, Dieter: Tropenübungsplatz, in: Wirtschaftswoche 1/2 2020, 3.1.20, S. 26ff. Bei den Nutzern dieser Plattform liegt Singapur in Asien an der Spitze. Mit der Corona-Krise 2020 wird das Land sehr gut fertig. Der Flugdienst Volocopter will bis 2024 Flug-Taxi-Dienst in Singapur einrichten. Das Unternehmen ist im Bruchsal/ BW. Singapur vernetzt sich wie kein anderes Land der Erde. Schon 2021 geht fast alles mit dem Handy. Die Politiker gelten als visionär - die Bürger als folgsam.

Als Musterprojekt gilt der Pungol Digital District, ein Stadtteil im Nordosten Singapurs: 50 Hektar, 28.000 Arbeitsplätze, 12.000 Studenten. Immer mehr chinesische Baukonzerne ziehen am Rande Hochhäuser hoch. Es entsteht ein Ökosystem für Wissenschaft und Industrie. Damit verbunden ist eine "Open Digital Platform". Es wird eine Dateninfrastruktur aufgebaut. Am Ende soll der Stadtteil über eine einzige Plattform über Echtzeit-Daten gesteuert werden. Der SingPass soll fast alles ermöglichen. Vgl. Hein, Christoph: Smart Nation Singapur, in: FAZ Nr. 119, 26.5.21, S. B4.

Es wird auch ein neuer Stadtteil gebaut: Tengah. Er soll für die Gegensätze Urbanität und Dschungel stehen. Wichtige Bestandteile sind ein zentrales Kühlungssystem, eine automatisierte Müllentsorgung. In der Siedlung mitten im Urwald sollen die Menschen im Einklang mit der Natur leben. Eine App informiert laufend übe rden Energieverbrauch. 

 

Smart Farming (Smart Wine):

Smart Farming: 1. Autonome Traktoren. 2. Ernteroboter. 3. Drohnen. 4. Melkroboter. 5. Precision Farming. 6. Erntedaten live abrufen( automatische Dokumentation für mehr Transparenz). Jeder zweite Landwirt in Deutschland arbeitet mit digitalen Lösungen 2018. 8% der Landwirte setzen Roboter ein, 4% Drohnen. Die Landwirtschaft gehört zu den führenden Wirtschaftsbereichen im Hinblick auf Automatisierung und Digitalisierung. Der Landwirt wird zum Hofmanager mit Smartphone. Schon jeder zehnte Bauer in Deutschland setzt 2018 Drohnen ein.

Essbare Stadt nach dem Gießkannenprinzip (Urban Farming): Obst, Gemüse, Salat und Kräuter werden zunehmend in Städten angebaut. Himmelsfarmen gibt es in vielen Metropolen. Bundesweit haben 2018 über 100 Rathäuser beschlossen, selber ihr Gemüse anzubauen. Für Kommunen ist diese Bepflanzung oft günstiger als eine Saisonbepflanzung mit Hecken oder Geranien, die erneuert werden müssen. Als Vorbilder gelten die Gewächshäuser in Singapur mit künstlichem Licht. Auch in Brüssel gibt es schon Hochhausdächer mit Nutzpflanzen, wie auch in Tokio. Auch in Deutschland ist Urban Farming stark auf dem Vormarsch: Man hat gesunde Produkte ohne lange Transportwege. So werden auch Fischfarmen in deutschen Großstädten betrieben (München, Berlin; vgl. auch Aquakultur).

Vertical Farming: Ackerbau im Hochbetrieb. Eine wichtige Rolle spielt die Lichtindustrie. Mit moderner LED-Technik lassen sich Geschmack, Frische und Größe präzise steuern. In diesem Bereich gibt es auch immer mehr Gründungen. Bekannt ist etwa "Herbert". Das sind zwei Wiener Gründer, die einen vertikalen Gemüse- und Kräuterladen betreiben.

Infarm: Die Stadt als Farm. Die Gewächsschränke stehen mitten in den Märkten. Die Kunden bedienen sich. Selbstlernende Algorithmen berechnen, was die Pflanzen brauchen (Licht, Wasser, Wärme). Cloudgesteuerte Farming - Netzwerke. Start-up, das sogar einen Börsengang erwägt.

Autonomer Traktor: Bei der Bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) arbeitet man mit einem autonomen Traktor. Die Technik stammt von der Firma Braun Maschinenbau in Landau/ Pfalz. Der Test findet im Weinbaugebiet Thüngerheimer Scharlachberg statt. Im Frontbereich des Traktors sind Laserscanner montiert.

Drohnen: Überwachung von Pflanzen und Feldern. Fehlen von Dünger oder Wasser. Es werden digitale Karten angelegt. Rehkitze können vor Mähern ausgemacht werden.  Schädlinge können bekämpft werden.

Farmdroid/ Hack-Roboter: Dänemark Farmdroid FD20. Er merkt sich, wo Samen gesteckt ist und entfernt alles, was drum herum wächst.

"Künstliche Nase" (KI im Weinbau und in der Weinforschung): Der Bund fördert in der Südpfalz vier Betriebe, mit fast einer Million Euro. Es ist ein Kooperationsprojekt. Die Künstliche Intelligenz soll die Weinprobe unterstützen. Beteiligt sind die Vineyard-Cloud, das Julius Kühn-Institut für Rebenzüchtung und das Weingut Lergenmüller. Die KI soll in einem zweiten Projekt für die Ertragsprognose eingesetzt werden.

Smart Grape: Neues Messsystem zur Qualitätsbestimmung bei Trauben mit KI. Messsystem im mittleren Infrarotbereich (MIR). Kooperationsprojekt am Weincampus Neustadt. Gefördert vom Bundesministerium für Landwirtschaft.

Robo-Winzer: Forscher der Universität Politecnica de Valencia wollen ab 2021 mit dem VineScout den Ertrag von Winzern steigern. Der rollende, autonom arbeitende KI-basierte Roboter registriert mit Sensoren die Farbe der Blätter und Trauben, bewertet Zustand und Reifegrad der Pflanzen und gibt Anweisungen für das Bewässern und Düngen. Er erfasst pro Stunde 12.000 Messpunkte gegenüber 40 bei manuellen Probeentnahmen. Vgl. com!professional 6/2021, S. 29.

Weinprobe als Live-Shopping Event: Eine rder Vorreiter bei der Online-Weinprobe ist der Weinhändler Ludwig von Kapff. Weinexperten begleiten Kunden übe rZoom beim Genuss eines vorab bestellten Weinsets. Auch andere Weinhändler und Kooperationen bieten mittlerweile Virtuelle Weintouren an.

 

Smarte Energieinfrastruktur/ Energiepolitik (4 D: Dekarbonisierug, Digitalisierung, Dezentralisierung, Demokratisierung)

Dezentrale Energieversorgung: Bei einer dezentralen Energieversorgung der Haushalte sind beide wichtig. Die Geothermie ist umstritten, weil sie Erdbeben auslösen kann, wobei der Zusammenhang schwierig  zu messen ist (z. B. Geothermiekraftwerk Landau; Geoenergy). Biogasanlagen werden in der Regel von Landwirten betrieben, die auch Alternativen zur Milchwirtschaft brauchen (Abgabe von Nahwärme). Auch diese Energiegewinnung hat oft nicht die nötige Akzeptanz (Geruch, Geräusche u. a.). Biogas entsteht grundsätzlich durch Vergärung organischen Materials. Der dezentralen Energiegewinnung trotzdem gehört eindeutig die Zukunft in Deutschland, unterstützt durch transnationale Energieversorgung, fast ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Vgl. Scheer, Hermann: Der Energethische Imperativ, München 2010. Bei der dezentralen Versorgung spielen Wärmepumpen (auch Kraft-Wärmepumpen) eine immer größere Rolle. Sie können heizen und kühlen. Sie können mit einer Photovoltaikanlage gekoppelt werden. Mittlerweile gibt es Photovoltaikanlagen für den Eigenbau für ca. 700 €. Der große Vorteil einer dezentralen Versorgung ist auch der Verzicht auf Hochspannungsleitungen. Ein wichtiges Problem dabei ist die Speicherung. Mittlerweile lässt sich erneuerbare Energie wie Wind und Sonne in Methangas umwandeln (Pilotanlage in Morbach/ Hunsrück). Der Energieversorger Eon plant 2011 den Bau von 360 Block-Heizkraftwerken, die Energie direkt vor Ort für Mehrfamilienhäuser erzeugen sollen. Als Vorreiter in Deutschland gilt der Ort Feldstein in Brandenburg. Windräder, Biogasanlage und eigenes Netz locken auch viele Besucher aus Japan an. Ende 2012 gibt es Pläne bei den Energieversorgern, Nachtspeichergeräte (elektrische Nachtspeicherheizung) als Speicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken zu nutzen. Dazu müsste die Energiesparordnung geändert werden. 2013 kippt der Bundestag auch das Verbot für Nachtspeicher (ursprünglich Verbot wegen Stromfresser, Asbestbelastung). Der Trend zur Dezentralität in der Energiewirtschaft ist aber der Megatrend. Das dürfte die Welt der Energie komplett verändern. Im Kommen sind auch regionale oder individuelle Batteriespeicher (Akkus), die die Schwankungen von erneuerbaren Energien ausgleichen können. Die Reform der EEG-Umlage führt zu einer Verzögerung: Die Solar- und Blockheizkraftwerkhersteller leiden. Sie liegen mit 10.000 Kliowattstunden in der Regel oberhalb der Grenze der Befreiung. Speicher könnten ein Ausweg sein. Wärmespeicher gelten als Zukunftsmarkt.

Private Energiewende durch Kombination von Technologien: Ein privates Hauskraftwerk besteht aus drei Komponenten: Fotovoltaik-Anlage, Mini-Blockheizkraftwerk, Batterie. Damit können sich Eigenheimbesitzer rund um die Uhr versorgen. Das wird die Zukunft sein; das Netz wird an Bedeutung verlieren.

Ökostrom: In Deutschland verkaufter Ökostrom stammt meist aus österreichischen oder skandinavischen Wasserkraftwerken. Einer der größten Anbieter ist Naturstrom. Weitere Anbieter des grünen Stroms sind in Deutschland Lichtblick und Greenpeace Energy. Der Anstieg der Strompreise ist teilweise auch auf Subventionen von Solarstrom zurückzuführen. Trotzdem müssten erneuerbare Energien bevorzugt ins Netz eingespeist werden, um eine Energiewende herbeizuführen. Leider führt die Legitimation über den Ökostrom immer wieder zu fragwürdigen Strompreiserhöhungen. Das Statistische Bundesamt berechnet den Durchschnittserlös pro Nutzergruppe. Der Durchschnittserlös berücksichtigt den Energiepreis (Arbeits- und Leistungspreis sowie Nutzungsentgelte), die Stromsteuer sowie die staatlich festgelegten Abgaben nach den Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, nicht aber die Mehrwertsteuer. Dies schafft Transparenz in der Strompreisbildung. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat in einer Modellrechnung festgestellt, dass Deutschland sich Mitte des Jahrhunderts vollständig mit grünem Strom versorgen kann. Zwischen 2030 und 2040 wird die grüne Versorgungsvariante billiger als die konventionelle. Die Produktionskosten für Strom aus Wind und Sonne werden sich konventionellen Quellen nach und nach angleichen. Die Kürzungen der Einspeisevergütungen sollten sich nach dem technischen Fortschritt richten. 2010 wird die Nationale Plattform Mobilität von der Bundesregierung ins Leben gerufen. Es geht um Fahrzeuge, erneuerbare Ressourcen und Infrastruktur. Nach einer Studie der Umweltverbände BUND und Greenpeace 2014 könnte die Ökostromumlage für Stromkunden um 12% sinken, wenn auch der Eigenverbrauch konventioneller Kraftwerke mit dem Öko-Obulus belegt wäre. Die größten Profiteure sind die ineffizientesten und ältesten Kraftwerke, deren Eigenverbrauch am höchsten ist. Jahresmitte 2017 steigt der Anteil an Ökostrom in Deutschland auf 35 Prozent. Im ersten Halbjahr 2017 lag die produzierte Strommenge aus Windenergie in der Nordsee 50% über dem Vorjahreswert. Die Herbststürme 2017 treiben die Ökostromerzeugung auf einen neuen Höchststand. Der Anteil steigt auf 29,5 insgesamt 2017 (Verzehnfachung seit 1990). Ökostrom kommt aus Windparks, Photovoltaik- und Wasserkraftanlagen sowie Biomasse. (2014 entscheidet der Europäische Gerichtshof, dass die Ökostromhilfe für ausländische Erzeuger nicht gilt. Der Europäische Rechnungshof kritisiert die Ökostromförderung als ineffizient. Wäre das Internet ein Land, hätte es den sechstgrößten Stromverbrauch (täglich 2,5 Mrd. Menschen). Dies beeinflusst natürlich auch stark den Klimawandel. Öko-Stromerzeugung und -Verbrauch müssen besser vernetzt werden. Der Bund fördert solche Projekte. Eines läuft in RLP mit der Bezeichnung "Design-Netz". Eingebunden sind das DFKI und das IESE in Kaiserslautern. 2016 steigt die Ökostromumlage weiter an. Die Förderung wird von 6,35 Cent pro Kilowattstunde auf 6,88 Cent angehoben. Die Reserve für die Photovoltaikanlagen steigt 2017 auf mehr als 5 Mrd. Euro an. Damit zahlen die Verbraucher zu viel Umlage für Ökostrom. 24 Milliarden € werden 2016 für Ökostrom-Förderung ausgegeben. Die Umlage für Strom aus Sonne und Wind ist erstmals seit 2006 kaum gestiegen. Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg profitieren am meisten. 2018 erreicht der Ökostrom erstmals über 40%. Dazu haben vor allem die vielen Sonnenstunden im Sommer beigetragen. Mitte 2019 erreicht der Ökostrom Rekordniveau: 44% im 1. Halbjahr 2019 (Windkraft, Sonne).

Strompreis: Seit 2007 (bis 2012) ist der Strompreis um 39% gestiegen. Er hat zahlreiche Determinanten. Zunächst geben die "alten" Energieerzeuger (mit CO2-Abgabe, Steinkohle, Gas) und die "neuen" Energieerzeuger (Windkraft, Solar) ihre Angebote ab. An der Strombörse wird dann ein Preis gebildet (Stromzusammensetzung Spitzenlaststrom/ 30% und Grundlaststrom/ 70%. Die Endverbraucher müssen unterschiedlich hohe Strompreise zahlen (am wenigsten zahlt die energieintensive Industrie, vor der Industrie und Gewerbe und Dienstleistungen; am meisten zahlen private Haushalte). Zuletzt kommt noch die EEG-Umlage (bis 2011 54 Mrd. €) dazu, die die Differenz zwischen dem Börsenpreis und den Vergütungen, die den Stromerzeugern garantiert sind, ausgleicht. Andere Einflussgrößen auf den Preis sind die Umsatzsteuer, das Netznutzungsentgelt, die Konzessionsabgabe Strom, die Stromsteuer, die NEV-Umlage, die KWK-Umlage, die Offshore-Haftungsumlage, die Abrechnung der Netznutzung, der Messstellenbetrieb und die Messungsdienstleistung. Die Ökostrom-Umlage (EEG-Umlage) soll 2013 auf ca. 5,3 Cent pro Kilowattstunde steigen (es werden genau 5,277 Cent; dies polarisiert). Einige Energiekonzerne sehen den Preis bis 2020 um ein Drittel ansteigen. Dies ist im Moment "Kaffeesatz-Leserei". Aber die Preise steigen natürlich in der Energiewende (Atomausstieg) an. Der Bundesumweltminister will die Förderung für Ökostrom deckeln (andere Vorschläge wollen die Ausnahmen für die energieintensive Industrie beschränken oder die Mehrwertsteuer einschränken). 2013 wird vom Bundesumweltminister die Abschaffung der EEG-Umlage erwogen. Dies dürfte politisch zurzeit nicht durchsetzbar sein (große Auswirkungen auf Investitionen bei alternativen Energien). Rund 50% des Strompreises machen inzwischen Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Der Bund macht 2013 Pläne, die Ökostromumlage um 1,86 Mrd. € zu kürzen. Eine Einigung mit den Ländern steht aus. Eine starken Einfluss auf den Preis hat die Berechnung der EEG-Umlage: Sie wird als Differenz zwischen den garantierten Ökostromabnahmetarifen und dem Börsenstrompreis errechnet. Fallende Börsenstrompreise führen zu einer höheren Belastung der Verbraucher. Die Umlage wird jeweils am 15. Oktober fürs Folgejahr bekannt gegeben (von den Netzbetreibern auf Basis der Septemberdaten berechnet). Dabei fließen Schätzungen ein (Lage im Folgejahr, wie viel erneuerbare Energie zusätzlich, Marktpreis, Industriebtriebe, Liquiditätsreserve). Die Zahl der energieintensiven Betriebe, die von der Umlage befreit sind, erhöht sich 2013 auf ca. 2800. Die EU leitet deshalb Ende 2013 ein Verfahren gegen Deutschland ein. Es geht um versteckte Subventionierung und Verletzung europäischen Wettbewerbsrechts. 2014 einigen sich Berlin und Brüssel. Der Preisverfall an den Börsen macht aber den Energiekonzernen zu schaffen. Insbesondere die konventionellen Kraftwerke leiden darunter, dass durch den starken Ausbau der erneuerbaren Energien die Preise an den Strombörsen massiv ins Rutschen gekommen sind. Bayern weigert sich, Trassen für Windstrom aus dem Norden zu bauen. Dann könnte der deutsche Energiemarkt zweigeteilt werden und den Süddeutschen drohen höhere Strompreise (+10%; Bayern, B.-W., Süden von RLP; Studie der EU-Kommission). Durch die Erneuerbaren Energien (Aufschlag für Ökostrom) drohen die Strompreise ab 2016 noch um Jahre zu steigen.  Die Preise für Strom, Gas und andere Brennstoffe sind seit 2006 bis 2013 um 23,6% in Deutschland gestiegen. Seit 2000 haben sich die Strompreise verdoppelt. Vor allem Haushaltskunden und der Mittelstand zahlen die Kosten der Energiewende (Statistisches Bundesamt). Die Regulierungsbehörde wird wohl ab 2016 den Garantiezins senken (aktuellen Bedingungen des Kapitalmarktes anpassen). Wenn der Eigenkapitalzinssatz sinkt, gehen auch die damit fälligen Gebühren für die Stromkunden zurück.

Energieschwankungen und Ausgleich: Hier liegt viel Entwicklungspotential. Stromspeicher (Seen), neue Batterietechnologien, Umwandlungen (in Wasserstoff) und Pumpspeicherkraftwerke können eine Lösung sein. Pumpspeicherkraftwerke speichern elektrische Energie durch Hochpumpen von Wasser. Wird Strom benötigt, lässt man das Wasser bergab fließen und erzeugt durch Turbinen und Generatoren Strom. Das größte Pumpspeicherkraftwerk in Deutschland soll im Hotzenwald im Südschwarzwald entstehen. Noch in der Testphase sind magnetische Energiespeicher (Energiefeld, permanente extreme Kühlung). Ohne eine ausreichende Netzinfrastruktur, um Strom aus Windkraftanlagen vom Norden in den Süden zu transportieren, wird es aber nicht gehen.  Smart Grid:  englische Begriff für ein intelligentes Stromnetz. Es erfasst Verbrauchsspitzen und steuert die Einspeisung und Verteilung der Energie. Hier wird die Steuerung immer wichtiger (Siemens, SAP u. a.). Einflüsse auf die Auslastung haben Jahreszeiten (Winter problematischer als Sommer) und Tageszeiten. Wichtig sind auch gute Kühlverfahren. Die Steuerung des Stromflusses wird umso wichtiger, je mehr kleine, dezentrale Erzeugungsanlagen Strom ins Netz einspeisen. Die Forschungen in Kleinenergiespeicher (Batterien pro Haushalt) sollten intensiviert werden. Immer wichtiger wird ein effektives Demand-Site-Management (Erforschung der Preissignale). Wenn die Erzeugung sich nicht mehr nur am Verbrauch orientiert, werden Smart Grids auch für Haushalte interessant. Gaskraftwerke können Flauten von Solar- und Windstrom überbrücken. Doch die Reservisten müssen bezahlbar sein. Immer wichtiger wird die Einrichtung von Energieschwärmen (Kooperation einzelner Erzeugungsformen).  Als zukunftsträchtig gilt auch die Power-to-Gas-Technologie: Ökostrom wird unter Zuhilfenahme von Wasser chemisch in Wasserstoff und Sauerstoff umgewandelt. Dadurch wird Strom speicherbar. Mögliche Nutzungsoptionen ergeben sich im Verkehr, bei Haushalten oder in der Kraft-Wärmekopplung. 2015 entstehen immer wieder Energieüberschüsse bei Erneuerbaren Energien wie Solar und Windrädern in Deutschland. Diese Überschüsse werden in die Nachbarländer wie Polen, Tschechien, Niederlande, Belgien und Frankreich geleitet und führen dort teilweise zu Zusammenbrüchen. Die Länder wollen sich abschotten und fordern Deutschland auf, sein Stromnetz endlich auszubauen. Eine Pilotanlage wird ab 2014 in Frankfurt betrieben. 2015 startet das Pirmasenser Prüf- und Forschungsinstitut  eine Anlage zur Umwandlung von Ökostrom in Erdgas. 2,6 Mio. Euro kostet die Pilotanlage, die mit Mikroben arbeitet. 2014 betrug die Stromrechnung von Google 1300 Millionen Dollar. Lernende Algorithmen senken massiv die Energiekosten. Die schlaue Software soll bald auch in Deutschland eingesetzt werden.

Smart-Meter: In den nächsten Jahren dürften vorhandene Stromzähler durch vernetzte intelligente Messsysteme, die als Smart Meter bekannt sind, ersetzt werden. Am 2. September 2016 trat in Deutschland als ein Element des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) in Kraft. Smart-Meter haben drei Informationsaustauschfunktionen: 1. Kommunikation von intelligenten Messsystemen. 2. Datenaustausch mit steuerbaren Energieverbrauchern. 3. Datenversand und -empfang für externe Marktteilnehmer.

Speicher: 1. Betonkugeln am Meeresgrund, in die überschüssiger Strom aus Windparks gepumpt wird. Wird Strom benötigt, strömt Wasser ein und treibt eine Turbine an (Nordsee). 2. Ist Strom billig, ziehen Elektroloks Waggons lang gestreckte Hügel hoch. Rollen die Züge gen Tal, speist ein Generator Strom ein (Nevada). 3. Wasser sammelt man in einem still gelegten Bergwerk. Stürzt es an die Oberfläche, treibt es im Schacht installierte Stromturbinen an (Bottrop). 4. Setzen Kompressoren Ballons unter Druck, kann man mit der ausströmenden Luft Strom produzieren (Toronto, Kanada). 5. Nutzen des Tidenhubs bei Ebbe und Flut (Swansea, Wales). 6. Zurückverwandeln von Wärme in Strom (Hamburg). Vgl. Wirtschaftswoche 50/ 2.12.16, S. 60ff.

Modelle für Versorgungssicherheit beim Ausfall von Wind- und Solarstrom: Zusätzliche Kraftwerksreserve, reine Marktlösung ohne nennenswerte Reserve (EU-Kommission), dezentraler Kapazitätsmarkt für Zertifikate (große Regionalversorger), fokussierter Kapazitätsmarkt (BMWi).

Konzepte der virtuellen Stromspeicherung: Hiermit können zukünftig dezentrale industrielle Stromspeicher verbunden werden. Damit geht die Entwicklung vom Energiemanagement zum Flexibilitätsmanagement. Die vier Energiemärkte (negative Sekundärreserve, negative Minderreserve, Spotmärkte/ Day Ahead, Intraday) sollen gekoppelt werden. Es geht darum, die