Werner Krämer

Mercator/ Digital *

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Zur Inhaltsangabe und Gebieten der Digitalisierung

 * Mercator ist einfach die lateinische Übersetzung meines Nachnamens Krämer, der auch Kaufmann bedeutet. Im alten China bildeten die Kaufleute  die vierte soziale Schicht nach Gelehrtenbeamten, Bauern und Handwerkern. Mercator heißt auch ein relativ junges Asien-Institut in Berlin, dem die gemeinsame historische Entwicklung mit dem Aufstieg Chinas fehlt. .("Diejenigen, die Güter transportieren und Waren verkaufen, nennt man Kaufleute/ shang, aus dem Hanshu, der "Geschichte der Han", von Ban Gu, 32-92). Die Digitalisierung ist die größte Herausforderung für die Gesellschaft heute. An dieser Stelle sind querschnittartig alle wichtigen Infos zu diesem Thema  aufgeführt.  

2019 ist das "Leonardo-Jahr". Im Jahre 2019 am 2. Mai starb vor 500 Jahren (1519) Leonardo da Vinci, geboren 1452. Er war ein besessener Erfinder und Innovator. Er war Architekt, Maschinenbauer, Ingenieur, Anatom, Feinschmecker, Naturphilosoph  und Maler (Mona Lisa, Salvator Mundi, Fresko Das Abendmahl). Der Codex Madrid, den man 1965 gefunden hat, enthält zahllose Ideen von ihm. Vgl. Bernd Roeck: Leonardo. Der Mann, der alles wissen wollte, Verlag C. H. Beck 2019. Er hätte fast alleine mit seinen Ideen eine technologische Revolution auslösen können; er vereinigte alle Eigenschaften in sich, die heutzutage wichtig sind, wenn von Fortschritt die Rede ist. Er war insofern eine Jahrtausendfigur. Er hatte großen Mut zum "Gegendenken", heute spricht man von Disruption. Es war auch ein Umbruch der Geschichte, das Ende des Mittelalters, der Beginn der Neuzeit. Sein Umbruch geht aber noch darüber hinaus.  Vgl. auch: Ulrike Knöfel: Unheimlich modern, in: Der Spiegel Nr. 18, 27.4.2019, S. 100ff. Leonardo konnte nicht so viele inspirieren, weil viele seiner Entwürfe Hunderte Jahre verschollen waren. Vieler seiner Konstruktionen hätten allerdings auch nicht funktioniert. Vgl. Matthias Eckoldt: Leonardos Erbe. Die Erfindungen da Vincis - und was aus ihnen wurde, Pinguin Verlag 2019.  "Die ganze Welt ist Phantasie und jeder folgt seinem Gesetz, das heute Königreiche beherrscht, um jedes Begehren zu verfolgen", Jean Hesdimois, Zeitgenosse von da Vinci. "Die Tugend will, dass man ihr folgt, nicht der Fortuna: Bei der ist`s vergeblich. Nicht fern von der Tugend soll sein, wer sein Leben glücklich beenden will", Marchetta Cara, ebenfalls Zeitgenosse.                                   

"Ich habe mich so lange um `s Allgemeine bemüht, bis ich einsehen lernte, was vorzügliche Menschen im Besonderen leisten", Goethe, Maximen und Reflexionen, Sophienausgabe Bd. 42 II, S. 135 (gemäß dieser Aussage kann es immer nur um die passende Umsetzung und Anwendung der Erkenntnisse großer Wissenschaftler und Praktiker gehen.

Links sieht man das Denkmal von James Watt, dem Erfinder der Dampfmaschine in Glasgow auf dem George Square. Die Dampfmaschine löste die erste industrielle Revolution aus. Gegenwärtig  findet die digitale Revolution statt, ausgelöst durch die Möglichkeiten des Internet, das sowohl die Produktion als auch die Organisation der Unternehmen grundlegend verändern wird. Zusätzlich wird ein starker Wandel bei Transport/ Logistik, Marketing und  beim Informationsmanagement ausgelöst. Insgesamt wird in der Folge eine gesellschaftliche Revolution vor sich gehen (Substitution physischer Arbeit und Routinearbeit, mehr Kreativität in der Bildung, mehr prekäre Löhne). Dadurch wird massiv der Beratungsbedarf ansteigen.

 

Inhalt:

Vorgeschichte: Technologische Revolutionen und ihre Wirkungen

Von der industriellen zur digitalen Revolution (Karl Marx - Jahr 2018: 200. Geburtstag und 150 Jahre "Das Kapital")

Digitale Revolution und Transformation im Gesamtüberblick ("The Second Machine Age")

Internetökonomie als Gebiet (Digitalisierung, Netzökonomie)

Stellenwert des Internet

Stichworte: Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain, Cloud, Virtual Reality

Die wichtigsten globalen digitalen Unternehmen und ihre Strategien

Digitale Umsetzung im Unternehmen/ IT-Management und -Beratung im Überblick; IT - Dienstleistungen, Informatik

Digitales Marketing

Digitale Produktion (Industrie 4.0)

Digitales Human Resources Management (HRM):  Mission mit Mensch im Mittelpunkt

Digitale Finanzierung

Portale "Finanzierung, Fintech"

Ethik/ Werte in der Digitalisierung

Digitalisierung und Recht

Digitalisierung und Arbeit bzw. Arbeitsmarkt/ Arbeitsmarktpolitik

Digitalisierung und Wettbewerbspolitik

Digitalisierung und Steuerpolitik

Digitalisierung und Industriepolitik

Digitalisierung und Umwelt/ Umweltpolitik

Smart City

Smarte Energieinfrastruktur/ Energiepolitik

Die Genossenschaftsidee von F. W. Raiffeisen - Die ideale Organisationsform in einer digitalen und nachhaltigen Welt? (200 Jahre Raiffeisen-Jubiläum; mit Fokus auf "Japan"),

"Made in China 2025" (Masterplan der KPC/ Regierung für die digitale Transformation in China)

Digitalisierung und Makroökonomik (Handel, Wachstum, Verteilung, Geld):

Big Data und Statistik: Daten und Methoden

Zur Rolle der Ökonometrie/ Statistik in der Ökonomie im Zusammenhang mit Big Data

Power Point - Auswendig - und fertig! Reflexionen über die ökonomische Bildung im digitalen Zeitalter (Vortrag).

 

                                                

 

 

 

Links sieht man ein Bild der Universität Glasgow, an der Adam Smith, James Watt und David Hume studierten (Schottische Aufklärung). Offenbar besteht ein enger Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Stärke eines Landes und der Bedeutung des ökonomischem Denkens für die Welt. Glasgow war im 18. jahrhundert ein Zentrum des Welthandels und der ersten industriellen  Entwicklung. Die wissenschaftssoziologische These von der Verbindung ökonomischer Macht mit wissenschaftlichem Einfluss in der Welt hat auch heute nichts von ihrer Bedeutung verloren.

Vorgeschichte: Technologische Revolutionen und ihre Wirkungen:

Strukturwandel: Veränderung der Wirtschaftsstruktur in der Zeit, insbesondere Anteil der Sektoren, gemessen an Wertschöpfung und Beschäftigtenzahl. Ursachen sind der Wandel von Nachfrage- und Angebotsstruktur, technischer Fortschritt, und internationale Arbeitsteilung. Die Folgen zeigen sich z. B. in der Arbeitsplatzstruktur und in der Rollenverteilung der Geschlechter.

Technischer Fortschritt: Die Herstellung neuer, verbesserter Produkte (Produktinnovation). Einführung verbesserter Produktionsverfahren (Prozessinnovation). Heute treten neue Formen des technischen Fortschritts auf: Insbesondere ist er disruptiv. Er erfasst in kurzer Zeit und mit großer Wucht das gesamte System der Produktion und Konsumption. Man spricht auch von General Purpose Technologies (GPT, Bresnahan/ Trajtenberg; drei Merkmale: großes Anwendungsfeld, bedeutendes Potential für weitere Verbesserungen, leichte Kombinierbarkeit). 2018 bekommt Paul M. Romer den Wirtschaftsnobelpreis. Er hat einen neue Wachstumstheorie (endogen) entwickelt, in der der technische Fortschritt dominiert. Die Akteure, die Marktformen, der Wettbewerb sowie der Staat bestimmen zusammen das Wachstumstempo. Vgl. P.M. Romer: Endogenous Technological Change, in: Journal of Political Economy, 98. Jg. (1990), S. 71-102. "Wir dürfen den technologischen Fortschritt niemals als monströses Naturereignis ansehen", Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, 2019.

Transformation: Wir leben im 21. Jahrhundert in einem Zeitalter der großen Transformation. Sie ist mit der im 19. Jahrhundert vergleichbar, die von Dampfmaschine und Aufklärung ausgelöst wurde. Als der Anfangspunkt der industriellen Arbeit gilt der Fluss Derby in Mittelengland. 1771 entsteht in Cromford (Dorf) die erste Fabrik, eine Textilfabrik. An diesem Fluss werden nach und nach weitere Textilfabriken gebaut (Waterframe). Es sind Spinnmaschinen, die mit Wasser angetrieben werden und erst viel später mit Dampfmaschinen. Die erste Fabrik in Deutschland entsteht in Ratingen und wird dann Cromford nach dem englischen Dorf genannt. Die aktuelle Transformation ist global. Die großen Treiber dieses Prozesses sind Demographie (Hauptfaktor "Migration"), Ökologie (Grenzen des Wachstums müssen akzeptiert werden), Technologie (Digitalisierung; Was man digitalisieren kann, wird man digitalisieren); Verschuldung aller öffentlichen Haushalte und auch der privaten Wirtschaftssubjekte (Haushalte, Unternehmen). Durch das Zusammenwirken dieser Faktoren ergibt sich eine hohe Komplexität. Vgl. Fredmund Malik: Navigieren in Zeiten des Umbruchs. Die Welt neu denken und gestalten, Frankfurt 2015, S. 51-72. Der Begriff "Transformation" geht auf Polanyi zurück. Vgl. Karl Polanyi: The Great Transformation, New York 1944.

Vierte Industrielle Revolution (digitale Transformation, the Second Machine Age): Sie verläuft mit exponentieller Geschwindigkeit und basiert auf der Digitalisierung. Sie verknüpft zahlreiche Technologien und betrifft alle Sektoren. Digitalisierung bedeutet auch Automatisierung. Die Wertschöpfung ist mit immer weniger Beschäftigten möglich. Besondere Sorge bereitet die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft. Eine herausragende Bedeutung kommt dem Plattform-Effekt zu: Digitale Unternehmen bauen Netzwerke auf, die Käufer und Verkäufer mit einer breiten Palette von Produkten und Dienstleistungen zusammenführen. Megatrends sind selbst fahrende Kraftfahrzeuge, 3D-Druck, Robotik, neue Materialien. Vgl. Klaus Schwab, Die vierte industrielle Revolution, München 2016. Damit einhergehen eine verbesserte Verarbeitungskapazität (bessere Leistung der Hardware), erhöhte Speicherkapazität (Cloud) und Energieeffizienz zusammen mit der stärkeren Vernetzung der Daten und Informationen (Big Data). Eine Basistechnik ist die Blockchain. "Nie hat es eine Zeit gegeben, die so große Möglichkeiten und zugleich so große Gefahren bereithielt", Klaus Schwab.

Dezentrale Revolution: Sie schafft eine neue Welt, die durch die Erfindung der dezentralen Vertrauensbildung möglich wird. Das Grundprinzip, auf dem Krypto - Währungen und Block - Chain - Technologie beruhen, ist die Dezentralität. In einem dezentralen Netzwerk gibt es keine zentrale Server. Jeder Computer kann Sender und Empfänger zugleich sein. Die Vordenker der dezentralen Revolution wollen eine wirklich freie Gesellschaft schaffen, in der freiwillige Vereinbarungen Hierarchien und Machtstrukturen ersetzen. Vgl. Koenig, Aaron: Die dezentrale Revolution, München (FBV) 2019.

Digitalisierung und Strukturwandel: Die Wirtschaftswelt wird zunehmend von Software geprägt. Hardware und Ingenieurskunst verlieren an Boden. Die Automobilindustrie ist die Schlüsselbranche in Deutschland. Elektrofahrzeuge sind technisch weniger komplex und einfacher zu bauen. Im DAX (30 Unternehmen) sind nur zwei Digitalkonzerne, SAP und Wirecard. Die künftige Wirtschaftswelt wird weniger von Ingenieuren und Maschinen geprägt als von Programmierern und Daten. Die große Gefahr besteht darin, dass die eigentlichen Produzenten nur noch Zulieferer für die großen Digitalkonzerne sind. Traditionelle Managementtechniken sind zu langsam. Möglichst viele Geschäfte sollten die Unternehmen selbst machen, damit sie nicht von Plattformen abhängig werden. Im Konsumgüterbereich und auch im Industriegeschäft schieben sich Plattformen wie Amazon und Alibaba zwischen Produzenten und Endkunden.

Megatrends des Strukturwandels als Folge der Digitalisierung: 1. Zunehmende Vernetzung von Produkten und Technologien. Daten- und Kundenzentrierte Geschäftsmodelle dominieren. Es kommt zum Boom Anbieterabhängiger Plattformen (etwa bei Mobilität). 2. Globale Wachstumsverlagerung. Die Bevölkerung nimmt vor allem in Städten zu. Konsumenten fragen mehr lokale Produkte nach. Es gibt dadurch einen Trend zur Regionalisierung.  Weil natürliche Ressourcen begrenzt sind, gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung. 3. Gesellschaftliche Veränderungen. Die Automatisierung verändert die Arbeitsanforderungen. Es ist eine große Zuwanderung erforderlich. Fragen der Datensicherheit werden immer relevanter.

Regionalentwicklung als Folge der Digitalisierung:  Mit der wirtschaftlichen Entwicklung beeinflussen 4 Faktoren die Bildung von Raumstrukturen: 1. Migration. 2. Handel. 3. Kapitalmobilität. 4. Wissensdiffusion. Die wirtschaftlich Entwicklung kann analytisch in vier Dimensionen getrennt werden: a. Agrarwirtschaft; b. Industrialisierung; c. Tertiarisierung; d. Digitalisierung. Daraus kann eine Matrix gebildet werden. Agrarwirtschaft: Migration gering, Handel: Agrarhandel entlang der Thünenschen Kreise, stationärer Handwerkshandel. Kapitalmobilität: kaum/ ortsgebunden. Wissensdiffusion: kaum, wegen disjunktiver Tätigkeiten (Agrar, Handwerk). Industrialisierung: Migration Land - Stadt, dynamisch, Landflucht. Handel: Transportkosten. Kapitalmobilität: agglomerationsgebunden. Wissensdiffusion: produktionsortgebunden. Tertiarisierung: Migration: Land -  Stadt, dynamisch. Handel: Arbeitskosten. Kapitalmobilität: hoch. Wissensdiffusion: Vernetzung, Verbundproduktion. Digitalisierung: Migration: zentrale Orte. Handel: Transportkosten. Kapitalmobilität: hoch. Wissensdiffusion: Vernetzung, Verbundproduktion. Quelle/ siehe: Hüther, Michael: Wozu Regionalpolitik? Wo liegt das Problem? in: Wirtschaftsdienst 2019/ 13 (Sonderheft), S. 7.

Kontratieff-Zyklus: Der russische Wirtschaftswissenschaftler Kondratieff beschäftigte sich in den 20er Jahren ähnlich mit langen Wellen im 50 Jahre - Abstand, die durch Basisinnovationen ausgelöst werden. Heute wäre das Internet die Basisinnovation.

Schöpferische Zerstörung: Schon immer verdrängten neue Produkte alte. Schumpeter (Joseph Schumpeter, 1883 - 1950) bezeichnete diesen Prozess als schöpferische Zerstörung. Heute nennen das viele Wissenschaftler Disruption. Der Motor der schöpferischen Zerstörung sind Unternehmer, die neue Ideen umsetzen. Nach Schumpeter ist diese Art Innovation die treibende Kraft hinter langfristigem Wachstum. Die schöpferische Zerstörung bezeichnete er als "entscheidendes Faktum des Kapitalismus". "Der fundamentale Antrieb, der die kapitalistische Maschine in Bewegung setzt und hält, entspringt neuen Konsumgütern, neuen Produktions- oder Logistikmethoden, neuen Märkten oder neuen Formen industrieller Organisation, die neue kapitalistische Unternehmen entstehen lassen", Joseph Schumpeter. Vgl. Marron, Donald: Wirtschaft in 30 Sekunden, Librero 2018, S. 76.

Konzeption  des Bauhauses, das in Weimar seinen Ursprung hatte. Zentrale Persönlichkeiten waren Walter Gropius, Hannes Meyer, Ludwig Mies van der Rohe. Berühmt sind unter anderen auch Marianne Brandt, Wilhelm Wagenfeld, Johannes Itten, Paul Klee, Lyonel Feininger, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky. Im Jahre 2019 hat das Bauhaus das 100 Jahre - Jubiläum nach der Gründung.  Die Aufnahme stammt aus dem Bauhaus-Museum in Weimar aus der Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum. Später wanderte man nach Dessau (hier ist das größte Museum) und Berlin, bis die Nazis die Bewegung 1933 verboten. Mies van der Rohe emigrierte 1938 in der die USA. Er starb 1969 in Chicago. Das Bauhaus war Teil einer neuen Kulturbewegung, die auf den Wandel der Zeit reagierte. Man wollte Produktgestaltung, Bauen, Kunst  und Handwerk optimal an die Industrialisierung anpassen. Die Frage ist heute, ob eine ähnlich einflussreiche Kulturbewegung in Sicht ist, die die die Anpassung an den digitalen Wandel propagiert. Quelle der Darstellung oben und Beschreibung auch: Magdalena Droste: Bauhaus, Bauhaus-Archiv Berlin, 2019, S. 73.

Veränderung der Welt durch KI (AI): 1.Das größte Verwerfungs- und Zerstörungspotential der KI liegt nicht auf militärischem Gebiet, sondern in ihrer Wirkung auf unsere Arbeitsmärkte und Sozialsysteme. Nutzen können wir KI im Bildungssystem (Vorbild Süd-Korea). Handwerkskultur wird bleiben (Japan, Schweiz, Deutschland). Routinearbeiten macht der Mensch immer weniger. 2. Der Mensch kann KI gestalten (liegt in unserer Hand. 3. KI und Mensch im Unterschied: KI KI kann menschliche Denkprozesse quantifizieren und auch menschliches Verhalten erklären. sie kann aber nicht Herzen und Gefühle ersetzen. Vgl.  Vgl. Kai-Fu Lee: AI Super-Powers. China, Silicon Valley und die neue Weltordnung, Frankfurt/ New York 2019, S. 291ff. 

 

Digitale Revolution und Transformation im Gesamt-Überblick ("The Second Machine Age")

"Die Zukunft ist schon da, sie ist nur ungleich verteilt", William Ford Gibson, Science-Fiction-Autor. "Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance", Victor Hugo.

Links Konrad Zuse mit dem ersten Grundmodell eines Computers (hier im Konrad Zuse Museum Hoyerswerda, wo Zuse Abitur machte). Er gilt als Erfinder des Computers (Motiv: "Ich war zu faul zum Rechnen"). 1948 veröffentlicht er den Aufsatz "Ein neues Rechengerät für technische und wissenschaftliche Rechnungen, in: Der Wirtschaft Spiegel, Bd. 1 (1948), S. 55-58. Schon 1936 hatte er in Berlin, seiner Geburtsstadt,  mit der Z1die erste Rechenmaschine der Welt gebaut. Es folgten weitere Modelle. Nach dem Krieg gründete er in Bad Hersfeld/Hessen eine eigene Computerfirma, die Zuse KG. Sie war bis 1964 im Privatbesitz von Zuse. 1964 ging sie an Rheinstahl, BBC und 1967 an Siemens. "Wenn die Computer zu mächtig werden, dann zieht den Stecker aus der Steckdose", Konrad Zuse. Außerdem: "Ich hatte nur das Glück, das meiner zuerst lief".

1. Definition, Grundlage: Sie verläuft mit exponentieller Geschwindigkeit und basiert auf der Digitalisierung. Sie verknüpft zahlreiche Technologien und betrifft alle Sektoren. Digitalisierung bedeutet auch Automatisierung. Die Wertschöpfung ist mit immer weniger Beschäftigten möglich. Besondere Sorge bereitet die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft. Eine herausragende Bedeutung kommt dem Plattform-Effekt zu: Digitale Unternehmen bauen Netzwerke auf, die Käufer und Verkäufer mit einer breiten Palette von Produkten und Dienstleistungen zusammenführen. Megatrends sind selbst fahrende Kraftfahrzeuge, 3D-Druck, Robotik, neue Materialien. Vgl. Klaus Schwab, Die vierte industrielle Revolution, München 2016. "Nie hat es eine Zeit gegeben, die so große Möglichkeiten und zugleich so große Gefahren bereithielt", Klaus Schwab.

2. Chancen und Risiken: Machtkonzentration und Totalitarismus entstehen durch die Digitalisierung: In der Internetökonomie liegt eine große Gefahr, das Private abzuschaffen und Menschen effektiv zu kontrollieren. Am Anfang steht oft Freiwilligkeit (wie in der Share Economy), dann kommt Profit in der Regel durch Werbung und am Ende Machtakkumulation (alle Informationen über das soziale Leben). Teilweise erhöhen Unternehmen mit diesen Informationen den Druck auf die Menschen (z. B. wenn Versicherungen einen Bonus zahlen, wenn man sein Verhalten kontrollieren lässt). Die Internetunternehmen versuchen auch, an immer jüngere Nutzer heranzukommen. Ein Beispiel ist die Streaming-Plattform "YouNow". Danach muss sich auch die Wettbewerbspolitik neu ausrichten. Sicher gilt in der digitalen Ökonomie zwei Gesetzmäßigkeiten: 1. Information entwickelt sich zum wichtigsten Rohstoff zur Welterschließung ("Informationskapitalismus" löst den "Finanzkapitalismus" ab). 2. Der Mensch selbst wird zur Information und zum Rohstoff. Die Rolle de Menschen verändert sich: Er ist gleichzeitig Datenkonsument und Datenproduzent (große Gefahr der modernen Sklaverei). Er lässt sich aber auch zurichten (Empfehlungen von Streaming - Diensten, Follower). Monopole, insbesondere die aus dem Silicon Valley, gewinnen an Bedeutung (sie werden als Garant des Fortschritts beworben). In der Preisbildung wird das Image immer wichtiger (Beispiel Apple: macht den Preis nicht der Markt). Preise haben früher die wichtigsten Informationen verdichtet, heute verändert Big Data das Spiel.  Informationsdienste - etwa Google - streben eigentlich die Integration aller Marktzugänge an. Digital-industrielle Komplexe ersetzen die Gesetze von Angebot und Nachfrage. Vgl. Douglas Rushkoff, Present Shock, Orange Press, 2015; Yvonne Hofstetter, Sie wissen alles, 2015. Deutschland und Europa haben fast kein Internetunternehmen unter den Top 20 der Welt (SAP Ausnahme). Damit fehlt die Schnittstelle in der Wertschöpfung. Der Staat muss digitaler Wettbewerbshüter sein.

3. Digitales Defizit und Herausforderungen: Deutschland hat in Bezug auf Digitalisierung große Schwächen: Die Vernetzung ist unterentwickelt. In der Produktion verlassen wir uns zu sehr auf alte Stärken (Mittelstand). Wir denken zu sehr in Fachgebieten und meiden Risiken. Im Management wird Perfektion zu sehr belohnt und Fehler bestraft. Wir müssen Technologien weiter entwickeln. Plattformen müssen ausgebaut werden. Die Disruption muss gefördert werden, alte Märkte kollabieren. Neue Geschäftsmodell, die  das "Wie" in den Fordergrund stellen, müssen entwickelt werden. Vgl. Christoph Keese: Silicon Germany, München 2016 (Wirtschaftsbuch 2016 auf der Frankfurter Buchmesse). Netzwerkeffekte wirken wie externe Effekte: Das Handeln einzelner Akteure beeinflusst das Handeln anderer Akteure. Die Technologie ist gut standardisiert. "Lock-in", virtuelle Märkte, Wertschöpfungsmodule und Systemwechselkosten wirken als Betreiber der Internetökonomie.

Um mit den führenden Technologieplattformen mithalten zu können, muss sich in Europa einiges ändern: 1. Die EU muss einheitlicher werden. Verschiedene Sprachen, viele Verbraucherschutzbestimmungen, unterschiedliches Steuerrecht wirken als Barriere. Da haben es die USA und China einfacher. 2. Die Finanzierungsmöglichkeiten müssen verbessert werden. Es fehlt vor allem Venture Capital. 3. Die einzigen Computer - Science - Fakultäten in der EU sind in GB, das aber evtl. die EU verlässt.

4. Bausteine:  Die digitale Ökonomie (the Second Machine Age) besteht aus mindestens folgenden Bausteinen: Produktion 4.0, Internet der Dinge (kommunizierende Geräte), digitale Transformation (vor allem Dienstleister mit Plattformen), Breitbandausbau. Sie beeinflusst insbesondere folgende Branchen (Rangfolge): Technologie, Medien/ Unterhaltung, Handel, Finanzen, Telekom, Bildung, Gastgewerbe, Fertigung, Gesundheit. Eigentum geht auch in der digitalen Ökonomie nicht verloren. Es bleibt vor allem als eine mentale Ressource. Teile des Wirtschaftslebens wandern von den Märkten ab: Der Konsument ist zugleich Produzent ("Prosument"). Vielleicht lässt sich erst viel später erkennen (50 Jahre), wohin die Basistechnologie Internet führt. Bis der Massenmarkt erreicht ist, dauert es etwa so lange (Anfang des Digitalzeitalters?). Auf digitalen Märkten tummeln sich vier Technologien: Speicher- und Übertragungstechnik, Steuerungstechnik bzw. Robotik, Künstliche Intelligenz und Informationsplattformen.

Die Technologien hängen also mit Daten und neuen Kundenrollen zusammen. In Unternehmen werden Prozesse ausgelöst, die mit Disruption (Wandel von Geschäftsmodellen), Change Management und Entrepreneurship beschrieben werden. Vgl. Nicolai, A. T./ Schuster, C.: Digitale Transformation, in: WiSt, H. 1, 2018, S. 15ff.

5. Glossar: 1. Distributed Ledger: Zentral gesteuerte und weltweit verteilte Datenbanksysteme. Die Blockchain gehört dazu. 2. Tangle: Transaktionsdaten werden nicht - wie bei der Blockchain - chronologisch hintereinander angeordnet, sondern in einem netzwerkartigen Gewirr (Tangle) mit vielfältigen Knotenpunkten (Nodes). "Miner" fallen hier weg. 3. Smart Contracts: Eine beliebige Transaktion wird automatisch unter der Voraussetzung abgewickelt, dass alle beteiligten Parteien die zuvor in der Blockchain niedergelegten Konditionen erfüllt haben. 4. DApps: dezentralisierte, automatische Apps. Open Source, öffentlich in einer Blockchain gespeichert. 5. DAO (Decentralised Autonomous Organization): Ein eneue Form der Organisation, deren Geschäftsordnung, Gesellschaftsvertrag oder Satzung durch einen Smart Contract festgelegt und automatisch ausgeführt wird. 6. ICO: Bei einem Initial Coin Offering (ICO) werden quasi digitale Wertpapiere aufgelegt. 7. Kryptokatze: Eine der erfolgreichsten Anwendungen auf der Blockchain - Plattform Ethereum. Anwender können virtuelle Kätzchen (Cryptokities) züchten und mit ihnen handeln. Vgl. Sommer, Sarah: Vertraut den Daten, in: brand eins 06/18, S. 20ff.  8. Token: Digitale Münze bzw. Schlüssel. Sie wird mithilfe eines Smart Contract erstellt. Bei Ethereum heißen die Münzen ERC20-Token. Ein Token kann verschiedene Funktionen haben: Sollen Eigentümer ihn einsetzen, um Dienstleistungen eines Start-ups zu nutzen, handelt es sich um einen Utility-Token. Soll er Anteile an einem Unternehmen repräsentieren, also einer Aktie gleichkommen, heißt er Equtiy- oder Security-Token und fällt unter die Kontrolle der Finanzaufsicht. 9. Whitepaper: Projektbeschreibung des Start-ups zum ICO. Verbindliche Zahlen fehlen fast immer. Es ist kein Börsenprospekt.

6. Innovationen im Finanzbereich: Blockchains: Treten im Zusammenhang mit Digitalwährung auf. Block ist eine Liste von Cryptocoin-Transaktionen, die mit einem Zeitstempel versehen ist. Blockchain ist ein dezentrales, auf vielen Computern gespeichertes Verzeichnis von Transaktionsdaten, das öffentlich zugänglich und im Nachhinein unveränderbar ist. Ein gutes Beispiel ist Bitcoin. Interessant ist die Technologie und die Logik: 1. Person A kauft von Person B bestimmte Diamanten (Geschäft). 2. Verifizierung (Identifizierung, Eigentümer). 3. Transaktion (anonym). 4. Validierung. 5. Umsetzung. 6. Ergebnis. Vgl. Bettina Schulz, Das ärgert Betrüger, in: Die Zeit, Nr. 3, 14.01.2016, S. 24f. Allgemein ist eine Blockchain ein dezentrales Register für Transaktionen. Alle Transaktionen werden in Blöcken zusammengefasst und bilden eine Kette. Ein aufwendiges Rechenverfahren gewährleistet die Unveränderbarkeit der Blockchain. Sie kann vertrauensbildende Intermediäre ersetzen, zum Beispiel Banken. So werden Geschäftsprozesse automatisiert. Es entsteht eine gemeinsame Vertrauensgrundlage (Konsens, Proof-of-Work). Zwischengeschaltete Finanzinstitute fallen weg. Es entsteht auch mehr Transparenz, da die Blockchain ein globales Hauptbuch darstellt, in dem alle Transaktionen gespeichert werden. Bei einzelnen Schritten bestehen Variationsmöglichkeiten: Da der Proof-of-Work-Mechanismus viel Rechenleistung und Energie fordert, wurde Proof-of-Stake als energiesparende Alternative entwickelt.

Die Blockchain besteht aus vier Teilen: 1. Einem Wallet und Schlüssel. Ein Wallet ist eine digitale Geldbörse, bestehend aus einem öffentlichen (public key) und privaten Schlüssel (private key, geheim). Mit dem privaten Schlüssel wird die Identität las berechtigter Besitzer der Wallet bestätigt. Der öffentliche Schlüssel entspricht etwa einer gewöhnlichen Kontonummer. 2. Verteiltes System. Die Transaktionsabwicklung läuft in einem Netzwerk auf spezieller autorisierter Hardware. Geschäftsabschlüsse werden kryptographisch abgesichert. 3. Kassenbuch. Transaktionen werden chronologisch aufgezeichnet. 4. Peer-to-Peer. Direkter Austausch von Werten zwischen einzelnen Marktteilnehmern. Vgl. com professional 11/16, S. 14ff.  Im Bereich Finanzen  arbeiten US-Unternehmen wie IBM, Intel und J. P. Morgan schon mit der Blockchain -Technologie. Hierüber werden die Bücher sicher ausgetauscht. Sie können von jedem geprüft werden, der eine Berechtigung besitzt. Den Unternehmen bietet das den Vorteil, dass sie zum Beispiel die Einhaltung von Bilanzregeln per Croudsourcing prüfen lassen und sie bekommen von einem breiten externen Netzwerk Feedback zu ihrem Finanzmanagement. Das signalisiert auch Vertrauenswürdigkeit. Mittlerweile gibt es auch Blockchain - Finanzdienste: Es handelt sich um P2P-Kreditvergabeunternehmen (Peer-to-Peer). Einige sollen hier aufgeführt werden. lendico.de ist ein P2P-Kreditvergabe- und Anlageportal von Privatpersonen an Privatpersonen und Kleinunternehmer. auxmoney.com ist ein P2P-Kreditvergabeportal von Privatpersonen an Privatpersonen. Sieben Gestaltungsprinzipien beeinflussen die Blockchain - Wirtschaft: 1. Vernetzte Integrität. 2. Verteilte Macht. 3. Wert als Anreiz. 4. Sicherheit. 5. Datenschutz. 6. Wahrung von Rechten. 7. Inklusion. Vgl. Don Tapscott/ Alex Tapscot: Die Blockchain - Revolution, Kulmbach 2016.

Andere wichtige Elemente: Mining: Ein Verfahren, um die Blockchain zu aktualisieren und zu überprüfen. Mining-Pool: Ein Zusammenschluss mehrer Miner, die gemeinsam nach neuen Blöcken suchen und sich die Einnahmen teilen. Mehrfachsignatur (Multi-Signature): Ein Verfahren, bei dem mehrere Schlüssel notwendig sind, um eine Transaktion abzuzeichnen. Vgl. Koenig, Aaron: Dezentrale Revolution, München 2019, S. 204ff.

Geldtransfer via Blockchain: Person A will Person B Geld schicken. Die Transaktion wird online in einen Datenblock verwandelt. Der Datenblock wird an jeden Rechner im Blockchain - Netzwerk geschickt. Jeder Rechner prüft die Transaktion automatisch und gibt sie frei. Der Datenblock wird zu der Kette hinzugefügt und kann nicht mehr verändert werden. Das Geld wechselt von Person A zu Person B. Vgl. Financial Times. , 2016.

Die Entwicklung schreitet fort. Einmal zum Algorithmischen Handel: Computergestützte und automatisierte Entscheidungs- und Durchführungshilfen setzen sich immer mehr durch. Damit können Marktdaten unvorstellbar schnell bearbeitet werden. Finanztransaktionen werden in Form von Small Contracts abgebildet. Die damit verbundene Digital Ledger-Technologie hilft, Kreditvertragsbeziehungen, Wertpapiertransaktionen und Derivate - Geschäfte zu verifizieren und zu automatisieren.

Aber insgesamt gibt es mittlerweile ein digitales Finanzleben, das den traditionellen Banken Konkurrenz macht: so gibt es Giro-Konten per App (N26), Bezahlung per Smartphone (SumUp), Vermittlung von Privatkrediten (Auxmoney), Onlinebezahlsysteme (Billpay), Wertpapierhandel (Ayondo), Vermögensverwaltung (Liqid).

Vor- und Nachteile: Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Sie wird Auswirkungen auf Lieferketten haben. Sie wird einen Peer-to-Peer-Handel begünstigen und zu Börsen führen. Die Blockchain bietet Chancen für neue Geschäftsmodelle. Sie erhöht die Sicherheit von Transaktionen. Sie führt zu mehr Dokumentensicherheit. Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Die Blockchain hat auch viele Nachteile: De Rechenaufwand ist riesig und damit auch der Energieverbrauch. Der Stromverbrauch soll 2018 so hoch sein wie der von ganz Österreich. Der US-Ökonom nennt die Blockchain in einem Gutachten für den US-Senat 2018 "die am stärksten überschätzte Technik aller Zeiten". Neue Anwendungen 2018 waren Plattform für Online-Wahlen, Flugschreiber für Drohnen, virtuelle Kryptoschweine für Kinder (Pigzbe), Verwaltung von Lieferketten in der Logistik, Patientendaten in der Medizin.  80% der Projekte sollen aber Betrug sein (Beratungsfirma Satis Group). Man muss den Institutionen vertrauen, die die Datenbank betrieben.

Treasury - Management: Immer wichtiger wird auch das Treasury - Management - System. Es ist eine Art Schatzmeister aus der Cloud. Die KI steht hier erst am Anfang. Funktionen sind der Zahlungsverkehr, die Kontakte zu Banken und Kapitalmärkten, das Cash- und Liquiditätsmanagement, das Finanzmanagement, die Absicherung finanzieller Risken und Reporting. Bisher kann man das noch nicht von der Stange kaufen. Vgl. Jürgen Mauerer: Schatzmeister aus der Cloud, in: com! professional 1/2019, S. 54ff.

Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein", Johann Wolfgang von Goethe.

7. Produktion/ Industrie 4.0: In der Fabrik der Zukunft werden IT- und Fertigungstechnik verschmelzen. Immer mehr Maschinen kommunizieren über das Internet. Damit wird auch immer mehr improvisiert (ausgehend von einem groben Schema viele kleine Abweichungen). Die gesamte Produktion ist vernetzt. Das heißt, es findet eine umfassende Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Maschinen statt, in die auch Kunden und Geschäftspartner eingebunden sein können. Robotterquallen sind relativ autonom. Durch die starke Vernetzung wird die Sicherheit zum Problem. Diese Technik gilt als Krönung der Produktion. Die deutsche Industrie hat 2014 ein bis zwei Jahre Vorsprung. Die Vernetzung bietet grundsätzlich ganz neue Geschäftsmodelle (völlig neue Produktionslogistik). Die größten Hindernisse gegen die Ausbreitung von 4.0 sind: Lücken in der IT - Sicherheit, fehlende Normen, fehlende Fachleute, mangelnde Infrastruktur und hohe Kosten. Die KMU sind in dieser Produktionstechnik stark (Pionier dieser vierten industriellen Revolution). Einzelfertigungen und Kleinserienfertigungen, die traditionell hier gefertigt werden, können sehr viel billiger hergestellt werden. Die Produktion 4.0 hat drei Grundelemente: Selbststeuerung (Smart Factory, cyber-physische Systeme, CPS, es verschmelzen virtuelle und reale Welt); Interaktion (alle Daten tragen die Produktkomponenten in sich, dezentrale Selbstorganisation); Information (der Industriearbeiter ist Planer und Entscheidungsträger, Smartphone). Die "Integrated Industry" mit ihrer Vernetzung hat auch Auswirkungen auf den Markt, auf Arbeitsplätze, auf Ausbildung und Geschäftsbeziehungen. Der Produktionsstandort Europa könnte gesichert werden. Es kommen neue Entwicklungspartnerschaften mit mehr Kooperationen. Die Arbeitsplätze könnten höherwertiger werden. In den USA entsteht 2014 ein neues Normungskartell. Dadurch könnten die deutschen Unternehmen ihre bislang gute Position bei den Standards für die Industrie 4.0 verlieren. Normensetzung und ein gutes Rechtssystem sind Voraussetzungen der Produktion 4.0. Von den Arbeitnehmern fordert die Produktion 4.0 mehr Flexibilität (Abhängigkeit von Marktimpulsen wird stärker, Produktionszyklen werden noch kürzer).  Am 12.06.17 beginnt der Digital-Gipfel der Bundesregierung in Ludwigshafen. Das Stammwerk der BASF dort soll schnell digitalisiert werden (Sensoren, Datenerfassung zur Wartung und Steuerung der Kraftwerke und der Steamcracker). Eine Datenschutz-App für Bauern wird entwickelt.

8. Internet der Dinge (Internet of Things, IoT, Vernetzung): Die Entwicklung geht rasend schnell. Den Endpunkt bildet das Internet of Everything. Systeme sind z. B. automatische Verkehrssysteme, intelligente Straßen, intelligentes Stromnetz, vernetzte Geschäfte, intelligente Krankenhäuser, intelligente Stadt, Logistiksysteme. Die Gefahr könnte sein, dass die künstliche Intelligenz in einigen Jahren den Menschen überlegen ist. Im Unternehmen können Algorithmen bisherige Managementaufgaben übernehmen. Die Unternehmen haben Zugriff auf einen riesigen digitalen Datensatz. Marktforscher sind leicht ersetzbar; Kundenprofile können auf Knopfdruck erstellt werden. Große Gefahren sind der Kontrollverlust, die fehlende Transparenz, falsche Analysen, Diskriminierung. Anwendungsbereiche sind die Automobilelektronik, branchenspezifische Geräte (Produktion, Transport, Versorgung), allgemeine industrielle Anwendungen (Bankautomaten, Terminals), Konsumenten. IoT verunsichert viele Unternehmenslenker. Sie müssen teilweise völlig neue Strategien entwickeln. Vor allem der Wettbewerb ist immer schwieriger einzuschätzen (Quelle: Bain). Chancen und Risiken sind ganz schwer einzuschätzen: Es es zu einem Verlust von Arbeitsplätzen oder werden mehr entstehen? Auch persönlich sind die Folgen schwer abzuschätzen: Es kommt zu Effizienzsteigerungen, gleichzeitig steigt die Ablenkung und der Autonomie- und Privatsphäreverlust. Zum Internet der Dinge gehört auch folgendes: Facebook, Microsoft und andere arbeiten an digitalen Parallelwelten. Per Datenbrille erfüllen sich Simulationen, die sich wie echt anfühlen. Bald können Menschen so arbeiten, leben und shoppen an Orten, die nur im Computer existieren. Man setzt hier auch große Hoffnungen in die Digitalisierung, weil sie bei großen gesellschaftlichen Themen helfen könnte: Bei der Energiewende, beim Klimaschutz, bei der Qualität von Bildung, bei Gesundheitsvorsorge und Pflege in ländlichen Gebieten.  Im Juni 2017 gewinnt Darmstadt den digitalen Wettbewerb "Digitale Stadt" des Branchenverbandes Bitcom. Unter anderem war auch Kaiserslautern als Finalist im Wettbewerb. Es gibt Fördergelder von unternehmen, die hier sponsern.

9. Plattform - Kapitalismus: Dies ist eine weitere Bezeichnung für die Sharing Economy oder die digitale Ökonomie. Hier geht es speziell um Online-Plattformen. Sie ändern rapide den Büroalltag. Einerseits schaffen sie große Freiheiten, andererseits führen sie zu neuen Abhängigkeiten. Sie revolutionieren Märkte wie z. B. den Wohnungsmarkt (Airbnb) oder Taximarkt (Uber). Sie bringen auf dem Arbeitsmarkt direkt Arbeitnehmer und Auftraggeber zusammen (Upwork in den USA, Freelancer in Australien). Arbeitnehmer werden so von angestellten zu Freiberuflern. Wer via Plattform arbeitet konkurriert mit Millionen anderer Anbieter. Das dereguliert radikal den Arbeitsmarkt. Scheinbar hohe Stundenlöhne relativieren sich dadurch, dass man sich selbst für Alle versichern muss und oft noch die Ausrüstung stellt. Die Ratings geben den Plattformen noch mehr Macht. Vgl. O. V. : Immer auf Abruf, in: Wirtschaftswoche 29.7.16, S. 87ff. Die meisten Plattformfirmen kommen aus den USA. Sie dominieren die Weltwirtschaft. Es werden zunehmend Klagen laut, dass die ganz großen Plattformen ihre Marktmacht missbrauchen und Wettbewerber mit unlauteren Methoden zurückdrängen. Der Konsument wird zum User degradiert (nicht mehr Besitzer). Bei der Software wird er nur zum Lizenznehmer. Damit werden Eigentumsrechte reduziert. Ganz wichtig ist, dass die Vielfalt der Entscheidungsassistenten sichergestellt wird.

10. Management und Personal: Die Verwaltung der Mitarbeiter mit HR-Software verlagert sich in die Cloud. HR-Dienste können auch aus der Cloud abgerufen werden. Damit verliert die klassische Personalverwaltung an Bedeutung. Anbieter sind z. B. Haufe (Umantis), IBM (Kenexa Talents Insights), Oracle (Human Capital Management Cloud), SAP (ERP Core Human Resources), Workday (Human Capital Management) und Sage (HR & Personalabrechnung). Erfahrung und Routine im Bezug zu Industrie 4.0: Die fortschreitende Digitalisierung verlangt von den Beschäftigten, mit Komplexität und Wandel umzugehen. Bisher weiß man wenig über die dafür notwendigen informellen Anforderungen. Erste Ansätze bringt ein Index des Arbeitsvermögens mit folgenden Elementen: Situatives Umgehen mit Komplexität, Situative Unwägbarkeiten, Strukturelle Komplexitätszunahme, Relevanz Erfahrungslernen. Vgl. Pfeiffer, S./ Suphan, A.: Erfahrung oder Routine? Ein anderer Blick auf das Verhältnis von Industrie 4.0 und Beschäftigung, in: BWP 6/ 2015, S. 21ff.

11. Beschäftigungseffekte: Die aktuelle Entwicklungen der digitalen Technik eröffnen große Rationalisierungspotenziale. Ob der Arbeitsplatzverlust tatsächlich eintritt, ist bisher offen. Denn Digitalisierung schafft auch viele neue Arbeitsplätze, insofern ist ein Strukturwandel sicher. Die Wirkungen dürften auch entscheidend von den Reaktionen der Beschäftigten abhängen: Es ist ein strukturiertes und zertifiziertes Weiterbildungssystem erforderlich. Sinnvoll ist auch ein Flexicurity-Konzept. Zur Anwendung kommen sollte auch eine integrative regionale Strukturpolitik. Vgl. Kurt Vogler-Ludwig: Beschäftigungseffekte der Digitalisierung - eine Klarstellung, in: Wirtschaftsdienst 2017/12, S. 861ff. Im April 2018 legen das IAB der BA und das BIBB eine gemeinsame Studie zu der Folgen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt vor: Fazit ist, dass die Jobs kaum weniger, aber anders werden. Regional soll sogar ein Plus an Arbeitsplätzen möglich sein. Vor allem im Bereich Information  und Kommunikation könnte es zu einem deutlichen Stellenaufbau kommen.   "Die Tätigkeit des Arbeiters auf eine bloße Abstraktion der Tätigkeit beschränkt, ist nach allen Seiten hin bestimmt und geregelt durch die Bewegung der Maschinerie, nicht umgekehrt. Die Wissenschaft , die die unbelebten Glieder der Maschinerie zwingt, durch die Konstruktion zweckgemäß als Automat zu wirken, existiert nicht im Bewußtsein des Arbeiters, sondern wirkt durch die Maschine als fremde Macht auf ihn, als Macht der Maschine selbst", Karl Marx, MEW 42, S. 599.

12. Marketing: Digitales Marketing: Alle Maßnahme im Marketing, die über Computer und Internet ausgeführt werden. Technologien müssen integriert und Strategien angepasst werden. Zunächst muss "eine digitale Reife" entwickelt werden. Das Marketing muss optimal in das Management von Daten eingefügt werden. "Zero Trust" muss bei der Sicherheit das Konzept sein. Es muss eine Verbindung bzw. Schnittstelle zur Industrie 4.0 geben. Im Vordergrund steht "Augmented Reality" als Kombination aus wahrgenommener und vom Computer erzeugter Realität. Das Netzwerk der "Quantified Self" muss genutzt werden. Fog-Computing wird Cloud-Computing ablösen. Digitales Marketing heißt auch direkter Kundenkontakt, Produkt- und Serviceinnovation, Unternehmen 3.0 (Effizienzsteigerung entlang der Wertschöpfungskette). Die Aktivitäten im Digitalen Marketing sind entweder sichtbar oder unsichtbar. Sichtbar sind z. B. Internetauftritt, E-Commerce, Online-PR. Nicht sichtbar ist Suchmaschinen-Marketing, Suchmaschinen-Optimierung, Auswertung des Nutzungsverhaltens. Vgl. H. Ahlf: Digitales Marketing, in: WISU 1/2016, S. 49f.

Big Data: Es könnte die größte Veränderung im Marketing sein seit dem Internet. Es geht um das Sammeln von Kundendaten, die Auswertung in Systemen und die zielgenaue Kundenansprachen daraufhin. Gemeint sind auch Applikationen auf mobilen Geräten (Handys). So wird der Wettbewerbsvorteil über die Datennutzung definiert. "Customer-Journey" heißt die Reise zum Verkauf und Vertrieb auch. Big Data läuft in mehreren Phasen ab: 1. Assessment: Potentiale für den Einsatz von Big-Data-Methoden; 2. Readiness: erforderliche Hardware- und Software-Infrastruktur und entsprechende Kompetenzen; 3. Implementierung und Integration: Verbindung mit vorhandenen Datenquellen; 4. Reporting und Predictive Analytics: Optimierung der Reporting-Prozesse und evtl. Prognose. Bestandteile von Big Data sind die Datenmenge (Volumen), die Datenvielfalt, die Geschwindigkeit und Analytics. Insgesamt werden die Menschen immer mehr vermessen (Werbung, Shoppen, Onlinehandel, Kreditwesen, Reisen, Gesundheit, Lebensplanung u. a.), um Verhalten vorherzusagen. Die Frage ist, wie die einzelnen Menschen ihre Freiheit schützen können und wollen.  "Wer aus Daten die richtigen Schlüsse zieht, hat die Macht", com professional 11/2014, S. 3. "Die Daten über unser Verhalten explodieren", Susan Athey, Stanford. 2015 entbrennt über die Daten der Autofahrer ein heftiger Verteilungskampf. die Autofirmen wollen ihre Märkte sichern. Internetkonzerne wollen werben. Versicherungen wollen bessere Tarife entwickeln.

13. Digitaler Markt, Eigenschaften: Digitale Märkte haben besondere Merkmale: 1. Hohe Dynamik und Innovationskraft. 2. Hohe Fixkosten und geringe marginale Kosten (kaum Kapazitätsgrenzen, Log-in-Effekte). 3. Hohe Transparenz und geringe Transaktionskosten. 4. Große Bedeutung von (personenbezogenen) Daten (Abschöpfung der Zahlungsbereitschaft?). 5. Internet-Plattformen und mehrseitige Märkte (Matching). 6. Fehlende unmittelbare monetäre Gegenleistung auf Plattformen (Finanzierung nur durch eine Marktseite). Marktteilnehmer treten individuell in Kontakt in einem Netzwerk. Eine solche Blockchain besteht aus vier Teilen: 1. Einem Wallet und Schlüssel. Ein Wallet ist eine digitale Geldbörse, bestehend aus einem öffentlichen und privaten Schlüssel. Mit dem privaten Schlüssel wird die Identität als berechtigter Besitzer der Wallet bestätigt. Der öffentliche Schlüssel entspricht etwa einer gewöhnlichen Kontonummer. 2. Verteiltes System. Die Transaktionsabwicklung läuft in einem Netzwerk auf spezieller autorisierter Hardware. Geschäftsabschlüsse werden kryptographisch abgesichert. 3. Kassenbuch. Transaktionen werden chronologisch aufgezeichnet. 4. Peer-to-Peer. Direkter Austausch von Werten zwischen einzelnen Marktteilnehmern. Vgl. com professional 11/16, S. 14ff. Auch: Brynjolfsson, E. / McAfee, A.: The Second Machine Age, Kulmbach 2015. Weiterhin spielt in den digitalen Märkten das Eigentum nicht mehr die große Rolle. Menschen sind mehr bereit, nur zu teilen. Zugleich verliert der Preis als Steuerungsmechanismus an Bedeutung. Von der Größe von Internetgiganten profitieren auch die Kunden massiv. Auf den digitalen Märkten gelten auch andere Regeln als früher. Der Tendenz nach sieht dies wie folgt aus: 1. Monopole statt Wettbewerb. 2. Daten statt Preise. 3. Clickworkertum statt Sozialpartnerschaft. 4. Sharing statt Eigentum. Vgl. A. Wambach/ H.-C. Müller: Digitaler Wohlstand für Alle, New York/ Frankfurt 2018, S. 24ff.

14. Wettbewerbspolitik in der digitalen Wirtschaft:  Bei sozialen Netzwerken, Suchmaschinen und dem Online-Handel beherrschen große Unternehmen den Markt (fast Monopolisten). Die entscheidende Frage ist aber, ob dies zu Wettbewerbsbeschränkungen führt. Das zu beurteilen hängt davon ab, wie digitale Märkte abgegrenzt werden können und was faire Marktbedingungen bedeuten. Geklärt werden muss auch, ob das geltende Wettbewerbsrecht ausreicht. Sonst bedürfte es sektorspezifischer Regulierungen. Der Missbrauch von Datenmonopolen muss verhindert werden. Marktbeherrschende Plattformen müssen angemessen reguliert werden. Kunden brauchen echte Wahlfreiheit. Aber auch die Infrastruktur durch Gigabyte - Netze muss wettbewerbspolitisch ermöglicht werden. In der digitalen Wirtschaft werden marktbeherrschende Unternehmen begünstigt.  Verantwortlich dafür sind Skaleneffekte (Vorteile gegenüber kleinen Anbietern) auf der Angebotsseite, Netzwerkeffekte (mehrseitige Märkte, verschiedene Gruppen treffen sich) und Lock - in - Effekte (Wechselkosten für den Kunden).  Das Datenschutzrecht müsste dringend an die digitale Wirtschaft angepasst werden. Es muss Transparenz darüber hergestellt werden, wie die Plattformen die erhobenen Daten verwenden und auch welche überhaupt gesammelt werden. Vgl. auch: Big Data aus wettbewerblicher Sicht, in: Wirtschaftsdienst 2016/9, S. 648ff. Der Mittelstand in Deutschland wird sicher in Zukunft von Wettbewerbern angegriffen werden, an die wir gar nicht denken.  Im Jahre 2016 taucht der Verdacht auf, dass sich die USA und die EU in einem Wirtschaftskrieg befinden ("transatlantische Feindschaft"). Die USA gehen hart gegen VW und die die Deutsche Bank vor. Die EU bekämpft Google und Apple.

15. Mögliche strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft als Folgen: Hierüber kann man nur Vermutungen anstellen. Bildet sich eine Mainstream-Blockchain heraus? Bewegen wir uns auf dem Weg zur Peer-to-Peer-Gesellschaft? Wird die Blockchain nur in Nischen erfolgreich sein (Notarwesen)? Wird es zu einer selektiven Disruption kommen? Vgl. Martin, Diehl, Deutsche Bundesbank, in einem Vortrag bei der Volkswirte - Tagung am 18.5. 2017 in Worms.

Die Wirtschaftswelt wird zunehmend von Software geprägt. Hardware und Ingenieurskunst verlieren an Boden. Die Automobilindustrie ist die Schlüsselbranche in Deutschland. Elektrofahrzeuge sind technisch weniger komplex und einfacher zu bauen. Im DAX (30 Unternehmen) sind nur zwei Digitalkonzerne, SAP und Wirecard. Die künftige Wirtschaftswelt wird weniger von Ingenieuren und Maschinen geprägt als von Programmierern und Daten. Die große Gefahr besteht darin, dass die eigentlichen Produzenten nur noch Zulieferer für die großen Digitalkonzerne sind. Traditionelle Managementtechniken sind zu langsam. Möglichst viele Geschäfte sollten die Unternehmen selbst machen, damit sie nicht von Plattformen abhängig werden. Im Konsumgüterbereich und auch im Industriegeschäft schieben sich Plattformen wie Amazon und Alibaba zwischen Produzenten und Endkunden. Die Grenzen zwischen klassischen Branchen verändern sich oder lösen sich auf.

16. Digitalisierung und gesellschaftliche Ungleichheit: Die Fortschritte in der Informationstechnologie führen zu immer größeren Ungleichheiten in den Industriegesellschaften (sie ersetzen das Gehirn und machen die Arbeit von vielen Menschen überflüssig). Produktivitätsgewinne verteilen sich immer mehr zu Gunsten der oberen Klassen (in US-Unternehmen ist dieser Effekt am stärksten, weil sie mehr aus der IT-Technologie herausholen). Notwendig wäre ein "Gleichheitsindex" im Steuersystem ("Steigende- Flut-Steuersystem"), der sich der Ungleichheit mit den Steuersätzen anpasst (Robert Shiller, Yale, Irrational Exuberance, Princeton 2000; New Financial Order, Princeton 2003). Shiller fordert  eine Globalisierungsversicherung für jedermann. Er untersucht auch, wann Spekulationsblasen auf Immobilienmärkten platzen ("Historic Turning Points in Real Estate", Working Paper, Juni 2007). In Deutschland arbeiten 2007  61% aller Erwerbstätigen mit dem PC. Als wichtigster Aufsatz des Autors gilt: Do Stock Prices Move Too much to Be Justified by Subsequent Changes in Dividents, in: AER, 1981. R. Shiller hat auch ein Unternehmen gegründet, das erstmals Handel mit ökonomischen Risiken aller Art betreibt (Rezession, fallende Immobilienpreise, Arbeitslosigkeit). Der Name ist Makro Market. Es gibt einen weiteren Faktor, der die Ungleichheit durch Informationstechnologie beeinflusst: menschliche Faulheit. Einige Experten sprechen von einer "Winner takes all"- Welt: Wenige profitieren übermäßig.  "Der herrschende Glaube an soziale Gerechtigkeit ist gegenwärtig vielleicht die größte Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Gesellschaft", Friedrich von Hayek, The Mirage of Social Justice. "Ein innovationsgetriebenes Wachstum kann auch Ungleichheit verschlimmern", Christine Lagarde, IWF-Chefin, 2016. "Wir müssen verhindern, dass die Gewinne der Digitalisierung privatisiert werden, während die Gesellschaft die Folgekosten trägt.

17. Digitalisierung und Besteuerung: Die "Bepreisung" von Daten, insbesondere die der Konsumenten, ist ein Gerechtigkeitsproblem jetzt und in der Zukunft. Die Menschen liefern kostenlos Daten und andere verdienen damit viel Geld. Die Menschen als Datenlieferanten sind doppelt benachteiligt. Weil das Steuersystem an realen Gütern orientiert ist, müssen die Bürger die Steuern aufbringen. Andererseits werden die Daten-Unternehmen nicht ausreichend besteuert. Die Digitalsteuer wird von der eU ins Auge gefasst. Was würde aber passieren, wenn die USA und China auch diese Steuern einführten?

18. Auswirkungen der Digitalisierung auf den öffentlichen Sektor: Der öffentliche Sektor ist in vielerlei Hinsicht durch den digitalen Wandel betroffen. Der Handlungsspielraum des Staates könnte vergrößert werden, wenn zusätzliches Wachstum entsteht. Die Polarisierungsthese behauptet, dass durch die Nutzung digitaler Technologien funktionale, räumliche und personelle Ungleichheit zunehmen. Die Erosionsthese behauptet, dass digitale Technologien zu einem langfristigen Rückgang der Lohnquote und einer Erosion des Ausmaßes der voll versicherungspflichtigen Beschäftigung führt. Dann gibt es noch die steuertechnische Herausforderung bei der Besteuerung von Einkommen bzw. Gewinnen sowie Umsätzen  digitale Geschäftsmodelle nicht zu begünstigen. Vgl. Margit Schratzenstaller: Auswirkungen der Digitalisierung auf den öffentlichen Sektor - ein erster Überblick, in: Wirtschaftsdienst 2018/11, S. 799ff.

19. Digitalisierung und Handel/ Außenhandel bzw. internationale Arbeitsteilung: Kampf um Wertschöpfungsketten (Modell der Institutionenökonomik/ Jean Tirole, Toulouse, Nobelpreis 2014): Die Institutionenökonomik/ Tirole bietet ebenfalls wie Krugman eine Alternative zum Freihandelsmodell. Freihandel wird nicht als Wert an sich gesehen. Es ist eines der Verfahren, um für eine Gesellschaft Wohlstand zu erzeugen. Aktuelle Handelskonflikte (wie zum Beispiel der zwischen den USA und China 2018) ergeben sich danach aus grundlegend veränderten Risiko- und Kommunikationsstrukturen. Die Digitalisierung senkt die Transaktionskosten weiter und verändert das Risiko. Es entstehen durch reduzierte Informationsasymmetrien neue Institutionen im Kontext der Plattformökonomie. Dadurch wandeln sich Informationstransport, Informationsspeicherung und Informationsverarbeitung. Die Digitalisierung beeinflusst auch die Industriestruktur: Systemtreiber sind die Fähigkeit zur Kontrolle des Agenten und die Möglichkeit, Skaleneffekte zu realisieren. Es kommt zu einer Reintegration von Wertschöpfungsketten. Treiber sind die Finanz- und Schuldenkrise, die Störanfälligkeit von Lieferketten und die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts. In diesem Zusammenhang sind Zölle ein Mittel der politischen und wirtschaftlichen Rivalität. Unter zu erwartenden Konfliktbedingungen ist die Sicherung der Lieferkette entscheidend dafür, die Rivalität auszuhalten bzw. siegreich zu beenden. Die Staaten haben ein Dominanzproblem:  Die USA haben ein großes Leistungsbilanzdefizit (im Opiumkrieg hatte es England), China hat einen historischen Nachholbedarf (mandschurische Machtübernahme 1647, Opiumkrieg 1839). "Made in China 2025" soll die Hochtechnologie sichern aufgrund eines schuldengetriebenen Entwicklungsmodells. Im Grunde genommen will China sich weiterhin erfolgreich in der globalen Lieferverflechtung positionieren. Man kann dies in der "Crying Curve of Asia" darstellen. Freie Märkte sind nach diesem Modell auf dem Rückzug. Vgl. Ulrich Blum: Der Kampf um Wertschöpfungsketten: Krieg gegen den Freihandel? in: Wirtschaftsdienst 2018/10, S. 737ff. 

20. Industriepolitik: Der Mangel an großen deutschen IT - Konzernen birgt erhebliche Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Zu diesem Schluss kommt auch eine Analyse der Beratungsfirma McKinsey 2019. Technologie-Konzerne mit über 100 Mrd. Dollar Börsenwert wie Google, Apple, Facebook oder Amazon hat Deutschland nicht, nur die SAP. Solche Konzerne sind aber ein zentraler Motor der globalen Wirtschaft und Gesellschaft. China hat dies strategisch genau erkannt und seit Jahrzehnten Gegenunternehmen aufgebaut, die eine vergleichbare Größe haben oder sogar größer sind (Tencent, Huawei, Alibaba, Baudu). Dafür gibt es laut McKinsey Gründe: Aufstrebende Technologieunternehmen brauchen drei Schlüsselfaktoren: Talent (hochkarätige Tech-Gründer und Mitarbeiter), Kapital (um Wachstum zu finanzieren) und günstige Marktbedingungen (optimales Umfeld). So gibt es 2019 eine Diskussion in Deutschland, ob eine Industriepolitik die Schwächen ausgleichen sollte. Dabei geht es um folgende Punkte: 1. Sollte die Politik national oder europäisch sein? 2. Sollten sich Deutschland und Frankreich mehr zusammentun? 3. Kann man ohne Protektionismus nicht mehr gegen die USA und China bestehen? 4. Welche Schwächen müssten konkret ausgeglichen werden? (Langfristigkeit, Kapitalmärkte in Deutschland, Wagniskapital,  Sicherheitsrelevanz, nationale Sicherheitsinteressen). 5. Härteres Verhandeln mit China ("Walk the Talk, "Level playing field"). 6. Rahmenbedingungen (Beihilfen, Ausschreibungen). 6. Braucht man Europäische Champions?

21. Volkswirtschaftslehre 4.0: Die letzten Abschnitte zeigen schon, dass Volkswirtschaftslehre in ihrer Bedeutung mit der Digitalisierung und Globalisierung stark ansteigt. Das zeigt sich auch konkret darin, dass die großen Tech - Firmen, insbesondere im Silicon Valley, ihre volkswirtschaftlichen Abteilungen massiv ausbauen. Sie sollen bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen helfen. Auf der anderen Seite bieten die Datenflut und die Plattformen Ökonomen neue Möglichkeiten, Theorien und Hypothesen zu testen. Die vorrangigsten Aufgabe der Volkswirte ist aber, Muster zu erkennen (Algorithmen), Szenarien durchzuspielen und neue Start - ups in ihren Strategien auszurichten. Daten können die Märkte und die Wirtschaft besser koordinieren. Die angewandten Hochschulen in Deutschland (frühere Fachhochschulen, oder die dualen Hochschulen) haben auf diesen Trend noch nicht reagiert. Sie handeln azyklisch. Die Mechanismen der Selbstverwaltung sind zu stark politisch (durch Finanzen) gegängelt und zu stark an den eigenen Berufszielen (oft Lebensqualität) ausgerichtet. Vgl. Buhse, Malte: VWL 4.0: Wie Wissenschaft und Techunternehmen voneinander lernen, in: Wirtschaftswoche, 50/ 2.12.16, S. 40f. Im Zeitalter der Digitalisierung nehmen Verteilungsfragen stark zu in allen Ländern. Wenn es nicht gelingt, Lohn und Arbeit zu entkoppeln, werden viele Menschen in Zukunft keinen Arbeitsplatz mehr finden (vgl. Mayer-Schönberger/ Ramge: Das Digital, Berlin 2017). Weiterhin könnte aber die Blockchain - Technologie  mehr möglich machen als nur Handel mit Krypto - Währungen. Es könnte eine neue Weltwirtschaftsordnung entstehen. "Die Digitalisierung vernichtet in Summe keine Jobs. Sie verändert Berufsbilder und die Ausbildung", SAP-Vorstand Bernd Leukert 2017 (s. Handelsblatt 24.01.17, S. 17).

"Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen, was du denkst", Alphabet-Chairman Eric Schmidt (Google, bis Dez 2017). "Wir erfüllen eine soziale Mission, indem wir die Welt offener, vernetzter und transparenter machen", Facebook-Chef Mark Zuckerberg 2015.

 

Digitalisierung als Gebiet (Internetökonomie, Netzökonomie):  

Digitalisierung: Der Prozess umfasst vier Teile: Die digitale Infrastruktur (Netzausbau), die Digitale Verwaltung (E-Government), die Digitalisierung der Wirtschaft und die Digitalisierung aller Wirtschaftssubjekte (private Haushalte, Smart Home). In der neuen Bundesregierung ab 2018 hat man noch kein schlüssiges Konzept für die Digitalisierung gefunden. Die Digital-Staatsministerin Bär hat weder Etat noch Personal. Der Kern ist im Verkehrsministerium angesiedelt. Unklar bleibt, ob und wie Deutschland zur Digital-Nation aufsteigen will. Am 16.11.18 gibt es einen Digital-Gipfel der Bundesregierung in Potsdam. Auch hier bleibt Vieles im Nebel.

Inhalte der Digitalisierung ("Software is eating the world", Leben und Digitalsphäre) : 1. Social Networking. Digital Connection. 2. Verkettung und Automatisierung einfacher Prozesse, Verknüpfung. Beliebig kombinierbare Elemente. 3. Frage der Teilhabe. Mensch - Maschinen - Dienst - Cyborgs. Maschinenkompatibilität. 4. Plattformen, die auch für alles eingesetzt werden können (z. B. Wechat in China).

Homo Digitalis: Der Mensch wird die biologische Form behalten, die aber mit digitalen Assistenten erweitert wird. Können wir unsere Gehirne in der Cloud hoch laden (können wir nur noch als Bachup in der Cloud leben)? Wird der Homo Digitalis teils biologisch, teils digital sein? Wir werden auch digitale Avatare haben, die wie wir aussehen und in einer digitalen Welt handeln. Das menschliche Leben ist durch seine Kürze definiert. Wenn der Homo Digitalis das hinter sich lässt, brauchen wir möglicherweise neue Überzeugungen, um unserem Leben einen Sinn zu geben. Die menschliche Existenz könnte sich ändern. Wenn eine gewisse Unsterblichkeit nur den Reichen vorbehalten ist, wird sich unsere Gesellschaft weiter spalten. Reiche haben ohnehin eine höhere Lebenserwartung. Vgl. Toby Walsh: The World that AI Made, Black 2018. Ders.: Kommt der Homo Digitalis? in: digital pioneers 54, 1/2019, S. 42f. Für ihn ist die entscheidende Frage, was Bewusstsein ist.

Postdigital: Am besten hat das der ehemalige Chef des MIT Media Labs Nicholas Negroponte beschrieben (Beyond Digital 1998): "Wie die Luft und das Wassertrinken wird Digitales nur durch seine Ab- und Anwesenheit bemerkt werden. Computer werden ein umfassender, wenn auch unsichtbarer Teil unseres Alltags sein: Wir werden in ihnen wohnen, sie tragen, sie sogar essen". Entscheiden wird der Unterschied vom Menschen zum Computer werden: die Fähigkeit Fragen zu stellen. Warum ist das so? Kann das nicht auch anders sein? Pablo Picasso.

Digitalisierungsstrategie: Politik der Bundesregierung, die digitale Transformation in Deutschland voranzutreiben. Erkennbar sind folgende Elemente: Digitale Kompetenz (DigtalPakt Schule). Künstliche Intelligenz (KI; EXIST, Arbeitswelt und Arnbeitsmarkt). Vgl. Bertschek, Irene: Digitalisierungsstrategie - das Matrjoschka-Prinzip, in: Wirtschaftsdienst 2018/12, S. 834ff. Die Bundesregierung hat einen Reihe von Gremien eingesetzt, die die Strategie vorantreiben und umsetzen sollen: 1. Digitalkabinett (Vorsitz D. Bär). 2. Digitalrat (Vorsitz K. Suder). 3. Datenethikkommission (ethische Leitlinien). 4. IT - Rat (H. Braun). 5. IT - Planungsrat (Bund, Länder, Kommunen).

Digitalisierung der Verwaltung: Deutschland hinkt hier hinterher. Am weitesten in Europa sind 2018 Finnland, Estland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Italien.  Das hat auch Gründe: 1. Die Größe Deutschlands. 2. Suche nach perfekter Lösung. 3. Preußen als Erfolgsmodell. 4. Angst vor Datenmissbrauch. 5. Risikoscheue des Staates. Vgl. Der Spiegel Nr. 48/24.11.18: Im Ja - aber - Land, S. 66ff. Hessen erhält nach der Wahl 2018 ein Ministerium für Digitales.

Digitaler Markt, Eigenschaften: Digitale Märkte haben besondere Merkmale: 1. Hohe Dynamik und Innovationskraft. 2. Hohe Fixkosten und geringe marginale Kosten (kaum Kapazitätsgrenzen, Log-in-Effekte). 3. Hohe Transparenz und geringe Transaktionskosten. 4. Große Bedeutung von (personenbezogenen) Daten (Abschöpfung der Zahlungsbereitschaft?). 5. Internet-Plattformen und mehrseitige Märkte (Matching). 6. Fehlende unmittelbare monetäre Gegenleistung auf Plattformen (Finanzierung nur durch eine Marktseite). Marktteilnehmer treten individuell in Kontakt in einem Netzwerk. Eine solche Blockchain besteht aus vier Teilen: 1. Einem Wallet und Schlüssel. Ein Wallet ist eine digitale Geldbörse, bestehend aus einem öffentlichen und privaten Schlüssel. Mit dem privaten Schlüssel wird die Identität als berechtigter Besitzer der Wallet bestätigt. Der öffentliche Schlüssel entspricht etwa einer gewöhnlichen Kontonummer. 2. Verteiltes System. Die Transaktionsabwicklung läuft in einem Netzwerk auf spezieller autorisierter Hardware. Geschäftsabschlüsse werden kryptographisch abgesichert. 3. Kassenbuch. Transaktionen werden chronologisch aufgezeichnet. 4. Peer-to-Peer. Direkter Austausch von Werten zwischen einzelnen Marktteilnehmern. Vgl. com professional 11/16, S. 14ff. Auch: Brynjolfsson, E. / McAfee, A.: The Second Machine Age, Kulmbach 2015. Weiterhin spielt in den digitalen Märkten das Eigentum nicht mehr die große Rolle. Menschen sind mehr bereit, nur zu teilen. Zugleich verliert der Preis als Steuerungsmechanismus an Bedeutung. Von der Größe von Internetgiganten profitieren auch die Kunden massiv. Auf den digitalen Märkten gelten auch andere Regeln als früher. Der Tendenz nach sieht dies wie folgt aus: 1. Monopole statt Wettbewerb. 2. Daten statt Preise. 3. Clickworkertum statt Sozialpartnerschaft. 4. Sharing statt Eigentum. Vgl. A. Wambach/ H.-C. Müller: Digitaler Wohlstand für Alle, New York/ Frankfurt 2018, S. 24ff.

Zweiseitige Märkte: Preisstruktur und die Interaktion von mindestens zwei Nutzergruppen sind ausschlaggebend. Die Nutzergruppen sind indirekt miteinander verbunden (der Nutzen der Mitglieder der einen Gruppe ändern sich mit der Größe der anderen Gruppe). Dazu gehört ein Intermediär, der in der Regel die Plattform einrichtet (bringt beide Nutzergruppen zusammen).  Beispiele sind Suchmaschinen, Bezahldienste, Immobilienportale. Vgl. Reiner Clement: Zweiseitige Märkte, in: WISU 1/2016, S. 102ff.

Konvergierende Märkte: Die einzelnen Märkte wie Telekommunikation, Information, Media und Entertainment wachsen immer mehr zusammen. Private Güter können eingerichtet werden. Personen können ausgeschlossen werden. Die Nutzung kann genau festgelegt werden.

Weitere Marktmerkmale: Der Markteintrittskosten sind in der Regel sehr niedrig,. Dafür ist der Wettbewerb härter. Die Preisfindungsmechanismen können sehr schnell individualisiert werden. Das Internet ist weltweit standardisiert. Suchmaschinen haben eine große Bedeutung. Beziehungsmanagement ist idealerweise möglich.

Digitalisierung und Strukturwandel: Die Wirtschaftswelt wird zunehmend von Software geprägt. Hardware und Ingenieurskunst verlieren an Boden. Die Automobilindustrie ist die Schlüsselbranche in Deutschland. Elektrofahrzeuge sind technisch weniger komplex und einfacher zu bauen. Im DAX (30 Unternehmen) sind nur zwei Digitalkonzerne, SAP und Wirecard. Die künftige Wirtschaftswelt wird weniger von Ingenieuren und Maschinen geprägt als von Programmierern und Daten. Die große Gefahr besteht darin, dass die eigentlichen Produzenten nur noch Zulieferer für die großen Digitalkonzerne sind. Traditionelle Managementtechniken sind zu langsam. Möglichst viele Geschäfte sollten die Unternehmen selbst machen, damit sie nicht von Plattformen abhängig werden. Im Konsumgüterbereich und auch im Industriegeschäft schieben sich Plattformen wie Amazon und Alibaba zwischen Produzenten und Endkunden. Die Grenzen zwischen klassischen Branchen verändern sich oder lösen sich auf. Vgl. auch: Krämer, Hagen: Digitalisierung, Monopolpreisbildung und wirtschaftliche Ungleichheit, in: Wirtschaftsdienst 2019/1, S. 47ff.

Volkswirtschaftslehre 4.0: Die Volkswirtschaftslehre steigt in ihrer Bedeutung mit der Digitalisierung und Globalisierung stark an. Das zeigt sich auch konkret darin, dass die großen Tech - Firmen, insbesondere im Silicon Valley, ihre volkswirtschaftlichen Abteilungen massiv ausbauen. Sie sollen bei der Suche nach neuen Geschäftsmodellen helfen. Auf der anderen Seite bieten die Datenflut und die Plattformen Ökonomen neue Möglichkeiten, Theorien und Hypothesen zu testen. Die vorrangigsten Aufgabe der Volkswirte ist aber, Muster zu erkennen (Algorithmen), Szenarien durchzuspielen und neue Start - ups in ihren Strategien auszurichten. Daten können die Märkte und die Wirtschaft besser koordinieren. Die angewandten Hochschulen in Deutschland (frühere Fachhochschulen, oder die dualen Hochschulen) haben auf diesen Trend noch nicht reagiert. Sie handeln azyklisch. Die Mechanismen der Selbstverwaltung sind zu stark politisch (durch Finanzen) gegängelt und zu stark an den eigenen Berufszielen (oft Lebensqualität) ausgerichtet. Vgl. Buhse, Malte: VWL 4.0: Wie Wissenschaft und Tech - Unternehmen voneinander lernen, in: Wirtschaftswoche, 50/ 2.12.16, S. 40f. Im Zeitalter der Digitalisierung nehmen Verteilungsfragen stark zu in allen Ländern. Wenn es nicht gelingt, Lohn und Arbeit zu entkoppeln, werden viele Menschen in Zukunft keinen Arbeitsplatz mehr finden (vgl. Mayer-Schönberger/ Ramge: Das Digital, Berlin 2017). Weiterhin könnte aber die Blockchain - Technologie  mehr möglich machen als nur Handel mit Krypto - Währungen. Es könnte eine neue Weltwirtschaftsordnung entstehen. "Die Digitalisierung vernichtet in Summe keine Jobs. Sie verändert Berufsbilder und die Ausbildung", SAP-Vorstand Bernd Leukert 2017 (s. Handelsblatt 24.01.17, S. 17).

Peer Production: Wer Google oder Facebook nutzt, schafft damit Werte. Es gibt immer mehr Ökonomen, die fordern, dass die Nutzer dafür bezahlt werden müssen (z. B. Glen Weyl, der selbst für Microsoft arbeitet). Peer Production verlagert in vielen Bereichen immer mehr Kosten auf den Konsumenten (Flughäfen, Bahnhöfe u. a.). Wo liegt die Grenze für kostenlose Leistung der Konsumenten?

Neue Produktionsfunktion: Durch Künstliche Intelligenz entsteht einen neue Produktionsfunktion. Der Output als abhängige Variable ist eine Funktion der unabhängigen Variablen Daten, Kapital, Arbeit. KI macht Daten zum dritten Produktionsfaktor. Die Daten sind rückgekoppelt mit Kapital und Arbeit. Der Output hat eine Interdependenz mit Daten, arbeit und Kapital. KI kombiniert Kapital und Arbeit, KI definiert das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit neu. Die industrielle Ordnung (vertikale Wertschöpfungsketten) wird durch die digitale Ordnung ersetzt (hybride Unternehmen mit Kollaboration und Integration). Vgl. Vöpel, Henning: Wie künstliche Intelligenz die Ordnung der Wirtschaft revolutioniert, in: Wirtschaftsdienst 2018/11, S. 828ff.

Neo-Dataismus: Eine Wirtschaft, in der Daten ihren Verursachern gehören, nicht Konzernen.

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Preisbildung:  Die Digitalisierung kann dazu führen, dass man dem Ideal der vollständigen Konkurrenz immer näher kommt. Damit würde sich dann auch die Wohlfahrt erhöhen. Bisher ist aber offen, welche Hypothese eher zutrifft: 1. Durch eine höhere Markttransparenz und verringerte Transaktionskosten ist eine generelle Preissenkung möglich. 2. Die Digitalisierung führt zu Monopolen und neuen Informationsasymmetrien. Das führt zu Angebotskurven mit Null-Grenzkosten, Kundenbindung durch Umstellungskosten und Preisdifferenzierung. Vgl. Thieß Petersen: Auswirkungen der Digitalisierung auf Preisbildung und Wohlfahrt, in: Wirtschaftsdienst 2018/5, S. 340ff. Die Digitalisierung revolutioniert die Preisbildung insgesamt. Man spricht auch von einer Revolution der digitalen Preise. Das kann Folgen haben für Statistiker und Notenbanken. Die Preismessung wird auf jeden Fall komplizierter und komplexer. So rückt auch das Inflationsziel in die Diskussion.  "Der Wettbewerb zwischen Internethandel und traditionellem Einzelhandel drückt die Preise und schmälert die Gewinnspannen. Dieser Amazon-Effekt könnte die niedrigen Inflationsraten der vergangenen Jahre erklären", Alberto Cavallo, Professor an der Harvard Universität (Quelle: Wiwo 17, 18.4.2019, S. 26).

Kurve komplementärer Güter: Wenn zwei Güter miteinander verknüpft sind, also zwei Produkte in Kombination verkauft werden, kann sich der Preis des einen Produktes auf die Nachfrage des anderen auswirken. Lange sprach man in der Umgangssprache von Burgerbrötchen-Kurve. Wenn ein Supermarkt günstiges Rindfleisch anbietet, steigt auch die Nachfrage nach Burgerbrötchen. Die Industrie macht sich diesen Zusammenhang immer wieder zu Nutzen: So sind bei Nassrasierern  die Rasierklingen oft teurer als der Rasierer. Oder Druckerpatronen sind relativ teuer im Vergleich zum Drucker. Am deutlichsten zeigt sich heute der Zusammenhang bei Smartphones. Erst die Entwicklung von Apps in großem Ausmaß konnte die Nachfrage nach den Handys so ansteigen lassen. Heute sind Plattformen in vielen Bereichen wichtiger als die Produkte.

Digitalisierung und Besteuerung: Die "Bepreisung" von Daten, insbesondere die der Konsumenten, ist ein Gerechtigkeitsproblem jetzt und in der Zukunft. Die Menschen liefern kostenlos Daten und andere verdienen damit viel Geld. Die Menschen als Datenlieferanten sind doppelt benachteiligt. Weil das Steuersystem an realen Gütern orientiert ist, müssen die Bürger die Steuern aufbringen. Andererseits werden die Daten-Unternehmen nicht ausreichend besteuert. Die Digitalsteuer wird von der eU ins Auge gefasst. Was würde aber passieren, wenn die USA und China auch diese Steuern einführten?

Beschleunigungsgesellschaft: Die Begriffe Beschleunigungsregime oder auch Beschleunigungstotalitarismus stammen von dem deutschen Soziologen Hartmut Rosa (Uni Jena). Unsere Welt wird durch die wachsende Mobilität und das Internet immer weiter beschleunigt. Wie viel Beschleunigung verträgt aber der Einzelne? Vgl. H. Rosa: Beschleunigung und Entfremdung, Berlin 2013.

Digitalisierung und gesellschaftliche Ungleichheit: Die Fortschritte in der Informationstechnologie führen zu immer größeren Ungleichheiten in den Industriegesellschaften (sie ersetzen das Gehirn und machen die Arbeit von vielen Menschen überflüssig). Produktivitätsgewinne verteilen sich immer mehr zu Gunsten der oberen Klassen (in US-Unternehmen ist dieser Effekt am stärksten, weil sie mehr aus der IT-Technologie herausholen). Notwendig wäre ein "Gleichheitsindex" im Steuersystem ("Steigende- Flut-Steuersystem"), der sich der Ungleichheit mit den Steuersätzen anpasst (Robert Shiller, Yale, Irrational Exuberance, Princeton 2000; New Financial Order, Princeton 2003). Shiller fordert  eine Globalisierungsversicherung für jedermann. Er untersucht auch, wann Spekulationsblasen auf Immobilienmärkten platzen ("Historic Turning Points in Real Estate", Working Paper, Juni 2007). In Deutschland arbeiten 2007  61% aller Erwerbstätigen mit dem PC. Als wichtigster Aufsatz des Autors gilt: Do Stock Prices Move Too much to Be Justified by Subsequent Changes in Dividents, in: AER, 1981. R. Shiller hat auch ein Unternehmen gegründet, das erstmals Handel mit ökonomischen Risiken aller Art betreibt (Rezession, fallende Immobilienpreise, Arbeitslosigkeit). Der Name ist Makro Market. Es gibt einen weiteren Faktor, der die Ungleichheit durch Informationstechnologie beeinflusst: menschliche Faulheit. Einige Experten sprechen von einer "Winner takes all"- Welt: Wenige profitieren übermäßig.  "Der herrschende Glaube an soziale Gerechtigkeit ist gegenwärtig vielleicht die größte Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Gesellschaft", Friedrich von Hayek, The Mirage of Social Justice. "Ein innovationsgetriebenes Wachstum kann auch Ungleichheit verschlimmern", Christine Lagarde, IWF-Chefin, 2016. "Wir müssen verhindern, dass die Gewinne der Digitalisierung privatisiert werden, während die Gesellschaft die Folgekosten trägt.

Beschäftigungseffekte der Digitalisierung: Die aktuelle Entwicklungen der digitalen Technik eröffnen große Rationalisierungspotenziale. Ob der Arbeitsplatzverlust tatsächlich eintritt, ist bisher offen. Denn Digitalisierung schafft auch viele neue Arbeitsplätze, insofern ist ein Strukturwandel sicher. die Wirkungen dürften auch entscheidend von den Reaktionen der Beschäftigten abhängen: Es ist ein strukturiertes und zertifiziertes Weiterbildungssystem erforderlich. Sinnvoll ist auch ein Flexicurity-Konzept. Zur Anwendung kommen sollte auch eine integrative regionale Strukturpolitik. Vgl. Kurt Vogler-Ludwig: Beschäftigungseffekte der Digitalisierung - eine Klarstellung, in: Wirtschaftsdienst 2017/12, S. 861ff. Die Beratung PwC legt 2018 eine Studie vor. Sie macht folgende Prognosen: 37% der Arbeitsplätze in Deutschland werden bis Mitte der 2030er-Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Maschinen ersetzt. Kurzfristig werden aufgaben in Finanz- und Versicherungsunternehmen automatisiert, langfristig trifft es die Transportbranche, die Industrie und den Bau. Mehrere neue Studien schüren Zweifel, ob die Digitalisierung tatsächlich so viele Jobs vernichtet: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2018. Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie, 2018.  Im April 2018 legen das IAB der BA und das BIBB eine gemeinsame Studie zu der Folgen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt vor: Fazit ist, dass die Jobs kaum weniger, aber anders werden. Regional soll sogar ein Plus an Arbeitsplätzen möglich sein. Vor allem im Bereich Information  und Kommunikation könnte es zu einem deutlichen Stellenaufbau kommen.  Eine Studie des ZEW/ Mannheim 2018 mit dem Thema "Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit" kommt zu folgenden Ergebnissen: Die jüngsten Investitionen in vernetzte Produktionstechnologien haben zwischen den Jahren 2011 und 2016 etwa 1 Prozent zusätzliche Beschäftigung geschaffen. Die Ungleichheit steigt. In erster Linie profitieren Hochlohn-Berufe. Es könnte insofern eine weitere Spaltung des Arbeitsmarktes drohen. Wenn Computer und Roboter Routineaufgaben übernehmen, können sich die Menschen kreativeren Aufgaben widmen oder solchen, die soziale Interaktionen erfordern. Doch die Bildungspolitik muss die Menschen auf die Digitalisierung vorbereiten. Auf jeden Fall sind die Auswirkungen auf den Jobmarkt 2018 noch nicht klar vorherzusagen.

Digitalisierung der Arbeitswelt (Zukunft der Arbeitswelt): 1. Maschinen können Menschen auch das Denken abnehmen. 2. Arbeitstag muss nicht mehr zwangsläufig im Büro verbracht werden. 3. Es entstehen eine Reihe neuer Berufe (Clickworker, Crowdfunder u. a.). 4. Die Digitalisierung kann die Ausbeutung der Arbeit erhöhen und führt zur Totalüberwachung (auf der anderen Seite ist sie eine Chance für Autonomie). 5. In der Internetwelt wird der Mindestlohn nicht greifen. Es wird nicht nach Zeit, sondern nach Projekten und Produkten gezahlt. Fünf Trends werden die Arbeit von morgen mit prägen: 1. Das Homeoffice (lockere Bürogemeinschaft, "Coworking-Space"). 2. Vertrauensarbeitszeit (selbst Einteilung der Arbeitszeit in einem gewissen Rahmen). 3. Familienarbeitszeit und -Pflegezeit (orientiert an den Lebensphasen der Menschen; z. B. arbeiten beide Elternteile 80%, die Lücke schließt der Staat). 4. Job-Sharing (auf Führungsebene "Top-Sharing" mit Plattform, z. B. tandemploy.de ). 5. Flexible Übergänge in die Rente ("Flexi-Rente"). Die Weltbank hat eine Studie über den Zusammenhang zwischen Digitalisierung der Wirtschaft und Arbeit weltweit 2016 machen lassen: Der Anteil der Jobs, die durch Digitalisierung und Automatisierung gefährdet sind beträgt in %: Äthiopien 85, China 77, Thailand 72, Indien 69, Argentinien und Nigeria 65, OECD-Durchschnitt 57, USA 47, Großbritannien 35. Am besten gewappnet sind die Länder, die auf Complex Problem Solving, Critical Thinking und Creativity setzen (Quelle: Weltbank: World Development Report 2016). 2018 setzt die Bundesregierung eine Datenethikkommission zur Digitalisierung der Arbeitswelt ein.

Digitalisierung und Umwelt: Der digitale Wandel kann nicht notwendigerweise das Dogma des immerwährenden Wirtschaftswachstums aufrechterhalten. Es besteht immer eine Spannung zwischen einerseits lokal erzeugtem Produkt mit digitalem Service und der jeweiligen Wertschöpfungskette im globalen Markt. Man könnte argumentieren, digitale Wertschöpfung sei um vieles effizienter und Ressourcen schonender als herkömmliche. Aber man bezeichnet dies als "Achilles und die digitale Schildkröte". Das digitale Produkt ist klein und schnell, miniaturisiert und hochperformant. Aber es ist exponentielles Wachstum, egal welche Größenordnung oder Skalierung man wählt. Vgl. Peter Reichl: Achilles und die digitale Schildkröte, in: Futur zwei 5/2018, s. 18ff.

Wachstumseffekte der Digitalisierung: Nach einer Prognose der Weltbank wird die Digitalisierung das Wirtschaftswachstum beschleunigen. Die etablierten Volkswirtschaften können den Wert ihrer produzierten Güter und Dienstleistungen bis 2030 nur langsam steigern: ISA 24%, Deutschland 17%. China dagegen soll auch dank Automatisierung bis 2030 noch einmal um 85% zulegen. Damit hätte das Land dann die größte Volkswirtschaft der Welt. Der erwartete Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts bis 2030 wird wie folgt eingeschätzt: Nordamerika +3,7%, Nordeuropa +1,8%, Südeuropa +0,7%, China +7,0%. Quelle: Handelsblatt 26./27./28. Oktober 2018, S, 57. Das globale Finanzierungsvolumen von KI-Startups 2017 betrug: USA 48%, China 38%, Sonstige 14%. Quelle: PwC, WEF, CB Insights.

IT - Konzerne und Wirtschaftsstandort: Der Mangel an großen deutschen IT - Konzernen birgt erhebliche Risiken für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Zu diesem Schluss kommt auch eine Analyse der Beratungsfirma McKinsey 2019. Technologie-Konzerne mit über 100 Mrd. Dollar Börsenwert wie Google, Apple, Facebook oder Amazon hat Deutschland nicht, nur die SAP. Solche Konzerne sind aber ein zentraler Motor der globalen Wirtschaft und Gesellschaft. China hat dies strategisch genau erkannt und seit Jahrzehnten Gegenunternehmen aufgebaut, die eine vergleichbare Größe haben oder sogar größer sind (Tencent, Huawei, Alibaba). Dafür gibt es laut McKinsey Gründe: Aufstrebende Technologieunternehmen brauchen drei Schlüsselfaktoren: Talent (hochkarätige Tech-Gründer und Mitarbeiter), Kapital (um Wachstum zu finanzieren) und günstige Marktbedingungen (optimales Umfeld). https://mck.de/techtitanen .

Digitalisierung und Makroökonomik: Wichtige Rahmenbedingungen sind: 1. Eine gleichgewichtige Verhandlungsmacht zwischen den Sozialpartnern. 2. Einen handlungsstarken Staat (adäquaten Anteil am Produktivitätszuwachs über Steuern zu vereinnahmen, auskömmliches Einkommen für digitalisierungsbedingt Arbeitslose, funktionierender Wettbewerb, größeres Gewicht für Umweltschutz). Vgl. Koll, Willi: Makroökonomische Aspekte der Digitalisierung, in: Wirtschaftsdienst 2019/ 1, S. 41ff.

Digitalisierung und Handel/ Außenhandel: Kampf um Wertschöpfungsketten (Modell der Institutionenökonomik/ Jean Tirole, Toulouse, Nobelpreis 2014): Die Institutionenökonomik/ Tirole bietet ebenfalls wie Krugman eine Alternative zum Freihandelsmodell. Freihandel wird nicht als Wert an sich gesehen. Es ist eines der Verfahren, um für eine Gesellschaft Wohlstand zu erzeugen. Aktuelle Handelskonflikte (wie zum Beispiel der zwischen den USA und China 2018) ergeben sich danach aus grundlegend veränderten Risiko- und Kommunikationsstrukturen. Die Digitalisierung senkt die Transaktionskosten weiter und verändert das Risiko. Es entstehen durch reduzierte Informationsasymmetrien neue Institutionen im Kontext der Plattformökonomie. Dadurch wandeln sich Informationstransport, Informationsspeicherung und Informationsverarbeitung. Die Digitalisierung beeinflusst auch die Industriestruktur: Systemtreiber sind die Fähigkeit zur Kontrolle des Agenten und die Möglichkeit, Skaleneffekte zu realisieren. Es kommt zu einer Reintegration von Wertschöpfungsketten. Treiber sind die Finanz- und Schuldenkrise, die Störanfälligkeit von Lieferketten und die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts. In diesem Zusammenhang sind Zölle ein Mittel der politischen und wirtschaftlichen Rivalität. Unter zu erwartenden Konfliktbedingungen ist die Sicherung der Lieferkette entscheidend dafür, die Rivalität auszuhalten bzw. siegreich zu beenden. Die Staaten haben ein Dominanzproblem:  Die USA haben ein großes Leistungsbilanzdefizit (im Opiumkrieg hatte es England), China hat einen historischen Nachholbedarf (mandschurische Machtübernahme 1647, Opiumkrieg 1839). "Made in China 2025" soll die Hochtechnologie sichern aufgrund eines schuldengetriebenen Entwicklungsmodells. Im Grunde genommen will China sich weiterhin erfolgreich in der globalen Lieferverflechtung positionieren. Man kann dies in der "Crying Curve of Asia" darstellen. Freie Märkte sind nach diesem Modell auf dem Rückzug. Vgl. Ulrich Blum: Der Kampf um Wertschöpfungsketten: Krieg gegen den Freihandel? in: Wirtschaftsdienst 2018/10, S. 737ff. 

Digitalisierung und Rohstoffe bzw. Protektionismus: Seltene Erden: Sind weiche, silbergraue Metalle, deren Schmelzpunkt je nach Element zwischen 900 und 1600 Grad C liegt. Je umweltfreundlicher und innovativer ein Produkt ist, umso größer ist die Abhängigkeit bei Seltenen Erden. Sie werden in Hochtechnologiebereichen und Energiespartechnologien eingesetzt. Konkrete Anwendungsbereiche sind Leuchtstoffe und Elektronik, Metallurgie, Katalysatoren, Keramik, Permanentmagnete, Batterien. China hat eine Quasi-Monopolstellung. Das Land arbeitet mit Exportquoten, um Produktionsstätten ins Land zu holen.  Die Quoten werden 2012 erhöht. Auf Druck der WTO werden diese ab 2015 aufgehoben.  Weitere Vorkommen sind in den GUS-Staaten, Indien, Brasilien und Nordamerika. Der Klimawandel macht auch die Arktis wirtschaftlich interessant. So gibt es seltene Erden in der ostkanadischen Provinz Quebec. Eine Kooperation mit Kanada wird angestrebt (Merkel im August 2012). Deutschland schließt im Herbst 2011 ein Abkommen mit der Mongolei: Lieferung Seltener Erden, Investitionen in Bildung und Technologie in der Mongolei. Im Februar 2012 folgt ein Rohstoffabkommen mit Kasachstan. Eine Partnerschaft mit Kanada wird angestrebt. Seltene Erden gibt es auch in den USA, Australien und Russland. In der Regel haben diese Länder ihre Lagerstätten noch gar nicht angerührt. In den Industrieländern wird das Recyceln intensiviert. 2012 gibt es einen Preissturz bei Seltenen Erden. Offensichtlich ist die Nachfrage stark gesunken (Konjunkturflaute in Teilen der Welt). China will ein Fünftel der Produktionskapazitäten schließen, um den Preisverfall zu stoppen. Mittlerweile findet man Seltene Erden auch im Rhein. Langfristig bis 2030 werden folgende Länder besonders wichtig sein: Russland für Palladium. Brasilien für Tantal, Kanada für Indium, China für Neodym und Gallium, Australien für Kobalt, Mexiko für Silber. Immer wichtiger wird das Recycling, um die Abhängigkeit zu senken. In Deutschland peilt man 20% recycelte Seltene Erden an. 2013 gibt es große Funde von seltenen Erden in Grönland. Die Förderung wäre wichtig für die EU (Teilautonomie, gehört zu Dänemark). Radioaktive Substanzen sind in der Nähe, weshalb das ökologische Risiko hoch ist. Lithium, das leichteste Metall der Welt, kommt am meisten in Bolivien vor (Salzsee Salar de Uyuni). Der Bedarf an Seltenen Erden geht weltweit zurück. Es können alternative Rohstoffe hergestellt werden. Zur Gewinnung Seltener Erden ist giftige Säure erforderlich, die jede Menge giftigen Müll erzeugt. 2019 setzt China Seltene Erden im Handelsstreit mit den USA ein: Etwa 70% der Seltenen Erden, die 2019 in der Produktion eingesetzt werden, kommen aus China. Das Land erwägt einen Exportstopp bzw. eine Reduktion. 80% der exportierten Mengen gehen in die USA.

Auswirkungen der Digitalisierung auf den öffentlichen Sektor: Der öffentliche Sektor ist in vielerlei Hinsicht durch den digitalen Wandel betroffen. Der Handlungsspielraum des Staates könnte vergrößert werden, wenn zusätzliches Wachstum entsteht. Die Polarisierungsthese behauptet, dass durch die Nutzung digitaler Technologien funktionale, räumliche und personelle Ungleichheit zunehmen. Die Erosionsthese behauptet, dass digitale Technologien zu einem langfristigen Rückgang der Lohnquote und einer Erosion des Ausmaßes der voll versicherungspflichtigen Beschäftigung führt. Dann gibt es noch die steuertechnische Herausforderung bei der Besteuerung von Einkommen bzw. Gewinnen sowie Umsätzen  digitale Geschäftsmodelle nicht zu begünstigen. Vgl. Margit Schratzenstaller: Auswirkungen der Digitalisierung auf den öffentlichen Sektor - ein erster Überblick, in: Wirtschaftsdienst 2018/11, S. 799ff.

Digitalisierung und Demokratie: Die Wende war die Wahl Donald Trumps in den USA. Seitdem gelten die Digitalkonzerne als Demokratie gefährdend. Sie sorgen für den Reichtum weniger. Sie bilden Monopole. Sie bieten Technologien zur Kontrolle (Gesichtserkennung). Demokratien haben auch an Strahlkraft verloren. Vor allem junge Europäer könnten zu den Verlierern der Digitalisierung werden (weil die USA und China sich absetzen).   "Wie die Digitalisierung weitergeht und welche Folgen sie haben wird, ist daher kein Naturereignis oder Verhängnis. Es gibt keine Alternativlosigkeit. Diese Einsicht ist der erste Schritt zu einem gestaltenden Blick auf die Entwicklung der digitalen Technologie", Armin Grunwald, Professor für Technikphilosophie und -Ethik am Karlsruher Institut für Technologie. Quelle: WiWo 3/ 11.1.2019, S 47. Vgl. auch: Martin, Hans-Peter: Game over. Wohlstand für wenige, Nationalismus für alle - und dann? Penguin -Verlag 2019.

Digitaler Humanismus (Ethik): Die Digitalisierungsindustrie  wirbt mit Transparenz, Berechenbarkeit, ökonomischem erfolg, Weltverbesserung und mäzenatischem Engagement. Sie nimmt damit humanistische Impulse als Ausgangspunkt und transformiert sie zu anti-humanistischen Utopien. Die Bedingungen der Humanität werden infrage gestellt. Die Big - Data - Ökonomie lebt von der Enteignung der Menschen, sie verlieren die Kontrolle über ihre persönlichen Daten. Vgl. Nida-Rümelin/ Weidenfeld: Digitaler Humanismus, Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, München (Piper) 2018.

Die Ethik der Algorithmen: Der Algorithmus ist so etwas wie die unsichtbare Hand der digitalen Wirtschaft. Er sollte transparent sein, verantwortlich, Gesetzen folgen und ein klares Ziel haben. Eine entscheidende Frage ist, wer für Fehler haftet. Das könnte in einigen bereichen ein großes Problem sein (Pflegeroboter).

Digitale Transformation: Umsetzung der Digitalisierung im Unternehmen. Die Unternehmen werden dabei in fünf Gruppen eingeteilt: 1. Digital Leaders, 2. Digital Adapters, 3. Digital Evaluators, 4. Digtal Followers, Digital Laggards. Nach einer Erhebung von Dell 2018 (4600 Entscheider in 42 Ländern) liegen die meisten Unternehmen in den Gruppen 3 und 4.

Digitalrevolution in Unternehmen: Supercomputer können selbständig lesen (z. B. alle Studien zu einem Thema, was Menschen heute nicht mehr möglich ist). Sie können unvorstellbare Datenmengen bewältigen. Sie können schon selbständig Werbung machen und Jobbewerber aussuchen. Neue Programme übersetzen live und machen damit teure Dolmetscher überflüssig. Werden die Menschen im Unternehmen davon profitieren oder eher ihren Job verlieren? Selbst in Billiglohnländern ersetzen Computer mehr Arbeitsplätze in der Fertigung (z. B. bei Foxconn in China). Die künstliche Intelligenz könnte aber auch zunehmend Arbeitsplätze im gehobenen Bereich kosten. So plädieren Experten (wie Brynjolfson vom MIT) wieder für die Idee des Grundeinkommens. Die Arbeitsmärkte werden sich weiter spalten: Die, in denen "Out-of-the-Box"-Denker und Hochqualifizierte die gut bezahlten Jobs haben, und die, in denen gering qualifizierte Arbeitskräfte unter prekären Bedingungen arbeiten müssen (ohne Aufstiegschancen mit hohem Risiko des Jobverlusts). Eine Studie der Commerzbank 2016 kommt zu dem Ergebnis, dass die Digitalisierung ein Job-Motor ist. 43 Prozent der Mittelständler brauchen mehr Personal.

Digitalisierung und Unternehmensstruktur: In klassischen Unternehmen herrschen vertikale Wertschöpfungsketten vor. Sie beruhen auf Spezialisierung und Arbeitsteilung. In der Digitalisierung kommt es nach und nach zu hybriden Unternehmen. Sie produzieren nicht nur, sondern betreiben auch Plattformen mit Daten. Kollaboration und Integration stehen im fordergrund.

 Neufassung des GWB 2017: Im März 2017 wird die 9. Novelle des GWB verabschiedet. Sie soll insbesondere der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft Rechnung tragen. Die Fusionskontrolle wird auf Unternehmen ausgeweitet, in denen nur geringe Umsätze generiert werden, die jedoch hohe Unternehmenskaufpreise gepaart mit starken Netzwerkeffekten und schädlichen Konzentrationswirkungen aufweisen.

Andere Gesetze: 2016 kommt die WLAN - Reform (Änderung des Telemediengesetzes). Wlan-Anbieter und  und Internetanbieter sollen von Haftungsrisiken befreit werden (Störerhaftung). Der Europäische Gerichtshof schränkt diese Regelung wieder etwas ein: es muss kein Schadensersatz für Urheberrechtsverletzungen geleistet werden Aber Anbieter, z. B. die Musikindustrie,  können einen Passwortschutz verlangen. Ende Juni 2017 beschließt der Bundestag ein Gesetz gegen Hasstiraden im Internet. Soziale Netzwerke müssen künftig rechtswidrige Hetzkommentare innerhalb von 24 Stunden löschen oder hohe Strafen zahlen. Das Gesetz tritt ab 06.01.2018 in Kraft. Schon nach wenigen Tagen fordern viele Experten eine Änderung (Satire wird verhindert, Überreaktion). Die EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova sieht in dem Gesetz kein Modell für Europa.

Europäische Copyright: Der EU-Rechtsausschuss beschließt dieses im Juni 2018. Es werden Upload-Filter eingeführt. Weiterhin ist ein europaweites Leistungsschutzrecht geplant.

EU-Urheberrecht: Es geht um den Schutz von Musikern, Autoren, Fotografen, Wissenschaftlern und Journalisten in der EU. Im Februar 2019 einigt man sich auf eine Reform. Es kommt ein EU-weites Leistungsrecht. Online-Plattformen wie Google oder Facebook sollen für die Verwendung von bereits veröffentlichten Online-Artikeln zahlen müssen. Es gibt viele Demonstrationen gegen das geplante Gesetz. Start-ups könnten in der entscheidenden Phase geschwächt werden. Den besten Internet-Filter scheint YouTube, eine Google - Tochter, zu haben, so dass der Marktführer begünstigt würde. News - Dienste könnten um ihre Existenz kämpfen müssen. Sehr umstritten sind die Uploud - Filter, die mit Algorithmen arbeiten. Die EU-Richtlinie muss in nationales Recht überführt werden. Die EU billigt sie am 26.03.2019. Im April 2019 stimmt eine qualifizierte Mehrheit der EU-Länder, darunter Deutschland, der Richtlinie zu. Jetzt haben die Mitglieder zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Disruption (aus dem Lateinischen: Zerreißung, Zerbrechung; eigentlich physikalisch-technischer Begriff, keine biologische Entwicklung). Gemeint ist der Zerfall von Gesetzmäßigkeiten, der Abschied von Gewissheiten, eine radikale Verschiebung. Der Begriff soll auf den US-Ökonom Clayton Christensen (Harvard Business School) zurückgehen. Genau weiß man das nicht. Gedanklich als Schöpfer gilt Joseph Schumpeter (1883 - 1950). Er wird auch "Theoretiker" der Disruption genannt. Er setzte sich in der Ökonomie für das Denken in Prozessen, nicht in Modellen ein. Disruptive Geschäftsmodelle haben folgende Merkmale: Eine digitale Strategie, die nicht nur die IT, sondern alle Geschäftsbereiche umfasst. Anstoß für innovative Projekte sollte von oben kommen. Engere Zusammenarbeit mit externen Partnern und Start-up-Initiativen. Förderung der Unternehmenskultur. Ausbau der technischen Kompetenzen. Schnelligkeit. Kundenbedürfnisse und Kundennutzen als Ausgangspunkte. Vgl. com!professional 8/2017, S. 20ff. Vgl. auch Interview mit Wolf Dieter Enkelmann in: Wirtschaftswoche 53/ 22.12.17, S. 37ff.

Staatliche Agentur für Disruption: Sie soll 2019 gegründet werden. Man sucht auch einen Chef, der Chief Innovation Officer heißen soll. Organisatorisches Vorbild ist die amerikanische Darpa (Forschungsagentur des Pentagon).

Netzökonomie: Das Internet der Dinge ist auf den Fortschritt in der Telekommunikation angewiesen. Spezialisierte schmalspurige Netze wurden hin zu All - IP - Breitbandnetzen umgebaut. Die Qualitätsanforderungen bei der Datenpaketübertragung steigen beständig an. Sensornetze, Adaptoren oder intelligente Regler müssen alles umsetzen können. Intelligente Netze der Zukunft müssen die physische Welt mit komplementären virtuellen Netzen verknüpfen können.

Glasfasernetze (gute Infrastruktur, Breitband): Sie sind notwendig für schnelles Internet. Das Problem ist ihre Finanzierung (Nutzer, Anbieter, Staat). Der Ausbau des Glasfasernetzes ist international am weitesten in Lettland (60% aller HH), in Schweden (51%), Spanien (50%) und Norwegen (50%). Deutschland liegt bis 2019 (Prognose) abgeschlagen mit 3%. Die Parteinen nehmen vor der Bundestagswahl 2017 unterschiedliche Positionen zum Netzausbau ein: Die CDU setzt auf strukturelle Veränderungen ("Chefsache"). Die SPD sieht das Netz als Völkerrecht. Die Linken wollen keine digitalen Tagelöhner. Die Grünen setzen auf Selbstbestimmung. Die FDP sehen darin die zentrale Herausforderung. Die AfD sieht im Internet allgemein ein Medium freier Meinungsäußerung. 2017 richtet die EU ein Förderprogramm ein, um auch abgelegenen Dörfern Internet zu bringen. Die Monopolkommission und die Bundesnetzagentur denken über Alternativen nach. In der Diskussion ist ein Gutscheinsystem. In den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD im Februar 2018 werden Milliarden für den Ausbau von "Gigabit-Netzen" zur Verfügung gestellt. Vorreiter beim Breitbandausbau sind Estland, Finnland und etliche Länder in Asien. In Deutschland sind im Sommer 2017 76,9 % aller Haushalte mit Breitbandleitungen von mindestens 50 Mbit pro Sekunde ausgestattet. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland beim schnellen Internet weit zurück (Platz 28 von 32 in der Rangliste der OECD-Länder). 42% aller Firmen haben in Deutschland 2018 schnelles Internet. Im Koalitionsvertrag vom Februar 2018 steht: Rechtsanspruch auf schnelles Internet bis 2025. 12% aller mobilen Verbindungen sollen 2025 über 5G-Netze laufen. Sehr umstritten ist die Flächendeckung. Bitkom hält sie vorerst für nicht erreichbar. United-Internet will bei der 5G-Versteigerung mit bieten als vierter Mobilfunkbetreiber neben Telekom, Vodafone und Telefonica. Die Versteigerung (Auktion) wird von der Bundesnetzagentur durchgeführt (Präsident seit 2012 Jochen Homann). Sie startet am 25.03.2019. 1500 Milliarden Renminbi (rund 200 Mrd. €) will China zwischen 2019 und 2025 in den Aufbau des Netzes der fünften Mobilfunkgeneration (5G) investieren. 580 Mio. Chinesen sollen dann 5G nutzen. Für Europa schätzt die Telekom die Kosten für einen flächendeckenden Ausbau auf bis zu 500 Mrd. Euro. In RLP will das Land Kaiserslautern zu einer Modellregion bei 5G machen.

Internetknoten: Diese gibt es weltweit. Deutschland hat mit Frankfurt (DE-CIX) den weltweit größten Internetknoten. Der BND darf hier Daten abschöpfen, wie die anderen Geheimdienste auch bei den Knoten in ihrem Land.

Tiefseekabel: 382 Kabel liegen weltweit im Meer. Sie sind das Rückgrat des Internet. 97% laufen über Glasfaserkabel. Eigentümer dieser Kabel (allein oder zu mehreren) sind die Telekommunikationskonzerne (Orange, Telecom Italia, Tata-Communications, Dt. Telekom) und die Internet-Konzerne (Google, Facebook, Amazon, Microsoft). Die Kabel sind sehr kostenintensiv.

Frequenzauktionen und mobile Netztechnik: Sie werden von der öffentlichen Hand durchgeführt und spülen viel Geld in die Kassen. Der neuste Standrad ist das Echtzeitmobilfunknetz 5G. 2019 werden die 5G-Lizenzen versteigert. Es sollte ein gesunder Wettbewerb stattfinden. 5G könnte die Schlüsseltechnik für die Digitalisierung werden. Die Technik könnte dann 2020 starten. Bahn brechend ist die MIMO - Technik. Sie könnte zu Einsatzszenarien führen für: Augmented Reality, autonomes Fahren, Smart City, Robotik, Drohnen - Monitoring, Smart Farming, Medizin. Die Autoindustrie will sich an der Versteigerung der 5G-Technik beteiligen, um eine eigene Vernetzung der Autos zu ermöglichen. Ende 2018 kommt harte Kritik an den 5G-Auflagen. Die Netzbetreiber beklagen hohe Kosten. 5G bietet mehr als Standard: Schnelle Standleitung. Neue Anwendungen. Eigene Netze. In der Schweiz gibt es bereits startet bereits der schnelle 5G-mobilfunk zu Beginn 2019. Die Politik hatte sich vollkommen raus gehalten. Ein Geschäftsmodell für die EU fehlt. Im Juni 2019 endet die 5G-Mobilfunk-Auktion. Sie bringt dem Staat 6,6 Mrd. Euro, mehr als erwartet. Am 17.11.19 beschließt die Bundesregierung eine Mobilfunk-Strategie. Funklöcher sollen geschlossen werden. Der Bund nimmt dafür 1,1 Mrd. € in die Hand.  Kaiserslautern wird 5G-Modellregion.

Cyber-Security (Security Nudges): Eine wesentliche Ursache sind fehlgeleitete Anreize. Marktakteure müssen nicht die vollen Kosten ihren informationstechnologischen Handelns tragen. So entstehen ineffiziente Märkte. Es fehlen ausreichende Verfügungsrechte an den eigenen Daten im Internet. Notwendig wäre eine Ausweitung des Wettbewerbsrechts, um die Machtkonzentration auf der Anbieterseite zu verhindern. Vgl. Dold, M./ Krieger, T.: Cyber Security aus ordnungspolitischer Sicht: Verfügungsrechte, Wettbewerb und Nudges, in: Wirtschaftsdienst 2017/ 8, S. 559ff. Bei der Cyber-Security müssen die Kompetenzen von Bund und EU festgelegt werden. Die EU hat dafür einen eigenen Kommissar. 2017 wird erwogen, in der EU eine neue Behörde für Cybersicherheit einzurichten (Verfünffachung von 2013 bis 2017). Sicherheitslücken gibt es nicht nur bei der Software. 2018 werden Lücken im Kern der Hardware publik: Betroffen sind die Chips/ Mikroprozessoren vieler Hersteller (Intel, AMD, Apple). Sicherheitssoftware könnte die Rechenleistung reduzieren. Besonders Intel scheint betroffen. Die Prozessoren sind besonders anfällig für Angriffe (besonders Passwörter). Der Aktienkurs sinkt. Es geht immer um eine Abwägung zwischen Schnelligkeit und Sicherheit. Viele Unternehmen der IT - Branche arbeiten mit Bug-Bounties (Prämien für Hacker), um ihre Sicherheit zu testen. Der Mitarbeiter Daniel Gruss von der Uni Graz entdeckte die schweren Sicherheitslücken bei den Computerchips. Generell brauchen wir neue Regeln, Gesetze, die die Digitalisierung, die Vernetzung und das Internet der Dinge absichern. Der Staat steckt in einem Dilemma: Kriminelle nutzen Schwachstellen in Soft- und Hardware. Der Staat will die Lücken schließen. Zugleich braucht er sie, um zurückzuschlagen. Große Konzerne machen eine Charta für Internet-Sicherheit. Als eines der ersten Unternehmen prescht Siemens vor. Die Charta umfasst 10 Handlungsfelder. 2017 dringen Hacker in das Datennetz der Bundesverwaltung ein (IVBB), was erst 2018 bekannt wird. Die Hacker sollen einen russischen Hintergrund haben (APT28). Es handelt sich um Hacker, die weltweit in Regierungen und Geheimdienste eingedrungen sind. Deutsche Unternehmen, die mit Kuka zusammenarbeiten geben keine geheimen Infos mehr raus. Man hat Angst vor Industriespionage durch den chinesischen  Mehrheitsaktionär. 2018 will die NRW-Datenschutzbehörde klären, ob des Adresshandel der Post im Einklang mit den Datenschutzgesetzen steht. In der Bundesregierung wird 2018 überlegt, eine Meldepflicht für IT - Sicherheitsvorfälle einzurichten. Das Innenministerium veranstaltet 2018 eine zentrale Wirtschaftsschutzkonferenz. Der DIHK will nicht teilnehmen. 2018 gibt es Hackerattacken der Russen. So soll die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen in Den Haag angegriffen worden sein. Bloomberg meldet im Oktober 2018, dass man chinesische Spionagechips bei Amazon und Apple entdeckt habe. Der Aktienwert reagiert sofort. Die Konzerne dementieren. Auf die Bundesregierung gibt es immer mehr Cyberangriffe (Schadstoffsoftware, IT - Spionage).  Der russische Computerviren-Jäger Kaspersky wird beschuldigt, für Russland spioniert zu haben. Deshalb zieht er mit Teilen seiner Firma in die Schweiz. Anfang 2019 werden private Daten von Politikern und Journalisten im Netz veröffentlicht. Man vermutet einen rechtsradikalen Hintergrund. Tatsächlich handelt es sich bei dem Datendieb um einen 20-jährigen Einzeltäter. Hinweise auf politische Beweggründe gibt es keine. Ein Frühwarnsystem ist geplant. 

Whistleblower: Mitarbeiter oder Experten im Netz decken Betrug und illegale sowie unangenehme Fakten eines Unternehmens auf. Meist handelt es sich um interne Tippgeber. Manche sind auch ökonomisch sehr erfolgreich mit ihren Tipps. In Deutschland werden Whistleblower relativ schlecht geschützt.

Chips: Herzstück von Computern, autonomen Autos und Servern in Rechenzentren. Hightechkonzerne entwickeln diese immer mehr selbst. So Amazon, Google, Apple und Huawei.

Künstliche Intelligenz (engl. Artifical Intelligence): Computer können viele Aufgaben vereinfachen. Für die Menschen ergeben sich viele Konsequenzen. Denken, Führen, Einordnen, Erfinden werden Fähigkeiten bleiben, die Menschen und Mitarbeiter verstärkt einsetzen. Insofern werden Wissensarbeiter immer wichtiger. Damit steigt auch die Bedeutung des Denkens. Wer das nicht mehr in ausreichendem Maße schafft, wird auf der Seite der Verlierer stehen. Vgl. E. Brynjolfsson und A. McAffee: Von Managern und Maschinen, in: Harvard Business Manager, November 2017, S. 22ff. Der Begriff geht auf den Mathematikprofessor John McCarthy vom Dartmouth College und das Jahr 1956 zurück. Ein weiterer Vertreter der ersten Stunde war der Ökonom Herbert Simon (1957). Mittlerweile halten KI-Techniken in vielen Systemen Einzug (Auto, Produktionsanlage). KI leitet ein Kooperationszeitalter ein. Konkurrenz kann sich auflösen, die Grenzen zwischen Branchen lösen sich auf. Ab 2018 bis 2025 will die Bundesregierung KI sehr stark fördern (Klausur in Potsdam; +3 Mrd. €; 100 neue Professuren; Forschung besser vernetzen). Deutschland will bei der KI stärker mit Japan zusammenarbeiten. Es soll ein Gegengewicht zu China entstehen. Auf der Hannovermesse 2019 steht die KI im Mittelpunkt. Der Oxford-Professor Nick Bostrom rechnet mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit damit, dass bis 2075 eine intelligente Maschine entwickelt wird, die den Menschen in allen kognitiven Fähigkeiten mindestens gleichkommt.

Geschichte der künstlichen Intelligenz: 1950: Turing Test, ob Computer denken können. 1956: Der Begriff entsteht auf der Dartmouth Conference. 1963-1965: Ein Computer besteht am MIT einen IQ-Test. 1970-1980: Stillstand. 1989: Selbstfahrende Autos. 1997: Deep Blue, Supercomputer von IBM. 1997: Suchmaschine von Google live. 2005: Prognose: 2045 soll Rechenleistung von Computern Gehirne übertreffen. 2014: Google Car. 2017: Reproduktive KI (kann Software schreiben, Google). Vgl. Wirtschaftswoche 50/01.12.2017, S. 52ff.

Die vier Wellen der KI: 1. Internet KI: Empfehlungsmaschinen. Beispiele You Tube, Streaming. Erlernen persönlicher Präferenzen. Internetnutzer erzeugen automatisch Daten. Erzeugt das subjektive Gefühl, das Internet werde besser. Auswüchse sind robotergestützte Berichte und Fake News. 2. Business-KI: Durchsucht Datenbanken nach versteckten Zusammenhängen. Grundlage starker Merkmal und schwacher Merkmale. Business-KI kann zum Geschäftsmodell werden (Verkauf von Dienstleistungen). Einsatz von Algorithmen. Bisher sind die USA hier führend. 3. Wahrnehmungs-KI: Gesichtserkennung. Grenzen zwischen Online- und Offline- Welten werden verwischt. Man spricht von gemischten Umgebungen (OMO). Der Einkaufwagen kennt ihren Namen. Öffentliche Räume und persönliche Daten verschmelzen. Hier ist China der Vorreiter: Made in Shenzhen, Xiaomi. 4. Autonome KI: Maschinen treffen Entscheidungen. Erdbeerfelder und Roboterkäfer. Schwarmintelligenz. Vgl. Kai-Fu Lee: AI Super-Powers. China, Silicon Valley und die neue Weltordnung, Frankfurt/ New York 2019, S. 141ff.

Künstliche Intelligenz (KI) als Produktionsfaktor: Um 16,7% soll die deutsche Wirtschaft durch Einsatz von KI bis 2030 wachsen. KI verändert Geschäftsmodelle und ist Treiber einer neuen industriellen Revolution. KI basiert auf einer Vielzahl von Teildisziplinen. Dazu gehören etwa Textmining, Clustering und maschinelles Sehen.  Die Wertschöpfung wird sich verändern. Einige Beispiele seien genannt: Operative Effizienz, Einkauf, Service, Vertragswesen, Selbstlernende Robotik, Personalisierung, Bilderkennung, Objektwahrnehmung, Betrugsbekämpfung, Materialwirtschaft und Werkstofftechnik. Vgl. O. V.: Künstliche Intelligenz als Produktionsfaktor, in: com! professional 1/2019, S. 22ff.

Artifical Morality: Durch die Fortschritte der Technik wird die künstliche Intelligenz in Zukunft mehr moralische Entscheidungen fällen. Dabei sollten Entscheidungen über Leben und Tod immer beim Menschen bleiben. Menschliche Verantwortung und Selbstbestimmung haben Priorität. So muss also der Mensch folgende Kriterien auf sich nehmen: 1. Verantwortungsübernahme. 2. Mensch muss Infos der Maschine überprüfen. 3. Qualitätssicherungsprozesse müssen installiert sein.

Weiteres Glossar der KI: 1. Maschinelles Lernen: Software erlernt automatisch Regeln für Datensätze. 2. Supervised Learning: Die KI wird mit Daten angefüttert, die jenen gleichen, die sie vorauszusagen lernen soll. 3. Unsupervised Learning: Keine Labels, eigene Methodik. 4. Deep Learning: Basiert auf neuronalen Netzen. Viele verbundene mathematischen Funktionen. Beispiel: Das Essentielle an einem Gesicht.

Schweizer Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (IDSIA, wissenschaftlicher Direktor seit 1995: Jürgen Schmidhuber): Die neuronalen Netzwerke sind vielfach preisgekrönt. Bekannt sind die LSTM (Long-Short-Term-Memory-Netzwerke). Smartphones hören auf Befehle, die dort entwickelt wurden. Schmidhuber gründete auch 2014 das Start-up Nnaisense. Schmidhuber weist immer wieder darauf hin, dass europäische Ideen Maschinen das Denken gelehrt haben. Hier liegt die Wiege der künstlichen Intelligenz.

Deutsches Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI; in Saarbrücken, Bremen, Kaiserslautern): Erforscht 2018 seit 30 Jahren die Technologie der Künstlichen Intelligenz. Zuletzt arbeiteten 900 Mitarbeiter in dem Institut. Es ist die weltgrößte Einrichtung ihrer Art. 2019 kommt eine neue Chefin: Jana Köhler (auch langjährige IBM-Forscherin). www.dfki.de .

Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG), Berlin: Wird von der Stiftung "Internet und Gesellschaft" getragen und ist eine gemeinnützige GmbH. Wird sehr stark von Google gefördert. 18 Mio. €  bis 2021 (2019 noch einmal 4,5 Mio. €). Das Institut beschäftigt sich mit der Regulierung der Internetwirtschaft, mit Big Data und künstlicher Intelligenz. Google hatte die Gründung des Instituts 2011 erst möglich gemacht.

Frameworks und Künstliche Intelligenz: Frameworks erleichtern den KI-Einstieg. Diese Werkzeuge sind in der Regel in der Cloud oder auch On-Premise. Führende Anbieter sind Amazon, Microsoft, Apache u. a. 

Digitale Assistenten: Home (Google), Siri (Apple), Alexa (Amazon), Cortana (Microsoft). Google hat den Vorteil einer eigenen Suchmaschine.

Smarte Sprachanwendungen: Amazon, Google, IBM Watson, Microsoft arbeiten mit KI-Tools. Im Zentrum stehen Chatbots. NLP ist das Rückgrad. Mit Deep Learning könnte der Durchbruch gelingen.

Parallelwirklichkeit: Mithilfe algorithmischer Fakes entstehen Parallelwirklichkeiten. Der Markt für Meinungen muss anders organisiert werden. KI kann Identitätsklau möglich machen. Was ist Wirklichkeit? Eine Frage des technisch möglichen, eine Frage der Wahrnehmung oder der Wiederholung.

KI-Start-ups: 2018 führen die USA mit 2594. Die EU hat 1096. Davon sind 175 in Deutschland. Inder Statistik nicht enthalten ist China, das an der Spitze liegen dürfte. Quelle: Crunchbase. Die USA und China betreiben eine rigide IT-Industriepolitik. Einerseits lassen sie führende Unternehmen des Konkurrenten nicht ins Land (Facebook in China, Tencent in den USA). Die USA arbeiten mit einem versteckten Wagniskapital-Fonds: das Pentagon vergibt große Aufträge. Viele Aufträge laufen über Darpa. Das ist eine kleine Behörde in Virginia, die technische Innovationen fördert. China steckt Milliarden in Industrieparks, auch einen KI-Industriepark. Deutschland und die EU müssten daraus lernen.

Blockchain: 1994 definiert Nick Szabo ein Konzept für einen Smart Contract (Geburtsstunde). Unter dem Pseudonym Satoshi Nakatomo wird ein Artikel über Bitcoin veröffentlicht. David Rutter gründet R3CEV für einen technischen Standard. Das waren die Anfänge. Sie stellt eine Art digitales Grundbuch dar (dezentrale, verteilte Datenbank). Sie ist auf viele tausend Computer verteilt und kann daher nicht von Hackern angegriffen werden. Änderungen an Blocks kann nur die Mehrheit der Beteiligten beschließen (unendlich großer Ordner, jeden Tag mit neuen Überweisungen gefüttert wird). Die Funktionsweise ist wie folgt: X will Y Geld schicken. Statt Überweisung wird die Blockchain genutzt. Die Transaktion wird als Block hinterlegt (Daten wie Leistung und Gegenleistung wird aufgeschrieben). Alle Parteien im Netz erhalten den Block. Die Parteien bestätigen die Transaktion. Der Block wird an eine Kette von Transaktionen angehängt. X transferiert das Geld sicher an Y. Im Grunde genommen ist die Blockchain ein dezentrales öffentliches Protokoll. Alle Telnehmer kontrollieren im Netzwerk. Nutzer müssen weder dem Staat noch der Zentralbank vertrauen. Die Teilnehmer erhalten Zugang zu einem Netzwerk, auf dem sie Informationen austauschen. Jeder erhält eine Kopie des Registers mit sämtlichen Transaktionen. Neue Eintragungen müssen gemeinsam verifiziert werden. Versucht ein Teilnehmer, Einträge zu manipulieren, fällt das bei einem automatischen Abgleich auf. Insgesamt muss eine Blockchain also fünf Merkmale haben: 1. Kryptographisch verschlüsselt. 2. Konsensverfahren. 3. Verteiltes Kassenbuch. 4. Logbuch der Transaktionen. 5. Automatischer Ablauf. Die Technologie wird bleiben, auch wenn die Krypto-Währungen verschwinden sollten. Die entscheidende Rolle der Blockchain liegt darin, eine regelmäßige, manipulationssichere Aufzeichnung von Informationen zu gewährleisten. Die Unternehmensberatung McKinsey zweifelt 2019 in einer Studie am Erfolg der Technologie in der Praxis. Konkrete Anwendungsbeispiele: Schwedens Liegenschaftsverwaltung will Grundbucheinträge digitalisieren. Haushaltsgeräte könnten eigenhändig nachbestellen (z. B. Waschmaschinen Spülmittel), überschüssige Energie  könnte privat verkauft werden, das Laden von Elektroautos könnte so einfacher werden, der US-Versandhändler Overstock vertreibt Anleihen und Aktien über eine digitale Handelsplattform.

Blockchain - Glossar: 1. Distributed Ledger: Zentral gesteuerte und weltweit verteilte Datenbanksysteme (dezentraliisert). Die Blockchain gehört dazu. 2. Tangle: Transaktionsdaten werden nicht - wie bei der Blockchain - chronologisch hintereinander angeordnet, sondern in einem netzwerkartigen Gewirr (Tangle) mit vielfältigen Knotenpunkten (Nodes). "Miner" fallen hier weg. 3. Smart Contracts: Eine beliebige Transaktion wird automatisch unter der Voraussetzung abgewickelt, dass alle beteiligten Parteien die zuvor in der Blockchain niedergelegten Konditionen erfüllt haben. 4. DApps: dezentralisierte, automatische Apps. Open Source, öffentlich in einer Blockchain gespeichert. 5. DAO (Decentralised Autonomous Organization): Ein eneue Form der Organisation, deren Geschäftsordnung, Gesellschaftsvertrag oder Satzung durch einen Smart Contract festgelegt und automatisch ausgeführt wird. 6. ICO: Bei einem Initial Coin Offering (ICO) werden quasi digitale Wertpapiere aufgelegt. 7. Kryptokatze: Eine der erfolgreichsten Anwendungen auf der Blockchain - Plattform Ethereum. Anwender können virtuelle Kätzchen (Cryptokities) züchten und mit ihnen handeln. Vgl. Sommer, Sarah: Vertraut den Daten, in: brand eins 06/18, S. 20ff. Weiterhin ist die Blockchain konsensbasiert, dezentralisiert, sie nutzt Kryptographie, jeder Datensatz ist mit dem vorhergehenden verbunden, Datensätze können nur schwer manipuliert werden, es kann nahezu in Echtzeit aktualisiert und reproduziert werden. 8. Token: Digitale Münze bzw. Schlüssel. Sie wird mithilfe eines Smart Contract erstellt. Bei Ethereum heißen die Münzen ERC20-Token. Ein Token kann verschiedene Funktionen haben: Sollen Eigentümer ihn einsetzen, um Dienstleistungen eines Start-ups zu nutzen, handelt es sich um einen Utility-Token. Soll er Anteile an einem Unternehmen repräsentieren, also einer Aktie gleichkommen, heißt er Equtiy- oder Security-Token und fällt unter die Kontrolle der Finanzaufsicht. 9. Whitepaper: Projektbeschreibung des Start-ups zum ICO. Verbindliche Zahlen fehlen fast immer. Es ist kein Börsenprospekt.

Vorteile und Nachteile der Blockchain und Zukunft: Die Blockchain bietet Chancen für neue Geschäftsmodelle. Sie erhöht die Sicherheit von Transaktionen. Sie führt zu mehr Dokumentensicherheit. Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Sie wird Auswirkungen auf Lieferketten haben. Sie wird einen Peer-to-Peer-Handel begünstigen und zu Börsen führen. Die Blockchain hat auch viele Nachteile: De Rechenaufwand ist riesig und damit auch der Energieverbrauch. Der Stromverbrauch soll 2018 so hoch sein wie der von ganz Österreich. Der US-Ökonom nennt die Blockchain in einem Gutachten für den US-Senat 2018 "die am stärksten überschätzte Technik aller Zeiten". Neue Anwendungen 2018 waren Plattform für Online-Wahlen, Flugschreiber für Drohnen, virtuelle Kryptoschweine für Kinder (Pigzbe), Verwaltung von Lieferketten in der Logistik, Patientendaten in der Medizin.  80% der Projekte sollen aber Betrug sein (Beratungsfirma Satis Group). IBM bastelt an Blockchain namens Hyperledger. Man muss den Institutionen vertrauen, die die Datenbank betrieben. Vor allem bei einer Bedingung für die Blockchain gibt es immer wieder Probleme: Je mehr Teilnehmer sich dem Netzwerk anschließen, desto schwieriger wird der Prozess. Die Abwicklung von Transaktionen lässt sich nicht mehr beschleunigen. Dezentral und sicher alleine reichen nicht.

Blockchain in der Praxis: 1. LAMP - Stromnetz der Zukunft (Landau). 2. Fizzy - Verspätungsabsicherung (Axa). 3. Winding Tree - Verreisen (direkt in Kontakt treten zu Hotels u. a.). 4. Zug - wählen per Blockchain. 5. KodakOne - gesicherte Bildrechte. 6. Metro - Blockchain als Archiv. 7. GAMB - Marktplatz. 8. TradeLens - papierloser Handel. 9. BlockCharge - mobile Steckdose.

Blockchain-Frameworks für den Mittelstand: Offene Blockchains stärken KMU gegen die Konzerne. Viele KMU zögern aber noch. Die bekanntesten Frameworks sind Ethereum, MultiChain, Hyperledger Fabric.

Allianzen: Es geht um Standards für Blockchain - Anwendungen. Sie werden geschlossen zwischen internationalen Organisationen, Unternehmen und Softwarespezialisten. 2018 sind die wichtigsten folgende Allianzen: 1. Enterprise Ethereum Alliance (EEA). Sie ist sehr beliebt bei Entwicklern. 2. Hyperledger Netzwerk: Dachorganisation. 3. Trusted IoT Alliance: Bosch und Cisco mit dem Finanzdienstleister BNY Mellon. 4. Deutsche Telekom Blockchain Group: Zusammen mit der Tochter T-Labs. 5. EU-Blockchain. 6. UN-Blockchain.

Shiftschool: Akademie für digitale Transformation und "digital Leadership". Sitz ist Nürnberg. Erste Schule dieser Art in Deutschland.

Machine Learning: Vorreiter in Deutschland beim Einsatz sind die Auto- und Konsumgüterindustrie, die Medienbranche und der IT - Sektor. Die Technik nimmt zu, weil die Datenmengen steigen, die Computer leistungsfähiger werden und die Algorithmen komplexer. Das Hauptproblem bleibt die Datenqualität, wichtig bleibt auch der Datenschutz. Es gibt immer mehr Anbieter von Lösungen (Amazon, Google, Facebook, IBM, Microsoft, Oracle, SAP). 

Big Data: Analytics-Lösungen. In allen Branchen und Unternehmen ein wichtiger Trend. Die Vorteile sind: Effizientere Unternehmensführung. Massenindividualisierung. Intelligentere Produkte. Der Einsatz heute ist bereits bei Versicherungen, im Handel, im Gesundheitswesen.

Wichtige Messen in der Welt: Am wichtigsten ist die Weltkonferenz für künstliche Intelligenz. Sie findet 2018 in Shanghai statt. China und die USA machen hier die Zukunft unter sich aus. Bis 2030 will China zur globalen  Nummer eins in dem Milliardenmarkt aufsteigen. Die Volksrepublik hat den größten Markt, das Silicon Valley die klügsten Köpfe. Europa ist abgemeldet. Wichtig ist auch die CES: Es ist die Consumer Electronics Show in Las Vegas. Sie wird von der Consumer Technology Association veranstaltet. Der Start 2019 ist am 08.01.2019.

Wichtige Messen in Deutschland: In Deutschland gibt es drei wichtige Messen, die weltweit den Stand der Digitalisierung anzeigen: Die IDA in Berlin, die Cebit in Hannover und die Digital Life Design-Messe in München. Wichtig ist auch die IFA in Berlin. Sie zeigt die neuesten Elektronik-Innovationen. Wichtig ist auch die Sicherheitsfachmesse it-sa in Nürnberg. Sie findet im Oktober statt. Im November ist in Frankfurt die Techweek mit Cloud Expo und B2B Events. Im Oktober findet in Nürnberg die Sicherheitsfachmesse it-sa statt. Hier werden die neuen Security-Trends gezeigt. Die Münchener Konferenz Bits & Pretzels gibt einen guten Überblick über Start-ups in der digitalen Disruption.

Politische Initiativen: Es finden immer wieder Digital - Gipfel statt. Der letzte in Nürnberg am 03.12.2018.

Lobbying: Bitcom, Bundesverband Bitcoin, Eco, Blockchain-Bundesverband, Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), Bundesverband Deutsche Start-ups.

Share Economy (auch Shareconomy oder Sharing Economy): In der Wirtschaft bedeutet dies, dass Gebrauchsgüter nicht mehr nur gekauft und genutzt werden sondern gemeinsam gekauft oder gemeinsam benutzt oder verliehen werden . Das betrifft z. B. Formen der Mobilität (Carsharing) oder das Teilen von Land (Gardensharing), aber auch das Teilen von Musikstücken. Auch bei Software (wo es von umfassenden Paketen zu Teillösungen aus der Cloud geht) gibt es solche Lösungen. Offen ist die Diskussion um ein internationales Nutzungsrecht. Bisher gibt es überwiegend nationale Teillösungen, die für die globalisierte Wirtschaft nicht förderlich sind. Die CeBIT machte „Shareconomy“ 2013 zu ihrem Leitthema und unterstreicht die Zunahme der Bedeutung von Sharing, das sich über Internetplattformen organisiert. Mittlerweile gibt es weiterhin Wohnungssharing, Booksharing, Sharing von Finanzen, Tauschbörsen und Verschenkbörsen. Sharing entwickelt sich zu einem Spezialgebiet in der Ökonomie. Beim Carsharing führt in Deutschland die Stadt Karlsruhe. Sie hat die meisten Carsharing Autos pro Einwohner. Es folgen Stuttgart, Hannover und Frankfurt. Ursprünglich war die Sharing-Economy als Alternative zum Kapitalismus gedacht. Vgl. als eines der ersten Werke "Weitzman, M.: The share economy. Conquering stagflation, Cambridge 1984".  Doch es kommen allmählich die Investoren in dieses Modell: 1. Unternehmen unterlaufen Arbeitsstandards und Rechtsvorschriften (Beispiel "Privatchauffeure über Taxi-App", Uber; wird 2014 aber verboten wegen Verstoß gegen Personenbeförderungsgesetz). 2. Firmen bereichern sich an dem, was andere anbieten (Uber verlangt hohe Vermittlungsgebühr). 3. Es entsteht ein neues Prekariat aus Taglöhnern (Versteigerungsplattforen für Online-Jobs wie TaskRabbit oder oDesk). 4. Die Tauschwirtschaft nützt vor allem denen, die selbst haben und besitzen (Wohnungsvermittlung Airbnb). 5. Aus idealistischen Ideen werden renditeorientierte Geschäftsmodelle (Google). 6. Vertrauen wird ersetzt durch Kontrolle. 7. Menschliche Beziehungen werden zur Ware (vgl. moderne Sklaverei in der Share Economy bei Neue Arbeitsformen/ Arbeitsökonomik). Siehe "Die Zeit", Nr. 27, 26. Juni 2014, S. 212-22. Man muss allerdings sehr genau verfolgen, welche Unternehmen in der Share Economy ein knallhartes Geschäft verfolgen. Airbnb und Uber zum Beispiel wollen Wirtschaftszweige dominieren und auch irgendwann Profit machen ("Teilen und Herrschen"; an Uber sind Großinvestoren wie Goldman Sachs, Benchmark Capital, Google beteiligt). Gegen das Verbot erzwingt Uber (Verstoß gegen das Beförderungsgesetz) eine einstweilige Verfügung. 2015 steht Uber in Deutschland vor dem aus. Der legale Dienst UberX soll gegründet werden. Uber ist 2014 auch in den indischen Markt eingestiegen. Jetzt müssen die traditionellen Rikschas gegen die neuen Taxidienste konkurrieren (in Kalkutta gibt es noch 6000 Rikschas). Uber will auch 2015 in China investieren (1 Mrd. $). Eine abschließende Einschätzung kann es noch nicht geben: Die beiden Extreme lauten letzte Chance  zur Herrschaft über die Produktionsmittel oder gibt sie der solidarischen Gesellschaft den Rest, Vgl. Dieter Schnaas, Teile und habe!, Wirtschaftswoche Nr. 49, 1.12.2014, S. 118). Staat, Gewerkschaften und Verbände verlieren an Macht. Regeln werden als Störfaktor wahrgenommen. Die digitale Sharing Economy beutet Produzenten und Mitarbeiter aus ("besessen vom Kunden"). Der Konsum wird radikal verbilligt (durch die Verbilligung der Arbeit, Arbeit wird ganz schnell prekär, an der Provisionsschraube wird gedreht). Damit könnte ein Niedriglohnbereich bei Akademikern kommen. Es gibt so Ich-Unternehmer (Mikrounternehmer), die nur noch die Sorge um den nächsten Auftrag haben. Der Mikrounternehmer muss ein Gewerbe anmelden, sich selbst versichern (einschließlich Haftpflicht) und alle Verantwortung übernehmen. In den USA gibt es eine beachtliche Dynamik des "clickworking" (Internetnutzer erledigen freiberuflich bestimmte Arbeiten für Unternehmen). Kollaborative Ökonomie im engeren Sinne ist die Vernetzung von Firmen und Einzelpersonen über Internet-Plattformen. Vgl. auch: Eichhorst, W./ Spermann, A.: Sharing Economy: Mehr Chancen als Risiken? in: Wirtschaftsdienst 2016/6, S. 433ff. In diesem Aufsatz geht es um die Frage, ob die Chancen oder  Risiken überwiegen. Im Mittelpunkt stehen Wachstum und Beschäftigung. Behandelt wird auch der Aspekt, ob und wie der Staat regulieren sollte. 2014 bereitet Daimler ein Carsharing-Angebot in China vor. Mitfahrzentralen, deren Idee schon alt ist, gehören auch in diesen Bereich (vgl. etwa: www.blablacar.de, weltgrößter Vermittler von Mitfahrgelegenheiten will in Deutschland Provisionen nehmen, www.mitfahrzentrale.de ).  Marktführer in Deutschland ist Carpooling (will 2015 auch in die USA). 2015 startet Opel eine Carsharing-App für private Autobesitzer. 20.000 Mitarbeiter stellen ihre Autos für Car-Unity bereit. Es gibt immer verrücktere Share-Ideen: Hund teilen, Abendessen teilen, Bett für die Nacht finden. Aber auch durchaus Erfolg versprechende Modelle: Babysachen teilen. Die Bewertung der Share -Unternehmen an der Börse ist eher abenteuerlich: Airbnb soll 20 Mrd. $ wert sein; Uber 40 Mrd. $. Das deutet doch stark auf Blase und Crash hin (zuviel Geld gedruckt!). Den Deutschland gibt es bei Taxis noch den Internet - Dienstleister "Mytaxi". Er gehört mittlerweile zu Daimler. Er darf 2016 keine Rabatte mehr anbieten. "Ich bin mit Leib und Seele Unternehmer. Ich will Ideen verwirklichen. Es geht nicht ums Geld", Travis Kalanick, Chef des Taxidienstes Uber 2015.

Ökonomie des Teilens (teilen statt haben, nutzen statt besitzen; teile und leide): Eigentlich nur deutsche Übersetzung des vorherigen Abschnitts. Aber es soll auf einige Spezialaspekte eingegangen werden. Die Hoffnungen dieser Ökonomie sind damit verbunden, bestehende Kapazitäten besser auszunutzen (Autos, Wohnungen, Werkzeuge, Haushaltsgeräte) und entsprechend Ressourcen schonend zu wirken (Fixkosten können umgelegt werden bei geringen variablen Kosten; im Extremfall Grenzkosten gleich Null). Die Konzeption insgesamt umfasst Reparieren statt Verwenden, Leihen, Tauschen statt Teilen, Tauschringe, Verschenken. Die Organisation der Transaktionen erfolgt mittels Informationstechnologie (Plattformunternehmer). Investoren können Organisationsrenten nutzen (allokative und distributive Eigentumswirkungen werden vernachlässigt). Stark diskutiert wird die Frage, ob hinter dem Modell mehr Markt oder mehr Gemeinschaft (z. B. Genossenschaft) steckt. Geteilt werden kann auch zwischen Unternehmen, nicht nur zwischen Privatpersonen. Offen ist noch, wann eine Regulierung notwendig ist. Das Teilen kann kostenlos oder kostenpflichtig sein (dann ist noch mieten möglich). Interessant ist, welche Motive und Struktur die Nachfrager haben (grün?, urban?). Gesamtwirtschaftlich erhoffen sich Viele, dass so das Wachstumsparadigma gerettet werden kann.  Vgl. Ökonomie des Teilens - nachhaltig und innovativ?, in: Wirtschaftsdienst 2015/ 2, S. 87ff. Einige Formen der Sharing Economy täuschen auch einen Mythos vor: Uber (Taxivermittlung) und Airbnb (Vermietung) und einige andere bekannte Firmen sind keine IT-Firmen. Sie stützen nur  ihr Kerngeschäft über Web und App (Plattformunternehmer; hohe Provision für die Vermittlung, keine Verantwortung). In gewisser Weise ist das eine spezielle neue Form der Sharing Economy. Bei der Vermietung unterlaufen professionelle Vermieter das Modell, indem sie reihenweise Wohnungen aufkaufen. Uber bekämpft im Grunde genommen regionale Monopolisten. Also liegt das Gegenteil von dem vor, was das Marketing suggeriert. Die "Old Economy" kehrt in anderem Gewand zurück (Hartmut Wies: Uber, Airbnb & Co als New Economy, in: com!professional, 3/ 2015, S. 12). Die Netzriesen drohen die Spielregeln der Sharing-Economy zu bestimmen, weil sich Netzgemeinde, Ökologiebewegung und andere damit zurückhalten. Vgl. als grundlegende Literatur: Botsman, R./ Rochers, R., What´s mine is yours: the rise of Collaborative Consumption, New York (2010, London 2011; sie sprechen von vier Gebieten: kollaborativer Konsum, kollaborative Finanzwirtschaft, kollaborative Produktion, kollaborative Bildung); Gansky, L. The Mesh, New York 2010.   "Auch in der digitalen Welt wollen Menschen Geld verdienen", Margarethe Vestager, Dänemark, EU-Wettbewerbskommissarin. Vgl. Quishare.de ; lets-share.de ; tauschring.de . Sehr stark auf Teilen setzt die Regierung in China. Weil die Städte im Smog versinken, werden neue Mobilitätskonzepte und E-Autos weiterentwickelt. Diese Ideen werden mit Teilen verbunden. Sehr stark expandiert (mit auch negativen Folgen) ist das Sharing bei Fahrrädern.

Sharing beim Konsum (kollaborativer Konsum; Teilen statt Haben): Teilen von Konsum statt Dinge als Eigentum zu nutzen. Dadurch Ende des Konsumterrors und Lösung weltweiter Umweltprobleme, da viel weniger Produktion. Das ganz private Teilen kann Ausdruck von Mitgefühl, Vertrauen, Sympathie und Freundschaft sein. Es handelt sich um einen neuen Lebensstil: Reparieren statt wieder verwenden, leihen, Tauschen und Teilen, Tauschringe und Verschenken. Viele Erscheinungsformen sind allerdings getragen von Renditeerwartungen. Hierbei wird die "alte" Ökonomie mit dem Internet verknüpft. Vgl. dazu: kokonsum.org ; Freecycle.org ; utopia.de . Insbesondere drei Aspekte müssen beachtet werden: 1. Welches Arbeitsmodell steckt hinter dem Teilen (z. B. Klickworking, Gig-Economy, Arbeitssklaven)? 2. Wie wird Vertrauen erzeugt und überwacht (insbesondere in P2P-Plattformen)? 3. Ist Teilen wirklich nachhaltiger (Carsharing auch bei Haushalten, die schon mehrere Autos haben)?. Nach neuesten Forschungen hängt der Tauscherfolg von drei Kriterien ab: 1. Die Objekte sollten relativ teuer sein. 2. Der Gebrauch ist nur sporadisch. 3. Der Zeitpunkt der Nutzung ist planbar. Also sind Brautkleid und Smoking positive Beispiele. Ein Fußball ist ein negatives Beispiel. Horton/ Zeckhauser: Peer-to-Peer Rental Markets. Some Thougts on the "Sharing Economy", http//john-joseph-horton.com/papers/sharing.pdf . Teile des Wirtschaftslebens wandern von den Märkten ab: Der Konsument ist zugleich Produzent ("Prosument"). Kollaborativer Konsum im engsten Sinne ist die Vernetzung von Einzelpersonen und Unternehmen über Plattformen.

Peer-to-Peer-Ansatz: Im Internet der Dinge werden Millionen Transaktionen generiert. Verteilte Sensoren tragen die Informationen zusammen. Das können zentralisierte Transaktionsmodelle nicht schaffen. Man benötigt dafür die Blockchain.

Selbstproduktion (Selbermachen und Selbstbedienung; meist dient Peer - Produktion als Oberbegriff): Restaurants, Banken oder Flughäfen sowie Konsumgüteranbieter animieren zur Selbstbedienung und Selbstproduktion. Sie nutzen den Effekt, dass sich die Menschen dabei besser fühlen. Automaten geben die Illusion, dass man selbst Sinnvolles erledigen kann und keine Zeit verschwenden muss. In der Produktion gibt es das "tailoring". Man kann sich online ein Produkt selbst zusammenstellen und hat dann das Gefühl etwas einigartiges zu haben. Beziehungen zwischen Menschen werden so durch Automaten ersetzt. Aufmerksamkeit und Höflichkeit sind entbehrlich. Oberflächliche Verbindungen ersetzen die menschliche Kommunikation. Die Frage ist, ob dadurch unser Leben nicht unglücklicher wird. Eine wichtige Frage ist auch, ob Nutzer, wenn sie eine große Eigenleistung vollbringen, nicht bezahlt werden sollten. Besteht eine Möglichkeit, dafür eine Grenze zu bestimmen? Ein interessantes Experiment ist das Scannen von Artikeln, die man im Supermarkt kauft. Damit wird letztendlich das Kassenpersonal eingespart. Der Kunde hat zwei Vorteile: Er achtet mehr auf den Preis. Er kann Schlangen an den Kassen umgehen. Die Frage ist aber, on die Selbstproduktion sich wirklich für den Kunden lohnt? Der Web-Erfinder Tim Berners-Lee will einen Ausweg schaffen mit der Plattform "Solid". Dahinter baut er auch die Firma Inrupt auf. Ziel ist es, dass die Nutzer volle Transparenz und Kontrolle über ihre Daten behalten.

Künstliche Intelligenz (KI) als Produktionsfaktor: Um 16,7% soll die deutsche Wirtschaft durch Einsatz von KI bis 2030 wachsen. KI verändert Geschäftsmodelle und ist Treiber einer neuen industriellen Revolution. KI basiert auf einer Vielzahl von Teildisziplinen. Dazu gehören etwa Textmining, Clustering und maschinelles Sehen.  Die Wertschöpfung wird sich verändern. Einige Beispiele seien genannt: Operative Effizienz, Einkauf, Service, Vertragswesen, Selbstlernende Robotik, Personalisierung, Bilderkennung, Objektwahrnehmung, Betrugsbekämpfung, Materialwirtschaft und Werkstofftechnik. Vgl. O. V.: Künstliche Intelligenz als Produktionsfaktor, in: com! professional 1/2019, S. 22ff.

Null-Grenzkosten-Phänomen: Die Produktion und Verteilung eines Produktes an einen weiteren Nutzer kostet so gut wie nichts. Unter Druck ist besonders die Informationsgüterindustrie mit Datentausch, Musik und Videos. Neuerdings gibt es auch Online - Massenvorlesungen (MOOCs). Das könnte zu einem System kollaborativer Gemeingüter werden (Jeremy Rifkin, vgl. Die Zeit, 4.12.14, Nr. 50, S.23). Im Mittelpunkt steht das "Internet der Dinge", das dreigeteilt ist: Kommunikationsnetz, Energienetz, Transportnetz.

Informationsgüter: Ein Informationsgut ist ein Gut, bei dem der Wert aus der Information resultiert, die das Gut enthält. Informationsgüter haben eine wachsende Bedeutung für die Volkswirtschaften. Informationsgüter haben geringe Grenzkosten und hohe Fixkosten. Durch die Schaffung temporärer Monopole können Patente und Urheberrechte die Produktion erleichtern. Informationsgüter haben häufig Netzwerk - Externalität.  Der Wert eines Gutes ist für ein Individuum größer, wenn eine große Anzahl anderer Individuen ebenfalls dieses Gut verwendet. Deshalb treten auch häufig positive Rückkopplungseffekte auf. Vgl. Krugman, P./Wells, R.: Volkswirtschaftslehre, Stuttgart 2010, S. 685ff.

Digitale Ökonomie: Machtkonzentration und Totalitarismus durch die Digitalisierung: In der Internetökonomie liegt eine große Gefahr, das Private abzuschaffen und Menschen effektiv zu kontrollieren. Am Anfang steht oft Freiwilligkeit (wie in der Share Economy), dann kommt Profit in der Regel durch Werbung und am Ende Machtakkumulation (alle Informationen über das soziale Leben). Teilweise erhöhen Unternehmen mit diesen Informationen den Druck auf die Menschen (z. B. wenn Versicherungen einen Bonus zahlen, wenn man sein Verhalten kontrollieren lässt). Die Internetunternehmen versuchen auch, an immer jüngere Nutzer heranzukommen. Ein Beispiel ist die Streaming-Plattform "YouNow". Danach muss sich auch die Wettbewerbspolitik neu ausrichten. Sicher gilt in der digitalen Ökonomie zwei Gesetzmäßigkeiten: 1. Information entwickelt sich zum wichtigsten Rohstoff zur Welterschließung ("Informationskapitalismus" löst den "Finanzkapitalismus" ab). 2. Der Mensch selbst wird zur Information und zum Rohstoff. Die Rolle de Menschen verändert sich: Er ist gleichzeitig Datenkonsument und Datenproduzent (große Gefahr der modernen Sklaverei). Er lässt sich aber auch zurichten (Empfehlungen von Streaming - Diensten, Follower). Monopole, insbesondere die aus dem Silicon Valley, gewinnen an Bedeutung (sie werden als Garant des Fortschritts beworben). In der Preisbildung wird das Image immer wichtiger (Beispiel Apple: macht den Preis nicht der Markt). Informationsdienste - etwa Google - streben eigentlich die Integration aller Marktzugänge an. Digital-industrielle Komplexe ersetzen die Gesetze von Angebot und Nachfrage. Vgl. Douglas Rushkoff, Present Shock, Orange Press, 2015; Yvonne Hofstetter, Sie wissen alles, 2015. Deutschland und Europa haben fast kein Internetunternehmen unter den Top 20 der Welt (SAP Ausnahme). Damit fehlt die Schnittstelle in der Wertschöpfung. Die digitale Ökonomie besteht aus mindestens folgenden Bausteinen: Produktion 4.0, Internet der Dinge (kommunizierende Geräte), digitale Transformation (vor allem Dienstleister mit Plattformen), Breitbandausbau. Sie beeinflusst insbesondere folgende Branchen (Rangfolge): Technologie, Medien/ Unterhaltung, Handel, Finanzen, Telekom, Bildung, Gastgewerbe, Fertigung, Gesundheit. Eigentum geht auch in der digitalen Ökonomie nicht verloren. Es bleibt vor allem als eine mentale Ressource. Teile des Wirtschaftslebens wandern von den Märkten ab: Der Konsument ist zugleich Produzent ("Prosument"). Vielleicht lässt sich erst viel später erkennen (50 Jahre), wohin die Basistechnologie Internet führt. Bis der Massenmarkt erreicht ist, dauert es etwa so lange (Anfang des Digitalzeitalters?).  Im internationalen Vergleich ist die deutsche Digital-Wirtschaft nur Mittelmaß. Sie hat großen Nachholbedarf (Studie von TNS Infratest und ZEW 2015). "Wir wissen, wo du bist. Wir wissen, wo du warst. Wir wissen, was du denkst", Alphabet-Chairman Eric Schmidt (Google). "Wir erfüllen eine soziale Mission, indem wir die Welt offener, vernetzter und transparenter machen", Facebook-Chef Mark Zuckerberg 2015. Mehrere IT-Größen gründen 2016 eine Stiftung für Digitalisierung (Internet Economy Foundation). Digitale Stadt wird 2017 Darmstadt. Es handelt sich um einen Wettbewerb des Brachenverbandes Bitcom. Unternehmen sponsern den Sieger. In Ludwigshafen findet am 12. und 13.06.2017 der Digitalgipfel statt. Es handelt sich um ein Forum aller Beteiligten (Unternehmen, Regierung, Kommunen, Verbände).

Plattform - Kapitalismus (als neues Geschäftsmodell): Dies ist eine weitere Bezeichnung für die Sharing Economy oder die digitale Ökonomie. Hier geht es speziell um Online-Plattformen. Sie ändern rapide den Büroalltag. Einerseits schaffen sie große Freiheiten, andererseits führen sie zu neuen Abhängigkeiten. Sie revolutionieren Märkte wie z. B. den Wohnungsmarkt (Airbnb) oder Taximarkt (Uber). Sie bringen auf dem Arbeitsmarkt direkt Arbeitnehmer und Auftraggeber zusammen (Upwork in den USA, Freelancer in Australien). Arbeitnehmer werden so von angestellten zu Freiberuflern. Wer via Plattform arbeitet konkurriert mit Millionen anderer Anbieter. Das dereguliert radikal den Arbeitsmarkt. Scheinbar hohe Stundenlöhne relativieren sich dadurch, dass man sich selbst für Alle versichern muss und oft noch die Ausrüstung stellt. Die Ratings geben den Plattformen noch mehr Macht. Vgl. O. V. : Immer auf Abruf, in: Wirtschaftswoche 29.7.16, S. 87ff. Die meisten Plattformfirmen kommen aus den USA. Sie dominieren die Weltwirtschaft. Es werden zunehmend Klagen laut, dass die ganz großen Plattformen ihre Marktmacht missbrauchen und Wettbewerber mit unlauteren Methoden zurückdrängen. Der Konsument wird zum User degradiert (nicht mehr Besitzer). Bei der Software wird er nur zum Lizenznehmer. Damit werden Eigentumsrechte reduziert. Viele Plattformen arbeiten nach dem Prinzip "The winner takes it all". Das Bundeswirtschaftsministerium hat zwei interessante und wichtige Unterlagen zu Plattformen herausgegeben: Das Grünbuch Digitale Plattformen. Das Weißbuch "Digitale Plattformen: digitale Ordnungspolitik für Wachstum, Innovation, Wettbewerb und Teilhabe".

Vergleichsportale: Bewertungen in Vergleichsportalen sind in vielen Fällen manipuliert. Verbraucherschützer fordern schon lange Mindeststandards. Dabei müsste es eine staatliche Regulierung geben. Ein Problem besteht darin, das Algorithmen geheim bleiben sollen. So kommt es zu einer paradoxen Folge: Die Markttransparenz nimmt durch Vergleichsportale ab. Sie haben auch eine wachsende Macht. Bekannte Vergleichsportale sind Check24 und Verivox. Verschiedene Fallen sollte man bedanken: 1. Listenplätze sind käuflich. 2. Es gibt versteckte Werbung. 3. Bestimmte Anbieter fehlen. 4. Wer gehört zu wem? 5. Falsche Angaben (die nicht geprüft werden). 6. Verbraucherschutz ist nicht gewährleistet. Die SPD und die Verbraucherverbände wollen 2019 dem Kartellamt mehr Kompetenzen im Kampf gegen die verbraucherunfreundlichen Vergleichsportale geben.

Verbesserungen in Europa, um Technologieplattformen aufzubauen: 1. Die EU muss einheitlicher werden. Verschiedene Sprachen, viele Verbraucherschutzbestimmungen, unterschiedliches Steuerrecht wirken als Barriere. Da haben es die USA und China einfacher. 2. Die Finanzierungsmöglichkeiten müssen verbessert werden. Es fehlt vor allem Venture Capital. 3. Die einzigen Computer - Science - Fakultäten in der EU sind in GB, das aber evtl. die EU verlässt.

Wettlauf der Weltmächte bei der Künstlichen Intelligenz: Wer bei dieser Zukunftstechnologie vorne liegt, kann Standards festlegen und die Entwicklungen der nächsten Jahre bestimmen. Die USA sind noch der Spitzenreiter, insbesondere das Silicon Valley. China hat einen Masterplan, der bis 2030 China an die Spitze bringen soll. Europa baut auf seine Forschungszentren. Weiterhin mischen Japan, Indien, Süd-Korea und Israel mit. "I believe there is something out there watching us. Unfortunatly, it`s the government", Woody Allen.

Digitaler Eiserner Vorhang: Der Begriff stammt vom ehemaligen US-Finanzminister Hank Paulson. Gemeint ist die Aufspaltung der Welt in eine westliche und eine chinesische Einflusszone. Man spricht auch von einem "kalten Technologiekrieg". Die Sanktionen der US-Regierung im Mai 2019 gegen Huawei aus China verstärken diese Diskussion. Zugang zum chinesischen Markt erhält nur, wer den Chinesen Einblick in Patente und geistiges Eigentum gewährt. Die USA wollen diese Strategie nicht länger akzeptieren. Huawei ist mittlerweile führend bei der 5G-Netztechnik. Ericson oder Nokia in Europa könnten dies auch, sind aber viel teurer. So entsteht auch eine Diskussion, ob Europa nicht anstreben muss, unabhängig von den Blöcken zu werden (eigenes Handy - Betriebsystem, eigene Suchmaschine, eigene Rating - Agentur,  eigenes Zahlungssystem usw.)

Flixmobility als gutes Beispiel: Das ist die Dachgesellschaft von Flixbus mit Sitz in München. Es ist einige der wenigen deutschen Plattformen, die konkurrenzfähig sind. Sie können so zu niedrigsten Kosten ihr Unternehmen ausdehnen. Das Unternehmen ist sehr erfolgreich in Europa und will auch in die USA expandieren. Gründer waren Krauss, Engert und Schwämmlein. Seit Ende 2016 ist Silver Lake Partners als Investor mit an Bord.

Datenökonomie: Wie kann man gute Daten von schlechten Daten unterscheiden? Im Netz gibt es vieles umsonst - aber nur gegen Informationen. Daten sind zum entscheidenden Produktionsmittel geworden. Ohne Vertrauen in Datenschutz funktioniert diese Ökonomie nicht. Chancen dieser Ökonomie sind, wenn Produkte besser, individueller und passender werden. Die Risiken liegen darin, dass Dinge ohne Plan und System entstehen und die Gefahren zu spät sichtbar werden. Vgl. A. Wambach/ H.-C- Müller: Digitaler Wohlstand, New York/ Frankfurt 2018, S. 77ff.

Netzwerkeffekte digitaler Monopole: Daraus resultiert die Monopolstellung, die relativ schnell erlangt werden kann. Das ist auch vom Kunden ausdrücklich erwünscht. Je mehr Kunden ein Internetportal hat, desto besser ist meist die Qualität (Beispiel Suchmaschine von Google). Portale, die kaum Kunden haben, will der Konsument nicht. Mit der Zahl der Nutzer steigen auch die Werbemöglichkeit und die Einnahmen. Diese Monopole sind allerdings auch latent instabil, weil die Technik rapide voran geht. Die geringere Kapitalintensität erhöht die Angreifbarkeit. Andererseits erlaubt die Marktdominanz immer höhere Gewinne (vgl. Uni Harvard: The Fall of the Labor Share and the Rise of Superstar Firms, 2017). Es steigt auch die Intransparenz (die Firmen hüten ihre Big Data wie Augäpfel). Die Marktmacht der digitalen Monopole ist so lange keine Bedrohung, wenn sie immer noch angreifbar sind. Ein Wandel kündigt sich bei der Verantwortung für die Inhalte an. Hier lernen Staaten und die Digitalkonzerne.

Die Facebook-Kurve: Hier wird nach dem Konzern ein Phänomen der Internetwirtschaft benannt. Ist ein Digitalkonzern erst mal in Führung, wächst sein Geschäft immer schneller. Je mehr Nutzer in einem sozialen Netzwerk unterwegs sind, desto interessanter wird es für andere Nutzer. So explodiert der Wert von Internetnetzwerken (als erstens vom MIT-Forscher Robert Metcalfe entdeckt; von Brian Athur weiterentwickelt). Wachstum schafft immer mehr Wachstum.

Ökonomische Theorie sozialer Medien: Likes, Retweeds und Followerzahlen von Facebook, Twitter und Instagram prägen die Kommunikation moderner Gesellschaften. Diese Größen stehen auch für Wert, der produziert wurde. Passmann vertritt die These, dass die Social-Media-Plattformen Kopf und Zahl einer Person symbolisieren. Anerkannt würde nicht bloß der Wert einer Währung, sondern anerkannt wird mein Post oder mein Account von der spezifischen Person, die mich und meine Postings likt. Die Anerkennung ist der Kopf, die Zahl der Verkehrswert. Wenn man aber nur schreibt, um Likes abzusahnen, ist man fremd gesteuert. Ab einem bestimmten Punkt ist es deshalb sinnvoll, seine Position durchzuhalten. Man muss natürlich auch fragen, was sind das für Medien und was ist ihre Funktion.  Vgl. Passmann, Johannes: Die soziale Logik des Likes, Frankfurt/ New York 2018.

Negative Folgen sozialer Medien: 1. Stammesdenken oder Gang-Mentalität: Rückzug in die digitale Filterblase, in die moralisch homogene Gruppe, die sich gegenüber dem Feind abgrenzt. 2. Einfluss auf die Psyche: Junge Männe werden durch die sozialen Medien aggressiver, junge Frauen eher depressiver. 3. Wenn die Plattformen zivilisiert werden (Desinformationen abwehren) steigt gleichzeitig ihre Macht weiter. 4. Die sozialen Medien wirken wie eine Manipulationsmaschine: Sie verkaufen die Aufmerksamkeit und die Daten ihrer Nutzer an Werbetreibende und andere Propagandisten (Jaron Lanier).

Theorie der digitalen Gesellschaft: Die Gesellschaft wird nicht nur von Individuen geprägt, sondern auch von Mustern, denen die Datenverarbeitung überhaupt erst Informationen entlocken kann. Das besondere der digitalen Technologie ist deshalb: Sie kann permanent verdoppeln, was schon da ist. Und sie kann Informationen kombinieren, um Wert aus ihnen zu schöpfen. Komplexe Computer verarbeiten einfache Daten. Armin Nassehi: Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft, München (Beck) 2019. Der moderne Mensch hat Angst vor dem Verlust der Autonomie. Digitalisierung besetzt die Gesellschaft und unterwirft sie einem unsichtbaren Mechanismus. Es entstehen digitale Muster. Die Selbstbestimmung wird desillusioniert. Vgl. auch: Kritik in Der Spiegel 36/ 31.8.2019, S. 109.

Monopoleigenschaften, die den Markteintritt neuer Unternehmen verhindern: Apple, Google und Facebook verfügen über riesige Datenmengen. Feedback-Effekte verbessern ständig die Systeme. Damit können sie ihre Service-Qualität auf einem hohen Niveau halten und verhindern Konkurrenten. Ein neues Kartellrecht müsste weltweit gelten. Es müsste eine "progressive Daten - Sharing - Pflicht" enthalten. Die Bundesregierung will 218 des Kartellrecht für Internetkonzerne verschärfen: Firmenkäufe verbieten, Aufkaufen von Start-ups schwieriger, Datenzugang für andere verbessern, Prüfung bereits auf dem Weg zur Marktbeherrschung.

Neurokapitalismus (Gehirn-Maschine-Schnittstelle): Technische Updates fürs Gehirn. Gehirnfähigkeiten, die den Fähigkeiten von Computern ähneln. Die Frage ist, wenn das Gehirn irgendwann in seiner gesamten Komplexität simuliert werden kann. Erste Geschäftsmodelle gehen in die Medizin. Bei Konsumenten allgemein dürfte es noch lange dauern, erste Ansätze gibt es bei Gedächnisstörungen. Man spricht bei Menschen, die mit Chips verbunden sind, von Cyborgs.  Facebook will etwa erreichen, dass man Nachrichten in Smartphone denken kann. Querschnittsgelähmte Patienten haben implantierte Chips im Gehirn, Körperteile lenken sollen.

Homo ludens: Der durch das Spiel sich entwickelnde Mensch. Diese Sichtweise ist nicht neu (Schiller: "der Mensch ist nur ganz Mensch, wo er spielt"). Die Digitalisierung fördert dieses Menschenbild wieder. Dahinter steckt die Vorstellung, das Spielen die primäre Kulturtechnik ist und er wichtigste Grund für Gesellschaften (das wusste schon Niklas Luhmann:  Art der Kommunikation). Heute spricht man von einer Weltgesellschaft, die in ihrer Komplexität noch nicht ausreichend erforscht ist. Das Spielerische in der digitalen Welt kann motivieren. Man spricht auch von einem Trend zur "Gamifizierung". Vgl. Manouchehr Shamsrizi, Interview in: bdvb aktuell, Nr. 137, S. 6f.

Wertschöpfungsketten: Es entstehen neue Ketten und Werte. Ebenso integrierte Geschäftsprozesse. Beschränkungen hängen von den finanziellen Ressourcen der Nutzer ab, von den Zeitressourcen und der Akzeptanz des Mediums. Der Nutzen der einzelnen Kunden hängt zusammen (positive Rückkopplung). Weitere Merkmale der Internetökonomie: Neuartige Kostenfunktionen (niedrige Grenzkosten) kommen hinzu. Dazu gehören auch spezielle Zahlungsmittel wie etwa Bitcoin (vgl. den Abschnitt "Geldpolitik"). Vgl. Harald Meisner: Finanzwirtschaft in der Internetökonomie, Wiesbaden 2017, S. 9ff.

Virtuelle Betriebsstätte und die "Konsumentenorientierung" der internationalen Besteuerung: Das internationale Steuerrecht muss an Herausforderungen der digitalen Ökonomie angepasst werden. Die EU hat etwa 2017 eine umsatzbasierte Ausgleichssteuer vorgeschlagen. Damit wird der Betriebsstättenbegriff in Richtung "digitale Betriebstätte" weiterentwickelt. Weiterhin müsste die Besteuerung der Unternehmen künftig stärker am Standort des Konsums orientiert sein (Bestimmungslandprinzip).

E-Business: E-Communication, E-Entertainment, E-Education, E-Commerce, E-Collaboration.

Smart City: Entwicklungskonzepte, die die Stadt effizienter, fortschrittlicher, ökologischer und sozial inklusiver gestalten. Dazu gehören als Bausteine bzw. Ebenen  Smart Ecomomy, Smart People, Smart Governance, Smart Mobility, Smart Governance,  Smart Environment, Smart Living. Akteure der Wirtschaft wie IBM, Siemens, Cisco Systems, Vattenfall sind an internationalen Projekten beteiligt. Es werden Netzwerke gebildet ("Internet of Everything"), die den Sektor Wirtschaft in den Städten produktiver machen sollen. Im Bereich von Governance (Politik, Verwaltung) gibt es Fördermittel im EU-Programm Horizont 2020. Geförderte Städte sind Kopenhagen, Amsterdam, Wien und Berlin. Häufig sind Hochschulen mit eingebunden (z. B. Barcelona). Häufig ist der Sharing - Gedanke enthalten. Man spricht von Urban Commons" (E. Oström). Ideen der Kreislaufwirtschaft (Thünen) sollen die Nachhaltigkeit erhöhen. Mobile Verkehrskonzepte (Mobile App) sollen Umwelt und Energie schonen. Die Kritik geht Richtung Social Scoring und Manipulierung der Menschen durch perfektes Marketing. Vgl. Wikipedia - Artikel.

Intelligente Kameras: Sie arbeiten auch mit Algorithmen. Sie können automatisch bestimmte Konfliktfälle erkennen, bei denen die Polizei eingreifen sollte. Ein Versuch findet vor dem Hauptbahnhof in Mannheim statt.

Digitaler Behördengang: Die Behörden schaffen ein Dienstleistungsangebot (ab 2022).  Es soll drei Portale geben: Portal des Bundes, Portale der Länder, Portale der Kommunen. Sie sollen intelligent verknüpft werden. Später sollen Konten für Bürger und Unternehmen geschaffen werden. Sie sollen eine sichere Authentifizierung erlauben.

Digtal - Kommissar der EU: Zuständig für die digitale Wirtschaft in der EU (Wettbewerb, Cyber-Sicherheit, Fake News u. a.). Seit August 2017 ist die Bulgarin Marija Gabriel neue Kommissarin (Nachfolgerin von Günther Oettinger).

Big Data in der Zukunft: In China entsteht ab 2017 eine Big-Data-Diktatur. Das könnte ein Zukunftsmodell auch für andere Länder sein. Die Aktivitäten der Bürger werden lückenlos durch Datenspeicherung und Gesichtserkennung überwacht. Jeder Bürger bekommt ein Punktekonto zugewiesen. Es ist ein Sozialkreditesystem. Bewertet werden Aufrichtigkeit positiv und Gesellschaft schädigendes Verhalten negativ. Unter 555 Punkte wird es kritisch. Mit möglichst viele Punkten hat man Vorteile bei Krediten, Schulen u. a. Vgl. Assheuer, T.: Die Big-Data-Diktatur, in: FAZ, Nr. 49, 30. Nov. 2017, S. 47.

Big Data und Nudging: Nudging erfolgt immer öfter auf der Basis von Big-Data-Analysen. Differenzierte Untersuchungen fehlen bisher. Es ist eine Kombination von "Sehen" und "Lenken". Ganz gut kann man das am Beispiel intelligenter Stromzähler sehen. datengestützte Beobachtung und subtile Beeinflussung greifen ineinander. Vgl. Irgmaier, F./ Ulbricht, L: Big Data und Nudging, in: WZB Mitteilungen, H. 158, 2017, s. 15ff.

Macht sozialer Netzwerke: Nutzerdaten sind die Basis des Geschäftsmodells. Sie können aber leicht missbraucht werden. Die Frage ist, wer den Zugang bekommt. Netzwerke tragen politisch zur Polarisierung bei. Sie können die Demokratie gefährden. Netzwerkausfälle können dramatische Folgen haben. Vgl. von Niall Ferguson, The Square and the Tower, 2017 und sein Artikel bzw. Interview in Die Zeit, Nr. 53, 20.12.17, S. 24.

Social - Media: Jaron Lanier, einer der Internet-Pioniere, kritisiert 2018 die Social - Media - Konzerne massiv. Er rät dazu die Accounts zu löschen. Er spricht auch auf der Cebit 2018 in Hannover. Er argumentiert mit folgenden Punkten ( www.jasonlanier.com ; "Delete your accounts", in Deutsch bei Hoffmann und Campe): 1. Du verlierst deinen freien Willen. 2. Social Media macht dich zum Arschloch. 3.  Social Media untergräbt die Wahrheit. 4. Social Media macht das, was du sagst, bedeutungslos. 5. Social Media tötet dein Mitgefühl. 6. Social Media macht dich unglücklich. 7. Social Media fördert prekäre Arbeitsverhältnisse. 8. Social Media macht Politik schwerer. 9. Social Media hasst deine Seele. 10. "Bummer": Wahrscheinlichkeit wird zur Gewissheit.

IT - Standorte/ Internettech - Nationen: Die Weltführung hat noch (2017) die USA. Zweitwichtigster Standort ist China, das Europa überholt hat. Bei mobilen Bezahlvorgängen ist China schon weit an der Spitze (790 Mrd. $ 2016 gegenüber 74 Mrd. $ in den USA). Bei der Zahl der Unicorns (Start-up mit über einer Milliarde Dollar Unternehmenswert) führen die USA noch knapp vor China (397 Mrd. $, 380 Mrd. $).

Institute für Digitalisierung: Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft. Einstein Center Digital Future. Berlin Open Lab. Agentur "Torben, Lucie und die Gelbe Gefahr".

Nutzung des Internet: Rangfolge nach Häufigkeit (Quelle ARD/ ZDF 2016): 1. Kommunikation. 2. Medien. 3. Informationssuche. 4. Spielen. 5. Transaktionen.

 

Die wichtigsten globalen digitalen Unternehmen und ihre Strategien:

GAFA und BAT als Quasi-Monopole: Mit GAFA sind Google, Amazon, Facebook und Apple gemeint. Sie machen die wertvollsten Unternehmen der Welt aus und sind ie mächtigsten Unternehmen in der westlichen Internetökonomie. Mit BAT sind die chinesischen Technologieriesen Baudu (Suchmaschine), Alibaba (Internethändler) und Tencent (Soziale Netzwerke und Messenger WeChat). Sie versuchen, ihre Monopolstellung und Marktmacht, die sie aufgrund von Netzwerkeffekten haben, weiter auszubauen und zu verteidigen. Dazu setzen sie generell drei Methoden ein: 1. Bestpreismethode (Preissteuerung und Verhinderung von Wettbewerb). 2. Exklusivmethode (Ausschließlichkeitsvereinbarung). 3. Knebelmethode (Marktplatz und gleichzeitig Händler). Vgl. Witte-Petit, Kerstin: Methode Platzhirsch, in: Rheinpfalz am Sonntag, 14. April 2019, S. 6.

US-Wettbewerbsbehörde FTC: Federal Trade Commission. Geht immer öfter gegen die Sharing Economy vor. Der Google - Kauf von Double klick wird untersucht. 2016 wird die Datenverarbeitung von Uber und Airbnb geprüft. Deutsche Unternehmen stehen auch immer wieder im Blickpunkt: Die Behörde schließt sich 2015 dem Vorgehen gegen VW in den USA an. Für den Vergleich, der Mitte 2016 zustande kommt, ist aber ein Gericht zuständig. Heidelberger Cement muss sich aus Wettbewerbsgründen eine Zementfabrik in Martinsburg verkaufen. 2019 will sich die FTC verstärkt um die großen Plattformen wie Google, Facebook und Amazon kümmern. Es geht um die Prüfung von Monopolmacht und deren Missbrauch. https://www.ftc.com. Die Regierung will die Marktmacht von Amazon überprüfen. Der Chef, Jeff Bezos, ist einer der schärfsten Kritiker von Trump. "Amazon hat den Einzelhandel in den Vereinigten Staaten zerstört", Steven Mnuchin, US-Finanzminister. In den USA wollen sich Dow Chemical und Dupont zum weltgrößten Chemieunternehmen zusammenschließen. Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden steht noch aus (auch ob sie überhaupt notwendig ist). Die US-Wettbewerbsbehörden stimmen unter Auflagen zu (Verkauf von Unternehmensteilen). Ende 2017 übernimmt der Disney-Konzern die meisten Sparten des Rivalen Fox (Simpsons). Die FTC muss zustimmen. Die Genehmigung der Monsanto-Übernahme durch Bayer steht noch aus und wird unter Auflagen gegeben.

Unternehmen mit dem höchsten Barvermögen: Die Digitalunternehmen sind die Unternehmen mit dem höchsten Barvermögen. Es besteht folgenden Reihenfolge Ende 2017 (damals mussten die Unternehmen Steuern zahlen, wenn sie das Barvermögen ausländischer Töchter in die USA holten): Alphabet 106,8 Mrd. $, Apple 102,2 Mrd. $, Microsoft, Facebook.

Peter Thiel, Investor, Unternehmer: Geboren in Frankfurt. Eltern wanderten aus nach Foster City/ Silicon Valley. Er studierte an der Stanfort University Philosophie und Jura. Er gründete einen Risikokapitalfonds 1996. Milliardär. Er hat das Silicon Valley mit geprägt. Er gründete PayPal (zusammen mit Elon Musk), den ersten Internet-Bezahldienst. Er war der erste Investor bei Facebook 2004. Thiel unterstützte früh Präsident Trump und ist nach der Wahl in seinem Übergangsteam.

Kai-Fu Lee: AI Sper-Powers. China, Silicon Valley und die Neue Weltordnung, Frankfurt/ New York (Campus) 2019. Es geht darum, wie sich in der Welt die Gewichte verschieben. Kai-Fu Lee ist Ex-Google-China-Ceo. Er war auch in leitenden Positionen bei Microsoft, SGI und Apple. Er beschreibt die chinesisch-amerikanische Perspektive. Es prallen Business-Kulturen aufeinander. Er sieht China bald ungebremst an der Weltspitze. Er fordert, dass die Weltmächte gemeinsam Verantwortung für die sich neu formierende Wirtschaft übernehmen.

Vier Hauptbausteine für die KI-Supermacht des 21.Jahrhunderts: umfangreiches Datenmaterial, zähe Unternehmer, gut ausgebildete KI-Wissenschaftler, unterstützendes politisches Umfeld. All das hat China. Bei Ingenieuren geht mittlerweile Quantität vor Qualität. Diese Ingenieure werden mit den neuen sozialen Medien ausgebildet (WeChat - Gruppen, Video-Streaming, Smartphone, hoher Vernetzungsgrad). Vgl. Kai-Fu Lee a.a.O. , S. 112ff.

Digitale Mythen in Bezug auf Unternehmen: 1. Digitalisierung erfordert ein radikal neues Wertversprechen. In Wirklichkeit geht es darum, digitale Werkzeuge einzusetzen, um bekannte Kundenbedürfnisse zu erfüllen. 2. Die digitale Welt verdrängt die physische. In Wirklichkeit bleibt ein Nebeneinander beider Welten. 3. Digitalisierung bedeutet, Start - ups zu kaufen. In Wirklichkeit geht es darum, Start-ups zu schützen. 4. Bei der Digitalisierung geht es um Technologie. In Wirklichkeit geht es vor allem um die Kunden. 5. die bestehenden Systeme müssen komplett erneuert werden. In Wirklichkeit bringt eine schrittweise Modernisierung oft mehr. Vgl. Furr, Nathan/ Shipilov, Andrew: Digital heißt nicht disruptiv, in: HBM November 2019, S. 50ff.

Digitale Hidden-Champions: Sie haben entweder digitale Produkte (1), digitale Prozesse (2) oder digitale Services (3). Zu (1) zählen etwa Volocopter, Bruchsal (elektrischer Hubschrauber); DeepL, Köln (Übersetzungsprogramm, leistungsfähiger als Google Translate); MK Technology, Grafschaft bei Bonn (Investment Casting); Phoenix Contact, Göppingen (schnellstes Batterieladesystem). Zu (2) gehören: Kärcher (Hochdruckreiniger); Knauf (Baustoffe); Trumpf (Lasermaschinen). Zu (3): Teamviewer (Feinwartung von Computern; Flixmobility (Organisation von Systemen); Wirecard (Financial Services). Vgl. Simon, Herman: Die digitalen Hidden Champions, in: HBM, November 2019, S. 62ff.

Google/ Alphabet (nach einer ungeheuer großen Zahl mit 100 Nullen, die "googol" heißt): Das Unternehmen steht symbolisch für die Mission und die Möglichkeiten der digitalen Ökonomie. Es ist die effektivste Datenkrake der Menschheitsgeschichte. Die staatliche Forschungsförderung in den USA für Mathematik und Informatik beläuft sich in den USA auf weniger als die Hälfte des firmeninternen Forschungshaushalts von Google. Rund ei Hälfte der 100 Spitzenforscher und -ingenieure im Bereich der KI arbeitet bei Google. Kern des Unternehmens ist die Suchmaschine (geht auf einen Algorithmus von Larry Page zurück, Page-Rank; Partner und Mitgründer ist Sergey Brin), die vor allem dank Werbung im Internet große Gewinne abwirft (ebenso wie Maps und You Tube). Mittlerweile ist Alphabet ein riesiger Konzern (Calico, Google Fiber, Google, Verily, Waymo, Forschungsabteilung, nest, android, Suchmaschine, Youtube). Hauptgründer und Eigentümer ist Larry Page (zusammen mit Sergey Brin), der als einflussreichster Unternehmer der Welt gilt. Sie verpflichteten sich selbst, bei aller Macht nicht "böse" zu werden. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet (im September dann Suchmaschine und viel später Browser Chrome). Page will mit seinen Milliarden die großen Menschheitsprobleme lösen. In Zukunft will er sich um selbst fahrende Autos und digitale Brillen ebenso kümmern wie um die Wege für digitalen Journalismus. Auch ein elektronisches Bezahlsystem startet bald. Mit 350 Mrd. $ Börsewert 2015 ist Google eines der teuersten Unternehmen der Welt.  Graue Eminenz als Chef-Ökonom bei Google ist Hal Varian. Er arbeitet an Markt- und Werbeanalysen für den Vorstand (Verwaltungsratschef Eric Schmidt, der Ende 2017 zurücktritt) zusammen mit 1000 Statistikern. Vorher war er Professor für Volkswirtschaftslehre (Spezialgebiet: Mikroökonomie) in Berkeley. Gerade an Google kann man sehen, wie Geschäftsmodelle lange intransparent gehalten werden, um den Spiel- und Nachahmungstrieb der Menschen besser ausnutzen zu können. Im August 2015 ändert Google seine Konzernstruktur. Sie soll klarer werden. Die Holding (Sammlung von Unternehmen) heißt "Alphabet" (mit Töchtern wie Kerngeschäft: Suchmaschine/ Internetwerbung/ Android, Youtube/ Maps; weiter: Drohnen; selbst fahrende Autos). Der Name ist sehr gut, denn das Alphabet ist eine der wichtigsten Innovationen der Menschheit (außerdem umfasst es von A bis Z alles). Damit wird Google zu einem Konglomerat für die Zukunft im digitalen Kapitalismus. Flexibel steuerbare Einheiten können neue Technologien entwickeln, innovativ bleiben, Wertzuwächse gezielt generieren und künftig im Wettbewerb schnell reagieren. Google handelt nach dem Prinzip "Think big". Dadurch wird verhindert, dass im Ausland andere Unternehmen mit der Idee eine Chance haben  (z. B. bei Suchmaschinen). In Deutschland baut Google München zum größten deutschen Standort aus. 2016 weitet der Konzern weiter die personalisierte Werbung aus. Die Nutzer werden um Erlaubnis gefragt. Es wird damit argumentiert, dass die Werbeeinnahmen dazu dienen, die Suchdienste weiterhin kostenlos zur Verfügung zu stellen. Google soll auch national kartellrechtlich stärker unter die Lupe genommen werden. Die Internetfirmen sollen auch für Hass - Postings belangt werden. In Googles Vision wird das Netz eine natürliche Erweiterung des Menschen sein. Mittlerweile hat Android, das Betriebssystem für Smartphones, 2016 einen Marktanteil von 90%. Das gleiche Ziel setzt sich Google mit Android Things. Google Home kommt 2017. Das Innovationslabor von Alphabet heißt X. Es ist besonders stark bei vermarktbaren Produkten. 2017 macht Alphabet Milliarden Minus. Der Google - Konzern legt aber beim Umsatz zu. 2018 plant Google einen Werbefilter für seinen Internetbrowser. Damit könnte der Konzern seine Werbung weiter ausbauen. Es soll vor allem mehr Geld mit der Produktsuche verdient werden. Alphabet führt 2016  klar bei den Werbeeinnahmen (79,4 Mrd. $ vor Facebook 26,9). Google beendet nach Protesten eigner Entwickler ein Rüstungsprogramm mit der US-Regierung. Im Juli 2018 muss Goggle in der EU eine Strafe von 4,34 Mrd. Euro zahlen. Die EU-Kommission rügt damit die beherrschende Marktstellung des Betriebssystems Android (Pflicht für Google Play und Google-Suchmaschine). Google will Widerspruch einlegen. Google will ab 2018 in großem Stil in die Außenwerbung einsteigen (mithilfe von Begegnungsdaten). 2018 bildet Google eine Allianz mit Paypal bei Handy-Zahlungen. Google Plus wird 2018 eingestellt und war vorher gehackt worden. Im Oktober 2018 erhebt Google Lizenzgebühren für seine Apps. Das wird regional gestaffelt. Damit sollen in der EU die Wettbewerbsstrafen ausgeglichen werden. 2018 erschüttert eine Belästigungsaffäre Google. In den letzten zwei Jahren wurden aus diesem Grund 48 Mitarbeiter entlassen. Betroffen ist auch der Android - Schöpfer Rubin. Börsenwert Ende Oktober 2018 733 Mrd. Dollar. Wenn die Macht von Alphabet weiter so wächst, dürfte eine Aufspaltung unumgänglich sein. Der Aktienwert bricht Ende 2018 ein. Google - Tochter Waymo liegt 2019 beim autonomen Fahren noch vorne. 2019 gibt es eine Millionenstrafe gegen Google in Frankreich. Im gesamten Geschäftsjahr 2018 wuchs der Umsatz um 23% auf 136,8 Mrd. Dollar und der Gewinn stieg auf 30,7 Mrd. Dollar. Im September 2019 muss Google eine Rekordstrafe in den USA zahlen: 170 Millionen US-Dollar für personenbezogene Daten von Jugendlichen auf You Tube. Im September 2019 wächst der Druck auf Google durch die Generalstaatsanwälte der 50 Bundesstaaten. Sie leiten eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung ein (auch bei Facebook). Mitte September 2019 erleiden die Verlage in Deutschland einen Dämpfer gegen Google: Der Internet-Gigant muss Zeitungen keine Vergütung für die Übernahme kurzer Texte zahlen. Im September 2019 setzt sich Google vor dem EU-Gerichtshof gegen Frankreichs Datenschutzbehörde durch: Google muss nicht global löschen. 2019 rebellieren Mitarbeiter gegen Google. Im Mittelpunkt steht ein Auswertungsprogramm für Drohnenflüge, das nach Auswertung von Bildmaterial wiederum autonom Drohnen steuert (Auftraggeber US-Verteidigungsministerium, Projekt "Maven")). Viele kritische Mitarbeiter wollen da nicht mehr mitmachen. Sanktionen häufen sich. Google wird intransparenter. Ein zweiter Streitpunkt ist immer wieder das Verhalten gegenüber China.   Mein ganzes Streben geht dahin, herauszufinden, wie die Zukunft aussieht - und sie dann zu erschaffen", Alphabet-Chef Larry Page. Februar 2016 überflügelt Alphabet Apple im Börsenwert und ist damit das teuerste Unternehmen der Welt (2015 +40%, Wette auf die digitale Zukunft). 2016 klettern Umsatz und Gewinn weiter. Chef von Google ist seit 2015 Sundar Pichai (Motto: "Respekt aus Vernunft"). Neuer Unternehmensgrundsatz: "Künstliche Intelligenz zuerst". 2016 eröffnet Google einen Campus in Berlin. Es geht um die Förderung der lokalen Start-ups. Ökosysteme sollen eingerichtet werden. 2017 droht Google in einem Verfahren der EU-Wettbewerbsbehörde zur Shopping-Suche eine Milliardenstrafe (10% vom Umsatz). Eigene Dienste sollen bevorzugt worden sein. Das Verfahren ist nur eines von dreien. Der Börsenwert von Alphabet steigt 2017 um 21,2%. Ein Urteil des Bundesgerichtshofes Ende Februar 2018 besagt, dass keine allgemeine Kontrollpflicht für Suchmaschinen, also insbesondere Google, besteht. Die EU straft Google im März 2019 mit 1,49 Mrd. Euro ab (marktbeherrschende Stellung bei Online-Werbung ausgenutzt). "Google kann es nicht allen recht machen, besonders, da sich Moral so schwer definieren lässt", Gregory La Blanc, University of Berkeley.

Baidu: Chinesische Suchmaschine. Auch E-Mail-Service, Kartendienst uns Cloud-Storage. Wert 88,4 Mrd. US-Dollar 2018. Jährliches Wachstum 24%. Am ehesten mit der Suchmaschine von Google vergleichbar. Robin Li gründete im Jahr 2000 die Suchmaschine. Der Marktanteil in China lag bei ca. 80%. 2019 ist er auf 61% gefallen. Die Suchmaschine ist das Kerngeschäft. Es gibt noch Baidu Maps und Baidu Baike (chinesische Wikipedia). Baidu hatte 2017 einen Umsatz von 12,6 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn lag bei 2,7 Mrd. Dollar. Das Unternehmen investiert massiv in künstliche Intelligenz. Börsenwert Ende Oktober 2018 65 Mrd. $. 3,3 Mrd. Suchanfragen täglich. Ab Ende 2018 kooperiert Baidu mit VW in China beim autonomen Fahren. VW und Baidu entwickeln ein Mobilitätskonzept. Wegen staatlichen Regulierungen hat Baidu Probleme. Deshalb hat die Aktie seit Juni 2018 bis zu 70% an Wert verloren.

Sogou: Suchmaschine in China. Sie ist standardmäßig mit den Tencent -Diensten verbunden. Sie hat Baidu Nutzer weggenommen.

Apple: Gründer: Steve Jobs, Steve Wozniak 1976. Apple hat in der Vergangenheit Maßstäbe gesetzt in Sachen Technik, Handhabbarkeit und Design. Apple erobert 2016 die Position als wertvollstes Unternehmen der Welt zurück (Ende 2016 Aktienwert von 617,6 Mrd. $; 2007 173,4 Mrd. $). 2007 wurde das iPhone präsentiert, eine Revolution unserer Zeit.  Der dabei auftretende Mechanismus sagt viel über die Grundzüge der digitalen Ökonomie aus: Apple macht wegen der niedrigen weltweiten Zinsen Schulden (obwohl 200 Mrd. Dollar Cash da sind). Apple kauft mit dem billig aufgenommenen Geld Apple-Aktien. Dadurch steigt der Aktienkurs und Apple erreicht wieder seine Spitzenposition. Das neue iPhone enthält so gut wie keine Innovationen und wird trotzdem mit viel zu hohem Preis gekauft (Snob-Effekt). Verbraucher lassen sich verdummen und die chinesischen Arbeiter kassieren weiterhin Dumping-Löhne. 231 Milliarden Dollar hat Apple 2016 an Finanzmitteln angehäuft. Davon 93% im Ausland. Grund von letzterem sind die hohen Steuern in den USA. Das Unternehmen hat zunehmend Schwierigkeiten. Investoren entziehen ihm das Vertrauen. 2016 stellt die Wettbewerbskommisarin fest, dass Apple in Irland Steuererleichterungen in Höhe von 13 Mrd. € gewährt wurden, die wettbewerbswidrig waren ("unzulässige rechtliche Konstruktionen"). Das Land, die USA und der Konzern wehren sich. Apple muss die Steuern nachzahlen auf ein Sperrkonto, Klagen haben keine aufschiebende Wirkung. 2017 führt Apple einen Rechtsstreit mit Qualcomm. Das Unternehmen hält einige Lizenzen, für die Apple nicht mehr zahlen will. Apple tut sich nicht dadurch hervorgetan, Daten mit anderen zu teilen. Daten werden auch nicht so vermarktet wie bei Facebook und Google. Steuern werden in Europa aber fleißig gespart. 2018 kauft Apple die Musikerkennungs-App Shazam. Ab 2018 entwickelt Apple eigene Displays. Es gibt bereits eine kleine Produktionsstätte in Kalifornien für Micro-LED-Technologie. Apple plant 2018 den Einsatz eigener Prozessoren in Macs. 2018 stockt die Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffet Berkshire Hathaway den Aktienanteil auf. Mit Attacken auf Facebook 2018 will Apple-Chef Tim Cook sich als verantwortungsvolles Unternehmen profilieren. Apple fährt eine außergewöhnliche China-Strategie: Es betreibt Datenzentren mit Dienstleistern, die der Staatsführung nahe stehen. Liberale Angebote (New York Times) werden verschleiert oder aus dem Store genommen. Da ist also eine klassische Doppelmoral. Zu viel Umsatz hängt am iPhone. Wenn das nicht so läuft wie erwartet - wie Ende 2018 . bricht der Akteinwert ein. Ende 2018 startet Apple seinen Bezahldienst in Deutschland. Apple erzielt weniger Umsatz, weil die Partnerschaft zwischen den USA und China bröckelt. Das China-Geschäft mit iPhones schwächelt massiv. Anfang 2019 hat Apple einen Klageerfolg gegen Qualcomm (Patentstreit). 2019 kommt ein Fehler bei Facetime ans Licht. Dies ist eine Funktion, die Audio- und Videotelefonate ermöglicht. Dadurch kann das iPhone zum Spion in den eigenen vier Wänden werden. Dieser technische Fehler ist ein Desaster für die Glaubwürdigkeit von Apple. Man hat ja gerade mit der höheren Sicherheit geworben. Ab 2019 will Apple einen Streaming - Dienst aufbauen analog zu Netflix. Apple weiß sehr viel über seine Nutzer (E-Mails, Kontakte, App-Downloads, Fotos, Kreditkarten, Musiktitel, Websites, Standorte, Passwörter, Geräte, Sonstiges). 2019 verlässt der Design-Chef Jony Ive das Unternehmen ("Form follows function", Bauhaus; Aktie fällt um 1,5%)). Er gründet sein eigenes Studio. Im August 2019 legt Google Schwachstellen bei der Software vom iPhone offen. Daten in großem Ausmaß wurden abgegriffen, wahrscheinlich vom chinesischen Geheimdienst. Die Faszination ist 2019 beim Unternehmen vorbei. Es kommt an einem Neustart nicht vorbei. Ein EU-Gericht verhandelt im September 2019 über eine Nachzahlung in Milliardenhöhe von Apple. Im Oktober 2019 nimmt Apple auf Druck Chinas eine von Hongkonger Demokratieaktivisten genutzte App aus dem Angebot.  Anfang 2017 übernimmt das iPhone wieder die Spitze im Smartphone-Markt und überholt Samsung (Durchbruch im Weihnachtsgeschäft). Apple hat wohl das Thema künstliche Intelligenz verschlafen. Jetzt, 2017, will Tim Cook das Versäumte nachholen. Ende Juni 2017 führt Apple das weltweite Börsenwert-Ranking (Anstieg 2017 +40,3%) an vor Alphabet und Microsoft. Im August 2017 wird der Apple-Campus in der Nähe von San Francisco bezogen (Cupertino, Raumschiffarchitektur, 12.000 Angestellte). Einer der Gründer von Apple war Steve Wozniak. Er galt Anfang der 70er als technisches Genie im Silicon Valley. Er machte sich einen Namen als Hacker. Er gründete nachher noch mehrere Firmen. Im Dezember 2017 einigt sich Apple mit Irland über die Steuerschuld (af Druck der EU). Es geht um 13 Mrd. €, die bis zu einem Gerichtsentscheid auf ein Treuhandkonto kommen. Bei der Marktkapitalisierung führt Apple auch 2016 (735 Mrd. Dollar, Gewinn 19,5). 2018 nach der US-Steuerreform holt Apple 252 Mrd. $ aus geparkten Gewinnen in die USA zurück und zahlt 38 Mrd. $ Steuern. Die entscheidende Frage ist, ob wirklich die Steuerreform die Ursache ist. Es könnte ja auch sein, dass Apple das Geld an die Aktionäre ausschüttet. Werden also wirklich Jobs verlagert oder wird nur Geld verschoben? 2017 erwirtschaftet Apple einen Unsatz und Gewinn auf Rekordniveau. 2018 ist Apple das erste Unternehmen der Welt, dass mehr als eine Billion $ wert ist (1039 Mrd. $ Ende Oktober 2018). Auch die anderen Digitalriesen der USA stehen an der Schwelle (Amazon, Microsoft, Alphabet). "Unser Ziel ist es, die Welt besser zurückzulassen, als wir sie vorgefunden haben", Tim Cook, 2017, Apple-CEO.

Xiaomi: Peking (seit 2010; wichtigster Smartphone-Hersteller, innerhalb kürzester Zeit vom Start up zum Großkonzern; auch Luftfilter, Sportgeräte u. a.; will sich ab 2016 in deutsche Firmen einkaufen. 2014 schon weltweit drittgrößter Smartphone Hersteller; Lei Jun gilt als neuer Steve Jobs; will die ganz Großen angreifen; Führungsmanager Barra wechselt 2013 von Google zu Xiaomi, mit ihm beginnt der Aufstieg, 2017 verlässt er das Unternehmen). 2018 kommt ein großer Börsengang. Damit soll der Aufbau einer Ladenkette finanziert werden. 2015 Grünung eines Parteikomitees, 104 KPC-Mitglieder 2018; das Geschäft mit vernetzter Elektronik wird 2018 deutlich ausgebaut. 2018 viertgrößter Smartphone - Hersteller der Welt. Auch Produzent von Laptops und Heimelektronik.  Xiaomi profitiert 2019 in den USA und Europa von der Sanktionierung von Huawei. Mit einem neuen Standort in Düsseldorf plant das Unternehmen ab 2019 eine Expansion in Deutschland.

Huawei, Shenzhen: Elektronik, Netzwerkbetreiber, Netzausrüster, 1988 gegründet; 2010  3000 Mitarbeiter in Europa, weltweit 180.000. Umsatz im Jahr 2017 78 Mrd. Euro; Gewinn 6,15 Mrd. Euro. Huawei arbeitet in 170 Ländern. Hauptquartier in Deutschland Düsseldorf; größter Konkurrent von Cisco; jahrelang von der NSA ausspioniert. Chairman ist Eric Xu 2018. Will sich durch Innovationen stark verbessern. Zunehmend bei Grundlagenforschung. Mehr als 80.000 Mitarbeiter sind am Unternehmen beteiligt (Shareholder). 2017 führt das Unternehmen bei der Zahl der Patente: 4024. Gründer Ren Zhengfei, Ingenieur, 1987; Deutschland-Chef 2018 Yang Tao; Huawei ist 2018 der einzige chinesische Konzern von Weltrang (außerhalb Chinas sehr erfolgreich); die Kooperation mit der Telekom verleiht dem Konzern große Macht in Deutschland (mit dem 5G-Standard dürfte der Einfluss noch wachsen). Huawei überholt 2018 Apple beim Handy-Verkauf. Noch ist Samsung vorne. Die USA haben das Unternehmen unter einen Bann gestellt, ebenso Australien, Neuseeland und GB (Einflussnahme der chinesischen Regierung, Spionage, Störung der Netze). Es ist direkter Konkurrent von Apple. Die Marke Honor gehört auch zum Unternehmen. 2018 setzt das Unternehmen voraussichtlich 100 Mrd. Dollar um. Im Dezember 2018 wird die Finanzchefin von Huawei Meng Wanzhou in Kanada festgenommen. Sie ist auch die Tochter vom Firmengründer Ren Zhengfei. Die USA verlangen die Auslieferung. Es geht um Verstöße gegen die US-Sanktionen gegen den Iran. Die Verhaftung könnte die Handelsgespräche zwischen den USA und China platzen lassen. Die USA verstärken am 29.01.19 kurz vor der nächsten Runde der Handelsgespräche in Washington den Druck: Huawei wird nun auch der Spionage und des Betrugs beschuldigt (bis zu 10 Jahre zurück). Die Nähe zur Staatsführung in China wird recht eng eingestuft. Huawei ist mittlerweile der der größte Telekom-Ausrüster der Welt. Auch in Deutschland wird 2019 diskutiert, ob es sinnvoll ist, den bevorstehenden Ausbau des Mobilfunknetzes (5G) mit Huawei zu planen. Bundeskanzlerin Merkel fordert Garantien, dass Daten nicht an die chinesische Regierung weitergegeben werden. Man könnte natürlich auch testen. Beim Bau mobiler Mobilfunknetze führt Huawei (31% Marktanteil) vor Ericsson/ Schweden, Nokia/ Finnland, ZTE/ China und Samsung/ Südkorea. Weltweit gibt es immer mehr Kritik am Smartphone - Produzenten und Netzwerkausrüster Huawei. 2001 wurde die Niederlassung in den USA eröffnet. Es gab immer wieder Geheimdienstoperationen gegen Huawei in den USA. Der erste Angriff war 2006 von der NSA ("Parody Blowup", G. W. Bush) 2009 gab es eine zweite Operation ("Shotgiant"). Die Sorgen gründen sich vor allem darauf, dass Gründer Ren Zhengfei früher als Offizier der nationalen Volksarmee gedient habe. Die Bundesregierung plant 2019 ein Antispionageabkommen mit China. Im Gegenzug soll Huawei in Deutschland weiter aktiv sein dürfen. Allerdings war ein "No-Spy-Abkommen" zwischen den USA und China schon einmal wirkungslos geblieben.  Trump ruft 2019 den nationalen Notstand für den Telekom-Sektor aus. Damit kann er Huawei auf eine schwarze Liste setzen.   Im Mai 2019 setzen die USA Huawei auf eine "schwarze Liste". Daraufhin will Google das Unternehmen nicht mehr mit dem Betriebssystem "Android" versorgen. Das könnte Huawei schwer schaden. Diese Sanktion wird dann für 90 Tage ausgesetzt. Huawei arbeitet seit 2012 an einem eigenen Betriebssystem mit Namen HongMeng. Doch ein Betriebssystem komplett mit Apps auf die Beine zu stellen ist sehr schwierig, was das Beispiel Microsoft zeigt. Huawei braucht wohl noch 2-3 Jahre für die Marktreife. Insofern kommt der Schritt der USA etwas früh. Ursprünglich wollte die Firma Android von Google langsam Schritt für Schritt ersetzen. 2019 droht Huawei ein Wettbewerbsverfahren der EU: es sind kaum europäische Bewerber (Ericsson, Nokia) bei den 5G-Ausschreibungen in China zum Zuge gekommen (in 37 von 40 Städten bekam Huawei die Aufträge). 2019 streicht das Unternehmen Jobs in den USA: Forschungseinheit. 2018 hatte Huawei Apple in Europa überholt und war Zweiter hinter Samsung. Nach den Sanktionen der USA (Androit) bricht der Absatz in Europa ein (-1%).  In Shenzhen unterhält Huawei einen Firmencampus mit ca. 40.000 Mitarbeitern. Huawei betreibt seit 2018 in Bonn ein Labor (war mit dem BSI vereinbart) . Das BSI hat unangemeldet Zugang jederzeit. Die Briten haben ein ähnliches Labor bei Oxford. Allerdings gibt es in China ein Gesetz, dass heimische Organisationen verpflichtet, bei Bedarf den Geheimdiensten zuzuarbeiten. Deshalb misstrauen alle Länder. Frankreich gibt nur Teile des Netzes an Huawei. Nach den Snowden - Dokumenten haben bisher nur US-Firmen weltweit Schläfer-Software eingebaut, nicht China.

Microsoft Corporation, Redmond/ Washington: Das Unternehmen hat fast ein Monopol bei PC - Betriebssystemen. Latente Konkurrenten sind das freie System Linux und Android bei Handys. Versuche der Monopolisierung - etwa bei Browsern - werden von den Kartellämtern unterbunden. Überzeugt 2017 mit starken Quartalszahlen. Profitiert vom Cloudcomputing. Microsoft wurde 1975 von Bill Gates und Paul Allen gegründet. Das Unternehmen hat 2017 114.000 Beschäftigte und ist der größte Softwarehersteller der Welt. 2018 bricht das Unternehmen mit der Windows-Ära. KI und Quantencomputer sollen das Cloud-Geschäft expandieren, um mit Amazon mithalten zu können. Microsoft unterstützt mittlerweile auch Linux (mit Azure). 2018 überholt Microsoft Google (Alphabet) wieder im Aktienwert.  Es führt Apple und Facebook liegt an vierter Stelle bei den großen US-Digitalfirmen. 2018 stirbt Mitbegründer Paul Allen mit 65 Jahren (Erfinder des Firmennamens; trieb auch MS-DOS und Word voran). 2018 gibt es einen Gewinnsprung. Im dritten Quartal floriert die Cloud-Sparte und die Büro-Software. Microsoft geht 2019 bei der  Cloud eine Kooperation mit Oracle ein. 2019 sind die Aktien auf Rekordkurs, es gibt einen Gewinnsprung. Mitte 2019 ist das Unternehmen das wertvollste der Welt. Vier-Tage-Woche: Versuche laufen in einigen Ländern. 2019 startet Microsoft einen solchen Arbeitsversuch in Japan. Die Vier-Tage-Woche bringt dort einen höhere Produktivität. Es soll eine Wiederholung geben.

   Bill Gates leitet mittlerweile eine der größten Stiftungen weltweit. Anfang 2019 wird die Suchmaschine Bing von der chinesischen Regierung gesperrt. Betroffen sind auch einzelne VPN-Verbindungen.

Facebook (mit Instagram und Whats App): Facebook ist der unangefochtene Marktführer für geschlossene soziale Netzwerke. Die drei Unternehmen haben auch den Sitz im Sillicon Valley (Menlo Park). Facebook: Zuckerberg startet die erste Website 2004. Es ist ein Netzwerk für Studenten. Die Idee geht auf die Winklevoss - Brüder zurück, die Zuckerburg als Programmierer engagieren. Später gibt es Gerichtsverfahren (Zuckerberg wird als komplett skrupellos geschildert). 2018 kommt der Einstieg in die Partnervermittlung. Nach einer Datenpanne Ende 2018 ermittelt Irland gegen Facebook. Die Vizechefin von Facebook Sheryl Sandberg will 2019 Vertrauen zurückgewinnen: Manipulationen bei der Europawahl sollen verhindert werden. Russland leitet Anfang 2019 ein Verfahren gegen Facebook ein. 2019 kauft Facebook für über 6 Mio. € ein Institut für Wirtschafts-Ethik an der TH München. Wegen fehlender Transparenz im Umgang mit Hasskommentaren muss Facebook im Sommer 2019 ein Millionen-Bußgeld in Deutschland zahlen. Quelle: Bundesamt für Justiz. Im Sommer 2019 muss dei Firma eine Rekordstrafe in den USA zahlen wegen Datenmissbrauch. Dann kommt raus, dass bei Facebook mitgehört wurde. Es geht um Systeme, die menschliche Sprache verstehen. Im Sommer 2019 werfen Twitter und Facebook China vor, in Online-Netzwerken gezielt gegen die Proteste in Hongkong Stimmung zu machen. Sie sperren Nutzerkonten. Im September 2019 kauft Facebook die Firma CtrI-Labs: Steuerung per Gedanken. Facebook will ab 2019 den Wohnungsbau fördern. Es gibt eine Milliardeninvestition in Kalifornien, weil Programmierer aus Not im Reisemobil schlafen. Instagram ist die weltweit führende Plattform zum Teilen von Fotos. Mehr als 500 Jahre war das geschriebene Wort am wichtigsten. Durch Internet und Smartphones werden Wörter langsam durch Bilder verdrängt. Täglich werden in Instagram 80 Mio. Momente festgehalten. Im dritten Quartal macht das Unternehmen einen Gewinnsprung (+166% im Vergleich zum Vorjahreswert).  Ursache sind die Werbeeinahmen. 2016 boomt der Konkurrent Snapchat. Er hat schon 235 Mio. aktive Nutzer (Ende 2016).  Der Aktienwert beträgt Ende 2016 25 Mrd. $. 2015 hat Facebook eine neue Firmenzentrale mit Blick auf die Bucht von San Francisco bezogen. Das ganze Dach ist ein enormes Biohabitat. 2017 hat Facebook fast zwei Milliarden Nutzer (2018 über 2 Mrd.), dazu kommen Whats App und Instagram. Zuckerberg definiert Facebook als Technologieunternehmen. Mit dem Wahlsieg von Trump entsteht eine Diskussion über die politischen Einflüsse. Facebook zeichne eine neue Welt, nämlich wie man sich mit Freunden umgebe und Medien konsumiere. Es geht um Facebook als Quelle der Wahrheit. Mittlerweile gibt es Steigerungen bei den Quartalsgewinnen um 77% (Smartphone-Werbung). Am 18.05.2012 ging das Unternehmen an die Börse. Bundesjustizminister H. Maas bringt im Mai 2017 einen Gesetzentwurf, der Firmen wie Facebook zwingen will, rechtswidrige Inhalte aus ihren Angeboten zu entfernen ("Löschgesetz" mit hohem Bußgeld bei Verstoß). Gegner dieses Gesetzes sehen die Meinungsfreiheit gefährdet. Facebook richtet in Deutschland zwei "Löschzentren" ein (Berlin, Essen). Man arbeitet zusätzlich mit mit selbst lernender Filtersoftware. Facebook liegt auf Platz drei der Digitalkonzerne (2016: 516 Mrd. Dollar Marktwert, Gewinn 10,2). Der gewinn ist 2017 um 56 Prozent gestiegen. 2018 macht Instagram einen Test mit einem "Stand-alone-Messenger". Facebook will 2018 wieder mehr das Private betonen. Der Konzern erleidet 2018 eine Schlappe vor dem deutschen Gericht: Voreinstellungen für seine Dienste müssen verändert werden. Im Februar 2018 kritisiert die EU-Kommission Facebook, weil es EU-Regeln nicht beachte. Im April 2018 warnt auch der Kartellamtschef Facebook. Er sieht aber auch Gefahren durch die Internetfirmen aus China. Im November 2018 wird über Facebook ein 16-jähriges Mädchen im Süd-Sudan versteigert. Wenn das so weiter geht, ist Facebook zum Scheitern verurteilt. Im September 2019 verliert Renate Künast einen Prozess gegen Facebook: Laut Landgericht Berlin sind die drastischen Kommentare zulässige Meinungsäußerung.  Whats App wird täglich von mehr als 1 Milliarde Menschen genutzt. Es enthält keine Werbung. 2018 verlässt Mitbegründer Jan Koum das Unternehmen. Facebook versucht zunehmend, mit Whats App seinen Umsatz zu steigern. 2019 fällt das auf fünf Jahre gegebene Werbeverbot. In irgendeiner Weise wird Werbung eingebaut werden. Im Juni 2018 muss Facebook zugeben, dass Daten mit chinesischen Firmen geteilt wurden (Huawei, Lenovo, TCL). Es gibt im gleichen Monat eine erneute Datenpanne (private Mitteilungen öffentlich sichtbar, 14 Mio. Nutzer). Im Juni 2018 muss der Chef-Stratege und PR-Chef Elliot Schrage gehen (berät den Konzern aber weiter). 2019 schränkt Whatsapp die Weiterleitung ein. Eine schwere Sicherheitslücke wird im Mai 2019 geschlossen (Zugriff des israelischen Geheimdienstes). Der Börsenwert beträgt Ende Oktober 2018 422 Mrd. $. Facebook steckt in der größten Krise seiner Geschichte. Die Nutzerzahlen stagnieren. Politiker wollen den Konzern zerschlagen. Wachstum bringt vor allem Instagram. 2019 will Facebook seine verschiedenen sozialen Netze miteinander verknüpfen. Das erzeugt viel Argwohn. Das Bundeskartellamt will 2019 Nutzern des sozialen Netzwerks Facebook mehr Kontrolle über Informationen geben, die gespeichert werden (nicht automatische Zusammenführung von Facebook, Whats app und Instagram). Roger McNamee, einer der größten Investoren und Mentoren, rechnet in einem Buch 2019 mit Facebook ab: Das Buch heißt "Zucked" und meint, dass Facebook zu mächtig sei und sich nicht um den Schaden kümmere, den es weltweit anrichte. Mitte März 2019 verlässt die Nummer drei von Facebook den Konzern (Chris Cox hinter Mark Zuckerberg und Sheril Sandberg). Er hält nichts von dem Strategiewechsel  (Kommunikation in verschlüsselten Chatdiensten und strikterer Schutz der Privatsphäre; "Ich denke, die Zukunft der Kommunikation verschiebt sich hin zu privaten, verschlüsselten Diensten", Mark Zuckerberg, 2019).  "Move fast and break things" war einst das Firmenmotto. Ein großer Teil der russischen Propaganda im Trump - Wahlkampf lief über Facebook. Das wurde nicht erkannt, obwohl die Russen in Rubel bezahlten. 2017 werden in einer Minute 56.000 Bilder auf Instagram gepostet. Im Frühjahr 2018 soll die Datenplattform Verimi an den Start gehen. Große deutsche Firmen wie Allianz, Springer, Daimler , Deutsche Bank planen eine Konkurrenz zu Facebook. Auch Giesecke + Devrient tritt bei. Anfang 2018 droht das Kartellamt Facebook mit Sanktionen (Missbrauch von Marktmacht). Im März 2018 kommt heraus, dass die britische Firma "Cambridge Analytica" millionenfach (ca. 50 Mio.) auf unzulässige Weise Facebook - Profile benutzt hat, um in Wahlkämpfe einzugreifen, auch in den US-Wahlkampf. Wegen des gigantischen Datenmissbrauchs gerät Facebook unter politischen Druck. Investoren ziehen sich zurück. Eine Klagewelle droht. Der Aktienkurs bricht ein. Die Existenz des Unternehmens, zumindest das Geschäftsmodell, steht auf dem Spiel. Zuckerberg entschuldigt sich in einem Interview mit CNN. Die Aufsichtsbehörden in GB und den USA untersuchen den Fall. Der Chef von Cambridge Analytica Alexander Nix wird suspendiert. "Move fast and break things", Facebook. Der Film zu Facebook heißt "The Social Network" (2010). Die Hälfte aller deutschen Nutzer erwägen einen Austritt. Konkret verlässt Tesla die Plattform. Im April 2018 stellt sich heraus, dass der Datenskandal größere Dimensionen hat. Die Daten von 87 Mio. Nutzern seien unzulässig verwendet worden. 2018 dürfte der Anteil von Facebook am digitalen Werbemarkt erstmals sinken. Im April 2018 muss sich Zuckerberg Anhörungen im Senat und Kongress der USA stellen. Er entschuldigt sich mehrmals, räumte Fehler ein und gelobte Besserung. trotz der Krise steigt die Anzahl der Nutzer auf 2,2 Milliarden. Der Gewinn stieg im ersten Quartal 2018 sogar um 63%. Zuckerberg will 2018 zu einer Anhörung vor dem EU-Parlament kommen. Es geht um den Datenmissbrauch in seinem Unternehmen. Im Sommer 2018 verliert Zuckerberg viele Milliarden durch einen Einbruch der Facebook-Aktie. Am 28.09.18 gibt es einen großen Hacker-Angriff auf Facebook. 50 Mio. Konten des sozialen Netzwerks sind betroffen. Es wurden auch digitale Schlüssel gestohlen (Token). Die Sicherheitslücke konnte einen Tag später geschlossen werden. In Deutschland häufen sich Vorschläge, den Konzern wegen zu großer Marktmacht zu zerschlagen. Der Aktienwert sinkt Ende 2018. Im März 2019 kommt heraus, dass Millionen Passwörter für Mitarbeiter lesbar waren.

Alternativen zu Facebook:1. Die beruflichen Netzwerke (Xing, LnikedIN). 2. Human Connection (ohne Werbung, Plattform für gute Zwecke, lebt von Spenden, gemeinnützig). 3. Ello (Künstlernetzwerk). 4. Vero (Alternative zu Instagram). 5. Diaspora (verteiltes System, Vielzahl von Server). Der Markt der Messenger-Dienste ist in Bewegung. Hinzu kommen noch Threema, Viber und Skype. In China ist Facebook gesperrt.

Alternativen zu WhatsApp: Telegram, Threema, Signal, Viber, Wire, Hoccer, Wickr, Ginlo/ Simsme.

Tencent: Shenzhen. Wertvollster Konzern in China 2016; IT-Riese; Internet, soziale Netzwerke; WeChat; E-Commerce; Bezahlsysteme; Online-Spiele; seit 1998; Gründer M. Huateng; Chef heute Pony Ma (auch einer der Gründer); steigt 2017 mit 5% bei Tesla/ USA ein; strebt 2017 auf den deutschen Markt. Im Februar 2018 504 Mrd. $ Marktkapitalisierung. Am ehesten mit Facebook vergleichbar. Nach einer Studie von Amnesty International liegt Tencent beim Schutz der Privatsphäre auf dem letzten Platz. Das verschafft dem Unternehmen Vorteile in China, vor allem gegenüber der Regierung, aber Nachteile bei globalen Ambitionen. Niemand wird dem Unternehmen vertrauen. Das Maskottchen von Tencent ist der Pinguin. China hat 2018 750 Millionen Internetnutzer. Tencent hatte 2017 einen Umsatz von 22,9 Mrd. US-Dollar, einen Gewinn von 6,2 und gibt 1,8 für Forschung aus. Tencent ist mittlerweile die Macht beim Online - Gaming. Immer wichtiger werden neben Social Media die Finanzdienstleistungen

WeChat ist das wichtigste Produkt (erfunden von Ma Huateng; App, mit der 1 Mrd. Menschen telefonieren, Nachrichten senden, Essen bestellen, Stromrechnungen zahlen, Behördengänge erledigen, Bewerbungen). Baut ab 2018 seine Datenspeicher in der Provinz Guizhou, geschützt im Gestein. 6,1 Milliarden Sprachnachrichten verarbeitet WeChat täglich. Der Börsenwert beträgt Ende Oktober 2018  335 Mrd. $. Das Unternehmen gehört zu Tencent.

Twitter: Kurznachrichtendienst. Gerät 2017 und 2018 in die Schlagzeilen, weil der US-Präsident regelmäßig seine Nachrichten über Twitter verkündet. 2018 sinkt die Nutzerzahl stark. In der Folge stürzt die Aktie ein. Der Gewinn ist relativ niedrig oder gar nicht da. Chef ist 2018 Jack Dorsey. Russland leitet 2019 ein Verfahren gegen Twitter ein. China sperrt Twitter. 2018 gibt es ein Umsatzplus trotz Nutzerschwund. Im September 2019 wird das Nutzerkonto von Twitter-Chef und -Gründer Jack Dorsey gehackt. Der Fehler lag beim Mobilfunk-Anbieter (Zwei-Faktor-Authentifizierung).

Weibu: Chinesischer Kurznachrichtendienst. 2018 sollen homosexuelle Inhalte verbannt werden. Seit 1997 ist Homosexualität in China straffrei. Oasis, eine Tochter, ist ein heißes Eisen im Feuer. Sie funktioniert ähnlich wie Instagram.

Slack: Messenger-Dienste für Firmen. Konkurrenz zu Emails. Gründer und Chef ist Steward Butterfield. Geschätzter Wert 10 Milliarden Dollar.

NetEase: 1999 von William Ding gegründet. Bietet hauptsächlich Internetspiele an.

Uber: Ist 2016 das wertvollste Start-up der Welt.  Es ist eine Plattform für Mobilität, die von Daten statt Benzin angetrieben wird. Es ist eine Revolution auf dem Taximarkt. Mittlerweile ist Uber auch ein  Global Player, der stark in Indien und China expandiert. 2016 beträgt der Marktwert 62,5 Mrd. $ (Chinesische Konzerne, Staatsfond Saudi-Arabien, Toyota). Uber transportiert Personen, Essen und Güter. In Pittsburgh hat das Unternehmen 50 Robotterspezialisten angeheuert, die an selbst fahrenden Taxis und Lieferwagen forschen. Noch wichtigstes Feld ist der Taxiservice. 2017 kriselt das Unternehmen an allen Ecken. Das Geschäftsmodell stimmt nicht mehr. Besonders ein "moralischer Kompass" wird vermisst (sexuelle Belästigungen, aggressive Firmenkultur). Uber - Chef Travis Kalanick nimmt eine Auszeit (hält nur noch 10% Anteile). Die Investoren streiten, auch über den neuen Chef. Im November 2017 kommt raus, dass Uber 2016 einen Datendiebstahl verheimlicht hat (57 Mio. Kunden betroffen). Ende 2017 steigt der japanische Technologie-Konzern Softbank bei Uber ein. Uber-Chef Dara Khosrowshahi will bis 2020 Prototypen von Flugtaxis einsetzen. Der Börsenwert liegt Mitte 2018 bei 72 Milliarden Dollar, Ende Oktober 2018 bei 76 Mrd. $. Toyota entwickelt ab 2018 zusammen mit Uber Roboterautos. Uber will ab 2019 wieder autonom fahrende Autos testen (Antrag in Pennsylvania). Bundesverkehrsminister Scheuer will Ende 2018 Uber fürs flache Land, wo Taxis fehlen, öffnen. In Spanien, insbesondere in den Großstädten Madrid und Barcelona, kommt es 2019 zu einem Taxikrieg wegen der Konkurrenz von Uber. 2019 steckt Uber in der Krise. Die Konzern hofft auf Robottaxis. Es könnte eine Illusion sein.   2016 hat das Unternehmen einen Verlust von 2,8 Mrd. Dollar eingefahren. Ende 2017 verbietet der EuGH private Uber-Fahrer. 2018 findet ein Krieg auf Istanbuls Straßen statt zwischen Uber-Fahrern und Taxifahrern. Im August 2018 deckelt New York die Anzahl der Lizenzen für Fahrdienste von Uber (Verkehrskollaps, Lohndumping). 2018 gerät Uber immer tiefer in die Verlustzone. Das US-Unternehmen will 2019 an die Börse gehen. Der Marktwert dürfte bei 70 Mrd. Dollar liegen. Der Quartalsverlust im 1. Quartal 2019 beträgt 1 Milliarde Dollar.

Didi Chuxing, (Uber von China; Geldgeber sind Alibaba und Tencent; hat 2016 Uber China übernommen; weitere Investoren sind Apple, Softbank und Uber). Das Unternehmen ist Nummer eins unter den Ride-Sharing-Plattformen in China. 2017 vermittelte Didi 7,43 Milliarden Fahrten (30 Mio. Fahrten täglich). Nach dem Mord an einer Passagierin verschärft das Verkehrsministerium die Aufsicht.

Lyft: Fahrdienstleister. Er will 2019 an die Börse. 2018 hat sich der Umsatz auf 2 Milliarden Dollar verdoppelt. Aber auch der Verlust liegt bei 911 Millionen.

Airbnb: Onlineplattform für Übernachtungen. Vermittlungen für Privatunterkünfte. "Belong anywhere". 2017 bietet Airbnb schon weltweit drei Millionen Übernachtungsmöglichkeiten an. Es gab erstmals einen Gewinn. 2028 sind eine Milliarde Übernachtungen pro Jahr angestrebt. Es entwickelt sich zu einem Tourismusriesen. Der Co-Gründer Nathan Blecharcyk will das Unternehmen eventuell an die Börse bringen (ab 2019?). Es soll auch Angebote für Geschäftsreisende geben. Die Hälfte seines Privatvermögens will er ab 2018 spenden (über die Kampagne "The Giving Pledge"). In Deutschland ist die Vermietung oft illegal, weil Steuerhinterziehung. Der Staat will gegen die Boombranche vorgehen. Am meisten nehmen die Vermieter 2017 in Berlin (143 Mio. €), München (60,9 Mio. €) und Hamburg (54,4) ein. 2018 erweitert Airbnb sein Angebot. Das Portal bietet auch Kurse und Entdeckungen an. Die Städte Berlin und Hamburg wollen gegen Airbnb-Vermieter vorgehen, die ihre Einkünfte nicht versteuern. Der Börsenwert beträgt Ende Oktober 2018 31 Mrd. $.Im Dezember 2018 siegt die Stadt München vor Gericht gegen Airbnb. Die Stadt muss informiert werden, wenn Wohnräume länger als acht Wochen über die Plattform vermietet werden. Das Urteil könnte Signalwirkung für andere Städte haben. "Airbnb muss verpflichtet werden, Daten an das Bundeszentralamt für Steuern zu übermitteln", Fabio De Masi, Finanzpolitischer Sprecher Die Linke.

Dropbox: Cloud-Service. 2007 von Drew Houston gegründet. 2016 10 Mrd. US-Dollar wert. Jetzt steht mehr die Kollaborationsplattform im Vordergrund. Mittlerweile hat das Unternehmen eine Private Cloud. Die Schaltzentrale ist in San Francisco (gegründet wurde das Unternehmen im Silicon Valley). 2018 ist der Börsengang geplant. Es werden 18 bis 20 Dollar pro Anteilsschein erwartet (Quelle: US-Börsenaufsicht SEC). 

Palantir: Das Unternehmen wertet große Datenmengen aus. Es arbeitet mit Regierungen zusammen. Vorstandschef 2019 ist Alex Karp (promovierte Philosoph und Jurist; ist im Aufsichtsrat von Axel Springer). Investor ist auch der Deutsche Peter Thiel. Geschätzter Wert 41 Milliarden Dollar.

Amazon, Seattle: Gründer und Chef ist Jeff Bezos (1994 in einer Garage als Online-Buchversand). Er war vorher Vizepräsident der Investmentbank D. E. Shaw & Co. Er führt das Unternehmen in permanenter Revolution. Er strebt die Alleinherrschaft als Online-Handelsplattform an. Er will möglichst viel selber machen. Motto ist: Der Kunde ist König. Der Mitarbeiter Diener. Im Backoffice sind ungeheuer viele Daten, die ausgewertet werden. Heute versteht sich Amazon als Innovationsunternehmen mit vielen verschiedenen Geschäftsfeldern. Deutschland ist nach den USA der zweitwichtigste Markt (seit 1998). 2016 hat das Unternehmen 230.000 Beschäftigte mit 100 Mrd. € Jahresumsatz. 2015 verkauft das Unternehmen über seine Plattform in Deutschland Waren im Wert von 19,4 Mrd. € (22% mehr als ein Jahr zuvor). Damit führt Amazon deutlich im Online-Handel. 2016 meldet Amazon ein Patent auf fliegende Warenhäuser an (Luftschiffe, von denen Drohnen für die Lieferung vom Himmel schweben). 2017 steigt Amazon in den USA in den stationären Handel ein. Es kommt im April 2017 Amazon Fresh (frische Lebensmittel). Zunehmend führt Amazon Eigenlabel ein (z. B. Damenunterwäsche). 2018 ist eine Krankenversicherung geplant. Zu Beginn 2018 sind 566.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigt. MBA-Absolventen erhalten im ersten Jahr schon 173.000 Euro. Massenhaft werden 2018 MBA-Absolventen eingestellt. Amazon ist mittlerweile der führende Cloud-Anbieter. Die Cloud-Nutzung ist relativ einfach, der Wechsel schwer. Bei den Kunden herrscht Angst vor der NSA. Amazon erhöht 2018 die Zahl der Abholstationen stark (auf rund 400, Amazon Locker). Nachdem Amazon stark den Handel beherrscht ("everything store"), dringt der Konzern ab 2018 in das Geschäftsfeld der Post ein. Im Englischen gibt es die Redewendung "to be amazoned" (amazonisiert). Zunehmend gibt es Konflikte zwischen Markenherstellern und Amazon (DM, basic, Birkenstock, NewYorker). EU-Wettbewerbskommissarin Vestager hat Amazon im Visier. Amazon zeigt Schwächen: Mangelhafte Markenbindung, Premiumflaute, Konkurrenz aus China, Regulatorische Risiken, Image. Der Börsenwert beträgt Ende Oktober 2018 812 Mrd. $. Im November 2018 gibt Amazon bekannt, weiter stark wachsen zu wollen. Es werden zwei neue Sitze eingerichtet: New York und Virginia. Die Kartellbehörden beäugen Amazon argwöhnisch; Ende 2018 geht es mit dem Aktienwert nach unten. Weltweit arbeiten Ende 2018 613.000 Menschen für das Unternehmen. Die Scheidung von Jeff Bezos von MacKenzie nach 25 Jahren macht die Amazon-Investoren nervös. Zum Vermögen gehört auch eine 16%-Beteiligung. Seit 2018 hat das Unternehmen ein Logistikzentrum in Frankenthal. Anfang 2019 ist Amazon die wertvollste Marke der Welt (188 Mrd. Dollar) vor Apple und Google (Quelle: Brand Finance Ranking). Es kommt zu einem Krieg zwischen Jeff Bezos und dem US-Klatschblatt "National Enquirer" (Chef Pecker ist einglühender Anhänger von Trump). Es geht um Nackfotos von Bezos mit seiner Geliebten. Man vermutet Saudi-Arabien dahinter (Bezos gehört die Washington Post). Die New Yorker wollen 2019 nicht, dass Amazon ein Hauptquartier in ihrer Stadt baut. Das Auftreten des Konzerns erzeugt Ärger. 2019 im Herbst will Amazon mit Drohnenlieferungen beginnen (Prime Air Service). Wahrscheinlich startet der Service in GB. Parallel werden in Seattle kleine Lieferroboter getestet, die auf Gehwegen fahren. Die US-Zeitung "Washington Post" ist in Privatbesitz von Jeff Bezos. Sie greift immer wieder Trump an, der deshalb Amazon sehr kritisch gegenüber steht. Mit dem "Project Zero" will Amazon ab 2019 die Zahl gefälschter Produkte reduzieren. Seit dem Start konnten schon 65 Mil verdächtige Produkte gestoppt werden. Häufigstes Herkunftsland ist China, häufigstes Produkt sind Schuhe. 2019 macht sich Amazon immer unabhängiger von Logistikpartnern. Zunehmend kommen eigene Amazon - Dienste zum Einsatz. Die Firma betreibt ein Logistikimperium mit eigenen Lieferdiensten, es gibt auch einen Online-Werbedienst. Hinzu kommen Cloud-Dienste und als Kern der Online-Handel. Amazon gehört zu den am schnellsten wachsenden Konzernen der Welt. In der Kritik steht regelmäßig die Steuervermeidung und die Arbeitsbedingungen in den Lagerhallen. 2017 wurde die weltweit größte Biosupermarktkette Wholefoods übernommen. Zunehmend Problem gibt es am Hauptstandort Seattle. Hier arbeiten 50.000 B.   Im Mai 1997 ging Amazon an die Börse. Wer damals Aktien im Werte von 1000,- $ kaufte ist heute im Mai 2017, also 20 Jahre später, um 640.000 $ reicher. 2016 ist Amazon 570 Mrd. Dollar wert (Gewinn 2,4). Mitt Amazon Alexa for Business hat die Firma ein Assistenzsystem für Telefonanlagen in Firmen entwickelt, was ab 2018 auch in Deutschland eingeführt werden soll (bisher nur USA). Amazon hat 2018 einen Anteil von 46% am Online-Handel in Deutschland. Im ersten Quartal 2018 steigt der Umsatz um 43%, der Gewinn verdoppelt sich (1,63 Milliarden Dollar). Jeff Bezos ist 2018 der reichste Mann der Welt. Internethandel und IT - Dienste florieren. Bloomberg meldet im Oktober 2018, dass man chinesische Spionagechips bei Amazon (und auch Apple) entdeckt habe. Der Aktienwert reagiert sofort. Die Firmen dementieren. Die Anleger sind wohl auch über den Gewinn enttäuscht. Eine Verzehnfachung im Quartal ist einigen noch zu wenig?! Ende 2018 gerät Anazon ins Visier des deutschen Kartellamtes. Nach Händlerbeschwerden wird ein Missbrauchsverfahren eingeleitet. Ende 2018 im Weihnachtsgeschäft ruft Verdi zum Streik bei Amazon in Deutschland auf (Streitpunkt: Amazon bezahlt nach Logistiklöhnen, nicht nach Einzelhandel).

Ebay: Zweiter US-Online-Handelskonzern. Das Grundprinzip sind Auktionen. Im Oktober 2018 verklagt Ebay Amazon wegen illegalen Abwerbens von Verkäufern. Illegal sollten hunderte von Top-Verkäufern abgeworben werden. Ebay kaufte 2002 PayPal für 1,5 Milliarden Dollar.

Alibaba: China; Jack Ma, Börsengang in Hongkong im Nov. 2007; 25,6 Mrd. $; Börsengang in New York September 2014: höchstes Emissionsvolumen mit 25 Mrd. US-$; besteht aus 25 Sparten: z.B. Taobao,Tmall, Juhuasuan, AliFinance, AliExpress; begann als Kontaktbörse zwischen KMU aus China und dem Westen; Yahoo hat Beteiligung; 2017 beginnt eine Expansion ins Ausland, vor allem in die USA; das Bezahlsystem Alipay nun auch in Deutschland aktiv; strebt 2017 auf den deutschen Markt. 2018 ist der Konzern schon 500 Milliarden US-Dollar wert (Marktkapitalisierung an der Börse in New York). Alibaba ist eine Handelsplattform und mit Amazon vergleichbar. Konkurrent in China ist JD.com. Der Umsatz liegt 2017 bei 23,5 Mrd. US-Dollar, der Gewinn bei 6,5. Das Unternehmen gibt 2,5 Mrd. Dollar für Forschung & Entwicklung aus. Mittlerweile ist Alibaba 2018 das zweitgrößte E-Commerce-Unternehmen der Welt. Es betreibt auch die Plattformen Taobao und Tmall. 2018 regelt Jack Ma seine Nachfolge. Vorstandsvorsitzender wird Daniel Zhang. 2018 hat Alibaba einen Jahresumsatz von 40 Milliarden Dollar und 85.0000 Beschäftigte. Die versprochene eine Million Jobs kann Alibaba 2018 in den USA nicht schaffen. Die Handelspolitik der USA ist dazwischen gekommen. Ende Oktober 2018 beträgt der Börsenwert 362 Mrd. $. Die Plattform will zunehmend auch Marken anbieten. Luxusgüter kommen immer mehr ins Angebot. China ist der größte Luxusgütermarkt der Welt. Jack Ma ist Mitglied der KPC (unbekannt wie lange schon). Er ist 2018 der reichste Mann in China. Als größte Vorzüge von Amazon gelten folgende Merkmale: Kundennah, schnell, omnipräsent. Alibaba testet 2019 Roboter-Hotels. Das erste Hotel wird in Hangzhou betrieben (Gesichtserkennung, Roboter im Restaurant). 2019 baut Alibaba seine Logistik in Deutschland aus. Das EU-Zentrum ist in Belgien.  Nach New York will das Unternehmen einen zweiten Börsengang in Hongkong Ende 2019 machen (12,5 Mrd. $; Wunsch der chinesischen Regierung; wegen der Proteste verschoben). "Es ist schon komisch. Da leite ich eines der größten E-Commerce-Unternehmen in China, vielleicht sogar der Welt, aber ich verstehe nichts von Computern. Das Einzige, was ich kann, ist E-Mails senden und im Internet herumsurfen", Jack Ma. Am 11. November 2017 erzielte Alibaba an einem einzigen Tag 25 Mrd. Dollar Umsatz. Trotzdem ist der Umsatz 2018 geringer als gedacht. Alibaba hat den Tag der Singles (11.11.) aus Marketing-Gründen erfunden. Mittlerweile ist das der weltweit größte Online-Shopping-Tag. Alibaba sammelt dabei fleißig Daten über seine Kunden, wie auch Amazon. Dies e Daten verkauft Alibaba mittlerweile an Konsumgüterhersteller (z. B. Pepsi). Alibaba betreibt auch Kameras in realen Geschäften. Deutschland-Chef 2018 ist Ralf Kleber.

Ant Financial: Alibaba-Tochter, zu der das mobile Bezahlsystem Alipay gehört. Es ist das teuerste Finanztechnologie-Unternehmen der Welt 82018 höher bewertet als Goldman Sachs). Es hat 870 Mio. User jährlich.

JD.com: Alibaba - Rivale und Nummer zwei unter den B2B-Anbietern im chinesischen E-Commerce-Netz. Der Wert des Unternehmens beträgt 2018 46,84 Mrd. US-Dollar. 90 Prozent der Waren stellt JD.com noch am selben oder nächsten Tag zu. Der Chef wird 2018 verhaftet und muss einige Tage im Gefängnis verbringen (sexuelle Verfehlungen). 2019 steigt der Aktienkurs um knapp 50%. Das Unternehmen hat auch eigene Warenlager und ist nicht nur eine Plattform. Es ist also auch Händler. Deshalb galt das Unternehmen auch lange Zeit als die chinesische Antwort auf Amazon. JD konzentriert sich auf E - Commerce. Die Zahl der Kunden in den kleineren Millionenstädten stieg 2019 um 60% im Vergleich zum Vorjahr. Mittlerweile wird noch die Plattform Jingxi betrieben.

Pinduoduo: Das Unternehmen hat seit seiner Gründung 2015 einen rasanten Aufstieg erlebt. Der Börsenwert liegt manchmal höher als der von JD. Geschäftsbasis ist die Verknüpfung von Shopping und Social Media. Noch schreibt die Firma Verluste. Eingekauft wird in Gruppen, je mehr Käufer, desto niedriger der Preis.

Meituan, Peking (Gründung 2010, von Wang Xing; Lieferservice, Konsumgüter, Einzelhandel)

ByteDance, Peking (Gründung 2012; Gründer Zhang Yiming; Content-Plattformen)

YY: Verbreitung und Monetarisierung von Lifevideos in China. Der Konzern wurde 2005 gegründet. Es ist auch der Streaming-Dienst Huya hervorgegangen.

Media-Markt/ Saturn (Ceconomy): Einkauf, Datenanalyse werden mit dem französischen Wettbewerber Fnac gebündelt, um gegen Amazon und Alibaba in Europa bestehen zu können.

 Otto Group GmbH & Co. KG, Hamburg (gegr. 1949; Handel, auch Online; 123 Unternehmen in 30 Ländern; z. B. About you, Sportscheck; über 50.000 B. weltweit; Vorstandschef 2018 Alexander Birken; will wie Amazon auch kassenlose Läden in Innenstädten; führt einen Kulturwandel im Unternehmen durch. Im Mai 2019 Attacke gegen Amazon wegen zu niedriger Steuerzahlungen in der EU. Otto ist in Deutschland die Nummer 2 im Versandhandel hinter Amazon. Ca. 13 Mrd. € Umsatz. Holt zunehmend mit seiner Plattform auf. Könnte eine echte deutsche Alternative zum übermächtigen Amazon sein. Für 2019 wird ein Umsatzwachstum von 8%  angestrebt. Das wäre das neunte Wachstumsjahr in Folge.

Netflix ("Net" von Internet und "flicks" steht umgangssprachlich für Filme): Gründung August 1997. Gründer Reed Hastings. 1999 Flatrate. 2002 Börsengang mit 15 Dollar pro Aktie. Seit 2007 Streaming (Video). Seit 2013 gibt es eigene Inhalte. 2016 ist Netflix in allen Ländern außer Nordkorea, Syrien und die Krim. Seit 2014 gibt es Netflix in Deutschland. Weltweit hat Netflix 118 Mio. Abonnenten (gewann im letzten Quartal 2017 allein 8 Mio.). Starkes Wachstum und Steigerung des Gewinns 2017. 2018 gibt es sieben Millionen neue Kunden. Das Unternehmen ist weiter auf dem Wachstumspfad. Allerdings bricht der Aktienkurs Ende 2018 ein. Es gibt immer mehr Konkurrenz (Amazon, Apple, Walt Disney). 2019 wachsen die Schulden, die Rendite ist schwach. Höhere Abogebühren bremsen den Kundenzuwachs. In den USA sinkt sogar die Zahl der Mitglieder.

Pinterest: Soziales Netzwerk, 250 Mio. aktive Nutzer (2019). Pinwände mit Fotos. Verdient Geld mit Werbung und Shopping-Funktion. Mitbegründer und Chef ist Ben Silbermann. Das unternehmen wurde 2010 gegründet. Geschätzter Wert 2019 12 Milliarden Dollar. Das Unternehmen will 2019 an die Börse.

Spotify: Musikstreamingdienst aus Schweden. 2018 weltweit 70 Mio. zahlende Abonnenten. Es drohen Milliardenklagen wegen Urheberrechtsverletzung. Der Börsengang wird vorbereitet. Spotify und Tencent aus China rücken 2018 näher zusammen. Spotify geht im April 2018 an die Börse (Direct Public Offering; Referenzpreis 132 Dollar). Der Marktführer schreibt seit Jahren rote Zahlen. Die Investoren lieben aber das Milliardengrab. Mitbegründer des Streaming - Dienstes ist der Schwede Daniel Ek. Zunehmend dringen Konkurrenten auf den Markt (amazonmusic, MUSIC/ Apple, DEEZER). 2019 legt sich der Streamingdienst mit Apple an. Er bringt eine Beschwerde gegen Apple bei der EU-Kommission vor. Es geht um die Gebühren im App-Store. Die Produkte der Konkurrenz werden benachteiligt.

Tinder, Los Angeles/ USA (Mobile Dating App, Partnersuche, Soziales Netzwerk; 2012 gegründet; mittlerweile in 190 Ländern, gehört zum US-Konzern Match Group, EU-Filiale in Deutschland).

Momo: Ist Chinas führende Dating-App. Hat Tantan übernommen. Ist jetzt die chinesische Ausgabe von Match Group (Tinder). Verdient Geld durch die Vermarktung von Livevideos.

Wikipedia: Das größte Lexikon der Welt. Es ist im Internet frei und werbefrei zugänglich. Wikipedia gibt es in über 300 Sprachen. Das Peer-to-Peer-Netzwerk wurde 2001 von Jimmy Wales, einem ehemaligen Investment-Banker gegründet. Es gehört zu den weltweit Top - Ten der meistbesuchten Websites. Die Finanzierung erfolgt über Spenden. Darunter sind auch große Unternehmensstiftungen (Apple, Google, Microsoft). Es gibt häufiger Streitfälle.

IBM: "Dinosaurier" der IT. Das Unternehmen schrumpft sich seit Jahren gesund. Vorzeigeprojekt ist die KI-Plattform Watson. Daneben gibt es IBM Cloud, IBM Security, IBM Systems, IBM Research. Die Cloud-Dienst sorgen 2018 für einen Schub. Ende 2018 kauft IBM Red Hat. Das ist ein Softwarespezialist. Es ist der größte Zukauf in der 107-jährigen Firmengeschichte (29,8 Mrd. Euro). Red Hat wurde 1993 gegründet und bietet eine Version des offenen Betriebssystems Linux an. Damit wird IBM die Nummer eins unter den Anbietern im hybriden Cloud-Sektor. IBM zahlt 33 Mrd. Dollar. IBM will den Vorsprung von Amazon und Microsoft aufholen und vom Trend zur Hybrid-Cloud proditieren. Viele IT - Unternehmensgründer kommen von IBM. So auch die Gründer der SAP in Deutschland.

Hewlett & Packard (HP) Inc., Wilmington/ Delaware, Zentrale in Palo Alto: Von Bill Hewlett und David Packard 1939 gegründet. Technologiefirma. Computer, PC, Drucker. Seit 1959 auch in Deutschland. Ca. 50.000 Beschäftigte. 2019 macht der Drucker- und Kopierer-Spezialist Xerox ein Übernahmeangebot. HP lässt ihn abblitzen.

Unisys Corporation, Blue Bell/ Pennsylvania (Gründung 1986; Filiale in Hattersheim/ Main; Information Dienstleister, früher auch Hardware; Umsatz 3,015 Mrd. USD; hatte mal eine Konkurrenzprodukt zu SAP, das ursprünglich erfolgreicher war; lehnte Kooperation ab)

Dell Technologies, Round Rock/ Texas: Computer und Speichersysteme; Gründer Michael Dell 1984; noch CEO. Hat sich 2013 von der Börse zurückgezogen. Will 2018 wieder zurückkehren bzw. fusionieren. 2016 wurde schon der Speicherspezialist EMC gekauft, was zu Schulden geführt hatte. Mit einem Börsengang könnte frisches Geld beschafft werden. 

Qualcomm: US-Chipgigant. Darf 2018 nicht durch den Rivalen Broadcom aus Singapur übernommen werden. Trump begründet sein Veto mit  der nationalen Sicherheit.

Nintendo: Kyoto,Japan Computerspiele (Präsident Saturo Iwata stirbt 2015 mit 55 Jahren; prägend war das von Shigeru Miyamoto, dem wichtigsten Videospielentwickler der Geschichte,  erfundene Videospiel Super Mario Bros.; Nintendo hat in Deutschland eine Filiale in Frankfurt)

Softbank: Masayoshi Son; Minato/ Tokio (seit 1981; Telekommunikation und Kabelnetze; kauft 2016 den britischen Chiphersteller ARM/ 95% der Prozessoren für Smartphones, Mehrheitseigner  des Mobilfunkanbieters Sprint in den USA; plant eine Gegenoffensive gegen das Silicon Valley; gründet 2016 mit Saudi-Arabien einen Technologiefonds; Son ist ein guter Freund von Trump; er will Arbeitsplätze in den USA schaffen; der Konzern steigt Ende 2017 bei Uber ein). Der japanische Konzern kauft sich in hohem Tempo in Mobilitätsketten ein (automobiles Netzwerk von morgen). Das Roboterauto besteht aus den Elementen Fahrdienste, Prozessorhersteller, Navigation, Big Data, Dienstleistung. Softbank ist 2018 der größte Investor in KI: Zahl der Finanzierungen 524, davon Risikokapital 449. Das Investitionsvolumen liegt bei 175 Mrd. $. Die größten Projekte sind Uber, WeWork, Didi Chuxing. Der Absturz von WeWork, an dem man beteiligt ist, und Uber schadet auch dem Ansehen von Softbank. Das Reise-Start-up Getyourguide soll jetzt zur Weltfirma wachsen)   "Man soll sich an mich erinnern als den verrückten Typen, der auf die Zukunft wettete", Masayoshi Son. Ebenso von ihm folgender Spruch: "Die augen eines Gründers müssen leuchten, der Geschäftsplan kommt an zweiter Stelle".

Sony: Japan. Founder Masaru Ibuka und Akio Morita 1908-1997, Transistor Licence from Bell. 2017 wird ein Rekordgewinn durch das Musikgeschäft erzielt. Insgesamt findet sich der Konzern aber in einem langsamen Abstieg. Er versucht, mit alten Technologien neue Märkte zu erobern. Ein gutes Beispiel ist die Fototechnik. "Für einen etablierten Konzern wie unseren ist es nicht einfach, in den Start-up-Modus zu schalten und Märkte zu erobern, in denen wir bisher nicht mehr als ein kleiner Angreifer sind", Kenichiro Yoshida, Vorstandschef von Sony 2018.

SAP Deutschland SE & Co. KG, Walldorf Software, Betriebwirtschaftliche Lösungen; 2007 neuer Anlauf: billiges, schnelles Produkt von der Stange für KMU, auch Mietsoftware, "Business by Design"; 2014 wird für KMU die Geschäftseinheit SMB Solutions Group gegründet; die Gründer unterstützen über Stiftungen Neugründungen; 2014 Abbau von1500 Stellen weltweit; Übernahme des Reisekostenexperten Concur; Cloud-Nutzer 50 Mio.; 2016 7200 Mitarbeiter mehr, +7% Umsatz; 2017 Zorn über den Aufsichtsrat und das Gehalt des CEO; Focus kostet 1000 Jobs weltweit; im September 2017 Übernahme von Gigya in den USA: Kunden-Informationen-Software; im Herbst 2017 Korruptionsvorwürfe in Südafrika, in denen die US-Justiz ermittelt; im November 2017 verkauft Hasso Plattner ein großes Aktienpaket. SAP will 2018 profitabler werden. Marketing und Vertrieb werden gestrafft. Von den 45 Rechenzentren weltweit sollen bis Ende 2018 18 vom Netz gehen. Daten werden in die Cloud verlagert. 2018 weiten die SAP und Alibaba ihre Partnerschaft aus. 2018 kommt eine Kartellbeschwerde wegen der Lizenzpolitik (von Voice, dem Bundesverband der IT-Anwender). Ende 2018 wird die Plattform für Marktforschung in Echtzeit  Qualtrics gekauft (für 7,1 Mrd. €). Ende Januar verkündet der SAP-Chef Bill McDermott ein Restrukturierungsprogramm: 4500 Stellen sollen weltweit gestrichen werden. Deutschland trifft es überproportional: 1500 Stellen sollen wegfallen. Man plant ein Freiwilligen- und Vorruhestandsprogramm für 950 Mio. €. Im April 2019 steigt der umstrittene US-Finanzinvestor Elliot mit 1,2 Mrd. Euro ein.  2018 soll die Google - Managerin Diane Greene, eine Cloud-Spezialistin, in den Aufsichtsrat geholt werden. 2018 macht die SAP erstmals mit dem Mietmodell (Cloud) mehr Umsatz als mit traditioneller Software.

Software AG: Zweitgrößter deutscher Software-Anbieter. Die Firma ist führend bei Plattformen für das Internet der Dinge. Sanjay Brahmawar wird 2019 neuer Vorstandschef. Man will den Abstand zur SAP verringern. Man betreibt ein Joint Venture namens Adamos mit den mittelständischen Firmen Dürr, Zeiss, ASM PT und DMG Mori. Ziel ist eine IoT - Plattform für den Maschinenbau. 2017 wurde das Start up Cumulocity übernommen. Gründer war Bernd Gross. Es handelt sich um eine cloudbasierte Plattform für das Internet der Dinge. 2019 wird die Multifunktions- iPAAS-Plattform vorgestellt. Sie heißt Web-Methods.io. Ein Set von 300 Konnektoren zur Integration von Apps, Daten, APIs, B2B und IoT-Geräten steht zur Verfügung.

Siemens AG, München (seit 1847, ursprünglich in Berlin/ Telegraphenbauanstalt; drei Brüder; mit Seekabeln verbinden sie die Kontinente;  Technologie, Medizintechnik, Infrastruktur, übernimmt 2016 Mentor Graphics/ USA; will zu einem digitalen Unternehmen werden; bereits 1872 Pensions-, Witwen- und Waisenkasse; Siemens Stiftung, in der noch Familienmitglieder sind; Brüder gründeten die Geschäfte in Russland und Großbritannien; erfindet 1866 die Dynamomaschine; Start-up-Offensive "Next 47"; ab 2017 Umbaupläne bei Medizin- und Bahntechnik; 1700 Stellen sollen in Deutschland wegfallen; 2017 Embargo-Streit um Turbinen auf der Krim-Halbinsel; 2018 Fusion in der Bahntechnik mit dem französischen Konzern Alstom, es entsteht zweitgrößtes Bahntechnikunternehmen nach CRRC aus China). Aufgrund der Umstrukturierung sollen 2018 zwei Werke in Deutschland geschlossen werden. Seit 170 Jahren muss sich Siemens ständig neu erfinden; heutige Sparten: Power und Gas, Energy Management, Mobility, Digital Factory, Healthineers; bei Gasturbinen droht ein Kahlschlag bzw. eine Verlagerung in die USA; 2018 ist ein Börsengang für Healthineers geplant: 7 Mrd. € ?; Siemens gibt ende 2018 bekannt, dass in Berlin ein Innovationscampus entsteht: Siemensstadt, 600 Mio. € Investition, bis 2030 fertig, mit Technologiepark; "urbaner Stadtteil der Zukunft").  "Ich sehe im Geschäft erst in zweiter Linie ein Geldwert-Objekt", Gründer Werner von Siemens 1887.

Digitale Hidden-Champions: Sie haben entweder digitale Produkte (1), digitale Prozesse (2) oder digitale Services (3). Zu (1) zählen etwa Volocopter, Bruchsal (elektrischer Hubschrauber); DeepL, Köln (Übersetzungsprogramm, leistungsfähiger als Google Translate); MK Technology, Grafschaft bei Bonn (Investment Casting); Phoenix Contact, Göppingen (schnellstes Batterieladesystem). Zu (2) gehören: Kärcher (Hochdruckreiniger); Knauf (Baustoffe); Trumpf (Lasermaschinen). Zu (3): Teamviewer (Feinwartung von Computern; Flixmobility (Organisation von Systemen); Wirecard (Financial Services). Vgl. Simon, Herman: Die digitalen Hidden Champions, in: HBM, November 2019, S. 62ff.

Salesforce: Direkter Konkurrent aus den USA von SAP beim Kundenmanagement. CRM - Marktführer. Hat mittlerweile 2017 SAP bei den Marktanteilen überholt (auch Oracle). Die Software ist erfolgreicher und eleganter. 9,3 Milliarden Euro Umsatz erzielt Salesforce 2017. Salesforce ermittelt regelmäßig die IT - Trends der Zukunft.

Oracle. Redwood City/ Kalifornien: Betriebswirtschaftliche Software. Geht 2019 bei der Cloud eine Kooperation mit Microsoft ein. mittlerweile auch großer Cloud-Anbieter.

Rocket Internet, Deutschland: Der Börsenwert steigt 2017 um +14,6%

Zalando, Deutschland: Der Börsenwert steigt 2017 um +25%. Einer der wenigen konkurrenzfähigen Internetplattformen in Deutschland.

Triwago: Deutsch Reiseplattform, die mit Booking.com und anderen in etwa mithalten kann.

Wirecard AG, Aschheim bei München (Zahlungsplattform, IT - Dienstleistungen, Software; regelt vor allem Zahlungen zwischen Firmen international; steht 2018 vor dem Sprung in den DAX, bisher im TecDax; in den DAX am 24.09.2018, löst die Commerzbank ab; das Unternehmen wurde immer wieder mit Schmuggelgeschichten verbunden; 2020 wird mit 210 Mrd. Euro Zahlungen gerechnet; ca. 5000 B.; 2005 Entstehung durch Namensänderung; Gründer und Chef ist der Österreicher Markus Braun; in der Dotcom-Blase war das Unternehmen fast tot; Pornos und Glücksspiel waren die Rettung). Das Unternehmen hat vier Geschäftsbereiche: 1. Wirecard Bank. Prepaid-Karten für Privatkunden und die Abwicklung des Zahlungsverkehrs von Kreditkarten. 2. Issuing. Technische Abwicklung von Zahlungen per Kreditkarte für die Bank, die die Karte ausgestellt hat. 3. Acquiring. Technische Abwicklung von Kartenzahlungen für stationäre und für Online-Händler. 4. Mobiles Bezahlen. Mit der App namens Boon können Kunden per Smartphone in Geschäften bezahlen. Von Singapur aus bedient das Unternehmen den asiatischen Markt. 14,7 Mrd. € beträgt der Wert Anfang März 2019 an der Börse( seit Ende Januar 2019 -28%).  Ende Januar 2019 gibt es einen verdächtigen Kurseinbruch. Die Finanzaufsicht hält eine  kriminelle Aktion von Spekulanten für möglich. Der Chef des Zahlungsdienstleisters widerspricht auch allen Vorwürfen manipulierter Bilanzen. Im Februar 2019 unterbindet die deutsche Finanzaufsicht Spekulationen mit des Aktie des DAX-Konzerns. Leerverkäufe werden gestoppt. Die Volatilitäten waren zu groß geworden (z.B. Fall der Aktie von 160 auf unter 100 €). Die Maßnahme wird auch kritiisert ("Parteinahme der Bafin für das Unternehmen").

Finanzguru/ Dwins, Bergenhausen:,  Fintec-Start-up, Der Löwe Carsten Maschmeyer steigt 2018 als Investor ein. Kostenlose App für Nutzer. Das Konzept lebt von den Spartipps. Folgt man den Tipps, erhält Dwins eine Provision. Bislang hat man schon 350.000 Verträge.

Infineon Technologies, Neubiberg bei München: Chiphersteller (Halbleiter). Umsatz 2017 über 7 Mrd. €. Plant 2019 einen Milliardenzukauf in den USA: 9 Mrd. € für den US-Rivalen Cypress.

Adyen, Amsterdam: 2006 gegründet; schon 2018 wertvoller als die deutsche Bank; Börsenwert 20 Mrd. €; Bezahldienst, E-Commerce, Point-of-Sale.

Bezahl-Apps: Paypal, Applepay, Cash, G Pay, Alipay, Samsung pay, WeChat.

Software-Konzerne: Nach den Marktanteilen in West-Europa führt Microsoft vor IBM, Oracle, SAP, VMware und Adobe. An der Marktkapitalisierung gemessen sind 2017 die wertvollsten Unternehmen der Digitalbranche alle Unternehmen aus den USA: 1. Apple, 2. Alphabet, 3. Microsoft, 4. Facebook, 5. Amazon. Die EU entwirft 2017 Steuerpläne, die Software-Konzerne, insbesondere Apple und Google, in Europa nicht mehr nach Gewinn, sondern nach Umsatz zu besteuern. Die Digitalkonzerne erzielen 2017 die höchsten Wertzuwächse an den internationalen Börsen.

IT-Start-ups als Motor der Digitalisierung: Die Zahl der Digital-Start-ups steigt in Deutschland. Schwerpunkt ist das B2B-Business. Die meisten sind in den Bereichen IT/ Software-Entwicklung, Software as a Service und Industrielle Technologie aktiv.

Darknet: Parallelwelt im Internet, wo Daten, Drogen, Waffen, ausgespähte Daten u. a. gehandelt wird. Man spricht auch von der digitalen Welt des Bösen. Der Schaden durch Darknet soll bei ca. 300 Milliarden US-Dollar liegen. Am bekanntesten ist die Drogenplattform "Silk Road" geworden. Über herkömmliche Suchmaschinen ist Darknet nicht zu finden. Notwendig ist eine Verschlüsselungssoftware. Die Nutzer bewegen sich anonym. Bezahlt wird mit Bitcoin. Kuroserweise ist man bei Geschäften im Darknet auch auf Vertrauen angewiesen. Deshalb geht man bei präventiven Maßnahmen dazu über, dieses Vertrauen zu zerstören (schlechte Bewertungen).

 

 

SAP-Logo (Quelle: SAP). Die Firma hatte fünf Gründer 1972. Die SAP war wie jedes Unternehmen auch einmal ein mittelständisches Unternehmen und natürlich auch ein Start - up. Es hat aber nicht wie viele digitale Weltunternehmen der USA im Silicon - Valley in einer Garage angefangen.  In den Anfängen war meine Frau noch bei der Firma Unisys beschäftigt. Diese verfügte über ein vergleichbares Produkt; die SAP wurde eher belächelt und einer Kooperation nicht für würdig gehalten. Geschichtliche Entwicklungen hängen oft von im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbaren Entscheidungen ab. Heute ist die SAP ein Groß- und Weltunternehmen und das einzige deutsche IT - Unternehmen von Weltrang (das auch eine wichtige Niederlassung im Silicon Valley betreibt).. Das Unternehmen ist natürlich auch im DAX. Wenn man den deutschen Mittelstand verstehen will, muss man sich mit den Gründen beschäftigen, warum SAP nie im deutschen Mittelstand Fuß gefasst hat, obwohl es immer die Absicht war. Das Foto stammt von der Homepage der Firma, wo auch die Firmengeschichte erläutert wird. Die SAP ist eine der größten Firmen in der Metropol -Region - Rhein - Neckar, zu der auch die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen am Rhein gehört. Sie hatte SAP ins Chinesische übersetzt, die Niederlassung in Peking aufgebaut und damit den Sprung des Unternehmens nach China unterstützt. Ich selbst habe viele Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten zu Projekten der SAP, insbesondere in Asien, betreut. Die Hochschule Ludwigshafen hat Kooperationsstudiengänge mit der SAP. Viele Absolventen der Hochschule arbeiten mittlerweile in der Firma. Einige Jahre war ich Gutachter der Klaus Tschira -Stiftung in Heidelberg (verliert viel Geld bei der Lehman Bank, mehrere Gerichtsverfahren in der Schweiz und London). Tschira war einer der Gründer von SAP. Hopp, ein anderer Gründer, tritt als Sponsor in der Region auf (SAP-Halle, Uni Mannheim, Eishockey Mannheim, Fußball in Hoffenheim). Ein weiterer Gründer, Hasso Plattner, der noch Aufsichtsratsvorsitzender ist, fördert ein IT - Institut in Berlin (vorher gab es auch einmal eine Privatuni der SAP). Hasso Plattner bleibt auch 2019 mit 75 Jahren noch Aufsichtsratvorsitzender. Die Gründer halten noch große Aktienpakete. SAP hat auch eine Partnerschaft mit Alibaba in China. Das Unternehmen ist sehr bekannt in China. Delegationen, wie z. B. vom Umweltministerium 2019, wollen das Unternehmen besuchen. Mittlerweile spielt der Cloud-Bereich eine große Rolle. Ende 2018 wird die Plattform für Marktforschung in Echtzeit  Qualtrics gekauft (für 7,1 Mrd. €). Diese verwenden wir auch bei Umfragen an der Hochschule für Abschlussarbeiten.

2003 habe ich das letzte Lehrbuch über die Mittelstandsökonomik veröffentlicht: W. Krämer, Mittelstandsökonomik, München (Vahlen) 2003. Heute kann man die Dynamik der Entwicklung in der digitalen Transformation nur noch im Internet darstellen (Vgl. Mittelstandsökonomik). Bei der Digitalisierung müssen Großunternehmen, wie die SAP, und KMU kooperieren.

Umsetzung im Unternehmen: Digitalisierung/ digitale Transformation/ Mittelstand 4.0; IT - Beratung, IT/ EDV/ ERP; IT - Management; Informationen und Daten als Produktionsfaktor, IT - Dienstleistungen

Mittelstandssoftware: 2013 stoppt die SAP die Weiterentwicklung der Mittelstandssoftware Business By Design. Es ist der größte Flop der Unternehmensgeschichte. KMU behelfen sich in der Regel mit Microsoft Office und mit Modifikationen dieses Programms. Weitere bekannte Anbieter sind DATEV (insbesondere für Steuern) und Haufe (Lexmark). ERP-Systeme tun sich schwer damit, dass die KMU einzelne Prozesse auslagern (Steuerbüro, Buchführung). Weiterhin haben die KMU vor allem im Produktionsbereich spezielle Anforderungen, auf die einzugehen zu teuer ist. Neue Entwicklungen wie Produktion 4.0 oder Energiemanagement können aber zu einem Wandel führen. Softwarepaket für den Mittelstand: Die meisten KMU haben Einzelprodukte, die lose miteinander verknüpft sind. Im Mittelpunkt stehen in der Regel die Business bzw. Professional Pakete "Windows Office". Das Mittelstandspaket "Business by Design" von SAP wartet noch wie alle Versuche vorher auf Erfolg. Die SAP baut auch den neuen Geschäftsbereich "SMB Solution Group" auf. Der Markt für Lösungen für Unternehmen unter 500 Beschäftigten soll neu definiert werden. Marktforscher rechnen mit einer Erhöhung der IT-Ausgaben von KMU bis 2018 auf 680 Mrd. US-Dollar. "Never change a running system", Glaubensbekenntnis vieler IT-Abteilungen.

Enterprise Resource Planning (ERP): Ein solches System besteht aus einer zentralen Datenbank und Anwendungs -Modulen drum herum (für Controlling, Personalwirtschaft, Produktion, Finanzwirtschaft, Warenwirtschaft, Versand und Logistik, Marketing und Vertrieb. Am bekanntesten in Deutschland ist sicher SAP. Systeme stellen aber auch Microsoft, Oracle, Comarch, Sage, Planat, Weclapp und Scopevisio zur Verfügung. Wichtig ist, das passende ERP-System fürs Unternehmen zu finden (Qualität der Prozessaufnahme, Unternehmenskultur, Kosten, Dauer der Implementation). Im Zeitalter von Industrie 4.0 ist das ERP die Schaltzentrale für die smarte Fabrik. Hier laufen alle Fäden zusammen. SAP HANA ist ein solches integriertes System. Es besteht aus drei Faktoren: 1. Asset/ Anlage (Device, Connector). 2. Platform as a Service (PaaS, IoT-Applikationen & Services, Hana Cloud, Hana Cloud Integration, Datenmanagement) 3. Business Suite Systems (ERP,CRM, et cetera).

Unternehmenssoftware: Optimierung der Geschäftsabläufe. SAP ist hier Weltmarktführer. Probleme gibt es immer wieder bei der Einführung des Systems. Viele Projekte dauern länger, werden deutlich teurer oder scheitern ganz. Es gibt fünf Faustregeln: Ordentlich aufräumen, keine Sonderwünsche, Unterstützung von oben, Sprints statt Big bang, nur nicht entmutigen lassen. Flops gab es bei Deutsche Post, Edeka, Lidl, Otto. Vgl. Kroker, M.: Überforderung made in Germany, in: Wirtschaftswoche 11, 8.3.2019, S. 15ff.

Aufwand für IT-Produkte: 3,7 Billionen Dollar geben Unternehmen 2018 weltweit für IT-Produkte aus. Investiert wird vor allem in Block-Chain, Internet of Things, Cloud und Künstliche Intelligenz. Das sind 4,5% mehr als im Vorjahr. Quelle: Gartner.

My Open Factory: ERP-Systeme unterschiedlicher Hersteller lassen sich mit Hilfe der per Internet zugänglichen Plattform gegenseitig verständlich machen. Zahlreiche Kommunikationsformate können untereinander Daten austauschen.

Systemhaus als Digitalisierungsberater: IT - Dienstleister entwickeln sich vom IT - Handwerker hin zum Consulting - Unternehmen. Das Kerngeschäft ist noch immer Infrastruktur. Individualanwendungen werden überwiegend in der IT - Abteilung der Unternehmen betrieben. Standardanwendungen werden überwiegend im Outsourcing bzw. der Cloud betrieben. Plattformen und Middleware hält sich noch die Waage. Bekannte IT - Dienstleister in Deutschland sind Bechtle, Unisys, Freudenberg - IT, Datagroup, adesso, cancom.

Unternehmens - IT vor dem Aus?: Viele Experten bezweifeln mittlerweile, das ihre IT - Organisatoren mit den Herausforderungen der Digitalisierung fertig werden. Unternehmenswachstum und steigende Ansprüche bei der Entwicklungs- und Bereitstellungsgeschwindigkeit überfordern die IT. Also wird sie vielleicht als selbständige Einheit verschwinden. Auswege sind Cloud und Outsourcing.

Performance-Measurement-Systeme (PMS, CPM): Setzt bei Defiziten klassischer Steuerungselemente an (Unternehmensstrategie, immaterielle Kenngrößen, externe Stakeholder, Zeit). Informationssystem als Kern des Performance-Management-Prozesses. Konzepte sind z. B. Performance Pyramid, PM-Matrix, Balanced Scorecard, Wissensbilanz, Six Sigma. In KMU ist der Einsatz erst am Anfang. PMS hat seinen Erfolg in ganz unterschiedlichen Organisationen nachgewiesen: Banken, Bundeswehr, Flughäfen, Kirchen, Hotels u. a. Probleme bereiten die Berücksichtigung der Abhängigkeiten zwischen Zielen und die Beachtung von Ursache- Wirkungsketten. Die Zukunft dieser Technik liegt sicher in der Cloud (siehe unten).

Performance-Monitoring für KMU: Erleichterung bei KMU in administrativen Aufgaben. Schaffen automatisierter Prozesse. Vor allem in Unternehmen bis zu 50 Mitarbeiter.

Data-Warehouse: Daten aus dem internen System eines Unternehmens (Rechnungen, Vertriebsprotokolle) werden zusammen mit Daten aus externen Quellen in einem elektronischen Lager abgespeichert. Die Rohdaten müssen so verarbeitet werden, das sie lesbar sind (lesbares Format). Die Daten werden als Metadaten, zusammenfassende Daten und Rohdaten gespeichert. Auf diese Daten kann zugegriffen werden (spezifische Fragen/ OLAP, Berichte, Data-Mining).

Slack: Gleicht dem Messenger-Dienst "WhatsApp" und bietet mehr. Der Arbeitsalltag könnte sich radikal verändern. Im Vordergrund steht die unmittelbare Kommunikation. Alle können in Echtzeit die Kommunikation verfolgen. Noch gibt es Datenlecks und die Speicherung ist problematisch. Der soziale Zusammenhalt könnte verloren gehen. Die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben verschwimmen. Der Boss kann kontrollieren. Durch die digitale Kommunikation setzt Slack aber auch Kapazitäten frei. Persönliche Gespräche können dann Themen behandeln, die mehr Gefühl und Nuancen erfordern.

Beacons: Kleine Sender, die per Bluetooth - Technologie Nachrichten an Smartphones senden können. Sie werden heute verstärkt für Shop Analytics und Retargeting eingesetzt. die eigentliche Ansprache findet schon außerhalb des Geschäftes statt.  Das Nutzungsszenario ist hauptsächlich im Handel. Aber auch außerhalb kann man die Technik einsetzen (Kreuzfahrtschiffe, Gebäudemanagement)..

Sicherheitsbewusstsein: Seit 2011 befragt DsiN (Initiative Deutschland sicher im Netz) 1500 Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern. Ergebnis 2014: Nur 43 Prozent der Firmen schützen Emails mit Maßnahmen wie Passwort, Signatur oder Verschlüsselung. Sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Hauptgrund scheint Fatalismus zu sein ("man kann sowieso nichts machen"). Das Sicherheitsbewusstsein muss aber immer besser werden, wenn man an die Produktion 4.0 denkt. Mittlerweile gibt es Sicherheitspakete, etwa für den Rundumschutz (etwa von Norman). Sicherheit in der Cloud: wichtigstes Problem. Lücken müssen identifiziert werden. Dann müssen sie geschlossen werden. Risiken müssen erkannt werden. Am besten arbeitet man mit Hackern zusammen. Versicherungen sind noch nicht möglich.

Schutz vor Cyberangriffen: Das Idaho National Laboratory, eine US-Forschungseinrichtung, hat eine vierstufige Methode entwickelt: Unternehmen identifizieren ihre wichtigsten Prozesse und reduzieren dann die digitalen Wege, über die Angreifer dort eingreifen können. Das Grundprinzip lautet: Raus aus dem Netz. Vgl. Andy Bochman: Raus aus dem Netz! in: HBM, September 2018, S. 38ff.

Business Continuity Management (BCM): Sicherung gegen Cyberangriff, Naturkatastrophe oder Brand. Bewertung von Risiken. Notfallplan und Checklisten. Ständige Tests. Es gibt auch spezielle Tools dafür.

Datenschutz: Der Europäische Gerichtshof setzt Anfang Oktober 2015 der Übertragung personenbezogener Daten in die USA Grenzen. Die EU-Kommission will nun neue Richtlinien für Internetfirmen wie Facebook erarbeiten. Die USA wird nicht mehr als "Safe Harbor" gesehen. Die EU-Kommission erarbeitet neue , einheitliche Datenschutzregelungen für die EU: Recht auf Vergessen werden; Übertragung von Bildern und  Kontakten zwischen sozialen Netzwerken; Entscheidung über Löschen u. a.

Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Schutz personenbezogener Daten. Unternehmen müssen wissen, wo Daten zu Personen gespeichert sind. Am 25.Mai 2018 tritt die Grundordnung in Kraft. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 20 Mio. €. Für viele Unternehmen wird die Zeit knapp.

Consent Management Platform (CMP): Sie steuern Anfragen, speichern Daten und lassen Kunden wählen, welchem Anbieter sie welche Einwilligung erteilen. Es ist ein digitales Tool, um die Einwilligungserklärung der Kunden zu managen.

Künstliche Intelligenz: Ein Computer trifft analog einem Menschen Entscheidungen in einem nicht klar definierten (nicht eindeutigen) Umfeld, kann somit Probleme eigenständig lösen. Die nächste Stufe ist maschinelles Lernen: Eine Maschine wird für bestimmte Aufgaben trainiert. Sie lernt nicht einfach nur Beispiele auswendig, sondern erkennt Muster, so dass sie auch unbekannte Daten einordnen kann. Beim Deep Learning besteht ein künstliches neuronales Netz mit mehreren Schichten. Es löst aufgaben, die sich kaum mathematisch beschreiben lassen. Es erkennt z. B. automatisch Sprache, Gesichter oder Bilder. Die Anwendung im unternehmen liegen im Marketing, Fertigung und Logistik, Business Intelligence und Verwaltung, Produktentwicklung und Innovation. Siehe Wilson, James H./ Daugherty, Paul R.: Mensch und Maschine als Team, in: HBM 10/2018, S. 54ff.

Narrow intelligence: Das sind spezifische KI-Systeme. Es handelt sich um "general intelligence". Vorerst ist sie Domäne der Menschen. Aber es werden domänen-spezifische KI-Systeme erfolgreich entwickelt, die für bestimmte Funktionen den Menschen ersetzen können: Lead Prediction im Sales-Service-Bots im Kundenkontakt oder Prognosen von Bonität.

Embedded Al: Integration von KI in Produkte, Devices und Prozesse. Der Sprung von KI in Business. Ein gutes Beispiel ist Alexis von Apple oder Bixby von Android.

Unsupervised and Reinforcement Learning: Das dynamische System lernt aus der Interaktion. Es sind keine Trainingsdaten mehr notwendig.

Conversational Commerce: Optimierung der Kundenkommunikation und der Customer Journey. Lernen aus der Verhaltensweise beider Seiten.  

Mensch und Maschine als Team: Künstliche Intelligenz (KI) verändert Unternehmen grundlegend. Den größten Nutzen hat sie, wenn sie dazu eingesetzt wird, menschliche Fähigkeiten und Stärken zu unterstützen statt Personal zu ersetzen. Unternehmen sollten ihre Geschäftsprozesse neu denken und sich darauf konzentrieren, KI dort einzusetzen, wo sie größere Flexibilität oder Geschwindigkeit, neue Größenordnungen, bessere Entscheidungen oder eine stärkere Personalisierung von Produkten und Dienstleistungen anstreben.

Blockchain: Neue, innovative Verschlüsselungstechnologie. Sie kann für die Abwicklung von digitalen Transaktionen genutzt werden. Das geht auf der Grundlage eines dezentral organisierten Computernetzwerks. Mittlerweile sind smarte Verträge möglich (Geschäfte laufen ohne Zutun von Menschen ab). Der Vollzug von Verträgen kann automatisiert werden. Das führt zu Kostensenkungen, Zeiteinsparungen, Minimierung von Fehlern und dem lückenlosen Nachverfolgen vertragsrelevanter Ereignisse. Es fehlen noch geeignete technische Standards, Datenschutz und Cybersicherheit.

Blockchain und KI: KI eröffnet der Blockchain - Technik besondere Perspektiven. Sie stellt einen sicheren Hub für Genom-Daten dar. Sie ermöglicht Training für KI-Algorithmen. Genauere Vorhersagen sind möglich. Transparenz kann geschaffen werden. Verteilte Transaktionen sind möglich. Vor Angriffen von außen kann geschützt werden.

Glossar zur Blockchain: 1. Distributed Ledger: Zentral gesteuerte und weltweit verteilte Datenbanksysteme. Die Blockchain gehört dazu. 2. Tangle: Transaktionsdaten werden nicht - wie bei der Blockchain - chronologisch hintereinander angeordnet, sondern in einem netzwerkartigen Gewirr (Tangle) mit vielfältigen Knotenpunkten (Nodes). "Miner" fallen hier weg. 3. Smart Contracts: Eine beliebige Transaktion wird automatisch unter der Voraussetzung abgewickelt, dass alle beteiligten Parteien die zuvor in der Blockchain niedergelegten Konditionen erfüllt haben. 4. DApps: dezentralisierte, automatische Apps. Open Source, öffentlich in einer Blockchain gespeichert. 5. DAO (Decentralised Autonomous Organization): Ein eneue Form der Organisation, deren Geschäftsordnung, Gesellschaftsvertrag oder Satzung durch einen Smart Contract festgelegt und automatisch ausgeführt wird. 6. ICO: Bei einem Initial Coin Offering (ICO) werden quasi digitale Wertpaiere aufgelegt. 7. Kryptokatze: Eine der erfolgreichsten Anwendungen auf der Blockchain - Plattform Ethereum. Anwender können virtuelle Kätzchen (Cryptokities) züchten und mit ihnen handeln. Vgl. Sommer, Sarah: Vertraut den Daten, in: brand eins 06/18, S. 20ff.

Ethereum - Plattform und andere: Das 2018 beliebteste Blockchain - System. Die größten anderen Systeme sind: Stellar, Litecoin, Ripple, Bitcoin, EOs, Cardano, IOTA, NEO, Bitcoin Cash.

Allianzen: Es geht um Standards für Blockchain - Anwendungen. Sie werden geschlossen zwischen internationalen Organisationen, Unternehmen und Softwarespezialisten. 2018 sind die wichtigsten folgende Allianzen: 1. Enterprise Ethereum Alliance (EEA). Sie ist sehr beliebt bei Entwicklern. 2. Hyperledger Netzwerk: Dachorganisation. 3. Trusted IoT Alliance: Bosch und Cisco mit dem Finanzdienstleister BNY Mellon. 4. Deutsche Telekom Blockchain Group: Zusammen mit der Tochter T-Labs. 5. EU-Blockchain. 6. UN-Blockchain.

Peer-to-Peer-Ansatz: Im Internet der Dinge werden Millionen Transaktionen generiert. Verteilte Sensoren tragen die Informationen zusammen. Das können zentralisierte Transaktionsmodelle nicht schaffen. Man benötigt dafür die Blockchain.

Cloud:  Es gibt immer mehr Anbieter für KMU. Mit der Plattform "Azure" steigt auch Microsoft massiv ein. Microsoft will dies mit der Nutzung von Office 365 verbinden. 90 Prozent aller Office-365-Kunden sind Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten. KPMG und Bitkom legen 2014 eine Untersuchung vor ( www.bitcom.org : Cloud-Monitor 2014). Allerdings ist die Skepsis im Mittelstand noch sehr groß. Bei einer Umfrage bei 140 Unternehmen in der Region Mainfranken äußern sich nur 53 Prozent der Befragten positiv (vgl. Com -  professionell, 10/2014, S. 6). Die Unternehmen fürchten die Abhängigkeit vom Cloud-Anbieter, die Datenhaltung im EU-Ausland, die Datensicherheit, den Verlust der Kontrollmöglichkeit und die Rechtsunsicherheit. 2014 bilden sich Cloud-Kompetenz-Zentren. Diese werden von Start-ups inspiriert. Die Richtung geht in Verbindung mit Produktion 4.0. Wahrscheinlich ist der Trend nicht mehr aufzuhalten, weil die Cloud große Kostenvorteile für KMU bringt. Es gibt folgende Betriebsmodelle: Private Cloud (nur für ein KMU), Community Cloud (teilen einer Cloud Infrastruktur von mehreren KMU), Public Cloud (Behörde oder akademische Einrichtung betreibt), Hybrid Cloud (Kombination aus den anderen Modellen). Es gibt auch eine Gegenbewegung zur Cloud, die für KMU sehr wichtig ist. Das Hamburger Start-up Protonet verspricht eine Cloud für zuhause. Es handelt sich um orangefarbene Serverboxen. Das Unternehmen gewinnt dafür einen Preis nach dem anderen. Trotzdem setzt sich wohl auch bei KMU der Siegeszug der Cloud fort, das gilt für jede Größe und Branche. Verlockend sind zunächst die reinen Kostenvorteile, hinzu kommt die Flexibilität. Zunehmend werden auch unternehmenskritische Anwendungen in die Cloud verlagert. die Migration von Kernprozessen erhöht die Flexibilität weiter. Man sollte allerdings die Steuerung in der Hand behalten. Im Trend liegen Multi-Cloud-Strukturen.   44% der Unternehmen nutzen 2014 Clouddienste. Nur 31% der KMU nutzen aber 2015 Software aus der Cloud. Damit liegt Deutschland 15% unter den internationalen Durchschnitt. Am stärksten wird die Cloud für CRM genutzt. 2015 freunden sich aber immer mehr Mittelständler mit der Cloud an (Umfrage bei 220 Unternehmen, Crisp Research). Über 85% der befragten KMU setzen sich mit der Cloud auseinander. 2016 haben schon 65 Prozent aller deutschen Unternehmen Cloud-Dienste. Damit schließt sich auch das Gefälle zwischen Großunternehmen und KMU.

Formen des Cloud-Computing: 1. IaaS (Infrastructure as a Service): Der Dienstleister stellt lediglich die elementaren IT-Ressourcen wie Rechenleistung, Speicher und Netzwerkanbindung zur Verfügung. Der Kunde ist für die Installation, den Betrieb und die Wartung selbst verantwortlich. 2. PaaS (Platform as a Service): Der Deinstleister stellt auf der IT-Hardware ein lauffähiges System etwa mit Datenbanken bereit. Der Kunde führt innerhalb des Systems Cloudanwendungen aus. 3. SaaS (Software as a Service): Der Dienstleister stellt dem Kunden auf einem Cloud-System eine Software zur Miete zur Verfügung.  Speziell mittelständische Cloud-Anbieter sind: Cancom, Comarch, Freudenberg IT, Pironet NDH. Die Technologiekonzerne Amazon, Microsoft, Google und IBM machen mit dem Geschäft Milliardenumsätze.

Hybrid Cloud: Intelligente Verknüpfung von Public und Private Cloud. Damit können Flexibilität und Sicherheit verbunden werden. Vgl. com! professional 9/2017, S. 16ff.

Cloud-Plattformen: Sie regelt den Zugang zu KI und Blockchain. Größte Anbieter sind Alibaba (Alibaba Cloud), Amazon (Amazon Web Services), Microsoft (Azure) und Google (Google Cloud Plattform) und IBM (Watson IoT). Die Wahl der Plattform hängt von der Digitalisierungsstrategie ab. Der Weg in die Cloud wird Cloud-Migration genannt. Ihr sollte eine Cloud - Migrationsanalyse voraus gehen. Für die passende auswahl können folgende Kriterien berücksichtigt werden: Services der Plattform, Netzwerkanbindung (Connectivity), Erfahrung, Edge-Infrastrukturen, Integration in IoT-Komponenten, Datentarife, Komplettpakete, Device-Management, Update, Ökosystem.

Vorteile von Cloud bei KMU: Hohe Zugangsschranken für Hacker, moderne Anwendungen sind flexibel und integrierbar, schnelle Reaktion auf Sicherheitsbedrohungen, Kosten werden gespart. 

Cloud-Service-Provider: Systemhäuser erweitern ihr klassisches Geschäftsmodell mit dem Vertrieb der Cloud. Cloud - Dienste umfassen Planung und Design der Cloud-Architektur, Migration, Entwicklung und Implementierung neuer Applikationen und Systeme, Infrastrukturumgebung, Schulungen und Workshops, Beratung bei Datenschutz, IT - Security und Compliance.

Iaas (Infrastructure as a Service): Sie wird aus der Public Cloud genommen und ist immer verfügbar, schnell eingerichtet und sehr flexibel. Ob sie kostengünstiger ist, hängt vom Einsatzzweck sowie den Rahmenbedingungen ab. Es gibt zahlreiche Anbieter wie z. B. Amazon Web Services, Google Cloud Platform, IBM Cloud, Microsoft Azure und Rackspace.

Künstliche Intelligenz (KI) als Service: Mittlerweile werden fertige Module und API-Services angeboten. Anbieter sind gegenwärtig Amazon Web-Services/ Amazon KI, Google/Cloud AI, IBM/Watson, Microsoft/Cognitive Services. Folgende hilfen werden geboten: Bildanalyse, gesprochene Sprache und Text, Sprachanalyse, Wissen.

Machine Learning (ML): Bereich der künstlichen Intelligenz. Treibt mittlerweile auch den Finanzsektor. Robotergestützte Services, Kredit - Scoring sind auf dem Vormarsch. 

Deep Learning (DL): Wird oft mit KI gleichgesetzt, was nicht korrekt ist. DL ist eine Methode des maschinellen Lernens. Der entscheidende Unterschied zwischen DL und anderen Methoden des maschinellen Lernens ist, dass beim ML der Mensch in die Analyse der Daten und den Entscheidungsprozess eingreift. Beim DL muss der Mensch nicht mehr eingreifen. Der Mensch sorgt nur noch für Infos und Dokumentation. Die Analyse und das Ableiten von Prognosen und Entscheidungen überlässt er dem DL-Algorithmus.

Brücke zwischen digitaler und physischer Realität (Augmented Reality, AR): Neue Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Es verändert die Wertschöpfung von Unternehmen: Produktion, Personalentwicklung, Kundenkontakt. Technik: Mithilfe erweiterter Realität können digitale Bilder und Daten auf reale Gegenstände projiziert werden. Dadurch werden Daten direkt in den Kontext gestellt, in dem wir sie brauen. Dadurch können Informationen besser als Handlungsgrundlage genutzt werden. AR kann visualisieren, anweisen bzw. anleiten und auch interagieren. Vgl. Michael E. Porter, James E. Heppelmann: Eine Brücke zwischen Digitaler und Physischer Welt, in: HBM, Februar 2018, S. 20ff.

Hosting: Jegliche Art der Bereitstellung von externen IT-Services, bei denen die Hardware im Rechenzentrum eines Dienstleisters untergebracht ist. Hosting ist heute mehr als Webhosting, also das Zurverfügungstellen von Webseiten. Langsam aber sicher wandert Hosting in die Cloud. Es gibt beim Hosting Co-Location oder Housing (eigene Server im Rechenzentrum des Service-Providers), Dezidiertes Hosting (Anmietung von Rechenleistung) und Virtuelles Hosting (mehrere Kunden teilen sich einen Server).

Private und Public Cloud verbinden (Cloud-Integration): Hier sehen mittelständische Unternehmen den größten Bedarf. Es geht um die Integration möglichst vieler Plattformen. Man spricht auch von Hybrid - Cloud (wie und wann?).

Safe Harbor: Das seit 2000 zwischen der EU und der USA geltende Safe-Harbor-Abkommen ist nicht mit dem europäischen Datenschutzrecht vereinbar. Das hat der EuGH im Oktober 2015 entschieden. Die Frage ist, ob jetzt noch legal US-Cloud-Dienste genutzt werden können. Zumindest personenbezogene Daten dürfen nicht in die USA übermittelt werden (Informationspflicht, Wahlmöglichkeit, Sicherheit, Datenintegrität, Auskunftsrecht).  Ein soll ein neues Abkommen geschlossen werden mit Namen "Privacy Shield". Der Inhalt bleibt aber im Prinzip der gleiche. Das Datenschutzverständnis zwischen EU und USA ist zu unterschiedlich. Ein Heer von Billig-Dienstleistern auf den Philippinen rüstet sich dafür, die Sünden der digitalen Gesellschaft (Kinderpornographie, Gewalt, abstoßende Inhalte) aus den sozialen Netzwerken zu entfernen. Algorithmen helfen hier wenig.

Digitalisierung der Unternehmen/ digitale Transformation: Durch die Digitalisierung treten immer neue Mitbewerber auf (z. B. in der Automobilindustrie will Google zukünftig selbst steuernde Autos bauen; in der Logistikbranche kann es Drohnenflüge mit Transporten geben). Viele Unternehmen werden wegdigitalisiert (Kodak, Videotheken). Die Digitalisierung ist umfassend  (Alles wird digitalisiert): Es ist ein IT-Paradigma, eine Organisations-Paradigma, ein Business-Paradigma und ein Customer-Experience-Paradigma. Daten müssen optimal genutzt werden. Fähigkeiten müssen angepasst werden (neue Spezialisten). Der Zugang zu den Kunden muss gesichert werden. Alles wird schneller ablaufen. Die Datensicherheit muss erhöht werden. Der deutsche Weg in die Digitalisierung ist eher langsamer und nachhaltiger. Es fehlen die Leuchttürme wie Google und Amazon in den USA. Der Mittelstand zögert noch (liegt auch an fehlendem Wagniskapital). Die Infrastruktur ist mangelhaft. Mittlerweile gibt es den Digital Readiness Index (Wirtschaftswoche, Karl-Heinz Land). Er misst die Digitalisierung der Wirtschaft. Prof. Land hat zwei Bestseller zu dem Thema geschrieben: Karl-Heinz Land, Digitaler Darwinismus - der stille Angriff auf ihr Geschäftsmodell und ihre Marke, 2013. Dematerialisierung - Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des digitalen Darwinismus, 2015. Vgl. auch www.neuland.digital . "Immer mehr Unternehmen verlagern die IT-Verantwortung in die Vorstandsebene, um die Bedeutung des Themas zu betonen. Diese Funktion ist von Natur aus strategisch und ein Werkzeug für viele Unternehmen", Laurie Miller, CIO Bayer Material Science. In diesem Zusammenhang entstehen auch eine Reihe von IT-Start-ups: Scanbot archiviert Belege in der Cloud; Blue Yonder liefert Prognosen mit Big Data; Protonet hat eine Personal Cloud. "Alles, was sich digitalisieren lässt. wird digitalisiert. Alles, was sich vernetzen lässt, wird vernetzt. Alles, was sich automatisieren lässt, wird automatisiert", Karl-Heinz Land, in: bdvb aktuell Nr. 131, S. 8. 63% der KMU habe 2016 die digitale Transformation abgeschlossen (internationale Studie im Auftrag der SAP 2016). Hauptziel ist eine höhere interne Effizienz. Eine Studie der KfW, Frankfurt, 2018 kommt zu folgenden Ergebnissen: Von 2014 bis 2016 haben lediglich 26% der kleinen und mittelgroßen Firmen in neue und bessere Digitaltechnologie investiert. Es wurde vor allem in neue IT investiert (54%). Die Studie umfasst 11043 Unternehmen.

Digitalisierung und Hidden Champions: Unterschieden wird die Digitalisierung insgesamt, Automatisierung von Prozessen, Analytics (datengetriebenes Entscheiden), digitale Kommunikation, digitale Vertriebskanäle, digitale Geschäftsmodelle. Bei der Digitalisierung insgesamt liegen die Hidden Champions knapp vor den KMU und hinter Konzernen und allen Unternehmen. Quelle: Alexander Jake Freimark et al.: Hidden Champions Champions der digitalen Transformation?, Hidden Champion Institute an der ESMT Berlin, November 2018.

Digitale Prozesse: Digitale Prozesse bestehen aus fünf Bausteinen: 1. Infrastruktur. Dafür braucht man vor allem gute Netze (Highspeed-Internet, Breitband). 2. In Europa fehlen die Basisunternehmen wie in den USA Apple, Google, Amazon. Die europäische Industriepolitik müsste vorhandene Unternehmen strategisch unterstützen. 3. Big Data muss ausreichend installiert werden und funktionieren. 4. Der Arbeitsmarkt muss eine ausreichende Flexibilität aufweisen, um sich zu wandeln. 5. Ein transatlantisches Datenschutzabkommen wäre sinnvoll. Vgl. Ries, Florian: Die Digitalisierung in fünf Fakten, in: bdvb aktuell, Nr. 131, S. 20f. Auch Unternehmensprozesse laufen zunehmend digital ab. Dazu gehören digitale, elektronische Rechnungen, digitale Verträge, digitales Personalmanagement, digitales Marketing (direkter Kundenkontakt, Produkt- und Serviceinnovation, Unternehmen 3.0) . "Ohne ausgebildete Fachkräfte und den tatkräftigen Einsatz Tausender, besser Hunderttausender unternehmerisch denkender kluger Köpfe in unserem Land werden wir den Wettbewerb um die digitalen Märkte der Zukunft nicht gewinnen können", Winfried Kretschmann, Ministerpräsident BW.

Digitale Strategie der KMU: Unternehmen mit einer solchen Strategie sind innovationsaktiv, haben eine eigene IT - Abteilung, haben einen Anteil an Smarten Produkten im Sortiment und achten auf die digitale Schnittstelle zum Konsumenten (Quelle: Institut für Mittelstandsforschung, Bonn, 2017).

Digitales Denken in KMU: 1. Digitale Strategie, weil der Kunde es erwartet und fordert. Denken und Technik. 2. Erwartungen moderner Kunden: digital, serviceorientiert und interaktiv. 3. Change überall: erfolgreiche Geschäftsmodelle. 4. digitales Marketing: ganzheitlich, strategisch, Kunden fokussiert. 5. Controlling: Tests, Analysen, Steuerungsmöglichkeiten ohne Streuverluste. 6. Experten für die Umsetzung. 7. Der klassische Vertreib stirbt aus. Vgl. Spancken, christian: Digital Denken statt Umsatz verschenken, Berlin 2018.

Digtal Labs: Es gibt vier Grundtypen: 1. Innovation Lab. Sie sollen neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle kreieren. 2. Company Builder. Sie sollen Ideen für Start-ups, Spin-offs oder Tochterunternehmen entwickeln. 3. Accelerator. Temporärer, projektbezogener Charakter. 4. Incubator. Entwicklung bei der Unterstützung von Geschäftsideen. Sie sind im Gegensatz zu 3. auf Dauer angelegt.

Servitization: Aus Produkten werden Dienstleistungen. Vernetzung und Digitalisierung führen zu einer anderen Art des Wirtschaftens. Man will nicht mehr unbedingt besitzen, sondern mehr nutzen. Servitization bietet Vorteile für Anbieter und Kunden: Für Anbieter: Bessere Margen als bei Produkten, bessere Kundenbindung, intensivere Beziehung zum Kunden, Alleinstellungsmerkmale. Vorteile für Kunden: Fixkosten werden zu variablen Kosten, Kunde hat zeit fürs Kerngeschäft, höhere Zuverlässigkeit.

Datenintegration in KMU: Es sollte ein einheitlicher Blick auf Firmendaten herrschen. Mittlerweile gibt es Datenintegrationsplattformen. Die Ziele sind Extract, Transform, Load. Mögliche Lösungen sind Actian, Adepta, Attunity und Denodo sowie Talend.

Stufen der Digitalisierung: 1. Grundlegend: extern: stationäres Internet, Homepage; intern: PC, ERP-Software. 2. Vernetzte Informationen und Kommunikation. 3. Vernetzte Produkte und Dienste. Vgl. Digitalisierung ist für den Mittelstand ein IT -Thema, in: com!professional 2/2018, S. 40ff.

Digitale Dividende: Es gibt einen Zusammenhang zwischen digitalem Reifegrad und Geschäftserfolg. Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Digitalitätsindex von 58 Punkten haben ihren Umsatz im vergangenen Jahr 2017 um mindestens 10% gesteigert. Quelle: Telekom-Studie "Digitalisierungsindex Mittelstand" , 2017.

Digital Leadership: In der Regel in der Fort- und Weiterbildung für Führungskräfte. Es geht um die Durchsetzung und Begleitung digitaler Prozesse im Unternehmen. Vgl. Sattelberger, Thomas u. a. (Hrsg.): Das demokratische Unternehmen. Neue Arbeits- und Führungskulturen im Zeitalter digitaler Wirtschaft, Haufe 2015.

Plattformstrategie (Plattform-Ökonomie): Plattformunternehmen bringen Produzenten und Konsumenten zusammen. Die größten Werte einer Plattform sind ihre "Community" und die Ressourcen der Mitglieder. Der Schwerpunkt verlagert sich vom Kontrollieren zum Organisieren von Ressourcen. Externe Interaktionen müssen Vorrang vor dem Optimieren interner Prozesse haben. Nicht nur Kundenwert, sondern der Wert des gesamten Ökosystems (gemeint ist das Umfeld) soll gesteigert werden. Traditionelle KMU müssen versuchen, Plattformen anzubieten und damit verbundene neue Strategien lernen. Konkurrenten können sehr leicht aus fremden Branchen auftauchen. KMU sollten intelligent entscheiden, wen sie auf die Plattform lassen und was die Teilnehmer dort tun dürfen. Mit neuen Kennzahlen sollten die Interaktionen überwacht werden. Das Grund-Modell eines Plattformunternehmens sieht also wie folgt aus: Produzenten, also KMU,  sind in der Regel die Urheber der Plattform. Sie verbinden sich mit Konsumenten, die kaufen und nutzen wollen. Wichtig ist die Infrastruktur: Mobilfunkgeräte ermöglichen die Plattform. Inhaber der geistigen Eigentumsrechte und die Entscheider über den Zugang und die Nutzung der Plattform müssen sich ausreichend absichern. Vgl. O. V.: Plattform statt Pipeline, in: Harvard Business Manager, Juni 2016, S. 23ff.

Data-Management-Plattform (DMP): Eine einzige Plattform integriert alle Daten. Marketing- und Analytic-Teams können hier gemeinsam arbeiten.

Low-Code-Plattformen: Sie ermöglichen Software-Entwicklung fast ohne Programmierkenntnisse. Es ist eine Art Software-Baukasten. Vorteile sind die schnelle Bereitstellung von Business-Anwendungen, sehr geringer Programmieraufwand, niedrige Entwicklungskosten. Man kann Low Code in vier Bereiche unterteilen: 1. Visuelle Modellierung. 2. Drag-and-Drop-Interfaces. 3. Plattformübergreifende Funktionen. Deklarative Tools. Mittlerweile gibt es viele Low-Code-Plattformen. Hier eine Auswahl: Mendix, Salesforce, Simplifier, Agilepoint, K2, opentext, zoho.

Shopify: E-Commerce-Plattform. Seit 2004 (zuerst Onlineshop für Snowboards). Sie wurde von dem Deutschen Tobi Lütke (aus Koblenz, Schulabbrecher) aufgebaut. Er war Unternehmenschef des Jahres in Kanada 2014. 2018 ist das Unternehmen mehr wert als die Lufthansa (15 Mrd. Dollar). Das Unternehmen stellt den Software-Hintergrund für den Online-Verkaufsladen auf (Bezahlsystem, Design, Buchführung, Produktversand, App, Social-Media-Management).

Netzwerkeffekte und Kettenreaktionen (Wirkungsketten):  Positive Wirkungsketten sorgen dafür, dass Plattformen schnell wachsen. Die Dynamik ist dann am größten, wenn es um gleichartige Interaktionen geht. So entstehen Kettenreaktionen, die für beide Seiten wertvoll sind. Vgl. Geoffrey Parker et al.: Platform Revolution: How Networked Markets are Tranforming the Ecomomy - and How to Make Them Work for You, Norton & Company 2016.

Internet der Dinge (Internet of Things, IoT): Die Entwicklung geht rasend schnell. Den Endpunkt bildet das Internet of Everything. Systeme sind z. b. automatische Verkehrssysteme, intelligente Straßen, intelligentes Stromnetz, vernetzte Geschäfte, intelligente Krankenhäuser, intelligente Stadt, Logistiksysteme. Die Gefahr könnte sein, dass die künstliche Intelligenz in einigen Jahren den Menschen überlegen ist. Im Unternehmen können Algorithmen bisherige Managementaufgaben übernehmen. Die Unternehmen haben Zugriff auf einen riesigen digitalen Datensatz. Marktforscher sind leicht ersetzbar; Kundenprofile können auf Knopfdruck erstellt werden. Große Gefahren sind der Kontrollverlust, die fehlende Transparenz, falsche Analysen, Diskriminierung. Anwendungsbereiche sind die Automobilelektronik, branchenspezifische Geräte (Produktion, Transport, Versorgung), allgemeine industrielle Anwendungen (Bankautomaten, Terminals), Konsumenten. IoT verunsichert viele Unternehmenslenker. Sie müssen teilweise völlig neue Strategien entwickeln. Vor allem der Wettbewerb ist immer schwieriger einzuschätzen (Quelle: Bain). Chancen und Risiken sind ganz schwer einzuschätzen: Es es zu einem Verlust von Arbeitsplätzen oder werden mehr entstehen? Auch persönlich sind die Folgen schwer abzuschätzen: Es kommt zu Effizienzsteigerungen, gleichzeitig steigt die Ablenkung und der Autonomie- und Privatsphäreverlust. Zum Internet der Dinge gehört auch folgendes: Facebook, Microsoft und andere arbeiten an digitalen Parallelwelten. Per Datenbrille erfüllen sich Simulationen, die sich wie echt anfühlen. Bald können Menschen so arbeiten, leben und shoppen an Orten, die nur im Computer existieren. Die Firmen erkennen nach und nach das Potential von IoT. Die Einsatzbereiche kennen so keine Grenzen. Produkte können selbstständig Berichte erstellen oder Eigendiagnose. Arbeitsprozesse werden automatisiert. Die Maschine-zu-Maschine Kommunikation wird selbständig. Das größte Wachstum wird bei digitalen Lösungen bestehen. Wichtig ist das Schaffen allgemeingültiger Standards. Ein gutes Beispiel ist die Vision einer Smart City (öffentliche Gebäude, Straßenbeleuchtung, Energie).

IoT und neue Geschäftsmodelle: 1. Smarte Produkte (Überwachung oder Steuerung). 2. Business Chancen  (Smart City, Smart Supply Chain, Smart Energy, Connected Car, Connected Health, Smart Agriculture). 3. Monetarisierung von Produkten. 4. Smart Services.

Blockchain - Technologie: A trifft eine Vereinbarung mit B. Diese wird in einem Datenblock festgehalten (Smart Contract). Der neue Datenblock wird an alle Mitglieder  verteilt und so durch alle Mitglieder der Chain bestätigt. Dieser Datenblock wird an die bestehende Blockchain gefügt und kann nicht mehr verändert werden. Die Vereinbarung trifft in Kraft. McKinsey zweifelt 2019 in einer Studie am Erfolg der Technologie in der Praxis. Quelle: Higginson, Matt et al.: Blockchains´s Occam problem.

Blockchain - Glossar: 1. Distributed Ledger: Zentral gesteuerte und weltweit verteilte Datenbanksysteme (dezentraliisert). Die Blockchain gehört dazu. 2. Tangle: Transaktionsdaten werden nicht - wie bei der Blockchain - chronologisch hintereinander angeordnet, sondern in einem netzwerkartigen Gewirr (Tangle) mit vielfältigen Knotenpunkten (Nodes). "Miner" fallen hier weg. 3. Smart Contracts: Eine beliebige Transaktion wird automatisch unter der Voraussetzung abgewickelt, dass alle beteiligten Parteien die zuvor in der Blockchain niedergelegten Konditionen erfüllt haben. 4. DApps: dezentralisierte, automatische Apps. Open Source, öffentlich in einer Blockchain gespeichert. 5. DAO (Decentralised Autonomous Organization): Ein eneue Form der Organisation, deren Geschäftsordnung, Gesellschaftsvertrag oder Satzung durch einen Smart Contract festgelegt und automatisch ausgeführt wird. 6. ICO: Bei einem Initial Coin Offering (ICO) werden quasi digitale Wertpapiere aufgelegt. 7. Kryptokatze: Eine der erfolgreichsten Anwendungen auf der Blockchain - Plattform Ethereum. Anwender können virtuelle Kätzchen (Cryptokities) züchten und mit ihnen handeln. Vgl. Sommer, Sarah: Vertraut den Daten, in: brand eins 06/18, S. 20ff. Weiterhin ist die Blockchain konsensbasiert, dezentralisiert, sie nutzt Kryptographie, jeder Datensatz ist mit dem vorhergehenden verbunden, Datensätze können nur schwer manipuliert werden, es kann nahezu in Echtzeit aktualisiert und reproduziert werden. 8. Token: Digitale Münze bzw. Schlüssel. Sie wird mithilfe eines Smart Contract erstellt. Bei Ethereum heißen die Münzen ERC20-Token. Ein Token kann verschiedene Funktionen haben: Sollen Eigentümer ihn einsetzen, um Dienstleistungen eines Start-ups zu nutzen, handelt es sich um einen Utility-Token. Soll er Anteile an einem Unternehmen repräsentieren, also einer Aktie gleichkommen, heißt er Equtiy- oder Security-Token und fällt unter die Kontrolle der Finanzaufsicht. 9. Whitepaper: Projektbeschreibung des Start-ups zum ICO. Verbindliche Zahlen fehlen fast immer. Es ist kein Börsenprospekt.

Ethereum: Plattform, die Softwareentwicklern ermöglicht, die unterschiedlichsten Anwendungen auf einer Blockchain zu schreiben.

Bots: Sie stellen ein Element künstlicher Intelligenz dar. Sie verbessern die Kommunikation mit Kunden. Sie werden bei Shopping und Wetter eingesetzt. Ein Beispiel ist check24 oder Tay von Microsoft. Sie spielen auch eine wichtige Rolle in sozialen Netzwerken.

Botnetz: Infrastruktur, meist krimineller Natur, um fremde Geräte zu kontrollieren und persönliche Informationen wie Passwörter auszuspähen (Pishing). Sehr bekannt wird das Netzwerk "Avalanche", das beim Online - Banking die Zugangsdaten ausgespäht hat und viele Kunden um Geld erleichtert hat.

Bimodale IT: In größeren Unternehmen braucht man zwei Arten von IT, die parallel laufen. Sie basiert in der Regel auf einem 3-Säulen-Modell: 1. Organisation (digitale Geschäftsprozesse, Sourcing Strategie, Business-Models), 2. Prozesse (Innovation, Agile Entwicklung, Continuous Testing und Delivery), 3. Technologie (Private & Public Cloud, CEP & Big Data, API-Management). Vgl. com! professional, 2/2016, S. 114ff.

Virtualisierung der Business-IT: Virtualisierungsansätze von Hardware gab es schon in den 1960er und 1970er Jahre bei Großrechnern von IBM. Das technologische Herzstück der Server- und Hardware-Virtualisierung ist der Hypervisor. Es ermöglicht insbesondere eine optimale Auslastung. Weiterhin gehören dazu die Anwendungs - Virtualisierung sowie Netzwerke und Speichersysteme. Hinzu kommen virtuelle digitale Arbeitsplätze. Insgesamt entsteht so ein "Rechenzentrum to go" (für einpaar  Stunden oder Tage).

Process Mining: Ein Workflow - System hält die digitalen Spuren fest, die jeder Schritt eines Prozesses produziert. Die digitalen Spuren können in betriebswirtschaftlichen Systemen entstehen, wie z. B. SAP. Unterschiedliche Aspekte eines Prozesses können berücksichtigt werden., um Schwachstellen aufzuzeigen.

Videos fürs Intranet: In Kürze könnten 80 Prozent des Intranet auf Videos entfallen. Eine Integration gibt es schon bei 60 Prozent aller Unternehmen.

Business-Chats: Das professionelle Miteinander verlagert sich von der E-Mail-Kommunikation zu Chat-Diensten. Als Überflieger gilt Slack. Facebook bietet Workplace an. Weitere Anbieter sind Microsoft (Team) und RingCentral (Glip).

Business Intelligence (Analysewerkzeuge): Man beobachtet auch eine starke Zunahme im mittelständischen Bereich. Haupteinsatzgebiete 2015 bei KMU sind Groupware (Kalender, E-Mail), Customer Relationship Management, Telefonie aus der Cloud, Collaboration-Anwendungen, Security as a Service, Branchenspezifische Anwendungen,  Office-Anwendungen, Enterprice Resource Planning.

Management by Null und Eins: Werden nicht nur Facharbeiter durch Roboter ersetzt? Sind Maschinen vielleicht die besseren Entscheider? Das kommt darauf an. Es gibt Bereiche, wo Computer überlegen sind, etwa im Controlling. Generell fehlen den Computer aber wichtige Fähigkeiten, die ein Manager braucht: komplexe Mustererkennung, gute Verhandlungsführung, Kreativität. Das alles kann ein Computer schlechter.

Collaboration: Mitarbeiter werden vom Informationsempfänger (klassische Email) zum aktiven Teilnehmer am Wissensmanagement. (vgl. Hochschule Mainz, www.trends-in-der-it.de ). Unternehmen werden zu Teilen von Netzwerken. Arbeit ist nicht mehr an Ort gebunden, sondern wird unabhängig von Zeit, Ort und Endgerät. Eine moderne Collaborations-Lösung muss die Teilnehme an Online- und Videokonferenzen von überall und mit jedem Endgerät ermöglichen. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Produkten (Auswahl: Asana, Basecamp, Jive, Slack, Trello). Folgende Element gehören in der Regel dazu: Ganzheitlichkeit, Best-of-Breed-Ansatz, Integration in den Workflow, Geschäftsprozesse, Verbindung zu Social Media, Sicherheitskonzept, kulturelle Aspekte beachten, Migrationskonzept, Leistung und Verfügbarkeit sicherstellen.

Agile Collaboration: Teams sollten multidisziplinär zusammengesetzt sein. Zum Netzwerk sollten auch externe Kollaborationspartner gehören. Kollaborationstools sollten zur Unterstützung bereit stehen.

Agile Methoden: Design thinking (komplexe Problemstellungen) Innovationslabore (Förderung innovativer Prozesse), Personal Kanaban (Organisation des Tagesgeschäftes), Lean Startup (Methode, um Produkt auf den Markt zu bringen), Instant Open Space (Meetingmethode), Scrum (Rahmenwerk für multidisziplinäre Teams), Lean Coffee (kollegialer Wissensaustausch), Delegation Poker (Delegation von Entscheidungen üben)

Agile Unternehmen (von der Mode zur Notwendigkeit, Firmenkultur, Frameworks): Das wichtigste ist, Agilität braucht ein echtes Ziel. Ohne das funktioniert Agilität nicht. Weiterhin müssen Unternehmen auf dem langen Weg zum agilen Unternehmen ihre Firmenkultur verändern. Agile Transformation muss bei jedem Mitarbeiter stattfinden. Dann müssen die Entscheidungsprozesse agil gestaltet werden (erhöht Engagement, Selbstorganisation, Beschleunigung). Es stehen eine Reihe von Frameworks bereit für agile Prozesse: Kanban, XP, SAFe, LeSS, OKB, Scrum.

Large-Scale Agile Frameworks: Frameworks sollen helfen, auch große Projekte mit agilen Methoden zu bewältigen. Dabei gibt es neun Prinzipien: 1. Wirtschaftlichkeit. 2. Systemisches Denken. 3. Variabilität voraussetzen, Optionen bewahren. 4. Inkrementelle Entwicklung, häufige Integration und schnelle Lernzyklen. 5. Objektive Bewertung funktionierender Systeme. 6. Arbeitsbelastung visualisieren und reduzieren. 7. Intervalle und Synchronisierung. 8. Intrinsische Motivation fördern.9. Entscheidungen dezentralisieren. Vgl. Hafen, Thomas: XXL-Projekte mit agilen Methoden bewältigen, in: com!professional 7/2019, S. 22ff.

Emotional Computing: Mitfühlende Computer. Eine einst absurde Idee wird immer realer. Menschen verstehende Avatare werden entwickelt. Die Maschine stellt eine einzige Wahrheit dar (die Individualität ginge verloren). 

Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung: 1. Backoffice: Durch direkte Erfassung und Verarbeitung von Daten verschwinden traditionelle Bürotätigkeiten. 2. Deep Learning: Systeme sind mit Datenbanken verknüpft und erkennen Muster. Dies kann auch höher qualifizierte Fachkräfte ersetzen. 3. Gig-Economy: Freie Mitarbeiter suchen auf virtuellen Plattforen nach Arbeit, die Unternehmen global ausschreiben. 4. Selbstfahrsysteme (Drohnen) ersetzen Taxi- und LKW-Fahrer, Lageristen, Post- und Paketboten. 5. Robotisierung: 3-D-Drucker ersetzen hoch qualifizierte Handarbeit (Zahntechnik, Wartungs- und Arbeitsroboter in Fertigungsstraßen).

Augmented Reality und Virtual Reality: Ersteres: Bildschirme, auf denen real existierende Aufnahmen mit graphischen Objekten angereichert werden. Zweites: VR-Brillen, mit denen Nutzer digital simulierte Welten direkt vor Augen haben. VR kann zum Innovationstreiber für den B2B-Bereich werden. Interne Prozesse eines Unternehmens können optimiert werden und die Interaktion mit den Kunden kann neu gestaltet werden. Für Ingenieure und Designer können Anwendung - Szenarien realitätsnah simuliert werden. Dreidimensionale Marken-, Produkt- und Innovationswelten können unmittelbar für den Kunden erlebbar gemacht werden. Am meisten wird die Technik im Computerspielesektor eingesetzt.

Assisted, Augmented und Mixed Reality, Cross Reality: Bei Assisted Reality werden Zusatzinformationen, die einen Vorgang unterstützen und vereinfachen, am Rande des Sichtfeldes transparent eingeblendet. Beispiele sind die Head-up-Displays mancher Navigations- und Assistenzsysteme, die Informationen auf die Windschutzscheibe in die periphere Sicht des Fahrers projizieren. Augmented Reality geht einen Schritt weiter und blendet computergenerierte 3D-Welten statt dürrer Zahlen oder einfacher Symbole in die reale Umgebung ein. Die echte Realität wird um virtuelle erweitert. Die Mischung aus virtuellen und physischen Komponenten bezeichnet man als Mixed Reality, es sind also VR-Anwendungen. Cross-Reality (XR) oder auch Extended Reality wird als Oberbegriff für VR, AR, und MR verwendet und bezieht sich auf alle Erfahrungswelten, die von Computern und tragbaren Geräten erzeugt oder verändert wird.

Datenbrillen: Man unterscheidet zwischen Monokularen Datenbrillen für Assisted Reality und Binokularen Datenbrillen für Assisted/Augmented)Mixed Reality. Hersteller ersterer sind z. B. Vuziz, Telepathy, Google und Fujitsu. Letztere kommen z. B. von Epson, ODG oder anderen. Die Hololens von Microsoft hat eine Sonderstellung. Windows Mixed Reality ist eine durchgängige Plattform zur Erstellung und Nutzung von Mixed-Realty-Anwendungen.

Einsatzmöglichkeiten von Assisted, Augmented und Mixed Reality: Mehrwerte könnten in folgenden Bereichen erzielt werden: Logistik (Kommissionierung, geringere Fehlerquote, mehr Produktivität, höhere Mitarbeiterzufriedenheit); Fertigung (Anweisungen als Schritt-für-Schritt-Anleitung, komplexe Montagevorgaben); Bauwesen (Gebäude lassen sich visualisieren); Medizin (erweiterte Information während der OP); Qualitätssicherung (Prüfprotokolle); Marketing (Produkte in der realen Umgebung); Zusammenarbeit (Schulungen, Design); Service und Wartung (Wartungshandbücher, graphische Darstellungen); Aus- und Weiterbildung (Training an virtuellen Objekten); Militär (Informationssysteme in Fahrzeugen, Befehle). Vgl. com!professional 3/2018, S. 20.

Soziales VR-Netzwerk: Fans können mit fotorealistischen 3D-Abbildern ihrer Lieblingsstars aus Sport, Film oder Entertainment interagieren. Das Start-up "STARAMBA SE" arbeitet daran. die Firma ist Technologieführer bei fotorealistischen 3D-Avataren.

E-Learning: Ist auf dem Vormarsch in der Fortbildung bei KMU. Digital lässt sich eine Menge Geld einsparen. Die Methode muss zum Zweck mit ihren Stäken und Schwächen passen. Eingesetzt werden kann Virtuelles Lernen (Webinare/Podcasts), Integriertes Lernen (Schulungsvideos), Computergestützte Informations- und Kommunikationssysteme, Fachforen und 3-D-Plattformen.

Digitalkompetenz: Digitale Fähigkeiten bei Unternehmen und Mitarbeitern. Neun von zehn Jobs werden in Zukunft diese Kompetenz erfordern. Informatik und digitale Medien müssen stärker in die Bildung einfließen. Die Mittelschicht dürfte von Robottern am stärksten gefährdet sein (auch qualifizierte Kräfte in Büros, Kanzleien und Praxen).

Social Tools: Soziales Intranet im Unternehmen. Meist handelt es sich um Cloud basierte Anwendungen. Dabei sollten folgende Punkte beachtet werden: Sinn und Zweck festlegen. Ein Bewusstsein schaffen. Verhaltensregeln definieren. Vgl. Paul Leonardi und Tsedal Neeley: Social Tools richtig eingesetzt, in: HBM, Februar 2018, S. 52ff.

Bring Your Own Devise (BYOD): Private Mobilfunkgeräte (Smartphones, Tablets, Notebooks) werden im Unternehmen eingesetzt. Das bringt den Unternehmen Vorteile und Risiken. Die Vorteile liegen in der Optimierung von Geschäftsprozessen, der erhöhten Flexibilität und Mobilität der Mitarbeiter, der erhöhten Effizienz der Mitarbeiter, der schnellern Entscheidungsprozesse. Die Risiken stellen eigene Anwendungen, Viren, Spionage u. a. dar. Also sollte es ein Mobile Device Management 8mit Risk Management) geben. 

Business Process as a Service (BPaaS): Verlagerung von Geschäftsprozessen in die Cloud. Prozesse wie Marketing und Buchhaltung lassen sich komplett in der Cloud abwickeln. Geeignet sind auch Personalverwaltung, Beschaffungswsen, Projektmanagement, Supply-Chain-Management.

Netzneutralität: gleichberechtigte, neutrale Übertragung von Daten im Internet, unabhängig von Sender und Empfänger der Daten sowie deren Art und Funktion. Ausgewählte Datenpakete sollen in Zukunft bevorzugt transportiert werden. Diese Möglichkeit schafft eine Verordnung der EU.

Internet-Infrastruktur: Die KMU versorgen den ländlichen Raum mit Arbeitsplätzen. Das schnelle Internet ist aber noch nicht auf dem Land angekommen. Der teure Netzausbau lohnt sich für die Anbieter kaum. "Digitale Feldwege"  zwischen Standorten von Unternehmen müssen systematisch bekämpft werden. Ohne öffentliche Förderung geht es dabei nicht. So fördert vor allem das Land Baden-Württemberg gezielt Glasfaseranschlüsse in Gewerbegebieten. Das Bundesförderprogramm ist eher für Haushalte gedacht.

WebRTC (Echtzeit-Kommunikation über den Browser): Die Relevanz von Endgeräten geht in Unternehmen zurück. Die Arbeitsplätze werden digital. Unterschiedliche Plattformen werden zusammengeführt.

Sonderwege in der Cyber-Technologie: China versucht mit einem scharfen Cyber-Sicherheitsgesetz einen Sonderweg in der Digitalisierung zu gehen. Man hat auch Angst vor einer Dominanz der USA. Ausländische Verbande, wie der Verband der deutschen Maschinenbauer, warnen davor.

SAP HANA 2: Neue Version der In-Memory-Datenbank. Sekundärsysteme können für leseintensive Workloads eingesetzt werden. Erweiterung beim Datenmanagement (Unternehmensmodellierung, Datenintegration, Datenqualität). 2017 rücken SAP und Mikrisoft im Cloud-Geschäft näher zusammen. HANA wird voll in Azure integriert.

Data-Science-Plattformen: Datengetriebene Geschäftsmodelle im operativen Alltag. Als Elemente gelten Import unterschiedlicher Datenformate, Konsolidierung der Daten, Integration verschiedenster Werkzeuge, Analysemöglichkeiten für unterschiedliche Zielgruppen, Finden von Mustern, Erstellen prädiktiver Modelle, Integration in Geschäftsmodelle, Anpassung. Entscheidende Voraussetzung ist, genug Daten in der richtigen Qualität zu haben.

Deep Learning: Hocheffizienter Mechanismus, der es ermöglicht, Speicheranforderungen in Deep Neuronal Networks (DNN) auf verschiedene Maschinen zu verteilen. Auf diese Weise kann die Kapazität bestehender IT - Infrastrukturen ausgeweitet werden. Im Moment ist Fujitsu aus Japan führend. Dell holt auf. Dell EMC bringt neue Lösungen. Es gibt "Ready Bundles".

Index der digitalen Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland liegt 2017 auf dem 17. Rang. Berechnet wird der Index vom World Competitiveness Center des International Institutes of Management Development der Universität Zürich. Vorne liegen Singapur, Schweden, USA, Finnland und Dänemark.

Drohnenwirtschaft: Drohnen werden mit den Komponenten Drohne, Apps und Cloud betrieben. Sie werden benutzt von einer Bastlerszene, Privatnutzern und Unternehmern sowie vom Militär und öffentlichen Institutionen. Sie sind das Internet der fliegenden Dinge. die kommerzielle Nutzung wird der Wirtschaft einen Schub verleihen. Die Informationen über den öffentlichen Raum können in der Landwirtschaft, in der Bauwirtschaft, in der räumlichen Orientierung (Katastrophenschutz, Versicherung) verwendet werden. Extrem ist der Nutzen in der Logistik bzw. beim Transport. Zunehmend helfen Drohnen auch den Energieversorgern. Zum Beispiel kann die Drohne Stromleitungen inspizieren.  2017 soll es in Deutschland 600.000 Drohnen geben. Immer mehr werden Drohen im Verkehr eingesetzt: Inspektionsdrohnen beim Transport gefährlicher Güter, Cargo-Drohen, Flugtaxi, Rettungsdrohne mit Defibrilator, Aufklärungsdrohnen für die Polizei.

Geschäftsfelder für den Drohneneinsatz: Paketboten und Schwerlastesel. Flugtaxis für Großstädte. Wartung aus der Luft. Säen, Düngen und Spritzen. Lagerverwaltung. Intelligente Auswertung. Nach Bauart unterscheidet man zwei Typen: Multikopter, Kippflügler. Nach Größe und Gewicht unterscheidet man drei Typen: Nano - Drohnen, Mikro - Drohen, Mini - Drohnen.

Verantwortlicher für KI-Strategie und Bezeichnung: Die ausführliche Bezeichnung wäre "Chief Artifical Intelligence Officer". Als weitere Funktions- bzw. Berufsbezeichnungen werden verwendet: Chief Information Officer, Chief Technology Officer, Chief Executive Officer, Chief Data Officer, Chief Digital Officer, Chief Operations Officer.

Industrial Analytics: Veredeln von Daten mit Analytic-Tools. Maschinendaten sollen so Umsatztreiber werden. Tools sind: Advanced Analytics Platforms, Business Intelligence Tools, Predictive Analytics Tolls, Simulation Tools, Statistical Package, Artifical Intelligence, Streaming Analytics Tools, Cognitive Analytics, Fog Analytics.

Tracking-Software: 77,4% der Webseiten (page loads) werden getrackt. Gostery hat dafür 850.000 Nutzer aus mehr als 20 Ländern untersucht. Ganz vorne ist Google vor Facebook.

E-Privacy: Kampf um den Datenschutz im Internet. Die EU plant eine neue Verordnung. Sie soll die Nutzung von Cookies und Tracking weit reichend einschränken. Die Medien- und Werbebranche läuft Sturm dagegen.

Digitalisierung und soziale Änderungen im Betrieb: Digitalisierung ist ex definitione die Summe von Zusammenhängen. Die Menschen müssen mehr denn je im Team zusammenarbeiten. Reinhard Sprenger spricht von einem Füreinander, das ein qualitatives Mehr schafft.

Wert von Digitalem: Digitale Produkte vermitteln nicht das gleiche Eigentumsgefühl wie physische Güter. Weil wir sie nicht anfassen, festhalten und kontrollieren können, empfinden wir sie nicht richtig als Eigentum. Vgl. Atasoy/ Morewedge: Digital Goods Are Valued Less Than Physical Goods, in: Journal of Consumer Research, Oktober 2017.

Composable Infrastructure: Flexible Ressourcen. Infrastructure as a Code. Modular aufgebaute integrierte Infrastrukturplattform.

Tools für Projekt-Nomaden: Start-ups, die sich mit Projektentwicklung befassen, setzen auf agile Entwicklung. Dabei werden oft so genannte remote - Fachkräfte eingesetzt. Diese Mitarbeiter sind nicht mehr im Büro ansässig. Sie arbeiten auch mit meist kostenfreien Tools. solche sind scoro, workzone, N, huddle, Wrike, connectwise, toggl oder meistertask (auch zoho, when I work).

Datengetriebenes Business/ Datenablagen/ Vermeiden von Datensilos: Datensilos sollten kontinuierlich beseitigt werden. Dazu gehören folgende Elemente: 1. Bestandsaufnahme (Datenqualität, Datenschutz, Recht). 2. Durchführung (Themen generieren, Lösung evaluieren). 3. Pilot-Projektstart (Daten ermitteln, Daten analysieren). 4. Technische Umsetzung (Datenextrahierung, Adapter). Vgl. Datengetriebenes Business statt Datensilos, in: com!professional 3/2019, S. 74ff.

 

Digitales Marketing:

(auch Internetmarketing; dieser Teil ist umfangreicher, weil er oft noch in Lehrbüchern fehlt): Alle Maßnahme im Marketing, die über Computer und Internet ausgeführt werden. Technologien müssen integriert und Strategien angepasst werden. Zunächst muss "eine digitale Reife" entwickelt werden. Das Marketing muss optimal in das Management von Daten eingefügt werden. "Zero Trust" muss bei der Sicherheit das Konzept sein. Es muss eine Verbindung bzw. Schnittstelle zur Industrie 4.0 geben. Im Vordergrund steht "Augmented Reality" als Kombination aus wahrgenommener und vom Computer erzeugter Realität. Das Netzwerk der "Quantified Self" muss genutzt werden. Fog-Computing wird Cloud-Computing ablösen. Digitales Marketing heißt auch direkter Kundenkontakt, Produkt- und Serviceinnovation, Unternehmen 3.0 (Effizienzsteigerung entlang der Wertschöpfungskette). Die Aktivitäten im Digitalen Marketing sind entweder sichtbar oder unsichtbar. Sichtbar sind z. B. Internetauftritt, E-Commerce, Online-PR. Nicht sichtbar ist Suchmaschinen-Marketing, Suchmaschinen-Optimierung, Auswertung des Nutzungsverhaltens. Vgl. H. Ahlf: Digitales Marketing, in: WISU 1/2016, S. 49f. IT-Technik formt aber auch den Point of Sale der Zukunft. Im Einzelnen umfasst digitales Marketing folgende Elemente: Echtzeit-Transaktionen (Technologieprogramm für Werbekampagnen), Big Data (siehe folgenden Artikel), Datenanalyse, Mobile Technologie, Datenspeicherung, Social Media, Verfolgung (Schritte der Kunden bei ihren Internetaktivitäten und beim Kaufprozess).

Systematik des digitalen Marketings: Einteilungen sind möglich nach dem Wirkungsbereich, den Märkten, den Phasen, den Instrumenten und den Technologien. Häufig wird auch nach Schwerpunkten mit besonderer Bedeutung gegliedert: Social Media, Content Marketing, Personalisiertes Marketing, Marketing-Automation, Influencer-Marketing und Native Advertising.

Digitales Marketing als Antwort auf eine digitale Gesellschaft: Die Gesellschaft digitalisiert sich. Dann haben auch moderne Kunden neue Erwartungen. Diese richten sich auf die Eigenschaften "digital, serviceorientiert und interaktiv". Die digitalen Generationen sind Kunde, Mitarbeiter, Partner. Entscheider sind auf jeder Ebene: Personalstrukturen müssen neu gedacht werden. Kommunikation sollte auf Augenhöhe sein (schnell und bidirektional). Kooperation ersetzt Konkurrenz. Kundenbindung wird durch Begleitung erreicht. Vgl. Spancken, Christian: Digital Denken statt Umsatz verschenken. Online-Strategien für den Mittelstand, Berlin (Econ) 2018, S. 25ff.

Digitale Prozesse: Digitale Prozesse bestehen aus fünf Bausteinen: 1. Infrastruktur. Dafür braucht man vor allem gute Netze (Highspeed-Internet, Breitband). 2. In Europa fehlen die Basisunternehmen wie in den USA Apple, Google, Amazon. Die europäische Industriepolitik müsste vorhandene Unternehmen strategisch unterstützen. 3. Big Data muss ausreichend installiert werden und funktionieren. 4. Der Arbeitsmarkt muss eine ausreichende Flexibilität aufweisen, um sich zu wandeln. 5. Ein transatlantisches Datenschutzabkommen wäre sinnvoll. Vgl. Ries, Florian: Die Digitalisierung in fünf Fakten, in: bdvb aktuell, Nr. 131, S. 20f. Auch Unternehmensprozesse laufen zunehmend digital ab. Dazu gehören digitale, elektronische Rechnungen, digitale Verträge, digitales Personalmanagement, digitales Marketing (direkter Kundenkontakt, Produkt- und Serviceinnovation, Unternehmen 3.0) . "Ohne ausgebildete Fachkräfte und den tatkräftigen Einsatz Tausender, besser Hunderttausender unternehmerisch denkender kluger Köpfe in unserem Land werden wir den Wettbewerb um die digitalen Märkte der Zukunft nicht gewinnen können", Winfried Kretschmann, Ministerpräsident BW.

Marketing 4.0: Ein anderer Begriff für digitales Marketing. Die Betonung liegt aber auf der Kombination von Online- und Offline - Interaktionen, also um die Integration von klassischem und digitalen Marketing. Nach Kotler sollen die Ebenen Engagement, Experience und Enjoyment erreicht werden mit Aware, Appeal, Ask, Act und Advocate. Ziel soll WOW sein. Vgl. Kotler u. a.: Marketing 4.0, Frankfurt/ New York 2017, S. 59ff.

Digitale Marktstrategie: Digitales ändert alles. 1. Kundennutzen muss neu gedacht werden. Produkte und Dienstleistungen werden individualisiert. Ein digitaler Prozess hin zum Kunden setzt auf Einfachheit und Kundenerlebnis (Simplification/ Experience). Im Business-to-Business-Bereich ist Fernwartung möglich. 2. Wertschöpfung kann neu definiert werden. Wertschöpfungsketten können digitalisiert und automatisiert werden. 3. Market making neu denken. Verbindung industrieller Plattformen mit industrieller Wertschöpfung. Vgl. Thomas Hutzschenreuter, TU München in: FAZ 269, Mo. 20.11.2017, S. 18.

10 häufigsten Fehler beim digitalen Marketing: 1. Sich auf Endbenutzer statt auf Angebote konzentrieren. 2. Nicht die Kunden ansprechen. 3. Von potentiellen Kunden zu früh zu viel verlangen. 4. Nicht für Webseitenbesucher zahlen wollen. 5. Zu sehr auf das Produkt ausgerichtet sein. 6. Die falschen Kennzahlen verfolgen. 7. Seine Medieninhalte bei Dritten parken. 8. Bei Inhalten auf Quantität statt auf Qualität zu achten. 9. Marketingziele und Vertriebsziele nicht in Einklang bringen. 10. Sich ablenken lassen. Siehe  Ryan Deiss/ Russ Henneberry: Digitales Marketing, Weinheim 2018, S. 325ff.

Elemente eines digitalen Marketings: 1. Ganzheitlich: Pricing - der Preis ist variabel. Place - der Ort ist überall.  Produkt - Gesamtbild soll stimmen. 2. Strategisch: Branding vs. Performance - Ziele und Zielgruppe bestimmen, Maßnahmen wählen. Kommunikation statt Werbung.  3. Kundenfokussiert: Jeden Kunden im richtigen Moment abholen, begeistern, binden. Suchmaschinen als kommunikative Spielwiese. Vgl. Spancken, Christian: Digital Denken statt Umsatz verschenken. Online-Strategien für den Mittelstand, Berlin (Econ) 2018, S. 25ff.

E-Business: E-Communication, E-Entertainment, E-Education, E-Commerce, E-Collaboration.

Agile IT: Menschen reden miteinander, die früher Nichts miteinander zu tun hatten. Die IT muss heute die schnelle Umsetzbarkeit abbilden. Die IT wird zum Enabler. Sie eröffnet auch neue Flexibilitätsräume. Vgl. Carsten Hentrich/ Michael Pachmajer: d.quarks, Hamburg (Murmann), S. 25ff.

Social Listening: Überwachung des Social-Web und Kümmern um Kundendienstfragen und Problemen im Online-Reputations-Management, die dort auftauchen. Reputation muss gepflegt werden, Kundenabwanderung sollte reduziert werden, Produktlücken sollten ermittelt werden, ebenso Content Gaps. 

Brücke zwischen digitaler und physischer Realität (Augmented Reality, AR): Neue Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Es verändert die Wertschöpfung von Unternehmen: Produktion, Personalentwicklung, Kundenkontakt. Technik: Mithilfe erweiterter Realität können digitale Bilder und Daten auf reale Gegenstände projiziert werden. Dadurch werden Daten direkt in den Kontext gestellt, in dem wir sie brauen. Dadurch können Informationen besser als Handlungsgrundlage genutzt werden. AR kann visualisieren, anweisen bzw. anleiten und auch interagieren. Vgl. Michael E. Porter, James E. Heppelmann: Eine Brücke zwischen Digitaler und Physischer Welt, in: HBM, Februar 2018, S. 20ff.

Crowd: Wenn Unternehmen im Internet die Konsumenten über Produktideen abstimmen lassen. doch die Beziehungen der Teilnehmer untereinander, die schwer zu kontrollieren sind, verfälschen die Ergebnisse. Deshalb sollte man nicht sein ganzes Vertrauen in eine Crowd stecken.

Zum Inbound-Marketing gehören Blogs, Social-Media-Marketing und Suchmaschinenoptimierung. Vgl. BWL Kompakt. Der visuelle Crashkurs, München 2016, S. 210ff. Inbound-Marketing ermöglicht mehr Leads. Die Marketing-Aktivitäten werden auf einer Plattform gebündelt. Eine optimale Abstimmung von Vertrieb und Marketing ist möglich. Insgesamt kann die Marketing-Strategie optimiert werden.

Wandel der Kunde-Unternehmensbeziehung in der Digitalisierung: Mit dem Aufstieg der Social-Media-Plattformen tauschen sich Menschen untereinander stärker über Produkte aus. Marketingfachleute müssen kanalübergreifend kommunizieren und mit positiven und negativen Botschaften über ihre Marken umgehen können. Sie müssen bedeutungsvollere Beziehungen zum Kunden aufbauen. Big Data und künstliche Intelligenz müssen integriert werden. Kommunikation und Produkte werden immer mehr personalisiert. Insgesamt findet eine Machtverschiebung zum vernetzten Kunden statt. Marketing wird horizontal (F-Faktor: Freunde, Familie, Fans, Follower), inklusiv (weniger Barrieren, mehr Kopperationen)  und stärker sozial (soziales Umfeld, auch im Netz).

Paradoxien beim vernetzten Verbraucher: 1. Online- und Offline - Interaktion. 2. Informierter und abgelenkter Kunde. 3. Negative und positive Empfehlung. Das veränderte Umfeld in der digitalen Welt schafft diese Paradoxien. Vgl. Kotler u.a.: Marketing 4.0, Frankfurt/ New York 2017, S. 43f.

Customer Touch Points: Berührungspunkte zwischen Unternehmen und Kunden. Kunden beschaffen sich Informationen über die Kontaktpunkte. Am Ende steht die "Customer Experience". Die Anzahl der Punkte steigt rapide durch die Digitalisierung.

Beacons: Kleine Sender, die per Bluetooth - Technologie Nachrichten an Smartphones senden können. Sie werden heute verstärkt für Shop Analytics und Retargeting eingesetzt. die eigentliche Ansprache findet schon außerhalb des Geschäftes statt.  Das Nutzungsszenario ist hauptsächlich im Handel. Aber auch außerhalb kann man die Technik einsetzen (Kreuzfahrtschiffe, Gebäudemanagement)..

Kooperation zwischen Marketing und IT (CMO und CIO): Marketingfachleute und IT - Spezialisten müssen in Zukunft eng zusammenarbeiten. Einerseits weitet das Marketing seine Aktivitäten auf Websites, mobile Geräte, soziale Medien und E-Mail aus, andererseits muss die IT dafür eine funktionierende Infrastruktur bereitstellen. Die Grenzen der Verantwortungsbereiche werden unschärfer. Beide müssen daher auf gemeinsame Zielgrößen ausgerichtet werden. Daher sollten Boni nur an Ziele geknüpft werden, die beide gleichzeitig erreichen können. Vgl. CMO und CMI: die Powerpartnerschaft, in: Harvard Business Manager, September 2017, S. 32ff.

Content-Marketing: Kommunikation im Online-Zeitalter. Es geht um die spezifische Gestaltung der Kommunikationspolitik eines Unternehmens. Durch überzeugende Geschichten sollen Gespräche in Gang gebracht werden. Kern ist, den Zielpersonen und Zielgruppen informierende, beratende und unterhaltende Inhalte zu präsentieren, die häufig nur einen indirekten Bezug zum Leistungsangebot des kommunizierenden Unternehmens haben (nützliche Inhalte statt Wertversprechen). Kanäle des Content-Marketings sind die Quadranten "Unterhalten", "Inspirieren", "Bilden" und "Überzeugen". Vgl. Kreutzer, r. T.: Content-Marketing. Buzzword oder Erfolgsstrategie? in: WiSt, Heft 5/ 2016, S. 263ff. Ein anderer Begriff für diesen Sachverhalt ist  Journalismus-Marketing: Unternehmen jagen mit als Nachrichten getarnten Internetseiten nach Kunden. Nebenbei werden Daten über den Alltag der Kunden gesammelt. Den Nutzern werden unterhaltsame und informative Inhalte geboten. Es ist keine neue Erfindung. Eine der ältesten Beispiele ist der Guide Michelin. Heutige Formen sind meist Internet basiert (Blogs, Whitepaper, Tweets, Posts). Insofern ist es also datengesteuert. In einer weiten Interpretation ist dies Content Marketing an sich. Kein Wunder also, dass nach einer Studie 2016 (Oracle) 77% aller Unternehmen ihr Budget aufstocken wollen. Das Grundproblem von Content-Marketing sind viele Inhalte, aber keine Aufmerksamkeit ("digitales Nirwana"). "Republishing" kann dagegen helfen.

Ziel, Instrumente und Inhalte des Content-Marketing: Ziel ist es, aus potentiellen Kunden Kunden machen. Instrumente sind die Bekanntheit, die Evaluierung (Bewertung der Kunden) und die Konversion (kaufen oder nicht kaufen). Inhalte können sein: Blogs, Webinare, You Tube-Videos, Events, Produktvergleiche, Aussagen zufriedener Kunden.

Engagement-Marketing: Einbeziehung der Kunden bei der Entwicklung einer Marke. Kunden sollen ihre Meinung mitteilen und sich so der Marke näher fühlen. Wichtige Hilfsmittel sind Handy - Apps, Social CRM und Gamification. So kann die digitale Erfahrung optimiert werden und eine Markenaffinität erzeugt werden. .

Digitale Markenführung: Sie zerfällt in einzelne Disziplinen: Markenbotschaft im Netz (Wiedererkennungwert, Verlinkung), Kommunikation mit dem Kunden im Netz (Benutzerfreundlichkeit, Inhalt, vor allem Schnelligkeit), Nutzwert im Netz, Einsatz von Online-Trends (Innovationsfreude). Besonders Unternehmen, die ihre Kunden für sich einspannen, sind erfolgreich (Bewertungen, Kooperation in der Produktentwicklung, Inhalte weitergeben).

Plattformstrategie: Plattformunternehmen bringen Produzenten und Konsumenten zusammen. Die größten Werte einer Plattform sind ihre "Community" und die Ressourcen der Mitglieder. Der Schwerpunkt verlagert sich vom Kontrollieren zum Organisieren von Ressourcen. Externe Interaktionen müssen Vorrang vor dem Optimieren interner Prozesse haben. Nicht nur Kundenwert, sondern der Wert des gesamten Ökosystems (gemeint ist das Umfeld) soll gesteigert werden. Traditionelle KMU müssen versuchen, Plattformen anzubieten und damit verbundene neue Strategien lernen. Konkurrenten können sehr leicht aus fremden Branchen auftauchen. KMU sollten intelligent entscheiden, wen sie auf die Plattform lassen und was die Teilnehmer dort tun dürfen. Mit neuen Kennzahlen sollten die Interaktionen überwacht werden. Das Grund-Modell eines Plattformunternehmens sieht also wie folgt aus: Produzenten, also KMU,  sind in der Regel die Urheber der Plattform. Sie verbinden sich mit Konsumenten, die kaufen und nutzen wollen. Wichtig ist die Infrastruktur: Mobilfunkgeräte ermöglichen die Plattform. Inhaber der geistigen Eigentumsrechte und die Entscheider über den Zugang und die Nutzung der Plattform müssen sich ausreichend absichern. Vgl. O. V.: Plattform statt Pipeline, in: Harvard Business Manager, Juni 2016, S. 23ff.

Homo ludens: Der durch das Spiel sich entwickelnde Mensch. Diese Sichtweise ist nicht neu (Schiller: "der Mensch ist nur ganz Mensch, wo er spielt"). Die Digitalisierung fördert dieses Menschenbild wieder. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Spielen die primäre Kulturtechnik ist und er wichtigste Grund für Gesellschaften (das wusste schon Niklas Luhmann:  Art der Kommunikation). Heute spricht man von einer Weltgesellschaft, die in ihrer Komplexität noch nicht ausreichend erforscht ist. Das Spielerische in der digitalen Welt kann motivieren. Man spricht auch von einem Trend zur "Gamifizierung". Vgl. Manouchehr Shamsrizi, Interview in: bdvb aktuell, Nr. 137, S. 6f.

Big Data: Entweder absolute Größe der Daten oder Wachstumsrate. Es könnte die größte Veränderung im Marketing sein seit dem Internet. Es geht um das Sammeln von Kundendaten, die Auswertung in Systemen und die zielgenaue Kundenansprachen daraufhin. Gemeint sind auch Applikationen auf mobilen Geräten (Handys). So wird der Wettbewerbsvorteil über die Datennutzung definiert. "Customer-Journey" heißt die Reise zum Verkauf und Vertrieb auch. Big Data läuft in mehreren Phasen ab: 1. Assessment: Potentiale für den Einsatz von Big-Data-Methoden; 2. Readiness: erforderliche Hardware- und Software-Infrastruktur und entsprechende Kompetenzen; 3. Implementierung und Integration: Verbindung mit vorhandenen Datenquellen; 4. Reporting und Predictive Analytics: Optimierung der Reporting-Prozesse und evtl. Prognose. Bestandteile von Big Data sind die Datenmenge (Volumen), die Datenvielfalt, die Geschwindigkeit und Analytics. Insgesamt werden die Menschen immer mehr vermessen (Werbung, Shoppen, Onlinehandel, Kreditwesen, Reisen, Gesundheit, Lebensplanung u. a.), um Verhalten vorherzusagen. Die Frage ist, wie die einzelnen Menschen ihre Freiheit schützen können.  "Wer aus Daten die richtigen Schlüsse zieht, hat die Macht", com professional 11/2014, S. 3. "Die Daten über unser Verhalten explodieren", Susan Athey, Stanford. 2015 entbrennt über die Daten der Autofahrer ein heftiger Verteilungskampf. die Autofirmen wollen ihre Märkte sichern. Internetkonzerne wollen werben. Versicherungen wollen bessere Tarife entwickeln. "Datenorientierung darf nicht auf Kosten der Kreativität gehen", Philip Kotler, in: HBM, September 2017, S. 50. Die Totalüberwachung in China soll auch im Marketing genutzt werden. Die Gesichtserkennung ist weit verbreitet. Alibaba will die Technik im Handel nutzen.

Einteilung von Big Data: 1. Datenmenge (Volume). 2. Datenvielfalt (Variety). 3. Datengenerierung, Geschwindigkeit (Velocity). 4. Erkennen von Zusammenhängen (Analytics, Muster, Vorhersagemodelle).

Data Science für Nichtprogrammierer: Selfservice - Plattformen sollen selbst anspruchsvolle Big - Data - Analysen bewältigen. Es gibt eine Reihe von Data Science Tools. Dazu gehören RapidMiner, DataRobot, Driverless AI. BigML. Vgl. com!professional 12/2018, S. 80ff.

Roadmap für KMU bei Big Data: Beginnen mit kleinen Projekten. eindeutige Definition der Ziele. Zuerst kostengünstige Tools. Am Anfang keine weit reichenden strategischen Entscheidungen aufgrund von Big Data treffen. Aufbau von eignem Know- how.

Algorithmus: Eine Formel: Wenn A eintritt, verhalte dich so - tritt B ein, verhalte dich so. Ein Algorithmus kann auch lernen und die richtigen Antworten geben. Er kann aber den Sinn nicht verstehen und die Bedeutung erkennen. In jedem Falle fehlt ihm die wichtige Komponente Empathie. Trotzdem sind die Menschen, die die Algorithmen schreiben, die Schwachstelle.

Algokratie: Herrschaft der Algorithmen durch künstliche Intelligenz. Nutzer werden ausgespäht und damit Entscheidungsmöglichkeiten entzogen.

Online-Marketing: Die Kampagnen werden mit Software überwacht und analysiert. Dazu können gehören Content Marketing (vgl. Artikel oben), soziale und mobile Plattformen (vgl. Artikel unten), Marketing-Software, Website-Architektur, Programmierung, Daten und Analyse, IT-Operations (siehe oben).

Agile Marktforschung (Online-Marketing): Marktforschung der Online-Shops. Diese Methode hat viele Vorteile: Gute Datenqualität, echte Repräsentativität, Dialog und Feedback, Schnelligkeit, Reporting.

Marketing mit Daten: Das traditionelle Marketing muss einem Change - Management - Prozess unterworfen werden. Optimal verknüpft werden müssen der Datenbestand, führende Technologien, die Marketing-Effizienz und das Team bzw. die Organisation. Das kostet Zeit, Geld und Geduld. Vgl. Katharina Meran: Das Marketing mit Daten erfordert ein umdenken, in: com!professional 4/2017, S. 34ff.

Marketing-Automation: Kundendaten können automatisch analysiert und genutzt werden. Individuelles Einkaufverhalten kann personalisiert werden. Rabattangebote können auf zögerliche Käufer zugeschnitten werden. Kunden können gezielt Chat-Fenster angeboten werden. Käufe können auf Social Media gepostet werden. Die voraussichtliche Warenkorbgröße kann vorausgesagt werden.

Tools zur Datenvisualisierung: Easelly, CARTO, Infogram, Tableau Online, Qlik Sense.

Tracking-Software: 77,4% der Webseiten (page loads) werden getrackt. Gostery hat dafür 850.000 Nutzer aus mehr als 20 Ländern untersucht. Ganz vorne ist Google vor Facebook.

Retargeting: Der Kunde hat im Oneline - Shop einen Besuch ohne Kauf gemacht. Beim nächsten Besuch erscheint Werbung in Bezug zu dem ursprünglich gesuchten Gut (Wiedererkennungseffekt).

Marketing-Cloud-Lösungen ("Marketing-Wolke"): Die IT-Riesen Adobe, Salesforce und Oracle bieten Lösungen an. Für KMU sind mögliche Alternativen Marketo, Experian und Hubspot.

Insights Engine; Consumer and Market Insights (CMI): Neue Konzeption für Aufbau und Funktionsweise der Marktforschung im Unternehmen. Sie schafft es, über die reine Datenerhebung hinaus echte Erkenntnisse zu liefern: "Dank der engen Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen, dem innovativen Einsatz neuer Technologien und einer ganzheitlichen Mentalität, die kreatives und analytisches Denken in Einklang bringt", s. Frank van den Driest, Stan Sthanunathan, Keith Weed: So werden aus Daten Erkenntnisse, in: Harvard Business Manager Oktober 2016, S. 47. Insights Engine integriert Datenquellen, Innovationsinput, Maßnahmen und betriebliche Kapazitäten.

Data Analytics: Descriptive Analytics (What happened?). Diagnostic Analytics (Why did it happen?). Predictive Analytics (What will happen?). Prescriptive Analytics (How can we make it happen?) Die Schwierigkeit steigt mit den letzteren Verfahren, da sie die Zukunft im Auge haben.

Predictive Analysis: Auf Grundlage von Mustern aus historischen Daten werden zukünftige Ereignisse vorausgesagt. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass sich Muster wiederholen. Ziel ist die Optimierung (direkte Verarbeitung von Daten, um eine optimale Durchführung zu erreichen). Vielleicht können Zahlen irgendwann das Bauchgefühl ersetzen (ich selbst glaube nicht daran, weil die Annahme kühn ist). Knackpunkte sind Business Case, Datenqualität und Umsetzung. Die Methode kann auch zur Findung des idealen Preises eingesetzt werden. So optimiert die Methode Warenverfügbarkeit und Preise bei Otto.de .

Retail Analytics: Dient dazu, möglichst viel über die Kunden und ihre Wünsche herauszufinden. Bei Online-Shops gehört die Analyse von Besucherströmen zum Alltag. Insofern ist Webseiten-Analyse das Vorbild.  

Chatbots: Ein Chatbot (to chat=unterhalten, bot=Robot) ist ein Computerprogramm, das einen menschlichen Gesprächspartner simulieren kann. Sie können heute auch gesprochene Sprache verstehen. Sie werden daher auch kognitive oder virtuelle Assistenten genannt. Künstliche Intelligenz (KI) macht die Chatbots also immer schlauer (24-Stunden-Service, Schnelle Antworten auf einfache Fragen, sofortige Reaktion, effizientes Beschwerdemanagement). Damit werden sie Märkte und Marktteilnehmer in Zukunft verändern. Mittlerweile werden auch immer mehr Frameworks (Baukästen) für Chatbots entwickelt und angeboten. Die großen Anbieter sind Amazon, Facebook, Google und Microsoft. Chatbots kann dem Menschen Routine-Aufgaben abnehmen und dadurch Kosten sparen helfen.  Microsoft machte im März 2016 ein Experiment: Ein Sprachcomputer mit künstlicher Intelligenz sollte auf Twitter Sprechen lernen. Nutzer brachten der Maschine rassistische Antworten bei. Für die Medien ein gefundenes Fressen. Das Suchinteresse verzehnfachte sich. Die BA verwendet einen Chatbot als Berufstest. "Bis Menschen Dialoge mit Maschinen führen können, vergehen noch Jahre", T. Wingenter, Leiter Digital Innovations, Lufthansa.

Chatbots - Einsatz: Chatsbots müssen funktionieren und dem Kunden weiterhelfen. Wenn Chatbots gut gemacht sind, erhöhen sie die Kundenbindung. Es gibt fünf Gründe für Chatbots: Beitrag zum Verkaufserfolg, wertvolle Insights, Abbau von Komplexität, Ständig rund um die Uhr erreichbar, Zeit und Geld. Vgl. com!professional 12/2018, S. 64ff.

Growth-Hacking: Marketing im Internet mit minimalen Kosten, wie etwa die Nutzung der sozialen Medien zur Absatzförderung.

Hype: Entstehen neuer Trends im Internet durch Disruption. Der Google Trend Index zeigt das Suchinteresse von bestimmten Begriffen. Durch ein abruptes Ansteigen des Suchinteresses entstehen auch Geschäftsmodelle.

Startup THE SAAS CO.: In Berlin. Vertriebs - Bot für den Posteingang. Künstliche Intelligenz schafft einen Assistenten, der neue Kunden automatisch aufspürt. Lisa: Learning Intelligent Sales Agent.

Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR), Mixed Reality (MR): Alle diese Verfahren dürften Marketing und Vertrieb revolutionieren. Die Kunden können das Produkt ihrer Wahl intensiv erfahren (Auto, Haus, Schiff u. a. ) und emotionalisiert werden. Auch Konstruktionsmängel oder unpraktische Details können erkannt werden. Einige Unternehmen setzen die Elemente schon erfolgreich ein (Ikea, Lego, DER Touristik). In der Reisebranche wird sich diese Technik sicher weit verbreiten. Dadurch kann mehr Umsatz erzielt werden. Bei Virtuel Reality unterscheidet man zwischen 360-Grad-Videos und "echten" VR-Welten. Augmented Reality (AR) ist eine Kombination aus wahrgenommener und vom Computer erzeugten Realität. In ein Displaybild werden zusätzliche Informationen und virtuelle 3D-Objekte eingeblendet. Virtual Reality wird in folgenden Bereichen zunehmend eingesetzt: Planung und Projektierung von Gebäuden, virtuelle Inbetriebnahme von Produktionsanlagen, Produktdesign, Medizin, Fortbildung, Bildung, Forschung, Marketing und Vertrieb, Dienstleistung. Zunehmend wird Virtual Reality auch in Meetings eingesetzt.

Assisted, Augmented und Mixed Reality: Bei Assisted Reality werden Zusatzinformationen, die einen Vorgang unterstützen und vereinfachen, am Rande des Sichtfeldes transparent eingeblendet. Beispiele sind die Head-up-Displays mancher Navigations- und Assistenzsysteme, die Informationen auf die Windschutzscheibe in die periphere Sicht des Fahrers projizieren. Augmented Reality geht einen Schritt weiter und blendet computergenerierte 3D-Welten statt dürrer Zahlen oder einfacher Symbole in die reale Umgebung ein. Die echte Realität wird um virtuelle erweitert. Die Mischung aus virtuellen und physischen Komponenten bezeichnet man als Mixed Reality, es sind also VR-Anwendungen.

Datenbrillen: Man unterscheidet zwischen Monokularen Datenbrillen für Assisted Reality und Binokularen Datenbrillen für Assisted/Augmented)Mixed Reality. Hersteller ersterer sind z. B. Vuziz, Telepathy, Google und Fujitsu. Letztere kommen z. B. von Epson, ODG oder anderen. Die Hololens von Microsoft hat eine Sonderstellung. Windows Mixed Reality ist eine durchgängige Plattform zur Erstellung und Nutzung von Mixed-Realty-Anwendungen.

Internetnetzwerke (soziale Netzwerke, Social Media): Soziale Netzwerke im Internet sind Plattformen, in denen man sich mit Freunden, Bekannten, Kollegen, Kunden u. a. verständigen kann. Jede zweite mittelständische Firma ist in sozialen Netzwerken im Internet aktiv. Am beliebtesten sind Facebook, Xing, You Tube und Twitter. Daneben gibt es u. a. noch LinkedIn und Google+. Besonders für Dienstleistungsunternehmen sind die Netzwerke interessant, weil sie auch kostenlos sind. Bei den großen Unternehmen ist es eine etablierte Marketing-Methode. Soziale Netzwerke sind zwar eine ideale, kostengünstige Methode, aber es gelingt vielen KMU noch nicht, die Vorteile zu nutzen. Es bestehen große Defizite beim Controlling der Aktivitäten.  58% der deutschen KMU sind in sozialen Netzwerken vertreten (2014). Bei Großunternehmen sind es mit 81% deutlich mehr. 32% der kleineren Firmen prüfen, welchen Erfolg sie mit Social Media haben. 5% sind reine Karteileichen.

Service via Social Media (für vernetzte Kunden): Digitale Kunden stellen zunehmende Ansprüche an den Service. sie erwarten, dass Facebook, Video, Chat in die Beratung einbezogen werden. Man spricht von Cross-Channel-Konzepten. Schon 86% der Kunden nutzen fünf oder mehr Support-Kanäle. Die größten Hürden für die Unternehmen liegen in der technischen Einbindung.

Produktplatzierung bei Online-Händlern: Dazu muss man die Marktplatzoptimierung (MPO) bei den führenden Händlern kennen und studieren. Produktmittel und Produktmerkmale müssen richtig eingesetzt werden. Die Ranking-Faktoren müssen erforscht werden. Allgemeine Schlüsselwörter sind wichtig.

E-Commerce: Elektronischer Handel, Internethandel oder Onlinehandel genannt. Das Handelsgeschäft wird zwischen Wirtschaftssubjekten über ein computergestütztes, elektronisches Medium abgewickelt. Eine Sonderform ist M - Commerce, wenn das Geschäft über Handy oder Tablet - PC abgeschlossen wird. Weltweit dominierend sind Anbieter aus den USA wie Amazon und Ebay. Die chinesischen Unternehmen wie Alibaba, Jingdong Mall holen auf. In China ist mittlerweile der führende Online-Sales-Market (2015 Waren für 590 Mrd. Dollar). E-Commerce steht in engem Zusammenhang mit Online-Payment-Systemen, Social Media und Cross-Border E-Commerce.

Webshop: Teil einer Plattform oder Homepage. Sozusagen eine kleine E - Commerce - Lösung. Angebotssortiment, Bestellungen und Buchungen.

Shopsoftware für kleine und mittlere Unternehmen: Cosmoshop, ePages, Gambio, Magento, Oxid eSales, Prestashop, Shopware, Websale.

Kundenbindungsprogramme im E-Commerce: Bonuspunkte (Gratispunkte), Cashback, Preisnachlass,  ohne Versandkosten.

Influencer: Von engl. "influence" - beeinflussen. Ursprung der Idee ist eine alte soziologische Studie: Paul F. Lazarsfeld, The People´s Choice, 1940. Er zeigte, das die Mehrheit der Wähler stark von Meinungsführern beeinflusst wurde (Opinion Leader, Multiplikatoren). Seit 2007 im Marketing durch das Buch von Paul Gillin, The New Influence. Quill Driver, Fresco 2007. Als Ursprung gilt folgendes Buch eines amerikanischen Psychologen: Robert Cialdini, Influence, Science und Practice, 2001. Das Konzept der Multiplikatoren wird auf Social Media übertragen. Es handelt sich um Personen, die aufgrund einer starken Präsens oder eines hohen Ansehens in den sozialen Netzwerken des kommerziellen Internets (Facebook, Twitter, You Tube, Instagram) großen Einfluss haben. Es geht also um Kooperationen mit Social-Media-Stars. Cialdini nennt unter anderem folgende Einflussfaktoren: soziale Autorität, Vertrauenswürdigkeit, Hingabe, konsistentes Verhalten. Eine Theorie komplexer Netzwerke ist in der Psychologie erst in der Entwicklung. Grundlage der Influencer sind "Relevance", "Resonance" und "Reach". Übernehmen bekannte Politiker oder Sportler die Rolle spricht man von Celebrity Branding. Ein empirisches Maß für die Bedeutung eines Influencer ist die Zahl der Follower. Stars wie Cameron Dallas haben 2017 ca. 35 Mio. Follower (Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter). Einige Firmen starten Werbekampagnen mit ihnen (z. B. Calvin Klein). Einige Influencer vermarkten sich selbst über You Tube, auch mit eigenem Logo. Mittlerweile gehören Influencer zu den Großverdienern der Werbeindustrie. Man unterscheidet danach in Medi- und Micro-Influencer. Der Branchenverband Bitkom ermittelt 2017, dass immer mehr Online-Käufer Empfehlungen von Internet Meinungsführern folgen. Dazu gehören Blogger und Youtuber. 70 Prozent der Kunden seien aber enttäuscht. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Agenturen in Deutschland (z. B. Buzzbird, Divimore, Mediakraft,Pulse Group). Influencer schreiben auch zunehmend Bücher (Paola Maria, Pamela Reif, Paluten). Im Februar 2019 beginnt ein wichtiger Prozess gegen Cathy Hummels. Es geht um den Vorwurf unlautere Werbung ("Schleichwerbung"). Grundsätzlich geht es um den Rahmen von Influencern (in diesem Fall bei Instagram). Ein Star ist die Kölnerin Bianca Heinicke, genannt Bibi, mit eigenen Youtube-Kanal. Er heißt "Bibis Beauty Palace" und hat mehr als vier Millionen Abonnenten. Er erreicht eine passgenaue Zielgruppe. Damit ist Bibi selbst zur Marke geworden. Weiterhin sehr bekannt ist Leonie Hanne. Sie postet vor allem auf Instagram. Sie bekommt 2017  6000 US-Dollar für einen Marken-Post (Quelle: Statista). Werbe-Ikone ist auch Caro Daur. Einer der wenigen erfolgreichen Männer ist Flying Uwe aus Hamburg (Körper und Fitness). 2017 gerät das Geschäfts-Modell in Verruf. Es wird bekannt, wie leicht Follower zu kaufen sind (Dienstleister aus den USA arbeiten mit Bots). Außerdem werden die Blogs auch von Abmahnvereinen und Steuerfahndern gelesen, die für Ärger sorgen. Vgl. zu Daten über Influencer Handelsblatt, Montag, 21. August 2017, S. 24f. "Ich gucke mir einen Influencer an und denke: So eine Dumpfbacke. Warum macht der so einen Alarm?", Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei Veltins.

Unterschied zwischen Werbung und Produktplatzierung: Spielt bei der Einschätzung von Influencer-Marketing eine große Rolle. Produktplatzierung liegt vor, wenn ein Produkt kostenlos zur Verfügung gestellt wird, damit der Influencer dieses in seine Posts oder Videos einbauen kann. Der Influencer unterliegt anders als bei Werbung keinen inhaltlichen Vorgaben. Deshalb muss das Post auch nicht als Werbung gekennzeichnet werden. Zunehmend tauchen Influencer auch auf Festivals auf (Musikfestivals). Sie nutzen diese als Bühne im Auftrag von Unternehmen. Das ist wieder Product Placement ("Marketing im Matsch").

Instagram: Momentan (2017) die effektivste Plattform für Likes und Shares. Die durchschnittliche Interaktionsrate ist am höchsten. Die visuelle Komponente ist sehr wichtig. Somit handelt es sich um den führenden Kanal.

Whats App Business als Marketing-Kanal für kleinere Firmen: Facebook will seinen Messenger-Dienst als Marketing-Tool für KMU etablieren. Firmen können sich ab 2018 auf dem Business-Account präsentieren. Eine Einwilligung der Kunden ist erforderlich.

Enterprise Marketing Management mit IT - Tools (integrierte Lösungen): Mittlerweile gibt es eine Reihe von Anbietern und Lösungen. Als Beispiele seien genannt: Adobe Marketing Cloud, IBM Unica, Microsoft Dynamics CRM 2015, Oracle Marketing Cloud, Salesforce Marketing Cloud. Die Konzepte unterscheiden sich durch ihre Preise, kostenlose Testversion, maximale Nutzer, Erfassung und Anwenderunterstützung.

Künstliche Intelligenz (engl. Artifical Intelligence): Computer können viele Aufgaben vereinfachen. Für die Menschen ergeben sich viele Konsequenzen. Denken, Führen, Einordnen, Erfinden werden Fähigkeiten bleiben, die Menschen und Mitarbeiter verstärkt einsetzen. Insofern werden Wissensarbeiter immer wichtiger. Damit steigt auch die Bedeutung des Denkens. Wer das nicht mehr in ausreichendem Maße schafft, wird auf der Seite der Verlierer stehen. Vgl. E. Brynjolfsson und A. McAffee: Von Managern und Maschinen, in: Harvard Business Manager, November 2017, S. 22ff. Der Begriff geht auf den Mathematikprofessor John McCarthy vom Dartmouth College und das Jahr 1955 zurück. Ein weiterer Vertreter der ersten Stunde war der Ökonom Herbert Simon (1957). Typische Anwendungen im Marketing liegen im Mapping: Kaufhistorie als Eingabe (Input) und als Ergebnis (Output) das zukünftige Kaufverhalten. Die Anwendung dient der Kundenbindung. Rezeptdaten als Eingabe, Kundenbewertungen als Ergebnis, die Anwendung liegt bei Essens- bzw. Kaufempfehlungen. Eingabe von Gesichtern, als Ergebnis Namen, Gesichtserkennung von Stammkunden. KI kann ungeliebte Fleißarbeit ersetzen (personalisierte Kampagnen über Emotionen).

KI im Marketing: KI unterstützt die Mitarbeiter bei der Steuerung von Kampagnen oder im Content-Marketing. Vielleicht können so Emotionen verdrängt werden. In der Automatisierung von Marketingprozessen zeigt KI heute schon einen hohen Reifegrad und Praxiseinsatz. KI ermöglicht es auch, neue Zielgruppen zu identifizieren - auf Basis von mehreren tausend Datenpunkten. Vgl. Peter Gentsch: Mit lernenden Algorithmen zu neuen Zielgruppen, in: t3n Magazin 53/2018, S. 136ff.

Conversational Commerce: Optimierung der Kundenkommunikation und der Customer Journey. Automatisches Lernen der KI aus der Verhaltensweise beider Seiten.  

Rettung vor dem Information Overkill: Die KI hilft die Informationen zu begrenzen und zu bewältigen. Hierzu ist NLP nützlich (Natural Language Processing). Sie können Filtersysteme herstellen.

Marketing-Automation: 1. Kundendaten sammeln. 2. Kampagnensteuerung (mit Bausteinen E-Mail, Landing-Pages, Formulare, Content). 3. Lead-Management (mit Marketing-Automation-Tools: Lead scoring, Lead Nurturing, Lead Routing). 4. Analyse und Erfolgskontrolle (Optimierungspotentiale). Vgl. com! Es muss eine Digtal Trust Strategie entwickelt werden. professional 1/2017, S. 34ff.

Location-based Marketing: Mobiles Marketing biete eine große Chance für den Handel. Es funktioniert wie folgt: Das Smartphone empfängt Signal vom Beacon. App sendet empfangenen Code an einen Cloud-Dienst. Cloud-Dienst sendet Informationen zu den mit dem Code verknüpften Angeboten. Kunde erhält Push-Mitteilung mit Angeboten. Vgl. com!professional, 11/2017, S. 40f.

Automatische IT-Analyse von Gefühlen und Schwächen: Einige Unternehmen setzen diese Software bereits in der Werbung oder am point-of-sale ein. Gesichtserkennung, die den Gemütszustand analysiert, kann Werbung und Kaufentscheidungen individuell steuern. Kernprodukt ist die Software Affdex. Ihre Grundlage sind 4,8 Mio. Gesichter aus 75 Ländern. Ein Konkurrenzprodukt ist Realeyes. Real-Geschäfte arbeiten 2017 in Deutschland damit. Man spricht von Gesichtsanalyse. Es handelt sich um ein Testsystem. Die Gesichter von Kunden werden analysiert, um ihnen zielgruppenspezifische Werbung zu zeigen. Die Deutsche Post arbeitet mit ähnlichen Systemen.

Intelligenter Kontakt zu den Kunden: Unified Communications & Collaboration (UCC). KI kann die Stimmungslage eines Anrufers erkennen und reagiert darauf. Dafür gibt e seine Reihe von KI - Angeboten. Man nennt sie UCC - Hersteller Dazu gehören Wildix, Starface, Mitel, Avaya.

Mass Customization: Maßgeschneidertes zum Preis von Massenware (Produktion nach Kundenwünschen). Individualisierung durch Digitalisierung. Philips macht dies z. B. mit Rasierapparaten. Der Autobauer Daihatsu lässt individuell Autos gestalten. Beispiele sind aber auch Textilien, Uhren, Schuhe, Fertighäuser, Küchen, Möbel, Lebensmittel. Der Bergriff ist ein Oxymoron: aus mass production und customization. Im Deutschen könnte man von Kundenindividueller Massenproduktion (individualisierte Massenfertigung) sprechen. Einerseits werden die Vorzüge der Massenfertigung Skaleneffekte, Erfahrungskurvenvorteile, Automation mit andererseits optimaler Befriedigung der Kundenbedürfnisse verbunden. Man unterscheidet Hard und Soft Customization. Die Produktionsweise beinhaltet Modularisierung (siehe oben) und "Open-Innovation". Wertschöpfungsprozesse werden durch digitale Vernetzung der einzelnen Stufen und dank immer genauerer Big-Data-Analysen tatsächlich immer kleinteiliger und feingliedriger. Das begünstigt Individualisierung. Das kann auch zu größerer Gründungsdynamik mit beruflicher Selbständigkeit (mit Selbstorganisation, Selbstvermarktung) führen, worauf Bildungseinrichtungen reagieren müssen. Vgl. Piller, F.; Mass Customization: Ein wettbewerbsstrategisches Konzept im Informationszeitalter, in: Picot/ Reichwald/ Franck (Hrsg.): Markt- und Unternehmensentwicklung, Wiesbaden 2006, S. 1 - 389.

Integrative Bestellmöglichkeiten: Werden ab 2018 immer mehr kommen. Sie sind mehr in den Alltag integriert. Dazu zählen Sims Me und Whatsapp. Ziel dürfte das Bestellen von der Armbanduhr oder direkt vom Mülleimer aus sein.

Vorteile der Individualisierung: Zusätzliche Wertschöpfung. Minimale Lagerkosten bei On-Demand-Fertigung. Steigerung des subjektiven Werts des Angebots aus Sicht des Käufers. Erhöhung der emotionalen Bindungskraft der Marke. Stärkung der langfristigen Kundenloyalität. Steigerung der Wechselkosten zu einem alternativen Anbieter. Mehr Customer Intelligence für das Unternehmen. Personalisierung wird immer wichtiger. Intent Recognition lässt sich mit KI-basierter Analytik unterstützen. Der User erwartet zunehmend, dass sein individueller Kontext  über alle Kanäle berücksichtigt wird. Ein Cafebetreiber in Sydney/ Australien setzt 2018 Gesichtserkennung ein, um Kunden persönlicher bedienen zu können.

Personalisierung: Heute unverzichtbar in Online-Marketing und E - Commerce. Es geht darum zum richtigen Zeitpunkt das richtige Produkt anzubieten. Ca. 44% aller Unternehmen einer Umfrage arbeiten 2018 bereits damit. Quelle: Internet World Business. Begonnen hat Alles mit dem E-Mail-Marketing. Auch die Nutzer, die bereits personalisierte Angebote erhalten haben, hätten dies gerne wieder. Als tools werden eingesetzt: 1. Am häufigsten E-Mail-Marketing. 2. Dann folgt Shop-Software. 3. Marketing-Automation, Cloud. 4. CRM - Software. 5. Customer Data Platform. 6. Digital Experience Platform. Als nützlichen Service schätzen die Kunden den digitalen Produktberater, das begleitende Shoppen im Geschäft, Curated Shopping oder begleitetes Shopping online. 

Customer Centricity: Kundenzentrierung. Amazon gilt als Erfinder. Auch Ikea ist heute sehr weit. Es handelt sich um ein komplexes Konzept: Kundenzufriedenheit, Kundenbindung, Gewichtung zwischen Preisschiene und Kundenschiene, Individualisierung, Click&Collect, Haustürbelieferung, Beratung, kundenfreundliche Lieferung.

Bedeutung der Unsicherheitsabsorption: Der Umgang mit Unsicherheit und das Bedürfnis, Unsicherheit zu vermeiden,  beeinflussen das Verhalten am Markt. Die Dimension wird in fast allen Kulturstudien von Hofstede bis Globe  gemessen. Länder mit einem hohen Unsicherheitsvermeidungsindex zeigen ein spezielles Kaufverhalten im Bezug auf Konsumprodukte.

Digital Trust: Ohne Vertrauen gibt es keinen Zugang zu Daten, keinen Zugang zu User Experience, kein Teilen von Daten in der Cloud. Authentifizieren und Identifizieren werden zu Schlüsseln. Vgl. meinen Artikel über Vertrauen.

Digitalplattformen (bei KMU): Sie vernetzen die KMU mut Kunden und Lieferanten ("Kuscheln"). 2017 geht man von weltweit 1000 Industrieplattformen aus, die schon bestehen oder im Endstadium entwickelt werden. Für Großunternehmen sind dies Plattformen wie Predix (GE) und Mindsphere (Siemens). Für Mittelständler gibt es z. B. Axoom (Karlsruhe) und Accenture. Sie wollen helfen, neue Kunden zu gewinnen, effizienter zu produzieren, Anlagen zu vernetzen, alte Maschinen zu digitalisieren, Daten zu analysieren, schneller regieren zu können. Reine Produkt-Vergleichsportale verfolgen finanzielle Interessen. Hier bieten Internetseiten oft persönliche Meinungen ab.

Communications Platforms as a Service (CPAAS): Sie helfen Entwicklern, Kommunikationsfunktionen in jede Applikation zu integrieren. Es geht um Messaging, Sprachdienste, Contact-Center-Dienste, Videodienste, Sicherheit und Zusatzdienste. Es geht um standardisierte Schnittstellen (APIs) oder Software Development Kits (SDK).

Video-Plattformen: Die populärsten Plattformen für Videos und Bewegungsbildsequenzen sind youtube, Facebook, Vimeo, Vevo, Dailymotion, Twitch, Snapchat, Instagram und Musical.ly. Letztere sind vor allem bei Jüngeren angesagt.

Social-Media-Marketing: Besteht aus drei Elementen: Social Graph - Diagramm über die Verbindungen zwischen Nutzergruppen. Social-Media-Optimierung - Möglichst viele Postings über Produkte und Ereignisse. Social-Media-Monitoring - Aufzeichnungen , wie oft eine Marke oder Firma auf den Websites in Social Media erwähnt wird. Wichtig ist eine strategische Steuerung. Die aufgabe ist nicht leicht, weil sie viel Zeit und Ressourcen verschlingt. Mittlerweile sind eine ganze Reihe  von Tools entwickelt worden: AgoraPulse (All-in-One-Kommunikation), Buffer (Publishing), Hootsuite (fast aale Dienste), Lithium (Monitoring und Analysen), Sendible (Beitragsgestaltung), Zoho (KMU). eine andere Einteilung besteht aus vier Bausteinen: 1. Social Listenning. 2. Social Influencing. 3. Social Networking. 4. Social Selling. Vgl. R. Deiss/ R. Henneberry: Digitales Marketing, Weinheim 2018.  2013 nutzen 37% der Firmen in Deutschland Social Media.

Suchmaschinenoptimierung (SEO): 92% der Google - Sucher, die größte Suchmaschine, klicken einen Eintrag auf der ersten Seite. Wirksame Tools sind: Schlagwortauswahl, Schlagwortrevision, Messungen, Links, Wettbewerbsanalyse.

Effektivität von Social-Media-Kampagnen: Unternehmen investieren viel Geld in aufwendige Social-Media-Kampagnen. Sie glauben: Wer ein Produkt in einem sozialen Netzwerk wie Facebook liket, gibt anschließend auch mehr dafür aus. Vorliegende empirische Studien zeigen das Gegenteil. Viele Fans nutzen nur, wenn man sie nutzt um den einzelnen Gruppen die für sie passende Werbung zuzuspielen. Man muss mit Werbung in den Timelines der Follower auftauchen. Vgl L.K. John/ O. Emrich/ D. Mochon/ J. Schwarz: Was bringt ein Like? in: Harvard Business Manager Juli/ 2017, S. 80ff.

Effektivitäts-Tools: Es gibt mittlerweile viele, die aber nicht öffentlich bzw. transparent sind: TweetReach (Monitoring-Tool bei Twitter), Klout, Engagement Rate (Interaktionsrate, am wichtigsten), Sentiment, Traffic, Gutscheincodes, Zahl der Erwähnungen.

Social-Media-Monitoring: Messgrößen: Share of Buzz. Anzahl der relevanten Beiträge zu einem Suchbegriff in einem bestimmten Zeitraum. Share of Voice. Wie schneiden eigene Marken im Vergleich zu Mitbewerbern ab. Engagement. Shares, Kommentare, Favorites und Likes zu einem Beitrag.

Kundenbewertung (Onlinebewertung): Neun Sterne sind besser als zehn Sterne. Sie zeugen von einer akkuraten Bewertung. Wichtig sind ausführlich Rezensionen dabei. Vgl. D. Kupor/ Z. Tormala: The Persuasive Power of Deviatory Reviews, in: Journal of Consumer Behavior Research, Oktober 2018.

Einfluss der Digitalisierung auf die interne Kommunikation: Sie wird in der Regel schneller und einfacher. Sie kann weiterhin zu einer Vernachlässigung der "face-to-face"- Kommunikation führen. Es können neue Spannungsfelder durch permanente elektronische Anreize entstehen.

Native Advertising: Native Advertising umfasst Virales Marketing, darunter insbesondere Videos, Bilder und Musik, aber auch Artikel. Auch das Suchmaschinenmarketing, bei dem Werbeanzeigen gleichrangig mit den gewohnten und erwarteten Suchresultaten angezeigt werden, und verschiedene Werbestrategien auf Twitter, wie etwa bezahlte Tweets, Trends und Personen, zählen zum Native Advertising. Auch bei Facebook ist es üblich, bezahlte Inhalte in die Timeline der Nutzer einzuschleusen. Dasselbe gilt für Tumblr. s. Wikipedia.

Programmatic Advertising: Werbung automatisiert auf allen Kanälen. Datengetriebene Kampagnen-Automatisierung. Man arbeitet mit Demand-Side-Plattform (DSP) und Sell-Side-Plattform (SSP), die Werbetreibende, Publisher und Zielgruppen zusammenbringen.

Datensammeln als digitale Verkaufshilfe: Roboter, Interaktive Spiegel und Monitore werden im stationären Handel zunehmend eingesetzt.

Customer Journey: Zyklus, den ein Kunde durchläuft, bevor er sich zum Kauf eines Produktes entschließt. Fünf Phasen werden gesehen: Awareness, Favorability, Consideration, Intent to Purchase, Conversion. Der englische Ausdruck wird insbesondere im Zusammenhang mit Online-Marketing und Digitalisierung eingesetzt. Kotler sieht die Aspekte "aware, appeal, ask, act, advocate". Hier geht die "Reise" von der Wahrnehmung bis zur Empfehlung. Grundsätzlich geht es um das Verständnis, wie Menschen einkaufen. Vgl. Kotler u.a. : Marketing 4.0, Frankfurt/ New York 2017, S. 75ff. Sprachassistenten werden an Bedeutung zunehmen und mit anderen Smart Devices vernetzt.

Customer Journey Tracking: Die Kunden sollen im richtigen Moment angesprochen werden. Am besten geht dies mit Cross-Device Tracking auf Login-Basis. Wichtige Events sind Conversions. Alle Klicks und Views will man erfassen. Die Daten müssen dann richtig bewertet werden (intelligente Attribution).

Moment of Truth: Der Begriff stammt von Jan Carizon, Vorstandsvorsitzender von SAS Scandinavian Airlines (Buch: Alles für den Kunden). Es bezieht sich auf den Zeitpunkt, wann der Kunde zum ersten Mal mit einem Produkt in Berührung kommt. Dabei kann der Eindruck positiv oder negativ sein. Die deutsche Übersetzung ist "Kontaktpunkt". Man spricht auch von Kundenkontaktmanagement. Oft wird "first" moment of truth hinzugefügt. Daneben gibt es den "zero moment of truth", wenn dieser erste Stimulus im Internet lag.

Lead-Konvertierung: Das Interesse potentieller Neukunden sollte in einem Verkaufabschluss münden. Dieser Prozess wird als Lead-Konvertierung bezeichnet. Stufen dazu im Internet sind:  Besucher der Website, Interessenten, die Schaltfläche anklicken; Interessenten, die mit der Firma interagieren; wahrscheinliche Käufer; Kaufabschlüsse. Lead-Scoring ist ein System zur Bewertung der Kaufbereitschaft. Lead Nurturing ist die Pflege von Kontakten informeller Art. Adressen sind Raw Leads. Dead Lead ist eine Sackgasse. Vgl. BWL-kompakt, München 2016, S. 237f.

Customer Retention Apps: Aktive Kundenbindung. Vorhandene Kunden zu halten, ist weniger aufwendig, als neue zu gewinnen. Kundenbindungstools sind Collect Loyalty, Customer.io, Get Satisfaction, Talkus oder Yotpo.

Customer Success Management (CSM): Dahinter steckt die Formel "Kundenerfolg=Kundenbindung". Ziel ist es, die Produktnutzung für den Kunden so produktiv und profitabel zu machen wie möglich. Es muss dabei auch klar werden, wann die Verantwortung für den Kunden vom Vertrieb auf das Customer Success Management übergeht. Folgendes Vorgehen wird oft empfohlen: Implementieren von CSM - Lösungen als Teil eines umfassenden Kundenbindungs- und Kundenserfahrungsprogramms. Bewerten Sie die Produkte danach, wie gut sie den Kundenerfolg (Customer Health) messen können. Man sollte Tests mit mehreren Produkten durchführen, um die Genauigkeit der Vorhersageverfahren zu überprüfen (Predictive Analysis). Mittlerweile gibt es eine Reihe von automatisierten Lösungen (z. B. Amity, Client Success, Kapta, Salesmachine). Vgl. Thomas Hafen: Wie Kundenerfolg den Umsatz steigert, in: com! professional 1/2018, S. 20ff.

User Experience (UX) und Customer Experience (CX): Tiefes Verständnis für die Kunden, einschließlich des Interaktionsverhaltens. Für Erfolg sprechen: Kontextbasierung und Personalisierung. Reibungslosigkeit. Relevanz, Konsistenz.

Customer Experience Management (CEM): Das spielt in vielen IT - Abteilungen in Deutschland 2019 noch keine Rolle. Hauptgründe sind fehlendes digitales/ agiles Mind-Set und fehlendes Know-how der Mitarbeiter.

Custom-Audiences: Mit Wissen über Kunden, diese als potentielle Käufer über soziale Medien, wie z. B. Facebook, ansprechen. So sind auch Kampagnen möglich. Sehr erfolgreich hat der Baur Versand damit seine Neukundenquote um fast 100 Prozent gesteigert.

Smarte Geräte, insbesondere Sprachassistenten, als Kauf - Entscheider: Sprachassistenten wie Alexa könnten zum Türsteher werden. Sie lassen z. B. nur bestimmt Produkte zu. Wer dabei sein will, muss zahlen.

Marke 4.0: Die Digitalisierung bringt Veränderungen mit sich. Die müssen auch aktiv mit beeinflusst werden. Dabei sind folgende Fragen zu beantworten: 1. Warum gibt es uns? Was treibt uns an? (Mission). 2. Wofür stehen wir? (Grundsätze). 3. Wer sind wir (Markenidentität). 4. Warum sollen die Kunden uns kaufen? (Positionierung). 5. Welchen Zielhafen möchten wir in zehn bis 15 Jahren erreichen? (Vision). Siehe Esch, F. - R.: Das Rückgrat starker Marken, Frankfurt 2016. In den sozialem Medien ist Authentizität besonders wichtig. Die Marke sollte wachsen können, innovativ sein, Komplexität muss in den Griff bekommen werden, die Marke muss wandlungsfähig sein. Vgl. Gietl, J.:  Marke: das unentdeckte Management-Instrument unserer Zeit, in: bdvb aktuell Nr. 138, S. 24f.

10 Tools, die den Kern von digitalem Marketing bilden: 1. Website erstellen. 2. Website hosten. 3. Software für E-Mail-Marketing. 4. CRM - Programme für Kundenbeziehungsmanagement. 5. Zahlungsabwickler. 6. Landing-Page-Software. 7. Bilder suchen und bearbeiten. 8. Social-Media-Auftritt verwalten. 9. Leistungsfähigkeit messen (Daten und Analysefunktionen). 10. Marketingoptimierung. Vgl. Ryan Deiss/ Russ Henneberry: Digitales Marketing, Weinheim 2018, S. 325ff.

Marketing-Suiten: All-in-one-Programme für Marketing von KMU. Man versucht den Kunden auf jedem Weg zu erreichen (Landing Pages, Blog, Social Media). Bekannte Systeme sind: Hatchbuck, Salesfusion, Sharpspring u. a.

Adtech: Adblocker und Spamblocker gegen die digitale Werbebranche. Vom Gesetzgeber fehlen klare Vorgaben. Verbraucher wehren sich gegen personalisierte Werbung. Politiker und Datenschützer haben ein Ohr dafür. Es müssten einheitliche Standards und rechtliche Rahmenbedingungen  geschaffen werden. Gegenwärtig wird auf Login-basierte Plattformen ausgewichen. So haben Google und Facebook große Vorteile.

"State of Marketing-Report" 2018: Salesforce befragte dafür 300-Marketingspezialisten. Das sind einige Ergebnisse: 1. 39% der befragten Marketer hierzulande verwenden Künstliche Intelligenz. 2. 41% der befragten Mareter betrachten die Balance zwischen Personalisierung und Privatsphäre als Herausforderung. 3. 86% berichten, dass Marketing und Werbung integrierte Technologielösungen nutzen.

Messe "Online Marketing Rockstars" (OMR): Eine der größten digitalen Konferenzen in Europa. Begründet von Philipp Westermeyer.

Facebook-Effekt bei Kaufentscheidungen: Wer unmittelbar vor einem Onlinekauf auf Facebook unterwegs ist, entscheidet sich beim Kauf für konventionellere Auswahlmöglichkeiten als andere Onlinekunden. Diesen Facebook-Effekt können Unternehmen nutzen, um ihre Rentabilität zu steigern. Wer konventionelle Produkte verkaufen will, der sollte seine  Kunden vorher auf Facebook locken. Quelle: Hildebrand, C./ Schlager, T.: Focusing on others before you shop: exposure to Facebook promotes conventional product configurations, Journal of the Academy of Marketing Science, August 2018.

KI-Agenten und Personalisierung der Kundenbeziehungen: 72% der deutschen Verbraucher wünschen sich personalisierte Services. 4,5 Mrd. Dollar geben Unternehmen 2019 für automatisierten Kundendienst aus (Quelle: Adobe Experience Index 2019). Im Marketing ist KI noch in den Kinderschuhen. Möglichkeiten bestehen in folgenden Bereichen; Account-based Marketing: KI unterstützt B2B-Marketer bei Aufgaben wie Lead-Qualifizierung, der Key-Account-Identifikation un der Absichtserkennung (Intent Identification). Audience Management: Zielgruppenfragmentierung durch die KI-gestützte kanalübergreifende Segmentierung. Bedarfsvorhersagen. Einzelhandel: Sensordaten aus Regalen und RFID-Chips in Ausstellungslücken. Kontextbezogene Individualisierung: z. B. Schmerzpunkte (Painpoints) aus der Customer-Journey entfernen. Vertrieb und Kundendienst: Chatbots und Konversationsagenten. Inbound-Marketing: automatische Inhaltserstellung. Programmatische Marken-Platzierung. Zielgruppenforschung und Produktdesign. Transaktionsvermittlung durch KI-Agenten. Vgl. Anna Kobylinska/ Martin, Filipe: KI-Agenten personalisieren die Kundenbeziehungen, in: Com! professional 8/ 2019, S. 20ff.

B2B und Online-Shops: Die Digitalisierung verändert den Handel zwischen Unternehmen. Immer mehr B2B-Händler setzen auf eigene Online-Shops. Der Mittelstand-4.0-Agentur Handel ist Teil der Initiative "Mittelstand 4.0 Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse", die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Sie empfiehlt folgende Checkliste für die Implementierung eine sB2B-E-Commerce-Geschäftsmodells: Autoriiserungsstufen, Benutzerfreundlichkeit, Bestellauslösung, Flexibilität und Skalierbarkeit, Konsistentes Cross-Channel-Management, Kundenservice, Lagerbestandsabgleich, Mobile Commerce, Neue Medienkanäle, Online-Shop-zugang, Personalisierung, Reporting und Analytics, Preisgestaltung, Social Media, Zielgruppe. Ob Unternehmen für den Vertrieb ihrer Produkte nun auf einen eigenen Online-Shop oder auf spezielle B2B-Marktplätze setzen, hängt vom Einzelfall ab. Vgl. Pfliegl, Konstantin: B2B-Händler setzen auf eigene Online-Shops, in: com! professional 8/ 2019, S. 28ff.

 

Digitale Produktion:

3-D-Produktion: Diese Technologie wird dazu führen, dass Verbraucher ihre Waren selbst drucken. Damit kommt der Binnenmarkt wieder mehr zum Zuge. Große Teile der auf Billiglöhnen basierenden Massenproduktion in Indien und China wird damit Probleme kriegen. Denn alles, was zwischen der Produktion in China und dem Kauf in Deutschland liegt - Transport, Zölle, Lagerhaltung, Handelsstufen - wird eingespart. Mittlerweile setzen auch Siemens und General Elektrik 3-D-Drucker in Service und Produktion ein. Extrem genaue 3-D-Drucker mit Lasertechnologie bietet in Deutschland EOS/ Krailling an. Sogar direkte Konkurrenten arbeiten mit Lizenz von EOS Erfinder Hans J. Langer. Der Großraum München ist eine Art 3-D-Cluster. Der industrielle 3D-Druck wird immer mehr ausgeweitet. Die Produktion von Gütern profitiert von innovativen Techniken der additiven Fertigung. Es kommt Drucken on demand und 3D-Druck als Service. Noch ist die Ersatzversorgung eher schlecht. Aber personalisierte Produkte sind auf dem Vormarsch. Der entscheidende Vorteil liegt bei den Kosten: Bei herkömmlicher Produktionsweise treten nach einiger Zeit Skalierungseffekte bei den Kosten auf. Beim 3D-Druck bleiben die Kosten dagegen immer gleich.  3D-Drucker können Spielzeug, Waffen, Autos drucken. Einer chinesischen Firma ist es nun 2015 gelungen, eine Villa herzustellen. Daimler arbeitet in Stuttgart mit "Augmented Reality": Mitarbeiter nutzen 3-D-Brillen. Damit testen sie Montierbarkeit, die Ergonomie und das Design. Konstruktions- und Wartungsfehler können vermieden werden. 2017 bringt Adidas individualisierte Sportschuhe auf den Markt. Sie kommen aus dem 3-D-Drucker und werden zusammen mit der kalifornischen Firma Carbon erstellt.  In uganda und anderen Entwicklungsländern versorgen Helfer Patienten mit günstigen Prothesen aus dem 3-D-Drucker. Sie haben allerdings ein Problem: Die damit hergestellten künstlichen Glieder brechen schnell. Zunehmend wird der 3D-Druck bei Sportartikeln eingesetzt. Sie können so maßgefertigt werden.

3-D-Druckstrategie: Sechs neue Geschäftsmodelle haben sich herauskristallisiert. Unternehmen sollten überlegen, mit welcher Strategie sie sich optimal gegen Wettbewerber durchsetzen können. 1. Individualisierte Massenfertigung. 2. Massenvielfalt. 3. Massensegmentierung. 4. Massenmodularisierung. 5. Massenkomplexität. 6. Massenstandardisierung. Vgl. Richard A. D´Aveni: Die 3-D-Druck-strategie, in: Harvard Business Manager, September 2018, s. 68ff.

Digital Twins: Digitale Kopien optimieren Produktionsprozesse und die Wartung von Geräten. Es gibt drei Kategorien: Geschlossene digitale Zwillinge (Ausrüstungs-OEMs). Geteilte digitale Zwillinge (OEMs erlauben eine gemeinsame Nutzung von Daten mit Partnern und eine Erweiterung durch Kunden). Offene digitale Zwillinge (Jeder kann sie uneingeschränkt nutzen oder erweitern). Es ist mehr als eine Simulation. Die Technik hat großes Potential.

Agile Produktion: Das Unternehmen muss so schnell und behände wie möglich die Richtung ändern können. Die Produktionsanlagen müssen sich rasch umstellen lassen. Das geht nur mit computergestützten Produktionsmethoden. Aspekte sind stete Innovation, integrierte Technologie, Transportsystem und flexible Arbeitskräfte (Wissenskultur) sowie modulare Produkte.

Vernetzte Produktion: Produktionsanlagen und Maschinen bleiben unverändert. Die Fertigungsprozesse werden nicht beeinflusst. Die Vorteile bestehen zunächst bei Wartung und Produktionsplanung. Es wird nur über Maschinenzustände informiert.

Netzwerkwirtschaft: Online-Netzwerke wie Facebook sind selten von Größennachteilen betroffen. Ihr Größenvorteil wächst auch auf internationaler Ebene (zunehmende Skalenerträge, weil die Kosten eines zusätzlichen Nutzers gleich null sind). Die Vorteile für die Nutzer wachsen auch.

Speed Factory: Produktsysteme müssen sich immer schneller Änderungen schwankender Märkte oder stärkerer Produktpersonalisierung anpassen. Änderungen sind mit viel Aufwand, Zeit und Kosten verbunden. Deshalb müsenadaptive Systeme entwickelt werden, die Produktionsressourcen, Produktionsabläufe und Materialflüsse modellieren. Vgl. Keddis, N./ Zoitl, A./ Hill, J.: Die adaptive Fabrik von Morgen. Zukunftsvision oder heute schon Wirklichkeit? in: WiSt Heft 5 /2016, S. 229ff. Adidas arbeitet im bayrischen Ansbach mit einem solchen Werk. Turnschuhe werden komplett maschinell, aber gleichzeitig auch individuell produziert. So kann optimal auf Markttrends reagiert werden. Außerdem werden hohe Lagerhaltungskosten vermieden.

Produktion 4.0 (Smart Factoring): In der Fabrik der Zukunft werden IT- und Fertigungstechnik verschmelzen. Immer mehr Maschinen kommunizieren über das Internet. Damit wird auch immer mehr improvisiert (ausgehend von einem groben Schema viele kleine Abweichungen). Die gesamte Produktion ist vernetzt. Das heißt, es findet eine umfassende Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Maschinen statt, in die auch Kunden und Geschäftspartner eingebunden sein können. Robotterquallen sind relativ autonom. Durch die starke Vernetzung wird die Sicherheit zum Problem. Diese Technik gilt als Krönung der Produktion. Die deutsche Industrie hat 2014 ein bis zwei Jahre Vorsprung. Die Vernetzung bietet grundsätzlich ganz neue Geschäftsmodelle (völlig neue Produktionslogistik). Die größten Hindernisse gegen die Ausbreitung von 4.0 sind: Lücken in der IT - Sicherheit, fehlende Normen, fehlende Fachleute, mangelnde Infrastruktur und hohe Kosten. Die KMU sind in dieser Produktionstechnik stark (Pionier dieser vierten industriellen Revolution). Einzelfertigungen und Kleinserienfertigungen, die traditionell hier gefertigt werden, können sehr viel billiger hergestellt werden. Die Produktion 4.0 hat drei Grundelemente: Selbststeuerung (Smart Factory, cyber-physische Systeme, CPS, es verschmelzen virtuelle und reale Welt); Interaktion (alle Daten tragen die Produktkomponenten in sich, dezentrale Selbstorganisation); Information (der Industriearbeiter ist Planer und Entscheidungsträger, Smartphone). Die "Integrated Industry" mit ihrer Vernetzung hat auch Auswirkungen auf den Markt, auf Arbeitsplätze, auf Ausbildung und Geschäftsbeziehungen. Der Produktionsstandort Europa könnte gesichert werden. Es kommen neue Entwicklungspartnerschaften mit mehr Kooperationen. Die Arbeitsplätze könnten höherwertiger werden. In den USA entsteht 2014 ein neues Normungskartell. Dadurch könnten die deutschen Unternehmen ihre bislang gute Position bei den Standards für die Industrie 4.0 verlieren. Normensetzung und ein gutes Rechtssystem sind Voraussetzungen der Produktion 4.0. Von den Arbeitnehmern fordert die Produktion 4.0 mehr Flexibilität (Abhängigkeit von Marktimpulsen wird stärker, Produktionszyklen werden noch kürzer).  Als Keimzelle der Produktion 4.0 gilt der Lehrstuhl von Prof. Dr. Detlef Zühlke an der TU Kaiserslautern  zusammen mit dem Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz GmbH, Kaiserslautern. Zusammen wurde dann die "Smart Factory" gegründet, die als Modell für die Industrie der Zukunft gilt. 40 Mrd. Euro will die Wirtschaft jährlich in digitale Technik investieren bis 2020: An der Spitze liegt die Autoindustrie vor dem Maschinen- und Anlagenbau, der Elektroindustrie und der Informations- und Kommunikationsindustrie. 2015 plant die Bundesregierung ein Industrie-4.0-Konsortium (Spitzenvertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft). Es soll bei der Fraunhofer-Gesellschaft angesiedelt sein und Standards schaffen. 2015 bringt die Boston Consulting Group eine Studie zu den Folgen der Industrie 4.0. Die Prognose geht bis 2025. Die Folgen erstrecken sich auf die Änderung der Verteilung der Branchen, das zusätzliche Umsatzwachstum, die Produktivitätssteigerungen, die Zahl der Arbeitsplätze und den Jobzuwachs. Es werden erhebliche Zuwächse gesehen. 2015 nutzt bereits jedes vierte Unternehmen in den vier Kernbranchen Automobilbau, Chemie, Elektrotechnik sowie Maschinen- und Anlagenbau spezielle Anwendungen für Industrie 4.0 (Quelle: Umfrage Bitkom). Nach einer Umfrage von PAC 2015 halten vor allem zwei Gründe die Industrie noch von Industrie 4.0 ab: Hohe Investitionskosten und fehlende Standards für Datenaustausch. Auf dem dritten Platz liegt fehlendes Know-how/ Ressourcen. Der Maschinenbauer Trumpf betreibt eine Smart Factory in Chicago. Hier können die Kunden des Unternehmens sehen, wie eine ideal vernetzte Produktion im Zeitalter der Digitalisierung aussieht. Maschinen und Kunden sollen optimal vernetzt werden. Der Heizungsbauer Viessmann wandelt sich vom Heizungsbauer zum Lösungsgeschäft: Die Produkte sind digitaliisert und vernetzt. Die Daten wandern in die Cloud und die Heizung kann per App gesteuert werden. Die gesamte Anlage kann online gewartet und überwacht werden.

SmartFactory KL: 2005 gründete sich die Technologie-Initiative als eingetragener Verein in Kaiserslautern. Gründungsmitglieder sind die BASF in Ludwigshafen und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern, Siemens und die TH Kaiserslautern. 2007 wurde die erste Demonstrationsanlage erstellt. 2013 wird die zweite Anlage auf der Hannovermesse gezeigt. Es handelt sich um eine Forschungsplattform für vernetzte Produktion: Funketiketten verbessern die Lagerhaltung, intelligente Roboter sparen eigenhändig Energie, organisierte Produktionsabläufe melden Mängel. Es werden in Deutschland Kompetenzzentren eingerichtet. Die Federführung hat das DFKI in Kaiserslautern. Vier weitere Zentren entstehen in Darmstadt, Hannover, Dortmund und Berlin. Langfristig sollen in allen Bundesländern Zentren vorhanden sein.

Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum, Kaiserslautern www.kompetenzzntrum-kaiserslauter.digital . Kostenfreie Beratung von KMU bei der Digitalisierung in RLP und Saarland. Themen sind auch Qualifizierung, Bildung und Sicherheit. Es werden immer mehr Demonstratoren (kleine modulare Anlagen der Smart Factory) eingesetzt.

Horizontale Integration: Kombination verschiedener IT-Systeme zu einer integrierten Lösung innerhalb eines Unternehmens und entlang der Wertschöpfungskette über mehrere Unternehmen. Es handelt sich um die Informationstechnologie, die in Planung, Fertigung, Logistik und Vermarktung zum Einsatz kommt. Bei der vertikalen Integration werden mehrere IT-Systeme über verschiedene Hierarchieebenen verknüpft. Solche Hierarchieebenen sind z. B. Steuerung, Sensorik und Produktion.

Cyber-physische Systeme (CPS):  Sie sind über digitale Netze verbundene "soziotechnische Systeme", die völlig neue Funktionen, Dienste und Eigenschaften mit sich bringen. Sie erfassen über Sensoren Daten, reagieren auf diese und erlauben umfangreiche Steuerungseingriffe in Echtzeit. Das kann die Umrüstzeit von Anlagen verkürzen und kleine Produkt-Stückzahlen können zu den Preisen von Massenproduktion hergestellt werden. Damit verbunden sind aber große Sicherheitsprobleme. Für die ausgetauschten Informationen müssen auch die Kapazitäten der Übertragungsnetze für riesige Datenmengen erhöht werden. Intensiv in diesem Geschäft ist der Technologiekonzern ABB tätig. Die Fernwartung von Robotern und Maschinen ist eine große Herausforderung.

Manufactoring Exekution System (MES): IT-System zur Echtzeitsteuerung und -kontrolle der Produktion, das in den Produktionsprozess integriert ist. So ist eine Erfassung von Maschinen-, Betriebs- und Prozessdaten möglich.

Entwicklungsstufen in der industriellen Produktion (historisch): Im 18. Jahrhundert wurden mechanische Produktionsanlagen mithilfe von Wasser- oder Dampfkraft eingeführt (zuerst mechanischer Webstuhl 1784). 1870 kam das erste Fließband in den Schlachthöfen von Cincinnati. Ford setzte erstmals in großem Maße das Fließband beim T-Modell ein (30% Kostenersparnis). 1969 gab es die erste speicherprogrammierte Steuerung. Zunehmend wurde Elektronik und Informationstechnologie zur weiteren Automatisierung eingesetzt (Dritte industrielle Revolution). Heute haben wir die vierte industrielle Revolution. Maschinen und Produkte sind "vernetzt" und kommunizieren miteinander. Man spricht auch von vier Revolutionen.

Digitalrevolution in Unternehmen: Supercomputer können selbständig lesen (z. B. alle Studien zu einem Thema, was Menschen heute nicht mehr möglich ist). Sie können unvorstellbare Datenmengen bewältigen. Sie können schon selbständig Werbung machen und Jobbewerber aussuchen. Neue Programme übersetzen live und machen damit teure Dolmetscher überflüssig. Werden die Menschen im Unternehmen davon profitieren oder eher ihren Job verlieren? Selbst in Billiglohnländern ersetzen Computer mehr Arbeitsplätze in der Fertigung. Die künstliche Intelligenz könnte aber auch zunehmend Arbeitsplätze im gehobenen Bereich kosten. So plädieren Experten (wie Brynjolfson vom MIT) wieder für die Idee des Grundeinkommens.  "Es droht die Entstehung eines digitalen Prekariats", Reiner Hoffmann, DGB-Chef 2014. Folgendes zusätzliches Wertschöpfungspotential zeigt sich im Jahre 2025 in folgenden Brachen: Maschinen- und Anlagenbau 89Mrd. Euro; Logistik 54 Mrd. Euro. Nach Eigeneinschätzung haben folgende Branchen die höchste digitale Reife: Chemie (46%); Logistik (39%). Quelle: Roland Berger Unternehmensberatung. "Es ist wichtig, dass der Kopf sich ständig weitet. Wenn wir nicht mehr neugierig sind, dann bleiben wir stehen", Jörg Mittelsten Scheid, als Digitalisierungsmacher für sein Lebenswerk geehrt, mit 81 Jahren. Erfolgsgeschichten sind folgende Beispiele: Digitale Bilder (CEWE aus Oldenburg, Fotodienstleister), BLG Logistics (Bremen, mit Carrys, Exoskelette und Drohnen), Hausner HLS Passau mit effizienter Müllentsorgung, digitale Pressen (Maschinenbauunternehmen Schuler).

Montageinseln: Digital vernetzte Montageinseln sorgen für eine Revolution in der Produktion, z. B. in der Automobilindustrie. Es fliegen Drohen und 3-D-Drucker fertigen Teile. Führerlose Gabelstapler liefern aus. Die Verkehrsströme werden von Paula (selbst entwickelte Transportroboter mit GPS und Sensoren).

Disruption: Entmaterialisierung der Geschäftsmodelle. Das größte Transportunternehmen der Welt im Individualverkehr besitzt keine Autos, nur eine Plattform. Der weltgrößte Anbieter von Übernachtungen besitzt kein Hotel, nur eine Plattform.

Modularisierungsstrategie: Firmen zerlegen Produkte in Module und setzen sie anschließend wie Baukastenteile neu zusammen (Lego-Prinzip). So erreichen die Produkte eine größere Standardisierung. Damit aber nicht alle irgendwie gleich aussehen, muss zusätzlich eine Individualisierung erfolgen. Die unternehmen haben mit dieser Strategie das Dilemma der Globalisierung gelöst: Sie können einerseits mehr regionale und lokale Märkte bedienen und andererseits den Weltmarkt bedienen. Komplexität und Kosteneinsparung kann gleichzeitig erreicht werden. Hauptziel ist es, die Kosten in einem Unternehmen zu senken, das viele Produkte oder Modelle hat. Dank des modularen Vorgehens können Unternehmen ihre Produktion und Entwicklung weniger komplex machen. dieses Baukastenprinzip vereinfacht die Planung und Konstruktion und verbilligt den Einkauf. Das Prinzip hat sich vor allem in der Autoindustrie durchgesetzt. Bei Volkswagen wird es besonders intensiv verfolgt. Es gibt modulare Querbaukasten, Längsbaukasten, Sportbaukasten und Baukasten für Nutzfahrzeuge. Auch Toyota führt die Strategie ein.

Künstliche Intelligenz (Mensch-Roboter-Kooperation/ MRK,KI, z. B. Kuka-Roboter): Industrielle "Sklaven" für die Produktion. Sie werden in der Automobilindustrie, aber auch zunehmend in der Logistik, der Medizin und Landwirtschaft, eingesetzt. Damit schrumpfen die Kostenvorteile der Schwellenländer (vor allem die Lohnstückkosten). Alte Industrieländer wie z. B. die USA werden wieder wettbewerbsfähiger, weil sie über bessere Infrastruktur und höhere Stabilität verfügen. Bei den USA kommen noch die geringeren Energiekosten und die Einschätzung als Kompetenzzentrum dazu. Betrachtet man die Anzahl der Roboter je 10.000 Arbeiter führt 2014 Südkorea mit 396 Robotern, vor Japan 332, Deutschland 273, USA 141, China 23 (Quelle: International Federation of Robotics). Rund 17 Milliarden Dollar flossen seit 2009 in KI-Unternehmen). 2014 war das Jahr der KI (Google-Programm kann Fotos beschreiben, Nestle setzt Roboter in seinen Kaffeeläden ein). 2045 könnte Roboter so schlau wie Menschen sein (Fabriken, Verkehr und Landwirtschaft sind komplett automatisiert).  Nach einer Studie der IFR World Robotics gab es 2007 einen Absatz von etwas über 100.000 Industrierobotern weltweit. 2013 lag der Absatz schon fast bei 200.000. 2017 werden fast 300.000 geschätzt. Die zunehmende Vernetzung von Mensch und Maschine in der Industrie-Fertigung soll die Arbeitsprozesse erleichtern. Eine besondere Form der künstlichen Intelligenz besteht in der Aneinanderkoppelung von menschlichen Gehirnen und Computern. Es geht um Lenken per Gedanken (Human-Brain). Die Frage wird immer wichtiger, wer künftig haftet, wenn Maschinen Fehler machen (sind sie vergleichbar den Sklaven in der Antike?). Immer wichtiger wird die Grenze in der Informatik, die man Berechenbarkeit nennt. Was jenseits der Grenze der Berechenbarkeit liegt, lässt sich nicht automatisieren. Dazu gehören die Gefühle oder alles, was Leben ausmacht. Vielleicht gelingt es, ein künstliches Bewusstsein zu schaffen. Damit würden wir die Kontrolle in uns selbst gewinnen. Das wäre dann die größte Revolution seit Beginn des Lebens auf dem Planeten. Vgl. Y. N. Harari: Homo Deus, München 2017.  Es gibt bekannte und einflussreiche Warner und Anhänger der künstlichen Intelligenz. Zu den bekanntesten Gegnern gehören Elon Musk und Stephen Hawking (letzter Fortschritt der Menschheit, Kriegsgefahr). Zu den Anhängern zählen Mark Zuckerberg und Larry Page.   Deep Mind - Mitarbeiter (mittlerweile gehört das Unternehmen zu Google) haben eine Software entwickelt, die bei dem Strategie-Spiel Go (schwieriger als Schach) immer gegen Menschen gewinnt. Apple hat wohl das Thema künstliche Intelligenz verschlafen. Jetzt will Tim Cook das Versäumte nachholen.

Industrial Internet Consortium (IIC): Es arbeitet in den USA am Internet der Dinge. Es hat 2015 mehr als 200 Mitglieder. Es entspricht in etwa dem deutschen Pendant Industrie 4.0. Das IIC wird non der Normungsgesellschaft OMG geführt (etwa 800 Mitglieder). Es ist für die Entwicklung von Standards zuständig. Beide Institutionen führt der Computerexperte Richard Soley.

Industrial Internet of Things (IIOT): Es schafft Effizienzgewinne und neue Geschäftsmodelle. Von 2017 an soll der deutsche IIOT-Markt um fast 20% jährlich zulegen (von 7,2 Mrd. € 2017) auf 16,8 Mrd. € 2022  (Quelle: Arthur D. Little 2018). In der Regel verläuft IIOT in drei Schritten: 1, Pilotierung un dGrundlagenbildung. 2. Industrialisierung und Wachstum. 3. Skalierung. Ein ganz wichtiges Element ist die Plattform. Es gibt z. B. Adamos, Bosch Software Innovations/IoT-Plattform, Deutsche Telekom/ IoT-Plattformen, Siemens/ Mindshere u. a. Sicherheit ist die Achillesferse det IIOT.

Anwendungsbereiche von Industrial-IoT-Plattformen: Asset Tracking und Management, Automation Control und Management, Business Process Optimization, Emergency und Incident Management, Logistics, Predicitive Maintenance, Real Time Workforce Tracking und Management, Supply Chain Management. Es gibt eine Reihe von kommerziellen Plattformen: Bosch IoT Suite, Google Cloud IoT, IBM Watson IoT Plattform, Oracle IoT Plattform, Siemens Mindsphere, Voith OnCumulus.

Blockchain: Sie ermöglicht ganz neue Prozessketten. Dezentralisierung ist das Stichwort. Lieferketten verändern sich. Handelsregister kann umgestellt werden. Vier Formen sind möglich: Private Blockchain (werden von einer Organisation kontrolliert). Halb private Blockchain (Organisation vergibt Zugriffsrechte). Konsortium-Blockchain (Gruppe). Öffentliche Blockchain (von jedem lesbar).

Sensitive Robotik: Roboter, die von Menschen eingesetzt werden, um z. B. gefährliche Materialien zu berühren, können in Zukunft spüren, was sie berühren und dementsprechend darauf reagieren. Audi setzt auf Mensch-Roboter-Kooperation. In der Montage werden schutzzaunlose Roboter eingesetzt. Sie heben die schweren Teile und positionieren sie im Fahrzeug. Die Montagemitarbeiter verschrauben die eingesetzten Teile.

Roboter und ihr Einsatz: Einsatzbereiche für Roboter sind heute oder in naher Zukunft Lieferbereich (Paketboten), Nanoroboter (bringen Medikamente in die Zellen), Pflegeroboter in Japan, Operationsroboter (präziser als Menschenhände), Verkaufroboter, Kampfmaschinen beim Militär, autonom fliegende Drohnen-Taxis ohne Stau, Haushaltsroboter, Industrieroboter.

Industrieroboter: So gibt es im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)  AILA als Forschungsplattform. Produktionsprofis werden in der Flugzeug- und Automobil- bzw. in der Möbelindustrie eingesetzt. Mehrzweckroboter lassen sich mit anderen interagieren (KMU). Selbstfahrer werden in der Logistik eingesetzt. Kollaborierende Roboter arbeiten mit dem Menschen zusammen (Berührungsprobleme). In Singapur wird ein Roboter entwickelt, der Ikea-Möbel nach Studieren der Anleitung zusammenbauen kann. 2018 setzen 16% der deutschen Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe (mindestens 10 Beschäftigte) setzen Industrieroboter oder Serviceroboter ein.

Einsatz von Industrierobotern weltweit  (weltweiter Durchschnitt 85, Roboter je 10.000 Industriebeschäftigte; Stand 2017): Südkorea 710, Singapur 650, Deutschland 322, Japan 308, Schweden 240, Dänemark 230, USA 200. Insgesamt sind 2,1 Mio. Roboter im Einsatz. Quelle: IAB, IFR.

Kollaborative Roboter: Roboter, die mit Menschen zusammenarbeiten. Führende Hersteller in der Welt sind: ABB (Schweiz), Bosch (Deutschland), Fanuc (Japan), Universal Robots (Dänemark), Smokie, Han´s Motor, Elephant (alle China). China subventioniert der heimischen Hersteller mit Milliarden. Das führt zu einem Überangebot in China. Wenn es dies exportiert, könnte eine Roboterblase und ein Preisverfall drohen.

Humanoide Roboter: Die Maschinen werden immer menschlicher. Führend in Deutschland ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In Japan ist die Softbank führend. Der Nutzen ist eher fragwürdig. Aber insgesamt können Spezialmaschinen weiterentwickelt werden.

Online-Plattformen der Zulieferer: E-Commerce und Online-Shopping breitet sich auch immer mehr bei Firmen aus. Dabei steht das Finden eines günstigen Preises im Mittelpunkt. Das Geschäft zur digitalen Lieferabwicklung wird stark expandieren. Kataloge können dynamisch angepasst werden; Bestätigungen automatisch versandt werden (dies kann bis zum Transportmanagement ausgedehnt werden). 2000 namhafte Autozulieferer haben die Plattform "SupplyOn" gegründet, um der Einkaufsmacht der Autohersteller etwas entgegenzusetzen.  

Micro Factories: Fabriken, die nicht größer sind als ein Supermarkt. Hier werden mit 3-D-Druckern, CNC-Maschinen und Laserschneidern Produkte für den lokalen Bedarf gebaut. Beispiele sind das US-Start-up Local Motors (Kleinbus Olli), GE oder Barcelona.

Mass Customization: Maßgeschneidertes zum Preis von Massenware. Philips macht dies z. B. mit Rasierapparaten. Der Autobauer Daihatsu lässt individuell Autos gestalten. Beispiele sind aber auch Textilien, Uhren, Schuhe, Fertighäuser, Küchen, Möbel, Lebensmittel. Der Bergriff ist ein Oxymoron: aus mass production und customization. Im Deutschen könnte man von Kundenindividueller Massenproduktion (individualisierte Massenfertigung) sprechen. Einerseits werden die Vorzüge der Massenfertigung Skaleneffekte, Erfahrungskurvenvorteile, Automation mit andererseits optimaler Befriedigung der Kundenbedürfnisse verbunden. Man unterscheidet Hard und Soft Customization. Die Produktionsweise beinhaltet Modularisierung (siehe oben) und "Open-Innovation". Wertschöpfungsprozesse werden durch digitale Vernetzung der einzelnen Stufen und dank immer genauerer Big-Data-Analysen tatsächlich immer kleinteiliger und feingliedriger. Das begünstigt Individualisierung. Das kann auch zu größerer Gründungsdynamik mit beruflicher Selbständigkeit (mit Selbstorganisation, Selbstvermarktung) führen, worauf Bildungseinrichtungen reagieren müssen. Mass Customization ist ein Konzept zwischen Einzel- und Massenfertigung. Der Kunde wird einbezogen, damit eine möglichst hohe Effizienzsteigerung innerhalb der Wertschöpfungskette möglich ist. Es wird auf feste Routineprozesse gesetzt (hohe Varietät der Produkte, Baukastensysteme). Vgl. Reichwald/ Piller: Interaktive Wertschöpfung: Open Innovation, Individualisierung und neue Formen der Arbeitsteilung, Wiesbaden 2009.

Design Thinking: Bei der Entwicklung von Produkten steht der Nutzer im Fokus. Der Prozess ist in der Regel Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideen finden, Prototypen entwickeln, Testen. Diese elemente setzen auf einen mehrstufigen Prozess mit optimierten räumlichen Gegebenheiten und multidisziplinären Teams. Drei Faktoren müssen optimal verbunden werden: Menschliche Bedürfnisse, Technische Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit.

Individualisierung in der Fertigung: Digital Factories können individuelle Massenfertigung und eine vernetzte Fabrik. 91% der deutschen Industrieunternehmen investieren 2018 in digitale Fabriken. Ziele sind verbesserte Prozesse, verbesserte Kapazitätsauslastung, geringere Produktionskosten, schnellere Umsetzung von Kundenwünschen, bessere Planung von Wartungsfenstern, geringere Personalkosten, flexiblere Arbeitsorganisation.

Vorteile der Individualisierung: Zusätzliche Wertschöpfung. Minimale Lagerkosten bei On-Demand-Fertigung. Steigerung des subjektiven Werts des Angebots aus Sicht des Käufers. Erhöhung der emotionalen Bindungskraft der Marke. Stärkung der langfristigen Kundenloyalität. Steigerung der Wechselkosten zu einem alternativen Anbieter. Mehr Customer Intelligence für das Unternehmen. Ansprache neuer Kundengruppen. Erweiterung der Produktpalette.

Elemente der Individualisierung: 1. Digitale Zwillinge: auch Digital Twins genannt. Es handelt sich umeine virtuelle Repräsentation der physischen Realität in Bezug auf Objekte wie auch auf Prozesse mit dem Ziel, die Optimierung der Betriebsabläufe zu erleichtern. 2. Vertikale Integration: Industrie 4.0 wird als Anwender und auch interner Lieferant im Bereich industrieller und mobiler Steuerungssysteme sowie hydraulischer Bewegungseinrichtungen genutzt. 3. Licht aus und Hände weg: nur noch Datenwissenschaftler und Softwareentwickler. 4. ARENA 2016 ist ein Forschungscampus der Ubi Stuttgart zusammen mit dem BMBF. Es ist die größte Forschungsplattform für Mobilität.

Unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit und Industrie 4.0: Drei Tendenzen sind prägend: Vernetzungen, Digitalisierung, Big Data. Diese Entwicklungen wirken sich in drei Bereichen aus. 1. Effizienz: (Energie- und Ressourceneffizienz, Produktivitätssteigerungen). 2. Time-to-Market (Kürzere Innovationszyklen, komplexere Produkte). 3. Flexibilität (Individualisierte Massenfertigung, Volatile Märkte). Wertschöpfung muss mehr aus dem Service um die Produkte herum kommen. Additive Fertigung in Niedriglohnländern könnte bald der Vergangenheit angehören.

Praktische Konsequenzen von Industrie 4.0: 1. Individuelle Angebote. 2. Selbständige Diagnosen (Fernwartung). 3. Lieferantenwechsel bei laufendem Produktionsprozess. 4. Integration der Kunden in die Wertschöpfung. Vgl. Heng, Stefan: Industrie 4.0, in: WISU 3/17, S. 321ff.

Peer-Produktion: Gemeingutfertigung durch Ebenbürtige. Sie basiert auf dem Bedürfnisprinzip. Die heute schon greifbaren Resultate sind freie Softwareprojekte wie Linux und Firefox oder auch Wikipedia. Die Trennung von Produzent und Konsument ist überwunden. Die Beteiligten produzieren - ohne Hierarchie und Machtstrukturen - in freiwilliger Kooperation.

Assisted, Augmented und Mixed Reality: Bei Assisted Reality werden Zusatzinformationen, die einen Vorgang unterstützen und vereinfachen, am Rande des Sichtfeldes transparent eingeblendet. Beispiele sind die Head-up-Displays mancher Navigations- und Assistenzsysteme, die Informationen auf die Windschutzscheibe in die periphere Sicht des Fahrers projizieren. Augmented Reality geht einen Schritt weiter und blendet computergenerierte 3D-Welten statt dürrer Zahlen oder einfacher Symbole in die reale Umgebung ein. Die echte Realität wird um virtuelle erweitert. Die Mischung aus virtuellen und physischen Komponenten bezeichnet man als Mixed Reality, es sind also VR-Anwendungen.

Datenbrillen: Man unterscheidet zwischen Monokularen Datenbrillen für Assisted Reality und Binokularen Datenbrillen für Assisted/Augmented)Mixed Reality. Hersteller ersterer sind z. B. Vuziz, Telepathy, Google und Fujitsu. Letztere kommen z. B. von Epson, ODG oder anderen. Die Hololens von Microsoft hat eine Sonderstellung. Windows Mixed Reality ist eine durchgängige Plattform zur Erstellung und Nutzung von Mixed-Realty-Anwendungen. Die Technik erobert Architekturbüros, Logistikhallen und Fertigungsstraßen.

Einsatzmöglichkeiten von Assisted, Augmented und Mixed Reality: Mehrwerte könnten in folgenden Bereichen erzielt werden: Logistik (Kommissionierung, geringere Fehlerquote, mehr Produktivität, höhere Mitarbeiterzufriedenheit); Fertigung (Anweisungen als Schritt-für-Schritt-Anleitung, komplexe Montagevorgaben); Bauwesen (Gebäude lassen sich visualisieren); Medizin (erweiterte Information während der OP); Qualitätssicherung (Prüfprotokolle); Marketing (Produkte in der realen Umgebung); Zusammenarbeit (Schulungen, Design); Service und Wartung (Wartungshandbücher, graphische Darstellungen); Aus- und Weiterbildung (Training an virtuellen Objekten); Militär (Informationssysteme in Fahrzeugen, Befehle). Vgl. com!professional 3/2018, S. 20.

Cloud-Integration in der Produktion: Z. B. Cloud + SAP HANA. Anwendungsintegration und Prozessintegration. So kann unmittelbar eine Verbindung von Preisschwankungen auf den Märkten (Wechselkurs, Ölpreis) und den Kosten im Unternehmen hergestellt werden. SAP unterscheidet zwischen der Public Cloud und der Managed Cloud (+ Marketplace). Damit wird auch Energiemanagement ermöglicht.

Machine Learning: Aufbau von Algorithmen, die maschinelles Lernen ermöglichen. Vorher brauchen sie immer noch Lehrer. Die sprachliche Kommunikation wird immer besser. IT-Konzerne investieren viel in die Technik. Möglich sind heute Bildanalysen, Spracherkennung u. a.. Frameworks (von der Stange) senken die Einstiegshürden. Solche Frameworks sind z. b. Apache Singa, Chainer, PaddlePaddle oder Theano.

Robotic Process Automation (RPA): Software-Roboter beschleunigen Prozesse und entlasten Mitarbeiter. Die Vorteile sind: Höhere Produktivität, Zeitgewinn, geringere Fehlerquote, Ausdauer, hohe Skalierbarkeit, Kostenvorteile.

Intelligent Automation: Plattformen und Künstliche Intelligenz erweitern die Möglichkeiten der Automatisierung. Prozesse können effizienter gemacht werden. Es gibt typische Einsatzgebiete: Datenquellen, die bisher nicht genutzt werden können. Routinevorgänge, die regelmäßig hohe Fehlerquoten aufweisen. Welche Arbeiten können beschleunigt werden? Gibt es Synergien? Welche Kanäle können zusätzlich für die Datenerfassung genutzt werden? Intelligent-Automation-Plattformen sind: Automation Anywhere; Blue Prism; Celonis; Kofax; Redwood Software; Pegasystems; UiPath. Vgl. Intelligent Automation macht Prozesse effizient, in: com! professional 8/2019, S. 14ff.

Supply Chain Management (SCM): IoT, Blockchain und KI verändern die Lieferkette. Besonders fehlen globale Prozessorganisationen. Bestandteile müssen sein Verfügbarkeit, Vertrauen, Transparenz, Sicherheit.

Die Rolle des Controllers: Die Wertschöpfungskette ist weiter und über das einzelne Unternehmen hinausgehend zu verstehen. Dies macht es möglich, die Produktion nach individuellen Kundenwünschen auch in kleinen Serien auszurichten. Die digitale Transformation von Unternehmen erfolgt aber nicht nur entlang der Wertschöpfungskette, sondern auch in organisatorischen Zentralfunktionen wie Einkauf, Personal, Finanzen und Controling. Das Controlling bekommt echtzeitbasierte Steuerungsinstrumente über die gesamte Supply Chain hinweg. So kann kurzfristig und schnell auf geänderte Marktentwicklungen und Produktanforderungen oder auf unvorhergesehene Ereignisse flexibel reagiert werden. siehe: Oehl, Holger: Industrie 4.0. Die Rolle des Controllers.

Product Information Management: Produktdaten ordnen und nutzbar machen. Wenn Artikelzahl und Datenmenge zunehmen, könnte sich ein PIM-System lohnen. Es gibt eine Reihe fertiger Systeme. Einige Beispiele: Apollon, Brickfox, Contentserv, Informatica. Vgl. Christiane Fröhlich: Produktdaten ordnen und nutzbar machen, in: com!professional 10/2019, S. 74ff.

 

Digitales HRM:  Mission mit Mensch im Mittelpunkt

Stratege der Zukunft: Er steht zwei Unsicherheitsfaktoren gegenüber: 1. Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung. 2. Politische und wirtschaftliche Stabilität wichtiger Märkte. Es gibt vier Typen: 1. Der Weiterentwickler und Verbesserer. 2. Der Fels in der Brandung. 3. Der digitale Vorbereiter. 4. Der Weichensteller. In der Kompetenzpyramide gibt es drei Stufen: Stufe 1, 2 und 3. Vgl. Wulf, T./ Meissner, P./ Hutzschenreuter, T.: Der Stratege der Zukunft, in: HBM Dezember 2018, S. 38ff.

Chief Digital Officer (CDO): Seine Aufgabe besteht darin, analoge Prozesse ins digitale zu transformieren.  Er soll Innovationen hervorbringen und das Geschäftsmodell des Unternehmens für die Digitalisierung umbauen. Er muss sowohl technisches als auch kaufmännisches Verständnis haben.

Digitalisierung der Mitarbeiter und von HR: Die Verwaltung der Mitarbeiter mit HR-Software verlagert sich in die Cloud. HR-Dienste können auch aus der Cloud abgerufen werden. Damit verliert die klassische Personalverwaltung an Bedeutung. Anbieter sind z. B. Haufe (Umantis), IBM (Kenexa Talents Insights), Oracle (Human Capital Management Cloud), SAP (ERP Core Human Resources), Workday (Human Capital Management) und Sage (HR & Personalabrechnung).

INSEL: Fünf systemrelevante Kompetenzen nach einer Framework der OECD. 1. Informativität (Information und Aktivität). 2. Netzkompetenz (Interaktion in heterogenen Gruppen). 3. Selbstorganisation (Selbstmanagement, Lernfähigkeit, Selbstvermarktung). 4. Ethos (sittliche Verfasstheit). 5. Leadership.

Neue Jobs im Zeichen der Digitalisierung: Chief Digital Officer (CDO, s. o.), Data Strategist, Chief Disruption Manager, Data Scientist, Social Media Manager, Security Manager, Real-Time Advertising Manager.

Tagelöhner in der Digitalwirtschaft: Auch der Bereich braucht Arbeiter. Die häufigsten Tätigkeiten sind: Vermietung, Lieferservice, Testen von Produkten, IT - Tätigkeiten, Texte schreiben/ redigieren, Erfassen/ Überprüfen von Daten. Vgl. Schwarz, Elisa: Tagelöhner im Nebenjob, in: Die Zeit, Nr. 19, 2. Mai 2019, S. 29.

Erfahrung und Routine im Bezug zu Industrie 4.0: Die fortschreitende Digitalisierung verlangt von den Beschäftigten, mit Komplexität und Wandel umzugehen. Bisher weiß man wenig über die dafür notwendigen informellen Anforderungen. Erste Ansätze bringt ein Index des Arbeitsvermögens mit folgenden Elementen: Situatives Umgehen mit Komplexität, Situative Unwägbarkeiten, Strukturelle Komplexitätszunahme, Relevanz Erfahrungslernen. Vgl. Pfeiffer, S./ Suphan, A.: Erfahrung oder Routine? Ein anderer Blick auf das Verhältnis von Industrie 4.0 und Beschäftigung, in: BWP 6/ 2015, S. 21ff.

Workplace Design: Die digitale Welt beginnt am Arbeitsplatz. Das Stichwort heißt Flexibilität. Wissen, Kompetenzen und Menschen müssen zusammengebracht werden. Die Innenarchitektur, Raumgestaltung müssen dies befördern. Vgl. Hentrich, C/ Pachmajer, M:: d.quarks, Hamburg 2017, S. 33ff.

Personalized Employment: Arbeit wird in der Digitalisierung individualisiert statt standardisiert. Talente wollen Flexibilität. Die Digitalisierung erweitert so die Möglichkeiten für die Menschen. Innovation ersetzt zunehmend Struktur. Es gibt auch neue digitale Rollen (Talent-Management).

People Analytics: Bewältigung der Personalauswahl und -entwicklung mit Big Data. IT-gestützte, automatisierte Analyse und Steuerung von Personalmaßnahmen (Bewerberauswahl, Personaleinstellung, Messung der Mitarbeiterzufriedenheit, Karriereplanung). Vielleicht können die quantitativen Analysen für mehr Fairness sorgen. Die Firmen sind noch eher vorsichtig (Angst vor Betriebsräten?). Die Algorithmen können natürlich Foto und Namen nicht auswerten.

Tools für HR-Manager: Cloud-Lösungen: Sage, Lohnabrechnung; Zep, Projekte abwickeln, Arbeitszeiten erfassen, Reisekosten verwalten; Xpenditure, Reisekosten. auch HR-Analytics der Personalabteilungen wird zunehmen. 

Die digitale Personalakte: Mit modernen HR-Tools können KMU ihre Personalarbeit digitalisieren. Dabei stehen schlanke Tools versus All-In-One-Lösungen. Die meisten Tools gibt es für das Recruting. Dann folgen digitale Personalakte, Personalentwicklung, Zeitwirtschaft und Personalabrechnung. Anbieter sind Softgarden, Erecruiter, Coveto, Bite, Personic, Heaven HR, Javando, HR Works und andere. Vgl. Diego Wyllie: Die Digitale Personalakte, in: t3n Magazin 53/2018, S. 152ff.

Recruiting 4.0:  Neue Methoden der Personalauswahl, insbesondere Integritätstests und Sprachanalyse. Anhand der Sprache zieht man Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschen (Precire Technologies).

Future Work Skills: Flexibilität, Urteilskraft, Digitale Teamfähigkeit, Denken wie ein Computer, Sinn für Prioritäten, Medienkompetenz, Kooperationsbereitschaft, Interkulturelle Kompetenz, Soziale Intelligenz (Quelle: IFTT, University of Phoenix, 2020). "Die Digitalisierung beginnt in den Köpfen und setzt die Bereitschaft zu ständiger Veränderung und Innovation voraus", Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des IT - Branchenverbands Bitkom 2017.

Soft Skills: Mitgefühl (Empathie), Interkulturelle Kompetenz, Blick in den Spiegel (eigene Grenzen), Professionalität, Respekt u. a.. Ergänzung zu den Fachkenntnissen. Oft auch umfassender gesehen: Fachliche Kompetenzen, soziale Kompetenzen, methodische Kompetenzen, personale Kompetenzen (Selbstbewusstsein, Leistungswille, Ausdauer).

Mission mit Mensch im Mittelpunkt: Der digitale Wandel stellt Entscheider vor große Herausforderungen. Doch die betreffen nicht allein neue Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle, sondern auch den Menschen selbst.

Dem Menschen kommt im Prozess dieser digitalen Transformation eine zentrale Bedeutung zu - er wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Man sollte folgende Schritte ausführen:

1. Digitalkompetenz im Topmanagement aufbauen.

2. Moderne Führungskonzepte etablieren.

3. Lernagilität von Beschäftigten fördern.

4. Kundenkontakte in den Mittelpunkt stellen.

5. Beschäftigungsfähigkeit sichern.

6. Digitale Vereinsamung bekämpfen.

Vgl. Bruch, Heike/ Jochmann, W./ München, A.- P./ Stein, F.: Auf digitaler Mission, in: HBM, April 2019, S. 20ff.

Digitale Hilfsarbeiter (KI im Recruiting): Vor allem drei Anwendungen ragen hervor. 1. Matching-Alorithmen: Vergleich von gebrauchten und vorhandenen Fähigkeiten. 2. Chatbots: Beantwortung von Bewerberfragen. 3. Stimmenanalyse: KI analysiert die Psyche. Vgl. Guldner, Jan: Unnatürliche Selektion, in: WiWo 28, 5.7.2019, S. 92ff.

Digitale Fingerfertigkeit: Auf das Digital-Know-how der Mitarbeiter kommt es an. Dazu gehören: 1. Digital Dexterity. Gesamtheit aller Fähigkeiten von Menschn und Organisationen sich an neue Technologien anzupassen. Im Einzelnen umfasst sie den Ton angeben, Vorleben, Kollaborative Arbeitsweise, Wissenstransfers erleichtern, Autonomie stärken, Operativ einbetten. 2. Lebenslanges Lernen.

 

Digitale Finanzierung:

Blockchains: Treten im Zusammenhang mit Digitalwährung auf. Ein gutes Beispiel ist Bitcoin. Interessant ist die Technologie und die Logik: 1. Person A kauft von Person B bestimmte Diamanten (Geschäft). 2. Verifizierung (Identifizierung, Eigentümer). 3. Transaktion (anonym). 4. Validierung. 5. Umsetzung. 6. Ergebnis. Vgl. Bettina Schulz, Das ärgert Betrüger, in: Die Zeit, Nr. 3, 14.01.2016, S. 24f. Allgemein ist eine Blockchain ein dezentrales Register für Transaktionen. Alle Transaktionen werden in Blöcken zusammengefasst und bilden eine Kette. Ein aufwendiges Rechenverfahren gewährleistet die Unveränderbarkeit der Blockchain. Sie kann vertrauensbildende Intermediäre ersetzen, zum Beispiel Banken. So werden Geschäftsprozesse automatisiert. Es entsteht eine gemeinsame Vertrauensgrundlage (Konsens, Proof-of-Work). Zwischengeschaltete Finanzinstitute fallen weg. Es entsteht auch mehr Transparenz, da die Blockchain ein globales Hauptbuch darstellt, in dem alle Transaktionen gespeichert werden. Bei einzelnen Schritten bestehen Variationsmöglichkeiten: Da der Proof-of-Work-Mechanismus viel Rechenleistung und Energie fordert, wurde Proof-of-Stake als energiesparende Alternative entwickelt.

Die Blockchain besteht aus vier Teilen: 1. Einem Wallet und Schlüssel. Ein Wallet ist eine digitale Geldbörse, bestehend aus einem öffentlichen (public key) und privaten Schlüssel (private key, geheim). Mit dem privaten Schlüssel wird die Identität las berechtigter Besitzer der Wallet bestätigt. Der öffentliche Schlüssel entspricht etwa einer gewöhnlichen Kontonummer. 2. Verteiltes System. Die Transaktionsabwicklung läuft in einem Netzwerk auf spezieller autorisierter Hardware. Geschäftsabschlüsse werden kryptographisch abgesichert. 3. Kassenbuch. Transaktionen werden chronologisch aufgezeichnet. 4. Peer-to-Peer. Direkter Austausch von Werten zwischen einzelnen Marktteilnehmern. Vgl. com professional 11/16, S. 14ff.  Im Bereich Finanzen  arbeiten US-Unternehmen wie IBM, Intel und J. P. Morgan schon mit der Blockchain -Technologie. Hierüber werden die Bücher sicher ausgetauscht. Sie können von jedem geprüft werden, der eine Berechtigung besitzt. Den Unternehmen bietet das den Vorteil, dass sie zum Beispiel die Einhaltung von Bilanzregeln per Croudsourcing prüfen lassen und sie bekommen von einem breiten externen Netzwerk Feedback zu ihrem Finanzmanagement. Das signalisiert auch Vertrauenswürdigkeit. Mittlerweile gibt es auch Blockchain - Finanzdienste: Es handelt sich um P2P-Kreditvergabeunternehmen (Peer-to-Peer). Einige sollen hier aufgeführt werden. lendico.de ist ein P2P-Kreditvergabe- und Anlageportal von Privatpersonen an Privatpersonen und Kleinunternehmer. auxmoney.com ist ein P2P-Kreditvergabeportal von Privatpersonen an Privatpersonen. Sieben Gestaltungsprinzipien beeinflussen die Blockchain - Wirtschaft: 1. Vernetzte Integrität. 2. Verteilte Macht. 3. Wert als Anreiz. 4. Sicherheit. 5. Datenschutz. 6. Wahrung von Rechten. 7. Inklusion. Vgl. Don Tapscott/ Alex Tapscot: Die Blockchain - Revolution, Kulmbach 2016.

Geldtransfer via Blockchain: Person A will Person B Geld schicken. Die Transaktion wird online in einen Datenblock verwandelt. Der Datenblock wird an jeden Rechner im Blockchain - Netzwerk geschickt. Jeder Rechner prüft die Transaktion automatisch und gibt sie frei. Der Datenblock wird zu der Kette hinzugefügt und kann nicht mehr verändert werden. Das Geld wechselt von Person A zu Person B. Vgl. Financial Times. , 2016.

Die Entwicklung schreitet fort. Einmal zum Algorithmischen Handel: Computergestützte und automatisierte Entscheidungs- und Durchführungshilfen setzen sich immer mehr durch. Damit können Marktdaten unvorstellbar schnell bearbeitet werden. Finanztransaktionen werden in Form von Small Contracts abgebildet. Die damit verbundene Digital Ledger-Technologie hilft, Kreditvertragsbeziehungen, Wertpapiertransaktionen und Derivate - Geschäfte zu verifizieren und zu automatisieren.

Aber insgesamt gibt es mittlerweile ein digitales Finanzleben, das den traditionellen Banken Konkurrenz macht: so gibt es Giro-Konten per App (N26), Bezahlung per Smartphone (SumUp), Vermittlung von Privatkrediten (Auxmoney), Onlinebezahlsysteme (Billpay), Wertpapierhandel (Ayondo), Vermögensverwaltung (Liqid).

Vor- und Nachteile: Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Sie wird Auswirkungen auf Lieferketten haben. Sie wird einen Peer-to-Peer-Handel begünstigen und zu Börsen führen. Die Blockchain bietet Chancen für neue Geschäftsmodelle. Sie erhöht die Sicherheit von Transaktionen. Sie führt zu mehr Dokumentensicherheit. Die Blockchain macht aber vor keiner Branche halt. Die Blockchain hat auch viele Nachteile: De Rechenaufwand ist riesig und damit auch der Energieverbrauch. Der Stromverbrauch soll 2018 so hoch sein wie der von ganz Österreich. Der US-Ökonom nennt die Blockchain in einem Gutachten für den US-Senat 2018 "die am stärksten überschätzte Technik aller Zeiten". Neue Anwendungen 2018 waren Plattform für Online-Wahlen, Flugschreiber für Drohnen, virtuelle Kryptoschweine für Kinder (Pigzbe), Verwaltung von Lieferketten in der Logistik, Patientendaten in der Medizin.  80% der Projekte sollen aber Betrug sein (Beratungsfirma Satis Group). Man muss den Institutionen vertrauen, die die Datenbank betrieben.

Treasury - Management: Immer wichtiger wird auch das Treasury - Management - System. Es ist eine Art Schatzmeister aus der Cloud. Die KI steht hier erst am Anfang. Funktionen sind der Zahlungsverkehr, die Kontakte zu Banken und Kapitalmärkten, das Cash- und Liquiditätsmanagement, das Finanzmanagement, die Absicherung finanzieller Risken und Reporting. Bisher kann man das noch nicht von der Stange kaufen. Vgl. Jürgen Mauerer: Schatzmeister aus der Cloud, in: com! professional 1/2019, S. 54ff.

Blockchain in der Praxis des Finanzbereichs: Die Technologie ist viel versprechend, aber äußerst komplex. In der Finanzbranche lässt sie sich in allen Bereichen einsetzen, in denen es zu einem Austausch von Daten zwischen Partnern kommt. 47% aller Ausgaben der Blockchain wurden 2018 von Banken und Finanzdienstleistern geleistet.

Kreditportale (Vergleichsportale, Crowdlending, Fintech; Online-Vermittler): Sie sammeln Geld von Anlegern ein, um es an Selbständige und kleine Firmen weiterzureichen. Man kann zwischen Crowdlending-Anbietern und Kreditvergleichsportalen unterscheiden. Crowdlending-Anbieter sind Auxmoney, Finmar, Lendico und Zencap. Crowdlending wird weiter unten bei Schwarmfinanzierung inhaltlich behandelt. Kreditvergleichsportale sind z. B. Creditolo, Compeon, Finpoint, Smava (Marktstart: die meisten bei 2007). 2009 entsteht in London Funding Circle (Studenten). In der Regel fallen hier keine Gebühren an. Bestimmte Finanziers sind angeschlossen. Bewerbungen können per Video erfolgen. Kleininvestitionen können durch diese Portale erleichtert werden. Die Finanzierung kann aber teurer werden. Die Unterschiede zwischen den Anbietern bestehen in folgenden Merkmalen: Zahl der angeschlossenen Finanziers, direkte Gebühren für Kreditnehmer, Voraussetzungen, Finanzierungsart, Marktstart, Volumen bisher vermittelter Firmengeschäfte. Durch die vielen Portale drängen Internetfirmen ins Bankgeschäft (auch mit Online-Bezahldiensten). Die meisten Banken kooperieren mittlerweile mit Fintech-Unternehmen. Sie investieren auch in Fintech-Unternehmen (z. B. die Genossenschaftsbanken in Lendstar, iZettle und Zencap). Trotzdem hinkt Deutschland bei den Investitionen in Fintech hinterher (es führen die USA vor Großbritannien). Bei Krediten für kleine Unternehmen sind die Banken vorsichtig. Das versuchen die Online-Vermittler auszunutzen. 2016 erlebt die Branche ihren ersten großen Skandal. Lending Club in den USA scheitert (persönliche Verfehlungen des Chefs Laplanche; Verkauf "fauler Kredite" u. a.; Justizministerium ermittelt). Online-Portale etablieren sich immer mehr als Alternative zu Kreditinstituten. 2017 zeigt eine Studie, dass sie nicht billiger sind, aber unbürokratischer. Vgl. Daniel Schönwitz: "Wir sind schneller als dei Banken", in: Die Zeit, Nr. 20, 11.05.2017, S. 30.  China legt als erstes Land 2015 die Kreditportale an die kurze Leine. Sie dürfen keine Einlagen von Sparern mehr einsammeln oder Renditen garantieren. Sie dürfen auch nicht Vermögensverwalter sein. Es soll nur noch um das Zusammenbringen von Kreditnehmern und Geldgebern gehen. In dem Land gibt es mehr als 2600 Kreditplattformen. In dieser Internet-Sparte gilt das Prinzip "The winner takes it all". Produkt-Vergleichsportale verfolgen finanzielle Interessen. Internetseiten bieten persönliche Meinungen statt objektiver Tests.

Plattform Marcus: Tochter von Goldman Sachs. Die Plattform soll zuerst in den USA, dann in Großbritannien und später in Deutschland Kleinsparer erobern. Man arbeitet etwa mit Influencern (Instagram-Star Jo Jo Fletcher).

Fintech-Firmen:  Im engeren Sinne spricht man von Fintech - Firmen, wenn junge Finanzdienstleister mit Internet und Apps arbeiten und hoch spezialisierte Finanzdienstleistungen anbieten. 2016 gibt es in Deutschland etwa 250 solcher Firmen, hauptsächlich in Berlin und Frankfurt. Im Einzelnen können dies sein digitale Zahlungsdienste mit digitalen Geldbörsen (Online - Shopping), Crowd-Lending, automatisierte Vermögensberater und -verwalter (Robo Advisers). Die Bafin hat ein Auge auf diese Anbieter geworfen. Neue Finanztechnologien: Sie sind eine echte Konkurrenz für Banken. Digitale Beratungsangebote und Crowdlending bieten Kunden die Chancen, ihr Vermögen unabhängig von Banken zu verwalten und auch Kredite untereinander zu vergeben. Es könnte hier ein unregulierter Bereich entstehen. Dann für Finanzgeschäfte benötigt man klare und verlässliche Informationen. Wenn aber zu stark reguliert würde, könnten innovative Dienstleistungen im Keim erstickt werden. Natürlich gibt es auch in den neuen Technologien Spielräume, die Kreditwürdigkeit von Kunden zu überprüfen. Vgl. Neue Finanztechnologien - Bankenmarkt in Bewegung, in: Wirtschaftsdienst 2016/9, S. 631ff.   Die Nutzung von Fintech - Diensten ist am höchsten in China, Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Europa ist die Nutzung in Spanien am höchsten.

Fintech - Start-ups und Finanzwesen: In Deutschland gibt es 2018 zwischen 350 und 700 Fintech - Firmen. Es sind Firmen, die technologiegetrieben sind und neue Finanzprodukte entwickeln. Sie arbeiten in den Bereichen Zahlungsverkehr, Vermögensbildung, Banking, Kreditwesen, Factoring oder E - Commerce, sowohl B2C als auch B2B. Alle diese Firmen arbeiten mit Plattformen. Sie bieten meist folgende Services: Accounting (Optimierung von Finanzprozessen), Alternative Finanzierung (z. B. Crowdinvesting), APIs für Banking (Schnittstellen, technische Infrastruktur), Bitcoin/ Blockchain, Identitätsmanagement, Immobilien, Investment, Payments, Regulierung (Risikokontrolle, Compliance), Versicherungen.

Insurtech: Digitale Versicherer. Sie wirbeln die Branche durcheinander. Allerdings ist dies ein schwieriger Markt. Der Trend geht zu Bankassurance 2.0, also Verzahnung mit den Banken. Es besteht ein großes Potential bei Themen wie Sensorik, Fitness-Tracking oder Telematik-Tarifen.

Banking-Software für Firmenkunden: Zahlungsverkehr der Unternehmen mit Weblösungen. Erst allmählich werden diese Lösungen benutzt. Mögliche Anbieter sind Windata, PPI, Star Finanz, Fiducia GAD, Omikron, Business-Logics GmbH.

Wirecard AG, Aschheim bei München (Zahlungsplattform, IT - Dienstleistungen, Software; steht 2018 vor dem Sprung in den DAX, bisher im TecDax; in den DAX am 24.09.2018, löst die Commerzbank ab; das Unternehmen wurde immer wieder mit Schmuggelgeschichten verbunden; 2020 wird mit 210 Mrd. Euro Zahlungen gerechnet; ca. 5000 B.; 2005 Entstehung durch Namensänderung; Gründer und Chef ist Markus Braun; in der Dotcom-Blase war das Unternehmen fast tot; Pornos und Glücksspiel waren die Rettung). 2019 tauchen immer wieder Gerüchte über Aktienmanipulationen auf, die aber dementiert werden.

Digitalisierung und Finanzsektor: Die Digitalisierung revolutioniert den Finanzsektor. Dezentrale Blockchain-Technologien und die Kryptowährung (z. B. Bitcoin) werden die treibenden Kräfte sein. Daten sind der Rohstoff des Informationszeitalters. Die Amerikaner haben mit dem Silicon-Valley einen Riesenvorsprung. Verbraucher und Kunden regeln ihre Finanzgeschäfte zunehmend über Smartphone. Digitale Finanzdienstleistungen sind eine Konkurrenz für traditionelle Banken. "Die Digitalisierung des Finanzdienstsektors bietet die Chance, Geldgeschäfte schneller, einfacher und billiger zu machen", Jens Weidmann.

Schwarmfinanzierung (auch "Crowdinvesting" bzw. "Crowdfunding" genannt; "Schwarm" = Vielzahl von Geldgebern): Finden von Kapitalgebern über das Internet. Junge Unternehmen holen sich das Geld nicht von großen Investoren oder Wagniskapitalgebern, sondern von Kleinanlegern über das Internet. Diese Finanzierungsform gewinnt an Bedeutung. Im Moment steht noch die Anschubfinanzierung von Start - Up - Unternehmen  im Mittelpunkt. Der Grundmechanismus besteht darin, dass Investoren - vermittelt über das Internet - Kapital an Start-ups geben und dafür einen Erfolgsanteil bekommen. Oft liegen mittlerweile Investitionsprojekte schon bei 100.000 € und mehr. Es geht darum, Investoren zu finden und zu halten. Zuerst muss eine Plattform im Internet ausgewählt werden (vgl. zu Adressen die Seite "Links"/ KMU/Finanzierung; Bsp. Compeon; Seedmatch). Dann muss man Geldgeber finden. Dazu braucht man gute Kennzahlen und ein innovatives Geschäftsmodell. Die Investoren sollten regelmäßig betreut und informiert werden. Feedback im Internet sollte genutzt werden. Fallstudien aus Deutschland: Das Tiefbauunternehmen Doms aus Leverkusen finanzierte einen Bagger mithilfe von Crowd (Genussrechte). Der Sensorhersteller Urbana konnte 3 Mio. € über eine Finanzierungsrunde im Netz sammeln. Die Crowdfunding-Plattform Companisto expandiert als erster deutscher Anbieter ins Ausland (seit 2012 zwei Dutzend Firmen von mehr als 14.000 Anlegern Geld eingesammelt; Mindestanlagebetrag fünf Euro). Das bekannteste Crowd-Funding-Projekt in Deutschland ist der Kino-Film "Stromberg", der aus Finanzspritzen von Fans bezahlt wurde. In der Regel erhalten die Geldgeber keine finanzielle Gegenleistung in Form von Zinsen, sondern Sachgüter (CD, Buch, Freikarten, Privilegien u. a.). Probleme entstehen, wenn das Geld gegeben wurde, aber das Projekt nicht zustande kommt. Projekte können auch während der Laufzeit scheitern.  Deshalb sprechen Verbraucherschützer mehr von Spende als von Geldanlage. Im Englischen ist das der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting (Rendite fließt nur, wenn das Vorhaben gelingt und Gewinne abwirft). Mittlerweile ist der Anfangszauber verflogen. Die Pleiten bei von Schwarmfinanzierern  finanzierten Start-ups häufen sich. Die Investoren merken dabei, dass sie kaum Rechte haben. Auch die den Anlegern angebotenen Erlöse haben sich als niedrig erwiesen. 2014 gibt es in Deutschland 26 Plattformen. Folgende entsprechend finanzierte Unternehmen sind in die Pleite gegangen:  Betandsleep (Hoetelvermittlung), foodieSquare (Lebensmittel-Versand), Zapitano (TV-Community), BluePatent (Schutzrecht-Recherchen), Speed Car (Schlagloch-Beseitigung). 2013 holen sich auch immer mehr Privatkunden Kredite aus dem Internet (14 % über eine Bank; 7% über ein Kreditvergleichsportal). 2014 rückt die Internetplattform "Zencap" in den Vordergrund. Sie vermittelt Darlehen an Firmen. Vorher erfolgt eine gründliche Bonitätsprüfung (aber Projekt wichtiger als Bilanz). Es geht um Kredite bis zu 100.000 Euro. Die Wirecard Bank kümmert sich um die Abwicklung. Neben Crowdfunding (ideelle Unterstützung, Projekt- oder Produktbeteiligung; reine Spenden; nicht-monetäre Belohnungen) und Crowdinvesting (Geldanlage; Investments durch Überschreibung von Anteilen am Projekt oder sogar am Unternehmen durch Eigenkapital) gibt es noch Crowdlending (Geldanlage auf Zinszahlung plus Tilgung basierend). 2014 wurden weltweit 16,2 Mrd. $ durch Crowdfunding eingesammelt (2013: 6,1; 2012: 2,7). Am wichtigsten ist die Finanzierungsquelle in den USA (2014: 9,5 Mrd. $). Europa lag hinter Asien an dritter Stelle. Am meisten wurde 2014 für Produkte und Unternehmen eingesammelt (dann folgen: Soziale Projekte, Filme, Immobilien und Musik). Hauptproblem der Schwarmfinanzierung ist, dass die Rendite  gemessen am Risiko zu gering ist. Also kommt es noch eher auf immatrielle Belohnungen an. Eine ausführliche Studie des IfM Bonn 2015 (Unternehmensgründung und Crowdinvesting; 145 KMU befragt) kommt zu folgenden Ergebnissen: Die Finanzierungsform ist besonders geeignet für innovative Wachstumsunternehmen. Der finanzielle Beitrag der Gründer ist entscheidend. Der Ablasshandel von Tetzel zu Luthers Zeiten kann als Schwarmfinanzierung für klerikale Zwecke (Petersdom) gesehen werden. Die Idee ist also sehr alt. Chinesische Raubkopierer nutzen Crowdfunding -Plattformen, Inspirationen zu erhalten. Ihre Plagiate sind dann oft früher am Markt als das Urprodukt.  "Neither a borrower nor a lender be" (Kein Borger sei und auch Verleiher nicht), William Shakespeare, 1564-1616, Dramatiker und Dichter (Zitat aus "Hamlet", 1, Akt, 3.Szene). 2014 ereignet sich eine kuriose Crowdfunding - Aktion: Zack Danger Brown isst gerne Kartoffelsalat. Er stellt am 04.07. auf die Plattform "Kickstarter" ein Projekt ein: 10$ einsammeln, um sich davon selbst einen Kartoffelsalat zu machen. Schon am 08.07. gaben 3500 Menschen 38.000 Dollar (Prämien: 1 $ Namen; 2$ Foto; 5 $ selbst Zutat aussuchen; 10$ mit in die Küche; 25$ Kartoffelsalat-Hut; 35$ T-Shirt; 50$ Kartoffelrezepte). Die Unterstützer kommen aus der ganzen Welt. Gesammelt wird bis zum 2. August. Der Berliner Michael Bohmeyer sammelt per Crowdfunding 12.000 €, um einem anderen Menschen ein Jahr lang ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren. Chris Roberts, ein Pionier der Computerspiel-Branche, kann 2014 mit Crowdfunding 49 Mio. Dollar für das Spiel "Star Citizen" (Weltraumsimulation, Luke Skywalker) einsammeln. 2014 kommt die erste Crowdfunding-Anleihe (Mittelstandsanleihe, Crowdrange). Ende 2014 will der Pirmasenser Maßschuhfertiger Ralf Siebert mindestens 20.000 € durch Crowdfunding einsammeln für vegane, fair und nachhaltig hergestellte Schuhe. Als größte Crowdfunding-Flops in Deutschland gelten bisher Ubuntu Edge, NUIA eyeCharm und Smarty Ring. Italiens Filmindustrie finanziert immer mehr Filme über Crowdfunding. Auch die Landwirtschaft sammelt zunehmend Geld im Internet. Crowdfunding wird für Weinberge und Äcker eingesetzt. Die Finanzierer erhalten Naturalien. 2015 erscheit eine Studie der britischen Uni Cambridge zur Schwarmfinanzierung in Europa: Deutschland hinkt hinterher, obwohl sich die Summe der Projekte von 2012 auf 2014 verfünffacht hat (140 Mio. € 2014). Es führt GB. 2015 wird mittels Crowdfunding auch die Flüchtlingsrettung auf dem Mittelmeer finanziert (Unternehmerpaar Catrambone aus Malta, Migrant Offshore Aid Sation). Am 19.10.15 startet in London eine Crowdfunding-Aktion für das Projekt eines "Todescafes". Mithilfe des "Death Cafe" sollen sich Menschen mit der Endlichkeit des Lebens beschäftigen. Eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn 2015 zeigt, das Schwarmfinanzierer im Schnitt 10 Prozent Verlust machen. Untersucht wurde der Zeitraum 2011 bis 2014. Die Forscher hatten 163 Finanzierungsrunden in 145 Firmen. 85% der Firmen wollten wieder mit Crowdinvesting finanzieren. 2017 wird in Deutschland mit einem Gesamtumfang der Schwarmfinanzierung von 34 Mio. US-$ gerechnet. Diese Finanzierungsart steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, ganz im Gegensatz zu den USA und China. 2017 scheitert der Zugbetreiber Locomore. Er war stark über Crowdinvesting finanziert. Hunderte Investoren fürchten um ihr Geld.

Crowdfunding (auch Crowdsourcing): Beim Crowdfunding steht die ideelle Unterstützung im Vordergrund (es geht um Emotionen, potentielle Geldgeber sollen berührt werden): Projekt- oder Produktbeteiligung; reine Spenden; nicht-monetäre Belohnungen. Trotzdem kann man Donation-Based-Crowdfundung und Reward-Based-Crowdfunding (Danksagung, Abspann des Films) unterscheiden. Eine so genannte "Community" ist also der Geldgeber. Das bekannteste Crowd-Funding-Projekt in Deutschland ist der Kino-Film "Stromberg", der aus Finanzspritzen von Fans bezahlt wurde. In der Regel erhalten die Geldgeber keine finanzielle Gegenleistung in Form von Zinsen, sondern Sachgüter (CD, Buch, Freikarten, Privilegien u. a.). Probleme entstehen, wenn das Geld gegeben wurde, aber das Projekt nicht zustande kommt. Durch Crowdfunding werden mittlerweile Projekte in Kunst, Kultur und Wirtschaft finanziert. Immer mehr entdeckt der Sport Crowdfunding. So kommen Exoten zur Unterwasserhockey-WM, Jugendmannschaften sammeln für Trikots, Afghanistan finanziert so sein Frauen-Handballteam. Führende Plattform im Sport ist "Fairplaid". In Deutschland könnte sich diese Finanzierungsart im Sport zur dritten Säule entwickeln neben staatlicher Förderung und dem klassischen Sponsoring. Ähnlich dem Crowdfunding ist das Crowdsourcing: Hier arbeiten Mitarbeiter kostenlos mit. Nach diesem Muster funktionieren alle Bewertungsportale. Aber auch Wikipedia gehört zu diesem Modell. In der Wissenschaft hat dieses Modell eine lange Tradition. Schon Charles Darwin griff auf die Arbeit von Hobbywissenschaftlern zurück. Der Astrophysiker Chris Lintott von der Uni Oxford hat das Modell auf die Astrophysik übertragen. Auch immer mehr Privatleute versuchen, mit Crowdfunding private Dinge zu finanzieren lebenswichtige Operationen, Studium, Flitterwochen). Sie starten dazu eigene Crowdfunding-Kapagnen im Internet (oft über soziale Netzwerke). Noch unklar bleibt, was dabei der Kern ist (moderne Bettelei, Bedürfnis der Kommunikation, Not). Ende 2015 fordern die Verbraucherschützer schärfere Regeln für Geldanlagen über Internet-Plattformen (Schutz für Kleinanleger; weder Altersvorsorge noch Vermögensaufbau; Kontrolle durch Bafin). Ein Brite startet 2015 eine Kampagne, um Griechenlands Staatsschulden zu bezahlen. Er wollte 1,6 Milliarden über eine Crowdfunding-Plattform einsammeln. In Deutschland kamen allein 2015 dafür fast 10 Mio. € zusammen.   2014 ereignet sich eine kuriose Crowdfunding - Aktion: Zack Danger Brown isst gerne Kartoffelsalat. Er stellt am 04.07. auf die Plattform "Kickstarter" ein Projekt ein: 10$ einsammeln, um sich davon selbst einen Kartoffelsalat zu machen. Schon am 08.07. gaben 3500 Menschen 38.000 Dollar (Prämien: 1 $ Namen; 2$ Foto; 5 $ selbst Zutat aussuchen; 10$ mit in die Küche; 25$ Kartoffelsalat-Hut; 35$ T-Shirt; 50$ Kartoffelrezepte). Die Unterstützer kommen aus der ganzen Welt. Gesammelt wird bis zum 2. August.Der Berliner Michael Bohmeyer sammelt per Crowdfunding 12.000 €, um einem anderen Menschen ein Jahr lang ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren. Chris Roberts, ein Pionier der Computerspiel-Branche, kann 2014 mit Crowdfunding 49 Mio. Dollar für das Spiel "Star Citizen" (Weltraumsimulation, Luke Skywalker) einsammeln. 2014 kommt die erste Crowdfunding-Anleihe (Mittelstandsanleihe, Crowdrange). Ende 2014 will der Pirmasenser Maßschuhfertiger Ralf Siebert mindestens 20.000 € durch Crowdfunding einsammeln für vegane, fair und nachhaltig hergestellte Schuhe. Als größte Crowdfunding-Flops in Deutschland gelten bisher Ubuntu Edge, NUIA eyeCharm und Smarty Ring. Italiens Filmindustrie finanziert immer mehr Filme über Crowdfunding. Auch die Landwirtschaft sammelt zunehmend Geld im Internet. Crowdfunding wird für Weinberge und Äcker eingesetzt. Die Finanzierer erhalten Naturalien. 2015 erscheit eine Studie der britischen Uni Cambridge zur Schwarmfinanzierung in Europa: Deutschland hinkt hinterher, obwohl sich die Summe der Projekte von 2012 auf 2014 verfünffacht hat (140 Mio. € 2014). Es führt GB. 2015 wird mittels Crowdfunding auch die Flüchtlingsrettung auf dem Mittelmeer finanziert (Unternehmerpaar Catrambone aus Malta, Migrant Offshore Aid Sation). 2015 finanziert die Sängerin Elen Wendt aus Berlin ihr Album "Elen" über Crowdfunding. "Croudfunding ist eine Demokratisierung von Kapital - jeder entscheidet selbst, wie er sein Geld investieren möchte", Jens-Uwe Sauer, Gründer und Geschäftsführer von Seedwatch. 2015 haben die Deutschen 249 Mio. € in Crowdfunding angelegt (Quelle: KPMG, Uni Cambridge).

Crowdfunding - Plattformen  für nachhaltige Investments (Green Finance): GreenX-Money (E.On) hat sich auf erneuerbare Energien spezialisiert. Beteiligungsform ist ein Forderungskaufvertrag. GLS Crowd finanziert Immobilien und erneuerbare Energien. Es handelt sich um ein Nachrangdarlehen. Green Rocket sammelt Geld für Start-ups. Beteiligungsform ist hier Nachrangigkeitsdarlehen bzw. Genussrechte. Bettervest kümmert sich um Erneuerbare Energien und Entwicklungsländer. Beteiligungsform ist ein Nachrangigkeitsdarlehen. Econeers (Eigentümer Seedmatch) finanziert Start-ups und Erneuerbare Energien. Es handelt sich um ein Partiarisches Nachrangigkeitsdarlehen. Vgl. Wirtschaftswoche 28/ 7.7.17, S. 75. "Wer in die Spielbank geht, weiß auch, dass er Geld verlieren kann", Daniela Bergdolt, Anlegeranwältin, über das Risiko der Schwarmfinanzierung, 2017.

Große Crowd - Projekte in Deutschland: Erfolgreiche Start-ups über Crowd-Investing-Plattformen: LeaseRad (Fahrradleasing), Erdbär (Obst-Snack), Companisto (Crowdplattform), Foodist 1 (Essens-Abo), Refined Investmet (Fianzberatung). Die größten Immobilien-Projekte sind: Weissenhaus, SpreeSide-Residenz, Urbanara (Immobilien). 

Ablauf und Funktionsweise eines Crowdfunding:  Oft fängt man mit der Erstellung eines Videos an. Dann wählt man eine passende Plattform aus. Die Plattform überprüft den Bewerber, was man Screening-Prozess nennt. Dann geht man online. Ständig müssen Informationen nachgeliefert werden. Nach dem Ende der Kampagne erfolgt eine Nachbereitung. Die Provisionen der Plattformen sind unterschiedlich. Sie liegen meist bei 5% plus Transaktionsgebühren. Manche geben auch das Geld zurück, wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wurde.

Crowdfunding in der Realität: Die Bundesregierung hatte ein Kleinanlegerschutzgesetz gemacht, um Privatinvestoren mehr Informationen und besseren Schutz am Kapitalmarkt zu geben. 2019 lässt sie eine Bestandsaufnahme machen, die sich auf die Zeit zwischen 2011 und April 2018 bezieht. Quelle der folgenden Infos ist also die Bundesregierung: 60,5% gehen in die Immobilienfinanzierung (193 Projekte, 220 Mio. €). Dann kommt die Unternehmensfinanzierung (425 Projekte, 114 Mio. €). Mit 8% folgen soziale/ökologische Projekte (124, 29 Mio. €). Schlusslicht ist der Film (0,1%, 1 Projekt, 0,4 Mio. €). Nur ein Drittel der Projekte benötigt mehr als 500.000 €. Die meisten Anleger sind männlich (88%). Die meisten Investitionen liegen unter 1000 € (86%). 10% aller Anlagen sind Ausfälle.

Finanzierung über ICOs (Initial Coins Offering; Coins/ Token): Kapitalaufnahme über globale Crowd. Sie könnten die Finanzwelt revolutionieren. Bei einem ICO verkauft ein Unternehmen über die Crowd eigne Coins und kann dieses Kapital dann langfristig zur Finanzierung nutzen. Technisch abgewickelt wird das mit der Blockchain-Technologie. ICO-Vorreiter in Europa ist die Schweiz.

Online-Spenden: Sie sind auf dem Vormarsch. Das geschieht auch über Plattformen. Eine führende Plattform ist betterplace.org. Sie bietet Unternehmen jeder Größenordnung Lösungen an. Es geht um digitale Lösungen von CSR-Strategien. Unternehmen sollen ihr gesellschaftliches Engagement digital denken und online sichtbar machen. Im Gegensatz zu Crowdfunding geht es hier nur um eine Spende. Es gibt auch keine Mindestkapitalmenge.

Social Community: Im Nachgang zur Finanzkrise 2008 sind Social Trading-Plattformen entstanden, die auf gebündelte Erfahrungen einer Social Community setzen ("Weisheit der Vielen"). Die entscheidende Frage ist, ob die Empfehlungen für Investitionen (Investmentfonds) besser sind als die von professionellen Fonds-Manager. Das kann mit einer Risiko-Rendite-Betrachtung angegangen werden. Vgl. Breitmayer, B/ Pelster, M.: Investmentfonds der Social Community, in: WiSt 4/2017, S. 19ff.

Token: Ein digitaler Jeton, der einen Wert repräsentiert. Im Unterschied zu echten Bitcoins mit eigener Blockchain nutzen Tokens eine bestehende Blockchain wie etwa die von Ethereum oder Bitcoin.

Security Tokens: Finanzinnovation. Sie werden in so genannten Security Token Offerings (STOs) angeboten. Sie sind mit wertpapierähnlichen Eigenschaften ausgestattet. Durch STOs können die Kosten für KMU ganz erheblich gesenkt werden. Sie könnten die Wertpapieremissionen und dei Unternehmensfinanzierung für Start-ups auf den Kopf stellen. Immer mehr Börsen bieten Security-Token-Dienstleistungen an. Damit dürfte die Professionalisierung steigen.

Andere Token: Equity Token: ein Token, der einen Anteil an einem Unternehmen darstellt, ähnlich einer Aktie. DAICO: Mischwort aus DAO und ICO. Ein Token Sale, bei dem die Investoren darüber abstimmen, wann welche Gelder freigegeben werden. Utility Token: Token, die man benötigt, um ein dezentralisiertes Anwendungsprogramm (DApp) zu nutzen.

Funktionsweise der Krypto - Währungen am Beispiel von Bitcoin: Die Technologie beruht auf drei Säulen: Dezentral, Cash- artig und Digital. Dezentral: Es besteht Unabhängigkeit. Es gibt keine Zentralbank die die Währung kontrolliert. Die Rechner funktionieren unabhängig voneinander. Cash-Charakter: Bargeld kann man nicht leicht zurückholen. Die Zahlungen sind schwer zurück verfolgbar. Digital: Blockchain. Kette von Blöcken". Jeder Block enthält Transaktionswünsche. Diese müssen konsistent sein. Die maximal im Markt verfügbare Anzahl an Bitcoins ist auf 21 Mio. begrenzt. Voraussichtlich 2140 wird der Wert erreicht. Wer Bitcoins anlegen will, ohne selbst zu minen oder Hashpower zu erwerben, kann sie auch auf einer Börse kaufen. Die erste lizensierte Börse war Bitstamp. "Bitcoin is Evil", Paul Krugman 2013.

Der virtuelle Börsengang: Er läuft über Initial Crypto Offerings (ICOs). Ein ICO ist eine neuartige Methode, um Unternehmen oder Projekte zu finanzieren. Sie basiert auf dem Prinzip des Croudfunding und kombiniert es mit Kryptotechnologie. Vgl. Koenig, Aaron: Dezentrale Revolution, München 2019.

Initial Coin Offering (ICO): Finanzierung über eine Plattform mit einer Krypto - Währung, z. B. Bitcoin Man arbeitet mit der Block-Chain-Technologie. In der Regel wird diese Finanzierungsform bei Start-ups eingesetzt. Positive Beispiele gibt es 2018 aus der Schweiz (etwa im Berner Oberland).

ASIC-Miner: Mining - Rechner, die auf speziellen Microchips basieren, welche ausschließlich für das Cryptocoin - Mining gebaut sind. ASIC steht für Application Specific Integrated Circuit. 

Fintech-Szene in China: Sie eilt der Konkurrenz davon. Einerseits liegt es an der Größe des Marktes in China. Andererseits daran, dass China am besten vom Silicon Valley lernt. Fünf der größten Fintech-Firmen liegen 2016 in China: Lu.com, JDFinance, Fenqile, Welab, Weidai. Vergeben werden Mikro-Kredite (in Gegenden, wo es kaum Banken gibt) an Klein-Kunden, größere Kredite an Start-ups. 2015 flossen 150 Mrd. $ über die etwa 2000 Plattformen. Vieles läuft über das Handy. Geldgeber sind auch die großen Firmengründer in China. In China nutzen auch die meisten Verbraucher Fintech-Dienste (84,4% 2016; Quelle: Capgemini Financial Services). 2016 werden intime Bilder (Nacktfotos) als Sicherheit für Online-Kredite eingeführt. 2018 wird der Börsengang des Start-up Ant Financial vorbereitet. Es könnte der größte Börsengang aller Zeiten werden. Dahinter stecken der Internetkonzern Alibaba und Jack Ma. Dieser ist Mehrheitsaktionär (62%). 33% hält Alibaba. 5% der China National Social Security Fund. Ant Financial hieß ehemals Alipay (520 Mio. Nutzer). Im Mittelpunkt stehen einfache Bürger und kleine Firmen. China ist mittlerweile so weit voraus, dass selbst der IWF auf China schaut, um zu lernen.

Innovationen im Zahlungsverkehr und Wirtschaftsentwicklung (Ende des Bargeldes?): Die größte Innovation der letzten Jahre sind "electronic payments" und das Sinken des Bargeldbestandes in der Folge . Die Hypothese lautet hier, dass dadurch mehr Kredite und mehr Konsum angeregt werden, wodurch sich das Wachstum einer Wirtschaft erhöht. Für Deutschland kann diese These eher bestätigt werden, für China falsifiziert. Eine Bargeld-Obergrenze soll auch helfen, die Schwarzarbeit einzudämmern (5000,- €?). Die Abschaffung von Bargeld ist sicher ein Eingriff in Freiheitsrechte. Die Regierungen begründen die Abschaffung des Bargeldes mit der Bekämpfung der Schattenwirtschaft. Umfragen zeigen, dass über 80% aller Deutschen gegen eine Abschaffung sind. Volkswirtschaftlich stehen drei Hypothesen im Vordergrund: 1. Die Existenz von Bargeld begrenzt die Effektivität der Geldpolitik. 2. Bargeld begünstigt illegale Aktivitäten und Steuervermeidung. 3. Digitale Währungen, wie z. B. Bitcoin, ersetzen Cash mittel- bis langfristig. Eine Bargeldobergrenze ist der Einstieg in den Ausstieg, denn die Obergrenze lässt sich leicht absenken. Es gibt Befürworter der Abschaffung des Bargeldes unter Politikern, Bankern (John Cryan von der Deutschen Bank) und Wissenschaftlern (Kenneth Rogoff: Warum unser Bargeld verschwinden wird). Als Vorbild gilt Schweden (Swish). Dort wurden 2016 nur noch 15% der Zahlungen im Einzelhandel bar bezahlt. Doch es gibt auch erhebliche Risiken: totale Kontrolle und Repression durch die Notenbank. Auch der Schaden durch Kartenbetrug steigt kontinuierlich an. Einige Notenbanken denken darüber nach, digitale Währungen als Bargeldersatz herauszugeben.  2014 ist Bargeld in Deutschland noch immer das häufigste Zahlungsmittel (53,2 %), gefolgt von EC-Karte (29,4%), Überweisung (5,3%) und Kreditkarte (3,9%). Ökonomen fordern 2015 die Abschaffung der Barzahlung (Peter Bofinger in Deutschland; Larry Summers in den USA). Seit der Euro-Einführung ist die Realität aber eine andere: Es wächst beständig die Anzahl der Scheine und Münzen (Bargeldumlauf). Mitte 2015 sind ca. 18 Milliarden Euro-Scheine unterwegs. Die Bundesregierung plant 2016, eine Obergrenze für Bargeldzahlungen einzuführen (5000 €). Ziel ist der Kampf gegen Geldwäsche. Dagegen spricht der Datenschutz (absolute Kontrolle der Verbraucher). 79% der Deutschen sind 2016 für den Erhalt des Bargeldes (53,2% des Zahlungsverkehrs sind 2016 noch Bargeld). Je älter die Menschen sind, desto eher bezahlen sie bar. In einigen Krisenländern der EU, wie in Griechenland, wird viel Bargeld in Form von 500-€-Scheinen gebunkert. Die Abschaffung dieser Scheine, wie sie die EZB plant, hätte unangenehme Folgen. Einige Ökonomen sehen auch den Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Dollar mit dem Abschaffen schwinden. Die Abschaffung wird von der EZB im Mai 2016 beschlossen (ab Ende 2018 aus dem Zahlungsverkehr, Schein bleibt aber gültig). Die EZB betont, dass dies nicht der Anfang des Ausstiegs aus dem Bargeld sei. "Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten", Mario Draghi, Präsident der EZB. In der VR China ändern sich in den Metropolen, vor allem in Shanghai, massiv die Zahlungsgewohnheiten. Das ist in einem Bargeld-Land sehr ungewöhnlich. Alipay, der Bezahldienst von Alibaba, und WeChat Wallet, der größte Anbieter von Bezahldiensten, sind stark auf dem Vormarsch. "Bargeld ist das Geld der Bürger", Carl-Ludwig Thiele, Vorstand der Deutschen Bundesbank 2017, zuständig für Bargeld und Zahlungsverkehr. 2017 macht der Finanzminister in Griechenland Druck gegen Steuerhinterziehung. Er setzt Anreize zum bargeldlosen Bezahlen. Kartenterminals werden abgeschafft (eine beliebte Methode der Handwerker). 2017 kommt eine Studie des Instituts für Handelsforschung der Uni Köln zu dem Ergebnis, dass in Deutschland beim Zahlen noch eindeutig das Bargeld überwiegt. Vgl. auch: Smolinski, R./ Gerdes/ Siejka/ Bodek: Innovationen und Innovationsmanagement in der Finanzbranche, Wiesbaden 2017.

Digitale Zahlsysteme: In einigen Ländern boomt der Markt. So in Schweden und China. In China verschärft die Notenbank die Vorschriften für die Anbieter solcher Systeme ab 2018: Ab April müssen Zahlungsabwickler 42 bis 50% ihrer Kundenreservegelder auf zinsfreien Konten parken. In China ist der Markt rasant gewachsen. 2016 sollen es Transaktionen im Wert von 2,4 Billionen Euro gewesen sein. Die Regierung bemüht sich darum, den Markt gläsern zu machen. In der EU wurden 2016 noch 79% aller Einkäufe bar bezahlt. Doch digitale Bezahlsysteme wie Amazon Go oder Pay Pal expandieren (auch Apple Pay, Visa Checkout, Google Pay, Alipay, Samsung Pay, Masterpass, Square Cash). Sie locken mit Bequemlichkeit. Doch es besteht die Gefahr der totalen Überwachung. In China sind die Smartphone - Zahlungen im digitalen Handel am höchsten vor den USA.

Libra von Facebook: Die Digitalwährung soll 2020 kommen. Damit wird das Nischendasein der Krypto - Währungen beendet. Innerhalb von WhatsApp oder dem Facebook Messenger sollen Überweisungen möglich sein. Damit wagt sich Facebook auf das Feld der Banken. 1,7 Mrd. Menschen haben weltweit keinen Zugang zu Banken (Quelle: Weltbank). Für diese Menschen wäre der Vorteil am größten. Sie Facebook auf jeden Fall erreichen. So können 2,7 Mrd. Menschen erreicht werden. Es soll eine Libra Association mit Sitz in der Schweiz gegründet werden. Aktuell sind es 28 Partner (Visa, eBay, Facebook, Vodafone, Uber u. a.). Diese investieren je 10 Mio. Dollar (Mindestschwelle)  und erhalten Dividenden. Die eingehenden Dollars oder Euro werden in Bankeinklagen oder Staatsanleihen angelegt. Die Bindung der Libra - Währung an einen Währungskorb soll erhalten bleiben (anders als bei Bitcoin). Die Libras werden an Nutzer vergeben. Die Libras landen in einem Calibra (wie Wallet). Dieses ist über Whats App und Facebook verfügbar. Man kann damit Überweisungen tätigen, einkaufen oder auch Rabatte erhalten. Vgl. Der Spiegel Nr. 26, 22.6.19, S. 61. Die Währung hätte das Potential, die Weltmärkte weltweit auf den Kopf zu stellen. Stabilität und niedrige Inflation sollen die Qualitätskriterien sein. Kursschwankungen sollen gang niedrig gehalten werden, indem die Währung an einen Korb echter Währungen gekoppelt wird. Die Bundesbank hält die Währung für ein Risiko. Ein nationales Verbot dürfte aber kaum machbar sein. Insgesamt werden die Notenbanken herausgefordert, die ihre Macht verlieren würden. 2,7 Mrd. Menschen nutzen Facebook weltweit. Einige Notenbanken erwägen, eigenes Digitalgeld herauszugeben. So etwa die schwedische Notenbank mit der E-Krone. Im Oktober springen einige wichtige Firmen von Libra-Konzept ab (Visa, Mastercard, Ebay, Stripe).  25 Länder könnten von dem Geld profitieren. Der Anteil der Bevölkerung ohne Bankkonto liegt weltweit unter dem Durchschnitt von 64%. Das sind Länder in Südamerika, Afrika und Asien. Die Regierungen in den USA und Deutschland kündigen Widerstand gegen die Währung an. Politik und Notenbanken wollen das Projekt ausbremsen und haben damit wahrscheinlich Erfolg.

Libra und Europa: Eine von Facebook angeführte Unternehmensgruppe plant die Einführung der neuen Kryptowährung Libra (siehe vorhergehenden Abschnitt). Der Einsatz der Blockchain - Technologie für Geldtransfers kann auf Dauer nicht verhindert werden.  Allerdings nimmt kaum ein europäische Unternehmen an diesem Projekt teil. Daher kann die Gefahr bestehen, dass Europa bei der Digitalisierung des Geldes verliert. Die Vorteile sind augenscheinlich: 1. Kostengünstige Peer-to-Peer-Geldtransfers. 2. Stabiles Instrument der Wertaufbewahrung mit geringen Risiken aus Wechselkursschwankungen. 3. Rechnungseinheit für globale Handelsplattformen. Vgl. Holste, Björn/ Mayer, Thomas: Libra ist eine Herausforderung für Europa, in: Wirtschaftsdienst 8/2019, S. 567ff. Die Bundesregierung (Koalition 2019) will Libra nicht zulassen. Facebook verteidigt Libra. Politische Bedenken werden zurückgewiesen.

Konzept von Libra: Libra erlaubt den Austausch zwischen Kunden. Kunden können sich an Wallets und Börsen bedienen. Transaktionsdaten werden ausgetauscht und validiert. Wiederverkauf ist möglich. Das Dach bildet die Libra Association, die auch die Libra-Reserven verwaltet. Gearbeitet wird auch mit Finanzassets. Facebook hat 2019 weltweit etwa 2,1 Milliarden Nutzer (mit Whats App, Instagram und Messenger. So könnte erstmals ein globales Geld entstehen (digitale Weltwährung).

Wirtschaftspolitische Implikationen von Libra:  Libra könnte das Geldsystem von seinen staatlichen Fesseln befreien. Der Zahlungsverkehr könnte weltweit liberalisiert und verbilligt werden. Die Nutzung könnte aber auch erhebliche Risiken für einzelnen Nutzer und das gesamte Finanzsystem mit sich bringen. Die Effizienz der nationalen Geldpolitik könnte eingeschränkt werden. Vgl. Groß, Johannes/ Herz, Bernhard/ Schiller, Jonathan: Libra - Konzept und wirtschaftpolitische Implikationen, in: Wirtschaftsdienst 2019/ 9, S. 625ff. "Die Digitalwährung Libra könnte geld- und regulierungspolitische Maßnahmen untergraben. Steigen die Bürger eines Landes aus der nationalen Währung aus, wird die Zinssetzungspolitik der Zentralbank beeinträchtigt", Barry Eichengreen, University of California Berkeley 2019 (Quelle: WiWo 45, 25.1019, S. 26).

WeChat und Alibaba in China: Das Konzept dürfte Vorbild für Libra sein. Der Konzern Tencent betreibt das System. Über WeChat können alle möglichen Dienstleistungen bezahlt werden. Es hat die Chinesen, also 1,4 Mrd. Menschen, schon weitgehend von Bargeld entfernt. Es wird allerdings in der Landeswährung Renminbi abgewickelt. Damit hat China aber ein wesentliches Gegengewicht gegen die USA.

E-Euro: Die Entwicklung in den USA und in China bringt Europa in Probleme. Soll die EZB einen E-Euro, um ein Gegengewicht zu haben und die Souveränität  zu wahren?

Das Leben gehört den Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein", Johann Wolfgang von Goethe.

 

Ethik/ Werte in der Digitalisierung:

Ethik: "Den griechischen Philosophen ging es um ethische Fragen des "guten Lebens", nicht um effizientes oder rationales Wirtschaften", Mikl-Horke, G.: Sozialwissenschaftliche Perspektiven der Wirtschaft, München/ Wien 2008, S. 8.  Aristoteles unterschied zwischen "oikonomia" (Hauswirtschaft, daher kommt der Begriff "Ökonomie"), "chresmatia" (Erwerb von Geld, Bereicherung) und "katallage" (Austausch, Ausgleich). Dieser Gedanke findet sich auch in der chinesischen Philosophie. Im Jahre 1759 entstand "Die Theorie der ethischen Gefühle" von Adam Smith. Der schottische Moralphilosoph  beobachtete die Prinzipien hinter dem menschlichen Verhalten (Einfühlungsvermögen, Wohlwollen, Fairness, Gewissen). Empirische Studien deuten darauf hin, dass sich Ökonomen eher von Effizienzkriterien und Laien eher von Fairness und Moral leiten lassen. Ende 2010 starten in Deutschland Spitzenmanager die Initiative "für verantwortliches Handel". Die Unterzeichner verpflichten sich zu fairem Wettbewerb, Sozialpartnerschaft, Leistungsprinzip und Nachhaltigkeit. Der tschechische Ökonom Tomas Sedlacek landet mit dem Buch "Die Ökonomie von Gut und Böse" einen großen Erfolg. Er fundiert die ethische Bindung der Ökonomie in der Ideengeschichte, die auch eine Geschichte der Menschheit ist. David Graeber, einer der führenden Köpfe der "Occupy Wall Street" - Bewegung sieht eine feste Verbindung zum Markt: "These I  Weder der Egoismus noch der Altruismus stellen natürliche Triebe dar; sie erwachsen vielmehr aus der wechselseitigen Beziehung zueinander und wären ohne den Markt undenkbar" (Kampf dem Kamikaze-Kapitalismus, München 2012, S. 120). Ein früher Vertreter dieser Schule (Ethik als Basis) war auch Wilhelm Röpke (1899-1966). Sein Ideal war eine mittelständische Gesellschaft mit vielen Selbständigen. Marktwirtschaft statt Kapitalismus, Subsidiarität statt Zentralismus. Familiäre, nachbarschaftliche, private Solidaritätsnetzwerke statt Wohlfahrtsstaat. Er hatte auch stets die sozialen und ethischen Wertefundamente im Blick. Vgl. W. Röpke: Jenseits von Angebot und Nachfrage, 1958. "Wenn die Sittenlehre nur eine Glückseligkeitslehre wäre, so würde es ungereimt sein, zum Behuf derselben sich nach Prinzipien a priori umzusehen", Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Stuttgart 1986. "Die moderne Ökonomie ist um ein Vielfaches ärmer geworden durch die Distanz zur Ethik", Amartya Sen (Harvard, geb. 1933 in Indien, 1998 Nobelpreis, Ökonomie für den Menschen). "Moral ist, wenn man moralisch ist", Georg Büchner, Woyzeck. "Der Weise hat keine unumstößlichen Grundsätze, er passt sich anderen an", Laotse. Vgl. zum Thema: Lütge, C./ Uhl, M.: Wirtschaftsethik, München 2018.

Normen und Werte in der digitalen Welt: 1. Nur mit Zustimmung der Kunden in die Privatsphäre eindringen. 2. Bei individuakisierten Preisen keine Notlagen ausnutzen. 3. Daten nur mit Aufklärung und Zustimmung der Kunden erheben. 4. Digitale Identitäten nicht ohne Zustimmung und Korrekturmöglichkeiten der Kunden anlegen. 5. Unternehmen transparent machen. 6. Krankheiten nicht auf Verhalten gründen ohne soziale, genetische und umweltbedingte Faktoren zu berücksichtigen. 7. Daten müssen der ursprünglichen Absicht entsprechen. 8. Kunden, die Rohdaten generieren, sollten dafür entschädigt werden. Vgl. Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften: Big Data - Ethische Herausforderungen für Unternehmen, 2018. "Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Chance. Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance", Albert Camus.

Digitaler Humanismus: Die Digitalisierungsindustrie  wirbt mit Transparenz, Berechenbarkeit, ökonomischem erfolg, Weltverbesserung und mäzenatischem Engagement. Sie nimmt damit humanistische Impulse als Ausgangspunkt und transformiert sie zu anti-humanistischen Utopien. Die Bedingungen der Humanität werden infrage gestellt. Die Big - Data - Ökonomie lebt von der Enteignung der Menschen, sie verlieren die Kontrolle über ihre persönlichen Daten. Vgl. Nida-Rümelin/ Weidenfeld: Digitaler Humanismus, Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, München (Piper) 2018.

Die Ethik der Algorithmen: Der Algorithmus ist so etwas wie die unsichtbare Hand der digitalen Wirtschaft. Er sollte transparent sein, verantwortlich, Gesetzen folgen und ein klares Ziel haben. "Um den ethischen Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden, muss Ethik in die DNA aller selbstlernenden Algorithmen programmiert werden. Eine alte IT - Weisheit sagt: A fool with a tool is still a fool. Ohne ethische Standards wird KI ein Tool für Fools bleiben - und einen Rückschritt für die Humanität bedeuten". Sascha Puljic, VP Central Europe Teradata (Quelle: com! professional 9/2019, S. 7.

Artifical Morality: Durch die Fortschritte der Technik wird die künstliche Intelligenz in Zukunft mehr moralische Entscheidungen fällen. Dabei sollten Entscheidungen über Leben und Tod immer beim Menschen bleiben. Menschliche Verantwortung und Selbstbestimmung haben Priorität. So muss also der Mensch folgende Kriterien auf sich nehmen: 1. Verantwortungsübernahme. 2. Mensch muss Infos der Maschine überprüfen. 3. Qualitätssicherungsprozesse müssen installiert sein.

Ethik, Gesellschaft und Technologie: Neue Initiative der Stanford Universität 2018, der Kaderschmiede des Silicon Valley. Es geht um die Bekämpfung von Hasskampagnen, Fake News und Manipulationen in sozialen Netzwerken. Der ehemalige Google - Manager Tristan Harris gründete das "Center for Humane Technology" und fordert eine stärkere Ausrichtung an menschlichen Bedürfnissen. Bekämpft werden sollen auch die "Dark Patterns". Das sind User-Interface-Muster in Apps und Websites, die die Nutzer unbewusst dazu motivieren, bestimmte Aktionen durchzuführen (z. B. Like-Dynamik). Informatik ohne Ethik sollte nicht mehr gelehrt werden. Es muss ein Grundverständnis darüber vermittelt werden, was Ethik ist, wie Politik funktioniert und wie Technik auf Gesellschaften wirkt. "Die ethische Naivität, die den Aufstieg der sozialen Medien begleitet hat, wird bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz fatale Folgen haben", Luca Caracciola, in: t3n Magazin 53/2018, S. 56.

Digitalisierung und Demokratie: Die Wende war die Wahl Donald Trumps in den USA. Seitdem gelten die Digitalkonzerne als Demokratie gefährdend. Sie sorgen für den Reichtum weniger. Sie bilden Monopole. Sie bieten Technologien zur Kontrolle (Gesichtserkennung). "Wie die Digitalisierung weitergeht und welche Folgen sie haben wird, ist daher kein Naturereignis oder Verhängnis. Es gibt keine Alternativlosigkeit. Diese Einsicht ist der erste Schritt zu einem gestaltenden Blick auf die Entwicklung der digitalen Technologie", Armin Grunwald, Professor für Technikphilosophie und -Ethik am Karlsruher Institut für Technologie. Quelle: WiWo 3/ 11.1.2019, S 47.

Digitale Demokratie: Digitale Instrumente sollten in der Demokratie ausprobiert werden. Digitale Instrumente sind Co-Voting (in repräsentativen Demokratien) bzw. Assessment Voting (in direkten Demokratien). Dadurch könne demokratische Verfahren verbessert und das Band zwischen Stimmbürgern und Demokratie gestärkt werden.  Vgl. Gersbach, Hans: Mehr digitale Demokratie wagen, in: Wirtschaftsdienst 2019/8, S. 582ff.

Liquid Democracy: Mischform aus direkter Demokratie und repräsentativer Demokratie. Dabei kann man sein Stimmrecht entweder selbst wahrnehmen oder es an einen Vertrauten delegieren. Im Unterschied zur repräsentativen Demokratie kann man es jederzeit zurückholen. Vgl. Koenig, Aaron: Dezentrale Revolution, München 2019, S. 203.

Spontane Ordnung: Der Begriff wurde ursprünglich vom chinesischen Philosophen Zhuangzi (369-286 v. Chr.) geprägt. In neuerer Zeit stammt die Definition von dem Ökonomen von Hayek: "Die spontane Ordnung ist von der geplanten Ordnung, auch Organisation genannt, abzugrenzen. Der Begriff spontane Ordnung, den Hayek (1963) popularisiert hat, bezieht sich auf die Genese dieser Ordnungsart: Sie ist entstanden, ohne dass irgendjemand sie bewusst geplant hätte, sie hat sich spontan gebildet", Gabler Wirtschaftslexikon. Eine spontane Ordnung entsteht aus einem scheinbaren Chaos, wenn man die Dinge sich selbst überlässt. Vgl. Koenig, Aaron: Die dezentrale Revolution, München (FBV) 2019.

Interessengruppen: Im Englischen wird dafür der Begriff "Stakeholder" gebraucht. Er bezeichnet jede Person oder Gruppe, die von der Tätigkeit des Unternehmens betroffen ist. Dabei kann es auch um Werte gehen, die übereinstimmen oder verschieden sind. Interessengruppen sind Nichtregierungsorganisationen, Gemeinden/ Kommunen, Gewerkschaften, Regierung, Kunden, Zulieferer, Mitarbeiter, Gläubiger. Interessengruppen wirken direkt auf das Unternehmen, indirekt über Verbände oder soziale Medien.

Ethische Richtlinien für selbst lernende Systeme: Die EU will bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) ethische Standards setzen. Die EU-Kommission veröffentlichte im April 2019 Leitlinien einer Expertengruppe, die Grenzen für den Einsatz solcher selbst lernenden Systeme setzen sollen. Angesichts des Rückstands bei der Technik gegenüber China und den USA sieht die EU "vertrauenswürdige KI" gleichzeitig als einen möglichen Wettbewerbsvorteil für europäische Anbieter. Künstliche Intelligenz stützt sich auf die Auswertung großer Datenmengen und maschinelles Lernen, bei dem Programme und Algorithmen sich selbst weiterentwickeln. KI gilt deshalb als Zukunftstechnologie etwa bei selbst fahrenden Autos oder in der Medizin, aber auch in der Strafverfolgung und Videoüberwachung und bei autonom handelnden Kampf- und Verteidigungssystemen im Militärbereich. Ursprünglich sollten "Rote Linien" formuliert werden. Das war nicht möglich.

Digitale Gefolgschaft: "Während die Bindungskräfte von Familien, Institutionen, Parteien, Verbänden und Staaten schwinden, entstehen um digitale Plattformen wimmelnde Schwärme und Horden. Ihre Benutzer sind Follower. Digitale Gefolgschaft hält die Clans zusammen". Siehe: Christoph Türcke: Digitale Gefolgschaft. Auf dem Weg in eine neue Stammesgesellschaft, München (C. H. Beck) 2019, Umschlagtext. Die Nutzer werden nicht geknechtet, sondern ausgesaugt. Das Bildungs-, Gesundheits- und Verkehrssystem sollen nach dem Prinzip der Plattform umgebaut werden. Es soll aufgezeigt werden, wohin die Dynamik der Digitalisierung führt. Der autor sieht eher eine digitale Hölle, die mit lauter verheißungsvollen Errungenschaften gepflastert ist.

Netz-Fragmentierung und ihre negativen Folgen: Plattformen sind Systeme, die sich von ihrer Umwelt abkapseln. Man kann nur noch gefiltert in sie reinkommen. Sie stabilisieren sich durch Binnenkommunikation, bei der sie die Regeln bestimmen. Google und Facebook sind sicher gute Beispiele. Man könnte das auch als "narzisstische Blasenbildung" bezeichnen. Follower sind sehr erwünscht und gelten als Qualitätsmerkmal. Man missbraucht sie sogar, wenn nötig, für Netz-Fundamentalismus. "Shitstorms" sind so leicht organisierbar. Das ist umso leichter, je mehr Plattformen Infrastruktur und Produktion selbst in der Hand haben. Vgl. Türcke, a. a. O., S. 178ff.

Negative Folgen sozialer Medien: 1. Stammesdenken oder Gang-Mentalität: Rückzug in die digitale Filterblase, in die moralisch homogene Gruppe, die sich gegenüber dem Feind abgrenzt. 2. Einfluss auf die Psyche: Junge Männe werden durch die sozialen Medien aggressiver, junge Frauen eher depressiver. 3. Wenn die Plattformen zivilisiert werden (Desinformationen abwehren) steigt gleichzeitig ihre Macht weiter. 4. Die sozialen Medien wirken wie eine Manipulationsmaschine: Sie verkaufen die Aufmerksamkeit und die Daten ihrer Nutzer an Werbetreibende und andere Propagandisten (Jaron Lanier).

Digitale Demenz (Gehirn): Es gibt Untersuchungen (Nonnenstudie: sie hatten degenerierte Gehirne, aber keine demenziellen Symptome), die darauf hindeuten, dass man mit Lust am Leben Demenz am besten bekämpfen kann. Für die Entstehung demenzieller Erkrankungen im Alter sind nicht nur die von Demenzforschern beschriebenen Abbauprozesse im Gehirn verantwortlich, sondern die Verkümmerung unserer Neugier und die fehlende Lust am Lernen. Synopsenhemmend sind Fernsehen, Spielkonsolen, Computer, Resignation. Vgl. Gerald Hüther: Raus aus der Demenz-Falle, Arkana Verlag 2017. Manfred Spitzer: Digitale Demenz, Droemer Verlag 2014.

Zumindest kann auch die Verstrickung im digitalen Netz die Entwicklung seichter Persönlichkeitsstrukturen fördern. Lebens- und Denkenergie kann entzogen werden. Vgl. Sarah Spiekermann, Digitale Ethik, München 2019, S. 114.

Fehler, die durch Digitalisierung provoziert werden: 1. Unvollständigkeit. Big-Data erzeugt leicht die Illusion der Vollständigkeit. 2. Gespaltene Natur. Kann nie wie das Reale sein. Manchmal wird das Analoge nicht mehr als perfekt angesehen. 3. Eigenleben. Problem der Selbstunterbrechung. Sucht als Gefahr. 4. Illusion menschlicher Gemeinschaft. Wie kann Leistungsmotivation gefördert werden? 5. Negative Folgen auf die Persönlichkeit. Vgl. S. Spiekermann, a. a. O., S. 79ff.

Verbrauchergerechtes Scoring: Immer mehr Aspekte des Verhaltens der Bürger werden durch "Scores" vorhergesagt oder gesteuert. Scoring hat eine Reihe von Problemen: mangelnde Transparenz und Qualitätskontrolle für Daten und Algorithmen, ungenügende personelle sowie technische Ausstattung der Aufsicht und die zukünftige Gefahr eines kommerziellen Superscores ähnlich dem System in China. Anbieter von sensitiven Scores sollten verpflichtet werden, den Betroffenen alle Merkmale und deren Gewichtung offen zulegen. Es muss eine leistungsstarke Aufsicht geschaffen werden. Vgl. Gigerenzer, G./ Rebitschek/ Wagner, G. G: Eine vermessene Gesellschaft braucht Transparenz, in: Wirtschaftsdienst 2018/1, S. 880ff.

Nachhaltiger Konsum in der Postwachstumsgesellschaft (Einfluss der Ethik): Produkte müssen haltbarer, weniger werden. Sie dürfen nicht mehr sinnstiftend sein. Die Menschen sollten ihr Glück mehr über Partizipation, Kontakte, Kommunikation u. a. definieren. Der Anstieg der Arbeitsproduktivität bringt mehr Freizeit, die für immaterielle Bedürfnisse verwendet werden sollte. Auch empirisch kann man nachweisen, dass die Bürger nachhaltige Produktion unterstützen, soziale Kriterien zugrundelegen und auf artgerechte Tierhaltung Wert legen. Der Einfluss ethischer Werte wird immer größer: 2009 achteten 13,3% der Konsumenten auf Fair Trade, 2015 schon 19,5%; 2009 waren 14,4 der Konsumenten ökologisch und sozial verantwortungsvolle Hersteller wichtig, 2015 16,7% (Quelle: Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse).

Überwachung durch das Internet in China: 2017 plant die KPC eine totale Überwachung: Mit einem gigantischen Punktesystem wollen wollen Chinas Kommunisten jeden einzelnen Bürger zu tugendhafter Folgsamkeit zwingen. Regierungskritiker werden bestraft. Man spricht von einem "Sozialkreditpunktesystem". Ein Versuch läuft bereits in der Verwaltungszone Xiongan nahe Peking (soll Peking in Zukunft entlasten). Zum Beispiel bringt allein leben in großer Wohnung  Minuspunkte. Familie in kleiner Wohnung gibt Pluspunkte. Wer mit einem großen Auto zur Arbeit fährt bekommt Minuspunkte. Das "Soziale Bonitätssystem" soll ab 2020 eingeführt werden. Gleichzeitig will man eine zentrale Datenbank errichten (Big Data). Derzeit gibt es wohl 40 unterschiedliche Experimente dazu, auch Apps. Es ist noch unklar, was am Ende rauskommt. Vgl. FAZ 22.11.2017, S. 15. Ideologisch könnte man argumentieren, dass der Maoismus wieder auf dem Vormarsch ist. 2019 kommt eine neue App. Mit ihr will die KPC ihre Bürger auf Linie bringen. Sie enthält Reden, Schriften und Ermahnungen des Parteichefs Xi Jinping. Wer den Text mindestens vier Minuten lang liest, bekommt einen Pluspunkt. Millionen Menschen haben die App bereits herunter geladen. Für KP-Mitglieder ist das sogar verpflichtend.

Digitalkonzerne und Nachhaltigkeit: Die Technologieriesen aus dem Silicon Valley oder aus China versprechen zwar, positiv an der Lösung der größten globalen Problemen zu arbeiten. Aber in der Praxis bleiben bisher große Zweifel. Google und Facebook spähen fleißig ihre Kunden aus und verkaufen Werbeinformationen. Immer größere Rechenleistungen auf immer größeren Servern haben einen Reisen-Stromverbrauch. Amazon zerstört die dezentrale Verteilung von Gütern und die Lieferfahrzeuge verstopfen die Straßen und stoßen eine Menge CO2 aus. Airbnb trägt mit dazu bei, dass die größten Sehenswürdigkeiten der Erde von Touristen überlaufen werden. Bisher ist nicht erkennbar, dass die digitale Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit führt. Das gleiche gilt für alle Sharing-Modelle, die in der Regel den CO2-Ausstoß nicht senken.

Schritte für den Einzelnen im Fortschritt des digitalen Zeitalters: 1. Schritt: Wertebewusstsein (Selbstreflektion): Aufmerksamkeit für Werte, eigene Werteprioritäten in die Gemeinschaft einbringen, die richtigen Vorbilder für den Fortschritt, sich selbst erkennen und die Bedeutung der Technologie. 2. Schritt: Werte verstehen. Konzeptionelle Tiefe der Werte. 3. Schritt: private Gewohnheiten, Technik und Politik. Bedeutung des Maßhaltens. Rhythmus und Rituale. Technische und politische Maßnahmen, um Werte leben zu können. Vgl. Spiekermann, Sarah: Digitale Ethik. Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert, München (Droemer) 2019, S. 258ff.

Wertkonflikte und -folgen aus der Natur des Digitalen: 1. Effizienz versus Würde. 2. Vertrauen versus Vorsicht. 3. Macht versus Sucht. 4. Erreichbarkeit versus Freiheit. Vgl. Sarah Spiekermann, a. a. O., S. 122ff.

Vielfalt als Grundbedingung der Ethik: Es bedarf der Vielfalt von privaten, staatlichen und zivilgesellschaftlichen Softwarebetreibern. Es muss einen geteilten Zugang zu hochwertigen Datensets geben. Die Techbranche sollte ein Höchstmaß an Diversität haben (bunte Belegschaften). Vgl. Dräger, Jörg/ Müller-Eiselt, Ralph: Wir und die intelligenten Maschinen, DVA Verlag 2019. "Unser Gemeinwesen braucht auch intelligente Maschinen, die sich nict an monetären Gewinnen orientieren. Der Staat hat eine gewaltige Nachfragemacht, die er nutzen sollte, um Vielfalt zu stärken", Dräger/ Müller-Eiselt: Teile und herrsche! in: WiWo 35, 23.8.2019, S. 42f.

Vertrauen: Vertrauen ist eine zentrale Ressource für junge Unternehmen und ältere Unternehmen, die Kooperationen planen. Risiko, Unsicherheit und Informationsasymmetrie spielen dabei eine große Rolle. Vertrauen in die Investoren und Vertrauen in die Kooperationspartner unterliegt bestimmten Bedingungen. Vgl. Welpe, I. M.: Die Entstehung von Vertrauen im Kontext von Unsicherheit und Informationsasymmetrie, in: ZfB 2008, H. 12, S. 1251-1283. Die Bedeutung von Vertrauen als ökonomisches Handlungsmotiv im Rahmen der "animal spirits" (Adam Smith) wird zunehmend gesehen, auch um der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Vgl. auch Beise, M./ Diederichs, L. (Hg.): Hoffnung Mittelstand, München 2009, S. 47 ff. Auch in der Weltwirtschaftskrise 2008 zeigt sich die Bedeutung des Vertrauens für die Marktteilnehmer, hier insbesondere das Vertrauen im Interbankenmarkt. Gesellschaftliches Vertrauen und Systemvertrauen stellen eine übergeordnete Ebene dar, die die Interdisziplinarität aufzeigt. Auf den Finanzmärkten muss der Staat in und nach der Weltwirtschaftskrise als Vertrauensgeber einspringen. Dadurch wird das Risiko von der Wirtschaft auf die Gesellschaft überwälzt. Vertrauensverlust ist auch ein zentrales gesellschaftliches Thema unserer Zeit: aktuelle Beispiele sind Toyota, die Kirche, die Banken. Vertrauen fördert das Wirtschaftswachstum insgesamt (Reduktion von Transaktionskosten, Lösung für Probleme kollektiven Handelns wie Trittbrett fahren, Prinizipal-Agent-Problem; Paul Whiteley, Essex). Einige Unternehmen sind ganz besonders auf Vertrauen angewiesen. Dazu gehören etwa die Fluggesellschaften. Ein einziges Unglück, wie der Absturz durch Selbstmord 2015 bei der Lufthansa/ German Wings, kann das Vertrauen zerstören. Die Kategorie "Vertrauen" rückt in den ganzen Sozialwissenschaften und der Medizin immer mehr in den Mittelpunkt. So weiß man mittlerweile um das Hormon "Oxytocin, das uns vertrauen lässt. Vertrauen ist auch extrem wichtig im Sport (Bergsteigen). Ohne Vertrauen würde der Gebrauchtwagenhandel zusammenbrechen. Einige Plattformen haben digitale Vertrauenswerkzeuge entwickelt. Bekannt ist das D.R.E.A.M.S.-Gerüst von Blablacar. Es besteht aus sechs Säulen: persönliche Angabe (Declared Information), Bewertungen (Ratings), Engagement, Aktivität, Moderation und soziale Netzwerke. Ohne Vertrauen könnte es keine Sharing Economy geben. Warum genießen aber wildfremde Online-Plattformen mehr Vertrauen als manche Nachbarn? Das hängt mit der Konstruktion digitaler Vertrauensnetzwerke zusammen (siehe oben). Empirisch ist die Studie "Trusted Company 2017" eine der wenigen Studien. 168 Unternehmen werden ausgezeichnet. Vertrauen führt volkswirtschaftlich zu geringerer Regeldichte und höherer Flexibilität. Auch die positive Reziprozität wird erhöht.  GPRA ermittelt einen Vertrauensindex. 2017 liegt Wikipedia an der Spitze. Gering ist das Vertrauen für Facebook. Mit im Spiel ist auch immer das Hormon Oxytoxin. Vertrauen hängt auch stark von Erfahrungen ab. Auch die Rahmenbedingung ist wichtig: In armen Ländern sind die Menschen viel weniger vertrauensselig als in den reichen Nationen. Wer aber ein reiches Sozialleben hat (und mehr vertraut) lebt länger, glücklicher und gesünder. Mit der Künstlichen Intelligenz wird das Vertrauen noch wichtiger, weil KI es nicht ersetzen kann. Über die Bedeutung von Vertrauen für eine Gesellschaft hat auch die Wirtschaftsnobelpreisträgerin 2009 Elinor Ostrom gearbeitet (Wege, die sicherstellen, dass andere vertrauenswürdig sind). Nach einer repräsentativen Studie für die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) 2013 haben die Deutschen wenig Vertrauen in den Markt. Vor allem bei Finanzprodukten gilt dies. Aber auch beim Kauf von Lebensmitteln. Der Verband fordert ein Frühwarnsystem. Die Bürger vertrauen den folgenden Institutionen am meisten, ihre Interessen als Verbraucher zu vertreten: Stiftung Warentest,Verbraucherzentralen, Bundesamt für Verbraucherschutz, Bundeskartellamt. Die Wirtschaftswoche berechnet einen Vertrauensindex (Elektronikmärkte vor Baumärkten und Unterhaltungselektronik). In den USA will man versuchen, mit dem Zerstören von Vertrauen im Darknet den Drogenhandel zu bekämpfen. Forscher  (Duxbury/ Haynie, Ohio State) haben herausgefunden, dass beim Drogenkauf weder Preis noch Auswahl entscheidend ist, sondern das Vertrauen. Also will man systematisch schlechte Bewertungen erzeugen  "Je länger ich über die Bedeutung von Vertrauen nachdenke, desto wichtiger kommt es mir vor", Jaron Lanier, Veteran des Internets, Informatiker.

Transparenz-Paradoxon: Millionen Menschen nutzen die Dienste der Techkonzerne wie Amazon und Google. Daran ändern auch immer neue Datenskandale wenig. Wie entsteht Vertrauen in der digitalen Welt? Die Konzerne missbrauchen Vertrauen, um ihre Marktmacht zu zementieren. Anders als früher, als Unternehmen sehr direkten Einfluss auf das Vertrauen von Kunden besaßen, verteilt sich das Vertrauen in der digitalen Welt auf unterschiedliche Akteure und entzieht sich so immer mehr der zentralen Kontrolle. Der Anreiz für Sicherheit ist zu gering. Vgl. Broszka, Ina: Das Transparenz-Paradoxon, in: WiWo 38/ 13.9.2019, S. 79f. Auch Botsman, Rachel: Who can you trust?: How Technology Brought Us Together - and Why It Could Drive Us Apart, 2019.

Bildungsprogramm für die Mechanismen des Internet: Vgl. James Bridle: New Dark Age. Der Sieg der Technologie und das Ende der Zukunft, München (Beck) 2019. ER plädiert für ein umfassendes Bildungsprogramm, um den einzelnen in die Lage zu versetzen, mit den Herausforderungen der Internetökonomie umzugehen und ihre Mechanismen zu durchschauen. Voraussetzung für Verständnis ist aber Transparenz.

Digitaler Minimalismus: Smartphones und Internet bewusst nutzen. Mit mehr Zeit und Gelassenheit vorgehen, um als Mensch keinen Schaden zu nehmen. Digitals nutzen, um das Leben leichter zu machen. Dabei auch mal abschalten und bewusster leben. Man spricht von einem reflektierten Umgang mit dem digitalen. entscheidend ist das "wofür" wir die sozialen Medien nutzen. Gezielter Einsatz der Technologie erhöht die Lebensqualität. Der Begriff geht auf den Computerwissenschaftler Cai Newport zurück (Digitaler Minimalismus, Redline, 2019). Man sollte vor allem darauf achten, von Apps nicht manipuliert zu werden. Man muss auch eine Balance zwischen Business und bewusstem Leben gewinnen.

Menschen und Liebe: Reise zurück von Maschinen auf Menschen und von der Intelligenz auf Liebe. Vgl. "Was der Krebs uns lehrt" in: Kai-Fu Lee: AI Sper-Powers. China, Silicon Valley und die Neue Weltordnung, Frankfurt/ New York (Campus) 2019, S.229ff. Der wert als Mensch darf nicht unmittelbar von seinem ökonomischen Wert abhängen. Die Menschlichkeit muss neben KI bestehen. Drei Ansätze: Reduzieren, umschulen, umverteilen. Die Koexistenz von Mensch und KI im Arbeitsmarkt muss überdacht werden. Es muss einen Sozialinvestitionsgehalt geben: Fürsorge, gemeinnützige dienste, Fortbildung.

Überwachungskapitalismus: Der Begriff stammt von der Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff. Sie meint damit folgendes: Es wurde eine neue Ware geschaffen. Die Digital-Unternehmen haben Beziehungen, Gefühle und Begierden von Privatmenschen zu einem Rohstoff gemacht, den sie ausbeuten und gewinnbringend vermarkten können. Das Ziel dabei ist, Voraussagen über deren künftige Entscheidungen zu treffen bzw. Menschen zu Entscheidungen zu drängen. 

Zero Trust: Kontrolle statt Vertrauen. Neues Sicherheitskonzept. Soll für mehr Schutz sorgen als bei Perimeter und VPN. Das Konzept besteht aus drei Wegen: 1. Software-defined Perimeter (SDP). 2. Mikrosegmentierung des Netzwerks. 3. Cloudbasierte Zugriffsmodelle (Proxies). Es gibt auch Anbieter von Zero-Trust-Lösungen (Auswahl): Cisco, Google, Sophos, Palo Alto Networks. IoT und IIoT öffnen den Angreifern neue Türen.

Culture Hacking: Ethisch umstrittene Maßnahmen. Gezielte Provokationen sollen die Transformation vorantreiben. Die Agilität soll gefördert werden. Es ist eine indirekte Methode. sie kann ausprobiert werden, wenn die Belegschaft zu erstarrt ist, um Veränderungen mitzumachen. Diese Methode ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet: 1. Geringer Aufwand. 2. Regelverletzung. 3. Unmittelbare Auswirkungen. 4. Sichtbarkeit. 5. Emotionale Reaktionen. Hacks können von oben und unten kommen.

Green IT: Data - Center sollen umweltfreundlicher werden. Der Energiebedarf von Rechenzentren ist sehr hoch. Die Digitalisierung erweist sich als Stromfresser. Der Bedarf steigt von Jahr zu Jahr: Server, Kühlung, Storage, USV, Netzwerk, Sonstige Infrastruktur fressen Strom. Das Potential der Abwärmenutzung soll ausgeschöpft werden. Abwärme kann etwa Algen züchten. Data-Center können als Heizung dienen. Man will Rechenzentren im Meer bauen. Vgl. Pfliegl, Konstantin: Das Rechenzentrum nachhaltig gestalten, in: com!professional 11/2019, s. 60ff.

Digitale Souveränität: Wenige Anbieter dominieren die Digitaltechnik. Dazu gehören Google, Amazon, Facebook aus den USA und immer stärker chinesische Unternehmen wie Huawei, Alibaba, Tencent. Sie beschäftigen die besten Forscher und verfügen über die führende Infrastruktur. Die anderen Unternehmen, auch die deutschen, drohen ihre digitale Selbstbestimmung zu verlieren. Die EU kümmert sich zunehmend um die digitale Souveränität Europas (Cybersicherheit, Mobilfunkstandard 5G, Cloud).

Dateneigentum: Der französische Philosoph Gaspard Koenig bereist und analysiert die Welt der künstlichen Intelligenz. Für ihn gibt es am Ende nur eine Rettung: Dateneigentum (persönliches). Jeder soll seine Daten verschenken, vernichten, zurückhalten, verkaufen können. Die kostenlose Nutzung für Jedermann ginge damit auch dem Ende entgegen. Das Geschäftsmodell müsste geändert werden. So ließe sich das Individuum retten.  Vgl. Schubert, Christian: Der neue Weg zur Sklaverei, in: FAZ, 15. November 2019, S. 9.

 

Digitalisierung und Recht:

Digitalisierung der Verwaltung: Deutschland hinkt hier hinterher. Am weitesten in Europa sind 2018 Finnland, Estland, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Italien.  Das hat auch Gründe: 1. Die Größe Deutschlands. 2. Suche nach perfekter Lösung. 3. Preußen als Erfolgsmodell. 4. Angst vor Datenmissbrauch. 5. Risikoscheue des Staates. Vgl. Der Spiegel Nr. 48/24.11.18: Im Ja-aber-Land, S. 66ff. Hessen erhält nach der Wahl 2018 ein Ministerium für Digitales.

Europäisches Copyright: Der EU-Rechtsausschuss beschließt dieses im Juni 2018. Es werden Upload-Filter eingeführt. Weiterhin ist ein europaweites Leistungsschutzrecht geplant.

EU-Urheberrecht: Es geht um den Schutz von Musikern, Autoren, Fotografen, Wissenschaftlern und Journalisten in der EU. Im Februar 2019 einigt man sich auf eine Reform. Es kommt ein EU-weites Leistungsrecht. Online-Plattformen wie Google oder Facebook sollen für die Verwendung von bereits veröffentlichten Online-Artikeln zahlen müssen. Es gibt viele Demonstrationen gegen das geplante Gesetz. Start-ups könnten in der entscheidenden Phase geschwächt werden. Den besten Internet-Filter scheint YouTube, eine Google - Tochter, zu haben, so dass der Marktführer begünstigt würde. News - Dienste könnten um ihre Existenz kämpfen müssen. Sehr umstritten sind die Uploud - Filter, die mit Algorithmen arbeiten. Die EU-Richtlinie muss in nationales Recht überführt werden. Die EU billigt sie am 26.03.2019. Im April 2019 stimmt eine qualifizierte Mehrheit der EU-Länder, darunter Deutschland, der Richtlinie zu. Jetzt haben die Mitglieder zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Datenschutz: Der Europäische Gerichtshof setzt Anfang Oktober 2015 der Übertragung personenbezogener Daten in die USA Grenzen. Die EU-Kommission will nun neue Richtlinien für Internetfirmen wie Facebook erarbeiten. Die USA wird nicht mehr als "Safe Harbor" gesehen. Die EU-Kommission erarbeitet neue , einheitliche Datenschutzregelungen für die EU: Recht auf Vergessen werden; Übertragung von Bildern und  Kontakten zwischen sozialen Netzwerken; Entscheidung über Löschen u. a.

Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Schutz personenbezogener Daten. Unternehmen müssen wissen, wo Daten zu Personen gespeichert sind. Am 25.Mai 2018 tritt die Grundordnung in Kraft. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 20 Mio. €. Für viele Unternehmen wird die Zeit knapp.

 Neufassung des GWB 2017: Im März 2017 wird die 9. Novelle des GWB verabschiedet. Sie soll insbesondere der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft Rechnung tragen. Die Fusionskontrolle wird auf Unternehmen ausgeweitet, in denen nur geringe Umsätze generiert werden, die jedoch hohe Unternehmenskaufpreise gepaart mit starken Netzwerkeffekten und schädlichen Konzentrationswirkungen aufweisen.

Andere Gesetze: 2016 kommt die WLAN - Reform (Änderung des Telemediengesetzes). Wlan-Anbieter und  und Internetanbieter sollen von Haftungsrisiken befreit werden (Störerhaftung). Der Europäische Gerichtshof schränkt diese Regelung wieder etwas ein: es muss kein Schadensersatz für Urheberrechtsverletzungen geleistet werden Aber Anbieter, z. B. die Musikindustrie,  können einen Passwortschutz verlangen. Ende Juni 2017 beschließt der Bundestag ein Gesetz gegen Hasstiraden im Internet. Soziale Netzwerke müssen künftig rechtswidrige Hetzkommentare innerhalb von 24 Stunden löschen oder hohe Strafen zahlen. Das Gesetz tritt ab 06.01.2018 in Kraft. Schon nach wenigen Tagen fordern viele Experten eine Änderung (Satire wird verhindert, Überreaktion). Die EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova sieht in dem Gesetz kein Modell für Europa.

Künstliche Intelligenz und Haftungsrecht: Was ist, wenn KI-Systeme Schäden verursachen. Gegenwärtig geht die Diskussion darum, on ein KI-System selbst haftbar gemacht werden kann. Dazu wurde die Rechtskonstruktion der e-Person entwickelt. Dies könnte aber an der technischen Wirklichkeit vorbeigehen und Marktversagensprobleme auslösen. Vgl. Scheufen, Marc: Künstliche Intelligenz und Haftungsrecht: die e-Person aus ökonomischer Sicht, in: Wirtschaftsdienst 2019/6, S. 411ff.

Bundesamt für Justiz: Überwacht Rechtsverstöße im Internet in Deutschland. Wegen fehlender Transparenz im Umgang mit Hasskommentaren muss Facebook im Sommer 2019 ein Millionen-Bußgeld in Deutschland zahlen. Quelle: Bundesamt für Justiz.  

Dezentrale Autonome Organisation (DAO): Eine neuartige Organisationsform, die auf Smart Contracts beruht. Mit Smart Contracts können Tokens aller Art sehr detailliert beschrieben und erzeugt werden. Es handelt sich um ein Computerprogramm, das Vertragsverhältnisse automatisiert. Die allermeisten folgen dabei dem Standard names ERC-20. Über folgende Wege können Nutzer Zugang bekommen: Ethereum (ERC-20, fast Monopol). Rootstock (mit Sidechain). EOS (eine Art Betriebssystem). Vgl. Koenig, Aaron: Dezentrale Revolution, München 2019, S. 99ff.

Datentransfer in die USA durch Facebook: Der EuGH muss Mitte 2019 prüfen, ob der Datenfluss von Facebook in Europa, der über Irland in die USA geht rechtens ist. Nach EU-Recht wahrscheinlich nicht. Nach US-Recht wahrscheinlich schon. Das Problem ist, dass in den USA die NSA und das FBI Zugangsrechte haben. Ein Urteil für die Nutzer von Facebook in Europa könnte aber insgesamt den Datentransfer von der EU in die USA oder China einschränken.

Sprachassistenten und Abhören: Die Sprachassistenten ermöglichen auch eine Spionage und ein Abhören. Vom Amazon - Sprachassistent Alexa weiß man dies genau. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat ein Gutachten über die Risiken erstellen lassen. Auch Kinder können das Gerät unbeaufsichtigt nutzen.

Verbraucherschutzbehörde FTC in USA: Sie ist einige der wenigen Organisationen, die die US-Internetriesen kontrollieren können. Sie hat unter anderem gegen Facebook ermittelt. Es ging um Verstöße gegen den Datenschutz, wegen Weitergabe von Daten an die Datenanalyse-Firma Cambridge - Analytica. Dabei wurde ein Vergleich geschlossen 5 Milliarden Dollar).

EU-Richtlinie für Online - Banking und Shopping im Netz: Sie gilt ab Mitte September 2019. Sie soll mehr Sicherheit bei Online-Geschäften bringen. Kunden müssen ihre Identität mit zwei Merkmalen nachweisen. An der Umsetzung mangelt es noch. Kleine Händler sind benachteiligt.

Identitätsdiebstahl (Identity Fraud):  Neue Form der Kriminalität. Sie tritt vor allem im Online-Handel auf. Es geht um gestohlene Kreditkartendaten, gehackte Paypal-Accounts, Übernahme von Nutzer-Accounts und Identitätsbetrug durch gestohlene persönliche Daten.

Cookies: Im September 2019 stärkt der europäische Gerichtshof die Rechte der Verbraucher. Keine Cookies ohne Zustimmung.

Hasspostings-Suche: Im Oktober 2019 fällt der EU-Gerichtshof ein wichtiges Urteil bezüglich Hasspostings. Betroffen ist hauptsächlich Facebook. Der Konzern muss bei beleidigenden und rechtswidrigen Kommentaren nicht nur dazu gezwungen werden, weltweit nach sämtlichen "wortgleichen" Äußerungen zu suchen, sondern auch nach "sinngleichem" Hintergrund.

Kleingewerbliche Produktion von Schlangenschnaps im Norden von Saigon/ Vietnam. In dem Land haben nur ca. 15% bis 30% aller Menschen einen festen Arbeitsplatz, in der Regel in ausländischen Direktinvestitionen. Diese Arbeitsplätze in der Schuh-, Textil- und Elektronikindustrie dürften durch Produktionsverlagerungen und Digitalisierung bedroht sein. Der Löwenanteil der Beschäftigten arbeitet in der Landwirtschaft/ Fischerei oder im Dienstleistungsgewerbe (überwiegend Tourismus) sowie im Kleinhandwerk. Die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und Fischerei (Bauer mit Wasserbüffel/ BMW und Fischfarmen) und im menschennahen Dienstleistungsbereich sind aber durch die Digitalisierung  nicht bedroht. So werden die Effekte der Digitalisierung über wiegend industrielle Arbeitsplätze betreffen und so überwiegend die hoch industrialisierten Länder .

Digitalisierung und Arbeit bzw. Arbeitsmarkt/ Arbeitsmarktpolitik:

Digitalrevolution in Unternehmen: Supercomputer können selbständig lesen (z. B. alle Studien zu einem Thema, was Menschen heute nicht mehr möglich ist). Sie können unvorstellbare Datenmengen bewältigen. Sie können schon selbständig Werbung machen und Jobbewerber aussuchen. Neue Programme übersetzen live und machen damit teure Dolmetscher überflüssig. Werden die Menschen im Unternehmen davon profitieren oder eher ihren Job verlieren? Selbst in Billiglohnländern ersetzen Computer mehr Arbeitsplätze in der Fertigung (z. B. bei Foxconn in China). Die künstliche Intelligenz könnte aber auch zunehmend Arbeitsplätze im gehobenen Bereich kosten. So plädieren Experten (wie Brynjolfson vom MIT) wieder für die Idee des Grundeinkommens. Die Arbeitsmärkte werden sich weiter spalten: Die, in denen "Out-of-the-Box"-Denker und Hochqualifizierte die gut bezahlten Jobs haben, und die, in denen gering qualifizierte Arbeitskräfte unter prekären Bedingungen arbeiten müssen (ohne Aufstiegschancen mit hohem Risiko des Jobverlusts). Eine Studie der Commerzbank 2016 kommt zu dem Ergebnis, dass die Digitalisierung ein Job-Motor ist. 43 Prozent der Mittelständler brauchen mehr Personal.

Aspekte des technologischen Wandels und Arbeit: Vor allem vier technologische Entwicklungen werden die Arbeit und  die Arbeitsanforderungen rapide verändern: 1. Künstliche Intelligenz (KI, Maschinen simulieren intelligentes menschliches Verhalten). 2. Robotik (Roboter ersetzen oder entlasten menschliches Personal; Landwirtschaft, Dienstleistungen, Medizin). 3. Internet der Dinge (Vernetzung von Geräten, die ohne menschliche Steuerung funktionieren). 3-D-Druck (Objekte durch digitale Baupläne). Vgl. Fischer Weltalmanach 2019, S. 12ff.

Digitalisierung der Arbeitswelt (Zukunft der Arbeitswelt): 1. Maschinen können Menschen auch das Denken abnehmen. 2. Arbeitstag muss nicht mehr zwangsläufig im Büro verbracht werden. 3. Es entstehen eine Reihe neuer Berufe (Clickworker, Crowdfunder u. a.). 4. Die Digitalisierung kann die Ausbeutung der Arbeit erhöhen und führt zur Totalüberwachung (auf der anderen Seite ist sie eine Chance für Autonomie). 5. In der Internetwelt wird der Mindestlohn nicht greifen. Es wird nicht nach Zeit, sondern nach Projekten und Produkten gezahlt. Fünf Trends werden die Arbeit von morgen mit prägen: 1. Das Homeoffice (lockere Bürogemeinschaft, "Coworking-Space"). 2. Vertrauensarbeitszeit (selbst Einteilung der Arbeitszeit in einem gewissen Rahmen). 3. Familienarbeitszeit und -Pflegezeit (orientiert an den Lebensphasen der Menschen; z. B. arbeiten beide Elternteile 80%, die Lücke schließt der Staat). 4. Job-Sharing (auf Führungsebene "Top-Sharing" mit Plattform, z. B. tandemploy.de ). 5. Flexible Übergänge in die Rente ("Flexi-Rente"). Die Weltbank hat eine Studie über den Zusammenhang zwischen Digitalisierung der Wirtschaft und Arbeit weltweit 2016 machen lassen: Der Anteil der Jobs, die durch Digitalisierung und Automatisierung gefährdet sind beträgt in %: Äthiopien 85, China 77, Thailand 72, Indien 69, Argentinien und Nigeria 65, OECD-Durchschnitt 57, USA 47, Großbritannien 35. Am besten gewappnet sind die Länder, die auf Complex Problem Solving, Critical Thinking und Creativity setzen (Quelle: Weltbank: World Development Report 2016).

Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung: 1. Backoffice: Durch direkte Erfassung und Verarbeitung von Daten verschwinden traditionelle Bürotätigkeiten. 2. Deep Learning: Systeme sind mit Datenbanken verknüpft und erkennen Muster. Dies kann auch höher qualifizierte Fachkräfte ersetzen. 3. Gig-Economy: Freie Mitarbeiter suchen auf virtuellen Plattforen nach Arbeit, die Unternehmen global ausschreiben. 4. Selbstfahrsysteme (Drohnen) ersetzen Taxi- und LKW-Fahrer, Lageristen, Post- und Paketboten. 5. Robotisierung: 3-D-Drucker ersetzen hoch qualifizierte Handarbeit (Zahntechnik, Wartungs- und Arbeitsroboter in Fertigungsstraßen). In der digitalen Arbeitswelt könnten sich viele Tätigkeitsprofile an der Mensch-Maschineschnittstelle wieder ähneln. Annäherung ersetzt feste Berufsstrukturen. Berufsbilder können sich von Brachengrenzen lösen. Jobwechsel wird so einfacher, die Möglichkeiten beruflicher Mobilität nehmen zu. Die Digitaliiserung führt auch zu neuen Managementkonzepten der Arbeitswelt: Agiles Management, Hierarchiefreies Arbeiten, Permanent Beta, Experimentierräume, Diversity.  In den nächsten fünf Jahren von 2016 an will das Bundesbildungsministerium fünf Milliarden Euro in digitale Bildung investieren. 16 Prozent aller Arbeitsplätze können laut Schätzungen in den nächsten zehn Jahren (ab 2017) ersetzt werden (Quelle: Rise-Konferenz, Hongkong). Eine McKinsey-Studie von Ende 2017 kommt zu folgendem Ergebnis: Bis 2013 könnte rund ein Viertel der Arbeit in Deutschland durch Roboter erledigt werden. Die Automatisierung habe für Deutschland besonders große Folgen, weil das höhere Lohnniveau besonders große Anreize bilde.

Beschäftigungseffekte der Digitalisierung: Die aktuelle Entwicklungen der digitalen Technik eröffnen große Rationalisierungspotenziale. Ob der Arbeitsplatzverlust tatsächlich eintritt, ist bisher offen. Denn Digitalisierung schafft auch viele neue Arbeitsplätze, insofern ist ein Strukturwandel sicher. die Wirkungen dürften auch entscheidend von den Reaktionen der Beschäftigten abhängen: Es ist ein strukturiertes und zertifiziertes Weiterbildungssystem erforderlich. Sinnvoll ist auch ein Flexicurity-Konzept. Zur Anwendung kommen sollte auch eine integrative regionale Strukturpolitik. Vgl. Kurt Vogler-Ludwig: Beschäftigungseffekte der Digitalisierung - eine Klarstellung, in: Wirtschaftsdienst 2017/12, S. 861ff. Die Beratung PwC legt 2018 eine Studie vor. Sie macht folgende Prognosen: 37% der Arbeitsplätze in Deutschland werden bis Mitte der 2030er-Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Maschinen ersetzt. Kurzfristig werden aufgaben in Finanz- und Versicherungsunternehmen automatisiert, langfristig trifft es die Transportbranche, die Industrie und den Bau. Mehrere neue Studien schüren Zweifel, ob die Digitalisierung tatsächlich so viele Jobs vernichtet: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2018. Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie, 2018.  Im April 2018 legen das IAB der BA und das BIBB eine gemeinsame Studie zu der Folgen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt vor: Fazit ist, dass die Jobs kaum weniger, aber anders werden. Regional soll sogar ein Plus an Arbeitsplätzen möglich sein. Vor allem im Bereich Information  und Kommunikation könnte es zu einem deutlichen Stellenaufbau kommen.  Eine Studie des ZEW/ Mannheim 2018 mit dem Thema "Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit" kommt zu folgenden Ergebnissen: Die jüngsten Investitionen in vernetzte Produktionstechnologien haben zwischen den Jahren 2011 und 2016 etwa 1 Prozent zusätzliche Beschäftigung geschaffen. Die Ungleichheit steigt. In erster Linie profitieren Hochlohn-Berufe. Bis 2030 wird jeder vierte Job in Deutschland durch die Digitalisierung wegfallen (24%; Quelle: Korn Ferry 2019; andere Prognosen sind optimistischer). Vgl. auch: Wenn die Roboter kommen, Streitgespräch zwischen Jens Südekum und Frank Thelen, in: Die Zeit Nr. 16, 11. April 2019, S. 26.  Eine Studie der OECD 2019 kommt zu folgenden Ergebnissen: Ab 2019 ist weltweit durch die Digitalisierung jeder siebte Arbeitsplatz bedroht. In Deutschland sind 18,4% aller Arbeitsplätze in Gefahr. Den geringsten Anteil bedrohter Jobs hat Norwegen mit 5,7%. Den höchsten Anteil hat die Slowakei mit 33,6%.

Automatisierung und Betroffenheit von Berufen: Die Automatisierung vieler Arbeitsfelder wirkt sich vor allem auf Berufe aus, in denen Routineaufgaben, körperliche Arbeit sowie leicht berechenbare kognitive Aufgaben vorherrschen. So ist das Automatisierungspotential in folgenden Branchen am höchsten (in Prozent): Gastonomie (81), Produktion (79), Verwaltung (69), Landwirtschaft (60), Transportwesen (56), Bauwesen (55), Instandhaltung (49), Vertrieb (43). Quelle: Muro, Mark et al.: Automation and Artificial Intelligence. How Machines Affecting People and Places, Metropolitan Policy Program at Brookings, Januar 2019.

Smarte Belegschaft: Die Arbeitswelt verändert sich auf jeden Fall durch Digitalisierung. KI kann Jobs schaffen. Die Technik in Büros wird anders werden, vor allem einfacher. Business-Apps werden kommen. So wird es WhatsApp fürs Büro geben. Die IT - Anforderungen werden sicher steigen. Umlernen wird ständig nötig sein. Die Security nimmt an Bedeutung zu. Es gibt mehr Flexibilität. Es wird den Digital Workplace geben.

E-Mobilität und Arbeitskräfte: Die Autobauer brauchen anderes Personal. Insgesamt könnten bis zu 350.000 Arbeitsplätze wegfallen. Quelle: Birgit Henschel-Neumann: Elektromobilität und die möglichen Auswirkungen auf den Personalbestand der deutschen Automobilindustrie, El-Net, 2018. Eine Studie der Fraunhofer Gesellschaft von 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2030 110.000 Stellen in der Automobilindustrie durch E-Autos verloren gehen können.

Mehr Freizeit oder Scheitern einer Gesellschaft, die auf Arbeit basiert (Prognose): 1. Roboter werden  Menschen unterstützen aber auch ersetzen. Umstritten ist, wie viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Marx sah ein vollständiges Ersetzen der menschlichen Arbeitskraft voraus (Maschinenfragment). 2. Kann die Gesellschaft, die heute noch auf Arbeit basiert, anders organisiert werden? Werden Internetgiganten aus den USA wie Google, Facebook und Amazon zusammen mit den chinesischen Giganten einen Großteil der Arbeitsplätze auf sich ziehen? 3. Wird die mehr zur freien Verfügung stehende Zeit die Lebensqualität verbessern? Wird sie wirklich mit Gemeinsinn ausgefüllt? 4. Welcher neue Gesellschaftsvertrag kann geschlossen werden? Vgl.  Was machen wir morgen? in: Die Zeit Nr. 18, 26.04.2018, S. 25ff.

Arbeitsplätze mit hohem Automatisierungspotential nach ausgewählten Staaten (in Mio.): China 395,3, Indien 235,1, USA 60,6, Japan 35,6, Russland 35,4, Deutschland 20,5, Großbritannien 11,9, Italien 11,8, Frankreich 9,7, Spanien 8,7. (Quelle: McKinsey). Am stärksten bedroht sind dabei folgende Arbeitsplätze: Körperliche Arbeit/ Führen von Maschinen (81%); Datenverarbeitung (69%); Datenerhebung (64%).

Qualifikationsentwicklung (bzw. Gestaltungsoptionen) bei Arbeit 4.0: Verschiedene Szenarien werden diskutiert: 1. "Upgrading" von Arbeit. 2. Polarisierung von Arbeit. 3. Flexibilisierung und Entgrenzung von Arbeit. Gestaltungsoptionen bestehen an den Schnittstellen "Mensch-Technik" Komplementarität, Kontextsensitivität) und "Mensch-Organisation" (Ganzheitlichkeit, Dynamik von Tätigkeiten). Vgl. Hartmut Hirsch-Kreinsen: Arbeit 4.0 - Qualifikationsentwicklung und Gestaltungsoptionen, in: Wirtschaftsdienst 2017/7, S. 473.

Künstliche Intelligenz und Faktor Arbeit: Aus Unternehmensperspektive verläuft der Wandel der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz weitaus langsamer und weniger disruptiv (im Gegensatz zu wissenschaftlichen Studien, die an schlechter Datenqualität und fragwürdiger Methodik leiden). Der Einfluss der künstlichen Intelligenz läuft über drei Kanäle: 1. Ersatz menschlicher Arbeit. 2. Effizienzsteigerung durch intelligente Zuarbeit. 3. Neue Aufgaben für Unternehmen und Arbeitnehmer durch neue Geschäftsmodelle. Künstliche Intelligenz besteht aus folgenden Kognitiven Technologien: 1. Mustererkennung (pattern recognition; Algorithmen). Maschinelles Lernen (machine learning; Computerprogramme verbessern sich selbst). Unternehmen verfolgen drei Schritte: 1. Tätigkeitsprofile erfassen. 2. Tätigkeitsprofile auf Ersetzbarkeit untersuchen. 3. Zeitpfade bestimmen. Vgl. Heinen, N./ Heuer, A./ Schautschick, P: Künstliche Intelligenz und der Faktor Arbeit, in: Wirtschaftsdienst 2017/10, S. 714ff.

Berufliche Herausforderungen durch KI: Trotz Automatisierung, Robotik und Algorithmen wird der Mensch die Arbeitswelt beherrschen. Trotzdem werden Berufsbilder verschwinden und neue entstehen. Die typisch menschlichen Tätigkeiten werden Kontroll-, Entwicklungs- und Steuerungsarbeiten sein. Hinzu kommen kommunikative und interaktive Tätigkeiten. Psychosoziale Kompetenzen werden noch wichtiger. Es braucht eine Kombination von Hightech und Menschlichkeit. Vgl. Marion Weissenberger-Eibl: Welche Berufe werden wir ausüben? in: digital pioneers 1/2019, S. 44f. Auch die Menschen werden sich bilden müssen, die man auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr braucht. Sie müssen aufpassen, nicht zu verblöden. Insofern wird das Bildungssystem dafür sorgen müssen, dass wir Menschen bleiben und nicht "Konsumparasiten". Millionen Menschen könnten aus dem Arbeitsmarkt gedrängt werden und es könnte eine Klasse von scheinbar Nutzlosen entstehen.

Künstliche Intelligenz und Arbeitsmarkt: Die KI könnte sich sehr positiv auf den globalen Jobmarkt auswirken. Bis 2020 werden weltweit 1,8 Mio. Arbeitsplätze verloren gehen. Gleichzeitig entstehen aber 2,3 Mio. neue, vor allem in Bildung, Gesundheitswesen, und im öffentlichen Dienst. Siehe Poltevin, Helen et al.: Predicts 2019: AI and the Future of Work, Gartner, Dezember 2018.

Plattform - Kapitalismus und Arbeitsmarkt: Dies ist eine weitere Bezeichnung für die Sharing Economy oder die digitale Ökonomie. Hier geht es speziell um Online-Plattformen. Sie ändern rapide den Büroalltag. Einerseits schaffen sie große Freiheiten, andererseits führen sie zu neuen Abhängigkeiten. Sie revolutionieren Märkte wie z. B. den Wohnungsmarkt (Airbnb) oder Taximarkt (Uber). Sie bringen auf dem Arbeitsmarkt direkt Arbeitnehmer und Auftraggeber zusammen (Upwork in den USA, Freelancer in Australien). Arbeitnehmer werden so von angestellten zu Freiberuflern. Wer via Plattform arbeitet konkurriert mit Millionen anderer Anbieter. Das dereguliert radikal den Arbeitsmarkt. Scheinbar hohe Stundenlöne relativieren sich dadurch, dass man sich selbst für Alle versichern muss und oft noch die Ausrüstung stellt. Die Ratings geben den Plattformen noch mehr Macht. Vgl. O. V. : Immer auf Abruf, in: Wirtschaftswoche 29.7.16, S. 87ff.

Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 (Wirkungen auf dem Arbeitsmarkt): Zukunft der Arbeit in der Produktion. Der technologische Wandel verändert die Industrie (Industrie 4.0). Neue Software-Lösungen und vernetzte Fertigungsmaschinen lassen den Automatisierungsgrad steigen. Die Verbindung von Privatleben und Arbeit muss anders organisiert werden. Wie viel Raum wird in Zukunft für Freizeit da sein? Das soziale Leben wird sich verändern. Die Industrie 4.0 wird massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben:  Die Arbeitsnachfrage wird sich verändern (mehr höherwertige Jobs, Zunahme planerischer Tätigkeiten, mehr Interaktionstätigkeiten, die nicht rationalisierbar sind). Die akademischen Bereiche werden also gewinnen, Verluste treten im mittleren Qualifikationsbereich auf. Die interne Flexibilität wird ansteigen, auch in Unternehmen (lebensbegleitend). Es wird auch eine Dynamik der regionalen Entwicklung geben ("smart regions", z. B. Erlangen, Jena). Die Löhne werden sich weiter spreizen (schon seit Mitte der Neunziger Jahre zu beobachten). Die Verlagerbarkeit der Jobs ist wichtig (hoch bei manuellen Tätigkeiten und bei Routinetätigkeiten). Eine zunehmende Wertschöpfung scheint mit Industrie 4.0 verbunden zu sein. Insgesamt ist sie aber weder eine Job-Maschine noch ein Job-Vernichter. Nach einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) 2016 könnten bis 2020 fünf Millionen Arbeitsplätze in den wichtigsten Industrieländern durch die Industrie 4.0 vernichtet werden (7 Mio. alte Arbeitsplätze fallen weg; 2 Mio. neue werden geschaffen). "Die digitale Wirtschaft hat Potential - aber nur, wenn sie angemessen gesteuert wird. Sonst wirken sich diese Dienste verheerend auf die Mittelschicht aus", Steven Hill, American Academy, Berlin (Handelsblatt, 26.27.28. Februar 2016, Nr. 40, S. 72). Sehr einflussreich ist folgende Studie: Carl Benedikt Frey/ Michael Osborne, Oxford: The Future of Employment (Ursprünglich und heute noch im Internet). Danach sollen etwa die Hälft der Arbeitsplätze von 2013 bis 2030 wegfallen. Die Studie umfasst 72 Seiten und wurde als Thesenpapier veröffentlicht. Es wird eine Liste von 702 Berufen in den USA aufgestellt. Dann wird gesagt, welche Berufe gefährdet sind. Die Methode ist "eyeballing" (Pi mal Daumen). Diese Studie hat sich verselbständigt, weil ein Mangel an Alternativen vorliegt. Vgl. Wetzel, Detlef: Arbeit 4.0. Was Beschäftigte und Unternehmen verändern müssen, Herder 2015.

Industrie 4.0 und Jobwandel: Die Industrie 4.0 schichtet die Arbeitsplätze um. Am ehesten sind Routinearbeiten gefährdet. Andererseits können die Lohnkosten sinken (pro Stunde um 25 bis 30 %). Die Einsparungen kann die Wettbewerbsfähigkeit und die Höherqualifizierung fördern. Die Ergonomie am Arbeitsplatz kann verbessert werden. Das ermöglicht die Reintegration erfahrener und funktionsgeminderter Mitarbeiter. Die Krankheitstage können reduziert werden. Mut, Kreativität und Fleiß sind digital nicht zu ersetzen. Der Handlungsspielraum kann steigen. Die Transparenz und Effizienz steigen und geben neue Chancen. Es entstehen auch neue Berufsbilder. so benötigt die digitale Wirtschaft eine neue Art von Architekt, Digital Design.  Im Grunde ist der Wahlsieg von Trump in den USA zum Teil der Automatisierung in den US-Fabriken geschuldet. Sogar in den USA gab es den Hemmschuh Mobilität. Es gibt Gewinner und Verlierer der Automatisierung. Die Verlierer können sich das Wohnen in prosperierenden Regionen nicht mehr leisten. Mittlerweile leben Ober- und Unterschicht in verschiedenen Städten (kognitive Segregation). Die Technologiestädte erleben einen Aufwind. Die Städte der traditionellen Industrien ("Rust-Belt") leiden unter Nichtbeschäftigung, Verbrechen und früherer Sterblichkeit. Der Wert der Männer dort auf dem Heiratsmarkt sank. Immer mehr Frauen heiraten nicht oder suchen reichere Männer.

Digitalisierung als Jobwandler statt Jobvernichter: Das Bild über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeit scheint differenziert zu sein. Das IAB geht davon aus, dass in Deutschland acht Millionen Menschen arbeiten, deren heutige Tätigkeiten (2018) zu 70 Prozent oder mehr durch digitale Technologien und Automatisierung ersetzt werden könnten. Vgl. Joachim Möller: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeitsmarkt und Gesellschaft, in: bdvb aktuell, Nr. 145, 2019, S. 30ff.

New Work: Volatilität, Komplexität, Vernetzung, Flexibilität, Unsicherheit, Ambiguität und Dynamik als zentrale Merkmale der modernen Arbeitsgesellschaft ("der Job organisiert uns"). Vgl. Markus Väth: Arbeit. Die schönste Nebensache der Welt, Offenbach 2016. New Work soll uns vor Depression, Burn-out und anderen Psycholeiden bewahren. New Work bedeutet nach einem Konzept des US-Philosophen Frithjof Bergmann Kritik am Lohnarbeitssystem, Selbstversorgung (high-tech self-providing) und arbeitsbezogene Berufung (Calling). Zum Gelingen von New Work sollen folgende Elemente beitragen: Life-Blending (den eigenen Bedürfnissen folgen), systemrelevante Kompetenzen (Methoden- und Handlungskompetenz neben personalen Kompetenzen wie Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz), Akzeptanz in der Organisation (Vertrauen), die Qualität der Arbeit für den Menschen verbessern. Eine wichtige Rolle spielt die Arbeitszeit. Sie soll sich mehr an den Lebensphasen der Menschen orientieren. Vgl. auch: Brandes-Visbeck, C./ Thielecke, S: Fit für New Work: Wie man in der neuen Arbeitswelt erfolgreich besteht, Redline Verlag, Oktober 2018.

New Work und Freelancer: Wir leben immer mehr in einer Outsourcing-Gesellschaft. Dies bietet sich etwa in der Buchhaltung, bei Texterstellung und Design an. Mittlerweise gibt es eine Absicherungsmöglichkeit über Factoring.

Next Work: Zukunft der Arbeit in der digitalen Revolution. Arbeit sollte neu gedacht werden. Es handelt sich um eine gesellschaftspolitische Augabe.

Eco-Working: Die menschliche Zivilisation hat mittels Technologie jede Form von Naturzwang beseitigt. Nahrung, Wasser, Strom, Licht sind jederzeit verfügbar. Der Mensch ist aber mit der endlichen Logik der Natur verbunden. Diese beiden Welten müssen versöhnt werden. Das steckt hinter der Idee des Eco-Working. Co-Working, digitale Nomaden u. a. gehen in die Richtung. Vgl. Melanie Petersen: Arbeiten unter Ameisen, in: t3n, digital pioneers, 1/2019, S. 64ff.

Brain Engineering: Man spricht auch von fünfter industrieller Revolution. Computer können auch Gefühle und Empfindungen einprogrammiert werden. Damit sind sie in der Lage, die Steuerung der Menschheit zu übernehmen.

Arbeit auf Abruf: Die Beschäftigten werden "Flexkräfte" genannt. Ihnen wird eine Mindeststundenzahl pro Woche zugesichert (Rahmenarbeitsvertrag). Oft zahlreiche Einzelarbeitsverträge geschlossen. Nach oben ist je nach Bedarf keine Grenze gesetzt. Die Stunden werden von den Unternehmen bezahlt. Konzerne wie H&M und die Post nutzen dieses Modell. Nach Schätzungen (Quelle: DIW, Berlin) sind 1,5 Mio. Menschen in Deutschland betroffen.

Mobiles Arbeiten: Mobiles Arbeiten ist eng mit Flexibilität verbunden. Es geht auch nur über die modernen Kommunikationsmittel mit gestiegenen Arbeitsanforderungen und führt zu einer größeren Verdichtung der Arbeit. Es erfordert Selbstorganisation und Leistungsbewusstsein. Angestellte, die gelegentlich von zu Hause arbeiten, haben eine längere Wochenarbeitszeit als Angestellte, die dies nie tun (43,5 Stunden gegenüber 39,4). Die Frage ist, ob die Regeln für diese Arbeitsform verstärkt werden müssen, damit nicht ein immer größerer Teil der Freizeit verloren geht.

Heimarbeit (Homeoffice): 2019 will das Bundesarbeitsministerium ein Recht auf Heimarbeit schaffen. Die Niederlande haben ein solches Gesetz. Continental erlaubt den Mitarbeitern die Entscheidung.  Das Recht auf Homeoffice ist in Deutschland heftig umstritten. Bundeswirtschaftsminister Altmaier lehnt die Pläne ab.

Intrapreneurship: "Arbeitskraftunternehmer", "Binnenunternehmertum". Aus den englischen Begriffen "intracorporate" und entrepreneurship". Unternehmerisches Verhalten von Mitarbeitern im Unternehmen. Der Begriff soll 1978 von Pinchot Gifford III geprägt worden sein. Er umfasst Verantwortungsbewusstsein, Selbständigkeit, unternehmerisches Handeln im Unternehmen. Folgen sind flachere Hierarchien und besondere Anreizsysteme.

Grenzmanagement: Selbststeuerung: Abstimmungsprozess zwischen Freiheiten und Selbstausbeutung.

Work-Life-Blending: Hochflexible Joblösungen erlauben ein Arbeiten ohne Büro. Angestellte werden zunehmend zu Mini - Entrepreneuren. Die Autonomie ist aber oft eine Selbsttäuschung und gerät zur Mogelpackung mit Selbstausbeutung. Ständige Grundanspannung verhindert einen Erholungseffekt. Als neue Arbeitsformen hierzu gehören unter anderen: Fluide Teams, virtuelle Teams, individualisierte Arbeit, Desksharing, Homeoffice, flexible Arbeitszeiten. Die Mitarbeiter werden an der langen Leine geführt ("indirekte Steuerung").

Clickworking (Crowdworking): Internetnutzer übernehmen freiberuflich bestimmte Arbeiten für Unternehmen (Freelancer). Die Arbeitskräfte werden "on demand" zusammengestellt. Beachtliche Dynamik in den USA. Vor allem im Zusammenhang mit den Betreibern von Plattformen. Für die Arbeitnehmer gelten keine Mindestlöhne und keine sozialen Standards. Da Kapital hoch mobil ist, muss es dafür internationale Lösungen geben. Unternehmen vergeben Aufgaben und Projekte über Onlineplattformen an Externe. Was früher Festangesellte oder Freiberufler erledigten, übernimmt die "Crowd", auf die Unternehmen mittels digitaler Plattformen zugreifen können. Insgesamt spricht man auch von "gig economy". Arbeit besteht aus vielen kurzen Einsätzen. Die Folgen für die Sozialsysteme dürften dramatisch sein. Sie beruhen nämlich auf einem stabilen Verhältnis von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Dieses Verhältnis wird infrage gestellt. Der Sozialstaat ist für diese Vielfalt nicht gedacht. 2016 zeigt sich, dass mittlerweile auch Großunternehmen in Deutschland Arbeiten in kleine Projekte zerlegen und an Freie vergeben. Beispiele sind Arbeiten für Schreibkräfte, Produktdesign, Marktforscher, IT-Experten zur Fehlerprüfung in Software, Produkttester, Wirkstoffentwickler (Chemiker, Mediziner). Nimmt dieser Trend zu, muss man sich Sorgen um die Arbeitnehmer machen. Crowdworking ist eine völlig neue Form der Arbeitsorganisation. Die durchführenden Unternehmen verweisen auf Innovation als Begründung (die Kostenersparnis dürfte aber im Vordergrund stehen). Arbeitnehmervertreter sprechen von Ausbeutung. Vgl. als Beispiel die Plattform "Jovoto". Auch folgenden Artikel: Florian Alexander Schmidt: Arbeitsmärkte in der Plattform-Ökonomie, 2016 (Friedrich-Ebert-Stiftung).  Dort wird zwischen Gigwork (ortsgebunden) und Cloudwork (ortunabhängig) unterschieden. Der Auftrag kann jeweils an ein Individuum oder eine Crowd gehen.  Gewerkschaften wollen in Zukunft auch Solo-Selbständige aufnehmen.

Crowdsourcing: Teilaufgaben des Unternehmens werden auf Vermittlungsplattformen im Netz ausgelagert. Das Netz bietet Spezialisten für fast alles.

Coworking: In Coworking-Spaces arbeiten Freelancer in der gleichen Umgebung. Sie sollen sich gegenseitig auf Ideen bringen. Mittlerweile gibt es Start-ups für Coworking. Eines davon ist WeWork. Die Coworking-Nachfrage steigt 2018 in Deutschland an. Auch große Unternehmen arbeiten mittlerweile mit Coworking Spaces, so Porsche, Beiersdorf, TUI.

Stillarbeiter: Wissensarbeiter, die sich eher in Einzelbüros oder in einer Mischform mit verschiedenen Raumangeboten wohl fühlen.

Digitale Nomaden: Generation von Selbständigen, die ortunabhängige Arbeiten überall auf der Welt durchführen. Sie sind hypermobil und globalisiert. Sie haben keine Bindung zu einem geographischen Gebiet (keine nationale Loyalität oder Identität). Langfristig könnten 5 bis 10 Prozent der Menschen auf diese Art und Weise ihren Lebensunterhalt verdienen. Von einem Randphänomen hat sich dies zu einem Trend entwickelt. Die Berufswelt könnte sich nachhaltig verändern. Die Tätigkeiten reichen von Online-Marketing, Software-Entwicklung und -Betreuung bis zum Bloggen.  Der Vorteil der Arbeit ist die gewonnene Freiheit (auch für die Familie) und die größere Selbstbestimmung. Das Problem sind die Kosten. Vgl. Patrick Dixon: The Future of Almost Everything.

Ortsungebundenes Arbeiten: In der digitalen Welt steigt die Zahl der digital-mobil arbeitenden Menschen rapide an. 2016 liegt der Anteil in Schweden schon bei 32%, in Deutschland bei 12%, in Italien bei 5% (Quelle: ILO).

Open Space: Offene, große Büros. Sie sollen Kreativität und Kommunikation fördern. Früher sprach man von Großraumbüros. sie waren Teil der US-Unternehmenskultur (z. B. auch IBM in Deutschland).

Desksharing: Keine festen Arbeitsplätze mehr. Weniger Schreibtischplätze als Mitarbeiter. Je nach Bedarf werden die Plätze genutzt.

Büroformen: Einzelbüros 33%), Kombibüro (Einzelbüro mit Glastür, Multifunktionszone, 9%), Gruppenbüro (17%, Zweipersonenbüro (16%), Mehrpersonenbüro (3 bis 5 Personen, 14%), Großraumbüro (ab 21 Personen, 6%), flexibles Arbeitskonzept (4%). Quelle: Fraunhofer-Institut IAO, Online-Umfrage 2017, 7545 Befragte.

"Arbeit ohne Grenzen": 1. Veränderte Kommunikationsgewohnheiten durch Smartphone und Notebook, aber auch neue Produktions- und Dienstleistungsrhythmen, führen zu einer Entgrenzung der Arbeitszeit. Verbindliche Arbeitszeitgrenzen weichen auf, Kontrolle und Selbstkontrolle werden schwieriger. 2. Die Globalisierung und Internationalisierung der Wirtschaft  erfordern eine mobilere Arbeit. Für den Einzelnen verlieren nationale Grenzen an Bedeutung. Beide Phänomene verändern die Arbeit. Sie lassen auch die Personalführung und Unternehmenskultur nicht unbeeinflusst.

Downshifting: Abkehr vom Gewinn- und Konsumstreben. Flucht aus einem beruflichen Alltag mit Stress, Hektik und Geld verdienen. Zuwendung zu einem bescheideneren, einfacheren Leben. Spanne zwischen Komplettausstieg und kritischem Normalverbraucher. "Die Freiheit fängt da an, wo die Arbeit aufhört", Karl Marx.

IT - Jobs mit Zukunft: Blockchain-Architect (Programmierung von Blockchain bzw. Distributed Ledger-Anwendungen). Chief Digital Officer (CDO): Seine Aufgabe besteht darin, analoge Prozesse ins digitale zu transformieren.  Er soll Innovationen hervorbringen und das Geschäftsmodell des Unternehmens für die Digitalisierung umbauen. Er muss sowohl technisches als auch kaufmännisches Verständnis haben. Chief Distribution Manager (ähnliche Aufgaben wie CDO, Disruption umsetzen). Data Scientist (Entscheidungen aufgrund von Datenanalysen). Data Strategist (Big Data, Verwaltung: Server, Cloud u. a.). Mobile Developer (mobile Betriebssysteme). Security Manager (Verleiden von Datenlecks). Social Media Manager (Geld für Surfen im Netz). 

Echtzeit: Die permanente Verfügbarkeit von Informationen und Nachrichten im Netz und die ständige und gleichzeitige Kommunikation.

Lockerung der Arbeitszeit (Flexibilisierung): Starre Strukturen und Hierarchien weichen im Zuge der Digitalisierung auf. Damit verbunden soll die Arbeitszeit vom Bundesarbeitsministerium gelockert werden. Es soll zunächst mehr Flexibilität erlaubt werden. Es sollen auch größere Anstrengungen bei der Qualifizierung und Weiterbildung unternommen werden. Die Gewerkschaft IG Metall will eine zeitweilige Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden erreichen.

Moderne "Sklaverei" und Ausbeutung in der Share Economy (Motto: Teile und Leide): Angebot von - haushaltsnahen - Dienstleistungen (Hilfe beim Lohnsteuerjahresausgleich, Vermittlung von Reinigungskräften, Vermittlung von Wohnungen; z. B. Helpling). Es kommt zu einem Kontrakt zwischen Plattformunternehmen (im Internet) und Mikrounternehmer.  Gegenwärtig sind diese Kontrakte kaum reguliert. Der Mikrounternehmer muss ein Gewerbe anmelden, sich selbst versichern (einschließlich Haftpflicht) und oft kostenlos Probearbeiten. Dadurch kann der Mindestlohn unterlaufen werden. Nach Abzug seiner Kosten bleibt dem Mikrounternehmer kaum was.  Der Plattformunternehmer versucht, immer mehr Mikrounternehmer zu gewinnen und dreht dann an der Provisionsschraube. Gelockt wird mit der freien Zeiteinteilung. Die Plattformunternehmer arbeiten zum Teil mit Kunstwährungen (z. B. Ricks). Verantwortung wird in der Regel vom Plattformunternehmer abgelehnt und auf den Mikrounternehmer geschoben. Die großen Plattformen wie Uber (Taxivermittlung, in über 50 Ländern, 40 Mrd. $ Firmenwert) und Airbnb (Wohnungsvermittlung) agieren global und versuchen, eine Monopolstellung zu erreichen. Es fehlt weltweit eine Definition der Plattformen und des unlauteren Wettbewerbs. Am 06. Dezember 1865 trat der 13. Verfassungsakt in den USA in Kraft, mit dem die Sklaverei verboten wurde. 1860 lebten in den USA vier Millionen versklavter Menschen. Die befreiten Menschen standen vor dem Nichts. Erst rund 100 Jahre später wurden Gleichheit und Freiheit schrittweise Wirklichkeit. Weltweit leben 46 Mio. Menschen in 167 Ländern in moderner Sklaverei (Walk Free Foundation, Australien).

Sozialer Arbeitsmarkt: Öffentlich geförderter Arbeitsmarkt. Statt Hartz IV und Wohnung regulär Arbeitsplätze schaffen. Motto "Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren". Die Idee wird von BA, SPD und Diakonie unterstützt. In NRW gibt es mittlerweile viele Projekte. Im Abschlusspapier der Sondierungen im Januar 2018 ist eine Stärkung dieser Konzeption vorgesehen. Es geht hierbei vor allem um Langzeitarbeitslose (2018 gibt es z. B. über 1,2 Mio. offene Stellen und über 800 Mio. Langzeitarbeitslose). Der Anreiz zur Arbeitsaufnahme soll erhöht werden. 150.000 Langzeitarbeitslose sollen mit Lohnkostenzuschüssen einen Job in Unternehmen, gemeinnützigen Einrichtungen und Kommunen bekommen. Hier ist der Zusammenhang zum "solidarischen Grundeinkommen". Das Bundesnetzwerk Jobcenter geht allerdings davon aus, dass nur 80.000 bis 100.000 Fälle gefördert werden können. Kritisiert wird, dass es eine Förderung öffentlicher Beschäftigung ist. Der Bund will nur bis zum Mindestlohn fördern. Man will die Sockelarbeitslosigkeit aufbrechen. Voraussetzung für die Förderung im Jobprogramm ist sechs Jahre Bezug von Hartz IV innerhalb von sieben Jahren. Das Programm soll vorerst bis 2024 befristet sein.

Arbeitsproduktivität und Wohlstand: Die Arbeitsproduktivität sinkt in Deutschland langfristig. 1971 lag sie noch bei +5,1%. Nach der letzten Weltwirtschaftskrise 2017 brach sie ein (-2,6%). 2017 lag sie unter 2%. Das kann sehr gefährlich sein, weil die Arbeitsproduktivität als eine wichtige Quelle unseres Wohlstands gilt. Es gibt jedoch eine Reihe von Gründen für diese Entwicklung: 1. Innovationschwäche (es wird nur auf gleichem Niveau ersetzt: Kohle-Energie auf Wind, Benzinantrieb auf Elektromotor; vgl. Robert J. Gordon). 2. Billige Arbeitskräfte (Investieren in billige Arbeit statt Maschinen). 3. Ungenaue Statistik (Produkte ohne Preis, manche Güter zu hoch bewertet). 4. Mehr Dienstleistungen. 5. Demographischer Wandel. 6. Zersplitterter Mittelstand (höher qualifizierte Mitarbeiter werden nicht ersetzt, arbeitsintensive Produktion). 7. Niedrige Zinsen. Vgl. Knuth/ Reiermann: Der Fortschritt ist eine Schnecke, in: Der Spiegel 12/2018, S. 78-80.

Digitalisierung und Wandel von Berufen: einige Bereiche sind davon besonders betroffen. Die Berufe werden sich in diesen Bereichen gravierend verändern. 1. Bankenbereich. Hier werden klassische Berufe wie der Bankkaufmann erheblich unter Druck geraten. 2. Handwerk. Wesentliche Teile in der Diagnose werden durch Computerprogramme ersetzt. Die übrigen sparten werden höhere Anforderungen stellen. 3. Handel und Einzelhandel: auch hier werden ganze Berufsgruppen wegfallen.

Digitaler Stress: Besonders belastend in der Digitalisierung ist das Gefühl, dauernd erreichbar zu sein. Dadurch löst sich die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben auf. Viele fühlen sich auch von Informationen überflutet und haben dadurch das Gefühl, mehr und schneller arbeiten zu müssen. Folgen können Unzufriedenheit mit dem Job und schlechtere Leistung sein. Weitere Folgen sind körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen. Quelle: Studie des Fraunhofer-Instituts für Informationstechnik (5000 Teilnehmer).

Arbeitsplatz-Risiko-Diagramme: Arbeitsplatzrisiko Kognitive Tätigkeiten und Arbeitsplatzrisiko Körperliche Tätigkeiten. Kai-Fu Lee: AI Sper-Powers. China, Silicon Valley und die Neue Weltordnung, Frankfurt/ New York (Campus) 2019. Bei den Kognitiven Tätigkeiten hat Lee folgende Szenarien: Menschliche Fassade: Hochzeitsplaner, Lehrer, Allgemeinmediziner, Fremdenführer. Sicherer Bereich: Hausmeister, Strafverteidiger, Sozialarbeiter, Psychiater. Gefahrenzone: Radiologe, Persönlicher Steuerberater, Versicherungssachverständiger, Einfacher Übersetzer. Schleichende Veränderung: Grafikdesigner, Finanzanalyst, Künstler, Wissenschaftler, Medizinforscher, Leitartikler. Bei den Körperlichen Tätigkeiten sehen die Szenarien wie folgt aus: Menschliche Fassade: Barkeeper, Caterer, Cafe-Kellner. Sicherer Bereich: Altenheimmitarbeiter, Physiotherapeut, Haarstylist, Hundetrainer. Gefahrenzone: Kassierer, Fast-Food-Zuarbeiter, LKW-Fahrer, Restaurantkoch, Tellerwäscher, Textilfabrikmitarbeiter. Schleichende Veränderung: Taxifahrer, Klempner, Nachtwächter, Wohnungsbauarbeiter, Hausreinigungskraft. Er sieht zwei Arten von Arbeitsplatzverlusten: unmittelbare Verdrängung, grundlegende Umwälzungen.

 

Digitalisierung und Wettbewerbspolitik:

Monopoleigenschaften, die den Markteintritt neuer Unternehmen verhindern: Apple, Google und Facebook verfügen über riesige Datenmengen. Feedback-Effekte verbessern ständig die Systeme. Damit können sie ihre Service-Qualität auf einem hohen Niveau halten und verhindern Konkurrenten. Ein neues Kartellrecht müsste weltweit gelten. Es müsste eine "progressive Daten - Sharing - Pflicht" enthalten. Die Bundesregierung will 218 des Kartellrecht für Internetkonzerne verschärfen: Firmenkäufe verbieten, Aufkaufen von Start-ups schwieriger, Datenzugang für andere verbessern, Prüfung bereits auf dem Weg zur Marktbeherrschung.

Die Facebook-Kurve: Hier wird nach dem Konzern ein Phänomen der Internetwirtschaft benannt. Ist ein Digitalkonzern erst mal in Führung, wächst sein Geschäft immer schneller. Je mehr Nutzer in einem sozialen Netzwerk unterwegs sind, desto interessanter wird es für andere Nutzer. So explodiert der Wert von Internetnetzwerken (als erstens vom MIT-Forscher Robert Metcalfe entdeckt; von Brian Athur weiterentwickelt). Wachstum schafft immer mehr Wachstum.

Ökonomische Theorie sozialer Medien: Likes, Retweeds und Followerzahlen von Facebook, Twitter und Instagram prägen die Kommunikation moderner Gesellschaften. Diese Größen stehen auch für Wert, der produziert wurde. Passmann vertritt die These, dass die Social-Media-Plattformen Kopf und Zahl einer Person symbolisieren. Anerkannt würde nicht bloß der Wert einer Währung, sondern anerkannt wird mein Post oder mein Account von der spezifischen Person, die mich und meine Postings likt. Die Anerkennung ist der Kopf, die Zahl der Verkehrswert. Wenn man aber nur schreibt, um Likes abzusahnen, ist man fremd gesteuert. Ab einem bestimmten Punkt ist es deshalb sinnvoll, seine Position durchzuhalten. Man muss natürlich auch fragen, was sind das für Medien und was ist ihre Funktion.  Vgl. Passmann, Johannes: Die soziale Logik des Likes, Frankfurt/ New York 2018.

Wettbewerbspolitik in der digitalen Wirtschaft:  Bei sozialen Netzwerken, Suchmaschinen und dem Online-Handel beherrschen große Unternehmen den Markt (fast Monopolisten, Quasimonopolisten). Die entscheidende Frage ist aber, ob dies zu Wettbewerbsbeschränkungen führt. Das zu beurteilen hängt davon ab, wie digitale Märkte abgegrenzt werden können und was faire Marktbedingungen bedeuten. Geklärt werden muss auch, ob das geltende Wettbewerbsrecht ausreicht. Sonst bedürfte es sektorspezifischer Regulierungen. Der Missbrauch von Datenmonopolen muss verhindert werden. Marktbeherrschende Plattformen müssen angemessen reguliert werden. Kunden brauchen echte Wahlfreiheit. Aber auch die Infrastruktur durch Gigabyte - Netze muss wettbewerbspolitisch ermöglicht werden. Die Auswirkungen sind auch umfassender: Innenstädte veröden. Einzelhändler werden an die Wand gedrückt.  In der digitalen Wirtschaft werden marktbeherrschende Unternehmen begünstigt.  Verantwortlich dafür sind Skaleneffekte (Vorteile gegenüber kleinen Anbietern) auf der Angebotsseite, Netzwerkeffekte (mehrseitige Märkte, verschiedene Gruppen treffen sich) und Lock - in - Effekte (Wechselkosten für den Kunden).  Das Datenschutzrecht müsste dringend an die digitale Wirtschaft angepasst werden. Es muss Transparenz darüber hergestellt werden, wie die Plattformen die erhobenen Daten verwenden und auch welche überhaupt gesammelt werden. Vgl. auch: Big Data aus wettbewerblicher Sicht, in: Wirtschaftsdienst 2016/9, S. 648ff. Der Mittelstand in Deutschland wird sicher in Zukunft von Wettbewerbern angegriffen werden, an die wir gar nicht denken. Wettbewerbsprobleme können auch durch die Blockchain begünstigt werden. Wenn alle Vergabedokumente im Internet kostenfrei zugänglich sind für jedermann und jeder Zeit, könnte totale Transparenz kontraproduktiv sein und die Kartellbildung begünstigen. Das neue, geplante EU - Vergaberegister könnte hier ein erster Test sein. Grundsätzlich gibt es folgende kartellrechtliche Herausforderungen: Abgrenzungskriterien der Fusionskontrolle. Dauer der Missbrauchsverfahren. Vorschläge der Moko in SG 68. Marktabgrenzung. Offen ist noch das Problem inwieweit Algorithmen Kartelle bilden können. Was ist, wenn zwei Anbieter sich aufeinander beziehen (durch Algorithmen), ohne sich dabei abgesprochen zu haben. Die Missbrauchsaufsicht des Kartellamtes wird in der Digitalisierung immer wichtiger: Es muss etwa darauf achten, dass Preisvergleichsportale ihre Informationen nicht manipulieren. Insgesamt muss die Plattformökonomie in einzelnen Bereichen reguliert werden. Insbesondere müssen Handelsplattformen und App Stores in den Provisionen gedeckelt werden. Im Jahre 2016 taucht der Verdacht auf, dass sich die USA und die EU in einem Wirtschaftskrieg befinden ("transatlantische Feindschaft"). Die USA gehen hart gegen VW und die die Deutsche Bank vor. Die EU bekämpft Google und Apple. Das Bundeswirtschaftsministerium plant eine Digitalbehörde, die die Dominanz der Internetgiganten brechen soll und mehr Verbraucherrechte durchsetzen kann. Schon jetzt ist Europa bei den größten Unternehmen mit Plattform-Geschäftsmodellen abgehängt. Es gibt in Europa 27 große, in Asien 82 und in Nordamerika 64. Bei der Marktkapitalisierung dieser Unternehmen fällt Europa noch mehr zurück. Das Bundeswirtschaftsministerium plant 2018 neue Kartellregeln, um die Internetkonzerne zu zähmen. Die Prüfung soll schon einsetzen, wenn unfaire Mittel auf dem Weg zur Marktbeherrschung eingesetzt werden. Das Bundeskartellamt will 2019 Nutzern des sozialen Netzwerks Facebook mehr Kontrolle über Informationen geben, die gespeichert werden (nicht automatische Zusammenführung von Facebook, Whats app und Instagram). "Eine Zerschlagung großer Techkonzerne ist nur die Ultima Ratio. Ein solcher Schuss kann nach hinten losgehen. Besser als radikale Maßnahmen ist in der digitalen Wirtschaft eine funktionierende Missbrauchsaufsicht", Achim Wambach, Chef der Monopolkommission, des ZEW und des Vereins für Socialpolitik 2018.

EU-Wettbewerbskommissar: Die EU kann auch Kartellstrafen verhängen. Die höchste Strafe wurde 2012 gegen Produzenten von TV- und PC-Monitoren verhängt (1,47 Mrd. €). Betroffen waren auch folgende Brachen: Autoglas, Euro-Zinsderivate, Aufzüge, Luftfracht, Vitamine, Kerzenwachs, Yen-Zinsderivate und Flüssiggaskristalle. 2014 gibt es eine Strafe von über 900 Mio.€ gegen ein Autozulieferer-Kartell (KFZ - Wälzlager). Allein Schaeffler in Deutschland muss über 370 Mio. € zahlen. 2014 will Siemens einen Teil von Alstom übernehmen (Energie, Gasturbinen). Miitsubishi aus Japan soll die Dampfturbinen haben. Alstom kann mit Wind und Solar eigenständig bleiben. Über das Zuggeschäft soll später entschieden werden. GE dürfte sein Übernahmeangebot des gesamten Konzerns erhöhen. Die französische Industriepolitik entscheidet sich für GE: Der Staat übernimmt selbst auch 20% von Alstom. In der neuen EU-Kommission nach den EU-Wahlen 2014 ist die Dänin Margarethe Vestager für Wettbewerb zuständig (eine der mächtigsten Personen in Brüssel). Sie ist Ökonomin. Sie legt sich mit Weltkonzernen an (Google, Gazprom, Amazon). Der starke Anstieg von Firmenkäufen durch Investoren aus Fernost führt zu der Forderung, eine EU-Kontrolle für Käufer aus China einzuführen. Politiker fordern eine Aufsichtsbehörde (ausländische Investoren auf Motive prüfen). Durch die Verfahren gegen Google wird Vestager zum Star. Im Juli 2018 muss Goggle in der EU eine Strafe von 4,34 Mrd. Euro zahlen. Die EU-Kommission (EU-Wettbewerbskommissarin Vestager) rügt damit die beherrschende Marktstellung des Betriebssystems Android (Pflicht für Google Play und Google-Suchmaschine). Google will Widerspruch einlegen. Die EU durchkreuzt Googles Geschäftsmodell. 2014 verhängt die EU-Kommission eine Millionenstrafe gegen ein Pilzkonservenkartell. Ende 2014 geraten die Lastwagenhersteller unter Kartellverdacht (Daimler, MAN, Volvo, Scania, Iveco). Nach der Financial Times soll die Zusammenarbeit schon seit 14 Jahren bestehen. Die EU-Wettbewerbskommissarin muss auch noch über Beschwerden mehrer US-Konzerne zum Nürburgringverkauf entscheiden. Nach der Strafe gesehen das größte Kartellverfahren der EU war 2012 gegen Philips, LG u. a. für Absprachen bei Fernseher, Computerbildschirme (1,47 Mrd. €). 2015 wird das bisher größte europäische Verfahren gegen Google eingeleitet. Es geht um den Vorwurf, dass die Suchmaschine Google - Unternehmen massiv bevorzugt (besonders bei Preisvergleichen). In Europa laufen über 80% aller Suchvorgänge über Google (in Deutschland sogar über 90%). Das Verfahren bezieht sich auch auf das Betriebssystem Android (insgesamt 6 Mrd. €). 2016 wird das Verfahren erweitert: Es geht um unfairen Wettbewerb bei Werbung. Eberspächer und Websto müssen eine EU-Kartellstrafe zahlen, weil sie die Preise bei Auto-Standheizungen abgesprochen haben. Der deutsche Rüstungskonzern KMW und der französische Rüstungskonzern Nexter wollen fusionieren. Hier muss der EU-Kommissar entscheiden (die Trümpfe aus der Fusion liegen auf französischer Seite). Im Juli 2016 wird eine Strafe gegen ein LKW-Kartell verhängt (Verkaufs-Preisabsprachen, Zeitplan für Einführung neuer Technologien, 14 Jahre). Es handelt sich um drei Mrd. Euro gegen vier LKW-Produzenten (Daimler, Volvo/Renault, Iveco, DAF). Die Münchener VW-Tochter MAN muss nicht zahlen, weil es das Kartell als Hinweisgeber aufgedeckt hat. 2016 verdächtigt die EU-Kommissarin Margarethe Vestager das russische Gasunternehmen Gazprom, in fünf osteuropäischen Ländern unfaire Preise zu diktieren. 2016 stellt die Wettbewerbskommisarin fest, dass Apple in Irland Steuererleichterungen in Höhe von 13 Mrd. € gewährt wurden, die wettbewerbswidrig waren ("unzulässige rechtliche Konstruktionen"). Das Land, die USA und der Konzern wehren sich. Apple muss die Steuern nachzahlen auf ein Sperrkonto, Klagen haben keine aufschiebende Wirkung. 2016 untersucht die EU-Wettbewerbsbehörde die Übernahme der kroatischen Tochter von Cemex durch Heidelberg Cement. Der französische Autobauer PSA (Peugeot/ Citroen) will 2017 Opel von GM übernehmen oder zumindest eine Kooperation mit GM eingehen. Im März 2017 wird der Kaufvertrag (Memorandum of Understanding) abgeschlossen (1,3 Mrd. €; 900 Mio. € für Bank; Patente können gegen Lizenzerwerb genutzt werden; 88 Jahre bei GM). Die EU-Kommission genehmigt für die EU den Zusammenschluss der US-Chemie-Riesen Dow und Dupon unter Auflagen. Im April 2017 genehmigt die EU-Kommission die Fusion von Fox und Sky. Die Fusion der niederländischen Fahrradbauer Accell und Pon zum größten Fahrradhersteller der Welt platzt. Facebook muss 110 Mio. € Strafe zahlen, wegen falscher Angaben zu Whats App (Adressenweitergabe). 2017 droht Google in einem Verfahren der EU-Wettbewerbsbehörde zur Shopping-Suche eine Milliardenstrafe (10% vom Umsatz). Eigene Dienste sollen bevorzugt worden sein. Das Verfahren ist nur eines von dreien. Die EU verhängt ein Rekord-Bußgeld (2,42 Mrd. €). Im August 2017 beschwert sich der irische Fluganbieter Ryan Air bei der EU und beim Bundeskartellamt über die Hilfe der Bundesregierung für die insolvente Air Berlin (Überbrückungskredit über die KfW; unerlaubte Wettbewerbsunterstützung für die Lufthansa). Die Wettbewerbs-Beschwerde dürfte wenig Aussicht auf Erfolg haben, weil die Bundesregierung damit argumentiert, dass sie das Interesse der Bürger schützt, die Flüge gebucht haben.  Es gibt aber Bedenken des Bundeskartellamtes und der Monopolkommission gegen die ungeprüfte Übernahme großer Teile von Air Berlin durch die Lufthansa. Es entsteht der Anschein einer professionell geplanten Subvention.2017 geben Siemens und Alstom aus Frankreich bekannt, dass sie bei der Bahntechnik fusionieren wollen. So würde 2018 der zweitgrößte Bahntechnikkonzern der Welt entstehen (Sitz Paris; Weltmarktführer ist CRRC in China). Man will auf dem Weltmarkt bestehen können. Die Fusion stockt. Die Politik soll helfen. Die Firmen wollen 2019 Konzessionen machen gegenüber den EU-Kartellwächtern. Doch die EU-Wettbewerbskommissarin lehnt den Zusammenschluss am 06.02.19 ab (Monopol in der EU, Preissteigerungen). Im Oktober 2017 beantragt Daimler den Kronzeugen-Status bei den EU Behörden. Es geht um Absprachen von Daimler, BMW, VW (auch Töchter Audi und Porsche) über ihre Autos, Kosten und Zulieferer. Kern ist, dass man umweltfreundlichere Technologien nicht in vollem Umfang genutzt hat (Abgastechnik). Die Firmen müssen mit Bußgeldern der EU in Milliardenhöhe rechen. Im Januar 2018 verhängt die EU-Kommission (Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager) eine Kartellbuße gegen den US-Chiphersteller Qualcomm (Zahlung an Apple, um Konkurrenten zu beihindern). Der EU-Wettbewerbskommissar stimmt der Übernahme von Monsanto durch Bayer zu, bei strengen Auflagen. Mastercard muss 2019 571 Millionen Euro Kartell-Strafe zahlen wegen zu hoher Gebühren. 2019 hegt die EU den Verdacht auf ein Anleihenkartell. Acht Banken könnten beteiligt sein. Die verbotenen Aktionen wurden mutmaßlich zwischen 2007 und 2012 durchgeführt. Die EU straft Google im März 2019 mit 1,49 Mrd. Euro ab (marktbeherrschende Stellung bei Online-Werbung ausgenutzt). Fiat - Chrysler und Renault verhandeln 2019 über eine Fusion. Damit würde einer der größten Autohersteller der Welt entstehen.

EU-Gericht für Wettbewerb, Luxemburg: Es entscheidet in der EU über Wettbewerbsstreitigkeiten. 2018 verklagt die Lufthansa Ryanair und die EU (hatte 2014 die Beihilfen für legal erklärt), weil sie Subventionen am Flughafen Hahn bekommen habe. Die günstigen Konditionen für die irische Fluggesellschaft sollten als illegale Beihilfe gewertet werden. Die Richter folgten 2019 dieser Argumentation nicht. Für jede Fluggesellschaft am Hahn hätten die gleichen Konditionen gegolten. In den Genuss der Subventionen kam auch Fraport, die Mehrheitseigentümerin am Hahn war. Ab 2024 muss der Hahn ohne Subventionen auskommen.

US-Wettbewerbsbehörde FTC: Federal Trade Commission. Geht immer öfter gegen die Sharing Economy vor. Der Google - Kauf von Double klick wird untersucht. 2016 wird die Datenverarbeitung von Uber und Airbnb geprüft. Deutsche Unternehmen stehen auch immer wieder im Blickpunkt: Die Behörde schließt sich 2015 dem Vorgehen gegen VW in den USA an. Für den Vergleich, der Mitte 2016 zustande kommt, ist aber ein Gericht zuständig. Heidelberger Cement muss sich aus Wettbewerbsgründen eine Zementfabrik in Martinsburg verkaufen. 2019 will sich die FTC verstärkt um die großen Plattformen wie Google, Facebook und Amazon kümmern. Es geht um die Prüfung von Monopolmacht und deren Missbrauch. https://www.ftc.com. Dies könnte zu einer Selbstdisziplinierung der Tech - Riesen führen. Eine Zerschlagung droht vorerst nicht. In den USA wollen sich Dow Chemical und Dupont zum weltgrößten Chemieunternehmen zusammenschließen. Die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden steht noch aus (auch ob sie überhaupt notwendig ist). Die US-Wettbewerbsbehörden stimmen unter Auflagen zu (Verkauf von Unternehmensteilen). Ende 2017 übernimmt der Disney-Konzern die meisten Sparten des Rivalen Fox (Simpsons). Die FTC muss zustimmen. Die Genehmigung der Monsanto-Übernahme durch Bayer steht noch aus und wird unter Auflagen gegeben.

Generalstaatsanwälte der US-Bundesstaaten: Sie können wettbewerbsrechtliche Untersuchungen einleiten.  Im September 2019 wächst der Druck auf Google durch die Generalstaatsanwälte der 50 Bundesstaaten. Sie leiten eine wettbewerbsrechtliche Untersuchung ein (auch bei Facebook).

Lobbyausgaben der US-Tech-Riesen: Bei den Zahlungen im US-Senat und -Repräsentantenhaus führt Google (21.2 Mio. $ 2018) vor Amazon (14,2) , Facebook, Microsoft und Apple. Quelle: US-Kongress.

Zusammenarbeit von Google mit dem US-Militär: Diese Art der Kooperation, die auch für andere Unternehmen weltweit gilt, beinhaltet auch immer eine versteckte Subventionierung. Außerdem wird die Vergabefreiheit erheblich eingeschränkt (nationale Sicherheit). Hier liegt die große Bedeutung für die Wettbewerbspolitik. Es gibt eine gemeinsame Strategie für Künstliche Intelligenz. Algorithmen sollen effizienter trainiert werden.

5G-Auktion und Rolle von Huawei: Huawei soll in Deutschland beim Ausbau der neuen 5G-Technik helfen. Das ist sehr umstritten, weil die USA Sicherheitsbedenken haben (Verbindung der Firma zum Staat). Europäische Firmen, die das auch stemmen könnten, wie Nokia oder Ericsson wären viel teurer. Dabei ist aber zu bedenken, dass Huawei durchaus mit Dumpingpreisen arbeitet, weil es chinesische Industriesubventionen bekommt.  Also wäre es eigentlich sinnvoll, dass die Netzbetreiber einen möglichen Ausfall von Huawei einrechnen und so höhere Kosten einkalkulieren. Sie müssten dann realistischerweise ihre Gebote reduzieren. Vgl. Südekum, Jens: Deutschland versteigert sein Wirtschaftsmodell, in: WiWo 24, 7.6.2019, S. 44f.

Wettbewerbsverfahren der EU: 2019 droht Huawei ein Wettbewerbsverfahren der EU: es sind kaum europäische Bewerber (Ericsson, Nokia) bei den 5G-Ausschreibungen in China zum Zuge gekommen (in 37 von 40 Städten bekam Huawei die Aufträge).

Widerstand gegen Facebook, Amazon, Apple und Google: Sowohl in den USA, der EU und im Asien wächst der Widerstand gegen die große vier. Es gibt zahlreiche Szenarien, wie ein Zerschlagung aussehen könnte. Am stärksten steht Facebook im Blickfeld, vor allem, seit für 2020 die neue digitale Währung "Libra" angekündigt wurde. Damit tritt der Konzern ins traditionelle Bankgeschäft ein. Hier wäre eine Zerschlagung auch relativ einfach. Instagram und Whats App könnten selbständig werden.

Marktzugang und Überwachung in China: China schottet ab 2018 auch den Zugang zum Internet weiter ab. VPN-Tunnelzugänge werden verboten (verschlüsselte Punkt-zu-Punkt Kommunikation). Mit denen konnte eine Zensur bisher umgangen werden. Apple hat nachgegeben und überträgt sämtliche Cloud-Daten an einen lokalen Dienstleister (GCBI). VPN wird in China aus dem App-Store genommen. Amazon hatte schon 2017 seine Cloud-Daten an einen lokalen Dienstleister übertragen. Zugänge zu ausländischen Social Media werden weiter eingeschränkt: Facebook, Twitter, Google. Eine der berühmtesten Society - Bloggerin in China war Ma Ling. Sie schrieb über Gier, Sex und Neid. Im März 2019 wurden alle Accounts auf Anweisung der Regierung gelöscht. Zu Fall brachte sie ein Post übe reinen krebskranken Mann. An der Geschichte war zu viel erfunden und sie war zu negativ. Ma Ling hatte 200 Mio. Follower auf Weibo.

2018 schränkt die Regierung auch den Zugang für Ausländer ein. Dienstleister blockieren schon lange den Zugang vor Großereignissen auf Anweisung der Regierung. Manchmal nehmen die Behörden die Blockade nicht zurück. Viele Organisationen nutzen ein offiziell genehmigtes VPN. Das soll es aber zukünftig nicht mehr geben. Auch firmeneigene VPN von ausländischen Firmen, die Server im Heimatland nutzen, sollen nicht mehr toleriert werden. Das hat enorme Auswirkungen auf ausländische Unternehmen in China. Auch Diplomaten könnten betroffen sein. Vgl. Friederike Böge: China duldet keine Grauzone mehr, in: FAZ, Dienstag, den 23.01.18. Der Künstler Deng Yufeng zahlt 2018 650€ für persönliche Daten aus dem Netz  in der Stadt Wuhan (346.000 Einw.). Die Daten hat er in einem Museum auf die Leinwand projiziert. Chinesen sollten auf ihre Privatsphäre achten. Nach zwei Tagen schloss die Polizei die Ausstellung.

Wettbewerbsrecht in China: Das chinesische Wettbewerbsrecht ist im Jahre 1993 entstanden (ChUWG). Wichtig ist der § 10 III: Er regelt den sachlichen Anwendungsbereich. Es geht um technische und betriebliche Informationen. Es darf nicht allgemein bekannt sein. Es muss ein wirtschaftlicher Nutzen bestehen. Es muss praktisch umsetzbar sein. Es müssen Geheimhaltungsmaßnahmen getroffen werden. Die Auslegung  ist in der Öffentlichkeit. Das OVG legt besonderes Augenmerk auf den wirtschaftlichen Wert. Ein Kartellrecht ist in China erst 2007 entstanden. 2016 will China die Spielregeln für die Autokonzerne für leichteren Marktzugang lockern. Es sind keine Zwangsbündnisse (Joint - Venture) mehr vorgesehen.  Begonnen wird mit den Produzenten von Elektronik und Batterien in den Freihandelszonen. Über eine Aufhebung in der gesamten Automobilbranche wird nachgedacht.

China Academy of Information and Communication Technology: Wichtig bei Kooperationen im digitalen Bereich.

Indirekte Unternehmensverflechtungen über institutionelle Anleger und Wettbewerb bzw. Wettbewerbspolitik:  Das Risikopotential ergibt sich daraus, dass aus Sicht eines Miteigentümers ein Wettbewerb auf Kosten eines Konkurrenten unattraktiver wird, falls der Miteigentümer auch bei diesem Konkurrenten beteiligt ist. Die erwogenen Maßnahmen zur Eindämmung dieses Risikopotentials mögen bislang hinsichtlich ihrer Effektivität und Umsetzbarkeit unausgereift sein, die Diskussion über die Maßnahmen sind dennoch notwendig. Folgende Maßnahmen sind in der Diskussion: 1. Berücksichtigung von Common-Ownership-Verflechtungen im Rahmen der Fusionskontrolle. 2. Regulatorische Ansätze zur allgemeinen Begrenzung indirekter Verflechtungen. 3. Verschärfung von Corporate Governance-Regeln. Vgl. Wambach, Achim/ Weche, John P.: Das wettbewerbliche Risikopotential institutioneller Anleger, in: Wirtschaftsdienst 2019/ 8, S. 575ff.

Digitale Souveränität: Wenige Anbieter dominieren die Digitaltechnik. Dazu gehören Google, Amazon, Facebook aus den USA und immer stärker chinesische Unternehmen wie Huawei, Alibaba, Tencent. Sie beschäftigen die besten Forscher und verfügen über die führende Infrastruktur. Die anderen Unternehmen, auch die deutschen, drohen ihre digitale Selbstbestimmung zu verlieren. Die EU kümmert sich zunehmend um die digitale Souveränität Europas (Cybersicherheit, Mobilfunkstandard 5G, Cloud).

 

Digitalisierung und Steuerpolitik:

Verkaufsorientierte Besteuerung von Unternehmen statt wertschöpfungsorientierte (EU-Digitalsteuer): Aktuell sucht die EU nach Konzepten, Firmen wie Amazon, Google und Apple in Europa gerecht zu besteuern. Das Problem besteht darin, dass die Körperschaftssteuer an der Wertschöpfung orientiert ist, aber bei den Internetfirmen die Wertschöpfung nicht mehr einem Standort zugeordnet werden kann (ist der Standort gar dort, wo der Algorithmus entwickelt wird; das möchte die USA). So haben diese Konzerne rigoros die Steueroasen in der EU genutzt. Es ist schwierig zu ermitteln, wo Gewinn entsteht. Ähnliche Probleme gibt es beim Umsatz. Deshalb gibt es das Konzept, Unternehmen zu besteuern, wo sie verkaufen. Sinn macht dieses Konzept aber nur, wenn alle Volkswirtschaften mitmachen. Die Idee ist aber als eine Warnung an die Steuerreformpläne der US-Regierung zu sehen. Im März 2018 sollen neue Pläne vorgestellt werden. diese offenbar milder als ursprünglich geplant: "Besteuert werden soll der Gewinn, den Internetkonzerne dank der Nutzung von Daten generieren". Konkret könnte das auf eine neue Steuer für Gewinn aus Onlineanzeigen hinauslaufen. Das wäre günstiger als eine auf Umsatz bezogene Ausgleichssteuer. Italien hat bereits beschlossen, ab Januar 2019 eine Websteuer einzuführen, die ebenfalls auf Werbeeinnahmen im Netz abzielt und E-Commerce ausnimmt. Einige Länder sind gegen eine Digitalsteuer, die einstimmig beschlossen werden müsste (Irland, Luxemburg, Malta, Zypern, Niederlande). Frankreich ist dafür. Die EU-Kommission will 2018 3 Prozent Umsatzsteuer für große Internetkonzerne vorschlagen. Voraussetzungen sind: weltweiter Jahresumsatz mindestens 750 Mio. Euro, Online-Umsatz in der EU 50 Mio. €. Davon wären lediglich 120 bis 150 unternehmen weltweit betroffen. Das soll aber nur eine Übergangslösung sein. Langfristig sollen die Körperschaftssteuer-Vorschriften angepasst werden. Dabei sollen folgende Kriterien gelten (eines von dreien reicht): 1. In einem Mitgliedsland mehr als 7 Mio. € Gewinn. 2. Es gibt mehr als 100.000 Nutzer. 3. Es gibt mehr als 3000 Verträge mit gewerblichen Nutzern.  Diese Steuer ist nicht unproblematisch. Es ist eine Zusatzsteuer für ein halbes Dutzend US-Firmen und ein protektionistischer Akt. Das könnte wie ein Bumerang zurückkommen. Denn Deutschland als Exportweltmeister verkauft die meisten Produkte im Ausland, die deutschen Konzerne versteuern ihre Gewinne aber in Deutschland. Beim Treffen der Finanzminister im Dezember 2018 scheitert eine Digitalsteuer vorerst. Die Debatte soll aber 2019 fortgesetzt werden.

Digitalsteuer: Die OECD und die G20 arbeiten an Konzepten. Das Problem besteht darin, dass die großen Digitalunternehmen weltweit Geschäfte machen, aber Steuern nur am Firmensitz in den USA zahlen. Digitale Plattformen werden nicht erfasst. Die OECD will diese Lücke bis 2020 schließen. 110 Länder sind beteiligt. sie zerfallen hinsichtlich einer langfristigen Lösung in drei Gruppen: 1. Frankreich ist hier Wortführer. Nur das Datengeschäft soll besteuert werden. 2. Weitere Debatte, da alle Branchen digitalisieren. 3. Kein Handlungsbedarf. Hierzu gehört die USA. Gegner einer Digitalsteuer argumentieren mit den höheren  Forschungsausgaben. Daher müsse die effektive Steuerbelastung geringer sein. Am 08.09.18 beraten die EU-Finanzminister über eine Konzeption. Eine Einigung könnte bald möglich sein. Die Geltungsdauer soll begrenzt werden, bis es eine globale Lösung gibt. 2018 melden sich massenhaft chinesische Unternehmen in Neuköln an (6600 Online-Händler). Dahinter steckt ein neues Gesetz, dass Plattformbetreiber für die hinterzogenen Umsatzsteuer haften. Die Händler haben wohl viele Jahre Steuern hinterzogen. Zum 1. Januar 2019 führt Frankreich im Alleingang eine Digitalsteuer ein. Sie soll 500 Mio. € einbringen (auf Umsätze, Werbeeinnahmen, Verkauf von Daten). 2019 plant Österreich eine eigene Digitalsteuer. Deutsche Finanzämter holen sich Steuern, die Google mit Werbung verdient, von den Auftrag gebenden Unternehmen (diese müssen sich dann wieder an Google wenden). Da der Zugriff auf Google in Irland in der EU nicht möglich ist, wählt man bisher diesen Ausweg. Frankreich führt im März 2019 eine Digitalsteuer ein: rückwirkend ab 01.01,19; Unternehmen über 700 Mio. Umsatz, über 35 Mio. in Frankreich, Steuersatz 3%. Auch die Regierung in Österreich führt im April 2019 eine Digitalsteuer ein: Internet-Unternehmen mit einem weltweiten Jahresumsatz von 750 Millionen Euro sollen in Österreich künftig 5 Prozent Steuern auf online erzielten Werbegewinn zahlen. Man erhofft sich damit Einnahmen von mehr als 200 Millionen Euro. Neben der Steuer auf Online-Werbeeinnahmen soll in Österreich eine Umsatzsteuerpflicht für digitale Händlerplattformen eingeführt werden.

Mindestbesteuerung von Digitalunternehmen in den G20-Staaten: Auf dem G20-Gipfel der Finanzminister und Notenbankchefs im Juni 2019 in Fukuoka/ Osaka/ Japan konnte man sich darauf einigen, die Steuervermeidung der Internetriesen zu beenden. Bis Ende 2020 soll es in den G20-Staaten eine Mindestbesteuerung geben. Staatliche Besteuerungsrechte sollen auch neu verteilt werden. Sie dürften sich künftig weniger am jeweiligen Firmensitz orientieren, sondern dort angesiedelt sein, wo Kunden bzw. Nutzer von Dienstleistungen angesiedelt sind.  Die USA wollen aber verhindern, dass die Unternehmen aus dem Silicon - Valley zu stark getroffen werden. Im Juli 2019 sprechen sich auch die G7 für einen gemeinsamen Mindeststandard bei der Digitalsteuer aus. Es werden gemeinsame Regeln vereinbart. Sogar die USA machen mit, wo die meisten großen Digitalunternehmen ihren sitz haben. Das könnte daher kommen, dass Frankreich kürzlich schon eine Digitalsteuer eingeführt hatte. 

 

Digitalisierung und Industriepolitik:

Industrie-, Forschungs- und Technologiepolitik: Ist hauptsächlich auf EU-Ebene angesiedelt. Sie ist in den Titeln XV (Transeuropäische Netze, XVI (Industrie) und XVIII (Forschung und technologische Entwicklung) des EU-Vertrages geregelt. Schwerpunkt ist zur Zeit die Informationstechnologie. Die Industriepolitik ist darauf ausgerichtet, bestimmte Wirtschaftssektoren zu fördern. Als Vorbild gilt die Industriepolitik in Japan in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Treiber war damals das Ministerium für internationalen Handel und Industrie (MITI). James Brander und Barbara Spencer (Kanada) entwickelten eine Theorie, derzufolge staatliche Eingriffe in die Branchenstruktur unter bestimmten Bedingungen die allgemeine Wohlfahrt steigern. F. A. von Hayek warnte vor "Anmaßung von Wissen" und plädierte für den "Wettbewerb als Entdeckungsverfahren".

Notwendigkeit bzw. Legitimation der Industriepolitik durch Digitalisierung, Energiewende und den Aufstieg Chinas. Es geht um die Grundsatzfrage, ob es ein ineffizienter staatlicher Eingriff ist oder eine zukunftsweisende Option. Direkte Interventionen können in eine technologische Sackgasse führen und dem Wettbewerb schaden. Investitionen sind auf der anderen Seite mit großer Unsicherheit über die Zukunft und mit hohen Risiken belastet. Die Wirtschaft wird mittlerweile von Netzwerkeffekten und Pfadabhängigkeiten dominiert. Ziele könnten sein, mehr Wohlfahrt und Nachhaltigkeit für die gesamte Gesellschaft zu erreichen. Es geht aber auch vor allem um das "Wie". Wettbewerb, Technologie und Innovation sollten im Mittelpunkt stehen. Vgl. Industriepolitik, in: Wirtschaftsdienst 2019/2, S. 87ff.

Industriepolitik: Grundprinzipien: ist staatliche Förderung entscheidend oder der Wettbewerb? Unterstützung der Unternehmen durch die Wirtschaft. Schlüssel- und Zukunftstechnologien sollen wachsen. Die Unternehmen wollen allerdings keine Dauerintervention des Staates. Die Industriepolitik für KMU wird zur Mittelstandspolitik gerechnet. Im Hinblick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher KMU ist sie im Auge zu behalten. In den asiatischen Ländern ist die Mittelstandspolitik (SME-Policy) in die Industriepolitik eingebunden. So versuchen China und Japan, längerfristig ihre Wirtschaftsstrukturen zu beeinflussen. In der EU muss sich erstmal eine klare Arbeitsteilung zwischen EU-Mittelstandspolitik und den Politiken der Länder herausbilden (dazu habe ich 2012 einen Artikel geschrieben, vgl. Working Paper 1/ 2012 der HS LU). In Deutschland bewegt sich die Industriepolitik zwischen "Rheinischem Kapitalismus" und Beschränkung der freien Kräfte des Marktes durch Gesetze. Mittlerweile ist China die größte Herausforderung für eine moderne Industriepolitik. Die Erfolge der Chinesen erklären sich aus der Mischung von plan- und marktwirtschaftlichen Strategien. Sie wurden aber auch durch die schiere Größe des Marktes und die Abschottung begünstigt. Vor allem auf dem Feld der Digitalisierung arbeitet China mit einem Tempo, das unheimlich ist. "Die heimische Wirtschaftspolitik verunsichert die Unternehmen zunehmend, vor allem den Mittelstand", Martin Wansleben, DIHK. Die Übernahme von Kaiser´s Tengelmann durch Edeka und die damit verbundenen Schwierigkeiten zeigen die Schwachpunkte der Industriepolitik in Deutschland.

Industriepolitik in China: Datenspeicherung/ IT/ Digitale Ökonomie: Firmen müssen ihre Daten künftig im Land speichern. Wer das nicht tut, dem drohen Sanktionen. Im Moment ist noch nicht abzusehen, was das Gesetz von 2017 genau bedeutet. Die Verschlüsselung soll auch "Made in China" sein. Das Gesetz ist sehr brisant, weil es der chinesischen Regierung einen Zugang zu Daten westlicher Unternehmen verschafft. Die Internetbehörde CAC will allerdings Übergangsfristen anbieten.

Die großen Internet-Unternehmen in China holen immer mehr gegenüber den US-Konkurrenten auf (auch beim Aktienwert). Dabei hilft ihnen, dass US-Wettbewerber in China kaum Chancen haben. Baidu steht gegen Google, Alibaba gegen Amazon, Tencent gegen Facebook, Huawei gegen Apple. Der riesige Heimatmarkt hilft ihnen, rapide zu wachsen.

 

Digitalisierung und Umwelt/ Umweltpolitik:

Digitalisierung und Umwelt: Der digitale Wandel kann nicht notwendigerweise das Dogma des immerwährenden Wirtschaftswachstums aufrechterhalten. Es besteht immer eine Spannung zwischen einerseits lokal erzeugtem Produkt mit digitalem Service und der jeweiligen Wertschöpfungskette im globalen Markt. Man könnte argumentieren, digitale Wertschöpfung sei um vieles effizienter und Ressourcen schonender als herkömmliche. Aber man bezeichnet dies als "Achilles und die digitale Schildkröte". Das digitale Produkt ist klein und schnell, miniaturisiert und hochperformant. Aber es ist exponentielles Wachstum, egal welche Größenordnung oder Skalierung man wählt. Vgl. Peter Reichl: Achilles und die digitale Schildkröte, in: Futur zwei 5/2018, s. 18ff.

Umwelt und Markt: Im Umweltbereich mit den Problemen "Artenschwund, Waldsterben, Überfischung, Sterben der Meereskorallen, Gletscherschmelze, Wasserverknappung, Ressourcenmangel, umweltbedingte Migration, Naturkatastrophen (schwere Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen), Ausbreitung der Wüsten und Klimawandel" macht sich besonders negativ bemerkbar, das der Markt global, aber das Umweltrecht weitgehend national ist. Außerdem belohnt der Markt die Geschwindigkeit und die Bedenkenlosigkeit und fördert externe Effekte. Auch die Wohlstands-Disparitäten in der Welt zwischen Industrieländern, Schwellenländern und Entwicklungsländern verhindern globale Lösungen (Energieeffizienz, d. h. Primärenergieverbrauch je 1 Mrd. $ BIP: China 0,83; Russland 1,09; Indien 0,86). Die größten Klimaverschmutzer USA, China, Indien und Australien können sich zu keiner effektiven Reduktion entscheiden. Die Umweltökonomik ist sicher der wichtigste Teil der Volkswirtschaftslehre, da von ihrer Problemlösungskompetenz die Zukunft der Menschheit und das Überleben der Erde abhängt. Die Entwicklung der Zertifikate und ihre weltweite umweltpolitische Umsetzung spricht einerseits für diese Problemlösungskompetenz, andererseits können damit alleine nicht alle Umweltprobleme gelöst werden. Zertifikate (Erlaubnisscheine) sind eine marktwirtschaftliche Vorgehensweise, die aber mit erheblichen institutionellen Problemen verbunden sind.

Moralisch (in der Umweltpolitik ist Moral purer Realismus) und rational sind in beiden Bereichen globale Institutionen notwendig. Vielleicht kann man die Weltbank als multilaterales Kreditinstitut für Entwicklungsländer zurückfahren und ihr mehr Aufgaben in der Umweltpolitik und im Finanzcontrolling geben. Die Wirtschaftswissenschaften und ihre Theorien widmen diesen für die Menschheit zentralen Phänomen viel zu wenig Aufmerksamkeit, weil sie einmal in der Regel fernab der normalen Lehrbuchweisheiten liegen und andererseits ein interdisziplinäres, ethisches Denken erfordern. Die StudentInnen werde ich bei diesen Themen für Abschlussarbeiten, aber auch bei speziellen Wünschen nach Sonderveranstaltungen, nach meinen Kräften unterstützen. "Unser Marktradikalismus war ein unverschämter Ego-Trip", Erhard Eppler.

Anleger können über Aktien, Fonds und Zertifikate für das eigene Vermögen beide Bereiche verbinden: Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen ist das Potential der Zukunft. In den vergangenen drei Jahren erzielte der Dow Jones Sustainable Total Return Index, der die Entwicklung nachhaltiger Aktien abbildet, eine bessere Wertentwicklung als das Börsenbarometer für internationale Aktien "MSCI". "Bis 2030 sind wir der größte Treibstofflieferant der Welt", L. I. Lula da Silva, brasilianischer Staatspräsident über Ethanol aus Zuckerrohr. Ebenso Chancen bieten Unternehmen, die sich mit Energieeffizienz beschäftigen. 46 Staaten wollen 2007 eine starke UN-Umweltbehörde schaffen (allerdings sind die größten Verschmutzer "USA, Russland, China und Indien" nicht dabei). Über die Finanzmärkte können Bürger vielleicht den größten Einfluss ausüben. Die Aktionäre sollten niedrigere Vorstandsgehälter, weniger Atomstrom und mehr Moral durchsetzen. 2011 betrug das Volumen nachhaltiger Geldanlagen weltweit 11,0 Billionen $ (2006 3,6 Bio.). Die Umweltbranche boomt seit langem in Deutschland und hat sehr viele Arbeitsplätze geschaffen. Ebenso dürfte die Energiewende eine große Chance darstellen (First-mover- advantage). Das Angebot an Nachhaltigkeitsfonds wächst auch 2015. Dabei setzen ihre Manager auf unterschiedliche Konzepte.  "Nachhaltigkeit liegt im Auge des Betrachters, jede Fondsgesellschaft legt dieses Ziel anders aus", Detlev Glow, Lipper, 2015.  

Mittelstand und Nachhaltigkeit: Eine besondere Rolle spielt der Begriff "Nachhaltigkeit" in mittelständischen Unternehmen. Hier wird er oft im Zusammenhang mit Familienunternehmen gebraucht. Im engeren Sinne wird der Begriff häufig auf die Nachfolge zugespitzt. Er kann aber auch umfassender im Mittelstand strategisch und ökologisch verwendet werden oder die gleichzeitige Berücksichtigung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten meinen. So wird nach der Finanz- und Weltwirtschaftskrise darauf verwiesen, dass der Mittelstand mit seiner Nachhaltigkeit für den schnellen Wiederaufstieg Deutschlands entscheidend verantwortlich sei. Nachhaltigkeit kann speziell sozial sein (social compliance - Erhalt langfristiger Beziehungen) oder auch finanziell (Erhöhung des Eigenkapitals, um die Abhängigkeit von Krediten zu verringern, Lösen von den Banken) sowie technologisch (optimale Anpassung an die Digitalisierung).

Eine neue, ökologische Ökonomie müsste folgende Kriterien erfüllen: 1. Die ökonomischen Ziele als solches müssen in Frage gestellt werden (insbesondere Wachstum). 2. Die Messkonzepte müssen verändert werden (bis heute misst die Weltbank Naturkapital nicht in Hektar, Biodiversität, Sauberkeit, sondern in Form von Einnahmen aus ihrer Nutzung). 3. Ein konsequentes Bezahlen für Umweltverbrauch muss gewährleistet sein. 4. Die Integrationsformel für Umwelt und seine Fassung im Drei-Säulen-Modell haben die Kernprobleme verschleiert. 5. Lebensqualität muss stärker einfließen. 6. Die Grenzen sind erreicht, so dass einen neue Utopie der Ökonomie gebraucht wird. Vgl. Maja Göpel: Das Ende des Homo oeconomicus, in: Futur zwei, Nr. 5/ 2018, S. 14ff. Frau Göpel ist Mitglied des Club of Rome (vgl. auch: Dies.: The Great Mindshift, 2016/Springer). Es muss auch konsequent definiert werden, welche Natur geschützt werden soll. Es muss ein ökologisch definierter Rahmen des volkswirtschaftlichen Strukturwandels geschaffen werden. Degrowth und freiheitliches Wirtschaften gehen nicht zusammen. Vgl. Michael Hüther: Marktwirtschaft + Öko, in: Futur zwei, 5/ 2018, S. 30f.

Finanzsektor und Nachhaltigkeit: Der Finanzsektor soll zukünftig auch Klimaschutzzielen unterworfen werden. Anleger und Investoren wollen für Nachhaltigkeit Rendite kassieren. Das ganze läuft unter dem Motto "Nur grünes Geld ist gutes Geld" (vgl. WiWo 17, 18.4.2019, S. 28). So wird auch der DAX einem Nachhaltigkeits-Check unterworfen. Äußerst positiv werden Allianz und Münchener Rück bewertet. Sehr positiv sind SAP, Infineon, und Deutsche Börse. Positiv Merck, Wirecard, Deutsche Telekom, Henkel, Siemens, Adidas, Deutsche Post, Neutral Covestro, Continental, BMW, FMC. Negativ werden die restlichen unternehmen bewertet. Quelle: Globalance Footprint. Ebenso werden Investitionen in ihrer positiven Wirkung auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft bewertet: 2018 wurden 2900 Milliarden Euro investiert. Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen.

Digitalisierung und Rohstoffe bzw. Protektionismus: Seltene Erden: Sind weiche, silbergraue Metalle, deren Schmelzpunkt je nach Element zwischen 900 und 1600 Grad C liegt. Je umweltfreundlicher und innovativer ein Produkt ist, umso größer ist die Abhängigkeit bei Seltenen Erden. Sie werden in Hochtechnologiebereichen und Energiespartechnologien eingesetzt. Konkrete Anwendungsbereiche sind Leuchtstoffe und Elektronik, Metallurgie, Katalysatoren, Keramik, Permanentmagnete, Batterien. China hat eine Quasi-Monopolstellung. Das Land arbeitet mit Exportquoten, um Produktionsstätten ins Land zu holen.  Die Quoten werden 2012 erhöht. Auf Druck der WTO werden diese ab 2015 aufgehoben.  Weitere Vorkommen sind in den GUS-Staaten, Indien, Brasilien und Nordamerika. Der Klimawandel macht auch die Arktis wirtschaftlich interessant. So gibt es seltene Erden in der ostkanadischen Provinz Quebec. Eine Kooperation mit Kanada wird angestrebt (Merkel im August 2012). Deutschland schließt im Herbst 2011 ein Abkommen mit der Mongolei: Lieferung Seltener Erden, Investitionen in Bildung und Technologie in der Mongolei. Im Februar 2012 folgt ein Rohstoffabkommen mit Kasachstan. Eine Partnerschaft mit Kanada wird angestrebt. Seltene Erden gibt es auch in den USA, Australien und Russland. In der Regel haben diese Länder ihre Lagerstätten noch gar nicht angerührt. In den Industrieländern wird das Recyceln intensiviert. 2012 gibt es einen Preissturz bei Seltenen Erden. Offensichtlich ist die Nachfrage stark gesunken (Konjunkturflaute in Teilen der Welt). China will ein Fünftel der Produktionskapazitäten schließen, um den Preisverfall zu stoppen. Mittlerweile findet man Seltene Erden auch im Rhein. Langfristig bis 2030 werden folgende Länder besonders wichtig sein: Russland für Palladium. Brasilien für Tantal, Kanada für Indium, China für Neodym und Gallium, Australien für Kobalt, Mexiko für Silber. Immer wichtiger wird das Recycling, um die Abhängigkeit zu senken. In Deutschland peilt man 20% recycelte Seltene Erden an. 2013 gibt es große Funde von seltenen Erden in Grönland. Die Förderung wäre wichtig für die EU (Teilautonomie, gehört zu Dänemark). Radioaktive Substanzen sind in der Nähe, weshalb das ökologische Risiko hoch ist. Lithium, das leichteste Metall der Welt, kommt am meisten in Bolivien vor (Salzsee Salar de Uyuni). Der Bedarf an Seltenen Erden geht weltweit zurück. Es können alternative Rohstoffe hergestellt werden. Zur Gewinnung Seltener Erden ist giftige Säure erforderlich, die jede Menge giftigen Müll erzeugt. 2019 setzt China Seltene Erden im Handelsstreit mit den USA ein: Etwa 70% der Seltenen Erden, die 2019 in der Produktion eingesetzt werden, kommen aus China. Das Land erwägt einen Exportstopp bzw. eine Reduktion. 80% der exportierten Mengen gehen in die USA.

 

Smart City:

Kutsuplus-Pilotprojekt in Helsinki: Helsinki ist die erste Stadt, die einen voll automatisierten, echtzeitbasierten öffentlichen Minibustransportdienst mit flexiblen Routen eingeführt hat. Das Experiment ist auf drei Jahre angelegt. Die Busse sind nicht fahrerlos. Ein wesentlicher Kostenbestandteil sind aber die Lohnkosten für die Fahrer. Das Projekt wird von der EU finanziert.

Big Data für die Stadt: Mit der fortschreitenden Digitalisierung ergeben sich Optionen für eine effizientere und flexiblere Verkehrsordnung. Daran arbeiten neben der Politik auch die Technologiekonzerne Google und Microsoft. Die Städte werden als Living Labs gesehen, um selbst lernende Verkehrs- und Logistiksysteme zu nutzen. Diese Entwicklung hat aber auch eine Kehrseite: der öffentliche Raum wird zur Überwachungszone (automatische Gesichtserkennung, Drohnen, digitales Dorf).

Smart City (Deutschland, EU): Entwicklungskonzepte, die die Stadt effizienter, fortschrittlicher, ökologischer und sozial inklusiver gestalten. Dazu gehören als Bausteine bzw. Ebenen  Smart Ecomomy, Smart People, Smart Governance, Smart Mobility, Smart Governance,  Smart Environment, Smart Living. Akteure der Wirtschaft wie IBM, Siemens, Cisco Systems, Vattenfall sind an internationalen Projekten beteiligt. Es werden Netzwerke gebildet ("Internet of Everything"), die den Sektor Wirtschaft in den Städten produktiver machen sollen. Im Bereich von Governance (Politik, Verwaltung) gibt es Fördermittel im EU-Programm Horizont 2020. Geförderte Städte sind Kopenhagen, Amsterdam, Wien und Berlin. Häufig sind Hochschulen mit eingebunden (z. B. Barcelona). Häufig ist der Sharing - Gedanke enthalten. Man spricht von Urban Commons" (E. Oström). Ideen der Kreislaufwirtschaft (Thünen) sollen die Nachhaltigkeit erhöhen. Mobile Verkehrskonzepte (Mobile App) sollen Umwelt und Energie schonen. Die Kritik geht Richtung Social Scoring und Manipulierung der Menschen durch perfektes Marketing. Vgl. Wikipedia - Artikel. Siemens entwickelt 2018 ein innerstädtisches Verkehrssystem für Hamburg. Man spricht von intelligenter Infrastruktur. In Siemensstadt in Berlin soll von Siemens eine technologische Musterstadt aufgebaut werden. 2018 sind in Deutschland drei Städte am weitesten: Bielefeld, Darmstadt und Norderstedt. Wichtige Elemente sind: Stromersparnis, mehr Sicherheit für Patienten, im Amt mit PayPal bezahlen. Vgl. auch: Gassmann, Oliver/ Böhm, J./ Palmie, M.: Smart City. Innovationen für die vernetzte Stadt -  Geschäftsmodelle und Management, Hanser Fachbuch, Oktober 2018.

Smart Citys in der Welt: Relativ weit ist Singapur. Dort nehmen Straßen so viel Platz ein wie die gesamte Wohnfläche. Toshiba hat in einem Stadtteil von Tokio eine Smart City aufgebaut. Pittsburg in den USA ist eine ehemalige Kohle- und Stahlhochburg. Start-ups gestalten den Verkehr von morgen. Casharing - Dienste teilen ihre Verkehrsdaten mit der Stadt, um Staus zu umgehen. Die Stadt will führende Innovationsstadt werden. Altanta ist der Nachhaltigkeitschampion der USA. Die Stadt hat den Energieverbrauch in allen Bereichen optimiert.

Smart Communities: Optimale Energieausnutzung in Wohnanlagen. In der Regel anhand von Solaranlagen ausgeführt. Entscheidend ist die Steuerungs- und Speichertechnik. 2015 startet ein Experiment in Speyer (Stadt, Stadtwerke, Gewo, Nedo). Das japanische Staatsunternehmen Nedo liefert die wichtige Steuerungs- und Speichertechnik. In Landau soll ein E-Park entstehen: ein intelligentes Gewerbegebiet, in dem Firmen vieles gemeinsam nutzen. Als Smart City schlechthin gilt die spanische Stadt "Santander". Hier ist fast alles miteinander verbunden (Parkplätze, Müll. Baustellen, Beschwerden gegen die Verwaltung, öffentliche Beleuchtung).

Kommunaler Klimaschutz: Nationale Klimaschutzziele können nur zusammen mit den Kommunen erreicht werden. Deshalb gibt es eine Reihe von kommunalen Förderprogrammen (über das Umweltministerium). Diese sind z. B. für die Installierung von Klimaschutzmanagern, Energiesparmodellen an Schulen oder Kindergärten, sowie die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf Leuchtdioden. Kommunen können sich auch dem "Masterplan 100 Prozent Umweltschutz" verschreiben und sich verpflichten, bis 2050 ihre Treibhausgasemissionen um 95 Prozent zu senken. Dann bekommen sie achtzig Prozent der Kosten ersetzt. Die Mittel stammen aus dem Handel mit Emissionszertifikaten. 5 Städte in Deutschland wollen und sollen im Umweltschutz vorangehen. Sie sollen verschiedene Konzepte ausprobieren, um die Luftqualität weiter zu verbessern (ÖVP, Fahrrad, Individualverkehr reduzieren, Digitalisierung; dazu gehören Bonn, Essen, Mannheim, Herrenberg, Reutlingen).  Als ein Vorreiter im kommunalen Klimaschutz gilt Grenoble in Frankreich. Der erste grüne Bürgermeister Eric Piolle (kommt aus der Wirtschaft) hat neue Maßstäbe gegen die Belastung der Einwohner durch Feinstaub, Kohlendioxid und Ozon gesetzt. Radfahrer haben immer Vorfahrt.

Städte als handelnde Akteure in der globalen Umweltpolitik: Wie im Mittelalter, als die großen Städte Vorreiter in Kultur, Innovation und Organisation waren, so übernehmen auch heute Städte immer größere globale Aufgaben. In der EU handelte z. B. Danzig in der Flüchtlingspolitik nicht im Sinne Polens sondern der EU. In den USA haben sich 300 Städte ("Städte der Zuflucht") zusammengeschlossen, weil sie gegen den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen sind.

Smart City Berlin: Bürgernutzen, Klimaschutz, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind von besonderer Bedeutung. die Strategie stammt aus dem Jahre 2015. Eingebunden sind Energietechnik, Verkehr, Mobilität und logistik, Informations- und Kommunikationstechnologien.

Smart City Darmstadt: 2017 gewann die Stadt den Bitkom - Titel "Digitale Stadt". Alle Bereiche der Daseinsvorsorge sollen abgedeckt sein. Insgesamt 14 Bereiche werden betrachtet: Verwaltung, Mobilität, Handel & Tourismus, Bildung, Gesellschaft, Umwelt, Energie, Sicherheit, IT - Infrastruktur, Cybersicherheit, Datenplattform, Gesundheit, Kultur, Industrie 4.0. Gesamtprojekt "Digitalstadt Darmstadt".

Die Rolle von Augmented Reality: Es ist eine Art Smarter Architekt. Man erlangt auch einen Röntgenblick. Besonders geeignet ist es für den Tourismus. Es hilft bei der Einrichtung eines Hochwasserwarnsystems. Virtuelle Städteverschönerung ist auch möglich.

 

Smarte Energieinfrastruktur/ Energiepolitik

Dezentrale Energieversorgung: Bei einer dezentralen Energieversorgung der Haushalte sind beide wichtig. Die Geothermie ist umstritten, weil sie Erdbeben auslösen kann, wobei der Zusammenhang schwierig  zu messen ist (z. B. Geothermiekraftwerk Landau; Geoenergy). Biogasanlagen werden in der Regel von Landwirten betrieben, die auch Alternativen zur Milchwirtschaft brauchen (Abgabe von Nahwärme). Auch diese Energiegewinnung hat oft nicht die nötige Akzeptanz (Geruch, Geräusche u. a.). Biogas entsteht grundsätzlich durch Vergärung organischen Materials. Der dezentralen Energiegewinnung trotzdem gehört eindeutig die Zukunft in Deutschland, unterstützt durch transnationale Energieversorgung, fast ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Vgl. Scheer, Hermann: Der Energethische Imperativ, München 2010. Bei der dezentralen Versorgung spielen Wärmepumpen (auch Kraft-Wärmepumpen) eine immer größere Rolle. Sie können heizen und kühlen. Sie können mit einer Photovoltaikanlage gekoppelt werden. Mittlerweile gibt es Photovoltaikanlagen für den Eigenbau für ca. 700 €. Der große Vorteil einer dezentralen Versorgung ist auch der Verzicht auf Hochspannungsleitungen. Ein wichtiges Problem dabei ist die Speicherung. Mittlerweile lässt sich erneuerbare Energie wie Wind und Sonne in Methangas umwandeln (Pilotanlage in Morbach/ Hunsrück). Der Energieversorger Eon plant 2011 den Bau von 360 Block-Heizkraftwerken, die Energie direkt vor Ort für Mehrfamilienhäuser erzeugen sollen. Als Vorreiter in Deutschland gilt der Ort Feldstein in Brandenburg. Windräder, Biogasanlage und eigenes Netz locken auch viele Besucher aus Japan an. Ende 2012 gibt es Pläne bei den Energieversorgern, Nachtspeichergeräte (elektrische Nachtspeicherheizung) als Speicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken zu nutzen. Dazu müsste die Energiesparordnung geändert werden. 2013 kippt der Bundestag auch das Verbot für Nachtspeicher (ursprünglich Verbot wegen Stromfresser, Asbestbelastung). Der Trend zur Dezentralität in der Energiewirtschaft ist aber der Megatrend. Das dürfte die Welt der Energie komplett verändern. Im Kommen sind auch regionale oder individuelle Batteriespeicher (Akkus), die die Schwankungen von erneuerbaren Energien ausgleichen können. Die Reform der EEG-Umlage führt zu einer Verzögerung: Die Solar- und Blockheizkraftwerkhersteller leiden. Sie liegen mit 10.000 Kliowattstunden in der Regel oberhalb der Grenze der Befreiung. Speicher könnten ein Ausweg sein. Wärmespeicher gelten als Zukunftsmarkt.

Private Energiewende durch Kombination von Technologien: Ein privates Hauskraftwerk besteht aus drei Komponenten: Fotovoltaik-Anlage, Mini-Blockheizkraftwerk, Batterie. Damit können sich Eigenheimbesitzer rund um die Uhr versorgen. Das wird die Zukunft sein; das Netz wird an Bedeutung verlieren.

Ökostrom: In Deutschland verkaufter Ökostrom stammt meist aus österreichischen oder skandinavischen Wasserkraftwerken. Einer der größten Anbieter ist Naturstrom. Weitere Anbieter des grünen Stroms sind in Deutschland Lichtblick und Greenpeace Energy. Der Anstieg der Strompreise ist teilweise auch auf Subventionen von Solarstrom zurückzuführen. Trotzdem müssten erneuerbare Energien bevorzugt ins Netz eingespeist werden, um eine Energiewende herbeizuführen. Leider führt die Legitimation über den Ökostrom immer wieder zu fragwürdigen Strompreiserhöhungen. Das Statistische Bundesamt berechnet den Durchschnittserlös pro Nutzergruppe. Der Durchschnittserlös berücksichtigt den Energiepreis (Arbeits- und Leistungspreis sowie Nutzungsentgelte), die Stromsteuer sowie die staatlich festgelegten Abgaben nach den Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, nicht aber die Mehrwertsteuer. Dies schafft Transparenz in der Strompreisbildung. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hat in einer Modellrechnung festgestellt, dass Deutschland sich Mitte des Jahrhunderts vollständig mit grünem Strom versorgen kann. Zwischen 2030 und 2040 wird die grüne Versorgungsvariante billiger als die konventionelle. Die Produktionskosten für Strom aus Wind und Sonne werden sich konventionellen Quellen nach und nach angleichen. Die Kürzungen der Einspeisevergütungen sollten sich nach dem technischen Fortschritt richten. 2010 wird die Nationale Plattform Mobilität von der Bundesregierung ins Leben gerufen. Es geht um Fahrzeuge, erneuerbare Ressourcen und Infrastruktur. Nach einer Studie der Umweltverbände BUND und Greenpeace 2014 könnte die Ökostromumlage für Stromkunden um 12% sinken, wenn auch der Eigenverbrauch konventioneller Kraftwerke mit dem Öko-Obulus belegt wäre. Die größten Profiteure sind die ineffizientesten und ältesten Kraftwerke, deren Eigenverbrauch am höchsten ist. Jahresmitte 2017 steigt der Anteil an Ökostrom in Deutschland auf 35 Prozent. Im ersten Halbjahr 2017 lag die produzierte Strommenge aus Windenergie in der Nordsee 50% über dem Vorjahreswert. Die Herbststürme 2017 treiben die Ökostromerzeugung auf einen neuen Höchststand. Der Anteil steigt auf 29,5 insgesamt 2017 (Verzehnfachung seit 1990). Ökostrom kommt aus Windparks, Photovoltaik- und Wasserkraftanlagen sowie Biomasse. (2014 entscheidet der Europäische Gerichtshof, dass die Ökostromhilfe für ausländische Erzeuger nicht gilt. Der Europäische Rechnungshof kritisiert die Ökostromförderung als ineffizient. Wäre das Internet ein Land, hätte es den sechstgrößten Stromverbrauch (täglich 2,5 Mrd. Menschen). Dies beeinflusst natürlich auch stark den Klimawandel. Öko-Stromerzeugung und -Verbrauch müssen besser vernetzt werden. Der Bund fördert solche Projekte. Eines läuft in RLP mit der Bezeichnung "Design-Netz". Eingebunden sind das DFKI und das IESE in Kaiserslautern. 2016 steigt die Ökostromumlage weiter an. Die Förderung wird von 6,35 Cent pro Kilowattstunde auf 6,88 Cent angehoben. Die Reserve für die Photovoltaikanlagen steigt 2017 auf mehr als 5 Mrd. Euro an. Damit zahlen die Verbraucher zu viel Umlage für Ökostrom. 24 Milliarden € werden 2016 für Ökostrom-Förderung ausgegeben. Die Umlage für Strom aus Sonne und Wind ist erstmals seit 2006 kaum gestiegen. Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg profitieren am meisten. 2018 erreicht der Ökostrom erstmals über 40%. Dazu haben vor allem die vielen Sonnenstunden im Sommer beigetragen. Mitte 2019 erreicht der Ökostrom Rekordniveau: 44% im 1. Halbjahr 2019 (Windkraft, Sonne).

Strompreis: Seit 2007 (bis 2012) ist der Strompreis um 39% gestiegen. Er hat zahlreiche Determinanten. Zunächst geben die "alten" Energieerzeuger (mit CO2-Abgabe, Steinkohle, Gas) und die "neuen" Energieerzeuger (Windkraft, Solar) ihre Angebote ab. An der Strombörse wird dann ein Preis gebildet (Stromzusammensetzung Spitzenlaststrom/ 30% und Grundlaststrom/ 70%. Die Endverbraucher müssen unterschiedlich hohe Strompreise zahlen (am wenigsten zahlt die energieintensive Industrie, vor der Industrie und Gewerbe und Dienstleistungen; am meisten zahlen private Haushalte). Zuletzt kommt noch die EEG-Umlage (bis 2011 54 Mrd. €) dazu, die die Differenz zwischen dem Börsenpreis und den Vergütungen, die den Stromerzeugern garantiert sind, ausgleicht. Andere Einflussgrößen auf den Preis sind die Umsatzsteuer, das Netznutzungsentgelt, die Konzessionsabgabe Strom, die Stromsteuer, die NEV-Umlage, die KWK-Umlage, die Offshore-Haftungsumlage, die Abrechnung der Netznutzung, der Messstellenbetrieb und die Messungsdienstleistung. Die Ökostrom-Umlage (EEG-Umlage) soll 2013 auf ca. 5,3 Cent pro Kilowattstunde steigen (es werden genau 5,277 Cent; dies polarisiert). Einige Energiekonzerne sehen den Preis bis 2020 um ein Drittel ansteigen. Dies ist im Moment "Kaffeesatz-Leserei". Aber die Preise steigen natürlich in der Energiewende (Atomausstieg) an. Der Bundesumweltminister will die Förderung für Ökostrom deckeln (andere Vorschläge wollen die Ausnahmen für die energieintensive Industrie beschränken oder die Mehrwertsteuer einschränken). 2013 wird vom Bundesumweltminister die Abschaffung der EEG-Umlage erwogen. Dies dürfte politisch zurzeit nicht durchsetzbar sein (große Auswirkungen auf Investitionen bei alternativen Energien). Rund 50% des Strompreises machen inzwischen Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Der Bund macht 2013 Pläne, die Ökostromumlage um 1,86 Mrd. € zu kürzen. Eine Einigung mit den Ländern steht aus. Eine starken Einfluss auf den Preis hat die Berechnung der EEG-Umlage: Sie wird als Differenz zwischen den garantierten Ökostromabnahmetarifen und dem Börsenstrompreis errechnet. Fallende Börsenstrompreise führen zu einer höheren Belastung der Verbraucher. Die Umlage wird jeweils am 15. Oktober fürs Folgejahr bekannt gegeben (von den Netzbetreibern auf Basis der Septemberdaten berechnet). Dabei fließen Schätzungen ein (Lage im Folgejahr, wie viel erneuerbare Energie zusätzlich, Marktpreis, Industriebtriebe, Liquiditätsreserve). Die Zahl der energieintensiven Betriebe, die von der Umlage befreit sind, erhöht sich 2013 auf ca. 2800. Die EU leitet deshalb Ende 2013 ein Verfahren gegen Deutschland ein. Es geht um versteckte Subventionierung und Verletzung europäischen Wettbewerbsrechts. 2014 einigen sich Berlin und Brüssel. Der Preisverfall an den Börsen macht aber den Energiekonzernen zu schaffen. Insbesondere die konventionellen Kraftwerke leiden darunter, dass durch den starken Ausbau der erneuerbaren Energien die Preise an den Strombörsen massiv ins Rutschen gekommen sind. Bayern weigert sich, Trassen für Windstrom aus dem Norden zu bauen. Dann könnte der deutsche Energiemarkt zweigeteilt werden und den Süddeutschen drohen höhere Strompreise (+10%; Bayern, B.-W., Süden von RLP; Studie der EU-Kommission). Durch die Erneuerbaren Energien (Aufschlag für Ökostrom) drohen die Strompreise ab 2016 noch um Jahre zu steigen.  Die Preise für Strom, Gas und andere Brennstoffe sind seit 2006 bis 2013 um 23,6% in Deutschland gestiegen. Seit 2000 haben sich die Strompreise verdoppelt. Vor allem Haushaltskunden und der Mittelstand zahlen die Kosten der Energiewende (Statistisches Bundesamt). Die Regulierungsbehörde wird wohl ab 2016 den Garantiezins senken (aktuellen Bedingungen des Kapitalmarktes anpassen). Wenn der Eigenkapitalzinssatz sinkt, gehen auch die damit fälligen Gebühren für die Stromkunden zurück.

Energieschwankungen und Ausgleich: Hier liegt viel Entwicklungspotential. Stromspeicher (Seen), neue Batterietechnologien, Umwandlungen (in Wasserstoff) und Pumpspeicherkraftwerke können eine Lösung sein. Pumpspeicherkraftwerke speichern elektrische Energie durch Hochpumpen von Wasser. Wird Strom benötigt, lässt man das Wasser bergab fließen und erzeugt durch Turbinen und Generatoren Strom. Das größte Pumpspeicherkraftwerk in Deutschland soll im Hotzenwald im Südschwarzwald entstehen. Noch in der Testphase sind magnetische Energiespeicher (Energiefeld, permanente extreme Kühlung). Ohne eine ausreichende Netzinfrastruktur, um Strom aus Windkraftanlagen vom Norden in den Süden zu transportieren, wird es aber nicht gehen.  Smart Grid:  englische Begriff für ein intelligentes Stromnetz. Es erfasst Verbrauchsspitzen und steuert die Einspeisung und Verteilung der Energie. Hier wird die Steuerung immer wichtiger (Siemens, SAP u. a.). Einflüsse auf die Auslastung haben Jahreszeiten (Winter problematischer als Sommer) und Tageszeiten. Wichtig sind auch gute Kühlverfahren. Die Steuerung des Stromflusses wird umso wichtiger, je mehr kleine, dezentrale Erzeugungsanlagen Strom ins Netz einspeisen. Die Forschungen in Kleinenergiespeicher (Batterien pro Haushalt) sollten intensiviert werden. Immer wichtiger wird ein effektives Demand-Site-Management (Erforschung der Preissignale). Wenn die Erzeugung sich nicht mehr nur am Verbrauch orientiert, werden Smart Grids auch für Haushalte interessant. Gaskraftwerke können Flauten von Solar- und Windstrom überbrücken. Doch die Reservisten müssen bezahlbar sein. Immer wichtiger wird die Einrichtung von Energieschwärmen (Kooperation einzelner Erzeugungsformen).  Als zukunftsträchtig gilt auch die Power-to-Gas-Technologie: Ökostrom wird unter Zuhilfenahme von Wasser chemisch in Wasserstoff und Sauerstoff umgewandelt. Dadurch wird Strom speicherbar. Mögliche Nutzungsoptionen ergeben sich im Verkehr, bei Haushalten oder in der Kraft-Wärmekopplung. 2015 entstehen immer wieder Energieüberschüsse bei Erneuerbaren Energien wie Solar und Windrädern in Deutschland. Diese Überschüsse werden in die Nachbarländer wie Polen, Tschechien, Niederlande, Belgien und Frankreich geleitet und führen dort teilweise zu Zusammenbrüchen. Die Länder wollen sich abschotten und fordern Deutschland auf, sein Stromnetz endlich auszubauen. Eine Pilotanlage wird ab 2014 in Frankfurt betrieben. 2015 startet das Pirmasenser Prüf- und Forschungsinstitut  eine Anlage zur Umwandlung von Ökostrom in Erdgas. 2,6 Mio. Euro kostet die Pilotanlage, die mit Mikroben arbeitet. 2014 betrug die Stromrechnung von Google 1300 Millionen Dollar. Lernende Algorithmen senken massiv die Energiekosten. Die schlaue Software soll bald auch in Deutschland eingesetzt werden.

Smart-Meter: In den nächsten Jahren dürften vorhandene Stromzähler durch vernetzte intelligente Messsysteme, die als Smart Meter bekannt sind, ersetzt werden. Am 2. September 2016 trat in Deutschland als ein Element des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) in Kraft. Smart-Meter haben drei Informationsaustauschfunktionen: 1. Kommunikation von intelligenten Messsystemen. 2. Datenaustausch mit steuerbaren Energieverbrauchern. 3. Datenversand und -empfang für externe Marktteilnehmer.

Speicher: 1. Betonkugeln am Meeresgrund, in die überschüssiger Strom aus Windparks gepumpt wird. Wird Strom benötigt, strömt Wasser ein und treibt eine Turbine an (Nordsee). 2. Ist Strom billig, ziehen Elektroloks Waggons lang gestreckte Hügel hoch. Rollen die Züge gen Tal, speist ein Generator Strom ein (Nevada). 3. Wasser sammelt man in einem still gelegten Bergwerk. Stürzt es an die Oberfläche, treibt es im Schacht installierte Stromturbinen an (Bottrop). 4. Setzen Kompressoren Ballons unter Druck, kann man mit der ausströmenden Luft Strom produzieren (Toronto, Kanada). 5. Nutzen des Tidenhubs bei Ebbe und Flut (Swansea, Wales). 6. Zurückverwandeln von Wärme in Strom (Hamburg). Vgl. Wirtschaftswoche 50/ 2.12.16, S. 60ff.

Modelle für Versorgungssicherheit beim Ausfall von Wind- und Solarstrom: Zusätzliche Kraftwerksreserve, reine Marktlösung ohne nennenswerte Reserve (EU-Kommission), dezentraler Kapazitätsmarkt für Zertifikate (große Regionalversorger), fokussierter Kapazitätsmarkt (BMWi).

Konzepte der virtuellen Stromspeicherung: Hiermit können zukünftig dezentrale industrielle Stromspeicher verbunden werden. Damit geht die Entwicklung vom Energiemanagement zum Flexibilitätsmanagement. Die vier Energiemärkte (negative Sekundärreserve, negative Minderreserve, Spotmärkte/ Day Ahead, Intraday) sollen gekoppelt werden. Es geht darum, die Möglichkeiten der Regelenergiebereitstellung zu optimieren (Hauptproblem: wir haben zu viel Strom). Vgl. SP energycontrol ( www.energycontro24.de ).

Energiemarkt 4.0: Über den Energiemarkt kann man Einfluss nehmen auf die Energiewende. Im Zuge von Energie 4.0 (Smart, Speicher) kommen die börsennotierten Tarife,  das Intraday - Trading und die Regelung über Plattformen. Lieferant und Kunde sowie Kunde zu Kunde können kurzfristig zu Vereinbarungen kommen. Märkte können regionalisiert werden.

Digitale Geschäftsmodelle für Energieversorger: Aufbrechen der klassischen Wertschöpfungskette von Energieversorgern. Contracting - Modelle im Rahmen von Public-Private-Partnerships. Gezielte Förderprogramme von Bund und Ländern können die Rahmenbedingungen schaffen.

 

Made in China 2025 (Masterplan der KPC für die digitalen Revolution in China):

Masterplan des Politbüros, um die heimische Wirtschaft innovativer zu machen (digitale Transformation). Man spricht auch von "China Dream". 300 Mrd. Dollar sollen in Schlüsseltechnologien wie Robotik, Umwelttechnik und Biochemie investiert werden (auch: Medizintechnik, Schienentransport, Luftfahrt, Hightech-Schiffe).  Allein 150 Mrd. Dollar sollen in die Erforschung künstlicher Intelligenz fließen.  Ausländische Firmen sind in China nur noch willkommen, wenn sie wichtige Technologien mitbringen. Die nicht-tarifären Handelshemmnisse für Ausländer häufen sich. Im Softwarebereich gibt es unterschiedliche Geschwindigkeiten. China ist längst kein "Level Playing Field" mehr. Zum Teil werden ausländische Mitbewerber aus dem Land gedrängt, vor allem über Steuerung von Ausschreibungen. Beispiel ist die Umwelttechnik. Nordex und Repower mussten so den Markt verlassen. Laut dem Plan sollen 70 Prozent aller wichtigen Werkstoffe und Kernkomponenten künftig in China produziert werden. Das Programm ist so etwas wie das Gegenprogramm zu "America First". Subventionen und Schutzmaßnahmen für chinesische Firmen sind ausdrücklich erlaubt.  Es gibt zunehmend mehr Meldungen, dass bei öffentlichen Aufträgen chinesische Unternehmen bevorzugt werden müssen (Krankenhäuser - Medizintechnik; Flugzeugbau - Comac). Im Jahr 2016 sanken die europäischen Investitionen in China um 23% auf 8 Mrd. €. Im gleichen Zeitraum kauften sich chinesische Firmen mit mehr als 35 Mrd. € in europäische High-Tech-Unternehmen ein. Das Großprojekt "Neue Seidenstraße" soll in den nächsten Jahren ab 2017 100 Mrd. € für Investitionen in Infrastrukturbauten verschlingen (bis 2030 Volumen von 26 Billionen €, Quelle: ADB). 2025 ist allerdings nur ein Zwischenziel. Offiziell geht es um das Jahr 2049, den 100-jährigen Geburtstag der Volksrepublik. Bis dahin will China die "führende Industrie-Supermacht" sein. Man spricht auch von Froschtechnik: Man hüpft immer eine Stufe weiter. Beispiel sind die Digitalisierung und die Elektromobilität. Wagemutige Entrepreneure  sind dabei gefragt. Fragwürdig ist dabei, dass Unternehmen im Reich der Mitte bei der künstlichen Intelligenz zum Datensammeln verpflichtet werden. 1500 Milliarden Renminbi (rund 200 Mrd. €) will China zwischen 2019 und 2025 in den Aufbau des Netzes der fünften Mobilfunkgeneration (5G) investieren. 580 Mio. Chinesen sollen dann 5G nutzen. Für Europa schätzt die Telekom die Kosten für einen flächendeckenden Ausbau auf bis zu 500 Mrd. Euro.

 

Digitalisierung und Makroökonomik:

Handel/ Außenhandel bzw. internationale Arbeitsteilung: Kampf um Wertschöpfungsketten (Modell der Institutionenökonomik/ Jean Tirole, Toulouse, Nobelpreis 2014): Die Institutionenökonomik/ Tirole bietet ebenfalls wie Krugman eine Alternative zum Freihandelsmodell. Freihandel wird nicht als Wert an sich gesehen. Es ist eines der Verfahren, um für eine Gesellschaft Wohlstand zu erzeugen. Aktuelle Handelskonflikte (wie zum Beispiel der zwischen den USA und China 2018) ergeben sich danach aus grundlegend veränderten Risiko- und Kommunikationsstrukturen. Die Digitalisierung senkt die Transaktionskosten weiter und verändert das Risiko. Es entstehen durch reduzierte Informationsasymmetrien neue Institutionen im Kontext der Plattformökonomie. Dadurch wandeln sich Informationstransport, Informationsspeicherung und Informationsverarbeitung. Die Digitalisierung beeinflusst auch die Industriestruktur: Systemtreiber sind die Fähigkeit zur Kontrolle des Agenten und die Möglichkeit, Skaleneffekte zu realisieren. Es kommt zu einer Reintegration von Wertschöpfungsketten. Treiber sind die Finanz- und Schuldenkrise, die Störanfälligkeit von Lieferketten und die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts. In diesem Zusammenhang sind Zölle ein Mittel der politischen und wirtschaftlichen Rivalität. Unter zu erwartenden Konfliktbedingungen ist die Sicherung der Lieferkette entscheidend dafür, die Rivalität auszuhalten bzw. siegreich zu beenden. Die Staaten haben ein Dominanzproblem:  Die USA haben ein großes Leistungsbilanzdefizit (im Opiumkrieg hatte es England), China hat einen historischen Nachholbedarf (mandschurische Machtübernahme 1647, Opiumkrieg 1839). "Made in China 2025" soll die Hochtechnologie sichern aufgrund eines schuldengetriebenen Entwicklungsmodells. Im Grunde genommen will China sich weiterhin erfolgreich in der globalen Lieferverflechtung positionieren. Man kann dies in der "Crying Curve of Asia" darstellen. Freie Märkte sind nach diesem Modell auf dem Rückzug. Vgl. Ulrich Blum: Der Kampf um Wertschöpfungsketten: Krieg gegen den Freihandel? in: Wirtschaftsdienst 2018/10, S. 737ff. 

Wachstum: Wachstumseffekte der Digitalisierung: Nach einer Prognose der Weltbank wird die Digitalisierung das Wirtschaftswachstum beschleunigen. Die etablierten Volkswirtschaften können den Wert ihrer produzierten Güter und Dienstleistungen bis 2030 nur langsam steigern: USA 24%, Deutschland 17%. China dagegen soll auch dank Automatisierung bis 2030 noch einmal um 85% zulegen. Andere Experten sprechen von 25%. Damit hätte das Land dann die größte Volkswirtschaft der Welt. Spätestens aber 2049 (100 Jahre Volksrepublik) dürfte China mit Sicherheit die führende Wirtschaftsmacht der Erde sein und das von China dominierte Asien der wichtigste Erdteil der Welt sein. Die großen Strategien "Made in China 2025" und "Belt and Road"  sind langfristig angelegt. Vgl. auch: Sieren, Frank, Zukunft? China!, München 2018, S. 59ff. Vgl. auch: Meier, Christian: Grüße vom Großen Bruder, in: Welt am Sonntag, Nr. 13, 31. März 2019, S. 14. Sommer, Theo: China First, München 2019, S. 169ff. Die entscheidende Frage ist, sind diese Effekte größer als die Folgenden?

Arbeitsproduktivität und Wohlstand: Die Arbeitsproduktivität sinkt in Deutschland langfristig. 1971 lag sie noch bei +5,1%. Nach der letzten Weltwirtschaftskrise 2017 brach sie ein (-2,6%). 2017 lag sie unter 2%. Das kann sehr gefährlich sein, weil die Arbeitsproduktivität als eine wichtige Quelle unseres Wohlstands gilt. Es gibt jedoch eine Reihe von Gründen für diese Entwicklung: 1. Innovationschwäche (es wird nur auf gleichem Niveau ersetzt: Kohle-Energie auf Wind, Benzinantrieb auf Elektromotor; vgl. Robert J. Gordon). 2. Billige Arbeitskräfte (Investieren in billige Arbeit statt Maschinen). 3. Ungenaue Statistik (Produkte ohne Preis, manche Güter zu hoch bewertet). 4. Mehr Dienstleistungen. 5. Demographischer Wandel. 6. Zersplitterter Mittelstand (höher qualifizierte Mitarbeiter werden nicht ersetzt, arbeitsintensive Produktion). 7. Niedrige Zinsen. Vgl. Knuth/ Reiermann: Der Fortschritt ist eine Schnecke, in: Der Spiegel 12/2018, S. 78-80.

Verteilung: Das neue Wohlstandsparadox und seine Lösung: Erstmals in der neueren Geschichte wächst die Weltwirtschaft und nur wenige profitieren davon. Das digitale Zeitalter liefert unbegrenzte Möglichkeiten für Innovation. Die Unternehmensgewinne explodieren. Andererseits nimmt der Lebensstandard für viele ab. Doch es gibt einen möglichen Fahrplan für Wohlstand: Instrumente wie Handy und Internet, dauerhafte Identität, demokratisiertes Unternehmertum, dezentrales Eigentum und dezentrale Investitionen. Vgl. Don Tapscott/ Alex Tapscott: Blockchain Revolution, Kulmbach 2016, S. 233ff.

Ungleichheitseffekt der Informationstechnologie: Die Fortschritte in der Informationstechnologie führen zu immer größeren Ungleichheiten in den Industriegesellschaften (sie ersetzen das Gehirn und machen die Arbeit von vielen Menschen überflüssig). Produktivitätsgewinne verteilen sich immer mehr zu Gunsten der oberen Klassen (in US-Unternehmen ist dieser Effekt am stärksten, weil sie mehr aus der IT-Technologie herausholen). Notwendig wäre ein "Gleichheitsindex" im Steuersystem ("Steigende- Flut-Steuersystem"), der sich der Ungleichheit mit den Steuersätzen anpasst (Robert Shiller, Yale, Irrational Exuberance, Princeton 2000; New Financial Order, Princeton 2003). Shiller fordert  eine Globalisierungsversicherung für jedermann. Er untersucht auch, wann Spekulationsblasen auf Immobilienmärkten platzen ("Historic Turning Points in Real Estate", Working Paper, Juni 2007). In Deutschland arbeiten 2007  61% aller Erwerbstätigen mit dem PC. Als wichtigster Aufsatz des Autors gilt: Do Stock Prices Move Too much to Be Justified by Subsequent Changes in Dividents, in: AER, 1981. R. Shiller hat auch ein Unternehmen gegründet, das erstmals Handel mit ökonomischen Risiken aller Art betreibt (Rezession, fallende Immobilienpreise, Arbeitslosigkeit). Der Name ist Makro Market. Es gibt einen weiteren Faktor, der die Ungleichheit durch Informationstechnologie beeinflusst: menschliche Faulheit.  "Der herrschende Glaube an soziale Gerechtigkeit ist gegenwärtig vielleicht die größte Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Gesellschaft", Friedrich von Hayek, The Mirage of Social Justice. "Ein innovationsgetriebenes Wachstum kann auch Ungleichheit verschlimmern", Christine Lagarde, IWF-Chefin, 2016.

Geld:  Digitale Zahlsysteme: In einigen Ländern boomt der Markt. So in Schweden und China. In China verschärft die Notenbank die Vorschriften für die Anbieter solcher Systeme ab 2018: Ab April müssen Zahlungsabwickler 42 bis 50% ihrer Kundenreservegelder auf zinsfreien Konten parken. In China ist der Markt rasant gewachsen. 2016 sollen es Transaktionen im Wert von 2,4 Billionen Euro gewesen sein. Die Regierung bemüht sich darum, den Markt gläsern zu machen. In der EU wurden 2016 noch 79% aller Einkäufe bar bezahlt. Doch digitale Bezahlsysteme wie Amazon Go oder Pay Pal expandieren (auch Apple Pay, Visa Checkout, Google Pay, Alipay, Samsung Pay, Masterpass, Square Cash). Sie locken mit Bequemlichkeit. Doch es besteht die Gefahr der totalen Überwachung. In China sind die Smartphone - Zahlungen im digitalen Handel am höchsten vor den USA.

Libra von Facebook: Die Digitalwährung soll 2020 kommen. Damit wagt sich Facebook auf das Feld der Banken. 1,7 Mrd. Menschen haben weltweit keinen Zugang zu Banken (Quelle: Weltbank). Sie Facebook auf jeden Fall erreichen. Es soll eine Libra Association mit Sitz in der Schweiz gegründet werden. Aktuell sind es 28 Partner (Visa, eBay, Facebook, Vodafone, Uber u. a.). Diese investieren je 10 Mio. Dollar (Mindestschwelle)  und erhalten Dividenden. Die eingehenden Dollars oder Euro werden in Bankeinklagen oder Staatsanleihen angelegt. Die Bindung der Libra - Währung an einen Währungskorb soll erhalten bleiben (anders als bei Bitcoin). Die Libras werden an Nutzer vergeben. Die Libras landen in einem Calibra (wie Wallet). Dieses ist über Whats App und Facebook verfügbar. Man kann damit Überweisungen tätigen, einkaufen oder auch Rabatte erhalten. Vgl. Der Spiegel Nr. 26, 22.6.19, S. 61. die Währung hätte das Potential, die Weltmärkte weltweit auf den Kopf zu stellen. Die Bundesbank hält die Währung für ein Risiko. Ein nationales Verbot dürfte aber kaum machbar sein. Insgesamt werden die Notenbanken herausgefordert, die ihre Macht verlieren würden. 2,7 Mrd. Menschen nutzen Facebook weltweit.