Werner Krämer

Culture, Kultur/ Soziologie/ Psychologie

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"Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir fürchten, bestimmt", Ernst Bloch, Philosoph, in Ludwigshafen geboren, am 8. Juli 2015 wäre er 130 Jahre alt geworden. Er hatte sich auch mit der daoistischen Philosophie beschäftigt. Auch folgender Spruch ist von ihm: "Die einzige Sprache, die jeder versteht, ist die Sprache des menschlichen Gesichts". Weitere Zitate von ihm am Ende dieser Seite. Seit 1997 gibt es das Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen (www.bloch.de). Der zweite berühmte Sohn Ludwigshafens war Helmut Kohl, der 16 Jahre Kanzler war und am 16. Juni 2017 mit 86 Jahren starb. Kohl hatte eine besondere Beziehung zu seiner Geburtsstadt, in der er auch starb, aber auch zu Speyer, wo er begraben wurde, und zu Straßburg, wo zum ersten Mal ein europäischer Trauerakt für ihn stattfand. 2019 ist das Theodor-Fontane-Jahr. Dieser wurde 1819 in Neuruppin geboren und starb 1898. Sein größtes Buch ist "Der Stechlin", ein Roman über das untergehende 19. Jahrhundert. Am bekanntesten ist wahrscheinlich "Effi Briest". Seine besten Bücher schrieb er relativ spät. Auch die "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Sein Arbeitsstil war ein Vorgriff auf das digitale Zeitalter, d. h. er schrieb viel ab. Er wanderte gar nicht so gerne. Aber er war schon ein Europäer, der viele Länder besucht hatte. "Am Reisen ist das Schönste das Fahren", Fontane.

                                                   

Inhalt: Bisher sind Kinder-Uni und Schulpatenschaft, ein Forum der Nutzer, ein satirisches Portrait der Volkswirtschaftslehre, ein Schwarzes Brett, berühmte Wirtschaftsbücher (große Ökonomen), ökonomisch relevante Filme  und Kommentare (Views), die Seidenstraße  (alte und neue), Troja und Homer, Islamische Kultur und Wirtschaft,  Ganzheitliches Denken (vor allem aus China), Naturströmungen: Daoismus und Shintoismus, (Leben, Lehre, Relevanz), KonfuzianismusKulturelemente in Asien (China, Japan), Kultur als Rahmen in China, in Japan, in Korea, in Indien; Indien als Ursprungsland vieler ReligionenBhagavad Gita/Yoga/ Psychologie Indiens, Religion als Bestandteil der Kultur und Wirtschaft, Businessstrategien in unterschiedlichen Kulturen (Soziologie, Kulturfaktoren); Auslandschinesen, Migration, "Greater China", Kultur und Subkulturen (China als wichtigste Kultur der Zukunft); Psychologie als Grundlage der Ökonomie (+Sozialpsychologie), Digitale Gesellschaft (Kultur bzw. Soziologie der Digitalisierung), Eckdaten der weltweiten Kulturgeschichte, sowie neuere Zitate aus dem Wirtschaftsleben enthalten.  

Diese Seite soll von den Nutzern mitgestaltet werden. Bitte äußern Sie Anregungen, Ideen, Kritik oder Bedarfswünsche. Dies können Sie gerne persönlich, schriftlich oder per Email (Feedback )machen. Bei den Wissenselementen überwiegen soziologische, kulturelle und psychologische Sachverhalte. Sie werden als die wichtigsten Unterstützungsleistungen für die Ökonomie gesehen. Ich nehme auch gerne Anregungen von Studenten anderer Hochschulen oder von Kolleginnen und Kollegen entgegen.                                                                                            

 

  Bildung und Ausbildung ist unser Pass für die Zukunft und das Morgen gehört denjenigen, die sich heute darauf vorbereiten, Wolfgang Gerhardt, Politiker.

Kinder-Uni und Schulpatenschaft:

Kinder-Uni

Wintersemester 2009/ 2010, Thema:

Umweltschutz durch Eigennutz. Denn heute stirbt der Wald und morgen ... ? (oder: Warum Eisbären Radfahrer mögen)

Kurze Inhaltsangabe:

Im Dezember 2009 findet in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen eine Weltklimakonferenz mit fast allen Ländern der Erde statt, die den zukünftigen Umweltschutz weltweit regeln soll. Die jetzige Regelung, das Kyoto-Protokoll, läuft im Jahre 2012 aus. Eine neue Übereinkunft ist dringend notwendig für das Überleben der Erde, denn die Naturkatastrophen (Stürme, Überschwemmungen, Dürren, Versteppung, Eisschmelze u. a.) infolge zunehmender Umweltverschmutzung häufen sich.

Dazu gehört auch das Absterben der Bäume. Ob es einem Baum schlecht geht, erkennt man meist am Blattausfall. Das Waldsterben  ist insbesondere auf den CO2-Ausstoß (Kohlenstoffdioxid) zurückzuführen. Diese Verunreinigung (Emission) entsteht durch Autofahren, produzierende Firmen, Kraftwerke, Flugzeuge und Heizungen. Leider zahlen diese Verursacher nicht ganz für ihre negativen Folgen, sondern die Allgemeinheit (alle Menschen, die Steuern zahlen) muss die Schäden tragen oder beseitigen (der globale Waldschutz stand auch im Mittelpunkt der Nachfolgekonferenz in mexikanischen Cancun Ende 2010).

Hier setzt die Umweltökonomik (wirtschaftliche Beschäftigung mit Umweltfragen) ein, indem sie erreichen will, dass jeder Verursacher für seine Schäden selbst zahlt. Sie will die Menschen dazu bringen, dass es zu ihrem  eigenen Vorteil ist, die Umwelt sauber zu halten.

Anhand eines Waldexperimentierkoffers (von der BASF gesponsert), verschiedener interaktiver Umwelt-Internetseiten und eines Rollenspiels wird mit den Kindern die Umweltproblematik behandelt und die Funktionsweise eines künstlich erzeugten Marktes im Umweltbereich nachgestellt. Dieser Markt regelt die Höchstmenge von CO2 über Verschmutzungsrechte (Zertifikate). In der Praxis findet dies mittlerweile schon in Europa statt.  

Termin: 14. Januar 2010, 15.30 - 16.30 Uhr, in A 302. Geeignet für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. Literatur: Al Gore, Wir haben die Wahl. Ein Plan zur Lösung der Klimakrise, München: Riemann 2009.

Sommersemester 2009, Thema:

Warum ist der Big -  Mac nicht nur zum Essen da?

Kurze Inhaltsangabe:

Den Big Mac kennt fast jedes Kind und fast jeder Erwachsene überall in der Welt. Er ist ein Produkt und eine Marke der Fast Food - Kette Mc Donalds, die ein globales Unternehmen darstellt und somit in fast allen Ländern der Erde vertreten ist. 

Wirtschaftswissenschaftler nutzen diese Eigenschaft, um die Preise von Waren auf der Welt vergleichen zu können. Sie können dabei vor allem sehen, ob das Geld in einem anderen Land (Währung genannt) in Bezug zum wichtigsten Geld auf der Welt (Dollar) oder zu unserem Geld, dem Euro, zu hoch oder zu niedrig bewertet ist. Man spricht vom Big Mac – Index und scherzhaft von „Burgernomics“. Eine englische Zeitung, der „Economist, macht regelmäßig die  Berechnung.  

Der Wert eines Geldes ist wichtig beim Umtauschen in das Geld eines anderen Landes. Wenn man in Urlaub fährt, möchte man auch wissen, wie viel man mit seinem Geld, dem Euro, im Ausland kaufen kann (dies wird „Verbrauchergeldparität“ genannt).

Vorsichtig eingebaut wurden auch Hinweise darauf, dass Fast Food dick und süchtig machen kann (dies zeigen Studien mit Ratten in den USA).

Termin: 29. April 2009 von 15.30 bis 16.30 Uhr, für acht bis zwölfjährige SchülerInnen in A 302. Mc Donalds neben der Hochschule sponsert die Veranstaltung mit kostenlosen Big Macs. Am 29. Mai in einer Grundschule. Die Big Macs werden gemeinsam selbst zubereitet.

Vgl. auch: University of Western Australia, The Big Mac Index - Two Decades on an Evaluation of Burgernomics", 2010. Einerseits sind die Wechselkursprognosen auf Basis der Burgerpreise systematisch verzerrt (unterschiedliche Rohstoffkosten und Arbeitspreise werden ausgeklammert). Andererseits lassen sich diese Fehler korrigieren. Damit sind die Vorhersagen mittel- bis langfristig gar nicht so schlecht. Berühmt wurde auch die Internetseite der "Unverwüstliche Burger", wo ein Experiment mit einem Burger von Mc Donalds geschildert wird, der nach 180 Tagen noch gleich frisch aussieht.

Sommersemester 2008, Thema:

Wie man einen Gummibärchenskandal spielerisch lösen kann, oder: Was nützen Wirtschafts-Nobelpreisträger in der Grundschule?

Kurze Inhaltsangabe:

Jan ist Klassensprecher einer  Grundschulklasse. Das ist er geworden, weil er an die Mitschüler Gummibärchen verteilt hat. Über die Herkunft der Gummibärchen hat er gelogen. Lea, eine Mitschülerin und stellvertretende Klassensprecherin, weiß davon. Sie hat aber selbst Gummibärchen von einem Fremden angenommen, was verboten ist. Dies wiederum weiß Jan. Gerüchte über beide Fälle drohen sich zu einem Gummibärchenskandal auszuweiten. Die Klassenlehrerin will den Skandal mithilfe der Spieltheorie lösen. Für die Spieltheorie sind in den letzten Jahren fast alle Wirtschaftsnobelpreise (der wichtigste Preis für Wirtschaftsforscher) vergeben worden. Wie können verschiedene Lösungen des Skandals ausschauen?

Termin: Fr. 13. Juni 2008, 15.30 Uhr, in A 301. Mit Beitrag und Interview von SWR4.

"Man müsste im Vorschulalter und Grundschulalter alles konzentrieren, was man an guter Pädagogik zur Verfügung hat", Henning Scheich, Direktor Leibnitz-Institut für Neurologie, Magdeburg.

"Ein großer Mensch ist, wer sein Kinderherz nicht verliert", Mengtse.

Sommersemester 2006, Thema:

Warum regnet Geld nicht vom Himmel und wird nicht in den Mülleimer geworfen?  (analog dem chinesischen Sprichwort "Reiskörner fallen nicht vom Himmel"; es ging nicht um Helikoptergeld!).

Kurze Inhaltsangabe:

Geld steht für das Wesen des Wirtschaftens, mit dem Kinder zuerst in Berührung kommen (z. B. Sparbüchse, Taschengeld).

Ökonomische Fragen, die jeder zu beantworten hat, sind : Wie komme ich an Geld? (Muss ich arbeiten  oder "arbeitet" mein Geld?) Was tue ich mit dem Geld? (Brauche ich Geld?) Wie viel Geld habe ich? Wie viel Geld werde ich in Zukunft haben?  Anhand des Geldes können auch Grundfragen behandelt werden: Regiert Geld die Welt? Macht Geld allein glücklich? Hört bei Geld die Freundschaft auf?

Ausgangspunkt sind Geldscheine und Münzen, die die Kinder bekommen. In ein spielerisches Experiment und eine kleine Befragung werden die Teilnehmer aktiv eingebunden.

Termin: Mo 12. Juni 2006, 15.00 bis 16.00 Uhr in A303. Die Veranstaltung  für 8 bis 12jährige Schüler war schon lange ausgebucht.  Am 29.09. 2007 in einer Buchhandlung in Neustadt für Kinder von 8-10 Jahren.

Buch zur Vorbereitung (nicht Voraussetzung): Crummenerl/ Puth, So ist das mit dem Geld, Würzburg (Arena) 2004.

Diese Veranstaltung kann in modifizierter Form auch in Banken,  Buchhandlungen, Schulen oder anderen Institutionen eingesetzt werden.

"Man braucht Geld, um zu leben, auch ich benötige es. Jeder liebt Geld", Dalai Lama, Friedensnobelpreisträger und buddhistisches Oberhaupt Tibets.

Schulpatenschaft

Die Hochschule kümmert sich schon länger um die relevanten Schulen der Region. Im Rahmen dieses Schulpatenschaftsprogramms habe ich zuletzt die Berufsbildende Schule, Landau besucht. Eine Klasse der Internationalen Gesamtschule Mannheim, Herzogenried ( www.igmh.de ) wurde in der FH und im OAI betreut.

Am 10. September 2008 habe ich einen Vortrag über die Kompetenzen der HS Ludwigshafen in der Metropolregion Rhein-Neckar auf der Messe für Ausbildung und Studium (MAuS) am Otto-Hahn-Gymnasium in Landau (R. A 219 von 13.20 - 13.50 Uhr) gehalten.

"Wirklich ist jedes Kind gewissermaßen ein Genie, und jedes Genie gewissermaßen ein Kind", Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph (1788-1860).

 

      "Cras legam" (Ich werd` es morgen lesen). nach Sueton, römischer Schriftsteller um 70-140. Das Schriftstück, das Cäsar den geplanten Anschlag auf sein Leben enthüllen sollte, wurde von ihm weggelegt, um es später zu lesen. Am 15. März 44 wurde er ermordet. "Don`t put off until tomorrow what you can do today".

Forum:

- Literaturempfehlungen: von StudentInnen: Tom Peters: Re-imagine - Spitzenleistungen in chaotischen Zeiten -, Starnberg 2004 (Dorling Kindersley Verlag). Vergleiche auch www.tompeters.com.  Zitate daraus: "Die wichtigste und verantwortungsvollste Aufgabe unserer Zeit ist es, unsere Unternehmen und Institutionen, ob öffentlich oder privat, neu zu erfinden". "Alles verändert sich ständig und immer schneller. Nichts ist von Dauer", S. 305. Eine weitere Literaturempfehlung: Ridderstrale, J./ Nordström, K. Karaoke Kapitalismus, Redpoint 2005 (vgl. auch Karaoke - Kapitalismus ).

- Der Vorschlag, die Kategorie "FAQ" (Frequently Asked Questions) aufzunehmen, ist implizit auf der Homepage umgesetzt, da der Text im Laufe vieler Jahre (mittlerweile über 16 Jahre) maßgeblich von den Fragen meiner StudentInnen inspiriert wurde.

- Für die Vorbereitung von Prüfungen können je nach Studienabschnitt und Fach durchaus einige Informationen der Homepage die Arbeit erleichtern (z.B. die aktuellen Daten auf der Startseite oder der Seite "Ostasien" bzw. die Seite "Übung", auch "E-Learning"). Die Kombination einzelner Seiten entspricht einem VWL-Online-Lehrbuch.

Emails zu bevorstehenden Klausuren beantworte ich nicht. Ich sehe darin einen unzulässigen Versuch, sich persönlich einen Vorteil zu verschaffen. Alle StudentInnen müssen die gleichen Chancen und Bedingungen haben. Fragen nach Noten beantworte ich auch grundsätzlich nicht per Email. Ebenso gebe ich Noten jeder Art niemals selbst bekannt.

- Seminararbeiten und Referate kann ich nicht online per Email betreuen, weil der interaktive Aufwand und die erforderliche Exaktheit eines schriftlichen Dokuments dem entgegenstehen. Auch Anfragen sollten über das Sekretariat laufen.

- Wenn Sie beabsichtigen, eine Thesis (Bachelor oder Master) von mir betreuen zu lassen, informieren Sie sich bitte vorab auf der Seite "Abschluss/ Thesis". Meine Fächer sollten dabei nicht zu den schwächeren gehören. Die Zahl "schlampiger" Arbeiten (wegen Termindruck durch bevorstehendes Masterstudium, Defizite im wissenschaftlichen Arbeiten, Rechtschreibschwächen, Kopieren aus dem Internet) ist gewachsen. Ich will auf keinen Fall "als Co-Autor auftreten".

- Zeitung lesen (insbesondere Wirtschaftsteil, oder das entsprechende Nutzen anderer Medien) ist bei mir nicht nur prüfungsrelevant, sondern indiziert auch Engagement und ist im späteren Berufsleben notwendig. 

- Kritik bzw. Verbesserungsvorschläge beziehen sich häufig auf die Übersichtlichkeit der Homepage. Ich bitte, unterstützend mit der Gliederungs-Seite "Sidemap" zu arbeiten. Das schließt aber nicht aus, dass ich mir über diesen Punkt Gedanken mache und ständig an Innovationen arbeite - soweit dies meine Zeit und mein Know-how ermöglichen. Meine StudentInnen dürften es aber aufgrund der Kenntnis meiner Denkweise/ Logik und mündlicher Hinweise in den Veranstaltungen einfacher haben.

- E - Learning Elemente, die auch interaktive Kommunikation ermöglichen (Web 2.0), sind auf mittlere Sicht für die Veranstaltung VWL I vorgesehen. In OLAT bin ich mit Veranstaltungen aktiv. Es ist zu berücksichtigen, dass diese für den Dozenten in vielen Fällen sehr arbeitsintensiv und ineffizient sind. Gerade der Campus-Gedanke im OAI lässt dies auch weniger sinnvoll erscheinen; dagegen wird hier die Kommunikation in den Veranstaltungen ständig ausgebaut (soweit der Hochschulpakt dies noch erlaubt). Die Rolle des Professors verändert sich (und würde sich noch stärker verändern, wenn die Rahmenbedingungen besser wären).

- Keine noch so guten Skripte und Super - Präsentationen können das eigene Literaturstudium und die Übungen (Workload) ersetzen. Wissen wird nicht automatisch beim im Raumsitzen und Rumsitzen übertragen. Lernen ist und wird immer notwendig bleiben. Außerdem ist es immer mit Denkprozessen gekoppelt, ebenso spielt die Interaktion bzw. zweiseitige Kommunikation eine große Rolle. Deshalb sollte man als Student die Schuld für Versagen immer zuerst bei sich suchen und nicht in der Evaluierung versuchen, dem Dozenten den "Schwarzen Peter" zuzuschieben. Auch für miserable Rahmenbedingungen sollte der Dozent nicht verantwortlich gemacht werden.

- Unverschämte Emails beantworte ich nicht, einige Kostproben: "wegen eines Jobs kann ich nicht in die Veranstaltung kommen, bitte geben Sie mir den Inhalt an"; "wegen Krankheit konnte ich die Vorlesung nicht besuchen, ich bitte um einige Tipps zum Klausurthema"; "da Ihre Vorlesung überfüllt ist, möchte ich sie mit Ihnen in der Sprechstunde durchsprechen" usw. Damit ist noch nicht von der Rechtschreibung die Rede.

- Zunehmend versuchen Studenten, über Email Kontakt aufzunehmen, wenn sie in Veranstaltungen oder Zusatzveranstaltungen nicht anwesend waren. Auf diese Art von Arbeitsbeschaffung verzichte ich gerne.

- Sowohl Klausuren als auch Hausarbeiten enthalten Kommentare, aus denen sich die  Begründung der Note ableiten lässt. Dies ist den Studenten durch Einsichtnahme zugänglich. Bei stark steigenden Korrekturfällen werden die Bemerkungen kürzer, nicht mehr so gut lesbar und ich kann einzelne Email-Anfragen nicht mehr beantworten. Noten werden nicht geändert und sind somit nicht verhandelbar. Wegen extrem hoher Studentenzahl und damit Prüfungsteilnehmer-Zahl gehe ich zu Sammelbesprechungen der Prüfungsergebnisse und Klausurbesprechungen über.

- Einzelne Studenten versuchen, mit Diskussionen, Emails und entsprechenden Lehrevaluierungen, mich dazu zu bewegen, die Power -Point orientierte Auswendiglernmentalität einiger BWL-Fächer auf die Volkswirtschaftslehre und Statistik zu übertragen. Das Verlangen von Denk- und Transferfähigkeiten auch im Bachelor ist eine hochschulpolitische Grundsatzfrage. Anders lautenden konkreten Gremienbeschlüssen, die von Transferfähigkeiten abrücken, würde ich aber folgen, was meine Arbeit erheblich erleichterte, weil ich kaum noch Wiederholer hätte.

"Die Steuern sind hoch, die Arbeitszeiten kurz, der Urlaub lang. Rom ist untergegangen, weil die Leute sich zu sehr amüsiert haben", Shigetaka Komori, Präsident der Japanisch-Deutschen Gesellschaft über Deutschland.

"Jeder Kunde hat ein Recht, zu wissen, wie die Leute, bei denen er einkauft, zur Gesellschaft stehen", dm-Chef Götz Werner (er wurde auch bekannt durch seine Forderung nach einem Grundeinkommen in Deutschland).

 

 

       "Ein Ökonom ist jemand, der mehr vom Geld versteht als die Leute, die es haben", John Kenneth Galbraith, amerikanischer Ökonom, 2006 gestorben. Er wurde von Keynes beeinflusst. Berühmt wurde er durch sein Buch "Gesellschaft im Überfluss", 1955.

Portrait:

der Volkswirtschaftslehre (bzw. Ökonomik) mit Augenzwinkern. Auf mehrfachen Wunsch hin.

Ökonomen-Witz: Ein Heißluftballon war vom Kurs abgekommen und trieb orientierungslos über Berge und Täler. Endlich sahen die beiden Piloten tief unten einen Wanderer. "Wo sind wir?", riefen sie ihm zu. "Ihr seid in einem Ballon", rief der Wanderer zurück. Worauf der eine Ballonfahrer zum anderen sagte: "Die Antwort ist präzise, korrekt und absolut nutzlos. Der Mann muss ein Ökonom sein." (Quelle: Nikolaus Piper: Präzise, korrekt, nutzlos?, in: Zeit der Ökonomen. Eine kritische Bilanz volkswirtschaftlichen Denkens, Hamburg 1993, S.5).

"Volkswirte dienen dem Volk, nicht der Politik. Doch hören die Politiker ihnen nur zu, wenn es auch das Volk tut", Hans-Werner Sinn 2016 (zitiert nach Capital, Ausgabe 2/ 2016, S. 66.

"Die einzigen Räder, die der Nationalökonom in Bewegung setzt, sind die Habsucht und der Krieg unter den Habsüchtigen, die Konkurrenz", Karl Marx, MEW, 40, S. 511.

Volkswirtschaftslehre (VWL) ist eine Wissenschaft zur Beantwortung folgender Fragen auf fünf Gebieten:

Instrumente/ Methoden: Warum betreibt die Volkswirtschaftslehre (VWL) mit ihrem Namen Etikettenschwindel, da sie doch mehr Weltwirtschaft ist und eigentlich Globalökonomik heißen müsste?   Warum bringt das Internet ökonomische Gesetze durcheinander und wird deshalb nicht verboten?  Wie macht man aus Kaffee Theoreme? (sind deshalb die Kaffeeanbau-Länder so arm oder kann man im Kaffeesatz lesen: z. B. bei den Kosten bei einer Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I). Warum hält volkswirtschaftliches Wissen nicht länger als Fisch? Warum misstraut jeder ökonomischen Aussagen und warum ist bei vielen Talkshows  doch immer ein Ökonom dabei? Warum liegen ökonomische Prognosen fast immer daneben? Warum kann man aus unrealistischen Annahmen so gute Schlüsse ziehen? Warum sind Ideologien in der VWL oft wichtiger als Ideen? Warum sollen politische Maßnahmen nicht bewertet, aber beurteilt werden? Warum ist die VWL die einzig wahre Sozialwissenschaft und warum sind alle anderen Hilfswissenschaften? Warum ist die Volkswirtschaftlehre imperialistisch, indem sie häufig Fragen bearbeitet, über die auch andere Disziplinen nachdenken? Warum rennt der "homo oeconomicus" dauert "gegen die Wand"? (weil ihm die Kultur fehlt?). Warum leidet beim Denken ans Vermögen das Denkvermögen? Warum ist der mathematische Ansatz so erfolgreich? Weil er nur rein schematisches Denken ("Scheuklappen") erfordert. Warum sind die Vorhersagekünste deutscher Ökonomen so schlecht? (z. B. für 2010). "Wie mer et määt ess et verkehrt", Kölsche Weisheit, für Ökonomen gut geeignet (Trost für manche VWL-Klausuren). Als Ergänzung kann noch die Daten- und Faktenflut im Internet angesprochen werden: Warum sollte man überhaupt noch Statistik lernen? Die Daten werden doch unbegrenzt frei Haus geliefert.  Auch dazu gibt es eine Kölsche Mundart: "Dat Genauje, dat mät noch alles kapott." Konsequenz: Alles unbesehen und ungeprüft übernehmen!?

Mikroökonomik: Warum ist der Mensch für die hektische Wirtschaft nicht geschaffen und sollte er deshalb von ihr fern gehalten werden? Warum schmeckt das zehnte Bier nicht so gut wie das erste? Warum ist die Realität schneller als die Theorie und so gibt es mittlerweile Grenzkosten von null in der Sharing Economy? Wo lebt der "homo oeconomicus"? Warum braucht der Mensch ein Auto, um Geld zu verdienen, damit er sich ein Auto kaufen kann? Warum ist Wasser lebensnotwendig, aber billiger als Gold? Warum ist nichts kostenlos? Wird die Welt nur vom Nutzen regiert? Warum interessiert nur das durchschnittliche Verhalten und warum hält sich keiner dran? Ist Kriminalität Folge eines ökonomischen Kalküls und warum sind Ausländer krimineller? Warum haben Frauen theoretisch weniger Zähne als Männer und warum zählt keiner nach? Macht Geld allein kinderreich? Heiratet der Mensch, wenn dadurch sein Nutzen höher ist als die Kosten des Alleinseins und sind das Opportunitätskosten? Macht Reichtum glücklich? Warum wird die Polizei nicht privatisiert?  Warum sind viele Mikroökonomen bzw. Neoklassiker  so engstirnig? (und trösten sich damit, dass die Betriebswirte noch weniger Tiefgang haben). Warum gehören die meisten Mikroökonomen zur folgenden Gruppe: Those who don´t know that they don´t know? Es soll Ökonomen geben, die Heinz Erhardt für den Begründer der Sozialen Marktwirtschaft halten (siehe das Ende der Seite; wegen der Veröffentlichung eines Zitats von Heinz Erhardt hatte ich mal Probleme mit einem Verlag; zum Glück wurde mittlerweile das Gesetz geändert). Sollte man Flüchtlinge von der Tafel ausschließen? (die Realität bietet immer mehr als die Satire).  "Jeder Jeck ess anders", Kölsches Mantra als Kritik am Menschenbild der Mikroökonomik. Das Pfälzische "Jo, alla!" ist in sehr abgemilderter Form in manchen Situationen ähnlich zu interpretieren.

Makroökonomik: Warum sind viele Makroökonomen klein und betreiben deshalb nicht Mikroökonomik? Sind Keynesianer schlauer als Monetaristen und alle Neoklassiker per se sowieso heilig? Warum gibt es zwischen den jeweiligen Schulen so viele Schlammschlachten, z. B. zwischen Krugman und Schwartz/ Nelson.  Sind Kriege für das Wirtschaftswachstum und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit notwendig ("neue Wirtschaftswunderzeiten"; Trump arbeitet mit seinem Austausch des engsten Beraterstabs/ "Falken" darauf hin)? Warum macht man durch Optimierung von "Employability" die Arbeitslosigkeit nicht vergessen? Kann der Verzicht auf Urlaub die Probleme der Rentenversicherung lösen? ("Wir müssen im Zweifel auf eine Urlaubsreise verzichten, um für später vorzusorgen", Peer Steinbrück, ehemaliger Superminister, Diplom Volkswirt). Steigt mit dem Rocksaum die Konjunktur? Steigt mit der Aktentaschenfülle des amerikanischen Notenbankchefs der Leitzins? Ist der Euro schuld an der Wachstumsschwäche Deutschlands? Warum streben wir nicht Autarkie an und lösen uns von der Globalisierung ab (geschlossene Volkswirtschaften sind auch mathematisch einfacher)? Warum schaffen wir die Arbeitsteilung nicht ab und werden alle zu Selbstversorgern? Warum macht der Staat jetzt nicht mehr Schulden (weniger Menschen bei uns in der Zukunft lösen doch das Knappheitsproblem)? Weshalb war eine Wirtschaftskrise unvermeidlich, obwohl vorher noch stattliche Wachstumsraten prognostiziert wurden? Ist die Weltwirtschaftskrise mit einem Offenbarungseid der Makroökonomik verbunden (wo ist der neue Keynes)? VWL wird in der Weltwirtschaftskrise zur Abkürzung für "Vom schnellen Auferstehungs-V  über das wabblige W bis zum langen Talsohlen-L war alles im Angebot". Anleitung für den Nobelpreis: entwickeln Sie ein makroökonomisches Modell, wandern Sie in die USA aus, seien Sie ein Mann, beschäftigen Sie sich nicht mit Wirtschaftsgeschichte (vgl. Wirtschaftswoche 41/ 30.9.16, S. 38f.). Für Karriere in Deutschland gilt eher folgende Regel: als Mann Geschlechtsumwandlung, neue Wortschöpfung auf Englisch wie z. B. "Emotional Economics", mit irgendeinem unsinnigen Buch in Talkshow, fleißig Klauen (zur Zeit aus der Psychologie; "Behavioral is in").  "Et kütt wie et kütt", Kölsches Mantra, hier Bewertung der Makroökonomik. Besser als jedes Modell der VWL; siehe die Vorhersage der Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008/2009.  "Wie konnte das passieren, dass niemand diese Krise vorhergesehen hat", Queen Elisabeth II. nach dem Finanzcrash 2008. "Um die Sache zusammenzufassen, Ihre Majestät, war dies ein Versagen der kollektiven Vorstellungskraft vieler kluger Menschen", Antwort der britischen Ökonomen in einem Antwortbrief.

Umweltökonomik:  Warum will keiner die Umwelt verschmutzen und es geschieht doch? Warum macht Trittbrett - Fahren ("free rider") nirgendwo sonst so viel Spaß? Warum Umweltschutz durch Eigennutz? Warum verdienen die Manager so wenig, dass sie nicht in der Nähe ihrer Unternehmen wohnen können (Beispiel BASF und Professoren)? Warum ist das Öl trotz seiner Knappheit viel zu billig? Sollte man den Chinesen das Privatauto verbieten, damit die Erde die nächsten 30 Jahre überlebt? Warum klammert man - wie die USA unter Bush und Trump - das Umweltproblem nicht aus ("ceteris paribus"), damit sich alle anderen Probleme der Erde von selbst lösen? In der Umwelt funktioniert der Marktmechanismus nicht: warum streicht die VWL nicht den Markt als Mittelpunkt ihrer Wissenschaft? Führt Umweltschutz zum Hungern in der Welt? Warum können sich nur reiche Länder Umweltschutz leisten? Warum macht keine Branche so erfolgreiche Lobby - Arbeit wie die Energiewirtschaft? Warum profitiert die Umwelt nicht vom Emissionshandel (Ergebnis ist nur "heiße Luft!")? Warum werden bei der Atomtechnologie wichtige Faktoren herausgerechnet (Müll, Risiko, Zwischen- und Endlagerung)? Warum ist die Nachhaltigkeit in der Ökonomie so in den Hintergrund gedrängt worden (Shareholder Value, Kurzfristigkeit, Ausklammerung der Natur, Vernachlässigung sozialer Aspekte)? Warum ist ein Schurken-Unternehmen wie VW so extrem erfolgreich? Ist in der Wirtschaft alles erlaubt? (mit der Zahl der Wirtschaftsethik-Veranstaltungen an Hochschulen wächst die A-Moral in der Praxis). "Et hätt och schlemmer kumme könne", Kölscher Kommentar zum Umweltzustand. Etwas pessimistischere Form: "Watt fott es, es fott". Dem möchte man die Pfälzer Redensart "Uffbasse!" entgegenhalten. "Ich heize den grünlinken Klimalügnern ein", Trump am 24.01.17

Internationale Wirtschaft:  Warum ist Knappheit der Leitgedanke der VWL und warum herrscht sie nur in Entwicklungsländern? Sollte man Deutschland in die USA verlegen (analog einem iranischen Vorschlag), damit die Wirtschaft endlich floriert? Warum sind alle Länder für die Aufhebung der Importzölle der anderen Länder und schaffen sie doch nicht ab? Warum können die Religionen weltweit dem globalen Markt nicht Fesseln anlegen (Vorbild Islam)? Warum gibt es nicht eine Währung in der Welt (globo, mundo)? Warum verlegt man nicht die gesamte Produktion nach China und Indien, damit die übrigen Menschen mehr Muße haben? ("Es kann gar nicht dazu kommen, dass Indien und China eines Tages alle Produkte dieser Welt herstellen und wir selber gar nichts mehr", Jagdish Bhagwati, Ökonom, in: Die Zeit, 23.11.2006, S. 32). Warum gibt es so viele gute Wechselkurstheorien und so viele arme Volkswirte? Warum glorifizieren mit großer Peinlichkeit so viele Volkswirte das US-System ohne die vielen Vorteile der europäischen Länder herauszuarbeiten? Wann muss die "Leitwirtschaft" USA den Offenbarungseid leisten oder war die Präsidentenwahl die Rettung? Warum ist der Big - Mac nicht nur zum Essen da? Warum verkaufen Börsenexperten Ratschläge statt Aktien zu kaufen? Warum kann man alle Modelle in der Pfeife rauchen? Weil keins die aktuelle Krise vorhergesehen hat. Warum dürfen Griechen und Franzosen früher in Rente gehen? Warum ist seit Trump wieder Kreativität bei Zöllen gefragt? (das Thema wurde schon aus Lehrbüchern verbannt und zur Geschichte gerechnet!). Warum will die chinesische Führung so viele Menschen aus der Armut holen und schafft ihr eigenes Geld ins Ausland? Wäre es nicht einfacher, dieses Geld an die Armen zu geben?  "Mer muss och jönne könne", wichtige Voraussetzung für die Internationalen Wirtschaft auf Kölsch. Verhindert Protektionismus. Auch wichtig zum Überleben der EU. Das Pfälzische "Kumm, geh fort!" ist in seiner Paradoxie sehr interessant. Es meint im Grunde genommen das Gegenteil.

" Das Leben meistert man lächelnd oder überhaupt nicht", (aus China). "Aller höhere Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt", Hermann Hesse. Vgl. zur Satire allgemein das Satire-Magazin "Kojote" (www.kojote-magazin.de).

 "Kein Gedanke ist so alt oder absurd, daß er nicht unser Wissen verbessern könnte. Anything goes...", Paul Feyerabend: Wider den Methodenzwang, Frankfurt 1986, S. 55.

 

    "Selbst einen Papagei kann man zu einem gelehrten Nationalökonomen machen; es genügt, ihm die Worte "Angebot" und "Nachfrage" beizubringen", Paul Samuelson (gestorben 2009, schrieb das erfolgreichste ökonomische Lehrbuch aller Zeiten, mit Keynes der wichtigste Ökonom des 20. Jahrhunderts).

 Schwarzes Brett:                               

 Angebot:

Lehrbücher können billiger von den Studenten höherer Semester bezogen werden.

 

 

 

Nachfrage:   

Studentische Hilfskräfte

Tutoren

 

zur Zeit nicht

Vergleiche auch die großen Hochschulportale/" Schwarzen Bretter":

www.studylounge.de und www.facebook.com . Facebook ist mit 60 Mio. Mitgliedern das größte Soziale Netzwerk. 2011 ist der Marktwert gemessen am Aktienkurs riesig.

StudiVZ ist ein  virtueller Campus (ca. 1 Mio. Mitglieder immatrikuliert): Fachsimpeln über Professoren, Seminare und "Gegruschel".

 "Something cheap is only a bargain if you need it", Redensart.

 

 

"It is not from the benevolence of the baker that you receive your bread", Adam Smith 1776 (An inquiry into the nature and causes of the wealth of nations, s. u.). Der Bäcker produziert Brot, weil es unter den Bedingungen des wettbewerblichen Marktes  ("invisible hand") in seinem eigenen Interesse liegt. Die Verfolgung seines eigenen Interesses bringt unbeabsichtigt für die Gesellschaft als ganzes eine Steigerung ihres Wohlstands mit sich.  Links steht die Statue von Adam Smith in Edinburgh vor der ehemaligen Börse. Diese war eine der ersten und wichtigsten in der Welt, als Glasgow im 18. Jahrhundert Mittelpunkt des Handels mit Baumwolle und Tabak aus den Kolonien und Startpunkt der industriellen Revolution war (James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine, und  der Philosoph David Hume hatten wie Smith an der Universität Glasgow studiert; schottische Aufklärung). Heute beinhaltet das Gebäude das Rathaus. Mehr zu den Werken und der Rolle von Adam Smith als Vater der Ökonomie siehe unten in dieser Rubrik.

Wirtschaftsbücher (berühmt, einflussreich, subjektive Einschätzung von mir /persönliche Hitliste, auch BWL/Unternehmensführung; mit Hinweisen zu den "Meilensteinen" der Autoren; berühmte Ökonomen im weitesten Sinne):

Ökonomische Analysen im Rahmen der antiken griechischen Philosophie. Wichtige Elemente finden sich bei den klassischen griechischen Philosophen Sokrates (Ethik), Platon (Aufbau der Gesellschaft, idealer Staat) und Aristoteles (z. B. Allmendeproblem; Eigentum Privatbesitz; Logik; Wohlergehen). Xenophon kann als der größte ökonomische Denker der antiken Philosophie bezeichnet werden. 400 Jahre vor Christus schildert er wichtige Grundlagen (Gespräch über die Haushaltsführung; Mittel und Wege, dem Staat Geld zu verschaffen; Gewinnmaximierung; auf ihn soll auch die Verbindung von Oikos und Nomos zurückgehen als Kunst der Haushaltsführung). Hesiod kann als erster bekannter Ökonom überhaupt benannt werden. Er lieferte Grundideen für die moderne Chaostheorie und definierte Arbeit als Quelle allen Guten für die Menschen. 100 Jahre später liefern Thales (Olivengeschäft), Archimedes und Pythagoras (Geometrie) wichtige mathematische Grundlagen, die auch in der Ökonomie Verwendung finden. Die einzelnen Bücher sollen an dieser Stelle nicht genannt werden. "In einem Gemeinwesen, in dem Reichtum und Armut fremd sind, wird auch die beste Gesinnung zu finden sein", Platon: Sämtliche Dialoge, Bd. 7, Hamburg 2004, S. 78.

Nicolo di Bernardo del Machiavelli: Er lebte von 1469 bis 1527. Er war Florentinischer Philosoph, Politiker, Diplomat und Dichter bzw. Schriftsteller. Er schrieb mehrere Bücher, unter anderem "Die Kunst des Kriegers" und "Der Fürst". Er sah insgesamt eher nichts Gutes im menschlichen Tun (in England "Old Nick"; es war eine Reaktion auf die gescheiterte christliche Utopie). Die Lehren von Machiavelli haben auch die Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre stark beeinflusst. Sein zentrales Thema ist die Macht. Man spricht auch von Machiavellismus. Danach ist zur Erlangung oder Erhaltung der Macht jedes Mittel erlaubt, unabhängig von Recht und Moral. Machiavellismus wird in der Psychologie auch als Persönlichkeitsmerkmal gesehen. In der Betriebswirtschaftslehre wird Macht als Motiv und Anreiz im Management behandelt, hauptsächlich bei Männern. Je höher man in der Hierarchie aufsteigt, desto öfter muss man sich mit der Abwehr von Intrigen beschäftigen (im Vordergrund steht nicht die Sache, sondern das Machtspiel). Moderne Machtforschung behandelt das Umfeld, Verbündete, Etikette und Kompetenz. Vereinfacht steht Machiavellismus heute oft für einen Politik ohne Moral und Skrupel.

Jean-Jacques Rousseau: Über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, 1755 (auch: Gesellschaftsvertrag, 1762). Er war Wegbereiter der Aufklärung und der geistige Vorbereiter der französischen Revolution. Die Ziele "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" sind von ihm theoretisch formuliert worden. Er wandte sich vom blinden Vertrauen in die theoretische Vernunft ab und widmete sich dem moralischen Gewissen. Er lebte von 1712 (geboren in Genf) bis 1778. Er hatte eine spezielle Sicht auf die Chinesen und behauptete, dass sie keine Menschlichkeit hätten (das China-Bild der Zeit war stark von Briefen und Berichten der Jesuiten geprägt, die in China lebten). Zu diesem Thema gab es vor einigen Jahren eine Diskussion in Weibo, dem chinesischen Twitter.  "Die Früchte der Erde gehören allen, die Erde selbst niemanden", Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Discours sur l´inegalite. "Kein Staatsbürger darf so reich sein, um sich einen anderen kaufen zu können, und keiner darf so arm sein, um sich verkaufen zu müssen", Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag, Leipzig 1984, S. 82.

Immanuel Kant (1724 - 1804): Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? 1784 in der "Berlinischen Monatsschrift". Kant, der "Weise aus Königsberg" war der Philosoph der Vernunft und Aufklärung in Deutschland. Er setzt sich in seinen Schriften auch für Frieden, Freiheit und Menschenrechte ein. Ohne die Aufklärung wäre die Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften so wie sie verlief sind kaum möglich gewesen. Die Aufklärung hat den Glauben an Dogmen, und ein Wertesystem, das sich an Rasse, Nation und Religion orientierte, zurückgedrängt und zugunsten eines Humanismus und Wohlergehen des einzelnen Menschen in den Mittelpunkt gerückt.  Gegenwärtig (2015) verfolgt die digitale Ökonomie den Gegenentwurf: Sie ist nicht an der Ausbildung der Vernunft des Menschen interessiert, sondern an seiner statistischen Selbsterfassung und algorithmischen Zurichtung. Kant hat die Philosophie von der Religion emanzipiert. Die "Kritik der reinen Vernunft" wurde zum einflussreichsten philosophischen Buch deutscher Sprache (auch Mao Zedong hatte Kant gelesen und meinte, der Kern der Philosophie stimme mit der von Konfuzius überein). Der "kategorische Imperativ" ist zu einem der wichtigsten ethischen Kriterien geworden. Seine Schrift "Zum ewigen Frieden" ist heute noch brandaktuell.  In dieser Schrift heißt er es für gut, dass China sich in der damaligen Zeit abschottete. "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstands ohne Leitung eines anderen zu bedienen", Immanuel Kant (Quelle: siehe oben). "Sein ist offenbar kein reales Prädikat; d. i., ein Begriff von irgend etwas, was zu dem Begriffe eines Dings hinzukommen könne", Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft. "Alles Gute, das nicht auf moralisch gute Gesinnung gepfropft ist, ist nichts als Schein und schimmerndes Elend". Berühmt ist auch sein Satz, Dummheit sei ein Gebrechen, gegen das kein Mittel gibt (Kritik der reinen Vernunft). Kant wurde im ostpreußischen Königsberg geboren und lehrte dort später an der Universität. Heute heißt die Stadt Kaliningrad und gehört seit Ende des 2. Weltkriegs zu Russland. Kant ist der berühmteste Sohn der Stadt und die Uni ist nach ihm benannt. Die Bennennung des Flughafens nach ihm scheitert 2018.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 - 1831): Wichtigster Vertreter des deutschen Idealismus. Struktur der Philosophischen Werke: Logik, Naturphilosophie, Philosophie des Geistes. Berühmt ist sein Schema der Dialektik: These, Antithese, Synthese. Eine seiner berühmtesten Werke: System der Wissenschaft. Erster Teil: Die Phänomenologie des Geistes, Bamberg 1807. Hegel hat großen Einfluss gehabt auf die Soziologie und Karl Marx. "Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit", G. W. F. Hegel. "Was Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die daraus zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben", Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

Jeremy Bentham (1748 - 1832): Jurist, Philosoph und Sozialreformer. Geboren und gestorben in London. Begründer des klassischen Utilitarismus. Wichtigster Sozialreformer Englands im 19. Jahrhundert. Lehrer: John Locke, Thomas Hobbes, David Hume. Schüler: John Stuart Mill und David Ricardo. Der Wert einer Handlung misst sich an ihrem Nutzen für die Allgemeinheit: das größte Glück der größten Zahl. Philip Schofield bereitet als leitender Herausgeber 2019 eine 70 Bände umfassende Werksausgabe vor.  Vgl. auch: The Philosophy of Economic Science, in: Werner Stark (Hrsg.), Jeremy Bentham's Economic Writings, Vol. I, London 1952, S. 79–120. Introduction to the Principles of Morals and Legislation (1780, publiziert 1789), hrsg. von J. H. Burns/H. L .A. Hart (The Collected Works of Jeremy Bentham), London 1970, 2. Aufl. Oxford 1996. Berühmt ist der Philosoph auch, weil er als einziger Philosoph "ausgestopft" wurde und sich so noch heute in Natura präsentiert.

Thomas Malthus (1766 - 1834): Zunächst ist er Pfarrer. Später wird er Professor für Geschichte und Politische Ökonomie. Berühmte Bücher sind: An Essay on the Principle of Population, 1798. The Nature of Rent, 1815. Principle sof Political Economy, 1820. Berühmt ist das Bevölkerungsgesetz von Thomas R. Malthus (Principles of Political Economy, 1820): Die Bevölkerung verdoppelt sich alle 25 Jahre, während sich die Nahrungsmenge nur in arithmetischer Reihe erhöht ("Die Macht der Bevölkerung ist unendlich viel größer als die Macht der Erde, allen Menschen den Unterhalt zu ermöglichen"). Seine Prognose ist ein Leben am Rande des Existenzminimums für die Menschheit. Dies liegt daran, dass die nutzbare Ackerfläche begrenzt ist und der Grenzertrag zusätzlicher Arbeitskräfte auf den Feldern abnimmt. Zudem hält Malthus die Amortisationszeit von Investitionen in der Landwirtschaft für zu lang. Vergessen hat er den technischen Fortschritt und damit Produktivitätssprünge. Trotzdem ist seine ökonomische Grundidee heute aktueller denn je und es stellt sich immer mehr die Frage: Hatte er doch recht? Implizit warnte Malthus damit auch vor den Grenzen des Wachstums. Das Ackerland könne die wachsende Bevölkerung bald nicht mehr ernähren. Neuere Forschungen zeigen, dass Polygamie die Bevölkerung wachsen lässt, nicht aber die Wirtschaft (wichtig für Entwicklungsländer und die Entwicklungspolitik. Malthus wuchs auf einem Landgut in Surrey auf. 1788 wurde er zum Priester geweiht. Er beeinflusste Darwin und Keynes bewunderte ihn.  "Indem ich meine Postulate als gesichert voraussetze, behaupte ich, dass die Vermehrung der Bevölkerung unbegrenzt größer ist als die Kraft der Erde, Unterhaltsmittel für den Menschen hervorzubringen", An Essay on the Principle of Population". Nach UN-Schätzungen 2009 soll die Weltbevölkerung 2010 6,91 Mrd. betragen (4,17 in Asien). 2050 soll sich die Zahl auf 9,15 Mrd. Menschen erhöhen (nur in Europa  schrumpft die Bevölkerung).

Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen (Originaltitel: "The Wealth of Nations"). Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen, München 2005 (11. Aufl., neueste Auflage 2012 Tübingen). Smith (Schotte, 1923 Kirkcaldy geboren-1790 in Edinburgh gestorben; dort steht ein Denkmal für ihn, siehe oben), eigentlich Moraltheologe, gilt als einer der Väter des Faches "Volkswirtschaftslehre". Schottland leistete sich damals doppelt so viele Universitäten wie England, so dass sein Umfeld sehr gebildet war. Der Philosoph David Hume war ein enger Freund, der Erfinder James Watt ein guter Bekannter. Allerdings kam die industrielle Revolution etwas zu früh für Smith. Smith hat auch eine Abhandlung über die Moral in der Wirtschaft geschrieben (Theorie der ethischen Gefühle: der Mensch strebt nah Gerechtigkeit und Barmherzigkeit). Die Einbeziehung von Ethik und Moral in die Wirtschaft erlebt nach der Finanzkrise 2008/ 2009 eine Wiedergeburt. Als seine zentrale These gilt die "Unsichtbare Hand" (das Bild wurde damals häufig von Predigern verwendet; vielleicht die berühmteste Metapher der Ökonomie), die Marktversagen und stabile Ungleichgewichte auf lange Sicht ausschließt. Smith ist häufig von Ideologen vereinnahmt worden (mit Eigeninteresse meint er wohl das der aufgeklärten schottischen Kaufleute; Glasgow war Handelszentrum mit den Kolonien für Tabak und Baumwolle und Ursprung der industriellen Revolution). Offenbar wusste Smith schon, dass es immer auf die Werte ankommt. Das ist der eigentliche Kern seines Werkes (Gemeinnutz durch Eigennutz). Aber auch seine Bücher ist nicht frei von Fehlern und Auslassungen (das Zustandekommen von Preisen konnte er noch nicht erklären). Karl Marx hat das Werk von Smith in der englischen Nationalbibliothek ausführlich studiert. Im Studium ist Smith von der Eliteuniversität Oxford enttäuscht. Die Stadt Glasgow interessiert ihn mehr. Er studiert ausgiebig Monopole und den Sklavenhandel. Er fordert den Freihandel - wird aber Zollbeamter. In Paris gab es auch mal ein Zusammentreffen mit der Konkurrenz, den Physiokraten (Quesnay, auch Voltaire, Benjamin Franklin). Smith definierte auch relativ einfach den Zins "als Preis für das Ausleihen von Kapital". Nach seiner Europareise kehrte Smith nach Kirkcaldy in Schottland zurück, wo er mit seiner Mutter bis zu ihrem Tod im Jahre 1784 zusammenlebte. Sechs Jahre später starb er als Junggeselle.  "Es ist nicht die Wohltätigkeit des Metzgers, des Brauers oder des Bäckers, die uns unser Abendessen erwarten lässt, sondern dass sie nach ihrem eigenen Vorteil trachten", Adam Smith. "Adam Smith, Adam Smith, Was erzählst du denn für Mist? Wie kannst du es wagen, einfach zu sagen, das Selbstsucht immer lohnend ist? Das ist wohl der größte Stuss - Adam Smith, du hast ´nen Schuss!, Stephen Leacock, Hellements of Hickonomics, in: Sen, On Ethics and Economics, Oxford, 1987, S. 21. "Mitten unter den unaufhörlich wachsenden Geldforderungen der Regierung hat doch dieses Kapital, bloß durch die Sparsamkeit und den klug angewandten Fleiß der Privatleute (...) ihren Zustand zu verbessern, langsam und im Stillen zugenommen", Adam Smith.

David Ricardo (1772 - 1823): On the Principles of Political Economy and Taxation, London 1817. Seine Theorie der Komparativen Kosten hat die Außenwirtschaftstheorie bis heute geprägt. Aber auch seine Subsidenztheorie und seine Arbeitswertlehre hatten großen Einfluss. Berühmt ist sein Gutachten über den Außenhandel zwischen Portugal und England mit Wein und Tuch. Weiterhin interessiert ihn die Arbeitsteilung, wie Preise und Gewinne entstehen. Er entlarvt den Irrtum der Merkantilisten, dass Gold reich macht.  Beim Freihandel erlebt er nur die Anfänge der Globalisierung. Ricardo ist in der Theoriegeschichte einmalig. Er hat Einfluss auf zwei konträre Strömungen in der Ökonomie gehabt: einmal auf Karl Marx. Zum anderen auf die Neoliberalen. Vgl. Ulrike Herrmann: Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung, Frankfurt 2016, S. 64. Seine Theorie schließt sich der generellen These von D. Ricardo an: Das Verfolgen individuellen Vorteils ist mit dem allgemeinen Wohle des Ganzen verbunden. Mittlerweile häufen sich die Kritiker an dieser Lehre. So wird zumindest Outsourcing in Niedriglohnländer (Programmieren, Call - Center) als schädlich  für entwickelte Volkswirtschaften angesehen (A. S. Blinder). Noch weiter gehender ist die Kritik von Samuelson. Heutzutage sind die Handelsbeziehungen auch ungleich komplexer: Auch Unternehmen, Arbeit und Kapital überqueren die Grenzen. Technologietransfer und Macht sind auch als Variablen noch nicht enthalten. Im Gegensatz zu der These von Ricardo gibt es in der Globalisierung auch Verlierer.  David Ricardo war nach der Schlacht von Waterloo reich geworden. Er kaufte 1815 in großem Umfang britische Staatsanleihen.  "Die Zeiten überdauert hat jedoch das Gesetz der komparativen Kosten und die Methode der komparativ-statischen Analyse, die Ricardo erfand", Mark Blaug: Systematische Theoriegeschichte der Ökonomie, München 1971, S.256, über David Ricardo und sein Werk. "Der Zinsfuß wird nicht durch den Satz geregelt, zu dem die Bank leihen wird... sondern durch die Gewinnrate, die durch die Beschäftigung von Kapital erzielt werden kann", David Ricardo, Principles...

J. H. von Thünen: Der isolierte Staat, Aalen 1990 (1. Auflage bei Perthes in Hamburg 1826). In diesem Buch entwickelt Thünen revolutionäre "grüne" Ideen. Seine Theorie der Kreise war bahnbrechend. Grundideen der  Grenzproduktivitätstheorie stammen von ihm: Der Einsatz eines zusätzlichen Arbeiters ist vorteilhaft, solange der Mehrertrag höher ist als der Lohn (die Produktionsmenge, die sich mit einer Einheit Arbeit herstellen lässt, ist das Grenzprodukt der Arbeit). Bei der Jahrestagung des Vereins für Sozialpolitik wird seit 25 Jahren zu Beginn immer eine Thünen - Vorlesung gehalten. 2010 resümiert Martin Hellwig "in unserer Wissenschaft klafft eine große Lücke zwischen der Modelltheorie und dem Umgang mit praktischen Fragen der wirtschaftspolitischen Realität". Thünen hat großen Einfluss auf US-Ökonomen (z. B. Krugman, New Geography).  "Man kann von dem redlichen Willen, seine Pflicht zu erfüllen, beseelt sein, und doch anderen großes Unrecht tun, wenn man nicht weiß und nicht erkennt, was Pflicht ist", Thünen.

Friedrich List (1789 - 1846): Das nationale System der politischen Ökonomie (Nomos 2007). National System of Political Economy, Cosimo Classics, 2011). Das Buch kann als erstes volkswirtschaftliches Lehrbuch in deutscher Sprache gesehen werden. Er lebte von 1789 bis 1846 (erschoss sich). Geboren wurde er in Augsburg, wo man mehr über ihn erfahren kann. Promoviert hatte List wie Marx in Jena. Er war der weltweit wichtigste Zolltheoretiker (Erziehungszoll!). Er war auch Entwicklungstheoretiker (Kritiker von Malthus, Innovation bewältige jedes Bevölkerungswachstum; er kritisiert auch überzeugend die Arbeitswertlehre). Während er heute in Deutschland relativ unbekannt ist, gilt er in Entwicklungs- und Schwellenländern als einer der größten deutschen Ökonomen (auch in Japan). Seine Ausführungen über den Niedergang der großen Handelsimperien Hanse, Venedig und Spanien sind noch heute interessant zu lesen. In Deutschland hat er auch Verdienste um den Deutschen Zollverein und das Eisenbahnwesen. 1817 führte List die erste demoskopische Befragung in Deutschland durch. Er befragte in Heilbronn (Sammelplatz am Neckar) deutsche Auswanderer in die USA. In Frankfurt gründete er die erste Vertretung deutscher Kaufleute (Handels- und Gewerbeverein). Deshalb wurde ihm vom württembergischen König der Lehrstuhl in Tübingen entzogen. Er wanderte in die USA aus und baute dort eine der ersten Eisenbahnstrecken (zum Kohletransport).  Er setzte sich stark für Europa ein und war insofern auch einer der Vordenker der EU (Kontinentalallianz, heute Kerneuropa). 1822 formulierte er im Hinblick auf die deutsch-französischen Beziehungen (er setzte sich für Heiraten zwischen beiden Völkern ein): "Meine Augen sind auf Europa gerichtet". Es gibt in Deutschland einen Friedrich List-Preis (verliehen vom bdvb). 2017 wird Hans-Werner Sinn damit ausgezeichnet. Es gibt auch ein Friedrich-List-Institut an der HS Reutlingen. List macht als einer der ersten Wissenschaftler die Nationalökonomie zur Sache des Volkes (so Bruno Hildenbrand; H. - W- Sinn. "Der Betriebswirt dient dem Betrieb, der Volkswirt dem Volk" bei der Preisverleihung im Frankfurter Römer). Vgl. auch dazu: Eugen Wendler, Friedrich List - Vordenker der Marktwirtschaft, Springer, Gabler 2018.

Karl Marx: Das Kapital, 3 Bände, Berlin 2008 (1859 erscheint das Einführungskapitel unter dem Titel "Zur Kritik der politischen Ökonomie", 1867 der erste Band; damit 2017 150 Jahre). Der erste Band ist eindeutig von Marx. Die anderen Bände sollen auf Fragmente zurückgehen, die Friedrich Engels redigiert hat. Das Werk soll nach der Bibel das meist gelesene Buch der Welt sein. Marx selbst nannte es "ökonomische Scheiße". Es hat die Welt auch entscheidend beeinflusst (Wirtschaftssysteme in Russland, China). Fleißige Leser waren Lenin, Stalin, Mao, Che Guevara und Fidel Castro. In den Studienjahren in Berlin lernte Marx die Hegelschen Ideen kennen. Danach sind Wirtschaft und Gesellschaft in beständiger Wandlung begriffen. Ein Sozialwesen trägt immer die Wurzel für Konflikte in sich. 1841 wurde Marx Chefredakteur in Köln. 1848 gründete er die "Neue Rheinische Zeitung" mit dem Geld von Kapitalisten (Banker, Kaufleute). Er verlor den Posten wegen zu revolutionärer Umtriebe und ging nach Paris. Nach längerer Zeit in Brüssel musste er später nach London fliehen. Dort konnte er das Elend der Industriearbeiter im Frühkapitalismus aus nächster Nähe beobachten (er besuchte auch die streikenden Textil- und Werftarbeiter in Schottland). Sein Freund Friedrich Engels, der auch Werke in England (Manchester)  besaß, unterstützte ihn materiell (zumindest bis er selbst Pleite ging; 350 Pfund pro Jahr). Seine Haarpracht war schon zu Lebzeiten legendär. Sein Haupt-Werk schrieb er in der British Library in London. Der Erzbischof von München Reinhard Marx, Erzbischof von München,  hat 2008 ein Buch mit dem Titel "Das Kapital" vorgelegt (München, Pattloch). Es ist eine Auseinandersetzung mit den Ideen von Karl Marx. Es geht um die zentrale Frage, ob in den marktwirtschaftlichen Ordnungen der Traum vom Wohlstand zu Ende ist (dient das Kapital noch dem Menschen?). Über diese Frage habe ich auch einen Vortrag gehalten. Mit zwei Dingen hat Marx richtig gelegen: Mit der Prognose der Globalisierung und der Fragilität der Finanzmärkte (deshalb wurde er auch 2008 wieder aktuell).  Der chinesische Künstler Wu spendet der Geburtsstadt von Karl Marx Trier im Marxjahr 2018 eine Statue (6,30m hoch auf 1,40m Sockel). Wu hat schon 500 Stauen historischer Persönlichkeiten angefertigt (Konfuzius in Peking, Laotse). "In der Tat ist also G - W - G die allgemeine Formel des Kapitals", Karl Marx (G Geld, W Waren). "Ich bin so weit, daß ich in fünf Wochen mit der ganzen ökonomischen Scheiße fertig bin", Marx 1851 in einem Brief an Engels. Er brauchte noch 16 Jahre. Berühmt ist auch ein anderes Zitat von ihm: "Was mich betrifft, ich bin kein Marxist". "Sie (gemeint ist die Industrialisierung, W. K.) hat mit einem Wort, an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt", Karl Marx.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888): Ders.: Die Darlehenskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung, sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter, Neuwied 1866. Er hat zwar kein großes Buch geschrieben, aber durch seine praktische Arbeit die Ökonomie beeinflusst wie kaum ein anderer Deutsche. Er ist in seiner Wirkung - auch international -  im Grunde genommen der größte deutsche praktische Ökonom nach Marx, wenn auch noch andere die Genossenschaftsidee vorangebracht haben. Er ist im gleichen Jahr wie Marx geboren und erlebt heute eine große Renaissance. So wurde die Genossenschaftsidee auch 2016 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Die Genossenschaftsidee ist Grundlage der Sharing Economy und anderer neogenossenschaftlicher Plattformen heute in der digitalen Revolution. Das Revolutionäre seiner Idee liegt darin, Kredite und Geschäftsanteile als soziales Bindemittel zu sehen. Kreditgeber und Kreditnehmer sind Mitglieder. Es herrscht Symmetrie der Macht. Die Mitglieder helfen sich selbst, es fließen keine Mittel an Investoren. Das Motto lautet "Hilfe zur Selbsthilfe", Mildtätigkeit reicht nicht aus. Diese Idee hat Mohamad Junus bei den Mikrokrediten wieder aufgegriffen. Menschen verfolgen nicht nur egoistisch wirtschaftliche Ziele, sondern können partnerschaftlich zusammenarbeiten und kooperieren bei Geschäftsprojekten. Das schont ganz erheblich Ressourcen. Die Genossenschaftsidee ist damit auch nachhaltig und setzt nicht auf Gewinn. Sie kann damit auch ein Modell für nachhaltiges Wirtschaften sein. "Das Geld des Dorfes dem Dorfe", Raiffeisen (Wertschöpfungsketten, die regional nachvollziehbar sind). Zu einer ausführlicheren Darstellung vgl. Genossenschaftsmodell.   Die Genossenschaftsidee ist in der Globalisierung stark auf dem Vormarsch: 2004 gab es 5470 Genossenschaften in Deutschland. 2017 sind es mehr als 8000 (Banken-, Agrar-, Energie- und Wohnungssektor sowie Mikrokreditprogramme). Die Idee ist sehr erfolgreich in Japan, Indien und Brasilien. Weltweit gehören heute mehr als 1 Mrd. Menschen Genossenschaften an. "Was einer allein nicht schafft, schaffen viele", F. W. Raiffeisen. Das ist heute auch der Grundgedanke der Crowd-Ökonomie (Crowd finance).

Alfred Marshall (1842 bis 1924): Principles of Ecomomics, London 1890. Er wird der Chambridger Schule der Neoklassik zugerechnet. Er war auch Professor in Cambridge (einer seiner Schüler war Pigou). Er hat die mikroökonomische Partialanalyse mitentwickelt. Er gilt als Schöpfer des so genannten Marshall-Diagramms. Seine analytischen Instrumente sind heute noch in den Lehrbüchern der VWL. Er war mit seinen Theorien der Zeit weit voraus. Sein zweites Buch war auch bedeutend: Elements of Ecomomics of Industry, London 1892. "Die Welt der Wirtschaft ist das Produkt der menschliche Natur; sie kann sich nicht schneller ändern als die Menschen selbst", Alfred Marshall (1842-1924): Principles of Economics, 1890; den Studenten vom Marshall-Diagramm her bekannt (auch daraus folgendes Zitat: "Economics is a study of mankind in the ordinary business of life").

Arthur Cecil Pigou (1877 - 1959): A Study in Public Finance, 1928. Principles and Methods of Industrial Peace, 1905. Er war ein britischer Ökonom und Schüler von Alfred Marshall in Cambridge. 1908 wurde er Professor in Cambridge (bis 1943). Er entwickelte die Idee der "Pigou - Steuer". Firmen, die negative externe Effekte auslösen, also Schaden und Kosten für andere verursachen, sollten dafür Steuern zahlen. Heute ist die viel diskutierte CO2-Steuer eine Pigou - Steuer. Pigou gehört der neoklassischen Schule an. Berühmt ist auch der Pigou - Effekt: fallende Löhne wirken Konjunktur belebend. Auch die Idee das Verursacherprinzip im Umweltschutz anzuwenden, geht mit auf ihn zurück: Die wahren Gesamtkosten sollten auch die Kosten der Umweltverschmutzung berücksichtigen - wer verschmutzt, der zahlt. 

Vilfredo Pareto (1848 - 1923): Er wurde in Frankreich geboren und wuchs in Italien auf. Er studierte Ingenieurswesen und wurde Bauingenieur. Mit 45 Jahren wurde er Professor für Ökonomie an der Uni Lausanne (Schweiz). Er ist bekannt für seine Arbeiten über Wohlfahrtsökonomie, darunter das nach ihm benannte "Pareto-Optimum". Trattato di sociologia generale – das soziologische Hauptwerk, 1916. Ausgewählte Schriften, Hrsg. u. eingel. von Carlo Mongardini, übersetzt aus dem Italienischen von Cristina Busolini und aus dem Französischen von Ilse Hohenlüchter, Verlag für Sozialwissenschaften, Frankfurt am Main/ Berlin/ Wien 1976. "Die Grundlage der politischen Ökonomie und, im Allgemeinen, jeder Sozialwissenschaft ist offensichtlich die Psychologie. Es mag ein Tag kommen, an dem wir in der Lage sein werden, die Gesetze der Sozialwissenschaften aus den Prinzipien der Psychologie abzuleiten", Vilfredo Pareto, Manual of Political Economy: A Variorum Translation and Critical Edition, herausgegeben von Aldo Montesanto et. al. Oxford University Press, (1906) 2013, Kap. 2, S. 21.

Frederick Taylor: The Principles of Scientific Management, New York 1911 (Über die Grundsätze wissenschaftlicher Unternehmensführung, erste Wirtschaftsbuch-Bestseller). 1856 bis 1917. Er machte als erster "Arbeit" zum Denkansatz, erforschte die Arbeitsproduktivität und begründete den "Taylorismus" (Arbeiter sind allein pekuniär motiviert und so über den Lohn steuerbar). Sein Werk zeigt auch warnend, wohin rein ingenieurwissenschaftliches Denken führen kann. Taylor wollte Arbeit so effizient wie möglich machen ("Zeit ist Geld"). Er arbeitete in der Bethlehem Steel Corporation, wo er gefeuert wurde. Er hielt mehrere Beteiligungen, die er mit 45 Jahren verkaufte.

Werner Sombart: Der moderne Kapitalismus, 1902. Eine neue Ausgabe in vier Bänden kam 1917; die endgültige Ausgabe 1928 in sechs Bänden. Er begründet eine Typologie diverser Formen des Kapitalismus und verweist auf wichtige Elemente in der Entwicklung des Kapitalismus. Weitere Werke von ihm sind Krieg und Kapitalismus sowie Luxus und Kapitalismus. Er gewährt einzigartige Einblicke in zwei Hauptfaktoren, die den technologischer Wandel im Westen vorangetrieben haben: gegenseitige Bekämpfung in Krieg und Prestigeverbrauch. Leider wird Sombart heute fast ignoriert und so wird die die lange Tradition der deutschen Ökonomie verdrängt. Die heutigen deutschen Ökonomen sind zu sehr auf die USA als Leitwirtschaft fixiert.

Max Weber (1864-1920): Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen 1921. Dieses Buch ist Fundament für die Wirtschaftssoziologie sowie die politische Soziologie und wahrscheinlich das einflussreichste soziologische Werk. Die Maschine "Bürokratie" bringt die schwache Persönlichkeit und den gedankenlosen Konsumenten hervor ("Fachmenschen ohne Geist", "Genussmenschen ohne Herz"). Verwaltungen sorgen dafür, dass politische Entscheidungen nachprüfbar werden. Auch die "Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" vom gleichen Autor ist bedeutsam, weil sie sich früh mit dem Einfluss der Kultur (Religion) auf die Wirtschaft befasst, was Ökonomen meist vernachlässigen (Warum ist in Europa der Kapitalismus entstanden?). Der asketische Protestantismus hat uns reich gemacht. Interessant ist auch sein Buch "Politik als Beruf", 1919. Politik wird mit dem Kopf gemacht, aber nicht nur mit dem Kopf (Macht des Zufalls, Charisma). Er macht eine Einteilung des moralischen Handelns in eine Gesinnungs- und eine Verantwortungsethik (tatsächliche Ergebnisse).

Georg Simmel (1858-1918, Berlin-Straßburg): Philosophie des Geldes, 1900. Aktuelle Theorie des Ausdehnungswillens des Geldes. Die Bestimmung der Zugriffsrechte des Geldes und seiner zirkulierenden Menge, die Lenkung seines Einflussbereiches und die Begrenzung seiner Taxierungsmacht muss von jeder Gesellschaft geregelt werden. Wenn Geld Kaufkraft besitzt - bis auf welche Gebiete mag sie sich erstrecken? Für Simmel ist Geld eine "jede Herzlichkeit ausschließende Sachlichkeit". "Indem man mit Geld bezahlt (hat), ist man mit jeder Sache am gründlichsten fertig". Simmel gilt als Begründer der "formalen Soziologie", der Stadtsoziologie und der Konfliktsoziologie. Er war stark beeinflusst von Max Weber und Immanuel Kant. "Wir allein entscheiden, was wir vom Geld als Wert bearbeiten und vergleichen - und was wir seiner Bearbeitung und Vergleichung als Würde entziehen - wollen", Georg Simmel.

J. A. Schumpeter (1883 - 1959): Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, 7. Aufl., Tübingen 1993. Ca. 100 hervorragende Seiten über Karl Marx. Er listet die Widersprüche des Fortschritts auf (Entpersönlichung der Arbeit, Zerstörung der Familie). Derselbe: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 9. Aufl., Berlin 1997. Sein letztes Buch trägt den Titel "Geschichte der ökonomischen Analyse". Er erfand die Vierphasentheorie des Konjunkturzyklus. Kapitalismus ist für ihn "ein Prozess der schöpferischen Zerstörung". Es ist für ihn auch weniger ein Wirtschaftssystem als eine "Kulturform". Gedanklich hat er so Disruption vorweggenommen (Begriffe wie Wagniskapital, Firmenstrategie, Innovation spielen eine große Rolle). Er wendet sich gegen die "Stagnationisten" (Smith, Ricardo, Keynes). Die Neoklassiker nennt er "Jammergestalten". Imponierend seine interdisziplinäre Ausrichtung und Phantasie. Schumpeter lehrte in Österreich, Deutschland und den USA, war auch österreichischer Finanzminister. In der Volkswirtschaftslehre ist heute die Entrepreneurial Economics als Gegenentwurf auf dem Vormarsch. Sie setzt auch wieder bei Schumpeter an. Privat war Schumpeter Karrierist, Spekulant, Frauenheld und Weltbürger. Dieses Unstete hat meiner Ansicht nach auch seinen ganz großen wissenschaftlichen Durchbruch verhindert.  "Der Prozess der schöpferischen Zerstörung ist für den Kapitalismus wesentliches Faktum..., der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft", J. A. Schumpeter, Kapitalismus... a.a.O.; S. 137f.

Keynes, J. M. (1883 - 1946): Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Berlin 2002 (9. Aufl., neue Übersetzung 2006 von "General Theory of Employment, Interest and Money"). Keynes gilt als größter Volkswirt des 20. Jahrhunderts. Seine Lehre aus der Weltwirtschaftskrise 1929 hat die Wirtschaftspolitik danach geprägt, auch die in der Weltwirtschaftskrise 2009. Revolutionär war für die damalige Zeit Keynes` Ansicht, dass marktwirtschaftlicher Wettbewerb nicht notwendigerweise zur Vollbeschäftigung führe. Er entwarf daher das Instrument der Nachfragesteuerung, um ein hohes Beschäftigungsniveau zu sichern  (notfalls soll Staatsnachfrage eingreifen). In seinem Essay "The Economic Possibilities for Our Grandchildren" schreibt er über die zentrale Bedeutung des technischen Fortschritts: "Das Ausbleiben wichtiger technischer Erfindungen zwischen dem prähistorischen Zeitalter und der vergleichsweise neuen Zeit ist wirklich erstaunlich. Fast alles, was noch zu Beginn der Neuzeit wirklich eine Rolle spielt, war bereits dem Menschen der Vorzeit bekannt". Mittlerweile gibt es auch eine Keynes-Gesellschaft in Deutschland. Keynes lebte vom 1883 bis 1946. Sein Vater war schon Wirtschaftsprofessor in Cambridge. Dort wurde er später selbst Professor. Vorher arbeitete er im Staatsdienst, auch in Indien (wenig beschäftigt schrieb er seine Dissertation). Er wurde reich durch Spekulationen an der Börse (als Dozent verdiente er zu wenig). Keynes verfolgte an der Börse eine Langfriststrategie (Auf und Ab ist nicht berechenbar, erstklassige Unternehmen mit guten Management auswählen, auch erfolgreiche Strategien hinterfragen). Er war auch ein wichtiger Berater in Versailles nach dem 1. Weltkrieg und in Bretton Woods nach dem 2. Weltkrieg. 1930 erschien seine Geldtheorie (Vom Gelde), ein wichtiger Baustein des obigen Buches. Eine zentrale Frage war: wo bleibt das Geld? Die Zentralbank könne jede Flaute bekämpfen.  Sein Privatleben war Bestandteil der Regenbogenpresse, weil er mit einer russischen Ballerina verheiratet war (und vorher homosexuelle Beziehungen hatte). Er war auch ein begeisterter Kunstsammler (Cezanne, Degas, Modigliani, Picasso). Keynes starb an Herzversagen (Streptokokken der Mandeln hatten sich in den Herzklappen festgesetzt). Die Geldtheorie von Keynes ist heute in wesentlichen Teilen überholt. Er sieht Zins als die Entschädigung für den Verzicht auf Liquidität. Keynes war nach Marx erst der zweite Ökonom, der ein makroökonomisches Gesamtmodell entwickelte. "Die auffallenden Mängel der volkswirtschaftlichen Gesellschaft, in der wir leben, sind ihr Scheitern bei der Bereitstellung von Vollbeschäftigung und ihre willkürliche und ungerechte Verteilung von Vermögen und Einkommen", John Maynard Keynes.

Ludwig Erhard: Wohlstand für alle, 1957: Die "Denkschrift" ist eine aufbereitete Edition von Erhard-Zitaten, zusammengestellt von dem Journalisten Wolfram Langer. Das Buch wurde bis heute über 250.000 Mal verkauft. Es wurde auch zum Kapagnenmotto der CDU und ist daher auf den Wahlkampf hin geschrieben. Neuere Erkenntnisse der Wirtschaftsgeschichte zeigen, dass eher Müller-Armack die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft entwickelt hat. Das Wirtschaftswunder wird auch eher den günstigen Rahmenbedingungen zugeschrieben. Vgl. Das deutsche Maskottchen, in: Wirtschafswoche 26/ 23.06.2017, S, 19ff. "Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, dass der Einzelne sagen kann: Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein", Ludwig Erhard, Wohlstand für alle, 1957.

von Hayek, Friedrich August (1899-1992): Die Verfassung der Freiheit, 1960 (The Constitution of Liberty). Die Geschichte des liberalen Denkens. Definition der persönlichen Freiheit. Entwicklung des Rechtstaates. Bedrohungen der Freiheit. Er erkannte einen Kreislauf, bei dem während einer Rezession der Zinssatz sinkt. Dies hat die Aufgabe vieler Kredite zur Folge. Höhere Zinsen wirken dagegen. Seit 1998 gibt es eine Hayek-Gesellschaft. Sie kämpft gegen Überregulierung, Interventionismus, Vergemeinschaftung von Schulden. 1927 gründete er das Österreichische Institut für Konjunkturforschung mit. 1931 wurde er an die London School of Economics berufen, 1950 wechselte er an die University of Chicago. Erstes wichtiges Buch 1944: The Road to Serfdom (Der Weg zur Knechtschaft). Hayek hat darin wie stets vor den Gefahren des Kollektivismus gewarnt. Es geht ihm um die ökonomische Bedeutung der Freiheit. Zuletzt, von 1962 an, wirkt Hayek an der Uni Freiburg (vorher in Wien, London School of Economics und Chicago). 1974 bekommt er den Nobelpreis für Wirtschaft.  "Freiheit ist wesentlich, um Raum für das Unvorhergesehene und Unvoraussagbare zu lassen; wir wollen sie, weil wir gelernt haben, von ihr die Gelegenheit zur Verwirklichung unserer Zeile zu erwarten", F. A. von Hayek. Von ihm stammt auch folgendes Zitat: "Das Geld ist eines der großartigsten Werkzeuge der Freiheit, die der Mensch erfunden hat".

Friedman, Milton (1912-2006): A Monetary History of the United States 1867-1960, zusammen mit Anna J. Schwartz, Princeton 1963. In diesem Werk wird die große Bedeutung der Geldpolitik für Konjunktur und Inflation belegt. Es wird versucht, nachzuweisen, dass die Große Depression auf Fehler der amerikanischen Notenbank zurückzuführen ist. Vgl. von Friedman auch Kapitalismus und Freiheit, München 1962 (Plädoyer für Freiheit und Marktwirtschaft, siehe Zitat unten). Friedman hatte auch als erster die Idee von Helikoptergeld. Milton Friedman lebte von 1912 bis 2006. Er hatte einen Lehrstuhl an der University of Chicago. 1976 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis. Er bereitete gedanklich den Weg für die Neoliberale Wende von Ronald Reagan in den USA und Margaret Thatcher in Großbritannien. Berühmt berüchtigt ist seine Beratertätigkeit für das Regime in Chile nach dem Sturz Allendes (man sprach etwas abwertend von "Chicago-Boys"). Als einer von wenigen Ökonomen war Friedman immer sehr ehrlich: er bekannte, dass es in einer Marktwirtschaft immer um Gewinn geht.  "Ein Staat, der Recht und Ordnung aufrecht erhielte, Eigentumsrechte definierte, als Medium diente, durch welches wir Eigentumsrechte und andere Regeln des ökonomischen Spiels ändern könnten, Streitigkeiten über die Interpretation der Regeln entschiede, die Erfüllung von Verträgen durchsetzte, den Wettbewerb förderte, eine Währungsverfassung bereitstellte, Aktivitäten entfaltete, um technischen Monopolen entgegenzuwirken und solche Nachbarschaftseffekte zu bewältigen, die weithin als hinreichend erachtet werden, um staatliche Intervention zu rechtfertigen, und der private Wohltätigkeit ergänzte wie die Familie bei dem Bemühen, den Unmündigen, ob geistig Behinderten oder Kind zu schützen – solch ein Staat hätte eindeutig wichtige Funktionen zu erfüllen,“ Milton Friedman.

Ronald Coase: The Problem of Social Cost, 1960; The nature of the firm, in: Economica, Vol.4, No. 16 (1937), S. 386-405;  The Firm, the Market and the Law, Chicago 1990. Von der Wirkung her zählt Coase sicher zu den größten Ökonomen des letzten Jahrhunderts. Coase wurde 1910 in Willesden bei London geboren; er starb 2013. Er studierte an der London School of Economics und lehrte später in den USA (zuletzt in Chicago).  1991 erhielt er den Nobelpreis für Ökonomie. Er war Vorreiter wichtiger Innovationen in der VWL: Neue Institutionenökonomik. Vertragstheorie, Principal Agent. 2012 erscheint sein letztes Buch: How China became Capitalist (muss man nicht gelesen haben; wahrscheinlich war er nicht mehr ganz frisch im Kopf). Umso lesenswerter sind seine anderen Werke, sie sprühen vor Innovationen.

Robert Solow (geb. 1924, 1987 Nobelpreis, MIT in Cambridge); tot sind inzwischen die ehemaligen Kollegen R. Dornbusch, F. Modigliani, Paul Samuelson): Mitbegründer des MIT-Ansatzes: "Die Wirtschaft mit dem Ingenieurblick betrachten. Wenn die Maschine nicht funktioniert, dann muss das defekte Teil herausgefunden werden und dann repariert werden".  Seine Schüler sind heute weltbekannte Ökonomen (Kenneth Rogoff, Maurice Obstfeld, Oliver Blanchard, Paul Krugman). Er war wohl auch ein großer Lehrer. Auf Solow geht das neoklassische Modell von R. Solow zurück. Technischer Fortschritt ist entscheidend, deshalb baut er Innovationen ein. Höchstens 50 Prozent des langfristigen Wachstums sind durch höheren Einsatz von Arbeit und Kapital erreichbar, der Rest ist Folge des technischen Fortschritts. "Da die Wachstumsrate des technischen Fortschritts exogen gegeben ist, bestimmt sie und nur sie allein die stetige Wachstumsrate der Wirtschaft", Robert Solow. Ders.: A Contribution to the Theory of Economic Growth, in: Quaterly Journal of Economics, Bd. 70, 1956, S. 65-94.

Gary Becker: Er lebte von 1930 bis 2007. 1970 wird er Professor an der University of Chicago (erst Wirtschaftswissenschaften, später Soziologie). Vorher war er an der University of Columbia. 1992 bekommt er den Nobelpreis für Wirtschaft. Berühmte Bücher sind: The Economics of Discrimination, 1957 (Auswirkungen von Vorurteilen auf dei Beschäftigung von rassischen Minderheiten). A Treatise on the Family, 1981 (Rotten-Kid-Theorem: ein egoistisches Kind ist im Umgang mit seinen Geschwistern brav, um sich einen größeren Anteil des elterlichen Wohlwollens zu sichern). Viele seiner Ideen erleben eine Renaissance in der Freakonomics oder The Undercover Economist.

Abraham H. Maslow: Motivation and Personality, New York 1942. Er lebte von 1908 bis 1970. Er gilt als einer der einflussreichsten Anthropologen in der Wirtschaftswissenschaft. Am bekanntesten ist sein Konzept der Bedürfnishierarchie. Außerdem schrieb er folgende Bücher: A Theory of Human Motivation, 1943; Psychologie des Seins. Ein Entwurf, 1962.  Maslow erkennt zusammen mit Elton Mayo auch den Wert der Teamarbeit.

Henry Hazlitt: Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft, München 2014 (Finanzbuchverlag). Original: Ders., Economics in One Lesson, 1946. Eines der populärsten Bücher über Ökonomie. Über 1 Million Mal verkauft. "The art of economics consists in looking not merely at the immediate but at longer effects of any act or policy; it consists in tracting the consequences of that policy not merely for one group but for all groups", Henry Hazlitt, Economics in One Lesson, 1946, S. 5.

Peter Drucker: The Practice of Management, 1954 (schon 1939 "The End of Economic Man"). Er lebte von 1909 (geboren in Wien) bis 2005. Er studierte in Frankfurt, zog dann nach England und später nach USA. Er entwickelte zahlreiche Theorien zur Unternehmensführung (z. B. Management by Objectives) und gilt hier als der erfolgreichste Theoretiker: "Vater des modernen Managements". Er war insofern der wichtigste Vordenker des modernen Management und bezog als erster die Ökologie ein. Weitere bekannte Bücher von ihm sind: Das Großunternehmen, 1946, dt. 1966; Management, 1973, dt. 1974. "Das meiste, was wir Unternehmensführung nennen, sind Dinge, die es den Leuten erschweren, ihre Arbeit zu erledigen". "If you want something new, you have to stop something old", Peter Drucker. Mittlerweile gibt es eine Peter Drucker Society Europe. 2016 ist Richard Straub der Präsident (der Jahreskongress 2016 findet in Wien statt).

Frederik Herzberg/ Bernhard Mausner et. al.: Motivation to Work, New York 1959. Herzberg lebte von 1923 bis 2000. Er entwickelte die Zweifaktorentheorie der Arbeitszufriedenheit, die die einflussreichste auf diesem Gebiet ist, wofür es in der Regel auch weltweite Daten gibt. Er unterscheidet zwischen Motivationsfaktoren und Hygienefaktoren. "Auf die Arbeit schimpft man so lange, bis man keine mehr hat", Sinclair Lewis, US-amerikanischer Autor.

Igor H. Ansoff: Corporate Strategy. An Analytic Approach to Business Policy for Growth and Expansion, New York 1965. Geb. 1918 in Russland; er entwickelte die Strategische Planung als Managementaufgabe (Modell "drei S"). Ansoff starb 2002. Seine Matrix (Neue Märkte, Bestehende Märkte; Bestehende Produkte, Neue Produkte) ist immer noch ein Grundpfeiler des Marketing. "Als Firmen ihre Strategien immer geschickter formulierten, entstand bei der Übersetzung der Strategie in Ergebnisse ... Paralyse durch Analyse", Igor Ansoff.

Ernst F. Schumacher: Small is beautiful: A Study of Economics as if People Mattered, Vancouver 1973. Gilt als eines der ersten grundlegenden Bücher über kleinere Unternehmen und als Klassiker für eine alternative wirtschaftliche Denkweise (deutsch 1977: Rückkehr zum menschlichen Maß). Es enthält auch eine "Buddhistische Wirtschaftslehre". Schumacher ist ein britischer Ökonom und ehemaliger Wirtschaftsmanager.

Charles Handy (geb. 1932 im irischen Kildare, Ehrendoktortitel von sieben britischen Universitäten; Wirtschafts- und Sozialphilosoph): Understanding Organizations, 1976: Konzepte wie Kultur und Führung werden abgehandelt. Der Erfolg von Organisationen hängt davon ab, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen. In "Gods of Management" skizzierte er 1978 die Idee, dass alle Organisationen vier altgriechischen Göttern zuzuordnen sind: Zeus (Klubkultur), Apollo (Rollenkultur, Athene (Aufgabenkultur, Dionysos (Existenzielle Kultur).  The Age of Unreason, 1989: Konzept der "Kleeblatt-Organisation". 2007 erschien seine Autobiographie "Ich und andere Nebensächlichkeiten".

Michael Porter: Competitive Strategy: The Core Concepts, New York 1980. Er wurde 1947 geboren. Er definierte den Begriff "Wettbewerbsvorteile" neu und begründete neue Rahmenbedingungen. Er lehrt in Harvard. Von ihm stammt auch die Porter - Hypothese in der Umweltökonomik. "Einmal zwischen den Stühlen, bedarf es in der Regel Zeit und kontinuierliche Anstrengung, um das Unternehmen aus dieser wenig beneidenswerten Position zu befreien", Michael Porter. Auch: "Jedes im Wettbewerb stehende Unternehmen hat  eine Wettbewerbsstrategie, bewusst oder unbewusst".

Philip Kotler: Er gilt als der Vater des modernen Marketing. Geboren wurde er 1931. Kotler ist S. C. Johnson & Son Distinguished Professor an der Kellog School of Management der Northwestern University. Gegenwärtig zählt er zu den einflussreichsten Wirtschaftstheoretikern. Seine Bücher wurden in 25 Sprachen übersetzt. Bücher: Grundlagen des Marketing, 1980. Marketing 4.0, 2017. Zitat aus dem aktuellen Buch: "Die Hauptprämisse dieses Buches ist, dass sich das Marketing an die veränderte Natur der Customer Journey in der digitalen Wirtschaft anpassen muss. Aufgabe des Marketing ist es, die Verbraucher zu begleiten auf diesem Weg von der Wahrnehmung einer Marke bis hin zu ihrer Empfehlung", ebenda S. 13.

Tom Peters/ Robert Waterman: In Search of Excellence, 1987. Peters, geboren 1942. Das Buch war 20 Jahre eines der am meisten verkauften. "Exzellente Firmen glauben nicht an Exzellenz - nur an konstante Verbesserung und konstante Veränderung", Tom Peters.

Paul Anthony Samuelson (1915 bis 2009): Sein Lehrbuch der Volkswirtschaftslehre gilt als das am meisten verkaufte Lehrbuch aller Zeiten (19 Auflagen in 41 Sprachen). Später ist als Mitautor auch William D. Nordhaus eingestiegen, der 2018 den Wirtschaftsnobelpreis erhält. Nordhaus bringt umweltökonomische Aspekte ins Lehrbuch.  Samuelson war einer der einflussreichsten Ökonomen und hat mehrere Hundert Bücher auf vielen Gebieten der Volkswirtschaftslehre verfasst. Er hat unter anderem versucht, die Keynesianische Theorie mit der neoklassischen Wirtschaftstheorie zu verbinden. Er erhielt den Wirtschaftsnobelpreis 1970. "Vor Jahren sahen Ökonomen den perfekten Wettbewerb als Ideal...Heute erkennen wir, dass die ganze Welt eine Ausnahme vom tadellosen Wettbewerb ist. Hätten wir allen nicht perfekten Konkurrenten die Köpfe abgeschlagen, gäbe es kaum noch Köpfe", Paul Samuelson.

Herbert Simon (1916 - 2001): Er war ein Universalgelehrter. Er arbeitet in den Bereichen Psychologie, Soziologie, Informatik und Ökonomie. Er war auch ein Pionier der Verhaltensökonomik. Er entwickelte ein Konzept der "eingeschränkten Rationalität". Er erhielt 1978 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Seine bekanntesten Werke bzw. Bücher sind: Administrative Behavior, 1947. Mit March: Organizations, 1958.

Daniel Kahneman: Schnelles Denken, Langsames Denken, München 2012 (Übersetzung von Thinking, Fast and Slow, 2011). Der wichtigste lebende Psychologe für die Wirtschaftswissenschaften dürfte Daniel Kahneman sein. Er ist auch Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften. Das obige Buch ist von großer Bedeutung für den Zusammenhang von Psychologie und Wirtschaftswissenschaften gewesen. Kahneman kommt von der Wahrnehmungspsychologie. In seinem Buch behandelt erfolgende Themen: 1. Zwei Systeme (automatisch und schnell; subjektives Erleben und komplexe Berechnungen). 2. Heuristiken und kognitive Verzerrungen. 3. Selbstüberschätzung. 4. Entscheidungen. 5. Zwei Selbste. Kahneman hat mit seinen Arbeiten stark die Verhaltensökonomik beeinflusst, etwa die Forschungen von R. Thaler. "Der Mensch neigt dazu, seine langfristigen Interessen seinen kurzfristigen Vorlieben zu opfern", Daniel Kahneman, s. o.

Richard Thaler (geb. 1945): Misbehaving. Was uns die Verhaltensökonomik über unsere Entscheidungen verrät, München (Siedler) 2018. Originalausgabe "Misbehaving. The Making of Behavioral Economics, New York (Norton) 2015. 2017 wird die höchste Auszeichnung der Ökonomie (Nobelpreis) an Richard H Thaler von der University of Chicago vergeben. "Thaler hat die Ökonomie menschlicher gemacht", ließ das Nobelpreis-Komitee verlauten. Thaler hat eine Theorie des libertären Paternalismus entwickelt. Durch gezieltes Anstupsen (Nudging) sollen die Menschen in ihren Entscheidungen zu Positivem beeinflusst werden. Allerdings können die unterbewussten "Entscheidungshilfen auch von der Politik und Unternehmen missbraucht werden. "Warum fällt es uns so schwer, Geld fürs Alter zurückzulegen, obwohl dies sinnvoll wäre? Warum können wir keinem vermeintlichen Schnäppchen widerstehen?"  (Umschlagtext). Sehr einflussreich war auch sein Buch "Nudge", das er gemeinsam mit Cass Sunstein verfasst hatte. Es erschien 2008.

N. Gregory Mankiw/ Mark Taylor: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Stuttgart (Schäffer-Poeschel, amerikanische Originalausgabe und Europaausgabe in Englisch) 2012. Diese Lehrbuch ist mittlerweile das führende Grundlagen- und Einführungslehrbuch weltweit in der VWL. Es hat das Buch von Samuelson/Nordhaus, das mit 4 Millionen Exemplaren vom Verkauf her noch führt, abgelöst. Es ist zwar mit 1108 Seiten sehr dick und lang, dafür aber  gut zu verstehen und selbständig durchzuarbeiten (Workload!). Der große Vorteil liegt auch in der Aktualität und Anwendungsorientierung. Leider fehlen die formalen analytischen Grundlagen der Ökonomie. 2015 erscheint von den gleichen Autoren plus Andrew Ashwin in Deutschland das Lehrbuch "Volkswirtschaftslehre für Schule, Studium und Beruf", Stuttgart (Englisch: Dies.: Business Economics, London u. a. 2013). Es eignet sich gut für den Einsatz in Bachelor - Studiengänge, bei denen häufig die VWL - Stundenzahlen reduziert wurden. Leider regt das Buch zu wenig zum volkswirtschaftlichen Denken an, ist zu unkritisch, enthält zu wenig Umweltökonomik und unterstützt nicht das Abstraktionsvermögen. Siehe Greg Mankiw`s Blog: gregmankiw.blogspot.com

Thomas Piketty: Das Kapital im 21. Jahrhundert, München 2014. Dieses Buch des französischen Ökonomen über die Ungleichheit im Kapitalismus (Capital in the Twenty-First Century, Harvard University Press, 2013 in Französisch: Le capital au XXI siecle, Paris) schlug hohe Wellen. Seine Grundthese lautet: Der Kapitalismus schädigt die Demokratie. Leistung lohnt sich doch nicht. Es gibt eine wachsende Konzentration des Vermögens auf der Welt. Die Gesetzmäßigkeit im Kapitalismus lautet: Rendite aus Vermögen r (Kapitalrendite) ist größer als das reale Wirtschaftswachstum g. Im Einzelnen stellt Piketty folgende Thesen auf: 1. Die Ungleichheit wächst; 2. Die Mehrheit der Bevölkerung kann nicht mehr mithalten; 3. Kapital gewinnt an Gewicht; 4. Das Wachstum wird in den Industrieländern immer schwächer; 5. Die Erbschaftswelle rollt. Die Zuordnung empirischer Belege zu diesen Thesen ist umstritten. Die  Datenreihen sind auch ungenau und lückenhaft (Rechenfehler, Übertragungspannen). Besonders wird kritisiert, dass an vielen Stellen die Steuern ausgeblendet werden. Ein objektives Maß für eine gerechte Verteilung von Vermögen und Einkommen gibt es noch nicht Das Buch erzielt in den USA große Aufmerksamkeit, viel mehr als in Frankreich. Kapitalrendite ist größer als das Wachstum (r > g): Mathematische Zusammenfassung des Buches von Thomas Piketty (Das Kapital des 21. Jahrhunderts, 2013). Als Slogan: Wer erbt, verdient mehr, als derjenige, der arbeitet. Das bezeichnet Piketty als den "zentralen Widerspruch des Kapitalismus". Die Ungleichheit wächst im Kapitalismus ständig an. Die Schere zwischen Arm und Reich wird sich immer weiter öffnen. Piketty beweist diese These mit großen Datenmengen im Computer.

Jürgen Habermas (geb. 1929): Er ist der berühmteste lebende Philosoph. Er wuchs in Gummersbach auf. Er studierte Philosophie und promovierte in Bonn. 1956 ging er an das Institut für Sozialforschung in Frankfurt (Theodor W. Adorno, Max Horkheimer). 1964 wurde er Professor für Soziologie in Frankfurt. 1971 wurde er Co-Direktor am Max-Planck-Institut in Starnberg. 1983 wechselt er wieder nach Frankfurt. Berühmte Bücher von ihm sind: Strukturwandel der Öffentlichkeit, 1962. Theorie des kommunikativen Handelns, 1981. Legitimationsprobleme des Spätkapitalismus, 1976. Seine Werke wurden in über 40 Sprachen übersetzt. Zentrale Themen sind: Demokratie, Rechtstaat, Rationalismus, Diskurs, Kommunikation, Öffentlichkeit und globale Ordnung, insbesondere Europa.  2006 wurde ein Asteroid nach ihm benannt. "Mündigkeit ist die einzige Idee, deren wir im Sinne der philosophischen Tradition mächtig sind". "Idealismus ohne Illusion, Realismus ohne Anpassung".

"50 Prozent der Wirtschaft ist Psychologie, Wirtschaft ist eine Veranstaltung von Menschen, nicht von Computern", Alfred Herrhausen, durch ein Attentat getötet, ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank.

 

 

       "Ich bin Handwerker, kein Künstler", Sönke Wortmann, deutscher Regisseur (geb. 1959, "Das Wunder von Bern", drehte auch den offiziellen Film zur Fußball-WM 2006 in Deutschland "Ein Sommermärchen", ab Oktober 2006 im Kino).

Filme:

Gliederung: Japan, China, Indien, Süd-Korea, Vietnam Umwelt, Kultur und Psychologie, Sonstige Relevante (Ökonomie, Spieltheorie).

Japan: Der Film "Last Samurai" zeigt einige Grundzüge der japanischen Kultur auf, wenn man dafür auch die vielen unnötigen Kriegsszenen in Kauf nehmen muss. Die Umbrüche in der Meiji-Zeit (1876, Ende der Samurai) werden geschichtsverzerrend wiedergegeben. Viele bekannte historische Denkmäler sind zu erkennen. Einiges über die japanische Kultur erfährt man auch aus dem Film "Lost in Translation", der in Tokio spielt. Bill Murray wird unvorbereitet in das fremde Land "Japan" versetzt. Viele sehen ihn als Film des Jahrzehnts. Clint Eastwoods Pazifikkriegsstudie "Letters from Iwo Jima" zeigt, wie sinnlos es ist, einen Hügel zu verteidigen (ungeheure Übermacht der USA), aber auch einiges über das japanische Wertesystem (der Film wird am 15.01.18 im Fernsehen bei Arte gezeigt). "Sakuran - Wilde Kirschblüte" ist die Geschichte vom Aufstieg eines unbändigen Mädchens zur ranghöchsten Kurtisane im Tokio (Vergnügungsviertel Yoshiwara) des 18. Jahrhunderts. Auf der Berlinade 2008 wurde der Film "Kirschblüten - Hanami" von Doris Dörrie vorgestellt. Es geht um ein bayrisches Ehepaar. Als die Frau stirbt, geht er dem Traum der Frau nach: Japan, Fuji und der Butoh -  ein Ausdruckstanz (die Toten träumen von uns). Er selbst lebt den Traum seiner Frau in Tokio, wo ein Sohn lebt, aus und wird dort selbst nach seinem Tod nach buddhistischem Ritual begraben. Die Kirschblüte ist leicht, wunderschön - aber vergänglich. Wie ein Menschenleben in Zeitraffer. "Hachiko" ist die Geschichte von einem treuen Hund in Japan, der von tiefem Vertrauen und Freundschaft zwischen Mensch (Richard Gere) und Tier über den Tod hinaus handelt. "Sushi in Suhl" (Kino 2012, Fernsehen 2014) ist die Geschichte vom einzigen Japan-Restaurant in der DDR (eine wahre Geschichte). Rolf Anschütz baut über viele Jahre die Japan-Abteilung der Wappenschmiede auf. Er wird schließlich mit einem Orden der DDR und der Japanischen Regierung ausgezeichnet.  Die DDR-Regierung hoffte, Beziehungen zu Japan aufnehmen zu können und unterstützte daher das Projekt. 2015 kommt wieder ein neuer Star Wars-Film in die Kinos. Der Begriff "Jedi" kommt aus dem Japanischen (Jidai-gedi). Im Mittelpunkt der Filmreihe stehen die Jedi und die Sith. Die Geschichten der Filme (früher von George Lucas, heute von W. Disney) verbinden Anlehnungen an den Shintoismus/ Samurai, Buddhismus und Daoismus. Interessant ist es, diese Bezüge in den Filmen zu identifizieren. 2015 erscheint auch der japanische Film "Kirschblüten und rote Bohnen". Naomi Kawases Film erzählt von drei Außenseitern. Weil sie zusammen kochen, sind sie sich nicht mehr fremd. Es geht um Sinn stiftende Rituale und kulturelle Vorstellungen. Also ist der Film sehr lehrreich im Sinne meiner Veranstaltung "Interkulturelle Kommunikation". Im Jahre 2018 gewinnt das Drama "Shoplifters" des japanischen Regisseurs Hirokazu Kore-Eda die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes. Es geht um Kleinganoven, die ein Kind bei sich aufnehmen. 2018 kommt der neue Film von Martin Scorsese heraus. Er heißt Silence und beleuchtet die Hintergründe der ersten Missionare und Christen Japan. Man bekommt einen guten Überblick über die japanische Kultur. 2019 kommt eine Art Fortsetzung von Dörries Kinoerfolg "Kirschblüten - Hanami" (2007) in die Kinos. Der Film heißt "Kirschblüten & Dämonen". 10 Jahre nach dem Tod seiner Eltern muss der Held von Bayern nach Japan reisen, um nicht mehr von den Erinnerungen verfolgt zu werden. Es geht um den Verlust von Männlichkeit.  Im Dezember 2015 stirbt die japanische Schauspielerin Setsuko Hara 95jährig in Kamakara. Sie hatte in viele berühmten Filmen mitgewirkt (Tochter des Samurai, Später Frühling, Weizenherbst, Die Reise nach Tokio). Sie wurde gefeiert für die Verkörperung des japanischen Frauenideals "yamato nadeshiko", das in sich die Wesenszüge Hausfrau, Geisha und Samurai vereinigt.

China: Sehr empfehlenswert ist der Film "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin", der zu Zeit der Kulturrevolution in China spielt (in der Regel auch in Programmkinos). "Tuyas Ehe" aus China (Wang Quan`an) gewinnt den goldenen Bären der 57. Berlinale 2007. Es geht um eine aussterbende Gesellschaft (Nomaden, Schafzucht) und Umweltprobleme (kein Wasser) in der inneren Mongolei. Im Mittelpunkt steht eine mongolische Bäuerin, die sich nicht klein kriegen lässt. Beeindruckend sind die schönen Landschaftsaufnahmen. Ab Ende 08.07 kam der Film in deutsche Kinos, jetzt fast nur noch in Programmkinos. Gefahr und Begierde von Ang Lee (goldener Löwe und Palme) spielt in der Zeit des 2. Weltkriegs in Hongkong und Shanghai. China ist von Japan besetzt  und es gibt eine Kollaborationsregierung. Die Hauptdarstellerin gehört der Widerstandsbewegung an und wird auf einen Minister angesetzt. Sie zerbricht an dem Konflikt zwischen Liebe und Patriotismus. Das Kriegsdrama "John Rabe" ist 2009 zum besten deutschen Spielfilm mit der Lola in Gold (Deutscher Filmpreis, höchstdotierter Kulturpreis) ausgezeichnet worden. Regisseur Florian Gallenberger zeigt hier den deutschen Helden, der in China viele Menschen vor den Japanern im Kriege schützt und das Leben rettet (als Betriebsleiter von Siemens baut er eine Schutzzone auf). Rabe ist in China als Held sehr bekannt, nicht aber in Deutschland. Ulrich Tukur und Daniel Brühl zeigen eine herausragende schauspielerische Leistung. Die 60. Berlinale 2010 wird mit der chinesischen Tragikomödie "Apart Together" gestartet. In dem Film von Regisseur Wang Quan´an reist ein ehemaliger Soldat aus Taiwan zurück nach Shanghai, um seine große Liebe wieder zu finden, die er vor 50 Jahren schwanger verlassen hat. Die Enkelin seiner großen Liebe zeigt ihm die Stadt. Der Film Shanghai von 2010 aus den USA steht in der Tradition von Casablanca. Er erzählt von einem amerikanischen Geheimagenten, der in die Stadt geschickt wird, um den Tod eines Freundes aufzuklären. Es ist eine Woche vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor. Im Mittelpunkt steht eine große Liebe, die sich als nachhaltiger erweist als die politischen Beweggründe. 2019 auf der Berlinale wird der Film "So Long, My Son" aus China gezeigt. Es ist die Geschichte eines einfachen Ehepaars, das im Verlauf von 30 Jahren zwei Kinder (Unfall, Zwangsabtreibung), die Arbeit, Freunde und beinahe sich selbst verliert. Der Hauptdarsteller Wang Jing-chun wird mit dem Silbernen Bären als Darsteller ausgezeichnet. Die chinesische Zensur schneidet regelmäßig unliebsame Teile aus ausländischen Filmen heraus. Bei der Filmkontrolle ist kein Muster zu erkennen. Es geht meist nicht um politische Aspekte. Der Schauspieler Volker Helfrich hat in China Karriere gemacht. Er ist originalgetreuer Darsteller westlicher "Langnasen".

Indien: Der indische Film "The Namesake, zwei Welten, eine Reise" aus dem Jahre 2006 von Mira Nair ist eine hervorragende Fallstudie auf die Akkulturation. Die zwei Welten sind Kalkutta in Indien und New York in den USA. Vor dem kulturellen Hintergrund wird eine wunderbare fesselnd Familiengeschichte erzählt. "Slumdog Millionaire" aus Indien hat 8 Oskars bekommen. Er handelt von einem indischen Jungen aus den Slums von Mumbai, der bei der Sendung "Wer wird Millionär" 20 Mio. Rupien gewinnt. Für mich war der Film eher eine Enttäuschung, weil er klischeehaft gemacht ist und zu wenig über das reale Leben in Indien erzählt. Auch die sprunghafte Bildführung ist sehr gewöhnungsbedürftig. Indien verfügt quantitativ über die größte Filmproduktion der Welt. Der Film "Life of Pi" ist zwar kein indischer Film oder Film über Indien, aber er erzählt von einer missglückten Ausreise aus Indien nach Kanada. Ein Junge überlebt auf einem Rettungsboot und Floß zusammen mit einem Tiger. Das Abenteuer des Überlebenskampfes beider schildert der Film in faszinierenden 3D-Bildern.

Süd-Korea: 2019 gewinn der südkoreanische Film Parasite von Bong Joon-ho die Goldene Palme von Cannes. Es ist ein Thriller über eine südkoreanische Familie, die sich bei Reichen "einzeckt". Die Familie ist bitterarm und kann sich mit List in eine reiche Familien einschleichen und dann das Kommando übernehmen.

Vietnam: Der bekannteste Vietnam-Film ist "Apocalypse Now" von Francis Ford Coppola. Auch "Full Metal Jacket" von Stanley Kubrick begleitet Kampf- und Schlachtszenen aus Vietnam. Eine Art Komödie ist "Good Morning Vietnam"  von 1987. "Indochine" mit Catherine Deneuve wurde 1991 an Originalschauplätzen in Vietnam gedreht.

Umwelt: Im Oktober 2006 startete in Deutschland der Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" von Al Gore. Der Film gewann später auch zwei Oskars . Es geht um Weltklima- und Umweltschutz. Der ehemalige US-Vizepräsident und Präsidentschaftskandidat kämpft seit seinem Buch "Wege  zum Gleichgewicht" und Kioto für dieses Thema; vgl. auch www.climatecrisis.net . 2007 erhält er den Friedensnobelpreis. Der Film "Unsere Erde", der im Februar 2008 in Deutschland gestartet ist,  behandelt ebenfalls die Folgen der globalen Erwärmung und des Klimawandels. Am Beispiel der Tiere, vor allem der Eisbären und der Buckelwale, wird die Bedrohung verdeutlicht. Es handelt sich um eine Naturdokumentation mit atemberaubenden Bildern. Vgl. auch www.unsere-erde-derfilm.de . James Camerons "Avatar" ist mittlerweile der erfolgreichste Film aller Zeiten. Das Science-Fiction-Drama ist ökologisch angehaucht. Für einen wichtigen Rohstoff sollen die Ureinwohner von ihrem "Lebensbaum" durch Zwangsräumung vertrieben werden. Einerseits lebt der Film von vielen Klischees, andererseits ist das optische Erleben beeindruckend. Der Film "The Descendents" behandelt die Geschichte einer Familie auf Hawaii. Es geht auch um den möglichen Verkauf einer Immobilie, die die Küste "verschandeln" würde. Im Mittelpunkt steht aber ein Familienvater (gespielt von George Clooney, Golden Globe, Regisseur Alexander Payne), der die Familie mit zwei Töchtern alleine zusammenhalten muss, weil seine Frau im Koma liegt. Die Klischees von "heiler Familie" im "heilen Amerika" sind etwas zu dick aufgetragen. "Chasing Ice" (USA 2013, Regie: Jeff Orlowski) zeigt überzeugender als abstrakte Statistiken das Verschwinden der Gletscher. Beeindruckend wird gezeigt, welche Gewalt die Natur entwickeln kann. Es ist eine Reaktion auf die Hybris der Menschen. Manaslu (Österreich/ Südtirol 2019) ist ein Film über die Besteigung einer der höchsten Berge der Erde in Nepal (einer der 14 Achttausender, 8163 m, "Berg der Seelen"). Der Bergsteiger Hans Kammerlander scheitert zweimal. 1991 verliert er dabei zwei Freunde. Beim zweiten Aufstieg 2017 merkt Kammerlander beim Vergleich die Folgen des Klimawandels. Die Interview von Werner Herzog sind eindrucksvoll eingebaut. Kammerlander hielt auch zweimal Vorträge über seine Achttausender-Besteigungen in Neustadt an der Weinstraße. Als erster Mensch bestieg er zusammen mit Reinhold Messner zwei Achttausender nacheinander. Bei der Besteigung des Everest ohne Sauerstoffgerät fuhr er danach mit Skiern abwärts.  "Es kann nur auf einem anderen Planeten oder in China stattfinden", Han Han, chinesischer Blogger.

Kultur und Psychologie: "Viel Passiert", ein Film von Wim Wenders über BAP, zeigt viel über die Zeitgeschichte der letzten 30 Jahre und über die Kultur meiner Heimatregion ("Et kütt wi et kütt, äwer et hätt noch immer joot jejange", BAP waren am 15.03.09 in Mannheim im Rosengarten). Der Besuch des Filmes "Die Kinder des Monsieur Mathieu" kann nur jedem Pädagogen nahe gelegt werden. "Wall Street" ist für Wirtschaftsstudenten allein schon sinnvoll, um über folgenden Spruch von Michael Douglas nachzudenken: "Lunch is for wimps" (Mittagspause ist etwas für Schwächlinge); auch: "Greed (Gier) clarifies, cuts trough and captures the essence of the evolutionary spirit. Greed, in all of its forms - greed for life, for money, for love, knowledge - has marked the upward surge of mankind". Dieser Spruch ist durch die Weltwirtschaftskrise überraschend aktuell geworden. Im Herbst 2010 kommt der zweite Teil mit gleichem Titel in die Kinos, auch mit Michael Douglas. Er handelt von der Finanzkrise, die allerdings zu sehr mit Spielsucht erklärt wird. Die Verquickung mit dem Happyend einer Familie wirkt aufgesetzt. Der Film von Woody Allen "Match Point" verrät einiges über Karriere und Beziehungen in der feinen englischen Gesellschaft und über Zufall und Glück (" I don´t want to achieve immortality through my work. I want to achieve it through not dying"). Ähnlich geht es in dem Film "Der Teufel trägt Prada" um die Opfer und Kosten der Karriere. I´m not there ist einmal ein Film über das Leben von Bob Dylan. Durch die Vielzahl der überragenden Schauspieler und ihre frei und weit interpretierten Rollen ist es aber gleichzeitig ein Kulturepos über die USA. Der Film "Shopaholics" zeigt auf humorvolle Weise unter Einschluss des "American Dream" was Kaufsucht ist und wie man sie heilen kann. Der Film von und mit Hape Kerkeling "Horst Schlämmer, Isch kandidiere!" entlarvt humorvoll die Vordergründigkeit und Schemenhaftigkeit des politischen Bundestags-Wahlkampfes in Deutschland und lässt die Profipolitiker, die mitspielen, erschreckend niveau, humor- und phantasielos erscheinen. I Der Film Shutter Island von Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio eignet sich sehr gut als Anschauungsmaterial für meine Psychologie-Veranstaltung. Es geht um verschiedene Realitäten und psychologische Mechanismen. Der deutsche Film Almanya, der im Frühjahr 2011 in die Kinos gekommen ist, handelt von der Frage der Heimat und der Identität türkischer Gastarbeiter in Deutschland. Die Schwestern Samdereli erzählen die Geschichte einer Familie aus Ostanatolien. Der Film, der auch außer Konkurrenz auf der Bernlinale 2011 lief, ist sehr empfehlenswert (Lola: bestes Drehbuch). Der Film "Eine dunkle Begierde" handelt von den Begründern der Psychoanalyse S. Freud und C. G. Jung. Im Mittelpunkt der Handlung steht jedoch die Liebesbeziehung zwischen der Patientin und späteren Ärztin Spielrein (Russin, Jüdin, Hysterie, Masochistin, im Film Kira Nightly) und Jung. Interessant ist der Film von Tom Tykwer "Cloud Atlas" von der Idee her (seit November 2012 in den Kinos in Deutschland). Er folgt auch einer Mode, buddhistisches Gedankengut populär aufzubereiten. Die Länge des Films ist lästig und die zu starken Zugeständnisse an den amerikanischen Geschmack schaden. Für alle an Philosophie und Politikwissenschaft Interessierten ist der Film "Hannah Arendt" Pflicht (2013). Die Hauptrolle spielt Hannah Sukowa. Der Film wurde mit zwei Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet. Im Mittelpunkt des Filmes steht die Berichterstattung über den Eichmann-Prozess in Israel. Sie entlarvt ihn als Bürokraten, Befehlsempfänger und Person, die über ihr Handeln nicht nachdenkt. Einige Seiten, in denen sie über die Kooperation von jüdischen Führern mit den Nazis berichtet, machen sie zur Persona non grata. Interessant sind die Rollen von Martin Heidegger (ihr Geliebter als Studentin) und Hans Jonas (berühmter Soziologe, der sie auch heimlich liebt). Der Film "Der Medicus" von 2013 (Regie Philipp Stölzl) zeigt eindrucksvoll, wie weit im Mittelalter die arabische und persische Kultur entwickelt waren. Es wird auch deutlich, dass die Perser das philosophische und wissenschaftliche Erbe der griechischen Antike bewahrt haben. Der Film entstand nach dem Buch von dem Amerikaner  Noah Gordon (1986, The Physician). Der Film "Monsieur Claude und seine Töchter" (in Deutschland 2014) könnte als Lehrfilm über Vorurteile und Stereotype eingesetzt werden.  Die vier Töchter heiraten interkulturelle Schwiegersöhne (Araber, Jude, Chinese, ein Schwarzer von der Elfenbeinküste). Es geht auch um Rollen, latenten und offenen Rassismus, Ängste vor Überfremdung und Mischehen in Frankreich. Für alle im Bildungssystem Tätige ist der Film "Frau Müller muss weg" von Sönke Wortmann (2014/2015) empfehlenswert. Sehr anschaulich wird wie in einer Komödie der Versuch von Eltern dargestellt, die Klassenlehrerin in einer Grundschule in Dresden zu "mobben", damit ihre Kinder eine Gymnasialempfehlung bekommen. Die Lebensverhältnisse, Motive, Familien und Charaktere der Eltern werden amüsant geschildert. In dem Film "Ich bin dann mal weg" von 2015 nach dem gleichnamigen Roman von Hape Kerkeling geht es um eine Wanderung auf dem fast 800 km langen Jacobsweg von Frankreich nach Santiago de Compostela in Spanien. Es geht um Erholung von Burn Out, Sinnfindung und die Grundfragen des Lebens ebenso wie um das Verhältnis zu Gott. auf dem 12. Film-Festival in Ludwigshafen wird zum ersten Mal der Film "Der Äthiopier" gezeigt. die Hauptrolle spiel Jürgen Vogel, der auch anwesend ist. Er spielt einen Jugendlichen, der aus der Unterschicht ist und seinem schwierigen Elternhaus nach Äthiopien entflieht. Dort kann er mit seinem technischen Talent und seinem bei einem Bankraub erbeuteten Geld sehr effektiv Entwicklungshilfe leisten. Er gründet eine Familie und muss wegen des Bankraubs kurz wieder in Deutschland ins Gefängnis. Aber es gibt ein Happy - End. Kulturell kann man viel aus dem Film lernen. 2016 kommt der Film "Girl on the Train" (Hauptrolle Emily Blunt) in die Kinos. Regisseur ist Tate Taylor. Das Drehbuch entstand nach dem Thriller-Bestseller von Paula Hawkins. Die einsame und alkoholkranke Rachel versucht, einen Mord aufzuklären. Psychologisch sehr interessant sind die Abgründe in der Vorstadtidylle. 2018 ist der Eröffnungsfilm auf dem Ludwigshafener Filmfestival "Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?". Es geht um Liebe in verschiedenen Konstellationen und die Alsheimer-Krankheit. Hauptdarsteller sind Corinna Harfouch, Meret Becker und Karl Krankowski. 25km/h. Deutscher Spielfilm 2018. Hauptdarsteller sind Lars Eidinger und Bjarne Mädel. Es handelt sich um ein Roadmovie: Ein Brüderpaar mittleren Alters erfüllt sich beim Begräbnis ihres Vaters einen Jugendtraum und fährt mit dem Mofa quer durch Deutschland an die Ostsee. Es geht um die Suche nach dem Sinn des Lebens und um wichtige Änderungen im Leben. Der eine Bruder findet den Weg zu seinem 15jährigen Sohn in Berlin, der andere den Weg zur Partnerin. Regie führte Markus Goller. Als Schauspieler wirken unter anderem noch mit Franka Potente, Alexandra Maria Lara und Sandra Hüller. Der Film wird 2019 auf dem Filmfestival Ludwigshafen gezeigt. Green Book. Weltpremiere auf dem Toronto Film Festival im November 2018. Oscar für den besten Film im Februar 2019. Regisseur ist Peter Farrelly. Es ist ein Rassismusdrama, das in den 60er-Jahren in den USA spielt. Es geht um eine besondere Freundschaft zwischen einem schwarzen Pianisten und einem weißen "Mädchen für Alles" (Italiener aus der Bronx, N. Y.). Im Mittelpunkt steht eine zweimonatige Konzerttour durch die Südstaaten der USA. Der Film "Niemandsland" (nach der Novelle "The Aftermath", auch englischer Titel) spielt direkt nach dem 2. Weltkrieg in Hamburg. Es geht um Krieg, Liebe und Extremsituationen. Keira Knightley spielt überragend die Frau eines britischen Oberstleutnants, der in Hamburg Ordnung schaffen soll. Er droht seine Frau an einen deutschen Architekt zu verlieren, bei dem er Quartier genommen hat. Schließlich bleiben beide doch zusammen. Auf dem Filmfestival 2019 in Ludwigshafen wird der Film "Herzjagen" gezeigt. Es geht um die psychischen Folgen einer Herz-OP. Im Mittelpunkt steht Hauptdarstellerin Martina Gedeck.

Sonstige Relevante (Ökonomie allgemein): Sehen Sie sich den Film "A Beautiful Mind" an (z. B. in Programmkinos, mittlerweile auch im Fernsehen). In diesem Film über den Mathematiker und Wirtschaftsnobelpreisträger John Nash werden Grundpositionen der Spieltheorie und natürlich das Nash-Gleichgewicht  anschaulich und spannend dargestellt. Die Spieltheorie ist heute unverzichtbar in der Volkswirtschaftslehre. Strategische Situationen auf Oligopolmärkten, auf dem Arbeitsmarkt, im Umweltbereich oder im Welthandel können so hervorragend analysiert werden. Der Film "Troja" sollte Pflicht sein, da die Ilias von Homer (habe ich in der Schule noch in Griechisch gelesen) so was wie das Buch aller Bücher ist. Kassandra tritt auf, indem sie auch stets die Alternative des Unterlassens vorschlägt. In "Up in the Air" mit George Clooney geht es um einen "Entlasser" vom Dienst, der für eine Consulting-Firma arbeitet, die sich auf Kündigungen spezialisiert hat. Es geht um Verlierer in der Wirtschaftskrise, aber auch um einen entwurzelten, schrägen Lebensstil des "Corporate America" (zumindest für "Personal-Studenten" Pflicht). Der Film "Ludwig II" von 2013 zeigt eindrucksvoll, dass der bayrische König seiner Zeit weit voraus war, aber gegen die Machtpolitik Bismarcks keine Chance hatte. Sehr interessant ist die Einschätzung der Rolle von Kunst und Musik. Der Film "Der große Gatsby" von 2013 (Regie Bez Luhrmann, Hauptrolle L. DiCaprio) nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald (erschienen 1925, dritter Film) stellt einen jungen Millionär und undurchsichtigen Geschäftsmann in den Mittelpunkt. Es geht um Kritik am "American Dream" und Gesellschaftskritik allgemein (Rolle der Frau), aber auch um die Wertschätzung von Menschen und um Moral. Der französische Film "Paulette" (2013 in Deutsch, Jerome Enrico)) erzählt die Geschichte einer älteren Dame, die aus der Not heraus zur Haschischhändlerin wird (Krimikomödie). Zuletzt bietet sie zusammen mit ihren Freundinnen das Haschisch sehr erfolgreich in in Gebäck an. Nachdem das Geschäftsmodell erfolgreich ist, wird ein Geschäft legal in Amsterdam eröffnet. Es handelt sich um eine kreative, humorvolle Auseinandersetzung mit dem Thema "Altersarmut".  Paulette lebt in einer heruntergekommenen Trabantenstadt unter ärmsten Bedingungen. Der Film "Die Königin der Nacht", der 2016 auf dem Ludwigshafener Filmfestival gezeigt wird, zeigt, was passiert wenn rein ökonomische Regeln und Normen auf eine eine andere, ökologisch und wertebezogene Welt treffen. Eine Bäuerin muss, um ökonomisch zu überleben, ihren Körper verkaufen. Ein Kunde verliebt sich in sie und versucht sie mit allen Mitteln ökonomisch von sich abhängig zu machen. Der Handlung endet in einer Katastrophe. Toni Erdmann (Regie und Drehbuch Maren Ade), ein Film mit Auszeichnung in Cannes und nominiert für einen Oskar in Hollywood, greift viele Themen auf. Ökonomisch am wichtigsten ist die Satire über Unternehmensberatungen und ihren Hauptzweck. Allein schon wegen der schauspielerischen Leistung der Hauptpersonen Vater und Tochter ist der Film sehr sehenswert. "The Wolf of Wall Street", ein Film von Martin Scorsese, hatte 2013 in New York Premiere. Die Hauptrolle hat Leonardo diCaprio. Der Film basiert auf einem Buch des Börsenmaklers Jordan Bedfort. Der Film zeigt überspitzt das Leben der Wall Street, dem Herz des Welt-Finanzmarktes. Es geht um Börsenspekulation und Börsengeschäfte. 2017 kommt der Film "Der junge Karl Marx" in die deutschen Kinos. Regisseur ist Raoul Peck. Der Titel sagt schon fast Alles. Es geht um die revolutionären Unruhen in Deutschland und Frankreich 1844 und die Rolle von Marx darin.  "Liebe auf Persisch" lief 2018 auf dem Ludwigshafener Festival des Deutschen Films. Der Film kam voll in die Verschärfung der Wirtschaftssanktionen der USA gegen den Iran. Der Film zeigt auf humorvolle Art die kulturellen Parallelen zwischen Deutschland und dem Iran auf.  Er verdeutlicht das Alltagsleben der Menschen unter schwierigen politischen Bedingungen. Der Film kommt im Fernsehen in der ARD im Oktober 2018. Der Film "Ein Gauner und Gentleman", 2019,  ist von Robert Redfort (er soll sein letzter Film sein). Er spielt in der Hauptrolle einen Bankräuber, der in seinem Leben von dieser Rolle nicht lassen kann. sogarr als er die große Liebe wieder findet, kann er nicht ablassen. Es geht auch um Ganovenehre und Ethik. "Trenne dich nie von deinen Illusionen! Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben", Mark Twain, US-amerikanischer Literat.

"Ein Filmpreis wäre eine Katastrophe. Wenn der Film einen Preis gewinnt, würde der Ministerpräsident oder jemand auf dieser Ebene ihn sehen wollen, um herauszufinden, was den Wirbel verursacht hat", Li Yu, chinesische Filmregisseurin, über ihre Arbeitsbedingungen.

 

 

    "Der gute Ruf geht weit, aber unendlich weiter geht der schlechte Ruf", Serbisches Sprichwort.

Kommentare  (Meinungsrubrik zu aktuelleren Fragestellungen; Views and Commentaries):

Die Wahl von Johannes Gutenberg zum größten Rheinland-Pfälzer dokumentiert die Mängel unseres Geschichtsunterrichts und der damit verbundene Ethnozentrismus: der Buchdruck mit beweglichen Lettern wurde schon viel früher in China erfunden (Sui-Dynastie, 581-618, Bi Sheng erfand dann zwischen 1041 und 1048 bewegliche Lettern; Gutenberg übernahm seine Technologie dann von den Portugiesen). Das Unwort des Jahres 2004 "Human - Kapital" indiziert eher die wissenschaftliche, insbesondere ökonomische, Inkompetenz der Unwort - Jury. Das Unwort des Jahres 2005 ist "Entlassungsproduktivität": selten gebraucht in der Ökonomie und überflüssig, da in der Arbeitsproduktivität enthalten. Für 2006 steht "Freiwillige Ausreise", das zu mehr "sprachkritischer Reflexion" aufrufen soll. 2007 wird das Wort "Herdprämie" gewählt, das einer gewissen Ironie nicht entbehrt. 2008 einigt man sich auf das Wort "Notleidende Banken". 2009 wird der Begriff "Sale" als überflüssigstes Wort und "Betriebsratsverseucht" als Unwort eingestuft. 2010 ist "Alternativlos" Unwort des Jahres. 2011 wählt die unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern, Journalisten und Schriftstellern Döner-Morde als Unwort des Jahres. 2012 folgt Opfer-Abo (vor Pleite-Griechen). 2013 wird es "Sozialtourismus". Im Jahre 2014 folgt "Lügenpresse". Im Jahre 2015 ist "Gutmensch" Unwort des Jahres (Toleranz und Hilfsbereitschaft wird als naiv und dumm bezeichnet). Vgl. auch Institut der Deutschen Sprache (IDS), Mannheim. 2016 wird "Volksverräter" Unwort des Jahres. 2017 kommt "alternative Fakten" ("alternative facts") zu der Ehre. 2018 ist das Unwort "Anti-Abschiebe-Industrie". Es gibt auch immer ein Wort des Jahres. Dazu wurde 2013 "GroKo" (Große Koalition) gewählt. 2012 war es "Rettungsroutine", 2011 "Stresstest", 2010 "Wutbürger", 2009 "Abwrackprämie". 2016 ist "postfaktisch" (Englisch: post-truth) das Wort des Jahres. Es spielt beim Brexit und bei der US-Präsidentschaftswahl eine Rolle (Punkten mit Lügen und auf Gefühle setzen). Im Jahre 2017 wird Jamaika-Aus zum Wort der Jahres gekürt. 2018 wird "Heißzeit" von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres gemacht.

Viele deutsche Großunternehmen machen eine miserable Öffentlichkeitsarbeit (Beispiele:  Deutsche Bank, Daimler , Siemens). Insofern könnte hier investiert werden. "Siemens war und ist eine deutsche Ikone, die auch für moralische Werte und Integrität steht", Klaus Kleinfeld, ehemaliger Siemens-Chef. Auch die Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Regierung nach der Naturkatastrophe in Japan 2011 ist ein Unding (Umweltminister auf einer Parteiveranstaltung). Viele Äußerungen und Nachrichten auf dieser Seite würden in China gegen das neue Internetgesetz verstoßen (Staat gegen Blogger; es gibt 30 Mio. Blogs in China). Chinas Sicherheitsbehörden verschärfen mit einer Art "Big Brother" (Comic-Figuren) die Kontrolle im Internet. Bis Mitte des Jahres wurden 2009  2000 Blogs und Foren geschlossen. Mittlerweile sind 2008  mit 220 Mio. Nutzern mehr Chinesen im Internet als Amerikaner. Mitte 2009 soll ein Filterprogramm eingeführt werden ("Grüner Damm zur Begleitung der Jugendblüte"). Es sollte in alle in China verkauften Computer eingebaut ("virtuelle Chinesische Mauer") werden. Amerikaner, Japaner und Europäer wollen die Software von Jinhui nicht einbauen und setzen sich durch. Die Chinesische Führung versucht trotzdem immer wieder zu zensieren, z. B. findet man bei den Unruhen in Nordafrika nicht Ägypten. Der Rektor der Pekinger Hochschule für Telekommunikation entwickelt die "Große Brandmauer", die ein System von Zensurfiltern darstellt. Wegen der Zensur entwickeln sich die Chinesen zu begeisterten Mikrobloggern. 2010 zieht sich Google zum großen Teil aus China zurück. Google unterwirft sich nicht mehr der Zensur, die Suchseiten werden nach Hongkong umgeleitet (gegenüber den Eingriffen der USA und GB scheint man aber weniger zimperlich zu sein). 2018 will Google wieder auf den chinesischen Markt zurück und akzeptiert eine zensierte Suchmaschine. In China dürfte es ca. 10 Mio. Menschen mit Internet-Sucht geben. Das größte chinesische Internet-Sozialnetz "Renren.com" will 2011 an die Börse. Die chinesische Regierung sperrt immer wieder Internetseiten, z. B. im März 2012 solche mit Gerüchten über einen Putschversuch. Es gibt auch Eingriffe der Zensur in Zeitungen, so beim liberalen Wochenblatt "Nanfang Zhoumo". Auf der anderen Seite führt eine Einheit von Chinas Militär Computerattacken auf westliche Firmen und öffentliche Einrichtungen durch. Sitz der Einheit soll Shanghai (Datongstraße) sein. Umstritten ist die Rolle des Telekommunikationsunternehmens Huawei, das Unternehmen, Behörden und Telefongesellschaften mit Netzwerktechnik ausrüstet. Die chinesischen Internetfirmen werden immer mächtiger (Alibaba, Baidu, Sina, Tencent). 2014 verbietet China Windows 8. Die Regierung verhindert den Zugriff auf immer mehr internationale Webseiten. 2015 nutzen 600 Mio. Chinesen das Internet. Auch die sozialen Netzwerke sind gesperrt. 2015 sollen auch die Umwege über VPN zugemacht werden ("Große Internet-Mauer"). Bis 2020 will die VR für jeden Bürger eine Sozialbewertung erstellen ("social credit", Zusammenstellung der Infos aller Datenbanken). Apple muss 2016 die Nachrichten - App der New York Times sperren (hatte über Familienvermögen der Führung berichtet). Auch andere Nachrichtenportale sind gesperrt.  Ab 2017 soll das Verhalten im Internet anhand von Spuren im Netz beurteilt werden. Es bahnt sich ein Überwachungswahn an. Im Sommer 2019 werfen Twitter und Facebook China vor, in Online-Netzwerken gezielt gegen die Proteste in Hongkong Stimmung zu machen. Sie sperren Nutzerkonten.  Im Oktober 2019 nimmt Apple auf Druck Chinas eine von Hongkonger Demokratieaktivisten genutzte App aus dem Angebot. Russland will ein separates nationales Internet. Jugendliche würden dann von den sozialen Netzwerken getrennt. Zuerst kommt 2019 ein "Stacheldraht" um das russische Internet: Ein Gesetz gibt dem Staat die Kontrolle über die Datenmengen.  Es gibt aber noch technische Probleme. Ungarn will eine Internetsteuer einführen, gegen die ein Proteststurm ausbricht. Das geplante internationale Urheberrechtsabkommen Acta birgt große Gefahren des Missbrauchs. Es sollte wesentlich genauer gefasst werden, damit es nicht Generationen von Juristen in aller Welt als Haupterwerbsquelle dienen kann ("Abzocke"). Ein "freies und offenes Internet" sind ein hohes Gut. Grundsätzlich ist der Kampf gegen Produkt- und Markenfälschungen durch ein internationales Handelsabkommen aber sinnvoll.  Acta wird dann auch folgerichtig 2012 vom Europaparlament ad acta gelegt. Deutschland hat sich an der geplanten Volkszählung der EU 2011 beteiligt ("Zensus 2011", die Erhebung 2000 in der EU wurde ausgelassen), was sehr zu begrüßen ist (durch die deutsche Vereinigung und den Zeitabstand zur letzten Zählung von 1987gibt es ein großes Datendefizit; es sollen hauptsächlich Daten aus Registern ausgewertet werden). Am 20.09.07 hat der Bundestag das Gesetz für die Volkszählung 2011 beschlossen. Die Vorratsdatenspeicherung ist umstritten. Gemessen an der kommerziellen Datengier im Internet sind die Informationen eher bescheiden. Jeder dritte Deutsche wurde befragt, in 10% der HH durch Interviewer (Religionszugehörigkeit freiwillig, Fragen zu Haushalt, Arbeit und Bildung). 80.000 Interviewer sollen unterwegs sein, die Kosten betragen 700 Mio. €. Stichtag ist der 9. Mai 2011. (Vorsitzender der Zensuskommission ist Gert G. Wagner vom DIW). NPD-Mitglieder sollten sich freiwillig zur Verfügung stellen, um Infos über Ausländer zu bekommen. Die Zählung ist besonders wichtig für die Stimmverteilung im Bundesrat und den Länderfinanzausgleich. 2016 kommt die WLAN - Reform (Änderung des Telemediengesetzes). Wlan-Anbieter und  und Internetanbieter sollen von Haftungsrisiken befreit werden (Störerhaftung). Der Europäische Gerichtshof schränkt diese Regelung wieder etwas ein: es muss kein Schadensersatz für Urheberrechtsverletzungen geleistet werden Aber Anbieter, z. B. die Musikindustrie,  können einen Passwortschutz verlangen. Ende Juni 2017 beschließt der Bundestag ein Gesetz gegen Hasstiraden im Internet. Soziale Netzwerke müssen künftig rechtswidrige Hetzkommentare innerhalb von 24 Stunden löschen oder hohe Strafen zahlen.

Die Verschiebung des Zentrums der Weltwirtschaft, insbesondere der Produktion und des Konsums,  nach Asien, die in ihren Auswirkungen die Dimension der industriellen Revolution erreichen kann, wird leider in den Wirtschaftswissenschaften noch nicht angemessen berücksichtigt. Die Industrieländer (G8) laufen mittlerweile Gefahr, weltweit nicht mehr Ernst genommen zu werden:  Warum die O5 einerseits nicht einbezogen sind, andererseits die EU mit allen wichtigen Staaten ist nicht zu vermitteln. Das gleiche gilt für die Leitung von IWF und Weltbank. In der Betriebswirtschaftslehre rücken zu Recht weltweite Wertschöpfungsprozesse (Produktionswirtschaft mit Innovation, Umwelt, Logistik und Kostenrechnung) in den Mittelpunkt. Die Unternehmensteuerreform  enthielt drei innovative, interessante Bausteine: die Zinsschranke, Thesaurierungs-begünstigung, und die Abgeltungssteuer. In der Praxis erweist sich die Zinsschranke in der Wirtschaftskrise 2009 als gefährlich (sie wurde deshalb modifiziert). Auch der eingeschränkte Verlustvor- und -rücktrag wirkt ähnlich in der Krise. Eine steuerliche Förderung der Forschung - wie von der Wirtschaft gefordert - wäre wünschenswert. Die Überprüfung aller Doppelbesteuerungsabkommen ist sicher sinnvoll und nützlich. Die steuerlichen Maßnahmen im Wachstumsbeschleunigungsgesetz sind jedoch höchst zweifelhaft. Ein Skandal ist, dass ca. 13.000 Finanzbeamte (Deutsche Steuergewerkschaft) fehlen, um insbesondere Steuerprüfungen bei Firmen in ausreichendem Umfang durchführen zu können.

Die Erhebung von Studiengebühren ist akzeptabel, wenn die Mittel größtenteils den Hochschulen zufließen, zinslose und nicht in jedem Falle zurückzuzahlende Kredite zur Verfügung stehen und die Benachteiligung von Kindern aus sozial schwachen Schichten in der Grundschule behoben wird. Studiengebühren haben große Vorteile, wenn die Umverteilung zugunsten Bedürftiger funktioniert. In RLP dürften der Sonderweg Probleme bereiten ("Landeskinderregelung" mit gebührenfreiem Erststudium oder Stipendien - wurde ausgesetzt - / Finanzausgleich bei negativem Gerichtsurteil). 2013 setzt nur noch Bayern auf Studiengebühren. Aber auch dort stehen sie auf der Kippe. 2012 absolvieren fast doppelt so viele Studenten einen Abschluss als 10 Jahre zuvor (Bologna-Reform, Doppelzählung von Master). Ein immer größeres Problem stellt der Wohnraum für Studenten dar. In Berlin entsteht das erste Studentendorf aus Hochseecontainern, privat finanziert (Vorbild Keetwonen in Amstersam. 2014 wird eine Änderung der Hochschulfinanzierung angestrebt (Neufassung Artikel 91b des Grundgesetzes). Es geht darum, die Finanzierung der Hochschulen zur Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern zu machen (bisher Ländersache).  Die Akkreditierungsagenturen müssten auch die zukünftigen Erträge der neuen Qualifikationen ermitteln (generell wird die Angebotsqualität vernachlässigt). Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar 2012 ist das Basisgehalt für W2-Professoren in Hessen "evident unzureichend" (Alimentierungspflicht, Abstandsgebot). Die Leistungszuschläge sollen auch einklagbar sein.  Eine Überarbeitung dieses Besoldungssystems ist dringend erforderlich. Die Länder reformieren daraufhin die Besoldung. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern werden immer größer. Eine Untersuchung vom Handelsblatt ergibt, das deutsche Ökonomen kaum konkurrenzfähig sind. Sie betreiben keine Forschung auf internationalem Niveau. Viele Top - Ökonomen wandern mittlerweile auch ins Ausland aus. Lieblingsland ist die USA. Dies sollte uns auch an Fachhochschulen anspornen, mehr Forschung und Veröffentlichungen in Angriff zu nehmen ( www.handelsblatt.com/oekonomie ). Allerdings steigt die Produktivität (www.handelsblatt.com/vwl ). Aber es herrscht große Konzentration: ca. 15% der Professoren veröffentlichen ca. 80% der Publikationen (natürlich auch eine Frage von Netzwerken und Infrastruktur). Beste VWL - Uni im deutschsprachigen Bereich sei Zürich vor Mannheim. 2011 überholt Mannheim Zürich (Mehrfachveröffentlichungen aufgedeckt). 2013 liegt noch Mannheim vorne, vor Bonn und München (LMU). 2017 führt in Deutschland die LMU München vor Frankfurt und Mannheim. Bei BWL liegt Mannheim vor München und Köln. Bei den Fachhochschulen liegen Reutlingen, Köln und Pforzheim vorne. Auf einer Weltbesten - Liste der Hochschulen, erstellt von der Uni Shanghai, sind sechs deutsche Unis vertreten, die LMU München mit Platz 53 am besten. Aktuell (2019 fünf Jahre zurück) führt Christian Dustmann die VWL - Rangliste von Handelsblatt an (Mo. 16.09.2019, S. 13). Beim Lebenswerk führt Bruno S. Frey. Die Finanz- und Weltwirtschaftskrise, die von Ökonomen nicht vorhergesagt wurde, zeigt, dass die Theorien der Volkswirtschaftslehre grundlegend überarbeitet werden müssen. Nicht ökonomische Motive und psychologische Faktoren (Emotionen) müssen in die Modelle eingebaut werden. Wichtige bisherige Theoriestränge sind unhaltbar. Außerdem sollte bei jeder Gelegenheit - ähnlich dem Spruch von Cato ("Ceterum censeo Carthaginem esse delendam") - betont werden, dass die Steuerzahler dieser Welt die Banken und Finanzmärkte retten mussten. Aber auch eine Ökonomie der Nachhaltigkeit muss allmählich mehr theoretisch und empirisch fundiert werden. Ende 2014 wird das Grundgesetz dahin geändert, dass Bund und Länder bei Hochschulen kooperieren dürfen. Die Finanzierungsstruktur soll auch geändert werden. Die Wirtschaftswoche erstellt im Januar 2019 eine Liste der forschungsstärksten Betriebswirtschaftsprofessoren im deutschsprachigen Raum: Es führen Helmut Krcmar, TU München und Nils Boysen, Uni Jena vor Martin Bichler, TU München. Vgl. WiWo 4 18.1.2019, S. 40. Grundlage waren die 860 Fachzeitschriften.

Der OECD-Bildungsbericht 2007 sieht in Deutschland für die Zukunft einen großen Mangel an Ingenieuren und Lehrern. Außerdem sei die Studienabbrecherquote mit 35% viel zu hoch. Das ist die Quittung für die extrem schlechten Rahmenbedingungen an den Hochschulen, insbesondere Fachhochschulen, und für die Vernachlässigung der sozialen Komponente. Der Hochschulpakt ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Durch die Besoldungsreform an den Hochschule (W2 Einstieg an FH) wird man kaum noch Spitzenleute als Quereinsteiger aus der Praxis bekommen. 2011 stellt die OECD fest, das die deutschen Bildungsausgaben im internationalen Vergleich unter dem Durchschnitt liegen. Es fehlten auch Hochqualifizierte. 2013 zeigt der Bericht, dass in den MINT-Fächern der Anteil der Studentinnen ständig gestiegen ist. Im PISA-Test 2013 (OECD) liegen die deutschen Schüler über dem Mittelwert, d. h. sie haben sich verbessert (in Europa sind die Schweiz, Niederlande besser). Die weltweit besten Ergebnisse zeigt Shanghai in China. Chinas Mittelschicht drillt ihre Kinder. Der OECD-Bildungsbericht 2016 lobt ausdrücklich das deutsche , duale Ausbildungssystem. Im PISA - Test 2016. sind die Deutschen überdurchschnittlich. Spitzenreiter sind Singapur, Estland, Japan oder Kanada. Die Studie 2017 der OECD "Bildung auf einen Blick" vergleicht Zahlen, die nicht vergleichbar sind (Beispiel: Studiengebühren in GB Bildungsausgaben, BAFÖG in Deutschland Sozialleistungen). Positiv fällt auf, dass Deutschland mittlerweile den höchsten MINT-Anteil hat. 2018 kommt der OECD-Bildungsbericht "Deutschland auf einen Blick". Er gibt dem deutschen Bildungssystem gute Noten. Die Ausbildung sei so gut wie ein Studium. Der Bildungsmonitor 2009 zeigt für Rheinland-Pfalz (RLP) gute Leistungen im Schulbereich, aber Schwächen in der Hochschulforschung. 2011 zeigt sich generell eine Verbesserung, RLP rückt auf den fünften Platz vor. Im Monitor 2017 fällt RLP auf den 11. Platz zurück. Der Bildungsbericht 2012 (Federführung DIPF) betont die Bedeutung der musischen und kulturellen Bildung. Der Ausbau der Kita-Plätze für unter Dreijährige sollte beschleunigt werden. 20% bilden den harten Kern der "Bildungsverlierer". Eine Studie (Minimal Economic Knowledge, MEK) weist 2010 nach, dass die Deutschen zu wenig über Wirtschaft wissen. Die Noten an den Hochschulen werden immer besser (Statistisches Bundesamt).  Das Abbild des Leistungsvermögens scheint nicht mehr realitätsgetreu zu sein. Ursachen könnten Image und Bequemlichkeit sein. Deshalb setzen Personaler immer mehr auf Zusatzqualifikationen und eigene Tests. Im Herbst 2016 wird eine AOK-Studie über Stress der Studierenden vorgelegt. Der Stress-Level (überfüllte Hörsäle, Lernstoff) ist hoch. Er unterscheidet sich nach Geschlecht (bei Frauen höher) und Bundesländern (in RLP am niedrigsten). Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erstellt im Auftrag der Kultusministerkonferenz in bestimmten Zeitabständen Studien über das schulische Leistungsniveau in den Bundesländern. Die neueste Studie heißt "Bildungstrends 2015". Bayern bleibt an der Spitze der Bundesländer. Der Norden holt aber auf. Hinten liegen die Stadtstaaten Berlin und Bremen. Eine Untersuchung der OECD, kommt im Oktober 2018 zu folgenden Ergebnissen: Es gibt bessere Chancen für ärmere Schüler. Es gibt noch eine große Leistungsschere, aber sie bewegt sich in die richtige Richtung. Zwischen 2006 und 2015 ist die soziale Durchmischung der Schulen deutlich besser als in anderen Ländern.

"Ich habe die Arbeit selber geschrieben - ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich darin geschrieben habe," Karl-Theodor zu Guttenberg 2011 (zu dem Entschluss, aufgrund der Plagiatsvorwürfe auf seinen Doktor zu verzichten).

No tener pelos en la lengua: kein Blatt vor den Mund nehmen.

 

Seidenstrasse (als alte Verbindung zwischen Europa und Asien, vgl. auch die Geschichte der Globalisierung auf der Ostasienseite) und aktuelles Seidenstraßen-Projekt:

      Marco Polo-Denkmal am Jiayuguan Pass in der Wüste Gobi in der Provinz Gansu  im Westen Chinas im Herbst 2008. Gansu ist eine relative arme Provinz. Hier mussten sich traditionell viele Führungskader der KPC bewähren. Die wüste Gobi erobert immer mehr vorher fruchtbares Land. Riesige Windparks und Solarfelder versuchen die Region trotzdem zu nutzen. Hier liegen auch Öl-Raffinerien und Weinanbaugebiet Chinas (Weinfabriken). Zwischen beiden kommt es immer wieder zu Konflikten (im Westen kaum bekannt).

"Ein guter Reisender hat kein Ziel und keine feste Absicht anzukommen", Daoistisches Sprichwort.

Der Begriff "Seidenstraße" geht auf den deutschen Asienforscher Ferdinand von Richthofen (1833-1905) zurück. Er erforschte zwischen 1860 und 1880 China und die Handelswege von dort nach Europa. Der oben abgebildete Pass ist der größte der Welt an der alten Seidenstraße (Serike, Serata) zwischen Asien und Europa, der alten "Autobahn" der Globalisierung und dem Symbol des Handels zwischen Asien und Europa. Hier ist auch das Ende der Chinesischen Mauer (mit einer Festung, die Fallen enthält). "Vom regen Handel der Kaufleute hängt der Wohlstand der Welt ab", Dschingis Khan. Er war Mongolenherrscher und hatte im 13. Jahrhundert das größte Reich der Geschichte, einschließlich China. Er begründete eine Strecke der Seidenstraße, über die Marco Polo (1271-1295; in genuesischer Gefangenschaft schrieb er seine Erlebnisse auf; das Erfolgsbuch prägte vor den Jesuiten das Chinabild der Europäer) ebenso wie Ibn Battuta (1325-1353, reiste 29 Jahre lang, war Marokkaner, "Haus des Islam") reisten und über die viele Produkte und  Erfindungen aus China, das zu der Zeit die technologische Führungsmacht der Welt war, nach Europa kamen. An den Erzählungen Marco Polos zweifelten schon die Zeitgenossen. 17 Jahre will er das Land bereist haben. Beim Schreiben half ihm Rustichello da Pisa. Das Buch heißt "Il Milione". Im Niedersächsischen Landesmuseum begann am 26.01.12 eine Ausstellung unter dem Titel "Von Venedig nach China".  Die Hauptroute der Seidenstraße lief von Xi ´an (genau von Chang´an), der alten Kaiserstadt, über Dunhuang (im Hexi-Korridor), Kashgar, Samarand, Teheran, Bagdad nach Antiochia. Von Xian, Dunhuang und Kashgar gab es Nebenrouten nach Kalkutta, Karatschi, Rangun, Guangzhou/Hongkong, Shanghai und Peking. Der Handel fand mit Zwischenhändlern in Teilabschnitten statt. Die beiden Enden (zuerst Chinesen und Römer) kannten sich in der Regel nicht. Gehandelt wurden Seide, Porzellan, Tee, Felle und Lackwaren aus dem Osten und Gold, Silber, Weihrauch, Bernstein und Glas aus dem Westen. Die Provinz Xinjiang ist heute das Drehkreuz für Chinas Öl- und Gasversorgung (Hauptstadt Urumqi, in der Provinz leben viele Uiguren, sie gilt als Unruheprovinz). Aus den Grotten von Dunhuang wurde im 19. Jahrhundert die größte und am besten erhaltene Bibliothek über die Geschichte des Buddhismus von europäischen Forschern geraubt. Die Rollen sind heute über die Bibliotheken der Welt verstreut, die meisten sind im British Museum in London. Sie sind in vielen Sprachen (chinesisch, indisch, altpersisch "Keilschrift" u. a.). In der Provinz Xinjiang lebten vor ca. 1500 Jahren die Tocharer. Sie ließen sich dort aus Europa kommend nieder. In der Wüste Taklamakan fand man unzählige Papierfetzen, von denen man einiges über die Sprache und Kultur weiß (vgl. auch www.univie.ac.at/tocharian ). Die größte Leistung dieser indogermanischen Hochkultur bestand darin, den Buddhismus aus Indien zu importieren und in China und dem übrigen Asien zu verbreiten. Unklar ist, warum die Kultur verfiel (schleichende Islamisierung?).

Dieses Foto (Quelle: Porzellanmuseum auf der Leuchtenburg bei Kahla in Thüringen) zeigt - wenn auch etwas undeutlich in diesem Format - drei Handelsstraßen an: Die alte Seidenstraße auf dem Landweg, die maritime Seidenstraße und die Gewürzroute. Am Beispiel des Porzellans soll die unterschiedliche Bedeutung erläutert werden: Auf der Landroute dauerte der Transport 4 Jahre. Erst im 13. Jh. in der Ming-Zeit gelangte die erste Porzellanvase nach Europa. Später wurde speziell für den Export in China produziert. Auf der maritimen Seidenstraße ging der Transport etwas schneller, aber das Prinzip war das gleiche: Kauf - Verkauf auf allen Stufen. Die Folge waren hohe Preise. Erst die Gewürzroute der Portugiesen (nach Vasco da Gama) durchbrach dieses Prinzip: jetzt fuhr das gleiche Schiff von Niederlassung zu Niederlassung und das Prinzip war Auftragserfüllung. Die Fahrt dauerte so nur noch 4 bis 9 Monate und die Preise für Porzellan sanken erheblich.

Zentrum der Porzellanmanufakturen war Jingdezhen (im heutigen Jiangxi). Dort wurde Porzellan für den Kaiserhof hergestellt. Das Geheimnis der Porzellanherstellung lag in der Verwendung von Kaolin, einem besonders reinen Ton, der mit Feldspat vermischt auf über 1300 Grad gebrannt wurde. Das Geheimnis dürfte spätestens seit der Tang-Zeit  bekannt gewesen sein. Zwischen dem 9. und 14. Jh. wurden aus den Häfen Südchinas Millionen von Porzellangefäßen nach Japan, Südostasien, Indien und bis an den Persischen Golf verschifft. Europäer hatten nur billige Imitationen hergestellt (Medici, Delft). Erst 1708 gelang es Johann Friedrich Böttger am Hofe August des Starken in Dresden echtes Porzellan herzustellen.  Die Serienproduktion begann 1710 mit der Meißner Porzellanmanufaktur. Vgl. Vogelsang, Kai: Geschichte Chinas, Stuttgart 2019, S. 320.

Über die Seidenstraße fand der Buddhismus seinen Weg von Indien in alle Teile Asiens. Mönche begleiteten diplomatische Missionen an fremde Höfe. Buddhistische Kunstwerke wurden verschenkt. Aber auch die Kaufleute trugen die Lehre über die Handelsrouten in alle Welt. Die Lehren des Buddha waren im Prinzip zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Kaufleute. Im Geldverdienen sah man ein Zeichen für gutes Karma und konnte damit den Reichtum rechtfertigen.

Die Höhlen von Dunhuang (Mogao - Grotten, seit 1987 Unesco-Weltkulturerbe) in der Provinz Gansu in der Wüste Gobi im Nordwesten Chinas. Dunhuang war 111 v. Chr. als chinesischer Grenzposten gegründet worden und wurde später ein berühmter Handelsknotenpunkt. In den Höhlen sind die Geschichten der Seidenstraße bildlich dargestellt. 2008 konnte ich die Höhlen besuchen. Sie haben buddhistische Mönche über Kilometer  in den Berg gegraben. Es gibt über 500 erhaltene Grotten mit Kunstschätzen (Malereien, Manuskripte, sonstige Kunstschätze). Viele wurden von westlichen Archäologen in der Kolonialzeit geraubt und lagern in westlichen Museen. Sie zeugen davon, wie der Buddhismus sich über die Seidenstraße ausbreitete. Die Seidenstraße war auch ein Basar der Kulturen. Viele Einflüsse konnten sich vermischen (chinesische, hellenistische, jüdische, persische, arabische, christliche, indische). Aus Asien wurden Seide, Porzellan, Jade und Gewürze gehandelt.

Kein anderer Ort verkörpert die kulturelle Vielfalt des chinesischen Mittelalters stärker als Dunhuang. Im Westen des heutigen Gansu gelegen, wo die Nord- und Südrouten der Seidenstraßen zusammentreffen, bildete es den Schnittpunkt der chinesischen und zentralasiatischen Welt. Dunhuang war für Händler und Mönche das Tor nach China. Vom 4. bis 11. Jh. entwickelte es sich zu einem Pilger-Ort und bedeutenden Zentrum des Buddhismus geprägt von zahlreichen chinesischen und nichtchinesischen Klöstern. Die Entdeckung der "Bibliotheksgrotte" im Jahre 1900 war eine Sensation. 50.000 Manuskripte wurden gefunden. Dei meisten landeten in Museen in London, Paris, St. Petersburg und Kyoto. 10.000 Rollen liegen in Peking. Vgl. Vogelsang, Kai: Geschichte Chinas, Stuttgart 2019, S. 253.

Es soll eine Art neue Seidenstraße errichtet werden. Sie ist ziemlich deckungsgleich mit der historischen Hauptverbindungsstrecke. Die zweite so genannte maritime Seidenstraße führt über das südchinesische Meer, den Indischen Ozean nach Afrika und in den Nahen Osten, durch das Rote Meer und über den Suezkanal bis ins Mittelmeer. Die alte Seidenstraße hatte ihre Zielpunkte in Europa in Rom und Istanbul (ausgehend von Kashgar über Andischan). Von da ging es weiter nach Nordeuropa. Im 15. und 16. Jahrhundert war Nürnberg ein wichtiger Knotenpunkt der Seidenstraße (hier trafen sich alle wichtigen Handelsstraßen im nördlichen Europa). Eine Eisenbahnlinie führt heute von Urumtschi (Dsungarische Pforte) über Moskau nach Deutschland. Seit 2012 verkehrt zwischen Duisburg und dem chinesischen Chongqing regelmäßig ein Containerzug der Yuxinou-Linie (zwei Wochen). Es stehen für den Gütertransport eine Nordroute (von Shenyang über Irkutsk, Omsk und Moskau) und eine Südroute (von Wuhan über Astana, Jekaterinburg und Moskau) zur Verfügung. Die Bedeutung der Containerzüge nimmt zu. Geplant ist noch eine Eisenbahnverbindung von Kashgar durch Pakistan nach dem Hafen Gwadar (von einer chinesischen Firma kontrolliert; von hier besteht ein Korridor in den Nahen Osten und Afrika, damit der Seeweg über die unsichere Malakka-Meerenge entlastet wird). Mittlerweile sind die chinesischen Metropolen Chongqing, Zhengzhou, Xi `an  und Shenyang mit Istanbul, Duisburg, Hamburg und Rotterdam verbunden. Weitere Verbindungen nach Europa sollen folgen. Die Seidenstraße hatte ihre Blütezeit in der Tang-Dynastie ((618-907, Mogao-Grotten) und in der Pax Mongolica (1250-1350).  Später haben sich die Kaiser der Qing-Dynastie (ab 1644), die Mandschuren waren, immer um einen Ausgleich zu den Nachbarstaaten im Westen, Nordwesten, Nordosten, Norden und Süden (Mongolei, Turkmenistan, Kasachstan, Tadschikistan, Kirgisistan, Afghanistan, Iran, Russland, Pakistan, Indien) bemüht. Eindrucksvoll zeigt sich dies an den nachgebauten Klöstern am Sommersitz der Dynastie in Chengde in der Provinz Hebei im Nordosten von Beijing. 

 

 

 

 

Chengde, Nachbildung des Potala-Palastes in  Lhasa/ Tibet. Die Stadt im Norden von Peking war Sommersitz der chinesischen Kaiser in der Qing - Dynastie. Die Qing-Kaiser waren Buddhisten (Mahayana - Buddhismus, tibetisch). Deshalb bauten sie in Chengde die wichtigsten Paläste aus Tibet einfach nach. Chengde ist von Peking aus heute mit der Eisenbahn am besten zu erreichen. Lange war die Stadt wegen ihrer abseitigen Lage ein Stück ursprüngliches China. So war es sehr interessant für uns in einem alten Hotel zu übernachten, was eigentlich nur für Funktionäre der KPC gedacht war.

Der Fund von Mumien in der Taklamakan-Wüste in neuerer Zeit hat die Forschung über die Seidenstraße revolutioniert. Diese Mumien sind 3500 und 4000 Jahre alt. Es handelt sich um einen ganzen Friedhof. Stoffbeigaben zeigen Verbindungen zu den Kelten. Die Mumien haben auch europäische Gene (Kefir-Käse bei den Leichen). Also gibt es gemeinsame Ursprünge. Wahrscheinlich sind dies die Ureuropäer, die nach Osten und Westen gezogen sind. Also ist das System der Seidenstraße viel älter als gedacht. Vorher hatte man schon griechische Einflüsse an der Seidenstraße entdeckt. Oral Stein im Auftrag der Engländer und  Albert von Le Coq im Auftrag Kaiser Wilhelm des II. fanden in der Taklamakan-Wüste Drucke und Kunst, die Verbindungen zu den Griechen aufweisen. Es gibt sogar die These, die die Krieger der Tonarmee in Xi`an griechische Körperdarstellungen widerspiegeln.  Somit ist die These plausibel, dass es viele Zusammenhänge zwischen europäischer und chinesischer Kultur gibt, die viel älter als die Seidenstraße sind. Die These, dass sich die chinesische Kultur in den ersten Jahrhunderten vor und nach der Vereinigung ohne Einflüsse entwickelt hat, ist widerlegt. Es hat auch wohl einen Ideentransfer vom Buddhismus zum Christentum gegeben. Bis 2001 galten die Protagonisten des im Mittelalter weit verbreiteten christlichen Romans " Barlaam und Josaphat" als katholische Heilige. Vergleiche mit der Buddhalegende sprechen heute eher für einen Transfer entlang der Seidenstraße. Die Figur des Josaphat ähnelt in vieler Hinsicht Prinz Siddartha. Beide suchen einen Weg, ein Leben ohne Leid zu erreichen. Josaphat entsagt dazu der Welt, um sich in Askese Gottes Gnade zu erfahren, Siddartha übt sich in Meditation, um sich selbst zu befreien. Vgl. Florian Ruf: Ideentrandfer "Josaphat - Heiliger und Buddha", in: Spektrum Spezial 2/2018, S. 58ff.  "We will be known forever by the tracks we leave", Dakota, amerikanische Ureinwohner.

Seidenstraßen-Projekt: Am 13./ 14. Mai 2017 lädt die chinesische Führung zum "Gipfel der neuen Seidenstraße". Es kommen zahlreiche Spitzenpolitiker aus aller Welt. Es geht um Globalisierung, Chinas wachsenden Einfluss und um Fördermittel. Dahinter steckt auch ein gigantisches Investitionsprogramm (Handelsrouten, Straßen, Tiefseehäfen, Containerterminals, Pipelines, Flughäfen, Schien- und Wasserwege, Stromnetze). Es werden einige Oppositionelle aus Gefängnissen freigelassen. Am Ende kommt es zu einem Eklat mit der EU: Ein gemeinsames Papier der Teilnehmer trägt die EU nicht mit, weil ein Hinweis auf freien Handel und faire Wettbewerbsbedingungen fehlt.

2018 dehnt China das Projekt auf die ganze Welt aus. Dahinter stecken geostrategische Interessen. Bisher ist Zentralasien, Afrika, Europa und der mittlere Osten einbezogen ("Chinas Griff nach Westen"). Jetzt soll auch Südamerika dazu gehören. Es soll auch eine "polare Seidenstraße" durch die Arktis geben. Die Initiative trägt den Namen "Ein Gürtel, eine Straße" (One Belt, One Road). Die Projekte werden zu 80% von chinesischen Unternehmen geplant. Nur wenige lokale Firmen sind beteiligt. Die "maritime Seidenstraße" dient unter anderem der Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung. Chinas Energiebedarf dürfte sich bis 2030 verdreifachen (von 2019 aus). Andererseits müssen Überkapazitäten durch Exporte reduziert werden (Stahl, Zement, Metall). In Afrika wurde der "Zirkel von Freunden" stark erweitert. Die Strategie birgt auch Gefahren. 54 Prozent der Kredite hat China an Länder mit geringer Bonität vergeben. In Europa besteht die Sorge, dass das "16+1-Projekt" die EU spalten könnte. Vgl. Friederike Böge: Globalisierung chinesischer Prägung, in: FAZ, 30.01.2018. Die Chinesen bauen eine Bahnstrecke zwischen Budapest und Bukarest. Die Handelskammern in Deutschland und die für Standort-Marketing zuständige Gesellschaft GTAI sehen große Geschäftschancen für deutsche Unternehmen (Bau von Kraftwerke, Straßen u. a.). China strebt auch eine gewisse Abhängigkeit anderer Länder an. China möchte ebenso wieder Zentrum der Welt sein wie bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Deshalb entwickelt die EU eine Gegenstrategie. Diese soll bis zum nächsten Seidenstraßen-Gipfel in Shanghai im November 2018 stehen (nicht nur geostrategische und wirtschaftliche Aspekte, auch Bildung, Forschung, Innovation, Kultur, Tourismus). Der EU mangelt es beim chinesischen Vorgehen an Transparenz und Kontrolle. Außerdem würde die Abhängigkeit unterschätzt. Vgl. Erling, Jonny/ Mülherr, Silke: Bewaffnete Handelskrieger, in: Welt am Sonntag, Nr. 13, 31. März 2019, S. 13f. Für den 26. April 2019 hat Xi Jinping die ganze Welt zum Zweiten Seidenstraßengipfel nach Peking eingeladen.                                                            

Schiffsmodell eines chinesischen Schiffes, wie sie auf der maritimen Seidenstraße als Segelschiffe fuhren. Dieses Modell steht in Hoi An (Weltkulturerbe der UNESCO), Vietnam. Diese Stadt war eine der wichtigsten Stationen der alten maritimen Seidenstraße. Chinesen hatten hier eigene Stadtteile und Pagoden. Am stärksten waren die chinesischen Provinzen Funan und Kanton vertreten. Heute noch kann man in Hoi An diese Geschichte hautnah erleben.

Endpunkte der neuen Seidenstraßen mit der Eisenbahn sind in Deutschland Duisburg, Hamburg und Nürnberg. 500 Euro Millionen Umsatz erwartet die Deutsche Bahn im Jahr 2030 beim Gütertransport auf der Schiene von Europa nach China - etwa sechs Mal so viel wie heute (2019). Mehr als die Hälfte davon würde über die etwa zwei Wochen dauernde Route durch Kasachstan laufen, der Rest über die längere Strecke durch Russland.  Dort sollen auch chinesische Unternehmen angesiedelt werden. Das bringt sicher auch Risiken für Deutschland mit sich, wenn verzerrte Wettbewerbsbedingungen bestehen. Die Auftragsvergabe an Unternehmen ist intransparent. In die Kritik gerät immer wieder die Finanzierung: Sie erfolgt in Form von Krediten. China bürdet den Empfängerländern immer höhere Schulden auf. Sie werden dadurch abhängig. Am weitesten ist das Projekt fortgeschritten in Pakistan, wo der Hafen Gwadar erweitert wird. Eine besondere Bedeutung hat die Nordostpassage als Schifffahrtweg. Sie ist nur 13.000 km lang von Wladiwostok nach St. Petersburg. Über den Suezkanal sind es 21.000 km (auch der weg über den Panamakanal ist länger). Wegen des Klimawandels werden die arktischen Gewässer immer besser befahrbar. In Asien liegen die Häfen mit dem größten Containerumschlag (Shanghai, Singapur, Shenzhen, Ningbo). Im Jahre 2018 rollen zunehmend Züge von Mannheim nach Chongqing. Es ist eine neue 11.000 Kilometer lange Güterzugverbindung. Der Mannheim-Chongqing-Shuttle braucht 17 bis 18 Tage. Er ergänzt den Seeverkehr. Er kann sich sofort etablieren, weil der Rhein zu wenig Wasser hat für die Binnenschifffahrt. Die Stadt liegt am Oberlauf des Yangtse-Flusses. Die BASF und Daimler wollen unter anderen die Strecke nutzen. Duisburg im Ruhrgebiet hat bisher erheblich profitiert. Die Stadt wandelt sich erfolgreich vom Stahlstandort zum Warenlagerungs- und Umschlagsplatz. Duisport ist mittlerweile der größte Binnenhafen Europas.

Kritik bzw. Gegenmaßnahmen: Mit den USA zusammen stellen sich immer mehr Staaten gegen die Seidenstraßeninitiative. Man spricht auch von "Belt and Road"- Initiative (BRI). Die USA bauen ein Gegenprogramm auf. Sie wollen 60 Mrd. Dollar dafür bereit stellen. Damit könnte das größte Investitionsprogramm der Geschichte noch scheitern. Robert Lightnizer, Handelsbeauftragter der USA, wirft China im November 2018 Know-how-Diebstahl vor ("China hat seine unfairen, untragbaren und wettbewerbsverzerrenden Praktiken nicht grundlegend geändert"). Beim Aufbau der Infrastruktur im Zusammenhang mit der Seidenstraße werden fast ausschließlich chinesische Firmen eingesetzt. Die Finanzierung läuft über eine der großen Staatsbanken, meist über die China Exim Bank. Der Baukonzern China Communications Construction mit seiner Tochter CRBC, der staatliche Netzbetreiber China State Grid und der Bahngigant CRRC gehören zu den Firmen, die am meisten von den Milliardenaufträgen profitieren. Werden die Kreditbedingungen nicht mehr erfüllt, müssen Länder Teile ihres Territoriums oder Infrastruktur abtreten. Die Finanzierung ist der Hebel, der China eine ungeheure Macht gibt.  Vgl. Fischer, K./ Heissler, J./ Petring, J.: Auf der Straße der Schulden, in: WiWo 49/ 23.11.18, S. 20ff. Außerdem werden fast ausschließlich chinesische Arbeiter eingesetzt. Teilweise aus Angst vor anderen Religionen und Kulturen, teilweise aus ökonomischen und technologischen Gründen.  "Die Seidenstraße kann das Leben von 70 Prozent der Weltbevölkerung verbessern", Joe Kaeser, Siemens-Vorstandschef.

Aktuell: 2019 wächst der chinesische Druck auf Italien. Es soll sich der chinesischen Initiative zum Bau der "Neuen Seidenstraße" anschließen. Ende März 2019 kommt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping nach Italien. Dann könnte eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet werden. Italien wäre dann als bisher größte Volkswirtschaft und Mitglied der G7 dabei. China lockt mit großen Investitionen. Es fordert auch "Respekt vor Kerninteressen". Damit sind die Ansprüche im Ost- und Südchinesischen Meer gemeint. Deutschland übt scharfe Kritik an der geplanten Kooperation zwischen China und Italien. China als als Einfallstor in Italien den Hafen Triest im Nordosten Italiens gewählt.  Andere EU-Länder wie Griechenland, Portugal und Ungarn haben entsprechende Vereinbarungen schon unterschrieben. Italien einigt sich trotz Protesten vieler EU-Länder mit China: Es wird ein Absichtserklärung unterzeichnet. China investiert in die Häfen Triest und Genua, Straßen und Bahnstrecken sowie Telekom-Netze.  Vgl. auch: Peter Frankopan: Die Neuen Seidenstrassen. Gegenwart und Zukunft unserer Welt, Berlin (Rowohlt) 2019. "Einst führten alle Wege nach Rom. Heute führen sie nach Peking" (Umschlagtext). Ein Buch über den Wiederaufstieg Asiens - und den Beginn einer neuen Epoche. Die "Neuen Seidenstrassen" sind das größte Infrastrukturprojekt aller Zeiten. Sie werden zu den Lebensadern der Welt. Ende April 2019 (Eröffnung 26.04.) findet ein weiterer Gipfel (der zweite) zur "Neuen Seidenstraße" in Peking statt (Konferenzpalast vor den Toren Pekings inmitten von Gärten und Pavillons nicht weit von der Großen Mauer). Gesandtschaften aus 150 Ländern und 37 Staats- und Regierungschefs kamen. Aus Deutschland ist Wirtschaftsminister Altmaier dabei (er darf nicht überall teilnehmen, weil er nicht Regierungschef ist). Xi Jinping gibt bekannt, dass bereits Infrastruktur-Verträge in Höhe von 64 Milliarden Dollar abgeschlossen wurden. Laut Außenminister Wang haben 126 Länder und 29 internationale Organisationen Verträge abgeschlossen. Seit 2013 wurden Kredite in Höhe von 265 Milliarden Euro von verschiedenen Banken vergeben. Piräus soll zum größten Hafen Europas ausgebaut werden. Der chinesische Staatskonzern Cosco besitzt praktisch den Hafen seit 2013. Die Griechen hoffen auf weitere Investitionen. Der Hafen von Athen werde zum "Kopf des chinesischen Drachens in Europa" (so Xi Jinping bei einem Besuch in Griechenland am 11.111.2019). Chinesische Firmen haben seit 2005 rund 7,5 Mrd. € in dem Land investiert. Damit ist China der größte ausländische Investor in Hellas. Griechenland und China wollen ihre Beziehungen ausbauen und vertiefen. 2021 sollen über 500.000 chinesische Touristen in das Land kommen. Vor 70 Jahren verkündete Mao Zedong die Gründung der Volksrepublik China. Am 1.Oktober 2019 wird mit einer Militärparade gefeiert. Vor 30 Jahren, am 4. Juni 1989, rollten Panzer über den Tiananmen-Platz in Peking. Hunderte Menschen kamen ums Leben.

Kommentar: Schon seit 2013, dem Amtsantritt von Xi Jinping, kam China mit dem Vorschlag der BRI an die Öffentlichkeit. Ursprünglich standen die Länder Zentralasiens im Mittelpunkt. Für China war aber von Anfang an nicht nur die Infrastruktur angesagt, sondern auch der damit verbundene Handel (gemeinsame Standards, Streitschlichtung u. a.). Für Europa besteht eine Chance, die Hegemonie der USA auszugleichen. Es könnte durchaus eine Win - Win - Situation entstehen, wenn Europa seine eigenen Interessen durchsetzen kann. Das geht aber nur mit Einigkeit. China nutzt gezielt die Schwächen einiger Länder aus (Griechenland, Italien). Wahrscheinlich werden künftig auch weniger Güter in Asien produziert. Die Regionalisierung der Lieferketten nimmt in der Digitalisierung und durch den Anstieg der Löhne in Asien stark zu. So könnte es sein, dass zukünftig weniger Güter transportiert werden. Der Fernhandel scheint abzunehmen.

"Wir sind , was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt", Buddha.

 

Troja und Homer:

                                            Trojanische Pferde 2010: links aus dem Film Troja. Dieses Pferd steht mittlerweile in Canakkale bei Troja (es soll zukünftig in einem Troja-Park stehen). Rechts das Pferd, das im Eingang der Ruinen von Troja steht und von einem Schreiner gestiftet und gezimmert wurde. Wahrscheinlich stellt das Pferd in der Ilias nur ein Symbol dar (mit der Kriegslist/ "Danäergeschenk" gelingt die Eroberung nach 10jähriger Belagerung).

Wahrscheinlich war auch Troja als regional bedeutende Metropole an das Netz der Seidenstraße angeschlossen (heute spricht man von einer "neuen Seidenstraße" durch den Bahntunnel unter dem Bosporus in Istanbul; ein weiterer alter Teil führte durch Kappadokien über Ortahisar, Konya, Beysehir und Side). Die Bedeutung von Troja lag in der Lage an einer der wichtigsten Seestraßen der damaligen Zeit an der Einfahrt der Dardanellen. Die heftigen Winde ließen Schiffe immer wieder vor Troja anlegen (das Meer reichte damals bis zur Stadt; wahrscheinlich Zoll und Hafengebühren). Troja lag in Wilusa, einem Gliedstaat des Hethitischen Großreichs, an der Westküste der heutigen Türkei (am Hügel Hisarlik, 30 km entfernt vom heutigen Canakkale). Die Hauptstadt des einstigen Hethiterreiches war Hattuscha, im heutigen Zentralanatolien gelegen. Um 800 v. Chr. schrieb Homer mit der Ilias (habe ich noch in der Schule in Altgriechisch gelesen; neuere Ansätze ordnen die Ilias um 650 v. Chr. ein) das älteste Literaturdenkmal Europas. Es hat viele nachfolgende Kulturen (u. a. das Römische Reich) stark beeinflusst (deshalb subventionierten die Römer, z. B. Augustus und Hadrian, spätere Neugründungen wie Troja VII und VIII). Insofern ist die Ilias das Buch aller Bücher in der Welt. Unklar ist, was Homer selbst erfunden und was er übernommen hat. Ob der Trojanische Krieg tatsächlich stattgefunden hat, so wie in der Ilias beschrieben, ist noch nicht geklärt. Es mehren sich die Anzeichen aus Ausgrabungen, dass um 1200 v. Chr. tatsächlich kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Mykene und Troja stattgefunden haben und das Troja wesentlich größer war als nur der ursprünglich entdeckte Hügel von Schliemann (dies dürfte Troja II gewesen sein; das Troja des berühmten Krieges könnte Troja VI sein; Schliemann reiste zuerst nach China und der chinesischen Mauer). Insgesamt haben die Ausgrabungen in Troja über 10 Schichten von ca. 2600 v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. hervorgebracht. Klar ist, das der berühmte Goldschatz des Priamos, der seit dem 2. Weltkrieg wahrscheinlich in Moskau aufbewahrt ist, nicht von diesem sein kann. Andere Ausgrabungen sind im Pergamon-Museum in Berlin (die Türkei fordert die Rückgabe) oder in den archäologischen Museen von Canakkale und Istanbul ausgestellt. Die Ausgrabungen in Troja werden in der Regel von deutschen Wissenschaftlern geleitet (am bekanntesten war der Tübinger Archäologe Prof. Korfmann) und von Unternehmen gesponsert, z. B. von Daimler. Seit 1906 graben deutsche Archäologen auch in Hattuscha. Im Herbst 2010 habe ich Troja besucht (im Rahmen eines Erasmus-Aufenthaltes für Vorlesungen an der Kültür-Uni in Istanbul).

Wesentlich besser erhalten und mittlerweile ein Geheimtipp ist Laodikeia im Westen der Türkei (unweit von Pamukkale). Das Stadion war das zweitgrößte im Römischen Reich nach dem Circus Maximus in Rom. Hier ist eine der ältesten Kirchen der Welt fast vollständig erhalten geblieben. Im siebten Jahrhundert wurde die Stadt durch ein Erdbeben zerstört. Mittlerweile fordert die Türkei antikes Raubgut zurück. Auch Deutschland, vor allem die Museen in Berlin. ist betroffen. 2017 taucht eine neue Theorie über Troja und seine Nachbarstädte auf: Verantwortlich für den Zusammenbruch am Ende der Bronzezeit sei ein Kampf um die Vormachtstellung im östlichen Mittelmeer. Einer der Hauptakteure seien die Luwier gewesen, kein einheitliches Volk. Vgl. Eberhard Zangger: Die Luwier und der Trojanische Krieg, Grell Füssli 2017.

"Die frühere Ungewissheit schwindet und die Lösung scheint näher denn je zu liegen. Es würde nicht verwundern, wenn das Resultat bereits in naher Zukunft lauten würde: Homer ist ernst zunehmen", Joachim Latacz, Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels, München/ Berlin 2001, S. 342. Vgl. auch Askin, M.: Troja, Istanbul 2010.

 

Islamische Kultur und Wirtschaft:

Toledo, Spanien. Hier lebten Christen, Muslime und Juden Jahrhunderte einträchtig in Toleranz zusammen. Toledo war für die muslimischen Herrscher nach Cordoba die zweitwichtigste Stadt in Spanien. Die Stadt ist auch durch ihren Stahl und die daraus gefertigten Schwerter/Messer und den Maler El Greco berühmt. El Greco hat mit seiner Modernität sehr viele Maler beeinflusst.

Rund 1,4 Milliarden Menschen bekennen sich heute zum Islam, die meisten leben in Asien und Afrika. In Deutschland leben ca. 4 Mio. Moslems, die meisten kommen aus der Türkei (in Duisburg Marxloh steht die größte Moschee Deutschlands).2016 ist der Anteil der Muslime in Deutschland erstmals über 5%.  Leider wird in der deutschen Bevölkerung immer wieder der normale Islam mit extremem Islamismus und extremem Nationalismus verwechselt. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass der islamische Terrorismus einer der dominierenden Strömungen (neben dem Aufstieg Chinas) unserer Zeit ist. Terroristische Anschläge (z. B. auch der 2015 auf Charlie Hebdo in Paris) werden islamisch legitimiert. Der IS wird immer stärker und dehnt sich auch nach Asien aus (Afghanistan, Indien, Pakistan). Dadurch wächst auch in Deutschland die Angst vor dem Islam (57% aller Deutschen, auch Pegida als Anti-Islam-Bewegung). Viele Jahrhunderte war die arabische Kultur der europäischen weit voraus (Mathematik, Architektur, Medizin u. a.; der andauernde Niedergang ist ein historisches Rätsel). Auch die Ursprünge unserer Ökonomie liegen mit der Erfindung der Landwirtschaft in Mesopotamien in diesem Raum (damals gab es den Islam allerdings noch nicht). Der maurische Philosoph Ibn Rushd (genannt Averroes) aus Cordoba, der im 12. Jahrhundert lebte, gilt sogar als der Retter des griechischen Philosophen Aristoteles. Aristoteles war zu der Zeit bekannter bei den Arabern als im Abendland. Averroes beeinflusste stark die Denker Albertus Magnus und Thomas von Aquin. In Europa erinnern noch heute Bauwerke in Cordoba und Granada an eine der glanzvollsten Epochen des Islam. Aber auch  der Philosoph Faraddin ar-Razis ist sehr bekannt, Er wurde 1150 in der Stadt Raij (heute ein Vorort von Teheran) geboren. Er behandelte auch zentrale Gottesfragen (Schöpfung, Ewigkeit, Gottesbild)."Wenn wir nicht achtgeben, wird die Stunde kommen, in der Europa mehr Interesse an der Türkei als die Türkei Interesse an Europa haben wird", Guido Westerwelle, Bundesaußenminister, 2013.

Die Religion des Islam gründet sich auf den Koran, der einer der wichtigsten und mächtigsten Bücher der Welt ist. Er entstand vor etwa 1400 Jahren. Er geht auf Mohammed zurück, der als 40-jähriger Kaufmann seine erste Offenbarung in Mekka empfängt (20 Jahre nach Mohammeds Tod werden die Offenbarungen, die er empfangen hat, verbindlich aufgeschrieben). Mohammed war zuerst Schafhirte und Analphabet bis er durch seinen Heirat mit einer wohlhabenden Frau sozial aufstieg. Später muss er nach Medina fliehen (der Stamm erkannte seine Erkenntnisse nicht an; 622; Beginn der islamischen Zeitrechnung; Hidschra). 632 macht er seine Abschiedswallfahrt und stirbt. Die Überlieferungen zu Mohammeds Leben sind neben dem Koran die wichtigste Quelle des Islam. Wie die Christen und Juden beruft sich der Islam auch auf Abraham und Moses (siehe Topkapi - Museum in Istanbul).  Später kam es zu einer Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten. Der Gegensatz zwischen den beiden Religionsgruppen, der zum Teil erbittert auch heute noch ausgetragen wird, ist für die Konflikte und Instabilität in vielen Ländern Arabiens verantwortlich (Syrien, Irak, Jemen, Bachrain). Aber die Konflikte haben nicht nur religiöse Ursachen. In vielen arabischen Ländern und im Iran gibt es aber noch andere kulturelle Einflüsse (Geschichte Persiens als Weltreich). Der Einfluss der islamischen Kultur auf die Wirtschaft wird im Mittelpunkt verschiedener Veranstaltungen stehen (Interkulturelle Kompetenz, Kommunikation, International Economics). Als Kaufmann hatte Mohammed sicher eine Affinität zum Wirtschaftsleben. Mekka, in Saudi-Arabien gelegen, ist heute Mittelpunkt des islamischen Universums. In dieser Metropole trifft der Islam auf die ökonomische Globalisierung. Hier stehen die Kaaba, ein quadratischer Stein und ein schwarzer Meteorit (Umgebung teuerstes Bauland der Welt). In Saudi-Arabien gibt es auch eine besonders radikale Form des Islam der "Wahhabismus". Aber sogar in Saudi-Arabien gibt es mittlerweile auch prominente Bewegungen, nach den das Verschleiern des Gesichts bei den Frauen nicht obligatorisch ist.  Bei der Hadsch, der Wallfahrt nach Mekka (verbunden mit dem Berg Arafat anlässlich der Steinigung des Teufels Mina), muss der Würfel siebenmal umrundet werden. Ab 2013 wird die Moschee in Mekka vergrößert und die Verkehrswege werden verbessert. Jährlich besuchen immerhin ca. 9 Millionen Pilger Mekka. Nach einem Kranunglück im September 2015 sterben 107 Menschen an der Großen Moschee. Ende September 2015 sterben 700 bei einer Panik. Der Islam ist heute eine sehr heterogene Religion, die daher in viele Strömungen differenziert werden muss. Unter ihnen gibt es Gruppen, die als radikal angesehen werden können, z. B. die Salafisten (diese Fundamentalisten sind in Deutschland sehr erfolgreich, weil sie Deutsch predigen und den Alltag der jungen Menschen genau kennen; 2012 verteilen sie in großen Mengen kostenlos den Koran; die islamistische Organisation "Die wahre Religion" wird im November 2016 verboten). Die Salafisten expandieren in Deutschland rasant (2014 7000 Salafisten; "vier M": männlich, muslimischer Hintergrund, Migrationshintergrund, Misserfolge). 2017 nennt der Verfassungsschutzbericht schon 10.800 Salafisten in Deutschland (doppelt so viele wie 2013).  In einer Umfrage 2013 der Bertelsmann Stiftung findet die Hälfte der Deutschen den Islam als bedrohlich. Dabei wird das Deutschlandbild sehr stark von den  Islamisten beeinflusst. Rechte Bewegungen machen sich dies zu Nutzen und organisieren in den Jahren 2014 und 2015 islamfeindliche Demonstrationen (z. B. Pegida in Dresden).  Islamismus macht aus Religion eine politische Ideologie (die Säkularisierung und die Gewaltenteilung werden nicht anerkannt). Man tut sich auch schwer mit Presse- und Meinungsfreiheit (Attentat auf Charly Hebdo in Paris mit vielen Toten). Im März 2019 gibt es 11 Festnahmen von Salafisten im Rhein-Main-Gebiet. Sie hatten einen Anschlag geplant.

Grundlegend für die Entwicklung des Islam und viele Konflikte im Nahen Osten ist der Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten (vgl. oben). Ca. zehn bis zwanzig Prozent sind Schiiten, vor allem im Iran, Irak und im Libanon. Diese zwei Gruppen haben sich im siebten Jahrhundert darüber zerstritten, wer als Kalif Nachfolger von Mohammed werden sollte. Die Schiiten verloren den Machtkampf.  Der Name der Schiiten geht auf "Schia Ali", die Partei Alis, zurück. Die Sunniten sind die Anhänger der Tradition (Sunna). Heute entfremden sich Sunniten und Schiiten immer mehr, vor allem im Irak (um 800 war Bagdad noch die Kapitale des Kalifenreiches und so was wie der Mittelpunkt der islamischen Welt). Der Gegensatz ist Ursache vieler Konflikte und Kriege im Nahen Osten (Syrien, Irak, Jemen).  Hinzu kommt, dass die Grenzen der Nationalstaaten nach dem Ersten Weltkrieg von Europäern gezogen wurden, oft ohne Rücksicht auf Religionen und Völker. Etwa 80% aller Muslime weltweit sind Sunniten. Schiiten stellen die Mehrheit im Iran, Irak und Bahrain. 2014 breitet sich die Terrororganisation "Islamischer Staat (IS)" immer mehr in Syrien und Irak aus. Vor allem Kurden sind betroffen. IS geht außerordentlich brutal vor und verursacht große Flüchtlingsströme. Immer wieder erfolgt eine Rechtfertigung von Gewalt durch den Jihad (kriegerischer Kampf) und das Märtyrertum (Selbstmordattentate). Sogar islamische Organisationen und Staaten distanzieren sich von IS. Vgl. Tilman Seidensticker, Islamismus, München 2014. Der Gegensatz zwischen Schiiten und Sunniten spaltet auch 2015 den Jemen. Schirmherr der Sunniten ist Saudi-Arabien. Unterstützung der Schiiten kommt vom Iran. Man fühlt sich an den Dreißigjährigen Krieg erinnert. Es geht um handfeste Machtinteressen (schon früh verband sich der Glaube mit der Macht, deshalb expandierte die Religion so schnell). Zwischen den Fronten stehen der Oman, Israel, Kurdische Gebiete und die Türkei (Sunnitische Mehrheit, alevitische Minderheit, die zu den Schiiten gezählt wird). In Deutschland gibt es einen Staatsvertrag mit der Türkei (Ditib-Moscheen). Ausbildung und Besoldung der Imame wird von Ankara übernommen. Ab 2018 fördert der Bund keine Ditib-Projekte mehr. Hintergrund sind die Vorwürfe, Imane des Verbandes hätten in Deutschland mutmaßliche Kritiker des Präsidenten Erdogan ausspioniert. Mittlerweile gibt es eine Reihe theologischer Fakultäten und Seminare (Osnabrück, Erlangen, Frankfurt, Tübingen). Mitglieder der Gülen - Bewegung sollen 2016 bespitzelt worden sein.    "Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident. Nord- südliches Gefälle, Ruht im Frieden seiner Hände", Goethe, West-Östlicher Divan (entspricht der 2. Sure des Koran, sehr doppeldeutig, wenn man Gott durch Allah ersetzt). Vgl. zum Islam auch die pessimistische Prognose: Hamed Abdel-Samad, Der Untergang der islamischen Welt, Droemer 2010. Ende

Exkurs über die Struktur des Islam und sein Innen- und Außenverhältnis:  Zum Schicksal gehören die Beziehungen zwischen Schiiten und Sunniten. Könnte es eine Art Ökumene geben? Der Schwiegersohn des Propheten ist ja der Namensgeber der Schiiten  (Saladin hat ein Buch über frühe Muslime geschrieben). Mohammed hatte seine Nachfolge nicht geregelt (jeder versucht eine Begründung zu finden). Ursprünglich bestand eine Anführerschaft durch religiösen Verdienst. Erst später setzte sich das dynastische Prinzip durch (Legitimierung der Herrschaft). Die Gelehrten beider Gruppen sagen ziemlich das Gleiche. Im 13. Jahrhundert gab es eine Sufi-Gemeinschaft. Die Grundlagen sind heute noch in etwa gleich: Koran, Sunna, Islamische Lehre (Aqida) und Wissenschaftler. Die Stellung zum Judentum ist auch schwierig: Der Islam wird als letzte Botschaft Gottes angesehen. Die Dreifaltigkeit versteht der Islam nicht. Wichtig für den Islam ist heute die Tradition der Medresen. Das sind die Gelehrten, die an Universitäten ausbilden. Dabei gibt es drei Bausteine: 1. Grundlagen des Glaubens. 2. Spekulation ((Kalem). 3. Moral. Aber vielfältige Interpretationen sind möglich. Die größte Moschee Deutschlands wird im September 2018 in Köln-Ehrenfeld eingeweiht. Sie wurde vom türkischen Trägerverein Ditib gebaut. Es war auch der türkische Präsident Erdogan anwesend. Die Moschee hat Platz für 1100 Gläubige, ist 30 Mio. € teuer und hat 55 Meter hohe Minarette. Es gibt einen Streit über die Eröffnungsfeier (die Kölner Oberbürgermeisterin und andere prominente Befürworter wurden nicht eingeladen, Undankbarkeit). Erdogan betreibt durchaus "Kuhhandel" mit Moscheen. So verhandelt er 2019 mit dem griechischen Ministerpräsidenten Tsipras: Fethije-Moschee mit minarett in Athen gegen Wiedereröffnung der Akademie Chalki im Marmarameer.

Ein besonderer Faktor stellt mittlerweile der Islamische Staat dar. Er umfasst Teile von Syrien und Irak. Er hat ein perfekt organisiertes Finanzierungssystem aufgebaut. Einnahmequellen sind Steuern, enteignete staatliche Banken, Öl und Gas, Verkauf von Antiquitäten, Erpressung, Lösegelder, Ausländische Spenden (insbesondere aus Saudi-Arabien) und Landwirtschaft (Weizen, Gerste). Die Söldner kosten nur ca. 8% des Jahresetats. Die OECD hat 1989 eine Expertengruppe für Schwarzgeld- und Korruptionsbekämpfung gegründet. Hauptaufgabe dieser Financial Action Task Force (FAFT) ist inzwischen der Kampf gegen die Terrorfinanzierung. Politikwissenschaftler sprechen beim islamischen Staat von heroischen Gesellschaften, die asymmetrische Kriege führen und diese brauchen. Selbstmordattentäter sind ihre Drohnen und sind wegen ihres islamischen Wertesystems grenzenlos opferbereit. Allein 2014 soll es 33.000 Todesopfer durch Terror gegeben haben, die kosten sollen bei 53 Mrd. Dollar liegen (Quelle: Institut für Wirtschaft und Frieden, Sydney). Der selbst ernannte Kalif al-Baghdadi  ist der Anführer der IS-Miliz. Er braucht Erfolge, um seine Dschihad-Soldaten im Griff zu haben. Fehlen diese Erfolge im Kernland, sucht man Sie in der Welt. Der ägyptischen Dschiadist Abu Bakr Naji lieferte in seinem Buch "Management der Barbarei" von 2004 den theoretischen Überbau (dreistufige Strategie: Infiltration, Destabilisierung durch Attentate, militärischer Angriff; totales Chaos, totale Ordnung). Die größte Gefahr geht vom IS jedoch in Pakistan aus. Das Land ist eine starke Atommacht. Es gibt im Land immer mehr Koranschulen und Milizen. Der Staat droht zu scheitern. 2016 gibt es Anschläge, die nur indirekt mit dem IS zusammenhängen. Es gibt wohl keine Verbindungen und Anweisungen. Man spricht von "Einsamen Wölfen" (Attentat in Nizza mit einem LKW).

Wenn die Alkoholsteuer 2010 in der Türkei um 30% erhöht wird, geht es sicher nicht nur um religiöse Motive, sondern auch um fiskalische (was zum Schwarzbrennen einlädt und den Konsum noch gefährlicher macht; die türkische Finanzwissenschaft wurde stark von deutschen Wissenschaftlern geprägt, wie etwa Neumark, der vor den Nazis emigrierte). Auch in anderen Bereichen emigrierten deutsche Wissenschaftler vor den Nazis in die Türkei. Berühmt ist in der Türkei Eduard Zuckmayer, der Bruder des Schriftstellers. Er war Professor und Musikpädagoge und prägt die Entwicklung der Musik in der Türkei (importierte und übersetzte viele deutsche Volkslieder). In der Türkei leben 74 Mio. Muslime. Hier wurde der Islam 1928 als Staatsreligion abgeschafft. Die Unruhen in Nordafrika 2011 (Tunesien, Ägypten, Jemen, Libyen) zeigen, wie wichtig die Türkei als Bindeglied zu den islamischen Ländern sein könnte. Die Türkei spielt auch eine Schlüsselrolle in dem Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten. Als Transitland hilft die Türkei der EU bei der Flüchtlingsfrage und erwartet dafür EU-Reiseerleichterungen. Konkret einigt man sich Ende 2013: Die Türkei nimmt illegal in die EU eingereiste Menschen wieder auf. Türken erhalten eine visafreie Einreise. Im September 2011 wird beim Besuch des türkischen Präsidenten Gül ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Deutschland ist nach wie vor gegen eine Vollmitgliedschaft in der EU. 2013 will die Bundesregierung den Beitrittsgesprächen neuen Schwung verleihen (Türkeibesuch der Kanzlerin anlässlich des Konfliktes mit Syrien). Im Oktober 2011 wird der 50. Jahrestag des Beginns der türkischen Arbeitsmigration nach Deutschland gefeiert. Die Türkei entwickelt sich immer mehr zum Vorbild für die Modernisierung der islamischen Welt. Gleichzeitig wachsen die Spannungen zwischen weltlichen und religiösen Kräften. Religionsfreiheit gibt es nicht in der Türkei. In Istanbul wird ab 2013 die größte Moschee der Türkei gebaut (im asiatischen Teil). Die Türkei hat noch keine Atomkraftwerke, 4 sind in der Planung. Istanbul ist stark erdbebengefährdet. 2013 wird der Bahntunnel unter dem Bosporus fertig gestellt (Kooperation mit Japan). Er verbindet Europa und Asien. Ökonomisch bereiten das hohe Leistungsbilanzdefizit und die hohe Arbeitslosenquote Sorgen. Im Mai und Juni 2013 gerät Regierungschef Erdogan unter Druck. Viele Demonstrationen richten sich gegen seinen autoritären Führungsstil (die meisten Demos auf dem Taksim-Platz in Istanbul).  Auslöser war eine geplante Bebauung des Gezi-Park. Im Zuge von Demonstrationen im ganzen Land wird deutlich, dass ein tiefer Graben durch die Bevölkerung der Türkei verläuft (eher islamistisch orientierte Gruppen, westlich orientierter Teil der Bevölkerung). Im Sommer 2013 kommt es wegen der Demonstrationen zum Bruch zwischen Erdogan und der Güllen-Bewegung. Güllen, ein islamischer Prediger, lebt in den USA und ist sehr mächtig (Banken, Firmen). Vor allem in der Polizei und Justiz ist der Einfluss groß. In Deutschland betreibt die Bewegung Nachhilfezentren und Schulen. 2014 beschließt das türkische Parlament ca. 4000 private Güllen-Schulen zu schließen. Ende 2014 stellt die türkische Justiz einen Haftbefehl gegen Güllen aus. Die Regierung Erdogan gerät unter Korruptionsverdacht, woraus eine Affäre erwächst. Das Twitter-Verbot geht nach hinten los und kann leicht umgangen werden. Die EU kritisiert das Vorgehen der Regierung gegen die Justiz (Hunderte von Richtern und Polizisten strafversetzt). Die Türkei verschärft 2014 das Internetrecht: Internetseiten können von der Regierung ohne richterlichen Beschluss gesperrt werden. Dies öffnet dem Missbrauch gegen unliebsame Oppositionelle Tür und Tor. Bei den Kommunalwahlen Ende März 2014 erreicht Erdogan ca. 45%. Er ist Favorit bei den Präsidentschaftswahlen am 10. August 2014. Er gewinnt im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Die EU-Beitrittsgespräche sollen in einer Stufenlösung erfolgen (erst ab Hebst 2013, Fortschrittsbericht abwarten). Am 25.11.13 werden die Beitrittsgespräche wieder aufgenommen. Im jetzigen Kapitel geht es um Regionalpolitik. Das größte Problem stellt die geteilte Insel Zypern dar. Bei einem Besuch Erdogans in Deutschland im Februar 2014 betont die Bundesregierung, dass die Beitrittsgespräche ergebnisoffen und zeitlich nicht befristet sind. Ende April 2014 besucht Bundespräsident Gauck die Türkei. Er würdigt die Großmut der Türkei bei der Flüchtlingshilfe für Syrer. Mitte 2014 gibt Staatspräsident Gül bekannt, dass er keine weitere Amtszeit bereit steht. Damit ist der Weg für Erdogan frei. Im Herbst 2014 schränkt die türkische Regierung die Meinungsfreiheit im Internet weiter ein. Erdogan will die Rating - Agenturen aus dem Land werfen, weil er mit der Einstufung nicht zufrieden ist. Bei der Parlamentswahl im Juni 2015 verliert die AKP die absolute Mehrheit. Die türkische Regierung will die alte Hofsprache Osmanisch auf den Stundenplan der Oberschulen setzen. Im Herbst 2014 gibt es eine Massenflucht in die Türkei (syrische Kurden in Flucht vor der IS). Der lässige Umgang von Erdogan mit der IS bringt die Kurden gegen ihn auf. Praktisch tritt die Türkei später 2015 in einen Krieg gegen die PKK ein (die Luftwaffe bombadiert Stellungen in Syrien). Bei dem verheerendsten Anschlag in der türkischen Geschichte Anfang Oktober 2015 in Ankara werden 95 Menschen getötet und 507 verletzt. Die Bundesregierung will im Herbst 2015 der Türkei die Wiederaufnahme der eingefrorenen EU-Beitrittsverhandlungen anbieten, um die Türkei zur Hilfe bei der Flüchtlingskrise zu gewinnen (in Lagern in der Türkei sind über 2 Mio. Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak). Zypern und Griechenland sind dagegen. Erweiterte Beitrittsgespräche werden im Dezember 2015 wieder aufgenommen (als Gegenleistung für die Schließung der Grenzen). Beitrittsverhandlungen sind für die liberalen Kräfte im Land auch die einzige Chance auf Veränderung. Die türkische Regierung plant 2015 islamische Gotteshäuser im Ausland zu errichten. So sollen zwei Minarette in Havanna/ Kuba gebaut werden. Am 01. 11. gewinnt die APK die absolute Mehrheit bei den Parlamentswahlen (Davutoglu, Erdogan). Davotoglu tritt im Mai 2016 zurück. Erdogan stellt den Flüchtlingspakt mit der EU in Frage, weil die EU darauf besteht, dass die Anti-Terrorgesetze der Türkei geändert werden. Die EU plant eine Notbremse bei der Visa-Freiheit: Sie kann 6 Monate lang ausgesetzt werden. Im Juni 2016 gibt es ein schweres Attentat des IS am internationalen Flughafen Atatürk in Istanbul (41 Tote, 239 Verletzte). Im Juli 2016 scheitert ein Putsch der Armee. Es folgt eine Säuberung bei Militär, Bildungswesen und Justiz. Es wird für drei Monate der Ausnahmezustand verhängt. In den folgenden Monaten werden 125.000 Staatsdiener entlassen. Die Gülen-Bewegung (Fethullah Gülen, lebt seit 1999 im Exil in den USA) wird für Alles verantwortlich gemacht (laut BND stimmt das nicht; der Putsch-Versuch kam nur aus der Armee). Erdogan plant einen Gesetzentwurf zur Einführung der Todesstrafe. Das wäre wohl der Bruch mit der EU. Erdogan rückt sowieso immer mehr von der EU ab. Mitglieder der HDP - Führung und weitere oppositionelle Journalisten werden verhaftet. Der Fortschrittsbericht 2016 zum EU-Beitritt der Türkei fällt vernichtend aus (mehr als eine privilegierte Partnerschaft wird nicht mehr drin sein). Das EU-Parlament will über die Aussetzung der Beitrittsverhandlungen abstimmen. Für seine Verfassungsreform, die dem Präsidenten mehr Macht einräumt, will Erdogan Wahlkampf in Deutschland machen. Auf kommunaler Ebene werden Veranstaltungen nicht genehmigt (Erdogan: "Nazi-Methoden"). Beide Seiten instrumentalisieren Wahlkampfverbote (nach der türkischen Verfassung ist Wahlkampf im Ausland verboten). Immer mehr Türken fliehen nach Deutschland, weil sie in der Heimat verfolgt werden ( bis März 2017 262 Anträge, darunter Diplomaten und Militärs, die als Anhänger von Gülen gelten). Nach dem "Ja" für das Referendum im April 2017 kommen auch zunehmend Millionäre nach Deutschland, um ihr Vermögen zu sichern. Erdogan ruft im Bundestagswahlkampf 2017 die Deutsch-Türken dazu auf, nicht SPD, CDU oder Grüne zu wählen. Das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland ist stark belastet. Die deutsche Regierung erhöht den Druck auf die Türkei: Die Ausweitung der Zollunion der EU mit der Türkei soll blockiert werden (eine Abschaffung würde die Türkei hart treffen). Nach mehreren Festnahmen von deutschen Bürgern (geboren in der Türkei) wegen Anhängerschaft von Gülen verschärft die Bundesregierung die Reisewarnungen. Am 16.02.18 wird der Welt-Journalist Deniz Yücel (doppelte Staatsbürgerschaft) nach 367 Tagen Haft freigelassen. Die Türkei hat weltweit die meisten Journalisten im Gefängnis. Erdogan will 2018 den Ehebruch verbieten und durch Strafrecht sanktionieren. Die Rechtskonservativen sollen bei Laune gehalten werden (auch mit einer Einführung der Todesstrafe). Zwei Wochen nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen legt der neue Staatspräsident Erdogan seinen Amtseid im Juli 2018 ab. Im Juli 2018 wird der Ausnahmezustand offiziell beendet. Dafür werden die Terrorgesetze verschärft. In Türkei nimmt in den letzten Jahren die Fettleibigkeit dramatisch zu. Nach Daten der OECD ist jeder dritte Türke übergewichtig, jeder fünfte fettleibig. Die Gründe dafür reichen von der Ausbreitung der Fast Food bis zur Veränderung des Lebensstils. Es gibt eine tückische Mischung von Bewegungsmangel, falscher Ernährung und Zigaretten. Der Gesundheitsminister will den Zuckerkonsum reduzieren.

Im WS 2010/2011 hielt ich mich zu einem Lehrauftrag in Istanbul auf; im SS 2011 organisierte ich dort ein Symposion über Familienunternehmen. "Ich bin hier nicht als Tourist in kurzen Hosen unterwegs, sondern als deutscher Außenminister. Das, was ich sage, zählt". Guido Westerwelle, ehemaliger Bundesaußenminister (FDP) bei einem Türkei-Besuch im Januar 2010 (Westerwelle stirbt im Jahre 2016).

Heute entstehen dort immer wieder Konflikte durch das Kopftuch (Verbot in Universitäten von Erdogan gelockert, Rektoren entscheiden). Erdogan will auch das Hut-Gesetz des Republikgründers Atatürk von 1925 kippen. Erdogan kündigt immer neue Gesetzentwürfe an, die er später nicht umsetzt (Abtreibungsverbot, Verbot der Fernsehserie über Süleyman I. wegen zuviel Haremsintrigen). Er will die konservativ-islamischen Wähler ansprechen.  Während der Regierung Erdogan hat sich aber die Lage der Christen in der Türkei verbessert. Ein gutes Dutzend orthodoxer Bischöfe konnte 2010 aus anderen Ländern eingebürgert werden. Auch im Kloster Sümela und auf der Insel Akdamar konnten erstmals nach langer Zeit wieder Gottesdienste gefeiert werden. 2011 kommt ein Gesetz, das die Rückgabe von ehemaligem Kirchenbesitz regelt. Erstmals seit Gründung der türkischen Republik wird wird 2014 ein christlicher Neubau einer Kirche genehmigt (in Istanbul; in der Türkei leben ca. 100.000 Christen). Tarsus, im Süden der Türkei, ist der Geburtsort des Apostel Paulus (die Stadt ist über 10.000 Jahre alt; Christian Wulff ist Ehrenbürger). Mittlerweile gehören Indonesien und Pakistan (Gründung 1947 durch muslimische Nationalisten) zu den mächtigsten muslimischen Ländern mit den meisten Muslimen. In keinem anderen Land der Erde leben so viele Muslime wie in Indonesien. Die Insel gilt als Vorbild für die arabische Welt im Hinblick auf Pluralismus (weltoffener, sanfter Glauben). Muslimische Kaufleute dominierten im 15.Jahrhundert den Seehandel mit China. Sie trugen den Glauben bis nach Sumatra.  Die Universität Straßburg bietet einen internationalen Studiengang für islamisches Finanzwesen an. Islamic Banking sind Finanzdienstleistungen, die im Einklang mit den Vorschriften des Islam stehen. Keine Geschäfte, die mit Schweinefleisch, Alkohol u a. zu tun haben. Zudem ist es verboten, für die Gabe von Kapital Zins zu nehmen (Ribah). Auch Spekulationen (Gharar), Glücksspiele (Maysir, Qimar) und weitere unethische Geschäfte sind verboten.2015 startet die erste islamische Bank in Deutschland (Kuveyt Türk Bank, Lizenz der Bafin). Der Islam besitzt ein Normensystem, das als Scharia bezeichnet wird (neben dem Koran gründet es sich auf Berichte über die Aussagen und Taten Mohammeds; vgl. GeoEpoche, Nr. 73, 2015: Der Islam).  Rechtwirksam wird es erst durch Einbindung in nationales Recht. Es wird im internationalen Recht zu Rate gezogen, vor allem im Familien- und Erbrecht. Hier kann es unterhalb der Gerichte in Mediation eingesetzt werden. Ayaan Hirsi Ali ist eine prominente Islamkritikerin, die sich für einen Wandel der islamischen Glaubenslehre einsetzt (Status des Koran, Betonung des Jenseits, Anspruch der Scharia, Konzept des Dschihad). Bis 2070 (evtl. schon 2050) könnte der Islam die größte religiöse Gemeinschaft der Welt sein.  "Ich rufe Ägypten auf: Vergesst nicht eure Kultur und Geschichte", Erdogan, türkischer Ministerpräsident, appelliert an die Regierung, keine Gewalt einzusetzen. 2011 bei einem Deutschlandbesuch geißelt er die Islamophobie. Im Jahre 2016 verbieten türkische Behörden Weihnachten an einer deutschen Schule in Istanbul.

Berühmte Stelle in der Hagia Sophia in Istanbul ("Kirche der göttlichen Weisheit", gilt auch als 8. Weltwunder; 537 eingeweiht), wo der römische Kaiser bzw. der Sultan seine Audienzen abhielt. Das Plakat zeigt Istanbul als Kulturhauptstadt von Europa 2010 (zusammen mit Essen). Die Kirche, von Konstantin dem Großen ca. 300 n. Chr. erbaut und von Kaiser Justinianus 537 geweiht,  bzw. Moschee (seit 1453 für mehrere Jahrhunderte, heute Museum)  hat ein wechselvolles Schicksal. Kein anderes Symbol steht so für die gemeinsame Geschichte von Christentum und Islam (beide Religionen berufen sich auf die gleichen Gründungsväter wie Moses und Abraham). Der türkische Staatsgründer Kemal Atatürk wandelt sie in ein Museum um. Sie gehört zum Unesco -Weltkulturerbe. Erdogan stellt 2019 vor der Kommunalwahl den Status des Bauwerks in Frage: Sie soll Moschee genannt werden. Istanbul wendet sich immer mehr vom Westen ab (wie die Politik von Erdogan). Touristen aus Saudi-Arabien, Kuwait und Indonesien sowie Emigranten aus Irak und Libyen drängen in die Metropole. Araber führen mittlerweile die Liste ausländischer Immobilienkäufer an. 2018 steht der Stadt ein großes Erdbeben bevor. Laut Regierung könnten 600.000 Gebäude einstürzen (unter dem Boden des Marmarameeres schrammen die Kontinentalplatten Afrikas, Europas und Asiens aneinander). Das größte Problem ist die marode Bausubstanz. Der Taksim-Platz im Herzen von Istanbul soll nach dem Willen von Erdogan umgestaltet werden zu einem Wahrzeichen der "neuen Türkei" (ab 2018). Istanbul stand mal für die Versöhnung von Orient und Ockzident und war sehr beliebt bei Touristen ("Istancool"). Seit Erdogan und dem Terror ändert sich dies langsam.

"Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland", Ex-Bundespräsident C. Wulf in seiner Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit. Wulf besuchte 18. bis 22. Oktober 2010 eine Woche die Türkei und legte den Grundstein für die neue deutsche Uni in Istanbul. Nachfolger Joachim Gauck korrigiert dies in "Die Muslime gehören zu Deutschland". Mittlerweile gibt es einen wachsenden "Stammtisch" remigrierter Akademikerinnen und Akademiker aus Deutschland in Istanbul (hier lebt fast ein Viertel der türkischen Bevölkerung; die Stadt soll noch gigantisch vergrößert werden). In RLP wurde ein "Runder Tisch Islam" eingerichtet. Immer mehr und immer jüngere Europäer ziehen in den Syrischen Bürgerkrieg, um an der Seite von Islamisten zu kämpfen. Man nutzt aus, dass in der Pubertätskrise Jugendliche für eine begeisternde Idee empfänglich sind. Radikalisiert werden sie über das Internet, vor allem Facebook. Imame und Religionslehrer sollen in Berlin ab 2018 an der Universität ausgebildet werden. Es wird ein Islam-Institut gegründet.

 

 

   "Wo sind die Weisen der Vergangenheit, Wo die Zukunft?  Himmel und Erde bestehen ewiglich, Einsam und traurig vergieße ich Tränen", Chen Zi´ang (661-702). 

In der angeblich ältesten Apotheke Chinas in Hangzhou, im Südosten Chinas (Grundlage der TCM, einige  Mischungen kosten mehrere Tausend Euro). Hangzhou mit dem Westsee wird als Paradies auf Erden bezeichnet. Auf dem Westsee finden berühmte Freiluft-Lichterspiele statt. In der Nähe wird der berühmte Drachenbrunnen-Tee angebaut. Die Stadt gilt auch heute noch als Gesundheits- und Kurzentrum. Sinnigerweise findet Anfang September 2016 dort das G20-Treffen statt, auf dem die beiden größten Umweltverschmutzer der Erde China und USA das Klimaabkommen von Paris ratifizieren. Die USA steigen dann unter Trump wieder aus. In Beijing steht noch heute die Apotheke des Kaisers.         

Ganzheitliches Denken in der asiatischen Kultur (meist aus China, auch bei uns, Daoismus):

Ein Großteil des im Folgenden beschriebenen Denkens soll auf Lao Tse ("Alter Meister", "Alter") zurückgehen. Sein Leben und auch sein Wirken ist in widersprüchlichen Legenden überliefert. Neuere Forschungen legen seine Wirkungszeit im vierten oder dritten Jahrhundert vor Christi fest. Meist findet man aber sein Geburtsdatum um 600 v. Chr. angesiedelt. Ob er im Süden oder Norden Chinas gelebt hat, ist ungeklärt. Seine Berufsangaben reichen von Reichsbibliothekar bis General. Er verkündete das einfache Leben (Kernweisheit: Lebe nicht nach außen, sondern nach innen). Hermann Hesse und Bertolt Brecht verehrten ihn. Daoismus ist mehr eine Weltanschauung (für den richtigen Weg). Man weiß heute nicht genau, ob die Schrift und das Buch "Daodejing" (ca. 5000 Schriftzeichen in 81 Kapiteln) nur auf die Person von Laozi oder auf ein Autorenkollektiv zurückgehen (vgl. Englert, Dai, Först: Die Provinz Fujian, Annweiler 2013, S. 153ff.).

Der Gedanke von der Einheit von Mensch und Natur ist Kern der Weltsicht der traditionellen chinesischen Kultur (geprägt von Daoismus und Konfuzianismus). Dadurch entstanden eine Reihe von gedanklichen Gebilden in China, die sich von der westlichen Kultur unterscheiden, diese aber heute erheblich beeinflussen. Generell ist die Welt der Asiaten komplexer (dagegen bei uns mehr in Schubladen). Es gibt weniger einfache Lösungen. Alles hängt mit allem zusammen. Die Gehirne scheinen aufgrund der Kultur anders gepolt. Dies wirkt sich auf Wahrnehmungen aus, die bis in Gehirnstrukturen wirken. Leben Asiaten lange im Westen passen sie ihr Denken an. "Es ist viel Raum in den Hautfalten des Buddha", Chinesisches Sprichwort.

Ein Beispiel für ganzheitliches Denken ist die traditionelle chinesische Medizin (TCM: Kräutermischungen, Akupunktur, Massagetechniken wie Tuina, Bewegungsübungen wie Qigong und Tajiquan, Ernährungsweise nach heiß, kalt; damit fünf Säulen). Gesundheit bedeutet Gleichgewicht von "Yin" und "Yang", da der menschliche Körper ein winziges Abbild des kosmischen Systems ist (in diesem Zusammenhang setzen chinesische Heiler auch immer mehr auf Feuer). Daher wurden die Meridiane und Akupunkturpunkte entwickelt. Der Pharmakonzern Chi-Med (2000 gegründet) verfügt über die geheime Bibliothek der traditionellen chinesischen Medizin. Besonders interessant ist Qi Gong. Es ist eine Methode für ein gesundes, langes Leben. Qi steht für die physiologische Aktivität und funktionelle Vitalität des Organismus (Atem, Luft; strömt in einem Geflecht von Leitbahnen oder Meridianen durch den Menschen). Durch Qi-Gong-Übungen kann man spüren, wie sich mit dem Einatmen der Körper mit Energie füllt. Dies geschieht mit drei Elementen: dem Körper (Shen), dem Atem (Xi) und dem Herz (Xin). Insgesamt bilden 18 Figuren den Kern. Nadelstiche stillen Schmerzen (Akupunktur), Tuina-Massagen helfen. Gemische aus Kräutern, Pilzen und Tierknochen sind speziell. Seit den 1980er Jahren ist das medizinische Guolin Qigong vom chinesischen Gesundheitsministerium offiziell anerkannt. Grundlagen sind Atmung, Handhaltung und natürliches Gehen. Einen großen Stellenwert in der chinesischen Medizin hat die Organuhr. Sie gibt vor, mit den natürlichen Rhythmen zu leben. Jedes Organ hat seine Phase über den ganzen Tag verteilt (vgl. Li Wu: Die Organuhr, Mankau Verlag 2014). In China gibt es ein altes Handbuch für Medizin aus dem Jahre 340. In diesem Buch geht es auch um die Anwendung des einjährigen Beifuß (Artemisinin als Wirkstoff). Er hilft gegen Malaria und Diabetes. Mao etablierte die TCM 1950 neu.  Auch in Japan gibt es eine Lehre, die den Fluss der Lebensenergie harmonisiert. Sie heißt Jin Shin Jyutsu und bedeutet die "Kunst des Schöpfers durch den mitfühlenden Menschen". Der Japaner Jiro Murai (1886 geboren) erfuhr vor über 100 Jahren in schwerer Krankheit die Heilkraft ritueller Handlungen (Mudras), die er Buddha-Statuen abgeschaut hatte. Im Alter von 26 Jahren durchschritt er eine schwere Krankheit.  Danach entdeckte er im japanischen Weisheitsbuch "Kojiki" aus dem 8. Jahrhundert ein lange im Verborgenen gehütetes Wissen und den feinstofflichen und physischen Körper des Menschen. Daraus machte Murai sein System der Selbstheilung. Es geht darum, dass in unserer Körpermitte ein vertikaler Hauptzentralstrom fließt, der sich in zwei so genannte Betreuerströme aufteilt. Zentralstrom, Betreuerströme und Vermittlerströme werden "Dreieinigkeitsströme" genannt. Man spricht auch von Japanischem Heilströmen oder der Kunst der "mühelosen Wirklichkeit". Der innere Arzt soll aktiviert werden. Disharmonien im Energiefluss von Körper, Geist und Seele sollen ausgeglichen werden. Dazu gibt es 26 Energiepunkte im Körper.   Shiatsu wurde auch in Japan entwickelt. Es knüpft an die TCM an. Es soll Verspannungen , Stress bekämpfen. Eine weitere Form des Heilens, die in Japan im späten 19. Jahrhundert entwickelt wurde (Begründer Dr. Usui), ist Reiki. Reiki funktioniert mittels Energieübertragung durch die Hände. Reiki nutzt die universelle Lebensenergie Ki zur Steigerung des Wohlbefindens. Die Techniken sind leicht zu erlernen und jedem zugänglich. Der Reiki - Praktiker nimmt die Lebensenergie um sich herum auf und wird zu einem Medium der Heilung. Reiki kann auch als Netzwerk der Liebe verstanden werden, das auf der Lebensenergie gründet. Man unterscheidet Haras (untere, mittlere, obere). Es gibt auch Reiki - Lehrer mit Reiki - Graden. Bestandteil sind Lebensregeln.  Vgl. Charlish, Anne/ Robertshaw, Angela: Reiki, Librero 2017. Weiterhin bekannt ist Gua Sha. Es handelt sich um eine Reiztherapie (Schabemassage). In ostasiatischen Ländern gab es früher in fast jedem Dorf eine oder mehrere Personen - meist Frauen - die Gua Sha bei verschiedenen Beschwerden einsetzten. Es geht um die Ausleitung von Giften. Vor allem der Rücken kann davon profitieren. Vgl. Arya Nielsen: Gua Sha - Eine traditionelle Technik für die heutige Praxis, Verlag Systemische Medizin, 2013.   Die chinesische Militärstrategie folgt auch diesem Denken: Sie beurteilt zunächst die Rechtschaffenheit (yi). Im Westen steht der Nutzen im Vordergrund. Sunzis Kriegskunst wurde zuerst im 8. Jahrhundert nach Japan exportiert und im 18. Jahrhundert  in viele Sprachen übersetzt (Sun Tzu wurde angeblich in Huimin geboren, dort gibt es den Freizeitpark "Sun-Tzu-Kriegskunst-City"; "Jede Kriegsführung gründet auf Täuschung"). Die 36 Strategeme der List, die im 15. Jahrhundert n. Chr. erstmals zusammengestellt wurden, stellen eine wichtige Planungsgrundlage der Politik und Wirtschaft dar (vgl. im deutschsprachigen Raum die Bücher Harro von Sengers). Sie sind stark vom Daoismus beeinflusst. haben Ein weiteres Beispiel ist das chinesische Essen: Es folgt den Prinzipien Harmonie und Ordnung. Die chinesische Küche ist über mehrere tausend Jahre zu einer großen Perfektion gelangt.  Runde Dinge (Harmonie!) herrschen vor, vereint mit einer strengen Hierarchie.  Auch die philosophischen Hauptströmungen "Daoismus" und "Konfuzianismus" reflektieren die zentralen Beziehungen zwischen Mensch und Kosmos als ganzheitliches System. Der Konfuzianismus wird als "Herrschaftsideologie" von der Regierung gefördert in Ergänzung zum Marxismus-Maoismus. Die "breiten Massen" in China stehen dem Daoismus näher (geht auf Laotse zurück), der in seiner Grundstruktur gewisse Parallelen mit dem Denken der marxistischen Philosophie hat. Die Chaostheorie und die Quantentheorie der Physik haben die Verbindung zwischen alter chinesischer Weisheit und moderner westlicher Wissenschaft bestätigt. Der dänische Physiker Niels Bohr machte das chinesische Symbol von Yin und Yang zu seinem Familienwappen (vgl. Shuyang Su: China. Eine Einführung in Geschichte, Kultur und Zivilisation, Gütersloh/ München 2008, S. 199). Bohr arbeitete die quantentheoretischen Erkenntnisse Max Plancks in sein Atommodell ein (die Elektronen können nur auf bestimmten Bahnen den Atomkern umkreisen). Einer der besten Interpretationen von Yin und Yang liefert der chinesische Philosoph Zhuangzi (spätes viertes Jahrhundert vor Christus: Dunkelheit und Licht, Sanftheit und Härte, Schwäche und Stärke, Sommer und Winter). Der Grieche Demokrit hatte um 400 v. Chr. als erster in Europa die Idee von einem elementaren Atommodell. Mehr ganzheitliches Denken würde den Wissenschaften im Westen, auch den Wirtschaftswissenschaften, gut tun. Hier ist sicher noch einiges zu lernen. In diesen Kontext gehört auch Fengshui, die uralte Lehre von kosmischen Kräften. Nur die korrekte Anwendung (Hausbau, Geschäfte) garantiert ein Leben in Harmonie. "Wenn Wissen und Gelassenheit sich gegenseitig ergänzen, entstehen Harmonie und Ordnung", Dschuang Dsi.

Interessant sind in diesem Zusammenhang die Überlegungen des englischen Philosophen Searle. Er bindet das Denken, insbesondere gas Ganzheitliche, an ein biologisches Hirn und schließt aus, das Computer intelligent sein können. Berühmt ist sein Beispiel des "chinesischen Zimmers": Jemand, der nur Englisch spricht und im Hirn eines Chinesen gefangen ist, würde kein Chinesisch verstehen. Vgl. Searle, J. R.: Minds, Brains and Programs, in: Behavioral and Brain Sciences, 3 (1980), S. 417-457.

Auch die chinesische Lehre des Chan (ursprüngliches chinesisches Zen, sie kommt aus dem indischen Tantrismus) geht von einer ganzheitlichen Form des Bewusstseins aus. Es geht darum, im Augenblick zu leben und den Körper, die Empfindungen und Gefühle von jeglichen Glaubensmustern und erstarrten Formen zu lösen. So kann man eintauchen in die Realität und mit der Welt der Materie, die einen umgibt, kommunizieren.

In Kaiserslautern werden als einzigem Ort in Europa buddhistische Shaolin Kampfmönche ausgebildet. Sie folgen damit der Tradition des chinesischen Shaolin-Tempels in der Provinz Henan. Sie dienten Jahrhunderte den chinesischen Kaisern. Sie sind heute durch Kung-Fu-Shows weltbekannt (Mutter aller Kampfsportarten). Ausgangspunkt sind Qi-Übungen (Qi = Lebenskraft, Lebensenergie) zur meisterlichen Beherrschung des Kung-Fu. Man kann einem Shaolin-Meister folgen (tiefe Beziehung zwischen Schüler und Meister ist entscheidend): Der Weg ist schwierig und weit. Jahrelange Übung, Ausdauer und Entbehrung sind erforderlich, um mit dem Geist den Körper zu beherrschen (wie bei dem geheimnisvollen Klostergründer Damos). Es geht um das Geheimnis innerer Stärke. Acht Leitsätze beinhaltet die Shaolin -Philosophie: 1. Ich lerne jeden Tag mehr über mich selbst. 2. Ich kontrolliere meine Gedanken. 3. Ich achte auf meine Gefühle und lerne, sie anzunehmen, aber auch loszulassen. 4. Ich bin gefestigt und übernehme Verantwortung für mich und für andere. 5. Ich wertschätze meinen Körper und achte auf mich. 6. Ich acht und wertschätze andere Menschen. 7. Ich richte meinen Blick mit Gelassenheit auf das Wesentliche. 8. Ich lebe im Hier und Jetzt und nehme an, was geschieht. Diese Leitsätze haben mittlerweile auch Eingang gefunden ins Coaching und ins Energie- und Bewusstseinstraining. Vgl. Späth, T./ Bao, S. Y.: Shaolin, München 2011 (Umschlag).

Auf der anderen Seite gibt es auch viele Gemeinsamkeiten mit unserer Kultur. Ein gutes Beispiel dafür ist der tibetische Sagenheld Cesar, der in einem Cesar-Epos verehrt wird. Er steht für die Identität und Geschichte Tibets. Er soll seinen Sitz in Ling gehabt haben. Er ist Gottes Sohn, der auf die Erde kommt, wenn die Menschen in Bedrängnis sind. Viele weitere Elemente der Geschichte haben Parallelen mit der von Jesus in der Bibel. Andere ähneln denen der Siegfried-Sage oder dem Troja-Epos von Homer. Die gemeinsamen Ideen und Geschichten in asiatischen und abendländischen Epen überraschen immer wieder (Vgl. zu Cesar Reinhold Messner: 13 Spiegel der Seele, Zürich 2007, S. 49ff.). In seiner Burg Juval im Vinschgau (Südtirol, Eingang zum Schnalstal) gibt es einen großen Raum mit Ausstellungsstücken zu Cesar ("Tausend Freuden", benannt nach der ersten Frau von Cesar). Der heilige Berg der Tibeter ist der Kailash (6714 m hoch, am Manasarovar-See). Hier entspringen die wichtigsten Flüsse Asiens. Der Berg kann umrundet werden (alle "Heiligen" Tibets sollen das gemacht haben, Milarepa, Padmasambhawa, Cesar, Buddha). Der Berg soll die Achse der Erde darstellen. Er soll auch Wiege des Lamaismus sein (der Dalai Lama will sich zurückziehen).

"Für eine Unze Gold kann man keine Unze Zeit kaufen", aus China.

 

Symbol des Shintoismus. In jedem Schrein in Japan vorhanden. Auch z. B. im Japanischen Garten in Kaiserslautern. Das Wasserbecken aus Stein wird Tsukubai genannt. Es ist auch Bestandteil der Tee-Zeremonie. Das Symbol steht für rituelle Reinigung (zentral im Shintoismus, Hygiene oberstes Gebot). Es kommt in unterschiedlichen Formen vor. Heute hat es mehr traditionellen als praktischen Wert. Dieses Bild wurde von mir im Ryoanji-Tempel in Kyoto gemacht. Kyoto ist die alte japanische Kaiserstadt (nach Nara, vor Tokyo/ Edo).

Naturströmungen und -philosophien in Asien: Daoismus und Shintoismus

"Ohne aus der Tür zu gehen, kennt man die Welt. Ohne aus dem Fenster zu schauen, sieht man den SINN des Himmels", Laotse

Der Daoismus ist die Naturphilosophie in China und einigen anderen asiatischen Ländern.  Laozi, chinesischer Philosoph, 6. Jh. v. Chr., Begründer des Taoismus bzw. Daoismus. Die Weisheit des Tao Te King, das Buch vom Sinn und Leben. Es gibt zwei Bücher mit 81 Kapiteln. In Lujang sollen sich Laotse und Konfuzius getroffen haben. Laotse half Konfuzius die alten Regeln zu studieren. Sie stammten aus der Bronzezeit. Es waren geschichtliche Riten. Im Mittelpunkt standen Blut/ Fleisch und Wein für die Ahnen. Das war ein religiöser Akt und eine religiöse Erfahrung. Aber es gab keinen Schöpfer. Man spricht auch von Pinyin. Lehre des Weges. Es ist eine Art authentische Religion ("Seele Chinas"). Die Ursprünge reichen bis 1400 v. Chr. Das war auch in der Zeit der Zhou-Dynastie (1040-256 v. Chr.). Die wesentlichen Bausteine wurden 400 v. Chr. niedergeschrieben. Da erreichte die Lehre ihren Höhepunkt. Es ging ursprünglich auch um Unsterblichkeit (auch im übertragenen Sinne). Dazu dienten Qigong, Taijiquan, Imagination, Konzentration  und Atemtechniken. Folgende Elemente gehören dazu: Kosmologische Vorstellungen von Himmel und Erde. Fünf Wandlungen. Lehre vom Qi. Yin und Yang. Yijing ( I Ging).

Grundlegend ist das daoistische Konzept des Wu Wei. Es handelt sich um "müheloses Handeln", wörtlich "Nichthandeln" (die Dinge natürlich geschehen zu lassen). Ein gutes Leben ist ein Leben in Harmonie mit dem Dao. Es soll abgestimmt sein auf Rhythmen und Harmonien der Natur. Heute wird überlegt, den Daoismus gleichberechtigt als Religion anzuerkennen. Es gibt auch den Shenismus in China (Mischung von Naturströmungen oder von verschiedenen Religionen; sich in verschiedenen Religionen jeweils das Beste auszusuchen, ist immer schon in Asien da gewesen).

Nach Laotse ist Zhuang Zhou (Zhuangzi, ca. 365-290 v. Chr.) der einflussreichste Denker des Daoismus. Er lehrte, dass alles Wissen relativ ist. Er sieht das Leben mehr als Traum. Man spricht auch vom Zhuangzi-Konvolut. Der Text ist aber sehr heterogen.

Viele Experten teilen den Daoismus in eine philosophische und in eine religiöse Strömung. Vgl. Nagel-Angermann, M.: Die Geschichte des Alten China, Wiesbaden 2018, S. 49. Darüber besteht aber kein Konsens. Vor allem im Süden setzte sich ein individuell-mystische Praxis durch. Sie hatte inhaltlich Bezüge zum Mahayana-Buddhismus.

"Wenn das Tao in Verfall gerät, dann gibt es Menschlichkeit und Gerechtigkeit; kommt Klugheit und Scharfsinn auf, dann gibt es Heuchelei; sind die sechs Arten der Blutsverwandtschaft uneinig, dann gibt es Kindesliebe und Elternliebe; wenn die Landesherrschaft in Verfall und Zerrüttung gerät, dann gibt es treue Untertanen“, Laotse.

"Wer gut zu führen weiß, ist nicht kriegerisch. Wer gut zu kämpfen weiß, ist nicht zornig", Laotse

In Japan spielt der Shintoismus (von Kami no mishi - der Weg der Götter) eine als Naturreligion große Rolle mit Pflichttreue, Selbstbeherrschung. Zentral sind Ahnenkult und Naturverehrung (Naturereignisse sind göttlich; Schreine werden an landschaftlich schönen Orten errichtet). Höchste Götter sind die Kami, die ihren Sitz auf dem heiligen Berg Fuji haben. Es gibt viele Götter und Menschen, Tiere und Pflanzen können zu Göttern werden. Höchster Gott ist die Sonnengöttin Amaterasu, von dem der Kaiser sich ableitet. Der Tod hat keine große Bedeutung, so dass der Verstorbene kann noch ein paar Jahre Einfluss auf die Lebenden nehmen, bevor er ins Reich der Ahnen eingeht. Ein Kernwert des Shintoismus ist auch die Hygiene. Reinlichkeit spielt so im Alltag Japans eine große Rolle (vor Betreten eines Schreins Hände und Mund waschen, auch vor Sumu-Kampf). Alle 20 Jahre werden wichtige Schreingebäude abgerissen und detailgetreu wieder aufgebaut (neue Kraft für die Götter; Verfall des Holzes stoppen; Scheu vor Unreinheit). Japanische Schrift besteht aus Kanji (von den Chinesen übernommen, im 5. Jahrhundert durch buddhistische Mönche aus Korea) und Mayogana (Hiragana- und Katakana - Silbensystem: das erste früher von Frauen benutzt und runder, das zweite eckiger aussehend von Mönchen benutzt, Fremdwörter). Ende Mai 2016 treffen sich die G7 in Ise-Shima in Japan (seit fast 2000 Jahren steht dort der Shinto-Schrein). Es ist der heiligste Ort des Shintoismus. Bekannt ist auch ein uraltes Pilgerritual: Yamabushi, das bis vor kurzen nur Männern erlaubt war. Es geht um eine Wanderung zu den heiligen Bergen (Haguro, Gassan, Yudono) und ihre Besteigung. Handys, Uhren, Zähneputzen sind nicht erlaubt. Die Pilger tragen Strumpfschuhe, um durch die dünnen Gummisohlen die Erde zu spüren, und eine spezielle weiße Kleidung. Mottos sind "uketamau" (ich akzeptiere) und "otachi" (los, weiter).

Auch in anderen Regionen, etwa in der Antike in Europa, war die Natur durchdrungen von übernatürlichen Kräften. Aberglaube war Normalität. Gottheiten bildeten in dieser Weltsicht die oberste Ebene. Magische Praktiken sollten Leben schützen und im Alltag helfen (Fingergesten, Befragung der Götter durch Orakel, Werwolf- und Geisterlegenden). Vgl. Fischer, Josef: Volksglaube. Leben in einer Welt voller Magie, in: Sektrum Spezial: Archäologie, Geschichte, Kultur 2/2018, S. 12ff.

Shenismus: Verehrung von Göttern. Chinesischer Volksglaube. Sammlung chinesischer Volksreligionen, die buddhistische, konfuzianistische und daoistische Prinzipien enthält. Die Bezeichnung ist relativ neu. Der Begriff berücksichtigt, dass die Menschen in Asien Glaubenselemente oft mischen. Gegenüber Religionen herrscht eine gewisse Toleranz (Grenze, wenn die Kommunistische Partei ihre Macht bedroht sieht). In Vietnam gibt es Caodaoismus. Er nimmt sich wie der Shenismus Elemente aus allen Religionen. Manche sprechen auch von einer Sekte.

Man erkennt auf dem Foto Elemente aus dem Daoismus, dem Hinduismus, dem Buddhismus und dem Christentum Das Foto wurde von mir 2019 in einem caodaoistischen Tempel bei Saigon (Ho Chi Minh-Stadt)/ Vietnam gemacht. Einige Experten tun den Caodaoismus als Sekte ab. So einfach sollte man sich die Sache nicht machen.

 

 

 

Es gibt in China unzählige Statuen von Konfuzius. Diese wurde in der Nähe der Ming-Gräber 2006 fotografiert. Die Ming-Dynastie wurde abgelöst von der Qing - Dynastie (Mongolen-Kaiser), weil sie dem Volk nicht mehr Wohlstand bringen konnten. Wu, der Künstler, der die Marx-Statue in Trier angefertigt hat, die eine Spende Chinas war, hat natürlich auch Konfuzius dargestellt, genauso wie Laotse. In der Nähe ist eine der größten Firmen Chinas SGCC. Es ist ein Stromnetzbetreiber, der mittlerweile wohl die zweitgrößte Firma der Welt ist. Der größte Konfuzius-Tempel findet sich in seiner Geburtsstadt Qufu. Der wichtigste,  höchstrangige und zweitgrößte  Konfuzius-Tempel steht in Beijing. Direkt daneben liegt der Lama-Tempel. Berühmt ist auch der "Literatur-Tempel" in Hanoi/ Vietnam. Dieser Konfuzius-Tempel, auch die älteste Universität Vietnams, sollte ein Symbol gegen den Buddhismus sein.

Konfuzianismus in Asien (Sittenlehre)

"Der Weg nach draußen führt durch die Tür", Konfuzius

Leben von Konfuzius und seine Wirkung:  (Kongzi, chinesischer Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Staatsmann, 551-479 v. Chr., Konfuzius). Als Wiege des Konfuzianismus gilt die Stadt Qufu in der Provinz Shandong. Je mehr der Konfuzianismus offizielle Staatsdoktrin wurde, desto umfangreicher wurde gebaut. Hier leben die Nachkommen (77 Generationen über einen Zeitraum von 2500 Jahren). Es gibt 466 Hallen, Pavillons und 2000 Gedenksteine. Prunkstück ist der große alte Konfuziustempel und das Grab. Konfuzius formulierte Ideen von Harmonie und Ordnung. Bis zur Revolution 1911 war die konfuzianische Lehre Staatsdoktrin. Parteichef Xi Jinping setzte stark auf die traditionelle Kultur mit Konfuzianismus. Ende 2013 besucht er das Konfuzius-Forschungsinstitut in Qufu ("Das Zentralkomitee schätzt den Konfuzianismus und die traditionelle chinesische Kultur hoch." ... Ein Mensch ohne Werte könne nicht bestehen, und ein Land ohne Werte könne nicht aufsteigen"). Der Konfuzianismus hat großen Einfluss auch in Japan, Korea, Vietnam und Singapur. Wichtigstes Element des Konfuzianismus sind die menschlichen Elementarbeziehungen "Vater-Sohn, Herrscher-Untertan, Ehemann-Ehefrau, Älterer Bruder-Jüngerer Bruder, Freund-Freund". Der Konfuzianismus ist keine Religion, sondern eine Morallehre. Im Mittelpunkt stehen die richtigen Verhaltensweisen, Tradition und Respekt. Hinzu kommen die Reziprozität (der Pflichten), der Kollektivgedanke, die Familie und das Lernen. Sekundärtugenden sollen beachtet werden (Höflichkeit, Respekt, Dankbarkeit). Man könnte den Konfuzianismus als die Diesseitsorientierung des Daoismus bezeichnen. Der Vater von Konfuzius hatte nur Töchter. Um einen Sohn zu bekommen heiratete er mit 60 Jahren eine 17jährige Zweitfrau. Nach Sex im Freien auf einem heiligen Berg wurde Konfuzius geboren. Konfuzius Mutter erschien auf dem Berg ein Fabelwesen (Qilin, Drache, Hirsch u. a.). Als Konfuzius drei war, starb der Vater. Die Familie verarmte danach. Das Reich war durch innere Kämpfe zerrissen ("Streitenden Reiche", 8 kleinere Fürstentümer).  Konfuzius eröffnete zunächst eine Schule. Später wurde er in der Stadt Lu (Provinz Shandong) Minister für Justiz und war sehr erfolgreich für die Provinz. Die Nachbarprovinzen waren neidisch und und führten Lu der Legende nach mit Frauen und Pferden in Versuchung. Mit 33 Jahren musste Konfuzius fliehen und ging auf Wanderschaft, die 14 Jahre dauerte (mit einigen Schülern). Nirgends konnte er sesshaft werden. Er kehrte nach Qufu zurück und führte sehr erfolgreich eine Schule. Er starb als enttäuschter Mann. Erst seine Schüler brachten den Erfolg zur Zeit der Vereinigung (221 v. Chr.). Der Konfuzianismus wurde Herrschaftsideologie des Kaisers. 

Lehre (Inhalt): Fünf Klassiker: Buch der Wandlungen. Buch der Lieder. Buch der Urkunden. Buch der Riten. Frühlings- und Herbstannalen. Das Lunyu (chinesische Bibel) umfasst vier Grundlagen: Mitmenschlichkeit (Ren; =zwei; bestmögliche Lebensführung; Shu=Empathie, Gegenseitigkeit), Gerechtigkeit, Kindliche Pietät, Riten. Der Studienplan in Qufu umfasst sechs Künste, die man lernen musste: 1. Li (soziales Verhalten, Zeremonie). 2. Riten. 3. Moral. 4. Kaligraphie. 5. Mathematik. 6. Kunst des Streitwagenlenkens.  7. Bogenschießen. Die fünf Klassiker und die Analekten wurden als Text auf Stehlen (189, dauerte vier Jahre) gehauen. Man sieht sie heute im Nationalmuseum in Peking (auch im Konfuziustempel und der kaiserlichen Akademie). Sie waren Grundlage des Examens für den klassischen Staatsdienst. Die Prüfungen waren sehr streng und dauerten 3 Tage (vorher hatte man sich auf regionaler und Provinz-Ebene bewährt). Die Säulen der Gesellschaft waren Familie, Hierarchie und Tradition. In der Unternehmenskultur sind es Bildung, Disziplin, Fleiß. Die Kernpunkte der Kultur waren Aufrichtigkeit, Bescheidenheit und Harmonie. Es gibt ganz konkrete Verhaltensregeln: Rituale des Alltags, Harmonie, korrekte Begrüßung, Beziehungen zwischen Alt und Jung, Ehe, Freunde, Gefühl für einander da zu sein. Im Mittelpunkt steht die Ehrung der Ahnen. Es gibt nicht einen Gott als Schöpfer wie bei den Religionen. Die Schüler von Konfuzius (Kong Qiu) haben die Lehren verbreitet. Einer der wichtigsten war Zeng Shen, der das Xiaoling verfasste.

"Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden", Konfuzius.

Relevanz: Er prägt noch immer die Beziehungen der Menschen: Respekt des Jungen gegenüber dem Alten, des Untertanen gegenüber dem Fürsten, der Frau gegenüber dem Mann ("Die Tugend des Herrschers ist die des Windes, die Tugend des Volkes ist die des Grases", Konfuzius; gilt auch für Unternehmenshierarchien: führt zu geringer Machtdistanz). Insofern wird in China viel mehr Wert auf Hierarchie gelegt. Auf den Konfuzianismus gehen generell die Werte "Hierarchie" und "Harmonie" zurück. Motto: "Weise ehren, Fähige beauftragen, Unfähige ausbilden", Konfuzius (Tugend "zhi"). Der Konfuzianismus ist auch eine wichtige ideelle Grundlage für das Nachahmen und die Produktpiraterie: "Wer nicht auf den Spuren anderer wandelt, kommt nicht ans Ziel", Konfuzius. ebenso von ihm: "Unsere größte Ehre liegt nicht darin, dass wir niemals fallen. sondern dass wir jedes Mal aufstehen, wenn wir am Boden sind". Experten unterscheiden oft zwischen der konfuzianischen Morallehre und der konfuzianischen Staatslehre. Für letztere wurden die Grundlagen in der Han-Dynastie (206 v. Chr. - 221 n. Chr.) gelegt, die sich dann zu einer Staatslehre entwickelte. Menzius, ein nachfolgender Gelehrter vom Konfuzianismus, ersetzt den Auftrag des Himmels durch einen rationalen Herrschaftsauftrag: Gewinne das Volk und du gewinnst die Oberherrschaft (Vgl. Wolfgang Bauer: Geschichte der chinesischen Philosophie, Frankfurt/M. 2006).

Ein treuer Nachfolger von Konfuzius war Mengzi (Menzius, Meister Meng, 370 - ca. 290 v. Chr.). Er ging davon aus, dass die menschliche Natur gut sei. Mit der richtigen Erziehung und Umgebung könne der Mensch sein positives Potential entwickeln. "Ein großer Mensch ist, wer sein Kinderherz nicht verliert", Mengzi. Wichtigster Vertreter des so genannten Neokonfuzianismus ist Zhu Xi (1130-1200 n Chr.). Während der Song-Dynastie erlebte der Konfuzianismus eine Wiederbelebung. Man versuchte, Elemente des Daoismus und Buddhismus einzubeziehen bzw. zu integrieren.

Legitimation des Patriarchalischen Systems: Frauenrechte waren in vielen asiatischen Ländern lange Zeit kaum ein Thema. Das ändert sich langsam. In China, Südkorea, Thailand wehren sich immer mehr Frauen. Die Opfer von sexueller Gewalt haben in China wegen der oft fehlenden unabhängigen Justiz kaum keine Chance. Frauen in China werden auch wieder mehr in die Häuslichkeit zurückgedrängt. Die demographische Krise als Folge der Ein-Kind-Politik verstärkte die Unterwerfung der Frauen, aber auch gleichzeitig die Emanzipation der Frauen durch die Auswahlmöglichkeit bei Männern (Frauen in der Minderheit). Die Geburtenrate ist trotz der Lockerung bei der Kinderzahl gefallen. Viele Frauen wollen sich selbst verwirklichen in einem Beruf. Von Mao ist der Spruch, dass Frauen "die Hälfte des Himmels tragen". In den Kommunistischen Partei und fast allen Führungsgremien dominieren aber Männer.

 

"Wer das Alte bewahrt und zugleich neues Wissen zu gewinnen vermag, der kann den Menschen Lehrer und Vorbild sein", Konfuzius.

 

"Dass Keime nicht zu Blüten werden, ach, dass kommt vor. Dass Blüten nicht zu Früchten werden, ach, dass kommt vor", Konfuzius.

 

 

Grabeskirche in Jerusalem, Israel. Sie erhebt sich über dem Ort von Christi Kreuzigung. Sie wurde von Kaiser Konstantin 326-335 errichtet. Sechs Konfessionen teilen sich die labyrinthische Ansammlung von Treppen, Gängen, Altarnischen und Kapellen. Zentrum der Kirche ist das Heilige Grab. Ein ähnlicher Brennpunkt für viele Religionen in Jerusalem ist der Tempelberg (Felsendom, Klagemauer, Al-Aksa-Moschee).  Die Muslime glauben, dass hier der Prophet Mohammed ins Himmelreich aufstieg. Die Juden verehren den Ort wegen der biblischen Tempel (unter anderem Salomons Tempel etwa 1000 v. Chr.; später Tempel des Herodes). Nichtmuslime dürfen dort nicht beten. Es kommt immer wieder zu Unruhen. Diese verstärken sich, nachdem die USA 2017 Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen.

Religion (Ethik) als Bestandteil der Kultur und Wirtschaft:

"Wenn wir inneren Frieden empfinden, berühren äußere Probleme uns nicht", Dalai Lama.

"Einer der interessantesten und verhängnisvollsten Irrtümer, dem Menschen und ganze Völker unterliegen können, ist es, sich für das Werkzeug des göttlichen Willens zu halten", Bertrand Russell, englischer Philosoph und Mathematiker.

Volkswirtschaften sind eingebettet in Kultur. Die Tradition prägt die Wirtschaftsform mit. Kulturelle und soziale Faktoren haben großen Einfluss. Am stärksten hat Karl Polanyi diese Hypothese vertreten. Er lebte von 1886-1964. Sein Hauptwerk war "The Great Transformation, 1944". Auch die "Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus" von Max Weber ist bedeutsam, weil sie sich früh mit dem Einfluss der Kultur (Religion) auf die Wirtschaft befasst, was Ökonomen meist vernachlässigen. Der asketische Protestantismus hat uns reich gemacht. Erst der Protestantismus vertrat die Auffassung, dass man auf der Erde erworbene Reichtümer auch im Paradies nutzen kann. Hinzu kommt Luthers Lehre vom Priestertum für alle (permanente Selbstkritik, egalitäre und partizipatorische Religion, auch über das Geld der Kirche wird demokratisch entschieden). Mit Luther begann auch die Pluralisierung des abendländischen Christentums.  Der Katholizismus riet, die Ordnung zu akzeptieren, in die der Mensch hineingeboren war. Damit legitimierte er die bestehende Ordnung. Der Arme hatte Vorteile ins Paradies zu kommen gegenüber dem Reichen. Der Reiche konnte sich allerdings von den Sünden freikaufen ("Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt", Spruch von dem Ablassprediger Johann Tetzel, 1460-1519).  "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in den Himmel kommt" (heute noch als Zitat in Augsburg in der Fugger-Siedlung).  In der Tradition der Aufklärung kommt es dann am Ende zur Befreiung von der Religion. Sie mündet in der Feuerbach`schen Position, der Mensch sei des Menschen Gott. Karl Marx radikalisiert diese Auffassung, indem er das Bewusstsein abhängig vom Dasein macht (dialektischer Materialismus). Danach prägen die ökonomischen Verhältnisse das Denken der Menschen.  Der sozialistische Humanismus im Marxismus hat wieder Züge einer Religion. Insgesamt ist es kein Zufall, dass Europa die Kernregion des Christentums ist und auch Entstehungsort der freien, kapitalistischen Marktwirtschaft. Erst in der Aufklärung entstand die Kluft zwischen freiheitlicher Ökonomie und christlicher Theologie (vgl. Grözinger, Robert: Das christliche Herz der Marktwirtschaft, in: FAZ, Nr. 302, Mo. 30.12.13, S. 18). "Eines möchte ich gleich betonen: Meiner Ansicht nach hat die jüdische Religion dieselben Hauptideen wie der Kapitalismus. Ich sehe bei beiden den gleichen Geist", Werner Sombart: Die Juden und das Wirtschaftsleben, München/ Leipzig 1913.

Es gibt auch religionspsychologische Analysen der Religion. Aberglaube und Magie sind so alt wie die Menschheit. Unbewusstes, Träume, Erwartungshaltungen haben die Menschen immer begleitet. Oft stand dies im Zusammenhang mit den Sternen oder dem Auftauchen besonderer Sternenphänomene (Komet, Heilige drei Könige bzw. Magier). Religionen leugnen in der Regel auch nicht diese heidnischen Wurzeln oder Ursprünge in der Natur.

Natürlich gibt es in Kulturen auch andere als religiöse Strömungen. Es ist sowieso schwierig, den Begriff "Religion" zu definieren. Gerade in Asien gibt es eine Reihe von Naturbetrachtungen, die man normalerweise noch dazurechnet. Auch mehr ethische Fundierungen können einbezogen werden. So etwa "Animal spirits": exogene Wellen von Optimismus und Pessimismus bezüglich der wirtschaftlichen Lage, die das Investitions- und Konsumniveau  beeinflussen (Einfluss der Psychologie, vgl. Mankiw, Makroökonomik, Stuttgart 1998, S. 559; auch G. Schmölders). Shiller und Akerlof haben ein neues Buch mit gleich lautendem Titel veröffentlicht. Sie knüpfen an die "Theorie der ethischen Gefühle" von Adam Smith an. Danach handeln Menschen nicht nur eigensüchtig und rational. Es geht um "menschen-nähere" Ökonomie mit Gefühl. Gegendenker wäre etwa Gary Becker, der alles auf Nutzenmaximierung zurückführt. Den griechischen Philosophen ging es ähnlich um ethische Fragen des "guten Lebens", nicht um effizientes oder rationales Wirtschaften", Mikl-Horke, G.: Sozialwissenschaftliche Perspektiven der Wirtschaft, München/ Wien 2008, S. 8.  Aristoteles unterschied zwischen "oikonomia" (Hauswirtschaft, daher kommt der Begriff "Ökonomie"), "chresmatia" (Erwerb von Geld, Bereicherung) und "katallage" (Austausch, Ausgleich). Dieser Gedanke findet sich auch in der chinesischen Philosophie. Im Jahre 1759 entstand "Die Theorie der ethischen Gefühle" von Adam Smith. Der schottische Moralphilosoph  beobachtete die Prinzipien hinter dem menschlichen Verhalten (Einfühlungsvermögen, Wohlwollen, Fairness, Gewissen). Empirische Studien deuten darauf hin, dass sich Ökonomen eher von Effizienzkriterien und Laien eher von Fairness und Moral leiten lassen. Ende 2010 starten in Deutschland Spitzenmanager die Initiative "für verantwortliches Handel". Die Unterzeichner verpflichten sich zu fairem Wettbewerb, Sozialpartnerschaft, Leistungsprinzip und Nachhaltigkeit. Der tschechische Ökonom Tomas Sedlacek landet mit dem Buch "Die Ökonomie von Gut und Böse" (tschechische Originalausgabe 2009) einen großen Erfolg. Er fundiert die ethische Bindung der Ökonomie in der Ideengeschichte, die auch eine Geschichte der Menschheit ist. Er zeigt, dass bereits im Gilgamesch-Epos der Sumerer, der ältesten Geschichte der Welt, und  im hebräischen Denken ökonomisches Denken vorhanden ist. David Graeber, einer der führenden Köpfe der "Occupy Wall Street" - Bewegung sieht eine feste Verbindung zum Markt: "These I  Weder der Egoismus noch der Altruismus stellen natürliche Triebe dar; sie erwachsen vielmehr aus der wechselseitigen Beziehung zueinander und wären ohne den Markt undenkbar" (Kampf dem Kamikaze-Kapitalismus, München 2012, S. 120). "O Gilgmesch, wohin willst du laufen? Das Leben, das du suchst, wirst du nicht finden!... Ergötze dich bei Tage und bei Nacht, Bereite täglich dir ein Freudenfest Mit Tanz und Spiel bei Tage und bei Nacht!, Gilgamesch-Epos. Die älteste sumerische Fassung stammt von 2150 und 2000 v. Chr.

Der Zusammenhang zwischen Religion/ Kultur und Wirtschaft zeigt sich seit Menschen in Gesellschaften zusammenleben. In den ersten Agrargesellschaften wird immer eine Macht im Jenseits angebetet, weil Wohlstand und Überleben an der Natur hängen. In Mesopotamien, der ersten sesshaften Kultur der Menschheit (Sumerer 5400 v. Chr.), war die Religion sehr wichtig. Sie gehörte zu den wenigen Dingen, die die Region zusammenhielt. Aus der Religion leiteten sich Gebräuche, Moralvorstellungen und Sozialhierarchie ab.  Ein weiteres herausragendes Beispiel ist das Reich der Inkas in Südamerika. Eine Kette von Heiligtümern durchzog das Reich, wo Opfer gebracht wurden, um die Götter milde zu stimmen. Diese Heiligtümer waren am 40.000 km langen Wegenetz aufgestellt. Das Ursprungsgebiet war der Machu Picchu und Cusco. Da die Inka keine Schriftsprache kannten, gibt es keine überlieferten Quellen, die den Zweck von von Machu Picchu verraten. Manche Archäologen halten sie für eine Zufluchtsstätte der königlichen Familie. Später erstreckte das Reich sich von Quito im Norden bis Potosi im Süden. Auch die Maya, die insbesondere auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan lebten, hatten ihre Götter. Sie waren in Götter der Unterwelt (Unterwasserhöhlen, einzige Frischwasserquellen im Dschungel) und in Gott der gefiederten Schlange der vier Elemente Wasser, Erde, Feuer und Luft (Jahreskalender, Sonnenwende) eingeteilt. Auf der zu Chile gehörenden Osterinseln mitten im Pazifik stehen fast 900 kolossale Steinskulpturen, die "Moai". Sie könnten verehrte Ahnen sein, die Diesseits und Jenseits verbinden. Lange Zeit vor den Inkas blühte die Paracas - Kultur in Peru. Das war vom 3. Jahrhundert bis zum 8. Jahrhundert nach Christus. Tote bestattete man in einem Mumienbündel. Darstellungen von Jaguaren, Vögeln und Schlangen hatten eine religiöse Bedeutung. In der Antike zur Zeit des römischen Weltreiches gewann das Christentum den Konkurrenzkampf der Kulte. Es gab ca. 50 Alternativen. Viele wurden verboten wie etwa der Bacchuskult, der Isiskult oder der Mithraskult. Die offiziellen Staatsgötter Juno, Minerva und Jupiter waren durch lange Dauer des Reiches verbraucht und wirkten durch die Monumente steif. Historiker meinen, dass das Christentum aufgrund seiner guten Organisation, der kuscheligen Betstunden und der verlockenden Idee der Auferstehung siegte. Nach dem Sieg wurden keine heidnischen Kulte und Götzen mehr geduldet. Symbole wurden teilweise umgedeutet. Zum Beispiel wurde der keltische "Stone of Destiny" bei Perth in Schottland nur noch als Krönungssymbol der schottischen Könige verwendet.  "Ama sua, ama llulla, ama quella", das Volk der Sonne stiehlt nicht, lügt nicht und ist nicht faul.

In Afrika und heute auch in Südamerika (durch den Sklavenhandel) sind die Orishas-Religionen sehr einflussreich. Am wichtigsten ist die Religion der Yorubas (Angola). Diese Götter zeichnen sich durch Nähe und Vertrautheit zu den Menschen aus. Eine Verbindung wird über Tranchezustände in den Eingeweiden hergestellt. Die Götter stehen mit den Naturkräften in Verbindung. Es gibt viele kleine Altare, auf denen Opfergaben erbracht werden. Diese Götter tragen menschliche Züge, mit allen Fehlern und Schwächen. Sie sind Vermittler zwischen Menschen und Oluran. Oluran steht über den Orishas und ist der einzige und mächtigste Gott. In anderen afrikanischen Kulturen (z. B. Sudan) haben die Götter andere Namen, aber die Struktur ist gleich. Viele dieser Religionen glauben an Wunderkräfte von Heilern, Schamanen und Geisterbeschwörern. Hexen werden bekämpft (Ghana, auch Papua-Neuguinea). Vermeintliche Hexen werden gelyncht oder in Hexendörfer verbannt.  "Religion ist das Werk Gottes, das durch den Teufel seine Perfektion erhielt", Peter Ustinov, englischer Schauspieler.

Über die Entstehung der jüdischen und christlichen Religionen bringt die aktuelle Forschung immer neuere Ergebnisse: Historiker vermuten, dass beim Bau der bis zu 30 Quadratkilometer großen Ramsesstadt (um 1278 v. Chr.) Israeliten als Zwangsarbeiter tätig waren. Von dort soll der Auszug aus Ägypten gestartet sein. Vieles spricht für eine Wanderung nach Arabien (Hala al-Badr, Nordwesten Saudi-Arabiens). Auf diesem  Vulkan-Berg könnte Gott als Götze verehrt worden sein. Der Urkönig Saul herrscht ursprünglich im nördlichen Bergland Palästinas. Er wird von dem Anführer David einer Söldnertruppe, die zuerst den Süden kontrolliert, angegriffen. Die Truppe erobert später Jerusalem. Vgl. Israel Finkelstein: Das vergessene Königreich - Israel und die verborgenen Anfänge der Bibel, München 2014. Gemeinsamer Ursprung des Christentums ist das historische Leben Christi und seine Geschichten, die die Jünger im Neuen Testament aufgeschrieben haben. Die Bergpredigt von Jesus ist der wichtigste Kern. Inwieweit das neue Testament historisch wahr ist, lässt sich nicht genau klären. Lange Zeit ist der Dualismus (Diesseits, Jenseits; um in den Himmel zu kommen, ist Reichtum hinderlich) in der katholischen Religion die Legitimation für die herrschenden Verhältnisse. Erst der Protestantismus lässt eine Wirtschaftsgesinnung und Leistungsmotivation entstehen, ohne den der Kapitalismus nicht möglich gewesen wäre (Max Weber, Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus; vgl. oben). Heute lösen sich viele Christen von der Institution der Kirche und leben eine eigene Spiritualität, in die Elemente aus fernöstlichen Religionen einfließen. Man versucht in der Ökomene eine Annäherung von Katholiken und Evangelischen Christen zu erreichen (Dialog auch in der Abendmahlfrage). So besucht Papst Franziskus den Gottesdienst des Lutherischen Weltbundes im schwedischen Lund am 500 Jahrestag der Reformation 2016 (Anschlag der Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg).  Aber nicht nur die katholisch orientierten Christen teilen sich in Katholiken und Orthodoxe bzw. Anglikaner, sondern auch die an Luther orientierten Christen zerfallen in viele Untergruppen (Lutherisch, Reformiert,  Methodistisch u. a.). Hinzu kommen eine Vielzahl von Sekten (Freikirchen in vielen Varianten, Amische, Zeugen Jehova, Mormonen). Der Vatikan, der katholische Kirchenstaat und Sitz des Papstes, gerät in der Neuzeit immer wieder in die Kritik. So übt er 2018 Kritik am Rektor der Jesuitenhochschule St. Georgen in Frankfurt, weil der sich für Homosexuelle einsetzt. Auch Papst Franziskus wird immer wieder behindert. Dem jüdischen Glauben gehören weltweit etwa 15 Mio. Menschen an (90% der Bevölkerung Israels in Höhe von 8,3 Mio. sind Juden). Das Judentum ist die älteste der drei monotheistischen Weltreligionen. Seine Grundlage bilden die aus den ersten fünf Büchern Mose bestehenden Thora und Talmud (Ansammlung von Auslegungen). Ihren Gott nennen sie Jahwe. Die zentrale Schrift ist die Tora. Der Alltag gläubiger Juden wird durch 613 Gebote und Verbote geregelt (Hygiene, Kleiderordnung, Ernährung). Gottesdienste finden in der Synagoge statt, in der Männer (tragen Kippa) und Frauen getrennt sitzen. Eine besondere Rolle spielen die Rabbi, die mehr Gelehrte als Priester sind. Eine besondere Bedeutung kommt dem Sabbat zu, der von Freitagabend bis Samstagabend dauert und an dem keine Arbeit verrichtet werden darf. In der Vergangenheit wurden die Juden immer wieder Opfer von Verfolgung (am schlimmsten Deutschland zwischen 1936 und 1945, daran erinnert in Jerusalem die Gedenkstätte Yad Vashem). Die Ultraorthodoxen richten ihren Alltag streng nach den Geboten der Thora aus. Die meisten sind Charedim (Gottesfürchtige). Sie werden staatlich alimentiert (da sie eine hohe Geburtenrate haben, steigt das Armutsproblem in Israel).   Im brandenburgischen Templin fordert die "Kirche des Fliegenden Spagettimonsters" dieselben Rechte wie die christlichen Kirchen.  Es handelt sich um eine Religionsparodie. Die Evangelische Religion hat sich im 16. Jahrhundert von den Katholiken abgespalten. Gründer war Martin Luther (ein ehemaliger Mönch). Durch seine Übersetzung der Bibel von der Lateinischen Sprache in die Deutsche hat er die Entwicklung der Deutschen Sprache und Kultur stark beeinflusst. Am 31.10. 1517 schlug er seine berühmten Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Deshalb wird 2017 500 Jahre Martin Luther gefeiert. In Worms musste Luther vor Kaiser Karl V. antreten und seine Auffassungen begründen (in dieser Stadt erinnern das Lutherdenkmal und seine nachgebildeten Schuhe an dieses wichtige Ereignis). In Worms gibt es auch den ältesten jüdischen Friedhof in Europa. Nach Luther gab es zahlreiche Absplitterungen von den Lutheranern: Die Reformierten, die Pfingstler, die Baptisten, die Prebyterianer und die Methodisten. Der wichtigste Reformator nach Luther war Jean Calvin, der den Calvinismus in Genf begründete. 2018 kommt es zu einem Streit um die Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden. Einerseits sei das Kreuz ein christliches Symbol. Andererseits sollte man das Kreuz nicht utilitaristisch verwenden, statt aus innerer Überzeugung.

Exkurs zur jüdischen Religion: Das Judentum ist eine der drei abrahamschen Religionen. Das Gott zum Menschen wird, hat eigentlich nur das Christentum noch übernommen. Grundlage sind Thora (Bund zwischen Gott und seinem Volk) und Talmud. Grundelement ist die Schechina: Einwohnung. Gott ist in Tempel, Bundeslade und in Rabinern. Man kann Radiakiwa und Rabischena-Linien unterscheiden. Sie interpretieren die Thora unterschiedlich. Das hängt auch mit der Schwierigkeiten der Hebräischen Sprache zusammen (Lesen von Konsonanten und Vokalen).

Juden, Christen und Muslime führen ihre Religionen auf denselben Mann zurück, Abraham (arabisch Ibrahim; Geschichte der Religionen und ihrer Bezüge, mit Schwerpunkt Islam). Er ist schon Monotheist, der seinen Sohn (Isaak) opfert. Muslime verehren auch Jesus und Maria. Die Religionen haben sich nicht nur bekämpft, sondern auch in Vielem bereichert. Die Muslime gehen aber davon aus, dass es nur so scheint, dass Jesus am Kreuz gestorben ist, dies also nicht wirklich passiert ist Andere Richtungen glauben, dass Judas oder Simon für Jesus am Kreuz gestorben ist. Die Muslime gehen aber auch davon aus, dass Jesus irgendwann wiedergeboren wird und nicht Mohammed, der in Medina begraben ist. In einigen Versionen soll er auf der Moschee in Damaskus wiederkommen. Mohammed musst aus Mekka fliehen, weil seine neue Religion erst nicht anerkannt wurde. Es gab monotheistische Konkurrenten.  In der Oase Medina (so von Mohammed umbenannt) war er Schiedsrichter. Er wurde von rivalisierenden Clans gebraucht. Es gab fünf Stämme, drei jüdische und zwei andere. Mehrere Kulturen kreuzten sich: Byzanz, Persien, Arabien, Palästina (Nazareni). Er wollte die Abschaffung des Polytheismus erreichen.  Der Koran besteht aus 114 Suren (der Begriff kommt aus dem Syrischen, wohl die Fremdsprache, die Mohammed beherrschte). Der Koran hat weder Logik noch Chronologie. Er enthält auch so gut wie keine geographischen Bezüge. So fehlt auch der Kontext. Viele Experten sprechen von einer Heiligen Schrift ohne Kontext, die viele Jahre nach Mohammeds Tod aufgeschrieben wurde (viele Jahre nach der Hidschra/ Flucht, dem Beginn der islamischen Zeitrechnung. Es gibt kaum historische, arabische Quellen aus der Zeit.  Der deutsche Islamwissenschaftler Theodor Noeldecke hat im 19 Jahrhundert den Koran ins Deutsche übersetzt und eine Chronologie der Suren angefertigt. Es gibt mekkanische und medinensische Suren. Nicht immer können die Suren klar zugeordnet werden. Hierüber gibt es einen unendlichen Expertenstreit.  Der Berliner Archäologe Friedrich von Delitzsch entdeckte bei seinen Ausgrabungen in Mesopotamien (babylonische Funde, Babel) Schrifttafeln, auf die denen die Paradiesgeschichte der Bibel ("Garten Eden", Genesisgeschichte) 800 Jahre vor der Bibel auftauchte. Die Paradiesidee ist in Bibel, Thora und Koran enthalten. Sie wurde wohl abgeschrieben und verfremdet. In der Bibel findet sich eine negativere Darstellung der Rolle der Frau: Sie ist Sünderin und Verführerin. Das dürfte das Frauenbild in den Religionen nachhaltig beeinflusst haben. Als Delitzsch seine Entdeckung publik machen wollte, wurde er von Kaiser Wilhelm II. auf Druck der Kirche zurückgepfiffen. Delitzsch hatte die Vermutung, dass die Paradiesfabel die Zeit verklärt, als die Menschen noch nicht sesshaft waren (Jäger und Sammler, Mesopotamien war die erste sesshafte Kultur). Für das Christentum ganz entscheidend war die Durchsetzung im Römischen Reich. Begünstigt wurde dies durch die sozioökonomische Struktur, die Herrschaftsform, die Anpassungsfähigkeit der Christen, die Fürsorge in den Gemeinden. Vgl. Werner Dahlheim: Die Welt zur Zeit Jesu, München (Beck) 2017. 2018 erscheint ein Buch von Thilo Sarrazin mit dem Titel "Feindliche Übernahme". Er plädiert dafür, den Islam als Mehrheitsreligion in Europa und Deutschland zu verhindern. Als Begründung führt er an, dass sich Demokratie und Islam ausschließen.

In den arabischen Ländern, Iran und in Asien (Indonesien, Türkei, Malaysia, Nachfolgestatten der Sowjetunion, China) spielt der Islam eine große Rolle (vgl. meinen Artikel weiter oben). Die Religion des Islam gründet sich auf den Koran, der einer der wichtigsten und mächtigsten Bücher der Welt ist. Er entstand vor etwa 1400 Jahren. Er geht auf Mohammed zurück, der als 40-jähriger Kaufmann seine erste Offenbarung in Mekka empfängt (Mekka ist die Pilgerstätte des Islam; die 'Reise heißt Hadsch; 9 Mio. Menschen kommen jährlich). Mohammed war zuerst Schafhirte und Analphabet bis er durch seinen Heirat mit einer wohlhabenden Frau sozial aufstieg. Später muss er nach Medina fliehen (622, Beginn der islamischen Zeitrechnung). 632 macht er seine Abschiedswallfahrt und stirbt. Die Überlieferungen zu Mohammeds Leben sind neben dem Koran die wichtigste Quelle des Islam. Der Koran ist immer die gegenwärtige Rede Gottes, der ja selbst gegenwärtig ist. Wie die Christen und Juden beruft sich der Islam auch auf Abraham und Moses (siehe Topkapi - Museum in Istanbul) und die Propheten. Der letzte und wichtigste war Mohamed.  Nach Mekka und Medina ist der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee das drittwichtigste Heiligtum. Später kam es zu einer Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten, die die Geschichte des Islam bis heute prägt (z. B. Konflikt im Jemen 2015 zwischen den Huthis/ Iran / Schiiten und der Regierung/ Saudi-Arabien/ Sunniten). Eine zentrale Frage ist, ob eine Ökumene zwischen diesen beiden Richtungen irgendwann einmal möglich sein wird. Besondere Sorge bereitet heute der Islamismus (radikale Umgestaltung von Gesellschaft, Kultur, Staat anhand von Werten und Normen, die als islamisch angesehen werden ohne jede Toleranz). Solche Ideen vertreten z. B. der Wahhabismus und der Salafismus. Es kommt immer wieder zu Konflikten, weil der Islam nicht die Trennung von Kirche/ Religion und Staat praktiziert. In der Wirtschaft gibt es im islamischen Finanzwesen durchaus Elemente, die man übernehmen könnte (Ribah, Gharar, Maysir u. a.).  "Sag: Er ist Gott, der Eine. Gott, der Vollkommene. Nicht hat Er erzeugt und nicht ist Er erzeugt. Und nicht gleich ist ihm einer"!, Koran 112, 1-4. Kein anderer als Ibn Battuta hat im 14. Jahrhundert so viele Länder gesehen. Er reist bis nach Indien und China (bis zu 120.000 Kilometer). Damals war der Islam fortschrittlich und weltoffen. Er begegnete allen anderen Religionen mit großem Respekt. Ende Mai 2016 besucht der Groß-Imam der Kairoer Al-Azhar-Universität Papst Franziskus im Vatikan. Mohammed al-Tayyeb ist einer der wichtigsten Instanzen der sunnitischen Moslems (75% der islamischen Gläubigen). Der türkische Kultur verein Ditib will eine Moschee in Germersheim/ Pfalz verwirklichen (zwei Kuppeln, zwei Minarette; kurz vor der Genehmigung). In Monheim bei Düsseldorf kommt es zum Streit wegen des Baus einer Moschee. Die Gemeinde wollte zwei Grundstücke kostenlos zur Verfügung stellen. In Köln wird im Juni 2017 die Kölner Zentralmoschee eröffnet. Es ist eine Ditib - Moschee mit einer 36 Meter hohen reich ornamentierten Kuppel. Es gibt 70 Gebetsorte für die 120.000 Muslime in der Domstadt. Bis 1884 war der Kölner Dom das höchste Gebäude der Erde. Eine US-Studie (Pew -Forschungsinstitut, Washington) sagt bis 2050 voraus, dass der Anteil der Muslime in Deutschland auf 11 Prozent steigt. Die aktuelle Zahl 2018 ist umstritten: Merkel spricht von 4 Mio.; das Bundesamt für Migration von 4,5 Mio.; das DIW von 2,7 Mio.; Deutsche schätzen in einer Umfrage 16 Mio. Ende 2018 gibt es in der Bundesregierung die Forderung nach eine Moschee-Steuer. Sie soll analog der Kirchensteuer für Muslime gelten. Damit sollen diese unabhängig von Zuwendungen aus dem Ausland werden (Türkei, Saudi-Arabien).

Exkurs über die Struktur des Islam und sein Innen- und Außenverhältnis:  Zum Schicksal gehören die Beziehungen zwischen Schiiten und Sunniten. Könnte es eine Art Ökumene geben? Der Schwiegersohn des Propheten ist ja der Namensgeber der Schiiten  (Saladin hat ein Buch über frühe Muslime geschrieben). Mohammed hatte seine Nachfolge nicht geregelt (jeder versucht eine Begründung zu finden). Ursprünglich bestand eine Anführerschaft durch religiösen Verdienst. Erst später setzte sich das dynastische Prinzip durch (Legitimierung der Herrschaft). Die Gelehrten beider Gruppen sagen ziemlich das Gleiche. Im 13. Jahrhundert gab es eine Sufi-Gemeinschaft. Die Grundlagen sind heute noch in etwa gleich: Koran, Sunna, Islamische Lehre (Aqida) und Wissenschaftler. Die Stellung zum Judentum ist auch schwierig: Der Islam wird als letzte Botschaft Gottes angesehen. Die Dreifaltigkeit versteht der Islam nicht. Wichtig für den Islam ist heute die Tradition der Medresen. Das sind die Gelehrten, die an Universitäten ausbilden. Dabei gibt es drei Bausteine: 1. Grundlagen des Glaubens. 2. Spekulation ((Kalem). 3. Moral. Aber vielfältige Interpretationen sind möglich. Neben Sunniten und Schiiten gibt es noch andere Gruppen im Islam. So etwa die Ibadier. Sie sind vor allem im Sultanat Oman verbreitet. Sie berufen sich mehr auf Abraham als auf Mohammed. So sind sie auch toleranter und offener gegenüber den Katholiken und Protestanten (6% im Oman). Es herrscht Religionsfreiheit. Die religiösen Führer werden auch demokratisch gewählt.  Die größte Moschee Deutschlands wird im September 2018 in Köln-Ehrenfeld eingeweiht. Sie wurde vom türkischen Trägerverein Ditib gebaut. Es war auch der türkische Präsident Erdogan anwesend. Die Moschee hat Platz für 1100 Gläubige, ist 30 Mio. € teuer und hat 55 Meter hohe Minarette. Die Koran-Sure 4, Vers 34 ist wahrscheinlich die umstrittenste. Sie fordert Männer auf, ihre widerspenstigen Frauen zu schlagen.

Das Jesidentum ist eine der ältesten (monotheistischen) Religionen der Welt, das Motive des Judentums, des Christentums und und des Islams vereinigt (bis vor 2000 vor Christus). Es gibt auch Elemente des altpersischen Zoroastrismus und des Schamanentums. Zentral in der Religion ist die Reinkarnation und Melek Taus (Engel Pfau, der Gott als Mittler zu den Menschen dient). Der wichtigste heilige Ort der Religion liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im norden Iraks. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb. Die Jesiden verehren ihn als Heiligen. Jeside wird man durch Geburt (beide Elternteile Jesiden). Bei Ehen mit Nicht-Jesiden verlieren Gläubige ihre Religionszugehörigkeit (Übertreten und Bekehrung nicht möglich). Die Siedlungsgebiete der Religion liegen im Nordirak, im Norden Syriens und im Südosten der Türkei. Der IS hat Tausende der Jesiden entführt, gefoltert und getötet (Frauen vergewaltigt und verkauft). Die Anzahl der Jesiden wird weltweit auf 200.000 bis 800.000 geschätzt. Die Gemeinden in Deutschland umfassen 2016  60.000.

Ein weiteres gutes Beispiel für die Bedeutung von Religion/ Kultur ist Indien. Seit Jahrhunderten gliedert ein komplexes Kasten-System die Gesellschaft. Jeder dient in der Kaste, in die er geboren wurde. Diese Ordnung bleibt relativ stabil. Die Hindu-Religion vereint eine Vielzahl von Sekten, Kulten und Traditionen. So sprechen Experten mehr von Hindu-Traditionen. Die erste Hochkultur in der Region des Flusses Indus gibt es von 2600 v. Chr. - 1800 v. Chr. Um 530 v. Chr. beginnt der Buddhismus in Indien. Höchstes Fest des Hinduismus ist das Diwali-Fest (aus dem Sanskrit-Wort Deepavali - Lichterkette). Es ist zu Ehren der Gottheit Lakshmi (Wohlstand, Reichtum). Es ist vergleichbar unserem Weihnachten und gleichzeitig Neujahrsfest. Geschenke, Neuanschaffungen und Familie gehören dazu. Am bekanntesten bei uns durch die Berichte der Kolonialisten ist wohl die Göttin Kali (mit Toten-Schädel, nackt). Die heiligste Stadt des Hinduismus ist Varanasi (Stadt des Gottes Shiva; liegt im Gangestal rund 200 km südlich des Himalaja; 3,2 Mio. Pilger kommen jährlich). Mit dem Wasser des Ganges kann man die Sünden abwaschen (Ganga Mata). Zwei Elemente des Hinduismus sind bei uns besonders bekannt: Wiedergeburt und Erlösung, sowie die heilige Kuh und die vegetarische Ernährung. (Vgl. spezielle Artikel zum Daoismus und Islam auf dieser Seite). Kern des Hinduismus ist das "Karma". Es ist eine Art Weltgesetz von Ursache und Wirkung. Der Hinduismus hat eine komplexe Struktur der Reziprozität entwickelt, woraus Ökonomen einiges lernen können (Kühe, Land, Gold u. a.). Eines der bekanntesten Werke der indischen Literatur und des Hinduismus ist die Bhagavad Gita. Es ist Tel des Epos Mahabharata. Es besteht aus einer Reihe von Zwiegesprächen.  Eng verbunden mit der Hindu-Kultur sind Yoga, Ayurveda und Naturheilkunde. Der Hinduismus hat wie auch die anderen Religionen eine Reihe von Festen und Feiertagen. Bekannt ist das Chhat Puja - Fest, das der Sonne gewidmet ist als Spenderin von Leben, Glück und Frieden. Das größte religiöse Festival der Welt ist "Kumbh Mela". Es dauert sieben Wochen und wird am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna in Prayagraj alle drei Jahre begangen.  Nach einem Mythos werden "Tropfen der Unsterblichkeit" aus dem Krug (Kumbh) vergeben. Die indische Regierung hat zur Zeit sogar einen Minister, der sich um Yoga kümmert (Naik, auch der Premierminister ist Yoga-Fan). Yoga könne den Lebensstil verändern, Bewusstsein schaffen und sogar gegen den Klimawandel helfen. In Hamm-Üntrop steht der größte Hindu-Tempel in Deutschland und der zweitgrößte in der EU. Ca. 100.000 Hindus leben in Deutschland. ("Das Dharma ist die Stütze der ganzen Welt. In der Welt schleichen sich die Lebewesen an den Dharmahaftesten an, durch Dharma beseitigen sie das Übel. Im Dharma steht alles; deshalb nennen sie den Dharma das Höchste", Manus Gesetzbuch).  "Glück ist, wenn deine Gedanken, deine Worte und dein Tun im Einklang sind", Mahatma Gandhi. Am bekanntesten bei uns ist Yoga, insbesondere die Yoga-Atmung. Die Atemtechniken sind unter dem Begriff "Pranayama" zusammengefasst ("Prana" heißt auf Sanskrit "Lebensenergie", "Yama" heißt "Kontrolle"). Ende 2018 schlüpfen zwei Frauen in einen Sabarimaliatempel in der Provinz Kerala im Süden Indiens. Daraufhin kommt es zu Protesten radikaler Hindus (Tote, 15 Verletzte), weil Frauen der Zutritt verboten ist. Es geht im Grunde genommen um die Beibehaltung des Patriarchats.

In Nordindien entstand im 15. Jahrhundert der Sikhismus. Sikh ist ein Wort aus dem Pandschabi (Sprache des Pandschab) und bedeutet Schüler. Religionsgründer war der Guru Nanak. Ursprünglich sollte diese Religion die Spannungen zwischen Hindus und Moslems in Indien überwinden. Die Mitglieder der Religion fallen vor allem durch ihre Namen und Kleidungsvorschriften auf. Die Religion ist eng mit einer tugendhaften Lebensführung verbunden. Frauen werden nicht diskriminiert. Das Streben nach Wohlstand und Ansehen wird befürwortet.

Eine weitere Religion in Indien ist der Jainismus. Er wurde von Mahavista (599 - ca. 527 v. Chr., bürgerlich Nataputta Vardhamana) gegründet. Die Jainas glauben auch an Karma uns Reinkarnation. Das Endziel des Lebens ist die Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien (Samsura). Alle Lebewesen besitzen eine Seele.

In China herrscht kulturell das Konzept einer "Harmonischen Gesellschaft". Konfuzianismus (Morallehre von Konfuzius). Im Zentrum stehen Respekt, Tradition und die richtigen Verhaltensweisen.  Moral ist wichtiger als Recht; Modulsystem der Sprache (200 Einzelmodule), das von der Technik her auch auf die Wirtschaft übergreift. Der Konfuzianismus geht von der Ungleichheit der Menschen aus, die durch fünf Beziehungen miteinander verbunden sind. Die Beziehungen sind Vater-Sohn, Herrscher-Untertan, Ehemann-Ehefrau, älterer Bruder-jüngerer Bruder (oder Schwestern), älterer Freund-jüngerer Freund oder Schüler). Dazu gibt es fünf klassische Schriften (Jing: Buch der Wandlungen, Buch der Lieder, Buch der Geschichte, Buch der Riten, Frühlings- und Herbstanalen).  Seine Lehren und die Schriften seiner Schüler sind bekannt als Lunyu (Discussions und Sayings). Im Zentrum steht die Idee der ethischen menschlichen Beziehungen und der moralischen Kultur als Grundlage sozialer und politischer Harmonie (wurde von der KPC übernommen als Legitimierung der Herrschaft). Besonders hervorzuheben sind Bildung und Pietät. Der Konfuzianismus ist am Diesseits orientiert. Daneben Taoismus bzw. Daoismus (Naturströmung bzw. Weltanschauung, die auf Laotse oder ein Autorenkollektiv zurückgeht, vgl. meine Darstellung weiter oben; Daojiao, vom Begriff "Dao - Weg; der Daoismus ist mehr jenseitig orientiert) und Buddhismus mit ihren tradierten mythologischen Vorstellungen. Zentrum waren die heiligen Berge Chinas (10, 5 Berge des Taoismus und 5 des Buddhismus, + Huang Shan), von wo auch heute bei uns bekannte Lebensformen kamen wie Feng Shui (Lehre von Wind und Wasser), Kungfu, Qi Gong und Tai Chi (sie gingen vom Atmen aus). Der Wutai Shan ist der heiligste Berg, wo der Buddhismus zuerst in China Fuß gefasst hat.   Es gibt dort heute noch über 100 Klöster. Er liegt relativ nahe bei Peking. Der Huashan, einer der fünf daoistischen Berge in der Provinz Shaanxi, ist die Residenzstätte der Götter der Unterwelt und bekannt für heilende Kräuter (Einheit des Menschen mit der Natur, Einfachheit, Weg der Freiheit). Die taoistische Philosophie lehrt die Harmonie von Mikro- und Makrokosmos, lebt von der Liebe zur Natur und von Gelassenheit. "Zhi dao" heißt "den Weg kennen" und ersetzt unser Wort "Wissen". Es steht für eine gewisse Flexibilität in der Kultur. Es gibt eine spannungsgeladene Einheit von Gegensätzen. Die beiden Kräfte "yin" und "yang" werden graphisch durch einen Kreis dargestellt, der durch eine S-Kurve geteilt ist. Je mehr der Mensch in die Schöpfungsgeschichte und den Verlauf der Natur eingreift, desto unheilvoller entwickelt sich die Natur. Deshalb gibt es die Haltung des "Wu wei", sich nicht aktiv in das Leben der Natur einmischen. Es geht um das anstrengungslose, ganz natürliche Tun, bei dem einer absolut in Einklang mit sich selbst und der Umwelt ist. Zentrale Einheit ist das "Qi", die Strömung von Lebensatem und Energie. Die Tradition des Daoismus hat ihren Ursprung historisch in der Zeit der "Warring States" (475-221 BC). Es geht auch um die Praktizierung von Ritualen und Meditation. Der Daoismus ist Chinas älteste und ureigene Religion bzw. Weltanschauung. In neuerer Zeit spricht man auch von Shenismus und meint damit die Integration anderer Religionselemente (etwa aus dem Buddhismus). Wer auf den Wolken geht, der lässt sich treiben , schweift umher, wird zum Vagabund. Deshalb sprechen die Daoisten von Wolkenläufern (Yunyou). Menschen sollten reisen, um sich zu verlieren, sich zu vergessen. Das Dao ist überall, solange einer nur offen ist. Vgl. A. Köckritz: Wolkenläufer, München 2015, S. 18f. Der Konfuzianismus als hierarchisches Ordnungssystem wird eher von den oberen Zehntausend (Beamten, Kader) als Morallehre  beachtet. Keine Religion wächst derzeit allerdings schneller als das Christentum. China und Indien erobern langsam die Welt. Damit werden auch die Religionen dort immer mehr ins Blickfeld rücken. In China gibt es 11 Millionen katholische Christen 2018 (Statistik ungenau, da nicht offiziell erfasst).. Ca. die Hälfte sind "patriotische Christen", die dem Regime treu sind  und bei denen der Staat die Bischöfe ernennt. Die andere Hälfte muss im Untergrund leben, bei denen ernennt Rom die Bischöfe. Im Frühjahr 2018 finden zwischen China und dem Vatikan Verhandlungen für ein Konkordat statt. Es gibt in China die Institution der "Familienkirche". Kirche wird zur Privatsache erklärt und findet oft in Privaträumen statt. Trotzdem hat die Kontrolle unter Xi Jinping zugenommen - wie von Christen berichtet wird.   Interessant ist auch die Shaolin - Philosophie, die der buddhistische Gelehrte Bodhidharma im 8. Jahrhundert aus Indien in ein chinesisches Kloster in Henan brachte. Es geht um das Geheimnis innerer Stärke. Aber auch Kampftechniken wie Kung Fu und Qigong spielen eine Rolle. Acht Leitsätze beinhaltet die Shaolin -Philosophie: 1. Ich lerne jeden Tag mehr über mich selbst. 2. Ich kontrolliere meine Gedanken. 3. Ich achte auf meine Gefühle und lerne, sie anzunehmen, aber auch loszulassen. 4. Ich bin gefestigt und übernehme Verantwortung für mich und für andere. 5. Ich wertschätze meinen Körper und achte auf mich. 6. Ich acht und wertschätze andere Menschen. 7. Ich richte meinen Blick mit Gelassenheit auf das Wesentliche. 8. Ich lebe im Hier und Jetzt und nehme an, was geschieht. Diese Leitsätze haben mittlerweile auch Eingang gefunden ins Coaching und ins Energie- und Bewusstseinstraining. Vgl. Späth, T./ Bao, S. Y.: Shaolin, München 2011 (Umschlag).   "Die Weisheit des Lebens besteht im Ausschalten der unwesentlichen Dinge", aus China. Der chinesische Taiping-Aufstand ist mit rund 20 Millionen Menschen der blutigste Bürgerkrieg der Menschheitsgeschichte. Mitte des 19. Jahrhunderts kämpfen kaiserliche Armeen gegen die Anhänger einer christlichen Sekte. Deren Gründer (Hong) hält sich für den Bruder von Jesus. Die Rebellenarmee ist schlagkräftig, weil die Frauenregimenter gut kämpfen. Der Konfuzianismus lehrt unter anderem Respekt vor Senioren. In Japan gibt es inzwischen (2015) so viele über -Hundertjährige, das sie zur Last werden (Ehrungen sind aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich). Insgesamt gibt es in China  fünf Religionen: Buddhismus, Daoismus, Islam, Katholizismus, Protestantismus (daneben noch Sekten). Wichtig ist den Menschen ehr die spirituelle Praxis (Xiuxing). Deshalb bewegen sich die Menschen oft in mehreren Religionen (Shenismus). "Sind die Menschen weise genug, die Wurzeln ihres Lebens tief im subtilen Untergrund zu verankern, nehmen die alltäglichen Dinge des Lebens ihren natürlichen Lauf, und ohne Zutun erwacht Harmonie. Dann verbreitet sich im Universum eine friedliche Ordnung und die Einheit entsteht wieder von selbst", Laotse (wichtigster Philosoph des Daoismus). 2016 untersagt China Staatsdienern die Teilnahme am Ramadan. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Religionsfreiheit für Muslime in Xinjiang noch nie so groß gewesen sei. Im September 2018 kommt ein Abkommen zwischen China und dem Vatikan zustande. Es regelt die Ernennung von Bischöfen in China. Details des Deals sind unbekannt. Diplomatische Beziehungen bahnen sich an. Kritik kommt vom Bischof aus Hongkong wegen fehlender Religionsfreiheit in China. 

In Japan spielt der Shintoismus (von Kami no mishi - der Weg der Götter) eine als Naturreligion große Rolle mit Pflichttreue, Selbstbeherrschung. Zentral sind Ahnenkult und Naturverehrung (Naturereignisse sind göttlich; Schreine werden an landschaftlich schönen Orten errichtet). Höchste Götter sind die Kami, die ihren Sitz auf dem heiligen Berg Fuji haben. Es gibt viele Götter und Menschen, Tiere und Pflanzen können zu Göttern werden. Höchster Gott ist die Sonnengöttin Amaterasu, von dem der Kaiser sich ableitet. Der Tod hat keine große Bedeutung, so dass der Verstorbene kann noch ein paar Jahre Einfluss auf die Lebenden nehmen, bevor er ins Reich der Ahnen eingeht. Ein Kernwert des Shintoismus ist auch die Hygiene. Reinlichkeit spielt so im Alltag Japans eine große Rolle (vor Betreten eines Schreins Hände und Mund waschen, auch vor Sumu-Kampf). Alle 20 Jahre werden wichtige Schreingebäude abgerissen und detailgetreu wieder aufgebaut (neue Kraft für die Götter; Verfall des Holzes stoppen; Scheu vor Unreinheit). Japanische Schrift besteht aus Kanji (von den Chinesen übernommen, im 5. Jahrhundert durch buddhistische Mönche aus Korea) und Mayogana (Hiragana- und Katakana - Silbensystem: das erste früher von Frauen benutzt und runder, das zweite eckiger aussehend von Mönchen benutzt, Fremdwörter). Ende Mai 2016 treffen sich die G7 in Ise-Shima in Japan (seit fast 2000 Jahren steht dort der Shinto-Schrein). Es ist der heiligste Ort des Shintoismus. Bekannt ist auch ein uraltes Pilgerritual: Yamabushi, das bis vor kurzen nur Männern erlaubt war. Es geht um eine Wanderung zu den heiligen Bergen (Haguro, Gassan, Yudono) und ihre Besteigung. Handys, Uhren, Zähneputzen sind nicht erlaubt. Die Pilger tragen Strumpfschuhe, um durch die dünnen Gummisohlen die Erde zu spüren, und eine spezielle weiße Kleidung. Mottos sind "uketamau" (ich akzeptiere) und "otachi" (los, weiter).

Der Zen-Buddhismus (Zen kommt von Dhyana; Geist sammeln; in China ch´an; in Japan als Zen ausgesprochen; man könnte die Chan-Tradition als Vereinigung von Buddhismus und Daoismus ansehen)  der seine Ursprünge vor über 2500 Jahren in Indien hat, kam über China (Chan) nach Japan und ist mittlerweile spirituell im Westen am erfolgreichsten. Der Buddhismus gelangte im 6. Jahrhundert n. Chr. nach Japan. Die japanischen Komuso (wörtlich: "Priester des Nichts") gehörten einer Schule des Zen-Buddhismus an. Ihre Tradition entstand um etwa 1600. Im Vordergrund steht die Erlösung durch Selbsterkenntnis. Ein Buddhist strebt an, dass seine Individualität im Nirwana erlischt (das erklärt am besten die kollektivistische Kultur). Die Religion geht auf Siddharta Gautama zurück, der später zum Buddha ("Erwachet") wurde. Sein Geburtsort ist das nepalesische Lumbini (wurde unter einem Baum von seiner Mutter geboren). Dort lebte er vor dem 6. Jahrhundert vor Christi (neuere Forschungen aufgrund älterer Tempelanlagen in Nepal bestreiten die Lebenszeit von 563-483 vor Chr.). Siddartha verkündete seine Überzeugungen in Nordindien, sammelte Anhänger um sich und bekämpfte auch die strenge Einteilung der Menschen in Kasten. Über die alten Handelswege kam der Buddhismus nach China, Korea, Japan und in viele andere Länder. Der Buddhismus ist mehr als nur eine Religion (das macht ihn meiner Meinung nach auch im Westen so attraktiv). Er stellt eine Lebenshaltung und -philosophie dar. Der Buddha ist Erkenntnis und wahres Wissen. In Japan ist Shikoku die größte buddhistische Kultstätte (eigentlich nur für die Shingon-Schule). Im 20. Jahrhundert breitete sich der Zen-Buddhismus auch bei Christen in Europa und Nordamerika aus. Er wird als Meditationstechnik begriffen, die zu Work-Life-Balance führen kann. Es gibt auch Christen in Japan . Im Norden Japans gibt es ein Dorf namens Shingo, wo angeblich Jesus begraben liegt (er soll 106 Jahre alt geworden sein, "Kirisuto Matsuri" ). Japan ist eher ein polytheistisches Land (viele Menschen leben die Rituale mehrerer Religionen). Vgl. meinen Aufsatz "Das Japan-Paradoxon". Es gibt keinen einheitlichen Buddhismus, sondern neben dem eben beschriebenen japanischen einen koreanischen, einen thailändischen, einen chinesischen und einen tibetischen. Allein in Tibet sind vier Richtungen zu unterscheiden, die unabhängig voneinander sind. Der Dalai Lama hat keine Weisungsbefugnis; er ist eher das weltliche Oberhaupt des Landes aus dem Exil in Dharamsala/ Indien. (deshalb vor allem der Konflikt mit der VR China). Die Institution des Dalai Lama und seine Institutionalisierung kennt man erst seit dem 14. Jahrhundert. Der jetzige Dalai Lama bezieht seine weltweite Autorität aus seinem Charisma, seiner Persönlichkeit, seinem großen Netzwerk und seinem persönlichen Schicksal.    "Wo jeder lärmend sich einengt, wird man niemals zur Vernunft kommen", Buddha. Anfang 2014 wird einer der wichtigsten buddhistischen Zentren in Tibet und China bei einem Großbrand völlig zerstört. Es handelt sich um Dukezong. Da die über 1000jährigen Bauten aus Holz waren, hatte das Feuer leichtes Spiel. In Traben-Trarbach an der Mosel gibt es ein Buddha-Museum in einem Weinkeller (vom Unternehmer Preuß aus Mainz eingerichtet). Dort kann man über 2000 Buddha-Figuren aus verschiedenen Regionen und Epochen bewundern. Die höchste Budddha-Statue in Deutschland und Europa steht in Hannover vor dem bundesweit größten buddhistischen Kloster (7 Meter hoch). Im Westerwald gibt es das buddhistische Kloster Hassel. Vor allem am höchsten Fest "Vesakh" pilgern dort viele Menschen hin. Es ist immer der erste Vollmond im Mai. An diesem Tag wird die Geburt, die Erleuchtung und das Sterben von Buddha gefeiert. Es geht dabei vor allem um den Theravada-Buddhismus (vor allem in Sri Lanka, Burma, Thailand).

Grundprinzipien des Buddhismus: 1. Alles ist veränderlich. 2. Alles ist zusammengesetzt. 3. Leben ist Leiden. 4. Es gibt einen Ausweg aus dem Leiden. 5. Das Nirwana ist die Befreiung. 6. Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. 7. Die Wiedergeburt (Reinkarnation). 8. Erfahrung. Man nähert sich der Religion durch Praxis. Das Dhammapada ("Worte der Lehre") ist eines der populärsten buddhistischen Werke. Es ist eine Sammlung von über 400 Versen. Meditation ist ein weiteres wesentliches Element des Buddhismus. Das ist ein Zustand innerer Ruhe und Klarsicht. Zentraler Ort für die Verbreitung der Schriftreligion aus Indien war die uralte indische Universität Nalanda. Vgl. Der Spiegel: Geschichte, 6/ 2018. Der Buddhismus, S. 28f. Rund 500 Mio. Menschen weltweit bekennen sich zum Buddhismus, er ist die viertgrößte Religion der Erde. Im Jahre 2016 zeigt das Weltkulturerbe Völklinger Hütte die Ausstellung "Buddha" Meisterwerke buddhistischer Kunst aus 2000 Jahren (Juni 2016 bis Januar 2017). Schon die alten Griechen hatten Verbindungen zum Buddhismus. Im Mittelalter basierten deutschsprachige Erzählungen über christliche Heilige auf der Legende von Buddha. Später machten Nietzsche, Wagner, Hesse und Schopenhauer den Buddhismus populär (vgl. Olaf Beuchling in Der Spiegel, Nr. 13, 24.3.2018, S. 62.). Selbstfindung, Meditation, Achtsamkeit - alles, was heute im Trend liegt, stammt aus dem Buddhismus. Der Buddhismus ist keine exklusive Religion. Seine Toleranz beruht auf der Position der Stärke. Der wichtigste buddhistische Tempel in China ist der Lama-Tempel in Beijing. "Die Einfachheit ist der Schlüssel zum Augenblick. Sie verschafft Zugang zu den wunderbarsten Reichtümer." Drukpa Rinpoche (tibetischer Meister).

Geschichte der christlichen Missionierung in Japan: Nach dem Konzil von Trient schickte die katholische Kirche Mitte des 16. Jahrhunderts Missionare nach Japan. Der erste Missionar war Franz Xaver.  Am bekanntesten wurde Pater Louis Sotelo, der nach Sendai kam. Die Franziskaner missionierten im Gegensatz zu den Jesuiten eher das einfache Volk. In Japan stritten Reiche miteinander. Für Sendai zuständig war ein Shogun, direkt für die Region hatte Date Masozoumi die Verantwortung. Er machte sich Hoffnung, über die Franziskaner das nötige Schiffs-Know-how und den Seeweg nach Neu-Spanien (heute Mexiko) zu finden (einschließlich einer Handelserlaubnis). Den Shogunen selbst waren Christen suspekt, so dass sie 1597 26 Christen foltern ließen und später kreuzigen. Das war in Nagasaki, das die Christen zu einer Handelsmetropole gemacht hatten. Pater Sotelo sollte eigentlich auch sterben, wurde dann wegen der Handelshoffnung begnadigt. Spanien hatte quasi ein Monopol auf den Handel mit dem neuen Kontinent Amerika. Mithilfe der Spanier und der Holländer gelang es schließlich, ein hochseetüchtiges Schiff zu bauen. Mit diesem brach man 1613 nach Neu-Spanien auf (Sotelo, der Samurai Hasekura und ein Spanischer Kapitän). Sie erreichten 1614 Acapulco in Mexiko. An Bord hatte man vor allem Stoffe (auch Seide). Man erreicht in der Hauptstadt beim Vize-König eine Erlaubnis, die Waren zu verkaufen gegen Taufe zum Katholizismus. Die Handelserlaubnis konnte nur der spanische König geben. Also reisten Sotelo und Hasekura mit einem anderen Schiff nach Sevilla (Handelsmetropole für den Handel mit Amerika; am meisten entsetzte man sich über den Gott am Kreuz). Dann ging es weiter nach Madrid. Auch Hazekura ließ sich im Beisein des Kaisers noch taufen für die Erlaubnis. Das war aber sinnlos, weil die Shogune in Japan nach der Vereinigung des Reiches das Christentum verboten und alle Handelsbeziehungen abbrachen bis 1867 (Ausnahmen nur für die Ostindische Company). Sotelo starb den Märtyrertod, Hasekura wurde geächtet. Die Hintergründe werden zum Teil im neuen Film von Scorsese geschildert ("Silence").

Es hat auch wohl einen Ideentransfer vom Buddhismus zum Christentum gegeben. Bis 2001 galten die Protagonisten des im Mittelalter weit verbreiteten christlichen Romans " Barlaam und Josaphat" als katholische Heilige. Vergleiche mit der Buddhalegende sprechen heute eher für einen Transfer entlang der Seidenstraße. Die Figur des Josaphat ähnelt in vieler Hinsicht Prinz Siddartha. Beide suchen einen Weg, ein Leben ohne Leid zu erreichen. Josaphat entsagt dazu der Welt, um sich in Askese Gottes Gnade zu erfahren, Siddartha übt sich in Meditation, um sich selbst zu befreien. Beide Religionen wurden politisch auch immer wieder instrumentalisiert. Der italienische Jesuit Ippolito Desideri studierte in Tibet den Buddhismus. Er brachte im 18. jahrhundert erstmals fundierte Informationen über die fremde Religion in den Westen.

Vom Gottesbild zum Menschenbild: Im antiken Ägypten (aber auch in Babylon oder bei den Kelten) bei den Pharaonen lautete die Selbstdefinition Gottes: "Ich bin, was da ist" (Inschrift auf einer Stehle). Gott definiert sich als das Seiende, die Natur. Der Gott Israels, der alle anderen monotheistischen Richtungen geprägt hat, wird im alten Testament wie folgt beschrieben: "Ich bin, der ich bin. Gott hat Dich bei Deinem Namen gerufen". Beim ersten Gottesbild geht es um die Ein- und Unterordnung des Menschen gegenüber der Natur. Beim zweiten Gottesbild geht es nur um die Akzeptanz der Natur in Anbetracht des Schicksals des Einzelnen. Das ist  die Grundlage des humanen Denkens. Der einzelne wird bei seinem Namen gerufen. Nicht das Kollektiv, nicht die große Zahl, sondern Gott widmet sich jedem einzelnen. Darin ist die Würde des Menschen begründet. Das ist im Kern auch die Ursache unterschiedlicher Vorstellungen über Menschenrechte im Westen und in China. China ist im Menschenbild antiker Natur-Religionen stehen geblieben.

Alle Religionen glauben an eine übermenschliche Ordnung (auch die Naturreligionen). Auf Grundlage dieser übermenschlichen Ordnung stellt die Religion Normen und Werte auf (vgl. Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit, München 2013, S. 254). Die Normen und Werte stabilisieren auch immer die weltliche Ordnung und die ökonomische Struktur. Andererseits sind die offizielle Religion und ihre Anhänger immer einander etwas fern. So bleibt Spielraum für übersinnliches Denken und Aberglaube. Vgl. auch Bernhard Uhde: Warum sie glauben, was sie glauben. Weltreligionen für Andersgläubige und Nachdenkende, Freiburg (Herder) 2013. Religiöser Glaube birgt aber immer ein Paradoxon: Auf der einen Seite gibt er dem Menschen Kraft. Auf der anderen Seite kann er Gewalt und dem Bösen Legitimation und eine höhere Begründung geben. Während Europa eher in einer postreligiösen Phase lebt (Bedeutung der Religion geht zurück; Säkularisierung), scheint weltweit der Einfluss der Religion zuzunehmen (genauere Messungen gibt es nicht). Hier ist an erster Stelle der Islam zu nennen. Beunruhigend wird es, wenn bei Fanatikern Diskussion nicht mehr möglich ist, weil sie in göttlichem Auftrag handeln. Der Islamismus und der islamische Staat sind eine der wichtigsten und einflussreichsten Tendenzen unserer Zeit.  "Der Deutsche Juristentag in Hannover diskutiert 2014, ob die Gesetze noch passen, wenn manche Täter sich auf eigene kulturelle oder religiöse Regeln berufen. Die Juristen sind sich einig: Regeln außerhalb des deutschen Rechts sind kein Grund zur Milde. Eine Paralleljustiz darf es nicht geben". Der Soziologe Phil Zuckermann ist weltweit der erste Professor für Atheismus (Pitzer College Los Angeles). Modernisierung führt nicht zwangsläufig zur Verweltlichung. Global wächst das Religiöse. Die Hamburger Sunday Assembly ist eine Art Kirche für Atheisten. Einmal im Monat treffen sie sich. Sie diskutieren über Werte und feiern das menschliche Dasein.

Zu den großen Kritikern der Religion gehören Feuerbach und Marx. Folgendes Zitat von Marx fast dessen Sicht gut zusammen: "Der Mensch macht die Religion, die Religion nicht den Menschen...", MEW 1, S. 378. Auch: "Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes", Ebenda. Vgl. weitere Ausführungen oben.

Mittlerweile gibt es auch Kirchen bzw. Religionen im Internet. Die größte und erfolgreichste ist die Universal Church of Life in Amerika. Sie hat 20 Mio. Mitglieder und jedes Jahr kommen 35.000 hinzu. Es gibt keine Gemeindehäuser und Gottesdienst. Jedes Mitglied darf eigener Pfarrer mit allen Befugnissen sein. "Alle Religionen sind schön, die uns zu guten Menschen machen", Berthold Auerbach, deutscher Literat.

Man hat sogar Computermodelle entwickelt, die Ingredienzien für Frömmigkeit suchen. Das MODRN - Computermodell bringt Studien und soziologische Theorien mit statistischen Daten und gesellschaftlichen Zuständen zusammen. Virtuelle "Agenten" mit verschiedenen Eigenschaften werden dazu programmiert. Diese Gruppen werden dann in einer Simulation einer bestimmten Situation ausgesetzt. Daraus können Vorhersagen abgeleitet werden. Vgl. Hilmar Schmundt: Heiliges Beben, in: Der Spiegel 2/2019, 5.1., S. 96.

"Menschen, die nur arbeiten, finden keine Zeit zum Träumen. Nur wer träumt, gelangt zur Weisheit", Smohalla von den Nez Perce´.

Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, sagt die Bibel; die Philosophen machen es gerade umgekehrt, sie schaffen Gott nach dem ihrigen", Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Philosoph.

 

 

Businessstrategien in unterschiedlichen Kulturen (Soziologie; Verbindung Kultur - Geschäftsleben, Kultur in der Gesellschaft; wichtige Rahmenbedingung für Wirtschaft, Politik, Gesellschaft):

Route 66 - Museum in Pontiac/ Illinois (gemalt auf die Rückseite des Museumsgebäudes). Die "Motherroad"  steht wie kaum ein anderes Symbol für die Kultur der USA sowie für den Aufbruch, Reisen und die Bedeutung des Verkehrs. Sie symbolisiert auch den amerikanischen Traum und den Reiz des Abenteuers. Die Straße führt quer durch die USA von San Francisco nach Chicago. Im Museum befinden sich Ausstellungsstücke zur Geschichte, Kultur, berühmten Reisenden, Haltestellen, Autos u. a. zu der berühmten Straße, die heute nur noch in Bruchstücken original erhalten ist. Das Museum wird von Ehrenamtlichen aus den ganzen USA betrieben. Einige davon haben deutsche Wurzeln. Der Eintritt ist kostenlos, es wird aber eine freiwillige Spende erbeten.

Der Meister sprach: "Die Natur der Menschen lässt sie einander nah sein, doch die Gebräuche halten sie voneinander fern", Konfuzius, Lunyu 17.2 .

Der Faktor "Kultur" ist in den Wirtschaftswissenschaften insgesamt unterbelichtet. Erst die Globalisierung hat zu einer stärkeren Berücksichtigung geführt. An den Hochschulen Europas hat der Bologna-Prozess die Berücksichtigung der Kultur befeuert. Am höchsten ist 2018 der Anteil an internationalen Studenten an der IMD/Schweiz vor der Lancaster University Management School. An vierter Stelle liegt die erste deutsche Hochschule (ESMT Berlin).  "Die Kultur verspeist die Strategie zum Frühstück", Peter Drucker (1909-2005). "Die Kultur beeinflusst alles, vom Verhalten bei Stress bis zum Small Talk in der Kantine", Anke Scherer,2018,  Professorin an der Cologne Business Shool.

Lernziel: Es geht um die Erhöhung der Interkulturellen Kompetenz und um besseres interkulturelles Arbeiten. Fremde Kulturen sollen verstanden werden. Wichtiger als die Toleranz ist aber die Akzeptanz.

 Die Kultur scheint einige grundsätzliche Denkweisen und Wahrnehmungen von Menschen zu prägen sowie die Art, wie sie Gefühle ausdrücken und erleben. Im Mittelalter spricht man eher von Seele statt von Psyche, wenn man ausdrücken will, was Kultur beeinflusst. Aber es gab sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zu uns heute. Früher war in jedem Falle die Gemeinschaft wichtiger. Kinderliebe gab es immer. Es bestand ein gewisses Misstrauen gegenüber der Liebe. Für die Ehe waren andere Kriterien ausschlaggebend.

Hexerei: Bedrohliche Naturphänomene wie auch Erkrankungen von Mensch und Vieh wurden in der frühen Neuzeit mitunter als Ausdruck eines Kampfes zwischen Gott und den Mächten des Teufels gedeutet. Gegen das Wirken von Hexen und Zauberern sollten magische Praktiken helfen. wichtig war es aber auch, diese Verbündeten Satans zu entdecken und zu vernichten. Die im "Hexenhammer" von 1487 formulierte Lehre empfahl daher, die Preisgabe der Namen angeblicher Zauberer oder Hexen durch Folter zu erzwingen. Diese "Besagungen" lösten regelrechte Prozesswellen aus. Vgl. Heuser, Peter Arnold: Hexenjagd Todesurteil "wegen Verderbung des Korns", in: Spektrum Spezial 2/2018, S. 62..

Meiji-Restauration: Eine Phase in der Geschichte Japans, die als Vorbild für den Aufstieg Asiens insgesamt gilt. 1868 (vor 150 Jahren) wurde der "Fünf-Artikel-Eid" unterzeichnet. Es handelt sich um ein Regierungsprogramm, das Japan den Anschluss an die übrige Welt ermöglichen sollte. Zum ersten Mal brach ein asiatisches Land ins Zeitalter des Fortschritts, der Technik und der Industrie auf. Bislang hatte nur Hierarchie und Tradition gegolten, ebenso Abschottung von der Welt; jetzt war die politische, geistige, gesellschaftliche und wirtschaftliche Öffnung angesagt. Sinn war aber auch die Bewahrung und Selbstbehauptung von Monarchie und Staat. Seht stark war in dieser Zeit der Einfluss des kaiserlichen Deutschlands. 1878 bekam die japanische Armee einen Generalstab nach preußischem Vorbild. Auch die japanische Verfassung ließ sich von Preußen inspirieren. Japan erhält so eine effiziente Verwaltung, zeitgemäßen Postdienst, öffentliches Schulwesen. Die Wehrpflicht wird eingeführt. Die Fundamente einer modernen Industrie werden gelegt.  Es war der Aufbruch in eine multipolare Welt. Japan ist bis heute Modell für den Aufstieg anderer Länder  in Asien. Deng Xiaoping folgte dem Rezept in China. Die Tiger-Staaten orientierten sich auch daran.  Vgl. auch: Jan Ross, Als Japan preußisch wurde, in: Die Zeit, Nr. 9, 22.02.2018, S. 22. In Tokio steht der Meiji - Schrein. Hier wird die Kaiserfamilie aus Sicht des Schintoismus verehrt. Die Seelen von Kaiser Meiji und seiner Frau Shoken werden als Gottheiten verehrt.

36 Strategeme: In China bzw. Asien wird Business oft Richtung Krieg interpretiert. Die Strategeme sind "Kriegslisten" bzw. Tricks (sie können auch auf Geschäftsverhandlungen angewendet werden). Hinzu kommt, dass weniger geplant und dokumentiert wird und mehr ausprobiert. Vgl. Harro von Senger: Strategeme für Manager, München 2004. Die 36 Strategeme sind ursprünglich eine Sammlung von Kriegslisten des chinesischen Generals Tan Daoji (allerdings kann die Herkunft nicht sicher zurückgeführt werden; wahrscheinlich lagen die Strategeme im Volksmund vor).  "Es ist im Kriege eine Regel, dass man nie annehmen soll, ein Feind würde nie kommen, sondern man muss jederzeit bereit sein, ihn zu treffen. Man darf nie annehmen, dass er nicht angreifen wird, sondern man sollte sich immer in eine Position bringen, in der man unschlagbar ist", Sun Tsu, Über die Kriegskunst, spätes 5. Jahrhundert v. Chr. Auch: "Der klügste Krieger ist der, der niemals kämpfen muss", Meister Sun.

"Wild West" als Strategie (USA): Im Zusammenhang mit der New Yorker Börse und der Wall Street (aber auch den Methoden der NSA) hat sich der Begriff "Wildwest-Methoden" etabliert. Die Frage ist, ob mittlerweile eine extensionale Definition möglich ist. Dazu gehören könnten sicher als Werte Erfolgsorientiertheit, Begeisterung, Effizienz, Progressivität, Individualität, Selbstversorgung und Freiheit.  Die Kultur ist insbesondere im Arbeitsbereich sichtbar: "Hire and Fire", geringer Kündigungsschutz,  geringer Einfluss der Gewerkschaften, schlechtes Sozialversicherungssystem (insbesondere Krankenversicherung). 2014 finanzieren die Milliardärsbrüder Koch marktradikale Politiker und den Kampf gegen die Gewerkschaften. Ihr Ziel ist der Wildwestkapitalismus.

Familienorientierung in verschiedenen Kulturen (Verbindung von Privatem und Geschäftlichem): Die islamische Religion beeinflusst stark das Geschäftsleben. Es gelten die fünf Säulen das Islam: Glaubensbekenntnis (Schahada), Gebet (Salat), Almosensteuer (Zakat), Fastenmonat Ramadan und Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch). Familiäre Strukturen und traditionelle Werte prägen auch das Business.  Gastfreundschaft, indirekte Kommunikation, Gastgeschenke und Netzwerke sind darüber hinaus besonders wichtig. Danwei (Einheit von Familie und Arbeitseinheit usw.) übt einen starken Einfluss in China aus. Z. B. bringen die Kredite der Auslandschinesen an Angehörige im Land die Wirtschaft immer wieder in Schwung. Auch sind viele Privatunternehmer auf die Hilfe ihrer Familie und Freunde angewiesen, da sie bei staatlichen Banken nur schwierig Kredite bekommen. Die Danwei - Philosophie führt dazu, dass der Wert des Einzelnen als begrenzt angesehen und das Individuum nur in seiner Funktion als Teil eines sozialen Verbandes wertvoll betrachtet wird. Die Familie ist von herausragender Bedeutung im gesamten ostasiatischen Kulturkreis. Das Wort Familie wird im Chinesischen mit "jia" übersetzt, was gleichzeitig Heimat und Zuhause bedeutet. Familien sind in China patrilinear organisiert, was bedeutet, dass die Frau nach ihrer Hochzeit ihre eigne Familie verlässt und in die des Ehemanns eintritt. "Haltet eure Ehepartner, Kinder, Verwandte, Freunde und Mitarbeiter im Zaum und gelobt, nicht die Macht zu persönlichen Beziehungen zu nutzen", Xi Jinping, 2004, zukünftiges Staatsoberhaupt (nach Bloomberg soll seine Familie alleine über ein Vermögen von 380 Mio. Dollar verfügen; der Fall Bo Xilai zeigt, dass ein Großteil des Vermögens der Führungselite  im Ausland angelegt ist). "All lasting business is built on friendship", Alfred A. Montapert ("The Laws of Life", 1970). China hat eine Schwäche für Ivanka Trump. Ihre Tochter Arabella fing schon mit 18 Monaten an,  Mandarin zu lernen. Schon 2016 sang gab sie anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes ein Ständchen in Mandarin der Botschaft. Ivanka (in China: Yi Wan Ka) nutzt diese Popularität für ihr Modelabel in China. Dazu gehören auch Badematten, Wickeltücher, Gardinen und Bettwäsche. Sie hat schon sieben Markenrechte bekommen. Als Trump den Netzausrüster ZTE rettet, indem er ihn von seiner Handelspolitik ausnimmt, darf die Trump-Hotelkette auf der indonesischen Insel Java ein Luxushotel samt Golfplatz bauen. Direkt daneben baut ein chinesischer Staatskonzern einen Vergnügungspark.

Familientypen und Kultur: Der französische Soziologe Emmanuel Todd teilt die Familien in Europa in Familientypen ein und zieht daraus wichtige kulturelle Rückschlüsse (E. Todd: Traurige Modern. Eine Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis zum homo americanus, München 2018). 1. Stammfamilie: Der älteste Sohn wird traditionell als Stammhalter bevorzugt (Deutschland, Österreich, Schweiz, Tschechien, Irland, Schweden, Norwegen). 2. Kernfamilie; beliebige oder gleiche Erbverteilung, eher liberal oder egalitär ausgerichtet (Frankreich, Spanien, Großbritannien, Polen, Nord- und Süditalien). 3. Kommunitäre Familie: Brüder sind gleichrangig, Männer stehen über den Frauen. Söhne bleiben dem Vater verbunden (Russland, Weissrussland, Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Serbien, Mittelitalien).

Clan-Struktur und Unternehmen: Clan-Strukturen sind aus vielen Ländern in der Geschichte bekannt. Als Beispiel seien die Clans im schottischen Hochland genannt. Die Mac Donalds, Mac Leans, Champells, Sutherland, Mac Kensey u. a. haben Jahrhunderte dort geherrscht. Sie zeichnen sich durch streng hierarchische Familienstrukturen aus. Durch die Auswanderungswelle aus Schottland (vor allem in Folge der Clearings) sind die Strukturen nach Kanada, USA, Australien und Neuseeland gelangt. Sie prägen noch heute Unternehmensstrukturen, die aus den Clans entstanden sind (Mc Donald`s, McKinsey, Wiskybrennereien u. a.). Die Clans treffen sich häufig auch heute noch. In den USA spricht man sogar von Clan-Demokratie. Wenn es um höchste politische Ämter geht, tauchen immer dieselben Namen auf. Angehörige politischer Dynastien müssen sich kein Profil mehr erarbeiten. Als einer der bekanntesten Clans im deutschsprachigen Raum gelten die Familien Porsche und Piech, die die Macht bei VW halten und ausbauen. In Italien ist die Agnelli-Dynastie bekannt, die als Familie 46% von Fiat beherrscht. Im Juli 2018 wird in Berlin ein Schlag gegen einen arabischen Clan durchgeführt. Es werden 77 Immobilien beschlagnahmt. Diese wurden durch spektakuläre Straftaten finanziert. Die Innenminister der Länder gehen 2019 insgesamt stärker gegen Clankriminalität vor. Man prüft auch einen Verlust der deutschen Staatsbürgerschaft (doppelte Staatsbürgerschaft). Die Mitglieder der Clans lebten vorher vorwiegend im Libanon und in der Türkei. Sie sind überwiegend arabischer oder kurdischer Herkunft.

In arabischen Ländern hat die Sippe eine große Bedeutung. Ursprünglich wurde sie durch die Wüste geprägt. Das Sippensystem war eine geniale Einrichtung, die Leben in der Wüste ermöglichte. Heute ist sie eine der Hauptursachen für die Rückständigkeit der Araber im kulturellen Bereich. Weder die Institutionen der Länder noch die Gesetze des Staates haben in diesen Ländern das Sagen. Die Sippe bildet das System der Herrschaft. Sie bietet ihren Mitgliedern Geborgenheit und Solidarität und verlangt absolute Loyalität gegenüber den Herrschenden. Die Sippen Saud (Saudi-Arabien), Assad (Syrien) und Haschem (Jordanien sind jeweils die mächtigsten in ihrem Land. Heute verhindern diese Sippen nicht nur Reformen in ihren Ländern, sondern auch Reformen der arabischen Sprache. Sie kommt vom Aramäischen und wurde früher (etwa in den ersten 200 Jahren nach dem Tode des Propheten) ständig reformiert. Teilweise werden die Strukturen auch auf andere Länder übertragen. Im Ruhrgebiet z. B. reklamieren libanesische Familienclans ganze Straßenzüge für sich. In Berlin kämpfen besonders arabische Großfamilien um die Macht im kriminellen Milieu. Arabische Groß-Clans gibt es auch in anderen deutschen Städten: in Duisburg, Stuttgart, Bremen, Bremerhaven, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Essen und Pforzheim. Sie waschen pro Jahr etwa 100 Mrd. Euro. Sie haben 30 bis 50 eigene Friedensrichter. 2019 findet eine Konferenz dazu in Essen statt. Brennpunkte sind immer noch Berlin, Bremen und Essen. Die Polizei in NRW greift zunehmend durch. Die Mitglieder sind wenig integriert, ihre Heimat ist der Clan. Insgesamt schlägt der Staat ab 2018 zunehmend zurück.

Cliquenwirtschaft: "Cliquenwirtschaft ist eine soziale Technik, die dabei hilft, über Freundschaften und Bekanntschaften wirtschaftliches Kapital zu generieren", Gisela Schmalz, Cliquenwirtschaft. Die Macht der Netzwerke: Goldman Sachs, Kirche, Google, Mafia & Co. Gewinn entsteht quasi durch Geselligkeit. Die zwei Faktoren Cliquenkitt und Cliquentechnik führen zum Erfolg der Netzwerke. 

Netzwerke (Vitamin B, Beziehungen, Guanxi, Fakelaki): In jeder Kultur spielen informelle Netzwerke im Geschäftsleben eine große Rolle. In Kulturen mit einem hohen Anteil an indirekter Kommunikation nehmen diese Netzwerke einen großen Raum ein. Sie zeigen sich vor allem in der Ess- und Trinkkultur. Geht nichts mehr ohne Einsatz dieser Mittel, spricht man von Korruption. Die NGO Transparency International stellt jährlich einen Korruptionsindex auf. In der EU nimmt Griechenland einen unrühmlichen Spitzenplatz ein. Ob Fahrprüfung oder Baugenehmigung, ohne Bestechungsgeld läuft fast gar nichts. Netzwerksbeziehungen gibt es auch im Unternehmensbereich. Der Begriff "Keiretsu" steht für Netzwerke japanischer Unternehmen (unterschiedliche Branchen).  "Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat", Otto Bettermann, Menden, Unternehmer, "Hidden Champion".

GLOBE-Studie und Kulturdimensionen von Hofstede: Die Globe-Studie ist in diesem Umfang die neueste Kulturstudie über fast alle wichtigen Kulturen. Über 170 Forscher aus 62 Kulturen leisteten einen Beitrag.  Im Mittelpunkt steht der Einfluss der Kultur auf Führungsverhalten. Einzelne Länder werden zu Kulturclustern zusammengefasst. Hofstede ist durch die Ableitung seiner Kulturdimensionen (Machtdistanz, Kollektivismus/ Individualismus, Feminität vs. Maskulinität, Unsicherheitsvermeidung) berühmt geworden. Die Daten stammen aus den Jahren 1967 bis 1973 und sind veraltet und speziell, weil nur IBM-Mitarbeiter untersucht wurden. Daneben liegen zahlreiche weitere Kulturstudien vor (Trompenaar, Hall, Pinto u. a.). In der Veranstaltung "Interkulturelle Kommunikation" gehe ich auf alle diese Studien ein. "Toleranz heißt: die Fehler der anderen entschuldigen. Takt heißt: sie nicht zu bemerken." Arthur Schnitzler, österreichischer Schriftsteller. Hofstede wird 1928 in Haarlem/ NL geboren. Er hat einen Mastertitel in Maschinenbau der TH Delft/ NL. Bei IBM baute er eine Personalforschungsabteilung auf und promovierte gleichzeitig. Sein berühmtestes Buch ist Culture`s Consequences, 1980. "Individualismus bedeutet heute, dass man alles tut, was alle anderen tun, bloß einzeln", Rock Hudson, US-amerikanischer Schauspieler.

Trompenaars Kulturdimensionen: Alfons Trompenaars entwickelte zusammen mit Charles Hampden-Turner ein eigenes Schema von Kulturdimensionen (Trompenaars/ Hampdan-Turner: Riding the waves of culture, New york 1998): Universalismus und Partikularismus, Individualismus und Kommunitarismus, Neutralität und Emotionalität, Spezifität und Diffusität, Leistung und Herkunft, Serialität und Parallelität, Interne Kontrolle und externe Kontrolle.

Kulturdimensionen von Inglehart: Er  konstruiert neun Kulturzonen. Sie orientieren sich an religiösen, sprachlichen und philosophischen Kategorien. Im Zentrum stehen die Rolle des Individuums und die Rolle der Religion. So kommt er zu den Zonen baltisch, orthodox, katholisches Europa, protestantisches Europa, afrikanisch-islamisch, lateinamerikanisch, englischsprachig, Südasien, konfuzianisch.

Vom Gottesbild zum Menschenbild (Individualismus versus Kollektivismus): Im antiken Ägypten (aber auch in Babylon oder bei den Kelten) bei den Pharaonen lautete die Selbstdefinition Gottes: "Ich bin, was da ist" (Inschrift auf einer Stehle). Gott definiert sich als das Seiende, die Natur. Der Gott Israels, der alle anderen monotheistischen Richtungen geprägt hat, wird im alten Testament wie folgt beschrieben: "Ich bin, der ich bin. Gott hat Dich bei Deinem Namen gerufen". Beim ersten Gottesbild geht es um die Ein- und Unterordnung des Menschen gegenüber der Natur. Beim zweiten Gottesbild geht es nur um die Akzeptanz der Natur in Anbetracht des Schicksals des Einzelnen. Das ist  die Grundlage des humanen Denkens. Der einzelne wird bei seinem Namen gerufen. Nicht das Kollektiv, nicht die große Zahl, sondern Gott widmet sich jedem einzelnen. Darin ist die Würde des Menschen begründet. Das ist im Kern auch die Ursache unterschiedlicher Vorstellungen über Menschenrechte im Westen und in China. China ist im Menschenbild antiker Natur-Religionen stehen geblieben.

Kaizen: Ständige Verbesserung und Änderung wurde von Massaki Imai entwickelt, ursprünglich in der Fertigungstechnik. Es beinhaltet ein konsequentes Innovationsmanagement, das in permanenter Produktverbesserung und Verbesserung aller betrieblichen Prozesse besteht (die Japaner besitzen eine besondere Fähigkeit darin, Fehler zu erkennen und zu korrigieren). Es ist eine Art Führungsphilosophie, die insbesondere Verschwendung verhindern und Lernprozesse fördern soll. Die Prozessorientiertheit ist ein besonderes Merkmal der japanischen Produktion. Verbunden damit ist das Ringi Seido - Prinzip, wonach lediglich der Anstoß von oben kommt und ein Umlaufverfahren entsteht (der große Vorteil liegt in der Durchsetzbarkeit). Nemawashi: der japanische Ausdruck für das allgegenwärtige Streben nach Konsens und Harmonie, das auch damit verbunden ist,  gilt als einer der Hauptgründe für den wirtschaftlichen Aufstieg nach dem 2. Weltkrieg. Die Grundeinstellung zu Innovationen und ihre Umsetzung ist sehr stark kulturell beeinflusst. Dazu habe ich eine Reihe von Vorträgen gehalten. Die Kulturstandards "Gesicht wahren", "Etikette", "Geduld" (geduldiges Warten) und "indirekte Gespräche" werden auch im Geschäftsleben gewahrt.

Shaolin-Strategie: Acht Leitsätze beinhaltet die Shaolin -Philosophie: 1. Ich lerne jeden Tag mehr über mich selbst. 2. Ich kontrolliere meine Gedanken. 3. Ich achte auf meine Gefühle und lerne, sie anzunehmen, aber auch loszulassen. 4. Ich bin gefestigt und übernehme Verantwortung für mich und für andere. 5. Ich wertschätze meinen Körper und achte auf mich. 6. Ich acht und wertschätze andere Menschen. 7. Ich richte meinen Blick mit Gelassenheit auf das Wesentliche. 8. Ich lebe im Hier und Jetzt und nehme an, was geschieht. Diese Leitsätze haben mittlerweile auch Eingang gefunden ins Coaching und ins Energie- und Bewusstseinstraining. Vgl. Späth, T./ Bao, S. Y.: Shaolin, München 2011.

Symbole: Durch das Internet und die Bilder orientierte Kommunikation allgemein werden Symbole immer wichtiger. Sie sind die allgegenwärtige Sprache unserer Zeit. Die große Gefahr ist, dass komplizierte Sachverhalte zu stark auf Bild und Slogan reduziert werden. Interessant ist die Frage, welche Symbole für welches Land und welche Kultur stehen. Tiere oder nahe Produkte haben dabei eine Schlüsselrolle. So die Kuckucksuhr für Deutschland. Ursprünglich wurde sie nur im Schwarzwald hergestellt. Mittlerweile gibt es auch verfremdete Kuckucksuhren (Stefan Strumbel aus Offenburg). Der französische Künstler Clet Abraham gestaltet seit mehreren Jahren Verkehrschilder in Großstädten um. Er spielt mit den Symbolen, die Verhaltensvorschriften symbolisieren. In Japan und der Türkei drohte der Knast dafür (sagt auch viel über Kultur aus). Immer wieder zum Streit kommt es um religiöse Symbole. Zur Zeit geht es dabei immer wieder um das Kopftuch bei Frauen muslimischen Glaubens. Der EuGH entscheidet im März 2017,  dass unter bestimmten Bedingungen Frauen das Tragen eines Kopftuchs am Arbeitsplatz untersagt werden kann.

Unternehmenskulturen (grundsätzliche kulturelle Unterschiede durch das Heimatland beeinflusst): Generalisierungen sind vorsichtig zu betrachten. Trotzdem deuten sich Unterschiede an: Amerikanische Unternehmen geben dem Controlling einen relativ starken Einfluss. Deutsche Unternehmen sind stärker von Ingenieuren geprägt (perfektionistisch). Japanische Unternehmen sind eher  stark an Produktionsprozessen interessiert (visionsfrei). Italienische und französische Firmen legen großen Wert auf Design der Produkte und sind eher verspielt (unverbindlich, Avantgarde). Von der Unternehmenskultur sind viele andere Faktoren abhängig. Ein gutes Beispiel ist VW 2015: Die Unternehmenskultur, die zu sehr auf Hierarchie und Rentabilität getrimmt war, ermöglichte die Manipulation bei den Abgaswerten von Dieselfahrzeugen.

Führungskulturen im internationalen Vergleich: Der Umgang mit Entscheidungsprozessen lässt sich in einer Matrix darstellen. Auf der senkrechten Achse wird "Top-Down" und "Konsensorientiert" verortet. Die waagerechte Achse bildet die Einstellung zum Thema Autorität ab (Egalitär - Hierarchisch). So können vier Führungskulturen in den vier Feldern gebildet werden: Konsensorientiert und egalitär sind Dänemark, Niederland, Norwegen und Schweden. Konsensorientiert und hierarchisch sind Belgien, Deutschland und Japan. Top-down und hierarchisch sind Brasilien, China, Frankreich, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien. Vgl. Erin Meber: Souverän führen, in Stuttgart, Seattle und Shanghai, in: Harvard Business Manager, Oktober 2017, S. 38ff.

Risiko: Je moderner Gesellschaften sind, desto mehr Risiken werden produziert. Wachstum, internationaler Handel, Mobilität und Vernetzung schaffen Vorteile und bergen große Risiken. Das Bewusstsein zum Risiko und die Bereitschaft zur Übernahme von Risiko ist kulturell sehr unterschiedlich. Es gibt zusätzlich eine hohe Korrelation mit der Unsicherheitsabsorption, die ebenso stark von der Kultur beeinflusst wird. Als unabhängige Variable beeinflusst die Risikobereitschaft stark die Gründungstätigkeit und die Bereitschaft zur Selbstständigkeit.

Geschäftssinn/ Basarmentalität/ Gründermotivation: Der Geschäftssinn ist stark kulturabhängig. Das gilt zum Einen für das Verhandeln beim Kauf. In China oder im Orient sind Preisverhandlungen beim Kauf obligatorisch. Wenn man dafür keine Zeit hat oder sie nicht will, verliert man Achtung und "Gesicht". Man könnte also sagen, das Geschäfte machen bei einigen Kulturen im Blut liegt. Zum anderen bezieht es sich auf eine stärkere Gründertätigkeit und Selbständigkeit im Wirtschaftsleben.

Radikalisierung, Extremismus und Fanatismus: In der Regel mit Religionen verbunden. In jüngster Zeit am ehesten mit dem Islam (Islamismus). Der Islamismus ist die einflussreichste geistige Strömung unserer Zeit. Wichtige Merkmale sind: Geschlossenes Weltbild, Verlockende Identität, Unwertes Leben (wertes Ableben), charismatische Anwerber, warmes Nest.  Saudi-Arabien finanziert die Wahhabistische Ausrichtung in vielen Moscheen der Welt. Der Wahhabismus geht auf eine Veränderung der Lehre der Hanbaliten zurück. Sie wurde im 18. Jhrdt. n. Chr. von al -Wahhab gegründet und dann Staatsdoktrin in Saudi-Arabien. "Weisheit ist begreifen, dass man nicht weiß, ob etwas schwarz oder weiß ist", Umberto Eco (Der Name der Rose, gestorben 2016).

Ritual: Sie schaffen Vertrauen und verleihen Sinn. Jede Kultur braucht Rituale. Sie sind sozialer Kitt, der Gesellschaften zusammenhält. Eingesetzt werden Rituale auch in der Medizin. Wissenschaftlich anerkannt ist der Placebo-Effekt. Archäologen fanden Spuren uralter Rituale, die es schon in den ersten Zivilisationen gab.  Dazu gehören z. B. die Göbekli Tepe, das Stonehenge der Türkei. Der Tempel-Ort ist bis zu 12.000 Jahre alt. Rituale sind etwa Hochzeit, Beerdigung, Weihnachten und viele andere.

Traditionen, Bräuche, Feste, Handwerkstechniken:  Sie werden als Immaterielles Kulturerbe bezeichnet. Es wird auch von der UNESCO geschützt. Sie sind identitätsstiftend und gemeinschaftsfördernd und stellen eine Art Kitt der Gesellschaft dar. 2016 soll vielleicht das Genossenschaftswesen als erste deutsche Kulturform aufgenommen werden. Bisher anerkannt sind der Tango in Argentinien, die traditionelle chinesische Medizin (TCM) und die italienische Geigenbaukunst.

Heiratsmarkt: A. Roth hat eindruckvoll analysiert, wie Märkte funktionieren, wo nicht rein ökonomisch der Preis entscheidet. Am interessantesten ist der Wandel des Marktes in China: von Tradition  und Familie als Entscheider weg zu der Macht der Frau, weil sie knapp geworden ist und die Männer aussuchen kann (Wohnung, Beruf, Auto). Traditionell spricht man in Asien von "Sterben nach der Hochzeit" (ganzes Geld für Familie und Kinder). Heute gibt es weltweit interessante neue Arrangements: Liquid Love, Techno-erotische Transformation, Neo-Courtship, Friending, Ehe Liht, Sologamie, Gameship. Das wird auch die Familie als Kern der Gesellschaft verändern.

Essen als wichtigstes Ritual in den Kulturen: Das Essen wird in vielen Kulturen den geschäftlichen Verhandlungen vorgeschaltet oder beides wird verbunden. Es gilt die Befolgung klarer Regeln. In China legt man großen Wert auf frisch zubereitete Mahlzeiten. Oft kann man sein Essen lebend aussuchen. Die gewählten Speisen werden den Gästen gemeinsam serviert. Es gilt als unhöflich, alles aufzuessen. Das ist aber sowieso nahezu unmöglich. Man sollte das Glas nie höher halten als das des Gastgebers. Der Gastgeber reicht dem Gast die besten Stücke. In manchen Gegenden muss der Gast mit jedem Teilnehmer am Tisch anstoßen (kann zu einem Problem bei Alkohol werden). Ebenso wichtig wie das Essen ist die Sitzordnung beim Essen. Hier müssen die Regeln des "Feng Shui" in China eingehalten werden. Eng mit dem Essen verbunden ist die Gastfreundschaft. Die chinesische Küche ist eine der besten der Welt. "die währe chinesische Küche kann euphorisieren, wären, trösten, in China habe ich die Bedeutung des Begriffes "soulfood" zum ersten Mal wirklich verstanden", A. Köckritz: Wolkenläufer, München 2015, S. 51. Am 20.01.2018 stirbt der wohl berühmteste Koch der Welt: Paul Bocuse in seinem Geburtshaus nahe bei Lyon. Er hatte auch viele deutsche Spitzenköche ausgebildet.

Brot: Brot ist ein Symbol der Kultur. In der christlichen und jüdischen Kultur ist es ein Symbol für Geburt, Wiedergeburt und Transformation. So war es auch schon im alten Ägypten vor Christi Geburt. Deshalb wird es auch beim Abendmahl gereicht. Es ist allgemein in unserer Kultur ein Grundnahrungsmittel. Es steht auch für das Sesshaftwerden der Menschen. Mit der Sesshaftigkeit in Mesopotamien kam der Getreideanbau und dann die Transformation zum Brot. Nicht genug Brot zu haben bedeutete Armut. So gründete F. W. Raiffeisen den Brotverein, um Bauern bei Missernten zu helfen. In Ulm steht das deutsche Brotmuseum.

Sitzordnung: Sie zeigt Macht, Ansehen und Strategie. Berühmt sind die Regeln des Feng Shui: Höchstrangige Person möglichst weit von der Tür weg. Daneben der höchste Gast. Einige andere Grundregeln sind: Rechts vom Chef sitzt seine rechte Hand (manchmal auch ein Schleimer). Links vom Chef sitzt ein loyaler Verbündeter - aber mit eigener Meinung. Der Ranghöchste sitzt am Kopfende. Manchmal auch in der Mitte. Die meisten Menschen zieht es instinktiv in Richtung Ecke. Räumliche Nähe kann zu Sympathie und Vertrauen führen (Experimente).

Kleidung: Kleidung ist ein wichtiges kulturelles Symbol. In der beruflichen Kleidung gibt es starke Konventionen. Z. B. müssen die männlichen Führungskräfte in Japan in Anzug und Krawatte erscheinen. In China war die Farbe "Gelb" lange nur dem Kaiser vorbehalten. Die Kleidung am Hof von Versailles war viele Jahre für ganz Europa prägend. In der Kleiderordnung gibt es einen großen Wandel. Das sieht man bei uns an der Sonntagskleidung. Früher gab es einen Sonntagsrock. "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren", Karl Lagerfeld, Modeschöpfer.

Werte: Sie stehen repräsentativ für die Kultur eines Landes. Umstritten ist der Begriff Leitkultur. Aber in Anbetracht der gestiegenen Migration werden kulturelle  Leitfaden für alle in einem Land lebenden Menschen entwickelt. Ende 2016 stimmen die Dänen darüber ab, welche Werte ihnen wichtig sind. An erster Stelle steht ein funktionierender Wohlfahrtsstaat. Dann folgen Freiheit, Vertrauen, Gleichberechtigung, die dänische Sprache, das Vereinsleben, das ehrenamtliche Engagement, die Meinungsfreiheit und die Gemütlichkeit (Hygge) sowie das christliche Kulturerbe.

Benimmregeln und Tabus (Hot Spots): Die wichtigsten Benimmregeln sollte man beachten, um in einer anderen Kultur nicht sofort mit Schwierigkeiten zu starten. In Südafrika gilt der ausgestreckte Finger als Angriffssignal. In arabischen Staaten ist legere Kleidung ein Zeichen von Armut. In Japan betritt man fremde Räume grundsätzlich ohne Straßenschuhe. In China ist Lächeln und nicken besser als Händeschütteln. In Thailand gilt das Zerknüllen von Geldscheinen als Majestätsbeleidigung. Auf den Philippinen ist Pünktlichkeit unhöflich. Ausländer sollten Russland nicht die Regierung kritisieren. In den USA sollte man keine Scherze über den Einreisebogen machen. Das können nur einige wenige Hinweise sein.

Schimpfen, Schelten, Pöbeln, Fluchen: Wer flucht, baut Stress ab und stellt eine Gemeinschaft mit Kollegen her. Das ist eine wichtige psychologische Funktion. Der britische Verhaltenspsychologe Richard Stevens hat Experimente dazu durchgeführt. In jeder Kultur hat es in jeder Epoche Rituale dazu gegeben: Im alten Athen der Mysterienkult, Starkbieranstich auf dem Nockherberg oder Karneval. Die Art wird auch stark kulturell beeinflusst: im Norden Europas eher aufrichtig (Aufrichtigkeitsgefälle), im Süden eher mit Theatralik und Gesten verbunden. In der Gegenwart ist eine zunehmende Verrohung und eine scheinbare Entgrenzung zu beobachten. Das kommt durch das Internet: Im Netz fehlt die direkte Rückkopplung. Jeder kann machen, was er will und wann er will. Die Kunst des Nichtbeachtens sollte wieder in der Gesellschaft erlernt werden.

Freundlichkeit: Sie macht gesund und glücklich. Studien zufolge sind die Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit beträchtlich. Der Dalai Lama, geistiges und weltliches Oberhaupt der Tibeter, bezeichnet Freundlichkeit als seine Philosophie. Es gibt auch einen World Kindness Day. eingeführt wurde er 1998 von der World Kindness Movement, die ihren Ursprung in Japan hat (die ältere Generation beklagte sich über einen Verfall der traditionellen Freundlichkeit). Der Tag hat sich in Singapur, Australien, Nigeria und Kanada etabliert. Freundlichkeit kann sich offenbaren in mildem Lächeln, freundlichem Winken oder anderen Gesten.

Soft Power: Weiche kulturelle Faktoren, wie z. B. die Popkultur, helfen, nationale Interessen durchzusetzen. Überragende Führungsfiguren erzählen gute Geschichten (gute Absichten reichen nicht aus). Die Hypothese geht auf Joseph Nye, einen amerikanischen Politologen, zurück.

Vorurteile und Stereotype: Beide sind die größten Hindernisse für interkulturelle Kommunikation. Vorurteile sind eher verhaltensrelevant. Stereotype sind im Einstellungsbereich. Sie haben auch eine entlastende Funktion. Menschen neigen dazu, das, was sie bestätigt, für wichtiger zu nehmen als das, was sie widerlegt. Auch wenn bekannte konkrete Ausländer für nett gehalten werden, können Flüchtlinge insgesamt bedrohlich wirken. Der US-Sozialpsychologe Anthony Greenwald deckt Vorurteile mit einfachen Mittel auf: Er hat den "Implicit Association Test (IAT)" entwickelt. Denken in Schubladen liegt in der Natur des Menschen. Es ließ sie überleben. Die Menschen waren die meiste Zeit auf ihr Umfeld beschränkt, die Familie, den Clan, die Nachbarn, später das Dorf. Alles von außerhalb konnte Gefahr bringen. Also war man automatisch zu dem hingezogen, was einem vertraut erscheint. "Ordnung ist das halbe Leben", deutsches Sprichwort.  Im Oktober 2016 bezeichnet EU-Kommissar Oettinger, noch zuständig für Digitales, in einer Rede in Hamburg die Chinesen und Koreaner als "Schlitzaugen". Es gibt einen scharfen Protest vom chinesischen Außenministerium ("Geste des Überlegenheitsgefühls"). Aus Reihen der EU kommen Rücktrittsforderungen. Oettinger muss sich entschuldigen. Ein deutscher Top-Manager bei Daimler bezeichnet bei einem Streit auf einem Parkplatz in China Chinesen als "Bastarde" und greift zu Pfefferspray. Er löst Empörung in den sozialen Netzwerken aus. Er verliert seinen Job. Im Februar 2018 bedient ein Fernsehsketch in China Vorurteile über Afrika: In der vierstündigen Frühlings-Gala, die 800 Mio. Chinesen verfolgen, geht es um Chinas Engagement in Afrika. Es treten Afrikaner auf und eine angemalte Chinesin. Es wird eine Romanze vorgetäuscht, um einer arrangierten Ehe zu entkommen. Als der Bluff auffliegt zeigt sich dei afrikanische Mutter erstaunlich verständnisvoll: Sie könne doch keinem Chinesen böse sein. die Chinesen hätten doch ihr Land aufgebaut und ihrer Tochter einen festen Job verschafft. dies ist eine von vielen rassistischen Entgleisungen in China.

Allports Kontakt-Hypothese: Der Kontakt zwischen Mitgliedern verschiedener sozialer Gruppen - ob religiös, ethisch oder nach Stamm - hilft beim Abbau von Vorurteilen und fördert Intergruppenfreundschaften. Das fand Gordon Allport heraus (1897 - 1967).

Bedrohung durch Stereotype: Wenn wir befürchten, dass andere eine schlechte Leistung von uns als Bestätigung ihrer Vorurteile verwenden, kann uns dies verunsichern und die schlechte Leistung wahrscheinlicher machen. Vgl. Jarett, Psychologie, Librero 2019, S. 82.

Das Unbewusste: Es steuert den größten Teil unseres Verhaltens. Heute spricht man sogar von einer Ära des "Neuen Unbewussten". Unbewusste Prozesse können uns auch klug und effizient lenken. Es kann eine Art Autopilot sein. Auch in den Vorurteilen spielt das Unbewusste eine große Rolle. Die Angst vor dem Fremden ist in jedem Menschen.

Mimik und Gestik: Mimik bezieht sich auf den Gesichtsausdruck (feste und veränderbare Merkmale). Gestik hat insbesondere mit den Händen zu tun. Beide sind auch Bestandteil jeder Kommunikation. Amerikanische Forscher haben in unterschiedlichen Kulturkreisen einen Gesichtsausdruck entdeckt, den alle Menschen machen, wenn sie mit etwas nicht einverstanden sind (zusammengezogene Augenbrauen, aufeinander gepresste Lippen, hochgezogenes Kinn). Weiterhin sind er Kommunikation (face to face) noch die Stimme und die Beziehung zum Raum wichtig.

Körpersprache: Jeder Mensch sendet zu jedem Zeitpunkt Signale aus. Unlesbar bleibt man, wenn man die Stirn nicht in Falten legt, die Lippen ruhig aufeinander legen, der Nacken entspannt ist, die Hände entspannt sind, die Atmung reguliert wird.

Weinen: Weinen ist ein wichtiges Ausdrucks- und Kommunikationsmittel in verschiedenen Kulturen. Es stellt eine spezifische Form von Mimik und Gestik dar. Man glaubt, dass sich das Weinen evolutionär entwickelt hat, weil Menschen besonders lange auf die Fürsorge der Eltern angewiesen sind. Aber auch Tiere kennen diese Form der Anteilnahme. In Kulturen, in den Menschen einen individualisierten Lebensstil (reiche, demokratische Länder) pflegen, wird mehr geweint. Frauen weinen mehr als Männer. Menschen aus nördlichen Kulturen weinen mehr als Menschen aus südlichen Kulturen. Weinen kann sozialer Klebstoff der Gesellschaft sein (auch Waffe). Menschen weinen aus Trauer oder Glück.

Interkulturelle Kompetenz: Wichtigste Fähigkeit, um international zwischen verschiedenen Kulturen kommunizieren zu können. Die Sozialpsychologie als Teilgebiet der Psychologie  liefert die theoretischen Grundlagen (Verhalten in sozialen Prozessen, Strukturen und Systemen, Kommunikation, Kommunikationsprozess, Kultur, Kulturschock). Kulturstudien und kulturelle Vergleiche liefern empirische Daten. Interkulturelle Kommunikation muss auf das interkulturelle Marketing und die Unternehmenskulturen (Personalwirtschaft) übertragen werden.

Empathie: Sich in andere Menschen hineinversetzen können, also Gefühle und Gedanken in anderen Menschen vermuten. Eine der zentralen Fähigkeiten der interkulturellen Kompetenz. Etwa mit 4 Jahren entwickelt sich diese Fähigkeit. Sie hängt an einer Faser (Fasciculus Arcuatus), die sich zwischen 3 und 4 Jahren entwickelt und zwei Hirnregionen miteinander verknüpft (Quelle Max Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften). 

Toleranz: Als berühmteste Parabel gilt von Lessing "Nathan der Weise". Toleranz ist unerlässlich im Umgang der Kulturen. Auch zwischen den Religionen sollte Toleranz herrschen. Das ist schwierig bei Religionen mit Wahrheitsanspruch wie der Islam oder der Katholizismus. Herbert Marcuse prägte in der 68-Generation den Begriff "repressive Toleranz" (Essay von 1965). Für die Repression verantwortlich sollte der Staat, die herrschende Meinung, das Establishment sein.

Interkulturelle Missverständnisse: Sie können mit der Theorie der kognitiven Dissonanz erklärt werden. Die können auch auf die Sprache zurückgehen (falsche Übersetzungen). Ein amerikanischer T-Shirt-Hersteller bedruckte T-Shirts für den spanischen Markt, die für den Papstbesuch warben. Anstelle von "Ich sah den Papst (el papa) stand drauf "Ich sah die Kartoffel " (la papa).

Interkulturelle Kommunikation: Die Kommunikation zwischen Ländern in Asien und Ländern in Europa ist insbesondere durch einen Faktor getrennt: In Asien spricht man von impliziter Kommunikation. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass die Sprache selbst nur einen Teil des Inhalts rüberbringt. Der Rest ist in Bildern oder Symbolen enthalten oder muss vom Kommunikationspartner hinein interpretiert werden. Dabei gibt es noch Unterschiede zwischen den asiatischen Ländern (vielleicht am stärksten in Japan). Die Länder Europas pflegen eine explizite Kommunikation. Hauptkennzeichen ist, dass man direkt zum Punkt und Thema kommt. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen Ländern in Europa (vielleicht am ausgeprägtesten in Deutschland). "Wenn das unbedachte Wort erst einmal heraus ist, können es selbst vier Pferde nicht wieder holen", Spruch aus Japan. Als Beispiel sei auf die Äußerungen des Eurogruppen-Chefs Jeroen Dijsselbloem über die Südeuropäer 2017 verwiesen ("Das ganze Geld für Schnaps und Frauen").

Kulturelle Enthemmung: Populismus, Krise der Demokratie, alternative Fakten sind in vielen Ländern auf dem Vormarsch. Das hängt auch damit zusammen, dass den Menschen feste Glaubenssysteme (Religionen) fehlen. So flüchten sie sich einerseits in hemmungslosen Konsumkapitalismus oder weichen aus in klare und starre Vorgaben wie sie der Islam bietet. Westliche Werte wie Wertschätzung des Individuums, Meinungsfreiheit, Diskussionsfreude, Neugier geraten unter Druck. Märkte  sind mittlerweile den nationalen Ordnungen entwichen und in den staatsfreien globalen Bereich abgedriftet. Dem können viele Menschen, vor allem soziale Verlierer, nicht mehr folgen. Eine Gesellschaft kann aber nicht allein auf Vertragsbeziehungen beruhen und muss Traditionen und Werte ehren und bewahren (Durkheim).

Kulturelativismus: Der Begriff wurde geprägt von Margaret Mead (1901 - 1978). Sie war die bekannteste Kulturanthropologin des 20. Jhd. Sie hat viele Bücher geschrieben. In "Coming of Age in Samoa" zeigte sie, wie die individuelle psychologische Entwicklung von den Anforderungen des lokalen, kulturellen Kontexts definiert wird.

Multikulturalität und Vernetzungskompetenz: Sie sind nicht angeboren. Man muss diese Kompetenzen erwerben. Dazu muss man mit Menschen anderer Kulturen in Kontakt kommen. Nur so kann man den Vorteil von Globalisierung sehen. Menschen mögen Unsicherheit eher nicht. Deshalb neigen sie oft zu Vereinfachungen, die einfache Lösungen bieten (wie etwa Feindbilder).

Konflikte interkulturell managen: Konfliktverhalten ist sehr unterschiedlich in verschiedenen Kulturen. Am besten sieht man dies an Konfliktsignalen. Frühzeitig sollte nach Lösungen gesucht werden. Bewährt hat sich dabei interkulturelle Meditation.

Globale Teams: Ist heute für viele Führungskräfte Alltag. Sie sollen besonders gut für die Herausbildung interkultureller Kompetenz geeignet sein. Damit der Wissenstransfer gelingt, müssen Führungskräfte vor allem der Isolation von Teammitgliedern vorbeugen.

Kulturelle Unterschiede ausgleichen und nutzen: Diversity (Diversität): In der Personalwirtschaft ein Konzept, das die Verschiedenheit der Belegschaft als effizientes Instrument betrachtet. Es geht dabei um eine Betrachtung der Verschiedenheit von Frauen und Männern (Gender, auch Sexualität), älteren und jüngeren Mitarbeitern, Ausländern/ Migranten und Deutschen (Interkulturalität), Mitglieder verschiedener Religionen, Behinderten und Nicht-Behinderten (Handicap), um die Gruppen optimal zum Nutzen der Organisation und der Gruppen selbst einzusetzen. Grundhypothese ist, das die Verschiedenheit der Mitarbeiter den Erfolg der Organisation verbessert. Wichtigste Randbedingung ist der optimale Personaleinsatz gemäß den Merkmalen. Dazu gehören auch flexiblere Laufbahn- und Arbeitszeitmodelle und ein besseres Gesundheitsmanagement. Diversität wird auch als wichtigste Reaktion auf die Bevölkerungsentwicklung gesehen. Ungeklärt ist der genaue Zusammenhang zwischen Erfolgsmerkmalen und Personenmerkmalen (z. B. müssen sich Frauen in Organisationen männlich verhalten, um Erfolg zu haben?). Fälschlicherweise erfolgt oft eine Beschränkung des Themas auf das Geschlechterrollenproblem. Das ist ist weiterhin hoch sensibel. 2014 gibt es eine Diskussion über die Einbeziehung der Sexualität in den Stuttgarter Bildungsplan. Es gibt auch eine Rangliste der Diversität in DAX-Aufsichtsräten. Seit drei Jahren (2014 bis 2016 liegt Siemens an der Spitze). "Kulturelle Vielfalt: Wir bekennen uns zu unserer regionalen und kulturellen Herkunft und betrachten zugleich Vielfalt als Zugewinn und als Voraussetzung für unseren weltweiten Erfolg", Homepage der Robert Bosch Gruppe. "Es kann ja heute keiner mehr öffentlich sagen, dass er gegen Diversity ist", Barbara Stolke, Diversity-Managerin, Thyssen-Krupp, 2015. Die Inklusion behinderter Menschen im Beschäftigungssystem erreicht Ende 2015 einen Höchststand in Deutschland: Aber immer noch ist die ALQ mit 13,9% höher.

Vertrauen: Vertrauen ist eine zentrale Ressource für junge Unternehmen und ältere Unternehmen, die Kooperationen planen. Risiko, Unsicherheit und Informationsasymmetrie spielen dabei eine große Rolle. Vertrauen in die Investoren und Vertrauen in die Kooperationspartner unterliegt bestimmten Bedingungen. Vgl. Welpe, I. M.: Die Entstehung von Vertrauen im Kontext von Unsicherheit und Informationsasymmetrie, in: ZfB 2008, H. 12, S. 1251-1283. Die Bedeutung von Vertrauen als ökonomisches Handlungsmotiv im Rahmen der "animal spirits" (Adam Smith) wird zunehmend gesehen, auch um der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Vgl. auch Beise, M./ Diederichs, L. (Hg.): Hoffnung Mittelstand, München 2009, S. 47 ff. Auch in der Weltwirtschaftskrise 2008 zeigt sich die Bedeutung des Vertrauens für die Marktteilnehmer, hier insbesondere das Vertrauen im Interbankenmarkt. Gesellschaftliches Vertrauen und Systemvertrauen stellen eine übergeordnete Ebene dar, die die Interdisziplinarität aufzeigt. Auf den Finanzmärkten muss der Staat in und nach der Weltwirtschaftskrise als Vertrauensgeber einspringen. Dadurch wird das Risiko von der Wirtschaft auf die Gesellschaft überwälzt. Vertrauensverlust ist auch ein zentrales gesellschaftliches Thema unserer Zeit: aktuelle Beispiele sind Toyota, die Kirche, die Banken. Vertrauen fördert das Wirtschaftswachstum insgesamt (Reduktion von Transaktionskosten, Lösung für Probleme kollektiven Handelns wie Trittbrett fahren, Prinizipal-Agent-Problem; Paul Whiteley, Essex). Einige Unternehmen sind ganz besonders auf Vertrauen angewiesen. Dazu gehören etwa die Fluggesellschaften. Ein einziges Unglück, wie der Absturz durch Selbstmord 2015 bei der Lufthansa/ German Wings, kann das Vertrauen zerstören. Die Kategorie "Vertrauen" rückt in den ganzen Sozialwissenschaften und der Medizin immer mehr in den Mittelpunkt. So weiß man mittlerweile um das Hormon "Oxytocin, das uns vertrauen lässt. Vertrauen ist auch extrem wichtig im Sport (Bergsteigen). Ohne Vertrauen würde der Gebrauchtwagenhandel zusammenbrechen. Über die Bedeutung von Vertrauen für eine Gesellschaft hat auch die Wirtschaftsnobelpreisträgerin 2009 Elinor Ostrom gearbeitet (Wege, die sicherstellen, dass andere vertrauenswürdig sind).  

Neue Begriffe, die durch kulturellen Wandel entstehen: Blamestorming - In einer Gruppe zusammensitzen und darüber diskutieren, warum ein Projekt gescheitert ist und wer dafür verantwortlich ist (aus to blame und brainstroming). Shitstorm - Reaktion von Nutzern im Internet, die sich über bestimmte Informationen empören und massenweise das zum Ausdruck bringen.

Das Bild zeigt die Särge von Goethe und Schiller in der Fürstengruft in Weimar (der Sarg von Schiller ist leer). Sie gelten als Leitfiguren der deutschen Kultur. Im Ausland, vor allem in Asien, wird deutsche Kultur häufig mit der so genannten Goldenen Periode, der Klassik, gleichgesetzt, auch wegen der Goethe-Institute im Ausland Das ist insofern erstaunlich, als die Klassik rassistische Züge hatte, besonders gegenüber Asiaten (die Dichter  waren auch nur Kinder ihrer Zeit). Das zeigt sich vor allem in den Äußerungen von Herder (Pfarrer, ab 1776 Generalsuperintendent in Weimar). Das scheint nicht so bekannt zu sein. Es gab den klassischen Rassismus, der im späten 18. Jh. rassistische Unterschiede wissenschaftlich erklären wollte. Er wurde von den Nazis später allerdings instrumentalisiert. Herders Hauptwerk ist "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit". Er hatte auch Vorlesungen von Kant gehört. 2019 ist der 275. Geburtstag von Herder.  Herder kam aus einer pietistisch-religiösen Familie, so dass einige Experten hinter seinen rassistischen Äußerungen eher religiöse Motive vermuten.

Deutsche Kultur: Was macht die deutsche Kultur aus. Die bekanntesten Studien dazu stammen von Thomas (Psychologe) und Borchmeyer (Germanist; Dieter Borchmeyer, "Was ist deutsch", Berlin 2017). Davon zu unterscheiden ist das Bild über Deutschland im Ausland. In Bezug auf China habe ich das mal untersucht. Das Bild hat eine große Bedeutung für die Außenwirtschaft. Es ist auch immer einem Wandel unterworfen. 2017 kommt wieder die Diskussion über eine deutsche Leitkultur hoch (wahrscheinlich schon Wahlkampf). Wir Deutsche sollten aber als die großen Gewinner der Globalisierung Weltbürger sein. Der Begriff "Leitkultur" wird missbraucht, um die kulturelle Vielfalt der Welt und ihre Buntheit zu "bereinigen". Weitere Missgriffe entstanden durch die Wörter "Willkommenskultur" und "Erinnerungskultur". Sogar der ehemalige SPD-Vorsitzende und Außenminister Gabriel fordert im Dezember 2017 eine Debatte über Leitkultur in Deutschland.

Heimat: Der Begriff wird 2017 und 2018 in Deutschland wieder belebt. Die Globalisierung hat Gewissheiten verunsichert. Heimat kann Orientierung und Halt geben. Der Begriff wird auch durch den Aufstieg der AfD bei allen Parteien wieder salonfähig; der Begriff sollte auch nicht den Rechten überlassen werden. Heimat ist Vertrautes, verändert sich aber auch. Aber auch gleichwertige Lebensverhältnisse werden mittlerweile so bezeichnet. Heimat und Weltoffenheit lassen sich verbinden. Viele bevorzugen den Begriff "Zuhause". 2018 muss der Bundesinnenminister Heimat definieren, weil er die Bezeichnung auch im Ministeriumsnamen führt: "Heimat ist dort, wo sich Menschen wohl, akzeptiert und geborgen fühlen. Heimat hat nichts mit Enge zu tun, sondern gibt Orientierung und vermittelt einen festen Halt, die Herausforderung des Lebens zu bestehen und nach vorne zu blicken", BMI 2018: Die Notwenigkeit eines Heimat-Ministeriums wird wie folgt begründet: "Der tief greifende Wandel unserer Zeit bewegt viele Menschen in ihrem Lebensalltag. Deutschland hat sich durch Globalisierung, Digitalisierung und Zuwanderung in den letzten Jahren stark verändert. Wenn Gemeinschaften vielfältiger werden, sind die Fragen der Identität und der Identifikation mit unserem Land umso wichtiger", BMI 2018.

Europäische Identität: Ein hinreichende Identifikation der Bürger mit Europa ist erforderlich. Informationsbarrieren müssten beseitigt werden, die Aufmerksamkeit der Bürger müsste gewonnen werden. Konkrete Maßnahmen könnten sein: Erasmus-Programm für Senioren. Austauschprogramm für Beschäftigte. Ein öffentlich-rechtlicher EU-Fernsehsender. Eine EU-Bürgerversammlung. Transnationale Listen für Wahlen zum EU-Parlament. Vgl. Ciaglia, S./ Fuest, C./ Heinemann, F.: What a feeling?! How to promote European Identity, EconPolicy Report, Nr. 9, Oktober 2018.

Maori: Ureinwohner von Neuseeland. Rituale von Ureinwohnern finden sich heute in vielen Verhaltensweisen. Berühmt ist bei den Maori der Nasenkuss. Anfang des 19. Jahrhunderts schafft Apirana Ngata (auf der 50$-Note) als erster Maori einen Universitätsabschluss. Er nutzte seine Ausbildung, um die soziale und wirtschaftliche Lage der neuseeländischen Ureinwohner zu verbessern und ihre Kultur am Leben zu erhalten..  Was ist das Wichtigste auf der Welt? Menschen, Menschen, Menschen (Maori-Sprichwort)

Scharia (ursprünglich Pfad in der Wüste, der zur Wasserstelle führt): Islamisches Recht. Scharia ist die Gesamtheit des islamischen Gesetzes, wie es im Koran niedergelegt ist. In der islamischen Theologie die vollkommene Ordnung, die Frieden und Gerechtigkeit schafft. Politik und Religion werden als untrennbare Einheit gesehen (das ist einer der Hauptgründe für Schwierigkeiten der Integration von Moslems in westlichen Ländern). Es kommt immer wieder zu Konflikten , wenn Moslems dem islamischen Recht eine höhere Priorität einräumen als dem nationalen Recht (z. B. bei Scheidungen). Der EU-Gerichtshof stellt 2017 klar, dass die Scharia in der EU nicht gilt. Insofern muss Deutschland auch eine Scheidung nach islamischem Scharia-Gericht in Syrien nicht anerkennen.

Jamaika: Jamaika ist eine Insel der Großen Antillen in der Karibik. Normalerweise verbindet man Reggae, Rum und Rasta mit der Kultur der Insel. Im Zusammenhang mit den Koalitionsverhandlungen in Deutschland nach der Bundestagswahl 2017 geht es immer wieder um Symbole und Vergleiche mit der Insel und ihrer Kultur. Jamaikas Touristikamt macht sich das mittlerweile zu Nutze und will touristisch von der Suche nach einem Regierungsbündnis in Deutschland profitieren. Allerdings scheitern dann die koalitionsverhandlungen.

Kultur und Minderheiten: Es geht um die zentrale Frage, ob die Mehrheit ihre Kultur stärker gegenüber Minderheiten verteidigen muss. Das ist auch im Zusammenhang mit Integration zentral. Inwieweit können Regionen und Nationen ihren Zuwanderern aus anderen Kulturen eine eigene kulturelle Identität zubilligen oder können sie ein bestimmtes Maß an Anpassung an die nationale Kultur verlangen? In Deutschland wird diese Frage an Bedeutung massiv zunehmen durch die Zuwanderer aus muslimischen Ländern.

Veränderung der deutschen Kultur durch Migration: Die Erinnerungskultur muss angepasst werden. Konflikte kommen mit ins Land. Eine Umverteilung wird schwieriger. Humor  kann problematisch sein. Essen wandelt sich. Vgl. Niejahr/ Schmitz: Neues Deutschland, in: Wirtschaftswoche 53/ 22.12.17, S. 40ff. Thilo Sarrazin (ehemals Staatssekretär und Bundesbankvorstand) problematisiert immer wieder die Bedrohung der deutschen Kultur durch den Islam (auch in seinem aktuellen Buch 2018).

Rassismus und Firmenkultur (Image und Export): Er wird zu einer immer größeren Gefahr für die deutschen Unternehmen, die stark im Export sind. Es gibt 2018 mittlerweile einige Unternehmen, die Rassismus als Geschäftsrisiko betrachten und ihre Mitarbeiter dagegen schulen. Bekannt dafür wird 2018 die Firma Nomos Glashütte aus Glashütte. Sie will unbedingt vermeiden, dass die Rassismusfälle in den neuen Ländern am Image des Unternehmens kratzen.

Kulturen - Clash: Durch die Flüchtlingskrise sind viele Männer aus muslimisch geprägten Ländern nach Deutschland gekommen, deren Frauenbild völlig anders ist. Viele Männer unterscheiden zwischen "ehrbaren", früh verheirateten Frauen im Haus und anderen, die sich Rechte und Freiheiten herausnehmen. Nach diesen Normen sind die Frauen der zweiten Gruppe "Schlampen". Rein statistisch muss das schon zu Problemen führen: es gibt durch den Flüchtlingsstrom rund eine Million junger Männer zwischen 16 und 30 Jahren in Deutschland, die sich eine Partnerin wünschen, die sie aber nicht finden können. Das kann zu Aggression führen.

Wertekonflikt/ Kulturkampf: Zwischen zwei Gruppen in vielen Gesellschaften: Einmal diejenigen, für die Einwanderung, Globalisierung und Multikulturalismus positiv besetzt ist. Zu anderen diejenigen, die sich kulturell zurückgelassen und fremd im eigenen Land fühlen. Sie sind gegen die Vielfalteuphorie und sehen dadurch ihren eigenen sozialen Status (Verdrängung Einheimischer, Kriminalität von Clans, Homogenisierung von Stadtquartieren, überwiegend Migrationshintergrund in Schulklassen) bedroht.

Kulturelle Distanz und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt: Bei der Bewerbung um Arbeitsplätze in Deutschland haben Menschen mit Migrationshintergrund einen Nachteil gegenüber ihren Mitbewerbern ohne Migrationshintergrund. Die Wahrscheinlichkeit einer positiven Rückmeldung variiert in Abhängigkeit von Herkunftsland, der Religionszugehörigkeit und dem Phänotyp, da diese Signale mit bestimmten Gruppeneigenschaften korrelieren. Dabei stützen Arbeitgeber ihre Auswahlentscheidung verstärkt auf Gruppenmerkmale, die weniger mit Leistung und Produktivität, sondern vielmehr mit Kultur und Werten zu tun haben - was ein Indiz für präferenzbasierte Diskriminierung ist. Siehe Koopmans, Ruud/ Veit, S./ Yemane, R.: Andere Wertre, weniger Chancen. Kulturelle Distanz erklärt Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, in: WZB Mitteilungen , Heft 160, Juni 2018, S. 39ff.

Political Correctness: Das entsprechende Klima breitet sich in vielen Demokratien aus. Es geht um die Hyper-Korrektheit. Die Sensibilität für andere Ansichten, andere Meinungen, für das Fremde sinkt. Die Diskussionskultur geht verloren. Das zeigt sich auch in den Hochschulen, die traditionell Orte geistiger Auseinandersetzungen waren. Der Finanzbedarf diszipliniert auch.

Premium Mediocre: Premium - Mittelmäßigkeit. Es ist alles, was nur gerade so viel Premium in sich trägt, dass die wesenseigene Mittelmäßigkeit des Produkts nicht ruiniert wird. Man sagt, so wird einem zunehmenden Prekariat ästhetisch erfüllt, was politisch und ökonomisch nicht möglich ist. Der Begriff wurde vom Blogger Venkatesh Rao geschaffen. Beispiele sind die A-Klasse von Mercedes, Speedy-Boarding, Trüffel-Öl. Vgl. Niklas Maak: Es gibt sie noch, die mittelmäßige Zukunft, in: FAZ, 2912.17, Nr. 301, S. 9.

Kultur des Scheiterns (Kultur der zweiten Chance): Wer früh scheitert und Lehren aus seinen Fehlschlägen zieht, ist schneller erfolgreich. Je öfter Menschen scheitern, desto mehr lernen und entdecken sie. Diese Sicht müsste in Deutschland verbreiteter sein, vergleichbar mit der Kultur in den USA. So könnte man etwa ein freiwilliges Gründerjahr für den Einstieg ins Unternehmertum schaffen. Im Forschungslabor von Google bekommen die Mitarbeiter mehr Geld, wenn ihr Projekt scheitert. "Scheitern ist die Grundlage des Erfolgs", Laozi (Laotse), Philosoph aus China im 6. Jahrhundert vor Chr. Der Erfinder T. A. Edison, der auch GE gründete, formulierte es so: "Ich bin tausendmal gescheitert. Ich habe erfolgreich tausend Möglichkeiten entdeckt, wie die Glühbirne nicht zum Leuchten gebracht wird".

Schlaraffia: Eine Kulturvereinigung, die 1859 in Prag gegründet wurde. Es ging um Protest gegen die Ausgrenzung durch die elitäre Gesellschaft. Unter dem Tarnnahmen (ursprünglich "Proletierclub", Überbleibsel von der Revolution 1848) trafen sich die Mitglieder, um in mittelalterlichen Rollenspielen den Adel zu parodieren. Die Vereinigung gründete sich auch in vielen anderen Städten. Man spricht von "Reyche" (263 weltweit 2018, "anno uhui 159"). Wahrzeichen ist der "Uhu". Die Gemeinschaft ist weltweit. Im Mittelpunkt stehen Humor und Freundschaft (aber nur für Männer). Heute leidet die Gemeinschaft unter Mitgliederschwund. Vg. Im Reich des Uhus, Friederike Jung, in: Rheinpfalz, Sonntag 21.01.2018, S. 5.

Kulturelle Frustration: Fachbegriff der Sozialwissenschaften. Ein Gemisch von ökonomischer Enttäuschung und Suche nach Schuldzuweisung. Deutschland hat einen der größten Niedriglohnsektoren in Europa.  Steigende Mietpreise, Energiepreise und Lebensmittelpreise fressen immer mehr auf. Es bleibt das Gefühl, von den Früchten des Aufschwungs ausgeschlossen zu sein. Kulturelle Frustration beeinflusst stark das Wahlverhalten und das Abdriften nach Rechts. Es ist auch mit einer "Lähmung" verbunden.

Slawische Seele: Schon im Mittelalter rühmten Chronisten die ungewöhnliche Gastfreundschaft der slawischen Völker. Später kam als Kehrseite der Medaille der Vorwurf der Trunksucht hinzu. Zue 2slawischen Seele" gehören nach landläufiger Beschreibung aber auch eine Lust am Leiden bis hin zu Fatalismus, Frömmigkeit und der Vorwurf der Trunksucht hinzu. Manches lässt sich mit der Unterdrückung und Knechtschaft begründen. Auch gibt es für alle Stereotype historische Quellen. Gleichwohl bleibt die "slawische Seele" ein unscharfes Konstrukt. Siehe Josef Fischer: Osteuropa. Die slawische Seele, in: Spektrum Spezial 2/2018, S. 72ff.

Kultur und Gesundheit: Durchgesetzt hat sich die Definition der WHO: "Gesundheit als Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens". Viele kritisieren diese Sichtweise, weil sie zur sehr ein Recht auf Gesundheit impliziert. Sehr scharfsinnig hat dies der Direktor des Instituts für Theorie, Geschichte und Ethik chinesischer Lebenswissenschaften in Berlin ausgedrückt: "Das kulturelle Konstrukt, dass wir Medizin/ Gesundheit nennen, bedeutet die bewusste Grenzziehung zwischen der ursprünglichen Vorstellung des Ausgeliefertseins einerseits und der neuen Weltanschauung, die jedem einzelnen Menschen mit dem Versprechen gegenübertrat, die Befolgung von Gesetz und Moral durch Gesundheit und langes Leben zu belohnen".

Weiterhin bekannt ist Gua Sha. Es handelt sich um eine Reiztherapie (Schabemassage). In ostasiatischen Ländern gab es früher in fast jedem Dorf eine oder mehrere Personen - meist Frauen - die Gua Sha bei verschiedenen Beschwerden einsetzten. Es geht um die Ausleitung von Giften. Vor allem der Rücken kann davon profitieren. Vgl. Arya Nielsen: Gua Sha - Eine traditionelle Technik für die heutige Praxis, Verlag Systemische Medizin, 2013.

Kultur und Sprache: Beim Lernen der Muttersprache ist vieles automatisiert. Das Gehirn verknüpft Nerven und leitet daraus Muster ab. Nicht nur der Wortschatz entscheidet, wie gut wir uns später ausdrücken können. Es geht auch darum, ob sich die Eltern und das Umfeld mit einem beschäftigt haben. Sprache ist aber nicht alles. Logisch zu denken kann der Mensch von klein auf auch ohne Sprache. Teil der Sprache sind auch Gefühl und Motivation. Bei der Herausbildung sozialer Identität sind Dialekte wichtiger als die Schriftsprache. In einigen Kulturen, wie in China und Japan, ist die Rolle der Sprache in der Kultur größer.

Sapir-Whorf-Hypothese: Wir können uns nicht über Dinge Gedanken machen, für die wir keine Wörter besitzen. Sie stammt von Edward Sapir (1884-1939) und Benjamin Whorf (1897-1941). Berühmt ist ihre Erklärung anhand der Eskimos. Diese können unzählige Arten von Schnee unterscheiden, weil sie in ihrer Sprache viele Wörter für Schnee haben.

Chomskys Universalgrammatik: Alle Sprachen basieren auf den gleichen grammatikalischen Prinzipien einer Universalgrammatik, die uns den Spracherwerb ermöglichen. Diese These stammt von dem Psychologen Noam Chomsky (geb. 1928).

Kultur und Rhythmusgefühl: Das Gefühl für musikalische Rhythmen ist nicht angeboren, sondern wird von der Kultur geprägt. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie. Die Wahrnehmung ist auch abhängig von der Vertrautheit mit den jeweiligen Rhythmen.

Kultur und Intelligenz: Black Intelligence Test of Cultural Homogeneity (BITCH Test). Er wurde von Robert L. Williams (geb. 1930) 1972 entwickelt. Er führte aus, dass bei einem kulturspezifischen Test die Fähigkeiten des Prüflings getestet werden, symbolisch zu funktionieren und gemäß seines Verständnisses innerhalb eines Kulturkreises und seiner Umgebung zu agieren. Zweck war die Suche nach kulturellen Einflüssen auf die Testergebnisse.

Multiple Intelligenz: Der Begriff wurde von Howard E. Gardner (geb. 1943) geprägt. Vgl. Abschied vom IQ: Die Rahmentheorie der vielfachen Intelligenzen, 1983. Er leitet sieben Arten von Intelligenz ab: musikalisch-rhythmische, logisch-mathematische, verbal-linguistische, visuell-räumliche, körperlich-kinäthetische, interpersönliche (soziale Fähigkeiten) und innerpersönliche (Selbsterkenntnis). Die Kultur spielt eine wichtige Rolle. Die Theorie hat Einfluss auf den Unterricht in den USA.

Beschleunigungsgesellschaft: Die Begriffe Beschleunigungsregime oder auch Beschleunigungstotalitarismus stammen von dem deutschen Soziologen Hartmut Rosa (Uni Jena). Unsere Welt wird durch die wachsende Mobilität und das Internet immer weiter beschleunigt. Wie viel Beschleunigung verträgt aber der Einzelne? Vgl. H. Rosa: Beschleunigung und Entfremdung, Berlin 2013.

Kultur und indigene Objekte: Indigene Objekte werden oft missbraucht. Sie werden verkauft, um damit Geld zu machen. Viele sind Fälschungen. Ein besonders negatives Beispiel sind Schrumpfköpfe. Sie wurden ursprünglich als Souvenirs gehandelt ("Flughafenkunst").

Weltkulturerbe: Der Titel wird vom Welterbekomitee der Unesco/UN vergeben. Seit 1978 haben 1092 Bauwerke und Areale ("Weltkulturerbe"), Naturschönheiten ("Weltnaturerbe") oder Kombinationen von beidem ("Mixed-Stätten") aus 167 Ländern den begehrten Stempel erhalten. Das Welterbe hat eine kulturelle und eine ökonomische Dimension. Man zieht leichter Spenden und Sponsoren an. Es gibt auch negative Folgen. Oft kommen zu viele Touristen (Übernutzung). Da gibt es den Vorschlag, Stätten wie Venedig  z. B. einfach nachzubauen. Es gibt auch ein Verteilungsproblem, weil die Stätten nicht in Entwicklungsländern liegen. Vgl. Losse, Bert: "Man sollte Venedig als Replik nachbauen", in: WiWo 25, 14.5.2019, S. 40f.

Tee und Teezeremonie: Hinter dem Tee steckt in Japan eine Kultur und Philosophie. Man spricht auch von Teeismus. Der Tee kam im 9. Jahrhundert aus China nach Japan. Er war ursprünglich ein Privileg des Adels und buddhistischer Mönche. Die Mönche entwickelten die Rituale. Europa lernte den Tee erst gegen Ende der Ming-Dynastie in China als Exportgut kennen. Folgende Elemente gehören zur traditionellen japanischen Teezeremonie: Tatami-Matten am Boden, Wände mit Holz, Fenster mit Blick nach draußen auf Bäume, in einer Ecke ein Kessel mit heißem Wasser, die Gäste setzen sich auf ein Kissen im japanischen Seiza-Sitz (Fersensitz). Das Wasser kommt in eine Schale mit Grünteepulver (z. B. Sencha, eigentlich Matcha). Der Tee schäumt auf und er wird serviert. Zuvor wird ein Stück Zucker gereicht. Man verbeugt sich bis zum Boden und nimmt die Schüssel entgegen. Sie wird zweimal gedreht und in drei Zügen ausgetrunken. Der Mönch Murata Juko gilt als der Erfinder der japanischen Teezeremonie. Im Jahre 1522 wurde Senno Rikyo geboren. Er erfand die Philosophie hinter dem Ritual. Er wurde Teemeister der höchsten politischen Führer der Zeit. Dazu gehörten Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi. Die zugrunde liegende  Idee ist der Zen-Buddhismus. Dazu gehört die richtige Umgebung (Teehaus, niedriger Eingang, Garten, Wartehalle, Vorraum, Dekoration). Die Teeschalen sind speziell hergestellt (bei niedriger Temperatur gebrannt, nie perfekt). Es gibt Vorschriften zum Halten der Schale. Die Philosophie heißt Wabi-Cha. Sie führt zu Bescheidenheit, dem Verweigern von Materiellem. 1591 erhielt der Teemeister den Befehl, Selbstmord zu begehen.  Vgl. Kakuzo Okakura: Das Buch vom Tee, 1906.

Indigene Völker und "kulturelle Aneignung": Designer- und Luxusmarken übernehmen zu großen Teilen die Motive Indigener. So vor allem in Mexiko. So die US-venezolanische Modemarke Carolina Herrera oder Louis Vuitton aus Frankreich. Man spricht von "kultureller Aneignung". Der neue mexikanische Staatschef Obrador will sich für die Interessen der Ureinwohner einsetzen.

"Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt", William Shakespeare, englischer Dichterfürst.

 

 

Diese Fahne steht als Symbol des Daoismus, der die Chinesen alle verbindet. Er geht vor allem auf Laotse zurück (siehe oben). Dargestellt werden die 5 Elemente des Daoismus (Wuxing): Wasser, Feuer, Erde, Holz, Metall. Mit dem erneuten Aufstieg Chinas zur führenden Macht in Asien und bald der Welt gewinnen daoistische Werte wieder an Bedeutung.

 

Auslandschinesen, Migration, Greater China, Kultur und Subkulturen:

"Bambus ist leicht zu biegen", Vietnamesisches Sprichwort. Diese Eigenschaft von Bambus macht man sich von Nutzen: Trinkhalme, Hüte, Textilien, Baumaterialien u. a. werden daraus produziert.

Die gesamte Geschichte Chinas ließe sich als Abfolge von Migrationsbewegungen beschreiben. Bevölkerungsdruck, Kriege und Naturkatastrophen haben die Menschen in Ostasien durchmischt. Manchmal endete das Land und die Migrationswellen setzten sich seit der Song- und Yuan-Zeit übers Meer fort. Flüchtlinge segelten nach Südostasien, Rebellen zogen sich nach Taiwan zurück, Händler gründeten Existenzen auf Sumatra (heute Indonesien) und den Philippinen.

In der Qing-Zeit nahm die Emigration eine neue Dimension an. Im 19. Jh. wuchs die Bevölkerung auf über 400 Millionen. Kriege und Hungersnöte trieben Flüchtlinge nach Vietnam, Burma, in die Manjurei und nach Taiwan. Viele wurden Bauern, Fischer oder Händler. Aber die Menschen gingen auch jenseits des Pazifiks. Dort war ein großer Bedarf an neuen Arbeitskräften entstanden. Diese Möglichkeiten boten sich, weil der Sklavenhandel abgeschafft wurde. Mehr als 2 Millionen traten zwischen 1850 und 1875 die große Überfahrt an. Es lockte der Goldrausch in Kalifornien, die Silberminen in Peru, der Eisenbahnbau, die Baumwollfelder und die Zuckerrohrplantagen  in den USA. Für dubiose Agenten übernahmen die Chinesen die Rolle der Sklaven. Im Jahre 1884 wurde in den USA ein Einreiseverbot für Chinesen für die Dauer von 40 Jahren verhängt. Man sprach satirisch in den USA von der "The Chinese Wall". Das erinnert frappierend heute an die Mauer zu Mexiko, die Trump bauen lässt. Der Pfälzer Zeichner und Karikaturist Thomas Nast, der aus Landau stammte und in den USA lebte, hat das in Zeichnungen festgehalten.

Meist waren die Flüchtlinge Männer, die als Gastarbeiter Geld verdienen wollten. Doch viele blieben in der Fremde und eröffneten später Restaurants, Gemischtwarenläden oder Wäschereien. In den großen Städten entstanden schließlich China - Towns (London, Paris, San Francisco, Vancouver, Chicago). Viele wurden auch reich und stiegen zu einflussreichen Bürgern auf. Die Auslandschinesen  finanzierten Sun Yat-sen und förderten auch die chinesische Revolution.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Situation komplizierter. Nachdem die Kommunisten an der Macht waren, mussten die Auslandschinesen Stellung beziehen. Die meisten entschieden sich für ihre Wahlheimat und integrierten sich. Nach 1978 änderte sich die Situation wieder. Das "Bambusnetzwerk", wie man die Auslandschinesen auch nannte, finanzierte den Aufschwung Chinas. Studenten, Wissenschaftler und Geschäftsleute lernten in Nordamerika, Südostasien, Japan, Australien und Europa. Viele junge Chinesen studierten Ingenieurwissenschaften in Deutschland (noch heute trifft man Veteranen der Tonji-Uni in Peking, die in Aachen studiert haben). 30 bis 40 Millionen Auslandschinesen gibt es heute, die meisten leben in Südostasien. Die chinesische Kultur beschränkt sich nicht mehr nur auf das chinesische Festland. Sie erstreckt sich auf "Greater China", auf Hongkong, Taiwan, Singapur und andere Teile der Welt. Vgl. Vogelsang, Kai: Geschichte Chinas, Stuttgart 2019, S. 431f.

Andererseits leben viele nationale Minderheiten in China, die ihre Subkulturen bewahrt haben. Die chinesische Nation hat eigentlich fünf Nationalitäten: Han, Manjuren, Mongolen, Tibeter und Hui (Moslems) mit jeweils eigenen Kulturelementen. Weiterhin gibt es viele nationale Minderheiten (shaoshu minzu) im Land. Die größten dieser Gruppen sind Zhuang, Manjuren, Uighuren, Miao, Tibeter, Mongolen, Yi, Tujia. Sie machen rund 10% der Bevölkerung aus, bewohnen aber 60% der Landfläche Chinas. Dieses Missverhältnis ist der Ursprung vieler Konflikte. Vgl. Vogelsang a. a. O., S. 548f.

Migration (Migrationspolitik): China hat eine lange Tradition als Auswanderungsland, wie die vergangenen Abschnitte gezeigt haben. Das begann in großem Ausmaß mit dem Sturz der Ming-Dynastie im 17. Jahrhundert.  Die zweite Welle war nach dem Taiping-Aufstand im 19. Jahrhundert. Die dritte bildete die Flucht nach der Machtergreifung Maos. Ca. 40 Mio. Chinesen leben 2012 außerhalb des Landes. Etwa 2 Billionen $ erwirtschaften die Auslandschinesen. Sie haben eine wichtige Rolle beim Aufbau des neuen China gespielt (Bambus-Network). Der größte Stadtteil ist in San Francisco (80.000). Die meisten Auslandschinesen leben in Indonesien (8 Mio.), Thailand (7,2 Mio.), Singapur (4 Mio.), USA (3,5 Mio.). 102 Mrd. Dollar gaben die Chinesen 2012 für Auslandsreisen aus. Das sind 40% mehr als ein Jahr zuvor. Sie haben damit Deutsche und Amerikaner erstmals überholt. Sie gaben dabei ca. 84 Mrd. Dollar aus. 80 Mio. Chinesen konnten 2012 ins Ausland reisen (achtmal so viel wie 2002). Viele legen dabei ein ruppiges und rüpelhaftes Benehmen an den Tag (Überbleibsel der Mangelwirtschaft?). Die Regierung will eine schwarze Lise mit Reiseverboten erstellen. 1995 wurde zwischen Neustadt/ Weinstraße und Quanzhou (Küstenstadt in der Provinz Fujian gegenüber Taiwan) eine Städtepartnerschaft gegründet. In der chinesischen Stadt leben 7,9 Mio. Menschen. Sie wurde im neunten Jahrhundert gegründet. Als in der Song- und Yuan-Dynastie die Seidenstraße durch Kriege und Raubüberfälle zu unsicher geworden war, erlebte die Stadt ihre Blüte. Auch heute noch ist der Hafen an der Südostküste Chinas einer der wichtigsten. "Lasst den Westwind herein, Reichtum ist ruhmvoll", Deng Xiaoping 1980, als Shenzhen zur ersten Sonderwirtschaftszone des Landes erklärt wurde.

2016 müssen alle Einwohner der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang ihre Reisepässe abgeben. Es handelt sich um 22 Millionen Einwohner. Konkret ist das ein Ausreiseverbot. Als Begründung gibt die Partei die "Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung" an. Wahrscheinlich geht es dabei um Angehörige der turksprachigen, muslimischen Minderheit der Uiguren. Viele Uiguren betrachten China als Besatzungsmacht und befürchten, dass sie in ihrer Heimat von den Han-Chinesen verdrängt werden. Eine Rolle spielen auch Spannungen zwischen der Türkei und China. Erdogan bot allen Uiguren auf der Flucht weltweit in den türkischen Botschaften Ersatzdokumente an. Das sorgte in Peking für Unmut. Seitdem haben auch Deutsche mit türkischer Abstammung oder türkisch klingende Namen Schwierigkeiten bei der Einreise nach China.

Immer mehr Studenten aus China wollen in Deutschland studieren. Das hängt mit den hohen Studiengebühren in China zusammen (durchschnittlich 8000 € pro Jahr). In einigen Bundesländern liegt die Zahl chinesischer Studenten bei den Ausländern über 20%. Auch aus Indien und Pakistan kommen aus dem gleichen Grund viele Studenten. Einige Bundesländer erwägen, für diese Studenten Studiengebühren zu erheben. Baden-Württemberg macht 2017 den Anfang. Sofort gehen die Bewerberzahlen zurück.

Migration im Rahmen der Entwicklungspolitik: Viele Chinesen gehen im Rahmen von Entwicklungsprojekten heute ins Ausland. China zahlt immer mehr Entwicklungshilfe. Unklar ist, welche Gegenleistungen erwartet werden (dies gilt aber für fast alle zahlenden Länder, China betont Politik der "Nichteinmischung"). Nach der Financial Times soll China in den letzten zwei Jahren 2009, 2010 mit 110 Mrd. $ schon mehr Geld aufgewendet haben als die Weltbank. Die chinesische Regierung veröffentlicht keine genauen Daten. Vgl. auch Rogue Aid? The Determinants of China`s Aid Allocation, Axel Dreher/ Andreas Fuchs, Uni Göttingen September 2011. Von 1996 bis 2005 hatten den höchsten Prozentanteil an der Entwicklungshilfe Tansania (4,6%) vor der Mongolei (3,7%) und Kambodscha (3,4), Niger (3,4), Benin (3,4). Traditionell liegen die Schwerpunkte auf dem Bau von Infrastruktur, Krankenhäusern und Sportstätten.  China übt immer größeren Einfluss nach Süden aus. Dies geschieht auch mit Mitteln der Entwicklungshilfe. Betroffen sind Myanmar, Thailand, Malaysia, Vietnam, Laos, Kambodscha, Brunei, Singapur und Indonesien.2013 kauft China riesige Landflächen in der Ukraine (von der Größe Brandenburgs).

Viele chinesische Firmen kommen nach Afrika. Sie bauen Straßen, Eisenbahnstrecken und betreiben Unternehmen. Allerdings bringen sie meistens ihre eigenen Arbeiter mit. Deshalb sind diese Firmen in Afrika nicht sehr beliebt. Man spricht davon, dass es sich um Ausbeutung handelt und den heimischen Arbeitskräften die Arbeitsplätze weggenommen werden. Insofern gibt es Aversionen gegen Chinesen. Kenia schiebt 2016 45 Taiwaner in die VR China ab nach dem Motto "Sind doch alles Chinesen". Die Führung in Taipeh ist entsetzt. Eines der kleinsten Länder Afrikas wird von den Chinesen 2018 zum "strategischen Partner" erklärt, nämlich Dschibuti. Sie unterhalten hier sogar ihre erste Marinebasis (erste Militärbasis außerhalb Asiens). Sie bauen auch riesige Freihandelszonen. Nach einer Studie von McKinsey 2018 sollen insgesamt 10.000 chinesische Firmen in Afrika aktiv sein, davon ein Drittel Industrieunternehmen. Die Chinesen sehen die Chance, in Afrika ihre Rohstoffe dauerhaft beziehen zu können. Sie schließen langfristige Lieferverträge ab: Sie beziehen Erdöl aus Angola. Eisenerz und Kupfer aus Südafrika und dem Kongo. Holz und Getreide werden aus verschiedenen Ländern importiert. 2003 begann der Einstieg Chinas auf dem afrikanischen Kontinent. Die meisten Projekte waren aber keine Geschenke. Heute stöhnen viele afrikanische Staaten unter einer gigantischen Schuldenlast. Das Handelsvolumen zwischen Afrika und China ist aber förmlich explodiert. In Ägypten entsteht mit chinesischer Hilfe eine neue Hauptstadt. Dort soll der höchste Wolkenkratzer Afrikas entstehen. Von der Summer her hat China am meisten investiert im rohstoffreichen Nigeria (50 Mrd. $). Dann folgen Ägypten (24,4), Angola (24,1), Äthiopien (23,9), Algerien (23,0), Kenia (16,8). Stand: 2018. quelle: Der Spiegel Nr. 24, 8.6.2019, S. 91. Mittlerweile zeigt sich der chinesische Einfluss auch beim chinesischen Staatsfernsehen in Afrika.  Das erste Mal wurde China 1970 unter seinem Staatsführer Mao in Afrika aktiv. Damals baute man für umgerechnet eine halbe Milliarde Dollar die 1860 km lange Tanzania-Zambia-Railway (Tazara), finanziert mit einem zinslosen Darlehen. Mao wollte die Afrikaner als diplomatische Unterstützer gegen die USA und die Sowjetunion. Ein Großteil der Bahnlinien auf dem Kontinent stammt aus Kolonialzeiten. Im Februar 2018 bedient ein Fernsehsketch in China Vorurteile über Afrika: In der vierstündigen Frühlings-Gala, die 800 Mio. Chinesen verfolgen, geht es um Chinas Engagement in Afrika. Es treten Afrikaner auf und eine angemalte Chinesin. Es wird eine Romanze vorgetäuscht, um einer arrangierten Ehe zu entkommen. Als der Bluff auffliegt zeigt sich dei afrikanische Mutter erstaunlich verständnisvoll: Sie könne doch keinem Chinesen böse sein. die Chinesen hätten doch ihr Land aufgebaut und ihrer Tochter einen festen Job verschafft. dies ist eine von vielen rassistischen Entgleisungen in China.

Trotzdem ist die chinesische Entwicklungspolitik in Afrika erfolgreicher als die europäische. Sie bauen erst Straßen und Kraftwerke mit ihren eigenen Arbeitern. Dadurch kann aber der Rest der Wirtschaft folgen. Es wird so in handfeste Bauprojekte investiert, wo das Geld nicht versickern kann wie bei der europäischen Entwicklungshilfe. Große Infrastruktur-Projekte zusätzlich zu den oben erwähnten sind: Ein Hochhaus im Zentrum von Nairobi/ Kenia. Eine Bahnlinie von Nairobi nach Mombasa. Am Bahnhof von Addis Abeba bauen auch Chinesen. Sie bauen eine elektrifizierte Bahn nach Djibuti. Schon in den Siebzigerjahren investierte China in Afrika unter Mao. Die 1900 Kilometer lange Tazara - Bahn sollte den postkolonialen Aufschwung ankurbeln. Die Bahn verbindet Tansania mit Sambia. Auch den Flughafen bauen die Chinesen aus. Im Küstenort Bagamoyo soll der größte Containerhafen Ostafrikas entstehen. In Westafrika wurde ein Vertrag mit Nigeria abgeschlossen, eine Küsteneisenbahn von Lagos nach Calabar zu bauen. Die Chinesen gelten als schnell, effizient und billig. Sie bieten All-inclusive-Pakete einschließlich von Krediten der Staatsbanken. Vgl. Philip Plickert: Chinesischer Bauboom in Afrika, in: FAZ 31.01.2018, S. 18. Am 03.09.2018 findet in Peking eine Afrika-Konferenz (7. Afrika-China-Gipfel) zwischen China und fast allen afrikanischen Staaten (53) statt. Staatspräsident Xi Jinping verspricht für die nächsten drei Jahre Kredite und Investitionen in Höhe von 60 Mrd. Dollar in Afrika. Nach Angaben der John Hopkins-Uni in den USA hat China bis 2018 bereits 100 Mrd. Euro in Afrika investiert.  In China selbst will die Regierung den Chinesen die Kartoffeln ("Erdbohnen", tudou) schmackhaft machen. Schon heute ist China der weltgrößte Kartoffelproduzent (jede vierte Kartoffel). Die Kartoffel ist ideal für arme Kleinbauern, weil sie weniger Wasser benötigt als Reis oder Weizen. Durch Kochserien und andere Maßnahmen soll den Chinesen der Verzehr näher gebracht werden. 2016 kauft China in großem Umfang afrikanische Esel (equus asinus, vor allem aus dem Niger). Sie werden in der Küche und der Pharmaindustrie verwendet. Im Norden Chinas wird das Fleisch in Suppen und Eintöpfen geschätzt. Aus gekochter Eselshaut wird eine Gelatine (Ejiao) gewonnen, die Schlaflosigkeit und Husten heilt. Eine Creme daraus soll die Haut faltenfrei machen und die sexuelle Potenz anregen. Die Preise für afrikanische Esel steigen daraufhin.

Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg", Laotse.

 

Psychologie als wichtige Grundlage der  Ökonomie:

Das erhaltene Wartezimmer von Sigmund Freud in seiner ärztlichen Praxis in Wien, Berggasse 19, die er 1891 eröffnete.  Hier lebte und arbeitete er insgesamt 47 Jahre, ehe er 1938 vor den Nationalsozialisten nach London floh (unter der Protektion und Fürsprache von Mussolini). Heute ist hier das Sigmund Freud Museum untergebracht. Es zeigt eine Dokumentation zu Leben und Werk des Begründers der Psychoanalyse. Einzigartiges privates Filmmaterial wird gezeigt, meist von Tochter Anna Freud aufgenommen. Diese kümmerte sich auch nach dem Tode des Vaters um sein Werk.

"Die Grundlage der politischen Ökonomie und, im Allgemeinen, jeder Sozialwissenschaft ist offensichtlich die Psychologie. Es mag ein Tag kommen, an dem wir in der Lage sein werden, die Gesetze der Sozialwissenschaften aus den Prinzipien der Psychologie abzuleiten", Vilfredo Pareto, Manual of Political Economy: A Variorum Translation and Critical Edition, herausgegeben von Aldo Montesanto et. al. Oxford University Press, (1906) 2013, Kap. 2, S. 21.

"Der Mensch ist dem Menschen das Interessanteste und sollte ihn vielleicht ganz allein interessieren", Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre.

I. Zusammenhang von Psychologie und Ökonomie

Beiden Wissenschaften gemeinsam ist die Lage zwischen Sozial- und Naturwissenschaften. Gerade in der Psychologie spielen biologische, medizinische, insbesondere neurowissenschaftliche, Erkenntnisse eine große Rolle (natürlich auch Mathematik und Chemie in der Psychologie).

Die Ursprünge der Psychologie liegen in der Philosophie. Berühmt ist das Motto bzw. der Appell des Orakels von Delphi "Erkenne dich selbst". Er gilt bis heute als Richtschnur und Maxime für ein gutes Leben. Gemäß dem griechischen Denken sollen wir vor allem unsere eigene Hinfälligkeit bedenken uns so dem Laster der Hybris vorbeugen. Vgl. Bettina Fröhlich: Sorge um das Selbst, in: Sektrum Spezial "Die Psychologie vergangener Kulturen", S. 20ff.

Bestimmte ganz alte Behandlungsformen könnte man der Psychologie zuordnen. So der Schamanismus, der bis zu 10.000 v. Chr. zurückgeht. Es ist die Heilkunde analphabetischer und wenig entwickelter Gesellschaften. Es waren die ersten Formen der Psychotherapie. Der Schamane musste die Seele finden und dem Körper zurückgeben. Auch die modere Psychotherapie versucht, das Verlorenen des Menschen wieder zu finden und zurückzugeben. In der Jungsteinzeit sind Schädelbohrungen bekannt (Trepanation). Vielleicht wurde die Methode auch bei Geisteskrankheiten angewandt. Das Handlesen war eine verbreitete Praktik in vielen alten Kulturen. Die vier edlen Wahrheiten Buddhas (500 - 400 v. Chr.) oder die konfuzianische Ethik (550 - 450 v. Chr.) haben viel mit Psychologie zu tun. Berühmt ist das große Werk von Aristoteles "De Anima" (Über die Seele", 300 v. Chr.). Er geht auf die Einheit von Körper und Seele ein. Wissen beginnt mit Wahrnehmung. Auch das Bhagwad Gita (200 v. Chr.) des Hinduismus, das im Kern das Yoga geprägt hat, hat wichtige Sichtweisen der Psychologie beeinflusst. Vgl. Pickren, W. E.: Das Psychologie Buch, Librero 2018, S. 16ff.

Im Mittelalter spricht man eher von Seele statt von Psyche. Aber es gab sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zu uns heute. Die Kultur scheint einige grundsätzliche Denkweisen und Wahrnehmungen von Menschen zu prägen sowie die Art, wie sie Gefühle ausdrücken und erleben. Dem mittelalterlichen Weltmodell zufolge war der Körper nicht strikt von der Seele unterschieden. Innere Prozesse wurden auf Ereignisse der Außenwelt projiziert. Insbesondere Heldenreisen boten die Möglichkeit, seelische Konflikte aufzuarbeiten (siegreicher Krieger, Suche nach Identität).

"Psychologie" als Begriff wurde von Marko Marulic (1450 - 1524) eingeführt. Das war 1506 in seinen Moralstudien. 1524 erschien das Wort im Titel seines Buches "Psichiologica de ratione animae humanae". Im 16. und 17. Jhd. erwiesen deutsche Gelehrte wie Philipp Melanchton, Johannes Thomas Freigius und Otto Casmann in ihren Veröffentlichungen auf die Psychologie bzw. Psychologia. Richtig bekannt wurde der Begriff durch den Philosophen und Schriftsteller Denis Diderot, der Psychologie in einem Essay zum Thema machte. Vgl. Pickren, W. E.: Das Psychologie Buch, Libreo 2018, S. 44.

Im späten 18. Jahrhundert erkannten Gelehrte, dass Philosophieren allein nicht genügt, um die Welt zu ergründen, sondern vielmehr zur Ergänzung der Beobachtung bedarf. Der Schriftsteller und Pädagoge Karl Philipp Moritz gründete eine Zeitschrift mit Erfahrungsberichten zur Erforschung des "Gewebes der Gedanken". Er gilt als Wegbereiter der experimentellen Psychologie. Antrieb dieser Entwicklung war eine unglückliche Kindheit, die kein "Selbtzutrauen" aufkommen ließ und der Wusch, Wege zur Selbstheilung der Seele aufzuzeigen. Vgl. Steve Ayan: Seelenlehre. Die Leiden des Jungen M., in: Spektrum Spezial "Die Psychologie vergangener Kulturen" 2/2018, S. 84ff.

In der Psychologie geht es um die Grundausstattung des Menschen (Fühlen, Wahrnehmen,  Denken, Erinnern und Vergessen, Erleben, Handeln, Verhalten). Vgl. Jordan, Stefan/ Wendt, Gunna: Lexikon der Psychologie, Stuttgart 2005. Als Lehrbuch: Cash, Adam: Psychologie für Dummies, Weinheim 2005.

Psychologie sagt uns damit, wer wir sind und wie wir sein könnten. Mit ihr können wir und erklären, wie wir die Welt konstruieren, wie wir unser Zusammenleben arrangieren und wie wir an unsere Grenzen kommen. Vgl. Oehler, R./ Bernius, V./ Wellmann, K. - H.:  Was kann Psychologie, Weinheim und Basel 2009. "Der Mensch ist ein Zwischenwirt - für Religion und Fußpilz", Gerhard Polt in seinem Programm 2016.

In jedem Beruf ist Psychologie relevant: Wir müssen uns kennen und gleichzeitig die anderen. Jeder führt und wird geführt. Man muss schwierige Situationen meistern, insbesondere Stress im Beruf bewältigen. Vgl. Boris von der Linde/ Svea Steinweg: Psychologie im Beruf, München 2009.

In der Ökonomie steht die Sozialpsychologie im Mittelpunkt. Sie behandelt die Beziehungen zwischen Menschen. Es geht um Soziales Lernen und Sozialisation, Motivation und soziales Handeln, soziale Vergleichsprozesse, soziale Wahrnehmung und Kognition, soziale Einstellungen, Kommunikation, Interaktion (soziale Rollen), Gerechtigkeit, Macht und Führung, Norm und Abweichung, Gruppenstruktur, Konflikt und Wettbewerb. Vgl. Fischer, L./ Wiswede, G.: Grundlagen der Sozialpsychologie, München 2009.

Vom Gottesbild zum Menschenbild (Individualismus versus Kollektivismus): Im antiken Ägypten (aber auch in Babylon oder bei den Kelten) bei den Pharaonen lautete die Selbstdefinition Gottes: "Ich bin, was da ist" (Inschrift auf einer Stehle). Gott definiert sich als das Seiende, die Natur. Der Gott Israels, der alle anderen monotheistischen Richtungen geprägt hat, wird im alten Testament wie folgt beschrieben: "Ich bin, der ich bin. Gott hat Dich bei Deinem Namen gerufen". Beim ersten Gottesbild geht es um die Ein- und Unterordnung des Menschen gegenüber der Natur. Beim zweiten Gottesbild geht es nur um die Akzeptanz der Natur in Anbetracht des Schicksals des Einzelnen. Das ist  die Grundlage des humanen Denkens. Der einzelne wird bei seinem Namen gerufen. Nicht das Kollektiv, nicht die große Zahl, sondern Gott widmet sich jedem einzelnen. Darin ist die Würde des Menschen begründet. Das ist im Kern auch die Ursache unterschiedlicher Vorstellungen über Menschenrechte im Westen und in China. China ist im Menschenbild antiker Natur-Religionen stehen geblieben. Das Menschenbild ist eine wichtige Basis der Psychologie. Es geht dabei auch um das Idealbild von einem Menschen ("neuer" Mensch). Die Ökonomen sind eher pessimistischer.

Der wichtigste lebende Psychologe für die Wirtschaftswissenschaften dürfte Daniel Kahneman sein (Vgl. Kahneman: Schnelles Denken, Langsames Denken, München 2012). Er ist auch Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften. Das obige Buch ist von großer Bedeutung für den Zusammenhang von Psychologie und Wirtschaftswissenschaften gewesen. Kahneman kommt von der Wahrnehmungspsychologie. In seinem Buch behandelt erfolgende Themen: 1. Zwei Systeme (automatisch und schnell; subjektives Erleben und komplexe Berechnungen). 2. Heuristiken und kognitive Verzerrungen. 3. Selbstüberschätzung. 4. Entscheidungen. 5. Zwei Selbste. R. Thaler, auch Nobelpreisträger, hat das Konzept von Nudges entwickelt, d. h. Menschen brauchen ökonomische Anreize (Stupse), um sich korrekt zu verhalten.

Innerhalb der Sozialpsychologie haben sich Arbeitsgebiete herausgebildet, die besonders relevant für die Ökonomie sind. Einmal die Organisationspsychologie, die alle menschlichen Aspekte der Arbeitswelt behandelt (Personal). Vgl. Lutz von Rosenstiel: Grundlagen der Organisationspsychologie, Stuttgart 2003. Zum anderen die Wirtschaft- bzw. Marktpsychologie, die stark in die Volkswirtschaftslehre und das Marketing hineinwirkt. Es werden sowohl makroökonomische als auch mikroökonomische Prozesse analysiert. Vgl. Günter Wiswede: Einführung in die Wirtschaftspsychologie, München/ Basel 1995.

Durch die Renaissance der Behavioral Economics finden immer mehr psychologische Theorien und Forschungsmethoden (Hirnforschung, experimentelle Forschung) Einzug in die Ökonomie (in deutschsprachigen Raum aktuell vor allem durch die Ökonomen Fehr und Ockenfels).

In mehreren meiner Veranstaltungen beziehe ich psychologische Grundlagen (habe Sozialpsychologie als Fach in Köln studiert)  stärker ein, allerdings immer in Bezug auf die Praxis. Das gilt für die Personalökonomik und für Psychologie und Kommunikation/ Interkulturelle Kompetenz.

"Wir wissen von unserer Seele wenig und sind sie selbst", Georg Christoph Lichtenberg.

 

II. Wichtige Inhalte der Psychologie in Bezug auf Ökonomie

Wirtschaftspsychologie, Organisationspsychologie,  Industrie- und Mittelstandspsychologie bzw. -soziologie (vgl. auch speziell Arbeitspsychologie bei Economics/ special, Arbeitsökonomik):

"Die Grundlage der politischen Ökonomie und, im Allgemeinen, jeder Sozialwissenschaft ist offensichtlich die Psychologie. Es mag ein Tag kommen, an dem wir in der Lage sein werden, die Gesetze der Sozialwissenschaften aus den Prinzipien der Psychologie abzuleiten", Vilfredo Pareto, Manual of Political Economy: A Variorum Translation and Critical Edition, herausgegeben von Aldo Montesanto et. al. Oxford University Press, (1906) 2013, Kap. 2, S. 21.

Menschentypen: Man unterscheidet zwei Typen von Menschen. Solche, die aktiver sind und eher nach vorne "marschieren" mit mehr Risiko  (Do you play to win?) und solche, die eher zurückhaltend, vorsichtig, abwägend und bewahrend sind (Do you play to not lose?). Ersterer Menschentyp wäre für KMU besser geeignet.

Gibt es das Unternehmer-Gen? Sicher gibt es kein Patent-Rezept. Erfolgreiche Unternehmer weisen aber bestimmte Regelmäßigkeiten auf: Sie haben Mut, Disziplin, Durchsetzungsfähigkeit, schöpferische Zerstörung und bestimmte Handwerksinstrumente. Weiterhin ist Freiraum notwendig. Vgl. Welt der Wirtschaft, hr info, 2016, S. 91ff.  Oft spricht man auch von Unternehmergeist

Geduld:  Neuere Studien kommen zu dem Schluss, dass menschliche Geduld für Kapitalbildung, Investitionen und Prosperität sorgt. Das trägt wesentlich zum Reichtum der Nationen bei. Vgl. Studien vom Behavior and Inequality Research Institute in Bonn (Armin Falk)

Narzissten: Die mächtigsten Köpfe der Wirtschaft gehören manchmal dazu (nach psychologischen Studien). Es endet oft im Größenwahn. Man entlarvt diese "Superegos" meist, wenn es schon zu spät ist und sie großen Schaden angerichtet haben (z. B. Thomas Middelhoff, Donald Trump). Sie genießen den öffentlichen Auftritt, sind eitel, unduldsam und beratungsresistent (dulden keinen Widerspruch). Sie umgeben sich daher eher mit Jasagern. Ein Warnzeichen ist das Schreiben einer Autobiographie in jüngeren Jahren. Soziale Netzwerke sind eine Paradies für Narzissten.

Gefühl, wichtig zu sein: Wer sich wichtig fühlt, gönnt sich weniger. Quelle: JeeHye Christine Kim et al.: Too Busy to Lose Control: Impact of Busyness on Indulgent Consumption Behaviors, in: Advances in Consumer Research 2018.

Psychopathen: Sie gelangen überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen (Anteil wesentlich höher in Führungspositionen als im Durchschnitt der Bevölkerung). Firmen-Psychopathen zeichnen sich durch die Merkmale Blenden, Gefühlskälte und Manipulation aus. Das Menschenbild der Ökonomie dürfte dabei einen Einfluss haben ebenso wie falsche Anreize. "Typisch an Führungspersönlichkeiten ist auch, dass man nicht jemand sein kann, der auf moderate, ausgeglichene, überlegt und vorsichtige Weise eine Strategie vermittelt. Man muss zum Fanatischen/Exentrischen neigen", Jack Welch, geb. 1935, Chairman von General Electric bis 2001.

Menschen mit so genannten neurologischen Störungen: Das sind Abweichungen wie Autismus, Dypraxie oder Legasthenie verfügen über erstaunliche Fähigkeiten im Bereich Mustererkennung, Gedächtnisleistung oder Mathematik. Unternehmen müssen ihre HR-Praktiken verändern, um von den Fähigkeiten dieser Menschen zu profitieren. Vgl. Austin, R. D. u. a.: Anders, aber besser, in: Harvard Business Manager, Oktober 2017, S. 52ff.

Hochstapler: Sie wollen etwas anderes sein, als sie wirklich sind. Insofern sind wir alle ein bisschen Hochstapler, weil wir unseren Gegenübern ständig etwas vormachen. Wir spielen verschiedene Rollen und inszenieren uns selbst. Geldgier und Geltungssucht sind die Grundausstattung.

Makel, Komplex: Oft haben es besonders erfolgreiche Menschen geschafft, ihre vermeintliche Schwäche in Stärke umzuwandeln. Menschlicher Makel scheint ein gutes Karriereprinzip zu sein, wie viele Beispiele zeigen.

Hybris: Größenwahn bei Managern von Unternehmen. Topmanager treffen Fehlentscheidungen, weil sie sich selbst überschätzen. Vielleicht kann das auch mit einer krankhaften Persönlichkeitsstruktur zusammenhängen. Man überschätzt sich in seiner Macht.

Authentizität: Gilt als positiver Wert. Heißt, sich selbst treu bleiben. Hat etwas mit dem Original zu tun. Doch manchmal ist es erfolgreicher, die Gefühle zu kontrollieren und geschmeidig zu sein..

Generalisten: Betriebswirte und Ingenieure haben von immer weniger Dingen Ahnung und wissen gleichzeitig immer mehr, wenn es um ihr eigenes Spezial-Gebiet geht. Die Lücken werden mit Wissen aus dem Internet oder aus der Presse bzw. anderen Medien gefüllt. Dies ist eine Folge zunehmender Komplexität der Welt und immer größerer Dynamik in Technik und Wirtschaft. Immer wichtiger werden so Vorsicht bei Entscheidungen, Bescheidenheit und analytisches sowie rationales Denken. Gerade Generalisten sind eher in KMU gefragt.

Sozialpsychologie: Sie beschäftigt sich mit den sozialen Ursachen von und den Einflüssen auf unser Verhalten. Welche Auswirkungen haben unsere Mitmenschen auf unser individuelles Verhalten? Wie hängt z. B. menschliches Verhalten von Geschlechtsrollen, Konformismus und Gruppenzwang ab? Normalerweise liegt heute ein biopsychosoziales Modell zugrunde: die Rolle des Körpers (Gehirn), die Rolle des Geistes (Gedanken, Gefühle, Wünsche, Überzeugungen), die Rolle des sozialen Umfelds (andere Menschen, materielle Umwelt).

Zentrale Konzepte der Sozialpsychologie: Wahrnehmung, Personenbeurteilung, Sympathie (interpersonale Attraktion), soziale Macht, Status und Schicht, Normengenese und Konformität, Führung, Rolle (Rollendruck), Aggression, Sozialisation (soziales Lernen, kognitive Kontrolle, das Selbst), Prozess der sozialen Beeinflussung (Stereotyp, Vorurteil), Kommunikation.

Konformismus: Lässt man den Menschen Freiraum, kopieren sie sich gegenseitig und entwickeln den gleichen Geschmack. Die Menschen sind gefangen im Konformismus durch die Masse. Das ist der Kern der mimetischen Theorie des französischen Philosophen Rene´ Gerard (zuletzt Professor in Stanford, gestorben 2015). Gesellschaften können nur Überleben, wenn sie die Ausbreitung von Gewalt verhindern können. Konflikte entstehen über das Nachahmungsverhalten der Menschen, weil daraus Rivalität und Neid erwachsen. Am Ende geht es nicht mehr um die Sache. Gewalt verselbständigt sich und wird in der Aggressivität kopiert. Einer der größten Investoren im Silicon Valley, der deutschstämmige Peter Thiel, ist Anhänger dieser Theorie. Er unterstützt auch Donald Trump.

Motivation: Sie kann extrinsisch sein (finanzielle Vergütung, soziale Leistungen, soziale Kontakte, Macht, Status) oder intrinsisch (Sinn, Eigenständigkeit, Kompetenz). Äußere Faktoren können die Motivation beeinflussen (Kultur, Unternehmenskultur, Karriereentwicklung, Organisation). Die Motivation kann hoch oder niedrig sein (Demotivation). Normalerweise ist die Motivation in KMU höher als in anderen Unternehmen.

Meditation und Motivation: Meditation schadet der Motivation. Wer meditiert hatte, verspürte weniger Lust, den Auftrag zu erfüllen - und wollte dafür weniger Zeit aufwenden. Ergebnis einer Studie von Andrew C. Hafenbrack (zusammen mit Kathleen Vohs), vgl. HBM 2019, Mindfulness is Demotivating.

Bedürfnisse: Sicherheit, Zugehörigkeit, Selbstverwirklichung, Transzendenz. Im Unternehmen muss allen vier Bedürfnissen Rechnung getragen werden. Wenn dies geschieht, spricht man von Life-Blending.

Bedürfnishierarchie: Sie wurde von Abraham Maslow (1908 - 1970) aufgestellt. Vgl. Ders.: Motivation and Personality, New York 1954. Er entwickelt 5 Dimensionen von Bedürfnissen: Oben stehen Selbstverwirklichung (Moral, Kreativität, Probleme lösen) vor Achtung (Selbstrespekt, Vertrauen, Leistung), Liebe/ Geborgenheit (Freundschaft, Familie, sexuelle Intimität), Sicherheit (Körper, Arbeit, Familie, Gesundheit, Eigentum), Körper (Atmen, Nahrung, Wasser, Sex, Schlaf, Homöostase, Ausscheidung).

Wahrnehmung in zwei Systemen: Das menschliche Intellekt ("mind") funktioniert in zwei Teilen. System 1 arbeitet automatisch und schnell. System 2 geht mit subjektivem Erleben einher und setzt anstrengende mentale Aktivitäten in Gang. Vgl. Daniel Kahneman: Schnelles Denken, Langsames Denken, München 2012, S. 33.

Selbstwahrnehmung (Self-Awareness): Das Innere von uns und wie es empfinden. Oft sind wir in eigenen Erfahrungen gefangen. Wir müssen Reize erkennen, um nicht nur zu reagieren.

Sehen (Verarbeitung visueller Informationen): Von der Netzhaut (Retina) der Augen gelangen visuelle Informationen zunächst über die Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) zu einer Umschaltstation im seitlichen Knieköcker im Mittelhirn. Von hier werden sie in höhere Kortexareale weitergeleitet.  David Hubel (1926-2013) und Torsten Wiesel haben diese Zusammenhänge raus gefunden.

Riechen/ Geruchssinn: Von tieren ist schon lange bekannt, dass sie bei der Partnersuche den Geruch des Gegenüber berücksichtigen. Auch Menschen liefert dieser offenbar Hinweise über die immunologische Ausstattung oder Emotionen. Personen mit Depressionen oder Autismus scheinen Gerüche anders zu verarbeiten als Gesunde. Zudem ist ein abnehmendes Riechvermögen ein Warnsignal, das auf ein erhöhtes Risiko für den baldigen Tod hinweist. Frank Luerweg: Nasentier Mensch, in: Gehirn & Geist Dossier, 3, 2018, S. 18ff.

Zwei Selbste: Diese können in Konflikt treten. Das eine ist das erinnernde Selbst, das Buch führt und die Entscheidungen trifft. Das andere ist das erlebende Selbst, das die Erfahrungen macht. Vgl. Ebenda, S. 505ff.

Kreative Stellenbezeichnungen durch die Mitarbeiter selbst: Wenn Mitarbeiter selbst entscheiden dürfen, gehen sie motivierter zur Arbeit. Dies könnte sogar ein Mittel gegen Burn-out sein. Vgl. Laszlo Bock: Work rules!, Vahlen, München 2016. Auch: Knochensucher und Keimschlachter, in: Harvard Business Manager, Juni 2016, s. 10ff.

Karriere: Unterschätzt wird immer die Rolle von Glück und Zufall. Ansonsten hängen die Kriterien von der Art der Organisation ab. Individuell kann zwischen Qualifikation (Noten) und Persönlichkeitsmerkmalen unterschieden werden (Schönheit, Körpergröße). Mittlerweile glauben auch viele Menschen, dass Opportunismus und Rücksichtslosigkeit wichtig für den beruflichen Aufstieg sind.

Machtspiele: Sie werden auch Intrigen genannt. Sie können überall im Job lauern oder eine Rolle spielen. Sie können auch ein Mittel sein, die eigene Macht auszudehnen. Vor allem Männern wird das Machtmotiv unterstellt. Hier könnte eine der Ursachen vor die Vormacht der Männer in Führungspositionen liegen. Machtspiele sind eng mit Misstrauen verbunden.

Das Prinzip "Sündenbock": Es stammt ursprünglich aus den 3. Buch Mose. Dort erklärt Gott Mose, wie das Volk Israel sich von Zwietracht und Fehlern befreien kann. Bei dem Ritual braucht es zwei Böcke. Das Los bestimmt, welcher geschlachtet und dem Herrn geopfert wird. Dem anderen Bock legt der Hohepriester die Hände auf und überträgt ihm so symbolisch alle Sünden. Das Tier wird dann in die Wüste gejagt. Aggressionen gegen Fremde können in Gesellschaften von eigenen Konflikten ablenken (Rene Girard). Als gutes Beispiel kann Mesut Özil nach der WM 2018 gesehen werden.

Zuschauereffekt: Bei Anwesenheit anderer Personen wird die eigene Verantwortung in vermindertem Maße wahrgenommen. Je mehr Personen anwesend sind, umso wahrscheinlicher ist, dass niemand eine rin Not geratenen Person hilft. John Darley und Bibb Latane machten hierzu wichtige Experimente.

Multikulturalität und Vernetzungskompetenz: Sie sind nicht angeboren. Man muss diese Kompetenzen erwerben. Dazu muss man mit Menschen anderer Kulturen in Kontakt kommen. Nur so kann man den Vorteil von Globalisierung sehen. Menschen mögen Unsicherheit eher nicht. Deshalb neigen sie oft zu Vereinfachungen, die einfache Lösungen bieten (wie etwa Feindbilder).

Nerven im Wettbewerb: In Wettbewerben können Männer schlechter mit Druck umgehen als Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Verhaltensökonomen Alex Krumer aus St. Gallen (vgl. HBM, Februar 2018, S. 16ff.). Die Leistungen der Männer brachen in kritischen Phasen stärker ein als die der Frauen.

Etikette: Erleben eine Renaissance. Sie betreffen Kleidung und Verhalten. Umstritten ist die Frage der sinnvollen Anrede "Sie" oder "Du". Einige Länder schreiben hier Lässigkeit vor. So z. B. Ikea oder H&M in Schweden. Formal beim Sie bleibt man eher in Frankreich. Locker geht es in Italien und Holland zu. Auch die Familie Schwarz bei Lidl hat zum Vornamen geraten. In der Gründerszene ist das Du üblich. 88 Prozent der Deutschen befürworte das Du unter gleichrangigen Kollegen.

Talent: Allein mit Übung und Fleiß lässt sich Erfolg nicht erzielen. Angeborenes Talent ist wichtig.

Hybris und Nemesis: Hochmut und Egoismus sind die schlimmsten Laster im Charakter eines Unternehmers. Sehr anschaulich beschreibt dies James C Collins in seinem Buch "How the Mighty Fall: And Why Companies Never Give in", 2009.

Soft Skills: Mitgefühl (Empathie), Interkulturelle Kompetenz, Blick in den Spiegel (eigene Grenzen), Professionalität, Respekt.

Feedback (kontruktiv): Zuspruch; Mehrwert für Alle; Lobe, wem Lob gebührt. Mittlerweile gibt Feedback-Weiterbildungsveranstaltungen. "There is only one corner of the universe you can be certain of improving, and that´s your own self", Aldous Huxley.

Grundlegende menschliche Emotionen: Dazu gehören Angst, Trauer und Verbitterung. Mit diesen Emotionen muss auch der Unternehmer und Beschäftigte umgehen können. Gegenstrategien beruhen auf Weisheit und Lebenserfahrung. "Um einen Clown zu verstehen, muss man ein guter Mensch sein", Charlie Rivel, berühmter spanischer Clown. Gilt auch für den Umgang mit den Horror-Clowns, die 2016 als Mode aus den USA bei uns ihr Unwesen treiben.

Altruismus: Etwas zu geben oder zu helfen, ohne etwas dafür zu erwarten widerspricht eigentlich der Biologie und ihrem Kampf ums Überleben. Trotzdem verhalten sich Ratten oder Affen auch selbstlos, wie viele Menschen. Das Christentum spricht von Barmherzigkeit. Sie scheint sie aber nicht erfunden zu haben, sondern die Evolution. Altruismus kann zusätzlich von sozialen Erwartungen abhängen. Man kann Altruismus auch trainieren. Weltweit scheit Altruismus zuzunehmen.

Intelligenzquotient (IQ): Er soll das intellektuelle Leistungsvermögen eines Menschen ausdrücken. Der Durchschnitt liegt bei 100. Wer über 115 hat, gilt als überdurchschnittlich begabt. Ab 130 spricht man von Hochbegabung. Den ersten Test entwickelte der Psychologe Alfred Binet. Jahrzehntelang stieg der IQ in den meisten Industrieländern an, auch in Deutschland. Seit einigen Jahren aber sinkt er. Warum? Einige Experten meinen, dass die Digitalisierung die Klarheit des Denkens geraubt habe. Andere machen Chemikalien dafür verantwortlich. Die Gene, die für 70% verantwortlich sind, könnten sich auch verändert haben.

Emotionale Intelligenz: Emotionale Intelligenz hat fünf Komponenten: Selbsterkenntnis, Selbstbeherrschung, Motivation, Empathie und Soziale Fähigkeiten. Vgl. James Coleman, Emotionale Intelligenz, 1995. "Emotionale Intelligenz hat mit Moral nichts zu tun. Sie ist eine kühle Disziplin", Wolf Lotter, Zündstoff, in: Brandeins, 11/16, S. 42.

Multiple Intelligenz: Der Begriff wurde von Howard E. Gardner (geb. 1943) geprägt. Vgl. Abschied vom IQ: Die Rahmentheorie der vielfachen Intelligenzen, 1983. Er leitet sieben Arten von Intelligenz ab: musikalisch-rhythmische, logisch-mathematische, verbal-linguistische, visuell-räumliche, körperlich-kinäthetische, interpersönliche (soziale Fähigkeiten) und innerpersönliche (Selbsterkenntnis). Die Kultur spielt eine wichtige Rolle. Die Theorie hat Einfluss auf den Unterricht in den USA. Jahrzehntelang stieg der IQ in den meisten Industrieländern an, auch in Deutschland. Seit einigen Jahren aber sinkt er. Warum?

Intuition ("Bauchgefühl"): Die Entscheidungen im Unternehmen und im Leben insgesamt folgen oft nicht der Vernunft, sondern einfach einem Bauchgefühl (im Bauch ist ein zutiefst persönlicher Wissensschatz gespeichert). Und je mehr wir entscheiden und je komplexer die Rahmenbedingungen sind, umso so wichtiger wird es, darauf zu hören. Folglich wird die Intuition immer wichtiger, auch in KMU. Sogar Wissenschaftler raten mittlerweile zum Bauchgefühl. Aber was heißt das? Innere Weisheit, innerliche Klarheit, innere Stimme, Gespür für das Wesentliche, was ist im Herzen wichtig? Was ist, wenn es schweigt?  Auf jeden Fall mehr im Moment leben. Vgl. Daniel Kahnemann: Schnelles Denken, langsames Handeln. Jan Becker: Das Geheimnis der Intuition. Ist wohl durch Computer nicht zu ersetzen. Dabei können allerdings auch typische Fehler auftreten (Verfügbarkeit, Verstehen, Ankereffekte). Das Gefühl ist zum großen Teil ein Erfahrungswert. In allen menschlichen Entscheidungen können Fehler auftreten. Deshalb könnte das Gefühl zukünftig in Teilen durch Big Data ersetzt werden. Bauchentscheidungen können aus verfahrenen Situationen einen erlösenden Ausweg finden. Es ist ein Gespür dafür, wann und wie zu handeln ist (zur rechten Zeit das richtige tun). Dahinter steckt die Fähigkeit der Intuition.  "Der Rationalist ist einfach ein Mensch, dem mehr daran liegt, zu lernen als recht zu behalten", Karl Popper. "Intuition und Vernunft sind keine Gegensätze. Sie ergänzen einander ideal", Wolf Lotter, in: brandeins 11/16, S. 36. "Folge nicht den Ideen anderer, sondern lerne auf deine innere Stimme zu hören. Dein Körper und Geist werden klarer, und du wirst die Einheit der Dinge realisieren", Dogen Zenji.

Emotion: Emotional Economics: Dynamische, zeitabhängige Prozesse bei den Auswirkungen von Arbeitsbelastung. Insbesondere Folgen von psychischem Stress. Auch Zusammenhänge zwischen Emotionen und ökonomischem Verhalten, insbesondere auch im finanziellen Bereich. Vgl. www.emotional.economics.uni-mainz.de  . Auch Vertreterin an der Uni Heidelberg gibt es eine Forschungsgruppe, die dieser Richtung zuzuordnen ist (Prof. Dr. Christiane Schwieren). Im Mittelpunkt stehen hier die ökonomischen Entscheidungen unter Stress. Zusammenfassend kann man zu bisherigen Ergebnissen sagen (bis 2017): Höhere Risikoneigung unter Stress. Mehr Cortisol. "Reflection Bias". Emotion ist auch sehr wichtig bei Gründungsprozessen. Vgl. z. B. www.patricknini.com.

Sympathie/ Attraktivität: Das Gehirn braucht 150 Millisekunden, um zu erkennen, ob man in ein männliches oder weibliches Gesicht blickt. Nach 200 Millisekunden stehen genug Informationen bereit, um die Attraktivität des Gegenüber zu beurteilen (Forschungsergebnisse Uni Bamberg 2018). Schön oder hässlich baut auf schon verarbeiteten Geschlechtsinformationen auf. 

Tastsinn: Das Tastsinnessystem beruht auf einer Vielzahl verschiedener Rezeptortypen in der Haut und im Körper. Wie genau diese neuronal verschaltet sind, wir derzeit noch erforscht. Taktische Reize stellen eine Art eigene Sprache dar. Mit ihrer Hilfe können wir anderen gegenüber erstaunlich präzise unsere Gefühle ausdrücken. Viele Studien demonstrieren die Macht der Berührungen im Alltag. Sie machen die Empfänger hilfsbereiter und spendabler. Vgl. Joachim Retzbach: Das Geheimnis der Fingerspitzen, in: Gehirn & Geist 7 Dossier, 3, 2018, S. 6ff.

Managementrollen nach Mintzberg: Informationsfunktion, Interpersonelle Funktion, Entscheidungsfunktion. Vgl. Henry Mintzberg, The Nature of Managerial Work, 1973.

Risikobereitschaft: Je moderner Gesellschaften sind, desto mehr Risiken werden produziert. Wachstum, internationaler Handel, Mobilität und Vernetzung schaffen Vorteile und bergen große Risiken. Das Bewusstsein zum Risiko und die Bereitschaft zur Übernahme von Risiko ist kulturell sehr unterschiedlich. Es gibt zusätzlich eine hohe Korrelation mit der Unsicherheitsabsorption, die ebenso stark von der Kultur beeinflusst wird. Als unabhängige Variable beeinflusst die Risikobereitschaft stark die Gründungstätigkeit und die Bereitschaft zur Selbstständigkeit. "In einer Welt ohne Risiko will niemand leben, wir könnten den Planeten gar nicht ernähren", lloyd Blankfein 2016, Chef von Goldman Sachs.

Optimismus: Eine der wichtigsten Eigenschaften für Unternehmer. Optimismus ist auch abhängig von der jeweiligen Epoche. Am zuversichtlichsten waren die Deutschen zwischen 1958 und 1964 (Quelle: Soziologe Heinz Bude). Optimismus sollte aber nicht entgrenzt auftreten: dann sind Gier oder Größenwahn möglich. Optimismus ist auch ein lukratives Investment. Wer seinen Beruf mit positiver Grundhaltung ausübt, trifft klügere Karriereentscheidungen und erntet die finanziellen Vorteile. Vgl. Mind Over Money: How Optimism Connects to Financial Health, Frost Bank, Januar 2019.

Erfolgreiche Zielsetzung: Sie soll vor allem Ansporn sein. Zusätzlich sollte sie realistisch sein. Sie sollte auf Schmerz und Verstand basieren. Vgl. www.ansporner.de .

Anreiz zur Komplettierung: Menschen lieben es, etwas zu komplettieren. Sie haben eine Freude an Vollständigkeit. Dafür nehmen sie sogar Risiken in Kauf. Vgl. Kate Barasz et al.: Pseudo-Set Framing, Journal of Experimental Psychology, General, 2017.

Agilität: Psychologisch ist Agilität keine Methode oder Einzelmaßnahme, sondern eine generelle Haltung. Im Vordergrund steht aber die Integration in selbst organisierte Teams. Die Agilität muss passen, auf Vorhandenes aufsetzen und sie braucht Reife.

Zaudern: Prozess des Zögerns, an dessen Beginn eine Frage steht und am Ende ein Ja oder Nein. Es bewahrt uns vor unwiderruflichen Urteilen und endgültigen Lösungen. Die Haltung wird oft mit willenschwach und antriebslos verwechselt.

Konservativer Impuls: Waldmann spricht von einer "quasianthropologischen Grunddisposition". Menschen hängen aus Angst vor Verlusten am Altbewährten. Es ist eine intuitive Verankerung des Denkens, Fühlens und Handelns in traditionellen Mustern. Das muss nicht nachteilig sein. Nach Waldmann ist der konservative Impuls ambivalent. Vgl. Peter Waldmann: Der konservative Impuls. Wandel als Verlusterfahrung, Hamburg 2017.

Hirnforschung in der Ökonomie (Neuroökonomie; Verhaltensökonomie): Sie verbindet psychologische, medizinische und ökonomische Erkenntnisse. Es geht um "Production of people and personalities" (Ernst Fehr, Uni Zürich). Im ökonomischen Leben eine wichtige Rolle spielen spielen Gefühle wie Angst und soziale Normen wie Fairness eine wichtige Rolle. Um sich diesen Phänomenen zu nähern, arbeitet man mit Gehirnscannern. Es gibt einen ausgeprägten Hang, so genannte Trittbrettfahrer zu bestrafen. Grundfragen sind die folgenden: Wie werden wir zu der Persönlichkeit, die wir sind? Warum ist jemand kooperativ und ein anderer egoistisch? Woher kommen unsere Präferenzen? "Wir können ethischen Verhalten ändern und haben die Möglichkeiten dafür noch längst nicht ausgeschöpft", Ernst Fehr, Uni Zürich. Auch: "In der Modellwelt der Ökonomie wird viel weggelassen, was im Leben eine wichtige Rolle spielt". (Zitiert nach: Torsten Riecke: Mit warmem Herzen und kühlem Kopf, in: Handelsblatt, Nr. 35, 19. 02.2015, S. 12,13).

Neurofeedback: Man könnte es als Tuning fürs Gehirn (mehr Leistungsfähigkeit und mehr Aufmerksamkeit) sehen. Einmal kann dies durch leistungssteigernde Pillen erreicht werden. Zum anderen werden Entspannungstechniken eingesetzt. Je entspannter, desto besser arbeitet das Gehirn. Das Gehirn soll in einer optimalen Frequenz arbeiten.

Gedächtnis: Es ist kein Speicher, der genau Fakten und Daten festhält wie ein Computer. Unsere Wahrheit im Kopf wird beweglich gehalten. Es wird vieles ausgelassen oder ergänzt. Es bestimmt, wer wir sind und was wir sein wollen. Im alter scheinen die Gedächtnislücken größer zu werden. Das Gedächtnis befähigt uns, alte Erfahrungen in einen aktuellen Zusammenhang zu stellen und anstehende Aufgaben anzupacken.

Engramme: Feinmechanik des Erinnerns. Kurz aufeinander folgende Erlebnisse werden im Gedächtnis miteinander verknüpft. Die Erinnerung an das eine löst meist auch jene an das andere aus. Das Gehirn speichert entsprechende Inhalte in teilweise identischen Neuronengruppen ab. Vgl. Rashid, A. J.: Competition between Engramms Influences Fear Memory Formation and Recall, in: Science 2018,  353, S. 383-387.

Vergessen/ Plastizität: Vergessen ist ein wichtiger und unterschätzter Bereich. Ohne ihn können wir nicht abstrakt denken. Darüber hinaus hilft es beim Erinnern. Unsere Erinnerungen ändern sich mit jedem Abruf. Bei Menschen mit Posttraumatischen Belastungsstörung ist das traumatische Erlebnis allerdings schreibgeschützt gespeichert. Vgl. Draaisma, D. Das Buch des Vergessens, Köln 2013.

Handschrift und Denken: Smartphones und Sprachnachrichten bedrohen die Handschrift. Sogar in den Schulen gerät sie ins Hintertreffen. Dabei soll das Schreiben das Denken vorantrieben und eine Persönlichkeit abbilden. Hirnforscher und Psychologen weisen darauf hin, das die Schrift wichtig für Denken und Gedächtnis ist. Vgl. Schnabel, U./ Scholz, A.- L.: Die Anspitzung des Denkens, in: Die Zeit 40, 26.09.2019, S. 43.

Lügen: Gesellschaften funktionieren nicht ohne Lügen. Es kommt darauf an, für wen man schwindelt - für sich oder andere. Das Gehirn muss dabei mehr arbeiten, als wenn man die Wahrheit sagt. Es gibt auch notorische Lügen, bei denen das Angstzentrum im Gehirn weniger aktiv ist. Lügen will psychologisch gelernt sein: Mimik, Gestik und Haltung müssen stimmen.

Bewusstsein: Bewusstsein entsteht nicht in einem einzelnen Hirnbereich, sondern durch das dynamische Zusammenwirken vieler Hirnregionen. Eine zeitliche Übereinstimmung von Hirnwellen fördert offenbar die Kommunikation zwischen den beteiligten Arealen. Die neuronalen Synchronisationsmuster verändern sich, wenn unser Bewusstseinsinhalt wechselt oder wenn wir in Bewusstlosigkeit abgleiten. Vgl. A. K. Engel: Im Takt des Bewusstseins, in: Gehirn & Geist, Dossier, 3, 2018; S. 24ff.

Querdenken: Auch mal gegen den Strom und Konventionen denken. Hängt eng mit Meinungsfreiheit zusammen. Befindet sich in Deutschland kulturell auf dem Rückzug. "Querdenken gilt in Deutschland so lange als gut, bis es wirklich praktiziert wird", Christian Scholz, Personalforscher, Uni Saarbrücken.

Bedeutung der Familie: Menschen lernen, auf die Mitglieder der Familie zu reagieren. Diese Reaktionen verfestigen sich zu einer Rolle. diese Rolle kann das authentische Selbst überdecken und bis ins Erwachsenenalter fortwirken. Die Familie ist insofern die "Fabrik", in der Menschen gemacht werden. Wichtig ist diese Erkenntnis für das Verstehen von Familienunternehmen und ihre Geschichte. Virginia Satir (1916-1988, USA) hat dazu ein familientherapeutisches Ausbildungsprogramm entwickelt (Satir-Modell). Vgl. Collin C. u. a.: Das Psychologiebuch, München 2012, S. 146f.

Familienorientierung in verschiedenen Kulturen (Verbindung von Privatem und Geschäftlichem): Die islamische Religion beeinflusst stark das Geschäftsleben. Es gelten die fünf Säulen das Islam: Glaubensbekenntnis (Schahada), Gebet (Salat), Almosensteuer (Zakat), Fastenmonat Ramadan und Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch). Familiäre Strukturen und traditionelle Werte prägen auch das Business.  Gastfreundschaft, indirekte Kommunikation, Gastgeschenke und Netzwerke sind darüber hinaus besonders wichtig. Danwei (Einheit von Familie und Arbeitseinheit usw.) übt einen starken Einfluss in China aus. Z. B. bringen die Kredite der Auslandschinesen an Angehörige im Land die Wirtschaft immer wieder in Schwung. Auch sind viele Privatunternehmer auf die Hilfe ihrer Familie und Freunde angewiesen, da sie bei staatlichen Banken nur schwierig Kredite bekommen. Die Danwei - Philosophie führt dazu, dass der Wert des Einzelnen als begrenzt angesehen und das Individuum nur in seiner Funktion als Teil eines sozialen Verbandes wertvoll betrachtet wird.

Trennungskinder: Studien zeigen, dass Kinder unter der Trennung ihrer Eltern ein Leben lag leiden können. Es können psychische Krankheiten entstehen. In Österreich ist seit 2013 per Gesetz im Falle einer Scheidung bei minderjährigen Kindern eine Beratung vorgeschrieben.

Gute Erfahrungen in der Kindheit: Gute Erfahrungen in der Kindheit wie Unterstützung durch die Eltern, ein echter Freundeskreis, Anschluss in der gemeinde machen im späteren Leben weniger anfällig für Depressionen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, selbst gesunde, stabile Beziehungen einzugehen. Quelle: Studie der John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore.

Der eindimensionale Mensch: Berühmte These von Herbert Marcuse von der Frankfurter Schule (zusammen mit Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas). Fantasie und Idealismus werden im Kapitalismus durch ökonomische Kalkulation, technische Problemlösung und Befriedigung der Bedürfnisse anspruchsvoller Konsumenten in der Massenkultur ersetzt.  So auch der Titel seiner berühmten Schrift.

Netzwerke (Vitamin B, Beziehungen, Guanxi, Fakelaki): In jeder Kultur spielen informelle Netzwerke im Geschäftsleben eine große Rolle. In Kulturen mit einem hohen Anteil an indirekter Kommunikation nehmen diese Netzwerke einen großen Raum ein. Sie zeigen sich vor allem in der Ess- und Trinkkultur. Geht nichts mehr ohne Einsatz dieser Mittel, spricht man von Korruption. Die NGO Transparency International stellt jährlich einen Korruptionsindex auf. In der EU nimmt Griechenland einen unrühmlichen Spitzenplatz ein. Ob Fahrprüfung oder Baugenehmigung, ohne Bestechungsgeld läuft fast gar nichts. "Beziehungen schaden nur dem, der sie nicht hat", Otto Bettermann, Menden, Unternehmer, "Hidden Champion".

Netzwerken: Kontaktpflege und Aufbau eines beruflichen Beziehungsnetzes. Folgende Empfehlungen könnten nützlich sein: 1. Auf das Lernen konzentrieren. 2. Gemeinsame Interessen finden. 3. Gründlich überlegen, was sie zu bieten haben. 4. Nach einem höheren ziel suchen. Vgl. Casciaro, T./ Gino, F./ Kouchaki, M: So lernen sie Netzwerken, in: Harvard Business Manager Oktober 2016, S. 92ff.

Psychologische Gerechtigkeit: Menschen brauchen die Überzeugung, in einer gerechten Welt zu leben. Deshalb glauben wir, dass Menschen bekommen, was sie verdienen (und verdienen, was sie bekommen). Wichtige Erkenntnisse gehen auf Melvin Lerner (geb. 1929) zurück. Der Ansatz folgt der psychologischen Attributions-Theorie. Dieser Ansatz ist wichtig für die Akzeptanz von Unternehmenserfolg und wirtschaftlicher Macht.

Gerechtigkeitsempfinden: Menschen haben ein angeborenes Gerechtigkeitsempfinden. Noch stärker ist das Ungerechtigkeitsempfinden. Menschen verhalten sich aber immer mehr passiv im Hinblick auf das Ungerechtigkeitsempfinden. Die Individualisierung schreitet voran. Die Solidarität in der Gesellschaft nimmt ab. So tun Menschen oft aktiv erst etwas, wenn ihnen selbst Ungerechtigkeit widerfährt.

Kohlbergs Moralstufen: Moralisches Bewusstsein bildet sich bei Kindern automatisch heraus und basiert auf dem grundlegenden Prinzip der Gerechtigkeit. Lawrence Kohlberg lebte von 1927 bis 1987. Er studierte die Entwicklung der Moral, indem er Kinder mit Situationen konfrontierte, die einen Konflikt zwischen zwei und mehreren moralischen Prinzipien aufwiesen. Dass etwas strafbar ist, entscheidet sich auf Stufe 1 darüber, ob das Kind es für richtig oder falsch hält, auf Stufe 2, ob andere es wollen und ob es belohnt wird. Auf Stufe 3 bedeutet gutes Verhalten, es gefällt anderen und hilft ihnen. Auf Stufe 4 ist der Respekt vor Autoritäten. Auf Stufe 5 verstehen die Kinder, dass manchmal die Rechte des Individuums vorgehen. Auf Stufe 6, der höchsten, werden Handlungen durch selbst gewählte ethische Prinzipien wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Achtung der Menschenwürde bestimmt. Vgl. Jarett, C.: Psychologie, Librero 2019, S. 42.

Psychological Safety: Der Begriff von von der Harvard-Professorin Amy Edmondson eingeführt. Er bezeichnet das subjektive Gefühl, innerhalb einer Gruppe gut aufgehoben zu sein. Man kann Ideen einbringen ohne Zurückweisung und frei seine Meinung äußern.

Leistung: Sie lässt sich auf drei Hauptbedürfnisse zurückführen (David McClelland, 1917-1998). Erstens auf das Bedürfnis, sich stetig zu verbessern und auszuzeichnen. Zweitens auf das Bedürfnis, andere zu beeinflussen. Drittens auf das Bedürfnis, freundschaftliche Beziehungen zu knüpfen und aufrechtzuerhalten. "Leistung ist nicht individuell und kein Wert an sich, sondern ein soziales Vermögen - etwas, das man der Familie, dem Freund, der Gesellschaft gegenüber leisten kann", Dieter Schnaas, in; Wirtschaftswoche 24, 8.6.18, S. 81.

Nudge (Nudging) als zentrales Element: Zentraler Fachbegriff aus der Verhaltensökonomik. Er wurde von R. H. Thaler (Nobelpreis 2017) and C. R. Sunstein eingeführt (vgl. Dieselben: Wie man kluge Entscheidungen anstößt, 2009/ USA 2008; ebenso D. Kahnemann: Schnelles Denken, langsames Denken, München 2012, USA 2011). Kahneman führt folgende Bausteine ein: Zwei Selbste, Econs und Humans, Zwei Systeme. "Nudge" ist das Gegenteil eines Verbots oder eines Befehls. Es geht um kluge, durchdachte Entscheidungshilfen und -anstöße.  Damit ist die Kraft, Menschen zu beeinflussen, größer. Beispiele bei Thaler sind eine Fliege im Urinal oder Obst in Griffnähe. Bei total freien Märkten kann Nudge zum Desaster führen, weil die Menschen keine guten Entscheider sind (Argument für die Regulierung von Gesundheitsmärkten). Der Begriff spielt heute auch in der Marketing-Kommunikation eine große Rolle. Die bekannteste Art von Nudges sind Standardvorgaben, die Defaults. Diese sollen Menschen in eine bestimmte Richtung "stupsen". Nudges können die Entscheidungen von Menschen verbessern, wie sie in Form gut aufbereiteter Informationen angeboten werden. Sie können auch die Selbstbindung verstärken (Selbstkontrollprobleme reduzieren; z. B. durch Wetten). In der Praxis kann Nudging in der Wirtschaftspolitik (Gefahr: Verwaltungsfreude, Obrigkeitsdenken), bei Konsumente (Gefahr: Manipulation), in der Alterssicherung und beim Verbraucherschutz bewusst eingesetzt werden. So gesehen ist es sanfter Paternalismus und verhaltensökonomisch fundierte Ordnungspolitik. Die Frage ist, ob unvollständige Rationalität eine hinreichende Begründung ist.

Manager brauchen einfache Anreizsysteme: Der Forscher Florian Englmaier ließ in einem landwirtschaftlichen Großbetrieb Zettel an die Erntemaschinen hängen. Darauf stand, wie viel das Unternehmen seinen Erntehelfern an dem Tag pro geerntetem Salat zahlen würde. Dies erhöhte die Produktionsmenge der Teams und den Verdient der Teamleiter deutlich. Vgl. Harvard Business Manager Juni 2018, S. 16f.

Sucht: Mehr Leistung um jeden Preis lässt sich oft nur mit Drogen und Rauschgift erreichen. Man spricht auch von Hirndoping (z.B. Koks, Amphetamine). Die Delikte beim Bundeskriminalamt sind zwischen 2009 und 2013 sehr stark angestiegen.

Wirkungen Alkoholkonsum: Medizinisch ist völliger Alkoholverzicht wohl am gesündesten. Sozial kann Trinken ein effizienter Signalmechanismus sein. Es kann als vertrauensbildende Maßnahme interpretiert werden (Haucap/ Herr, Düsseldorf). Je erfolgreicher Menschen sind, desto trinkfreudiger sind sie. Das gilt besonders für Frauen.

Neue Erwartungstheorie (Prospect Theory; Daniel Kahneman, geb. 1934): Wir neigen dazu, die Häufigkeit relativ unwahrscheinlicher Ereignisse zu überschätzen und die Häufigkeit von Ereignissen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu unterschätzen. Wir such dabei ständig nach Kausalverknüpfungen. mit diesem Gebiet, das der Verhaltensökonomie zugerechnet wird, können Entscheidungspräferenzen in risikobehafteten Situationen erklärt werden. Es spielt auch eine große Rolle beim Erklären von Unternehmerverhalten in KMU.

Entscheidungsfindung bei Unsicherheit: Der Mensch wendet bei seinen Entscheidungen die Heuristik auf Basis einer Einschätzung der Chancen und Risiken und nicht auf Basis des Ergebnisses an. Er spricht von "Verfügbarkeitsheuristik". Das braucht nicht notwendigerweise die beste Strategie zu sein. Vgl. Kahneman, D.( zusammen mit Amos Tversky) : Thinking Fast and Slow, New York 2013

Dankbarkeit: Grundlegende Forschungen stammen von Robert Emmons. Dankbare Menschen sind glücklicher, hilfsbereiter und einfühlsamer. Sie sind insgesamt auch erfolgreicher. Dankbarkeit kann man trainieren und regelmäßig üben. Eine dankbare Lebenseinstellung ist Grundlage jeder Veränderung. Mittlerweile gibt es auch Dankbarkeits-Coaching. Dankbarkeit kann helfen gegen Stress, Schlafstörungen und Depressionen. Psychologen empfehlen, täglich fünf Dinge zu notieren, die man als Geschenk empfindet.

Lob: Feedback für die geleistete Arbeit. Es kann Menschen stark motivieren. Es sollte aus echter Überzeugung verteilt werden. "Wer seine Arbeit nur noch als Instrument sieht, um an eine Belohnung zu gelangen, erledigt sie so simpel wie möglich", Edward Deci, US-Sozialpsychologe.

Freundlichkeit: Freundlichkeit kann ökonomisch auf Märkten nützen. Immaterielle Anreize wie Lob und Anerkennung werden in der Gesellschaft eher unterschätzt, finanzielle Anreize überschätzt. Derartige nicht finanzielle Anreize haben auch einen starken Einfluss auf Konsumentscheidungen (M. Kirchner, Uni Innsbruck, Experimental Economics). Motto: "Wer nett ist, bekommt mehr Eis".

Lachen: Teams, die ihre Emotionen zur Schau stellen, haben mehr Erfolg. Oder einfacher: Wer lacht, gewinnt. Astrid Hopfensitz von der Toulouse School of Economics konnte diese These in einer empirischen Untersuchung bestätigen. Vgl. Havard Business Manager, September 2018, S. 16f.

Vertrauen: In der Psychologie ein aufeinander verlassen können. Dadurch kann erheblich Teamarbeit und Produktivität gefördert werden. Auch die Krankheitstage sinken. Vgl. Paul J Zak: Wie Vertrauen die Leistung steigert, in: Harvard Business Manager, Mai/2017, S. 72ff.

Ehrlichkeit: Wer in einem Wettbewerb siegt, handelt danach eher unehrlich als Verlierer. Der Sieg löse ein Gefühl der Überlegenheit und Anspruchsdenken aus, das wiederum ein Übertreten von Regeln leichter mache (Experimente an der Hebräischen Universität Jerusalem).

Anstand: Das moralisch-ethische Verhalten jedes Einzelnen. Grundgedanke ist, dass Menschen nur im zusammenleben existieren können. Manche ziehen sich in die Sicherheit der eigenen sozialen Schicht zurück. Andere verlieren sich in der Arbeit an der eigenen "Performance". Viele Menschen arbeiten zu sehr am Ego und zu selten am Wir. Vgl. Axel Hacke: Über den anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen, 2017 (Kunstmann-Verlag). Vgl. auch: Ders.: Anstand, in: die Zeit, Nr. 35, 24. August 2017, S. 51ff.

Wandel im Unternehmen: Nach Kurt Lewin (1890-1947, Feldtheorie) versteht man ein System erst dann, wenn man versucht, es zu verändern. Deshalb liefert ein Veränderungsprozess wichtige Informationen über ein System.

Gerüchte: Sie entstehen durch einfache Situationsdeutungen in einem kommunikativen Vakuum. Sie sind nie ganz zu verhindern, allenfalls kann man sie eindämmen. Sie sind auch Ausdruck kollektiver Selbsthilfe, wenn ein Mangel an Informationen besteht oder wenn Normen und Werte verletzt werden. Eine Gruppe von Menschen kann sich dann in einer als unsicher empfundenen Situation wieder stark fühlen. Dieses Wir-Gefühl entsteht auf Kosten anderer.

Stress: Der Begriff kommt vom österreichisch-kanadischen Mediziner Hans Selye (später gestand er, dass "Strain" besser gewesen wäre).  Zunächst stieß er auf Unverständnis. Er entdeckte auch das Adrenalin und die Hormonklasse der Corticoide. Er unterschied schon 3 Phasen der Stressreaktion: Alarmreaktion, Widerstandsstadium, Erschöpfungsphase. Heute herrschen drei Modell zur Erfassung von Stress am Arbeitsplatz vor: Das "Job Demands-Control"-Stressmodell, das "Job-Demands-Resources"-Stressmodell und das "Effort-Reward"-Stressmodell; vgl. Bauer, Joachim:  Arbeit, München 2013, S. 83ff. Führt Stress zur massiven Bedrohung der psychischen Gesundheit spricht man von Burn-out. Herausragende Forscher auf diesem Gebiet sind Kurt Lewin, Herbert Freudenberger und Christina Maslach. Immer mehr Konzerne schulen inzwischen Manager, dass sie Gespür für psychische Probleme der Mitarbeiter zeigen. In jüngster Zeit wird der Stress nicht mehr so sehr als Krankmacher verteufelt, sondern eher als Lebensretter gesehen. Stress hält die Evolution auf Touren. Eine Studie an der UCLA (Laura Klein) zeigt, dass Frauen und Männer unter Stress unterschiedlich reagieren, weil unterschiedliche Hormone freigesetzt werde. Bei Männern Testosteron, das aggressiver und aktiver macht. Bei Frauen Oxytocin, das das  soziale Verhalten steigert und sich positiv auf das allgemeine Wohlbefinden auswirkt (Argument für eine weiblichere Welt). Vorsichtig sollte man sein, persönlichen Stressbekundungen zu glauben. Stress ist in vielen Berufen ein Status-Symbol. Geschäftigkeit gilt als Auszeichnung. Stress kann Erinnerungen, Lernen und den Tastsinn beeinflussen. Verantwortlich ist das Stresshormon Cortisol, das die Wahrnehmung beeinflusst. Stress fördert das Mitgefühl und Einfühlungsvermögen (Forscher der Uni Wien).  Im Auftrag der Technikerkrankenkasse macht 2013 das Meinungsforschungsinstitut Forsa eine Umfrage zu Stress in Deutschland ("Bleib locker Deutschland"). Immer mehr Menschen kommen an die Belastungsgrenze. Im Süden Deutschland gibt es mehr Stress. Der Job ist der größte Stresstreiber. Psychische Leiden der Beschäftigten lassen den Krankenstand in den Betrieben seit Jahren steigen (Leistungsdruck und schlechter Führungsstil der Vorgesetzten). "Ohne Leid ändert sich nichts, schon gar nicht die menschliche Natur", C G. Jung. "Beim Burn-Out warst du damals nicht so gut drauf", Sepp Maier, Torwartlegende. Ein europäisches Forscherteam kommt 2014 mit Experimenten zu folgendem Ergebnis: Stehen Männer unter Stress, denken sie zuerst an sich selbst. Bei Frauen ist genau das Gegenteil. 2012 lag die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage, die auf psychische Probleme und Verhaltensstörungen zurückgehen, bei rund 61,5 Mio. (mehr als jeder sechste Krankheitstag: Bundesarbeitsministerium). 2015 nehmen die Diagnosen von Burn-out und Depression dramatisch zu: Jede siebte Krankschreibung in Deutschland hat seelische Ursachen. Auch 2017 ist Arbeit noch der Hauptstressfaktor. 30- bis 39-Jährige leiden besonders. Vgl. Fischer/ Schorn: Die gestresste Gesellschaft, in: Handelsblatt, Nr. 113, 14.06.17, S. 24, 25.  "Spannst du eine Saite zu stark, wird sie reißen. Spannst du sie zu schwach, kannst du nicht auf ihr spielen", Gautama Buddha.

Burn-out: Überforderung und psychischer Zusammenbruch durch die Arbeit. Besonders Gebertypen sind anfällig dafür (Hilfsbereitschaft ist aber eine Management-Tugend). Selbstlosigkeit kann zu dauernder Erschöpfung führen. Deshalb sollte man mehr tun, was einen selbst interessiert, die Belastung möglichst breit verteilen, auf eigene Bedürfnisse achten, Widerstand maximieren und Nehmer auf Abstand halten. Vgl. Harvard Business Manager, Mai 2017, S. 22ff.

Stressreaktionen des Körpers: Stressachsen werden in Bewegung gesetzt. Betroffen sind Hypothalamus, Hypophyse, Sympathikus, Bronchien und Nebenniere. Sie arbeiten mit Adrenalin und Kortisol. Bei extremem Stress kann eine posttraumatische Belastungsstörung auftreten (PTBS).

Grenzerfahrungen: Dazu gehören Kriegserlebnisse. Menschen wachsen an Grenzerfahrungen oder sie zerbrechen. Also bringen sie einen Reifeprozess oder Traumatisierung.

Einsamkeit: Unfreiwilliges Alleinsein. Es kann auch zu Schmerz führen. Einsame Menschen begegnen ihrer Umwelt mit mehr Misstrauen. Man spricht von chronischer Einsamkeit, wenn sie lange anhält. Am stärksten betroffen sind ältere Menschen. Sozial isolierte Menschen haben ein um 42% erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt. Im Mai 2019 gibt es eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP: Bei den 45- bis 84-jährigen ist von 2011 bis 2017 die Quote derjenigen, die sich einsam fühlen, um 15% gestiegen. Probleme gibt es bereits bei Jugendlichen. Soziale Isolation fördert das Auftreten bestimmter Krankheiten. Großbritannien, Japan, Dänemark und Australien gehen gegen Einsamkeit vor (Quelle: wissenschaftliche Untersuchung 2019).

Angst: Es gibt eine Rangliste der Ängste. An der Spitze ist die Angst, öffentlich zu reden (Lampenfieber). Dann folgen große Höhen, Geldmangel, Tiefes Wasser, Ungeziefer, Krankheit und Tod, Flugangst, Einsamkeit, Hunde, Autofahren (Quelle: Statista). Es gibt eine jährliche Umfrage zu den Ängsten der Deutschen (seit 1992, 2300 Bundesbürger, Auftrag R+V-Versicherung). 2018 führt die angst vor Donald Trump vor Zuwanderung.

Resilienz: Entspricht am ehesten dem deutschen Begriff "Widerstandsfähigkeit" (auch "Elastizitätsfähigkeit"). Es ist die Fähigkeit, auf Krisensituationen besonders gut zu reagieren. Es ist die Fähigkeit, nach ausgeprägtem Alltagsstress und elementaren Krisen möglichst rasch einen seelischen Normalzustand zu erreichen. Aus der Psychologie wurde der Begriff auch in die Ökonomie übernommen. Die Resilienz wird auch beeinflusst von der Kultur und von der Unternehmensgröße. Bezogen auf KMU spricht man von System - Resilienz. Diese kann besonders wichtig sein bei extremen Krisensituationen. Allgemein gilt die Hypothese, dass die Resilienz bei KMU höher als bei Großunternehmen ist. Individuell besteht eine hohe Korrelation zur Arbeitszufriedenheit (und die wiederum beeinflusst die Produktivität stark). Resilienz bedeutet auch, Misserfolge hinzunehmen und weiterzumachen. Die Psychologie versucht, das Geheimnis resilienter Menschen zu ergründen. Erwiesen ist die prägende Kraft schwieriger Kindheitserfahrungen.  Vgl. Meg Jay: Die Macht der Kindheit, Hoffmann und Campe 2018.  In Mainz gibt es seit 2014 das Deutsche Resilienz Zentrum. Es erforscht Stressfaktoren (Stressoren, neurobiologische Forschungserkenntnisse).

Futability: Bewältigung von Veränderungen und Transformation. Vgl. Melanie Vogel: Futability, 2016. Unsere Welt ist VUCA geworden: volatil, ungewiss, komplex und mehrdeutig. Es geht darum, mit Veränderungen umzugehen. "Lernen bedeutet nicht nur das Aneignen neuen Wissens und neuer Kompetenzen, sondern auch das bewusste Ver-Lernen von veralteten Informationen, die in einer veränderten Umwelt zum mentalen Ballast werden". Vgl. auch www.futability.com .

Zeitmanagement: Wird immer wichtiger. Gilt für Arbeitnehmer, Elternteil, Verbraucher oder Partner. Grund ist der immer komplexer werdende Alltag. Techniken, die Überforderung verhindern, werden immer wichtiger. Dazu gehören: Technik abschalten, Nein sagen, Aufgaben eliminieren, Leistungen auslagern. "Laufe nicht der Vergangenheit nach, verliere dich nicht in der Zukunft. Die Vergangenheit ist nicht mehr. Die Zukunft ist noch nicht gekommen. Das Leben ist hier und jetzt", Laotse.

Karma Business: Es gibt drei Glücksfaktoren: Wachstum, Kreation, Fürsorge. Karma Business besteht aus fünf Prinzipien: Das Prinzip "Freude", das Prinzip "Klarheit", das Prinzip "Mitgefühl", das Prinzip "Freigebigkeit", das Prinzip "Leerheit". Dazu gibt es drei Regeln: Regel Nr. 1, Geld erwirtschaften; Regel Nr. 2, Freude am Geld; Regel Nr. 3, Bedeutsamkeit. Zum Set-up gehören idealer Businesspartner, Transparenz in der Positionierung, Integration von Archetyp und Lebensaufgabe, Herzenswärme und emotionale Intelligenz, Zehn Prozent, Gelassenheit in allen Situationen. Siehe Niedermeier, Katja: Karma Business, München 2017.

Achtsamkeit: Modethema in der Wirtschaft 2013 und 2014. Achtsamkeit soll vor Stress und Überforderung schützen. Es werden viele Kurse bei den und für die großen Unternehmen international eingerichtet ("Search inside yourself", Google). Es geht um Stressbewältigung und Meditation. Die Konzeption und der Grundgedanke stammen aus dem Buddhismus. Hier steht die "sehende" Achtsamkeit im Vordergrund.  In KMU kann Achtsamkeit in Prozessmanagement, Unternehmensführung und Personalwirtschaft einfließen. Achtsamkeit dürfte eine der wichtigsten Fähigkeiten in unserer schnellen Zeit sein. "Nicht außerhalb, nur in dir selbst soll man den Frieden suchen. Wer die innere Stille gefunden hat, der greift nach nichts, und verwirft auch nichts", Buddha.

Achtsamkeit als Lebenseinstellung: Achtsamkeit ist weniger eine Methode, die man sich aneignen kann, sondern eine innere Haltung, die das ganze Leben beeinflusst. Damit beeinflusst sie auch die Art zu erziehen und zu unterrichten.  Psychische Ressourcen sind wichtiger als Wissenserwerb. Vor allem Unvoreingenommenheit und Offenheit sind gefragt.

Atmen: Durch freies Atmen lässt sich leichter leben. Ob im tibetischen Buddhismus, im indischen Yoga oder im Taoismus aus China - bei allem östlichen Lehren und Körperübungen - spielt die Atmung eine wesentliche Rolle. Bewegungen müssen mit dem Atmen koordiniert werden, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Chu Tan Cuong, ein Kung Fu - Großmeister, erzielt spektakuläre Heilerfolge. Vgl. Helga Segatz: Einfach atmen, Rowohlt 2018.

Heil - Fasten: Hildegrad von Bingen, die von 1098 bis 1179 lebte, war nicht nur Äbtissin, sondern auch Mystikerin und Forscherin. Fasten bedeutet für sie Reinigung und Reneration des ganzen Körpers. Überschüssige Säuren werden ausgeschieden. Geist und Seele erlangen neue Klarheit und Bewusstwerdung. Es bietet auch die Möglichkeit, uns selbst besser kennen zulernen, das eigene Bewusstsein zu erweitern, der Seele Raum zu geben. "Hüte dich, höher hinaufzusteigen, als deine Kraft zu tragen vermag. In all deinen Unternehmungen umfange vielmehr "Discretio", die Maßhaltung", Hildegrad von Bingen.

Ruhig bleiben unter Druck in Extremsituationen: Es gibt verschiedene Trainingsmethoden dafür: Die Was - Wäre - Wenn - Methode, Meditation und Yoga, Gewohnheit, Erst denken, dann handeln.

Coue´- Methode (Autosuggestion): Der französische Apotheker Emile Coue´ begründete diese Methode in den 1920er-Jahren. Sie hat unzähligen Menschen geholfen. Damit können die Selbstheilungskräfte mobilisiert werden. So kann man schneller gesund werden. Es ist die Kunst der positiven Selbstbeeinflussung durch mentales Training. Das kann helfen, Lebenskrisen und Schicksalsschläge zu bewältigen.  Grundlage ist die Tatsache, dass das Unbewusste die Funktionen unserer Organe überwacht.

Muße: Müßiggang, um Ruhe zu bewahren und sich von Stress zu erholen. Freie Zeit jenseits von Nützlichkeitsperspektiven. Freie Räume für verschiedene Möglichkeiten der Lebensgestaltung. Als Musterbeispiel gilt die Comic-Figur Snoopy, der Hund von Charly Brown. Vgl. Otium: Verein zur Förderung des Müßiggangs. www.otium-ev.de . Muße wird oft gleichgesetzt mit "Sich -Treiben - lassen", seliges Nichtstun oder erholsame Langeweile. Wichtig ist der Freiraum, der geschaffen wird und nach persönlichen Bedürfnissen genutzt wird (die Mitte finden, Auszeiten nutzen, Zeit für Wesentliches finden). 

BERN: Ein ganzheitlicher Ansatz auf vier Säulen zur Gesundheit. Es geht um die Mind-Body-Medizin. Behavior: stressreduzierendes Verhalten. Exercise: ausreichend Bewegung. Relaxation: regelmäßige innere Einkehr und Entspannung. Nutrition: achtsamer Genuss und gesunde Ernährung. Vgl. Esch, Tobias: Der Selbstheilungscode. Die Neurobiologie von Gesundheit und Zufriedenheit, München (Goldmann) 2018, S. 213ff.

Wert von Schwellenzeiten: Phasen im Leben, in denen sich ein Wandel ankündigt. Alte Strukturen und Vorstellungen werden brüchig. Man kann diese Zeiten nutzen, um ganz bewusst nach innen zu gehen. Heilsames kann in Bewegung kommen. Vgl. Natalie Knapp:  Der unendliche Augenblick. Warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind. Rowohlt/ Berlin 2015.

Langeweile: Sie kann geistige Produktivkraft sein. Tagträume machen kreativ. Dösen kann stimulieren. Es kommt auf die Art der Langeweile an.   "Man muss die Zeit nicht vertreiben, man muss sie zu sich einladen", Walter Benjamin.

Neugier: Wer neugierig ist, lernt schneller und ist kreativer. Neugierige Menschen arbeiten auch besser unter Stress. Wer nicht fragt, bleibt eher dumm. Viele zufällige Entdeckungen werden durch Neugier gemacht. Viele Führungskräfte unterbinden allerdings Neugier aus Furcht vor Risiko und weniger Effizienz.  "Es ist wichtig, dass der Kopf sich ständig weitet. Wenn wir nicht mehr neugierig sind, dann bleiben wir stehen", Jörg Mittelsten Scheid, als Digitalisierungsmacher 2017 für sein Lebenswerk geehrt, mit 81 Jahren.

Fünf Dimensionen der Neugier: 1. Antrieb durch Wissenslücken. 2. Entdeckungsfreude. 3. Soziale Neugier. 4. Anspannungstoleranz. 5. Suche nach dem Nervenkitzel. Vgl. Kashdan, T. B./ Disabato, D. J./ Goodman, F. R./ Naughton, C.: Die fünf Dimensionen der Neugier, in: HBM Dezember 2018, S. 34ff.

Überheblichkeit: Todsünde im Management. Man sollte bescheiden bleiben und immer offen für einen besseren Vorschlag. Vgl. Bill Taylor: How Great Organizations Do Ordinary Things in Extraordinary Ways, Penguin 2016. Taylor ist Mitbegründer der "Fast Company"

Demut (lateinisch: humilitas - Mut zur Wahrheit): Ist auch lernbar. Man sollte sich bewusst in Situationen begeben, in denen man Schüler ist. Rollenwechsel kann sinnvoll sein. Eng damit zusammenhängend ist Mäßigung. "Life is what happens to you while you are busy making other plans", John Lennon, Beatles, 19040-1980).

Humor: Gelegentliche Scherze können Besprechungen auflockern und Menschen zusammenschweißen. Man darf aber andere nicht nur bloßstellen, sondern auch über sich selbst lachen. Pointen müssen richtig gesetzt sein.

Widerspruch: Gegenteil von Schleimen. Schleimer können den Erfolg von Unternehmen gefährden. Widerspruch ist sehr produktiv. Er setzt Loyalität und Selbstbewusstsein voraus. "Widerspruch ist Pflicht", Bill Taylor.

Konzentration: Wichtig, um neu denken zu können. Wer zu viel zeit mit Oberflächlichkeit verbringt, verringert diese Fähigkeit. Man braucht Mut zur Muße. Pausen machen produktiv.

Selbstgespräche: Innerer Wortwechsel. Sie unterstützen Menschen wahrscheinlich dabei, zu planen, ihre Emotionen zu steuern und kreative Ideen zu entwickeln. Innere Dialoge verarbeitet das Gehirn ähnlich wie tatsächliche Gespräche. Vgl. Charles Fernyhough: Konversation im Kopf, in: Gehirn & Geist, Dossier, 3/ 2018, S. 77ff.

Selbstfürsorge: Wir alle tragen die Sehnsucht nach Liebe in uns. Wir suchen im Außen nach Anerkennung, Wertschätzung und Zuspruch. Denn wir glauben, nur wenn wir bestimmten Idealvorstellungen entsprechen, werden wir akzeptiert und gemocht. Dabei vergessen wir, dass wir diese Liebe zunächst einmal selbst schenken dürfen - durch Selbstmitgefühl und Selbstannahme. Vgl. Mirja Krönung/ Claudia Rieß: Nimm dich an, so wie du bist, in: natur & heilen, Januar1 /2019, S. 12ff. "Jede Phase des Lebens birgt kleine Wunder und ihr eigenes Potential zu neuer Kreativität, neuen Herausforderungen und einer neuen Tiefe der Selbstakzeptanz", ebenda, S. 20.

Kognitive Fähigkeiten und Handy: Die bloße Gegenwart des Smartphones kann die kognitiven Fähigkeiten verringern. In einer empirischen Studie schnitten die Teilnehmer am besten ab, deren Smartphones in einem anderen Raum lag, gefolgt von jenen, die ihr Handy in der Tasche trugen. Die schlechtesten Resultate erzielten Probanden, die ihr Handy vor sich auf dem Tisch liegen hatten. Quelle: Adrian Ward et al.: Brain Drain: The Mere Presence of One´s Own Smartphone Reduces Available Cognitive Capacity, Journal of the Association for Consumer Research, 2018.

Digitale Demenz: Es gibt Untersuchungen (Nonnenstudie: sie hatten degenerierte Gehirne, aber keine demenziellen Symptome), die darauf hindeuten, dass man mit Lust am Leben Demenz am besten bekämpfen kann. Für die Entstehung demenzieller Erkrankungen im Alter sind nicht die von Demenzforschern beschriebenen Abbauprozesse im Gehirn verantwortlich, sondern die Verkümmerung unserer Neugier und die fehlende Lust am Lernen. Synopsenhemmend sind Fernsehen, Spielkonsolen, Computer, Resignation. Vgl. Gerald Hüther: Raus aus der Demenz-Falle, Arkana Verlag 2017. Manfred Spitzer: Digitale Demenz, Droemer Verlag 2014.

Digitaler Stress: Besonders belastend in der Digitalisierung ist das Gefühl, dauernd erreichbar zu sein. Dadurch löst sich die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben auf. Viele fühlen sich auch von Informationen überflutet und haben dadurch das Gefühl, mehr und schneller arbeiten zu müssen. Folgen können Unzufriedenheit mit dem Job und schlechtere Leistung sein. Weitere Folgen sind körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen und psychische Erkrankungen. Quelle: Studie des Fraunhofer-Instituts für Informationstechnik (5000 Teilnehmer).

Soziale Wahrnehmung: Die Wahrnehmung ist stark auf das soziale Umfeld gepolt und zwar unbewusst. Verarbeitungsprozesse laufen automatisch ab. Vor in bestimmten Kommunikationsprozessen (Treffen auf Angehörige anderer Kulturen) müssen Störungen (Vorurteile, Stereotype) aber bewusst vermieden werden.

Kreative Wahrnehmung: Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sind wichtig für Kreativität. Unbewusst wird davon ausgegangen, dass Männer die besseren Ideen haben. Menschen assoziieren Kreativität mit so genannten agentischen maskulinen Eigenschaften. Also muss man sich besonders mit Vorurteilen in diesem Bereich befassen. Vgl. O. V., Kreative Wahrnehmung, in: Harvard Business Manager, Juni 2016, S. 16ff.

Verbitterung und Weisheit: Verbitterung ist eine grundlegende menschliche Emotion (so wie Angst und Trauer). Menschen reagieren verbittert, wenn sie sich ungerecht behandelt oder erniedrigt fühlen. Das gleiche gilt für Vertrauensmissbrauch oder Betrug durch den Ehepartner. Das Gefühl kann ständig das Denken beschäftigen und alle Lebensbereiche anstecken. Als beste Maßnahme dagegen kann Weisheit gesehen werden: Vor allem die darin enthaltene Fähigkeit, Perspektivwechsel (Humor, Selbstdistanz) vorzunehmen. Man versetzt sich so in die andere Seite hinein.

Verwundbarkeit: Es erfordert Mut, Schwäche zu zeigen. Trotzdem ist es besser als nur den starken Macher zu präsentieren. Heute weiß man auch, dass "harte Hunde" in Wirklichkeit eher schwach sind.  "Langfristig mit sich und der Welt im Reinen sein kann man nur, wenn man lernt, es kurzfristig überhaupt nicht zu sein", Brene Brown, US-Wissenschaftlerin. Vgl. Wirtschaftswoche 10/3.3.2017, S. 86ff.

Wert der Arbeit: Arbeit gibt dem Leben Sinn. Der Mensch zeigt, welche Talente in ihm stecken. Arbeit liefert Anerkennung. Wer mit Freude arbeitet, bringt etwas Gutes zustande. Die Würde eine Menschen hängt maßgeblich davon ab, ob er sich in seinem Beruf entfalten kann. Arbeitslose reagieren in der Regel mit Resignation. Nach der Entfremdungstheorie von Karl Marx müsste in KMU die Nähe zum Produkt immer gegeben sein, so dass der Wert der Arbeit für den Einzelnen hoch ist und die Entfremdung gering. "Solange man etwas tut, was einem Spaß macht, fühlt es sich nicht wie Arbeit an", Lena Heuermann, Google-Pressesprecherin.

Arbeitszufriedenheit: Am bekanntesten ist die Zweifaktorentheorie von Herzberg. Für die Hypothese liegen auch die meisten empirischen Studien aus der ganzen Welt vor. Herzberg unterteil in Arbeitszufriedenheit und Nicht-Arbeitsunzufriedenheit. Auf diese Ebenen wirken Motivatoren und Hygienefaktoren. Mensch Abraham und Tier Adam sind die Ausgangstypen. Die Grundhaltung "Zufriedenheit" wird teilweise vererbt. In KMU ist die Arbeitszufriedenheit höher als in Großunternehmen. Zu unterscheiden von der Arbeitszufriedenheit ist die Arbeitshingabe. Sie wird in der Regel zusammen mit der Arbeitsmotivation behandelt.

Glück: Der Philosoph Gadamer definiert Glück als das "Gelassene Beschränken auf das noch Zugeteilte". Hermann Hesse: "Erst wenn Du jedem Wunsch entsagst, nicht Ziele mehr, noch Begehren kennst, Dann reicht Dir des Geschehens Flut Nicht mehr ans Herz - und Deine Seele ruht".

Innere Kündigung ("Dienst nach Vorschrift"):  Die Motivation für den Job ist zerstört worden bzw. verloren gegangen. Es gibt Umfragen , die hier 70% ermitteln. Das beste Mittel dagegen ist Kommunikation auf Augenhöhe (es gibt auch spezielle Coaching-Programme).  Es gibt auch Anreize, die dagegen eingesetzt werden: Finanzielle Anreize, persönliche Freiheit, Führungskultur.

Stereotype und Vorurteile: Sie spielen interkulturell einen große Rolle und beeinträchtigen die Kommunikation. Personalwirtschaftlich trüben sie den Blick für Talente und Leistung.

Interaktionsgesetz von Homans: Wenn sich die Häufigkeit der Interaktion zwischen zwei und mehr Personen erhöht, so wird auch das Ausmaß ihrer Neigung füreinander zunehmen, und vice versa. Dies kann z. B. die höhere Arbeitszufriedenheit in KMU erklären. Die dort häufig vorhandene höhere Arbeitszufriedenheit (im Vergleich zu Großunternehmen) wirkt sich positiv auf den Unternehmenserfolg aus. Es ist jedoch schwierig, in empirischen Studien intervenierende Variablen wie z. B. die Qualität des Managements auszuschalten.

Psychische Krankheiten und KMU: Die häufigsten psychischen Krankheiten in Deutschland sind Angst- und Alkoholerkrankungen sowie Depression. In KMU ist die Arbeitszufriedenheit wesentlich höher als in großen Unternehmen. Dies und die höhere soziale Kontrolle lassen die Krankheiten seltener in KMU auftreten.

Konzentration und Durchhaltevermögen: Diese psychologischen Fähigkeiten werden immer wichtiger. Immer mehr Menschen sind abgelenkt (Phänomen des "wandernden Geistes": wie reagiert des Gehirn auf Ablenkung?). Dies ist auch eine Begleiterscheinung der modernen Internet- und Kommunikationstechniken. "Was zählt, sind Ausdauer und Widerstandsfähigkeit. Das Leben ist kein Sprint. Es ist ein Marathon. Was im Leben zählt, ist Dranbleiben", James Heckman, Wirtschaftsnobelpreisträger (s. Der Spiegel 11/ 2015, S. 110).

Aufmerksamkeitsdefizitstörungen: Die digitale Revolution bringt mehr Ablenkung mit sich. Im schlimmsten Falle drohen Realitätsflucht und Sucht. Die Störungen werden zunehmen. Menschliche Interaktionen und Bindungen verändern sich.

Lambda-Hypothese: Zusammenhang zwischen Aktivierungsniveau eines Individuums und dessen Leistungsfähigkeit. In abhängigkeit von der Aufgabenkomplexität existiert ein optimales Aktivierungsniveau.

Gerontologie und ältere Führungskräfte: Geron kommt vom griechischen Begriff "Greis". Die Wissenschaft erforscht das Altern und die Leistungsfähigkeit im Alter. Die Erkenntnisse werden immer wichtiger, weil die Menschen in Zukunft  länger arbeiten müssen. Im Marketing gerät die Generation 50plus immer mehr ins Blickfeld, weil sie stark wächst und über große Kaufkraft verfügt. Erfolgreiches Altern wird in der Psychologie stark mit Zufriedenheit verbunden. Es gibt zahlreiche Klassifizierungsversuche älterer Menschen.

Altern: Der Mensch braucht Antioxidantien und freie Radikale. Auf die Balance kommt es an. Antioxidantien (Vitamin C, Vitamin E, Selen, Zink, Beta - Carotin, Flavonoide) wirken gegen oxidativen Stress. Freie Radikale sind auf Partnersuche.

Erfahrung (unternehmerische): Dürfte eine große Rolle spielen. Ist noch relativ wenig erforscht. Vg. Metzger, G.: On the role of entrepreneurial experience for start-up financing: An empirical investigation for Germany, ZEW, Discission Paper 07-047/ 2007.

Kapitalismus als eine geschichtliche Formation: Er ist Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden und wird wieder verschwinden. "Der demokratische Kapitalismus ist in Gefahr, wenn die Staaten als Inkassoagenturen im Auftrag einer globalen Oligarchie von Investoren agieren", Wolfgang Streek, Direktor des Max Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln. Ebenso: "Möglich, dass der finanzielle Kraftakt, den wir derzeit beobachten, der letzte ist, zu dem das westliche Staatensystem in der Lage ist. Danach wäre der Kapitalismus sich selbst überlassen". Vgl. Simon Book: Ein Mann stellt sich gegen das Imperium, in: Handelsblatt, Dienstag 24.02,2015, S. 12/13.

Verhandlungsstrategien: Wichtig ist, dass ca. 65% der zwischenmenschlichen Kommunikation über nonverbale Signale läuft. Entsprechend wichtig ist die Körpersprache (Haltung, Gesten, Kopfbewegung, Gesichtsausdruck, Augenkontakt). Verhandlungen sollten vorbereitet werden, Grundregeln sollten beachtet werden, besonders die Lösung sollte man im Auge haben. In Verhandlungen  das Schlimmste ist Rechthaberei.

Pendelschlichtung (pendulum arbitration, final-offer arbitration): Wurde in der 60er Jahren in den USA von Carl Stevens entwickelt. Realitätsnähe wird belohnt. Die beiden Widersacher legen ihre endgültigen Angebote vor. Der Schlichter muss sich für eines entscheiden. Er wählt das von zwei Übeln geringere aus und sucht nicht nach der fairsten Lösung.

Büro als Wohlfühloase: Unternehmen versuchen alles, um die Mitarbeiter unter Bedingungen arbeiten zu lassen, dass neue Ideen entstehen. Büros sollen immer mehr einer schönen Natur entsprechen. Als vorbildlich in dieser Hinsicht gelten die Unternehmen im Silicon Valley. Die Gebäude enthalten viele Gärten und bieten an vielen Stellen Gelegenheit zu Sport und Yoga. "Die größte Offenbarung ist die Stille", Laotse.

Recht auf Ruhe: Psychologen warnen vor einer Überlastung durch Schrillen, Blinken und Blenden. Sie plädieren für ein Stärken der knappen Ressource Aufmerksamkeit. Vgl. Matthew Crawford: Die Wiedergewinnung des Wirklichen, Ullstein 2016. "Entspanne dich. Laß das Steuer los. Trudele durch die Welt. Sie ist so schön: gib dich hin, und sie wird sich dir geben", Kurt Tucholsky.

"Rest in Pixels": Im Jahre 2045 nach Google - Futurist Kurzweil Realität. Gemeint ist Unsterblichkeit im Netz. Einige Tech - Unternehmen spezialisieren sich schon darauf. Sie wollen vorher das menschliche Leben verlängern (Bluttransfusion, Stammzellentherapie, Frühdiagnostik). Wir würden dann nach dem Tod als Avatare weiterleben. Gehirne würden in Form von "Künstlicher Intelligenz" in die Cloud geladen.

Nachbarschaft: KMU sind Nachbarn der Anwohner, die häufig im Unternehmen arbeiten. Die Umgebung prägt sehr stark. Gute Nachbarschaft kann helfen, schlechte macht krank. Vor deutschen Gerichten gibt es Hunderttausende Fälle von Nachbarschaftsstreit.

Psychofehler an der Börse: Richtig Geld kosten können folgende Fehler: Gier, Angst, Selbstüberschätzung, Trotzreaktion, Vogel-Strauß-Prinzip (lieber eigene Fehler analysieren), Ungeduld (nicht zu früh verkaufen), Wahrnehmungsknick, Aldi-Reflex (nur Schnäppchen kaufen), Rosa Brille, Heimatliebe. Siehe Bortenlänger, C./ Kirstein, U.: Börse für dummies, Weinheim 2016, S. 359ff.

Der Mensch im digitalen Zeitalter (Mensch&Maschine; der Mensch bei IoT, KI und Industrie 4.0): Es geht um die geschickte Kooperation zwischen Mensch und Maschine. Inwieweit dabei Beschäftigung verloren geht, ist umstritten Es gibt viele Szenarien. Der Roboter kann viele Dinge nicht (ausprobieren, weiterentwickeln). Offen ist, inwieweit künstliche Intelligenz natürliche Intelligenz ersetzen kann.

New Work: Komplexität, Vernetzung, Flexibilität und Dynamik als zentrale Merkmale der modernen Arbeitsgesellschaft ("der Job organisiert uns"). Vgl. Markus Väth: Arbeit. Die schönste Nebensache der Welt, Offenbach 2016. New Work soll uns vor Depression, Burn-out und anderen Psycholeiden bewahren. New Work bedeutet nach einem Konzept des US-Philosophen Frithjof Bergmann Kritik am Lohnarbeitssystem, Selbstversorgung (high-tech self-providing) und arbeitsbezogene Berufung (Calling). Zum Gelingen von New Work sollen folgende Elemente beitragen: Life-Blending (den eigenen Bedürfnissen folgen), systemrelevante Kompetenzen (Methoden- und Handlungskompetenz neben personalen Kompetenzen wie Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz), Akzeptanz in der Organisation (Vertrauen), die Qualität der Arbeit für den Menschen verbessern.

Sitzordnung: Sie zeigt Macht, Ansehen und Strategie. Berühmt sind die Regeln des Feng Shui: Höchstrangige Person möglichst weit von der Tür weg. Daneben der höchste Gast. Einige andere Grundregeln sind: Rechts vom Chef sitzt seine rechte Hand (manchmal auch ein Schleimer). Links vom Chef sitzt ein loyaler Verbündeter - aber mit eigener Meinung. Der Ranghöchste sitzt am Kopfende. Manchmal auch in der Mitte. Die meisten Menschen zieht es instinktiv in Richtung Ecke. Räumliche Nähe kann zu Sympathie und Vertrauen führen (Experimente). Erfahrungen zeigen dies auch in Vor- und Grundschulen.

Generation Y und die Konsequenzen für die Arbeitsnachfrage von Unternehmen: Technische Innovationen sind immer schneller geworden. Die Bevölkerung entwickelt sich von der Pyramide zum Döner. Jugendliche fühlen sich gestresst, weil ihnen immer mehr Leistung abverlangt wird. Die Gruppe der einen Ausbildungsplatz suchenden wird immer kleiner, weil immer mehr Jugendliche studieren. Also muss man wissen, wie die Jugendlichen für die duale Ausbildung "ticken". Die Jugendlichen rechnet man der Generation y zu. Die Rangfolge bei den beruflichen Werten hat sich in dieser Gruppe verschoben: Spaß kommt vor Neigung, Work-Life-Balance, Einkommen und Selbstverwirklichung. An Unternehmen sind ihnen besonders die sozialen Faktoren wichtig (hier punkten KMU). KMU müssen Weiterbildung und Karriere fördern, attraktive Standortfaktoren bewerten, Praktika anbieten und zielgruppenspezifisch kommunizieren. Die größten Chancen für eine duale Ausbildung hat man bei adaptiv-pragmatischen und konservativ-bürgerlichen Jugendlichen.

Generation der 30- bis 60-Jährigen: Sie beklagen sich über Aggressivität im Alltag und zu viel Arbeitsstress, Zeitdruck, Egoismus in der Gesellschaft. Die Wirtschaftslage, auch persönlich, wird positiv eingeschätzt. Quelle: Institut für Demoskopie, Allensbach, 2019.

"Abgesehen von der Instabilität durch Spekulation, gibt es eine Instabilität aufgrund der menschlichen Natur, die die Eigenschaft hat, dass ein großer Teil unserer positiven Handlungen eher von spontanem Optimismus geleitet sind als von mathematischen Erwartungen", John Maynard Keynes, 1936.

 

Digitale Gesellschaft (Kultur und Soziologie der Digitalisierung):

Vierte Industrielle Revolution (digitale Transformation, the Second Machine Age): Sie verläuft mit exponentieller Geschwindigkeit und basiert auf der Digitalisierung. Sie verknüpft zahlreiche Technologien und betrifft alle Sektoren. Digitalisierung bedeutet auch Automatisierung. Die Wertschöpfung ist mit immer weniger Beschäftigten möglich. Besondere Sorge bereitet die zunehmende Ungleichheit in der Gesellschaft. Eine herausragende Bedeutung kommt dem Plattform-Effekt zu: Digitale Unternehmen bauen Netzwerke auf, die Käufer und Verkäufer mit einer breiten Palette von Produkten und Dienstleistungen zusammenführen. Megatrends sind selbst fahrende Kraftfahrzeuge, 3D-Druck, Robotik, neue Materialien. Vgl. Klaus Schwab, Die vierte industrielle Revolution, München 2016. Damit einhergehen eine verbesserte Verarbeitungskapazität (bessere Leistung der Hardware), erhöhte Speicherkapazität (Cloud) und Energieeffizienz zusammen mit der stärkeren Vernetzung der Daten und Informationen (Big Data). Eine Basistechnik ist die Blockchain. "Nie hat es eine Zeit gegeben, die so große Möglichkeiten und zugleich so große Gefahren bereithielt", Klaus Schwab.

Dezentrale Revolution: Sie schafft eine neue Welt, die durch die Erfindung der dezentralen Vertrauensbildung möglich wird. Das Grundprinzip, auf dem Krypto - Währungen und Block - Chain - Technologie beruhen, ist die Dezentralität. In einem dezentralen Netzwerk gibt es keine zentrale Server. Jeder Computer kann Sender und Empfänger zugleich sein. Die Vordenker der dezentralen Revolution wollen eine wirklich freie Gesellschaft schaffen, in der freiwillige Vereinbarungen Hierarchien und Machtstrukturen ersetzen. Vgl. Koenig, Aaron: Die dezentrale Revolution, München (FBV) 2019.

Megatrends des Strukturwandels als Folge der Digitalisierung: 1. Zunehmende Vernetzung von Produkten und Technologien. Daten- und Kundenzentrierte Geschäftsmodelle dominieren. Es kommt zum Boom Anbieterabhängiger Plattformen (etwa bei Mobilität). 2. Globale Wachstumsverlagerung. Die Bevölkerung nimmt vor allem in Städten zu. Konsumenten fragen mehr lokale Produkte nach. Es gibt dadurch einen Trend zur Regionalisierung.  Weil natürliche Ressourcen begrenzt sind, gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung. 3. Gesellschaftliche Veränderungen. Die Automatisierung verändert die Arbeitsanforderungen. Es ist eine große Zuwanderung erforderlich. Fragen der Datensicherheit werden immer relevanter.

Regionalentwicklung als Folge der Digitalisierung:  Mit der wirtschaftlichen Entwicklung beeinflussen 4 Faktoren die Bildung von Raumstrukturen: 1. Migration. 2. Handel. 3. Kapitalmobilität. 4. Wissensdiffusion. Die wirtschaftlich Entwicklung kann analytisch in vier Dimensionen getrennt werden: a. Agrarwirtschaft; b. Industrialisierung; c. Tertiarisierung; d. Digitalisierung. Daraus kann eine Matrix gebildet werden. Agrarwirtschaft: Migration gering, Handel: Agrarhandel entlang der Thünenschen Kreise, stationärer Handwerkshandel. Kapitalmobilität: kaum/ ortsgebunden. Wissensdiffusion: kaum, wegen disjunktiver Tätigkeiten (Agrar, Handwerk). Industrialisierung: Migration Land - Stadt, dynamisch, Landflucht. Handel: Transportkosten. Kapitalmobilität: agglomerationsgebunden. Wissensdiffusion: produktionsortgebunden. Tertiarisierung: Migration: Land -  Stadt, dynamisch. Handel: Arbeitskosten. Kapitalmobilität: hoch. Wissensdiffusion: Vernetzung, Verbundproduktion. Digitalisierung: Migration: zentrale Orte. Handel: Transportkosten. Kapitalmobilität: hoch. Wissensdiffusion: Vernetzung, Verbundproduktion. Quelle/ siehe: Hüther, Michael: Wozu Regionalpolitik? Wo liegt das Problem? in: Wirtschaftsdienst 2019/ 13 (Sonderheft), S. 7.

Schöpferische Zerstörung: Schon immer verdrängten neue Produkte alte. Schumpeter (Joseph Schumpeter, 1883 - 1950) bezeichnete diesen Prozess als schöpferische Zerstörung. Heute nennen das viele Wissenschaftler Disruption. Der Motor der schöpferischen Zerstörung sind Unternehmer, die neue Ideen umsetzen. Nach Schumpeter ist diese Art Innovation die treibende Kraft hinter langfristigem Wachstum. Die schöpferische Zerstörung bezeichnete er als "entscheidendes Faktum des Kapitalismus". "Der fundamentale Antrieb, der die kapitalistische Maschine in Bewegung setzt und hält, entspringt neuen Konsumgütern, neuen Produktions- oder Logistikmethoden, neuen Märkten oder neuen Formen industrieller Organisation, die neue kapitalistische Unternehmen entstehen lassen", Joseph Schumpeter. Vgl. Marron, Donald: Wirtschaft in 30 Sekunden, Librero 2018, S. 76.

Beschleunigungsgesellschaft: Die Begriffe Beschleunigungsregime oder auch Beschleunigungstotalitarismus stammen von dem deutschen Soziologen Hartmut Rosa (Uni Jena). Unsere Welt wird durch die wachsende Mobilität und das Internet immer weiter beschleunigt. Wie viel Beschleunigung verträgt aber der Einzelne? Vgl. H. Rosa: Beschleunigung und Entfremdung, Berlin 2013.

Digitalisierung und gesellschaftliche Ungleichheit: Die Fortschritte in der Informationstechnologie führen zu immer größeren Ungleichheiten in den Industriegesellschaften (sie ersetzen das Gehirn und machen die Arbeit von vielen Menschen überflüssig). Produktivitätsgewinne verteilen sich immer mehr zu Gunsten der oberen Klassen (in US-Unternehmen ist dieser Effekt am stärksten, weil sie mehr aus der IT-Technologie herausholen). Notwendig wäre ein "Gleichheitsindex" im Steuersystem ("Steigende- Flut-Steuersystem"), der sich der Ungleichheit mit den Steuersätzen anpasst (Robert Shiller, Yale, Irrational Exuberance, Princeton 2000; New Financial Order, Princeton 2003). Shiller fordert  eine Globalisierungsversicherung für jedermann. Er untersucht auch, wann Spekulationsblasen auf Immobilienmärkten platzen ("Historic Turning Points in Real Estate", Working Paper, Juni 2007). In Deutschland arbeiten 2007  61% aller Erwerbstätigen mit dem PC. Als wichtigster Aufsatz des Autors gilt: Do Stock Prices Move Too much to Be Justified by Subsequent Changes in Dividents, in: AER, 1981. R. Shiller hat auch ein Unternehmen gegründet, das erstmals Handel mit ökonomischen Risiken aller Art betreibt (Rezession, fallende Immobilienpreise, Arbeitslosigkeit). Der Name ist Makro Market. Es gibt einen weiteren Faktor, der die Ungleichheit durch Informationstechnologie beeinflusst: menschliche Faulheit. Einige Experten sprechen von einer "Winner takes all"- Welt: Wenige profitieren übermäßig.  "Der herrschende Glaube an soziale Gerechtigkeit ist gegenwärtig vielleicht die größte Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Gesellschaft", Friedrich von Hayek, The Mirage of Social Justice. "Ein innovationsgetriebenes Wachstum kann auch Ungleichheit verschlimmern", Christine Lagarde, IWF-Chefin, 2016. "Wir müssen verhindern, dass die Gewinne der Digitalisierung privatisiert werden, während die Gesellschaft die Folgekosten trägt.

Digitalisierung und Demokratie: Die Wende war die Wahl Donald Trumps in den USA. Seitdem gelten die Digitalkonzerne als Demokratie gefährdend. Sie sorgen für den Reichtum weniger. Sie bilden Monopole. Sie bieten Technologien zur Kontrolle (Gesichtserkennung). Demokratien haben auch an Strahlkraft verloren. Vor allem junge Europäer könnten zu den Verlierern der Digitalisierung werden (weil die USA und China sich absetzen).   "Wie die Digitalisierung weitergeht und welche Folgen sie haben wird, ist daher kein Naturereignis oder Verhängnis. Es gibt keine Alternativlosigkeit. Diese Einsicht ist der erste Schritt zu einem gestaltenden Blick auf die Entwicklung der digitalen Technologie", Armin Grunwald, Professor für Technikphilosophie und -Ethik am Karlsruher Institut für Technologie. Quelle: WiWo 3/ 11.1.2019, S 47. Vgl. auch: Martin, Hans-Peter: Game over. Wohlstand für wenige, Nationalismus für alle - und dann? Penguin -Verlag 2019.

Negative Folgen sozialer Medien: 1. Stammesdenken oder Gang-Mentalität: Rückzug in die digitale Filterblase, in die moralisch homogene Gruppe, die sich gegenüber dem Feind abgrenzt. 2. Einfluss auf die Psyche: Junge Männe werden durch die sozialen Medien aggressiver, junge Frauen eher depressiver. 3. Wenn die Plattformen zivilisiert werden (Desinformationen abwehren) steigt gleichzeitig ihre Macht weiter. 4. Die sozialen Medien wirken wie eine Manipulationsmaschine: Sie verkaufen die Aufmerksamkeit und die Daten ihrer Nutzer an Werbetreibende und andere Propagandisten (Jaron Lanier).

Theorie der digitalen Gesellschaft: Die Gesellschaft wird nicht nur von Individuen geprägt, sondern auch von Mustern, denen die Datenverarbeitung überhaupt erst Informationen entlocken kann. Das besondere der digitalen Technologie ist deshalb: Sie kann permanent verdoppeln, was schon da ist. Und sie kann Informationen kombinieren, um Wert aus ihnen zu schöpfen. Komplexe Computer verarbeiten einfache Daten. Armin Nassehi: Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft, München (Beck) 2019. Der moderne Mensch hat Angst vor dem Verlust der Autonomie. Digitalisierung besetzt die Gesellschaft und unterwirft sie einem unsichtbaren Mechanismus. Es entstehen digitale Muster. Die Selbstbestimmung wird desillusioniert. Vgl. auch: Kritik in Der Spiegel 36/ 31.8.2019, S. 109.

Homo ludens: Der durch das Spiel sich entwickelnde Mensch. Diese Sichtweise ist nicht neu (Schiller: "der Mensch ist nur ganz Mensch, wo er spielt"). Die Digitalisierung fördert dieses Menschenbild wieder. Dahinter steckt die Vorstellung, das Spielen die primäre Kulturtechnik ist und er wichtigste Grund für Gesellschaften (das wusste schon Niklas Luhmann:  Art der Kommunikation). Heute spricht man von einer Weltgesellschaft, die in ihrer Komplexität noch nicht ausreichend erforscht ist. Das Spielerische in der digitalen Welt kann motivieren. Man spricht auch von einem Trend zur "Gamifizierung". Vgl. Manouchehr Shamsrizi, Interview in: bdvb aktuell, Nr. 137, S. 6f.

Big Data und Nudging: Nudging erfolgt immer öfter auf der Basis von Big-Data-Analysen. Differenzierte Untersuchungen fehlen bisher. Es ist eine Kombination von "Sehen" und "Lenken". Ganz gut kann man das am Beispiel intelligenter Stromzähler sehen. datengestützte Beobachtung und subtile Beeinflussung greifen ineinander. Vgl. Irgmaier, F./ Ulbricht, L: Big Data und Nudging, in: WZB Mitteilungen, H. 158, 2017, s. 15ff.

Macht sozialer Netzwerke: Nutzerdaten sind die Basis des Geschäftsmodells. Sie können aber leicht missbraucht werden. Die Frage ist, wer den Zugang bekommt. Netzwerke tragen politisch zur Polarisierung bei. Sie können die Demokratie gefährden. Netzwerkausfälle können dramatische Folgen haben. Vgl. von Niall Ferguson, The Square and the Tower, 2017 und sein Artikel bzw. Interview in Die Zeit, Nr. 53, 20.12.17, S. 24.

Social - Media: Jaron Lanier, einer der Internet-Pioniere, kritisiert 2018 die Social - Media - Konzerne massiv. Er rät dazu die Accounts zu löschen. Er spricht auch auf der Cebit 2018 in Hannover. Er argumentiert mit folgenden Punkten ( www.jasonlanier.com ; "Delete your accounts", in Deutsch bei Hoffmann und Campe): 1. Du verlierst deinen freien Willen. 2. Social Media macht dich zum Arschloch. 3.  Social Media untergräbt die Wahrheit. 4. Social Media macht das, was du sagst, bedeutungslos. 5. Social Media tötet dein Mitgefühl. 6. Social Media macht dich unglücklich. 7. Social Media fördert prekäre Arbeitsverhältnisse. 8. Social Media macht Politik schwerer. 9. Social Media hasst deine Seele. 10. "Bummer": Wahrscheinlichkeit wird zur Gewissheit.

Normen und Werte in der digitalen Welt: 1. Nur mit Zustimmung der Kunden in die Privatsphäre eindringen. 2. Bei individuakisierten Preisen keine Notlagen ausnutzen. 3. Daten nur mit Aufklärung und Zustimmung der Kunden erheben. 4. Digitale Identitäten nicht ohne Zustimmung und Korrekturmöglichkeiten der Kunden anlegen. 5. Unternehmen transparent machen. 6. Krankheiten nicht auf Verhalten gründen ohne soziale, genetische und umweltbedingte Faktoren zu berücksichtigen. 7. Daten müssen der ursprünglichen Absicht entsprechen. 8. Kunden, die Rohdaten generieren, sollten dafür entschädigt werden. Vgl. Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften: Big Data - Ethische Herausforderungen für Unternehmen, 2018. "Der Mensch ist nichts an sich. Er ist nur eine grenzenlose Chance. Aber er ist der grenzenlos Verantwortliche für diese Chance", Albert Camus.

Digitaler Humanismus: Die Digitalisierungsindustrie  wirbt mit Transparenz, Berechenbarkeit, ökonomischem erfolg, Weltverbesserung und mäzenatischem Engagement. Sie nimmt damit humanistische Impulse als Ausgangspunkt und transformiert sie zu anti-humanistischen Utopien. Die Bedingungen der Humanität werden infrage gestellt. Die Big - Data - Ökonomie lebt von der Enteignung der Menschen, sie verlieren die Kontrolle über ihre persönlichen Daten. Vgl. Nida-Rümelin/ Weidenfeld: Digitaler Humanismus, Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, München (Piper) 2018.

Die Ethik der Algorithmen: Der Algorithmus ist so etwas wie die unsichtbare Hand der digitalen Wirtschaft. Er sollte transparent sein, verantwortlich, Gesetzen folgen und ein klares Ziel haben. "Um den ethischen Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden, muss Ethik in die DNA aller selbstlernenden Algorithmen programmiert werden. Eine alte IT - Weisheit sagt: A fool with a tool is still a fool. Ohne ethische Standards wird KI ein Tool für Fools bleiben - und einen Rückschritt für die Humanität bedeuten". Sascha Puljic, VP Central Europe Teradata (Quelle: com! professional 9/2019, S. 7.

Artifical Morality: Durch die Fortschritte der Technik wird die künstliche Intelligenz in Zukunft mehr moralische Entscheidungen fällen. Dabei sollten Entscheidungen über Leben und Tod immer beim Menschen bleiben. Menschliche Verantwortung und Selbstbestimmung haben Priorität. So muss also der Mensch folgende Kriterien auf sich nehmen: 1. Verantwortungsübernahme. 2. Mensch muss Infos der Maschine überprüfen. 3. Qualitätssicherungsprozesse müssen installiert sein.

Ethik, Gesellschaft und Technologie: Neue Initiative der Stanford Universität 2018, der Kaderschmiede des Silicon Valley. Es geht um die Bekämpfung von Hasskampagnen, Fake News und Manipulationen in sozialen Netzwerken. Der ehemalige Google - Manager Tristan Harris gründete das "Center for Humane Technology" und fordert eine stärkere Ausrichtung an menschlichen Bedürfnissen. Bekämpft werden sollen auch die "Dark Patterns". Das sind User-Interface-Muster in Apps und Websites, die die Nutzer unbewusst dazu motivieren, bestimmte Aktionen durchzuführen (z. B. Like-Dynamik). Informatik ohne Ethik sollte nicht mehr gelehrt werden. Es muss ein Grundverständnis darüber vermittelt werden, was Ethik ist, wie Politik funktioniert und wie Technik auf Gesellschaften wirkt. "Die ethische Naivität, die den Aufstieg der sozialen Medien begleitet hat, wird bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz fatale Folgen haben", Luca Caracciola, in: t3n Magazin 53/2018, S. 56.

Spontane Ordnung: Der Begriff wurde ursprünglich vom chinesischen Philosophen Zhuangzi (369-286 v. Chr.) geprägt. In neuerer Zeit stammt die Definition von dem Ökonomen von Hayek: "Die spontane Ordnung ist von der geplanten Ordnung, auch Organisation genannt, abzugrenzen. Der Begriff spontane Ordnung, den Hayek (1963) popularisiert hat, bezieht sich auf die Genese dieser Ordnungsart: Sie ist entstanden, ohne dass irgendjemand sie bewusst geplant hätte, sie hat sich spontan gebildet", Gabler Wirtschaftslexikon. Eine spontane Ordnung entsteht aus einem scheinbaren Chaos, wenn man die Dinge sich selbst überlässt. Vgl. Koenig, Aaron: Die dezentrale Revolution, München (FBV) 2019.

Interessengruppen: Im Englischen wird dafür der Begriff "Stakeholder" gebraucht. Er bezeichnet jede Person oder Gruppe, die von der Tätigkeit des Unternehmens betroffen ist. Dabei kann es auch um Werte gehen, die übereinstimmen oder verschieden sind. Interessengruppen sind Nichtregierungsorganisationen, Gemeinden/ Kommunen, Gewerkschaften, Regierung, Kunden, Zulieferer, Mitarbeiter, Gläubiger. Interessengruppen wirken direkt auf das Unternehmen, indirekt über Verbände oder soziale Medien.

Digitale Gefolgschaft: "Während die Bindungskräfte von Familien, Institutionen, Parteien, Verbänden und Staaten schwinden, entstehen um digitale Plattformen wimmelnde Schwärme und Horden. Ihre Benutzer sind Follower. Digitale Gefolgschaft hält die Clans zusammen". Siehe: Christoph Türcke: Digitale Gefolgschaft. Auf dem Weg in eine neue Stammesgesellschaft, München (C. H. Beck) 2019, Umschlagtext. Die Nutzer werden nicht geknechtet, sondern ausgesaugt. Das Bildungs-, Gesundheits- und Verkehrssystem sollen nach dem Prinzip der Plattform umgebaut werden. Es soll aufgezeigt werden, wohin die Dynamik der Digitalisierung führt. Der autor sieht eher eine digitale Hölle, die mit lauter verheißungsvollen Errungenschaften gepflastert ist.

Netz-Fragmentierung und ihre negativen Folgen: Plattformen sind Systeme, die sich von ihrer Umwelt abkapseln. Man kann nur noch gefiltert in sie reinkommen. Sie stabilisieren sich durch Binnenkommunikation, bei der sie die Regeln bestimmen. Google und Facebook sind sicher gute Beispiele. Man könnte das auch als "narzisstische Blasenbildung" bezeichnen. Follower sind sehr erwünscht und gelten als Qualitätsmerkmal. Man missbraucht sie sogar, wenn nötig, für Netz-Fundamentalismus. "Shitstorms" sind so leicht organisierbar. Das ist umso leichter, je mehr Plattformen Infrastruktur und Produktion selbst in der Hand haben. Vgl. Türcke, a. a. O., S. 178ff.

Digitale Demenz (Gehirn): Es gibt Untersuchungen (Nonnenstudie: sie hatten degenerierte Gehirne, aber keine demenziellen Symptome), die darauf hindeuten, dass man mit Lust am Leben Demenz am besten bekämpfen kann. Für die Entstehung demenzieller Erkrankungen im Alter sind nicht nur die von Demenzforschern beschriebenen Abbauprozesse im Gehirn verantwortlich, sondern die Verkümmerung unserer Neugier und die fehlende Lust am Lernen. Synopsenhemmend sind Fernsehen, Spielkonsolen, Computer, Resignation. Vgl. Gerald Hüther: Raus aus der Demenz-Falle, Arkana Verlag 2017. Manfred Spitzer: Digitale Demenz, Droemer Verlag 2014.

Zumindest kann auch die Verstrickung im digitalen Netz die Entwicklung seichter Persönlichkeitsstrukturen fördern. Lebens- und Denkenergie kann entzogen werden. Vgl. Sarah Spiekermann, Digitale Ethik, München 2019, S. 114.

Fehler, die durch Digitalisierung provoziert werden: 1. Unvollständigkeit. Big-Data erzeugt leicht die Illusion der Vollständigkeit. 2. Gespaltene Natur. Kann nie wie das Reale sein. Manchmal wird das Analoge nicht mehr als perfekt angesehen. 3. Eigenleben. Problem der Selbstunterbrechung. Sucht als Gefahr. 4. Illusion menschlicher Gemeinschaft. Wie kann Leistungsmotivation gefördert werden? 5. Negative Folgen auf die Persönlichkeit. Vgl. S. Spiekermann, a. a. O., S. 79ff.

Verbrauchergerechtes Scoring: Immer mehr Aspekte des Verhaltens der Bürger werden durch "Scores" vorhergesagt oder gesteuert. Scoring hat eine Reihe von Problemen: mangelnde Transparenz und Qualitätskontrolle für Daten und Algorithmen, ungenügende personelle sowie technische Ausstattung der Aufsicht und die zukünftige Gefahr eines kommerziellen Superscores ähnlich dem System in China. Anbieter von sensitiven Scores sollten verpflichtet werden, den Betroffenen alle Merkmale und deren Gewichtung offen zulegen. Es muss eine leistungsstarke Aufsicht geschaffen werden. Vgl. Gigerenzer, G./ Rebitschek/ Wagner, G. G: Eine vermessene Gesellschaft braucht Transparenz, in: Wirtschaftsdienst 2018/1, S. 880ff.

Digitalkonzerne und Nachhaltigkeit: Die Technologieriesen aus dem Silicon Valley oder aus China versprechen zwar, positiv an der Lösung der größten globalen Problemen zu arbeiten. Aber in der Praxis bleiben bisher große Zweifel. Google und Facebook spähen fleißig ihre Kunden aus und verkaufen Werbeinformationen. Immer größere Rechenleistungen auf immer größeren Servern haben einen Reisen-Stromverbrauch. Amazon zerstört die dezentrale Verteilung von Gütern und die Lieferfahrzeuge verstopfen die Straßen und stoßen eine Menge CO2 aus. Airbnb trägt mit dazu bei, dass die größten Sehenswürdigkeiten der Erde von Touristen überlaufen werden. Bisher ist nicht erkennbar, dass die digitale Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit führt. Das gleiche gilt für alle Sharing-Modelle, die in der Regel den CO2-Ausstoß nicht senken.

Schritte für den Einzelnen im Fortschritt des digitalen Zeitalters: 1. Schritt: Wertebewusstsein (Selbstreflektion): Aufmerksamkeit für Werte, eigene Werteprioritäten in die Gemeinschaft einbringen, die richtigen Vorbilder für den Fortschritt, sich selbst erkennen und die Bedeutung der Technologie. 2. Schritt: Werte verstehen. Konzeptionelle Tiefe der Werte. 3. Schritt: private Gewohnheiten, Technik und Politik. Bedeutung des Maßhaltens. Rhythmus und Rituale. Technische und politische Maßnahmen, um Werte leben zu können. Vgl. Spiekermann, Sarah: Digitale Ethik. Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert, München (Droemer) 2019, S. 258ff.

Wertkonflikte und -folgen aus der Natur des Digitalen: 1. Effizienz versus Würde. 2. Vertrauen versus Vorsicht. 3. Macht versus Sucht. 4. Erreichbarkeit versus Freiheit. Vgl. Sarah Spiekermann, a. a. O., S. 122ff.

Mehr Freizeit oder Scheitern einer Gesellschaft, die auf Arbeit basiert (Prognose): 1. Roboter werden  Menschen unterstützen aber auch ersetzen. Umstritten ist, wie viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Marx sah ein vollständiges Ersetzen der menschlichen Arbeitskraft voraus (Maschinenfragment). 2. Kann die Gesellschaft, die heute noch auf Arbeit basiert, anders organisiert werden? Werden Internetgiganten aus den USA wie Google, Facebook und Amazon zusammen mit den chinesischen Giganten einen Großteil der Arbeitsplätze auf sich ziehen? 3. Wird die mehr zur freien Verfügung stehende Zeit die Lebensqualität verbessern? Wird sie wirklich mit Gemeinsinn ausgefüllt? 4. Welcher neue Gesellschaftsvertrag kann geschlossen werden? Vgl.  Was machen wir morgen? in: Die Zeit Nr. 18, 26.04.2018, S. 25ff.

Veränderung der Welt durch KI (AI): 1.Das größte Verwerfungs- und Zerstörungspotential der KI liegt nicht auf militärischem Gebiet, sondern in ihrer Wirkung auf unsere Arbeitsmärkte und Sozialsysteme. Nutzen können wir KI im Bildungssystem (Vorbild Süd-Korea). Handwerkskultur wird bleiben (Japan, Schweiz, Deutschland). Routinearbeiten macht der Mensch immer weniger. 2. Der Mensch kann KI gestalten (liegt in unserer Hand. 3. KI und Mensch im Unterschied: KI KI kann menschliche Denkprozesse quantifizieren und auch menschliches Verhalten erklären. sie kann aber nicht Herzen und Gefühle ersetzen. Vgl.  Vgl. Kai-Fu Lee: AI Super-Powers. China, Silicon Valley und die neue Weltordnung, Frankfurt/ New York 2019, S. 291ff. 

Kultur in ihren Auswirkungen auf Digitalisierung:  Im Silicon Valley sind die Gründungsunternehmen eher missionsorientiert (Idee, Ideal; Kinder erfolgreicher Fachleute). Chinesische Start-ups sind Markt- und Geld orientiert. Es herrscht eine Söldnerhaltung vor. Die verwurzelte Mentalität der Knappheit lässt Nachahmung zu. Die Summe der drei Strömungen (Akzeptanz des Nachahmens, Knappheitsmentalität, Bereitschaft in neue Branchen einzutauchen) bildet die Grundlage des chinesischen Internet-Ökosystems. Vgl. Kai-Fu Lee: AI Super-Powers. China, Silicon Valley und die neue Weltordnung, Frankfurt/ New York 2019, S. 45ff.

 

Die wichtigsten Eckdaten der Kulturgeschichte der Menschheit:

Um 3100 v. Chr. Die Sumerer, ein Volk im Süden Mesopotamiens (zwischen Euphrat und Tigris), entwickeln eine Keilschrift, wohl die erste Schrift überhaupt.

Um 1850 v. Chr. In Mesopotamien entsteht das Gilgamos - Epos nach älteren Vorläufern als erstes Großepos der Weltliteratur in babylonischer Sprache.

Um 1766 v. Chr. Während der ersten exakt nachweisbaren Dynastie in China (Shang) entsteht die chinesische Schrift.

Um 1728 v. Chr. Hammurabi lässt die Gesetzessammlung Codex Hammurabi anfertigen in Altbabylonien.

Um 1400 v. Chr. Die älteste auf Schriftlichkeit beruhende Kultur in Europa - die minoische Kultur - erlischt auf Kreta. Knossos wird zerstört (unbekannte Gründe).

Um 1250 v. Chr. Mose führt sein Volk aus Ägypten und empfängt die Gottesoffenbarung am Berg Sinai.

Um 1200 v. Chr. Die Phönizier erfinden eine neue Schrift, die sich aus Buchstaben zusammensetzt.

Um 800 v. Chr. In Griechenland wird aus dem phönizischen Alphabet die erste Buchstabenschrift Europas entwickelt. Die ersten epischen Dichtungen entstehen (Ilias, Odyssee; Verfasser Homer).

Um 525 v. Chr. Der Philosoph Pythagoras von Samos entwickelt Lehrsätze in Geometrie und Astronomie.

Um 507 v. Chr. Mit den Verfassungsreformen des Kleisthenes in Athen beginnt die Volksherrschaft (Demokratie).

Um 480 v. Chr. Buddha (Gautama), Religionsstifter in Indien, stirbt und hinterlässt den Buddhismus, der fast ganz Asien prägt.

Um 479 v. Chr. Der chinesische Philosoph Konfuzius stirbt. Seine Lehre wird Staatsdoktrin in China und vielen anderen asiatischen Ländern.

444 v. Chr. Herodot, der Vater der Geschichtsschreibung, lässt sich in Unteritalien nieder.

425 v. Chr. In Athen wird mit Acharnern die erste erhaltene Komödie des Aristophanes aufgeführt.

Um 420 v. Chr. Das Wirken von Hippokrates von Kos, des berühmtesten Arztes der Antike erreicht seinen Höhepunkt. Er begründet die wissenschaftliche Medizin.

Um 386 v. Chr. Platon, Schüler von Sokrates,  begründet in Athen eine Philosophenschule, die auch Aristoteles besucht (Lehrer von Alexander dem Großen).

Um 300 v. Chr. Euklid, Mathematiker, verfasst ein Lehrbuch der Geometrie.

Um 248 v. Chr. Eratosthenes verfasst eine Schrift über die Kugelgestalt der Erde.

Um 221 v. Chr. Shihuangdi begründet in China die Qin-Dynastie. Er lässt Münzen, Maße und Schrift vereinheitlichen (bekannt durch die riesige Tonarmee seines Grabes in Xi`an).

Um 202 v. Chr. Kaiser Gaozu begründet die Han-Dynastie in China und bildet die Identität des Volkes aus (Han - Chinesen).

Um 45 v. Chr. Kaiser Caesar macht in Rom eine grundlegende Kalenderreform auf Basis des Sonnenjahres (Julianischer Kalender).

Um 19 v. Chr. Der Dichter der Aeneis, Vergil, stirbt. Es ist das Tradition stiftende Heldenepos der Römer. Um 8 v. Chr. stirbt Horaz. Um 8 n. Chr. wird Ovid ans Schwarze Meer verbannt.

Seit etwa 50. Der Apostel Paulus missioniert im östlichen Mittelmeerraum. Er begründet die Tradition des Christentums als Missionsreligion. Um 63 wirkt Petrus in Rom.

Um 70. In Rom entsteht das Flavische Amphitheater (Kolosseum).

Um 105. In China wird das Papier erfunden. Die Araber übernehmen es.

Um 109. Tacitus schreibt seine Historien. Um 120 schreibt Sueton seine Kaiserviten.

Um 314. Konstantin der Große lässt in Rom die erste christliche Basilika errichten (Laterankirche). Er führt den Sonntag als allgemeinen Ruhetag ein.

Um 500. Es endet das Guptareich in Indien als Höhepunkt der klassischen indischen Kultur (Sanskritliteratur).

Um 550. Die Kenntnis der Seidenproduktion wird in China ausspioniert (wahrscheinlich von Japanern). In Konstantinopel entwickelt sich später ein Staatsmonopol für Seide.

Um 622. Der Prophet Mohammed wird Gründer des Islam. Er muss von Mekka nach Medina fliehen.

Um 630. In Tibet entsteht unter Songsten Gampo die besondere Form des Buddhismus, die Lamaismus genannt wird.

Um 662. In Syrien wird erstmals über die Zahl 0 und das Dezimalsystem berichtet. Die Erfindung soll aus Indien stammen. 

Um 809. Kalif Harun ar-Raschid, Schöpfer der Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht, stirbt.

Um 850. Es endet die klassische Phase der Maya-Kultur in Südamerika (Verfall Tikals).

Um 960. Unter Kaiser Taizu in China gibt es Buchdruck, Kompass, Schießpulver.

Um 1037. In Hamadan (Persien) stirbt der bedeutende Philosoph Avicenna, dessen ins Lateinische übersetzte Werk großen Einfluss auf Europa hatte.

1047. Der Jakobsweg wird erstmals urkundlich erwähnt. Ziel ist die Kathedrale in Santiago de Compostela.

Um 1086. In England entsteht das Domesday Book als Grundkataster und Besitzverzeichnis. Es ist eines der wichtigsten historischen Quellen des Mittelalters.

Um 1200. Das Nibelungenlied entsteht. Auch Walther von der Vogelweide, der berühmteste Dichter des Mittelalters, dichtet.

Um 1289/99. Marco Polo diktiert in Gefangenschaft seinen Bericht über den Aufenthalt in China.

1336. Der Dichter Francesco Petrarca besteigt den Mont Ventoux in der Provence - nur, um ihn in Augenschein zu nehmen, also touristisch.

1348. Die erste Universität nördlich der Alpen wird in Prag gegründet.

1455. Johannes Gutenberg wendet in Mainz die Technik des Buchdrucks mit beweglichen Lettern an. Er setzt eine Medienrevolution in Gang.

1492. Kolumbus landet auf San Salvador. Die neue Welt "Amerika" wird entdeckt.

1497-99. Der Portugiese Vasco da Gama befährt als erster Europäer die Seeroute um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien.

1506. Neubau des Petersdoms in Rom beginnt. Unter Bauleitung von Michelangelo wird der Bau 1626 vollendet.

1517. Martin Luther veröffentlicht in Wittenberg 95 Thesen.

1528. In Nürnberg stirbt der Maler und Graphiker Albrecht Dürer, bedeutendster Vertreter der Renaissancekunst in Deutschland.

1536. In Basel stirbt der bedeutendste europäische Humanist Erasmus von Rotterdam.

1543. Im seinem Todesjahr erscheint da Hauptwerk von Nikolaus Kopernikus (Astronom): heliozentrisches Weltbild. Im gleichen Jahr erreichen portugiesische Seefahrer erstmals Japan, wo sie dann seit 1545 Handel betreiben.

Um 1600. Aus Amerika werden zahlreiche Nutzpflanzen nach Europa eingeführt: Mais, Tabak, Tomate, Kartoffel.

1614. In Toledo stirbt der Maler El Greco.

1616. Im englischen Stratford-upon-Avon stirbt William Shakespeare.

1637. Der französische Philosoph und Mathematiker Rene Descartes  veröffentlicht seine berühmte Abhandlung  über rationale Methoden der Wissenschaft. "Cogito, ergo sum".

1651. Der englische Philosoph Thomas Hobbes veröffentlicht sein Hauptwerk Leviathan.

1687. Der englische Physiker Isaak Newton veröffentlicht sein Hauptwerk (Gravitationsgesetz, Axiome der Mechanik)

1716. In Hannover stirbt der Philosoph und Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibnitz.

1735. Der schwedische Naturforscher Carl Linnaeus (Linne) schafft die Grundlage der Systematik der modernen Biologie (Systema naturae).

1762. Jean-Jacques Rousseau attackiert in seinem Gesellschaftsvertrag die bestehende soziale und politische Ordnung.

1764. Der Schotte James Watt erfindet die Dampfmaschine.

1768. James Cook kartographiert Neuseeland und entdeckt 1770 die Südostküste Australiens.

1776. Der Schotte und Theologe Adam Smith begründet mit seinem Hauptwerk ("The Wealth of Nations") die moderne Volkswirtschaftslehre.

1781. Immanuel Kant veröffentlicht seine Kritik der reinen Vernunft. Er lebt in Königsberg.

1786. Johann Wolfgang von Goethe, der größte Dichter der deutschen Klassik, bricht von Weimar aus zu seiner Italienreise auf.

1791. In Wien stirbt, wenige Wochen nach der Uraufführung seiner Oper "Die Zauberflöte" ser Komponist Wolfgang Amadeus Mozart.

1810. In Preußen wird die Gewerbefreiheit verkündet und der Zunftzwang aufgehoben.

1812. Der Franzose Nicolas Francois Appert gründet die erste Konservenfabrik der Welt. Dei Nahrungsgewohnheiten in den Industrieländern werden revolutioniert.

1820. Die Sklaverei in den USA wird nördlich einer Linie aufgehoben. Später wird die Sklaverei überall verboten, was großen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft weltweit hat.

1841. Thomas Cook führt in England die erste organisierte Bahnreise durch. Damit beginnt das Zeitalter des organisierten Massentourismus.

1848. In London wird das Kommunistische Maifest von Karl Marx veröffentlicht.

1883. im Deutschen Reich wird die Krankenversicherung für Arbeiter eingeführt.

1913. In den Automobilwerken von Henry Ford wird das erste Fließband eingesetzt.

1915. Der deutsche Physiker Albert Einstein entwickelt die allgemeine Relativitätstheorie.

1922. In Paris stirbt Marcel Proust, der Schöpfer des modernen Romas.

1979. Im Iran wird die Monarchie durch die islamische Revolution unter dem geistigen Oberhaupt R. M. Chomeini (gestorben 1989) gestürzt.

1989. Auf dem Platz des himmlischen Friedens (Tian`anmen) in Beijing wird die hauptsächlich von Studenten getragene chinesische Oppositionsbewegung von Panzern niedergewalzt.

1997. Mit der Übergabe Hongkongs an China verliert Großbritannien seine letzte wichtige Kolonie. Damit endet das British Empire.

Quellen: Klaus-Jürgen Matz: Die 1000 wichtigsten Daten, München (Beck) 2019 (6. Auflage). Jürgen Osterhammel/ Niels P. Peterson: Geschichte der Globalisierung, München (Beck) 2019 (6. Auflage).

 

 

      Zitate:

"Es ist allein unsere Entscheidung, ob wir etwas tun oder ob uns etwas getan wird", Guido Westerwelle zur Globalisierung und zu den Folgen für Deutschland. "Es ist nicht in Ordnung, dass Europa pro subventionierte Kuh mehr ausgibt, als ein Afrikaner zum Leben hat", Horst Köhler, Bundespräsident. "Wenn China die Werkbank der Welt ist und Russland die Zapfsäule, müssen wir das Konstruktionsbüro sein", Ex-Bundesumweltminister Gabriel  "Wir brauchen bei Löhnen eine Untergrenze, schon um Sittenwidrigkeit und Ausbeutung zu verhindern", Christian Wulf, niedersächsischer Ministerpräsident. "Europa muss seine Völker in der Globalisierung schützen", Nikolas Sarkozy. "Wir, die wir hier in Europa offene Schwimmbäder seit Jahrzehnten heizen, sollten vorsichtig sein, wenn wir Maßnahmen verlangen, die in der Dritten Welt den Betrieb eines Kühlschranks nicht erlauben", Frank-Walter Steinmeier, Ex-Bundesaußenminister. "Es ist schädlich", dass Asiens Aufschwung als Bedrohung gilt", Günter Verheugen, Ex-EU-Kommissar. "Öl ist die Quelle aller Aggressionen", Hugo Chavez, Präsident Venezuelas auf dem OPEC-Kongress in Riad. "Uns muss alarmieren, dass der sichtbare und messbare Erfolg der Sozialen Marktwirtwirtschaft sich nicht mehr im Vertrauen der Bürger spiegelt", Dieter Hundt, BDA-Präsident zur Diskussion über zu hohe Managergehälter. "Das ist Ausdruck eines Karawanen-Kapitalismus, von dem viele wissen müssen, dass er die Zustimmung zu diesem Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell systematisch unterminiert, Peer Steinbrück, Ex-Bundesfinanzminister, zum Umzug von Nokia. "Wir sagen keine Rezession voraus, wir sagen ein verlangsamtes Wachstum voraus", Ben Bernanke, US-Notenbank-Chef zur US-Konjunktur bzw. Wirtschaftskrise. "Ganze Bevölkerungsschichten verarmen. Da wächst ein Krisenpotential in unserer Gesellschaft. Ich frage mich: Wann explodiert es?", Gerhard Baum ehemaliger Bundesinnenminister (FDP).  "Wir sollten nicht jedes einzelne Kreditinstitut schützen. Das Wirtschaftsleben kennt eben Gewinner und Verlierer. Wir werden weitere große Finanzkonzerne zusammenbrechen sehen", Alan Greenspan, im September 2008. "Die sozialistische Planwirtschaft ist ebenso gescheitert wie der neoliberale Marktradikalismus, Für den zahlen wir gerade die Zeche", Horst Seehofer, bayrischer Ministerpräsident.  "Das Finanzsystem steht vor der größten Herausforderung seiner Geschichte", US-Finanzminister Tim Geithner im Februar 2009. "Wir haben das Gefühl, dass wir in den letzten Jahren Asien nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt haben", Hillary Clinton, US-Außenministerin, vor einer Asienreise 2009. "Verlierer weinen, Sieger schauen nach vorn", Arnold Schwarzenegger, Gouverneur von Kalifornien zur Weltwirtschaftskrise. "China spielt das Zünglein an der Waage, um für den Aufschwung zu sorgen", R. Stadler, Audi-Chef. "Die Krise kann zu einer Gefahr für die Demokratie werden, wenn in ein paar Monaten am Arbeitsmarkt handfeste Folgen spürbar werden", Gesine Schwan. "Der Sozialstaat ist Teil der kulturellen DNA des Landes, er gehört zum Selbstbewusstsein und zur Identität der Deutschen so wie Goethe und Schiller", Olaf Scholz, Ex-Bundesarbeitsminister. "Selbst wenn die Wachstumsraten künftig höher sind: Es wird noch lange dauern, bis wir das alte Wohlstandsniveau wieder erreicht haben", Axel Weber, Ex-Bundesbankpräsident. "Ich habe gar keine besondere Lust an der Provokation. Ich bringe nur Dinge gerne auf den Punkt, und das erweckt bei anderen manchmal Emotionen", Thilo Sarrazin, Ex-Bundesbank-Vorstand. "Die Devise "Privat vor Staat" taugt für die Zukunft nicht mehr, Jürgen Rüttgers, ehemaliger Ministerpräsident NRW. "Der Bambus wiegt sich im Sturm, aber er bricht nicht!", Philipp Rösler, Bundesgesundheitsminister. "Ich wundere mich immer wieder über den einen oder anderen Schlaumeier, der weiß, wie in 20 Jahren die Welt aussieht", Karl-Theodor zu Guttenberg. "Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Von einem Wirtschaftswunder kann keine Rede sein", Sachverständigenrat zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Jahresgutachten 2010. "Wir gehen mit Sieben-Meilen-Stiefeln voran, manch andere trotten im Gänsemarsch hinterher", Rainer Brüderle, Bundeswirtschaftsminister, zum Konjunkturaufschwung in Deutschland 2011. "China spart und exportiert, Europa konsumiert, und die USA konsumieren und leben auf Pump. Das kann so nicht weitergehen", Christine Lagarde, Ministerin in Frankreich. "Das ist die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg", Naoto Kan, japanischer Premierminister nach der Naturkatastrophe 2011. "Mit dem Klimavertrag hat sich zum ersten Mal die Gesamt Weltgemeinschaft zum Handeln verpflichtet. Das ist ein Zeichen der Hoffnung für Milliarden Menschen," Angela Merkel, Bundeskanzlerin, Ende 2015.

 

"Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten", Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen, I. (im Jahre 2006 150 Jahre tot, 17. 02. 1856 gestorben, Infos). Bezieht sich der Vers auf das Kommunistische Manifest?

Wolf Biermann hat ein Lied aus obigem berühmten Vers von Heine gemacht, das er in der langen Nacht der Museen im März 2006 im Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen vortrug (neben Ostasieninstitut und Walzmühle; gibt auch einen Bloch-Almanach heraus). Berühmter Spruch von ihm: "Nur wer sich ändert, bleibt sich treu". Er ist Ehrenbürger von Berlin. 2016 feiert der Dichter und Liedermacher seinen 80. Geburtstag. Es erscheint seine Autobiographie: Wolf Biermann: "Warte nicht auf bessere Zeiten! Die Autobiographie", Propyläen.

"Der aufrechte Gang wird am letzten gelernt", Ernst Bloch, geboren in Ludwigshafen (auch: "Die einzige Sprache, die jeder versteht, ist die Sprache des menschlichen Gesichts"). 2007 ist im Suhrkamp-Verlag eine Bildbiographie über Bloch erschienen. Bloch hat auch den Begriff Heimat philosophiefähig gemacht. Das spielt eine Rolle in der aktuellen Flüchtlingsdiskussion. Heimat kann als Prozess gesehen werden für die Identitätsfindung von Menschen und Kulturen. Ein anderes berühmtes Zitat von ihm ist: "Das Denken geht dem Tun vor, das Tun bewährt das Denken". Der Dichter Hans Magnus Enzensberger hatte Verwandtschaft in der Pfalz. Er erzählt von seinem markanten Großvater aus Ludwigshafen. Hans Magnus Enzensberger: Eine Handvoll Anekdoten auch Opus incertum, Suhrkamp, Berlin 2018.

2017 wäre der Schriftsteller Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden (am 20.12.2017). Er lebte von 1917 bis 1985. Er wurde in eine strenge katholische Handwerkerfamilie in Köln hineingeboren. Daneben prägte ihn seine Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg. Sein Werk hat eine hohe Zeitverbundenheit, er war "der" Schriftsteller der Nachkriegsliteratur. Er war nie auf Staatslinie und dachte eher links. In seinem Haus beherbergte er als ehemaliger PEN-Präsident auch russische Dissidenten. 1972 bekam Böll den Literaturnobelpreis. Heute ist er etwas vergessen und hat in der Parteistiftung der Grünen als Namen überlebt. Berühmte Werke sind: Wanderer kommst du nach Spa (1950), Das Brot der frühen Jahre (1955), Ansichten eines Clowns (1963), Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1974).