Werner Krämer

Asia & China (N/ Japan, Indien, Russland, Korea,  Indonesien, Vietnam u.a.)

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"Ohne aus der Tür zu gehen, kennt man die Welt. Ohne aus dem Fenster zu schauen, sieht man den SINN des Himmels", Laotse (Laozi, chinesischer Philosoph, 6. Jh. v. Chr., Begründer des Taoismus, Die Weisheit des Tao Te King, Das Buch vom Sinn und Leben). Hat Laotse das Internet vorhergesehen? "Das Internet ist ein Geschenk Gottes ", Papst Franziskus 2014. Heute gibt es sogar virtuelles Reisen. Das Internet macht es möglich, ohne Koffer, Geld und ohne Hektik Urlaub zu machen, wozu man die eigene Wohnung nicht verlassen muss. Noch intensivere Eindrücke bietet Virtual oder Augmented Reality. Es kann aber mentale Souvenirs nicht ersetzen. Erinnerungen an Reisen sind sehr speziell und schließen oft einen ganzen Strauß von Sinneseindrücken ein (neueste Erkenntnisse der Psychologie). Schon der österreichische Komponist A. Mozart hatte erkannt: "Ohne Reisen ist man ein armseliges Geschöpf". Oder der Dalai Lama: "Besuche einmal im Jahr einen Ort, an dem du noch nie gewesen bist". Eine professionelle Auseinandersetzung mit Asien braucht aber beides: Reisen/Aufenthalte (Zugang nicht überall hin frei! der Blick für das Zuhause wird auch geschärft) und den richtigen sowie kritischen Umgang mit empirischen  Daten bzw. Informationen. Für den letzten Aspekt soll diese Asien-Seite Hilfestellung leisten. Objektive Informationen über China, die gleichzeitig ihren Nutzen haben, sind nicht so einfach zu bekommen. Ich habe selbst mehrmals miterlebt, wie Journalisten führender Zeitungen in Pekinger Luxushotels "abgefüttert" wurden (Vorsicht und Zweifel sind immer angebracht). Reisen ist in China mühsam und schwierig (wenn man in heikle Gebiete will). Alle Ökonomen und auch Führungskräfte anderer Ausbildung kommen heute nicht mehr an Asien und China vorbei. Schon vor über 2500 Jahren wusste der chinesische Philosoph und Militärstratege Sunzi: "Wer den Gegner kennt und sich selbst, wird in hundert Schlachten nicht in Not geraten".

Gerade diese Site wird deshalb mittlerweile von Studierenden vieler anderer Hochschulen und von interessierten Führungskräften , sogar im Ausland,  stark genutzt (die Übersetzungsprogrammen: DeepL/Köln oder Google Translater sowie Microsoft Translator/ Edge sind mittlerweile so gut, dass sich ein extra englischsprachiges Forum gar nicht mehr lohnt; in neuern Browsern sind Übersetzungsprogramme eingebaut, manchmal müssen sie erst herunter geladen werden). Die Seite scheint sich hervorragend für Blended Learning zu eignen. Für Hinweise auf Fehler oder Verbesserungsvorschläge bin ich weiterhin sehr dankbar. Gleichzeitig ist die Konzeption dieser Seite eine Prognose: Die Globalisierung hat und wird ihren Schwerpunkt weiter nach Asien verlagern (schon 2021 erwirtschaftet Asien über 50% des Welt - BIP; Thema des WEF, Davos).. Ein großer Teil der Globalisierung ist die Dynamik Chinas. Das Land der Mitte wird ökonomisch die führende Macht in der Welt werden (wahrscheinlich zwischen 2026 - 2049, neueste Prognosen nach Corona sprechen sogar von 2024 ; gleichzeitig werden Japan und Südkorea, ökonomisch die Nr. 2 und 3 in Asien, relativ schwächer). Der Handelskrieg mit den USA (ein Symptom des Abstiegs der USA) verlangsamt das Wachstum Chinas nur etwas (insbesondere durch Exportrückgänge und weniger Technologietransfers). Die Gegenstrategie der Ausweitung des Binnenkonsums und der Aufbau  der "Neuen Seidenstraße" läuft aber schon länger. Besonders deutlich wird die langfristige Gegenstrategie bei den digitalen "Gegen-Unternehmen" (Huawei, Tencent, Alibaba, Baidu u. a.). "Das Gravitätszentrum der Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert wird in Ostasien liegen." Kishore Mabubani, Politik-Professor an der National University Singapore, Ex-Diplomat.

                                                   Good afternoon                 

                 konnichiwa                                   nin hao

                                                      Buenos dias

Asien (insb. China, Japan, Indien, Korea, Russland: Direktzugriff!) hat folgende Inhaltsangabe (Gebiete): Lage und aktuelle Entwicklungen, Institutionelle Rahmenbedingungen und Wirtschaftspolitik nach Bereichen (u . a. Wirtschaftsordnung, Kultur, Geld und Währung, Bildung, Mittelstand, Handelspolitik), Wissen, Buchtipps, Autarkie versus Freihandel, Makroökonomische Daten und Spezialpolitik-Bereiche (mit Umwelt, Außenwirtschaft, Arbeitsmarkt, Löhne, Inflation, Verschuldung, Konjunktur, Migration), Management/ Kultur, Unternehmen und FDI, chinesische Unternehmen, japanische Unternehmen, chinesische Digitalunternehmen, Marktanalyse und Marketing, Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und JapanKyoto als Symbol, Ostasien als Teil der Globalisierung, Probleme, Tagungen, Aufenthalte, Theorien und Daten der Globalökonomik, Indien (mit Nachfolge- und Nachbarstaaten), Indonesien, Korea, Malaysia, Thailand, Vietnam. Singapur. Taiwan. Myanmar. Bhutan. Kambodscha. Laos. Philippinen. MaledivenMongolei. Afghanistan. Nepal. Russische Föderation. Türkei/Israel, Iran (Persien), Saudi-Arabien. Fallstudie "Wenn der Drache lahmt": Die ökonomische Bedeutung Chinas für Deutschland und die Welt. Karl Marx in China, Chinesische Marxismus-Rezeption und Konfuzianismus, Genossenschaftsidee und Japan;  Seidenstraßen - ProjektAnalyse von Wirtschaftsordnungen, Aufstieg der Schwellenländer, Geschichte, Ostasien - Links, Ganzheitliches Denken, Religionen in Asien, Naturphilosophien: Daoismus und Schintoismus, Konfuzianismus in Asien, Interkulturelle Kompetenz mit Asienbezug, KMU und Asien, Indikatoren Asien, Marketing und Asien, Finanzierung und Asien, Arbeit/ Personal und Asien, Themen von Abschlussarbeiten mit Asienbezug, Präsentationen über Ostasien. Wein in China. Das chinesische Kaiserreich und Geschichte Chinas. Geschichte Japans Geschichte Koreas. Geschichte Vietnams. Geschichte Indiens. Geschichte Indonesiens. Geschichte Kambodschas und Angkor Wat. Geschichte Thailands. Geschichte Taiwans. "Vom Land der aufgehenden zum Land der untergehenden Sonne?": Der langsame Abstieg Japans in einer langen ökonomischen Krise. Was können die EU und Deutschland daraus lernen? Neustart/ Erholung nach der Corona-Krise 2020 in China. Auslandsnetzwerk. Asia Society.

Stichworte (Schnellzugriff nach Register; oder auf dieser Seite mit Windows 10 suchen; Systematik "Länder/ Nationen in Asien"):

"China muss mehr über die Welt lernen und die Welt mehr über China", Xi Jinping, Staatspräsident Chinas und Parteichef der KPCh bei seiner Antrittsrede 2012 (heute tritt er selbstbewusster auf und würde das so nicht mehr sagen). Im folgenden ist Asien nach Ländern und regionalen Integrationen  gegliedert:

VR China: Begriff "China". Sprache. Pinyin. Peking. Tsingtau. Tianjin. Hongkong. Shanghai. Quanzhou. Hangzhou und Suzhou. Shenzhen. Kanton. Dongguan. Greater Bay Area (GBA). Nanjing. Chongqing /Chengdu. Chengde. Pingyao. Xì´an. Chang´an. Xiong`an. Wukan. Xingtai. Yiwu. Yiwu International Trade City Guilin. Qufu. Xinjiang/ Uiguren. Zhenjiang. Wuhan. Lanzhou /Gansu/Gelber Fluss. Beidaihe. Yangtsekiang/ Zhenjiang, Jingxi, Drei-Schluchten-Staudamm. Dali/ Shangri La. Kaiserkanal. Li-Fluss. Flüsse als Lebensader. Hainan. Raumfahrtstation.  Bayan Obo. Grotten von Longyou, Chinesische Sowjetrepublik/ Jiangxi. Naturraum. Klimaschwankungen. Abfalltrennung und RecyclingGroße Mauer. Sommerpalast. Platz des Himmlischen Friedens. 70 Jahre Volksrepublik Himmelstempel. Verbotene Stadt. Dalai Lama-Effekt. Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Zentralkomitee von Chinas KP, 14. Fünfjahresplan (Wende). Nationaler Volkskongress. Regierungsorgane. Politisches System. Auslandsnetzwerk und Interessensvertretung im Ausland. Journalisten in China. Sozialistische Marktwirtschaft. Geschichte der sozialistischen Marktwirtschaft in China: Unternehmen, Arbeitsmarkt, Landwirtschaft, Preise, Privatisierungsprozess. Militärmacht (Rüstung). Mittelschicht. Handelskonflikt im Alltag. Masterplan/ Made in China 2025. Social-Credit-System. Harmonische Gesellschaft. Finanzmärkte, Ceinex, Banken. Staatsfonds CIC. Kaiser in China. Soziale Ordnung im alten China. Langer Marsch. Auslandschinesen, Migration, Greater China, Kultur und Subkulturen. Homogenität der Kultur. Horoskop. Mondfest. Friedhof der europäischen Jesuiten in China. Chin Shi Huang ti. Yongle. Laotse. Konfuzius. Konfuzius-Institute. Mao Tsedong. Deng Xiaoping. Xi Jinping. Karl Marx. Friedrich Engels. Zhou YougangJohn Rabe. Otto Braun. Ai Weiwei. Marco Polo. Schildkröte. Drache. Kranich. Maus. Schwein. Panda-Bär. Verhältnis zu Russland. Importmesse in Shanghai. Produktpiraterie. Fake-Economy. Tee. Zitrusfrucht. Lotos. Opium. Kartoffel. Wein. Porzellan. Jade. Papier und Buchdruck. Silber. Traditionelle chinesische Medizin (TCM). Sport. Außenwirtschaftpolitik. Autarkie versus Freihandel. Umweltpolitik. Arbeitsmarktpolitik. Arbeitsproduktivität und Rückgang der Erwerbsbevölkerung. Finanz- & Steuerpolitik. Mittelstandspolitik, Bildungspolitik, Strukturpolitik, Sozialpolitik (mit Gesundheit/ Covid-19; Null-Covid-Strategie; berühmte Mediziner in China und Seuchen); Aufarbeitung der Corona-Krise; Behinderte ; Armut; Überalterung, Bomben-Theorie, Wanderarbeiter und viele andere Politikbereiche (Geldpolitik, Ordnungspolitik, Währungspolitik, Wettbewerbspolitik, Industriepolitik, Entwicklungspolitik, Städtebaupolitik u. a., Landraub, Entschädigung). Industriestandards und Normung. Wirtschaftsordnung im Westen (Nordamerika, Europa) und in China. Geschichte Chinas. Neustart/ Erholung nach der Corona-Krise 2020. "Wenn der Drache lahmt": Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft. Statistik in China und ihre Genauigkeit. Digitaler Renminbi. Probleme Chinas. China als Teil der Globalisierung. Bevölkerung. Ethnische Minderheiten. Die junge Generation (Jugendliche). Heiratsmarkt. Wirtschaftsleistung. Inflation/ Budgetsaldo. Erwerbstätigkeit/ Arbeitsmarkt. Arbeitsmoral. Jugendarbeitslosigkeit, Migration/ Migrationspolitik. Umwelt/ Energie Chinas Rolle in der globalen Klima- und Umweltpolitik. Unternehmen in China. Dumping-Praktiken der Staatsunternehmen (SOE). Elektromobilität. Hochleistungsmagnete. Verkehrsinfrastruktur. Außenwirtschaft. Häfen in China ( Container). Handel Chinas mit der EU. Probleme deutscher Unternehmen mit chinesischer Beteiligung. Direktinvestitionen in Deutschland. Deutsche Direktinvestitionen in China nach Branchen. Chinastrategie Deutschlands. Verhaltenskodex für deutsche Firmen in China, Chinesische Märkte/ MarketingImmobilienmarkt. Bankensystem. Finanzierung in China. Managementstrategien/ Kultur. Kulturelemente: Kriegslisten, Shaolin-Strategie, Weiji, Danwei/ Guanxi Industriepolitik und Protektionismus in China. Chinesische Digitalriesen und ihre Strategien. Strategie der zwei Kreisläufe in der Außenwirtschaftspolitik. Selektives Decoupling. Aktuelle Politik Chinas. Aktuelle Konjunktur Chinas. Technologien/ Innovationen in China. Wirtschaftliche Sachbücher über China oder Bücher, die in China spielen. Pandemien aus China. Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft. EU-China-Gipfel. Shanghai Cooperation Organisation (SCO). Comprehensive Agreement on Investment, CAI. RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership).  Empirische Wirtschaftsforschung in        China. Astronomie und China (Kooperation mit Europa). Geschichte der Astronomie und Technologie. Konflikt zwischen China und  den USA (Kampf um die Weltherrschaft, Kalter Krieg 2.0). Olympische Winterspiele 2022 in China. Historische Querdenker in China. 100 Jahre KPCh. Immobilienkrise in China 2021. Gelbe Gefahr 2.0. China-Afrika-Kooperationsforum. Jugend-Revolte "Flachliegen" und "radikaler Ausbeuter-Wettbewerb". Intellektuelle in China und ihr Denken. Schwierigkeiten im "großen Wiederaufstieg der Nation". Gesundheits-App., Taiwan-Konflikt. Proteste gegen die Covid-Strategie.

Taiwan (Republik China, Formosa, National-China): Bevölkerung und Fläche, Vergleichsgrößen, Wichtige Städte, Verwaltungsgliederung,  Kultur, Freiheiten, Geschichte Taiwans,  Gesundheit, Wirtschaft, Währung, Inflation, Außenhandel, Halbleiter und Technologie, Bedeutung der HalbleiterindustrieTextilindustrie, Unternehmen,  Deutsche Unternehmen in Taiwan Deutsche Rüstungsgüter für Taiwan, Freihandelsabkommen der EU mit Taiwan, StaatsformPolitik, Beziehungen und Status zu China, Wichtige Inselgruppen, Spratly-Inseln, Kimmen-Inseln, Verteidigung und Manöver,  Chinas Traum von Einheit und Weltmacht, Ein Land, zwei Systeme, Taiwan-Krise und ein Handelskrieg der EU mit China, Taiwan und die USA als Schutzmacht. Handelsabkommen mit den USA ab 2022. Taiwan und Japan. Taiwan und Südkorea, Taiwan und DeutschlandTaiwan und der Ukraine-Krieg, Außenpolitik Taiwans. Taiwan und die Jugend.  Taiwan und der Sport. Taiwan und Stimmung. Geschichte Taiwans. Natur und Umwelt. Klimaneutralität/ Energie. Attraktive Regionen. Katastrophen. Digitale Demokratie. Unternehmen in Taiwan.

Japan: Begriff "Japan". Sprache. Japanische Handwerkskunst. Jin Shin Jyutsu/ Japanisches Heilströmen, Reiki japanische Toiletten. Nara. Größter Buddha in Japan. Kyoto. Tokio. Fuji-san. Hokkaido (Ezo). Dörfer in Japan. Goldener Pavillon. Japanische Brücke in Hoi An/ Vietnam. Geographie. Geschichte Japans. Geschichte der christlichen Missionierung in Japan. Erste Kontakte zu China. Tributsystem. Samuraiburgen. Meiji-Restauration. Amakudai; Nemawashi; Kuki wo Yomu. Shintoismus. ObdachloseNotenbank, Nikkei-Index, Bankensystem. Siebold. Friedrich Fröbel/ Kindergarten. DüsseldorfSake. Alkoholkonsum. Tabak. Tee und Teezeremonie. Ginko. Gerstengras. Wasabi. Manga-Bibliotheken. Obdachlose. Japanische Bahn. Japan AG. Lean Production (Toyota Way, Kaizen). Japanische Kultur. Kulturinstitutionen und aktuelle -aspekte. Japanischer Markt, Kundenorientierung. Senioritätsprinzip. Atombomben. Fukushima Daiichi. Asia-Africa-Growth-Corridor G20-Gipfel 2019 in Osaka. Wirtschaftsordnung; Rechtsordnung. Liberaldemokratische Partei. Ordnungspolitik. Geldpolitik. Finanz- und Steuerpolitik. Währung. Bankensystem. Bildungs- und Forschungspolitik. Mittelstandspolitik. Städtebaupolitik. Außenwirtschaftspolitik. Bevölkerungspolitik. Frauen in Japan, Arbeitsmarktpolitik. "Firmenkrieger", Gesundheit und Gesundheitspolitik (Geschichte der westlichen Medizin), Umweltpolitik. Energiepolitik. Migrationspolitik, Entwicklungspolitik. Strukturpolitik. Sozialpolitik mit Gesundheit, Geschichte des internationalen Handels in Japan. Japan-Syndrom. Staatsverschuldung. Naturkatastrophen u. a. Der langsame Abstieg Japans in einer langen ökonomischen Krise. Was können die EU und Deutschland daraus lernen?  Probleme Japans. Neue Ökonomie der Nachhaltigkeit und Fukushima. Japan im Wettbewerb der Wirtschaftsordnungen. Japan und globale Umweltpolitik. Unternehmen in Japan Finanzmarktreform und Banken. Managementstrategien/ Kultur. Aktuelle Politik in Japan. Technologie/ Innovationen  in Japan. Aktuelle Konjunktur in Japan. Bücher über Japan und/oder Asien. Empirische Wirtschaftsforschung in Japan. Statistiksystem in Japan. Olympische Sommerspiele 2021 in Japan. Aufrüstung und neue Geopolitik. Japan als Pionier der Zeitenwende. Japan als Vorbild beim Energie sparen.

Indien (auch Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Kaschmir): Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Arbeitsmigration nach Deutschland, Geldpolitik, Wirtschaftspolitik, Staatsverschuldung, Amartya Sen, Raghuran Rajan, Kampf mit China, Indien und USA, Indien und Deutschland/ EU, Handelsgeschichte, Wirtschaftsentwicklung der Zukunft, Indien als Eier legende Wollmilchsau, Wirtschaftsreformen, Ausbau der Infrastruktur ab 2022, Verhältnis zu wichtigen Ländern, China, USA, Russland, Deutschland/ EU, Großbritannien; Parag Khanna Auslandsinvestitionen und Außenhandel, Produktionsverlagerungen nach Indien, Autarkiebestrebungen, Handelsverträge IndienG20-Treffen 2023, Bevölkerung und Politik, Bevölkerung 2050/ Prognose, Politische Teilung und Parlament, Politische Parteien und politische Organisationen, Barygaza, Geschichte, Unabhängigkeit, Gesellschaft und Kultur, Mathematik, Philosophie in Indien, Diskriminierung der FrauEheschließungen, Sprachen in Indien, Urbane GroßräumeGesundheitsreform 2018 und Gesundheit, Medizin und Gesundheit,  Industriepolitik, insbesondere für die Pharmaindustrie, Khasi, KastensystemVerteilung, Grundeinkommen, Religionen, Kumbh Mela, Heilige Kühe, Mutter-Teresa-Organisation, Mata Vaishno Devi, Zarathustra, Siddharta, Muslime in Indien und den Nachfolgeländern, Verteilungskampf und Hindu-Fanatismus, Terrorismus, Bhagavad Gita (Yoga-Exkurs, Tri-Guna-Modell), Moderne Psychologie, Guru Sri Chinmoy, Medizin, Umwelt (Energie, Landwirtschaft,  Agrarreform 2020, Wasser, Wasserkriege?, größtes Flussdelta der Welt, Naturkatastrophen, Disha Ravi, Energiepartnerschaften, Korrupte Bausünden), Punjab, Elefanten, Unternehmen, Start-ups in Indien, Deutsche Unternehmen in Indien, Statistik der deutschen Unternehmen in Indien,  Deutsche Bank in Indien, Börsen Unternehmenssteuern, Lieferketten, Soziale Medien und IT, informeller Sektor, Kinderarbeit, Darjeeling, Standort für DI, Zollvergünstigungen; TTC mit der EU, AAGC, Quad; Nachbarländer bzw. historische Nachfolgestaaten (Tibet in Indien, Kaschmir, Pakistan: Allgemein, Politik Pakistan, Natur und Grenzen, Pakistan und Seidenstraße, Wirtschaft in Pakistan, Pakistan und Taliban, Pakistan und Islam, Naturktastrophen, Bangladesch, Youtube-Dörfer, Sri Lanka). Indien in der globalen Umweltpolitik. Indien als Quelle vieler Religionen und Kulturen. Unternehmen in Indien. Institutionen in Indien. Sachbücher über Indien. Zukunft Indiens im 21. Jahrhundert.

Indonesien: Emil-Helfferich-Sammlung,  Geschichte, Revolusi, Urzeit, Bevölkerung und Kultur, Documenta Kassel 2022Wayang Kulit, Volksgruppen, Frauen,  Politik, Provinzen, Wichtige StädteNeue Hauptstadt "Nusantara",  Militär/ Rüstung, Gesundheit, Religion, Wichtige Wirtschaftsdaten und Wirtschaft, Außenhandel, Verschuldung, Aktuelles bei WirtschaftStaatsfonds und Staatsholding, Antikorruptionsbehörde KPK, Rohstoffe Indonesien, Energiepartnerschaft OmnibusgesetzG20-Mitgliedschaft und Treffen, Wirtschaftsintegrationen, Indonesien und Deutschland, Indonesien und die Niederlande/ EU,  Indonesien und Neue Seidenstraße, Naturkatastrophen, Umwelt, Aeshnina Azzahra, Tourismus in Indonesien Reisterrassen der Subak, Nationalpark Tanjung Puting, Orang-Utans, Meereskrebs namens Sahra Wagenknecht, Anamba - Archipel Arbeitsmarkt, Kinderarbeit, Matriarchat, Aktuelles. Unternehmen Indonesien. Quellen Indonesien.

Korea: Gesamt-Korea/ Geschichte. Nationalhymne Koreas.

Südkorea: (Republik Korea); Politik, Nationaler Sicherheitsrat, Unternehmen, Aktienmarkt, Samsung, Wirtschaft, Inflation, Wirtschaft im Vergleich, Wirtschaftspolitik,  Rüstungsgüter deutscher Firmen, Kaufmänner des Krieges,  Außenhandel mit Deutschland, Wirtschaftspolitik (Subventionen), Bedingungsloses Grundeinkommen, Notenbank, Koreanische Kommission für fairen Handel (KFTC), Kreativwirtschaft und Innovation,  Innovationsstandort Seoul, Korea als natürliches Experiment der Geschichte, Umweltpolitik, Bevölkerungs- und Sozialstruktur als Problem: Suizidrate, Rolle der Frau, Prominente mit Mobbing - Vergangenheit, Lohngefälle, Gesundheit, Ginseng, Kimchi, Wirtschaftsgeschichte, Digitalisierung, Zepeto als Metaversum Arbeitsbedingungen, Menschen - Rechte und Tradition, Kultur, Nunchi, Bildung und Forschung,  Religion, Vollversammlung des Weltkirchenrates, Verhältnis zu USA,  China, Socotra-Fels, Japan, Kooperation, RCEP, Propaganda). Familienzerrissenheit und Hoffung auf Wiedervereinigung. Katastrophen/ Unglücke. Unternehmen in Südkorea.

Nordkorea: Demokratische Volksrepublik Korea; Allgemein, Politik, Wirtschaft,  Export von Rüstungsgütern, China, Sanktionen, Verhältnis zu den USA, Wirtschaftssanktionen, Verhältnis zu RusslandFamilien-Clans, Kim Ryon-hui, Parteikongress, Bevölkerung und Lebensverhältnisse, Gesundheit, Humanitäre Hilfe, Naturkatastrophen und Ernten, Kultur, Totengedenken, Religionen, Bildung, Atomprogramm, geographische Zonen, Tourismus in Nordkorea, politische Rahmenbedingungen, Staatsfinanzierung, Atomwaffen.

Vietnam: Bevölkerung, Menschenschmuggel, Gesundheit, Wirtschaft, Probleme, Unternehmen, Aktienmarkt und Börse, Politik, Geschichte, Vietnamkrieg, Boat People in Deutschland, Religion und Kultur, Umwelt, Schuhexporteur, Kaffeeexport, Außenhandel, Deutschland und Vietnam, Deutsch-Vietnamesische Handelskammer, Handelsabkommen, Vietnam als neues China, Konflikt und Kooperation mit China. Bücher über Vietnam.

Myanmar: Allgemein, Politik, Militärputsch und Proteste, Armee in MyanmarEthnische Minderheiten und Rebellenarmeen, Geschichte, Wirtschaft, Deutsche Unternehmen in MyanmarMyanmar und China, Umwelt, Ethnische Konflikte und Vertreibung, Neues Seidenstraßenprojekt, Billigwerkbank, Opiumanbau, Jade, Seltene Erden, Unruhen. Luftangriffe der Armee. Humanitäre Katastrophe, Asean als Rahmen, Kultur, Tourismus. Bridgefy

Kambodscha: Bevölkerung. Politik. Wirtschaft. Hauptstadt und andere wichtige Städte. Seidenstraße und Sihanoukville. Umwelt. Bildung. Erwerbstätigkeit. Exporte/ Fahrradexport. Gesundheit in Kambodscha. Landminen.  Kultur und Literatur. Geschichte und Angkor Wat. Repression.

Laos: Bevölkerung/ Einwohner, Hauptstadt. Staatsform. Einfluss Chinas. Thong Hay Hin. Wirtschaft. Außenhandel. Zusammenbruch? Umwelt.

Philippinen: Bevölkerung, Wirtschaft. Manila als Metropol-Region,   Politik, Fidel V. Ramos Rohstoffe Philippinen, Drogenkrieg. Streit mit China. Probleme. Religion Naturkatastrophen. Internationales Recht. Presse/ Kommunikation.

Thailand: Allgemein (Bevölkerung, Politik), Kultur Thailands, Wirtschaft, Global Government, Geschichte, Umwelt/ Naturkatastrophen. Gesundheit. Vipassana - YogaTourismus. Unternehmen Thailand.

Bhutan: Allgemein, Wirtschaft Cross National Happiness, Umwelt, Religion Buddhismus, Politik buddhistisches Königreich, Gesundheit, territorialer Konflikt mit China

Malaysia: Lage und Bevölkerung, Wichtige Städte und Verwaltungsgliederung, Politik, Wirtschaft, Wirtschaftslage und Finanzpolitik, Außenhandel, Palmöl, Direktinvestitionen, Unternehmen, Verkehr, Korruption, Gesundheit in Malaysia, Klimaneutralität und Energie, Unternehmen Malaysia.

Singapur: Geschichte und Bevölkerung, Politik, Wirtschaft, Inflation, Hafen von Singapur, Stützpunkt für westliche Firmen, Singapur und Deutschland, Singapur als Hort der Superreichen, Singapur als Zufluchtsort für Chinas Oberschicht Economic Development Board,  Singapur als Konferenz-Standort, Gesundheit und Bildung, Modell für den Fortschritt, Smart Nation.

Nepal: Politik und Wirtschaft, Natur und Tourismus,Tiger, Corona in Nepal, Geschichte und Seidenstraße, Religion und Volksglaube. Boudhanath Stupa. Mädchen/ Frauen Stockkampf.

Brunei Darussalam

Russland (Russische Föderation), Grunddaten, Bevölkerung, Wohnungsmarkt, Gesundheit, Zwangsuntersuchungen für Ausländer, Alkoholsucht, Politik, Duma, ZK und PolitbüroSicherheitsrat, Alexej Nawalnyj, Wirtschaft, Notenbank, Rubel und Geldpolitik, Exkurs Rubelkurs, Midas von der MoskwaOligarchen und Putin, Lebenslauf von Wladimir Putin, Michail Gorbatschow, Ökonomische Modernisierung, Unternehmen, Deutsche Unternehmen in Russland. Verstaatlichung deutscher Unternehmen, "Purpose" als Grundlage der Russland-PolitikBörse, Frauenparadoxon, Rohstoffe (insbesondere Öl und Gas), Ölindustrie, Erdgasförderung, Geschichte der Energiebeziehungen zwischen Russland und EuropaTechnologie in Russland, Informationstechnologie und Wettbewerb, Staatshaushalt, Staatsverschuldung, Banken, Finanzmärkte, Konsummärkte, Bedeutung des Finanzplatzes London für RusslandArbeitsmarkt/ Erwerbstätigkeit, Sozialsystem, Soziale Ungleichheit, Umwelt, Arktis und strategische Bedeutung, Außenhandel und Direktinvestitionen, Außenhandel zwischen Deutschland und Russland. Verhältnis zu EU und USA, Gipfel von 44 Ländern 2022, Victor Orban, Beziehungen zu Deutschland, Russische Vermögenswerte in Deutschland, Verhältnis zu osteuropäischen Ländern, Ostausschuss und Unternehmerrat, Deutsch-Russisches Forum, Deutsch-russischer Petersburger Dialog Russland-Deutsche, Folgen der Russland-Sanktionen für die Deutsche Wirtschaft, Gas-Embargo von Deutschland,   Sanktionen der EU, Deutschlands und der USA (G7), Folgen der westlichen Sanktionen für die russische Wirtschaft Verhältnis zu China, Verhältnis zu Japan, Verhältnis zur Türkei, Verhältmis zum Iran, Verhältnis zum Westbalkan, Tourismus, Religionen, Kultur, Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Leo N. Tolstoi, Siedlung Alexandrowska, Desinformation, Kauf von Politikern im Ausland, Öffentliche Meinung, Memorial, Geschichte, Russische Geschichtsschreibung unter Putin, Alexander Solschenizyn, Polizei und Militär, (Russland liegt überwiegend in Asien, ein kleinerer Teil ist in Europa; deshalb spricht man auch von Eurasien). Afghanistan-Krieg. Gruppe Wagner. Russland als Schwellenland. Öl, Krisen und Preis. Umweltpolitik in der Russischen Föderation. Russische Unternehmen (Multis), Nord-Stream 2. Quellen.

Weitere Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (ab 1990, einige in Europa): Tschetschenien. Georgien. Republik Moldau, Weißrussland (Grunddaten, Verhältnis zu Russland und EU, Integrationsdekret mit Russland, Neue Verfassung 2022, Wirtschaft, Bialystock, Opposition). Ukraine (in Europa! Ukraine und Deutschland/ EU, Deutsche Unternehmen in der Ukraine, Wirtschaft in der Ukraine, Solidaritätsfonds der EU,Wirtschaftsforum, Ukrainische Exporte, Getreide-Blockade und -Abkommen. Lobbyismus, Geschichte der Ukraine, Konflikt, Kosten des unsichtbaren Krieges, der reale Angriffs-Krieg, Armee der Ukraine,  Stadt Mariupol, Flüchtlinge aus der Ukraine, Förderung der Krim, System in der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, Andrij Melnik, Serhij Zhadan). Marshallplan Ukraine. Erwartungen der EU an die Ukraine. Aserbaidschan. Armenien. Kasachstan (Grenzen, Politik, Korruption, Wirtschaft, antichinesische Proteste, Flüchtlinge aus Xinjiang, Unruhen, Wirtschaftsintegration, Kasachstan und Deutschland, Kasachstan und deutsche Unternehmen). Flüchtlinge in Deutschland,  Kasachstan/ Astana als Neu-MoskauTurkmenistan. Ruhnama, Usbekistan, das Land als Alternative zu Russland, Samarkand, Kirgisistan, Tadschikistan (Letztere sind selbständige Staaten in Zentralasien und Vorderasien, auch heute noch unter starkem Einfluss Russlands; durch Rohstoffe und ihre Lage als Grenzländer auch für China attraktiv).

Mongolei Allgemein, Verhältnis zu China, Politik, Asia-Pacific-Trade Agreement (APTA). Wirtschaft und BörseKulturelle Identität. Rohstoffabkommen mit Deutschland. Der deutsche Dschingis Khan. Gesundheit in der Mongolei. Tourismus.

Afghanistan: Bevölkerung/ Grundlagen. Wichtige Städte und Grenzen. Geschichte. Kultur. Frauenrechte. Kunst, Religionen, Wirtschaft. Mohn, Notenbank. Staatseinnahmen. Finanzmärkte und Bankensystem. Rohstoffvorkommen. Umwelt und Natur/ Naturkatastrophen, Politik. Verteilung, Armut, Flüchtlinge nach Iran, Usbekistan, Tadschikistan, PakistanKrieg/ Unruhen. Taliban. Andere Gruppen. Ideologie: Paschtunwali und Deobandismus. Afghanistan und Deutschland. Theodor Fontane. Katar. Afghanistan und China. Afghanistan und Russland. Afghanistan und Pakistan, Indien. Afghanistan und Iran/ arabische Länder. Gesundheit und humanitäre Hilfe. Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan. Quellen.

Iran: Bevölkerung und Geografie (auch Regionen, Fläche, Landesteile, Grenzen, bedeutende Städte). Minderheiten. Frauen im Iran. Geschichte, Wendepunkte und wichtige Ereignisse/ Zeitgeschichte,. Staatssystem. Politische Macht im Regime, Theokratie,  Jugend und Proteste/ Opposition. Besondere Qualität der jüngsten Proteste. Evin - Gefängnis. Todesstrafe. Proteste im Ausland. Menschenrechte und UN-Menschenrechtsrat. Internet im Iran. Atomvertrag und -rüstung. Wirtschaft (Lage), Außenhandel, Bodenschätze/ Rohstoffe, Staatsverschuldung und Inflation, Schattenwirtschaft, Währung, Unternehmen, Aktuelles/ Wirtschaft. Bildung, Arbeitsmarkt. Verteilung, Mittelschicht. Wirtschaftssanktionen. EU-Abwehrgesetz, Iran/ Tauschbörse. Deutschland und Iran. Behzad Karim Khani, Iran und China. Iran und Indien. Iran und Pakistan. Iran und Irak. Iran und Afghanistan. Iran und Israel. Iran und Türkei, Iran und Russland, Iran und USA. Iran und UN. Sicherheit, Rüstung und Militär. Gesundheit. Kunst und Kultur (auch Sprache). Persische Mathematik Religionen (Schiiten, Zoroastrismus, Bahai). Salman Rushdie. Umwelt (Flora und Fauna, Wasser).Katastrophen. Quellen.

Malediven, Allgemein, Tourismus, Wirtschaft.

Sonstige (Australien, Neuseeland, Salomonen: Ozeanien)

Vorderasien: 1 Türkei als Land,  2 Türkei, islamische Kultur und Verhältnis zu Deutschland, Saudi-Arabien, Israel, VAE (Dubai), Katar, Bahrain Syrien, Libanon, Kuweit, Jordanien, Irak, Jemen, Oman, (Kurdistan). Weitere vorderasiatische Länder bei Economics/ special: Globalökonomik/ Ländergruppen, Länder. Dort finden sich auch Länder aus anderen Erdteilen. (z. B. Ägypten, Libyen, Algerien, Marokko, Tunesien). Die Entwicklungsländer Afrikas finden sich unter Globalökonomik/ Entwicklungsländer. Die Länder Mittel- und Südamerikas sind bei Globalökonomik/ Ländergruppen und Länder aufgeführt. Die Länder der EU bilden bei Globalökonomik/ EU eine eigene Kategorie. Weitere Länder Osteuropas sind bei Nachfolgestatten der ehemaligen Sowjetunion (oben) enthalten.

Wirtschaftsintegrationen und wichtige Treffen bzw. Kooperationen (Asien-Pazifik-Region als künftiger Wirtschaftsschwerpunkt).

Nach dem Buch der Riten ist die Schildkröte in China eines der vier heiligen Tiere. Sie symbolisiert Kraft, Ausdauer, Festigkeit, Gesundheit  und langes Leben. Schon früh leitete man von ihr kosmische Bezüge ab (gewölbter Panzer als Versinnbildlichung des Himmelsgewölbes, glatte Unterseite als die auf dem Wasser schwimmende Himmelsscheibe). "Behold the turtle. He makes progress only when he sticks his neck out", James Bryant Conant, 1893-1978, American scientist, president of Harvard University. Als Pflanze und Heilkraut der Unsterblichkeit gilt in China Jiaogulan. Sie gilt als äußerst wertvoll für die Gesundheit und für mehr Lebensenergie.

          Aktuelle Lage und Entwicklungen (Daily news):

"Die Wahrheit in den Fakten suchen", Deng Xiaoping (Schöpfer des modernen, pragmatischen Chinas; 1997 gestorben; 1974 Ministerpräsident, 1977 wurde er wieder stellvertretender Ministerpräsident, 1978 und 1992 stellte er entscheidende Weichen in der Reformpolitik). 1974 reiste er als erster chinesischer Spitzenpolitiker in die USA. Damals konnte China kaum die Reisekosten bezahlen. Das Mitbringsel, eine Puppe, war so billig, dass sich ein Exil-Chinese erbarmte. Folgender Spruch von Deng anlässlich der Eröffnung der ersten Sonderwirtschaftszone Shenzhen 1980 ist auch berühmt: "Lasst den Westwind herein. Reichtum ist ruhmvoll!" Auch folgender Leitsatz ist bekannt geworden: "Verbirg deine Stärke und warte ab".

  China:                  (direkt zu Japan bzw. Sonstige Länder in Asien,

                               Indien (Kaschmir, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka),

                               Indonesien,   Korea, Vietnam, Malaysia,

                              Thailand, Singapur, Taiwan, Myanmar, Bhutan;

                              auch Australien & Wirtschafts-Integrationen

                                                                                                             

Geschichte: Das in aller Welt gebräuchliche Wort "China" geht auf den Begründer des Kaiserreichs Shao Sheng zurück, der sich als Kaiser Chín Shi Huang ti nannte, nach seinem Herkunftsland Chin. Er vereinigte 221 vor Christus das in sieben Teilreiche zerfallene Land. Er begründete das chinesische Kaisertum, das in dieser Form 2133 Jahre bis zum letzten Kaiser Pu Yi im Jahre 1912 Bestand hatte (die berühmte Terrakotta-Armee (siehe unten) gehört zu den Grabbeigaben des ersten Kaisers. ER führte umfassende Verwaltungsreformen durch. Er ließ alle Bücher vernichten, damit er neu anfangen konnte. Andererseits war der erste Kaiser unvorstellbar grausam, so dass die Dynastie danach nicht lange Bestand hatte.  Danach kamen als Dynastien die Han, Xin, Jin, Sui, Tang, Song, Yuan, Ming und Qing. In der Ming-Dynastie erreichte der Außenhandel (hauptsächlich über die Seidenstraße) einen Höhepunkt. Porzellan und Seide konnte in Europa noch nicht hergestellt werden. Die Bezeichnung Sinologie - Chinawissenschaft kommt vom griechischen (seres) und lateinischen (serica) für "Land der Seide" vom chinesischen Wort für Seide (si). Die chinesische Flagge ist ein wichtiges Symbol: Auf rotem Untergrund prangt links ein großer gelber Stern, um den herum vier kleinere gruppiert sind. Der große Stern steht für Chinas kommunistische Partei. die vier kleineren stehen für die vier klassen: Arbeiter, Bauern, Kleinbürger und Bourgeosie. die Partei überragt tatsächlich alles. Vgl. auch:  Geschichte Chinas (wesentlich ausführlicher).

Dieses Foto ist in der German-Hall in Xi´an 2012 entstanden (Provinz Shaanxi, 40 km nordöstlich). Ein Großteil kann noch nicht ausgegraben werden, weil bei Sauerstoff-Kontakt die Farben sofort verfallen. Erst 1974 wurde die berühmte Terrakotta-Armee entdeckt. 700.000 Menschen (Soldaten, Sklaven, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene) sollen an dem Projekt gearbeitet haben. Bauern entdeckten beim Brunnengraben zufällig das Grab.  Xi´an war die erste chinesische Kaiserstadt, dann folgt Nanjing (erster Ming-Kaiser, Stadt auch durch die Geschehnisse um John Raabe bekannt; viele deutsche Unternehmen). Seit der Ming-Dynastie (3. Kaiser) und in der Qing-Dynastie (Mandschu) ist Beijing (Hauptstadt im Norden) das Machtzentrum. Heute spricht man von der Mao-Dynastie. Vgl. zur ausführlichen Darstellung der Geschichte "Chinesisches Kaiserreich, Geschichte Chinas"

Chin Shi Huang ti ließ auch andere imposante Bauwerke schaffen. Relativ spät in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurden die Grotten von Lonyou entdeckt. sie sind unter einem buddhistischen tempel verborgen. Sie haben gewaltige Ausmaße und sind mit den Pyramiden in Ägypten vergleichbar. Sie sind archetektonische Wunderwerke und zeugen von der Baukunst der Chinesen vor 2200 Jahren. Lange rätselte man über den Zweck.. Sie dienten wohl als Depot und Waffenlager.

Der größte Kaiser war wahrscheinlich der Ming-Kaiser Yongle (aber auch alkoholabhängig und dann grausam). Die Chinesen selbst nennen ihr Land Zhongguo = Reich der Mitte. Deguo = Deutschland ist das Land der Tugend. Das Hochchinesische "Mandarin" nennen die Chinesen Putonghua  (Allgemeine Sprache) , Zhongwen (Chinesische Sprache) oder Guoyu (Nationalsprache). Das alte, kaiserliche China sah sich als ein Reich, das "alles unter dem Himmel" ist (Tianxia, aus tian-Himmel und xia-darunter).  Die Farbe "Gelb" wurde erst im neunzehnten Jahrhundert den Chinesen zugeschrieben. Damals entstanden die Rassenlehren in Europa. Ursprünglich war "gelb" nur dem Kaiser in China als Farbe vorbehalten. Leute durften weder Gelb noch  Gold verwenden. Der Kaiser nannte sich unter anderem auch "Wan sui ye´" (ein Herr über zehntausend Jahre). Die Kaiser hatten eine hervorragende Infrastruktur aufgebaut (Straßen, Kanäle). Im 15. Jahrhundert hatte China die größte Flotte der Welt ("Schatzflotte"). Burma, Korea und Vietnam gehörten praktisch zu China. Die anderen Nachbarstaaten waren in einer Tributgemeinschaft. Erst 1949 wurde die VR China nach längerer kolonialer Vergangenheit von Mao wieder geeint (nach dem langen Marsch). Ab 1982 öffnete Deng das Land wieder nach außen. Der Untergang der Sowjetunion 1989 ist China ein warnendes Beispiel.

1958 war die Umschrift mit lateinischen Buchstaben fertig. Sie wurde Pinyin genannt. Schöpfer war Zhou Youguang. Er war Wirtschaftsprofessor in Shanghai.  Er war 50 Jahre alt, als ihn der Auftrag ereilte. Zhou schrieb auch ein Buch über die Vorteile von Buchstabenschriften beim Spracherwerb. Seit Jahrzehnten lernen chinesische Kinder und Menschen in aller Welt mit seinem System. Zhou lebt noch 2014 mit 108 Jahren in Peking bei seinem Sohn (Zitat: "Mao Zedong hat Mist gebaut"). Die Chinesen verfügen wahrscheinlich auch über die älteste Schrift der Welt. Sie entstand am Hohang-ho, am Gelben Fluss. Das war um 6.600 v. Chr.. Die Schrift hieß Jiahu - Schrift.

Heute, etwa 2017,  hat China nach 40 Jahren atemberaubenden Aufstiegs die Stellung einer Supermacht und damit wieder die Rolle zur Zeit Yongles in Asien und der Welt. Aber das Ende der Aufwärtsentwicklung der politischen, ökonomischen und technologischen Supermacht ist noch nicht erreicht. Spätestens 2050 wird China einsam an der Spitze stehen.  Vgl. auch Geschichte Chinas.

Konjunktur: Neue Lockdowns im November 2022 schüren Konjunkturängste (die Null-Covid-Strategie stranguliert die Wirtschaft). Im Oktober 2022 bricht der Außenhandel ein (-0,3% Exporte, 0,7% Importe, erstmals seit 2 Jahren; schwache globale Nachfrage): eine Hiobsbotschaft. Null-Covid wird 2022 zur Wachstumsbremse. Es gibt Vertrauensprobleme (Vorhersagbarkeit, Nachfrage). Im Juli 2022 legen die Exporte unerwartet stark zu (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; +18%; besonders stark Handel mit Russland +37,1%). Im 2. Quartal 2022 wird die Wirtschaft fast komplett ausgebremst (0,4% im Vergleich zum Vorjahreszeitrau; Null-Covid, Immobilienkrise). 2022 bricht der Binnenkonsum aufgrund flächendeckender Lockdowns und der Immobilienkrise ein. Die Chinesen konsumieren zu wenig. Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) fällt auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie (42,7 April 22). Hinzu kommen massive Kapitalabflüsse durch die Haltung Chinas im Ukraine-Krieg. Das Exportwachstum schwächt sich im November 21 etwas ab (+22% gegenüber 27,1% im Oktober). Ursache könnte eine Aufwertung des Yuan sein. Die Importe steigen im November um +31,7% (vor allem Kohle, um Energieknappheit zu lösen). Im November 21 belebt sich überraschend nach drei Monaten wieder die Industrietätigkeit (Einkaufsmanagerindex wieder knapp über 50, sinkende Rohstoffpreise und Lockerung der Stromrationierung).  Im September 2021 hält der Exportboom an, auch im Oktober (+27,1%). Der Energiemangel dämpft aber die Aktivitäten. Importe aus Deutschland sind gesunken. Im August kommen Wachstumssorgen in China: Der Einkaufsmanagerindex des Verarbeitenden Gewerbes schwächt sich ab, ebenso ist das Dienstleistungsgewerbe rückläufig. Die Umsätze im Einzelhandel (+2,5%) und die Industrieproduktion (+5,3%) bleiben hinter den Erwartungen zurück (Quelle: Staatliches Statistikamt). Im Juli 2021 schwächt der Exportboom etwas ab (19,3% gegenüber Vorjahresmonat). Im Juni 2021 steigen die Exporte sprunghaft da (+32,2% gegenüber dem Vorjahresmonat, 281 Mrd. $; Importe +36,7% 230 Mrd. $). Im Mai 2021 geht der Einkaufsmanagerindex (PMI) leicht zurück (von 51,1 auf 51 gegenüber dem Vormonat). Die Industrie wächst langsamer. Im 1. Quartal 2021 steigt das BIP um +18,3% an. Das ist das stärkste Wachstum in einem Quartal seit 30 Jahren. Vor allem der Export explodiert (Waren der Medizintechnik und für Homeoffice). Im Jahre 2020 wächst das BIP insgesamt um 2,3% (im letzten Quartal 6,5%; vor allem durch hohe Neuverschuldung; Quelle: NBSC). Im November 2020 gibt es einen Exportboom (+21,1% gegenüber dem Vorjahr). Im 3. Quartal 20 beträgt das Wachstum schon 4,9% (Industrieproduktion legt zu, auch Exporte; im Oktober 2020 sogar um 11,4% gegenüber Vorjahresmonat). Im 2. Quartal ist das BIP Chinas ist das BIP um 3,2% gewachsen (relativ zu anderen Ländern sehr positiv; Statistikbüro Chinas).  Im September 2020 steigen die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,9%: Der Außenhandel zieht weiter an. Im Juli 2020 zeigen sich die Ausfuhren deutlich erholt (+9,5% gegenüber dem Vorjahresmonat). Im April 2020 legt die Ausfuhr wieder zu (3,5% gegenüber dem Vorjahresmonat; Importe -14,2%). Im 1. Quartal 2020 bricht das BIP um -6,8% ein (Quelle: Nationales Statistikbüro).2020 gerät Chinas Außenhandel unter Druck. Auch die Wirtschaftsentwicklung insgesamt wird zunehmend vom Corona-Virus beeinträchtigt.  Januar und Februar 2020 ist die Industrieproduktion um -13,5% geschrumpft (gegenüber Zeitraum 2029, stärkster Einbruch seit 30 Jahren).  Die Anlageinvestitionen sinken um -24,5%. Die Einzelhandelsumsätze gehen um -20,5% zurück. 2019 ist der Zuwachs beim BIP so gering wie seit 30 Jahren nicht mehr (6,1%, Pekinger Statistikamt). Im 3. Quartal 2019 geht das Wirtschaftswachstum auf 6,0% zurück (niedrigster Wert seit 1992, damals Sanktionen wegen der gewaltsamen Niederschlagung der Demos). Ursachen sind der Handelskrieg mit den USA und selbst gemachte Probleme. Im April 2019 kommt es zu einem Exporteinbruch (2,7% binnen Jahresfrist). Im März 2019 sind die Exporte wieder unerwartet gestiegen (14,2% zum Vormonat, auch saisonaler Effekt des Neujahrsfestes im Februar). China senkt seine Wachstumsziele für 2019 (6,0 bis 6,5%; IWF geht von 6,3% aus; einige Experten befürchten 5,8%). Die Industrieproduktion ist im Januar und Februar 2019 nur um 5,3% gewachsen (schwächstes Wachstum seit 17 Jahren, Export bricht auch ein, Quelle: Nationales Statistikamt, März 2019).  Die Gewinne in der Industrie wachsen 2018 auch langsamer (nur noch 861 Mrd. € Überschuss, Quelle:  Statistikamt, insgesamt ist die Wirtschaft 2018 um 6,6% gewachsen). Ende 2018 gehen die Exporte um 4,4% gegenüber dem Vormonat zurück. Im dritten Quartal 2018 scheint der Handelsstreit mit den USA das Land doch zu bremsen (6,5%).  Es mehren sich Ende 2018 die Anzeichen, dass der Handelskrieg Chinas Wirtschaft bremst.  Im April 2018 steigt der Außenhandel noch kräftig an: 12,9% wuchsen die Exporte (Vorwegnahme?). Die Importe stiegen um 21,5%. Das mitten im Handelsstreit mit den USA. Für das 2.Quartal 2018 wird allerdings nur mit einem Wachstum des BIP von 6,7% gerechnet.  2017 droht Chinas Wirtschaft eine Flaute (steigende Staatsverschuldung, Zinswende in den USA; Überprüfung der Handelspolitik in den USA). Doch es kommt anders: das chinesische Wachstum ist erstmals seit sieben Jahren höher ausgefallen als im Vorjahr (6,9%).  Im Juni 2016 gehen Chinas Exporte um -4,8% zurück. Die Exporte wachsen langsamer als erwartet (Juli 2017: 7,2% gegenüber dem Vorjahresmonat; Importe +11%; August nur 5,5% gegenüber Vormonat). Doch Daten aus dem Ende 2016 zeigen China überraschend robust (Erzeugerpreise, Verbraucherpreise). Im ersten Quartal 2017 wächst die Wirtschaft sogar um 6,9% (allerdings hat Immobilienboom stark beigetragen). Im ersten und zweiten Quartal 2016 betrug das Wachstum 6,7% (niedrigster Wert seit 2009; Experten zweifeln diese Zahl noch an). Xu Shaoshi, Chinas oberster Wirtschaftsplaner, rechnet für 2016 mit 6,7% Wachstum. Im März 2016 haben erstmals wieder die Exporte zugelegt nach langer Durststrecke (halbes Jahr, 11,5% zum Vorjahresmonat). Im Oktober 2016 brechen die Exporte wieder ein (minus 7,3%). Das geht auf eine maue Weltwirtschaft zurück. Direkt zu Beginn des Jahres 2016 gibt es weitere Einbrüche am Aktienmarkt in Shanghai wegen des Rückgangs der Industrieproduktion (hohe Volatilitäten auch am Devisenmarkt). In den ersten zwei Monaten des Jahres 2016 sinkt die Industrieproduktion auf das niedrigste Niveau seit der Finanzkrise 2008. Die Wirtschaft verlor schon 2015 an Dynamik (das Wirtschaftswunder scheint dem Ende entgegen zu gehen; das Wachstumsziel für die nächsten Jahre wird auf 6,5% gekappt; die Industrieproduktion geht im Dezember 2015 im fünften Monat in Folge zurück). Ende Juni 2015 senkt die Zentralbank die Leitzinsen erneut, um die Konjunktur anzukurbeln (um 25 Basispunkte auf 4,85 %; vierte Reduzierung seit November 2014). Am 25.08.15 gibt es sogar eine weitere Senkung des Leitzinses auf 4,6%. Die Regierung steuert mit Steuersenkungen, Mehrausgaben und lockerer Geldpolitik dagegen. Der Hauptgrund für Rückgänge bei den Gewinnen sind sinkende Preise (Unternehmen versuchen mit hohen Rabatten ihre Marktposition zu verteidigen). Der Aktienmarkt ist hoch volatil (Blase in Shanghai; die größten 21 Broker stemmen sich gegen den Kurssturz; zuletzt muss der Staat eingreifen und Unternehmen aus dem Markt nehmen; am 27.07.15 weiterer Einbruch um 8%). Der nächste Einbruch ist am 24.08.15 um 8,5%. Dreimal wertet die PBoC den Yuan ab, um die Exporte anzuregen. Diese sind im Juli 2015 um -8,3% zum Vorjahresmonat eingebrochen (Staatliches Amt für Statistik China). 2014 und Anfang 2015 kommt die Wirtschaft trotz guter Exportquoten nicht in Schwung. Im ersten Quartal 2015 betrug das Wachstum nur 7% (vergleichbar 2009 nach der Finanzkrise 66,6%). Das Wirtschaftswachstum betrug 7,4% für 2014 (3. Quartal 7,3%; kleinere Firmen haben Probleme). Für 2015 werden nur noch 7% Wachstum erwartet (Renminbi vor Abwertung, Importe brechen ein, Bankenkrise, möglicher Immobiliencrash, "allgemeine gesellschaftliche Erstarrung"; 7% auch Prognose beim Volkskongress im März 2015). Das wäre das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert. Die Lage in China könnte die Wirtschaft weltweit beeinträchtigen. Im Februar 2014 brechen die Exporte sogar ein (-18,1%). Auch im März 14 sinken die Exporte um 6,6%, die Importe sogar um -11,3%. Im Mai 2014 wächst die Wirtschaft wieder wie seit fünf Monaten nicht mehr. Der Staat kurbelt die Konjunktur an. Das geringe Wachstum ist aber staatlich gewollt, weil die Wirtschaft neu strukturiert werden soll. Evtl. können doch 7,5% Wachstum erreicht werden (Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz legen spürbar zu; offizielle Prognose des Statistikamtes). Im zweiten Quartal 2014 lag das Wachstum schon bei 7,5%. Die Immobilienblase könnte platzen und das Land hätte seine eigene Finanzkrise. Die strukturellen Probleme und der Raubbau an der Natur rächen sich. Chinas Wirtschaft wächst Ende 2013 wieder schneller (Industrieproduktion November +10,1%; Dezember +10,3%) und gewinnt Anfang und Mitte 2013 an Zugkraft. Die Exporte sind im Februar 2013 im Vergleich zum Vorjahresmonat sprunghaft um mehr  20% gestiegen. Im Mai wachsen sie allerdings nur noch um 1%; im Juni gehen sie um 3,1% zurück. Die Wirtschaft wächst im ersten Quartal um vergleichsweise schwache 7,7%, im zweiten Quartal nur um 7,5% (schwächster Wert seit 22 Jahren). Im August 2013 steigen die Exporte unerwartet stark um 7,2% (in die südostasiatischen Länder um über 30%). Das Land leidet 2013 aber auch an einer Finanzblase (absurde Bauprojekte, riskante Anlagen); die Löhne steigen relativ stark an. Die neue Regierung will den Konsum ankurbeln (damit sänke die Sparquote und der Handelsbilanzüberschuss). Im dritten Quartal 2012 fällt das Wachstum auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren (große Überkapazitäten in der Stahlbranche). Im zweiten Quartal 2012 fällt die Wachstumsrate auf 7,6%. Auch die Inflation geht stark zurück, so dass sogar eine Deflation droht. Der Staat versucht, sich dagegen zu stemmen (kritische Schwelle 8%). Ein Mega-Konjunkturprogramm zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und gegen Arbeitslosigkeit wurde eingeleitet (885 Mrd. €). Fehlinvestitionen sollen aber vermieden werden (nicht Immobilien, sondern Schienen, Straßen und Kraftwerke). Die Zentralbank senkt im Juli die Zinsen weiter und lockerte die Mindestreserveanforderungen. Im ersten Quartal 2011 läuft die Wirtschaft noch heiß. Im dritten Quartal 2011 schwächt sich das Wachstum auf 9,1% ab, im vierten Quartal auf 8,9%. Das Wachstum flaut auch in China ab. Die Industrie schrumpft auch im Dezember. Insgesamt wird  9,2 % Wachstum für 2011 erreicht (2012 etwa 8%-8,5%, im März 12 auf 7,5% korrigiert, Weltbank-Prognose 8,2%). Die Inflation steigt auf den höchsten Stand seit 2008 (5,4%). Dann flaut die Wirtschaft, insbesondere die Produktion,  etwas ab (schlechte Nachfrage aus USA, Geldpolitik). Die wegen der Inflation harte Geldpolitik soll gelockert werden wegen einer Abschwächung der Weltwirtschaft. So ergibt sich Ende 2011 eine Stopp- (Leitzins und Mindestreservesatz erhöht) und Go-Politik (Verteilung von Geld und Krediten durch den Staat). Anfang 2012 wächst der Außenhandel deutlich langsamer. Der Mindestreservesatz wird im Februar 2012 wieder auf 20,5% gesenkt, um "eine harte Landung zu verhindern". Im Mai 2012 legen die Exporte wieder deutlich zu (+15,3%). Im ersten Quartal 2010 lag das Wirtschaftswachstum bei 11,9% (vor allem durch den Privaten Konsum getragen). Im Mai steigen die Exporte um 49% (Februar 2010 steigen die Exporte um 45,7%, die Importe um 44,7%). Chinas Importe wachsen im Herbst 2011 schneller als die Exporte (Wachstum aus eigener Kraft). Die Industrieproduktion stieg um 21%. Im März gibt es erstmals wieder einen Importüberschuss (7,24 Mrd. $, wegen Konjunkturprogramm). Allerdings steigt auch die Inflation um +2,7%. Dies zeigt China insgesamt als Gewinner der Krise und zunehmend als Anker der Weltwirtschaft. Allerdings gibt es 2010 auch Warnsignale für einen Crash an den Finanzmärkten (vor allem Immobilienmarkt, es könnte ein Preissturz kommen, es könnten Unruhen drohen). Damit zusammenhängend ist ein gewaltiger Bauboom. Mitte 2010 verdichten sich die Indikatoren für einen Zusammenbruch des Immobilienmarktes. Dieser würde auch die Banken mit in den Abgrund ziehen. Indizes deuten Mitte 2010 auch auf sinkende Produktion und Exporte (Auslaufen Konjunkturprogramme, Einschränkung der Kreditvergabe). Von Januar bis Juli 2008 ging der Außenhandelsüberschuss noch um 9,6% zurück (immer noch 123,7 Mrd. $). Im November 08 brechen die Exporte dramatisch ein (erstmals seit sieben Jahren Rückgang, -2,2%). 2009 wurden bis August 23,4% weniger exportiert als letztes Jahr. Noch schlimmer ist der Einbruch im ersten Quartal 09. So stellt sich im März 2010 erstmals seit sechs Jahren ein Handelsdefizit heraus. Von April bis Juni 09 wuchs die Wirtschaft allerdings wieder um 7,9%, für das Jahr 2009 beträgt das Wachstum 9,1% (letztes Quartal 10,7%). Die Produktion ist danach gegenüber dem Vorjahr um 12,3% gestiegen. Würde das Wirtschaftswachstum unter 8% betragen, wäre höhere Arbeitslosigkeit die Folge, man braucht mindestens 8%; geringstes Wachstum seit 17 Jahren; immerhin als einzige der großen Volkswirtschaften noch relativ hohes Wachstum mit 8,7% 2010. Die Krise trifft Exportfirmen und mittelgroße Firmen besonders hart. Die Regierung macht im Herbst 2008 ein Konjunkturprogramm . Mit weiteren großen Ausgabenprogrammen, die die Sozialversicherung und den Finanzsektor weiter ausbauen, sollen die Sparquote gesenkt und der Konsum angeregt werden. Der Konsumanreiz gelingt 2009 nicht wie erhofft. Ab Juni 2009 ist wieder ein Zuwachs der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe zu beobachten (schon im ersten Halbjahr hat die Produktion wieder um 7% zugelegt). Durch die Bindung an den Dollar profitiert China bei den Exporten. Der Stahlboom hält an, China scheint über Bedarf zu produzieren. Es drohen Überkapazitäten und eine Überflutung der Märkte mit Billigprodukten. Auf dem Immobilienmarkt droht einen Überhitzung. Der Staat drosselt die Kreditvergabe der Banken. "Wenn China bebt, erzittert die Welt", Alain Peyrefitte, 1973.  Seit Oktober 2007 hat der Shanghai-Index rund 60% verloren. In Folge der Hypothekenkrise in den USA kommt es zu weiteren Kurseinbrüchen. Am stärksten am 21. 01.08 (größter Abfall seit 11.09.01). Nach der amerikanischen Leitzinssenkung durch die Fed um drei Viertel Prozentpunkte begann eine Berg- und Talfahrt an den asiatischen Aktienmärkten (-26% Hang Seng gegenüber dem Höchststand 2007, CSI Shanghai 2008 -30%). Weitere dramatische Kurseinbrüche gibt es nach der Pleite von Lehman Brothers. Ebenso nach Ablehnungen des Rettungspakets in den USA (auch Nikkei, Sensex) und am 06.10.08 (Einbruch beim Hang Seng). 2008 verzeichnet der MSCI China Index einen Rekordverlust von 53%. Im ersten Quartal 2009 steigt er um 50%! Mitte 2009 herrscht wieder Euphorie und die Kurse steigen weiter (bis Mitte 2009 ca. 50%). Am 19.08.09 kommt es zu einem Einbruch. In China könnte vor einer Situation wie Japan in den Neunziger Jahren stehen. Die Zinsen werden mehrmals gesenkt. Im März 2007 bricht der Handelsüberschuss ein. China verdrängt 2006 Deutschland von der dritten Stelle der Automobilproduzenten (hinter den USA und Japan, das wohl 2007 überholt wird). 2006 wächst der Autoabsatz um 40%. Die Regierung setzt seit 2006 auf einen Wachstumskurs mit mehr Konsum und weniger Exporte. Die heimische Nachfrage soll den Exportrückgang auffangen. Die Regierung schnürt im November 2008 ein Konjunkturprogramm in Höhe von 450 Mrd. $, das vor allem der Infrastruktur zugute kommen soll. Durch die Initiativen lokaler Regierungen wuchs es auf 1,2 Bill. €. Im März 2009 wird das Programm noch erweitert (465 Mrd. € werden bereitgehalten). Es herrscht die größte Energieknappheit seit 20 Jahren, es droht eine Trinkwasserkrise; das starke Wirtschaftswachstum bedroht insgesamt die Umwelt. China kümmert sich verstärkt um Afrika: bis 2010 soll der Handel auf 100 Mrd. $ verdoppelt werden; China ist besonders an Rohstoffen interessiert. Ende Januar 2007 besucht Hu Jintao zum 2. Mal binnen eines Jahres den Kontinent (mit 3 Mrd. $ Krediten). "China hat anderen Ländern nie seinen Willen aufgezwungen und wird das auch in Zukunft nicht tun", Hu Jintao zu dem Vorwurf, sein Land wolle Afrika kolonialisieren. 2007 rückt China an die 2. Stelle der Exportländer und wird voraussichtlich 2009 Deutschland als Exportweltmeister ablösen. Befristete Sonderangebote werden wegen Tod durch Drängelei verboten. Der Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft ruft kurz vor Beginn der Olympischen Spiele zu einem fairen und vertrauensvollen Umgang der Deutschen mit China auf. Bei einem Besuch von Wirtschaftsminister Gabriel in China im Juli 2015 wird eine Absichtserklärung über eine engere Kooperation der Industrie unterzeichnet (mit Industrieminister Miao Wei). Ende Mai 2017 senkt erstmals seit 1989 die Ratingagentur Moody´s die Kreditwürdigkeit Chinas (von Aa3 auf A1). Ende Mai 2017 besucht der chinesische Premierminister Li Keqiang Deutschland (China ist wichtigster Handelspartner als Einzelland). Am 01.06.17 gibt es einen Wirtschaftsgipfel zwischen EU und China in Brüssel. Gemeinsam lehnen sie Trumps Isolationspolitik ab. Das nächste Gipfeltreffen zwischen der EU und China findet am 16.07.18 in Peking statt. Es wird ein Wirtschaftsabkommen beschlossen. 16 Bergleute sterben bei einem Grubenunglück im September 2020 im Südwesten Chinas (nahe der Millionenmetropole Chongqing). Chinas Gruben gelten als die gefährlichsten der Welt. Jedes Jahr kommen tausende von Bergarbeitern ums Leben. Die Aufsicht der lokalen Behörden funktioniert nicht. Viele Unglücke werden auch vertuscht. Die Regierungskonsultation findet am 28.4.21 zum zehnten Mal statt (Merkel, Le Keqiang, Kabinette). Sie ist virtuell, Gastgeber ist China. Sie bei den Geschäften erfolgreicher als bei den Menschenrechten. Außer Menschenrechten geht es um die Zusammenarbeit der Wirtschaft bei Klimaschutz und Gesundheit. Die Konsultationen finden alle zwei Jahre statt.  "China überspringt gerade mehrere Entwicklungsstufen, für die Europa Jahrzehnte brauchte", Jürgen Hambrecht, vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses und BASF.

Gesellschaft, Politik und Reformen: Der steigende Reformstress und der wachsende Abstand zwischen Armen und Reichen führt zu einer wachsenden Zahl gewaltsamer Auseinandersetzungen, vor allem in den armen Provinzen (z. B. in Donzhou: 20 Tote bei Protest gegen Enteignung für ein Windkraftwerk, zum Ausgleich fehlt ein funktionierendes Rechtssystem),  das Einkommen der Bauern hält dem schnellen Wachstum nicht stand, Wanderarbeiter sterben zu Tausenden (weniger als 20% aller Erwerbstätigen sind in einer Sozialversicherung). Chinas Bergwerke sind die gefährlichsten der Welt. Ein schweres Unglück ist im November 2009 mit 104 Toten. Das letzte schwere Unglück ist im April 2010 in der Provinz Shanxi. 115 Kumpel können gerettet werden. Vom 15. 10. - 20. 10. 07 fand der 17. Parteitag der KPC statt, wo die Richtlinien für die zukünftige Politik aufgestellt werden.  Das "blinde Wachstum" soll beendet werden (gerechtere Verteilung des Wohlstands und mehr Umweltschutz). Außerdem konnte Hu Jintao mehr Anhänger in den ständigen Ausschuss des Politbüros (9 Mitglieder) hineinholen . Ab 5. März 2007 fand der Nationale Volkskongress für 10 Tage statt, auf dem knapp 3000 Delegierte den 5-Jahresplan beschlossen (Vorsitzender: Wu Bangguo).  Es ging u. a. um ein umweltfreundliches Wirtschaftswachstum (Energie sparen, geringere Verschmutzung), mehr Gerechtigkeit und ein neues Eigentumsrecht. Bis Mitte März 2008 findet wieder der Nationale Volkskongress statt. Die Regierung soll transparenter werden: die 28 Ministerien, 37 Zentralbehörden und 29 Koordinationsstellen sollen transparenter und verringert werden. Xi Jinping, auch Präsident der Parteihochschule, soll zum stellvertretenden Staatspräsident gewählt werden, Li Keqiang zum stellvertretenden Ministerpräsidenten. Vom 05.03. bis 19.03.2009 berät der Nationale Volkskongress über die Wirtschaftskrise. Die steigende Arbeitslosigkeit schürt die Furcht vor Unruhen. Auf dem am 05.03.10 beginnenden Volkskongress wird versucht, den Immobilienmarkt abzukühlen. Der überhitzte Immobilienmarkt ist die Schattenseite des Booms. Mao-Nachfolger Hua Guofeng starb im August 2008. Auch China beteiligt sich mit zwei Zerstörern an der Piratenjagd vor Somalia (erstmals seit 200 Jahren außerhalb Chinas). Bei einem Besuch der US-Außenministerin Hillary Clinton in China im Februar 2009 vereinbaren beide Länder mehr Kooperation in der Wirtschaftspolitik. Im Frühjahr 2009 will sich China in europäische Firmen einkaufen. Mitte März 2011 beschließt der Volkskongress wieder einen neuen Fünfjahresplan: 1,5 Billionen Dollar werden in die Schlüsselindustrien investiert (Erneuerbare Energien, Informationstechnologie, Elektroautos). 45 Flughäfen werden gebaut.  "...Und wenn sie ihre Bäume rot anstreichen, können wir das zwar komisch finden, die kulturellen Unterschiede sollten wir bei der Beurteilung dieser Spiele aber nicht vergessen, Jochen Zeitz, Puma, im Handelsblatt Nr. 163, 22.08.08, S. 7.

In China gibt es mittlerweile 300.000 Dollar-Millionäre und 64 Dollar-Milliardäre (2010, Forbes). Anwohner sollen die chinesische Mauer vor Vandalismus schützen. Anlässlich der Olympischen Spiele hat die KP im Sommer 2006 eine Benimm-Kampagne für Chinesen gestartet. Sie richtet sich an Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und an Manager von Staatsbetrieben. Über 2 Mio. Menschen wurden wegen der Spiele umgesiedelt. Ca. 45% aller in China verkauften Bücher, Filme, CDs und Computerprogramme sind Raubkopien (Xinhua). Die Kontrolle ausländischer Presseagenturen wird verschärft (Xinhua hat Vorzensur).  Für Olympia 2008 wird auf Zeit die Pressefreiheit gelockert. 2005 übernachteten ca. 850.000 Chinesen in Deutschland (70-80 Mio. können sich eine Auslandsreise leisten). Michael Schäfer wird neuer deutscher Botschafter in China. Die chinesische Führung stockt 2007 ihre Truppen im muslimischen Gebiet "Xinjiang" auf in der Furcht vor Unruhen. China stoppt den Organ-Tourismus 2007 (2005 zwischen 15.000 und 20.000 Organverpflanzungen bei Ausländern für durchschnittlich 60.000€). Ende März 2007 besucht der chinesische Präsident Hu Jintao Russland, das ein wichtiger Energielieferant ist (strategische Partnerschaft bei Öl und Gas). Ende Mai 2007 besucht Bundespräsident Köhler China: die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Umweltschutz, Energie und Kultur soll verstärkt werden. Die chinesische Polizei zerschlägt 2007 einige Menschenhändlerringe, die auch Kinder als Sklaven gehalten haben. Am 01.07.07 feiern Hongkong und China den 10. Jahrestag der SVZ ("Ein Land, zwei Systeme"). Der Chef der Aufsichtsbehörde Für Lebensmittel und Arzneien Zheng Xiaoyu wurde Mitte 2007 hingerichtet. Angesichts drastisch steigender Lebensmittelpreise, insbesondere von Fleisch, fürchtet die Regierung im Sommer 2007 soziale Unruhen. Bei ihrem China-Besuch Ende August 2007 mahnt die Bundeskanzlerin die Einhaltung der internationalen Spielregeln an. Ende August werden 5 Minister ausgewechselt. Der Dalai-Lama-Besuch im Kanzleramt bei Frau Merkel erzürnt die Regierung in Peking, sie sagt mehrere Gesprächstermine ab. (Die Bundesregierung unterstützt das Autonomiestreben Tibets). Auch die Imagekampagne "Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung", die drei Jahre laufen sollte, ist ins Stocken geraten. Am 28.11.07 fand der EU - China - Gipfel in Peking statt. Erst im Januar 2008 wird die diplomatische Krise zwischen Deutschland und China beendet. Ende Januar 2008 zum Frühlingsfest wird China von der größten Schneekatastrophe seit Jahrzehnten heimgesucht (Schäden in Höhe von 5 Mrd. €). Demonstrationen und Proteste  in Tibet (Autonomie, Religionsfreiheit) im März 2008 werden gewaltsam niedergeschlagen. Die Unruhen greifen auch auf andere Provinzen über. Der Dalai Lama spricht von "kulturellem Völkermord". China lehnt den Dialog mit dem Dalai Lama ab. Zehntausende ausländische Studenten müssen während der Olympischen Spiele das Land verlassen. Auch Geschäftsvisa aus Hongkong werden verschärft. Am 12. Mai 2008 gibt es ein schweres Erdbeben in der Provinz Sichuan (über 70.000 Tote). Zerstört wurde auch das Venedig des Ostens Dujiangyan, das zu den drei Weltwundern der chinesischen Antike zählt. Der Wiederaufbau dürfte insgesamt mindestens drei Jahre dauern und ca. 500 Mrd. Yuan (50 Mrd. €) kosten. Deutschland leistet Hilfe durch mobile Krankenhäuser und den Wiederaufbau von Schulen. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi erklärt die Beziehungen offiziell wieder für normal. Im April 2010 gibt es ein schweres Erdbeben in der Provinz Qinghai (12.00 Verletzte, 100.000 Menschen ohne Wohnung). Vor den Olympischen Spielen legt die Regierung das Programm "soziale Harmonie und Stabilität schützen" auf, um gegen Kritiker in den Provinzen vorzugehen. In West-China führen die Uiguren mehrere Attentate durch. Die auch für die internationale Presse verhängte Internetzensur wird kurz vor Beginn der Spiele gelockert. Die Spiele wurden am 08.08. 2008 eröffnet. Nach dem Ende der Paralympics wird das Fahrverbot einzelner Tage in Peking beibehalten. Eine Chemikalie (meist Melamin) im Milchpulver verschiedener Hersteller (20 Firmen) macht in China über 50.000 Kinder krank.  Der Chef der Qualitätskontrolle tritt zurück. Deutsches Milchpulver soll den Bedarf decken. China lässt Ende Nov. 08 den China- EU-Gipfel platzen, weil Sarkozy den Dalai Lama treffen will. 2009 wird ein neuer "Gedenktag der Befreiung der Leibeigenschaft" der Tibeter vor 50 Jahren verkündigt (Propaganda: das Gute soll das viele Schlechte in Begleitung der gewaltsamen Kollektivierung übertünchen). Dieser Gedenktag der Machtübernahme in Tibet vor 50 Jahren wird am 28. März 09 gefeiert. Die chinesische Regierung veröffentlicht im April 2009 einen Aktionsplan für Menschenrechte (stärkerer Rechtsschutz, Einkommensverbesserungen, erweiterte Möglichkeiten für Rechtsbeschwerden). Die geheimen Memoiren vom ehemaligen KP-Chef Zhao Ziyang über die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 geben tiefe Einblicke in die Struktur der KPC. Der wichtigste Dissident Chinas Bao Tong gibt am 18. Mai 09 ein viel beachtetes Interview im Handelsblatt. Ende Juni 2009 kommt es zu schweren Unruhen in der zentralchinesischen Provinz Hubei. Im Juli kommen bei Unruhen von Uiguren in der westchinesischen Provinz Xinjiang über 200 Menschen ums Leben (die muslimischen Uiguren fühlen sich von den Han-Chinesen unterdrückt, es gibt später 200 Gerichtsverfahren). Vor dem 60. Geburtstag der Staatsgründung am 01. 10. wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt (Ausländer nicht nach Tibet, Ring um Peking, strenge Kontrolle). Die Feierlichkeiten wurden mit einer gewaltigen Parade begangen. Der Ehrenpräsident des chinesischen PEN-Clubs, Liu Xiaobo, muss elf Jahre ins Gefängnis. Ende 2009 wird das Grab des legendären Herrschers Cao Cao bei der Stadt Anyang in der Provinz Henan entdeckt. 2010 will sich Google aus China zurückziehen wegen der Zensur. Peking droht den USA mit Sanktionen wegen der Waffenlieferungen an Taiwan. Der private Empfang des Dalai Lama bei Obama belastet die Beziehungen weiter. Im Süden Chinas wurden Mitte 2010 1,4 Mio. Menschen wegen einer drohenden Hochwasserkatastrophe evakuiert. Beim Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in China im Juli 2010 sollen die Beziehungen beider Länder auf eine völlig neue Ebene gestellt werden (Zusammenarbeit bei der Reform der Finanzmärkte und beim Kampf gegen Klimawandel). Im September 2010 löst Premier Wen Jiabao in der Staatsspitze einen Streit über die Zukunft der Reformpolitik aus ("Donner ohne Regen"?). 2010 bestimmt China den zukünftigen Partei- und Staatschef: Xi Jinping. Auf den Friedensnobelpreis an Liu Xiabao reagiert die chinesische Führung hysterisch und erfindet sogar einen Gegennobelpreis, den Konfuziuspreis. Ende 2010 startet der oberste Korruptionsbekämpfer Wu Yuliang eine neue Kampagne gegen "Extravaganz und Verschwendung". Verschwenderische Exzesse der Spitzenfunktionäre kosten Milliarden. Im Januar 2011 besucht Chinas Präsident Hu Jintao die USA. 2011 wird die Todesstrafe für zahlreiche Verbrechen abgeschafft. Im April 2011 wird der Künstler Ai Weiwei verhaftet (Wirtschaftsverbrechen lautet die Anschuldigung). Vor dem Deutschland -Besuch der Regierung wird er freigelassen zusammen mit dem Menschenrechtsaktivisten Hu Jia. Beim Besuch werden Wirtschaftsverträge in Höhe von 10,6 Mrd. € unterzeichnet. Jeder 50. ausländische Tourist kommt mittlerweile aus China. 2012 bekommt China wahrscheinlich eine neue Doppelspitze: Xi Jinping und Li Keqiang. Im Februar 2012 besucht die Bundeskanzlerin Merkel China (fünfte Mal als Kanzlerin, Hilfe bei der EU-Schuldenkrise, Werbung für chinesische Direktinvestitionen in D.). Am 05.03.12 beginnt wie jedes Jahr der Volkskongress in der Großen Halle des Volkes in Peking (3000 Mitglieder). In den mittleren und niedrigen Gehaltsgruppen soll das Einkommen erhöht werden, um die Binnenkonjunktur zu stärken. Die Abhängigkeit vom Außenhandel soll verringert werden. Es wird ein neues Gesetz für Geheimarrest beschlossen. Im Herbst 2012 ist dann der Kongress der Kommunistischen Partei, bei dem die neue Parteiführung gekürt wird. Der Vorsitzende der KPC in der Metropole Chongqing ist im März 2012 seines Amtes enthoben worden (Bo Xilei, er galt als kommender Star, Sohn eines der "acht Unsterblichen"). Angeklagt wird seine Frau. Im September 2012 wird Bo aus allen Parteiämtern ausgeschlossen (vom Parteikongress im Herbst 2012 bestätigt; auch Ausschluss von Liu Zhijun). Im September 2013 wird Bo zu lebenslänglich verurteilt. Im April 2012 flüchtet der Regimekritiker Chen in die amerikanische Botschaft in Peking, verlässt sie zu einem Klinikaufenthalt. Er kann die USA ausreisen. Im Mai 2012 weist China erstmals seit 14 Jahren wieder die Journalistin Melissa Chan von Al Jazeera aus. Im August 2012 tagt die gesamte Führungselite der KPC in Beidaihe (Badeort 100km östlich von Peking). Von heftigen Machtkämpfen wird berichtet. Ende August 2012 besucht die Bundeskanzlerin Merkel zum sechsten Mal in ihrer Amtszeit China (regelmäßige Regierungskonsultationen nur mit 6 Ländern, Wirtschaftsverträge im Volumen von 4,8 Mrd. €). Im September 2012 ist der künftige Staatschef Xi Jinping für längere Zeit verschwunden. Er taucht wieder auf (es gibt in China Gerüchte über einen Putschversuch seines ärgsten Widersachers). Der chinesische Schriftsteller Mo Yan bekommt den Literaturnobelpreis 2012. Er verteidigt in der Folgezeit die Zensurpolitik Chinas und gerät immer mehr in die Kritik. Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu erhält den Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2012 (vier Jahre wegen eines Gedichts im Gefängnis, lebt seit 2011 in Berlin). Ende Oktober tauchen im Internet Informationen über die Vermögensverhältnisse von Premierminister Wen Jiabao auf: Milliardär (2,1 Mrd. €), Familie in Führungspositionen. In China werden die Seiten gesperrt; die Familie dementiert (wahrscheinlich zum Teil US-Propaganda). Der zukünftige Premier Li Keqiang ist der erste Wirtschaftswissenschaftler an der Spitze. Der 18. Parteitag mit 2200 Delegierten wählt im November 2012 die neue Führungsspitze. Weitere Themen: Korruption und stärkere Binnenmarkt-Orientierung. Auf neuen chinesischen Reisepässen werden schon Gebiete der Volksrepublik zugerechnet, die andere Länder als ihr Territorium betrachten. Beim zehntätigen Volkskongress 2013 (2978 Abgeordnete) , der am 05.03. beginnt wird der Machtwechsel vollzogen. Xi Jinping wird auch zum neuen Präsidenten gewählt. Li Keqiang wird zum Ministerpräsidenten ernannt. Die Themen sind die gleichen geblieben (Gegensatz zwischen Arm und Reich/ Wohlstandsgefälle, Korruption, Umweltverschmutzung, Verschuldung der Kommunen/ Fehlinvestitionen, Demokratisierung, Immobilienpreise in den Zentren). Ein Erdbeben im Südwesten Chinas (Provinz Sichuan, Region Ya ´an (eine Geburtsstätte der Teekultur, Panda-Bären-Zentrum), 140 km von Provinzhauptstadt Chengdu) richtet im April 2013 großen Schaden an. Über 150 Menschen sterben, über 5500 werden verletzt. Im Mai 2013 wird der Vizechef der Zentralen Planungsbehörde wegen Korruption entlassen. Im September 2013 befreit die Polizei 92 Kinder aus der Hand von Menschenhändlern (einträgliches Geschäft bei der Ein-Kind-Politik). Mitte November tagt in Peking das "Dritte Plenum des 18. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei" (376 mächtigsten Männer und Frauen Chinas). Es sollen umfassende Reformen beschlossen werden. In den letzten Jahren war die Wirtschaftspolitik zu stark auf Großunternehmen und den Export ausgerichtet. Die Umwelt leidet, gigantische Überkapazitäten wurden aufgebaut. Dies ist auch auf die lokalen Kader zurückzuführen, die die vollständige Kontrolle über Unternehmen und Investitionen behalten wollen. Folgende Richtungen werden vorgegeben: 1. Weniger Staat, mehr Markt; 2. Weniger Export, mehr Binnenkonsum; 3. Mehr Rechte für die Landbewohner. 4. Lockerung der Ein-Kind-Politik und Abschaffung der Umerziehungslager. Ende 2013 feiert China den 120. Geburtstag von Mao (vor 37 Jahren verstorben). Es läuft eine 30-teilge Serie im Fernsehen; eine Statue in Gold wird enthüllt. Offshore-Leaks enthüllt im Januar 2014, dass ein Großteil der Parteielite Billionen Dollar in karibischen Steueroasen bunkert. In der Stadt Kunming in der südwestchinesischen Provinz Yunnan richten zehn schwarz gekleidete Menschen mit Messern im März 2014 ein Blutbad an (33 Tote, alle Täter werden gefasst, wahrscheinlich uigurische Separatisten). Am 05.03.14 wird der Nationale Volkskongress in Peking eröffnet. Der Militärhaushaushalt wird massiv aufgerüstet (+12,2%; +96 Mrd. €; aber unter 1,4% am BIP; weltweiter Durchschnitt 3%); aber man will sich weiterhin außenpolitisch zurückhalten. Ein Schwerpunkt des Kongresses ist die Umweltsituation in den Großstädten, insbesondere in Peking. Die Industrie wird als Verursacher ausgemacht und soll Strafgebühren zahlen. Im März 2014 reist die US-Präsidentengattin mit Töchtern und Mutter eine Woche nach China (Kulturtrip). Ende März besucht der chinesische Präsident und Parteichef Xi Jinping Deutschland. Es werden gegenseitige Investitionen vereinbart. Beide Länder wollen bei der Lösung internationaler Konflikte enger zusammenarbeiten ("strategische Partnerschaft", Angela Merkel). Im April 2014 wird in Berlin eine Ausstellung des chinesischen Künstlers Ai Wei Wei eröffnet (er selbst darf nicht ausreisen). Beim Besuch des Wirtschaftsministers Gabriel mit einer Wirtschaftsdelegation in China kann kein Regimegegner getroffen werden (Sicherheitsapparat verhindert). Schwerpunktthema ist Umweltschutz und Energieeffizienz. Im Juli 2014 reist Kanzlerin Merkel mit einer Wirtschaftsdelegation nach China. Erste Station ist Chendu, die Hauptstadt von Sichuan im Südwesten. Dort besucht sie auch ein VW-Werk und ein Sozialprojekt für Kinder von Wanderarbeitern. 2014 kommt ein Gammelfleischskandal in China zu Tage. Beliefert wurde auch McDonald´s (auch in Japan). Gegen den Ex-Sicherheitschef Zhou Yongkang wird 2014 wegen Korruption ermittelt (Disziplinarkommission der KPC). Beim stärksten Erdbeben seit Jahren in Chinas südwestlicher Provinz Yunnan sind ca. 380 Menschen ums Leben gekommen. Ende September gibt es Demonstrationen in Hongkong (Sonderverwaltungszone; globale Zentrum für den Devisenhandel mit Yuan; Motto: occupy-central). Viele Bürger wehren sich gegen Einschränkungen der Demokratie bei der Nominierung der Kandidaten. Im Oktober gibt es auch Zusammenstöße mit der Polizei. Im Dezember 2014 steht die Occupy Central - Bewegung vor dem aus. Führende Köpfe stellen sich der Polizei.  Im Oktober 2014 finden in Berlin die dritten deutsch - chinesischen Wirtschaftskonsultationen statt. Ministerpräsident Li Keqiang kommt mit einigen Ministern und Wirtschaftsführern, um Wirtschaftsvereinbarungen zu treffen. Es geht um ein Volumen von zwei Mrd. Euro. Die Kommunistische Partei Chinas hat Ende 2014 den einst mächtigen Sicherheitschef Zhou Yongkang verhaften lassen wegen Bereicherung und Staatsverrat (auch Mentor von Bo Xilai). Als weiterer "Tiger" (Funktionär des obersten Machtzirkels) gerät Ling Jihua (Büroleiter von Hu Jintao) unter Korruptionsverdacht. Man scheint systematisch Seilschaften und Clans anzugehen. Auch der stellvertretende Außenminister wird abgesetzt. Bei den Silvesterfeiern sterben in Shanghai 36 Menschen und über 40 werden verletzt, weil eine Massenpanik ausbricht als vermutetes  Geld aus einem Hochhaus geschmissen wird (Ursache ist umstritten). Ab 2015 soll die Entnahme von Organen bei Hingerichteten eingeschränkt werden. Genen den stellvertretenden Minister für Staatssicherheit Ma Jian wird im Januar 2015 wegen Korruption ermittelt. Am 05.03.2015 treffen sich die 3000 Delegierte zum alljährlichen Volkskongress in Peking. Das Budget der Armee soll um 10% angehoben werden (vor allem für die Marine; Militärausgaben liegen bei 2% des BIP). Sie umfasst 2,11 Mio. Soldaten, die als militärischer Arm direkt der Kommunistischen Partei untersteht.  Mitte März 2015 wirft ein Kampfflugzeug aus Myanmar irrtümlich eine Bombe auf die Provinz Shan (im Grenzgebiet wird eine ethnische Minderheit bekämpft). Am 01.06.2015 kentert ein Schiff (Stern des Orients) auf dem Yangtse auf dem Weg nach Chongshing bei Jianli in der Provinz Hubei (über 400 Passagiere, nur wenige können gerettet werden, Fluss ist an dieser Stelle über 15 Meter tief, überwiegend chinesische Touristen, Ursache Wirbelsturm). Die von China gewollte Wahlreform in Hongkong scheitert (Pekingtreue Abgeordnete fehlen). Bei landesweiten Razzien Mitte 2015 haben die Behörden Tonnen weise gefrorenes Gammelfleisch beschlagnahmt (teilweise aus den frühen 1970er). Rund eine Million Menschen werden an der Ostküste des Landes vor einem Taifun in Sicherheit gebracht (Zhoushan in der Provinz Zhejiang). Chinas Regierung lässt im Juli 2015 mindestens 50 Bürgerrechtler festnehmen. Im August 2015 fliegt ein Treibstofflager in Tianjin in die Luft. Am 03.09.2015 feiert man in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens den 70. Jahrestag des Sieges über Japan. 2015 nimmt die chinesische Führung mit einem neuen Gesetz ausländische Nichtregierungsorganisationen (NGO) ins Visier (z. B. Registrierung beim Sicherheitsapparat, nicht nur vom Ausland finanziert, Hälfte der Mitarbeiter Chinesen). Am 22.09.2015 beginnt der USA-Besuch von Staatspräsident Xi Jinping. Am 29./30.10.15 besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel China. Es geht um Wirtschaftsfragen (Wirtschaftsabkommen von 20 Mrd. €; Abkommen zum Verzicht auf Computerspionage) und aktuelle Krisen. Erstmals seit dem Bürgerkrieg wollen sich die Präsidenten von China und Taiwan in Singapur treffen. Dies geschieht am 07.11.15. Die Staatschefs Ma Ying-Jeou und Xi Jinping zeigen nach 66 Jahren Feindschaft einen historischen Handschlag. Vier Tage lang verschwindet Fosun-Gründer Guo Guangchang (Verhaftung wegen Korruption?). Nach einem Erdrutsch im südchinesischen Shenzhen am 20.12.2015 sind mehr als 60 Menschen vermisst. 2016 gibt es Massenbetrug: 900.000 Anleger haben umgerechnet 7 Mrd. Euro Schaden (durch die Firma Ezubao). Am ersten Märzwochenende kommen wieder die Delegierten des Nationalen Volkskongresses in Peking zusammen. Der 13. Fünfjahresplan soll beschlossen werden. Die Volksrepublik steht vor schmerzhaften Strukturreformen. 2016 zieht die Regierung die Schrauben der Staatssicherheit weiter an: Ausländische Stiftungen und NGOs werden stärker kontrolliert. Am 12. und 13.06.2016 besucht die Bundeskanzlerin China mit einer Delegation von Ministern und Staatsekretären zu den vierten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen. Merkel pocht auf Rechtsstaatlichkeit in China und warnt vor Handelskonflikten. Es sind auch Wirtschaftsvertreter dabei (Siemens, Thyssen, BASF). 20 Verträge sollen abgeschlossen werden. Im September 2016 führen China und Russland ein gemeinsames Manöver im südchinesischen Meer durch. Am 1. November 2016 besucht Wirtschaftsminister Gabriel mit einer 60-köpfigen Wirtschaftsdelegation Peking. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen. Es  geht auch um chinesische Investoren in Deutschland und Errichtung von Hürden. Es treten schwerwiegende Differenzen in Handelsfragen zu Tage. In Hongkong schließt China zwei Politiker, die für die Unabhängigkeit kämpfen, aus dem Parlament aus. Der deutsch-französische Menschenrechtpreis 2016 geht an die chinesische Menschenrechtsaktivistin Wang Qiaoling (Ehemann ist der Menschenrechtsanwalt Li Heping). Die Botschafter beider Länder werden ins chinesische Außenministerium einbestellt. Ende 2016 soll das Polizeigesetz verschärft werden. Künftig kann auch auf friedliche Demonstranten geschossen werden. 2017 klagt ein chinesischer Bauer, der 16 Jahre lang sich mit dem Recht beschäftigt hat, erfolgreich gegen einen Chemiekonzern. Am 05.03.2017 tagt wieder der Nationale Volkskongress in Peking- wie jedes Jahr (3000 Delegierte). Kernthema sind Reformen im Umwelt- und Energiebereich (Kampf gegen Luftverschmutzung soll verschärft werden). Der Druck aus dem Volk nach sauberer Luft wächst. Die traditionelle Schwerindustrie bekommt zwar billige Kredite, kann aber nicht schnell genug sauber gemacht werden (Stahlproduktion soll um 50 Mio. Tonnen sinken, die Kohle noch stärker). Weitere Kernthemen sind die Senkung der Verschuldung und das geringere Wachstum (2017: 6,5%; 2016: 6,7%). Strukturreformen bekommen Vorrang vor Wachstum. Im März 2017 zwei Jahre nach den Demokratieprotesten wird in Hongkong eine Peking treue Kandidatin zur Regierungschefin gewählt. Sie heißt Carrie Lam und ist die erste Frau an der Spitze von Hongkongs Verwaltung. Die Fahrtroute des US-Zerstörers "USS Dewey" löst Empörung in China aus. Die Gewässer in der Nähe der Spratlys-Inseln beansprucht China für sich. Mit Donald Trump in den USA könnte die Vorherrschaft enden. So könnte das chinesische Jahrhundert wirklich beginnen. Ein massiver Erdrutsch im Südwesten Chinas hat ein ganzes Dorf unter sich begraben. Im Juni bekommt der Berliner Zoo ein Pandapärchen (Meng Meng, Jiao Qing, "Panda-Diplomatie"). Kurz vor dem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Hongkong (Anlass: 20. Jahrestag der Rückgabe) sind viele Demokratie-Aktivisten festgenommen worden. Am 05.07.17 kurz vor dem G20-Gipfel treffen sich Merkel und Xi Jinping. Es geht um Handelsfragen. Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, der in seiner Gefangenschaft an Leberkrebs leidet, darf zur Behandlung nicht nach Heidelberg ausreisen. Er stirbt am 12.07.17. Am 08. und 09.11. besucht der US-Präsident Trump China. Es werden gemeinsame Handelsvereinbarungen geschlossen in einem Volumen von 218,7 Mrd. Euro (manchmal nur Absichtserklärungen). Das hohe Handelsdefizit der USA bezeichnet Trump als unfair und macht seine Vorgänger dafür verantwortlich. Anfang 2018 reist der französische Präsident nach China. Als Geschenk bringt er ein Garde-Pferd mit. Es geht auch um Aufträge für Airbus (kommen nicht zustande), die Atomindustrie oder die Supermarktkette "Auchan". Die Kommunistische Partei will 2018 die Amtsbegrenzung für Staats- und Parteichef Xi Jinping aufheben.  Damit würde das Prinzip der "kollektiven Führung" (Deng Xiaoping) zugunsten einer Autokratie aufgegeben. Das geschieht am 11.03.2018 auf dem Volkskongress, der am 05.03. begonnen hatte (2958 Delegierte). Außerdem bekommen die Ideen von Xi jetzt Verfassungsrang. Kritik an Xi kann dann wegen Staatsfeindlichkeit verfolgt werden. Xi Jinping wird schon "kleiner Mao" oder "neuer Kaiser" genannt (er hat in jüngster Zeit auch zwei Bücher veröffentlicht, The Governance of China). Am 17.03.18 wird Xi vom Volkskongress  für weitere fünf Jahre gewählt. Kritiker warnen vor Personenkult. Unter dem Vorwand der Korruption werden immer wieder Gegner verhaftet. Premier Li Keqiang nennt in seinem Rechenschaftsbericht "drei schwierige Schlachten": Finanzrisiken, Armut, Umweltverschmutzung. Li Keqiang bleibt für weitere fünf Jahre Ministerpräsident. Seine Position ist aber geschwächt. Wichtige wirtschaftpolitische Kompetenzen werden in Ausschüsse der Partei verlagert.  Es wird eine neue staatliche Aufsichtskommission eingerichtet (Korruption, Disziplin in der Partei). Bei einem Treffen von Xi Jinping mit dem indischen Premierminister Narenda Modi einigt man sich Ende April 2018 "auf ernsthafte vertrauensbildende Maßnahmen", was die Grenze im Himalaya angeht. Ab 23.05.2018 reist Bundeskanzlerin Merkel nach China (11. Besuch; + 10 Spitzenmanager, darunter Brudermüller von der BASF). Die Konflikte im Handel häufen sich (Investitionsabkommen?, Preissenkungen der deutschen Autohersteller?). China lässt Liu Xia, die Witwe von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, im Juli 2018 nach Deutschland ausreisen. Im Juli 2018 besucht der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang Deutschland. VW investiert Milliarden in China. Die Volksrepublik wird zum Testmarkt für E-Autos und autonomes Fahren. Im August 2018 wird ein deutscher Journalismus -Student ausgewiesen, nachdem er die Verfolgung von Menschenrechtsanwälten recherchiert hatte. Im September 2018 leitet Trump eine Sitzung des Welt-Sicherheitsrates. Er wirft China Einmischung in den Kongresswahlkampf in den USA vor. Der Internet-Chef Meng Hongwei aus China verschwindet zunächst und teilt dann später mit, dass er zurücktritt wegen Korruptionsvorwürfen. Die Ernennung war umstritten gewesen, weil er auch mehrere Sicherheitsbehörden in China leitete. Anfang Dezember 2018 reist Bundespräsident Steinmeier durch China (Chengdu, Shenzhen, Beijing). Montag, den 10.12.18 spricht er mit Xi Jinpeng und Li Keqiang. Ethische Mindeststandards will man vereinbaren. Der Anwalt von Ai Weiwei wird zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt im Januar 2019 (drei Jahre hat er schon abgesessen; ungerecht, weil der Künstler selbst unter besonderem Schutz von Xi Jinping steht; Väter gemeinsames Schicksal).  Im Januar 2019 gibt es ein schweres Unglück in einem Kohlebergwerk. Über 30 Bergleute sterben. Anfang März 2019 treffen sich wieder die Mitglieder des Volkskongresses in Peking (rund 3000). Dann ist Peking wie jedes Jahr um die Zeit besonders gut kontrolliert. Ein Gesetz für ausländische Investitionen soll beschlossen werden, um Trump zu besänftigen. Es enthält das Verbot unrechtmäßiger Technologietransfers sowie "illegaler Einmischung der Regierung". Beim Besuch von Xi Jinping in Europa trifft er auf das Trio Macron, Merkel und Juncker. Die EU will Einigkeit demonstrieren. Am 20.Juni besucht Wirtschaftsminister Altmaier mit einer Wirtschaftsdelegation China; er trifft den Minister für Industrie- und Informationstechnologie Miao Wei. Der Wirtschaftsminister will sich um Benachteiligungen deutscher Unternehmen auf dem chinesischen Markt kümmern. Er trifft auch den Minister für Marktregulierung und Huawei. Die chinesischen Behörden lassen die Bundestagsabgeordnete der Grünen Margarete Bause (Menschenrechtsexpertin) im August 2019 nicht einreisen. Der Taifun "Lekima" hat an der Ostküste Chinas 22 Todesopfer gefordert. Vom 05.09. bis 07.09.2019 besucht Angela Merkel China. Einer der führenden Demokratie-Aktivisten in Hongkong, Joshua Wong, bittet Merkel, bei Xi Jinping ein Wort für die Demokratiebewegung einzusetzen. Es geht bei den Gesprächen mit der chinesischen Führung auch um Menschenrechte. Ansonsten um Klimaschutz und neue Wirtschaftsabkommen. Man kommt zu 11 Vereinbarungen (Flugzeugbau, Mobilität, Finanzen, Energie). Mit einer gigantischen Militärparade und riesigen Schaubildern  hat China am 01. Oktober 2019 den 70. Jahrestag der Gründung der kommunistischen Volksrepublik auf dem Tiananmen-Platz gefeiert. Vom 06. bis 12.10. besucht die RLP - Ministerpräsidentin Dreyer China und RLP - Unternehmen in dem Land. Anlass ist die 30 Jahre Partnerschaft zur Provinz Fujian. Sie besucht unter anderem die BASF-Niederlassung in Shanghai. Sie trifft sich auch mit deutschen Austauschschülern in  Fuzhou. Vom 16.12.19 an wird das China-Visum noch komplizierter: Es werden viele persönliche Daten verlangt und Fingerabdrücke. Ausgenommen sind Personen unter 14 und über 70 Jahre. Der frühere Interpol-Chef Meng Hongwei wird in China wegen Korruption zu 13 Jahren Haft verurteilt. Am 06.07.20 nimmt Chinas Polizei der Juristen und Professor Xu Zhangrun fest. Er hatte die Corona-Reaktion der Regierung in Peking kritisiert. Am 28.8.20 startet der chinesische Außenminister Wang Yi eine Reise durch die EU. Sie beginnt nicht zufällig in Italien, das als engster Verbündeter im Seidenstraßen-Projekt gilt. Die größte Angst Chinas ist, dass die EU dem harten Kurs der USA folgt. Es geht also um Schadensbegrenzung. Aus der großen Koalition kommt Kritik an Pekings Außenpolitik (Röttgen, Hongkong). Die Journalistin Zhang Zhan wird in Shanghai zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatte in der Corona-Krise kritisch über die Ereignisse in Wuhan berichtet. Am 10.3.21 gibt es einen Brand-Anschlag auf die chinesische Botschaft in Berlin. Am 115.3.21 fegt ein starker Sandsturm über Peking (stärkste seit zehn Jahren). Die EU verhängen Sanktionen gegen China gegen Verantwortliche für die Unterdrückung der Uiguren: Vermögenswerte natürlicher und juristischer Personen). Erstmals seit 30 Jahren Sanktionen der EU gegen China. China verhängt Sanktionen gegen Deutsche (EU-Politiker, Mercator-Institute for China Studies). Bei einem Ultra-Marathon-Lauf in der Provinz Gansu werden die Teilnehmer im Mai 2021 von einem heftigen Unwetter mit Temperaturumschwung überrascht. 21 Teilnehmer sterben, weil sie unterkühlt sind und sich verirren. Im Juli 2021 ist ein Besuch der US-Vizeaußenministerin Wendy Sherman in der nordchinesischen Stadt Tianjin. Sie trifft sich dort mit Chinas Vize-Außenminister Xie Feng.  China wirft den USA eine hochgradig fehlgeleitete China-Politik vor. Die bilateralen Beziehungen steckten in einer Sackgasse. Sherman soll Konfliktthemen ansprechen.  Es geht auch um die Vorbereitung eines Gipfeltreffens von Joe Biden und Xi Jinping. Anfang September 2021 stirbt überraschend der deutsche Botschafter in China Jan Hecker. Er hatte sein Amt  kurz vorher angetreten, war vor einem Jahr ernannt worden und war erst 54 Jahre alt. Er war Merkels Mann für außenpolitische Krisen ("heimlicher Außenminister"). Ende September wird die Huawei - Finanz - Chefin Meng in Kanada freigelassen. Die Rückkehr ist ein Triumph für China: Sie bekräftigt Pekings Darstellung als "politisch Verfolgte". Die frühere Weltranglistenerste im Tennis, Peng Shuai beschuldigt den ehemaligen Vizepremier Zhang Gaoli der Vergewaltigung.  Sie hatte auch eine längere Affäre mit ihm. In Weibo macht sie die Sache öffentlich. Daraufhin verschwindet sie; das Netz wird zensiert. Dann taucht sie wieder mit einem Video und Bildern in "Global Times" in Twitter auf. Die besten Tennisspieler der Welt gründen eine Initiative: nur die Bilder reichen ihnen nicht. Am 21.11.21 telefoniert Peng Shuai mit IOC Präsident Thomas Bach. Anwesend waren auch die Vorsitzende der IOC-Athletenkommission Emma Terho aus Finnland und das chinesische IOC-Mitglied Li Lingwei. Im Februar 2022 will Peng Shuai nichts mehr wissen von den Vorwürfen gegen Zhang Gaoli (ehemaliger Vize-Premier). Sie gibt ein Interview in der französischen Sportzeitung "L`Equipe". am 5.3.22 beginnt wieder die jährliche Plenarsitzung des Volkskongresses (pünktlich dazu zündet Nordkorea eine Rakete). Das ist ein Affront. Der Ukraine-Krieg wird totgeschwiegen. Im Juli 2022 werden Ermittlungen gegen Chinas Industrieminister Xiao Yaqing  eingeleitet von der Disziplinarkommission der KPCh. Er ist der ranghöchste Politiker seit Jahren, der sich einer Antikorruptionskampagne stellen muss. Am 02.08.22 besucht Nancy Pelosi den Inselstaat Taiwan. Sie ist die dritthöchste Repräsentantin der USA. Sie versichert der taiwanesischen Regierung den Rückhalt der USA. Peking spricht von Einmischung in innerchinesische Angelegenheiten. China macht Manöver um Taiwan (Kriegsschiffen, Flugzeuge). In der englischen Stadt Manchester haben chinesische Regierungsvertreter einen Hongkonger Demonstranten verprügelt.  Am 04.11.22 startet Bundeskanzler Scholz zu einer Chinareise. Die Außenministerin Baerbock, die auch Asien bereist, pocht auf eine andere China-Politik (Menschenrechte und fairen Wettbewerb). Es ist ein Besuch mit Signalwirkung (historische Dimension). Scholz ist der erste westliche Politiker der seit der Corona-Pandemie und dem Parteikongress China besucht (Kurzbesuch, 12 Stunden). Er reist mit einer Wirtschaftsdelegation. Kritik an den Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang weist China schon im Vorfeld zurück. Es gibt weitere heikle Themen, die einen Drahtseilakt verlangen: Ukraine-Krieg, Taiwan, deutsche Unternehmen in China (Marktzugang). Beide Seiten sprechen sich für eine Beendigung des Ukraine-Krieges und gegen den Einsatz von Atomwaffen aus. Ende November 2022 fordern Demonstranten Xis Rücktritt (Ürümqi, Shanghai, Peking und andere Städte). Die Bürger akzeptieren die rigide "Null-Covid" - Politik nicht mehr. Berichte darüber im Netz werden gelöscht. In Shanghai schlägt die Staatsgewalt hart zurück. Zunehmend geht man mit Zensur und Polizei gegen die Proteste vor. Gleichzeitig kündigt man Änderungen bei der Covid-Politik an. Die Proteste werden in den chinesischen Medien ignoriert. Peking setzt auf Zensur und Einschüchterung. Vgl. Böge, Frederike: Jetzt demonstriert der Staat seine Macht, in: FAZ 29.11.22, S. 3. "Nieder mit Xi Jinping, nieder mit der Partei", Demonstranten auf der Straße, Ende November 2022.  "Wir müssen auf der Basis von Chinas tatsächlichen Gegebenheiten demokratische Politik mit chinesischen Besonderheiten erforschen", Wen Jiabao, ehemaliger chinesischer Regierungschef.

"China? Eine günstige wirtschaftliche Entwicklung hängt nicht am politischen System", F.-W. Steinmeier, Ex-Bundesaußenminister. Im Dorf "Wukan" im Süden Chinas gibt es freie Wahlen seit 2011. Einige wenige Kommunen in China haben sich dieses Recht auf kommunaler Ebene  erstritten. Der korrupte stellvertretende Chef der Kohlebehörde hat bis 2014  200 Millionen Yuan (26 Mio. Euro) in bar gehortet.

Der "kleine Kaiser" Xi Jinping und seine Ziele (er lässt sich lieber "guter Kaiser" nennen): 2017 ist Xi Jinping Teil der Verfassung geworden - das hat es seit Mao nicht gegeben (einmalig in der "Mao-Dynastie"). Die Person wird damit den Takt und auch den Ton der Weltpolitik für Jahrzehnte vorgeben. Xi ist Staatsoberhaupt, Generalsekretär und Oberbefehlshaber. Unter Xi fällt China im Grunde genommen in die Zeiten der Ein-Mann-Diktatur zurück. China ist vielleicht das derzeit mächtigste Land der Welt (in Anbetracht der Schwächen und Wankelmütigkeit der USA unter Trump; mal sehen, was sich bei Biden ändert). Seine Industrie untermauert die Weltwirtschaft, sein Militär wächst schneller als das jeder andern Nation. Also ist es von immenser Bedeutung, wie dieser Mann tickt. Xi wurde 1953 geboren, als Sohn von Xi Zhongxun, einem Militärführer und Verbündeten Mao Zedongs. Er wurde im Regierungsviertel Zhongnanhai geboren, einen Steinwurf vom alten Kaiserpalast entfernt. Die Familie lebt in einer bewachten Wohnanlage.  Zwei Jahrzehnte war der Vater ein Opfer der Kulturrevolution (der Absturz kam 1962). Xi war der zweitälteste Sohn von sieben Kindern. 1966 war er auf einer Eliteschule nahe des Regierungsviertels und wohnte in der Verbotenen Stadt. Er lernte die Mao-Bibel auswendig. Dann kam er in der Kulturrevolution in die Provinz Shaanxi, wo er mit Bauern lebte. Mit 15 Jahren musste er Fronarbeit verrichten und wurde gedemütigt (7 Jahre; seine älteste Schwester begeht wegen der Demütigungen der Familie wahrscheinlich Selbstmord)). Experten vergleichen sein Schicksal mit dem Stockholm-Syndrom (er wurde "roter als rot"). Mitte der Siebzigerjahre studierte Xi an der Pekinger Universität Tsinghua Ingenieurwissenschaften (mit 22 Jahren trat er wieder in die Partei ein mit gefälschten Dokumenten). Eine Zeit lang lebt Xi auch in den USA in Iowa (ursprünglich war er ein Anhänger des US-Modells, beim zweiten Besuch in der Region sah das schon anders aus, als er die Schwächen klar erkannte). Von 1978 bis 1982 arbeitete er als Sekretär Geng Biaos, Mitglied des ZK und eine militärische Schlüsselfigur (auch Verteidigungsminister). 1982 ging er wieder in die Provinz, 1985 ging er nach Fujian. Er blieb 16 Jahre dort. Xi ist bekannt für seine eiserne Arbeitsdisziplin.  Wichtig ist seine zweite Frau Peng, die als bekannte Schauspielerin und Sängerin in Ansehen und Bekanntheit über ihm stand. Sie schult ihn in Öffentlichkeitsarbeit. Von 2000 bis 2002 war er Gouverneur in Fujian. Dann ging er in die Küstenprovinz Zhejiang, wo er fünf Jahre in höchster Parteiposition tätig war. Er lernte dort Jack Ma, den Begründer von Alibaba, kennen. Ein wichtiger Konkurrent um die Führung der Partei Bo Xiling musste 2011 aufgeben bzw. wurde von ihm ausgeschaltet (seine Frau hatte einen Mord begangen, der vertuscht werden sollte). Xi verschwand dann eine Zeitlang 2011 (niemand weiß bis heute, wo er war). Es fand wohl im Politbüro ein Machtkampf statt, bei dem er sich als Kompromisskandidat durchsetzte. Man hatte in dieser Zeit Mühe mit Kontakten zu führenden Kollegen an den Hochschulen (an den führenden Hochschulen sind die Mitglieder des Politbüros in der Leitung). Ich selbst war 2011 in China und konnte die Situation selbst beobachten. Ende des Jahres bzw. 2012 konnte er sich dann als Führer durchsetzen. Wie stark die innere Opposition gegen Xi ist, bleibt Journalisten und Wissenschaftlern verborgen. Ebenso wie die tatsächlichen Machtverhältnisse und Entscheidungsmechanismen sind. Was sind nun Xi´s Ideen? 1. Er will massiv die Korruption bekämpfen (die VBA wird "gesäubert"). 2. Die Partei soll zum Diener der wachsenden Mittelschicht werden. 3. Wohlstand und Innovation sollen stark ausgedehnt werden (China 2025; mehr Verteilungsgerechtigkeit). 4. Formulierung eines Wertekanons (Konfuzianismus, Revival des Marxismus, Harmonie; er baute die Marxismus-Kurse an den Universitäten aus). 5. Wirtschaft zuerst. Sozialer und politischer Fortschritt kann warten. 6. Globale Führungsmacht bis 2050 (2049 100 Jahre Volksrepublik). Man bezeichnet die Ziele zusammen als "China Dream". Vgl. Kerry Brown: Die Welt des Xi Jinping. Alles, was man über das neue China wissen muss, S. Fischer, Frankfurt 2018. Die KPCh hat 2018 90 Mio. Mitglieder, mehr als Deutschland Einwohner hat (die Partei hat ganz harte Aufnahmekriterien!). Sein engster Berater ist Wang Xining. Er verfügt über eine immense Erfahrung in der Partei. 11 Mio. Parteimitglieder wurden bis 2018 in Haft gesetzt in der Antikorruptionskampagne, die ein Machtinstrument ist. Xi Jinping hat 2012 bei seinem Amtsantritt das Dokument Nr. 9 eingeführt. In ihm warnt er vor demokratischen Kräften, die Pressefreiheit, Demokratie und Menschenrechte wollen. Die vorsichtige Trennung von Partei und Staat, die Deng Xiaoping eingeleitet hatte, wird vollkommen zurückgedreht. Der Macht der Kommunistischen Partei hat sich alles andere unterzuordnen (Staat, Wirtschaft, Unternehmen, Wissenschaft). Außenpolitisch strebt Xi Eurasien an, das Rückgrat ist die "Neue Seidenstraße". Bei Nachbarländern traut er sich auch politisch ran, wie bei Australien und Neuseeland. Politiker wurden bestochen. Australien verbietet daraufhin ausländische Spenden. Ende des Jahres 2020 führt China Australien als Retourkutsche vor: Mit Handelsbarrieren und Strafzöllen wird erbarmungslos die Abhängigkeit von China vorgeführt. Es könnte ein Exempel sein: Den verbündeten Amerikas deutlich machen, dass China am längeren Hebel sitzt. In Djibuti wurde der erste Militärstützpunkt in Afrika errichtet. China dominiert mittlerweile in Afrika mit dem Motto " Recht auf wirtschaftliche Entwicklung". In Europa wird eher gekauft (Piräus, Toulouse, Budapest, Hahn).  2022 will sich Xi Jinping für eine weitere Amtszeit als Parteichef bestätigen lassen (beim 20. Parteikongress). Dafür braucht er die Aura der Stärke. Er will sicher eines Tages auf die gleiche Ebene wie Mao kommen. Dafür braucht er auch die "Nationalismus-Karte". Das Zeigen der übertriebenen Stärke Chinas ist aber auch ein Resultat einer narzisstischen Kränkung Chinas in den letzten Jahrhunderten. Deshalb versucht auch Xi alles, das Image des Landes ("soft power") und den Respekt anderer Länder zu erhöhen. "Wirft man Eisen 100 mal ins Feuer, dann wird es zu Stahl". "Wer Europa besitzt, dem gehört die Welt". Beide Sprüche hat er im Hinterkopf.  Vgl. als Quelle zu Xi Jinping auch:  Stefan Aust/ Adrian Geiges: Xi Jinping. Der mächtigste Mann der Welt, München 2021. Aufgrund von Reden, eigenen Interviews, verfügbaren Quellen und seiner Lebensgeschichte sowie von Reportagen in und über China wird der chinesische Staatspräsident und Chef (Generalsekretär) der KPCh dargestellt. Xi Jinping hat eine Machtfülle, wie sie vorher nur Mao hatte. Aust hat Xi selbst mal interviewt, Geiges war Korrespondent des Stern in Peking und ist Sinologe. Der Leser soll sich selbst sein Urteil über Xi Jinping bilden. Ich selbst habe diese Quelle für obigen Artikel nicht benutzt. Zwei Konfuzius-Institute sagen im Oktober 2021 nach Druck aus China die Lesung des Buches ab. Das ist in Hannover und und das Konfuziusinstitut Metropole Ruhr in Duisburg. Das ist doch sehr erstaunlich und im Grunde genommen eine Aufwertung des Buches, in dem gar nichts Schlimmes über Xi steht.

Am 08.11.21 tritt das Zentralkomitee von Chinas KP zusammen. Xi Jinping wird die Gelegenheit nutzen, seine persönliche Rolle in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Es gibt zwei große Linien: Der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft bis 2049 (100 Jahre VR China). Der Wiederaufstieg der chinesischen Nation nach dem so genannten "Jahrhundert der Schande" (1840-1949). Die Parteigeschichte soll in drei Abschnitte unterteilt werden: Unter Mao sei China auferstanden, unter Deng Xiaoping sei es reich geworden, und unter Xi Jinping werde es stark werden. Drei Siege werden Xi zugeschrieben: Niederschlagung der Demokratiebewegung Hongkong 2019, Sieg über extreme Armut, Sieg über das Coronavirus. Vgl. Böge, Friederike: Auf Maos Pfaden, in: FAZ Nr. 260, 08.11.21, S. 2. Das Zentralkomitee ebnet den Weg für eine dritte Amtszeit von Xi Jinping. Damit kann Xi die ausgeprägte Vision für sein Heimatland umsetzen. Vgl. Kretschmer, Fabian: So mächtig wie einst Mao, in: Rheinpfalz Nr. 260, 9.11.21, S. 3. Im Herbst 2022 ist der 20. Parteikongress der KP, die wahrscheinlich wichtigste Polit-Veranstaltung für Xi Jinping. Er will seine dritte Amtszeit ausrufen. Gleichzeitig kriselt es in China (Null-Covid-Strategie, Lockdowns, Massenentlassungen). Hoffentlich muss Xi das nicht durch zunehmenden Nationalismus ausgleichen (Verschärfung der Taiwan-Krise). Nancy Pelosi aus den USA verzichtet schon auf eine Taiwan-Reise, die sie später dann doch macht. .  Als die WHO die Corona-Varianten durchnummeriert werden nach der Omikron-Variante (aus Südafrika) 2 griechische Buchstaben übersprungen: "Ny" klinge zu ähnlich dem Englischen "New". "Xi" sei ein weit verbreiteter Nachname. Pikant dabei ist, dass der chinesische Parteichef und Staatspräsident so heißt.

Am 16.Oktober beginnt der Kongress der Kommunistischen Partei (20., alle 5 Jahre, 5 Tage Dauer, 2341 Delegierte) in Peking. Dort soll eine dritte Amtszeit von Xi beschlossen werden bzw. seine lebenslange Regentschaft, was wohl nur Formsache ist. Seine Macht ist gefestigt (über 100.000 Regierungsbeamte wurden im Zuge der Anti-Korruptionskampagne hinter Gittern gesteckt). Er hat sein Land umgekrempelt. Den Zenit dürfte er aber überschritten haben. Wahrscheinlich hat er zu viele Fehler gemacht. Man spricht von vier Kardinalfehlern: 1. Die Null - Covid - Strategie hat das Land in eine Sackgasse geführt, einschließlich Wirtschaftskrise. 2. Die gesellschaftliche Überwachung hat zu viel Frust geführt, Covid wird instrumentalisiert (perfekter Überwachungsstaat). 3. Die führenden Tech - Konzerne wurden an die Leine gelegt und damit ihrer Innovationskraft beraubt. 4. Die Unterstützung der Position Putins im Ukraine-Krieg hat das Ziel einer neuen Weltordnung offen gelegt (er scheint den Rest der Welt von sich abhängig machen zu wollen). Vgl. Kretschmer, Fabian: Fehlentscheidungen holen Xi ein, in: Die Rheinpfalz 15.10.22. Xi tritt als Ideologe auf. Seit 2017 verschiebt er die Wirtschaftspolitik in Richtung marxistische Linke. Er misstraut dem privaten Sektor. Er hat Parteikomitees geschaffen, die Personalberufungen in privaten Firmen überwachen. In Hongkong hat Xi ein drakonisches Sicherheitsgesetz eingeführt, das alle Proteste erstickt hat.  Vgl. Fahrion, Georg/ Giesen, Christoph: Der Allmächtige, in: Der Spiegel Nr. 42/ 15.10.22, S. 10ff. Xi hält auf dem 20. Parteikongress eine zweistündige Grundsatzrede, in der er die Ziele seiner neuen Amtszeit erläutert ("Chaos" in Hongkong beseitigt, Aufrüstung, Null-Covid bleibt, Wiedervereinigung mit Taiwan - notfalls mit Gewalt, Ausklammerung von Ukraine und Xinjiang, Betonung des Umweltschutzes). Die Jugendarbeitslosigkeit in China beunruhigt die Partei. Xi warnt vor "gefährlichen Stürmen". Vgl. Gusbeth, Sabine: Xi Jinping warnt vor "gefährlichen Stürmen", in: HB Nr. 200/ 17.10.22, S. 10. Selbstkritik ist nicht zugelassen. Das Ausland wird mit "Wolfskrieger-Diplomatie" bekämpft: Verschwörungstheorien und Beschimpfen des Westens. Vgl. Kretschmer, Fabian: Pekinger Paralleluniversum, in: Die Rheinpfalz Nr. 245/ 21.10.22, S. 3. Xi Jinping wird für eine dritte Amtszeit als Generalsekretär der KPCh gewählt. Damit kann er 2023 auch wieder zum Staatspräsident gewählt werden. Auf der Abschlusszeremonie des Kongresses wird der ehemalige Staatspräsident (von 2003 bis 2013)  Hu Jintao von Saaldienern aus dem Raum geleitet (Verhaftung oder gesundheitliche Probleme?). Xi Jinping gelingt es, seine Anhänger in den Ständigen Ausschuss des Politbüros (7) wählen zu lassen. Damit kann er seine Macht weiter festigen.  Direkt hinter ihm folgt der Technokrat Li Qiang (kümmert sich um die Wirtschaft und die führenden Unternehmen), der damit auch Premierminister werden dürfte. Auch Xis rechte Hand Ding Xuexiang wird in den Ständigen Ausschuss befördert (ist erst 60 Jahre alt). Dabei ist weiterhin Li Xi, Parteisekretär der Provinz Guangdong. Er führt die mächtige Antikorruptions- und Disziplinarkommission. Vgl. Grünberg, Nis: Xis neue Ära, in: WiWo 44/ 28.10.22, S. 10. Man rechnet damit, dass Xi rational und zuverlässig bleiben wird. Vgl. Kretschmer, Fabian: Xi und seine Ja-Sager, in: Die Rheinpfalz 24.10.22, S. 2. Wichtig für uns ist weiterhin: Wirtschaftswachstum in China wird an Bedeutung verlieren. China forciert die weitere technologische und wirtschaftliche Abkopplung. Für die chinesische Staatsführung ist die Ideologie wichtiger als die Wirtschaft. Vgl. HB Nr. 205/ 24.10.22, S. 6f. Vor dem Beginn des eigentlichen G20-Gipfels in Bali treffen sich Xi und Biden in Bali (erstmals persönliches treffen der Chefs der beiden Weltmächte seit 5 Jahren). Es geht um die "Roten Linien" der Großmächte. Einig ist man sich darin, keine Atomkriege zu führen und auch nicht damit zu drohen.

Aufrüstung/ Militär: Xi Jinping rüstet die Volksbefreiungsarmee sehr erfolgreich auf. Traumatisch war die Niederlage 1979 gegen Vietnam bei einem Einmarsch. Er macht eine Wehrstrukturreform. Elementar sind Flugzeugträger, U-Boote, Satellitenaufklärung und Raketenabwehr. Alles Voraussetzungen für eine Weltmachtrolle. China hat nach den USA die zweithöchsten Militärausgaben der Welt (vor Saudi-Arabien und Russland sowie Indien). Korruption im Militär wird bekämpft. Die Seemacht wird massiv ausgebaut. Vgl. Sommer, Theo: China First, München 2019, S. 250ff.  Die USA machen im Sommer 2019 ein Waffengeschäft mit Taiwan. Sie liefern 66 Kampfflugzeuge vom Typ F-16. China droht mit Strafmaßnahmen. China hat mittlerweile nuklear bestückbare Interkontinentalraketen, die bis zu 15.000 km weit fliegen und erstmals das gesamte Territorium der USA ereichen können. Mittlerweile verfügt das Land auch über Hyperschall-Raketen. Auf der Militärparade zum 70. Geburtstag präsentierte China einen Hyperschall-Gleiter. Seitdem sind Militärstrategen rund um den Globus alarmiert. Es gibt noch keine Verteidigung gegen sie. Chinas Flotte könnte in zehn Jahren (2030) der der USA fast ebenbürtig sein. China plant, 2049 (dann wird die Volksrepublik 100 Jahre alt, in allen Feldern (ökonomisch, militärisch, geopolitisch) die globale Führung zu übernehmen. Dann hätten wir eine von China dominierte Weltordnung. Die Strategie des Westens "Wandel durch Annäherung" ist krachend gescheitert. Wenn man die weltweiten  Militärausgaben 2020 (Corona-Jahr) bündelt, sind sie auf fast 2 Billionen $ gestiegen (+2,6% gegenüber dem Vorjahr). 62% der Summe entfallen auf die USA, China, Indien, Russland und GB. Die höchsten Militärausgaben mit 778 Mrd. $ entfallen auf die USA.  Chinas Militärausgaben lagen 2020 bei 252 Mrd. $ (Schätzung). die Zahlen stammen von Sipri/ Friedensforschung, Stockholm/ Schweden. 2022 beginnt ein nukleares Modernisierungsprogramm in China. Das ist kein gutes Zeichen für die Welt.  "Jede Kriegsführung gründet auf Täuschung. Wenn wir also fähig sind anzugreifen, müssen wir unfähig erscheinen; wenn wir unsere Streitkräfte einsetzen, müssen wir inaktiv erscheinen; wenn wir nahe sind, müssen wir den Feind glauben machen, dass wir weit entfernt sind; wenn wir weit entfernt sind, müssen wir ihn glauben machen, dass wir nah sind", Sun Tsu: Die Kunst des Krieges (zweieinhalbtausend Jahre alt). Berühmt ist auch der Spruch von Deng Xiaoping: "Verbirg deine Stärke, und warte ab".

Hainan: Hainan ist eine Insel im Süden Chinas Sie ist die zweitgrößte Insel nach Taiwan. Sie hat ca. 9 Mio. Einwohner. Sie wird oft das Hawaii Chinas genannt. Es ist ein Urlaubsschwerpunkt der Chinesen (manche Reiche aus dem Norden haben dort einen Zweitwohnsitz). Gleichzeitig ist Hainan ein wichtiger Militärstützpunkt des Landes. Man spricht von einer "schwimmenden Festung". Unterirdische Raketen sollen dort ruhen (Flotte der Atom-U-Boote). Ein Netz von paramilitärischen Fischerbooten soll die Insel sichern helfen, aber auch die normale Flotte ist präsent. Es ist der wichtigste Militärstandort für Aufklärung, auch für die Raumfahrt. Die Insel ist der militärische Ausgangspunkt für das südchinesische Meer, für den Griff nach Taiwan und für den Ausbau und die Inbesitznahme vieler kleiner Inseln (werden zu Festungen umgebaut). Taiwan empfindet China auch als Provokation, weil das demokratische System ökonomischen Erfolg hat. Haikou ist die Hauptstadt der Inselprovinz (wurde 1988 in den Rang einer Provinz erhoben). Sie hat 2020 zwei Millionen Einwohner. Im Süden der Insel gibt es auch ein  großes Kreuzfahrtterminal. Die ganze Insel ist eine Freihandelszone (erst seit 2020, die Insel ist extrem hoch verschuldet). Auf der Insel gibt es einen Nationalpark. Berühmt ist die seltene Variante des Gibbon-Affen, die es nur auf der Insel gibt.

2021 beginnt man auf der Insel mit dem Bau einer eigenen Raumfahrtstation. Der Raumfahrtbahnhof heißt Wenchang. Von hier sollen die Starts zu der ständigen Raumfahrtsstation "Tiangong" (Himmelspalast) stattfinden. Die Trägerraketen heißen in der Regel "Langer Marsch". Das Hauptmodul wird meist "Tianhe" (Himmlische Harmonie) genannt.

Im Konflikt mit Japan 1933 bis 1945 haben 230.000 Chinesen durch den Einsatz biologischer Waffen ihr Leben verloren. Daraus hat China gelernt und betreibt "defensive" biologische Waffenforschung. Es scheint mittlerweile die Sowjetunion als größte biologische Supermacht abzulösen. Seit 1984 ist China Mitglied der Biowaffekonvention der UN und bestreitet die Existenz biologischer Offensivwaffen. Die Geheimdienste aus Taiwan und Südkorea haben immer auf die Möglichkeit solcher Waffen hingewiesen. Deshalb waren diese Länder auch wesentlich besser auf Sars-CoV-2 vorbereitet. Erst recht China selbst, das schon seit April 2020 in der Testphase von Impfstoffen ist. Das Wuhan Center for Desease Control und ein anderes biologisches  Forschungszentrum in Wuhan stehen unter der Kontrolle des Militärs. Das heißt nicht, dass es Beweise für ein absichtliches oder versehentliches Freisetzen des Virus in  Wuhan gibt. eher sprechen virologische Forschungsergebnisse gegen entsprechende Anschuldigungen von Trump. Aber die Welt muss auf den Einsatz biologischer Kampfstoffe vorbereitet sein. Sie sind in einer globalisierten Welt wesentlich effektiver als die klassischen militärischen Mittel (Quelle: Hans Rühle: Der Wahrheit zu nahe gekommen, in: Der Focus, 20/2020, S. 40).

2020 sind die USA militärisch China noch überlegen. Aber ein Krieg hätte schon desaströse Folgen, auch für die Welt. China füllt systematisch die Leere, die die USA durch ihren Rückzug hinterlassen. In den internationalen Organisation werden Chinesen in einflussreiche Positionen gebracht (UN, WHO, WTO; IWF u. a.). Dabei helfen finanzielle Anreize, Investitionsversprechungen und massives Lobbying. Vgl. Reichart, Thomas: Das Feuer des Drachen, München 2020, S. 241ff. Bis 2049 (100 Jahre Volksrepublik) will China spätestens die dominierende Militärmacht der Welt werden. Weil die USA dicht machen, hält man verstärkt in anderen Ländern nach Rüstungstechnik Ausschau. Besonders begehrt sind deutsche Deep-High-Tech Start-ups. Sie verfügen oft über Dual-Use-Produkte. Die Produkte sind auch militärisch nutzbar. Solche Firmen sind z. B. Mynaric, Alcan Systems, Black Semiconductor, Hyperganic. Vgl. Stözel, T./ Petring, J.: Im Visier der Wettrüster, in: WiWo 39, 18.9.20, S. 64ff. Vgl. auch das neue Buch von Ex-BND-Chef Schinder über die Sicherheitspolitik. Er sagt, dass die Gefahr Chinas unterschätzt wird. Am Ende des einwöchigen Volkskongresses am 10.3.21 ruft  Xi das Militär zu ständiger Bereitschaft auf. Der Volkskongress hatte vorher eine Steigerung der Militärausgaben von 6,8% beschlossen. Der für den Asien-Pazifikraum zuständige US-Admiral Davidson sagte dazu, dass die USA damit rechneten, dass China bis 2027 versuchen werde, die Inselrepublik Taiwan zu besetzen. Die USA und China sprechen über ein Spitzentreffen in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska. Das findet auch statt mit unüberbrückbaren Differenzen. 2021 fängt China an, die USA militärisch zu überholen. Es finden sich immer mehr Staaten, die mit den USA in Asien kooperieren wollen: Kanada, Sri Lanka, auch Deutschland. Man will noch 2021 eine Fregatte in die Region entsenden. Vgl. Busse, Nikolas: Chinas neue Muskeln, in: FAZ 12.4.21, S. 8.

Wenn die Wirtschaft Chinas in Zukunft die der USA überholt, wird auch das Militär früher oder später dominieren. Das war immer so in der Geschichte. Dann könnte der Punkt gekommen sein, dass China seine nationalen Interessen durchsetzt, ohne dass der Westen eingreift. China wird einen militärischen Konflikt aber kaum provozieren, da die Zeit für das Land spricht. China sieht keinen Sinn in bilateralen Abrüstungsverhandlungen oder in Dialogen. Vgl. den Militärexperten Tang Zhao vom Carnegie-Tsinghua Center for Global Policy, Quelle: Interview in der Rheinpfalz  vom 7.7.2021, S. 3. Das Pentagon bestätigt im Oktober 21 Chinas Hyperschallwaffentest. Das ist "sehr nah am Sputnik-Moment". Das amerikanische Abwehrsystem kann damit übergangen werden. Vgl. FAZ 29.10.21, S. 5. Immer wieder kommt es zu Konfrontationen in der Region. Westliche Staaten entsenden Schiffe in internationale Hoheitsgewässer, wie z. B. GB den Flugzeugträger HMS Queen Elisabeth (Flaggschiff der britischen Marine). So sollen z. B. die Philippinen unterstützt werden. In der Regel fährt man im Verbund mit US-Kriegsschiffen un d Schiffen anderer Nationen (Niederlande, Japan, Deutschland). China fühlt sich provoziert und sendet eine Warnung aus: "Einen hinrichten als Warnung an hundert". Auch Deutschland beteiligt sich ab Sommer 2021 an der Mission. Man schickt die Fregatte "Bayern". Bei den Operationen fahren  Kriegsschiffe gezielt durch von China beanspruchte Gewässer.

China baut Nachbildungen von US-Kriegsschiffen. Diese sollen als Angriffsziele für Militärübungen gelten. China entwickelt Raketen, die gezielt Kriegsschiffe ins Visier nehmen sollen. Die Flugzeugträgerverbände zählen zu den mächtigsten Militärgeräten im Waffenarsenal der USA. ein Flottenverband der USA ist im Pazifik stationiert, um strategisch wichtige Gebiete wie Taiwan und das Südchinesische Meer zu überwachen. Pekings Gebietsansprüche werden als illegal angesehen.

Technologie/ Innovationen: China hat ein neues Internetgesetz gegen "Blogger" erlassen (137 Mio. Internetnutzer 2006,  Zuwachsrate +23%  jährlich); 2006 wird die Tibet-Bahn, die höchste Eisenbahnstrecke der Welt, nach fünf Jahren Bauzeit von Qinghai nach Tibel in Betrieb genommen. 2006 startet die Regierung eine Innovationsoffensive. China zerschießt den alten Wettersatelliten "Fengyun 1C" und zeigt damit, dass es in einen Weltraumkrieg eingreifen könnte. China bringt im Januar 2007 zwischen Shanghai und Hangshou bzw. Nanjing den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen aus Japan auf die Schienen. Die reichste Provinz Chinas "Jiangsu" will als erste die Vorgaben des Volkskongresses 2007 umsetzen: neues Bewertungssystem für Wohlstand mit Zustand von Umwelt, Bildung, medizinischer Versorgung. Die Racketsportart Taiji Bailong Ball, die in China erfunden wurde, findet im westen immer mehr Anhänger. Sie verbindet westliche Techniken (Schläger und Ball) mit asiatischer Bewegungsphilosophie. Im Sommer 2007 kommt heraus, dass China mit sogenannten Trojaner-Spähprogrammen die Bundesregierung ausspioniert. Am 24. 10. 07 wird der erste Satellit zum Mond geschickt vom Raumbahnhof Xichang. China plant langfristig eine Verbesserung seiner militärischen Fähigkeiten. Dabei spielt die Luft- und Raumfahrt eine Schlüsselrolle. Hier muss China bald nicht mehr abkupfern. Im Mai 2008 wird zwischen Shanghai und Ningbo die längste Brücke der Welt freigegeben. Es wird ein riesiger Atom-U-Boot-Bahnhof im südchinesischen Meer gebaut. 2009 werden die Atom-U-Boote vor Qingdao präsentiert. Im September 2008 startet China seine dritte bemannte Weltraummission; Zhai Zhigang soll einen Weltraumspaziergang machen. China entdeckt immer mehr Weihnachten  mit Weihnachtsbäumen und europäischer Musik  als Anlass für Partys und Geschenke. Beim Deutschlandbesuch von Wen Jiabao 2009 wird eine weitere Zusammenarbeit beim Transrapid, bei Energie, Umwelttechnik und Finanzdienstleistungen vereinbart. 2009 kauft sich China in Firmen ein, die über Schlüsseltechnologien im Flugzeugbau verfügen, um langfristig Boing und Airbus Konkurrenz machen zu können. Ende 2009 schießt man Chemikalien in die Wolken, um Regen über Peking zu erzeugen. Es schneit, ohne dass Heizungen eingeschaltet oder Straßen geräumt werden. In Chansa/ Hunan hat China einen Supercomputer gebaut (Tianhe, viertschnellster der Welt).2014 soll der erste in China entwickelte Passagierjet auf den Markt kommen. Anfang 2010 testet man erfolgreich ein neues Raketenabwehrsystem. 2010 wird die Transrapid von Shanghai nach Hangzhou genehmigt. 2010 investiert China 100 Mrd. Dollar in den Ausbau eines Hochgeschwindigkeits-Schienennetzes. Der Verkehr vor Peking (vor allem im Norden) staut sich oft auf 100 km. Eine Tram auf Stelzen soll Abhilfe schaffen. Die längste Schnellbahn der Welt von Peking nach Shanghai über 1300 km geht bald im Juni 2011 in Betrieb. 2011 testet China erstmals einen Tarnkappenbomber (15-minütiger Jungfernflug). Auf der Luftfahrtschau in Paris 2011 wurde der erste Prototyp eines chinesischen Passagierjets vorgestellt. Wegen der CO2-Abgabe werden Airbusbestellungen storniert. Die Unglücke mit Hochgeschwindigkeitszügen Ende Juli 2011 und in einer Chemiefabrik  in Dalian im August lassen viele Chinesen am Nutzen des technischen Fortschritts zweifeln. Die Modernisierung der F-16-Kampfflugzeuge Taiwans durch die USA stört die bilateralen Beziehungen. Ende September 2011 schießt China die erste Weltraumstation (Testmodul) ins All. China will ein Konkurrenzflugzeug zu Boing und Airbus bauen. Internationale Zulieferer sollen helfen. Im Januar 2012 kommt es vor einem Apple-Store in Peking zu Tumulten (zu großer Andrang, Banden von Schwarzmarkthändlern). In der südchinesischen Stadt Changsha (Hauptstadt der Provinz Hunan, sieben Mio. Einwohner) entsteht der höchste Wolkenkratzer der Welt mit 838m. Bis 2018 soll im Süden Pekings ein neuer Flughafen gebaut werden. Mit 120 Mio. Passagieren pro Jahr soll er der größte Flughafen der Welt werden. Damit konkurriert er mit einem ebenfalls als größter Flughafen der Welt geplanten Airport bei Istanbul. Die Dienstfahrzeuge der Beamten werden ab 2013 mit GPS ausgerüstet. Die Disziplin soll überwacht werden (auch Systemwarnung, wenn zu lange vor bestimmten Einrichtungen geparkt wird). Ende 2013 gibt es wieder in verschiedenen Provinzen Smogalarm: In Jiansu, Zhejiang, Anhui und Henan. Im Dezember 2013 landet erstmals ein chinesisches Raumschiff auf dem Mond. An Bord ist das Mondfahrzeug "Jadehase" (yutu). Der US-Überläufer Edward Snowden offenbart 2014, dass die NSA jahrelang die chinesische Staatsspitze und das Unternehmen  "Huawei" ausspioniert hat. Im August 2014 ist eine neue Langenstreckenrakete fertig (Dongfeng - DF 41), die ungefähr 12.000 km weit fliegen kann. China verstärkt seine Forschungen zur künstlichen Intelligenz. Das Großprojekt hat den Namen Chinas Gehirn. Beteiligt ist vor allem der Internetgigant Baidu. Im März 2015 ist China das Partnerland auf der Cebit in Hannover. China will bis Ende 2017 mehr als 180 Mrd. Dollar in den Ausbau des Internets investieren. 2015 fließen 70 Mrd. $ in Netzwerke. China will ab 2015 eigene Mittelstreckenflieger bauen. Der Flugzeugbauer Comac präsentiert seinen ersten komplett selbst gefertigten Flieger (Konkurrenz für Boing und Airbus). 2015 baut China eine gigantische Fabrik, worin massenhaft Haus- und Nutztiere geklont werden sollen. Damit soll insbesondere der Fleischhunger der Bevölkerung gestillt werden. Durch den Kauf einer Lizenz von der Ukraine baut China zukünftig das größte Flugzeug der Welt. In China soll der größte Teilchenbeschleuniger der Welt entstehen, der 2040 in Betrieb genommen werden soll. 2017 lässt China die ersten Trams ohne Schienen fahren (Gummiräder; Elektromotor). Im Januar 2018 gelingt chinesischen Forschern das Klonen Jawa-Affen. Die chinesische Weltraumstation "Himmelspalast" stürzt im April 2018 auf die Erde. Der erste chinesische Flugzeugträger geht im Mai 2018 auf Probefahrt. Am 21.05.18 wird eine Rakete zum Mond abgeschossen, die erstmals auf der Rückseite des Mondes (von der Erde aus gesehen) landen soll. Im November 2018 wird bekannt gegeben, dass ein chinesischer Forscher Zwillinge genmanipuliert hat. Die Babys sind resistent gegen HIV. Das wurde mit dem Verfahren der Gen-Schere gemacht. Die Führung will die Ethik überprüfen, nachdem Kritik aus aller Welt kommt. Das Projekt wird gestoppt. Im Dezember 2018 startet das Land eine Sonde zum Mond (Chang´e 4), die erstmals auf der Rückseite landen soll. Ein spezieller Satellit muss für die Kommunikation sorgen. Die Sonde landet am 02.01,19 erfolgreich. Erstmals gelang China schon 2013 eine Sondenlandung auf dem Mond. Damit zeigt China seine Weltspitze auch in Wissenschaft und Technik (entscheidend auch für Militär). Pünktlich zum 70. Geburtstag der VR China wird der weltgrößte Flughafen (700.000 Quadratmeter) nach vier Jahren Bauzeit fertig gestellt. Er liegt 50 km südlich von Peking und heißt Daxing (im Volksmund auch Seestern, weil sechs Arme da sind). Schon 2021 sollen 45 Mio. (ab 2024 100 Mio.) Fluggäste jährlich befördert werden, mit 4 Start- und Landebahnen. Eine Schnellbahn befördert die Fluggäste in 20 Minuten nach Peking. Noch im Juli 2020 will China seine Marsmission starten. Das geschieht von der von der Firma C-Space in der Wüste Gobi. Das Raumschiff "Tianwen-1" wird mit der Rakete "Langer Marsch" abgeschossen. Die Rakete "Langer Marsch" bringt im November 2020 ein unbemanntes Raumschiff mit Namen der Mondgöttin ""Change` 5" zum Mond, um Bodenproben zu nehmen. Die Sonde landet am 1.12.20 auf dem Mond. Sie besteht aus vier Modulen. Darunter auch die Rückkehrkapsel. Es wird auch eine speziell entwickelte China-Flagge gehisst (440 Mio. Nutzer sehen das über Weibo). Am 15.5.21 landet die Sonde/ Rover "Zhurong" (Gott des Feuers) auf dem Mars. Sie wurde von Tianwen 1 hingebracht. Am 17. Juni 2021 erreichen die chinesischen Taikonauten die neue Raumstation. Am 21.3.22 stürzt ein Flugzeug mit 132 Insassen bei Wuzhou ab. Sie fällt aus großer Höhe kopfüber zu Boden (sehr ungewöhnlich). Im April 2022 sind Taikonauten wieder aus dem All zurückgekommen. Sie waren ein halbes Jahr dort. "China, Indien und Korea werden mit rasantem Tempo immer einflussreichere Spieler auf dem Patentmarkt", Alain Pompidou, ehemaliger Präsident des Europäischen Patentamtes. "Sein Licht unter den Scheffel stellen und den rechten Augenblick abwarten", Deng Xiaoping. 2017 macht eine Zahnstocher-Armbrust von sich reden. Viele Schüler benutzen sie (Reichweite bis 20 Meter, starke Durchschlagskraft). Es ist der neue Spielzeugtrend.

   Shanghai (früher "Paris des Ostens" genannt; auch: der Hafen der Düfte oder die Stadt über dem Meer), Pudong (Finanz-Viertel) und World Financial Center vom Wasser her bei einer Hafenrundfahrt  aus fotografiert. "China ist vergleichbar einem Baum. Die Wurzeln liegen in Xi ´an, der Stamm ist Beijing, die Blüten sind Shanghai". Diesen Spruch hört man oft in China. Die Zukunft wird im Süden gesehen. Keine andere Stadt hat sich seit 1990 so stark gewandelt. Es gibt noch Bauten aus der Konzessionszeit (Französische Konzession), aber vor allem viele Wolkenkratzer. Die Chinesen selbst sprechen heute auch von Mao-Dynastie und verweisen darauf, dass jede Dynastie im Schnitt 200 Jahre gehalten hat. "Das chinesische Volk ist wie ein weißes Stück Papier, wie gemacht, die allerschönsten Zeichen darauf zu malen", Mao.  Die Realität in China hat nicht mehr viel mit Kommunismus zu tun.  Der Süden Chinas ist westlicher und etwas freier. Shanghai hat das bunteste Nachtleben. Am berühmtesten ist der Bund (Wort stammt aus Indien und bedeutet so viel wie Gürtel), die alte Hafenpromenade. Im Süden Chinas wird in der Regel alles gegessen, was vier Füße hat, außer Tischen und was fliegen kann, außer Flugzeugen (also auch Hunde und Katzen; vor allem, wenn anderes Fleisch teurer wird). Vom Flughafen zur Stadt verkehrt ein Transrapid in 7 Minuten (mit deutscher Technik; in Deutschland Auslaufmodell). Am  Ende der Kaiser-Ära war Kanton (heute Shenzhen) aber eher das Tor des Westens nach China. Es stand damals unter britischer und französischer Verwaltung. Es liegt im Perlflussdelta an der Mündung des Weißen Flusses.     

Geschichte: Vor 1200 Jahren war dort nichts. Erst in der Tang-Zeit entstand in diesem Gebiet durch Ablagerungen des Yanzi festes Land. Im 10.Jh. gab es zum ersten  Mal eine Anlegestelle (am oberen Hai-Fluss). 1267 wurde Shanghai zum Marktflecken. 1292 zur Kreisstadt. 1554 erhielt die Stadt eine Stadtmauer. Die Stadt wurde sehr bekannt, als 1840 England im Vertrag von Nanjing die Öffnung der Stadt erzwang. Es entstanden Konzessionsgebiete der Engländer, Franzosen und Amerikaner. Die Deutschen setzten mit dem Club Concordia ein architektonisches Wahrzeichen. Der Bund (waitan) wurde zu einer der ersten Adressen weltweit. 1854 wurde in Shanghai ein Seezollamt unter britischer Leitung eingerichtet, das zu einer wichtigen Einnahmequelle für den Qing-Staat wurde. Shanghai war von Beginn an Chinas Laboratorium der Moderne. Vgl. Vogelsang, Kai: Geschichte Chinas, Stuttgart 2019, S. 458.

 Japan:

"Wer sich selbst alles zutraut, wird andere übertreffen", Zen-Weisheit.

Konjunktur:  Im September 2020 gehen Japans Exporte in Höhe von -14,8% zurück im Vergleich zum Vorjahresmonat. Es war der sechste Monat in Folge mit einem zweistelligen negativen Wert. Bis dahin liegt der Überschuss in der Handelsbilanz noch bei 248,3 Mrd. Yen. Auch im zweiten Quartal 2020 sackt Japans Wirtschaft weiter ab. Die Exporte sind so stark eingebrochen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im 1. Quartal 2020 bricht die Wirtschaft ein (Taifun, Handelskrieg der USA, Mehrwertsteuererhöhung, Corona-Virus). Japan ist am Beginn einer Rezession. Im ersten Quartal 2018 beendet die Wirtschaft Japans ihre Erfolgsserie: Das BIP schrumpfte um 0,6% (schrumpfende Investitionen und Konsumausgaben). Durch die Handelspolitik von Trump können Exporte das nicht mehr ausgleichen. Vor allem die sinkenden Konsumausgaben belasten auch Japans Volkswirtschaft. Im zweiten Quartal 2017 wächst die Wirtschaft so schnell wie seit zwei Jahren nicht mehr (BIP +4,0%; Binnennachfrage, höhere Investitionen der Firmen). Im ersten Quartal 2017 verliert die Konjunktur stark an Fahrt. Die Industrieproduktion fiel im Mai 17 um 3,3% gegenüber dem Vorjahr. Die Verbraucherausgaben sanken um 0,1%.  Im Februar 2016 ist die Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,2% gesunken. Im Februar 2016 fällt auch der Dollar zum Yen auf ein Rekordtief. Der Yen wird als sicherer Hafen gesehen. Seit Jahresbeginn hat der Nikkei-Index ein Fünftel seines Wertes verloren. Mit einem massiven Konjunkturprogramm will die neue japanische Regierung ab 2015 die Wirtschaft wieder in Schwung bringen (3,5 Billionen Yen/ 24 Milliarden Euro).  Die wichtigsten Elemente sind Unterstützung für den Mittelstand, für Verbraucher und die Opfer von Naturkatastrophen. Die expansive Geldpolitik wird 2015 fortgesetzt (jährlich 80 Billionen Yen für Ankauf von Anleihen und Wertpapieren). Trotzdem rutscht das Land im dritten Quartal 2015 weiter in die Rezession (BIP -0,2%; gleicher Wert für 2. Quartal)). Am 24.08.15 brechen die Aktienkurse um 4,61% (im Anschluss an Einbruch in Shanghai). Im letzten Quartal 2014 erholt sich die Wirtschaft (BIP +2,2%). Im Dezember 2014 stiegen die Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,9%. Im Zuge des stark gesunkenen Ölpreises stiegen die Importe nur um 1,9%. Zwei Quartale in Folge am Ende von 2014 rutschte Japan in eine Rezession (-1,6%, die Industrieproduktion steigt allerdings im September und Oktober 14 noch um 0,2%). Am Beginn von 2014 hatten die Politik des billigen Geldes und hoher Defizite den Aufschwung vorerst zurückgebracht. Das Land scheint der Deflation entronnen. Es könnte für 2014 +0,2% Wachstum herauskommen (2015: 1,1%). Die Konsumenten sind aber nicht an Inflation gewöhnt und halten sich zurück (Reallohnverlust, Mehrwertsteuererhöhung; bis 2015 auf 10%). Die Betriebe fahren ihre Investitionen weiter zurück.  Das führt im zweiten Quartal 2014 zu einem Einbruch (-6,8%). Der schwache Yen sorgt Ende 2013 für ein Handelsdefizit in Japan. Die Einfuhren übertrafen im November 2013 die Ausfuhren um 1,25 Billionen Yen (rund 9 Mrd. €; vor allem Energie, die in Dollar bezahlt, wurde teurer). Insofern ist die Lage gespalten. Zu Jahresbeginn 2013 hellt sich das Konsumklima auf. Im ersten Quartal wächst die Wirtschaft um 4,1% (Stagnation zu Ende?). Vor allem die Exporte legen vier Monate hintereinander zu (im August 2013 +14,7%). Im 2. Quartal beträgt das Wachstum 3,8%.  Im dritten Quartal wächst die Wirtschaft nur um 1,1%. Die Regierung zieht ein Konjunkturprogramm in Höhe von 134 Milliarden € auf (auch um die restriktiven Wirkungen der Verbrauchssteuererhöhung zu bremsen). Im November 2013 erreicht der Nikkei-Index den höchsten Stand seit Mai. Es zeigen sich allerdings noch keine Erfolge im Kampf gegen die Deflation. Am 13. 06. 13 kommt es zu einem Kursrutsch an der Börse (Wirtschaftsdaten aus den USA). Die Vergabe der Olympischen Spiele 2020 an Tokio soll die Wirtschaft Japans beflügeln (150.000 neue Arbeitsplätze). die Aktienkurde steigen. Im ersten Quartal 2012 erholt sich Japans Wirtschaft (BIP +1%; Konsum, Export, Aufbau des Nordostens/ Konjunkturprogramme). Die Arbeitslosenquote stagniert bei 5% (allerdings ungenau gemessen). Im dritten Quartal brechen die Exporte ein: Der Inselstreit mit China und die Euro-Krise haben großen Einfluss. Die Wirtschafts-Aussichten für 2013 sind schlecht, werden aber nach den Stimulierungsmaßnahmen der Regierung und der Geldschwemme korrigiert (Abenomics). Man rechnet mit 2,5% Wachstum.  2011 hat Japan das erste Handelsbilanzdefizit seit 30 Jahren. 2011 wird Japan durch die Naturkatastrophe (Erdbeben, Tsunami, Atomkraftwerke) zurückgeworfen (1. Quartal -0,9%). Im Mai 2011 brechen die Exporte um -10,3% als Folge des Erdbebens ein. Gleichzeitig im Mai stieg die Industrieproduktion wieder um  5,7% zum April. Die Regierung rechnet 2011 mit Mini-Wachstum von 0,5%. Die Rating -Agentur Moody´s stuft Japan im August 2011 herab (von Aa2 auf Aa3) . Auch der Einzelhandel kommt nicht in Schwung. Der jüngste Tankan-Bericht warnt vor einem Yen-Höhenflug (Firmenexodus?). 2010 zeigt sich auch in Japan der Aufschwung (Industrieproduktion, Bruttoinvestitionen größer Null). Auch die Exporte treiben Japans Konjunkturerholung (März 2010 43,5% über dem Vorjahr). Im 1. Quartal 2010 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 1,2% (Exporte mit 0,7 Punkten); im 2. Quartal nur um magere 0,1%, im 3. Quartal +1,1%. Der starke Yen, die mangelnde Kauflust der Japaner und fehlende Investitionen bremsen. Hinzu kommen Preisdeflation, die rapide alternde Bevölkerung  und soziale Deformation bei der Renten- und Gesundheitssicherung. Im August 2010 wird ein weiteres Konjunkturprogramm von 8,5 Mrd. € aufgelegt. Im September 2010 greift die japanische Notenbank massiv in den Devisenhandel ein, indem sie Landeswährung im Milliardenumfang verkauft. Außerdem stellt die Zentralbank weitere zinsgünstige Kredite zur Verfügung. Im Oktober 2010 wird der Leitzins quasi auf Null gesenkt (0 bis 0,1%). Japan hat Ende 2008 die Produktion kräftig gedrosselt, Januar und Februar bricht die Industrieproduktion ein (10,2%, 9,4%). Japan ist in einer  Rezession. Im letzten Quartal 2009 ging das BIP um -4% im Jahresvergleich  zurück. Um 1,2% sanken im März die Verbraucherpreise. Statistisch ist Japan der größte Krisenverlierer (stärkster Rückgang seit 50 Jahren). Mitte 2009 scheint der Absturz gestoppt. Japan profitiert vor allem vom Aufbau der Infrastruktur in China (Baumaschinen). Im September steigt die Produktion wieder um 2,1%, das BIP im 3. Quartal um 0,7%.  2010 soll die Wirtschaft um1,4% wachsen (2011: 1,1%, 2012: 1,2%). Das Geschäftsklima steigt 2010 deutlich an. Seit Februar 2002 bewegte sich die Wirtschaft Japans, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, nach Jahren der Deflation vorübergehend auf Wachstumskurs. Japan hat im Jahr 2007 ein Wachstum von 2,0%, 2006 ein Wachstum von 2,2% erzielt (2005: 1,9%, 2008: voraussichtlich 1,7%, 2009: voraussichtlich 1,5%). Neue Exportmärkte in Asien und Südamerika, aber auch Großinvestitionen der Elektronik- und Automobilindustrie in Japan haben dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die Exporte brechen 2008 um 50% ein, im 1. Quartal 2009 noch mal um 28% zum Vorquartal.. Auch andere Frühindikatoren sind  Ende 2008 und Anfang 2009 rückläufig. Es fehlt auch an Produktivität und Innovation. Insbesondere die weltweite Nachfrage nach japanischen Autos und Elektronikprodukten geht zurück. Auch die Binnennachfrage bricht ein. Ende 2009 und 2010 drosselt Toyota weltweit die Produktion, weil 8,5 Mio. Fahrzeuge zurückgerufen werden müssen. Damit kriselt ein Symbol Japans. Die Regierung legt im Herbst 08 ein Konjunkturprogramm in Höhe von 70 Mrd. € auf (weitgehend Kredit finanziert). Ein Investitionsprogramm in Höhe von 380 Mrd. € folgt. Erst im zweiten Quartal 2009 gibt es mit 0,9% ein Plus beim BIP-Zuwachs nach fünf Minusquartalen. Dabei profitiert Japan stark vom Wachstum Chinas. Die Preise am Immobilienmarkt steigen wieder. Ist Japan auf dem Weg in eine Stagflation? Zusätzliche Bargeldgeschenke (bis 500 € pro Haushalt sollen den Konsum anregen. die Rückzahlung von Hypotheken soll bezuschusst werden. Der Nikkei - Index der Japan-Aktien hat im Jahre 2008 -42% verloren, soviel wie nie zuvor.. Zu einem Dreijahrestief kommt es nach der Pleite von Lehman Brothers. Die japanische Konjunktur ist volatil wegen der großen Abhängigkeit von den USA. Von hier könnte weiter nachlassendes Wachstum kommen. Denn der Export ist neben dem Binnen-Konsum der Hauptwachstumsfaktor. Wegen der höheren Zinsen in den USA ist der Yen schon länger unter Druck. Am 17.08.07 kommt es zu einem Aktien-Crash von 5%, stärker ist der Rückgang dann am 21. 01. 08 (-5,6%, unter 13.000), am 06.10.08 (-4%, tiefster Stand seit 5 Jahren) und am 08.10 (-9%, 20Jahrestief).  Der Yen ist immer noch  unterbewertet, doch die BoJ interveniert nicht. Die japanische Industrie kann mit diesem Wettbewerbsvorteil günstiger exportieren (vor allem die Automobilindustrie hat profitiert, im Januar Export +18,2% gegenüber dem Vorjahr), es gibt auch keine Inflationsgefahr. Die Deflation, die eine Reaktion auf frühere Übersteigerungen, insbesondere bei Aktien und Grundstückspreisen, war, scheint überwunden (zuletzt sogar Preissteigerung von 0,6%). Japans Anleger leihen sich billiges Geld in Japan und legen es in Hochzinsländern an (Carry Trade).  Mitte November 2006 hat Japan ein Exportverbot für Luxusgüter nach Nordkorea erlassen. Am 21.02.2007 erhöhte die BoJ den Leitzins auf 0,5%. Im Oktober 08 wird er wieder auf 0,3% gesenkt, im Dezember auf 0,1%.  Dann auf 0,25%. Nach zweieinhalb Jahren wegen Corona sind ab Oktober 2022 wieder Individualreisen nach Japan ohne Visum möglich.

In Japan bildet sich das Parlament aus den zwei Häusern "Shügiin" mit 475 Mitgliedern und "Sangiin" mit 242 Mitgliedern.

Gesellschaft, Politik und Reformen: Über 10 Jahre andauernde Rezession und der Druck durch die Globalisierung haben in der Wirtschaft, den Unternehmen und der Gesellschaft zu großen Struktur - Veränderungen geführt (z. B. Abbau des auf der Firma beruhenden sozialen Sicherungsnetzes). Es ist auch ein Wachsen des Nationalismus zu beobachten. Die Bestimmungen für die Einreise sollen verschärft werden. Mitte September 2006 legte Koizumi sein Amt nieder, Nachfolger war Shinzo Abe (wollte die Beziehungen zu China verbessern und "Flamme der Reformen soll weiter brennen"). Auf internationaler Bühne wird seither selbstbewusster agiert, auch gegenüber den USA. Die japanische Regierung unter Abe wurde auch nationalistischer und rückt nach rechts. Die Regierung wurde durch verschiedene Skandale erschüttert. Abe trat daher im September 2007 zurück, auch als Vorsitzender der LDP. Nachfolger wurde Yasuo Fukuda in beiden Funktionen . Leistungs- und Anpassungsdruck führen zu einer Selbstmordwelle unter Japans Schülern. Das japanische Landwirtschaftsministerium schickt Sushi Inspektoren in die Welt, um die Zubereitungsregeln zu kontrollieren. Erstmals seit sechs Jahren reiste im April 2007 wieder ein chinesischer Ministerpräsident (Wen Jiabao) nach Japan. Vertreter der Energiewirtschaft beider Länder unterzeichneten Kooperationsabkommen. Die Zwischenfälle häufen sich vor den Südkurilen, die zwischen Japan und Russland umstritten sind. Der Zwist verhindert bessere  bilaterale Handelsbeziehungen der beiden Länder. Bis 2020 will Japan eine komplett neue Netzinfrastruktur für das Internet schaffen (Kommunikationsminister Yoshihide Suga). Bundeskanzlerin Merkel besucht Ende August 2007 mit einer 30köpfigen Wirtschaftsdelegation Japan. Vorher hat sie China besucht. Es geht vor allem um Klimapolitik und die Übergabe der G8 Führung an Japan. Japan unterstützt den US-Einsatz in Afghanistan nicht mehr. Ein Rüstungsskandal erschüttert Ende 2007 Japans Regierung: Verteidigungsbeamte erhielten Bestechungsgeld für die Vergabe von Beschaffungsaufträgen. Der Besuch von Regierungschef Fukuda in China Ende 2007 knüpft die Kontakte enger und verbessert weiter die Beziehungen beider Länder. Im Sommer 2008 ersetzt Fukuda 13 von 17 Ministern seiner Regierung. Im September 08 tritt Y. Fukuda frustriert zurück. Taro Aso wird sein Nachfolger ("Club der alten Männer"). Bei der Parlamentswahl im August 2009 kommt es  zu einer Niederlage der LDP, die seit 1955 regiert. Die DPJ gewinnt und Hatoyama wird Ministerpräsident. Er will die Kaufkraft fördern und Japan weniger abhängig von Exporten machen. 2010 gerät Hatoyama in Schwierigkeiten wegen Millionenspenden seiner Mutter für den Wahlkampf am Fiskus vorbei (Die Mutter ist Erbin des Gründers von Bridgestone). Außerdem hält er das Wahlkampfversprechen zur Schließung eines US-Stützpunktes nicht ein. Im Juni 2010 tritt er zurück. Finanzminister Naoto Kan wird neuer Premierminister. Er will die Steuern erhöhen und den Haushalt sanieren. Seine Partei verliert die Senatswahl. 2010 besucht erstmals kein Regierungsmitglied den Yasukuni - Schrein. 2010 gestattet die Regierung erstmals einen Blick in Todeszellen und Hinrichtungsräume. 86% aller Japaner sind für die Todesstrafe. Die demokratische Partei Japans (DPJ) steht vor der Spaltung. Regierungschef Naoto Kan und die graue Eminenz Ichiro Ozawa kämpfen um die Parteiführung und den Premier. Kan gewinnt die Kampfabstimmung klar. Im Juni 2011 übersteht er ein Misstrauensvotum. Ende August tritt Kan als Vorsitzender der DPJ und als Ministerpräsident zurück (Krisenmanagement nach dem Erdbeben). Sein Nachfolger in beiden Funktionen wird der bisherige Finanzminister Yoshihido Noda. Er warnt vor einem Haushaltsnotstand. Im November 2012 löst Noda das japanische Unterhaus auf. Es gibt vorgezogene Neuwahlen im Dezember. Diese Wahl gewinnt Shinzo Abe (LDP). Im Juli 2013 bekommt Abe auch die Mehrheit im Oberhaus. Die "Abenomics" zeigt Wirkung: der Nikkei-Index legt zu und die Konsumausgaben steigen. Vor allem steigt die Stimmung in Japan. Die Regierung in Japan unter Abe will bis Ende 2013 die Freihandelszone "Trans Pacific Partnership" (alle Pazifikanrainerstaaten) eingehen. Ende 2013 besucht Abe erstmals seit 2006 als Ministerpräsident wieder den Yasukuni-Schrein. Weil hier auch verurteilte Kriegsverbrecher des 2. Weltkriegs geehrt werden, protestieren China und Korea (in diesem Krieg tötete die japanische Armee 20 Mio. Menschen). Im Januar 2014 werden 200 Delfine in die Bucht von Taiji getrieben. Die meisten werden getötet (obwohl das Fleisch kaum noch in Japan gegessen wird). Einige kommen in Delfin - Aufzucht - Stationen. Jährlich kommen in der Bucht vor dem Fischerort ca. 200.000 Delfine und Kleinwale ums Leben (Film "Die Bucht"). Ende April 2014 besucht der amerikanische Präsident Obama Japan. 2014 beschließt Japan, dass künftig Verbündete militärisch unterstützt werden können (kollektive Selbstverteidigung; Pazifismusgebot wird damit aufgehoben). Durch den Konflikt mit China im Chinesischen Meer rücken Japan und Australien enger zusammen. 2014 richtet der Taifun "Neoguri" große Schäden in der südwestlichen Region Okinawa an. In der Nähe des havarierten Atomkraftwerks Fukushima kommt es zu einem Erdbeben. Es wird Tsunami-Warnung erlassen. Im August 2014 fliehen 100.000 Menschen vor dem Taifun "Halong" im Süden Japans. Beim Ausbruch des Vulkans Ontake (zweithöchster Berg Japans) Ende September 2014 sind über 30 Menschen umgekommen und über 40 schwer verletzt worden. Im Oktober 2014 treten zwei Ministerinnen zurück wegen Spenden- und Amtsmissbrauch. Am 18.11.14 tritt Premier Abe zurück und flüchtet sich in Neuwahlen. Er ist wegen der Rezession unter Druck. Im Wahlkampf artikulieren Japans Frauen lautstark ihre Interessen. Sie machen mobil gegen die gesamte Clique der "Ossan", der alten Männer (Akie Abe, die Frau des Premiers: "Ich bin die Oppositionspartei in der Familie"). Shinzo Abe wird am 14.12.2014 bei den vorgezogenen Neuwahlen mit Zweidrittelmehrheit wieder gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 52%. Am 09.03. 15 besucht Bundeskanzlerin Merkel Japan. Es geht um ein Freihandelsabkommen. Beide Länder wollen vorerst an den G7 festhalten und damit Russland nicht dabei haben. Der Kulturaustausch mit Europa lahmt (Japan schottet sich eher gegen Einwanderer ab). Ein starkes Erdbeben der Stärke 8,5 hat am 30.05.15 die Region um Tokio erschüttert. Im Juli 2015 weicht das japanische Parlament die pazifistische Verfassung auf: Neue Sicherheitsgesetze, auch für Einsätze im Ausland. Anfang Oktober 2015 bildet Premierminister Abe das Kabinett um: 10 neue Minister. Japan leidet an dem verlangsamten Wachstum gegenüber China. 29 Tote gibt es bei einem Erdbeben (zwei Beben innerhalb von 24 Stunden) im April 2016 im Südwesten Japans (Insel Kyushu). Am 27. mai 2016 sucht der US-Präsident Hiroshima (als erster Präsident). Chinesische Kriegsschiffe halten sich 2016 immer wieder nahe der Senkaku-Inseln auf. Japan wirft China Provokation auf hoher See vor. Bei der Parlamentswahl im Juli 2016 fährt Abe einen hohen Sieg ein: Die Koalition aus LDP und Komeito erreicht fast die Zweidrittelmehrheit (erstmals nach 27 Jahren winkt der LDP die alleinige Mehrheit, 59 von 121 Sitzen, im Unterhaus hat sie bereits eine Zweidrittelmehrheit). Somit kann die Änderung der pazifistischen Verfassung angegangen werden (von der amerikanischen Siegermacht nach dem 2. Weltkrieg aufgedrängt). Viele Experten fürchten, dass Abe jetzt seine Strukturreformen, Teil der Abenomics, vernachlässigt. Mitte 2016 kommen Spekulationen auf, dass Kaiser Akihito bald abdanken könnte. Im Juli 2016 wird Yuriko Koike, frühere Verteidigungsministerin Japans, zum Gouverneur der Hauptstadt Tokio gewählt. Ein schweres Seebeben erschüttert im November 2016 die Region um Fukushima. Zusammen mit Obama will der japanische Regierungschef Abe noch Pearl Harbour besuchen. Ein Russland-Japan-Gipfel (mit Abe, Putin) im Dezember 2016 in Tokyo und Nagato bringt keinen Durchbruch im Inselstreit. es werden eine Reihe von Wirtschaftsabkommen geschlossen. Die japanische Verteidigungsministerin Tomomi Inada besucht Ende 2016 den Yasukuni Schrein. Im März 2017 besucht eine Delegation aus Saudi-Arabien (1000 Personen; schwierig in Tokyo unterzubringen) Japan. Es geht für das Land um Technologie-Transfer, für Japan auch um Öl. 2017 kommt ein Gesetz in Japan, dass dem Kaiser die Abdankung erlaubt. Damit kann Akihito die Krone an seinen Sohn Naruhito weiterreichen. Sollte Tochter Prinzessin Mako einen Bürgerlichen heiraten, muss sie vom Gesetz aus, den Hof verlassen. Das wäre das Ende des Kaisertums in Japan. Japans Kaiserenkelin Mako verlobt sich im September 2017 mit einem Bürgerlichen. Premier Abe nutzt die Gunst der Stunde (Raketen Nordkoreas, gute Wirtschaftslage), um Neuwahlen für den 22. Oktober 2017 auszurufen. Just zu dem Zeitpunkt rast Taifun Lan auf das Land zu und könnte die Wahlbeteiligung weiter drücken. Die konservative Koalition von Abe kommt auf 311 von 465 Sitzen, er gewinnt also haushoch. Im November 2017 besucht Trump Asien, zuerst Japan (dann Südkorea, China, Vietnam und die Philippinen). Die Reise ist wegen der Unberechenbarkeit von Trump heikel. In Japan stehen zwei Punkte im Mittelpunkt: Nordkorea und das Handelsdefizit der USA mit Japan (-68 Mrd. $). Eine funktionierende Achse ist für beide Länder wichtig. Die Regierung in Tokio legt im Dezember 2017 den Abdankungstermin von Tenno Akihito auf den 30. April 2019 fest. 2017 werden immer wieder "Geisterboote" (nicht hochseetauglich, teilweise mit Leichen) an der Küste Japans angeschwemmt. Die Erklärung dafür reicht von Flüchtlinge aus Nordkorea bis gestrandete Agenten. Ende 2017 wird entschieden, dass die Todesstrafe beibehalten wird. Der Todestrakt der Gefängnisse wird nicht kontrolliert. Die Verurteilten berichten von Folter und Böswilligkeiten. Im März 2018 erschüttert ein Skandal um Vetternwirtschaft im Zusammenhang mit einem ultranationalistischen Schulbetreiber das Land. Es gibt auch Hinweise auf eine Verwicklung von Premier Abe und seine Frau. Im Mai 2018 besucht der chinesische Ministerpräsident  Le Keqiang Japan. Man vereinbart Verhandlungen über die umstrittenen Inselgruppen und eine Ausweitung des Handels zwischen beiden Ländern (weitere Punkte: Hotline zwischen beiden Ländern zur Vermeidung militärischer Konflikte, Abe nach China eingeladen, Xi will Japan besuchen). Es ist der erste Besuch eines chinesischen Ministerpräsidenten seit sieben Jahren. Am 17.06.18 gibt es ein Erdbeben in der Nähe von Osaka. 3 Menschen werden getötet, über 200 müssen fliehen. Im Juli 2018 gibt es Unwetter und Erdbeben in der Nähe von der Region Hiroshima, Nagasaki, Kyoto. Es gibt viele Tote und Verletzte. Am 04.09.18 gibt es einen schweren Taifun an der Küste der Hauptinsel. "Jebi" ist der schwerste Taifun seit 25 Jahren. Er führt zu sechs Toten und einem Verkehrschaos an der Küste. Der internationale Flughafen von Osaka muss lange gesperrt werden. Gleich danach erschüttert ein schweres Erdbeben der Stärke 7 die Insel Hokaido (Nordjapan). Mindestens 23 Personen kommen ums Leben. Ende Oktober 2018 kündigt Japans Regierungschef Abe an, dass er mehr Kooperation mit China will. Er spricht von "einem historischen Wendepunkt" auf dem ersten Gipfel beider Staaten. Möglichkeiten der Zusammenarbeit sieht er bei der Infrastruktur, der Logistik, bei Gesundheit und Finanzdienstleistungen. Einige Wirtschaftsabkommen wurden unterzeichnet. Auch beim Thema "Nordkorea" will man zusammenarbeiten. Anfang November 2018 besucht Wirtschaftsminister Peter Altmaier Tokio vor dem Asien-Pazifik-Gipfel. Er trifft seinen Amtskollegen Hiroshige Seko. Auch ein Treffen mit Abe ist geplant. Ab 2019 verlässt Japan die Internationale Walfangkommission (IWC). Am 04. und 05. Februar 2019 besucht Bundeskanzlerin Merkel Japan. Es geht um die Themen Internationale Ordnung, Krisenmanagement, Welthandel und Wirtschaftsbeziehungen. Im Oktober 2019 trifft ein Super-Taifun auf Japan und Tokio. Hagibis richtet große Schäden an. Im November 2019 (23./24.) besucht Papst Franziskus Japan. Er gedenkt auch der Opfer der Atombombenabwürfe. Bei schweren Unwettern (schwerer Regen, Überschwemmungen) im Südwesten Japans (am stärksten betroffen die Provinzen Kumamoto, Kagoshima) kommen 35 Menschen ums Leben. An 75. Jahrestag der Kapitulation Japans im 2. Weltkrieg äußert Kaiser Naruhito sein "tiefstes Bedauern" über die kriegerische Vergangenheit. Vier japanische Minister besuchen allerdings wieder den Yasukuni-Schrein. Premierminister Abe ist schwerer erkrankt. Er hat einen längeren Klinikaufenthalt. Er hat Darmprobleme. Japans Kaiserfamilie verzichtet wegen Corona auf den Sommerurlaub außerhalb Tokios (Präfekturen Shizuoka, Tochigi). Am 28.8.20 tritt Abe zurück (chronische Darmentzündung, ganz schlechte Umfragewerte: zuletzt nur 37% Zustimmung). Er regierte am längsten in Japan. Sein Nachfolger als Vorsitzender der LDP wird der Stellvertreter Yoshihide Suga. Damit wird er auch nächster Ministerpräsident. Suga ist 71 Jahre alt und ein Vertrauter von Abe (er stammt allerdings nicht aus einer Politiker-Dynastie, sondern aus ärmlichen Verhältnissen). Er will die schwer angeschlagene Wirtschaft ankurbeln. In Asien belebt Biden alte Allianzen neu, Als erstes ausländisches Staatsoberhaupt besucht der japanische Premierminister Suga das Land Es geht vor allem um die aggressive Politik von China im südchinesischen und ostchinesischen Meer.  Die Sicherheitsgarantie wird erneuert (notfalls Atomwaffen). Bald wird auch der Ministerpräsident Südkoreas in den USA erwartet. Im September 2021 gibt Premier Suga auf. Die Kritik an seiner Corona-Politik war zu stark. Er kandidiert nicht mehr für den Parteivorsitz (LDP). Gleich vier Kandidaten stellen sich zur Wahl, was eine Vielfalt der LDP anzeigt: Taro Kono, Fumio Kishida, Sanae Takaichi, Seiko Noda. Erstmals sind zwei Frauen dabei, die aber eher Außenseiterinnen sind. Die größen Chancen hat Kono, Minister für administrative Reform und "Impfzar". Er will Japan stärker öffnen. Prinzessin Maku will bald ihren Freund Kei Komuro heiraten. Nicht alle Japaner freuen sich. Die shintoistischen Rituale sind abgesagt. Sie will ihrem Angetrauten nach New York folgen. Jetzt hängt alles an ihrer jüngeren Schwester, die im Kaiserhaus bleiben soll. Überraschend wird Ex-Außenminister Fumio Kishida Vorsitzender der Regierungspartei LDP. Damit wird er auch Japans nächster Premier. Technokraten haben sich einem politischen Kurswechsel widersetzt. Tatsächlich wird Kishida am 4. Oktober 21 zum Regierungschef gewählt. Er ist 64 Jahre alt. Viele Minister bleiben im Amt, zwölf neue Gesichter, es gibt drei Besetzungen mit Frauen. Darunter ist auch Seiko Noda, die sich um den Geburtenmangel kümmern soll. Sie wollte selbst Premierminister werden. Im November 2021 legt die deutsche Fregatte "Bayern" im Hafen von Tokio an. Damit hat erstmals seit 20 Jahren wieder ein deutsches Marineschiff in Japan angelegt. Es geht um die Überwachung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea und um Gebietskonflikte zwischen China und den Anrainerstaaten. Bei einem Hochhausbrand in Osaka am 16.12. 21 kommen über 20 Menschen um (im 4. Stock von acht, Brandstiftung). Im April 22 sinkt ein Ausflugsboot vor der Küste Nord-Japans. 26 Menschen kommen dabei um. Am 29.4.22 reist Bundeskanzler Scholz nach Japan. Es ist sein erster Besuch als Kanzler in einem asiatischen Land. Man wertet das hier auch als klare Botschaft an China (Revidierung von Merkels Fokussierung auf China). Auch Premier Fumio Kishida setzt auf starke Partner. Bei einem Besuch von Biden am 22.5.22 in Japan sagt er Taiwan Hilfe zu bei einem Angriff von China auf die Insel. Das Verteidigungsbündnis Quad ist auch gegen die Expansionspolitik Chinas in Asien gerichtet (USA, Japan, Südkorea, Australien). Am 7.7.22 wird bei einer Parteiveranstaltung ein Anschlag auf den Ex-Premierminister Abe verübt. Zwei Schüsse aus einer Schrotflinte verletzten ihn schwer. Abe setzte sich für eine Aufhebung des "Kriegsverbots" ein und wollte eventuell wieder Premier werden (Stärkung von Patriotismus und Rolle des Militärs). Er stirbt nach einigen Stunden im Krankenhaus in Nara.  Der Täter, ein ehemaliger Soldat,  wurde überwältigt und verhaftet. Die Nachricht löst Schockwellen aus, denn Japan gilt als eines der sichersten Länder (mit schärfstem Waffenrecht). Am 10.7.22 besucht Außenministerin Baerbock das Land. In Nagasaki besucht sie das Atommuseum. Sie spricht mit dem letzten Überlebenden der Atomkatastrophe. Sie mahnt eine Welt ohne Atomwaffen an. In Nagasaki wurden etwa 70.000 Menschen durch die direkte Wirkung der US-Atombombe getötet. Bei den Wahlen zum Oberhaus erreicht die LDP eine Mehrheit. Am 27.9.22 wird Shinzo Abe in einem Staatsbegräbnis beigesetzt. Die Witwe Akie Abe trägt die Asche. Am 01.11. 22 besucht Bundespräsident Steinmeier  Japan. Er lobt das Land als Wertepartner. Kishida warnt Russland dabei vor dem Einsatz von Atomwaffen.  Seit 1999 gibt es in Japan den Nationalen Teishu-Kampaku-Verein (Vereinigung der chauvinistischen Ehemänner), die Schmeicheleien für ihre Ehefrauen üben.

Die Armen und Obdachlosen führen in Japan ein Schattendasein. Weil es offiziell keine Armut gibt und das Leben ohne Bleibe eine Schande ist, machen sich die Wohnungslosen unsichtbar (die meisten Mitbürger haben nur Verachtung übrig). Das gilt tagsüber, wenn sie ihre Lager abbauen und sich versuchen, normal einzugliedern. Nachts sieht man sie in Parks oder unter Brücken oder auch neben Bahnhöfen. Wer aus dem Raster der sozialen Homogenität fällt, gilt als Verlierer (mit wenig Menschenwürde). In Tokio leben 2014 ca. 6000 Obdachlose. Mit dem Kaiserwechsel 2019 endet die seit 1989 dauernde Regentschaft unter dem Namen Heisei (Frieden überall). Obwohl 1873 formal der gregorianische Kalender eingeführt wurde, rechnen die meisten Japaner und die Behörden in Kaiserepochen. 2018 befindet sich Japan im Jahr 30 der Heisei-Ära.

Technologie/Innovationen: Mitsubishi und Toyota entwickeln gemeinsam einen Regionaljet (70 bis 90 Sitze). Honda will einen Businessjet mit sechs Sitzen bauen. Viele Japaner geben mittlerweile dem Grabstein von Angehörigen einen digitalen Speicher mit persönlichen Daten des Verstorbenen bei (Familie, Vorlieben, Verdienste). Japan ist das Partnerland auf der Hannover Messe (weltgrößte Industrieschau) 2008. Die japanische Weltraumagentur Jaxa schickt Samen heimischer Kirschbäume für Experimente ins Weltall. Die Japaner bringen 2008 mit "Kibo" das größte Weltraumlabor zur ISS. Wenn eine Rakete Nordkoreas über Japan fliegt, soll diese abgeschossen werden. 2010 kommen die ersten Brennstoffzellen für den Hausgebrauch (erstes Land der Welt). Die katastrophale Pannenserie und Rückrufaktion des einstigen Elite-Konzerns Toyota stürzt die Industrienation Japan in eine Krise. Im Juni 2008 erschüttert ein schweres Erdbeben Nordjapan und richtet große Schäden in der Präfektur Iwate an (Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz seit 1999). Iwate lebt vor allem von der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei. Dadurch ist die Präfektur sehr stark betroffen. Am 11.03.11 trifft ein schweres Erdbeben mit Tsunami Japan (Jahrhunderterdbeben, Stärke 9). Es gibt sehr viele Todesopfer (30.000). Vier Atomkraftwerke sind schwer zerstört. Fukushima  ist mit vier Blöcken am schlimmsten betroffen. Es tritt radioaktives Cäsium, Jod, Plutonium und Strontium aus. Einige Atommeiler sind außer Kontrolle. Die Lage spitzt sich immer mehr zu (Erweiterung der Evakuierungszone, Verseuchung des Meeres, Schäden am Druckbehälter). In Reaktor 2 hat wohl eine Kernschmelze eingesetzt. Der Betreiber Tepco gibt keine genauen Informationen, ebenso sind die Regierungsangaben intransparent. Die Regierung gibt das Gebiet um Fukushima auf (20km Sperrgürtel); es läuft radioaktives Wasser aus (Leck kann geschlossen werden). Die Folgen für die Wirtschaft sind unabsehbar (Werksstilllegungen, Stromausfälle, Verseuchungen, Wanderung, Warenengpässe, kaputte Infrastruktur, Benzinknappheit, Folgeschäden bei der Gesundheit). Insbesondere die japanische Automobilindustrie wird um Jahre zurückgeworfen. Ca. 500 Zuliefererbetriebe im Nordosten sind betroffen. Am härtesten wird Toyota in Mitleidenschaft gezogen (Drosselung der Produktion in Japan, Nordamerika und China). Auch deutsche Firmen müssen die Produktion in Japan vorübergehend runterfahren (BASF, Schott, Böhringer). Immer mehr Unternehmen verlagern ihren Sitz nach Osaka. Die Rückversicherungen schätzen den Schaden auf 220 Mrd. Euro (teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten). Ein Nachbeben im April 2011 beschädigt weitere Atomkraftwerke (Onagawa). Tepco muss auf Anordnung der Regierung Entschädigungen zahlen. Es legt auch einen Zeitplan vor, der aber unrealistisch erscheint. Tepco beantragt Staatshilfen. Die japanische Regierung gibt den Plan zum Ausbau der Atomenergie auf. Es soll ein Rettungsfonds für Autozulieferer eingerichtet werden. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA wird 100 Tage nach der Katastrophe Japan Versäumnisse vor. Die japanische Regierung beziffert Mitte 2011 die direkten Kosten der Schäden auf 147 Mrd. €. Hinzu kommen mögliche Kosten durch das havarierte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi. Mitte 2011 tritt der Minister für Wiederaufbau Matsumoto zurück. Bis 09.2011 wurden 54,8 Mrd. € für den Wiederaufbau bereitgestellt. Ein weiteres Konjunkturpaket ist geplant. Ab 2011 entsteht von Osaka nach Tokio über Nagoya eine 438 km lange Magnetschwebebahn (Maglev), die 500 km/h schnell ist. Als Reaktion auf den Führungswechsel in Nordkorea kauft Japan Kampfjets in den USA. Im März 2014 beschließt der Internationale Gerichtshof in Den Haag, dass Japan den Walfang in der Antarktis aufgeben muss (kommerzieller Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft). Ab 2014 bündelt Japan seine Kräfte, um die Brennstoffzelle für Autos zu beschleunigen (Toyota, Honda u. a. ). 2015 bekommt Japan den Zuschlag für eines der größten Eisenbahnprojekte der Welt: Der Schnellzug Shinkansen soll Mumbai und Ahmedabad in Indien verbinden. Japanische Forscher haben ein Bakterium entdeckt, dass sich vom Kunststoff PET ernährt. Vielleicht kann man damit die Mülllawinen in den Weltmeeren und an Land endlich in den Griff bekommen. Den Medizinnobelpreis 2016 erhält der Japaner Yoshinori Ohshumi für seine Verdienst um die Erforschung der Autophagie (Selbstverdauung der Zellen, Recycling der Zellen).  Japan ist im März 2017 das Partnerland der Cebit in Hannover. Das Land hat einen technischen Vorsprung bei der Digitalisierung der Wirtschaft. Beide Länder vereinbaren eine Zusammenarbeit bei der Digitalisierung. Der japanische Professor Tasuko Honjo von der Uni Kyoto bekommt den Medizinnobelpreis 2018 für die Erforschung der "vierten Säule der Krebstherapie" (Anregung der Körperabwehr gegen Tumore; mit dem US-Amerikaner James P. Allison). Erstmals seit 1945 beschafft Japan einen Flugzeugträger im Dezember 2018. Es wird mit der "potentiellen Drohung" durch China und Nordkorea begründet. Der japanische Wissenschaftler Nakaushi will Schweine mit menschlichen Bauchspeicheldrüsen erschaffen. Langfristig sollen Tiere Ersatzteillager für menschliche Organe werden. Dazu hat die Regierung ein Gesetz geändert. Japan plant auch eine Mission zur Erkundung des Mondes. Privatunternehmen wollen dabei Tankstellen und Mobilfunkmasten auf dem Trabanten installieren. Der Fächer stammt ursprünglich aus Japan und kam im 15. Jahrhundert nach Europa. Spanien wurde zum wichtigsten Herstellungsland, als sich der französische Kunsthandwerker Eugenio Prost im 18. Jahrhundert dort niederließ.

Sonstige Länder und Vereinigungen in Asien (China hat 14 souveräne angrenzende Staaten, mehr als jedes andere Land; die Landesgrenze ist mit 22.000 Kilometern die längste der Welt; viele der folgenden Länder sind auch unter diesem Gesichtspunkt zu sehen):

 

Indien

"Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg", Mahatma Gandhi.

Inhalt: Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Arbeitsmigration nach Deutschland, Geldpolitik, Wirtschaftspolitik, Staatsverschuldung, Amartya Sen, Raghuran Rajan, Kampf mit China, Indien und USA, Indien und Deutschland/ EU, Handelsgeschichte, Wirtschaftsentwicklung der Zukunft, Indien als Eier legende Wollmilchsau Wirtschaftsreformen, Ausbau der Infrastruktur ab 2022 Verhältnis zu wichtigen Ländern, China, USA, Russland, Deutschland/ EU, Parag Khanna Auslandsinvestitionen und Außenhandel, Produktionsverlagerungen nach Indien,  Handelsverträge Indien,  Bevölkerung und Politik, Bevölkerung 2050/ Prognose,  Politische Teilung und Parlament Politische Parteien und politische Organisationen, Militär und RüstungBarygaza, Geschichte, UnabhängigkeitGesellschaft und Kultur, Mathematik, Philosophie in Indien Diskriminierung der Frau. Eheschließungen, Sprachen in Indien, Urbane Großräume, Gesundheitsreform 2018 und Gesundheitspolitik, Medizin und Gesundheit,  Industriepolitik, insbesondere für die Pharmaindustrie, Khasi, KastensystemVerteilung, GrundeinkommenReligionen, Kumbh Mela, Mutter-Teresa-Organisation,  Siddharta, Mata Vaishno Devi, Muslime in Indien und den Nachfolgeländern, Verteilungskampf und Hindu-Fanatismus,Terrorismus, Bhagavad Gita (Yoga, Tri-Guna-Modell, Moderne Psychologie, Guru Sri ChinmoyMedizin, Umwelt (Energie, Landwirtschaft, Agrarreform 2020, Wasser, Wasserkriege?, größte Flussdelta der Welt, Naturkatastrophen, Disha Ravi, Energiepartnerschaften, Korrupte Bausünden),  Punjab, Elefanten, Unternehmen, Start-ups in IndienDeutsche Unternehmen in Indien, Statistik der deutschen Unternehmen in Indien, Deutsche Bank in Indien, Börsen, Lieferketten, Unternehmenssteuern, Soziale Medien und IT, informeller Sektor, Kinderarbeit, Darjeeling, Standort für DI, G20-Treffen 2023 Zollvergünstigungen; TTC mit der EU, AAGC, Quad; Nachbarländer bzw. historische Nachfolgestaaten (Tibet in Indien, Kaschmir, Pakistan, (Natur und Grenzen, Pakistan und Seidenstraße, Pakistan und Taliban, Pakistan und Islam, Naturktastrophen, Bangladesch, Sri Lanka). Institutionen in Indien. Zukunft im 21. Jahrhundert.

"It will be curious to see something of the India that is changing", E. M. Forster (The Hill of Devi, Harcourt Brace 1953, Forster schrieb 1921, vor 100 Jahren).

Wirtschaft (Indien ist zum größten Back-Office der Welt aufgestiegen und dominiert als wichtigster Offshoring-Standort den weltweiten Handel mit IT -Dienstleistungen, Ihlau: Weltmacht Indien, S. 24, vgl. auch WIPRO und andere große indische Firmen bei Links)  2020 liegt das BIP bei 2,71 Bio. US$. Das Wachstum des BIP beträgt -8% (Covid). Indien hatte 2010 eine Inflation von 10,4%, 2009 5,5%). 2015 wächst Indiens Wirtschaft um 7,6%. 2018 wächst das BIP um 6,6%. Die Zahlen werden von Experten angezweifelt (Umstellung auf neue Berechnungsmethode; wahrscheinlich nur 5%). BIP 2018 2600 Mrd. $. BIP 2014 2048 Mrd. US$. 2010 liegt das BIP bei 1265 Mrd. $ (Rang 11 weltweit); die Bevölkerung liegt bei 1,34 Mrd. 2018 (1,23 Mrd. 2008); bis 2050 soll sich der Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung von heute 2% auf 17% erhöhen, bis 2025 soll es die fünftgrößte Wirtschaftsmacht werden). Heute 2020 ist es drittgrößte Wirtschaftsmacht in Asien und die sechstgrößte der Welt. BIP pro Kopf: 728 € (2007, 2010 1176 Dollar Prognose). Seit mehr als 25 Jahren wächst die Wirtschaftsleistung jedes Jahr um über 5%. CO2-Ausstoß pro Kopf 1,18 t pro Jahr-2007, insgesamt 1324 Mio. t). Der Bedarf an Infrastrukturinvestitionen beträgt 2007 350 Mrd. $.  Das Land bleibt von der Weltwirtschaftskrise weitgehend verschont.2012 lahmt die Wirtschaft; es wird mit einer längeren Schwächephase gerechnet. Es häufen sich Mega-Blackouts, Reformstau und Korruption.2015 soll die indische Wirtschaft um 7,6% gewachsen sein. Damit ist Indien Weltmeister. Ökonomen zweifeln diese Zahl massiv an (zu viele Indikatoren sprechen dagegen). Ende 2016 stottert auch Indiens Wachstumsmotor. Die IT-Branche schwächelt. Trump und der Brexit bremsen. Die industrielle Produktion entwickelt sich weiter nur schwach. Trotzdem hat sie 2015 wohl die höchste Wachstumsrate in der Welt (7,6%, vor China mit 7,0% und Indonesien mit 5,5%). Im September 2019 scheitert eine geplante Mondlandung.    Mumbai ist die Finanzmetropole Indiens (auch Börse). Früher hieß die Stadt Bombay. Sie wurde von der rechts-nationalen Partei Shiv Sena umbenannt. Bangalore ist die IT-Metropole Indiens und der Welt. "Indiens Arbeiter sind in der Theorie gut, aber schlecht in der Praxis", B. Braun-Geschäftsführer Apte, 2015. Indiens Premierminister Nahendra Modi will in die Rolle von Mahatma Gandhi schlüpfen. Deshalb versucht Modi, die Erinnerung an Gandhi zu verdrängen (auf Kalendern in Gandhi-Pose, soll Gandhi auf Geldscheinen ersetzen). Gandhi hatte einst den Mittelstand gegen die englische Kolonialmacht hinter sich: Es waren die dörflichen Khadi - Industrien, mit denen handwerkliche Produkte hergestellt wurden.

Arbeitsmarkt:  Die Löhne steigen 2011 um 13%.  Die Arbeitslosenrate lag 2013 bei 9%.  Indien hat eine hohe Zahl von Wanderarbeitern und Taglöhnern auf dem Arbeitsmarkt (die Statistik liefert keine genauen Zahlen).

Arbeitsmigration nach Deutschland: Deutschland muss für Zuwanderer aus Indien attraktiver werden. Es gibt zu viele Probleme mit der Anerkennung indischer Abschlüsse. Auch für die Ehepartner ist es schwierig, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Die bürokratischen  Hürden für eine Arbeit in Deutschland sind hoch. Der wachsende Fachkräftemangel in Deutschland ist eine Chance. Es sollen pro Jahr 400.000 Fachkräfte fehlen (ab 2022). Die deutsch-indischen Regierungskonsultationen sollen sich 2022 mit dem Thema beschäftigen. Der größte indische Industrieverband in Deutschland ist CII. Er vertritt 300.000 indische Firmen. Sprecherin ist 2022 Lakshmi Lalita Mohan.

Geldpolitik: Die Inflationsrate beträgt 2007 6,7% und 2008 8,3%. Die Notenbank erhöht 2010 den Leitzins auf 5,0%. 2012 ist die Rupie stark gefallen. Die Rupie, die indische Währung, wertete relativ stark gegenüber dem Dollar in der Vergangenheit auf, was die Exporte verteuert; auch die Löhne steigen relativ stark. 22,9% hat die Rupie 2008 an Wert eingebüßt, 2010 bis 2012 verlor die Rupie ein Fünftel ihres Wertes.Indien macht im November 2016 eine Blitz-Bargeldreform.  Alle großen Geldscheine werden für ungültig erklärt. Der Umtausch muss bis Ende 2016 erfolgen. Die Banken sind überfordert. Indien gleitet ins Chaos. Die Bargeldreform dient dem Kampf gegen Korruption und Schattenwirtschaft. Sie ist ein riskantes Experiment. Vor allem die Reisbauern sitzen nach einer guten Ernte auf Bündeln von alten Scheinen. Mit täglich neuen Verordnungen zum Umtausch mehrt die Regierung die Konfusion. Besser wäre ein funktionierendes Steuersystem.2017 belasten faule Kredite Indiens Staatsbanken. Die Regierung setzt 2017 ihren Kampf gegen Bargeld fort. Sogar der Landbevölkerung werden Konten, Geldkarten und Apps aufgedrängt. Millionen Inder müssen folgen, nutzen die Sachen aber nicht. 2010 führt Indien den Emissionshandel ein.  Indiens Zentralbankchef Duvvuri Subbarao kritisiert zunehmend Chinas Wechselkurspolitik. 2011 erhöht Indien die Zinsen weiter (auf 6,5%), weil Inflation droht (hoher Anstieg der Lebensmittelpreise). Raghuram Rajan wird im September 2013 Notenbankchef (bis 2006 Chefökonom des IWF). Er wird auch spöttisch 007 genannt, weil er als James Bond der Finanzbranche gefeiert wurde. 2016 muss er seinen Rückzug ankündigen. Er hat das Augenmerk immer wieder auf "crony capitalism" gerichtet (ökonomische Interessen und politische Macht sind unheilvoll vermischt). Die Währungsreserven sind ganz niedrig. Das wird allerdings massiv 2021/22 geändert. 2021 hat Indien schon die zweithöchsten Devisenreserven nach China: 578 Mrd. $ (Quelle: IWF). Die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland wegen des Ukraine-Krieges führen zu einer Umschichtung der Währungsreserven: raus aus dem Dollar, mehr in Gold. auch sonst dürfte Indien sein Vermögensportfolio umschichten: Tarnfirmen?

Wirtschaftspolitik: Mit Preiskontrollen, Exportverboten und Subventionen versucht die Regierung 2008, die wirtschaftliche Lage in den Griff zu bekommen. Ende 08 kommen Steuererleichterungen dazu, insbesondere bei der Mehrwertsteuer. Im August 2013 beschließt das Parlament ein Hilfsprogramm für 800 Mio. € zur Armutsbekämpfung. 70% der mehr als 1,2 Mrd. Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. 2013 will der indische Staat immer mehr Gold kaufen und importieren, um den freien Fall der Rupie zu stoppen. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt 2013 nur bei 4000 Dollar (China 11.000). Zu Beginn 2014 versinkt Indien in einer Schuldenspirale. Insbesondere die Staatsbanken besitzen einen Berg fauler Kredite. Die Regierung investiert lieber in Marssonden, Atomraketen und Staudämme. Als Haupthinderungsgrund der wirtschaftlichen Entwicklung sieht V. Raghunathan den fehlenden Willen der Inder zur Kooperation und die negativen Folgen dieses Verhaltens (vgl. Viswanathan Raghunathan: Games Indians Play, London 2008). Indien ist das größte Armenhaus der Welt. Immer mehr Provinzen in Indien leiden unter Dürre. 2016 ist es ganz schlimm. Es entwickelt sich eine "Durst-Wirtschaft". Ein Viertel der Bevölkerung sind betroffen (330 Mio.). Die Infrastruktur ist die große Schwäche Indiens. Kein anderes Land der Welt hat einen solchen Investitionsbedarf an Infrastruktur. Hinzu kommen als Schwächen Korruption und Bürokratie. Im Jahre 2017 führt Indien eine Mehrwertsteuer ein. Bisher bestanden zwischen den Grenzen der Einzelstaaten Zölle. Diese sollen ersetzt werden. Die neue Mehrwertsteuer ist vielfach gestaffelt:  "Sündensteuer" 280% (Tabak, Luxusautos), Gold (3%), Gemüse (5%), Handys (12%), Kosmetika (28%). Die Zuordnung nach den Kategorien ist unklar. Es drohen viele Prozesse. Drei Mal im Monat soll eine elektronische Steuererklärung gemacht werden. Am 24./25.02.2020 besucht Trump Indien. Donald Trump und Narenda Modi feiern sich selbst mit einer gigantischen Show. Es geht auch um den Abschluss eines Handelsvertrages (und Käufe von Rüstungsgütern in den USA im Werte von 3 Mrd. Dollar). Die USA hofieren Indien als Gegengewicht zu China (Trump sagt indirekt Unterstützung zu). Die Corona-Krise führt zu einem historischen Konjunktureinbrauch. Regierungschef Modi lockert die Beschränkungen im Lockdown. Die Verbreitung der Pandemie ist beängstigend.  Zu Beginn 2021 kassiert die Regierung die Schuldenbremse. Die Staatsverschuldung in Prozent vom BIP lag 2020 bei 89,3% (2019: 72,3%). Der Premier will ein  umfassendes Konjunkturpaket. 2020 ist die Wirtschaft um -8,0% eingebrochen. 2021 ist ein Wachstum von +11,5% angestrebt. Die Gesundheitsausgaben sollen verdoppelt werden.

Staatsverschuldung: Sie liegt Ende 2021 bei 90,6%. Das ist weit unter der Verschuldung der G7-Staaten. Indien profitiert davon, dass China 2021/22 die Marktmacht seiner Tech-Konzerne beschränkt. Viele Investoren nehmen als Alternative Indien. Einige Schwellenländer wie Brasilien, Südafrika und Indien haben beachtliche Devisenreserven angehäuft und sich so abgesichert.

Wirtschaftsreformen: In wirtschaftspolitischer Hinsicht war 1991 ein Schlüsseljahr. Die Version des Sozialismus war gescheitert. 44 Jahre nach der Staatsgründung waren noch immer 36% aller Inder arm, 47% konnten nicht lesen und schreiben, 26% litten an Unterernährung. Es setzte eine Welle von Wirtschaftsreformen ein. Rao und Singh waren an der Spitze. als Folge eines Liquiditätsengpasses brauchte Indien Geld vom IWF. Als Bedingung mussten Reformen kommen. Staatliche Monopole und Beschränkungen für Privatunternehmen wurden aufgehoben. 1992 folgte eine Kapitalmarktreform. Damals bildeten sich heute führende Banken und Finanzinstitute (HDFC, ICICI, Axis Bank).

Ausbau der Infrastruktur ab 2022: Man ahmt hier China nach. Es sollen zwei Eisenbahntrassen für den Güterverkehr im Binnenland gebaut werden, die die Häfen an der Ost- und Westküste verbinden. Die westliche Güterlinie verläuft auf einer Strecke von rund 1500 Kilometern zwischen New Delhi und dem südlich von Mumbai gelegenen Jawaharlal-Nehru-Hafen. Die östliche Linie verbindet auf einer Länge von 1900 Kilometern Ludhiana im Punjab mit Kalkutta in Westbengalen.

Exkurs: Amartya Sen. Er ist ein indischer Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph. Er erhält 2020 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 € dotiert ist. 1998 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis. Sen wurde 1933 in Shantiniketan in Westbengalen geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in Kalkutta und England. Sen lehrte in Dehli, Stanford, Berkeley, Oxford und Cambridge. Seit 2004 war er Professor in Harvard. Er lebt heute in den USA an der Ostküste. Sen verbindet die ökonomische Theorie mit Moralphilosophie und Ethik. Sein großes Thema ist die Soziale Gerechtigkeit. Sen verfasste über 30 Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden, und hat ca. 100 Ehrendoktorwürden. Seine Gedanken über Gleichheit setzen bei John Rawls an. Diesen Gedanken greift Amartaya Sen in der Ökonomie auf: Am 22. Mai 1979 hält der indische Wirtschaftswissenschaftler in Stanford einen programmatischen Vortrag mit dem Titel "Equality of What?". Darin übte er scharfe Kritik an den herrschenden Gleichheitsvorstellungen. Er skizzierte als Alternative zum ersten Mal seinen berühmten Fähigkeiten - Ansatz (vgl. Ders., Gleichheit? Welche Gleichheit? Stuttgart/ Reclam 2020). Berühmt ist auch sein Werk "Die Identitätsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt. München 2007 (3. Auflage, Beck). Er stellt sich dem Klischee vom Kampf der Kulturen entgegen. Er plädiert für eine kosmopolitische Gesellschaft, in der Platz ist für viele Identitäten und Lebensformen. Gerechtigkeit und Freiheit werden den Sieg über Fundamentalismus und Gewalt davontragen. Weitere Bücher von ihm sind: Entwicklung der Freiheit, 2001 und Ökonomie für den Menschen, 1992. Er hat auch ein Buch über seine Heimat, Indien, geschrieben: Indien, ein Land und seine Widersprüche, München/ Beck 2014 (An Uncertain Glory. India and its Contradictions).

Exkurs: Raghuram Rajan: Er ist 2022 Professor an der Universität von Chicago. Er war Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. Von 2013 bis 2016 leitete er die Notenbank Indiens. Er macht oft interessante Vorschläge. 2022 empfiehlt er die Globalisierung von Onlinedienstleistungen, um das Risiko der säkularen Stagnation zu bekämpfen. Vgl. Rajan, Raghuran: Eine Medizin gegen Szenarien des Untergangs, in: WiWo 35/ 26.8.2022, S. 40.

Exkurs: Gita Gopinath: 2019 wurde Gopinath als erste Frau oberste Ökonomin des IWF. Sie ist Expertin für internationale Handelsbeziehungen sowie für Zölle und Währungen. Anfang 2022 stieg sie zur Vizedirektorin des IWF auf. Sie ist im indischen Kalkutta geboren. Sie studierte in den USA und promovierte bei Kenneth Rogoff und Ben Bernanke. Sie plädiert für eine harte Finanzpolitik (Schuldenbremse in Deutschland).

Verhältnis zu wichtigen Ländern:

Indien und China: In Asien kämpfen Indien und China um die Vorherrschaft. Noch dominiert China, das systematisch große Häfen in den Nachbarstaaten Indiens als Stützpunkte ausbaut. Auf lange Sicht hat Indien gute Karten. 2013 fällt Indien stark zurück. Die Korruption blüht, Investoren ziehen ihr Geld ab. Das Wirtschaftswachstum fällt 2012 auf 5% und 2013 auf ca. 3%. Der Anteil des produzierenden Gewerbes ist in Indien sehr gering (15%; zum Vergleich: Thailand 40%, China 34%; Malaysia 28%, Südkorea 26%). Bürokratie, Regularien und Unberechenbarkeit behindern weiter die indische Wirtschaft.  Im Mai 2017 war Indien als einziger Staat in Asien dem Seidenstraßengipfel ferngeblieben. Indien misstraut dem Projekt Chinas "One Belt, One Road". Das kommt den USA entgegen; sie hofieren Indien. Natursteine aus Indien sind in Deutschland sehr beliebt. Ihre Förderung bringt aber viele Arbeiter um. Die ganze Region Rajasthan lebt vom Sandstein. Am 18.01.18 testet Indien wieder eine Interkontinentalrakete (über 5000 km Reichweite).  Indien will China 2018 beim Wirtschaftswachstum überholen (7 bis 7,5%, China 6,5 bis 6,8%). Im September 2020 vereinbaren China und Indien, Truppen zurückzuziehen. Die Spannungen an der Himalaja - Grenze sollen verringert werden. Indien tritt 2019 aus den RCEP -Verhandlungen aus. Man fürchtet, von Billigwaren aus China überschwemmt zu werden. Weiterhin war man man der Berücksichtigung von Dienstleistungen nicht zufrieden. "In Indien wächst eine neue Mittelschicht aus 200 bis 300 Millionen Menschen heran, ein Markt, ein Land, so groß wie die europäische Union", Armin Buck, Siemens - Indien - Chef.

Es gibt drei verschiedene Konfliktstränge zwischen den beiden Ländern: Die Dauerkonfrontation zwischen Indien und Pakistan wegen Kaschmir. Auch China verwaltet einen dritten Teil. Der ständig schwelende Grenzstreit im Himalaja. Das Vordringen der Chinesen im indischen Ozean: China errichtet eine "Perlenkette" von Stützpunkten in den strategischen Flaschenhälsen Straße von Malakka und Straße von Hormuz. In West-Pakistan hat die China Overseas Ports Holding Company in Gwadar schon 2009 einen Tiefsee-Hafen gebaut und sich für 40 Jahre die Kontrolle gesichert. Die Chinesen haben auch in Sri Lanka Fuß gefasst (siehe unten). In Bangladesch hat China eine Brücke über den Padma gebaut (in Indien Ganges). Zu den Malediven baut China auch Beziehungen auf. Indien fühlt sich immer mehr eingekreist. Der Außenminister warnt im August 22: Sollten Indien und China nicht an einem Strang ziehen, käme es zu keinem asiatischen Jahrhundert.

Die neue Strategie der KPCh auf dem 20 Parteikongress im Oktober 22 kommt Indien zugute. Indien wird attraktiver als alternativer Produktionsstandort: Foxconn produziert schon in der Metropole Chennai (für Apple). Noch gibt es ein Rekorddefizit in der Handelsbilanz mit China: 72 Mrd. $ 2021. Indische Behörden diskriminieren chinesische Unternehmen.

Indien und USA: Es gibt in den USA eine wohlbetuchte und einflussreiche indische Gemeinde. Bei der Amtseinführung und beim Schwur von Kamala Harris wird darüber spekuliert, ob sie einen Sari (Begalischer) trägt. Sie hat eine indisch-stämmige Mutter  und einen schwarzen Vater aus Jamaika. Indien lehnt sich an die USA an im gemeinsamen Kampf gegen China. Andererseits missfällt dem Land die enge Beziehung der USA zu Pakistan. Den USA missfällt die Diskriminierung der Moslems. Indien wird zum G7-Treffen in Cornwall im Juni 2021 eingeladen, obwohl es eigentlich nicht dazu gehört. Auch beim Treffen 2022 in Deutschland soll Indien dabei sein.

Indien und Russland: Indien bekommt viele Militärgüter aus Russland. Die Beziehungen sind eng, weil man mit großem Misstrauen auf das enge Verhältnis Pakistan - USA schaut. Ebenso hat China Pakistan ökonomisch immer enger an sich gebunden. Beim Einmarsch Russlands in die Ukraine enthält man sich deshalb im Sicherheitsrat der UN bei einer Verurteilung (zusammen mit China und den VAE). Trotz Quad kooperiert Indien schon seit langem eng mit Russland. Besonders eng ist die Kooperation beim Militär. Indien kauft die meisten Militär-Güter in Russland. Im Ukraine-Krieg, bei dem der Westen seine Energie- und Rohstoff - Lieferungen umorganisiert, springt man gerne in die Lücke. Man ist sehr interessiert an billigerem russischen Erdöl (die Raffinerien sind darauf eingestellt) und Erdgas. Lawrow, der russische Außenminister reist sofort nach Indien. Indien hat panische Angst vor einer Kooperation Chinas mit Russland. Ende August/ Anfang September 2022 nimmt Indien an gemeinsamen Militärübungen im Osten Russlands teil ("Wostok"; Soldaten aus Russland, China, Belarus, Syrien).  Mehr als 50.000 Soldaten und mehr als 5000 Waffen sind im Einsatz. Gleichzeitig strebt Indien auch eine Kooperation mit dem Westen an ("zwischen  den Welten"). Nach Irak ist Russland der zweitgrößte Öllieferant. .

Indien und Deutschland/ EU: Ab 2021 hat Deutschland Indo-Pazifik-Leitlinien. Auch die EU (Portugal) will die Beziehung zu Indien verbessern. Es gibt aber Kritik an Exportschranken für Impfmaterialien. Deutschland ist der achtgrößte Handelspartner Indiens . Waren und Dienstleistungen im Wert von 13,6 Mrd. US-$ importierte Indien aus Deutschland. 2020 (März 20 bis März 21). Nach Deutschland wurden in Höhe von 8,1 Mrd. US-$ exportiert. (Für 5,2 Mrd. € exportierte Indien 2009 nach Deutschland/ Importe 8 Mrd. €).  Neben Deutschland sind noch  GB und die Niederlande besonders wichtig. Anfang Mai 2022 besucht der indische Regierungschef Modi Berlin. Neben dem klimaschutz soll über die Haltung New Delhis zu Russland diskutiert werden. Indien ist in einem Dilemma: Ökonomisch vom Westen abhängig, waffentechnisch und Energie mäßig von Russland. Deutschland hat Indien (auch Indonesien, Süd-Afrika, Senegal) zum G7-Treffen in Bayern eingeladen.   Es gibt auch den EU-Indien-Gipfel. 2021 wird er virtuell von der portugiesischen Ratspräsidentschaft veranstaltet. Er wird von der Notsituation in Indien durch die Corona-Pandemie überschattet. Nimi Ravindran und Shiva Pathak vom Theaterkollektiv Sandbox Collective erhalten 2022 die Goethe-Mesdallie.

Indien und GB: Durch den Brexit hofft GB wieder stärkere Beziehungen zu Indien aufbauen zu können. Indien ist eher reserviert. Als erstes europäisches Land besucht Regierungschef Modi Deutschland im Mai 2022, nicht GB.

Exkurs. Parag Khanna: Der Politikwissenschaftler wurde 1977 in Kanpur (Indien) geboren. Er war 2007 geopolitischer Berater des US-Militärs im Irak und Afghanistan. Er arbeitete als außenpolitischer Experte für Barack Obama. Er war auch Gründer von FutureMap (datenbasiertes Strategieunternehmen). Er ist CNN-Experte für Globalisierung. Sein Buch "Unsere asiatische Zukunft" wurde 2019 ein Bestseller. Zuletzt erschien von ihm "Move. Das Zeitalter der Migration". Vgl. von ihm: Parag Khanna: Ist eine Weltordnung möglich? in: Dei Zeit Nr. 33/ 11. August 2022, S. 47. Inhalt: Dei Zukunft gehört den Netzwerken. Nur weil die Globalisierung zu einer neuen Verteilung von Zentren führt, muss sie nicht absterben.

Wirtschaftsentwicklung der Zukunft:  Indien hat noch nicht den wirtschaftlichen Reifegrad wie China. In der Wachstumsgeschwindigkeit hat es aber China bereits überholt. Treiber sind hier vor allem die junge und stetig wachsende Bevölkerung sowie die umfassende und schnell voranschreitende Digitalisierung. Aufgrund der starken Abhängigkeit von Ölimporten und ausländischen Investitionen sowie in Anbetracht des hohen Anteils Not leidender Kredite in den Bilanzen indischer Banken kommen 2019 Herausforderungen auf Indien zu. Vielleicht kann es trotzdem 7% Wirtschaftswachstum geben. Vgl. Deutsche Bank: Perspektiven 2019, S. 10. Nach Kaufkraftparitäten ist Indien schon 2020 die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. 2023 dürfte sie Deutschland hinter sich lassen. Doch Corona macht Indien schwer zu schaffen. 2020 bricht deshalb die Wirtschaft ein. Es wird mit einem Rückgang des BIP 2020 um -10,2% gerechnet (Quelle: OECD; 2019 noch +4,2%). Im 2. Quartal 2020 ist die Wirtschaft um 24% gefallen! Es gibt auch kaum eine Spur von Erholung. Indien scheint zum Problemfall zu werden.

Indien als Eier legende Wollmilchsau: 2022 hat Indien einen Lauf. Man braucht Indien als strategischen Partner (G7, Nato): Bollwerk gegen China. Unbegrenzter Markt. Demokratischer Gegenentwurf zu den Autokratien. Das wird Alles nicht einfach. Die Zahl der Menschenrechtsverletzungen wachsen rapide (Hindu-Nationalisten). Indien kauft fleißig in Russland Öl und Gas (hält sich nicht an die westlichen Sanktionen). Teilweise verkauft man wieder mit Gewinn auf dem Weltmarkt. Indien ist von russischen Waffen abhängig. Indien bietet große Chancen. Modi ist aber nicht leicht zu gewinnen. Vgl. Hein, Christoph: Indiens schöner Schein, in: FAZ Nr. 147/ 28.6.22, S. 15.

Auslandsinvestitionen und Außenhandel: Deutschland ist der achtgrößte Handelspartner Indiens . Waren und Dienstleistungen im Wert von 13,6 Mrd. US-$ importierte Indien aus Deutschland. 2020 (März 20 bis März 21). Nach Deutschland wurden in höhe von 8,1 Mrd. US-$ exportiert. (Für 5,2 Mrd. € exportierte Indien 2009 nach Deutschland/ Importe 8 Mrd. €). Indien und Deutschland wollen ihr Handelsvolumen bis 2012 auf 20 Mrd. € verdoppeln (Merkel Ende Oktober 07 in Indien). Als Importpartner ist China am wichtigsten 65,2 Mrd. US$) vor den USA (28,9) und Den VAE (26,6). Dann folgen Schweiz, Saudi-Arabien, Irak. Wichtigster Exportpartne rsind die USA (51,6 Mrd. US-$, 20/21), vor China (21,2), VAE (16,7), Bangladesch, Singapur, GB. Neben Deutschland sind noch  GB und die Niederlande besonders wichtig.  Die ausländischen Direktinvestitionen lagen 2008 bei ca. 30 Mrd. $. 2014 betragen sie 169 Mrd. US$. Indien wird zusammen mit China  neuerdings als die Vision "Chindia" gesehen. 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen in Indien 2,47 Mrd. €. Die deutschen Exporte nach Indien legten 2015 um 10% zu. Indien ist der viertgrößte Abnehmer deutscher Waren in Asien und der am schnellsten wachsende Exportmarkt. Für deutsche Firmen ist Mumbai der begehrteste Standort. Das größte Hindernis für ausländische Investitionen ist die ausufernde Bürokratie. 2013 strebt Indien ein Freihandelsabkommen mit der EU an. 2011 sind die Exporte aus der EU auf 10,9 Mrd. Euro gewachsen (Importe 7,5 Mrd. Euro). 2016 stiegen die Ausfuhren aus der EU auf 38 Mrd. Euro (Deutschland 10 Mrd. €) . Die Einfuhren lag en bei 39 Mrd. Euro (Deutschland 8 Mrd. €). Die Exporte waren wesentlich niedriger als die Importe (Importe 23% des BIP; Exporte 17% des BIP). Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU liegen seit 20213 auf Eis. Es gibt teilweise drastische Importzölle in Indien. Bei Neuwagen liegen sie zwischen 60 und 100%. Die EU erhebt Zölle für indische Waren (Textilien, Edelsteine, landwirtschaftliche Produkte, z. B. Basmati - Reis). Andererseits hat Indien ein 25-Milliarden-Dollar-Paket aufgelegt, um mehr ausländische Industrie ins Land zu holen. Vgl. auch: Losse, Bert/ Wettlach, Silke: Der schwierige Hoffnungsträger, in: WiWo 18/ 30.4.2021, S. 34f. Im Mai 2022 erlässt Indien einen Export-Stopp für Weizen. Das trägt weiter zu Preissteigerungen auf dem Weltmarkt und auch Hungersnöten bei.

Indien als Standort für ausländische Direktinvestitionen: 2022 wird mit einem Wachstum in Indien von 6,9% gerechnet (Quelle: IWF, über China und der Welt). Indien ist 2019 mit 7,3% gewachsen, schneller als jedes andere asiatische Land. Bis Ende des Jahrzehnts wird Indien auch das bevölkerungsreichste Land der Welt sein und damit China überholt haben. Damit könnte Indien das kommende Land der Welt sein. Investoren finden gut ausgebildete Arbeitnehmer und unzählige Konsumenten. Als besonderer Standortvorteil gelten die IT - Fachkräfte. Als Hürde gilt immer noch die Bürokratie, aber auch das Kastensystem. Die Regierung hält im Prinzip auch wenig von Freihandel. Die Tradition und Kultur hemmen die wirtschaftliche Entwicklung. Es gibt in Indien auch großen gesellschaftlichen Widerstand gegen ausländische Direktinvestitionen. Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU liegen seit 20213 auf Eis.

Produktionsverlagerungen nach Indien: 2022 ist die Abhängigkeit von China das große Problem für viele Firmen. Es drohen Sanktionen bei einem Angriff auf Taiwan. Man arbeitet an einer Produktionsverlagerung nach Indien und Vietnam. Die Personalkosten in China steigen auch. Ein gutes Beispiel ist Apple.

Autarkiebestrebungen (Decoupling): Indien will sich zum Protagonisten der Deglobalisierung entwickeln. Ab 2020 vollzieht Modi eine drastischen Kurswechsel. Indien wird von den Weltmärkten abgekoppelt. "Swadeshi" (Autarkie) hat in Indien eine lange Tradition. Schon Gandhi schwärmte von selbst verwalteten autonomen Dörfern (Selbstversorgung ohne Außenhandel). Indien war immer ein Fan der Handelspolitik von Friedrich List. Die Corona-Pandemie hat solche Pläne verstärkt. Hintergrund ist auch der Konflikt mit China, das genau in die Gegenrichtung geht. Populäre Apps wie Tencent und Alibaba wurden schon in Indien verboten. Indien hat sich auch bewusst dafür entschieden, an RCEP nicht teilzunehmen. Die Strategie könnte fatal sein: Viele Länder suchen nach einer Alternative für China. Vgl. Dieter, Heribert: Indiens riskanter Abschied von der Globalisierung, in: WiWo 9, 26.2.2021, S. 43. Indien wird so zum zentralen Akteur der Chinapolitik der westlichen Länder. Viele Großunternehmen denken über eine Verlagerung aus China nach Indien nach. Sie fürchten eine weitere Abkühlung der Beziehungen zu China. Apple gilt als Vorreiter. Andererseits hat Indien ein 25-Milliarden-Dollar-Paket aufgelegt, um mehr ausländische Industrie ins Land zu holen.

Handelsverträge Indien: Im April 2022 wird ein Vertrag mit Australien geschlossen. Bis Oktober soll ein Vertrag mit GB zustand kommen. Weitere Abkommen mit der EU, USA, Kanada und Israel sollen folgen. Vgl. Dieter, Heribert: Ein Freihandelsgegner entdeckt den Freihandel, in: WiWo 34/ 19.8.22, S. 39

G20-Treffen 2023: Im Jahre 2023 findet das G20-Treffen in Indien statt. Indien ist umworben.

Bevölkerung und Politik: Bevölkerungszahl: 1 243 337 000 (2018: 1,34 Mrd.): Bevölkerungsdichte: 421,1 Einwohner pro Quadratkilometer; 32 Prozent Stadtbevölkerung; 63% Alphabetisierung. Die Geburtenrate fiel von 4,6 1981 auf 2,4 2015. 600 Mio. Inder sind jünger als 35 Jahre (Quelle: Worldometers). Das Bevölkerungswachstum liegt bei 1,4%, Alphabetisierung 61%, Kindersterblichkeit 6,3%, 60% aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, die nur ein Fünftel des BIP erwirtschaftet.  Um 2030 dürfte Indien das bevölkerungsreichste Land sein, aber ca. 300 Mio. leben von weniger als 1$ pro am Tag, 600 Mio. sind jünger als 25 Jahre). Nach neuesten  Berechnungen der UN wird Indien schon 2023 China als bevölkerungsreichstes Land der Erde ablösen. Die Arbeitslosenquote 7,2% (hohe Dunkelziffer). Indien ist die größte Demokratie der Welt.2014 sind Parlamentswahlen in Indien. Im Mai 2014 kommt es zu einem historischen Regierungswechsel. Die Hindu-Nationalisten mit ihrem Spitzenkandidaten Narendra Modi gewinnen die Parlaments-Wahl. Sie können viele Versprechen aber nicht halten (viele Großprojekte liegen auf Eis, weil die Bürokratie Grundstückskäufe verhindert). Damit gewinnen die radikalen Hindus Boden und die Intoleranz wächst. Mitte Oktober 2015 besucht die Bundeskanzlerin zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation das Land. 18 Wirtschaftsabkommen werden unterzeichnet (insbesondere für erneuerbare Energien). Im November 2016 ereignet sich ein schweres Bahnunglück in Indien. Wahrscheinlich waren die Schienen nicht in Ordnung (stammen noch aus der englischen Kolonialzeit). Über 150 Menschen sterben. Die hinduistisch-nationalistische BJP von Regierungschef Modi setzt sich bei den Regionalwahlen in Uttar Pradesh (bevölkerungsreichste Provinz mit 220 Mio. Menschen) im März 2017 durch. Im Mai 2017 besucht Modi Deutschland. Es findet auch ein Deutsch-indischer Wirtschaftsgipfel in Berlin statt. Ein Freihandelsabkommen ist beabsichtigt. Am 15. August 2017 ist der 70. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens (einen Tag vorher Pakistans; Wettrüsten und drei Kriege gab es dann). Im August 2017 einigt sich Indien mit China im Grenzstreit vom Doklam-Plateau. Anfang September 2017 ist Indien stark von Überschwemmungen betroffen (vor allem Mumbay; Folge des Monsuns). Der Sohn von Sonia Gandhi Rahul beerbt nach 19 Jahren seine Mutter als Führer der Kongress-Partei. die Partei kämpft ums Überleben.  Auslöser war der gewaltsame Tod eines Mitglieds. Im Juli 2018 droht vier Millionen Menschen auf einen Schlag die Ausweisung. Sie sind von einer Abschiebung nach Bangladesch bedroht (vor allem Muslime der bengalischen Minderheit). Indien hat eine sehr hohe Selbstmordrate bei jungen Frauen. Dies gilt vor allem für den Süden. Ab September 2018 ist Sex von Homosexuellen in Indien nicht mehr strafbar. Im Bundesstaat Gujraras wird er Unabhängigkeitsheld Vellabhbhai Petel mit der höchsten Statue der Welt geehrt (182 m hoch, 360 Mio. €). Es ist der Heimatstaat von Premier Modi. Bei Mumbai entsteht schon eine weitere Statue, die noch höher werden soll. Mehr als 20 Jahre nach der Gewaltwelle gegen Anhänger des Sikh-Glaubens in Indien mit Tausenden von Toten ist ein bekannter Politiker Ende Dezember 2018 wegen Anstiftung zum Mord verurteilt worden. Im Mai 2019 ist eine Parlamentswahl. Eine weitere Amtszeit von Narenda Modi ist nicht mehr sicher. Für einen Machtwechsel müsste sich die Opposition zusammen tun. Indira Gandhis Enkelin betritt im Januar 2019 auch die politische Bühne (Regionalchefin der Kongresspartei, Priyanka Gandhi). Bei der Parlamentswahl im Mai 2019 hat die hindu-nationalistische Partei von Premierminister Narenda Modi ihr bestes Ergebnis aller Zeiten erzielt und baut ihre Mehrheit aus. Modi wird dann auch zum zweiten Mal Regierungschef. Er ist eine Art Alleinherrscher, obwohl er viele seiner Versprechungen nicht erfüllt hat. Er ist ehemaliger Teeverkäufer, der einer niederen Kaste entstammt. Anfang November 2019 besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel Indien. Sie wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Es geht um Müll (Klimawandel), Ayurveda und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Im Dezember 2019 sorgt ein neues Einbürgerungsgesetz für Unruhe. Es ist für muslimische Einwanderer aus den Nachbarländern. Diese fürchten aber, diskriminiert zu werden (Verstoß gegen säkulare Verfassung). Die Hindus haben Angst vor Überfremdung. Bei Protesten gegen das Einbürgerungsgesetz gibt es viele Tote. Amnesty stellt seine Arbeit in Indien im September 2020 ein: Die Menschenrechtsorganisation beklagt eine Hexenjagd. Die Behörden haben die Bankkonten eingefroren. Die indische Regierung sagt, die Organisation habe ausländische Gelder erhalten. "Diejenigen aber, welche zum Glück der Erkenntnis gelangt, über die Gegensätze erhaben und frei von Selbstsucht sind, dies erschüttert weder Glück noch Unglück irgendwann", aus Indien. "Die neue Regierung ist nicht wirtschaftsfreundlich, sondern versteht es auch, die Menschen auf dem Reformweg mitzunehmen", Raghuram Rajan, indischer Notenbankchef 2015. In Indien werden immer noch jedes Jahr Tausende Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag zwangsverheiratet (ein Drittel aller Zwangsverheiratungen auf der Welt; 360.000 Frauen sterben jährlich, weil sie zu früh schwanger werden). Indien versucht 2017 den Hochzeitswahn zu bändigen. Feiern in Kaschmir dürfen nur noch bis zu 500 Gäste haben und sieben Gänge. Darüber hinaus wird eine Sondersteuer fällig. Die meisten Haare für Perücken in der Welt kommen aus Indien. Der Rohstoff stammt aus südindischen Hindu-Tempeln, in denen sich die Gläubigen hingebungsvoll die Köpfe scheren lassen.

Prognose 2050: Der UN-Bericht "World Population Prospects 2022" gilt es seriöseste Quelle. Danach hat Indien im Jahre 2050 1,67 Mrd. Menschen und liegt weit an der Spitze (China 1,32, USA 375 Mio.). 2022 liegt China noch knapp vor Indien und den USA.

Politische Teilung und Parlament: Indien besteht aus 28 Bundesstaaten. Es gibt acht Unionsterritorien. Das Parlament zählt 543 Abgeordnete (bei 1,4 Mrd. Einwohnern; weniger Abgeordnete als Deutschland)

Politische Parteien und politische Organisationen: Eine Organisation namens Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) ist die Ersatzfamilie von Modi. Es ist die "Nationale Freiwilligenorganisation". Sie ist auch eng mit Modis Partei BJP verbunden. Sie basiert auf der Weltanschauung von Vinayak Damodar Savarkar. Savarkar argumentiert hindunational. Muslime seien keine richtigen Inder. Ansonsten geht RSS vom Pfadfindertum aus. RSS hat durchaus auch faschistische Züge (orientiert sich an Hitler, der bewundert wird). Modis Partei ist die BJP. Auf die kann er sich blind verlassen. Sie ist hindunational, wertkonservativ und wirtschaftsfreundlich. Die zweite große Partei ist die Congress. Sie ist dynamisch, säkular und sozialdemokratisch. Sie ist die Partei Nehrus und Gandhis. Sie sitzt bis heute an den Schalthebeln der Macht. Daneben gibt es kleinere Parteien: AITC (Westbengalen, ungefähr wie CSU), Shiv Sena (fremdenfeindlich, rechts), AAP (Partei des einfachen Mannes, gegen Korruption).

Militär und Rüstung Indien: Anfang Dezember 2021 kommt Indiens Militärchef bei einem Absturz ums Leben. Der Militärhubschrauber stützt in Südindien ab (14 Menschen kommen ums Leben). Militärisch arbeitet Indien eng mit Russland zusammen. Man hat große gemeinsame Interessen (gegen China und die USA, die Pakistan unterstützt). So enthält sich Indien auch im Sicherheitsrat der UN beim russischen Einmarsch in die Ukraine). Im März 2022 wird versehentlich eine Rakete auf Pakistan geschossen. Man bedauert dies.

Urbane Großräume: Indien liegt mit seinen urbanen Großräumen an der Spitze in der Welt. Mumbai, Delhi, Kolgata, Chennai, Bengaluru, Hyderabad, Ahmedabad, Pune, Surat, Kanpur, Jaipur, Lucknow, Nagpur haben alle über 5 Mio. Einwohner.

Barygaza (heute Bharuch): War im 1. Jahrhundert n. Chr. Zentrum eines Handelsnetzes im indischen Ozeans. Schiffe konnten den Ozean relative leicht durchfahren, weil es verlässliche Monsunwinde gab. Es gibt Bericht über die Stadt und die Seefahrt, die zeigen, dass sogar ägyptische, sumerische, persische und europäische, natürlich auch chinesische Kaufleute, die Stadt anfuhren. Die Römer klagten über ein Defizit in ihrer Handelsbilanz. Vgl. Frie, Ewald: Die Geschichte der Welt, München 2020, S. 81ff..

Geschichte Indiens:  Die ältesten Spuren von Sesshaftigkeit finden sich am Westrand eines Tales, in Mehrgarh, in der heutigen pakistanischen Provinz Belutschistan. Sie stammen etwa um 7000 v. Chr. Etwa um 4000 v. Chr. breitet sich die Besiedlung von den Rändern des Tales immer mehr Richtung Fluss aus. Größte Städte sind Mohenjo-Daro am Indus und Harappa im Punjab (nutzte vielleicht als erste Kultur das Rad). Die erste Hochkultur in der Region des Flusses Indus gibt es von 2600 v. Chr. - 1800 v. Chr. Vor ungefähr 3000 Jahren (1500 bis 700 v. Chr.)  führte eine Völkerwanderung zu einem dramatischen Umbruch südlich des Himalayas. Damals wanderten so genannte Arier (arya) aus dem Gebirge in die Gangesebene. Sie stießen auf die Ureinwohner, heute Draviden genannt. Es war ein Aufeinanderprallen zweier Welten (die zwei Kulturen sind heute noch sichtbar) . Im siebten und sechsten vorchristlichen Jahrhundert dominiert kulturell der Brahmanismus. Das religiöse Denken kreist um "Brahman", den Wesensgrund der Welt, der als Einheit stiftende und alles bewirkende Prinzip von den sinnlichen Erscheinungen in der Welt differenziert wird. Die erlösende Verschmelzung des Atman (individuellen Bewusstsein des Weisen) mit der Alleinheit des Brahman ist das Ziel des Heilsweges, der aus dem frustrierenden Kreislauf des schmerzlichen, dem Materiellen und der Begierde verhafteten Menschenleben herausführt. Die Vorstellungswelt der Upanishaden kennt schon Seelenwanderung und Karma sowie Samsara. Um 530 v. Chr. beginnt der Buddhismus in Indien, der wesentliche Elemente des Brahmanismus übernimmt (vgl. auch Religion weiter unten).  326 v. Chr. erfolgte der Indienfeldzug Alexander des Großen. Er hatte keine militärischen Gründe, sondern Kriegslust und Neugier waren die Motive. Auf dem Rückzug zerstört er 323 v. Chr. Theben. Um 1 n. Chr. ist Indien Teil eines riesigen Handelsnetzes. Metropole des Handels ist Barygaza (siehe oben). Hier werden Silber, Glas, Korallen, Öl, Wein, Leinen, Weihrauch, Araberhengste, Gewürze, Baumwolle, Seidenstoffe, Elfenbein, kostbare Hölzer gehandelt. Förderlich ist der Buddhismus, der undogmatisch ist. Man handelt praktisch mit allen Nachbarländern, mit Vorderasien und Europa. Im 4. Jht. entstand das erste Großreich (Maurya, Kaiser Ashoka).  Im 3. Jahrhundert v. Chr. ist das Maurya-Reich das mächtigste. Es hatte eine Verwaltung und war militärisch sehr stark. Dann folgt das Gupta-Reich, bei dem Indien fast wieder vereint ist. Danach kommt der Großkönig Harsha (606-647). Ab dem 8. Jht. n. Chr. gibt es immer wieder arabische Reiche.  Ab 1330 sind dann große Teile des Landes unter Kontrolle von dem von  zentralasiatischen Militärführern gegründeten Sultanats von Delhi. Babur erobert 1526 das Sultanat von Delhi (er setzt Kanonen aus Persien ein). Man spricht auch von indischen Mogul-Reich, weil sich der Gründer als Nachfahre der Mongolen sah (von Tamerlans). Als Babur 1530 stirbt hinterlässt er ein sehr großes Gebiet (Kabul, Kandahar, Lahore, Delhi, Agra, Bangladesch). Grundlage des Reiches war das Mansab-System (Steuereinzug als Adelspflicht). 1492 n Chr. entdeckt Vasco da Gama den Seeweg nach Indien, die Europäer kommen nach Indien. 1510 erobern die Portugiesen  Goa in Indien und machen es zum Zentrum aller Beziehungen. 1511 erobern die Portugiesen Malakka, die Drehscheibe des Handels zwischen Indien und China. Zunächst ist Indien eine portugiesische, später eine britische Kolonie. Im 16. Jahrhundert schafft der Großmogul Akbar in Indien ein gewaltiges Reich (er stirbt 1604 n. Chr.; er verbietet Kinderheirat und Witwenverbrennung; ist aber sehr grausam). Es predigt vor allem Toleranz. 1658 wird Schah Jahan, Erbauer des Taj Mahal in Agra, abgesetzt. Sein Sohn und Nachfolger Aurangzeb vereinigt fast ganz Indien unter seiner Herrschaft.  Das Reich ist auf dem Gipfel der Macht. Es besteht danach noch 100 Jahre. Dann steht die East India Company der Britten bereit. 1930 startet Mahatma Gandhi eine neue gewaltlose Kampagne gegen die britische Kolonialherrschaft. 1947 kommt die Unabhängigkeit (Gandhi, Neru). Indiens gefährlichster innerer Feind sind die aufständischen Maoisten. Nach der Unabhängigkeit zerfällt das Reich in drei Teile: Indien, Pakistan, Bangladesch (und  auch Sri Lanka). Vgl. Kulka, h./ Rothermund, D.: Geschichte Indiens, 1998. Vor 150 Jahren wurde Mahatma Gandhi geboren. Er war Friedensprediger und Unabhängigkeitskämpfer. Er lebte in seiner Heimatregion Gujarat. Nächste Großstadt ist Mumbai. "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für die Welt", Mahatma Ghandi.

Exkurs: Geschichte des Handels: Traditionell lief der Handel zwischen China/ Asien  und Europa Jahrhunderte über die Seidenstraße (Blüte: Tang-Dynastie, Ming und Qing - Dynastie). Im 17. Jahrhundert kam immer mehr der Seeweg dazu. Vasco da Gama aus Portugal entdeckte 1504 den Seeweg nach Indien (vorher 1498 Calicut). Führend im Handel mit Südostasien waren Portugal und die Niederlande. Huygen und Barents aus den Niederlanden entdeckten neue Seerouten nach China. Daraus entstanden drei Bücher. Sie berichten über den Handel mit Indien, China und Japan. Die Niederlande wollten Malaysia zu ihrem Stützpunkt machen, um das portugiesische Gewürzmonopol zu brechen. Schließlich wurde 1602 die VOC gegründet (Vereinigte Ostindische Companie für Handel). Es war Teil des niederländischen Unabhängigkeitskampfes gegen Spanien und Portugal. Zentrum wurde dann doch eher Indonesien. Vgl. J. Elvers: Europa, das Meer und die Welt, München 2018, S. 264ff.  Gegen Indien wurde protektionistische Maßnahmen ergriffen. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Produkte des Verarbeitenden Gewerbes hauptsächlich aus Indien und China importiert und größtenteils durch Goldimporte aus Europa und Amerika (auch Japan) finanziert. Namentlich bedruckte Stoffe und baue Kattune kamen aus Indien. Die europäische Kaufleute heizten die Stimmung gegen indische Textilimporte an und sorgten für hohe Zölle. Dadurch sank der Anteil Indiens und Chinas dramatisch.   Vgl. Piketty, Thomas: Eine kurze Geschichte der Gleichheit, München 2022, S. 68ff. Später übernahmen die Briten Indien als Kolonie. Heute versuchen die USA, Indien im Handel zu begünstigen als Gegenpol zu China.

Exkurs. Unabhängigkeit: Am 15. August 2022 feiern Indien und Pakistan ihre Unabhängigkeit von Großbritannien vor 75 Jahren.

Gesellschaft und Kultur in Indien: Die Gesellschaft ist heute tief gespalten. 33% der Menschen müssen 2010 mit weniger als 1,25 Dollar am Tag auskommen. 70% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Das Haushaltseinkommen der 20% ärmsten Haushalte wuchs zwischen 2000 und 2008 nur um 1,0% (OECD), während das BIP um 7,1% stieg. Besonders erschreckend ist die Diskriminierung der Frauen in Indien. Die Katastrophe in der Spitze besteht aus erschreckend hohen Todeszahlen pro Jahr (2003: 2,2 Mio. Todesfälle bei Frauen; 265.000/12% durch Abtreibung; 558.000 von 0 bis 15 Jahren/25%; 398.000 zwischen 15 und 45 Jahren/18%). Hinzu kommen die Gruppenvergewaltigungen.  Das größte Hindernis für ein moderneres Indien ist die grenzenlose Armut. Das Bildungssystem und die medizinische Versorgung sind verheerend.  In Indien ist das Bildungssystem noch niedrig, abgesehen von der Spitzenforschung. Das Bildungswesen kann auch 2014 noch als marode bezeichnet werden. Immer wieder Ärger gibt es mit Paralleljustiz der Khap Pachayats. Sie sind seit über 100 Jahren sind sie verboten, werden aber noch immer als Kastenjustiz eingesetzt. Abgelegene Dörfer sind schwierig zu kontrollieren. 2017 verbietet das oberste Gericht die Islamische Scheidung durch Verstoßung. Durch gepanschten Schnaps kommt es zu mehr als 100 Toten in Golaghat (Arbeiter einer Teeplantage) in Indien. Es war zu viel Methanol beigemischt. Das passiert in Indien immer wieder.   Entwicklungsminister Gopai Rai macht 2019 den Vorschlag, die heiligen Kühe und ältere Menschen im Ruhestand in  gemeinsamen Unterkünften unter zu bringen. Beide Gruppen sollen aufeinander acht geben.

Exkurs Negative Zahlen in der Mathematik und andere Meilensteine (indische Mathematik): Bhaskara II.. indischer Mathematiker (1114-1185), der Jahrhunderte vor der Entwicklung der Infinitesimalrechnung in Europa darüber schrieb und in seinen Siddhantasiromani (1150) negative Zahlen analysierte. Als negative Zahl bezeichnet man eine reelle Zahl kleiner Null. 0 (Null) steht für nichts, keine Menge oder auch den Ausgangspunkt einer Skala (Meeresspiegel, Gedrierpunkt). Vgl. Daeid/ Cole: Zahlen in 30 Sekunden, Librero 2020, S. 28.. In Indien wurde sehr wahrscheinlich unser Zahlensystem erfunden (0, 1-9), das dann L. Fibonacci aus Pisa/ Italien in Europa etablierte. Hindu-Gelehrte kannten mit Sicherheit auch schon die Lösung der Kaninchenaufgabe (mathematische Folge). Über die eigentliche Bedeutung der indischen Mathematik schrieb der französische Mathematiker Pierre-Simon Laplace. "Indien schenkte uns die geniale Methode, alle Zahlen mit zehn Symbolen auszudrücken". Indien hatte früh geniale Mathematiker: Brahmi, Aryabhata, Brahmagupta, Varahamihira. Vgl. Willers, Michael: Algebra, Kerkdriel 2022, S. 74ff.

Exkurs: Philosophie in Indien: Immer wieder bezieht man sich auf Gandhi (Hind Swaraj). die deutsche Philosophie steht hoch im Kurs. Indien leidet unter einer geistigen Verkümmerung. Es ist die Unkenntnis der eigenen intellektuellen und moralischen Ressourcen. Viele Religionen haben in Indien ihren Ursprung (siehe unten). Dieses Privileg ist verloren gegangen. Wichtig ist noch das Werk von Rabindranath Tagore (Literaturnobelpreisträger für Literatur 1913). Es ist ein Bedürfnis nach Authentischem in Indien da. So ist auch der Hindu-Nationalismus vielleicht zu deuten. Vgl. Shrivastava, Aseem et al.: Churning the Earth, 2018. Auch: Ross, Jan: Gandhi statt Kapitalismus, in: Die Zeit Nr. 44, 25.10.2018, S. 7.

Diskriminierung der Frau: Ein spezielles Problem ist die Gewalt gegen Frauen. Gewalttaten gegen Frauen ereignen sich täglich (alle 15 Minuten eine Vergewaltigung). Gruppenvergewaltigungen werden als einträgliches Geschäft betrieben. Sie finden zum Teil öffentlich statt (zum Beispiel in Bussen). Der Staat ist nicht fähig, hier Recht und Ordnung durchzusetzen. Er versucht zwar, drastische Präsidenzurteile zu fällen (Todesstrafe durch Erhängen). Aber die Erniedrigung von Frauen niederer Kasten durch Männer höherer Kasten bleibt. Der Hinduismus bewahrt das Kastensystem mit der Abwertung der Frau.   Im Oktober 2020 findet eine Gruppenvergewaltigung der 20-Jährigen in der Stadt Hathras statt. Der zuständige Polizeichef samt vier Mitarbeitern wurde suspendiert. Die Polizei ermittelte nur widerwillig.

Exkurs Leena Nair. Sie gilt in Indien als großes Vorbild. Sie wird 1969 in Indien geboren. Sie studierte von 1986 bis 1990 Elektro- und Kommunikationstechnik. sie startet beruflich 1992 als Trainee bei Unilever in Indien. 2016 leitet sie bei Unilever den Human-Resources-Bereich. Sie avanciert zum Role Model: erste Frau und erste Asiatin als Personalchefin, jüngstes Mitglied im Vorstand. Sie wird "Global Indian of the Year" und 2021 "Vorbild des Jahres". Anfang Februar 2022 wird sie CEO beim französischen Modekonzern Chanel. Sie soll dort mehr Diversität organisieren.

Eheschließungen in Indien: Über 90% aller Eheschließungen sind arrangiert. Ehen werden nicht zwischen Individuen, sondern zwischen Familien geschlossen. Manchmal vermitteln auch Freunde. Folgt ein Paar dieser Vereinbarung nicht, wird es aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Es gibt in Indien eine Initiative, die sich darum kümmert: "Love Commando". Eine Eheschließung aus Liebe ist immer noch die große Ausnahme, vor allem wenn die Paare verschiedenen Kasten angehören. Harnaaz Sanghu wird 2021 in Eilat/ Israel zur schönsten Frau des Universums gewählt. Sie holt den Titel nach 21 Jahren nach Indien zurück.

Sprachen in Indien: Nur geschätzt 200-300 Mio. Inder sprechen Englisch. Nach dem letzten Census sind es sogar nur 129 Mio. Das sind relativ wenig, zumal Englisch immer als großer Vorteil gegenüber China gesehen wird. Die meisten Inder sprechen Hindi (800 Mio. geschätzt, die folgenden Zahlen sind alle geschätzt). 125 Mio. sprechen Bengali. Dann folgen Marathi (115), Telugu (110), Tamil (90), Urdu (72). Am Ende liegen Gujarati (69), Kannada (68), Odia (49), Panschabi (42), Malayalam (41), Sanskrit (0,1). Vgl. Braun Alexander, Michael: Indien Super Power, München 2020, S. 59.

Khasi-Matriarchat: Das Volk lebt im Nordosten Indiens. Es handelt sich um eine matrillineare Gesellschaft. Abstammung und Erbfolge leitet sich nur von den Müttern ab. Das Volk ist berühmt für seine Brücken. Aus Luftwurzeln des Gummibaums, die teils in Felsbrocken Halt finden, lassen die Khasi Brücken wachsen. Ausgehöhlte Stämme der Betelsnusspalme geben den Wurzeln die Richtung vor.

Kastensystem (von casta - portugiesisch Herkunft, lateinisch: rein). Die Kaste bezeichnet die soziale Stellung, die Recht, Glauben, Partner- und Berufswahl bestimmt. Seit Jahrhunderten gliedert das komplexe Kasten-System die Gesellschaft. Jeder dient in der Kaste, in die er geboren wurde. Diese Ordnung bleibt relativ stabil. Man unterscheidet vier Varnas: 1. Brahmanen (Priester, Gelehrte), 2. Kshatryas (Krieger, Adel), Vaishya (Bauern, Händler, Handwerker), 4. Shudras (Hausangestellte, einfache Arbeiter). Das System ähnelt der Klassengesellschaft im antiken Griechenland. Weiter: Dalits, Harigans, Parias (Unberührbare). Innerhalb der Kasten gibt es weitere Clan-Strukturen. Anfang 2018 legen die "Unberührbaren" (unterste Schicht, Dalits) Mumbai lahm. Die indische Kastengesellschaft ist schon im ersten vorchristlichen Jahrtausend entstanden. Das starke religiöse hierarchische Gefälle einer relativ undurchlässigen Schichtung definierte sich nach religiösen Merkmalen, nämlich über den selektiven Zugang zu beziehungsweise den Ausschluss von jenen Heiligtümern, welche die Priester verwalteten. Das Kastensystem ist untrennbar mit dem Hinduismus verbunden, der in Indien als Religion gesiegt hat (nicht der Buddhismus, der eher subversiv ist und hierarchische Strukturen nicht unterstützt; auch indifferent gegenüber der Herrschaft).

Verteilung: Es gibt kaum ein anderes Land mit so großen Unterschieden. Indien hat die dritt meisten Milliardäre in der Welt. Gleichzeitig verfügt noch ein Drittel der Menschen über keine Toilette. Der Gini - Koeffizient wird gar nicht erst errechnet.

Grundeinkommen in Indien: Die Kongresspartei machte 2019 den Vorschlag für ein Grundeinkommen. Es heißt NYAY. Es ist ein garantiertes Mindesteinkommen. Es soll sich auf 6000 Rupien pro Monat und Haushalt belaufen. Da sisn etwa 250 € in Kaufkraftparität. Da sist sehr hoch, da das Medianeinkommen in Indien bei 400€ pro Haushalt liegt. Deise Absicherung würde den ärmsten 20% der Bevölkerung zugute kommen (Kosten 1% des BIP). Man schweigt zur Finanzierung. Der Vorschlag liegt auf Eis. Vgl. Thomas Piketty: Der Sozialismus der Zukunft, München 2021, S. 164ff.

Religionen: Indien besitzt die ältesten Texte religiöser Philosophie auf der Welt. 1500 v. Chr. in der Bronzezeit werden die Veden (vier große Sammlungen; indogermanisch "Wissen" oder "Weisheit"; Sanskrit, Ritualformeln, Hymnen)) zwischen dem Ganges und dem Indus aufgeschrieben. Unter ihnen sind die Upanishaden am wichtigsten.  Darin werden viele traditionelle Themen der hinduistischen Philosophie diskutiert (Karma, Maya, Atman, Brahman; vgl. auch oben "Geschichte"). Im 6. Jahrhundert vor Christus entstehen zwei Religionen, die heute noch Indien prägen. Die eine ist der Jainismus. Er wurde von Mahavista (599 - ca. 527 v. Chr., bürgerlich Nataputta Vardhamana) gegründet. Die Jainas glauben auch an Karma und Reinkarnation. Das Endziel des Lebens ist die Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien (Samsura). Alle Lebewesen besitzen eine Seele. In Nordindien entstand im 15. Jahrhundert der Sikhismus. Sikh ist ein Wort aus dem Pandschabi (Sprache des Pandschab) und bedeutet Schüler. Religionsgründer war der Guru Nanak. Ursprünglich sollte diese Religion die Spannungen zwischen Hindus und Moslems in Indien überwinden. Die Mitglieder der Religion fallen vor allem durch ihre Namen und Kleidungsvorschriften auf. Die Religion ist eng mit einer tugendhaften Lebensführung verbunden. Frauen werden nicht diskriminiert. Das Streben nach Wohlstand und Ansehen wird befürwortet. In der Thar-Wüste, im Nordwesten Indiens, lebt seit Jahrhunderten das Volk der Bishnoi. Ihre Religion, die Bishnoi-Religion,  wurzelt in der Liebe zur Natur (1 bis 2 Mio. Angehörige der Religion). Es gibt 29 Gebote. Wo Bishnoi leben, ist die Wüste grüner und die Tiere sind zutraulicher.  Die Hindu-Religion vereint eine Vielzahl von Sekten, Kulten und Traditionen. So sprechen Experten mehr von Hindu-Traditionen. Die erste Hochkultur in der Region des Flusses Indus gibt es von 2600 v. Chr. - 1800 v. Chr. Um 530 v. Chr. beginnt der Buddhismus in Indien. Höchstes Fest des Hinduismus ist das Diwali-Fest (aus dem Sanskrit-Wort Deepavali - Lichterkette). Es ist zu Ehren der Gottheit Lakshmi (Wohlstand, Reichtum). Es ist vergleichbar unserem Weihnachten und gleichzeitig Neujahrsfest. Geschenke, Neuanschaffungen und Familie gehören dazu. Das größte religiöse Festival der Welt ist "Kumbh Mela". Es dauert sieben Wochen (Januar bis März) und wird am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna in Prayagraj alle drei Jahre begangen.  Nach einem Mythos werden "Tropfen der Unsterblichkeit" aus dem Krug (Kumbh) vergeben. 2019 sollen 150 Mio. Menschen kommen. Am bekanntesten bei uns durch die Berichte der Kolonialisten ist wohl die Göttin Kali (mit Toten-Schädel, nackt). Die heiligste Stadt des Hinduismus ist Varanasi (Stadt des Gottes Shiva; liegt im Gangestal rund 200 km südlich des Himalaja; 3,2 Mio. Pilger kommen jährlich). Mit dem Wasser des Ganges kann man die Sünden abwaschen (Ganga Mata). Zwei Elemente des Hinduismus sind bei uns besonders bekannt: Wiedergeburt und Erlösung, sowie die heilige Kuh und die vegetarische Ernährung. Im Januar 2019 verschaffen sich erstmals Frauen Zugang zu einem Hindu-Tempel. Daraufhin kommt es zu Krawallen in Indien. Die Polizei will den Tempelbesucherinnen rund um die Uhr Schutz bieten. Eine der Frauen, Kanaka Durga, ist Angehörige der hohen Kaste der Nair. So geht es auch um die Privilegien der oberen Kasten und das Patriarchat. Die Religion des Buddhismus geht auf Siddharta Gautama zurück, der später zum Buddha ("Erwachet") wurde. Sein Geburtsort ist das nepalesische Lumbini (wurde unter einem Baum von seiner Mutter geboren). Dort lebte er vor dem 6. Jahrhundert vor Christi (neuere Forschungen aufgrund älterer Tempelanlagen in Nepal bestreiten die Lebenszeit von 563-483 vor Chr.). Im Gazellenhain in Sarnath bei Benares soll der Buddha seine Erkenntnisse erstmals mit Anhängern geteilt haben. Siddartha verkündete seine Überzeugungen in Nordindien, sammelte Anhänger um sich und bekämpfte auch die strenge Einteilung der Menschen in Kasten. Er war eine Art Wanderlehrer ("Geht hin, ihr Mönche, und verkündet die Lehre zum Nutzen und Wohl der Menge". Er ist kein Gott, sondern Lehrer. Er gibt keine Regeln vor, sondern Ratschläge. Es gibt kein heiliges Buch und keine Missionierungen. Der Buddhismus ist Religion wie Philosophie). Über die alten Handelswege kam der Buddhismus nach China, Korea, Japan und in viele andere Länder. Der Buddhismus ist mehr als nur eine Religion (das macht ihn meiner Meinung nach auch im Westen so attraktiv). Er stellt eine Lebenshaltung und -philosophie dar. Der Buddha ist Erkenntnis und wahres Wissen. In den 200 Jahren nach Gautamas Tod wurde aus seiner Lehre eine neue Religion.  König Ashoka verhalf dem Buddhismus in Indien zum Durchbrauch. Möglichst viele Menschen sollten seine Edikte verstehen. Das machte ihn zum Idealbild eines guten Herrschers (er kannte die Kultur der Griechen und Perser). Das Dhammapada ("Worte der Lehre") ist eines der populärsten buddhistischen Werke. Es ist eine Sammlung von über 400 Versen. Meditation ist ein weiteres wesentliches Element des Buddhismus. Das ist ein Zustand innerer Ruhe und Klarsicht. Zentraler Ort für die Verbreitung der Schriftreligion aus Indien war die uralte indische Universität Nalanda. Im Geburtsland des Buddhismus bekennt sich heute nur noch weniger als ein Prozent der Bevölkerung zu dem Glauben. Die Regierung Modi betreibt einen Hindu-Nationalismus. Dieser diskriminiert die heute zweitgrößte Religionsgruppe in Indien, die Moslems. Dabei ist Indien das zweitgrößte moslemische Land der Welt nach Indonesien. Die Regierung setzt den Hindu-Chauvinismus als Ventil ein. Ein zusätzliches Antimuslimisches Gesetz verhindert die "Zwangsbekehrung" hinduistischer Frauen durch Heirat mit einem muslimischen Mann.  Der muslimische Herrscher Shah Jahan läst im 17. Jahrhundert das Taj Mahal als Liebesdenkmal für seine Frau Mumtaz Mahal bauen. 20.000 Arbeiter und Künstler waren beschäftigt. Es stand damals allein und spiegelt sich im Ymuna-Fluss. Heute ist der Fluss eine stehende Kloake. Agra, südlich von Delhi,  ist auf 1,6 Mio. Einwohner angewachsen. Das Denkmal wird von Abgasen zerfressen. Im Februar 2019 meldet Indien eine Luftschlag gegen Pakistan. Es ist Vergeltung für einen Anschlag in Kaschmir. Es geht gegen die islamistische Gruppe Jaish-e-Mohammad. Diese plant immer wieder Anschläge in Indien. Anfang August 2020 legt den Modi den Grundstein für einen umstrittenen Hindu-Tempel. Es ist in der Pilgerstadt Ayodhya, die von Muslimen und Hindus verehrt wird. Der Tempel entsteht auf den Grundmauern einer ehemaligen Moschee.

Exkurs: Kumbh Mela. Es ist das größte religiöse Fest der Welt und das größte Zusammentreffen der Hindus. Es wird alle 12 Jahre gefeiert (dazwischen kleinere Feste) 2021 ist es wieder so weit. Treffpunkt ist diesmal Haridwar am Ganges. Die Stadt liegt im Bundesstaat Uttarakhant in Nordindien. Hier ist das Wasser des Ganges noch relativ sauber, aber kalt (das Fest ist von Mitte Januar 21 bis April 21). Auftakt ist das Ritual Makar Sakranti. Bei dem ganzen Fest geht es um Seelenreinigung, damit der Weg zum Himmel gelingen kann. Das Fest geht auf einen Mythos zurück: Götter und Dämonen stritten sich um einen Krug. Deshalb spricht man auch von Krugfest. Die Sicherheitsvorkehrungen sind sehr hoch (Online -Anmeldung, Corona-Test, Temperaturmessung, Abstand). Aber die Hindus sind eher sorglos, weil sie an eine Reinigung und an den Schutz durch das Wasser des Ganges glauben. So wird das Fest auch tatsächlich zu einer Schleuder der Pandemieverbreitung.

Exkurs: Kühe. Sie gelten in Indien für die hinduistische Bevölkerungsmehrheit als heilig, Kuhmilch, Kuhurin und Kuhmist gelten laut traditioneller indischer Ayurveda - Medizin als heilend. Viele Bauern setzen ihre alten Kühe aus, wenn sie keine Milch mehr geben oder sich deren Haltung nicht mehr lohnt. Zahlreiche Tiere sterben dann im Straßenverkehr. Die herrschende Regierung, die Hindu - nah ist, gibt viel Geld für ihren Schutz und für Kuhwissenschaft aus. Das Töten ist grundsätzlich verboten.

Exkurs: Mata Vaishno Devi, Katra/ Region Jammu und Kaschmir: Schrein des Hinduismus. einer der heiligsten. Immer wieder kommt es hier zur Massenpanik. So zuletzt zum Jahreswechsel 21/22. Es gibt 12 Tote und 14 Verletzte. Auch Menschen ohne Passierscheine wollten dem Heiligtum ihre Ehrerbietung erweisen.

Exkurs: Mutter-Teresa-Organisation. Die Organisation von Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa (1910-1997) kann vorerst nicht mehr auf ausländisches Geld zugreifen. Die Lizenz für Auslandsspenden wird vom Ministerium nicht erteilt. Grund sind "nachteilige Informationen". In Indien werden Hindu-Hardliner-Organisationen immer mächtiger und machen Stimmung gegen Christen. Die Organisation von Mutter Teresa bringe Hindus dazu, zum Christentum zu konvertieren. Die katholische Ordensgemeinschaft betreibt Waisenhäuser und Kliniken in Indien. Die Christen sind schon länger im Visier radikaler Hindus. Vgl. FAZ Nr. 303, 29.12.21, S. 15.

Exkurs: Zoroastrismus: Zarathustra wurde 630 v. Chr. geboren. Er lebte in Mesopoamien. Man spricht heute von Zoroastrismus (ca. 200.000 weltweit). Die meisten leben heute in Indien (Parsen). Weitere Anhänger gibt es vor allem im Iran.

Exkurs: Siddharta. Vor 100 Jahren (von 2022 zurück) kam eiens der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts auf den Markt. Herrmann Hesses "Siddharta". Verfasst hat es der Literaturnobelpreisträger in seiner Wahlheimat, dem Schweizer Kanton Tessin. Hesse lebte 43 Jahre im Dorf Montagnola. In seinem ehemaligen Wohnhaus "Casa Camuzzi" ist heute ein Museum eingerichtet. Das Buch hat unsere Sicht auf die Kultur und Religion Indiens stark geprägt.

Muslime in Indien und den Nachfolgeländern: Weltweit leben 1,9 Mrd. Muslime auf der Welt. Wenn man Indien und seine Nachbarländer zusammen nimmt, haben sie den höchsten Anteil: Indien 176 Mio.; Pakistan 167 Mio.: Bangladesch 134 Mio. Damit übertreffen sie Indonesien mit 209 Mio. Danach liegen in der Rangfolge erst Nigeria (77); Ägypten (76); Iran (73), Türkei (71). In Saudi-Arabien leben nur 25 Mio. Muslime. In Deutschland sind es 5 Mio. Mit dem Hindu-Nationalismus unter Modi werden die Muslime in Indien diskriminiert bzw. marginalisiert.

Verteilungskampf und Hindu-Fanatismus: Seit dem Wahlsieg der hindu-fanatischen Partei BJP spielt der Verteilungskampf unter den Menschen Indiens eine immer größere Rolle. Die Regierung hat die Mehrheit hinter sich, wenn sie große Gruppen des Landes von der Verteilung ausnimmt. Es beginnt der Umbau zu einem fundamentalistischen Hindu-Einheitsstaat. Die größte Demokratie der Welt zerstört sich so selbst und wird nie ihr großes Entwicklungspotential nutzen können. Mit der Besetzung Kaschmirs und der Streichung des Verfassungsartikels, der Kaschmir, dem größten muslimischen Staat in Indien, Sonderrechte und Autonomie sichert, ging alles los. Dann wurde das Staatsbürgerregister für Assam eingeführt, dass für 1,9 Millionen Muslime die Abschiebung nach Bangladesch vorsieht (sie waren seit 1971 Staatsbürger und beim Unabhängigkeitskrieg mit Pakistan als Verbündete Indiens geflohen). Die viermonatige Einspruchsfrist ist eine Farce, denn die Menschen sind bettelarm und können sich keine Reise zu fernen Gerichten leisten. So werden alle Nicht-Hindus, überwiegend Moslems, systematisch diskriminiert. Die Spannungen zwischen den rund 1 Milliarde Hindus und den etwa 200 Millionen indischen Muslimen gehen bis in die 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Damals schon zogen beide Gruppen nicht an einem Strang als es um die Unabhängigkeit von GB ging. Gandhi war gegen die Aufspaltung, die Muslime unter Führer Ali Jinnah dafür. Die Briten folgen Jinnah und so entstand Pakistan. 1948 wurde Gandhi wegen seiner Haltung von einem fanatischen Hindu ermordet.

Im August 2020 meldet Indien schon mehr als 2 Mio. Corona-Fälle (vorher schon Brasilien und USA). Die Steigerung geht in Indien am schnellsten. Der Glaube an die wachsende Wirtschaft zerfällt. Die Aufstiegsträume sind zerschmettert.  Die Wirtschaft bricht massiv ein. Die Regierung setzt auf Hindu-Chauvinismus als Ventil. Tempelprojekte dienen dem Stimmenfang.

Terrorismus: Der Dauerkonflikt mit den maoistischen Naxaliten hält an. 2020 gab es 239 Todesopfer. Die Anschläge waren in Odisha, Chhattigarth, Kerala und Arunachal Pradesh. Im Januar 2021 gab es eine Sicherheitsoffensive, was die Opferrate kurzfristig erhöhte (22 Soldaten). Manchmal erwischt man bei Militäreinsätzen auch die Falschen: Anfang Dezember tötet man versehentlich 15 Bergleute statt Rebellen. Der indischen Innenminister Amid Shah kündigt eine Untersuchung an. Im Februar 2022 werden 38 Todesurteile ausgesprochen. Dabei geht es um Bombenanschläge aus dem Jahre 2008. Dei Anschläge waren in Ahmedabad im Bundesstaat Gujarat. Die militant-islamische Gruppe Indian Muhahideen übernahm die Verantwortung.

Bhagavad Gita: Kern der indischen Psychologie, 200 v. Chr. entstanden. Es ist ein Epos. Drei Ganas bzw. Prinzipien wirken zusammen, alles im Universum zu erschaffen. Es sind Tamas (Trägheit, Dunkelheit, Chaos), Rajas (Ruhelosigkeit, Bewegung, Energie), Sattwa (Klarheit, Güte, Harmonie). Alle drei sind erforderlich. Ziel der Ausübung dieser Prinzipien (Yoga) ist die Beruhigung des Geistes, damit sich Erleuchtung einstellen kann und Bewusstsein bilden können. Es mehrere Yogaformen: Bewegung, Gesang, Hingabe, Erkenntnis. Psychisches Wachstum vollzieht sich in vier Lebensabschnitten: Schüler, Familienoberhaupt, Einsiedler, Asket. Vgl. Pickren, Wade E.: Das Psychologie Buch, 2018, S. 32. Yoga geht im Ursprung auf die Upanishaden zurück, die sich vom Opferkult des Brahmanismus gelöst haben und auf Yoga als meditativen Heilsweg umgestellt hatten. Mittlerweile gibt es viele Yoga-Richtungen. Als Klassiker gelten immer noch die 5 Tibeter. Es sind einfache Yoga-Übungen für mehr Vitalität und Energie. Yoga wird heute auch politisch zur Stärkung der nationalen Identität eingesetzt. Es gibt sogar Massenübungen auf Geheiß des indischen Premierministers Narendra Modi (z. B. in der Industriestadt Ranchi). So versucht das sanft autoritäre Regime liberale Institutionen zu schwächen und ihre Wähler strategisch zu verändern. Bhagavad Gita umfasst Meditation, Fasten, Energiekörperübungen und Erkundung veränderter Bewusstseinsstrukturen. Am bekanntesten ist das Yoga - Sutra von Patanjali (400 v. Chr.).

Exkurs. Yoga: Bereits vor 2500 Jahren wurde Yoga in alten Sanskrit-Schriften erwähnt. Es ist eine hauptsächlich körperliche Praxis : eine Reihe von Haltungen bzw. Asanas. Im Sanskrit bedeutet Yoga "Methode", "Kniff", Angemessenheit", "Sorgfalt". Heute betreiben ca. 300 Mio. Menschen weltweit Yoga. Die wichtigsten Strömungen sind  Ashtanga, Vinyasa, Hatha, Iyengar, Hot-Yoga. Als Trainer in einem Sportverein baue ich mittlerweile viele Yoga-Übungen in mein Programm ein (Wirbelsäulentraining, Gleichgewichtsübungen, Dehnübungen, Atemübungen). Yoga ist extrem nützlich für ältere Menschen. Eine fitte Lunge ist in Zeiten von Corona wichtiger denn je. Jeder sollte seine Atemmuskeln trainieren. Atemtherapie und Yoga hängen eng zusammen. Ziel aller Lungensportübungen ist die Atmung zu vertiefen, den Brustkorb zu mobilisieren und die Kondition zu verbessern. Om ist der zentrale Laut. Er soll das Göttliche darstellen. Das Wort "Amen" im jüdischen und christlichen Glauben soll daher kommen.  Vgl. auch: Lucas, Lucy: Das kleine Buch vom Yoga, München 2020.

Tri-Guna-Modell: Es entstammt der vedischen Philosophie. Es beschreibt menschliches Verhalten und will es ändern. Es ist ein Werkzeug, mit dem wir geistige Fähigkeiten regulieren und unsere Lebensqualität steigern können.  Das Ziel ist, Wohlbefinden und Gesundheit zu fördern. Meditation dient als Schutzprogramm für das Immunsystem. Das Stresshormon Cortisol soll reduziert werden. Es gibt drei psychologische Grundtypen: 1. Sattva: Prinzip der Reinheit. Sattva-Typen sind ausgeglichen, weise und glücklich. 2. Rajas:  Prinzip der Aktivität. Sie streben nach Bewegung, materiellem Erfolg und Sinnengenuss. Das Übermaß führt zu Stress, Nervosität und Sorgen. 3. Tamas: Prinzip der Passivität. Die Typen sind träge, pessimistisch und meist unzufrieden mit dem Leben. Sie neigen zu Depressionen. Man kann den Typ verändern durch Instrumente: Wechselatemübung Nadi Shodhana Pranayama, Yoga mit der Seele verbinden, der achtgliedrige Pfad, Meditation, Übung Shavasana (Toter Mann), Ernährung. Vgl. Peggy Freede: Das Tri-Guna-Modell, in: Natur & Heilen 12/2020, S. 36ff.  Besonders wirksam ist auch Tantra. Es ist ein Begriff aus dem indischen Sanskrit und bedeutet "Zusammenhang" oder auch "Gefüge". Bei dem Massageritual wird der gesamte Körper leicht gestreichelt, massiert und stimuliert. Kein Gefühl soll dabei unterdrückt werden. Es geht zunächst darum, Verbundenheit zu erleben; dies lässt sich leicht mit Erotik verbinden. Sexualität kann also hilfreich sein, steht aber nicht unbedingt im Zentrum. "Man muss meditieren, um sich den wahren Problemen zu öffnen", Yogi Sadhguru, gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten in Indien, er füllt ganze Stadien, tourt oft mit dem Motorrad durch Indien. Seit übe r20 Jahren setzt er sich für den Schutz der Böden ein.

Moderne Psychologie: Girindrasekhar Bose (1887-1953) gilt als der Begründer der modernen Psychologie in Indien. Im frühen 20 Jhd. wurde die Psychologie akademische Disziplin. In der Psychoanalyse bestand ein enger Bezug zur indischen Kultur. Nach dem zweiten Weltkrieg prägte Durganand Sinha die Psychologie in Indien. Vgl. Sinha, D.: Psychology in a Third World Country. The Indian Experience, Delhi: Sage, 1986.

Exkurs. Philosophie von Sri Chinmoy: Er ist ein einflussreicher indischer Guru. Bei ihm haben Carlos Santana und John McLaughlin gelernt. Chinmoys Lehre hatte große 'Wirkung in der Musikwelt. Sie war auch immer mit Drogen verbunden.

Gesundheitsreform und Gesundheitspolitik: Nach einem Gesundheitsbericht 2017 (28,2% der ländlichen und 28,95 der städtischen Bevölkerung haben eine Krankenversicherung) gibt es 2018 eine Gesundheitsreform. Für 100 Mio. arme Familien werden die Kosten der stationären Aufenthalte übernommen. Die ambulante Versorgung muss nach wie vor selbst bezahlt werden. Indien bleibt von der Corona-Krise nicht verschont. 1,3 Mrd. Menschen werden im März 2020 mit einer Ausgangssperre belegt. Das Taj Mahal wird gesperrt. Polizisten überwachen die Ausgangssperre mit viel Brutalität. Die viele Millionen Tagelöhner können wegen der Ausgangssperre aus den Städten nicht in ihre Heimat zurück. In den Städten können sie sich das Leben aber nicht ohne Arbeit leisten. So gibt es viel Elend und auch große Infektionsgefahr. In Indien gibt es nur 1 Krankenhaus pro 1000 Einwohner (D 8). Schon 2.800.000 Menschen haben Tuberkulose. 500 Mio. Menschen könnten sich mit Covid-19 infizieren. Diese Zahl wird Ende Juni 2020 schon überschritten. Indien ist nach den USA und Brasilien das am stärksten betroffene Land. Mitte Juli 2020 hat man schon über eine Million Corona-Fälle. Über 25.000 Menschen sind daran gestorben. Am 30. August 2020 erreicht das Land mit 78.761 Covid-19-Fällen innerhalb eines Tages einen traurigen Weltrekord (3,5 Mio. Infektionen, 64.000 Tote). Diese Zahl steigt im September noch auf 90.000. Die Corona-Krise bedroht den finanziellen Spielraum des Landes (hohe Ausgaben, geringere Einnahmen). 2021 schafft die WHO das Großprojekt "Covax". 2 Milliarden Impfdosen sollen in über 190 Staaten verteilt werden. Produktionsstandort ist überwiegend Indien, Logistikzentrum Kopenhagen. Allerdings steht die indische Firma Serum - Institute, eine der größten der Welt, unter dem Druck eines Export-Stopps. Vgl. Höflinger, Laura u. a.: Mission Weltrettung, in: Der Spiegel Nr. 14/ 3.4.2021, S. 84ff.  Das Center of Global Development in den USA legt 2021 eine neue Studie vor: Ergebnis ist, dass die offiziellen Corona-Toten-Zahlen in Indien zu verzehnfachen seien. Offiziell werden bis Mitte 2021 414.000 Tote durch Corona genannt. Das Institut kommt auf 3,4 bis 4,7 Mio. Tote.

Medizin und Gesundheit (vgl. Gesundheitsreform weiter oben): Berühmt und weltweit verbreitet ist Ayurveda (das Wissen vom Leben). Es ist das älteste bekannte Heilverfahren der Welt. Es gehört offiziell zum indischen Gesundheitssystem. Der Arzt untersucht Augen, Puls, Zunge, Urin und Stuhlgang. Drei Dosha (Prinzipien des Lebens) sollen sich im Gleichgewicht befinden: Vata (Bewegung), Pitta (Feuer) und Kapha (Struktur). Grundlage jeder Therapie ist individuelle Diät, Schwitzen, Öle, Abführen und Erbrechen (Entgiftung, Panchalkarma). Das Nachtschattengewächs Ashwagandha (Withana somnifera, indischer Ginseng) ist z. B. für gute Nerven und erholsamen Schlaf. Indien wird oft als Apotheke der Welt bezeichnet, weil zahlreiche Pharmaprodukte und auch Vorprodukte in Indien hergestellt werden. Allerdings geht das Meiste in den Export. Viele Rohstoffen zur Impfproduktion fehlen auch im Land.

Indien wird hart vom Corona-Virus 2020 getroffen. Man erlässt am 21.3.20 eine Ausgangssperre für 1 Mrd. Menschen. Auf eine solche Krise ist das Gesundheitssystem überhaupt nicht vorbereitet. Im August 2020 meldet Indien schon mehr als 2 Mio. Corona-Fälle (vorher schon Brasilien und USA). Die Steigerung geht in Indien am schnellsten. Der Glaube an die wachsende Wirtschaft zerfällt. Die Aufstiegsträume sind zerschmettert.  Im Land gehen die Corona-Zahlen im November 2020 etwas zurück. Aber die Hauptstadt Delhi wird von einer dritten Welle heimgesucht. Verstärkend wirkt der Smog und Feinstaub in der Hauptstadt (fatale Kombination, viele Tote). Während in anderen Regionen die Infektionsfälle zurückgehen, steigen sie in Delhi noch an. Im Januar 2021 startet die "größte Impfaktion aller Zeiten" (Modi). Es ist eine lokale Version des Impfstoffs von Astrazeneca (1,1 Mio. Dosen). Man möchte Sputnik V aus Russland und die chinesischen Impfstoffe meiden. Es gibt allerdings nur 300 Impfzentren. Man wartet noch auf heimische Hersteller. Im Januar 2021 liegt die Anzahl der Corona-Toten bei 151.727 (Indien hat eine junge Bevölkerung). An einem Impfkonzept wird im Februar 2021 immer noch gearbeitet. Der Staat bleibt hinter den Zielen zurück. Vier große Pharmahersteller wollen in das Impfgeschäft einsteigen. Hetero will in vorhandenen Anlagen Sputnik V produzieren. Auobindo plant mit einem eigenen Impfstoff (von Profektus Bio Sciences aus USA übernommen). Wockhart/ Mumbai verhandelt mit einigen ausländischen Herstellern, um die Produktion zu bekommen. Im Februar 2021 sind die Infektionszahlen in den letzten fünf Monaten gesunken. Wissenschaftler rätseln über die Gründe. Ist das schon Herdenimmunität (mit der jungen Durchschnittsbevölkerung)? Das Leben ist weitgehend zur Normalität zurückgekehrt. Im April 21 kommt die Pandemie wieder massiv zurück. Die Infektionszahlen steigen stark exponentiell an. Es ist eine neue Variante entstanden. Indien erlangt bei den Neuinfektionen weltweit die Spitze (400.000 an einem Tag im Frühling 21, 4000 Tote an einem Tag, 250.00 Tote insgesamt mit Dunkelziffer/ 50%, weil nur in Krankenhäusern gezählt wird, 20 Mio. Infektionen). Die Mutante heißt B.1.617, eine Mischung aller bisher bekannten Mutanten. Das marode Gesundheitssystem ist am Rande des Zusammenbruchs (auch die Krematorien sind überlastet). Wanderarbeiter und Taglöhner verstärken das Problem. Sie tragen die Pandemie in die Dörfer. Die USA und Deutschland (auch die EU) schicken Hilfe nach Indien. 23 mobile Anlagen zur Produktion von Sauerstoff werden von der Bundeswehr nach Indien transportiert. Auch der Industriekonzern Linde ist im Einsatz. Es werden auch Beatmungsgeräte geliefert. Die 2. Welle ist außer Kontrolle geraten. Einreisen aus Indien sind in fast alle Länder der Welt verboten. In Delhi ist das renommierteste Krankenhaus "Sir-Ganga-Ram". Davor stehen Schlangen von Krankenwagen, die ihre Patienten nicht los werden. Überall brennen Toten-Feuer. Die Regierung leugnet die Dramatik der Situation.

Im Süden Indien bricht im Dezember 2020 eine mysteriöse Krankheit aus. Schwerpunkt ist die Stadt Eluru. Es treten epileptische Anfälle auf, auch Gedächtnisverlust, Kopf- und Rückenschmerzen. Folge ist eine "Massenhysterie". Im Süden, im Bundesstaat Karnataka, mit dem Outsourcing - Zentrum Bangalore muss wegen Corona ab April 21 ein Lockdown verhängt werden. Im Frühjahr 2021 gibt es große Angst vor einer tödlichen Pilzkrankheit. Diese tritt unter Corona-Patienten auf. Es geht um bestimmte Schimmelpilzsporen. In mehreren Bundesstaaten gibt es schon über 5000 Fälle.

Industriepolitik, insbesondere für die Pharmaindustrie: Der Umsatz der Pharmaindustrie beläuft sich auf 40 Mrd. $. Damit ist Indien der drittgrößte Player der Welt (nach China und USA). Indien macht seinen Umsatz vor allem mit Generika. Deshalb hat Indien 2021 ein ungeheures Interesse daran, mRNA-Impfstoffe zu produzieren. Dazu müsste der Patentschutz aufgehoben werden. Die indische Industriepolitik setzt alle Hebel in Bewegung. Das könnte auch Pfizer nutzen, das eine hohe Lizenzgebühr an BionTech zahlen muss. Insofern hat Indien auch die Unterstützung der USA, zumindest von Biden. Vgl. Wettach, Silke: Bollywood first, in: WiWo 20/ 14.5.21, S. 32 f.

Umwelt (Energie/ Landwirtschaft u. a.): Ein großes Problem Indien ist die Hygiene. Es gibt viel zu wenig Toiletten und Kanalisationen. Die Flüsse sind erheblich verschmutzt. Schwere gesundheitliche Schäden sind die Folge. Die Pro-Kopf-Emissionen in Indien sind viel geringer als bei den anderen Hauptemittenten (1,7 t CO2 pro Kopf). Insgesamt liegt Indien aber mit 2070 Mio. Tonnen Kohlendioxidausstoß 2013 schon an dritter Stelle in der Welt. 2018 erzeugt Indien noch sieben Prozent der weltweiten Treibhausgase. Indien neigt in der Vergangenheit dazu, der chinesischen Position zu folgen. Die neue Zielsetzung für Paris ist wenig transparent. Indien scheint mit seinem Pro-Kopf-Ausstoß zu argumentieren und will sich kaum auf Ziele einlassen. Doch die Regierung stimmt schließlich dem Pariser Abkommen zu. Indien hat 6% des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes. Indien hängt noch stark an der Kohle. Das schmutzige Geschäft wird im Nachbarland Bangladesch betrieben. Wie kaum in einem anderen Land der Erde ist Indien vom Klimawandel und der Umweltverschmutzung betroffen. Alle 30 Minuten bringt sich ein Landwirt um, weil er in Existenznot ist. Die Kleinbauern bekommen keine Hilfe von der Regierung. In New Delhi ist ein Leben kaum noch möglich. Jährlich sollen vorzeitig 1,8 Mio. Inder an Luftverschmutzung sterben (Quelle: Fachzeitschrift "The Lancet" 2018). 640.000 Menschen kommen durch verunreinigtes Wasser zu Tode. Die Flüsse sind zu Kloaken mutiert, auch der heilige Fluss "Ganges" sowie seine Nebenflüsse. Inder sind sicher nicht schmutzigere Leute als anderswo. Im Lande werden Gesetze nicht durchgesetzt. Ausländische Konzerne stemmen sich auch gegen einen umweltfreundlichere Politik (z. B. deutsche Autohersteller). Sunita Narain ist Indiens bekannteste und einflussreichste Aktivistin in Umweltfragen. Im Jahre 2019 erfasst eine Hitzewelle Indien. Dem Land droht das Wasser auszugehen. Indien versinkt regelmäßig unter Fluten und doch leidet das Land unter Wasserknappheit. Dafür ist der Klimawandel aber nur zum Teil verantwortlich, einen größeren Beitrag leistet die verfehlte Politik. Die Landwirtschaft verbraucht 80% des Grundwassers, das mit hoch subventioniertem Strom abgepumpt wird. Die Zuckerrohrpflanze und der Reis verschlingen eine Unmenge Wasser. Im Mai 2020 zerstört der Super-Zyklon "Amphan" die Lebensgrundlage von Millionen Menschen.  Bangalore. Die indische Metropole ist die Universitäts- und IT -Hochburg. Die Stadt ist Sitz des Digitalriesen Infosys. Google betreibt dort sein größtes Forschungszentrum außerhalb der USA. Es ist eine der innovativsten Städte der Welt. New Delhi, die indische Hauptstadt, ist besonders stark von Umweltverschmutzung betroffen. Das Risiko für Fehl- und Frühgeburten ist dadurch erhöht. Jährlich sterben auch mehr als 100.000 Kinder unter fünf Jahren aufgrund der schlechten Luft (Kinder atmen Schadstoffe doppelt so schnell ein). Delhi ist auch in Zukunft besonders durch den Klimawandel bedroht. Es steht auf der Risikoliste ganz oben (von Verisk Maplecraft, London). .

Energie: Indien entscheidet maßgeblich mit, ob die globale Klimakatastrophe verhindert werden kann. Indien will zum grünen Pionier werden. Indien baut derzeit einige der größten Solarparks der Welt, der Bau vieler Kohlekraftwerke wurde abgesagt. Allerdings steigt noch die Kapazität der Kohlekraftwerke (+ 155960 Megawatt). Indien ist drittgrößter Kohleproduzent der Welt und zweitgrößter Verbraucher 2021. Bis zum Jahre 2030 könnte nicht fossiler Strom mehr als 40% ausmachen (Climate Action Tracker). In Indien wird noch sehr viel gebaut (Straßen, Schienen, Fabriken, ganze Stadtteile). Dies wird den Energiebedarf stark erhöhen. 2016 wurden noch 65,2% der CO2-Emissionen durch Kohleverbrennung erzeugt (Deutschland 39,5%). Bis 2030 dürften die Emissionen noch weiter ansteigen. Vgl. Höflinger, Laura: Energiewende XXL, in: Der Spiegel Nr. 28, 6.7.2019, S. 78ff.. Indien gibt auf der Weltklimakonferenz in Glasgow bekannt, dass es erst 2060 die Klimaneutralität erreichen kann. Der Verteilungskampf um LPG-Gas, der nach dem drohenden Erdgas-Embargo gegen Russland ausbricht, geht wegen volatiler Verträge zum Schaden Indiens aus (Deutschland bietet höhere Preise). Insofern ist es verständlich, dass sich Indien mit Russland halten will, um notfalls von da Gas zu beziehen, was auch noch günstiger ist. Nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieg hat Indien seine Ölimporte aus Russland um +340% hochgefahren. Indien hat einen Verbrauch von 4,7 Mio. Barrel pro Tag. Die steigende Nachfrage aus Indien und China unterläuft das Embargo der EU und USA. Mittlerweile raffiniert Indien auch Öl aus Russland und verkauft es mit hohem Gewinn auf dem Weltmarkt (auch an Deutschland, ausgleichende Gerechtigkeit für entgangenes LNG). "Wenn Öl verbilligt verfügbar ist, weshalb sollten wir es nicht kaufen?" Nirmala Sitharaman, indische Finanzministerin, im Mai 2022.

Landwirtschaft: In Indien läuft ein riesiger Feldversuch für eine alternative Landwirtschaft. Eine Million Bauern sind daran beteiligt. Der Versuch läuft in Südindien in der Provinz Andhra Pradesh in Guntur.. Pflanzen werden nebeneinander angebaut (Reis, Erdnüsse, Zuckerrohr, Bananen, Linsen, Mango, Palmen). Es gilt ein strenges Pflanzenschema. Das Projekt heißt ZBNF (Zero Budget Natural Farming). Kleinbauern bündeln ihre Erfahrungen. Sie setzen auf Brahma, Krishna und Gurus. Beraten werden die Bauern auch von einem FAO-Team. 2012 wird Indien größter Reis-Exporteur der Welt (überholt Thailand und Vietnam). Im Mai 2022 erlässt Indien einen Export-Stopp für Weizen. Das trägt weiter zu Preissteigerungen auf dem Weltmarkt und auch Hungersnöten bei.Teilweise wird später der Stopp aufgehoben: Man liefert an Länder mit extremer Nahrungsmittelknappheit (Ägypten).

Exkurs. Punjab: Das ist Indiens Kornkammer. Eigentlich wollte man im Jahre 2022 12 Mio. Tonnen Weizen exportieren. Doch extreme Hitze reduzierte die Ernte deutlich. Man rechnet mit 25 bis 50% Ernteausfall. Der Klimawandel schadet seit Jahren. Der Staat mischt mit, um sein Volk zu ernähren: Die Bauern dürfen nicht direkt an private Händler verkaufen, sondern müssen ihre Produkte auf dem Großhandelsmarkt zur Auktion bringen. Wird ein staatlicher Mindestpreis nicht erreicht, geht die Ware an einen öffentlichen Getreidespeicher. Die Bauern verkaufen unter der Hand an Händler, die die Preise der Regierung deutlich überbieten. Diese horten das Korn zu Spekulationszwecken. Den Kleinbauern hilft das Alles wenig. Sie können von der Preisexplosion nicht profitieren. Viele pflanzen jetzt Reis, der aber sehr viel mehr Wasser braucht. Auch hier gibt der Staat nur garantierte Preise.

Exkurs. Elefanten: Sie werden in Indien traditionell als Nutztiere eingesetzt. sie haben große Bedeutung in der Landwirtschaft. Der Lebensraum der Elefanten wird gefährlich kleiner. vor allem der Wald, ihr Lebensraum, wird reduziert. Dadurch geraten sie in Stress, weil sie die Ruhe im Wald brauchen. Es gibt in Indien viele Forschungsprojekte über Elefanten. Ihr Kot wird untersucht, es werden Videos über ihr Verhalten gedreht. Elefanten können glücklich und traurig sein. 

Agrarreform 2020: Sie soll mehr Marktliberalisierung bringen. Indien will sich zur Industriegesellschaft entwickeln. Es könnte aber zu einer Flucht aus den Dörfern kommen. Die Bauern kämpfen ohnehin mit Umweltproblemen: Die Böden sind ausgelaugt. Das Grundwasservorkommen ist erschöpft. Die Reform könnte starke Auswirkungen auf die Preise der Produkte haben. Großkonzerne wie Walmart könnten die Preise drücken. Bisher werden die Produkte über staatlich kontrollierte Märkte verkauft (so genannte Mandis). Es gibt staatliche Mindestpreise für Weizen und Reis. Von diesem System profitieren sehr stark Mittelsmänner (sie kümmern sich um Verkauf und Lagerung, verleihen Saatgut und Maschinen). Die Kleinbauern sind oft hoch verschuldet. Deshalb erlaubt die Regierung noch Sonderregeln (direkter Verkauf an Supermärkte, landesweiter Verkauf u. a.). Die Bauern protestieren gegen die Reform, weil sie eine Verschlechterung ihrer Lage befürchten. Sie glauben nicht die Versprechen von Effizienz und Produktivität. Vor allem die Kleinbauern fürchten um ihre Existenz.  Vgl. Fähnders, Till: Bauern auf den Barrikaden, in: FAZ Nr. 292, 15.12.20, S. 5. Die Proteste weiten sich aus zu Massenprotesten. Man spricht von einem Marsch der Bauern ("Karneval des Trotzes"). Das verursacht Unmut bei der Regierung (ist peinlich für sie). Sie stellt in den kritischen Regionen für Stunden das Internet ein. Vgl. Fähnders, Till: Der Marsch der indischen Bauern, in: FAZ Nr. 22, Mittwoch 27.01.21, S. 5.

Wasser:  Am meisten Wasser wird verbraucht in der Landwirtschaft. Hier führt Indien (relativ und absolut). Dann folgt die Industrie, wo auch Indien führt (relativ). Auch bei den Haushalten liegt Indien an der Spitze. Indien überfordert die Wasserreserven.

Wasserkriege?: Was passiert, wenn China die großen Flüssen Asiens, die in Tibet entspringen, abgräbt? Dann gibt es wahrscheinlich Krieg. Indien ringt auch mit Pakistan am Indus um die Wasserrechte. Indien droht mit der Umleitung von Zuflüssen.

Größtes Flussdelta der Welt: Es entsteht durch den Zusammenfluss von Ganges, Bramaputra und Meghna (140.000 Quadratkilometer, nicht dauerhaft). Es ist eine Ansammlung von Flüssen, Seen, Kanälen, Sümpfen und Schwemmlandinseln. Es ist auch die Reisschüssel Indiens. Durch Überschwemmungen gibt es eine fruchtbare Schlammschicht, ein besonders nährstoffreicher Boden. Man kann dreimal im Jahr ernten. Außerdem gibt es die größten Mangrovenwälder der Erde in der Nähe des Indischen Ozeans. Hier wird der begehrte Honig der Riesenbienen geerntet. Dort liegt auch der Kasiranga-Nationalpark (mit noch vielen Tigern).

Naturkatastrophen: Immer wieder wird Indien von Naturkatastrophen heimgesucht. Es sind Erdbeben an der Grenze zu China. Oder auch Sandstürme. Am 07.02.21 löst ein Gletscher eine Sturmflut im Norden aus. Es ist am Nanda-Dewi, dem zweithöchsten Berg Indiens, in der Provinz Uttarakhand. 170 Vermisste und 30 Tote sind die Folge. Daneben gibt es auch immer wieder schwere Verkehrsunfälle. So stürzt am 16.2.21 ein Bus in den Kanal im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Es kommen 45 Menschen ums Leben. Im Mai 2021 sucht ein heftiger Zyklon ("Tauktae") den Westen Indiens heim. Über 30 Menschen verlieren ihr Leben. Im August 2022 gibt es große Überschwemmungen im Land. Über 40 Menschen kommen ums Leben.

Disha Ravi: Sie ist eine junge Klimaschützerin und gilt als Indiens Greta. Sie wird 2021 verhaftete. Die Regierung Modi will Kritik unterdrücken und einschüchtern.

Klimawandel und -politik: Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow 2021 gibt Indien bekannt, dass es erst bis 2070 klimaneutral sein will. Indien drängt auf eine weiche Lösung beim Kohleausstieg (zusammen mit China). Trotzdem schließt Indien wegen Smogs immer mal wieder eine zeitlang Kohlekraftwerke (in der Nähe von New Delhi). Ohne Indien kann es keine globale Klimawende geben. Im Gegensatz zu China kann Indien das ohne Hilfe nicht schaffen. Deutschland will bei der Umstellung auf erneuerbare Energien eng mit Indien kooperieren. Vgl. Gerd Müller: Ohne Indien gibt es keine globale Klimawende, in: HB Nr. 235, 3./4./5. Dezember 2021, S. 64. Vor mehr als 100 Jahren hat sich in der Erde unter dem indischen Dorf Liloripathra die Kohle entzündet. Die Feuer strahlen große Hitze aus, vergiften durch Spalten im Boden die Luft, verschlingen Häuser. Das Leben wird zur Hölle. Gleichzeitig ist es für die dort lebenden Menschen die einzige Lebensgrundlage.

Energiepartnerschaften (G7 und Drittstaaten zum Klimaschutz): Sie werden auf dem G7-Gipfeltreffen im Juni 2022 in Elmau/ Bayern vereinbart. Vorbild ist Südafrika, das von Deutschland und anderen Ländern Geld erhält, um den Einsatz neuer sauberer Technologien zu fördern. Zum Gipfel eingeladen waren neben Südafrika, Senegal, Argentinien, Indien, Indonesien. Besonders relevant ist Indien.

Korrupte Bausünden: Im August 2022 werden illegal errichtete Hochhäuser in New Delhi gesprengt. Dei Türme waren 100 m hoch. Die 1000 Wohnungen wurden aufgrund jahrelanger Rechtsstreitigkeiten nicht bewohnt. 2012 entschied das Oberste Gericht, die Gebäude würden gegen Sicherheitsvorkehrungen verstoßen und die Bauträger hätten mit korrupten Behörden zusammengearbeitet. Ende Oktober 2022 stürzt im Westen Indiens eine Hängebrücke aus der britischen Kolonialzeit ein, die kurz vorher renoviert worden war. Über 100 Menschen kommen ums Leben.

Unternehmen: Mittlerweile hat Indien mit Mittal den größten Stahlproduzenten, mit Arcelor einigt man sich auf Fusion (Weltmarktanteil 12,5%).    Das weltweit größte Stahlunternehmen Mittal baut für 5 Mrd. Euro eine neue Stahlfabrik in Südost-Indien. SAP will in Indien bis 2011 1 Mrd. $ investieren. Pläne zur Begrenzung von Auslandsinvestitionen lösen im Oktober 2007 Panikverkäufe an der Börse aus (Mumbai). Indian Oil und Bharat Petroleum sind die größten Unternehmen in Staatshand. Die Privatisierung der indischen Unternehmen kommt 2009 ins Stocken.  Ca. 470 Unternehmen sind noch in staatlicher Hand (40% der Wirtschaftsleistung). Sie sollen schrittweise privatisiert werden. Eine Reihe von Milliardären scheinen die Wirtschaft zu dominieren. Dies führt immer wieder zu Korruptionsskandalen. Man spricht auch von "Crony Capitalism" (Kumpanei zwischen Privatwirtschaft und Staat). 85% der Arbeitskräfte arbeiten in einer Art informellem Sektor, ohne Tarif- und Arbeitsverträge. Bürokratie und Stromausfälle erschweren auch 2015 weiterhin die Geschäfte. Die Regierung wirbt um Direktinvestitionen (höhere Ausgaben für Infrastruktur, niedrigere Unternehmenssteuern). Vgl. Links/ Sonstige Unternehmen in Ostasien. Indien besitzt die drittgrößte Lederindustrie der Welt (nach China und Italien). Die Abwässer der riesigen Beiz-Fabriken fließen in der Regel ungefiltert in den Ganges. 2017 platzten die Bündnispläne zwischen VW und Tata (Kooperation bei Billigautos; Skoda; Absichtserklärung für strategische Allianz). 2017 übernimmt der russische Erdölgigant Rosneft die zweitgrößte indische Ölfirma Essar Oil (zusammen mit Partnern). 2017 wirbt indien massiv um deutsche Mittelständler. Das Motto der Initiative lautet: "Make in India Mittelstand". Allerdings sind die bürokratischen Hürden hoch. Unilever kauft Ende 2018 die asiatische Malzgetränkesparte von Glaxo-Smithkline für 3,3 Mrd. Euro. Es geht insbesondere um die Getränkemarken Horlicks77 und Boost in Indien. Das ist wichtig im Wettbewerb gegen Nestle.  Im südindischen Chemieunternehmen LG Chem kommt es im Mai 2020 zu einem Gasunglück (Styrol). Es sterben 11 Menschen (das größte Unglück bisher war in Bhopal 1984 mit 20.000 Toten  durch Pestizide). 2019 steckt Indiens Autobranche in der Krise. Hersteller und Zulieferer reagieren mit temporären  Produktionsstopps. Im Juli 2019 wurden 31 % weniger Autos verkauft. Die Branche steckt mit dem Absatzrückgang in der schwersten Krise seit 19 Jahren. Quelle: Automobilverband Siam.  "Auch Pannen haben ihren Wert, aber nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika", C. Reisbach, Brauereivorstandsvorsitzender.  2015. Im März 2017 schließt der größte Bundesstaat Uttar Pradesh über die Hälfte seiner Schlachthöfe wegen Regelverstößen. In Wirklichkeit dürfte es sich eine Maßnahme von Hindu-Nationalisten gegen Moslems und Christen handeln. Nachbarschaftsläden versorgen in Indien Hunderte Millionen Menschen. 12 Mio. solcher Tante-Emma-Läden gibt es 2018 noch in Indien. Sie versorgen Hunderte Millionen Menschen mit Gütern des täglichen Bedarfs. Metro will helfen, die Shops ins digitale Zeitalter zu überführen. 2021 reagieren indische Pharmafirmen empört auf Äußerungen von Merkel: Sie hatte davor gewarnt, dass die Firmen Vorleistungen nicht an die EU liefern wegen der Pandemie.  Vgl. zu wichtigen Unternehmen "Unternehmen, Indien".

Start-ups in Indien: 2021 ist das beste Jahr der Geschichte. Investoren wetten Milliardensummen auf ihr Wachstum. Auch deutsche Geldgeber sind mit dabei. Besonders die folgenden Start-ups tun sich hervor: 1. Nykaa (Kosmetik, mit Nivea und L`Orial). 2. Eruditus (Weiterbildung mit Geld von Bertelsmann). 3. Paytm (digitale Bezahlung, mit Warren Buffet und Jack Ma). 4. Meesho (Facebooks E-Commerce-Partner). 5. Zomato (Liefermarktführer bei Essen, Delivery Hero aus D. ist mit an Bord). 6. Zeta (Software für deutsche Banken).

Deutsche Unternehmen in Indien: 2000 deutsche Firmen sind in Indien aktiv. 2007 eröffnet auch BMW ein neues Werk. Daimler kooperiert bei Nutzfahrzeugen mit Hero (Joint-Venture). VW baut ein Werk in Indien (110.00 Autos, 2009). Bosch hat ein großes Werk in Bagalore. 1600 deutsche Firmen haben 2015 Direktinvestitionen in Indien (9,7 Mrd. €). Tata baut das billigste Auto der Welt (ca. 1700 €) und kauft Jaguar und Landrover von Ford. Daimler hält 7% an Tata und will bei Jaguar kooperieren. Daimler investiert 700 Mio. € in ein Gemeinschaftsunternehmen (60%) mit dem Partner Hero, der allerdings 2009 aussteigt. Es wurden Nutzfahrzeuge produziert. VW baut ab 2008 eine neue Fabrik bei Mumbai. Die Deutsche Bank will bis 2007 tausende von Stellen nach Indien auslagern. Vodafone hat die Mehrheit an dem indischen Mobilfunkbetreiber Hutchison Essar übernommen. Die Allianz will in Indiens Bankensektor einsteigen. Heidelberger Cement erweitert seine Produktion in Indien. SAP will wichtige Entwicklungsentscheidungen zukünftig im indischen Bangalore treffen und stärkt damit den Standort Indien. Die indische Softwarefirma Yasu soll übernommen werden. Die BASF baut eine neue Kunststoff-Produktionsanlage in ihrem Standort Thane bei Mumbai (Bombay). In Mumbai ist ebenfalls ab 2015 ein Forschungszentrum für 50 Mio. Euro und 300 Wissenschaftler geplant. Daimler will im südindischen Chennai einfache Lastwagen bauen.  Im März 2017 schließen VW und Tata Motors eine strategische Allianz. 2010 will die Deutsche Telekom in Indien starten. Siemens will ab 2010 in den nächsten drei Jahren 8000 Jobs in Indien schaffen. 2010 verkauft Daimler seinen 5%-Anteil an Tata. b 2019 plant die BASF eine Investition in Milliardenhöhe in Indien (Hafenstadt Mundra, zusammen mit Adani). Das Werk kostet 3,6 Mrd. €. Es wird ein Öko-Chemiewerk. Als weltweit erster Petrochemiestandort soll es komplett mit erneuerbaren Energien versorgt werden. VW zahlt 2019 in Indien eine Sicherheitsleistung: 12,3 Mio. Euro. Emissionsnormen und ihre Einhaltung. Die BASF will 2020 ihre Bauchemie verkaufen: Davon wäre das Bauchemie-Zentrum in Mumbai betroffen. Die Metro gibt 2022 Indien auf. In Indien wurde das Raiffeisenmodell, das auf F. W. Raiffeisen zurückgeht, erfolgreich schon zur deutschen Kaiserzeit eingeführt (1904). Heute gibt es in etwa 230 Mio. Mio. Mitglieder im Genossenschaftsnetzwerk. Etwa 60% aller Genossenschaften sind im Bereich der Landwirtschaft tätig. Allerdings wird das Demokratieprinzip schon mal durch die bemittelten Mitglieder unterwandert. Indien ist 2015 Partnerland auf der Hannover Messe. "In Indien weißt du nie, wo ein LKW steckt und wann er ankommt", Philipp Bäcker, BPW Trailer Systems India,

Exkurs: Statistik der deutschen Unternehmen: In Indien sind rund 1.800 deutsche Unternehmen 2021 aktiv. Die größten sind mit jeweiligen Produktionsstandorten: Volkswagen (Chakan, Puna, Shendra, Aurangabad), BMW (Channai), Daimler (Puna), Laxess (Nagada, Jhagadia), Bosch (Jaipur, Ahmedabad, Puna, Verna, Chennai, Gangelkondan), BASF (Dahej, Mangalore, Thane, Chennai). 2020 betrugen die deutschen Exporte nach Indien 10,7 Mrd. €. Die deutschen Importe aus Indien lagen bei 8,9 Mrd. €. Indien liegt auf Platz 9 der deutschen Handelspartner. Die deutschen Direktinvestitionen (DI) in Indien betrugen 2019 1.210 Mio. € (Stand des Volumens). 2019 hatte Indien DI in Deutschland für 208 Mio. €. Vgl. Handelsblatt 28.4.21, S. 6f., Deutsche Auslandshandelskammer in Indien. Indien punktet mit niedrigen Kosten und einem hohen Ausbildungsniveau. Hinzu kommt die englische Sprache.

Exkurs: Deutsche Bank in Indien: Die Technologiestandorte Bangalore und Pune wachsen beständig. Die Informationstechnologie-Kapazitäten werden stark ausgebaut. Man will 2022 2500 IT-Spezialisten einstellen. Man beschäftigt schon 5000 in Indien. Es wird Software für alle Bereiche des Unternehmens programmiert. Chef in indien ist Bernd Leukert (vorher bei SAP). Weitere Technologiezentren sind in Berlin, Bukarest und Cary/ USA sowie Moskau.

Börsen: Die Hauptbörse ist in Mumbai. In Indien gibt es mehr börsennotierte Unternehmen als in jedem anderen Land der Welt. An der Mombay (Bombay) Stock Exchange (BSE) sind ungefähr 5000 Unternehmen gelistet, mehr als an jeder anderen Börse. Leitindex ist der Sensex. Die heute führenden Gesellschaften in Indien wurden von Parsen im 19. Jahrhundert gegründet. Die Parsen gründeten auch die Textilindustrie. Die Juteindustrie in Bengalen dominierten die Briten. Die Briten betrieben ursprünglich auch den Kohlebergbau. Auch die Teeplantagen waren ein Monopol der Briten. Die Parsen waren aus Persien eingewandert. 2020 und auch noch 2021 klettert die Börse trotz Rezessionen. Sogar die Zentralbank warnt vor überzogenen Erwartungen. Am 21.01.21 klettert der BSE-Sensex über die historische Marke von 50.000 (Verdopplung seit dem Einbruch im März 2020). Er sinkt zwar wieder aber hält sich knapp unter 50.000 trotz Corona. Er steigt dann im Laufe von 21 kontinuierlich auf über 57.000 bis Ende des Jahres. 2022 geht der Kurs nach unten: Hohe Inflation und steigende Leitzinsen sorgen dafür. Indien hat auch spezielle Indices: Nifty 50 und MSCI Emerging Markets. Es gibt schwache Aussichten für IT-Werte.  Die älteste Börse in Asien ist die in Mumbai/ Indien (1876). Sie ist auch die älteste Börse in Asien. Sie geht 2017 selbst an die Börse.  

Unternehmenssteuern: Indien liegt weltweit an der Spitze bei Unternehmenssteuern. Man liegt bei 48%. Der weltweite Mindeststeuersatz soll nach dem Willen der USA 2021 auf 15% festgelegt werden. China liegt bei 25%, die USA bei 26%, Deutschland bei 30%.

Lieferketten/ Indien: In der Corona-Krise, die Indien mit am stärksten trifft, sind dei Lieferketten bedroht. Mit dem Anstieg der Covis-19-Fälle in Indien häufen sich Beschränkungen für Personal und Schiffe. Das führt zu starken Störungen im Welthandel. Die deutschen Exporte nach Indien gehen so zurück. Vgl. HB, Nr. 90, 11.5.21, S. 14.

Soziale Medien und IT: Indien ist der größte Outsourcing - Standort der Informationstechnologie. Schwerpunkt ist Bangalore. Indien tut sich aber schwer mit der Meinungsfreiheit. Facebook und Twitter haben Schwierigkeiten. Das Oberste Gericht fordert etwa Stellungnahmen. Man droht Twitter - Managern mit Haftstrafen. Facebook legt sich 2021 mit Indiens Regierung an. Eine schärfere Zensur stößt auf Protest. WhatsApp will Offenlegen von nutzerdaten verhindern. Die Uni IIT in Mumbai (Indian Institute of Technology) gilt als die Elite-Uni für den IT-Sektor. viele Führungskräfte im Silicon Valley oder Start-up-Gründer haben hier studiert.

Informeller Sektor: Nichtreglementierte Unternehmen bilden das Rückgrat der indischen Volkswirtschaft. Ihr Anteil soll nach Schätzungen bei 54% der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung liegen. Es handelt sich um ca. 56 Mio. informelle Unternehmen (Kleinbetriebe und Selbständige). Sie standen 1,39 Mio. registrierten Unternehmen gegenüber. Die Landwirtschaft, die Fischerei, das Transportgewerbe und Teile des Finanzsektors sind ohne Rücksicht auf Steuerrecht, Arbeitsrecht, Arbeitsschutz organisiert. Diese Schattenwirtschaft führt auch zu Korruption und fehlendem Zugang von staatlichen Leistungen. 2017 wurde eine Mehrwertsteuer eingeführt, die das Dickicht der Umsatzsteuer und den Vorsteuerabzug  regulieren soll. Gegen Scheinfirmen wird härter vorgegangen. Die Bargeldreform soll hier helfen.

Teeregionen Darjeeling und Assam: Erstere im  Osten Indiens ist berühmt, auch noch aus der Zeit von Indien als britischer Kolonie. Die Teepflückerinnen werden immer noch ausgebeutet. Sie erhalten etwa 1,4 bis 2,8% vom Preis für die Verbraucher in Deutschland. Sie verdienen 2,25€ pro Tag und müssen sich davon noch Arbeitsutensilien kaufen. Deutsche Teefirmen kaufen ca. ein Viertel der jährlichen Ernte. Das sind prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen. Es herrscht ein enormer Preisdruck auf die Plantagen. Tee aus anderen Landesteilen wird beigemischt. Nachhaltigkeitsstandards von Fair Trade und Rainforest Alliance werden nicht eingehalten. Quelle: Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung 2019. Die zweite große Tee-Region ist Assam am Fluss Bramaputra , die größte Teeregion der Welt (2000 Plantagen) Auch auf Plantagen dort sind Menschenrechtsverletzungen Alltag. Dies zeigt auch eine neue Studie der Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam 2019: Schikane, giftige Pestizide, schlechte Bezahlung. In der Studie gibt es aber keine konkreten Angaben für ein Einschreiten. Man brauchte ein Gesetz, das globale Lieferketten besser kontrolliert. Deutsche Unternehmen verlassen sich häufig auf Zertifikate (Rewe, Aldi, Lidl, Teekanne, Ostfriesische Teegesellschaft). Die Organisation Rainforest kündigt einen Aktionsplan an. Kleinere Teeregionen sind Dooars im Norden und Nilgiri im Südwesten.

Kinderarbeit in Indien: In Indien ist Kinderarbeit sehr verbreitet (einer der höchsten Anteile in der Welt). Jedes zweite hungernde Kind soll in Indien leben. Die Kinder arbeiten vor allem in der Landwirtschaft, im Bergbau und in Steinbrüchen (Grabsteine, Granit, Marmor). Besonders betroffen sind die Mädchen, die wie oft Sklaven eingesetzt werden. Besonders problematisch ist der Mika-Abbau (Glimmer). Er ersetzt die ausfälle in der Landwirtschaft wegen der Dürre. 2020 wird bekannt, dass auch viele Kinder in der Teppichindustrie schuften. Die Zustände dort werden verharmlost, oft mit Beteiligung der Kinderrechtsorganisation Unicef. Siegel erweisen sich als nicht verlässlich (z. B. IGEP). Es gibt Kinderarbeit auch als Heimarbeit. Die indische Teppich-Lobby ist sehr mächtig.

Indien als Entwicklungsland bzw. begünstigtes Land im Außenhandel: Zum 5. Juni 2019 streichen die USA Zollvergünstigen für Indien. Sie galten im Rahmen eines Handelsprogramms für Entwicklungsländer. Die USA lassen verlauten, Indien biete keinen gerechten und angemessenen Zugang zu seinen Märkten. Im Juni 2019 antwortet Indien mit Vergeltungszöllen: 20 US-Produkte werden mit Zöllen belegt. 2020 weitet die Bundesregierung ihre Indien-Hilfe wegen Covid-19 deutlich aus: Es werden 330.000 Testkits und 600.000 Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt. Außerdem gibt es kurzfristige  Kredite im Wert von 460 Mio. € für Nahrungsmittel und Überbrückungshilfen. Indien wird 2022 sehr wichtig in einer sich abzeichnenden neuen Welthandelsordnung. Russland braucht Indien dringend als Nachfrageausgleich für Europa. In der UN enthält sich Indien bei Sanktionen und Äußerungen gegen Russland.

TTC (Trade and Technology Council) mit der EU): Am 25.422, beim Besuch von Ursula von der Leyhen beim  indischen Regierungschef Narendra Modi, soll das Abkommen besiegelt werden. Etwas ähnliches besteht mit den USA. Man strebt auch ein Handelsabkommen an. Dei EU will Indien auch mit Rüstungsgütern versorgen. So will man Indien aus der engen Bindung an Russland lösen. Indien hatte sich nicht den westlichen Sanktionen angeschlossen (und stark von billigerer Energie profitiert). Die EU braucht Ersatz für Russland, auch von China will man sich mehr lösen. 

AAGC: Asia-Africa Growth Corridor. Kooperation von Japan und Indien (ein Gegenprojekt zum chinesischen Seidenstraßenprojekt). Enge Zusammenarbeit mit der African Development Bank. Es geht um maritime Handelsrouten nach Europa (vor allem nach Afrika). Bei RCEP ist Indien nicht dabei (hat sich 2019 zurückgezogen, weil man Angst vor den billigen chinesischen Massenprodukten hatte).

Quad: Die USA "gehen Klinkenputzen" gegen den Einfluss Chinas. Sie schmieden eine Allianz, die man "Quad" nennt. Ihr gehören neben der USA Indien, Australien und Japan an. Die USA bemühen sich noch um Indonesien, Sri Lanka und die Malediven. Peking sieht die Gruppe als asiatische Nato, deren Ziel die Eindämmung Chinas ist. Auf jeden Fall sucht man gemeinsam auf eine Antwort auf Chinas Machzuwachs.

 

Nachbarn bzw. historische Nachfolgestaaten und Abspaltungen:

Kaschmir: Seit der Trennung von Indien und Pakistan in der Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 ein Zankapfel, obwohl es eine Waffenstillstandslinie ("Line of Control") gibt. Eigentlich zerfällt Kaschmir in drei Teile: Einer, von Pakistan verwaltet, einer von Indien verwaltet und einer von China verwaltet. Indien und Pakistan haben schon drei Kriege um das Gebiet geführt:1947/48, 1965, 1971. Beide Länder beanspruchen ganz Kaschmir. Seit 2016 ebbt die Welle der Aufstände und Proteste nicht mehr ab. Pakistan und Indien sind Atommächte (Pakistan 150 Atomsprengsätze, Indien 140). Ende Februar 2019 gibt es wohl Luftangriffe von beiden Seiten mit abgeschossenen Flugzeugen und Kanonenfeuer. Die Freilassung indischer Piloten wird dann als Zeichen der Entspannung interpretiert. Trotzdem ist die Lage unsicherer geworden (USA übernehmen nicht mehr Vermittlerrolle, Führung in beiden Ländern unberechenbarer, "rote Linien" werden öfter gebrochen, wie das Verbot von Luftangriffen). Anfang August 2019 lässt Indien Soldaten in Kaschmir einmarschieren. Gleichzeitig wird per Dekret der Autonomie-Sonderstatus seines Teils von Kaschmir aufgehoben. Dadurch werden sich auch die Spannungen mit Pakistan erhöhen. Pakistan bittet die Weltgemeinschaft um Hilfe. Der Indische Botschafter wird von Pakistan ausgewiesen. Die beiden indischen Provinzen von Kaschmir Jammu und Kaschmir mit eigenen Gesetzen habe die Entwicklung gehemmt, sagt Indien. Die Region solle fest zu Indien gehören (Modi: "Indien zuerst"). Die Autonomie der Region ist aufgehoben., alle Verbindungen zur Außenwelt sind gekappt. Zehntausende von Soldaten werden in die Region geschickt. Die Bewegungsfreiheit der Menschen wird stark eingeschränkt. Was plant Indien? Indien und Pakistan liefern sich an der Grenzlinie Gefechte. In Asien gibt es noch zwei andere große Konfliktherde: Taiwan und dass Bestreben von China, die Insel ins Reich zu holen und das geteilte Korea, wo noch kein Frieden geschlossen wurde. Es gibt noch weitere territoriale Konflikte: China beansprucht Teile von Bhutan und Indien.  Bis 1947 war Kaschmir ein Fürstentum.

 

Pakistan: Allgemein: 197 Mio. Einwohner. 96% sind Muslime (überwiegend Sunniten). Währung Pakist, Rupie.  BIP 2017 305 Mrd. US-$. Ein Tweed auf Twitter von Präsident Trump Anfang  Bei zwei Anschlägen im November 2018 gibt es viele Tote. Die Brandkatastrophe in einer pakistanischen Textilfabrik im Jahr 2012 wird nicht vor einem deutschen Gericht verhandelt (Ali Enterprises in Karachi für die deutsche Firma Kik; Fall sei verjährt).  Am 22.05.20 stürzt ein Flugzeug mit 98  Passagieren nahe Karashi ab. In der Corona-Pandemie geht am rigoros vor: Betroffene Gebiete werden abgeriegelt. Das geht leichter, weil fast die Hälfte des Volkes von Tages- und Wochenlöhnen lebt. Die Armut steigt. Ein neues Sicherheitsgesetz 2020 schränkt die Freiheiten von Journalisten ein. Am 09.01. gibt e seinen Stromausfall im ganzen Land. Ursprung ist ein Kraftwerk im Süden des Landes.

Natur Pakistan und Grenzen: Der Indus ist die Lebensader. Im Norden macht der Himalaya das Land zu einem der gletscherreichsten der Welt. Man grenzt an Iran, Afghanistan, China und Indien.

Politik Pakistan: 2018 erbost die pakistanische Regierung. Trump hatte darauf hingewiesen , dass Pakistan in den vergangenen 15 Jahren 33 Milliarden Dollar an Hilfe bekommen habe.  Die Gegenleistung seien aber Lügen und Betrug gewesen. 2016 gewinnt Khan die Wahlen in Pakistan. Die USA wollen die Hilfsgelder für Pakistan zusammenstreichen. Im Februar 2020 ruft die Regierung den Notstand aus: Eine Heuschreckenplage bedroht die Ernährungssicherheit. Khan übersteht ein Misstrauensvotum nicht (ökonomische Probleme). Der Oppositionsführer Shebaz Sharid übernimmt als neuer Regierungschef (20222 70 Jahre alt). Er gehört einer politischen Dynastie an. Gleichzeitig ist er Vorsitzender der konservativen Muslimliga-Nawaz (PML-N) und der jüngere Bruder des dreimaligen pakistanischen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif. Die USA und der Westen hoffen wieder auf bessere Beziehungen.

Pakistanisch-chinesischer Wirtschaftskorridor (CPEC): Er bietet China einen direkten Zugang zum Golf von Oman. Stationen sind Kashgar, Khunjerab, Rawalpindi, Lahore Hyderabad, Karachi. Zu dem Projekt gehören auch eine Übertragungsleitung (Karashi/Matiari-Punjab), Thar Kraftwerke (6), Windkraftwerke (5). Dazu kommen Eisenbahnen, Autobahnen, Pipeline, Kabel. Vgl. Winter, Martin: China 2049, München 2019, S. 161. Sialkot (650.000 Einwohner) in Pakistan ist die Stadt der Bälle. Dort werden im Jahr 60 Mio. Bälle produziert. Ein Arbeiter hat im Durchschnitt 2020 60 Euro Monatsgehalt (Durchschnittsmonatseinkommen in Pakistan 112 €). 2020 steigt das Handelsbilanzdefizit stark an.

Wirtschaft Pakistans: Im April 2022 kämpft die Regierung ums Überleben. Das Land ist in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Devisenreserven reichen nur noch für zwei Monate. Man ist seit 2019 in einem IWF-Hilfsprogramm. Die USA halten aber Zahlen vorerst zurück. Dadurch könnten sich die Beziehungen zum Westen verschlechtern. Khan sieht sogar ein Komplott in den USA. Das Land ist hoch verschuldet und hat eine galoppierende Inflation. Pakistanisch Taliban machen immer wieder Gewaltanschläge mit großen ökonomischen Schäden. .

Pakistan und Seidenstraße:  Pakistan spielt eine wichtige Rolle im Projekt "Neue Seidenstraße" Chinas. Geplant ist noch eine Eisenbahnverbindung von Kashgar durch Pakistan nach dem Hafen Gwadar (von einer chinesischen Firma kontrolliert; von hier besteht ein Korridor in den Nahen Osten und Afrika, damit der Seeweg über die unsichere Malakka - Meerenge entlastet wird). Außerdem wird schon über 10 Jahre an einer Straße über das Karakorum-Gebirge gebaut (seit 2007). Der Weg muss entweder gefunden oder gebaut werden (Karakorum-Highway). Er führt von Kaschgar/ Xinjiang nach Havelian/ Nordwesten Pakistans. Pakistan ist extrem verschuldet bei den Baufirmen und Banken Chinas. Der Korridor durch Pakistan soll den direkten Zugang Chinas zum indischen Ozean sichern.

Naturkatastrophen: Bei einem Erdbeben im Südwesten Pakistans (Provinz Baluchistan) gibt es 28 Tote. Im August 2022 führen schwere Überschwemmungen zu vielen Toten. Hunderte Bergdörfer im Norden des Landes sind betroffen. Ein Drittel des Lande steht unter Wasser. Seit Mitte Juni 2022 ist Pakistan von ungewöhnlich starkem Monsunregen betroffen. 33 Mio. Menschen sind davon berührt. 80.000 Hektar Ackerland wurden vernichtet, 157 Brücken weggespült. 1300 Menschen kamen schon ums Leben. 10 Mrd. $ sollen die Schäden an öffentlicher Infrastruktur betragen. Das Land selbst trägt kaum eine Verantwortung für die Klimakrise (0,28% der weltweiten CO2-Emissionen). Es brechen viele Krankheiten aus (Malaria, Cholera u. a.). Die Katastrophe führt das Land in eine schwere Wirtschaftskrise. Es braucht dringend Hilfe von außen.

Pakistan und die Taliban: Es taucht immer wieder die Frage auf, wie eng die Verbindungen sind. Wahrscheinlich sind die Verbindungen sehr eng. Ohne Pakistan wären die Taliban in Afghanistan nicht in so kurzer Zeit an die Macht gekommen. Das Problem war, dass man die Taliban nicht in Pakistan bekämpfen konnte. Eine Schlüsselrolle hat der mächtige Militärgeheimdienst Interservices Intelligence (ISI) gespielt. Pakistan hat der Taliban immer seine Infrastruktur zur Verfügung gestellt (Krankenhäuser, Unis, Schulen). Pakistan wollte schon immer maximalen Einfluss auf Afghanistan haben (als Gegengewicht zu Indien). 2021 leben 3,5 Mio. afghanische Flüchtlinge in Pakistan. Vgl. Haneke, Alexander: Pakistans doppeltes Spiel, in: FAZ 5.11.21, S. 8.

Pakistan und Islam: Nach dem Freispruch für eine Christin gibt es Proteste im Land. Die Christin heißt Asia Bibi und kann wahrscheinlich nach Europa (Deutschland) ausreisen. In Pakistan gibt ein Blasphemiegesetz. Wer eine Gotteslästerung wiederholt, dem droht der Tod. Wobei Mohammed gleich Gott ist. Unabhängiges Denken kann tödlich sein. Verteidiger und Richter wurden ermordet. Paradoxerweise schützt das Blasphemiegesetz die "Gotteslästerer", sonst würden sie direkt gelyncht. Anfang Dezember 2021 kommt es dann doch wieder zu einem Lynchmord. 110 Menschen werden in Haft genommen. Der mord hat im pakistanischen Teil von Kaschmir stattgefunden.

 

Tibet in Indien (Exilgemeinde): Von den etwa 7 Mio. Tibetern leben über 100.000 in Indien (in Nepal leben 14.0000, in Bhutan 1600). Vor 60 Jahren musste der Dalai Lama nach Dharamsala ins Exil fliehen. In der Region leben die meisten Tibeter in Indien. Sie können dort Tibetisch sprechen und lernen. Sie können ihre Religion, den Lamaismus. frei ausüben. Der letzte große Protest in Tibet selbst war anlässlich der Olympischen Spiele 2008 in Peking. Zentrum war der Ort Ngaba in der Provinz Sichuan. 21 Menschen wurden getötet und 600 festgenommen. Ausgangspunkt war das Kitri-Kloster mit 3000 Mönchen. Heute stört die Regierung in China die Kommunikation zwischen Tibet und der Exilregierung in Dharamsala, wo sie nur kann. Als Opposition meldet sich immer wieder das Kirti - Kloster in Dharamsala. Es ist ein Ableger des Originals in der osttibetischen Kulturregion Amdo. Es gehört zur Gelug - Schule des tibetischen Buddhismus. Proteste während der Olympischen Winterspiele in Peking 2022 werden kaum erhört. Man kritisiert die Umerziehung in den Schulen in Tibet (Kinder im Internat). Außerdem werden Nomaden zu Farmern umgeschult. Die Betriebe gehören aber dem chinesischen Staat.

Exkurs: Lamaismus: In Tibet gibt es eine spezielle Form des Buddhismus, den Lamaismus. An der Spitze steht der Dalai Lama, der jeweils als Kind auserwählt wird. Der jetzige Dalai Lama wird am 05.07.20 85 Jahre alt. Er gibt zu seinem Geburtstag eine CD heraus, die meditative Musik enthält. Er lebt im Exil in Daressalam in Indien. China verfolgt ihn, weil er zugleich geistliches und weltliches Oberhaupt von Tibet ist. Deshalb beschuldigt in China des Separatismus. 1989 hat der Dalai Lama den Friedensnobelpreis bekommen. Der Dalai Lama veröffentlichte mehrere Bücher. Darin setzt er sich vor allem für Mitgefühl ein. Die sei entscheidend gegen Stress, der unser Immunsystem zerstöre. Der Lamaismus war auch die Rechtfertigung für die Theokratie in Tibet.  Das war kein Paradies der Werte, sondern Unterdrückung und Ausbeutung der Bevölkerung durch eine kleine geistliche Elite. Der Lamaismus lebt heute in Indien fort (siehe oben). Besonderheiten des Tibetischen Buddhismus: Er gehörtzum Mahayana-Buddhismus. Er verspricht einen schnelleren Ausweg aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten. Durch anspruchsvolle spirituelle Übungen (Tantra, Yoga) kann der Mensch Erleuchtung innerhalb des Lebens erlangen. Es bedarf enger Beziehungen des Meisters, dem Lama, mit seinem Schüler. Sehr populär sind Bodhisattvas, erleuchtete Wesen (sie könnten ins Nirvana einziehen, entscheiden sich aber für den Meister). Der Dalai-Lama gilt als menschliche Erscheinungsform. Lama bedeutet "Hoher Priester".  In China mit Tibet als autonomem Gebiet leben heute etwa 250 Mio. Buddhisten - die Hälfte aller Buddhisten weltweit.

 

Bangladesch (ehemals Pakistan/ Ost): Seit 1971. Einwohner 165 Mio. Hauptstadt Dhaka. Währung Taka. BIP 2017 250 Mrd. US-$. Ist auf Flüsse angewiesen, die aus Indien und China kommen. Sämtliche relevanten Flüsse entspringen in Tibet. Im Sommer 2016 wird wieder ein schwerer Anschlag vom IS durchgeführt. Das Land hat 161 Mio. Einwohnen (Rang 8). Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf beträgt 1190 US-$. 2015 lag das BIP bei 195,1 Mrd. US $. 2019 muss Bangladesch den Zusatz "Jungfrau" (Kumari) von der Heiratsurkunde streichen (Gerichtsurteil in Dhaka, neue Kategorie "unverheiratet"). Der Super-Zyklon "Amphan" zerstört im Mai 2020 die Lebensgrundlage vieler Menschen. In der Islam-Debatte (Enthauptung eines Lehrers in Paris, hatte im Unterricht islamkritische Karikaturen gezeigt, Macron macht Islamismus verantwortlich) gibt es Massenproteste (40.000 Menschen).

Politische Einordnung: Parlamentarische Demokratie. Dei Verfassung stammt aus dem Jahre 1966. Das Land entwickelt sich zum neuen Vietnam in Asien. Es spielt die großen Nachbarn China und Indien gegeneinander aus. Das beginnt sich auszuzahlen: Man entwickelt sich vom Armenhaus weg (so der IWF).

Die Behörden wollen stundenweise die Mobilfunknetze in Flüchtlingslagern der Rohingya abschalten. Man gibt Sicherheitsbedenken vor. Wahrscheinlich geht es aber darum, den Aufenthalt weniger "behaglich" zu machen. Sie sollen nach Myanmar zurückkehren, wollen aber nicht, weil sie Angst haben. Am 23.3.21 brennt ein großes Flüchtlingslager. Es gibt mindestens 15 Tote.

Textilproduktion: Sie ist der Kern der Wirtschaft. Dabei handelt es sich um Billigproduktion.  Der Umfang liegt bei 40 Mrd. $.  Sie macht 80% des gesamten Exports aus. Sie leidet besonders durch die Corona-Krise. Allein die drei Anbieter Primark, H&M und Zara stornieren Aufträge im Wert von 3 Mrd. $. Besonders wichtige Güter sind Baumwolle und Stoffe. In dem Land lassen viele westliche Firmen Stoffe und Textilien produzieren. Es gibt sowohl eigene Produktionsstätten, Lizenzen und Auftragsvergabe. Beim Brand einer Textilfabrik mit vielen Toten wird der Billighändler KIK beschuldigt und später in Deutschland verklagt. Bangladesch entwickelt sich zu einem wichtigen Land der Billiglohnproduktion. In der Corona-Krise sind mehr als 1000 Firmen geschlossen worden. eine Katastrophe für die Menschen, die auf den Lohn angewiesen sind. Ein Lieferkettengesetz bliebe auch nicht ohne Folgen. Die Textilarbeiterinnen sind dem Elend machtlos ausgesetzt. Sie müssen sich Geld leihen, um Nahrungsmittel zu bekommen (Zinsen bis zu 15% pro Monat, jahrelange Abhängigkeit). Immer wieder kommt es zu schweren Brandkatastrophen. Über 50 Menschen kommen im Sommer 2021 in Dhaka ums Leben. Der Fabrikbesitzer wird wegen Mordes und Kinderarbeit angeklagt. Durch die Corona-Pandemie wird die Textilbranche 2020 schwer getroffen.

Nutzen aus billiger russischer Energie: Die Firma Baden Board, Gernsheim am Rande Schwarzwaldes muss 2022 Insolvenz anmelden. Die Firma macht Kartons für Tiefkühlpizzas und Getränke-Sixpacks. Dabei wird viel Gas gebraucht. Die Explosion der Gaspreise durch den Ukrainekrieg hat das unternehmen in die Pleite getrieben. Ein Investor will die Fabrik in Bangladesch wieder aufbauen. Vgl. Nezik/ Rückl: Putins unberechenbares Spiel, in: Die Zeit Nr. 31/ 28. Juli 2022, S. 19.

Außenhandel: Das Land muss mehr importieren (Vorleistungen, Energie) als es exportiert (Textilien, Leder). Dabei ist es auch massiv vom Verteilungskampf um Energieressourcen betroffen:  Wenn Deutschland abrupt LPG auf dem Weltmarkt nachfragt, greift es in die volatilen Verträge ein und kauft Bangladesch mit höheren Preisen das Gas weg (Reaktion auf das drohende Gas-Embargo gegen Russland)

Lebensmittelindustrie: In Rupganji wird gegen einen Besitzer wegen der Beschäftigung von Kindern ermittelt.

Müllberge: Berühmt ist die Mülldeponie Halishahar in der Hafenstadt Chittagong. Es sind vor allem Mädchen und junge Frauen, die unter erheblichen Gesundheitsrisiken Materialien wie Kunststoff und Metalle aus dem Müll klauben. Sie wollen ihre Familien unterstützen, obwohl der Tageslohn lächerlich niedrig ist.

Youtube-Dörfer: Mittlerweile gibt es Youtube - Dörfer. In Videos geht es ums Essen. Menschen werden im Internet berühmt. Alles ist gigantisch, bunt und authentisch. Im Mittelpunkt steht das Dorf Shimulia ("Youtube-Dorf"). Auch andere Dörfer zeigen ihre spezielle Essenskultur der Welt und verdienen Geld damit (Kochvideos).

Bildungswesen: Es gibt viele private Schulen und Hochschulen. Sie werden von Saudi-Arabien finanziert und sind islamisch ausgerichtet. Sie sind insgesamt autonom gegenüber dem Staat. sie werden manchmal instrumentalisiert, z. B. wenn der Islam als Religion oder Mohammed vermeintlich angegriffen werden.

Katastrophen: Im Juni 2022 gibt es eine schwere Explosion im Containerhafen. Über 30 Menschen kommen ums Leben. die Ursache muss noch geklärt werden. Monsun-Stürme und schwere Überschwemmungen lösen im Juni 22 eine Katastrophe aus. Ganze Dörfer müssen evakuiert werden. Es gibt über 20 Todesopfer. Beim Einsturz einer Hängebrücke kommen Ende Oktober 2022 übe r60 Menschen ums Leben. Die Brücke aus der britischen Kolonialzeit war gerade renoviert worden. Wahrscheinlich waren zu viele Menschen auf der Brücke.

Bangladesh Garment Manufactures and Exporters Association, Dhaka (BGMEA, Chefin 2021 Rubana Huq; Organisation seit 1983).

 

Sri Lanka (bis 1972 Ceylon, 1948 unabhängig von Großbritannien) ist ein Inselstaat. Daten: 21,9 Mio. Einwohner (2020, 21: 22 Mio.); BIP 87,1 Mrd. Dollar (2017, 2020: 80,7 Mrd. $); 7% des BIP umfasst die chinesischen Projekte.  Ein wichtiges Exportprodukt ist Tee. Jahrzehnte prägten Konflikte zwischen Tamilen und Ceylonesen (Singhalesen) das Land. Im Mai 2017 töten Überschwemmungen über 150 Menschen. 2018 gibt es blutige Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Moslems (mit 10 Prozent in der Minderheit). Der deutsche Bundespräsident Steinmeier muss eine Reise in das Land verschieben. In der Hauptstadt Dhaka bewegt sich im Verkehr so gut wie nichts mehr (einziger langer Stau). Sri Lanka liegt am südlichen Zipfel Indiens. Die Insel ist etwa so groß wie Bayern. Allerdings leben dort 22 Mio. Menschen. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist buddhistischen Glaubens. Im nördlichen Teil der Insel leben auch Tamilen, die überwiegend Hindus sind. Viele Tamilen haben die Briten auf die Insel gebracht, weil Einheimische nicht auf den Teeplantagen arbeiten wollten. Auf Sri Lanka machen Deutsche gerne Urlaub, vor allem im Winter "Vorstufe zum Paradies"). 2018 tobt ein Machtkampf auf der Tropeninsel. Welche Regierung ist legitim? Hinter dem Streit dreier Rivalen steckt ein grundsätzliches Problem: Wer hat mehr Einfluss - Indien oder China? Das oberste Gericht untersagt im November 2018 dem Präsidenten Sirisena, das Parlament aufzulösen. Damit wird die Position des entlassenen Ministerpräsidenten Wickremesinghe gestärkt. Der Präsident wollte eigentlich Rajapakse einsetzen. Der entlassene Ministerpräsident kehrt aber auf seinen Posten zurück. Damit setzt sich auch Indien durch. Im Süden der Insel hat China aber einen Hafen gebaut. Er ist ein wichtiger Transithafen. Als das Land die Zinsen nicht mehr bezahlen kann, übernimmt China für 99 Jahre die Kontrolle über den Hafen. Proteste der Bevölkerung nützten nichts. Sri Lanka spielt auch eine wichtige Rolle im Neuen Seidenstraßenprojekt Chinas. Hambantota in der Südprovinz wird in einem großen Infrastrukturprojekt von China zum Hafen umgebaut. Früher wurden hier Wassermelonen gehandelt. Das Land  ist schon so verschuldet, dass der Hafen für 99 Jahre von China kontrolliert werden kann. Man munkelt, dass auch eine Militärbasis entsteht. China gibt die Kredite, wobei nach bewährtem Rezept ca. 90% wieder bei chinesischen Firmen landen. Es ist auch ein Flughafen entstanden, der seit Jahren keine Flüge hat. In Sri Lanka gibt es noch die Todesstrafe, die auch ausgeführt wird. Es fehlen allerdings Henker (die Vererbung der Position klappt nicht mehr). Man sucht sie 2019 per Zeitungsinserat. Bei Anschlägen auf christliche Kirchen und große Luxushotels werden im April 2019 über Ostern über 350 Menschen getötet. Der IS reklamiert die Anschläge für sich als Vergeltung für die Anschläge auf Moscheen in Neuseeland. Es scheinen tatsächlich radikale Muslime (Salafisten) hinter den Attentaten zu stecken. Der Anführer ist wohl umgekommen. Erstaunlich ist, dass die Attentäter aus besseren Kreisen mit höherer Bildung kamen. Es finden auf absehbare Zeit keine katholischen Gottesdienste statt aus Angst vor weiteren Anschlägen. Außerdem wird das Internet vorübergehend abgeschaltet. Die islamistischen Terrorattacken haben den Tourismus auf Sri Lanka fast zum Erliegen gebracht. Der Familienclan der Rajapakses will 2019 alle wichtigen politischen Ämter besetzen. Wahrscheinlich wird Gotabaya Rajapakses Gewinner bei der Präsidentenwahl (er war schon Verteidigungsminister); er hat ein langes Sündenregister. Tatsächlich gewinnt er die Wahl im November 2019 mit 52%. Der neue Präsident muss das Problem der Touristenflaute lösen. Der neue Präsident löst am 2.3.20 das Parlament auf. Es soll am 25.4. neu gewählt werden. Deutschland will zukünftig keine Entwicklungshilfe mehr an das Land zahlen (Kriterien: Demokratie, Korruption, Reformen).  In Sri Lanka ist der Theravada - Buddhismus die Hauptreligion. Sie kam um 1000 n. Chr. in das Land. Der Kontakt zwischen Mönchen und Soldaten ist traditionell eng. Hier lebt auch Nyanatiloka, der eigentlich Anton Gueth hieß. 1909 reist er in die Nähe von Lugano, um dort das erste buddhistische Kloster in Europa zu gründen. Sicher hat auch ein Hauptwerk von Hermann Hesse, nämlich Siddharta, zur Verbreitung des Buddhismus in Europa beigetragen. Hesse hatte eine Reise nach Indien gemacht.

Die Stadt Kandy in Sri Lanka verwahrt einen Schatz, dem im Buddhismus kein anderer ebenbürdig ist. Es handelt sich um den linken Eckzahn von Siddharta Gautama (ca. 563 v. Chr. - 483 v. Chr.). Kandy war einst die verborgene Hauptstadt des Singhalesischen Königreichs, das bis 1815 den Eroberungsgelüsten der Portugiesen und Briten trotzte. Sri Vikrama Rajasinha, der letzte König von Kandy, ließ einen großen künstlichen See anlegen. Direkt daneben liegt Sri Dalada Maligawa, der Zahntempel. Jeden Juli feiert Sri Lanka das größte buddhistische Fest der Welt. Ursprünglich wurde der Zahn in einem Kloster in der Nähe aufbewahrt. Siddharta Buddha wurde als junger Mann drei Mal mit dem Leiden der Welt konfrontiert (kranker Mann, alten Mann, Begräbnis). Dies führte zu der Erkenntnis, dass Wohlstand und Privilegien kein Schutz vor Leiden sind. Er kam zu drei Grundmerkmalen der Existenz: 1. Alles ist flüchtig und verändert sich kontinuierlich. 2. Es gibt kein Ich oder eine sterbliche Seele. 3. Leiden und Unfrieden sind der Kern der Existenz. Der mittlere Weg zur Erkenntnis soll befolgt werden, indem die vier edlen Wahrheiten gepflegt werden.

Sri Lanka ist ein Zentrum des Ayurveda. "Ayubowan" sagt man zur Begrüßung. Das bedeutet: "Ich wünsche dir ein langes Leben". Das Schlüsselwort dafür ist Ayurveda und reinigt den Körper. Kern ist dabei Shirodhara, der ayurvedische Stirnölguss mit warmem Therapieöl. Grundlage ist der "Sushruta Samhita", ein zweieinhalb Jahrtausende alter Sanskrit-Text.

Konflikte zwischen Ethnischen Linien: Es war der Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen, der das Land fast zerriss. Es gab nie nennenswerte Konflikte zwischen Christen und Muslimen. Beide sind kleine Minderheiten (7% Christen, 10% Moslems). 13% sind Hindus, mehr als 66% Buddhisten. Die extremen Buddhisten machten auch die meisten Übergriffe in der Vergangenheit. Umso unerwarteter war der muslimische Anschlag im April 2019. 2022 nehmen die religiösen Spannungen spürbar zu. Die Christen gehen auf dei koloniale Vergangenheit zurück.

Für den Hafen Hambantota nahm das Land Kredite von China auf, die nicht mehr bedient werden konnten. So gehört nun der Hafen für 99 Jahre nicht mehr zu Sri Lanka. Das war der Deal mit einem chinesischen Staatskonzern: Schuldenerlass gegen 99 Jahre Verpachtung. China kann jetzt über den Hafen als Teil des Seidenstraßenprojektes verfügen. Das ist der einzige bisher bekannte Fall von Schuldendiplomatie im Rahmen der Seidenstraße. Hambantota ist mit Südchina und Kiaukpyu in Myanmar verbunden und verkürzt den Seeweg. Sri Lanka hat insgesamt hohe Schulden bei China, das sich nicht auf einen Schuldenschnitt einlässt.

Anfang September 2020 liegt ein Öltanker nach Explosion und Brand vor der Küste. Die New Diamond ist mit Rohöl und Diesel beladen. Eine ökologische Katastrophe kann verhindert werden.  Im Mai 2021 droht dem Land eine Umweltkatastrophe. Es gibt ein großes Schiffsunglück vor der Küste. Die schlimmste Strandverschmutzung der Geschichte könnte die Folge sein. Tonnenweise werden Plastikkügelchen angespült. Besonders bedroht ist die Negombo - Lagune, die berühmt ist für ihre Krebs und Riesengarnelen. Die Fischzucht ist bedroht, ebenso wie die bei Urlaubern beliebten Strände.

2020 konnte die Covid-Pandemie durch Einreisestopp und Quarantänen gut eingedämmt werden. Alles führte sie zu einer Rezession, so dass das BIP schrumpfte. Um die Zahlungsfähigkeit des Landes zu stärken, stellte die VR China im März 21 einen zusätzlichen Kreditrahmen von 10 Mrd. Yuan zur Verfügung.

Im April 2022 kommt es wegen der hohen Teuerung zu Massenprotesten. Die Preise für Tomaten, Milch und Medikamente haben sich innerhalb weniger Wochen verdoppelt. Es droht eine Staatskrise. Das Kabinett tritt zurück. Die Aussichten auf ein IWF-Paket verschlechtern sich dadurch. Es geht 2022 die Angst vor dem Staatsbankrott um. Die  Schulden können nicht mehr bezahlt werden. Den letzten Rest hat dem Land Covid gegeben. Die Chinesen wollen nicht mehr helfen; selten erlassen sie einem Land auch die Schulden. die Verträge enthalten alternative Tilgungsmöglichkeiten: Naturalien, Bodenschätze. Im Mai 22 tritt die Regierung Sri Lankas nach Ausschreitungen zurück. Die gewalttätigen Unruhen gehen weiter. Im Juli 2022 wird der Präsidentenpalast von Aufständischen besetzt. Sie bleiben dort, um den Präsidenten und seinen Bruder zum Rücktritt aufzufordern (Rajapaksa). Der Präsident flieht auf ein Marineboot und kündigt seinen Rücktritt an. Die Bevölkerung ist hungrig, zermürbt und wütend. Am 13. Juli 22 besetzt sie auch den Regierungssitz. Auch Wickremmmesinghe soll gehen. Rajapaksa flieht auf die Malediven.

Das Land ist hoch verschuldet. Premier Mahinda Rajapaksa und alle Minister ist weg. Neuer Premier ist Wickremmesinghe.  Er erklärt den Bankrott des Landes. Es ist die schlimmste Wirtschaftskrise des Landes. Der Tourismus ist wegen Corona weg gebrochen. Durch den Ukraine-Krieg fehlen dem Land Agrarprodukte. Man hofft auf Unterstützung des IWF, China und Indien. China hat große Projekte im Land finanziert, aber über Kredite. Diese können nicht bedient werden. Sri Lanka könnte in den Konflikt zwischen China und Indien geraten. Man wendet sich an Putiin, um Öl und Kredite zu erhalten. Vgl. auch: Fähnders, Till: Sie genießen einen super Luxus, während wir leiden, in: FAZ Nr. 158/ 11.7.22, S. 3. Am 20.7.22 wird Ranil Wickremesinghe vom Parlament zum Präsidenten gewählt. Dei Demonstranten sehen in ihm einen Verbündeten des früheren Staatsoberhauptes.

Ein sehr wichtiges Exportprodukt ist Tee. Er wird auf Farmen produziert. Gehandelt wird er über Börsen. Abnehmer sind die größten Tee-Handelsfirmen der Welt.

 

Zukunft Indiens  im 21. Jahrhundert: 1. Indien folgt in seiner Entwicklung im 21. Jahrhundert weder China noch dem Westen, sondern seinem eigenen Kurs. 2. Indien spielt im 21. Jahrhundert global eine Schlüsselrolle und reift zur Wirtschaftsmacht, zur Superpower. 3. Als gefestigte Demokratie ist Indien ein natürlicher Verbündeter des Westens. 4. Indiens außenpolitische Konfliktachsen: Pakistan und China. 5. Narendi Modi ist weder Heilsbringer noch das personifizierte Böse. In wirtschaftspolitischer Hinsicht ist er der bislang beste Regierungschef in der Geschichte der Republik Indien. Problematisch ist sein Hinduismus. Er formt einen autokratischen Einheitsstaat unter Führung der Hindus.6. Indische Unternehmen werden zu den größten der Welt gehören. 7. Indiens "soft power" gewinnt weltweit an Einfluss. 8. Die neuen Statussymbole: Geld und Bildung. 9. Agenda: Umweltverschmutzung, Gewichtsprobleme, Urbanisierung, Arbeitsmarktreformen, Frauen am Arbeitsmarkt, Korruption, Privatisierungen. Siehe Braun Alexander, Michael: Indien Super Power, München (FBV) 2020, S. 321ff. Die neu gewählte Vizepräsidentin der USA Kamala Harris hat indische Wurzeln. Ihr Großvater wurde in Thulasendrapuram, einem kleinen Dorf in Indien, geboren. Dort feiert man Harris enthusiastisch. Neben Indien durch die Mutter hat sie auch Wurzeln in Jamaika, wo ihr Vater her ist.

 

Indonesien:

Inhalt: Emil-Helfferich-Sammlung, Geschichte, Revolusi, Urzeit, Bevölkerung und Kultur, Documenta Kassel 2022, Wayang Kulit, Volksgruppen, Frauen, Politik, Provinzen, Wichtige Städte, Neue Hauptstadt "Nusantara", Gesundheit, Religion, Wichtige Wirtschaftsdaten und Wirtschaft, Außenhandel, Verschuldung, Aktuelles bei WirtschaftStaatsfonds und Staatsholding, Antikorruptionsbehörde KPK, Rohstoffe IndonesienEnergiepartnerschaft, Omnibusgesetz Wirtschaftsintegrationen, Indonesien und Deutschland, Indonesien und Neue SeidenstraßeNaturkatastrophen, Umwelt, Reisterrassen der Subak, Nationalpark Tanjung Puting, Orang-Utans, Roter Meereskrebs namens Sahra WagenknechtAnamba-Archipel, Arbeitsmarkt, Kinderarbeit, Matriarchat, Aktuelles. Quellen.

   Jan Pieterson Coen (1587 - 1629) legte den Grundstein der niederländischen Kolonialmacht im fernen Osten. Er stammte aus Hoorn in Nord-Holland. Dort steht heute das oben abgebildete Denkmal. Im 16. Jahrhundert war die Stadt der bedeutendste Hafen in der damaligen Zuiderregion. Handel und Seefahrt florierten. Er gründete auch Batavia auf Indonesien (s. u.). In Hoorn gab es zahlreiche Bierbrauerein, Goldschmieden und Tuchwebereien. Es gab auch Fischfang und Schiffsbau. Nach Hoorn ist auch das Kap Horn benannt. Willem Schoutens aus Hoorn umsegelte 1616 als erster den südlichen Zipfel des amerikanischen Kontinents. Coen gründete die Vereinigte Ost-Indien- Kompanie (VOC) 1602 (s. u.). Sie begründete eine Epoche der Expansion der Niederlands nach Asien, insbesondere Indonesien. Es war Kolonialisierung, die mit  dem 2. Weltkrieg langsam zu Ende ging. Das gilt als Auftakt zur globalen Entkolonialisation.

Exkurs Emil Helfferich - Sammlung: Der gebürtige Neustadter Emil Helfferich starb vor 50 Jahren 1972 auch in Neustadt an der Weinstraße. Die Sammlung umfasst ostasiatische Kunstgegenstände (von Reisen des Kaufmanns mitgebracht) und eine umfangreiche Bibliothek. Früher war die Sammlung in der Villa Böhm in Neustadt untergebracht, was eigentlich unmöglich war, weil das Haus einmal einem jüdischen Architekten gehört hatte.2022 lässt die Stadt die Rolle von Helfferich historisch genauer untersuchen. Seit 1997 ist die Sammlung im Ostasieninstitut in Ludwigshafen untergebracht. Das geht über jeweils zehnjährige Leihverträge.

Bei Helfferich interessieren heute drei Aspekte: 1. Wie war sein Nazi-Vergangenheit? Hellferich war - zumindest lange Zeit - glühender Nazi. Er gehörte dem Heinrich Himmler Freundeskreis an. Er besuchte auch Konzentrationslager, wie Dachau. Er hatte ein enges Verhältnis zu SS-Gruppenführer Otto Ohlendorf, der für Massenmorde in der Ukraine verantwortlich war. Gegenüber dem Bankier Max Warburg distanzierte er sich nicht von Antisemitismus. 2. Wie dachte er über Ostasien? Sein Grabmal auf dem Neustadter Hauptfriedhof ist einem javanischen Tempel nachempfunden. 1934 übernahm er den Vorsitz des Ostasiatischen Vereins in Hamburg. Sein Vorgänger Martin March wollte nichts mit den Nazis zu tun haben. Helfferich hat Memoiren geschrieben. Die zeugen von Eitelkeit, Selbstüberschätzung, aber auch von Rassismus. War er damit nur ein Kind seiner Zeit? 3. Inwieweit steht die Sammlung symbolisch für Kolonialismus und Imperialismus? Leider fehlen bis heute Beschreibungen und Erläuterungen über die Hintergründe der Zeit. Man ist also bei weitem noch nicht so weit wie bei der "Judensau" an der Wittenberger Kirche. Vgl. auch: O. V.: Himmlers Busenfreund, in: Die Rheinpfalz Nr. 145, 25. Juni 2022.

Geschichte: (früher: Niederländisch-Indien, holländische Kolonie; vgl. Helfferich-Sammlung im Ostasieninstitut Ludwigshafen/ HWG LU, wo es wichtige Ausstellungsstücke dazu gibt). Der südostasiatische Staat besteht offiziell aus 17.508 Inseln.  Damit ist das Land der größte Inselstaat der Welt. Auf der Insel Sulawesi werden 39.900 Jahre alte Höhlenmalereien gefunden (sie sind ähnlich alt wie in Europa und sind erste Hinweise auf abstraktes Denken). Indonesien war früher eine holländische Kolonie. 1602 wurde die Vereinigte Ostindische Companie in Amsterdam gegründet (VOC). 1605 wurden die Portugiesen von der Insel Ambon vertrieben. Sie blieben aber in Malakka, einem der wichtigsten damaligen Handelspunkte der Welt. Die VOC beherrschte Jahrhunderte Indonesien. Noch heute erinnert die Architektur in vielen Städten an Holland. Eine Million Menschen wurden aus Europa nach Indonesien gebracht. Die meisten waren Soldaten aus vielen europäischen Ländern. Sie unterschrieben Schuldscheine für Kost und Logis. 1609 wurde Djakarta erobert. Man nannte es Batavia und wurde zum Zentrum der VOC. 1649 wurde das Sultanat Malakka erobert (Durchfahrt zwischen Sumatra und Malaysia). Europa wollte die Rohstoffe, die Europäer blieben aber nur auf Zeit. 1799 ging die VOC Pleite. Aber bis 1942 blieb Indonesien holländische Kolonie. 1942 marschierten die Japaner ein (Start 1941 mit dem Angriff auf Pearl Harbour). Sie rekrutierten 270.000 einheimische Zwangsarbeiter, von denen nur 52.000 heimkehrten. Viele junge Mädchen dienten den japanischen Männern als so genannte Trostfrauen (Prostituierte). 1945 endete die japanische Herrschaft mit der Kapitulation des Landes. Indonesien wurde unabhängig, offiziell aber erst 1949.

Revolusi: Die Unabhängigkeit wurde 1945 vom späteren Präsidenten Sukarno proklamiert. Es folgte ein mehrjähriger brutaler Krieg. Diese "Revolusi" war in zweierlei Hinsicht Weltgeschichte: Sie ergab sich aus einem globalen Konflikt und hatte globale Signalwirkung. Nicht zuletzt mit der Konferenz von Bandung (1955) setzte sich Indonesien an die Spitze der Dekolonisation, die bald auch Afrika erfasste und die ganze politische Landkarte. Vgl. Reybrock, David van: Revolusi. Indonesien und die Entstehung der modernen Welt, Berlin 2022.    Mit knapper Mehrheit entscheidet Indonesiens Verfassungsgericht im Dezember 2017, dass außerehelicher Sex erlaubt bleibt. Jayus: Das indonesische Wort beschreibt einen derart schlechten Witz, dass er fast schon wieder lustig ist. gibt es nur in der Sprache.

Urzeit: Sulawesi (Insel östlich von Bormeo): 2017 wurden in einer Höhle Zeichnungen entdeckt. Vor allem ein überlebensgroßes Bild des Sulawesi-Warzenschweins. Im Januar 2021 können die Zeichnungen datiert werden. Sie sind die ältesten der Welt: 45.500 Jahre alt. Die These von neoltihischen Bauern, die vor 4000 Jahre aus Südchina kamen, scheint widerlegt.

Bevölkerung und Kultur: Einwohner 270 Mio. (2020); Bevölkerungswachstum 1 Prozent. Das Land kommt nach China, Indien und den USA an vierter Stelle. Es ist die drittgrößte Demokratie der Erde. Es leben 50,7% in Städten. Bevölkerungsdichte (Einwohner je Quadratkilometer) 12768 (Jakarta), 188 (Nordsumatra). Ethnien: 41% Javaner, 15,5% Sudanesen; 3,7% Malaien; 1,2% Chinesen und viele andere. Durchschnittsalter 29,2 Jahre; 4% sind jünger als 25. Durchschnittsheiratalter 19,6 Jahre. Einwohner unter der Armutsgrenze: 11,7%. Rund 700 Sprachen werden in dem Land gesprochen. Am weitesten verbreitet ist traditionell Malaiisch (die Niederländer wollten nur Handel, drängten aber nicht ihre Sprache auf). Sie führten aber 1901 die lateinische Schrift ein. Im Februar 2020 gehen Behörden gehen nicht verheiratete Paare vor. In der Stadt Makassar/ Insel Sulawesi werden sogar Paare festgenommen. Der Valentinstag ist umstritten. Der Pfälzer Klappverein, der den Kalmit-Klapprad.Cup jährlich ausrichtet, bemüht sich um eine Partnerschaft mit dem indonesischen Klappradverband. Der soll aus bis zu 300 Chaptern bestehen. Es ist einer der größten der Welt im Klapprad-Weltverband.

Documenta Kassel 2022 (documenta fifteen): Die Documenta in Kassel findet alle fünf Jahre statt. Sie kostet 2022  42 Mio. € (getragen vom Bund, Land Hessen und der Stadt Kassel) 2022 ist das Projekt Wagiwagi auf der Dokumenta Kassel. Es geht um nachhaltiges Wirtschaften in Indonesien und Taiwan. Beteiligt sind etwa die taiwanesische Kuratorin Yipei Lee und der britische Künstler Celyn Bricker. Das indonesische Kunstkollektiv Ruangrupa hat die künstlerische Leitung der Ausstellung insgesamt. Es bezog Organisationen ein, die die BDS-Kampagne unterstützen. Sie ruft mit Blick auf den Palästina-Konflikt zum wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Boykott Israels auf. Das löst viel Kritik aus, auch beim Bundespräsidenten. Einige sprechen von der Kunstmesse der Schande, weil israelische Künstler nicht ausstellen dürfen. Palästinensische Künstler setzen in der Serie "Guernica Gaza" klassische Gemälde mit Bildern israelischer Anti-Terror-Operationen zusammen. Ein Beitrag des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi führt zu einem Skandal: Auf einem großflächigen Banner am Friedrichplatz ist unter anderem ein Soldat mit Schweinsgesicht zu sehen. Er trägt ein Halstuch mit einem Davisstern und einem Helm mit der Aufschrift "Mossad". Das Kunstwerk wird durch die Leitung der Documenta verhüllt, später abgebaut. Es wird auch Kunst aus der Sicht von Thailand und den Philippinen definiert als Freiraum für eine Welt, die man sich selbst schaffen muss.

Grundsätzlich geht es um 14 Kollektive im globalen Süden. Sie sind aus Brasilien, Kolumbien, Kuba, Osteuropa (Rumänien, Bulgarien), Kenia, Uganda, Nigeria, Australien, Indonesien, Taiwan, Thailand, Philippinen Es geht auch um alternative Formen des Wirtschaftens. so etwa um Cheesecoin. Das ist ein Tauschsystem. Es wird eine Geschenk-Ökonomie modelliert. die Nachbarschafts- und Peer-to-peer-Tauschsysteme nachempfindet. Dinge werden verschenkt, um ein komplexes Geflecht sozialer Beziehungen zu kreieren. Es  gibt auch ein "Internet des Gestanks". Schimmel.Bakterien und Pilze des Käse sind Echt-Zeit-Sensoren. Sie messen Umweltbedingungen. Wenn die Bedingungen günstig sind, werden Chese-Coins erzeugt. Die Herstellung der Cheese-Coins wird auf einem Geschenk-Holz überprüft. Es hat dei Funktion eines traditionellen Kerbholzes, das Schulden aufzeichnet.

Wayang Kulit: Kultur auf Java. Abbild der Menschheit und zeigt Gut und Böse. Die Charaktere stellen Archetypen der Gesellschaft dar und werden teils als Vorbilder gesehen. Man arbeitet viel mit Schattenspielen und Theater. Farben werden für Gesichter und Körper verwendet. Am häufigsten und neutral ist Gold. Weiß steht für offen und ehrlich. Schwarz bedeutet edel. Quelle: Museum für Weltkultur, Frankfurt. Das Museum ist am Museumsufer am Main.

Volksgruppen: Es gibt 360 verschiedene Völker. Die größten Minderheiten sind die Malaiischen Völker und die Chinesen (8 Mio.).  In Indonesien werden über 500 regionale Sprachen gesprochen (deshalb ist Englisch primäre Geschäftssprache).

Frauen: Es gibt zunehmend strengere Regeln. Etliche Provinzen und Städte haben mittlerweile harsche Kleiderordnungen für Mädchen und Frauen. Wenn sie sich nicht daran halten, haben sie mit Diskriminierung, Mobbing und Gewaltandrohung zu kämpfen. In der Provinz Aceh im norden von Sumatra gilt das islamische Recht Scharia. Insgesamt gibt es mehr als 60 Dekrete im Land, die sich mit Kleiderordnung für Frauen beschäftigen. Es geht hauptsächlich um Jilbab und Hijab.  Quelle: Human Rights Watch 2022.

Politik: Hauptstadt Jakarta. Verwaltung: 34 Provinzen, Sonderegion Yogyakarta, und 3 Provinzen mit Sonderstatus: Aceh, Papua, West-Papua. Staatsform Präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der Präsident. Legislative ist die Volksversammlung. die Verfassung ist von 1945. Wählen darf man ab 17. Im April 2019 steht der bisherige Präsident Widodo vor einer zweiten Amtszeit. Indonesien ist die drittgrößte Demokratie und das größte islamische Land der Welt, ("sanfter Islam"). Jakarta, die Hauptstadt, ist eine der größten, dreckigsten und überfülltesten Metropolen der Welt. Die Hauptstadt Jakarta (1527 gegründet, zwischenzeitlich Batavia; ca. 30 Mio. Einwohner) versinkt. 40% ihrer Fläche befinden sich bereits unter dem Meeresspiegel. Außerdem herrscht Überbevölkerung und Erdbebengefahr und ein ewiges Verkehrschaos. Bis 2024 soll der Regierungssitz deshalb in die Provinzstädte Palangkaraya und Balikpapan verlegt werden, die im Dschungel liegen. Vgl. dazu den nächsten Abschnitt.

Provinzen: Das Land besteht aus 34 Provinzen. 24 sind streng islamisch. 1 Sonderegion, 1 Hauptstadtdistrikt.

Wichtige Städte: Bekasi, Surabaya, Depok, Bandung (Konferenzort 1955!), Tangerang, Medan, Semarang, Patembang, Makassar.

Neue Hauptstadt "Nusantara": Das bedeutet "Archipel". Im Januar 2022 wurde die neue Stadt auf Borneo vom Parlament beschlossen. Baubeginn soll noch 2022 sein. Budget: 35 Mrd. Dollar. Geplanter Umzug des Regierungsapparates 2024. Bis 2045 soll ganz Nusantara fertig gestellt sein.

Militär/ Rüstung: Die USA versuchen, das Land in eine Allianz gegen China hineinzuziehen (Quad). Auf der anderen Seite  strebt China an, das Land von sich abhängig zu machen (Kredite, Infrastrukturprojekte). Rheinmetall aus Deutschland liefert Panzer an Indonesien. Insgesamt ist Deutschland einer der größten Rüstungslieferanten für das Land. Im April 2021 helfen die USA, ein U-Boot vor Bali zu finden. Die Zeit drängt, da die Besatzung nur einige Tage überleben kann. Das U-Boot stammt auch aus deutscher Produktion (40 Jahre alt). Schließlich findet man die Reste des U-Boots (800 m, nur für 500 m geeignet, Besatzung tot). Wahrscheinlich werden noch deutsche U-Boote vom Typ 214 bestellt. Sie stammen von der deutschen Firma TKMS aus Kiel (U-Boote für flache Gewässer).  Beim Militär finden 2021 noch immer "Jungfrauentests" statt. Es sind Zwei-Finger-Tests bei Anwärterinnen. Nur Jungfrauen seien mental geeignet, um ihrem Land an der Waffe zu dienen. Es gelten aber für Frauen und Männer die gleichen Regeln (ist aber bei Männern nicht überprüfbar). Es gibt eine Diskussion über die Tests, worin sich die Organisation Human Rights Watch einmischt.

Gesundheit: Im September 2020 hat Indonesien 253.000 Infizierte mit Corona. Rund 10.000 Infizierte sind bisher gestorben. Corona trifft besonders hart den Tourismus, vor allem auf Bali. Indonesien verfolgt dann 2021 eine radikal andere Impfstrategie: Zuerst sind die Jüngeren an der Reihe. Man hofft dadurch auf eine schnellere wirtschaftliche Erholung. Der Impfstoff kommt überwiegend aus China (Sinovac; allerdings reicht er 2021 nur für die Hälfte der Bevölkerung). Man hat auch Impfstoff bei BionTech/ Pfizer bestellt.

In Indonesien gibt es eine überdurchschnittliche Zahl von Rauchern. Bei E-Zigaretten ist der Anteil mit 23% weltweit am höchsten (vor Italien und UK). Quelle: Statista.

Religionen: Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Es wird eine gemäßigte und tolerante Form des Islam praktiziert (87,2% der Bevölkerung sind Muslime). In jüngster Zeit häufen sich allerdings Vorfälle, die auf eine Radikalisierung hindeuten. So wird etwa eine chinesische Gottheit verhüllt, weil sie zum Gegenstand von Kampagnen wird. Auch der IS zeigt sich häufiger in Aktionen. Viele radikale Indonesier waren Mitglieder des IS. Sie könnten in ihre Heimat zurückkehren. Um 1000 bis 1500 n. Chr. erfährt der Buddhismus, der bis dahin in Indonesien überwiegt, einen Niedergang und wird durch den Islam ersetzt. Die Gründe sind noch nicht ausreichend erforscht. Heute haben andere Religionen einen ganz geringen Anteil: Protestantismus (6,9%), Katholizismus (2,5%), Hinduismus (!,7%), Buddhismus (0,7%), Konfuzianismus (0,05%). Es gibt keine Staatsreligion. Indonesien kommt als größter islamischen Staat der Welt eine große Verantwortung für die Entwicklung des Islam zu. Es könnte bei der Eindämmung des militanten Islamismus helfen.

Wichtige Wirtschaftsdaten und Wirtschaft: Bruttoinlandsprodukt 2017 1016 Mrd. US-$; 2016 900 Mrd. US-Dollar; Wachstum 5,5% (Prognose 2017 +5,3%); Exportquote 5,8%; Arbeitslosenquote 5,8%; Aktienmarktbewertung 15,4 (Kurs/ Gewinn 2017, Schätzung). Wichtigste Handelspartner: China 8sowohl bei Export als auch bei Import), Singapur, Japan; Wichtigste Branchen Bergbau, Energie (2014; German Trade & Invest). Indonesien ist die zweitgrößte Fischereination nach China. 2015 leidet Indonesien besonders unter dem Absturz Chinas. Das Land hat eine große Abhängigkeit von Rohstoffexporten (Gold, Kupfer). Das Geschäft mit Palmöl ist besonders stark zurückgegangen, aber größter Palmölproduzent der Welt. Die Insel Java ist am wichtigsten; hier leben über 50% der Bevölkerung (ist liegt auch Jakarta). Weitere bekannt und wichtige Inseln sind Sumatra, Bali und Borneo. BIP-Anteile: Primärer Sektor (über 13%; aber über 40% der Erwerbstätigen), Sekundärer Sektor ca. 42%, tertiärer Sektor über 42%. 2016 streicht die Regierung Subventionen und investiert in Infrastruktur. Indonesien ist besonders abhängig von Fisch als Einkommens- und Nahrungsquelle. Vielen gilt das Land als der Zukunftsmarkt Asiens. Schon jetzt haben Holz, Palmöl und Kohle ausländischen Investoren angelockt. Das Land hat noch viele andere Rohstoffe (Kupfer, Zinn, Gas). Es ist politisch stabil und hat eine positive demographische Entwicklung. Insgesamt lagen die ausländischen Direktinvestitionen 2014 bei 22,3 Mrd. Dollar (aus Japan, China, Oman). Sie verhindern einen massiven Abschwung. Indonesien war der Star unter den Schwellenländern. In den letzten Jahren war das Wachstum bei 6%. Der Kurs der Landeswährung Rupiah fällt. Die Inflation steigt.  Bis Mitte des 21. Jahrhunderts soll Indonesien die siebtgrößte Wirtschaftsmacht der Erde sein. Im November 2017 findet in Jakarta die Asien-Pazifik-Konferenz statt. Bundeswirtschaftsminister Altmaier nimmt teil. Die Hälfte der Wirtschaftsleistung hängt vom privaten Konsum ab. Seit 2028 gibt es die Initiative "Making Indonesia 4.0" 

Außenhandel: Das Land verfügt über große Kohle-, Öl-, und Gasvorkommen. Wichtigste landwirtschaftliche Produkte sind Palmöl, Kautschuk, Kakao, Tee, Maniok, Reis, Gewürze, Heilkräuter, Geflügel, Shrimps, Fisch. Wichtige Industrieprodukte sind Gold, Textilien, Schuhe, Zement, Kunsthandwerk, Papierwaren, Möbel. Bei Importen ist das Land  auf Weizenimporte aus der Ukraine angewiesen.

Verschuldung: Indonesien hat hohe Auslandsschulen in Dollar. Dei Aufwertung des Dollar 2022 macht dem Land massiv zu schaffen.

Aktuelles bei Wirtschaft: Im April 2022 gibt es einen Palmöl-Schock. Der Krieg in der Ukraine treibt die Preise für Nahrungsmittel. Indonesien schottet seine Palm-Öl-Produktion ab. Es soll keinerlei Palmöl mehr ausgeführt werden. Indonesien steht für ein Drittel des weltweiten Exports. Der Stoff wird industriell genutzt, aber auch von vielen Haushalten als preiswerte Alternative gebraucht. Das Beispiel macht Schule. Argentinien , der weltgrößte Soja-Produzent, erhebt eine Exportsteuer von 33%.  Die FAO warnt vor Kettenreaktionen. Erster Gewinner ist das Nachbarland Malaysia, der weltweit zweitgrößte Produzent. Vgl. Diemand, S./ Hein, C.: Palmölschock verursacht Chaos, in: FAZ Nr. 96/ 26.4.22, S. 15.

Aus Palmöl wird in vielen Industrieländern auch Bioethanol hergestellt. Das wird dem Benzin beigemischt. Damit soll der CO2-Aussstoß verringert werden. Das Abholzen des Urwaldes in Indonesien für Palmöl-Plantagen wird dem Land negativ angelastet, dafür ist es in Industrieländern ökologisch nützlich. Es zeigt, wie unsinnig die Weltklimapolitik ist.

Staatsfonds und Staatsholding: 2021 wird ein Staatsfonds eingerichtet: Indonesia Investment Authority (INA) 15 Billionen Rupiah (861,6 Mio. €). Ende 2021 um weitere 60 Billionen Rupiah aufgestockt. Mit 10 Mrd. $ wollen die  VAE helfen. Verantwortlich dafür ist die Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati (vorher bei der Weltbank). Ebenso wird 2021 die Staatsholding Indonesia Battery Corporation gegründet. Sie soll die ganze Wertschöpfungskette abdecken.

Antikorruptionsbehörde KPK: 2020 wurden zwei amtierende Minister verhaftet. Schmiergelder und Bestechung.

Omnibusgesetz: Paket von Reformen 2020. Insbesondere im Arbeitsrecht und bei Genehmigungsverfahren. Sektoren wie Bau, Telekommunikation, Transport und Energie werden für Auslandsinvestitionen geöffnet.

Rohstoffe Indonesien: Kein anderes Land exportiert so viele Kraftwerkskohle. Bei der Produktion von Kohle liegt man weltweit an zweiter Stelle hinter China und vor Indien. Beim Verbrauch liegt man an 7. Stelle in der Welt.  Auch bei den Nickelreserven liegt man vorn  (weltweit ca. 35%). Man produziert rund ein Drittel des weltweiten Nickel. Es gibt auch hohe Gold- und Kupfervorkommen (Grasberg-Mine). Indonesien ist auch einer der größten Palmöl-Lieferanten. Man hätte gerne Batteriefabriken im Land. Deshalb hält man sich mit dem Export wichtiger Rohstoffe zurück. Bei LNG-Lieferungen (Import) leidet Indonesien darunter, dass Deutschland mehr bietet und das Gas wegkauft. Vgl. Bee, Ooi Jin: The Petroleum Resources of Indonesia, Oxford/ Kuala-Lumpur 1982.

Energiepartnerschaft (mit den G7-Staaten): Sie wird auf dem Gipfeltreffen der G7 in Elmau/ Bayern im Juni 2022 vereinbart.

Wirtschaftsintegrationen: 2020 ist Indonesien bei RCEP dabei. Man hofft, besonders davon zu profitieren.

G20-Mitgliedschaft und Treffen: Indonesien ist auch Mitglied der G20. Das Treffen 2022 findet am 30. und 31. Oktober 2022 auf Bali statt. Putin will auch kommen. Die Frage ist, ob das die meisten Länder tolerieren (Wohlwollen bei China, Indien, Indonesien, VAE, Israel, Saudi-Arabien). Am 20.4.22 treffen sich schon vorher die G20-Finanzminister in Jarkarta. Das Treffen wird überwiegend virtuell abgewickelt. Moskau sitzt auch mit am Tisch. Man berät Maßnahmen gegen eine weltweite Schuldenkrise, insbesondere bei Entwicklungs- und Schwellenländern. Deutschland hat Indonesien (auch Indien, Süd-Afrika, Senegal) zum G7-Treffen im Juni 2022 in Bayern eingeladen. Am 7. und 8.7.22 findet ein Außenministertreffen zur Vorbereitung des Gipfels statt. Lawrow, der russische Außenminister,  ist auch anwesend. Er verlässt das Treffen früher (bei Rede von Bauerbock und zugeschaltetem ukrainischen Außenminister. Beim Treffen in Bali zeichnet sich eine klare Stellungnahme gegen den russischen Angriffskrieg ab. Bisherige Unterstützer Moskaus wie China und Indien blockieren eine gemeinsame Abschlusserklärung nicht. Damit ist Russland diplomatisch isoliert. Xi und Biden haben das wohl bei ihrem Treffen einen Tag vor dem Gipfel vorbereitet.

Indonesien und Deutschland:  Die deutschen Direktinvestitionen betrugen 2008 1,35 Mrd. €. 2012 steigen die deutschen Exporte nach Indonesien um 47%. Das Land ist Partnerland der Hannover Messe 2021. Diese findet nur digital statt, deshalb ist das Land 2023 wieder Partner. Bis 2045 möchte das Land zu den fünf größten Wirtschaftsnationen der Welt aufsteigen. Es will deutschen Unternehmen große Chancen einräumen. Wenn ein Unternehmen noch nicht in Asien ist, ist Indonesien automatisch interessant. Seit 2018 gibt es die Initiative "Making Indonesia 4.0" . Das ergibt große Chancen für deutsche Maschinenbauer, aber auch für Konzerne (Siemens, ABB). Schwierig ist die Topographie mit rund 17500 Inseln. 51 deutsche Unternehmen sind dabei, in den Markt einzutreten (2020, AHK). Deutsche Unternehmen in Indonesien: Seit 2000 hat Pepperl+Fuchs aus Mannheim dort eine Produktionsstätte mit 600 Mitarbeitern. Rheinmetall aus Deutschland liefert Panzer an Indonesien. Der deutsche Gastronom Wolfgang Nickel aus Sachsen-Anhalt arbeitet sehr erfolgreich mit Indonesiern zusammen. Er beschäftigt insgesamt 89 Indonesier, zum Teil schon lange.

Indonesien und die Niederlande/ EU: Die Niederlande haben heute noch enge Beziehungen zu Indonesien. Die EU müsste solche traditionellen Beziehungen besser für sich nutzen. Sie muss alles tun, um ihre Abhängigkeit von den USA und China zu reduzieren.

Indonesien und Neue Seidenstraße (auch Konflikte): Das Land erhält viel Geld (Finanzhilfen und Kredite) von China. Das Land nutzt dieses Geld zum Bau von Straßen, Glasfaserleitungen und anderen Infrastrukturprojekten. Auf der anderen Seite versuchen die USA, das Land in eine Allianz gegen China hineinzuziehen (Quad). Es gibt keinen Territorialdisput mit China, doch berühren Chinas Gebietsansprüche auch die indonesischen Hoheitsgebiete in ihren Randzonen. Bei den Natuna-Inseln kam es schon zu einer wochenlangen Konfrontation. China hatte die indonesische Seite aufgefordert, nicht mehr nach Öl und Gas zu bohren, da es sich um chinesisches Territorium handele. Seit Sommer 2021 erforscht Indonesien den Meeresboden in einer Wirtschaftszone, die auf die Seerechtskonvention der UN zurückgeht. Das überlappt sich mit Seengebieten, die von China beansprucht werden. Schiffe beider Seiten verfolgen einander. Die USA versucht alles, damit Indonesien nicht von China abhängig wird (so wie Kambodscha und Laos). China ist schon größter Handelspartner Indonesiens und zweitgrößter Investor. Mehr als 80% des Impfstoffes stammt aus China.

Naturkatastrophen: Der Ausbruch des Vulkans Krakatau in Indonesien 1883 war ein apokalyptisches Weltereignis. Gerade so war eine telegraphische Übermittlung möglich. Das Land wurde zum Jahreswechsel 2007 von einer Katastrophenserie überzogen; Im Herbst 2015 ist es Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Auf den Inseln kommt es Ende 2015 wieder zu massiven Brand-Rodungen. Diese beeinflussen das Wetter und Klima in ganz Süd-Ostasien. 2016 macht der IS einen Anschlag in Jakarta (mindestens sieben Tote, 1 Deutscher). Im Dezember 2016 werden 50.000 Menschen bei einem Erdbeben obdachlos. Am 15.01.18 stürzt ein Teil der indonesischen Börse ein. Wie durch ein Wunder, kommt niemand ums Leben. Im Februar 2018 bricht der Vulkan Sinabung wieder aus. Der Sinabung war 2010 nach 400-jährigem Schlaf wieder erwacht. Im August 2018 erschüttert ein Erdbeben das Land (vor allem die Insel Lombok). Es sterben über 150 Menschen. Am 28.09.2018 stößt ein Tsunami auf Indonesien (Insel Sulawesi, Küstenstadt Palu): Es gibt Nachbeben, die Infrastruktur ist zerstört, Hunderte von Verletzten überfordern die Krankenhäuser, es gibt auch über tausend Tote. Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der sehr häufig von Erdbeben heimgesucht wird. Die Folgen sind auch so dramatisch, weil die Tsunami - Warnung zu früh aufgehoben wurde. Es gibt weitere Beben auf anderen Inseln. Indonesien fordert internationale Hilfe an (25 Staaten helfen). Über 5000 Menschen sind vermisst. Am 30.10.18 stürzt ein Flugzeug kurz nach dem Start ab ins Meer (180 Tote). Kurz vor Weihnachten 2018 kommt ein tödlicher Tsunami ohne Vorwarnung. Er löst eine starke Flutwelle aus, die die Strände zwischen Java und Sumatra verwüstet. Als Ursache gilt ein Seebeben, das einen Erdrutsch auslöste. Es gibt über 400 Todesopfer. Um Weihnachten 2019 kommt es zu großen Überschwemmungen nahe der Hauptstadt (heftigste Regenfälle seit 1866). Auch hier gibt es viele Todesopfer. Zusätzlich kommt es noch zu Erdrutschen. 400.000 Menschen sind betroffen; es gibt schon über 60 Todesopfer. Ein schweres Erdbeben trifft am 14.01.21 West-Sulabesi. Es gibt viele Tote und die Zerstörung vieler Häuser. Große Teile Indonesiens liegen auf einem so genannten Feuerring, der immer wieder Erdbeben verursacht. Im April 21 lösen schwere Regenfälle eine Katastrophe im Osten Indonesiens aus. Es kommt zu großen Überschwemmungen. Über 150 Menschen kommen ums Leben. Anfang Dezember bricht ein Vulkan auf der Insel Jawa aus. Er verursacht große Schäden und fordert viele Menschenleben. Indonesien liegt auf dem so genannten Feuerring. Anfang Oktober 2022 gibt es bei einem Fußballspiel 182 Tote. Am 21.11.22 gibt es ein schweres Erdbeben (5,6 auf der Richter-Skala) südwestlich der Stadt Cianjur auf der Hauptinsel Java. Über 1000 Menschen werden verletzt, es gibt über 250 Tote. Die Region liegt auf dem Pazifischen Feuerring.  In dem Land lebt der Volksstamm der Toraja (Insel Sulawesi). Für die ist das Leben nur ein Übergang zu einer unendlichen Reise. Das Jenseits ist bedeutsamer. Beim Tod verlässt die Seele den Körper, bleibt aber in der Nähe. Deshalb wird der Leichnam möglichst lange zuhause aufbewahrt (einbalsamiert). Beim Ma´Nene-Ritual werden Dahingeschiedene ausgebuddelt, neu eingekleidet und durchs Dorf geführt.

Umwelt: Indonesien hat viele Waldbrände, die zum Teil gelegt werden für neue Palmölplantagen. Dann zeigt sich ein blutroter Himmel. Dieses besondere Phänomen wird Rayleigh-Streuung genannt. Es  handelt sich um Partikel in der Atmosphäre, die das Sonnenlicht auf besondere Weise streuen, so dass es viel roter erscheint. Es ist viel Rauch und Verschmutzung in der Atmosphäre. Die Einwohner leiden unter Luftverschmutzung, auch die in Singapur und Malaysia. Es brennen nicht nur die Bäume aus, sondern auch der Torfboden. Das war in den Jahren 1997, 2006 und 2015 heftig, auch angefacht durch extreme Trockenheit. Ebenso im Jahr 2019. Es gehen auch Lebensräume für Tiere verloren (Tiger, Orang-Utans). Indonesien baut 2019 immer noch die Kapazität seiner Kohlekraftwerke aus (+ 21.090 Megawatt). Indonesien ist 2019 noch einer der Hauptabnehmer für Plastikmüll. Es hat praktisch China ersetzt. Der Müll wird in der Regel nicht recycelt, sondern irgendwo abgeladen. Die Noch-Hauptstadt Jakarta ist extrem vom Klimawandel bedroht. Die Stadt leidet unter Luftverschmutzung, Naturkatastrophen und Überschwemmungen. Deshalb zieht die Regierung nach Ost - Kalimantan um.

Aus Palmöl wird in vielen Industrieländern auch Bioethanol hergestellt. Das wird dem Benzin beigemischt. Damit soll der CO2-Aussstoß verringert werden. Das Abholzen des Urwaldes in Indonesien für Palmöl-Plantagen wird dem Land negativ angelastet, dafür ist es in Industrieländern ökologisch nützlich. Es zeigt, wie unsinnig die Weltklimapolitik ist.

Exkurs: Aeshnina Azzahra. Sie ist die Greta Indonesiens. 2021 ist sie erst 14 Jahre alt. Sie könnte die neue Stimme einer globalen Umweltbewegung werden. Sie redet zuerst auf einer internationalen Plastikkonferenz 21 in Amsterdam. Vgl. Laura Cwiertnia: Was Greta kann, kann ich auch! in: Die Zeit Nr. 45, 4.11.21, S. 40. Auch film darüber in der ARD, 30.11.21("Kinder in der Klimakrise").

Tourismus in Indonesien: Die Regierung will den Tourismus ab 2021 massiv ausbauen. Das boomende Bali dient als Vorbild für die Erschließung anderer Inseln. So die Insel Lombok (Surfer, Vulkanfans). Das Projekt Mandalika ist ein Ressort in Bau (3 Mrd. €). Es gibt Kritik von Umweltschützern und von der UN (Anwohner-Rechte, Landraub) Es werden Luxushotels errichtet. Auf Rinca-Island entsteht ein Safari-Park.  .

Reisterassen der Subak auf Bali: Bauern organisieren sich in Bewässerungsgemeinschaften. Ein System von Dämmen und Kanälen schafft Ausgleich zwischen Regen- und Dürreperioden. Über Drainagelöcher werden die Felder regelmäßig trockengelegt, um Schädlinge zu kontrollieren. Die alten Anlagen produzieren auch ohne Pestizide und Dünger hohe Erträge. Die Corona-Krise bringt den Tourismus auf Bali fast zum Erliegen (rund 75.000 Menschen mussten entlassen werden). 4400 Influencer können im Herbst 2020 kostenlos Urlauf auf der Insel machen. Sie sollen Werbung für den Tourismus machen.

Nationalpark Tanjung Puting: Hier leben Orang-Utans. Sie wurden zum Teil anderswo befreit. Sie müssen allerdings wieder lange an das Leben in der Wildnis herangeführt werden. Sie können sich auch mit Corona anstecken.  Sie werden Waldmenschen genannt. Der Park auf Borneo wurde 1971 gegründet (Initiative der Primalologin Galdikas). Der einzige Weg führt über den Fluss Sekonyer. Doch auch hier sind Waldbrände und Bergbau ein Problem. Es gibt auch 220 Vogelarten und 17 Reptiliensorten.

Exkurs. Orang-Utans (malaiisch für Waldmensch): Ihr Lebensraum sind heute die Regenwälder in Borneo oder Sumatra. Die Nachfrage nach Palmöl, Tropenholz und Kohle führt zu Rodungen in großem Umfang. Durch ihre zutrauliche Art sind sie leichte Beute für Wilderer.

Exkurs. Roter Meereskrebs namens Sahra Wagenknecht ("Cherax wagenknechtae"): Er wird im Oktober 2022 vom vom deutschen Meerestierexperten Christian Lukhaup aus Waiblingen in Indonesien entdeckt. Er nennet ihn so im Fachmagazin "Zoosystematics and Evolution".

Anambas - Archipel: Es gibt mehr als 250 Inseln, eine schöner als die andere. Sie sind gut geeignet für Insel - Hopping. Es gibt auch viele unbewohnte Inseln. Man kann Baden, Schwimmen, Klettern. Die Inselgruppe liegt zwischen Singapur und Borneo. Die Hauptstadt ist Taremba. Der Temburun-Wasserfall ist der größte mit sieben Kaskaden und 250 m.

Arbeitsmarkt: Er weist eine Reihe von Besonderheiten auf. Er ist von staatlichen Interventionen im Inneren und Protektionismus nach außen geprägt- Er ist stark binnenorientiert. Der internationale Wettbewerbsdruck ist dadurch gering. Das Lohnniveau ist relativ hoch. Das Arbeitsrecht ist restriktiv und wird von ausländischen Firmen als Investitionshemmnis interpretiert. Kündigungsschutz, Feiertagsregelungen und Gebetspausen sind arbeitnehmerfreundlich. Die Schuhindustrie steht im weltweiten Wettbewerb und umgeht daher das Arbeitsrecht. Informelle Arbeitsbeziehungen und Heimarbeit kennzeichnen die Branche. Insgesamt gibt es eine Abschottung gegen ausländische Arbeitnehmer. Indonesien hat einen staatlichen Mindestlohn: Er ist auf den Inseln unterschiedlich. Vgl. Fischer Weltalmanach 2019, S. 214. Auch: Schott, Christina: Indonesien. Ein Länderporträt, Berlin 2015.

Kinderarbeit: Die Abschottung des Arbeitsmarktes hat auch eine weitere Kehrseite: Kinderarbeit ist in Indonesien weit verbreitet. Sie arbeiten etwa auf der Insel Sulawesi bei der Kakaoernte. Kinder werden auch in den Minen des Bergbaus eingesetzt. Hier vor allem in Goldminen.

Matriarchat: Das Volk der Minangkabau ist die größte matrillineare Gesellschaft der Welt (kleinere Völker gibt es auch in China und Brasilien). Das Volk ist muslimischen Glaubens. Frauen sind Oberhaupt der Familie, ihnen gehört das Grundeigentum und sie vererben und erben. Religion und Kultur stehen in einem Widerspruch. Aber die Kultur ist älter als die Religion (heute Moslems, früher Buddhisten). Eine sehr interessante soziale Situation, die mehr erforscht werden müsste (auch im Hinblick auf das Vordringen von Frauen in vielen westlichen Kulturen).

Aktuelles: Indonesiens staatliche Fluggesellschaft Garuda macht die Bestellung von 49 Maschinen des Typs Boing 737 rückgängig. Hintergrund der Stornierung sind zwei Abstürze mit mehr als 340 Toten. Um Touristen anzulocken, will Indonesien zehn international weitgehend unbekannte Orte besser erschließen. Aus den Fehlern auf Bali will man lernen. Am 09.01,2021 stürzt eine Passagiermaschine auf dem Weg von Jakarta nach Bormeo ab. Keiner der Passagiere überlebt (62 Tote). Wahrscheinlich gab es Mängel in der Wartung bei der Billigfluglinie.

Quellen: Anderson, Benedict: A Life Beyond Boundaries, Selangor 2016. Elson, Robert E.: The Idea of Indonesia,. A History, Cambridge 2008. Fogg, Kevin W.: Indonesia`s Islamic Revolution, Cambridge 2019. Frankopan, Peter: Die neuen Seidenstraßen. Gegenwart und Zukunft unserer Welt, Berlin 2020. Reybrock, David van: Revolusi. Indonesien und die Entstehung der modernen Welt, Berlin 2022. Ricklefs, Merle Calvin: A History of Modern Indonesia since c. 1200, Stanford 2001. StBA: Statistisches Jahrbuch des Auslands, jährlich. Der neue Kosmos Weltalmanach & Atlas, Stuttgart 2022 und 2023. Viele Artikel in Fach-Zeitschriften und Zeitungen (bei den einzelnen Abschnitten konkret benannt).

 

Korea:

Inhalt: Gesamt-Korea/ Geschichte. Nationalhymne Koreas.

Südkorea (Politik, Nationaler Sicherheitsrat,  Unternehmen, Aktienmarkt, Samsung, Wirtschaft, Inflation, Wirtschaft im Vergleich, Wirtschaftspolitik (Subventionen), Bedingungsloses Grundeinkommen, Notenbank, Koreanische Kommission für fairen Handel (KFTC), Kreativwirtschaft und Innovation, Innovationsstandort SeoulRüstungsgüter deutscher Firmen, Kaufmänner des Krieges, Korea als natürliches Experiment der Geschichte, Umwelt und Energie, Bevölkerungs- und Sozialstruktur als Problem: Suizidrate, Rolle der Frau, Prominente mit Mobbing - Vergangenheit, Lohngefälle, Gesundheit, Ginseng, Kimchi, Wirtschaftsgeschichte, Digitalisierung, Zepeto als Metaversum,   Arbeitsbedingungen, Menschen - Rechte und   Tradition, Kultur, Bildung und Forschung, Nunchi, Religion, Vollversammlung des Weltkirchenrates, Verhältnis zu USA, China, Socotra-Fels,  Japan, Kooperation, RCEP, Propaganda). Familienzerrissenheit und Hoffung auf Wiedervereinigung. Katastrophen/ Unglücke. Unternehmen in Südkorea.

Nordkorea (Allgemein, Politik, Parteikongress, Wirtschaft, Export von Rüstungsgütern, China, Bevölkerung und Lebensverhältnisse, USA, Wirtschaftssanktionen, Verhältnis zu Russland,  Familien-Clans, Kim Ryon-hui GesundheitHumanitäre Hilfe, Naturkatastrophen und Ernten, Kultur, Totengedenken, Religionen, geographische Zonen, Tourismus in Nordkorea, politische Rahmen-Bedingungen. Staatsfinanzierung, Atomwaffen.

Im Sprachgebrauch bildet der 38. Breitengrad die Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Symbol ist die demilitarisierte Zone (DMZ), die in der Regel dort lokalisiert wird. Dabei berührt diese geographische Linie den Grenzverlauf nur an einem einzigen Punkt: östlich von Kaesong. Auslöser für die Zufallsgrenze "Breitengrad" war der Zeitdruck. Die Grenze bot sich optisch an, real war sie unsinnig (zu viele Straßen, Flüsse und Eisenbahnlinien wurden zerschnitten).  So einigte man sich später auf Bögen südlich oder nördlich des Breitengrades. Sie ist die letzte Grenze des "kalten Krieges". Die Grenze entstand nach dem Koreakrieg: Der Norden wurde von China und Russland unterstützt, der Süden von den USA. 2018 räumen Nord- und Südkorea in der Pufferzone gemeinsam Landminen weg. Der Grenzort Panmunjom wird 2018 zur waffenfreien Zone ernannt. Hier kommt es zu einem symbolischen Handschlag zwischen den süd- und nordkoreanischen Staatschefs. 2019 treffen sich hier Trump und Kim. Am 15.06.20 wird das Verbindungsbüro für Korea von Nordkorea gesprengt (Auslöser sind Flugblätter von Flüchtlingen aus Nordkorea in Südkorea, Überläufer). Dabei tritt die Schwester von Kim in den Vordergrund (Kim Yo Jong). Man weiß nicht, ob Kim krank ist oder entmachtet wurde. Im Juli 2021 gibt es einen überraschenden Briefverkehr zwischen Südkoreas Präsident und Nordkoreas Machthaber. Es ist eine Art Stille Post. Heimlich kehrt man zur Kommunikation auf höchster Ebene zurück. Dort liegt auch eines der bemerkenswertesten Naturreservate der Welt. Es dehnt sich auf knapp tausend Quadratkilometern aus, und seit bald 70 Jahren hat kaum ein Mensch einen Fuß hineingesetzt. Es hat sich ein Urwald gebildet, der erahnen lässt, wie die Welt einmal ausgesehen haben könnte. Am südlichen und nördlichen Rand dieser Wildnis stehen sich Truppen gegenüber. Quelle: Neue Züricher Zeitung, 22.11.2021

Korea (Geschichte):  Seit der Altsteinzeit bewohnt (Funde): Zwischen 18.000 bis 12.000 v. Chr. besiedelt. Es waren Nomadenstämme aus dem sibirisch-nordasiatischen Raum. Erstes Königreich Go-Joseon 2333 v. Chr. (Halbgott Wanggeon).  194 v. Chr. vom chinesischen General Wei Mon erobert. Unter Wudi expandiert China bis an das Südchinesische Meer. 109 v. Chr. wird Korea von China tributpflichtig gemacht . Dann Zeit der drei Königreiche: Goguryeon, Balhae, Silla. Vordringen des Buddhismus: Im Jahre 1087 wird in Korea die größte Sammlung buddhistischer Schriften auf Holzdruckstöcken vollendet (Tripitaka Koreana). 1392 Sturz des Koryo-Reiches in Korea: Die Yi - Dynastie begründet das neue - stark konfuzianisch geprägte - Reich Choson. Neue Hauptstadt wird 1394 Seoul. 1627 wird Korea Vasallenstaat der Mandschus in China und bleibt dies auch nach deren Machtübernahme in China (Qing - Dynastie). 1895 Sieg Japans über China um die Vorherrschaft in Korea (aber Korea bleibt vorerst selbständig). China muss im Frieden von Shimonoseki noch Taiwan und die Pescadores-Inseln an Japan abtreten. Nach 1905 dominiert Japan in Korea (quasi abhängig). 1948 nach dem Korea-Krieg (USA auf Seiten Südkoreas, China auf Seiten Nordkoreas) werden in Korea zwei Staaten proklamiert (siehe unten und oben). Es beginnt der Aufstieg Südkoreas ("Tiger") mit großer Unterstützung der USA und der Abstieg Nordkoreas, das von China und Russland abhängig ist (aber beide gegeneinander ausspielen kann). Südkorea und Japan stehen in hartem ökonomischen Wettbewerb. Ökonomisch ist mittlerweile auch Südkorea bei Importen und Exporten von China abhängig.

Exkurs. Nationalhymne Koreas: Sie wurde vor 120 Jahren von einem Deutschen komponiert. Der Preuße Franz Eckert wurde 1870 von der preußischen Verwaltung nach Japan geschickt. Er sollte dort eine Militärkapelle aufbauen. Um die Jahrhundertwende zog er nach Korea, um eine ähnliche Aufgabe zu übernehmen. In diesem Zusammenhang komponierte er die hymne des Großkoreanischen Kaiserreichs. Die Hymne blieb 8 Jahre. 1910 kolonisierte Japan Korea. Die heutige Hymne Südkoreas ist eine andere, ebenso in Nordkorea. In Berlin wird dei Hymne 2022 wieder aufgeführt mit dem Daegeum-Spieler Adam Lee. Sie wird also wiederentdeckt.

Südkorea (Daehan Minguk; Republik Korea):

Politik: Noch 28.000 US-Soldaten sind in Süd-Korea stationiert. Dazu kommen 50.000 in Japan. Korea war das Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse 2005. Der Norden wird mit Investitionen und Devisen unterstützt, um den Zusammenbruch zu verhindern. 2007 wird auch Reis geliefert. Hyundai-Boss Chung bekommt eine Anklage wegen Bestechung und Unterschlagung. Die Hyundai-Arbeiter streiken Anfang 2007 für volle Bonuszahlung für 2006. Nach einem Tankerunfall entsteht eine große Ölpest an der Küste. 2009 trudelt das Land in eine Rezession (Exporte -18% 2008). Beide Staaten Koreas haben ein Ministerium für Wiedervereinigung. Wegen der Seuche Mers senkt die Notenbank die Zinsen (1,5% Schlüsselzins, historisches Tief). Die britische Supermarktkette Tesco verkauft ihr Südkoreageschäft 2015 an den Finanzinvestor MBK Partners. Ab 2015 will das Land seine Nationalgerichte Kimchi und Barbecue exportieren. Südkorea und Japan nähern sich im Streit um die Versklavung von über 200.000 koreanischen Frauen ("Trostfrauen") durch die kaiserliche japanische Armee an. Tokio sagt eine Zahlung von 7,6 Mio. € an die ehemaligen Zwangsprostituierten zu und entschuldigt sich. Im Jahre 2016 wollen die USA einen Raketenschild in dem Land einrichten. Süd-Korea, wo Kia und Hyundai zu Hause sind, verbietet 2016 den Verkauf vieler VW- und Audi-Dieselmodelle wegen des Diesel-Abgasskandals. Im Herbst 2016 gerät die Präsidentin Park Geun Hye unter Druck. Sie soll Geschäfte ihrer Freundin begünstigt haben (Korruption; der Staatsanwalt erhebt Anklage gegen die Freundin). Außerdem soll sie an Ritualen einer Sekte (Schwarze Messen) teilgenommen haben. Hunderttausende gehen zu Demonstrationen auf die Straße. Die Massenproteste wiederholen sich. Es wird ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet.  Im Januar 2017 wird die Kulturministerin Cho Yoon Sun wegen Amtsmissbrauchs verhaftet. Sie soll eine schwarze Liste mit 10.000 missliebigen Personen erstellt haben.  Im März 2017 entfernt das Verfassungsgericht die Präsidentin Park wegen Korruption aus dem Amt. Später wird sie verhaftet und zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt wegen Amtsmissbrauchs. Die Opposition steht Nordkorea und China positiver und den USA kritischer gegenüber. Das könnte zu Machtverschiebungen in Südostasien führen.. Im Mai 2017 wird in Südkorea ein neuer Präsident gewählt. Aussichtsreichster Kandidat ist Moon Jae In von der Demokratischen Partei. Er gewinnt auch mit 41,4% die Wahl (linksgerichtet; Reform von familiengeführten Großkonzernen; Dialog mit Nordkorea; "Nationale Interessen zuerst"). China könnte mehr Einfluss gegenüber den USA bekommen. Samsung-Erbe Lee Jae Yong muss wegen Bestechung, Veruntreuung, Geldwäsche  und Meineids für fünf Jahre ins Gefängnis. Trump verkündet im September 2017, Südkorea stark aufzurüsten (wegen der Raketentests in Nordkorea). Unter anderem wird eine "Enthauptungseinheit" aufgebaut (Ausschaltung der Führung Nordkoreas). Ein militärischer Konflikt in Korea würde die Weltwirtschaft hart treffen. Die Schifffahrtsrouten wären bedroht und die Computer- und Smartphone - Industrie. Am 07. und 08. November besucht Präsident Trump Südkorea (Seoul; "We go together"). Trump schlägt eher nachdenkliche Töne an. Als Reaktion auf die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems in Süd-Korea geht China gegen den Mischkonzern Lotte in China vor (Dutzende Märkte mussten schließen). Die USA und Nordkorea starten im Dezember 2017 das bisher größte Luftwaffenmanöver. Kurz vor Weihnachten 2017 kommt es zu einem Hackerangriff auf die Bitcoin-Börse in Südkorea. Sie wird zahlungsunfähig. Südkorea lädt Anfang 2018 Nordkorea zu "hochrangigen Gesprächen" ein. China schickt einen Gesandten. Altkanzler Gerhard Schröder unterhält schon länger eine private Beziehung zu der südkoreanischen Wirtschaftsexpertin Kim Soyeon. Die Olympischen Winterspiele gehen am 25.02.18 friedlich zu Ende. Nord- und Südkorea testen das "Rote Telefon". Angeblich fordert Kim nicht mehr den völligen Abzug der US-Truppen von der koreanischen Halbinsel. Süd-Korea stoppt die Beschallung an der Grenze (Ende des Propaganda-Krieges?). Am 27.04.18 treffen sich Kim Jong Un und Moon Jae In erstmals auf südkoreanischem Gebiet (demilitarisierte Zone; Pammunjom; neues Zeitalter der Abrüstung, Friedensvertrag soll noch 2018 ausgehandelt werden, Wiederbelebung der gemeinsamen Zone, Familienzusammenführung; Pflanzen eines Baumes). Ende Mai treffen sich die beiden Staatschefs erneut am gleichen Ort zu einem Gipfeltreffen. Es geht um die Ermöglichung des Nordkorea-USA-Gipfels. Ab 2019 soll es keine Großmanöver mehr mit den USA geben. Künftig gibt es keinen Informationsaustausch mehr über Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm. Die beiden Fernostmächte streiten jetzt um Entschädigungszahlungen im Zweiten Weltkrieg. Bei der Parlamentswahl in Südkorea im April 2020 gewinnt ein Überläufer aus Nordkorea ein Mandat (Thae Yong Ho, ehemaliger Diplomat). Moons Demokratische Partei gewinnt die absolute Mehrheit. Zusammen mit ihrer Schwesterpartei kann sie sich 180 von 300 Sitzen sichern. Im märz 2022 findet ein harter Wahlkampf um die Präsidentschaft statt. Amtsinhaber Moon darf nach 5 Jahren nicht mehr antreten. Zur Wahl stehen der Linksliberale Lee Jae Myung und  der Konservative Yoon Seok Youl, Entscheidend die Wahl beeinflussen könnte Kim Jong Un aus Nordkorea (Raketentests). Yoon Suk Yeol gewinnt die Wahl und wird neuer Präsident. Er gilt als ultrakonservativer Hardliner, der auch die Konfrontation mit Nordkorea nicht scheut. In dem Land gibt es eine Bestattung auf Probe. Sie wird vom Hyonwon Healing Center in Seoul angeboten. Die Teilnehmer machen einen 2,5 Stunden-Kurs. Nach der Wiederauferstehung würden sich viele frisch beseelt fühlen. Der Kurs ist sogar umsonst. Seoul, die Hauptstadt Südkoreas, ist mittlerweile die Welthauptstadt der Schönheitsoperationen. Wer im Beruf und im Privatleben erfolgreich sein will, legt sich unters Messer. Immer mehr Touristen nutzen das Angebot zum Traumgesicht. Südkorea hat mittlerweile 2017 die höchste Lebenserwartung (WHO: Frauen 90,8; Männer 84,1).

Nationale Sicherheitsrat: Wichtiges Organ in Südkorea. Die Sitzungen finden auf verschiedenen Ebenen statt, je nach Wichtigkeit. Er muss sich meist mit Nordkorea auseinandersetze. Regelmäßig ist das, wenn wieder mal Raketen getestet werden.

Unternehmen/ Chaebol: Es ist die Bezeichnung für die netzwerkartige Unternehmensform in Südkorea. Man spricht von Konglomeraten. Die Entstehung geht auf die Zeit nach dem Koreakrieg zurück. Die größten Chaebols sind Hyundai, Samsung, LG, SK, Hanjin, Lotte und Daewoo. Sie sind im Besitz einer bestimmten Familie. Die Grenzen des gesamten Netzwerks können nur schwer gezogen werden. Managementprinzip ist "Inhwa": Prinzip der Harmonie.  In Süd-Korea entsteht eine Diskussion, ob das Wirtschaftssystem geändert werden sollte (Chaebols, riesige Familienkonzerngruppen). 2015 ist die Industrieproduktion erstmals seit dem 2. Weltkrieg rückläufig. Jedes fünfte der 30 größten Unternehmen kann seine Kredite nicht mehr bedienen. Im Herbst 2016 geht die Hanjin-Reederei in Insolvenz. Das bringt weltweit Lieferketten durcheinander 8auch bei Samsung). Ende September 2016 streiken 50.000 Arbeiter bei Hyundai. die Gewerkschaft fordert 7,2% mehr Lohn. Hyundai hat mit Gewinnrückgängen durch Währungsschwankungen und fallende Verkaufszahlen zu kämpfen. Im Oktober 2016 muss Samsung die Produktion des Flaggschiffs Note 7 einstellen. Rückrufe vorher waren nicht erfolgreich. Dadurch werden die Schwächen in der Konzernkultur aufgedeckt (Gründerenkel Jay Y. Lee ist unerfahren, der Patriarch in der Klinik, die Führung ist verunsichert). Auf Druck der Investoren wird die Gründung einer Holding und ein Börsengang in den USA geprüft. Der südkoreanische Elektronikriese LG verlegt seine Europazentrale von London in den Raum Frankfurt (Konsequenz des Brexit). Samsung übernimmt 2016 das US-Unternehmen Harman (Vernetzung von Fahrzeugen). Südkorea plant Ende 2016 den Verkaufsstopp einiger Automodelle aus Deutschland und Japan wegen fehlerhafter Angaben zur Zulassung (BMW, Porsche, Nissan). Schließlich verbietet die Regierung den Verkauf von BMW und Porsche. Mitte Januar wird ein Haftbefehl gegen Samsung-Erben beantragt (Vizepräsident von Samsung, Bestechung).Die BASF muss 2017 Geldbußen zahlen nach einem Phosgen-Unfall (Fahrlässiges Handeln, Gerichtsurteil). Hoher Schaden entsteht auch dem Schweizer Anlagenbauer ABB 2016 nach einem Betrugsfall (Unterschlagung, Veruntreuung). Ende August 2018 wird die Süd-Korea-Zentrale von BMW durchsucht. Der Hersteller steht im Verdacht, Mängel an Fahrzeugen unter Verschluss zu halten. Im Oktober 2018 kommt raus, dass Audi für die Zulassung von Autos in Südkorea jahrelang Fahrgestellnummern und Testprotokolle gefälscht hat. Mit falschen Angaben wurde die Zulassung von Autotypen erschlichen. Der Chef von Korean Air Cho Yang Ho wird im Oktober 2018 angeklagt (Untreue und illegale Geschäftspraktiken). 2018 gibt das Land Finanzhilfen für Autozulieferer. Mit umgerechnet 2,65 Mrd. € wird die kriselnde Branche unterstützt. Die Laufzeit von Krediten wird verlängert (auch für die Tochter von GM). Anfang 2020 legt der Coronavirus Hyundai lahm. Es fehlen Teile aus China. Wuhan ist ein Zentrum der Automobilindustrie in China. Im südkoreanischen Chemieunternehmen LG Chem in Indien kommt es im Mai 2020 zu einem Gasunglück (Styrol). Es gibt 11 Tote. Im Oktober 2020 stirbt der Sohn des Samsung-Gründers. Lee Kun Hee war gleichzeitig wirtschaftlicher Stolz und Personifizierung einer korrupten Elite in Korea. Ende 2020 übernimmt Delivero Hero aus Berlin das südkoreanische Start-up Woowa Brothers. Der Deal scheint zu hängen. Die Stimmung bei den Fahrern und Verbrauchern schlägt um. Im Februar 2021 gibt es einen Hackerangriff aus Nordkorea auf Pfizer. Man will an Informationen über den Impfstoff und die Bekämpfung des Corona-Virus ran. Südkoreanische Unternehmen sind wichtige Zulieferer für Unternehmen in China, Japan und den USA (Chips, LCD-Displays, Tankschiffe, Akkus).  Kein Automarkt der Welt wird so stark von einem einzigen Konzern dominiert wie der südkoreanische von Hyundai. Hyundai will ab 2023 E-Autos in Georgia / USA bauen. Vgl. zu den wichtigsten Unternehmen in Südkorea "Links, Unternehmen".

Aktienmarkt: Aktienindex ist der Kospl. 2020 entwickelte sich der Index extrem dynamisch (besser als der CSI/ China und der Nikkei/ Japan). Aus 100.000 € wären 126.900 geworden.

Exkurs: Samsung Electronics, Südkorea als Fallstudie (Jaebol, gegründet 1938 als Handelshaus von Lee Byung-chull, der Name bedeutet drei Sterne, bis 1993 im Logo, Drei ist in Asien eine Glückszahl; gelenkt von Everland, das zu 54% der Familie Lee gehört, nach dem Umsatz weltgrößter Technologiekonzern; der Name bedeutet drei Sterne, das Unternehmen soll kraftvoll und ewig strahlen wie die Sterne am Himmel; Mischkonzern, auch Schwerindustrie, Banken, Versicherungen, Hotels; gerät 2016 unter Druck wegen Handy Note 7; auch Massenrückruf in den USA wegen Waschmaschinen; das dritte Quartal 2018 ist ein Rekordquartal durch den Absatz von Chips; 2018 bricht aber der Gewinn insgesamt ein erstmals seit drei Jahren; immer wichtiger wird er Halbleiter-Bereich: Konkurrenten TMSC aus Taiwan, Intel aus den USA. Im Oktober 2020 stirbt der Sohn des Samsung-Gründers. Lee Kun Hee war gleichzeitig wirtschaftlicher Stolz und Personifizierung einer korrupten Elite in Korea. Lee Jae Yong führt als ältester Sohn von Lee-Kun-hee seit 2014 als Unternehmen als Vizepräsident: sein Vater hatte einen Herzinfarkt und starb . Er hat die Harvard business School besucht, 1991 begann er für Samsung zu arbeiten, den Doktor hatte er nicht geschafft. Danach gab es verschiene Korruptionsskandale: Der Chef sitzt in Seoul im Gefängnis, Verstoß gegen Finanzmarktgesetze. "Ändere alles, außer deiner Frau und deinen Kindern", berühmtes Motto von Lee Kun-hee)

Wirtschaft: 2021 wächst die Wirtschaft so stark wie seit 2010 nicht mehr: 4% (Erholung). Der Export wuchs sogar um 9,7%. Der wichtigste Risikofaktor ist 2022 die Binnenwirtschaft (Omikron-Welle). 2020 schrumpfte die Wirtschaft (BIP) nur um -1%. Südkorea hat die elftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Größe entspricht in etwa der Ungarns. Sehr positive Faktoren sind die hoch gebildete Bevölkerung und der unbedingte Aufstiegswillen. Südkorea schichtet seine Währungsreserven von Dollar in andere Währungen um, ein immer größerer Teil wird auch in Gold angelegt, ebenso kämpft das Land mit den chinesischen Billiglöhnen, das Wirtschaftswachstum lag 2006 bei 4,9% (Prognose 2007: 5,8%), die Wirtschaft befindet sich im Aufschwung.  2018 betrug das Wirtschaftswachstum +2,6%. Das BIP pro Kopf lag bei 32.700 USD. Die Arbeitslosenquote war 3,7%. Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea liegt wegen der deutschen Automobilindustrie auf Eis, 2011 kommt ein Abkommen mit Deutschland zustande. 2010 schließen die USA und Südkorea ein Freihandelsabkommen. 2011 wird der Leitzins auf 2,75% heraufgesetzt um die Inflation von 3,5% zu bekämpfen. 2011 wird ein sechsmonatiges Handelsverbot gegen die Deutsche Bank erlassen. Die Wachstumsrate des BIP lag 2012 bei 2,7%, die ALQ bei 3,3%. Mittlerweile ist das Land relativ urban: 80% leben in Städten. Der größte Teil der Exporte geht nach China, die USA und Japan. Es gibt ein eigenes Ministerium für Mittelstand und Start-ups. 2018 will Südkorea den Handel mit Bitcoin verbieten. Daraufhin bricht der Preis ein -12%). Südkorea hat eines der besten Internetnetze. Das begünstigt einen digitalen Gründerboom. Am 23.01.2018 macht Trump seine Ankündigung war und führt Einfuhrzölle (Strafzölle) für den Import von  Solarmodulen (20 bis 30%) und Waschmaschinen (50%) ein  ein. Davon sind sehr stark China und Südkorea betroffen. Südkorea legt Beschwerde vor der WTO ein. Korruption, Kostenexplosion und Umweltsünden belasten die Olympischen Winterspiele. Der IWF traut Südkorea zu, am besten mit der Corona-Pandemie fertig zu werden (nur -3,$% BIP-Rückgang). Sofort nach Ausbruch der Schweinepest in Deutschland (Wildschwein in Brandenburg) erlässt Südkorea ein Importverbot für deutsches Schweinefleisch. Im Sommer 2019 liegt das Land im Clinch mit Japan über ehemalige Zwangsarbeiter. Es eskaliert ein Hightech-Boykott. Im dritten Vierteljahr 2020 wächst die Wirtschaft wieder um 1,9% gegenüber dem Vorquartal. Treibende Kraft war der Export, der von Juli bis September 20 um 15,6% zulegte. Der IWF prognostiziert für 2021 ein Wachstum von 2,9%. Der Anteil Südkoreas am Weltinlandsprodukt liegt 2020 bei 2,2% (2021: 2,3%, UBS Global Research). Die Deutsche Bank wird im Januar 2016 zu Strafzahlungen verurteilt (Marktmanipulation). Die Finanzmärkte in dem Land sind hoch volatil. Die IT-Branche ist der Hauptwachstumsbereich. Wegen Verstößen gegen die Emissionsvorschriften verhängt das Umweltministerium Bußgelder in Höhe von 54,3 Mio. € gegen BMW, Daimler und Porsche. 

Inflationsrate: Aktuell geht die Inflationsrate steil nach oben: Im April 2022 liegt sie bei 4,78%. Schon 2021 betrug sie 3,7%. Ansonsten im historischen Überblick ist sie eher moderat.

Wirtschaft im Vergleich: Unter den großen Industrienationen liegt Südkorea auf Platz 10 in der Rangfolge beim BIP 2021. In Asien liegen davor: China/ 2, Japan/ 3, Indien/ 6. Vor Südkorea liegen Kanada/ 9, Italien/ 8, Großbritannien/ 5, Frankreich/ 7 und Deutschland/ 4.

Wirtschaftspolitik (Subventionen): Die Erfolge des Landes sind auch auf eine Wirtschaftspolitik zurückzuführen, die eine breit angelegte Industriepolitik betreibt mit Kombination staatlicher Planung, niedriger Wechselkurse und gezieltem Protektionismus (Beispiel Werften). Nach der Corona-Krise gibt die Fiskalpolitik Anschub: Die Staatsausgaben sollen 2021um 8,5% erhöht werden. Zusätzlich gibt es noch einen Nachtragshaushalt für 2020. Vgl. auch: Matthias Naß: Countdown in Korea, München  (Beck) 2017. Im Mai 2021 wird ein ambitionierter Plan zur Förderung der Chipindustrie vorgestellt: Mit hohen Steuernachlässen und hohen Subventionen (1,1 Mrd. $ im ersten Schritt) sollen die Halbleiterhersteller des Landes ermutigt werden. 2030 werden für 200 Mrd. $ Chipexporte angestrebt, doppelt so viele wie 2020. Hauptprofiteure sind Samsung und SK Hynix. Das Programm richtet sich gegen die USA, die EU und China. Direkt im Januar 2022 wird ein Nachtragshaushalt eingebracht. Er umfasst 14 Billionen Won (10 Mrd. €), um die Folgeschäden der Omikron-Welle zu lindern.

Grundeinkommen in Südkorea: 2022 wird eine Konzeption entwickelt. Sie wird im Präsidentschaftswahlkampf vertreten. Das passt eigentlich nicht zu dem überzeugt kapitalistischen Südkorea. Die ausgaben für Soziales liegen bisher nur bei 10%. Sie sind damit niedriger als in jeden anderen Industriestaat. Der Anteil geringfügiger jobs ist übe rein Viertel gestiegen. Die Verschuldung privater Haushalte ist auf 104% des BIP gestiegen. Ab 2023 soll jede erwachsene Person ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten können. 250.000 Won (183€) werden pro Person gezahlt. Bis 2027 soll sich der wert vervierfachen. Das Geld soll auf spezielle Kreditkarten überwiesen werden und drei Monate bei Unternehmen aus der Region ausgegeben werden können. Das könnte ein zehntel des gesamten Staatshaushalts kosten. Finanzieren will man das mit Steuern aus Kohlendioxid-Emissionen und Grundbesitz. Schöpfer der Konzeption ist Lee Jae Myung. Vgl. Lill, Felix: Grundeinkommen für Einsteiger, in: Die Zeit Nr. 8/ 17.2.22, S. 26.

Notenbank: Die Zentralbank erhöht im Januar 2022 den Leitzins von 1 auf 1,25%. Man sieht Inflationsgefahren und Risiken an den Kapitalmärkten. Es soll mindestens noch eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr geben.

Koreanische Kommission für fairen Handel (KFTC): Sie ist auch Koreas Kartellbehörde. Sie ermittelt 2021 gegen Google/ Alphabet in Korea. Es geht um Wettbewerbsbehinderung. Das Verfahren endet mit einer Geldstrafe von 207,4 Milliarden Won (etwa 150 Mio. €). Google hindere bei seinem Betriebssystem Android andere Hersteller von Google nicht nicht genehmigte Versionen verwenden zu können. 2022 erlässt die Behörde eine strafe gegen Mercedes Benz (falsche Angaben zu Emissionen bei Dieselautos).

Rüstung und deutsche Unternehmen: Die Südkoreaner haben gute Werften. Deshalb kaufen sie meist Teile von deutschen Unternehmen. Motoren, Lenkwaffen u. a. (von TKMS/ Kiel, Rolls-Royce-Power-Systems/ Friedrichshafen). Die Gabler - Maschinenbau GmbH aus Lübeck liefert Komponenten wie Ausfahrgeräte für den U-Boot-Bau. Atlas-Elektronik aus Bremen liefert U-Boot-Sensoren. RWE will ab 2021 Windparks vor der Küste Südkoreas bauen.

Kaufmänner des Krieges: Südkorea will seine Lage als hoch gezüchteter Frontstaat zu Nordkorea industriepolitisch nutzen. Die Waffenexporte steigen rasant an. 2021 hat das Land schon einen Anteil von 2,2% an den weltweiten Waffenexporten. Es liegt hinter GB und Israel. Die eigene aufrüstung wird auch verstärkt. Denn mit China, Nordkorea und Russland handelt es sich um feindlich gesinnte Atommächte. Vgl. Kölling, Martin: Südkorea. Die Kaufmänner des Krieges, in: HB 12./13./ 14. August 2022, S. 13.

Außenhandel mit Deutschland: Im Oktober 2021 steigen die deutschen Exporte nach Südkorea am stärksten (+18,1% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Das könnten Nachholeffekte von Lieferketten- und Logistikproblemen sein. Aus den Gründen im vorherigen Abschnitt dominieren Metall/ KfZ/ Maschinenbau. Die Virus-Variante Omikron könnte im vierten Quartal zu einer Stagnation führen. Der deutsche autohersteller Mercedes Benz soll 2022 20,2 Mrd. Won (14,7 Mio. €) zahlen, weil er angeblich falsche Angaben zu den Emissionen bei Diesel-Autos gemacht hat (Software). Die Strafe kommt von der südkoreanischen Kommission für fairen Handel (Wettbewerbsbehörde).  Sie fordert auch Mercedes Korea zu Korrekturen auf. Größter und wichtigster Hafen in Südkorea ist Busan. Hinter den großen chinesischen Häfen (Shanghai, Ningbo, Shenzhen, Guangzhou, Qingdao) ist er einer der größten Container-Häfen der Welt vor Tianjin/ China.

Kreativwirtschaft und Innovation: Korea arbeitet mit Innovationszentren in ganz Korea. Es gibt 19 insgesamt davon; sie bieten kostenlose Arbeitsplätze und umfassende Unterstützung für Gründer. Es handelt sich um eine Maßnahme, die von der Regierung unterstützt wird und das Land unabhängiger von Exporten machen soll (40% Exportquote 2020). Das bekannteste und größte Zentrum ist in Seoul: Seoul Center for Creative Economy and Innovation. Gezielt werden Gründungen in vier Strängen gefördert: Start-ups; Gründer mit Misserfolg; Start-ups, die bereits drei Jahre auf dem Markt sind (nächste Wachstumsstufe); Unternehmen, die Start-up-Ideen sammeln. Seoul ist eines der weltweiten Start-up-Zentren.

Innovationsstandort Seoul: Im weltweiten Ranking liegt Seoul auf Platz 10 (hinter Shanghai und Seattle, vor Washington DC und Tokio). Angetrieben von Förderprogrammen entsteht eine neue Gründerkultur. Auch German Accelerator in Asien fördert (von Singapur aus). Es gibt eine Seoul Business Agency. Daimler, BMW und Beiersdorf bezahlen Studien und Forschung. 2021 wurden 6,4 Mrd. US-$ in Start-ups investiert. Vgl. HB Nr. 116, 20.6.22, S. 14f.

Korea als natürliches Experiment der Geschichte: Die stark divergierenden Institutionen der beiden Koreas haben zu unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen geführt. Allerdings muss man die Einschränkung machen, dass Südkorea am Tropf der USA und Nordkorea unter dem Einfluss Chinas steht. Es handelt sich also um einen Machtkampf der Supermächte als Stellvertreterwettbewerb (ein ähnliches Experiment hatten wir in Deutschland). Das BIP pro Kopf driftet seit 1973 total auseinander (2011: Südkorea ca. 18.000 $ , Nordkorea ca. 2700 $). Das muss mit den Institutionen zusammenhängen. Vgl. Acemoglu, Daron u. a.: Volkswirtschaftslehre, München 2020, S. 705ff.

Exkurs: Johan Nylander: The Epic Split (September 2020). Nylander ist schwedischer Journalist in Hongkong. Er entwickelt in seinem Buch die These, das eine Koexistenz zwischen Liberalismus und Autoritarismus nicht endlos möglich ist. Irgendwann muss es zu einem Crash kommen. Vor einem besonderen Balanceakt stehen Staaten, die demokratisch und liberal sind, aber wirtschaftlich auch von China abhängig sind: Südkorea, Japan und Deutschland. Untertitel des Reports: "Made in China" is going out of style.

Umwelt und Energie: Die Kapazität der Kohlekraftwerke wird 2019 immer noch ausgebaut (+ 18.900 Megawatt). Die Speicherkapazität der Stromversorger ist hier weltweit am höchsten (839 Megawatt; Deutschland liegt an vierter Stelle hinter China und USA). Der Abbau von Mika (Glimmer), das man für die Autoindustrie und Kosmetika braucht, führt zu Umweltschäden. Bis 30% soll der Anteil an erneuerbaren Energien bei der Stromversorgung bis 2030 ansteigen. Trotzdem muss Südkorea noch in hohem Ausmaß Öl und Gas auf den Weltmärkten einkaufen. Durch den Ukraine-Krieg treten manchmal auch Südkorea und Deutschland in Konkurrenz um LPG auf dem Weltmarkt. Bei volatilen Verträgen gewinnt der den Zuschlag, der den höchsten Preis bietet (da sind schon Schiffe nach Südkorea umgekehrt). Andererseits hat Südkorea die Situation auf dem Weltölmarkt ausgenutzt. Nach Ausbruch des Ukraine-Krieges Erdölimporte aus Russland +55% (Starke Reduktionen: EU, China, Türkei). 

Bevölkerungs- und Sozialstruktur als Problem: Geburtenrate 0,98 2018 (niedrigste der Welt). So löst sich der Bevölkerungszuwachs von selbst. Im Jahre 2050 werden 40% der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein. Derzeit wird die Rente und die Krankenversicherung der Senioren von den Jungen finanziert, die arbeiten. Das funktioniert nur so lange, wie das Verhältnis stimmt. Südkorea gilt als das erste Land, in dem das Verhältnis kippen wird. Die Regierung fürchtet ein Zusammenbrechen der Wirtschaft und tut alles, um die Geburtenrate zu erhöhen (eigentlich müsste sie auf 4,5 bis 4,8 Kinder steigen). Seit 2006 wurden dafür 270 Mrd. $ investiert (Entbindungskosten, Krippen, Kindergärten, Familientag). Nichts wirkte. Quelle: Südkoreanische Forschungsinstitut Kihasa. In der Vergangenheit gab kein Land er Welt so viele Babys zur Adoption frei wie Süd-Korea. Viele Babys wurden in die USA vermittelt. 2022 sind weitere Maßnahmen in Planung: Verdopplung der Ausgaben für Kindergeld. Kindergeld von 100.000 Won (rund 73 €) pro Monat und Kind statt bis zum 7. Lebensjahr bis zur Volljährigkeit. Günstige Kredite für Geringverdiener zum Kauf einer Wohnung, vor allem für Familien. Der Präsident hat eine Taskforce "Geburtenrate" eingerichtet (Kindergärten, Schulbetreuung, Kindergeld). Sie verfügt über 145 Mrd. €. Noch 1960 bekamen Südkoreanerinnen durchschnittlich 6 Kinder. In den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde die Sterilisation empfohlen. Die Geburtenrate fiel mit dem Wandel von Agrarstaat zum Industrieland. Viele Frauen sehen sich vor einer Alternative: Ein Kind zu bekommen und sich für die Familie zu entscheiden oder sich beruflich zu verwirklichen. In keinem OECD-Land sind berufstätige Frauen ihren männlichen gegenüber so benachteiligt wie in Südkorea. Vgl. Peters, Katharina Graca: Land ohne Kinder, in: Der Spiegel Nr. 6/ 26.2.22, S. 82ff.

Der Stress der Pandemiefolgen belastet in Südkorea vor allem junge Frauen. Ihre Suizidrate schnellt hoch. Sie ist ohnehin - auch ohne Pandemie - die höchste aller Industriestaaten. Die Todesrate in der Altersgruppe von 21 bis 29 Jahren ist von Januar 2020 bis August 2020 um 40% angestiegen. Die Gründe dürften mit den patriarchalischen Strukturen zu tun zu haben. Männer haben in der Regel noch die Hauptbeschäftigung, Frauen werden meist als überschüssige Hilfskräfte eingesetzt. Das spiegelt sich auch in der Lohnstatistik wider. Kein anderes OECD-Land weist ein höheres Lohngefälle zwischen Männern und Frauen aus. Die koreanische Gesellschaft leidet seit mehreren Jahrzehnten an einer der höchsten Suizidraten überhaupt. Gründe werden auch in der rasanten Transformation nach dem Koreakrieg gesehen. Traditionelle Familienstrukturen sind im Turbokapitalismus auseinander gebrochen. Das Sozialsystem ist unterentwickelt. Leistungsdruck und Konkurrenzkampf setzen den Menschen zu. Hinzu kommen Vereinsamung und Tabuisierung.

Rolle der Frau: Die Gesellschaft in Südkorea ist hypermodern und traditionell zugleich. Das führt zu Zerrissenheit im Frauenleben. Die Geschlechterrollen ändern sich kaum. In der Schule haben die Mädchen beim Mittagessen weniger Zeit als die Jungen. Sie werden durch unpraktische Kleidungsvorschriften schikaniert. Es gibt Belästigungen von Frauen. Man beobachtet auch eine Unvereinbarkeit von Kindererziehung und Karriere. Vgl. Liebert, Juliane: Jederfrau außer sich, in: Süddeutsche Zeitung Nr. 39, 17.2.2021, S. 11. Auch: Cho Nam-Joo: Kim Jioung, geboren 1982, Köln 2021 (ein Welterfolg, der auch verfilmt wurde). Im Herbst 2022 wird in Seoul eine junge Frau umgebracht - von einem Stalker. Gewalt gegen Frauen bleibt ein massives Problem. Südkorea ist hauptsächlich noch patriarchalisch. Es gibt viele schädliche Stereotype. Vgl. Kretschmer, Fabian: Toxische Männlichkeit, in: Die Rheinpfalz 21.9.22.   Eine der bekanntesten  Frauen in Südkorea ist Soyeon Schröder-Kim. Sie ist eine südkoreanischer Wirtschaftsmanagerin und in zweiter Ehe mit dem siebten Bundeskanzler der Bundesrepublik Gerhard Schröder verheiratet (für ihn die fünfte Ehe).

Prominente mit Mobbing - Vergangenheit: In Südkorea werden Volleyballerinnen, Fußballer, Schauspieler und K-Pop-Größen im Jahre 2021 öffentlich beschuldigt, während ihrer Schulzeit andere Kinder drangsaliert zu haben. Manche entschuldigen sich, viele streiten alles ab, denn die Konsequenzen, die sie zu erwarten haben, sind drastisch. Die Welle der Mobbing - Klagen begann in Februar.  Mitglieder von Mannschaften wurde mittlerweile suspendiert, Profis verlieren ihre Jobs. Es ist eine Bewegung moralischen Reinemachens. Das Sportministerium will bei der Auswahl der Athleten künftig das Strafregister berücksichtigen. Wer als Kind versagt, trägt die Verantwortung noch als Erwachsener. Die Kraft der Sozialen Medien ist groß in Südkorea. Vgl. Hahn, Thomas: Prominente mit Mobbing - Vergangenheit, in: SZ Nr. 56, 9.3.2021, S. 8.

Gesundheit: Das Corona-Virus (Covid-19), das in China in der Stadt Wuhan zuerst ausgebrochen ist, löst überraschend viele Infektionen in Südkorea aus: Am 20. Februar 2020 steigt die Zahl der Infizierten von 53 auf 104. In der südöstlichen Stadt Cheondo stirbt eine Frau. Viele neue Fälle wurden aus Daegu und der Provinz Nord-Gyerongsang gemeldet. Dort trifft es besonders hart Mitglieder der christlichen Sekte Shincheonji, die auch starke Verbreiter sind.  Staatschef Moon Jae verhängt die höchste Seuchen-Alarmstufe. Am 24.02.20 gibt es 602 Infizierte und 4 Todesopfer (die höchste Zahl nach China). Am 12.3. ist man bei 7.700 Infekten und 60 Todesfällen (Mortalitätsrate 0,77%). Bis zum 26.3.20 hatte Südkorea 9241 Infizierte und 131 Tote. Südkorea scheint die Seuche in Griff zu bekommen. Das Land wird als Wunder und Vorbild gesehen. Die systematische Früherkennung von Infektionen war und ist der Grundpfeiler der Südkoreaner (möglichst viele Tests; 5744 Tests pro Million Einwohner; Weltspitze). Die Behörden setzen auch auf radikale Transparenz: Warnungen aufs Handy bei Corona - Hotspots, Bewegungsprofile von Infizierten. Hinzu kommen Desinfektionen überall mit hohem Personaleinsatz, Hygiene und Atem-Masken. Südkorea wird zusammen mit Singapur als Benchmark in der Corona-Krise gesehen. Besonders anerkannt ist Südkorea als Test-Hochburg. Das Land entwickelt sich zur Exportmacht für die heiß begehrte Diagnostik. Die DNA - Amplifikationstest - Methode wurde im Land entwickelt. Der Test soll von der ISO (Organisation für Normung) zum Standard erhoben werden. Der Schnelltest liefert innerhalb von 10 Minuten ein zuverlässiges Ergebnis. Das ist ein Exportschlager und ein Supergeschäft für die Firma Sugentech (500.000 Testkids pro Woche, 17,50 $ das Stück). Das könnte auch die angespannten Handelsbeziehungen zu den USA und Japan wieder verbessern. Man fürchtet im Mai 2020 eine zweite Viruswelle. Im Fokus steht die Schwulen-Szene in Seoul. Damit müssen Homosexuelle jetzt doppelt Angst haben. Ein infizierter junger Mann, der mehrere Clubs besucht, steckt im Ausgeh-Viertel von Seoul (Itaewon) 86 andere an. Mehr als 5600 Menschen werden daraufhin gesucht. Süd-Korea wird von einer zweiten Welle erfasst Ende Juni 2020. Sie ist eher leicht, aber kontinuierlich steigend. Es gibt 13.000 Infizierte. Im Dezember 20 und Januar 21 gibt es eine dritte Welle. Allerdings bleiben die Infektionsraten im Vergleich zu Deutschland eher gering. Südkorea hat da svirus besser bekämpft als andere. Nur China steht besser da. Die Wirtschaft schrumpfte 2020 nur geringfügig (-1%).

Korea Center for Disease Control und Prevention (KCDC): Amerikanischen Behörde als Vorbild. Hat sehr viel Erfahrung mit der Bekämpfung von Corona-Seuchen: 2003 Sars. Danach wurde das Institut gegründet. 2009 H1N1. 2015 Mers. Man arbeitet mit Quarantäne. Wer sich nicht daran hält muss 7500 Euro Strafe zahlen. Man ist erfolgreich mit einem Tracing-System.

Exkurs. Ginseng (Panax ginseng):  Sie gehört zu den ältesten asiatischen Pflanzen. Urheimat ist Korea. Sie wird auch "Wurzel des Lebens" genant. Sie war einst wertvoller und begehrter als Gold. Sie galt damals und auch heute noch in Asien als Sinnbild für ein langes Leben. In ihrem August-Heft 2022 hat Stiftung Warentest Ginseng-Präparate in Deutschland getestet.

Exkurs: Kimchi: Koreanisches Sauerkraut. Balsam für den Darm. Es gilt als besonders gesund, besonders für das Immunsystem. Es unterscheidet sich zum deutschen Sauerkraut durch die Fermentierung und die Gewürze: Milchsäure (Gärung), Knoblauch, Chili, Fischfermente.

Wirtschaftsgeschichte: Nach dem Korea-Krieg förderte die südkoreanische Regierung (mit Duldung durch die USA) den Aufstieg von eigenen Unternehmen zu Weltkonzernen, indem sie den Heimatmarkt zunächst mit Zöllen abschottete und ausländische Unternehmen in Joint Ventures zwang. Sie holte so Technologie und Know-how ins Land. Dieses Modell kopierte später China.

Digitalisierung: Das Land ist 2019 schon voll auf 5G-Technik umgestellt. Mit 28,6 Megabit pro Sekunde fließen Datenmengen durch das Internet. K-City südlich von Seoul ist seit Ende 2018 als erste Teststrecke der Welt für autonomes Fahren in Betrieb. Bis 2023 sollen über 23 Milliarden Euro in fünf Dienstleistungsbereiche fließen (darunter Gesundheitssystem).

Exkurs. Zepeto als Metaversum: Es startete 2019 als Onlinespiel. Inzwischen ist es die bedeutendste Metaversum-Plattform in Asien. Es ist eine virtuelle Welt mit Straßen, Häusern, Restaurants und Discos. 300 Mio. Nutzer treffen sich auf virtuellen Partys, besuchen Modeboutiquen, schauen sich Konzerte an oder verabreden sich zum Grillen. In Südkorea funktioniert diese Parallelwelt besonders gut, weil dei reale Welt immer noch von einem starren Netz von Regeln und Normen geprägt wird. Virtuelle Welten sind nichts Fremde sin Südkorea. 70% der Nutzer sind Frauen. "Es geht nicht darum, wer du bist, sondern wer du sein willst". Vgl. Peters, Katharina Graca: Du hast die Macht, in: Der Spiegel Nr. 31/ 30.7.22, S. 76f.

Arbeitsbedingungen: Die Arbeitsbedingungen sollen massiv verbessert werden. Bis 2020 soll der Mindestlohn auf 10.000 Won angehoben werden. Es könnte Arbeitsplatzverluste bei Klein- und Mittelbetrieben geben durch die Mehrkosten. Es gibt staatliche Förderprogramme für KMU. Im Februar 2018 kommt ein Gesetz zur Verkürzung der gesetzlichen Wochenarbeitszeit. Seit Juli gilt in Betrieben mit mehr als 300 Mitarbeitern eine maximale gesetzliche Wochenarbeitszeit von 52 Stunden (bisher: 68). Quelle: Fischer Weltalmanach 2019, S. 280. Die Betriebe versuchen mit allen Mittel, die Einrichtung von Gewerkschaften zu verhindern. In Seoul demonstriert seit über einem Jahr Kim auf einem Sendemast auf einer winzigen Plattform. Er wurde von einer Samsung-Tochter entlassen, weil er eine Gewerkschaft im Betrieb organisieren wollte. Er fordert von Samsung Wiedereinstellung. Kim ist eine berühmte Institution und hat seine Fans.

Menschenrechte und Tradition: Das südkoreanische Verfassungsgericht muss die Spannung zwischen konfuzianischen Traditionen und universellen Menschenrechten austragen. Einzelfälle werden verfassungsrechtlich geprüft. Die Institution des männlichen Haushaltsvorstands wurde durch Einführung einer individuellen Meldepflicht abgeschafft. Die Regelung, dass die eigenen Eltern und Großeltern nicht strafrechtlich verklagt werden dürfen, wurde beibehalten.

Kultur:  Die Kultur ist eine der ältesten der Welt (seit 2400 v. Chr.). Knapp die Hälfte aller Süd-Koreaner heißen Lee, Kim oder Park. Kaum ein Land hat so wenige Nachnamen. Der Nachnamen wird zuerst genannt. Essayist Lee O-Young antwortete auf die Frage von Schriftsteller Tiziano Terzani, was Korea ist: "Ein Ort im Wind. Ein Krebs zwischen zwei Walen" (die heißen China und Japan). Kimchi ist ein Hauptgericht in der koreanischen Küche (Gemüse). Hanbok heißt das traditionelle Gewand für Festtage, das von Männern und Frauen getragen wird. Gyeongbokgung heißt und hieß die Residenz der Königsfamilie (Hauptpalast der Joseon-Dynastie, 1392-1910). Hapkido heißt die koreanische Kampfkunstart. Kakao-Talk ist das koreanische Whats App. Es herrscht Religionsfreiheit. Die ursprüngliche Religion war der Schamanismus. Die Koreaner sollen von Tan Gun abstammen (Verbindung von Gott mit Bär, der sich in Frau verwandelte, 333 v- Chr. erstes Staatsgebilde). Ginseng ist die herausragende Heilpflanze (vor allem der rote). Vgl. Christine Liew: Iwanowski`s Reisegast in Korea, 2013; Klaus A. Dietsch: Südkorea, 2015. Die koreanische Sprache ist stärker mit dem Japanischen als mit dem Chinesischen verwandt (Grammatik, Wörter). Trotzdem war China über die Jahrhunderte kulturell der große Einflussfaktor. Die koreanischste aller Speisen ist Kimch`i (Milchsäure vergorener Chinakohl). Sehr stark hat sich die Beerdigungszeremonie geändert.  Sie ist eng mit dem Ahnenkult verbunden. Sie dauerte drei Tage und die Toten wurden bei den Familien aufgebart. Auf einem nach Norden aufgerichteten Traueraltar wurde die Leibgerichte und -getränke aufgereiht. Die Leiche wurde in weiße Chrysanthemen eingebettet. Im Raum Seoul gibt es mittlerweile immer mehr schlichtere Abschiede. Immer öfter sterben auch Menschen, die niemand vermisst. 2020 wird ein Zivildienst für Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen eingeführt (im Gefängnis, dreijähriger Dienst). In Südkorea ist es gesetzlich verboten, sich positiv über den verfeindeten Norden zu äußern. Das gibt zu allerlei Klischees Anlass. Beim Messen des Geburtstages hat Südkorea eine Besonderheit: Man feiert den Geburtstag am Neujahrstag. Seoul überprüft ab 2018 jeden Tag 20.000 Toiletten. Das ist eine Reaktion auf die Installation versteckter Kameras. Die Boy - Group BTS ist sehr bekannt in Südkorea. Sie wird auch immer beliebter in den USA und vielen anderen Ländern, auch in China. Sie ist 2020 wohl die erfolgreichste Band der Welt. Sie löst im Oktober 2020 einen wütenden Internet-Mob in China aus. Streaming - Dienste nehmen BTS aus dem Sortiment. Samsung und Fila müssen Werbekampagnen mit der Band in China zurücknehmen. Der Band - Rapper RM hatte eine Rede vor der Korea-Society in N. Y. gehalten: "Wir werden für immer an die Opfer erinnern, die unsere beiden ´Nationen erbracht haben". Auf der gegnerischen Seite kämpfte aber China ("Krieg gegen die US-Aggressoren"). Die Band ist eher unpolitisch; es war wohl ein Versehen. China ist mittlerweile der größte Handelspartner Südkoreas; sowohl bei Importen als auch bei Exporten abhängig. Vom 30 April 2021 bis 5. September 2021 findet in Bern/ Schweiz folgende Ausstellung statt: Grenzgänge - Nord- und südkoreanische Kunst aus der Sammlung Sigg. 2021 erregt eine Netflix - Serie Aufsehen: Sie heißt Squid Game und ist als Gesellschaftskritik gemeint. Sie kommt aus Südkorea. Die Serie arbeitet mit extremster Brutalität. Immer wieder Streitpunkt in der Kultur ist Hundefleisch. Der Verzehr hat in korea eine lange Tradition. Pro Jahr werden etwa eine Mio. Tiere geschlachtet und verzehrt. Man beruft such auf Konfuzius (der zwischen Jagd-, Wach- und Zuchthunden unterschied). Man glaubt auch an die Potenzsteigerung. Das Thema ist sensibel. Ein Verbot von Hundefleisch auf der Speisekarte ist im Gespräch.

Nunchi: (gesprochen: nun-tschi). "Augenmaß" oder die subtile Kunst, die Gedanken und Gefühle anderer Menschen einzuschätzen, um Harmonie, Vertrauen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Es ist das wichtigste koreanische Leitprinzip für das Überleben, das Glück und den Erfolg. Es geht auch darum, intuitiv zu erfassen, was in anderen Menschen vorgeht, und dadurch bessere Beziehungen aufzubauen. Ein hohes Nunci steht für ausgeprägte emotionale Intelligenz. Nunchi - Blocker (Vorurteile der westlichen Welt) sind: Empathie ist wichtiger als Einsicht, Lärm ist wichtiger als Stille, Extrovertiertheit ist wichtiger als Introvertiertheit, scharfe Kanten sind wichtiger als glatte Rundungen, Individualismus ist wichtiger als Kollektivismus. Vgl. Euny Hong: Nunchi. Das koreanische Geheimrezept, München (Knaur) 2020.

Bildung und Forschung: Bildung ist ein gewaltiges Geschäft. Das hat eine lange Tradition Neben Konfuzianismus hat der Aufschwung vom Agrar- zum Industrieland innerhalb kurzer Zeit einen Rolle gespielt. Das war nur durch massive kollektive Aus- und Weiterbildung möglich. Der wirtschaftliche Aufschwung ist untrennbar mit dem Anstieg des Bildungsniveaus verbunden. Allerdings ist der heutige Arbeitsmarkt prekärer als in jedem anderen Land. Das führt auch zu einer Verschärfung des Bildungssystems. Der Druck wird immer größer. Bildung wird immer enger mit Datenhandel verknüpft (biometrische Daten, Messung von Konzentration und Aufmerksamkeit und Fleiß). Vgl. Lill, Felix: Pauken zu jedem Preis, in: Die Zeit Nr. 4, 16.1.20, S. 27. In den Pisa-Studien schneidet Südkorea regelmäßig sehr gut ab und liegt in der Spitzengruppe, zusammen mit Japan, Kanada, Estland. Man ist bereit, in Zusatzangebote wie Nachhilfe zu investieren.

2019 hatte Südkorea den höchsten Forschungsanteil am BIP mit 4,53% (vor Schweden, Schweiz und Japan). Dahinter liegt Deutschland mit 3,17%. Dann erst folgen die USA (2,83%), Frankreich (2,19%) und China (2,14%). Anfang August 2022 schießt Südkorea eine Mondsonde ins All mithilfe von SpaceX von Musk.

Religion: In Korea gilt der Mahayana - Buddhismus (chinesisch-japanisch). Man spricht auch vom "nördlichen Buddhismus". Es geht um die Erlösung aller Lebewesen. Es gibt eine ausgeprägte Meditationspraxis. Zwischen 0 und 500 n. Chr. erreicht der Buddhismus Südostasien und Korea. Ansonsten spielt der Animismus noch eine Rolle, wie in vielen anderen asiatischen Ländern. Es ist der Glaube, dass alle Objekte Seelen besitzen, vor allem Berge. Offizielle Staatsphilosophie ist der Konfuzianismus, der Hierarchien legitimiert. Man sieht ihn aber heute nicht mehr als Religion, allenfalls als ethisches System.

2013 war die Vollversammlung des Weltkirchenrates (Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK) in Südkorea. Der Rat ist 2022 70 Jahre alt. In diesem Jahr trifft er sich in Deutschland in Karlsruhe. Dem Rat gehören 353 Kirchen aus 120 Ländern an. Er repräsentiert weltweit mehr als 580 Mio. Christinnen und Christen. Er soll die Einheit aufzeigen. Oberstes Organ ist dei Vollversammlung. Die römisch-katholische Kirche gehört nicht dazu.

Südkorea und USA: 2019 gibt es einen Streit über die Finanzierung des amerikanischen  Militärkontingents auf der Halbinsel. Zunächst platzen die Gespräche. Die amerikanische Delegation verlässt den Verhandlungstisch. Südkorea soll einen größeren Anteil an der Finanzierung für die Stationierung der 28.500 US-Soldaten übernehmen. Demnächst wird der Anteils Koreas an der Militärpräsens der USA bei 41% liegen (Japan 50%, Deutschland 18%). Im März 2021 kommt es nach dem Amtsantritt von Biden zu einer Einigung: Der Vertrag läuft bis 2025. Südkorea zahlt weniger als die geforderten 4,2 Mrd. € jährlich. Im März 2021 besuchen die US-Minister Blinken (Außen) und Austin (Verteidigung) Südkorea und Japan. Es gibt eine gemeinsame Warnung vor Chinas "destabilisierenden Verhaltens". Ende April 2018 wird Südkorea nach Verhandlungen mit den USA dauerhaft von den Zöllen auf Stahl (25%) und Aluminium (10%) ausgenommen. Auf starken Druck aus Washington hat Südkorea im Februar 2019 einer deutlichen Erhöhung seines Finanzbeitrags zur Stationierung der US-Truppen auf seinem Territorium zugestimmt. Am 21.5.22 besucht US-Präsident Biden Südkorea. Man plant gemeinsame Militärübungen. Diese werden sogar bis Ende des Jahres 2022 verlängert als Antwort auf die Raketentests von Nordkorea.

Südkorea und China: Als Südkorea darüber nachdachte, das Raketenabwehrsystem THAAD zu stationieren, legte China scharfen Protest ein (2017). Dann folgte ein Doppelschlag: Chinesischer Tourismus wurde gestoppt. Die südkoreanische Kaufhauskette Lotte, die in China sehr erfolgreich ist, wurde von Aufsichtsbehörden schikaniert. Südkorea gab klein bei. China hegt die Hoffnung, dass nach einer Vereinigung Koreas, das Land von Peking aus kontrolliert werden kann. Korea steht voll im Zentrum des globalen Machtkampfes zwischen den USA und China. Vgl. Winter, M.: China 2049, München 2019, S. 126. Ab 2020 ist Südkorea im RCEP, der neuen Wirtschaftsintegration in Asien, der 15 Länder angehören. China dürfte die Führungsrolle haben.

Es gibt Konflikte um den Socotra-Fels. Er liegt 100 km nähe ran Südkorea als an China. Keine der beiden Nationen kann nach internationalem Seerecht den Felsen zu seinem Territorium erheben, da es im wesentlichen ein untermeerisches Riff ist. China verlangt von Südkorea auf die Kontrolle von Socotra zu verzichten und auf die ganze Meeresregion zu verzichten. Es geht um Öl und Schiffsrouten. Vgl. Görlach, Alexander: Alarmstufe Rot, Hamburg 2022, S. 183ff.

Südkorea und Japan: Lange herrschte eine Eiszeit zwischen beiden Ländern. Gründe sind  die Kriegsvergangenheit und der Umgang beider Länder damit. Das setzt sich fort in einem Handelskonflikt 2018. Ursache war ein Urteil des obersten Gerichts in Südkorea: Nippon Steel und Mitsubishi Heavy Industries sollten Entschädigungen in Höhe von 500 Mio. Dollar für den Einsatz von Zwangsarbeitern von 1910 bis 1945 zahlen. Es handelt sich immerhin um die zweitgrößte und drittgrößte Volkswirtschaft des Kontinents. Beim Asean - Gipfel Anfang November 2019 in Bangkok wird wieder eine Annäherung vereinbart.  Der Handelskonflikt entstand, als Japan einseitig Handelsrestriktionen verkündete: beim Export von Elektronikprodukten nach Südkorea sollten höhere administrative Anforderungen gelten. So fehlte es in Südkorea an Komponenten für die Weiterverarbeitung (3 wichtige Komponenten für Smartphones dürfen nur noch mit Lizenz aus Japan nach Südkorea verkauft werden). Die geheimdienstliche Zusammenarbeit wurde aufgekündigt. Der Bierabsatz aus Japan in Südkorea brach um 99% ein. Die Supermarktbesitzer profitieren von dem Boykott japanischer Waren. Toyota büßte 62% seines Absatzes ein. Japan scheint der größere Verlierer zu sein, vor allem je länger die Restriktionen gelten. Zwischen Juli und Oktober 2019 exportierte Japan 14 Prozent weniger nach Südkorea. Die Frage steht im Raum, ob die Kolonialzeit angemessen aufgearbeitet wurde. Anfang 2021 kommt ein interessantes Gerichtsurteil dazu in Südkorea: Japan muss an frühere Sexsklavinnen zahlen (12 Opfer des japanischen Militärs). Ein Bezirksgericht in Seoul sprach den Klägerinnen umgerechnet 74.500 € zu. Nur fünf der Klägerinnen sind noch am Leben. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Japan zahlt. 2021 wird der internationale Konflikt mitten in Berlin sichtbar. In Moabit sorgt ein Mahnmal für koreanische "Trostfrauen" für diplomatischen Unfrieden. Der Koreaverband hat das Mahnmal aufgestellt. 200.000 Koreanerinnen wurden von japanischen Soldaten als so genannte Trostfrauen sexuell missbraucht. Es hagelt Proteste aus Japan (Botschaft, Regierung). Das Bezirksamt Mitte sitzt zwischen den Stühlen und will das Mahnmal "vorübergehend" dulden.

Kooperation: Die Premierminister der drei Länder Li Keqiang/ China, Moon Jae/ Süd-Korea, Shinzo Abe/ Japan treffen sich am 24.12.19 in Chengdu/ China. Sie sorgen sich um die Stabilität in der Region, weil Nord-Korea seine Atomraketentests verstärkt hat. Das Regime ist unberechenbar und es gibt keine Fortschritte in den Abrüstungsgesprächen mit den USA. Alle drei eint die Angst. 

Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP): Es wurde als Handelsabkommen im November 2020 unterzeichnet. die Partnerschaft verbindet 2,2 Mrd. Menschen. Damit wird fast in Drittel des weltweiten Handelsaufkommens repräsentiert. Diesem block gehören erstmals China, Südkorea und Japan gemeinsam an. Auch Australien ist eines der unterzeichnenden Länder. Nur Indien ist nicht dabei. Das abkommen sorgt für Unruhe in den USA (die freiwillig ausgestiegen waren).

Propaganda: Es gibt regelmäßige Aktivitäten Südkoreas in Nordkorea. So werden etwa Flugblätter per Ballon im Reich von Kim Jong Un abgeworfen. Auf Druck Nordkoreas verbietet Südkorea solche Aktivitäten wieder mal Ende 2020. Es soll sogar Geldstrafen und Haft geben. Die NGO "Database Center for North Korean Human Information" untersucht dies. Viele Flüchtlinge aus Nordkorea würden davon beeinflusst. Es gibt noch andere NGOs, die aus Südkorea heraus arbeiten. Nordkorea betreibt ein Intranet, das alle Verbindungen nach außen abschottet. Anfang Oktober 2021 öffnet Nordkorea wieder den Kommunikationskanal zu Südkorea.

Familienzerrissenheit und Hoffnung auf Wiedervereinigung: Der Koreakrieg vor 70 Jahren riss viele Familien auseinander. Ed gibt auf beiden Seiten eine Hoffnung auf Wiedervereinigung. Dabei schielet man auf Deutschland. Gegenwärtig sind die Systeme noch zu verschieden. Die Weltmächte China und USA stehen sich hier gegenüber. formell ist man noch im Kriegszustand. Kein einziges Projekt der Entspannung ist vorangekommen.    Vgl. Katharina Graca Peters: Das Leben des anderen, in: Der Spiegel Nr. 1/ 2.1.2021, S. 82ff.

Katastrophen/ Unglücke: Ende Oktober 2022 kommen bei einer Massenpanik im Vergnügungsviertel von Seoul mehr als 150 Menschen ums Leben. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Eine bergab führende Straßen wurde für die meist jungen Partygänger bei Halloween zur Falle.

 

Nordkorea Allgemein: (offiziell: Koreanische Demokratische Volksrepublik; das Land hat mit China eine gemeinsame Grenze, die 1400 Kilometer lang ist. Sie folgt den Flüssen Yalu und Tumen; es gibt Flüchtlinge von Nordkorea nach China). Als Nordkorea in der 1960er und 1970er Jahren wohlhabender war als China, konnte man über den Yalu Lebensmittel besorgen. Nordkoreanische Grenzstädte sind Sinuiju und Hyesan. Es gibt es einen Handel mit chinesischen Städten jenseits der Grenze: Dandong, Changhai). Völkerrechtlich befinden sich beide Koreas seit dem Koreakrieg (1959-1953) im Kriegszustand. In Panmunjom wurde 1953 ein Waffenstillstand vereinbart. Er gilt immer noch. Ein Friedensvertrag kam nie zustande. Die vier Kilometer breite und 250 Kilometer lange Entmilitarisierte Zone schafft einen streng bewachten Puffer zwischen beiden Staaten. Am 02.05.20 kommt es wieder mal zu einem Schusswechsel an der Grenze.

Politik: 2011 kommt Kim Jong Un an die Spitze als Nachfolger seines Vaters. Er ist erst 29 Jahre alt. Es gibt Sorge um die Stabilität des Landes; Südkorea, China und Japan reagieren nervös. 2013 scheint das Land bereit für Reformen, vielleicht gibt es eine langsame Öffnung. 2013 wird den USA mit Atomraketen gedroht. Der pakistanische Forscher Abdul Qadeer Khan lieferte die Technologie, die man braucht. Das Land gibt 35% seines BIP für das Militär aus. 2014 scheint die Militärspitze, Diktator Kim demontieren zu wollen. Er steht unter Hausarrest. Beerbt ihn seine Schwester? Plötzlich taucht er wieder mit Gehstock auf. Ende 2014 stoppt Nordkorea einen Sony-Film über ein Attentat auf Kim Jong Un ("The Interview"; Hackerangriff, Anschläge auf Kinos). In Nord-Korea gibt es eine hochintelligente Hackerelite, die für Cyber-Angriffe geschult ist. Nordkorea startet eine Langstreckenrakete. Peking lehnt Gegenmaßnahmen ab, die Nordkorea destabilisieren könnten. Beim UN-Sicherheitsrat wollen sich allerdings die USA und China zusammentun gegen Nordkorea. Im Mai 2016 versammeln sich 3200 Delegierte der herrschenden Arbeiterpartei in der großen Halle des Volkes in der Hauptstadt Pjönjang. Dies ist der erste Parteitag seit 1980. Im September 2016 wird wieder ein Atomwaffentest (neu entwickelter Atomsprengkopf) durchgeführt. Die USA und Japan beantragen eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Nach dem Amtsantritt von Trump in den USA wird im Februar ein neuer Raketentest durchgeführt. Die USA wollen eine Eskalation vermeiden und China auffordern, seine Einfluss geltend zu machen. Der Stiefbruder von Nord-Koreas Machthaber Kim Jong Un  Jong Nam fällt im Februar 2017 in Malaysia einem Giftanschlag zum Opfer. Über die Täter und ihre Motive wird spekuliert (Geheimdienst, Signal an China?). Wegen des Mordes kommt es zu Spannungen zwischen Nordkorea und Malaysia. Gegenseitige Ausreiseverbote werden verhängt. Nordkorea führt im März 2017 wieder einen Raketentest durch (Protest gegen das Raketenabwehrsystem THAAD, von den USA installiert). Konkret werden Strafmaßnahmen gegen 15 Personen eingeleitet. 2017 gelingt es die Auslandseinnahmen aufzuschlüsseln. Die Gesamteinnahmen liegen bei 6 Mrd. $. Sie kommen aus Waffendeals und Beratung, Cybercrime, Schmuggel und Drogen, Botschaftsvermietung, Gastarbeitern, Tourismus sowie Restaurant- und Hotelbetrieb.  Am 29.08.17 feuert das Land wieder eine Rakete ab, die über Japan fliegt (eine zweite folgt später). Damit werden nicht nur die Japaner geschockt. Anfang September 2017 wird eine Wasserstoffbombe im Meer vor Nordkorea gezündet. Die USA drohen mit massiver militärischer Reaktion.  Der handelspolitische Druck soll weiter erhöht werden (China, EU, Russland gegen Ölembargo). Beschränkte Öllieferungen und Gasembargo. Einfrieren des Auslandsvermögens von Machthaber Kim und Verbot von Textilimporten. Vor der UN redet Trump am 19.09.17 auch zu Nordkorea (er droht vollständige Zerstörung an). Kim wirft Trump Geisteskrankheit vor und droht mit Atomexplosion im Ausland. Am 28.11.17  wird wieder eine Interkontinental-Rakete abgefeuert (1000km weit, 4475km hoch geht gen Osten ins japanische Meer, könnte potentiell die USA erreichen, Name Hwasong-15). Im Dezember 2017 stirbt der berühmteste Deserteur des Korea-Krieges Charles Jenkins. Er lebte viele Jahre in Nordkorea als Englischlehrer für Spione. Später durfte er mit seiner Frau, einer Japanerin, und den Kindern nach Japan ausreisen. Präsidialamt und Außenministerium der USA können sich hinsichtlich direkter Gespräche mit Nord-Korea ohne Vorbedingungen nicht einigen. Kurz vor Weihnachten flüchtet wieder ein Soldat aus Nordkorea über die Grenze nach Südkorea. Ende 2017 wird General Hwang Pyong So kaltgestellt (zweiter Mann im Staat). Anfang 2018 kommt es zu einer Annährung zwischen Nord und Süd. Die Gespräche sollen nach zwei Jahren wieder aufgenommen werden (vordergründig geht es um die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen in diesem Jahr). Anfang 2018 ändert Kim Jong Un sein Outfit. Er trägt helle westliche Anzüge und eine neue Brille. Experten und Zeitungen (z. B. Japan Times) spekulieren über die Bedeutung. Anfang 2018 erklärt sich Trump zu direktem Kontakt zu Machthaber Kim bereit. Beim ersten Treffen der beiden Delegationen aus Süd- und Nordkorea einigt man sich über eine Teilnahme von Nordkorea an den Olympischen Spielen und Frieden während der Spiele im Februar. Mitte Januar 2018 ist eine Nordkorea-Konferenz in Vancouver. Die USA und Kanada richten ein Treffen von 20 Außenministern aus, die über die Umsetzung von UN-Sanktionen wegen der Atomtests gegen Nordkorea beraten (bessere Kontrolle der Seewege). Russland und China waren nicht eingeladen. Nordkorea bezeichnet Trump als "tollwütigen Hund". Bei Olympia im Februar 2018 im südkoreanischen Pyeongchang wollen Nord- und Südkorea unter einer Flagge auflaufen (Nordkorea nutzt die Veranstaltung für Propagandazwecke). Nordkoreas Diktator Kim hat eine eigene Girl-Band. Sie heißt Moranbong und könnte bei dem Anlass auftreten. Nordkorea ist bereit, mit den USA im Atomkonflikt zu verhandeln. Erstmals seit einem Jahrzehnt soll im April 2018 ein Gipfeltreffen der beiden verfeindeten koreanischen Staaten stattfinden. Das Treffen gibt es am 27.04.2018. Am 08.03.18 stimmt US-Präsident Trump zu, Nordkorea zu besuchen und Kim zu treffen. Am 26. und 27.3.18 besucht Kim vorher Xi Jinping in Peking. Er reist wie Vater und Großvater im Sonderzug. Es geht auch um atomare Abrüstung. Nordkorea soll in zivile High Tech investieren. Im April 2018 treffen Kim und der designierte US-Außenminister Pompeo in Nord-Korea zusammen (zwei Treffen müssen vorbereitet werden: Trump - Kim; Kim - Moon Jae/ Süd-Korea). Nordkorea stoppt Atom- und Raketentests. Im Mai 2018 korrigiert Kim die Uhren-Umstellung in seinem Land wieder (waren eine halbe Stunde zurückgedreht worden anlässlich der Kapitulation Japans). Wegen der gemeinsamen Manöver von Südkorea und den USA droht Nordkorea im Mai 2018, das Gipfeltreffen abzusagen. Mittlerweile wird auch der Termin in Frage gestellt. Am 24.05.18 sagt Trump das Treffen mit Kim ab. Er bietet aber weitere Gespräche an. Beide Seiten halten ein Treffen noch für möglich. Dieses soll dann tatsächlich am 12.06.18 in Singapur stattfinden. Kim wechselt vorher im Juni 2018 seine obersten Militärs aus. Er braucht wohl "geistig beweglichere Vasallen" um sich. Im Süden von Singapur auf der Insel Sentosa (Ruhe, Frieden) im Luxushotel "Capella" kommt das Treffen zwischen Trump und Kim tatsächlich zustande. Es gibt auch eine Vereinbarung. In einer Erklärung werden folgende Punkte angedeutet: Gefangenenaustausch, Friedensvertrag, Botschafteraustausch, Entnuklearisierung Nordkoreas, keine Militärmanöver mehr. Scheinbar gibt es nur Sieger. Die Wiedervereinigung bleibt als Ziel. Eine Zeitplanung bzw. ein Datum wird nicht verhandelt. Die USA gehen in Vorleistung und stoppen Militärmanöver. 2018 soll es wieder nach drei Jahren Familientreffen geben. Im August 2018 gibt Nordkorea 55 Särge mit sterblichen Überresten von gefallenen US-Soldaten im Korea-Krieg an die USA zurück. Im September 2018 wollen sich die Spitzen beider Hälften Pjöngjang treffen. Vorher gibt es am 19.08.18 eine Familienzusammenführung in Nordkorea (Auslosung). Am 09.09.2018 feiert Nordkorea den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung (zeigt keine Interkontinentalraketen). noch im September 2018 bietet Nordkorea den Abbau von Atomanlagen ab. Im November 2018 gibt Nordkorea bekannt, eine neue Wunderwaffe zu haben ("High-Tech-Waffe"). Am letzten November-Tag 2018 kann erstmals ein Zug aus dem Süden die Grenze zum Norden passieren (Teilstück von 2007 war bisher lahm gelegt). Die Strecke hätte für den Süden eine große Bedeutung (nach China , mit der transsibirischen Eisenbahn nach Russland). Zum Jahreswechsel 2019 droht Kim mit dem Ende der Annäherungspolitik. Er ist mit der Blockadepolitik der USA nicht einverstanden. Trump bietet ein weiteres Treffen an. Am 08.01.19 reist Kim in seinem berühmten gepanzerten Sonderzug wieder nach Peking. Er bleibt 4 Tage und trifft auch Xi Jinping. Will er sich abstimmen für das nächste Treffen mit Trump? Bei der Handball-WM in Deutschland im Januar 2019 tritt eine gemeinsame Mannschaft mit Süd-Korea an. Im Februar 2019 soll ein weiterer Gipfel zwischen Trump und Kim stattfinden (27./28.02.19 in /Hanoi/ Vietnam; Rede des Präsidenten zur Lage der Nation vor dem Kongress am 06.02.19. Wahrscheinlich wird am 28.02.19 der Krieg zwischen Nordkorea und den USA offiziell beendet. Bisher besteht nur ein Waffenstillstand. Wirtschaftliche Entwicklung für Nordkorea gegen Verzicht auf Atomwaffen. So könnte der Deal lauten. Man vereinbart eine Verbindungsstelle. Trump bricht plötzlich die Gespräche ab, weil Kim angeblich zu viel fordert (Aufhebung aller Sanktionen). Nordkorea dementiert den Grund. Es werden wieder Aktivitäten an den Raketentestanlagen beobachtet. Trump stoppt Sanktionen, die die USA deswegen verhängen wollten. Das Verbindungsbüro nach Südkorea wird nach Unterbrechung wieder besetzt. Im Februar 2019 wird in Nordkoreas Botschaft in Madrid eingebrochen. Im April 2019 wird das protokollarische Staatsoberhaupt ersetzt: Choe Ryong Hae ersetzt Kim Yong Nam. Im April betont Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, dass er bereit sei zu einem dritten Treffen mit Trump. Russland bereitet 2019 ein Treffen zwischen Putin und Kim vor in Russland. Die beiden Länder haben eine kleine gemeinsame Grenze. Aktuell geht es um Zehntausende nordkoreanische Gastarbeiter, die Russland verlassen müssten. Das Treffen findet am 25.04.19 in Wladiwostok (Insel Ruski, fernöstliche Universität)  statt (erstes Treffen; Russland ist einer der wenigen Verbündeten; Kim reist wieder mit gepanzertem Sonderzug). Nordkorea möchte die Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. In Bezug auf die Atombomben fährt Russland eher eine Strategie der kleinen Schritte. Im Mai verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Nordkorea und den USA dramatisch: Nordkorea provoziert mit Militärübungen, Trump plaudert ein Mordgeständnis von Kim aus (Onkel, zweithöchster Funktionär). Im Mai 2019 gibt es Gerücht, Kim habe seinen Unterhändler im Atomkonflikt mit den USA, Kim Hyok Chol, heimlich hinrichten lassen, weil das Gipfeltreffen nicht wie gewünscht lief. Auch die Dolmetscherin sei in ein Lager für politische Gefangene gekommen. Das könnte aber auch südkoreanischer Propaganda entspringen. Am 20.06.19 besucht Xi Jinping Kim kurz vor dem Ende des G20-Treffens. Es geht auch um das Atomwaffenprogramm. China ist der wichtigste Handelspartner. Am 28. und 29.6. treffen sich die Regierungschefs der G20 bei Osaka. Trump könnte ein Atomabkommen mit Nordkorea, was ihm im Wahlkampf nützt, mit Entgegenkommen für China im Handel belohnen. Auf seiner Rückreise vom Gipfel trifft Trump am Grenzkontrollpunkt Panmunjom kurzfristig Kim. Damit setzt Trump als erster US-Präsident einen Fuß auf nordkoreanischen Boden, eine Weltsensation. Im Sommer 2019 mach Nordkorea wieder Raketentest und bezeichnet sie als Warnung an Südkorea. Die Raketentests häufen sich. Sie werden massiv fortgesetzt. Im September 2019 lässt sich Kim als "Oberster  Repräsentant" des gesamten koreanischen Volkes titulieren. Damit erhebt er sich in den Stand eines Staatsoberhauptes. Anfang Oktober 2019 bricht Nordkorea die Atomgespräche mit den USA in Stockholm ab. Kurz vor Ablauf eines Ultimatums an die USA beruft Kim Ende Dezember 2019 ein Treffen hochrangiger Parteivertreter ein. Er will den Stopp von Atomtests beenden. Ri Son Gwon wird im Januar 2020 neue Außenminister (vorher Koordinator für innerkoreanische Gespräche). Im Monat März 2020  macht das Land vier Raketentests. Trump schlägt in einem Brief die Verbesserung der Beziehungen vor. Die Schwester von Kim Kim Yo Jong wird im August 2020 der "Führer Nummer 2". Ihm soll Arbeitsstress erspart werden. Sie soll auch als Reserve da sein, wenn Kim etwas zustößt (ob sie als Frau die Parteikader und die Generäle hinter sich hat, ist allerdings fraglich). Am 10.1020 feiert man den 75 jährigen Gründungstag der herrschenden Arbeiterpartei. Es gibt eine große Militärparade und jubelnde Menschenmassen. Es wird einen neue Interkontinentalrakete gezeigt, die wohl größte ihrer Art  der Welt. Anfang Januar 2021 bezeichnet Kim die USA als größten Feind des Landes ("Erzfeind"). Er kündigt eine Fortsetzung des Atomprogramms an. Im Juni 2022 wird Choe Son Hui die erste Außenministerin Nordkoreas. Vorher war sie Vize und bei den Atom-Gesprächen und dem Treffen mit Trump beteiligt. Sie ist USA-Expertin und spricht fließend Englisch (sie hat auch in Österreich studiert).  In Berlin gibt es ein "City Hostel Berlin". Es ist Teil der Botschaft Nordkoreas. Insgesamt sind 435 Betten vorhanden und die Preise sind unschlagbarh. In einem Schaukasten winkt der "hoch verehrte oberste Führer Genosse Kim Jong Un". Das Hotel dient der Devisenbeschaffung von Nordkorea. Hinter Kim Jong -Un sind folgende Personen noch sehr wichtig: Ri Man-gon (Direktor Munitionsamt), Hwang Pyang-so (Direktor des Politbüros der Volksarmee).  Die Hackerangriffe auf ausländische Banken dienen wohl der Devisenbeschaffung. Auch Bitcoin-Börsen werden geplündert. In einem Kriegsfall sollen wichtige Infrastrukturteile lahm gelegt werden. Es gibt eine Kooperation zwischen Deutschland und Nordkorea in der Forstwirtschaft und beim Umweltschutz. Es gibt einen Austausch von Förstern aus den neuen Bundesländern (Bernhard Seliger). Kim Il Sung hat die Vorschrift eingeführt, dass jeder Koreaner ein Instrument lernen solle. Bei Spannungen werden Lieder angestimmt.

Familien-Clan an der Spitze: Ein eng begrenzter Kreis von alten, gut vernetzten Familien scheint das Sagen zu haben. Es sind Hardliner, die sich 2015/16 durchgesetzt haben. Es sind Militärs, Geheimdienstler, Ideologen. Wie groß der Einfluss von Kim Jong Un in diesem Kreis ist, lässt sich nicht genau sagen. Der Kurs ist militaristisch. Gegenüber ausländischen Direktinvestitionen besteht Misstrauen. Man hat Angst vor einer Wiedervereinigung.  Vgl. Interview mit Thomas Schäfer, Ex-Botschafter in Nord-Korea (2020-2018), in: Der Spiegel Nr. 2/ 8.1.2022, S. 93. Die Schwester von Kim, Kim Yo Jong (2022 34 Jahre alt), übernimmt eine immer größere Rolle. Sie ist für martialische Rhetorik zuständig ("Frau fürs Grobe"). Sie droht Südkorea, es im Kriegsfall auszulöschen (Atomschlag mit dem Atomarsenal?). Sie bezeichnet den südkoreanischen Verteidigungsminister Suh Wook als "menschlichen Abschaum".

Exkurs: Kim Ryon-hui. Sie kämpft seit 11 Jahren dafür, nach Nord-Korea (Pjöngjang) aus Süd-Korea zurückzukehren. Ihr Protest hat sie berühmt gemacht. Kaum jemand versteht, warum sie ins Hungerland zurück will. Hauptbeweggrund ist ihre Familie in Nordkorea (Eltern Tochter). Kim ist 2022 52 Jahre alt und lebt in Seoul. Sie kam über Laos und Thailand. Sie wollte sich nur etwas Geld verdienen. Bei Ankunft wurde sie vom Geheimdienst verhört. Die Rückkehr kann gefährlich sein (Arbeitslager, Schläge). Vgl. Peters, K. G.: Frau Kim will heim, in: Der Spiegel Nr. 17/ 23.4.22, S. 90ff.

Parteikongress: Es ist das höchste Gremium im Land. Es gibt nur die Kommunistische Partei Nordkoreas. Der Kongress tagt alle fünf Jahre. Allerdings hat er 2016 zum ersten Mal seit 36 Jahren getagt. Am 05.01.21 findet wieder ein Kongress statt. Überraschend gibt Kim Jong Un zu, dass der Fünf-Jahres-Plan in fast allen Punkten gescheitert ist. Er dankt den Arbeitern des Landes und den Corona - Bekämpfern (offiziell gab es kein Corona in Nordkorea). Kim wird zum Generalsekretär der Partei gewählt. Damit gewinnt er noch mehr Macht. Hinter ihm sitzt immer seine Schwester. Das deutet darauf hin, dass sie die Nummer 2 ist. Seine Frau wurde viele Monate nicht gesehen. Man machte sich schon Sorgen. Im Februar 2021 taucht sie wieder neben ihm auf. Zum Jahreswechsel 2021/22 findet eine Tagung des Zentralkomitees statt. 2022 müsse das Volk einen "Kampf um Leben und Tod" führen. Gemeint sind dei katastrophalen Lebensbedingungen. Die Wirtschaft ist desolat, Corona drückt das Land an die Wand. Die Lebensgrundlagen entgleiten. Die Machtsicherung der kommunistischen Elite erfordert eine weitere Ausrichtung auf Feindbilder, wie die USA.

Wirtschaft:  Das Land ist etwas größer als seinerzeit die DDR. Das Wirtschaftswachstum lag 2018 bei -1,1%. Das BIP pro Kopf betrug 1700 USD. Die Arbeitslosenquote war 2018 25,6% (Quelle: IMF). Japan und Deutschland industrialisierten das Land während er japanischen Kolonialzeit von 1910 bis 1945. Nach der Befreiung leisteten die Sowjetunion und ihre Satelliten Aufbauarbeit. Nordkorea darf in der chinesischen Währung Yuan (Renminbi, RMB) handeln. Seit der Remonetarisierung seit 1991 ist der RMB eine der Landeswährungen (Parallelwährung neben der heimischen Währung). Drei Sonderwirtschaftszonen bringen Devisen (eine ist Rason im Nordosten). Ca. 16 Mio. Menschen leiden an Hunger. Aber insgesamt hat sich in den letzten Jahren die Situation verbessert. Kim will vor allem die Wirtschaft aufbauen. Seit 1991 hat das Land seinen Wohlstand etwas verbessert. Zentrales Problem ist die Modernisierung der Industrie und Infrastruktur. 2016 hat das Land einen Export in Höhe von 3,5 Mrd. US-Dollar; der Import liegt bei 3,0 Mrd. US-Dollar. Die wichtigsten Handelspartner sind China (80%-90%), Indien, Russland, Thailand, Pakistan.  Der Export besteht hauptsächlich aus Mineralstoffen, Textilien, Maschinen und Metallen (Eisen, Blei). Nach Verschärfung der UN-Sanktionen feuert Nordkorea Trotzraketen in Form von Kurzstreckenraketen ins Meer (ohne Schaden anzurichten). Nordkorea verkauft Zwangsarbeiter in die ganze Welt, damit sie Devisen beschaffen. Die Wirtschaft in Nordkorea erlebt 2017 trotz internationaler Wirtschaftssanktionen (Waffenembargo, Importverbot für sämtliche Produkte mit Nuklearfähigkeit, Exportverbot für alle Bodenschätze) einen Boom. Dafür gibt es drei Erklärungen: Fleiß der Menschen. Umgehung der Sanktionen (z. B. lassen chinesische Firmen hinter der Grenze arbeiten und schreiben auf die Produkte "Made in China"). Reformen von Un wirken. Alles stimmt wohl ein bisschen. Von dem Aufschwung profitiert vor allem die Elite. Überall im Lande werden kleine Märkte geduldet. Dadurch entstehen unabhängige Business-Netzwerke. In den nächsten Jahren soll wohl eine nordkoreanische Form des chinesischen Modells kommen. Starker Staat mit einer Partei und marktwirtschaftliche Anreize und Elemente. Die Wirtschaft wird damit etwas liberalisiert. Die "rote Linie" liegt aber da, wo Kim seine Macht bedroht sieht. Im Sommer 2019 bestellt er zwei Maybach bei Daimler (6,50 m lang, luxuriös, gepanzert). 2020 geht die Wirtschaftsleistung um etwa -8,5% zurück (Kim macht Überschwemmungen und den Corona-Virus verantwortlich). Die Überschwemmungen und damit ausbleibende Ernten 2021 könnten eine Hungersnot verursachen. Kim spricht verklausuliert von einem "beschwerlichen Marsch". Die Wirtschaftsprobleme sind groß, weil auch der Handel mit China zusammengebrochen ist. Hinzu kommt Corona. Nach der Corona-Krise liegt die Wirtschaft vollkommen am Boden. Das erzeugt zunehmend Druck auf das Regime, von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Corona und die Wirtschaftssanktionen lassen die desolate Wirtschaft 2022 weiter abstürzen (2020 -4,5%, 2021 -0,1%, Außenhandel nur 710 Mio. $ 2022 1. Halbjahr).

Export von Rüstungsgütern: Nordkorea liefert in hohem Ausmaß Waffen an Russland (Millionen Raketen, Granaten, Artilleriemunition). Die Beschaffung in Nordkorea zeigt, in welch schwieriger Lage sich Russland aufgrund der Sanktionen befindet. Drohnen werden aus dem Iran geordert. Nordkorea selbst dementiert die Waffen- und Munitionslieferungen. Beides ist objektiv nicht nachprüfbar.

Verhältnis zu China und China-Sanktionen: China ist ökonomisch der letzte Verbündete. Der legale Handel soll aber 2020 um 90% eingebrochen sein (genaue Zahlen bekommt man nicht). Der Handel mit China soll im gesamten Jahr 2020 um zwei Drittel mindestens gesunken sein. Damit hat man eine Spanne bei den Schätzungen. Die große Unbekannte ist der illegale Handel. 2021 nähert sich China wieder mehr an. Man braucht klare Verbündete in der Strategie gegen die USA in Asien. Viele Nordkoreaner sind nach China geflohen und leben dort illegal. In der Corona-Pandemie hat der chinesische Staat seine Kontrollen verschärft (Restaurants, Fabriken, Farmen). Die Hilfsorganisation "Helping Hands Korea" kann vereinzelt bei der Flucht nach Südkorea helfen. Pünktlich zur Plenarsitzung des Volkskongresses in China startet Nordkorea eine Rakete (die 9. 2022). Das ist ein klarer Affront. China verbleibt aber als einziger Wirtschaftspartner.  Der Frachtzugverkehr bleibt offen.

Verhältnis zu USA:  Im Juli 2017 macht testet das Land wieder eine Mittelstreckenrakete. Das Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea wird im August 2017 immer größer (Korea will Guam angreifen, Trump droht mit "Feuer und Wut"; die militärischen Lösungen seien "locked and loaded"; Japan positioniert Flugabwehrraketen). Ein entscheidendes Motiv für das "Säbelrasseln" in Nordkorea ist politische Überleben der Kim-Clique. Die Sanktionen wirken nur begrenzt (treffen nicht Eliten, sondern städtische Bevölkerung). Im März 2021 droht die Schwester von Kim Kim Jo Jong der US-Regierung (Anlass ist der Besuch zweier US-Minister in Südkorea und Japan; sie werden "Schießpulver über unser Land verbreiten"; Schwester fürs Grobe!). Nordkorea will nur noch mit den USA sprechen, wenn vorher bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Die USA appellieren an China, Druck auszuüben. In seiner ersten großen Rede vor dem Kongress nach 100 Tagen nennt Biden Nordkorea eine "ernsthafte Bedrohung". Man werde auf Nordkorea mit Diplomatie und strikter Abschreckung reagieren. Leiter der Abteilung für US - Angelegenheiten in Nordkoreas Außenministerium ist Kwon Jong Gun. Er spricht von nicht tolerierbaren Äußerungen. Nordkorea reagiert zunehmend aggressiv auf gemeinsame Militärübungen von den USA und Südkorea.

Wirtschaftssanktionen: Die USA verstärken den Druck auf China, damit Nordkorea bei den Atomraketen (Atomprogramm) zurückfährt. Dies wird beim Besuch des chinesischen Staatspräsidenten in den USA verstärkt (gleichzeitig werden Kriegsschiffe nach Korea entsandt). Bei Stopp von Kohle-Exporten und UN-Erklärungen ist China schon den USA gefolgt. Ein weiterer Abschuss einer Rakete am 20.04.17 spitzt den Konflikt zu (Rakete explodiert kurz nach Start). Dann schickt Trump eine Einladung an Kim Jong Un zu einem Besuch (Trump: "helles Köpfchen"). Korea macht weiterhin Raketenstarts.  Am 02.06.2017 weitet der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Nordkorea aus (erstmals mit Zustimmung Chinas). Der Sicherheitsrat der UN erhöht die Sanktionen mit Zustimmung Chinas (drastische Handelsbeschränkungen; Importstopp, insbesondere für Eisen und Blei; mehr als 80% des Außenhandels Nordkoreas laufen über China). Von einem Exportstopp für Öl sieht China aber ab (das würde wirklich weh tun). Die Sanktionen werden weiter erhöht (USA: gegen IT- und Fischbranche; EU: Verbot von Investitionen und Ölexporte, Einreise- und Vermögenssperre). Im Februar 2018 zeigt sich, das das Land illegale Exporte (durch Schmuggler, Schiffe unter falscher Flagge, Umladen von Schiffen; auch Rüstungsgüter an Syrien, Vietnam und Myanmar) durchführt und damit Devisen (200 Mio. $ 2017) verdient (Quelle: UN-Bericht zu Sanktionen).  Russische Tanker schmuggeln Erdöl nach Nordkorea. Ende September 2017 setzt China weitere Sanktionen um: Schließung nordkoreanischer Firmen in China bis Ende Januar 2018 (auch Joint Ventures; 90% des Außenhandels). Natürlich gibt es noch einen Schwarzhandel. Ein großer Teil findet über die nordostchinesische Grenz-Stadt Dandong statt (Freundschaftsbrücke). Aus Nordkorea importiert werden Eisen, Kohle, Meeresfrüchte und Kleidung. Ende 2017 werden die Sanktionen gegen Nordkorea verschärft (UN-Sicherheitsrat: Mineralöllieferungen auf ein Viertel reduziert, Exportverbot für Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte, Maschinen und Mineralien sowie Schiffe, Nordkoreaner dürfen nicht mehr im Ausland arbeiten). 2022 verhindern China und Russland eine weitere Verschärfung der Sanktionen durch die UN durch ein Veto.

Verhältnis zu Russland: Im August 2022 geben beide Länder bekannt, dass sie die Beziehungen wesentlich verbessern wollen. Putin bekräftigt das in seiner Gratulation an Kim zum Tag der Befreuung Koreas von der japanischen Kolonialherrschaft (1910-1945). Nordkorea will Russland im Ukraine-Krieg unterstützen.  Donezk und Luhansk wurden schon anerkannt.  Nordkorea liefert in hohem Ausmaß Waffen an Russland (Millionen Raketen, Granaten, Artilleriemunition). Die Beschaffung in Nordkorea zeigt, in welch schwieriger Lage sich Russland aufgrund der Sanktionen befindet. Drohnen werden aus dem Iran geordert.

Bevölkerung und Lebensverhältnisse: 25 Mio. Menschen leben in Nordkorea. Die Bevölkerung ist militärisch organisiert, was die Gesellschaft prägt. Die politische Führung ist tabu (darf nicht kritisiert werden). 2015 öffnet das Land seine Grenzen für Touristen (noch kein Individualtourismus). China will das Dreiländereck mit Nordkorea und Russland attraktiver machen, indem kein Visum erforderlich ist. Ojea Quintana ist 2019 Uno-Sonderberichterstatter für das Land: 40% der Menschen sind unterernährt. Lebensmittel sind knapp. Menschen werden in Lagern gefoltert und interniert. Manchen Nordkoreanern gelingt die Flucht nach China; es gibt auch einen Menschenhandel von Frauen nach China. Doch selbst dort sind sie nicht sicher. Besonders trifft die Menschen, dass Textilexporte verboten sind (Sanktionen).  Vgl. Der Spiegel Nr. 51; 14.12.19; S. 89. In Nord-Korea gibt es eine hochintelligente Hackerelite, die für Cyber-Angriffe geschult ist. Immer wieder werden grausige Geisterschiffe mit verwesten Leichen an Japans Nordwestküste angespült. Es gibt sehr viele dieser Boote. Sicher ist, dass die Boote aus Nordkorea kommen. Vgl. auch: Julia Leeb: North Korea - Anonymous Country, 2014.

Gesundheit (System, Politik, Seuchen):  2020 sorgt das Corona-Virus für eine weitere Isolation des Landes. Man kommt nicht mehr herein und nicht heraus. Alle Reisen von und nach China wurden gekappt.  Es gibt aber offiziell noch keine Fälle in dem Land. Das Virus scheint Diktaturen nicht zu befallen: auch Tadschikistan und Usbekistan melden keine Fälle. Trotzdem wird in Nordkorea eine Resolution am 13.04. verkündet, die nationale Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der Sicherheit fördern soll. Der Flug- und Schienenverkehr ist schon länger ausgesetzt. Das Gesundheitssystem auf dem Lande gilt als stark veraltet und schwach. Im Juli 2020 gibt es den ersten offiziellen Corona-Fall. Er tritt in der Grenzstadt zu Süd-Korea Kaesong auf. Diese wird abgeriegelt. Ein Überläufer aus Süd-Korea soll das Virus eingeschleppt haben. Offenbar handelt es sich um einen doppelten Überläufer (erst von Norden nach Süden, dann wieder von Süden nach Norden; Spion?). Das Regime meldet immer wieder, dass es Corona in Nordkorea nicht gebe. Kim und seine Familie lassen sich aber heimlich impfen. Die von Exilanten aus Nordkorea betriebene Website "DailyNK" meldet seit November 2020 die Schließung aller Schulen (Unterricht wohl erst wieder ab März 2021). Websites in den USA sprechen von einem maximalen Notstand. Die Schwester von Kim  Kim Yo Jong spricht von Unverschämtheiten. Kim gibt im April 2021  offen zu, dass die Pandemie große Schäden anrichtet und viele Opfer fordert. Eine Spende von drei Millionen chinesischen Impfdosen  durch die UN lehnt das Land im September 2021 ab. Begründung: Es gäbe Länder, die den Impfstoff dringender bräuchten.  Kim wirft seinen Beamten Faulheit vor und gibt ihnen eine Mitschuld.

Seit Wochen taucht Kim Jong Un im April 20202 nicht in der Öffentlichkeit auf (zuletzt 11.04.). Er ist nicht mehr zu sehen. So taucht das Gerücht über eine Krankheit auf. Wie krank ist Kim? Die ausländischen Diplomaten unterliegen einer 30-tägigen Quarantäne. Einige wurden per Sonderflug ins russische Wladiwostok gebracht. Die Nachrichten verdichten sich, dass Kim Herz-Kreislauf-Probleme hatte und operiert werden musste. In jedem Falle ist er fettleibig und starker Raucher (viele in der Familie erlitten Herzinfarkt). Andere Gerüchte beziehen sich auf eine Zyste am Sprunggelenk. Daraufhin kursieren viele Gerüchte im Netz aus Südkorea, Japan, China und den USA. Einige sprechen sogar von Koma oder Tod. Südkorea bringt in Umlauf, dass sich Kim in der Ferienstadt Wonsan im Osten von Nordkorea aufhalte, weil er Angst vor einer Corona-Ansteckung habe. Am 01.05. taucht Kim wieder überraschend in der Öffentlichkeit auf. Es gibt Zweifel, ob er noch die uneingeschränkte Macht hat. Nordkorea schickt keine Sportler zu den Olympischen Spielen 2021 in Tokio/ Japan. Als Grund wird Corona angegeben. Das Land steckt aber auch in einer großen Wirtschaftskrise und Geldnot. Man hat in Japan Sorge vor weiteren Rückziehern. Im Mai 2022 ordnet Kim Jong Un landesweite Lockdowns an. Städte werden abgeriegelt. Erstmals werden offiziell Corona-Fälle gemeldet. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldet Mitte Mai 22 innerhalb von 24 Stunden 270.000 neue Fälle. Seit April 22 sind 1,5 Mio. Fieberfälle registriert. Das Militär wird für Hilfseinsätze mobilisiert (sie verteilen auch rund um die Uhr in Apotheken Medikamente).

Es gibt in Nordkorea keine Covid-Tests. Die Anzahl der gemeldeten Todesfälle ist wahrscheinlich nicht echt (nur 70 insgesamt bis Juni 22). Die Grenzen sind geschlossen. Es fehlt an Medizin und Nahrungsmitteln. Medikamente kommen aus China und wurden von der UN gespendet ("UNO-Medizin"). Fast keine internationalen Organisationen sind vor Ort. Dei Menschen sind völlig isoliert. Vgl. Hanna Song, in Der Spiegel Nr. 24/ 11.6.22, S. 71. Ende Juni schätzt man 4,5 Mio. Fälle. Im Juni bricht im Norden des Landes eine mysteriöse Darmkrankheit aus. Hunderte Familien sind betroffen. Es gibt in kurzer Zeit 1600 Fälle. Es könnte sich auch um Cholera oder Typhus handeln. Die Menschen sind durch Corona geschwächt.

Im Juli 22 entdeckt Kim Jong Un die vermeintlichen Urheber der Pandemie in seinem Land. Der Klassenfeind im Süden ist verantwortlich. Mit Viren gefüllte Ballons  seien über die Grenze geschickt worden. Dahinter steckten Republikflüchtlinge aus dem Norden. Kim hatte vorher schon zugegeben, dass mindestens 4,7 Mio. Nordkoreaner infiziert gewesen seien, also 18% der Bevölkerung. Vgl. Köhler, Angela: Ansteckende Grüße vom Klassenfeind, in: Dei Rheinpfalz, 4.7.22, S. 1.

Humanitäre Hilfe: Die Welthungerhilfe ist seit 1997 in Nordkorea. Landesdirektor der Welthungerhilfe in Nordkorea ist 2020 Andreas Oswald, der aus Landau/ Pfalz stammt. Rund 10,4 Mio. Menschen brauchen hier humanitäre Hilfe. Allerdings sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da es keine offizielle Zahlen der Regierung gibt. Nach neuesten Informationen 2021 sind 11 Mio. Menschen unterernährt. Es droht eine ähnliche humanitäre Katastrophe wie in den 1990er Jahren. Selbst die einfachsten Nahrungsmittel fehlen. Die Menschen essen Wurzeln und Gras. Die Propaganda bedauert den "ausgemergelten" Diktator, der tatsächlich abgenommen hat.

Atomprogramm und Rüstung: Das Land will Atommacht werden. Es will damit ein Gegengewicht gegen die USA und Südkorea entwickeln. Dieses Programm steht immer wieder im Mittelpunkt von Verhandlungen und Konflikten. Im August gibt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bekannt, dass der umstrittene Atomreaktor im Nuklearzentrum Yongbyon wieder in Betrieb genommen wurde. Balistische Raketen werden zu Testzwecken ständig gezündet. Das macht auch Südkorea. Ein Test einer ballistischen Rakete findet auch im Januar 2022 statt. Sie können je nach Bauart mit einem atomaren Sprengkopf versehen werden. Das Geschoss stürzte ins Meer. Am 15.1.22 kommt ein neuer Raketentest als antwort auf neue Sanktionen der USA. Es ist der dritte Raketentest innerhalb von 10 Tagen.  Es sind jetzt schon 7 Raketenstarts in einem Monat, soviel wie nie zuvor. Man rätselt , was dahinter steckt: Spannungen in Ostasien anheizen, die Ukraine-Krise ausnutzen, Zeit vor Vorsitz in der UN-Weltabrüstungskonferenz ausnutzen? Am 24.3.22 folgt der Höhepunkt als Paukenschlag: Nach 5 Jahren zündet Kim erstmals wieder eine Interkontinentalrakete. Trotz Verbots und internationaler Sanktionen wird weiter getestet. Am 18.4.22 gibt es einen Test taktischer Lenkwaffen (auch mit Atomköpfen bestückbar). Die Entwicklung sei von großer Bedeutung (es war wohl wieder die Antwort auf ein gemeinsames Militärtraining von USA und Südkorea). Als US-Präsident Biden im Mai 22 Südkorea wieder verlässt, zündet Nordkorea pünktlich Raketen ins Japanische Meer. Man rechnet damit, das auch bald mal wieder Atom-Raketen getestet werden. Im September 2022 wird erneut eine ballistische Rakete abgefeuert, die im Meer landet. im Oktober 22 wird eine Rakete über Japan hinweg geschossen. Zwei weitere folgen. Es sind Reaktionen auf Militärübungen der USA und Südkorea.

Atomwaffen: Nordkorea scheint kleine Atomwaffen zu haben. Das Land macht trotz internationaler Sanktionen Fortschritte bei der Entwicklung. Die kleinen Atomwaffen passen in die Sprengköpfe ballistischer Raketen (Boden-Boden-Raketen). Es gibt eine Produktion von hoch angereichertem Uran und einen Bau eines experimentellen Leichtwasserreaktors. Kim treibt den Ausbau der Nuklearstreitkräfte konsequent voran. Dem Westen bleiben dagegen kaum Druckmittel. Deshalb nennt man Nordkorea auch "Land der lausigen Optionen". Vielleicht ist die neue Außenministerin zu mehr Rüstungskontrolle bereit (sie war schon an Gesprächen mit den USA beteiligt). Vgl. Peters, K. G.: Land der lausigen Optionen, in: Der Spiegel Nr. 25/18.6.22, S. 76. Kim ist zum Einsatz von Atomwaffen bereit. Das betont er immer wieder. Vgl. FAZ 29.7.22, S. 4. Ende November 2022 verkündet Kim, dass Nordkorea die weltweit stärkste Atomstreitmacht werden will. Man will auch das Territorium der USA erreichen.

Kultur: Chosonot heißt das traditionelle Gewand für Männer und Frauen. Es wird vor allem an Festtagen getragen.  Vor 30 Jahren (1989) sollte in Nordkoreas Hauptstadt das größte Hotel der Welt entstehen. Vollendet wurde das Gebäude nie. Es hat 105 Etagen und ist 330 Meter hoch. Am 16.10.2019 zeigt sich Kim Jong Un propagandawirksam auf einem weißen Pferd auf dem höchsten Berg Paektu-san (Weißkopf-Berg, mit seiner Frau und einigen Generälen) auf dem ersten Schnee reitend. Als "Schimmelreiter" will er auch Angst verbreiten. Es ist der heilige Berg und das Symbol der Herrscherfamilie (auch Ursprungs-Ort des koreanischen Volkes).  Samjiyon, direkt am heiligen Berg, soll zum Aushängeschild des Sozialismus werden ("sozialistisches Utopia"). Hier sollen erst mal 4000 ausgewählte Familien leben (mit Skigebiet, Hotels, Kultur- und Gesundheitseinrichtungen). Einziges Nachrichtenorgan in Nordkorea ist die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Sie hat ein Nachrichtenmonopol. Zum "Jahrestag der Nation" am 08.09.21 wird in Pjöngjang eine Parade zelebriert. An der Veranstaltung nehmen "paramilitärische und öffentliche Sicherheitskräfte" teil. Vertreter des Eisenbahnministeriums, der Fluggesellschaft Air Koryo und der Hungnam - Düngemittel-Fabrik sind beteiligt. Auch Feuerwehrautos und Traktoren. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldet, Machthaber Kim Jong Un habe "herzliche Grüße an das gesamte Volk" des Landes ausgerichtet. Durch Gasmasken und orangefarbene Schutzanzüge erinnert einiges an eine Grusel-Parade.   "Sein Marsch auf dem Pferderücken auf dem Paektu-Berg ist ein großes Ereignis in der Geschichte der koreanischen Revolution."

Totengedenken: Ende 2021 lebt der Personenkult um Nordkoreas Führer-Clan wieder auf. Vor zehn Jahren starb der Vater und Vorgänger von Kim an einer Herzattacke. Jetzt stirbt der jüngere Bruder des Staatsgründers Kim II Sung ("ewiger Präsident"). Es ist der Politikveteran Ju (wohl 101 Jahre alt). Es wird eine aktuelle Trauerperiode angeordnet. Sie dauert bis die Leiche beerdigt wird. Während dieser Zeit sind Alkohol, Freizeitsport, Lachen und Einkaufen verboten. Nordkorea wird immer absurder. Vgl. Köhler, Angela: Kim Jong Un verbietet das Lachen, in: Die Rheinpfalz Samstag 18.1.21, S. 1. Mitte April 22 gibt es eine große Militärparade zu Ehren des Staatsgründers.

Religion:  In Korea gilt der Mahayana - Buddhismus (chinesisch-japanisch). Man spricht auch vom "nördlichen Buddhismus". Es geht um die Erlösung aller Lebewesen. Es gibt eine ausgeprägte Meditationspraxis. Zwischen 0 und 500 n. Chr. erreicht der Buddhismus Südostasien und Korea. Ansonsten spielt der Animismus noch eine Rolle, wie in vielen anderen asiatischen Ländern. Es ist der Glaube, dass alle Objekte Seelen besitzen, vor allem Berge. Offizielle Staatsphilosophie ist der Konfuzianismus, der Hierarchien legitimiert. Man sieht ihn aber heute nicht mehr als Religion, allenfalls als ethisches System.

Religionen sind nicht erwünscht oder angesehen. Das Christentum ist verboten und wird verfolgt.

Bildung: In der Corona-Pandemie wurden die meisten Schulen und Hochschulen geschlossen. Eine Kommission wurde eingesetzt, die Reformvorschläge machen soll. Sie fordert bessere Ausrüstung und kleiner Gruppen ein. Der Kommissionschef wurde exekutiert und Kimm macht die Hochschulreform zur Chefsache. Vgl. Köhler, Angela: Kritisieren darf nur Kim, in: Rheinpfalz Nr. 85, 13 4.21, S. 1.

Geographische Zonen: Die Hauptstadt Pjöngjang kann in einen West- und Ostteil getrennt werden. R. Frank/ siehe unten teilt weiterhin in den Nordwesten (Sinuiju ist das Tor nach China), Südwesten (Kornkammer, Westmeerstaudamm, demilitarisierte Zone), Südosten (Tourismus, deutscheste Stadt Hamhung) und Nordosten (kleiner Grenzverkehr nach China, heilige Berg Paektusan, Sonderwirtschaftszone Rason).

Exkurs: Tourismus in Nordkorea. Reisen in das Land sind möglich, obwohl das Auswärtige Amt in der Regel vor den angebotenen Zielen warnt (man spricht von "dark tourism"). Es herrscht auch kein Massentourismus. Rocky Road Travel ist einer der Veranstalter, andere sind Clio Voyages aus Frankreich oder Wild Frontiers bzw. Lupine Travel aus GB. Auch Reiseblogger und Influencer berichten über das Land. Viele lehnen die Reisen jedoch ab, weil sie als Unterstützung für das Regime angesehen werden.

Naturkatastrophen und Ernten: Im Juli und August 2020 verwüsten sintflutartige Regenfälle und Taifune die Ernte und zerstörten Häuser. Immer wieder suchen Überschwemmungen und Sturmschäden das Land heim. Dadurch verschlechtert sich die Nahrungsmittelsituation dramatisch. Kim Jong Un bereitet in einer Rede am 16.6.21 seine Bevölkerung auf eine Nahrungsknappheit vor (mehrtätiges Treffen des ZK in Pjöngjang). Es fehlen 1,3 Mio. Tonnen, vor allem Getreide. In seiner ersten Rede 2022 (Abschluss eines fünftätigen Parteitreffens zum Jahreswechsel) stellt Kim die Versorgungsprobleme in den Mittelpunkt. Er will die Agrarproduktion erhöhen und die Nahrungsmittelprobleme des Landes komplett lösen.

Politische Rahmenbedingungen: Bei Nordkorea geht es um einen Kampf zwischen den USA und China um die Vormachtstellung im pazifischen Wirtschaftsraum. Für China ist daher das Regime wichtiger als eine Vereinigung mit den USA. Vgl. Thomas Reichart: Der Wahnsinn und die Bombe, 2018. Reichert ist Leiter des Ostasienstudios des ZDF in Peking. Er lebt auch in Peking und reist von da regelmäßig nach Nordkorea. Nach seiner Meinung braucht China Nordkorea als strategischen Pufferstaat, ein Schutz vor der Macht der USA. Bedrohlicher als die Atombombe sei für China der Zusammenbruch Nordkoreas. Vgl. Reichart, Thomas: Das Feuer des Drachen, München 2020, S. 242.  Ein anderer anerkannter Nordkoreaexperte ist Rüdiger Frank, Uni Wien. Sein aktuelles Buch ist "Unterwegs in Nordkorea. Eine Gratwanderung, München 2018". Vgl. auch: Rüdiger Frank: Neuer Tiger auf dem Sprung?, in: Die Zeit, Nr. 25, 14. Juni 2018, S. 24. Ein weiteres Buch von ihm über Nordkorea ist "Nordkorea. Innenansichten eines totalen Staates" (Geschichte, Ideologie, wirtschaftliches System, Politik). Es gibt nicht viele Experten zu dem Land,. Dazu ist die Abschottung und die Intransparenz zu groß. Man sollte aber alle Informationen mit Vorsicht aufnehmen und überprüfen soweit es geht. Viele direkte Informationen habe ich von einem Studenten erhalten, der über die österreichische Botschaft eine zeitlang in dem Land leben und arbeiten konnte. Durch die Corona-Pandemie wird die vollständige Isolation der Bevölkerung weiter ausgebaut. Beide koreanische Staaten sehen sich als treue Bollwerke im Machtpoker USA-China. Anfang Oktober 2021 wird der Kommunikationskanal zwischen Nord- und Südkorea wieder hergestellt. Kim gibt sich als Friedensengel.  2020 erlangt ein Däne Aufsehen. Der ehemalige Koch war in die dänisch-koreanische Freundschaftsvereinigung eingetreten. Es gelang ihm geheime Informationen zu bekommen und zu filmen. Es listet Verstöße gegen die UN-Sanktionen auf: Waffenlieferant, Drogenproduzent für Geld; geheime Wege an Öl).

Staatsfinanzierung (Hacker-Angriffe): Die Regierung scheint ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufgestellt zu haben. Es gibt ein Team, dass Cyberangriffe im Ausland durchführt. Die erpressten Gelder fließen in die Staatskasse. Ob das eine Legende oder Realität ist, konnte noch nicht endgültig nachgewiesen werden. Das FBI fahndet nach der Hackerbande "Lazarus". Es gilt als das "beste Bankräuber-Team" der Welt. Sie sollen in Pjöngjang ansässig sein. Sie operieren mit Viren und Trojaner. Sehr bekannt wurde die Attacke "Wanncry" 2017. Hunderttausende Windows-Computer wurden außer Gefecht gesetzt und erst nach Zahlung eines Lösegeldes  wieder freigesetzt. Sie drangen auch mal in das Bankensystem Swift ein und  machten falsche Transfers für Nordkorea. Man schätzt die Gesamtbeute bis 2020 auf 1,3 Mrd. $. Ein Überläufer berichtet im Oktober 2021 von massivem Drogenhandel. Dieser ist staatlich organisiert. Die Beschaffung erfolgt gegen Devisen. Davon profitiert vor allem die Herrscherfamilie Kim. Vgl. Kölner Stadtanzeiger, Di. 12.1021, S. 5.

 

Malaysia:

Lage und Bevölkerung: In Südostasien. 32 Mio. Einwohner. Hauptstadt Kuala Lumpur. Regierungssitz Putrajaya.  Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1957. 61% der Bevölkerung sind Moslems (Sunniten, Staatsreligion; 20% Buddhisten; wird zum Zentrum des islamischen Finanzwesens). Klima: Feuchtheißes Tropenklima. Amtssprache: Malayisch.

Wichtige Städte und Verwaltungsgliederung: Kuala Lumpur, Subang Jaya, Lelang, Johor Bahru, Ipoh, Ampang Jaya, Kuching, Petaling Jaya, Sha Alam. Verwaltungsgliederung: 13 Bundesstaaten und drei Bundesterritorien.

Politik: Verfassung von 1957: Parlamentarische Wahlmonarchie. Tengku Abdullah, der Sultan des Bundesstaates Pahang,  wird im Januar 2019 Malaysias neuer König. Damit ist er der 16. Yang di-Pertuan Agong ("Der zum Herrscher gemacht wird"). Er darf bis 2024 regieren. In der Politik wird mit allen Mitteln gekämpft. 2018 wird Anwar begnadigt vom König. 2014 war er wegen gleichgeschlechtlichen Sex zu fünf Jahren verurteilt worden. Er war Konkurrent von Najib.  Es gibt Ermittlungen gegen Najib (Skandal um den Staatsfonds).Die Leiche Kim Jong Nams wird Ende März 2017 nach Nordkorea überführt. Malaysias Ex-Premier Mahathir Mohamad kandidiert mit 92 Jahren noch mal gegen Machthaber Najib Razak. Mahathir gewinn die Wahl und wird als Regierungschef vereidigt. Später wird er mit seiner UMNO-Partei wieder abgewählt. Das Land entwickelt sich zum demokratischen Leuchtturm Südostasiens. Malaysias König Sultan Muhammad V. tritt im Januar 2019 zurück (das erste Mal, dass ein König abdankt). Es gibt Gerüchte über eine Heirat mit einer Russin. Malaysia ist eines der wenigen Länder in Asien, das noch Müllabfälle aus Europa aufnimmt. Im Februar 2020 entbrennt ein Machtkampf in der Regierung: Regierungschef Mahathir Mohamad (94 Jahre) tritt zurück, um seinen Rivalen Ibrahim zu verhindern.  Der kleine deutsche Kreuzer "Emden" macht 1914 in Asien Furore. Vor Malaysia versenkt er englische Schiffe und schießt Ölanlagen in Madras in Brand. Schließlich wird er kampfunfähig geschossen und ein Teil der Besatzung schlägt sich auf einer abenteuerlichen Reise nach Hause zurück. Noch heute wird in Asien mit "a real Emden" ein wagemutiger Mensch bezeichnet.

Wirtschaft: Währung: Malaysischer Ringit. BIP 2017 314,5 Mrd. US-Dollar.  BIP 364,7 Mrd. US-$ 2019. Wachstum BIP 2019: 4,3%. Seit die US-Notenbank mehrmals die Zinsen 2008 gesenkt hat, strömt Anlagekapital nach Asien, und übt einen starken Druck auf die Wechselkurse aus. Preiskontrollen sollen die Preissteigerungen eindämmen. Auch die Subventionen auf Energiepreise werden abgebaut. Das Land hat eine der besten Infrastrukturen in Asien, eine englischsprachige Bevölkerung und zahlreiche Naturressourcen. Mahatmir kündigt ein Ende des Bahnprojektes zwischen Kuala Lumpur und Singapur an. Damit vergrätzt er Singapur und China. Der Projektstopp könnte auch zu Schadensersatzzahlungen führen. Die neue Regierung will wieder Benzin und Zucker höher subventionieren. Die 2015 eingeführte Mehrwertsteuer soll wieder abgeschafft werden. Anteil am Welthandel 2017: Import 1,1%; Export 1,2% (Elektronik, Maschinen, Nahrungsmittel). Arbeitslosigkeit 2017 im Durchschnitt: 3,4%. ab 2020 ist Malaysia im RCEP dabei, der regionalen Wirtschaftsintegration in Asien.

Wirtschaftslage und Finanzpolitik: Ein Plan zur Besteuerung von Rücküberweisungen löste 2021 Proteste aus und wurde zurückgezogen. Die finanzielle Unterstützung von Bratöl und Benzin sowie des Haushaltsstroms belastete die Staatskasse zunehmend, so dass das System der Preisdeckelung durch direkte Einkommenshilfen ersetzt werden soll (Ankündigung Mitte 22). Die höheren Preise für Lebensmittel belasten die arme Bevölkerung.

Palmöl: Malaysia ist der zweitgrößte Palmölproduzent der Welt. Es ist ein wichtiges Exportgut. 2022 profitiert das Land vom Exportstopp in Indonesien im Zuge des Ukraine-Krieges. Ein Wegfall der 8%-Exportsteuer wurde aber fallen gelassen.

Außenhandel: Eine hohe Importquote und ein Anstieg der Exportnachfrage waren 2021 Voraussetzung für die Erholung der Wirtschaft.

Malaysia ist eine wichtige Anlaufstelle für Direktinvestitionen in Asien. Die Machtverteilung ist recht interessant: Einheimische - Politik, Chinesen - Wirtschaft, Muslime - Finanzwesen (islamisches Finanzwesen). 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 3,41 Mrd. €. 

Unternehmen: 2013 steigt die BASF aus einem gemeinsamen Projekt mit Petronas (rund eine Mrd. Euro) aus. Ab 2016 investiert Osram 1 Milliarde Euro in eine neue Chip-Fabrik (LED-Chips) in Malaysia. Schokinag GmbH, Mannheim (seit 90 Jahren, gegründet 1923; produziert nicht für Endverbraucher, sondern für Lebensmittelhandwerk; investiert 2019 in neue Produktlinien; ursprünglich Familienunternehmen, dann drei Eigentümerwechsel; in Europa ist Deutschland der größte Markt, weltweit die USA, Nischenanbieter europäischer Schokolade: Chips und Chunks. 2020 wird die Firma für 30 Mio. € vom malayischen Kakao-Riesen Guan Chong aufgekauft). 2022 baut Infineon eine neue Fabrik in Malaysia. Man investiert in die Materialien Sliciumcarbid und Galliumnitrid. Das ist eine Trendwende. Der weltweit führende Palmölhersteller Sime Darby gerät 2022 in dei Kritik: Menscherechte sollen missachtet werden. Ferrero zieht sich zurück. Die USA sprechen einen Einfuhrbann aus.

Verkehr: Das Projekt Kuala-Lumpur-Singapore High Speed Rail (HSR) wird Anfang 2021 vorerst auf Eis gelegt. Seit 2013 wurde geplant an der 350 Kilometer-Strecke. Es kursierten Zahlen von 15 Milliarden Dollar. Man will aber irgendwann den Bau verwirklichen. Man hofft auf China oder Japan. Offizieller Grund für den Stopp ist Corona. 905 gehen durch Malaysia, 10% durch Singapur.

Korruption: Veruntreuung bei Staatsfonds 1 MDB. Prozess gegen Stiefsohn Riza Aziz von Premierminister Razak. G284 Mio. US-$ wurden für eine  Filmproduktion eingesetzt und vorher in der Schweiz geparkt. Rizza zahlte 107 Mio. $ an die Staatskasse.

Gesundheit: 2020 kommt Malaysia gut durch die Corona-Pandemie. Das wird auch auf das Dichtmachen der Grenze zurückgeführt. 2021 sieht die Lage ganz anders aus: Es gibt im Juni 21 Rekordinfektionen von 7000 Fällen pro Tag. Man geht in den totalen Lockdown. Sogar die meisten Unternehmen müssen schließen. Das Gesundheitsministerium macht die Feiern zum Ende des Ramadan für den erneuten Ausbruch verantwortlich. Die Kritik an der Corona-Politik verstärkt sich. Malaysias Regierung muss zurücktreten.

Klimaschutz und Energie: Am 27.09.21 stellte der Premier den 12. Malaysia-Plan vor, der Klimaneutralität bis 2050 vorsieht. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß halbiert werden. Ismael erklärte auch einen Baustopp für Kohlekraftwerke. Bei der Stromerzeugung sollen Gaskraftwerke eine zentrale Rolle spielen. Vgl. Der neue Kosmos Welt-Almanach 2023, S. 274.

 

Thailand:

Bevölkerung, Politik: 70 Mio. Einwohner. Hauptstadt Bangkok (Krung Thep). Machtkämpfe und Korruption belasten das Land. Durch das Stilllegen von Flughäfen wird der Tourismus, die wichtigste Devisenquelle des Landes, getroffen. Thailand, der weltgrößte Reisexporteur, will mit Vietnam, Myanmar, Kambodscha und Laos den Handel abstimmen (Reiskartell). 2010 kämpft das Land gegen Inflation. 2013 gibt es viele Demonstrationen gegen die Regierung (Korruption). Protestführer Suthep hat eine dubiose Vergangenheit. Anfang 2014 legt die Opposition die Hauptstadt Bangkok durch einen Generalstreik lahm (bei Wahlen hat sie keine Chance). Es ist ein Machtkampf entbrannt zwischen regierungstreuen "Rothemden" und oppositionellen "Gelbhemden". Über Bangkok wird der Ausnahmezustand verhängt (Desaster für den Tourismus und aufstrebende Junge aus der Mittelschicht). VW darf ab 2015 in Thailand Kleinwagen bauen. Im Herbst 2016 stirbt der thailändische König Bhumibol. Er war 70 Jahre König und der am längsten regierende Monarch der Welt. Am 26.10.17 findet die Einäscherungszeremonie statt. Thailands König wird 2018 Eigentümer aller Vermögenswerte der Monarchie. Er hat damit mehr als 30 Mrd. Dollar und ist der reichste Monarch der Welt vor dem Sultan von Brunei.  Zwölf Jugendliche werden im Juli 2018 aus einer Höhle durch eine kompliziere Tauchaktion gerettet. Ein ranghohes Mitglied der thailändischen Königsfamilie will 2019 Regierungschefin werden (Prinzessin Ubolratana). Nach einem öffentlichen Rüffel ihres Bruders, des Königs, muss sie aufgeben. Die Opposition reklamiert den Sieg für sich in den Parlamentswahlen. Die Aussicht auf einen Machtwechsel sind offen, weil das Militär eine starke Stellung hat. Überraschend wird die Partei der Armee zum Sieger erklärt. Betrugsvorwürfe werden laut. Offen ist, wie es weiter geht. Ein Soldat hat bei einem Amoklauf im Februar 2020 mindestens 20 Menschen getötet. Ende Februar 2020 löst das Verfassungsgericht eine populäre Oppositionspartei auf ("Future Forward"). Proteste gegen Regierung und Monarchie nehmen 2020 zu. Das ist ein Tabubruch. Die Jugend begehrt auf. Der Monarch lebt meist außerhalb Thailands am Starnberger See in Deutschland. Es soll wilde Sex-Partys geben. Im Oktober 2020 verbietet Thailands Regierung Versammlungen. Ende August 2022 wird Ministerpräsident Prayut suspendiert. Das macht das Verfassungsgericht des Landes. Er soll laut Verfassung das Ende seiner Amtszeit erreicht haben.  Spätestens um 1000 n. Chr. erreichte der Buddhismus Thailand. Es ist der Theravada - Buddhismus (wie in Sri Lanka, Myanmar, Kambodscha, Laos). Heute sind fast 95% der thailändischen Bevölkerung Buddhisten. Thailand ist heute eine Monarchie mit demokratischen Wahlen. Der König hat eine zweite Frau (Konkubine), die in der Öffentlichkeit durchaus gezeigt wird (Spitzname Koi, ehemalige Kampfpilotin). Sie war zeitweilig in Ungnade gefallen. Der König hält sich häufig in Bayern auf (er hat eine Villa in Tutzing, die er als Botschaft tituliert; sein Gefolge von 100 Personen wohnt in einem Luxus-Hotel, wo ständig Zimmer reserviert sind) . Es gibt Proteste in Thailand gegen den König (Rama X.) und die Monarchie. Es ist wohl der reichste Monarch der Welt. Die Bundesregierung kann nur wenig gegen den Aufenthalt tun. Im Januar 2021 feiert der Monarch mit allem Pomp den 36. Geburtstag seiner Zweitfrau Maha (jetzt plant er eine Aufwertung für sie).

Wirtschaft:  BIP 2020 -6,6% wegen der Corona-Krise (Tourismus). BIP 2017 455,2 Mrd. US-Dollar. 2007 Auflagen für Auslandsinvestitionen, ein buddhistisches Wirtschaftsmodell ist geplant; Aktienkurse sind gefallen. Der Baht, die Währung Thailands, wurde innerhalb des letzten Jahres um 20% aufgewertet. Der Export ist 2006 gegenüber dem Vorjahr um 18,4% gestiegen, 2007 18%. 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 1,63 Mrd. €. Das Land hat andauernde  Inflationsprobleme. Deshalb hat die Zentralbank Thailands den Leitzins zum achten Mal auf jetzt 4,75%  erhöht. Ab 2015 will die Regierung 100 Mrd. Dollar in Infrastruktur stecken. Deutsche Unternehmen hoffen auf Aufträge. Die größten Wertschöpfungsbeiträge zum BIP leisten die Tourismusbranche und die Naturkautschukbranche. Thailand ist der weltgrößte Hersteller von Naturkautschuk. Die Bedingungen für die Arbeiter in den Gummibäumen ist extrem hart (Nachschichten, Aufnahme von Giften, Nichteinhaltung des Mindestlohnes). Mittlerweile arbeiten überwiegend Arbeiter aus Kambodscha  dort. Nach den Plantagen kommt ein kompliziertes System von Zwischenhändlern im Land bis das Gummi als Vorleistung die Filialen der großen Reifenhersteller im Land erreicht (Bridgestone, Michelin, Continental). Der Weltmarktpreis für Kautschuk in aufgrund des Überangebots in den letzten Jahren gesunken. Einige Nachfrageländer setzen mittlerweile auch stark auf Recycling. Die Technik der Runderneuerung ist so ausgereift, dass die Qualitäten fast gleich sind.

Global Government: Am 18. und 19.11.2022 findet in Bangkok, der Hauptstadt von Thailand,  der Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) statt. Xi Jinping  reist direkt vom G20-Gipfel auf Bali dorthin an. Er warnt davor, dass die Asien-Pazifik-Region zur "Arena für den Wettbewerb zwischen den großen Mächten" ("Hinterhof") wird.

Geschichte Thailands: Erste Besiedlung und Kultur der Funan. Die Thai kommen wahrscheinlich von Norden (von China vertrieben?). 9. bis 13. Jh. besetzt vom Kmer-Reich von Angkor. Das Reich von Sakkothai (1238-1430). 1351 bis 1767 Reich von Ayutthaya. 1782. Nach der Vertreibung der zuvor siegreichen Burmesen, die 1767 der Thai-Hauptstadt Ayutthaya erobert hatten, begründet General Phraya Chakri (als König Rama I.) das dritte Thai-Reich mit der neuen Hauptstadt Bangkok. Chakri-Dynastie 1782 bis heute.

Kultur Thailands: Thailands Nationalhymne zwingt die Menschen in der Hauptstadt Bangkok täglich zum Pausieren. Zweimal am Tag schallt das Stück im Viertelvierteltakt und fordert zum Strammstehen auf. Der Komponist hat deutsche Wurzeln und soll von einer Straßenbahn inspiriert worden sein. Peter Veit (1883-1968) war sein Name. Er hatte einen deutschen Vater.

Umwelt, Naturkatastrophen: Das Land wird immer wieder von großen Naturkatastrophen getroffen (vor allem Tsunamis). Anfang 2020 macht die Regierung einen Aufruf, das Duschen und Zähneputzen um je eine Minute zu verkürzen. Wasser wird knapp im Land. Am 10.10.20 gibt es ein großes Busunglück mit vielen Toten. Der Bus wird von einem Zug getroffen.

Gesundheit: Die Corona-Krise führt auch in Thailand zum Ausnahmezustand. Der soll bis Ende April andauern. Die Mönche des Buddhismus beten weiter. Sie schützen sich aber mit Gesichtsschildern und Masken. Pali ist die Sakralsprache des Buddhismus. Thailand fährt dann eine Politik der Null-Prozent-Infektionen. Die Grenzen bleiben geschlossen und werden in absehbarer Zeit nicht geöffnet. Der Preis dafür ist hoch. Der Tourismus kommt zum Erliegen. Seit Ende März 2020 durften nur wenige Ausländer einreisen und müssen nach der Ankunft für 14 Tage in überwachte Quarantäne. Man hatte bis Oktober 2020 nur 59 Tote und kaum Kranke. Mit 6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Januar bis November 2020) hatte Thailand weltweit den besten Wert.

Vipassana: Auf klassischem Yoga aufbauende buddhistische Achtsamkeitsmeditation, außerdem verbreitet in Myanmar. Ziel ist die Befreiung von allen Hemmnissen und Einsicht in die wahre Natur der Realität. Techniken sind Sitzmeditation mit Atembeobachtung und Entfaltung von liebevoller Güte ("metta"), Mitgefühl ("karuna"), mitfreude ("mudita") und Gleichmut ("upekkha").

Tourismus: Top-Attraktionen sind einmal River Kwai (Krieg von Japan in Südostasien). Es ist eine Brücke im westlichen Zentralthailand, wo 1956 der Monumentalstreifen "Die Brücke am Kwai" entstand, der zum Welterfolg mit sieben Oskars wurde. Zum Zweiten Sukhothai. Es ist die Wiege des Landes. 1228 verbündeten sich einige Thai-Fürsten gegen die Khmer und machten Sukhothai zur Hauptstadt ihres eigenen Königreichs Siam. Es ist heute Unesco - Weltkulturerbe. 200 Tempelruinen gehören dazu. Am bekanntesten ist der Königstempel Wat Mahathat. Bekant ist auch Wat Sri Chum mit dem Riesenbuddha. hinzu kommt Wat Traimit. Hier steht der wohl größte Goldgegenstand der Welt: Eine Buddha-Statue. Sie ist mehr als 3 Meter och und rund 5,5 Tonen schwer. Der Körper besteht zu 40 bis 80% aus Gold, das Gesicht sogar vollständig.  Im März 2021 werden es schon 12 Monate seit die Grenzen geschlossen sind. Urlauber werden weitgehend ausgeschlossen. Der Massentourismus erlebt eine beispiellose Krise. Die Wirtschaft beginnt zu meutern. Im Herbst 2021 öffnet sich Thailand wieder für die Touristen. Für die Insel Phuket gibt es ein Modellprojekt namens Sandbox (sieben Nächte in einem zertifizierten Hotel).

 

"Bambus ist leicht zu biegen", Vietnamesisches Sprichwort. Diese Eigenschaft von Bambus macht man sich von Nutzen: Trinkhalme, Hüte, Textilien, Baumaterialien, Möbel, Werkzeuge u. a. werden daraus produziert. Vietnam wird auch als Bambusstange mit zwei Reisenden bezeichnet (Süden Mekong, Norden Golf von Tonkin). Vietnam ist ein Land auf dem Sprung in die Zukunft. Die Bevölkerung ist jung und sehr fleißig. In den Großstädten Saigon und Hanoi sieht man schon das moderne Leben. Vietnam erstreckt sich über 1700 km von Nord nach Süd. Mehrmals täglich durchquert der Fernzug die Altstadt von Hanoi durch die schmale Train Street. Berühmt ist auch die alte von Franzosen gebaute Brücke. Sie gilt als Wahrzeichen für die Ausdauer des Landes (sie wurde im Vietnam-Krieg x-mal beschädigt und wieder repariert).

Ho Chi Minh-Mausoleum in Hanoi, Vietnam. Das Foto ist morgens um 6 Uhr 2019 gemacht. Um diese Zeit findet täglich ein Wachwechsel und ein Fahnenhissen statt. Das Gelände ist abgesperrt. Man kommt später nur nach Körper- und Gepäckkontrolle dahin. Ho Chi Minh (der nach Erleuchtung strebende, wie er sich später nannte; Onkel Ho genannt; es gibt auch die Legende, dass das Original von den Chinesen ersetzt wurde) hat als Symbolfigur das Land durch zwei Unabhängigkeitskriege geführt. Einen gegen die französische Kolonialmacht und einen gegen die USA. Er hat dem Land die Unabhängigkeit und die Vereinigung gebracht (siehe unten). Schon Ho selbst war sehr pragmatisch; er stülpte den Kommunismus als Ideologie auf, weil er die Erfolge in Russland und China gesehen hatte, Von seiner Bildung und seinem Leben her war war er eher französisch geprägt (sehr kritisch gegenüber China wie viele seiner Landsleute auch).

Vietnam:

Bevölkerung: 96 Mio. Einwohner (2020). Bevölkerungsdichte 302 Einwohner/Quadratkilometer (Vietnam ist kleiner als Deutschland). Bevölkerungswachstum 1%. Verteilung Stadt/ Land: 30%/ 70%.  Man darf nur zwei Kinder haben. Mehr ginge allein schon aus Kostengründen nicht. Bildung muss zum geringen Teil privat bezahlt werden (Eliteschulen). Ab 18 Jahren besteht für Männer eine zweijährige Wehrpflicht. Man bekommt Zertifikate, die man im Beruf einsetzen kann. Hauptstadt Hanoi. 2019 sind fast zwei Drittel der Bevölkerung jünger als 35 Jahre. Analphabetenrate: Frauen 8%, Männer 4%. Eine Million Menschen verlassen jedes Jahr Schule und Uni, um einen Job zu suchen. Die Geburtenrate sank schon stark ohne Geburtenkontrolle von 1981=4,9 auf 2013=1,7. Volksgruppen sind Viet, Cham, Chinesen, Thai und Khmer. Viele junge Menschen verlassen das Land, um im Ausland, auch in Deutschland, Ausbildung und Job zu finden. Sie werden dabei teilweise von der Regierung unterstützt (auch mit der Verpflichtung zu Gegenleistungen: Spionage bei Regimegegnern, Devisenabführung). Es gibt auch Austauschprogramme zwischen Vietnam und Deutschland, z. B. bei Krankenschwestern und Pflegekräften. In Vietnam leben 54 ethnische Gruppen.

Menschenschmuggel: Vietnamesische Schleuser - Banden betreiben das Geschäftsmodell, Vietnamesinnen und Vietnamesen in die EU (Ungarn, Slowakei, Deutschland) zu schmuggeln. In Deutschland liegt das Zentrum in Berlin. Vor allem Frauen werden geschmuggelt, die dann systematisch ausgebeutet werden. Auch Drogen werden gehandelt. Es gibt auch unklare Situationen: Rund 500 vietnamesische Arbeiter bauen 2021 in Serbien die erste chinesische Reifenfabrik in Europa. Aktivisten sprechen von Sklavenarbeit. Wahrscheinlich setzt China wegen Corona keine eigenen Arbeiter ein.

Gesundheit: Über die Gesundheitssituation in Vietnam kommt sehr wenig an die Öffentlichkeit. In der Anbetracht der großen Touristenströme aus China (vor allem in die Halong - Bucht) und der hohen Zahl an Fremdarbeitern aus China wird das Land auch stark von der Corona-Krise betroffen sein. Informationen darüber werden zuerst nicht öffentlich. Man erfährt so gut wie nichts über die Situation im Land. Am 01.04.20 wird dann die "soziale Gefangenschaft" verkündet, was auf eine stärkere Betroffenheit hindeutet. Ende Februar wurde 17 Infektionsfälle bekannt gegeben, Ende März werden schon 43.000 Fälle öffentlich (200 Tote). Insgesamt ist Vietnam aber nicht so stark betroffen. Das ändert sich im Mai 2021. Da taucht eine neue Variante auf: eine Mischung zwischen indischer und britischer. Die Fallzahlen steigen wieder stark. Der Gesundheitsminister Nguyen Thanh Long äußert sich sehr besorgt. Bis Mitte Mai gab es nur 6396 offizielle Corona-Fälle, 47 Menschen starben.

Wirtschaft: Seit 1986 Sozialistische Marktwirtschaft (sechster Parteitag, Doi Moi). Es wurde damit eine große Wirtschaftsreform durchgeführt. Es gibt nur Volkseigentum, für das Nutzungsrechte verteilt werden. Seitdem jährliches Wirtschaftswachstum von 7 - 8%. BIP 2017 223,9 Mrd.  US-$. BIP pro Kopf 6400 USD. Währung Dong. Das Land hatte 2013 ein Wachstum von 5,3%  (2007 8,3%; 2006 8,2%). 2018 beträgt das Wirtschaftswachstum 6,8%. Seit 2014 steig das BIP um mindestens 6% jährlich (nur Indien mehr Wachstum in Asien). Sogar 2020 wird noch ein Wachstum von 6,0 bis 6,8% erwartet, trotz der Pandemie. Ursache ist der boomende Export in die USA, Japan und die EU. Das Land ist ein großer Gewinner im Welthandelsstreit. Die Arbeitslosenquote liegt 2018 bei 2,2%. Der Ho-Chi-Minh-Stock-Index ist 2007 um 250% gestiegen. 2008 befindet sich der Kurs im freien Fall und halbiert sich (Währungskrise durch Inflation). Eine Wirtschaftskrise erschüttert das Land. Goldimporte werden Mitte 2008 verboten. Ab Januar 2007 ist das Land das 150. Mitglied der WTO. Das BIP pro Kopf betrug 2007 513€, (2013 4001) die Inflationsrate 7,3% (2013 7,4%), die ALQ 5,1%. Die Währung heißt Dong. Wie kaum ein zweites Land investiert Vietnam in die Vorsorge gegen Naturkatastrophen.  Im Herbst 2014 lockern die USA ihr Embargo gegen Vietnam. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg von 130 Dollar 1990 auf 1890 Dollar 2014.  Im August 2015 schließt die EU ein Handelsabkommen mit Vietnam. Zölle und andere Handelsbarrieren sollen abgebaut werden. Das Abkommen soll Ende 2017 in Kraft treten. Es gibt einige Kooperationen mit Japan. Die größte ist der Metro-Bau in Saigon.  In Vietnams Ho-Chi-Minh-Stadt herrschen chaotische Verkehrsverhältnisse. Auch auf den Gehwegen herrscht das Gesetz der Straße. Es gibt in der Stadt alleine 7,5 Mio. Mopeds. 

Die Beschäftigtenstruktur sieht offiziell wie folgt aus: Industrie und Handwerk 21%, Landwirtschaft und Fischerei 48%, Dienstleistungen 31%. Allerdings haben nur wenige Menschen einen festen Arbeitsplatz (15%?, wahrscheinlich aber mehr). Die meisten Menschen sind selbständig in einer Art Schattenwirtschaft. 75% der Menschen leben 2020 noch von der Landwirtschaft.

Probleme: Es gibt auch Menschenhandel aus Vietnam heraus. Er wird von Schleusern (mafiöse Strukturen) organisiert, meist über Osteuropa. Zielländer sind häufig Deutschland und Großbritannien. Am 03.03.20 macht die Bundespolizei eine große Razzia in vielen deutschen Städten. Es wird auch von Landraub in Vietnam berichtet. Dieser soll staatlich organisiert und brutal umgesetzt werden. Aus unserer Sicht fehlen oft die Hintergrundinformationen. Es gibt eigentlich nur Volkseigentum in Vietnam. Also gibt es eine Grauzone bei den Verfügungsrechten.

Unternehmen: Aktienindex ist der FTSE-Vietnam-Index. Die größten Positionen haben der Nahrungsmittelmulti Vietnam Dairy Products, der Mischkonzern Vingroup und der Hausbaukonzern Vinhomes. Der weltgrößte Handyhersteller Samsung fertigt bereits 2020 rund die Hälfte seiner Geräte in Vietnam. Apple verlegte die AirPod-Produktion nach Vietnam. Ein Drittel der Gesamtproduktion der Luxus-Kopfhörer soll dort stattfinden. Ende 2019 wird über die BMW-Filiale in Vietnam das BMW-Netzwerk geknackt und Wirtschaftsspionage betrieben (für einen Auftraggeber in einem anderen Land; BMW forscht an allen Antriebstechnologien). Siemens erhält den Zuschlag für den Bau einer U-Bahn (Dank für deutsche Entwicklungshilfe). Große Zulieferer der Sportartikelfirmen produzieren in Vietnam (z. B. Schuhe für Nike). Es wird zum Top - Investitionsstandort internationaler Einzelhandelskonzerne. Das Land hat 45 Flughäfen.

Aktienmarkt und Börse: VN Index Ho Chi Minh City. Er verliert allein 22 über -20%. Der engere HNX-Index büßte 41% ein.  2022 lässt auch der Markt am Mekong insgesamt Federn (FTSE). Nach dem Beginn des  Ukraine-Kriegs 2022 geht es nach unten.

Politik: Das Land hat 58 Provinzen und 5 Stadtverwaltungen. die Nationalversammlung hat 500 Sitze und wählt den 17-köpfigen Staatsrat. In der Sozialistischen Republik Vietnam ist die Kommunistische Partei als einzige Kraft zugelassen. Sie wählt alle fünf Jahre auf dem Volkskongress Zentralkomitee und Politbüro. Das System entspricht der Struktur nach dem in China. Am 10.11.17 besucht Trump das Land. Er spricht in Da Nang, wo die ersten US-Soldaten im Vietnam-Krieg landeten. Trump nimmt dort am APEC-Gipfel teil. Am 26./27.02.2019 treffen sich Trump und Kim, Staatschef von Nordkorea, (wieder mit dem gepanzerten Sonderzug angereist) in Hanoi. Trump bricht dann relativ schell die Gespräche abrupt ab. Im Mai 2014 kommt es zu gewaltsamen Protesten gegen China. China hat innerhalb der 200-Meilen-Zone illegal eine Bohrinsel errichtet. Vietnam entführt im Juli 2017 einen Geschäftsmann aus Berlin nach Vietnam (Regimegegner, aber reichlich korrupt). Es kriselt zwischen beiden Ländern. Es kommt immer wieder zu diplomatischen Verstimmungen, weil Regimegegner in Deutschland ausspioniert und eingeschüchtert werden (z. B. ehemalige Boatpeople). Reiche Vietnamesen investieren mittlerweile stark in Deutschland (Dienstleistungen, Gastronomie, Immobilien), um sich für den Notfall abzusichern. Soziale Medien wie Facebook und Instagram werden seit 2015 immer wieder blockiert.  Human Rights mahnt immer wieder an, dass Umweltaktivisten systematisch eingeschüchtert werden. Es gibt im Land einen Zielkonflikt zwischen Umwelt und Arbeit (insbesondere im Tourismus).

Alte Kaiserstadt Hue, Zitadelle. Hue war seit 1009 Kaiserstadt. Die Zitadelle wurde 1802 unter Kaiser Gia Long gebaut. Sie wurde nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking angelegt. Die Hauptstadt wurde 968 ursprünglich in Hoa Lu in der Trockenen Ha Long-Bucht gegründet (Reste sind noch heute zu sehen). So sollte eine optimale Verteidigung gegen China möglich sein. Teile des Kaiserplastes in Hue wurden von den USA im Vietnam-Krieg bewusst zerstört. Heute ist es Weltkulturerbe der UNESCO (seit 1999).

Geschichte: 7. - 3. Jh. v. Chr. Bronzezeit und das Reich Van Lang der legendären Hung -Könige. 3 Jh. v. Chr. Es entsteht der erste historisch nachweisbare Staatenverbund Au Lac. Hauptstadt ist Co Loa.  111 v. Chr. Beginn der tausendjährigen Herrschaft Chinas. 931/938 Sieg über China, Unabhängigkeit. Durch General Ngo Quyen mit der Entscheidungsschlacht auf dem Bach-Dang-Fluss. Als er 944 stirbt, brechen Streitigkeiten zwischen Generälen und Fürsten aus. Dinh Bo Linh ruft sich 968 zum König aus und gründet das Reich "Dai Co Viet" und verlegt die Hauptstadt nach Hoa Lu. 1009 gründet Ly Thai To die erste stabile Dynastie und verlegt die Hauptstadt nach Thang Long (Hanoi). 1009 -1225 Ly - Dynastie führt Beamtenwesen ein. 10. Jh. Konfuzianismus wird Staatsphilosophie. Es ist der Beginn des ersten vietnamesischen Reiches "Dai Viet" (seit 1804 Viet Nam genannt). Es ist das einzige in Südostasien, das nie indischem Kultureinfluss unterliegt, immer auf China ausgerichtet bleibt. Im 16. Jh. teilen  Trinh und Nguyen das Land unter sich auf. 1862/1863 Beginn der französischen Kolonialherrschaft. 1939 - 1945 Japan besetzt Vietnam. 1946 - 1954 Erster Indochinakrieg. 1954 Auf der Indochinakonferenz in Genf Teilung des Landes. 1964 - 1975 Zweiter Indochinakrieg. 1975 Einmarsch der Nordvietnamesen in Saigon und Machtübernahme im ganzen Land. 1976 Gründung der Sozialistischen Republik Vietnam. 1979 Straffeldzug Chinas, schwere Wirtschaftskrise. 2007 Vietnam wird Mitglied der WTO.

Unterirdische Stadt mit 200 km Länge bei Saigon (heute Ho Chi Minh-Stadt). Der Vietkong hatte ein Riesenlabyrinth gebaut. Bevölkert wurde es von Bauern, die tagsüber Agrarpflanzen anbauten und nachts die US-Armee bekämpften (auch viele Frauen). Das System bestand aus Bunkern, Gängen, Küchen, Waffenkammern, Fallen, Fabriken, Handwerksbetrieben, Krankenhäusern, Schulen  und vielem mehr. Es war Teil der Ho Chi Minh-Pfades (siehe unten), der von Süden nach Norden ging. Im Foto sind die Höhlen bei Cu Chi (hier gibt es auch ein Museum) abgebildet. Plötzlich wird verständlich, wie der David Vietnam den riesigen Goliath USA besiegen konnte.

Vietnamkrieg ("Die Grüne Hölle"): Es gab schon länger Vorbereitungen in den USA. Man befürchtete nach der Dominotheorie kommunistische Umstürze in der Region. Auslöser des Krieges war ein Vorfall im Golf von Tonkin (US-Zerstörer "Maddox" wurde angegriffen). Mit modernsten Waffen wollte man die kommunistischen Soldaten aus dem Süden vertreiben und den Norden besiegen. Doch der Vietkong kämpfte mit Guerillataktik (z. B. "Tigerfallen"). Legendär war der Tunnel von Cu Chi (siehe oben). Die Vietkong legten den Ho-Chi-Minh-Pfad an, ein 16.000 km langes verzweigtes Wegenetz von Nord nach Süd. Die Tet - Offensive war zwar eine militärische Niederlage für den Norden, aber durch die Bilder im Fernsehen des Westens doch ein Sieg. Die Berichterstattung stärkte die Antikriegsbewegung im Westen. Trotzdem zog sich das Ende des Krieges lange hin mit einer Niederlage der USA. Der Krieg hatte große Bedeutung für die Welt (wirtschaftlich: neues Währungssystem, kulturell: Asien war im Mittelpunkt, politisch: die USA erlitten einen großen Dämpfer und die erste Niederlage; China erzielte einen ersten Erfolg im globalen Machtkampf mit den USA ). Das deutsche Sanitätsschiff Helgoland vom Roten Kreuz lag im Vietnamkrieg vor Saigon und half vielen Menschen. Im Vietnamkrieg wurde auch Hanoi von den USA bombardiert. Berühmt sind die Berichte von der Sängerin Joan Baez, die tagelang in einem Luftschutzkeller verbringt. Sie singt dort auch ihre Hymne "We shall overcome".

Die Boat People aus Vietnam: Menschen aus dem Süden flohen am Ende des Krieges aus dem Land. Es begann 1978 mit dem Schiff Hai Hong, auf dem sich etwa 2000 Flüchtlinge drängten (1000 wurden nach Niedersachsen aufgenommen). Das deutsche Schiff Cap Anamur nahm ab 1979 Flüchtlinge auf, die auch nach Deutschland gebracht wurden. Insgesamt wurden ca. 15.000 Vietnamesen eingebürgert. Die DDR holte ab 1980 Vietnamesen ins Land als "Vertragsarbeiter". Es gab eine zeitliche Begrenzung (ca. 70.000). Nach der Vereinigung waren 1993 noch ca. 17.000 registriert..

Religion und Kultur: Alle Weltreligionen haben in dem Land Spuren hinterlassen, was auch mit der Lage zwischen Süd- und Ostasien zusammenhängt. In Vietnam herrscht eine große Vielfalt an religiösen Strömungen. Das hat zu einer relativ großen religiösen Toleranz geführt.  Da ist der Daoismus, eine Naturphilosophie von Laotse in China, bei dem die Ahnenverehrung eine große Rolle spielt. Auch der Konfuzianismus, in dem jeder an seinem Platz gesehen wird, kommt aus China und wird noch heute als Tugendlehre beachtet. Er ist mehr Gesellschafts- und Staatslehre als Religion. Am stärksten ist der Buddhismus verbreitet, wie in den Nachbarstaaten Laos und Kambodscha. Stärker als in diesen beiden Ländern kommt das Christentum vor, was mit den europäischen Kolonialländern (Frankreich, Portugal) zusammenhängt. In erster Linie ist es der Katholizismus, der seit dem Sieg der Kommunisten bestimmten Beschränkungen unterliegt. Das hängt damit zusammen, dass während der französischen Kolonialzeit, reiche Katholiken die Machtelite in Süd - Vietnam bildeten.  Etwa ein Prozent der Bevölkerung sind Muslime und es gibt zusätzlich noch einige Sekten (Cao Dai, Hoa-Hao). Der Caodaoismus nimmt Elemente aus allen Religionen, insofern ist er mehr Kompromiss und Pragmatismus  (was der Toleranz zwischen den Religionen entspricht) als Sekte. Nach Vietnam gelangte der Buddhismus etwa im 2. Jahrhundert n. Chr. über China. Buddhisten sind heute die größte religiöse Gruppe im Land. Hier gilt der Mahayana - Buddhismus (chinesisch-japanische Prägung).

Exkurs: Thich Nhat Hanh. Er war im 20. Jahrhundert einer der wichtigsten und berühmtesten Vertreter des Buddhismus in der Welt. Er wurde Zen-Meister genannt und stand für die Ausbreitung des Achtsamkeits-Konzeptes in der Welt. 1968 war er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Im Januar 2022 stirbt er mit 95 Jahren im Tu Hien - Tempel in der alten Kaiserstadt Hue/ Vietnam, wo er friedlich einschläft. Im Vietnam-Krieg 1966 hatte er fliehen müssen. Er baute dann Klöster im Westen auf. Europa-Zentrale war und ist EIAB in Waldbröl bei Köln/ Bergisches Land. Dorthin kamen und kommen Besucher aus 35 europäischen Ländern. 30 seiner 100 Werke sind auf Deutsch erschienen. Er betrieb auch das Meditationszentrum "Plum Village" auf Twitter. Nach dem Dalai Lama war er wohl der bekannteste Buddhist der Welt.  "Die Welt muss nicht sterben, um zu Wasser zu werden, sie ist bereits Wasser", war sein berühmtester Spruch.

Als größtes kulturelles Denkmal gilt die alte Kaiserstadt Hue (Weltkulturerbe der UNESCO). Der Palast befindet sich in einem abgeschlossenen Bereich innerhalb der Zitadelle Hues. Bei der Musik gibt es höfische und religiöse Musik, aber auch Unterhaltungsmusik. Es gibt auch besondere Instrumente (Sapekenklapper, Monochord). Beim Kunsthandwerk gibt es starke Einflüsse aus China (Lackarbeiten, Seidenmalerei, Keramik und Porzellan). Bei den Bergvölkern des Nordens gibt es starke Einflüsse der jeweiligen Herkunftsländer (Thailand, Laos). Vietnam hat als einziges asiatisches Land das lateinische Alphabet. Die Missionare lehrten die lateinische Schrift, weil die Menschen als Analphabeten die Symbolschriftzeichen nicht beherrschten. Die Kinder gehen drei Jahre in den Kindergarten. Ab 6 Jahre ist die Grundschule Pflicht. Bildung wird in konfuzianischer Tradition groß geschrieben.

Umwelt und Energie: Vietnam wird mit einer Tragestange verglichen, an der zwei Körbe hängen: Der schmale Küstenstreifen entspricht der gebogenen Stange. Dei beiden Ebenen - das knapp 15.000 Quadratkilometer große Rote - Fluss-Delta und das 40.000 Quadratkilometer große Mekong-Delta stellen die Körbe dar. Höchste Erhebung ist der 3143 m hohe Fan Si Pan. Noch im frühen 20.Jh. war Vietnam zu mehr als zwei Drittel von Wald bedeckt. Brandrodung, Abholzung und die großen Entlaubungsaktionen während des Vietnamkrieges haben den Wald auf weniger als ein Fünftel der Gesamtfläche reduziert. Bei einem schweren Tropensturm im Süden des Landes im November 2017 kommen fast 30 Menschen ums Leben. Im Mekong-Delta zeigen sich schon Vorboten des Klimawandels (weniger Regen). Durch den Bau von Staudämmen und weitere Umleitungen durch China in Tibet, wo der Mekong entspringt,  hat der Fluss bedeutend weniger Wasser, was große Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat (Zentrum des Reisanbaus, vier Ernten pro Jahr möglich). Der Wolkenpass ist die Wetterscheide in Vietnam. Unterhalb herrscht tropisches Klima, oberhalb subtropisches. Im Juli 2014 zieht China seine umstrittene Bohrplattform vor Vietnam ab. Vietnam hat 33 Nationalparks. Der älteste ist Cuc Puong. In den Nationalparks leben besonders viele Primaten, darunter aussterbende Arten. Berühmt ist auch der Kon Ka Vinh - Nationalpark. Es liegt an der Grenze zu Laos. Es ist ein Regenwaldgebiet (mit seltenen Pflanzenarten, Orchideen). Vietnam wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht, zuletzt im Oktober 2020 mit vielen Toten.

Das Land hat zwei Wasserkraftwerke, Kohlekraftwerke (als Rohstoff im Land), Solarenenergie. Der Bau eines Atomkraftwerks, der 2008 mit russischer Hilfe begonnen wurde, ist gestoppt. Wasser wird als "blaues Gold bezeichnet". Es gibt Wasserförderanlagen mit Turbinen (Wasserkraftpumpen) bei Dongvan ganz im Norden. Das ist ein Karstgebiet. Auch im Norden an der Grenze zu China gibt es viel Kalkstein. Ein Drei-Länder-Projekt von Deutschland, Belgien und Vietnam sucht nach Wasser.

Vietnam ist hinter der VR China der zweitgrößte Schuhexporteur (12 Mrd. US-$). Beliebt ist das Lands im höheren Preissegment (Sportschuhe). Die Konkurrenz durch andere Niedriglohnländer wie Indonesien und Indien steigt. Der Lohndruck ist hoch. Die personalisierte und computergesteuerte Einzelfabrikation von Schuhen wieder in den Heimatländern könnte die Arbeitsplätze gefährden. Noch gibt es ein hohes Ausmaß an Billiglohnproduktion insgesamt. Auch weitere in ausländischen Direktinvestitionen hergestellte Produkte sind nur für den Export bestimmt  (Elektronikartikel: Samsung, Canon, Siemens Autos: Hyundai, Honda). Ausnahme sind Motorräder und Mopeds (Yamaha, Honda).  Eine zunehmend wichtige Einnahmequelle ist der Tourismus. Gerade die Küsten sind im Kommen. Ein Geheimtipp ist die Lan-Ha-Bucht im Norden Vietnams. Bootsfahrten durch die Bucht starten auf der Insel Cat Ba. Diese hat auch einen Nationalpark.

Kaffeeexporte. Der Klimawandel setzt den Kaffeebauern in Vietnam zu. Er verändert sowohl die Qualität als auch die Menge. Auf die Regenzeit ist kein Verlass mehr. Allerdings ist die dort gepflanzte Robusta - Sorte widerstandsfähiger als die Arabica -Sträucher.  17% der nach Deutschland importierten Bohnen kamen 2022 aus Vietnam. Quelle: Statistisches Bundesamt/ Wiesbaden. Der Kaffeeanbau in Vietnam war in dem ausmaß nicht traditionell. Er wurde erst später von der Regierung strategisch geplant.

Außenhandel insgesamt: wichtigste Exportgüter sind Rohöl, Textilien, Schuhe, Elektroteile und Meeresfrüchte, neuerdings auch Kaffee (hier zweitgrößter Exporteur nach Brasilien). Hinzu kommen Gold, Platinum und Edelsteine. Trotzdem hat das Land ein deutliches Außenhandelsdefizit (Bedarf an Konsumgütern). Wichtigste Handelspartner (Import) sind China, Taiwan, Singapur. Vietnam schließt fleißig Freihandelsabkommen ab. Am meisten hat das Land profitiert von einem Freihandelsabkommen mit den USA zu Obamas Zeiten. Das Land zieht auch großen Nutzen von den Handelstreitigkeiten der USA mit China und der EU. Immer mehr Firmen verlagern ihre Produktion aus China nach Vietnam, um Strafzölle zu vermeiden (Schaeffler: neues Werk in Bien Hoa; Apple; Sharp).  Bei Investitionen legt man großen Wert auf die Verbindung zu Forschung und auf Nachhaltigkeit. Vietnamesen sind gut ausgebildet, verdienen aber weniger als Chinesen. Die deutschen Exporte und Importe in das Land steigen stark an: 2018: Exporte in Höhe von 4,1 Milliarden Euro. Importe in Höhe von 9,8 Milliarden Euro. "Wir wünschen uns Projekte in Verbindung mit Forschung, bessere, nachhaltige Investitionen", Nguyen Chi Dung, vietnamesischer Minister für Planung und Investitionen 2019.

Deutschland und Vietnam: Weil die Abhängigkeit Deutschlands von China als zu hoch angesehen wird, wird Vietnam zu einer wichtigen Alternative in Asien. Am 13.11.22 besucht Bundeskanzler Scholz vor dem G20-Gipfel in Bali das Land. Er fordert eine klare Positionierung im Ukraine-Krieg. Vietnam steht eher auf der Seite Russlands. Er unterstützt das Land bei seinen Ansprüchen auf Meeresgebiete (Streit mit China).

Deutsch-Vietnamesische Handelskammer: In Ho-Chi-Minh-Stadt. Chef 2022 ist Marco Walde.

Handelsabkommen mit der EU und den USA, auch in Asien : Im Juni 2019 schließen die EU und Vietnam ein Freihandelsabkommen (EVFTA). 99 Prozent aller Zölle sollen abgebaut werden. Etwa zwei Drittel aller Waren werden von Zöllen befreit. Kinderarbeit wird verboten. Geistiges Eigentum wird geschützt. 2020 soll der Handelspakt RCEP fertig sein, der neben Vietnam auch China einschließt. Vietnam ist auch der transpazifischen Freihandelszone beigetreten (mit USA), was zur Abschaffung von bis zu 95% der bisherigen Zollbeschränkungen führen könnte. Ab 2020 ist Vietnam auch Mitglied der neuen Wirtschaftsintegration in Asien, der RCEP. Ihr gehören 15 Länder an.

Vietnam als neues China: Deutsche unternehmen suchen in Asien zunehmend nach Alternativen zu China. Viele werden in Vietnam fündig. Mittelständler wenden sich von China ab: Engpässe in den Lieferketten, Null-Covid-Politik, Lebensbedingungen von Expats. einige Unternehmen denken über Verlagerungen statt. Vietnam bietet Zollvorteile dank des Transpazifischen Handelsabkommens mit den USA. Beispiele sind Brose, Kurz, Magnetec.

Konflikt und Kooperation mit China: Beide beanspruchen die Paracel-Inseln, die östlich von Vietnam und südlich von Hainan liegen. China kontrolliert die Inseln. Sie werden auch von Taiwan beansprucht. Die VR China spricht von einer "Neun-Strich-Linie", innerhalb derer das Land die Hoheit für sich sieht, um das Südchinesische Meer zu kontrollieren. Dazu gehören auch die Spratly-Inseln, die entweder von Vietnam oder China besetzt sind. Das Mischief Reef liegt aber auf in philippinischen Territorialgewässern. Immer mehr Unternehmen werden aus China nach Vietnam verlagert, weil die Produktionskosten günstiger sind (vor allem Lohnkosten). Das ist aber auch mit Ausbeutung von Menschen verbunden. China nutzt seinen großen Einfluss in Vietnam, um die Handelsbeschränkungen der USA (Zölle) zu unterlaufen.2021 nähert sich China wieder mehr. Man braucht jeden Verbündeten in der Strategie gegen die USA in Asien.  "Was mich angeht, ziehe ich es vor, fünf Jahre französischen Mist zu riechen, als den Rest meines Lebens chinesisch zu essen", Ho Chi Min, nordvietnamesischer Revolutionsführer im Vietnam-Krieg (das Misstrauen gegenüber China hat also Tradition).

"Mit jedem Tag des Lebens kommt ein Stück Weisheit hinzu", aus Vietnam.

 

Singapur:

Geschichte und Bevölkerung: Die Stadt begann als Fischerdorf. Später war sie Kronkolonie der Briten und wichtiger Handelsplatz. Der Name kommt aus dem Sanskrit und bedeutet "Löwenstadt". Der Stadtstaat ist der flächenmäßig kleinste Staat in Asien. 1819 gründen die Briten Singapur als rasch aufstrebende und bald wichtigste ihrer Straits Settlements. Einwohner 5,6 Mio. 2015 feiert das Land 50 Jahre Unabhängigkeit. Im Süden von Singapur auf der Insel Sentosa (Ruhe, Frieden) im Luxushotel "Capella" kommt das Treffen zwischen Trump und Kim tatsächlich zustande. Es gibt auch eine Vereinbarung. Berühmt ist die Verordnung gegen "Kaugummi-Vandalismus", die 2010 erneuert wird. Seit 1938 gibt es ein Gesetz, das homosexuelle Handlungen verbietet (2 Jahre Gefängnis). Das Gesetz wird immer noch angewandt und zeigt, wie konservativ das Land ist.   Einmalig ist Singapurs Sprachenmix Singlish. Es ist ein Mischmasch aus Englisch, Malay, Mandarin und Tamil. Es ist nicht mehr verpönt, sondern gehört zum Nationalstolz. Singapur ist von der Staatsform eine Diktatur. Berühmt sind die Gardens by the Bay, ein 1822 gegründeter Park am Hafen. Hermann Hesse war von diesem Park fasziniert, Er wohnte auch im Raffles, dem berühmten Hotel. Vgl. Hermann Hesse "Aus Indien", Fischer-Verlag 1913.  

Politik: Die Regierungspartei PAP regiert schon lange seit 1965. 2020 erreicht die neu gegründete PSP einen Achtungserfolg. Das Land ist eine Parlamentarische Republik offiziell. Faktisch ist es eher eine Diktatur. Die Meinungen unter Fachleuten gehen auseinander, wohin Singapur faktisch driftet. Man äußert Sympathie mit Putin und verhält sich neutral (Verständnis für Russland). Als neuen Regierungschef hat man Lawrence Wong im Auge.

Wirtschaft: Singapur gilt als Symbol des Aufstiegs Asiens im Rahmen der Globalisierung. BIP 2020 339,98 Mrd. US$ (-5,4% durch die Pandemie). BIP 2017 323,9 Mrd. US-$. Singapur ist eine wichtige Basis für westliche Unternehmen für die Betreuung für Direktinvestitionen. Umstritten ist die Beurteilung der Regierungsform: Diktatur. Singapur erhöht 2007 die Einkommen seiner Minister um 60% als Schutz vor Korruption. Die Wachstumsrate beträgt hier 7,9% (2006), 2010 14% nach einem Einbruch 2009 wegen der Krise (-2,1%). Hier leben 4,99 Mio. Einwohner. Wichtigste Branchen sind Finanzen und Versicherungen, Verarbeitendes Gewerbe und Handel. Ein Staatsfonds aus Singapur stützt Ende 2007 die UBS (9,8 Mrd. $) und Merrill Lynch (Temasek 4,4 Mrd. $). Erstmals seit 4 Jahren ist die stark exportabhängige Wirtschaft im letzten Quartal 2007 um über 3% geschrumpft. 2013 bestraft die Notenbank 20 Banken wegen Zinsmanipulation.  Level33 ist die höchstgelegene Mikrobrauerei der Welt. Von der Terrasse hat man einen gigantischen Ausblick über die Stadt.

Die Inflationsrate in Singapur trotzt ab 202 dem weltweiten Trend. sie liegt bei nur 2,3%. Für 2022 werden 3,5% erwartet.

Hafen von Singapur: Der Hafen von Singapur ist der zweitgrößte Container-Hafen der Welt. Er liegt hinter Shanghai/ China und vor Ningbo/ China.

Singapur als Stützpunkt westlicher Firmen: Viele Unternehmen bearbeiten Asien von Singapur aus. Der Staat ist zwar eine Diktatur, hat aber eine sehr erfolgreiche Wirtschaft. Auch die deutsche Firma Wirecard war dort. Ebenso Continental. Ab 2017 soll Siemens Singapur zur digitalen Modellstadt machen. 2020 soll kräftig investiert werden in LED -beleuchtete Gemüsefabriken und Fischfarmen in den seichten Gewässern vor der Nordküste. Siemens liefert  Sensoren und künstliche Intelligenz. Der Stadtstaat steht in Rankings zur Wettbewerbsfähigkeit immer ganz oben. Er gehört zu den reichsten Ländern der Welt und hat mit die höchsten Lebenshaltungskosten. Mit mehr als elf Millionen Touristen gehört Singapur zu den zehn meistbesuchten Städten des Globus. Star Alliance (Luftverkehrsbündnis) errichtet ab 2021 ein neues Zentrum in Singapur.

Singapur und Deutschland: Im November 2022 findet der Asien - Pazifik - Gipfel der deutschen Wirtschaft in Singapur statt. Bundeskanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck kommen. Man will Singapur als Alternative zu China ausbauen (Abhängigkeit von China verringern).

Singapur als Hort der Reichen: In Scharen zieht es die Superreichen nach Singapur. Es locken niedrigere Zinsen und weniger Turbulenzen als in Hongkong. Singapur profitiert also von der Situation in Hongkong. Viele Vermögensverwalter lassen sich mittlerweile in Singapur nieder. Viele Familiy - Offices werden gegründet. Singapur konkurriert mit New York, London und Hongkong um die Rangfolge der Finanzmetropolen in der Welt.

Singapur als Zufluchtsparadies für Chinas Oberschicht: Chinas Oberschicht hat Angst vor der wachsenden Kontrolle durch Xi Jinping. Viele Reiche setzen sich deshalb nach Singapur ab (zumindest Zweitwohnsitz). Sie versuchen dort ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen. Vor allem die Zahl der Family Offices ist rapide angewachsen (700 ende 2021). An singapur schätzt man das politische Klima und die Stabilität.  Vgl. Petring, Jörn: Im Paradies der Luxusflüchtlinge, in: WiWo 48/ 25.11.22, S. 34f.

Economic Development Board: Wirtschaftsförderungsbehörde Singapurs. Weltweit bekannt. Sie hat den Stadtstaat nach oben gebracht. Vor einem halben Jahrhundert war der Handelsposten von unterbezahlten Industriearbeitsplätzen bestimmt. Davor entluden chinesische Kulis die Sampans aus Sumatra.

Singapur als Konferenz-Standort: Im Juni 2022 findet die Shangri-La-Sicherheitskonferenz  in Singapur statt. Chinas Verteidigungsminister Wei Fenghe droht Taiwan: Im Taiwan-Konflikt würde notfalls militärische Gewalt eingesetzt.

Gesundheit und Bildung: Singapur hat ein hervorragendes Gesundheitssystem. Das bewährt sich im März 2020 in der Corona-Krise. Notfallpläne waren in der Schublade, weil man in der Vergangenheit schon von Corona (Sars, Mers) betroffen war. So gab es eine gute Vorbereitung. Hinzu kam eine Totalüberwachung der Handys. Tracking deckte bei jedem Infizierten die Kontaktpersonen der letzten zwei Wochen auf. Großflächige Tests wurden zusätzlich durchgeführt. Trotzdem gab es eine fatale Fehleinschätzung: In wenigen Tagen steigen die Infektionsraten wieder dramatisch an (Verzwanzigfachung in einer Woche). Man hatte die Gastarbeiter vergessen. Sie sind Wanderarbeiter aus Bangladesch, Indonesien und Indien, die überwiegend am Bau arbeiten. Sie werden in engen Quartieren eingepfercht. 25 Unterkünfte müssen unter Quarantäne gestellt werden. Viele Bauarbeiter müssen umquartiert werden.

Das Bildungssystem ist stark von der historischen Tradition geprägt. Es gibt eine Reihe europäischer Schulen. Überwiegend  sie britisch beeinflusst. Auch eine europäische, deutsche Schule ist vorhanden.

Modell für den Fortschritt (Smart City, Future City, Green City; Smart Nation): Das Innovationsmanagement gilt als das Beste in der Welt. Ab 2017 soll Siemens Singapur zur digitalen Modellstadt machen.  Vgl. Schnaas, Dieter: Tropenübungsplatz, in: Wirtschaftswoche 1/2 2020, 3.1.20, S. 26ff. Bei den Nutzern dieser Plattform liegt Singapur in Asien an der Spitze. Mit der Corona-Krise 2020 wird das Land sehr gut fertig. Der Flugdienst Volocopter will bis 2024 Flug-Taxi-Dienst in Singapur einrichten. Das Unternehmen ist im Bruchsal/ BW. Singapur vernetzt sich wie kein anderes Land der Erde. Schon 2021 geht fast alles mit dem Handy. Die Politiker gelten als visionär - die Bürger als folgsam.

Als Musterprojekt gilt der Pungol Digital District, ein Stadtteil im Nordosten Singapurs: 50 Hektar, 28.000 Arbeitsplätze, 12.000 Studenten. Immer mehr chinesische Baukonzerne ziehen am Rande Hochhäuser hoch. Es entsteht ein Ökosystem für Wissenschaft und Industrie. Damit verbunden ist eine "Open Digital Platform". Es wird eine Dateninfrastruktur aufgebaut. Am Ende soll der Stadtteil über eine einzige Plattform über Echtzeit-Daten gesteuert werden. Der SingPass soll fast alles ermöglichen. Vgl. Hein, Christoph: Smart Nation Singapur, in: FAZ Nr. 119, 26.5.21, S. B4.

Es wird auch ein neuer Stadtteil gebaut: Tengah. Er soll für die Gegensätze Urbanität und Dschungel stehen. Wichtige Bestandteile sind ein zentrales Kühlungssystem, eine automatisierte Müllentsorgung. In der Siedlung mitten im Urwald sollen die Menschen im Einklang mit der Natur leben. Eine App informiert laufend übe rden Energieverbrauch. 

Singapur gilt auch als Vorreiter in digitaler Regierung.

Internationale Konzerne nutzen Singapur als Experimentierfläche. Zukunftstechnologien bekommen die Bewohner oft als Erste zu Gesicht. Auch deutsche Konzerne forschen dort. 2022 lauf Tests mit Robotern, die Essen bringen.

 

Taiwan (Republik China, Nationalchina, Formosa: "die Schöne"; Zhonghua, Insel der Erdbeersoldaten):

Bevölkerung und Fläche: Taiwan hat 23,8 Mio. Einwohner. 78,6 % der Bevölkerung leben in Städten. Das Land umfasst 36.197 Quadratkilometer (Rang 134). Einwohner pro Quadratkilometer: 658 (Rang 9). Größte Stadt ist die Hauptstadt Taipeh (eine der modernsten Metropolen in Fernost, kulinarisches Mekka). Es gibt 124 Mobilfunkverträge pro 100 Einwohner. Nur 130 km trennen Taiwan an der schmalsten Stelle vom chinesischen Festland. 404.000 Taiwanesen arbeiten auf dem chinesischen Festland. 2,71Mio. Chinesen vom Festland besuchten 2019 Taiwan.

Vergleichsgrößen: Die Insel ist in Fläche so groß wie Baden-Württemberg, in der Wirtschaftsleistung etwas größer als Bayern und in der Bevölkerung so groß wie Baden Württemberg und Bayern zusammen.

Wichtige Städte außer Taipeh: Neu-Taipeh, Taichung, Kaohsiung, Taoyuan, Tainan, Taitung, Yilan, Hengchun, Pintung, Zhongli.

Verwaltungsgliederung: 13 Bezirke und neun Städte.

Kultur: Das Nationale Palast-Museum in Taipeh ist einmalig: Es stellt die weltweit größte Kollektion chinesischer Kunst aus (Kunstschatz des Kaisers von Jahrtausenden). Götter- und Geisterglaube spielen in Taiwan noch eine Rolle. Als einziges Land in Asien hat es die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt. Am 22.4.22 meldet der Fernsehkanal CTS eine chinesische Invasion.  Der Sender entschuldigt sich später für die Falschnachricht. Zwei-Top-Managerinnen verlieren ihren Job.

Taipeh will ab 2021 mit Sprachzentren ein positives Taiwan-Bild im Ausland vermitteln. 18 solcher Sprachzentren sollen eröffnet werden. 15 sind in den USA, die übrigen drei in Hamburg, Paris und London. Die Initiative wird von der US-Regierung unterstützt. Wahrzeichen der Stadt ist die Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle. Das Monument steht im Zentrum der Stadt und ist von einem Park umgeben.

Freiheiten: Wenige Staaten in Asien sind heute progressiver. Frauen sind besser gestellt als in den Nachbarländern. Ihr anteil im Parlament ist höher. Homosexuelle Paare dürfen seit 2019 heiraten. Wahrscheinlich würde es nach einer Wiedervereinigung zur "Umerziehung" kommen. Vgl. Peters, Katharina Graca: Stoisch im Sturm, in: Der Spiegel Nr. 48/ 26.11.22, S. 90ff.

Amtssprache: Chinesisch (Putonghua).

Geschichte Taiwans: Um 4000 v. Chr. lebten Menschen im Delta des Jangtsekiangs rund um den heutigen Großraum Shanghai. Diese besiedelten auch Taiwan. Sie lebten in enger Verbundenheit mit dem Wasser. Sie trieben Handel mit den Chinesen des Binnenlandes. Später spricht man von der Lianghzhu-Kultur, die sich auch ab 3400 v. Chr. im Jangtse-Delta findet: Die Menschen betrieben Nassreisanbau, intensive Fischerei und Fischzucht, schützten ihre Städte durch Mauern. Um 2200 v. Chr. findet die Lianghzu-Kultur ein abruptes Ende (weltweite Klima - Veränderung sorgt für steigende Meeresspiegel). Seit 1895 war Taiwan japanische Kolonie. Die Republik China wurde 1912 gegründet, nachdem in Peking das Kaiserreich gestürzt war. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs entbrannte ein Bürgerkrieg  in China. Er war zwischen den von den USA unterstützten Militärherrschers Chiang Kai-shek und den Kommunisten von Mao Zedong, der am 1. Oktober 1949 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik ausrief. 1949 kamen die Reste der nationalchinesischen Truppen von Chiang Kai-shek auf die Insel. Chiang-Kai-shek (1887-1975) war im chinesischen Bürgerkrieg (1927-1949) Gegenspieler Maos. Die Siegermächte hatten 1945 die Insel an den General übergeben (er kam mit 2 Mio. Anhängern). Bis 1987 war Taiwan noch Militärdiktatur, Chiang-Kai-shek war militärischer Oberbefehlshaber  und beanspruchte bis zu seinem Tod ganz China. Erst da wurde das Kriegsrecht ausgehoben. Die "Republik Chinas" sah sich als die legitime Herrschaft Chinas. Im Kalten Krieg vertraten sowohl die VR China als auch Taiwan die Auffassung, es gebe nur ein China. Zunächst war Taiwan im Vorteil: Bis 1971 vertrat es China als ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die VR war diplomatisch völlig isoliert. Erstmals wurde 1996 der Präsident direkt gewählt. 1972 anerkannten die USA die Ein-China-Politik (Shanghai - Kommunique`, Nixon). Das kam mit der historischen Reise von Nixon nach China. Die Sowjetunion hatte immer die VR China unterstützt. Die USA erkannten 1979 die VR China an; 1987 wurde in Taipeh das Kriegsrecht aufgehoben (auf den Kimmen-Inseln fünf Jahre später).  Inzwischen wollen viele Taiwanesen keine Wiedervereinigung mehr. Bei Hongkong haben sie gesehen, dass der "Ein Land - Zwei-Systeme-Gedanke" nicht funktioniert. Die VR China hat ein großes Interesse an der Wiedervereinigung: militärisch, wirtschaftlich, politisch.  Heute rudern die USA wieder zurück und versuchen mit anderen Staaten (Japan, Indien, Südkorea, Australien, Neuseeland, Kanada) eine Allianz gegen China aufzubauen. Nach dem Taiwan Relations Act würden die USA der Insel im Ernstfall helfen, sich selbst zu verteidigen. Was das konkret heißt. ist unklar.

Gesundheit: Taiwan hat wie Südkorea und Singapur viel Erfahrungen mit Seuchen, die aus China kommen. Man bekämpfte viele Fälle von Sars und Mers. Deshalb hat das Land eine gutes Vorsorgesystem. Es besteht aus den Elementen kontrollieren, isolieren, testen und Big Data nutzen. Taiwan hat nicht so viele Covid-19 Fälle trotz Neujahrsfest und Reisen. Nach der Erfahrung mit Sars richtete Taiwan 2003 ein Nationales Stabszentrum ein: National Health Command Center (NHCC), das alle Maßnahmen anordnet, überwacht und koordiniert. Schon bei dem ersten Verdacht wurde eine gigantische Eindämmungsmaschinerie in Gang gesetzt. Daten sind vernetzt. Passagierscheine werden per SMS vergeben. Es gibt eine nationale Hotline. Schon am 23.01.20 verbot man Einreisen aus Wuhan. Taiwan hat eine Digitalministerin (Audrey Tang 2021, seit 2016, "digitaler Zaun"). Sie kann mit digitalen Instrumenten einen Lockdown verhindern. Außerdem gibt es immer Quarantäne nach der Einreise. Die Anti - Corona - Politik war ganz eigen. 2021 erreicht man weitgehend Normalität.  Doch im Mai 21 entwickelt sich Taiwan wieder zum Sorgenkind. Die Infektionszahlen explodieren plötzlich. Es gibt Panik und Hamsterkäufe. Als Ursache hat man Hotels am Flughafen von Taipeh im Verdacht. Der Börseindex verliert seit Anfang Mai um 12,5% (siehe unten). Vgl. O. V.: Taiwans Weg vom Musterschüler zum Sorgenkind, in: FAZ 18.5.21, S. 2. Die Regierung reagiert mit starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Es fehlen Impfungen (man hat wesentlich weniger Impfdosen von Astra und Moderna bekommen als bestellt).

Wirtschaft: Der taiwanesische Aktienindex ist der dynamischste in Asien. Taiwan: 23,4 Mio. Einwohner (2013); BIP 2017 572,8 Mrd. US-$; BIP pro Kopf 39.000 $ (wie Deutschland); Wachstum des BIP 2020 3,1% trotz Corona (erste quartal 2021 +8,2%). ALQ 4,1%; Export nach Deutschland 6,5 Mrd. €; Import 5,8 Mrd. €. Taiwan hatte 2006 ein Wirtschaftswachstum von 4,4% (ALQ: 4,6%). Acer kauft den US-Konkurrenten Gateway. Taiwan hat bis 2008 ca. 64 Mrd. $ auf dem chinesischen Festland investiert (offiziell Platz vier, inoffiziell wahrscheinlich 250 Mrd. $ mit Briefkastenfirmen). 2009 will China Taiwan bei Investitionen auf dem Festland 19 Mrd. $ zur Verfügung stellen und erwartet im Gegenzug Handelserleichterungen. Das bilaterale Handelsvolumen liegt bei 102 Mrd. $. Taiwan hat Direktinvestitionen in China in Höhe von 8497,7 Mio. US-$. Der Wahlsieg des China freundlichen Kandidaten 2008 lässt die Aktienkurse nach oben schießen. Die Weltwirtschaftskrise trifft das Land schwer (-4% 2009). 2010 wird ein Freihandelsabkommen mit der VR China abgeschlossen (Zölle für 800 Produktgruppen fallen weg, mehr Freiraum für Dienstleister).  Sowohl bei Exporten als auch bei Importen ist China schon der größte Handelspartner.  28% aller Exporte gehen nach China. Die weitere Rangfolge: USA, Hongkong, Japan. 2018 trat eine Steuerreform in Kraft: Unternehmenssteuer angehoben, Ertragssteuer gesenkt, Zusatzsteuer für inländische Investoren wird gesenkt. Taiwan gehört zu den Weltmarktführern bei High-Tech-Geräten.  "Wir sind eine Familie", Xi Jinping, Staatspräsident Chinas über die Beziehungen zu Taiwan, 2015. Vgl. zu den wichtigsten Unternehmen "Unternehmen, Taiwan".

Währung: Neuer Taiwan Dollar (NT$)=100 Cent. Kurs  1US-$=30,00 NT$.

Inflationsrate in Taiwan: Sie lag 2021 bei 1,8%. Für 2022 werden 2,3% erwartet. Damit stellt sich das Land gegen den weltweiten Trend.

Außenhandel: Import: 259, 5 Mrd. US-$ 2016; Elektronik, Maschinen, Erdöl; größter Handelspartner China vor USA und Japan. Export: 317,4 Mrd. US-$ 2021; Elektronik, Maschinen, Elektrotechnik, Kunststoffe; Länder: China vor USA und Japan. Anteil am Welthandel: Import 1,4% 2017; Export 1,8%.

Halbleiter und Technologie: Viele Firmen haben Produktionsstätten in Taiwan. Einzelne Branchen ragen heraus, so die Fahrradindustrie. Rahmen und Zubehör kommen oft aus Taiwan (ZEG - Betriebe in Deutschland). Zu nennen ist auch die Computerindustrie. Viele Notebooks werden hier gefertigt. Taiwan will im Januar 2021 helfen, den Halbleiterengpass zu beseitigen. Viele Halbleiter-Module werden in Taiwan gefertigt. TSMC weitet 2021 seine Produktion massiv aus. Die Firma ist der größte Vertrags -Chiphersteller der Welt. Größter Kunde ist die Autoindustrie. Taiwan hat 2021 18,6% Anteil an der Welt-Chip-Produktion. Es führt die VR China (22,7%), an dritter Stelle liegt Japan (17,3%) vor Südkorea (14,8%). Dann erst folgen die USA (10,4%) vor der EU (7,9%).

Bedeutung der Halbleiterindustrie: Die Halbleiterindustrie ist Dreh- und Angelpunkt. Das Land ist weltweit führend in der Auftragsproduktion von Computerchips. Sie tragen 15% zum BIP bei und machen 40% des Exportes aus. Taiwan hat den Industriezweig systematisch durch Subventionen aufgebaut. Die Dominanz galt als Lebensversicherung - doch sie könnte auch das Angriffsrisiko durch China erhöhen (die großen Firmen aus Taiwan machen systematisch DI in den USA und Japan). Vgl. Welter, Patrick: Taiwans Chip-Schatz, in: FAZ Nr. 175/ 3.8.22, S. 15. In Taiwan werden 60% aller weltweiten Halbleiter produziert und 90% der Spitzenprodukte.

Auch China braucht die Chips aus Taiwan (60% der weltweiten Nachfrage). Die lokale Produktion reicht bei weitem nicht aus. Sie macht nur ca. 50 Mrd. $ aus. Für 250 Mrd. $ muss importiert werden. Vgl. WiWo 32/ 5.8.22, S. 33. 31% der taiwanesischen Chip-Ausfuhren landen in China. TSCM ist der weltweit größte Auftragsfertiger. Der Börsenwert beträgt 2022 432 Mrd. Dollar. TSMC fertigt 53% aller Chip-Exporte. Der Gründer von UMC/ Hsinchu Robert Tsao spendet 2022 33 Mio. € für die Verteidigung der Insel gegen China.

Textilproduktion: Taiwan war einmal ein Niedriglohnland. Es dominierte die Textilindustrie. Viel wurde damals auch nach Deutschland exportiert. Der Strukturwandel hat Taiwan zu einem asiatischen Tiger gemacht.

Unternehmen:  Rund 8000 taiwanesische Unternehmer sind auf dem chinesischen Festland aktiv, darunter auch Foxconn (arbeitet für Apple). Es besteht eine gegenseitige Abhängigkeit. Eine Blockade durch China würde den Handel zusammenbrechen lassen. Vgl. auch: Unternehmen, Taiwan auf der Seite "Links".

Deutsche Unternehmen in Taiwan: Ca. 250 deutsche Unternehmen sind 2021 ansässig. Die Insel ist ein besonders guter Standort für Elektronik- und Halbleiterindustrie.  EnBW investiert 2018 in Windenergie-Projekte in Taiwan. WPD AG ist bei Offshore - Projekten in Yunlin und Guanyin dabei. Vor Ort Marktanteil von 30%. Die deutsche Firma Merck produziert Halbleiter auf Taiwan.

Deutsche Rüstungsgüter für Taiwan: Die taiwanesische Küstenwache kauft bis 2027 141 neue Schiffe aus Deutschland (Rolls-Royce Power Systems in Friedrichhafen). Die CSBC in Kiel baut Unterseeboote mit lautlosen Antrieben, die auch bestellt sind. Deutsche Unternehmen profitieren vom Rüstungswettlauf im Südchinesischen Meer.

Freihandelsabkommen der EU mit Taiwan: Im September 2021 gibt die EU bekannt, dass sie die Handelsverbindungen zu Taiwan vertiefen will (Freihandelsabkommen). Da könnte Ärger mit China drohen. China hat aber selbst ein Freihandelsabkommen mit Taiwan. Die EU will ein positives Signal an Taiwan senden, weil dort mit TSMC der größte Chip-Hersteller sitzt. Im November 2021 besucht eine Delegation von EU-Abgeordneten Taiwan. Sie sichern Taiwan Solidarität im Konflikt mit China zu. China rügt den Besuch.

Staatsform: Semipräsidiale Republik. Regierungspartei DPP. Jahr der Verfassung 1947. Wahlrecht 20 Jahre.

Politik: Im November 2015 treffen sich die Präsidenten von Taiwan und der VR China in Singapur. Anfang 2016 gewinnt die Kandidatin der Oppositionspartei (Tsai Ing-wen; die gegen Annäherung an die VR China ist) die Präsidentenwahl. 2017 bekommt das Land eine Digitalministerin (Audrey Tang; kann programmieren; zwei Geschlechter). Das Land soll aus den Fängen Chinas befreit werden. China will sich Taiwan einverleiben, auch wenn man dort von Wiedervereinigung gar nichts hält. Noch würden eine Reihe von Militärstützpunkte der USA unweigerlich zu einem Krieg im Pazifik führen. Im November 2018 stimmt die Mehrheit in Taiwan gegen die Ehe für alle. Bei der Präsidentenwahl 2020 stehen sich Tsai Ing-wen (63, Juristin, proamerikanisch) und Han Kuo-yu (62, chinafreundlich, Bürgermeister von Kaohsiung) gegenüber. Mit einer Wahlbeteiligung über 80% wird die Amtsinhaberin Tsai mit großer Mehrheit wieder gewählt (57%). US-Vertreter besuchen wieder häufiger Taiwan. Ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums besucht im September 2020 die Insel. Anlass ist die Gedenkfeier für den im Juli verstorbenen Präsidenten Lee Teng-hui. Das Land hat vor dem neuen Präsidenten Biden etwas Bammel. Biden gilt als China freundlich. Nancy Pelosi besucht Anfang August 2022 das Land.

Beziehungen und Status zu  China: Taiwan wird von vielen multinationalen Unternehmen zu "Greater China" gerechnet. Seit 1992 besteht ein Konsens, dass es nur ein China gibt, allerdings mit zwei politischen Systemen ("Ein-China-Prinzip"; "ein Land, zwei Systeme"). Taiwan will den "Nationalen Vereinigungsrat" auflösen und erntet damit heftige Kritik aus China. 2008 gibt es eine Annäherung durch ein erstes Treffen der Parteichefs nach 60 Jahren (Vereinbarung direkter Flugverbindungen). Im Februar 2014 gibt es erstmals seit 1949 Gespräche auf Regierungsebene zwischen China und Taiwan. 2018 verstärkt China den Druck auf Fluggesellschaften: Sie müssen den Anspruch auf Taiwan bestätigen. Sie dürfen Taiwan nicht mehr als Land benennen. Außenpolitisch unterhält China in Rivalität zu Indien besonders enge Beziehungen zu Pakistan und Burma. China fürchtet eine Einkreisung durch Indien, Russland, Südkorea und Japan. China kauft sich daher immer mehr in Pakistan ein (Milliardeninvestitionen). China plagt die Sorge, das sich Taliban- und IS-Terror via Pakistan auf die muslimische Provinz Xinjiang im Westen Chinas ausdehnen könnten. Zum anderen geht es um einen die Arabische See und den Indischen Ozean beherrschenden Seekorridor vom südpakistanischen Hafen Gwadar aus. Ein Zubringer von der nördlichen Seidenstraße aus wird errichtet. Im Finanzmarktbereich scheint es mittlerweile eine Zusammenarbeit mit Japan zu geben. Die tibetisch-nepalesische Grenze wird seit 2007 stark überwacht. Die Flucht von Tibetern soll verhindert werden. Zu Füßen des Cho Oyu wird vor allem der Nangpa La - Pass kontrolliert. China vorgelagert ist eine Inselkette, die von der Koreanischen Halbinsel über Japan, Taiwan, die Philippinen bis nach Indonesien reicht. Alle diese Staaten sind mit den USA durch Militärabkommen oder Sicherheitsgarantien verbunden ("umgekehrte Große Mauer"). Streit gibt es mit Vietnam und China um die Paracel- und Spratly-Inseln. Erstmals bringen die Chinesen 2018 Raketen auf den Spratly-Inseln in Stellung. An ihnen vorbei führt eine der weltweit wichtigsten Handelsrouten. Mit Japan gibt es Konflikte um die Senkaku-Inseln. Im südchinesischen Meer gibt es auch Auseinandersetzungen um Inseln mit Malaysia und den Philippinen. Vor der philippinischen Küste haben die Chinesen künstliche Riffe geschaffen. Die USA schaltet sich immer wieder in den Schlagabtausch ein. Der Nationalismus in China selbst könnte irgendwann außer Kontrolle geraten. Das Land beruft sich auf seine lange Tradition, in der es Jahrhunderte lang die Nachbarländer dominierte. Die USA und China kämpfen um die Vorherrschaft im Pazifik (der amerikanische Admiral Davidson, der für den Pazifik zuständig ist, rechnet mit einer Übernahme Chinas bis 2007). Umstritten sind die Seegebiete, die China kontrollieren will (das Land wird vom internationalen Gerichtshof in Den Haag verurteilt). China will sich Taiwan einverleiben, auch wenn man dort von Wiedervereinigung gar nichts hält. Die USA verfügen über eine Reihe von Marinestützpunkte in dem Bereich. Heute sieht sich das Land als "Daguo" (die Großmacht), das groß sein will, aber frei von imperialen Zielen. Vgl. zu gegenteiliger Auffassung: Graham Allison: Destined for War: Can America and China Escape Thucydides´s Trap, Houghton Mifflin 2017. Ab 2019 geht Taiwan wieder mehr auf Distanz zu China. Unter dem Eindruck zunehmender Ideologie in China soll die Abhängigkeit verringert werden. Als Symbol steht dafür die Taiwan Exchange Foundation (TAEF) in Taipeh. Man sucht mehr Handel mit anderen Ländern. Das Verhalten von China gegenüber Taiwan wird  2021 aggressiver. Die USA erhöhen ihre Militärpräsenz und wollen Kontakte zu Regierungsvertretern in Taiwan verstärken. Am Nationalfeiertag 1. Oktober 2021 dringen Kampfflugzeuge der VR China in den Luftraum von Taiwan ein. Taiwan spricht von 39 Flugzeugen und fühlt sich provoziert. Der Präsident der VR China Xi Jinping weist gleichzeitig darauf hin, dass China die Wiedervereinigung anstrebt. In Litauen/ Vilnius eröffnet Taipeh/ Taiwan eine Vertretung im November 2021. Deshalb stuft die VR China die Beziehungen zu Litauen herab. Man kommt dann auf die Geschäftsträgerebene. Die VR China spricht von einem "äußerst ungeheuerlichen Akt". Litauen gehört zur EU. China erlässt Wirtschaftssanktionen gegen Litauen: einen vollständigen Handelsboykott.

Wichtige Inselgruppen: Bei den Spratly-Inseln versucht China, Tatsachen zu schaffen. Zum Beispiel sind zahllose Schiffe am Whitsun-Riff. Nach chinesischen Angaben Fischerboote. Nach philippinischer Ansicht verkappte Militärboote. Der Konflikt ist sehr komplex. Anrainerstaaten sind Vietnam, Malaysia, Brunei, Taiwan. Handelsrouten verbinden den indischen und den Pazifischen Ozean. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs gehörten die Insel zu Japan. 1951 erhob Taiwan Anspruch (Vertrag von San Francisco). Heute erhebt China Ansprüche.

Kimmen-Inseln: Sie liegen südwestlich von Taipeh. Es ist die engste Stelle zum Festland. Es sind nur zwei Kilometer. Es gibt ein ausgedehntes Bunker- und Tunnelsystem. Es gibt Sperrriegel gegen die Angreifer vom Festland. Mit 5 Angriffswellen versuchten schon Maos Truppen die Kimmen-Inseln zu erobern.

Verteidigung und Manöver: Auf Taiwan selbst gibt es vier Marinebasen. Hinzu kommen die Marinebasen der USA auf Taiwan und im Pazifischen Ozean. Die VR China hat direkt gegenüber Taiwans drei Marinebasen. Früher waren die Manöver Chinas in der Regel zwischen dem Festland und Taiwan. Das letzte große Manöver der VR 2022 umkreiste die ganze Insel.

Chinas Traum von Einheit und Weltmacht: Der Konfuzianismus wird  als Grundlage einer gemeinsamen Kultur gesehen. Das ist auch gut mit dem Ethno - Nationalismus vereinbar. Es handelt sich in beiden Ländern in der Mehrheit um Han - Chinesen. Vgl. Görlach, Alexander: Alarmstufe Rot. Wie Chinas aggressive Außenpolitik im Pazifik in einen globalen Krieg führt, Hamburg 2022. Viele Experten sehen 2035 als Zielmarke für eine Invasion in Taiwan. Erst muss ein küstennahes Nachschubsystem aufgebaut werden. Es braucht mehr Truppentransporter und mehr Fallschirmjäger.  Auf dem 20. Parteikongress im Oktober 22 in Peking äußert sich Xi Jinping aggressiv gegenüber Taiwan. Er betont die Wiedervereinigung und will auf Gewalt nicht verzichten.

Ein Land, zwei Systeme: Dieser Slogan galt viele Jahre auch für Taiwan nach einer Wiedervereinigung. Spätestens seit der Ereignisse in Hongkong ist er überholt. Inzwischen sind auch die chinesischen Vertreter ehrlicher: Es wird Umerziehung geben (Zerstörung sozialer Strukturen, Indoktrination). Vgl. Thome, Stefan: Pflaumenregen 2021. Auch von ihm: Die Insel der Freiheit, in: Die Zeit Nr.33/ 11.8.22, S. 49.

Taiwankrise und Handelskrieg der EU mit China: Das Ifo-Institut errechnet 2022 ein Handelsmodell, das beinhaltet, was im schlimmsten Falle für Deutschland passieren kann. Berechnet werden die Wertschöpfungsverluste der deutschen Industrie im Falle eines Handelskrieges (analog den westlichen Sanktionen gegen Russland). Automobilindustrie -8,5%; Transport -5,1%; Maschinenbau -4,3%; Pharma -2,9%; Chemie -1,3%.

Taiwan und die USA als Schutzmacht: 2019 schließen die USA mit Taiwan ein Milliarden-Rüstungsgeschäft (2,2 Mrd. $) ab. China ist empört. Es sieht einen Verstoß gegen das "Ein-China-Prinzip". Er fordert die USA auf, das Geschäft sofort rückgängig zu machen. Es wäre der größte Waffenkauf seit Jahrzehnten. Seit 1949 ist der Inselstaat unabhängig. Die USA haben mehrere Militärbasen dort und sehen sich als Schutzmacht. kurz vor Amtsantritt von Biden im Januar 2021 werden noch alle Einschränkungen zwischen Vertretern der USA und Taiwan aufgegeben (bestehen seit 1979). Pompeo will noch Fakten für eine Unabhängigkeit Taiwans schaffen. Natürlich ist China empört. Im November 2021 besuchen US-Abgeordnete Taiwan. China macht prompt Militärübungen vor der Küste. Das "Säbelrasseln" wird zum Ritual. Für Juli 2022 ist die größte Militärübung der Geschichte geplant. Kiews Taktik soll genutzt werden. Anfang August 2022 besucht Nancy Pelosi Taiwan. Sie ist die ranghöchste Amerikanerin in Taipeh seit 1997. Sie ist nominell die Nummer drei in den USA. Peking will militärisch auf Pelosis Taiwanreise reagieren. Das macht es mit großen Manövern. Biden hatte kein Interesse an der Reise: Einmal ist er in Europa gebunden. Zum anderen sind die Handelsprobleme mit China (Strafzölle, Covid-Restriktionen) eine Ursache für die hohe Inflation in den USA. Vgl. auch: Fahrion, Georg u. a.: Dämonen der Vergangenheit, in: Der Spiegel Nr. 32/ 6.8.2022, S. 74ff.  US-Kriegsschiffe durchqueren 2022 immer wieder die Taiwanstraße.

Taiwan und Handelsabkommen mit den USA: Im August 2022 beginnen die USA und Taiwan mit Handelsgesprächen. ziel soll ein Handelsabkommen sein. Das sorgt für Verstimmungen mit China. Federführend sind das Amerikanische Institut in Taiwan (AIT) und die Taipeh Wirtschafts- und Kulturvertretung (Tecro) in Washington. Es soll um Handelserleichterungen gehen.

Taiwan und der Ukraine-Krieg: Er spiegelt sich auch im Verhältnis von Taiwan zu China. Auf der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses 2022 in China wird der ausländische Einfluss und Separatismus in Taiwan kritisiert. Man kritisiert die Wellen, die von den USA und Japan ausgehen. China schaut mit Argus-Augen auf die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland. Man wird alles tun, um die Finanzmärkte unabhängiger zu machen. Auch die Verteilung der Devisenreserven wird geändert werden.

Taiwan und Japan: Bislang hatte sich Japan im Konflikt zwischen China und Taiwan zurückgehalten. 2021 stellt sich Japan immer offener an die Seite Taiwans - wenn nötig, auch militärisch. Die Annexion Taiwans würde einen Krieg auslösen. Vgl. FAZ Nr. 160, 14. Juli 2021, S. 6.

Taiwan und Südkorea: Beide vereint ihre Interessen im Pulverfass Westpazifik. Wenn China Taiwan erobert, könnten Südkorea und Teile der Philippinen als nächste dran sein. Die Neue Seidenstraße legitimiert alle militärisch-politischen Machtmittel.

Taiwan und Deutschland:  Es gibt eine Taipeh-Vertretung in Deutschland. In Taipeh ist ein Deutsches Institut. Außerdem gibt es politisch eine Deutsch - Taiwanesische Gesellschaft in Berlin. In Taipeh ist der Chin. - Deutsche Kultur- und Wirtschaftsverband. Wirtschaftlich existiert ein Außen-Entwicklungsrat (TAITRA) in München/ Düsseldorf. In Taiwan besteht das Deutsche Wirtschaftsbüro (AHK), Germany Trade Invest. Kulturell hat die Taipeh-Vertretung in Bonn eine Wissenschaftsabteilung. Auf Taiwan findet man das Goethe-Institut, DAAD und Deutsche Schule. Immer mal wieder besuchen Abgeordnete des Bundestages Taiwan. So auch Anfang Oktober 2022. Sofort kommt Kritik aus der VR China. Am 22./23. besucht wieder eine Delegation aus dem Bundestag Taiwan (Menschenrechtsausschuss).

Außenpolitik Taiwans: Taiwan betreibt 2021 in 74 Ländern Büros. Diese sind nicht Botschaften gleichgestellt, weil das Ein-China-Prinzip" gilt: Die VR China sieht sich als einziges China, das neben dem Festland-China auch die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau sowie Taiwan umfasst. 2021 eröffnet Taiwan in Litauen erstmals in Europa eine Vertretung unter eigenem Namen.

Taiwan und die Jugend: Den Jungen ist die Volksrepublik fremd. Sie sympathisieren mit den Demonstranten in Hongkong. Taiwan wird zum Zufluchtsort für Andersdenkende. Vgl. Naß, Matthias: Drachentanz, München 2021, S. 157ff.

Taiwan und Sport: Der Sport ist immer Teil der Politik. Als Taiwans Sportler bei der Eröffnungszeremonie in Tokio das Stadion betraten, schaltete der Streaming - Dienst Tencent aus China kurzerhand die Übertragung ab. Der Sieg der Taiwaner im Badminton-Doppelfinale wird nationalistisch in Taiwan gefeiert.

Taiwan und Stimmung: Trotz der massiven chinesischen Drohungen 2022 bleibt die Stimmung ruhig. Es besteht keine Panik oder Angst. Das Bedrohtsein ist zur Routine geworden. Man rechnet mit einem Angriff frühestens 2027. Das könnte aber auch ohne Krieg geschehen (Politik der Nadelstiche). Vgl. Yang, Xifan: Insel der Erdbeersoldaten, in: Die Zeit Nr. 37/ 8.9.22, S. 7.

Natur und Umwelt: Der Sonne-Mond-See ist das größte Binnengewässer. Für Hochzeitspaare ist der See ein Muss. Rund um den See gibt es jede Menge Luxusressorts. Besonders schön ist der Xuangguang-Tempel. Man kann den See zu Fuß oder per Rad erkunden. Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen kein Visum für die Einreise. Taichung ist der Hauptort (45 Minuten von Taipeh mit dem Schnellzug).

2021 wird das Wasser in Teilen des Landes reduziert. 2020 blieben Taifune aus. Es fiel zu wenig Niederschlag. Es ist wohl die schlimmste Dürre seit 57 Jahren. Viele Stauseen haben nur 20% ihres normalen Wassers.

Klimaneutralität/ Energie: Taiwan will bis 2050 Klimaneutralität erreichen. 2022 stammen immer noch 80% der Energieversorgung aus fossilen Brennstoffen, die zu 99% importiert werden müssen. Der Rest wird aus Wasserkraft, erneuerbaren Energien und Kernenergie erzeugt. Der Atomausstieg ist beschlossene Sache; die Genehmigung für den letzten aktiven Meiler läuft 2025 aus.

Attraktive Regionen: Der Osten des Landes hat atemberaubende Naturparks (bis zum geographischen Mittelpunkt, dem höchsten Berg Ostasien Yu Shan/ Jadeberg, 3592 Meter hoch). Die Vegetation wuchert über Berge und Hügel, die steil abfallen und fast nahtlos ins Meer übergehen. Zwischen den Steilhängen und dem Strand bleibt an vielen Stellen nur noch Platz für die Eisenbahnlinie und die parallel dazu verlaufende Straße.

Der Norden des Landes hat auch viel zu bieten: Japanische Badetraditionen, deutsche Backrezepte und ein kanadischer Glaubensbote. Es locken Tamsui mit dem gleichnamigen Fluss, an dem Fahrradwege angelegt sind und dem Tamsui Oxford Museum. Die Stadt Beitou   bietet ein Grand View Resort und einen Garden Spa.  Auch das 1629 erbaute Fort San Domingo ist eine Besichtigung wert.

Katastrophen:  Ein schweres Erdbeben in Taiwan wirft im Februar 2016 ein 16-stöckiges Hochhaus um (116 Menschen sterben, 475 werden verletzt). Im Februar 2018 richtet ein Erdbeben große Zerstörungen an. In der Corona-Krise ist Taiwan sehr erfolgreich. Im Osten Taiwans kommt es am 1.4.21 zu einem schweren Zugunglück. Mindestens 50 Menschen kommen ums Leben. Der Zug war mit über 500 Menschen voll besetzt, während des mehrtätigen Totengedenkfestes. Im Oktober 2021 kommt es zu Dutzenden Toten bei einem Hochhausbrand in Koahsiung im Süden des Landes. Im März 2022  legt ein Stromausfall fast die ganze Insel lahm. Auslöser war das Abschalten eines Kraftwerkes. Im September 2022 gibt es ein schweres Erdbeben nahe der Hauptstadt Taipeh.

Digitale Demokratie: Unter Demokratieforschern ist Taiwan der Vorzeigefall. Die Bürgerbeteiligung wurde durch die Digitalisierung massiv ausgebaut. Man setzt nicht auf Kontrolle. Es wurde die Plattform "Polis" entwickelt. "Regenschirm" - und "Sonnenblumenbewegung" vereint Hongkong und Taiwan gegen Peking.

 

Myanmar:

Politik Myanmar (Burma, Birma; 53 Mio. Menschen). Hauptstadt Nay Pyi Taw. Größte Stadt des Landes ist Rangun, zweitgrößte Mandalay. 2012 versucht man die Regimegegnerin Aung San Suu Kyi einzubinden. Am 08.11.15 findet die erste demokratische Wahl seit 25 Jahren statt. Die Partei von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyis geht als klare Siegerin hervor. Im März 2018 tritt Präsident Htin Kyaw überraschend zurück. Als Nachfolger wird der bisherige Unterhauschef Win Myint gehandelt. Deutschland will die Entwicklungshilfe einstellen (Plan ab 2020, Korruption, Vertreibung). Myanmars Regierungspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hat nach eigenen Angaben am 8.10.20 wieder eine absolute Mehrheit erzielt (gegen die militärtreue USDP). Das ist ein Wahlsieg der Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Sie steht international in der Kritik wegen Völkermord an den Rohingya. Ende Februar 2021 wird die UN - Botschafterin abgesetzt. Sie hatte die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, sich der Militärjunta im Land zu widersetzen. Gegen die abgesetzte Regierungschefin Aun San Suu Kyi werden 2021 Gerichtsverfahren eingeleitet. Es kommen immer neue strafrechtliche Vorwürfe (Schmuggeln von Funkgeräten ins Land, Annahme von Bestechungsgeldern). Die EU (Außenminister) verhängt Sanktionen gegen Personen der Militärjunta in Myanmar. Nach dem großen Blutvergießen des Militärs protestiert die internationale Gemeinschaft. Sie nimmt Kontakt zur Gegenregierung auf (CRPH, auch im Ausland). Die USA stoppen ihre Handelsvereinbarung mit dem Land. Myanmars Botschafter in GB, der Gegner der Militärjunta ist, bekommt keinen Zugang mehr zur Botschaft. Er wird abberufen. Anfang Dezember 21 wird Aun San Suu Kyi zu vier Jahren Haft verurteilt (unter Ausschluss der Öffentlichkeit). Weitere Prozesse gegen sie folgen. Man rechnet mit 120 Jahren Haft. Ende April 2022 wird Aung San Kyi wegen Korruptionsvorwürfen zu weiteren 5 Jahren Haft verurteilt. Im Juni 2022 wird sie in Einzelhaft verlegt. Im August 2022 kommt eine weitere Verurteilung zu sechs Jahren Haft (Korruption in vier Fällen).

Militärputsch und Proteste: Am 31.01.2021 putscht das Militär wieder. Die führenden Politiker werden verhaftet. Man wirft ihnen Wahlbetrug vor. Die Regierungsmitglieder werden ausgewechselt, auch die Richter. Es gibt weltweite Proteste gegen den Militärputsch (auch der USA). Der Weltsicherheitsrat beschäftigt sich mit dem Thema und zeigt sich besorgt. Der neue starke Mann in Myanmar ist Armeechef Min Aung Hlaing. Er war nie weg von der Macht, hatte sie nur verschleiert. Es gibt Demonstrationen in der Millionenstadt Mandalay im Norden des Landes. Die Militärführung setzt Sperren des Online-Netzwerks "Facebook" ein. Demos werden hierüber organisiert. Trotzdem demonstrieren immer wieder Zehntausende und fordern die Rückkehr zur Demokratie. Sie halten als Zeichen des Protestes drei Finger in die Luft (Widerstandssymbol aus der Filmreihe "Tribute von Panem"). In der Wirtschaftsmetropole Rangun gehen ca. 100.000 auf die Straße. Die Demos im ganzen Land weiten sich aus. Die Armee setzt Wasserwerfer ein. Es gibt Aushangssperren. Zwei Wochen nach dem Putsch bleibt das Militär unerbittlich: Panzer rollen, es fallen Schüsse. Das Militär verspricht wieder mal Wahlen. In der zweitgrößten Stadt des Landes, Mandalay, werden drei Demonstranten erschossen. In der größten Stadt des Landes kommt es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern des Militärs und Gegnern. Die Zusammenstöße zwischen den Demonstranten und dem Militär werden härter: mindestens 18 Tote. Die Demonstrationen gehen weiter. Mittlerweile beschäftigen sich auch die Nachbarländer mit dem Aufruhr. Droht dem Asea-Bund gar die Spaltung? Am 14.3.21 verhängt das Militär das Kriegsrecht. Entmachtete Abgeordnete erklären eine Gegenregierung im Untergrund. Es gibt teilweise noch Netzwerke im Untergrund von dem letzten Aufstand (Safran-Revolution). Buddhistische Mönche spielen eine wichtige Rolle. Bis März 2021 gibt es mindestens 280 Tote bei Demos und mehr als 2800 Verhaftete (viele Studenten). Schwerpunkte sind Shan, Mandalay, Yangon, Monywa. Am Tag des bewaffneten Militärs am 26.3.21 (Gedenken an Kampf gegen Japan) werden allein über 100 Menschen getötet. Viele Soldaten desertieren (nach Indien?), weil sie nicht auf Bürger schießen wollen. Der Ausnahmezustand wird im Juli 2021 bis August 2023 verlängert. Dann soll es Neuwahlen geben. Das kündigt Juntachef Min Aung Hlaing an. Am 8.12.21 kommt es wieder zu einem Massaker durch das Militär (11 Tote). Aus einem aufstrebenden Land hat das Militär ein Konfliktgebiet gemacht. Am 18.4.22 lässt das Militär mehr als 1600 Gefangene frei (darunter Journalisten und Ausländer).  Als erstes Land der Welt sanktionieren die USA die Militärführung: Der Zugriff der Militärs auf Vermögen Myanmars in den USA in Höhe von 827 Mio. €  bleibt ihnen verwehrt. Es gibt eine Reihe von Oppositionsgruppen. Eine der bekanntesten ist "88 Generation Students" mit dem Aktivisten Ko Jimmy (Kyaw Min Yu).

Armee in Myanmar: Seit der Unabhängigkeit des Landes 1948 eine weitgehend abgeschlossene Kaste, die wie ein religiöser Orden agiert (zumindest die Offiziere und Unteroffiziere; Tatmadaw). Sie sieht sich als Hüter des nationalen Schicksals. Fast alle Einsätze fanden und finden innerhalb des Landes statt (gegen rebellische ethnische Minderheiten). Die Armee agierte immer rassistisch. "Senior General" Min Aung Hlaing hat großen Ehrgeiz und ist sehr eitel. 2020 erhält die Armee ihr erstes U-Boot aus Russland (vorher in Indien). Zwei weitere sollen folgen. Die Armee braucht eine funktionierende Wirtschaft, um sich zu finanzieren. Sie ist 350.000 Mann stark, aber nicht alle Einheiten sind kampffähig. Vgl. Anthony Davis, Sicherheits- und Militärexperte an der Uni Bangkok. Facebook sperrt Ende Februar 2021 die Konten des Militärs. Die Weltbank stellt alle Kreditzahlungen ein. Im Dezember 2021 brennt das Militär ein ganzes Dorf nieder (Kaebar). Gegen Aung San Suu Kyi werden immer neue Anklagen erhoben, um sie politisch auszuschalten (zuletzt geht es um eine Schenkung an eine Stiftung). Gegen Dissidenten verhängt die Militärjunta Todesurteile. Mit Granaten schießt man auf friedliche Demonstranten. Einen Tag nach dem traditionellen Neujahrsfestes (2021 17.4.21) lässt die Militärjunta 23.000 Gefangene frei.

Ethnische Minderheiten und Rebellenarmeen: Rebellenarmeen ethnischer Minderheiten beteiligen sich 2021 immer mehr am Konflikt. Die Auseinandersetzungen nehmen zu. In Naungmon wird eine Polizeistation angegriffen und elf Polizisten werden getötet. In Bago tötet das Militär mehr als 80 Menschen am 11.4.21. Vgl. Fähnders, Till: Sie stapeln die Leichen an der Pagode, in: FAZ 12.4.21, S. 2. An der Grenze zu Thailand kommt es Ende April 21 zu heftigen Kämpfen. Nahe der Stadt Mae Sam Laep kämpfen Rebellen, hauptsächlich KNU, gegen Außenposten der Armee. Es gibt immer mehr Flüchtlinge nach Thailand und Indien. Die Jugend scheint den Glauben an den Fortschritt zu verlieren. Im März 2022 stufen die USA die Gewalt gegen die Rohingya als Völkermord ein.

Kultur: Bei den Padaung-Frauen erscheint der Hals als Spirale gestreckt. Es ist aber das Gewicht des Metalls, das den Oberkörper verformt und nach unten drückt.

Geschichte: Bereits 3000 v. Chr. gab es eine Besiedlung am Irrawaddy-Fluss. Als Territorialstaat gibt es das Land seit dem 11. Jahrhundert. Danach gab es aufsteigende und untergehende Königreiche. Im Jahre 1885 kam eine britische Besetzung (Teil von Britisch-Indien, beherrscht von einem Gouverneur). 1943 besetzten die Japaner das Land. Es gibt heute sieben Regionen. Die Militärs putschten 1974, 1989 und 2021. 1974 richteten sie einmal ein sozialistisches Regime ein und viele Unternehmen wurden verstaatlicht.

Wirtschaft:  Währung Kyat. Das BIP betrug 2011 857 Mrd. $. Das Land hat eine schlechte Infrastruktur, viele Umweltschäden und es gibt  viel Korruption. BIP 2017 70 Mrd. US-Dollar.  2017 expandiert der deutsche Handelskonzern "Metro" in das Land.  Die wirtschaftliche Entwicklung geht nicht voran (obwohl die USA die Sanktionen aufgehoben haben); die Auslandsinvestitionen sind rückläufig. Die USA stoppen im März 2021 die Handelsvereinbarungen (Sanktion für Todesschüsse des Militärs). Das Militär ist im Blutrausch. Es gibt einen Ansturm auf die Banken (Finanzmetropole Yangon). Die Menschen trauen dem Finanzsystem nicht mehr.

Billigwerkbank: Seit dem Ende der EU-Sanktionen wird Myanmar zur neuen Billigwerkbank. So lassen etwa Aldi und Lidl da fertigen. Das gilt vor allem für Textilfabriken. Auch Zulieferer für Adidas produzieren dort.  2018 steigen die zollfreien Ausfuhren in die EU auf 2,3 Mrd. € (2015: 535 Mio. €). Die GIZ pumpte Milliarden in das Programm "Smart Myanmar".

Deutsche Unternehmen: Deutsche Mittelständler sind recht aktiv. Sie wollen einen der letzten unbearbeiteten Wachstumsmärkte erschließen. Das geht aber nur über Verbindungen zum Militär. Unternehmen sind für die Streitkräfte eine wichtige Einnahmequelle. Krones hilft der Myanmar Brewery (Staatsunternehmen, seit 1995). Das Unternehmen zog sich allerdings 2017 zurück.  Das Hamburger Textilunternehmen Deltex  lässt Sportbekleidung nähen. Der Münchener Telekommunikationsausrüster Adva liefert Technik an Firmen. Weiterhin sind Heidelberger Druck  und Fraunhofer Institut vertreten (mit Elektronikunternehmen Rohde & Schwarz). Vgl. Peer, Mathias: Die heiklen Geschäfte der Mittelständler in Myanmar, in: Handelsblatt Nr. 247, 21.12.2020, S. 26f. Auch der Geldnotendrucker Giesecke & Devrient aus München unterhält enge Kontakte. 2021 werden Zulieferungen ausgesetzt. Doch die Zukunft des Geldes in Asien scheint eh digital zu sein. Die Deutsche Post betreibt seit 25 Jahren eine Tochter im Land (DHL, gemeinsam mit Postministerium im Land). Die KFW stellte 30 Mio. $ für das Unternehmen Irrawaddy Green Towers (IGT) zur Verfügung. Das Webhosting - Unternehmen Hetzner unterstützt direkt das Militär. Der Elektronik-Konzern Rohde & Schwarz (siehe oben) liefert Kommunikationstechnik für das Militär.   Ne Win, ein früherer Lilitär-Diktator ließ zum Dank einst ein "birmanisches Teehaus" bei Wiesbaden bauen, das heute noch steht. Mitarbeiter der Hans-Seidel-Stiftung (CSU) richten seit 2014 Oktoberfeste in Yangon aus. Sponsor ist die Dagon-Brauerei, die dem Militär gehört. Vgl. Klawitter, Nils: Hilfe für die Junta, in: Der Spiegel 14/ 3.4.2012, S. 94.

Opiumanbau: Tausende von Kleinbauern leben vom Opiumanbau (Schlafmohn). Man schätzt, dass ca. 70.000 Kleinbauern im Hochland davon ihren Unterhalt bestreiten. Insgesamt wurden 2018 520 Tonnen produziert (Schätzung der UN). Kein pflanzliches Produkt ist in Relation zu seinem Gewicht wertvoller. Mittlerweile konkurrieren zwei Entwicklungshilfeorganisationen darum, die Kleinbauern davon wegzubringen. Es sind die UNODOC (Büro der UN für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, von Deutschland und Finnland finanziert) und die USAID (Organisation der USA). Beide arbeiten mit dem Alternativprodukt Kaffee, gehen aber unterschiedliche Wege. 950 Bauern haben sich bis 2019 dem UN-Projekt angeschlossen.

Jade: Myanmar ist einer der größten Jade-Produzenten der Erde. In der Region Hpakant nahe der Grenze zu China im Bundesstaat Kachin ist eines der größten Jade - Haupt-Abbaugebietes der Welt. Hier liegen viele Minen. Sie gelten insgesamt als unsicher. Im Juli 2020 gibt es viele Opfer nach einem Erdrutsch.

Seltene Erden:  Das Land hat die drittgrößten Vorkommen hinter China und den USA.

Tourismus: Myanmar wird als Tourismus-Ziel immer attraktiver. Besonders attraktiv ist der Mergui-Archipel vor der Westküste des Landes. Es ist die Heimat der Moken, die sich Jäger der Meere nennen. Sie sind Seenomaden und helfen ein einzigartiges Öko-System zu schützen.

Myanmar und China: Das Land  hat eine große strategische Bedeutung für China: Im September 2007 werden alle Verbindungen nach außen, insbesondere das Internet, gekappt. China will eher einen Sturz der Militärjunta verhindern. Bodenschätze, Holz, Öl und Gas lagern dort in großen Mengen. Ein wichtiges Exportgut ist auch Jade. Der Jade-Handel ist fest in chinesischer Hand. In China ist Jade ein Symbol des Glücks. Wichtig ist auch der Zugang zum Golf von Bengalen. China hat einen direkten Draht zum Militär und lenkt im Hintergrund (mehr Duldung des Militärs, wirtschaftliche Beziehungen sind entscheidend). Die gemeinsame Landesgrenze ist 2129 km lang. Militärcoups haben in der Region eine lange Tradition. In der Regel blockiert China - zusammen mit Russland - UN-Reaktionen auf den Militärputsch.

Im Rahmen des Neuen Seidenstraßenprojektes hat Myanmar eine große strategische Bedeutung für China. Einmal verfügt das Land über wichtige Bodenschätze (Öl, Gas, Holz, Jade).  Zum anderen ist es ein Verkehrsweg und Energielieferant. China wollte am Ursprung des Irrawaddy einen Staudamm bauen, der China mit Energie versorgen soll. 90% der Energie sollten nach China fließen. Nach heftigen Protesten der Bevölkerung wurde das Projekt vorerst gestoppt. China traut weder der Minderheit der Muslime noch der Mehrheit der Buddhisten. So werden  - wie fast immer - nur Chinesen in den Projekten beschäftigt. Das macht die Chinesen aber sicher nicht beliebt.  Es gibt nur eine sichere Straße zwischen Myanmar und China. Das ist die Burma Road. Es war eine wichtige Route für Chinas Alliierte im Zweiten Weltkrieg gegen die Japaner. Sie wurde in den 1930er Jahren gebaut. Sie führt in China in die Provinz Yunnan. Es gibt schon gebaute Gasleitungen von Myanmar nach China, die aber bisher kaum genutzt werden. Das Hafenprojekt Kyaukpyu wurde von 7,5 Mrd.  auf 1,3 reduziert. Es soll zu einem verkürzten Seeweg führen von Südchina über Hambantota in Sri Lanka.

Umwelt und Naturkatastrophen: Ein Tropensturm im Mai 2008 verwüstet das Land und führt zu über 20.000 Toten und über 40.000 Vermissten (Zyklon löste Flutwelle aus). Das Land hat viele Umweltkatastrophen. Der Monsunregen trifft 2015 das Land am stärksten: Überschwemmungen. Im November 2015 kommen bei einem Erdrutsch ca. 100 Menschen um (ausgelöst durch eine Jade-Mine). Auf dem Climate Risk - Index von German Watch steht das Land ganz oben.

In den letzten Jahren ab 2012 wurden 100 neue Tierarten in dem Land entdeckt. Das ist ein Beweis für die erstaunliche Artenvielfalt in dem Land (37 Geckoarten, 17 Arten Süßwassermuscheln, Stumpfnasenaffe).

Ethnische Konflikte und Vertreibung: 2013 töten Buddhisten hilflose Muslime in Massen und zerstören Moscheen. Konzerne meiden das Land eher wegen hoher Risiken. KMU aus Deutschland sind aktiv (deutsche Direktinvestitionen Stand 2014 8,3 Mrd. €). Tausende Flüchtlinge verlassen 2015 das Land (Rohinggya-Flüchtlinge, verfolgte Muslime, Einwanderer aus Bangladesch und Pakistan in der britischen Kolonialzeit). Besonders die Muslime werden diskriminiert und verfolgt. Auch unter Aung San werden die Moslems erheblich diskriminiert und gar verfolgt. Immerhin darf der buddhistische Hetzer Wirathu öffentlich seine Thesen nicht mehr verbreiten (aber er gilt als verlängerter Arm des Militärs). Im August 2017 kommt es wieder zu starken Gefechten mit den Rohingyas (über 100 Tote). 60.000 Menschen der Volksgruppe fliehen Ende August 2017 nach Bangladesch. Mittlerweile sind wohl 230.000 bis 389.000 Menschen geflohen. Insgesamt sind ca. 600.000 Rohingya - Flüchtlinge in Bangladesch. Das Flüchtlingslager Kutupalong ist das größte der Welt. Im Oktober 2017 sammelt eine Geberkonferenz in Genf 340 Mio. € für die Flüchtlinge. Die Grenze könnte vermint sein, um eine Rückkehr zu verhindern. Indien will die 40.000 Rohingyas zurückschicken. Die UN warnen vor "ethischen" Säuberungen. Es könnte für Südostasien gefährlich werde, wenn der Konflikt Schule macht. Auf internationalen Druck hin nehmen Myanmar und Bangladesch Gespräche über die Rückkehr von Flüchtlingen auf. Man einigt sich über eine Rückkehr innerhalb von 2 Jahren. 2018 wirft die UN Myanmar Massentötungen und -Vergewaltigungen vor ("Absicht von Völkermord"; Stigmatisierung der Rohingyas). Im Mai 2019 klagt Amnesty International über die Bedingungen in Gefängnissen. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag (IGH) führt einen Prozess wegen Völkermord gegen Myanmar. De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi (Friedens-Nobelpreisträgerin?) sagt im Dezember 2019 aus. Im Mittelalter war Bagan im heutigen Myanmar die Hauptstadt eines riesigen buddhistischen Reichs, die Stadt war 15-mal größer als das mittelalterliche London. Sie war berühmt in ganz Asien. In Myanmar ist der Theravada - Buddhismus (wie in Thailand, Kambodscha, Laos, Sri Lanka). Sehr berühmt ist der Mönch Mahakassapa. Buddhisten aus ganz Asien strömten in das wohlhabende Bagan mit seinen frommen Königen. Viele blieben auf Dauer. Nur 5% der Bevölkerung Myanmars sind Muslime. Dennoch schüren nationalistische Mönche immer wieder die Angst vor Überfremdung.

Humanitäre Katastrophe: 2021 droht dem Land eine große Hungersnot. Etwa 800.000 Menschen benötigen Hilfe. 360.000 Menschen sind auf monatliche Unterstützung angewiesen. Insgesamt leiden 3,4 Mio. Menschen Not. Die Treibstoffpreise explodieren. Der Palmölpreis steigt um 20%. Der Reispreis geht 5% in die Höhe. Geld gibt es nur begrenzt, weil die Banken gelähmt sind. Vgl. UN-World-Food-Program. Amnesty International fordert für das Land ein globales Waffenembargo.

Asean als Rahmen: Die Staatschefs der Asean - Gruppe treffen sich am 24.4.21 in Djakarta/ Indonesien. Sie fordern den anwesenden Militärführer auf, zur Demokratie zurückzukehren. Sie haben großen Einfluss durch Wirtschaftshilfen für das Land.

Unruhen: 2019 kommt es in der Provinz Rakhine zu Unruhen. In der Region bekämpfen sich islamische Rebellen und das Militär. Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi lässt das Internet in der Provinz sperren.

Luftangriffe der Armee: Die Armee lässt einen Luftangriff im Oktober 2022 auf ein Konzert in Kachin-Stadt fliegen. Mindestens 80 Menschen kommen ums Leben. Mit dem Konzert sollte der Gründung von der Unabhängigkeitsorganisation Kachin Independence Organisation vor 62 Jahren gedacht werden. Sie setzt sich für die Rechte der Volksgruppe der Kachin ein.

Bridgefy: App. Man kann Botschaften ohne Web senden. Man nutzt das Bluetooth-Netzwerk durch Selbstvernetzung. Für bis zu 30 Nutzer ist die Nutzung kostenlos. Bis zu 1000 Nutzer werden 2021 99 US-Dollar fällig. Das Netz erlangt traurige Berühmtheit in Myanmar. Es  kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Behörden  das Internet abschalten.

 

Bhutan:

Allgemein: In Bhutan, das etwa so groß wie die Schweiz ist, leben 2,3 Mio. Menschen (andere Statistiken nennen 1 Mio.). Der Staatsname ist "Druk Yul": "Land des Donnerdrachens" in der Landessprache.

Wirtschaft: Interessant ist die "Cross  National  Happiness" (GNH), d. h. wichtiger als wirtschaftliches Wachstum ist die Zufriedenheit der Menschen. Allerdings muss mehr als die Hälfte des Staatshaushalts durch Kredite und Zuschüsse aus dem Ausland abgedeckt werden.  Das BIP beträgt 2,5 Mrd. US-$ (2020). Die meisten Menschen arbeiten in der Landwirtschaft (55%). Ca.60% der Menschen leben auch auf dem Land. Das Lan dmuss mehr importieren als es exportiert.

Umwelt: 2013 plant das Land, erster Öko-Staat der Welt zu werden (biologische Landwirtschaft Pflicht). Bhutan will CO2-neutral bleiben. In der Verfassung steht, dass 60% der Wälder erhalten werden müssen. Mehr als dei Hälfte des Staatsgebietes steht unter Naturschutz. Allerdings ist Wilderei in den Grenzregionen ein großes Thema. Begehrt sind der Rote Panda (streng geschützt) und der Schwarzhalskranich. Letzterer gilt als Himmelsbote (es gibt noch 500 in ganz Bhutan).

Politik: Hinter der vordergründigen Demokratie mit der Partei der "vollkommenen Harmonie" steht ein Königreich, das keine Abweichler duldet. Bhutan ist das letzte noch existierende souveräne buddhistische Königreich auf dem Dach der Welt (Konstitutionelle Monarchie). König ist Wangchuck. Traditionell ist die Beziehung zu Tibet eng. Die Machtspiele Chinas treiben das Land eher in die Arme Indiens. Viele Tibeter sind nach Bhutan geflohen. Normalerweise pendelt das Land geschickt zwischen China und den USA.

Religion:  In dem Land wurde der Buddhismus im 12. Jahrhundert Staatsreligion. Lange lag die eigentliche Macht in den Händen der Lamas. Sehr verbreitet ist der Mahayana-Buddhismus (tibetisch). Er verspricht einen schnelleren Ausweg aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten. Durch anspruchsvolle spirituelle Übungen (Tantra, Yoga) kann der Mensch Erleuchtung innerhalb des Lebens erlangen. Es bedarf enger Beziehungen des Meisters, dem Lama, mit seinem Schüler. Sehr populär sind Bodhisattvas, erleuchtete Wesen (sie könnten ins Nirvana einziehen, entscheiden sich aber für den Meister). Der Dalai-Lama gilt als menschliche Erscheinungsform. Lama bedeutet "Hoher Priester". Zwar durften Frauen später Nonnen werden, doch sie galten als unrein und mussten sich Männern grundsätzlich unterordnen. So ist auch heute noch die Alphabetengrate bei Frauen bei 57%.

Gesundheit: Rund 800 Covid - Fälle gab es 2020 (1 Todesfall). Das mag an den wenigen Ausländern liegen. Beim Impfen entwickelt das Land Rekordgeschwindigkeit (April 2021 63%, Platz 2 in der Welt hinter Seychellen). Die Lebenserwartung liegt heute bei 70; sie hat sich innerhalb kurzer Zeit verdoppelt. Die Corona-Pandemie brachte den Tourismus zum Erliegen.

Territorialer Konflikt mit China: China beansprucht noch einige Teile von Bhutan. Die Regionen liegen an der Grenze zum autonomen Gebiet Tibet. Es handelt sich um das Doklam-Plateau und Gebiete um die Städte Jakarlung und Pasamlung. Vgl. Winter, M.: China 2049, München 2019, S. 149. Die Chinesen errichten illegal ein Dorf auf dem Territorium von Bhutan. Sie gehen aggressiv vor. In Bhutan leben um die 2000 Tibeter, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind.

 

Kambodscha:

Bevölkerung: 17 Mio. Einwohner. Verteilung: Stadt 24,7%; Land 75,3%. Wachstum 1,4%. Lebenserwartung: Frauen 72 Jahre; Männer 68 Jahre.

Politik: Parlamentarische Monarchie. Staatsoberhaupt: König Norodom Sihamoni (seit 2004). Regierungschef: Premierminister Hun Sen. Im Jahre 1997 kam Hun Sen per Staatsstreich an die Macht. Bei Wahlen verbietet er die wichtigste Oppositionspartei. Im November 2018 gibt es erste Gerichtsurteile gegen Verbrechen der "Roten Kmer". 

Wirtschaft: Währung Riel. BIP 2017: 22,2 Mrd. US-$. 26,19 Mrd. US-$ (2021). Das Land hatte 2006 ein Wachstum von 9,5% und profitiert stark von seinen Ölvorräten. Inflation 3%.

Hauptstadt und wichtige Städte:  Phnom Penh (1,57 Mio.). Siem Reap, Battambang, Sihanoukville, Sisophon.

Seidenstraße und Sihanoukville: Mittlerweile ist das Land in das chinesische Neue Seidenstraßenprojekt eingebunden. Die Stadt Sihanoukville ist eine wichtige Station der maritimen Seidenstraße. Bade- und Erholungsort war sie immer.  Gleichzeitig bauen die Chinesen sie zu einer Spiel- und Amüsierstadt um. Die Einheimischen sind verbittert. Die Stadt entwickelt sich 2022 zu einem hotspot des globalen Internetbetrugs. Menschenhändler locken Migranten aus ganz Asien in so genannte Scam-Fabriken (Betrugsfabriken). Vgl. Collini, Francesco u. a.: Verraten und verkauft, in: Der Spiegel Nr. 42/ 15.10.22, s. 90ff..

Umwelt: Ein großer Teil der Wälder fallen immer mehr Brandrodungen zum Opfer.  Die indigenen Völker, die seit Jahrhunderten Landwirtschaft betreiben, verlieren ihre Felder an große Naturkautschukfirmen. Immer Gummi wird für die PKW-Reifen, vor allem in Asien, benötigt. CO2-Emissionen/Kopf 0,9 t.

Bildung: Im November 2019 geht ein Beispiel einer Schulklasse im Norden  des Landes (Provinz Preah Vihear) um die Welt: 400 Grundschüler haben für neue Klassen einen Spendenaufruf gemacht. Zwei neue Gebäude können gebaut werden.

Erwerbstätige: Landwirtschaft 31,2%; Industrie 29,6%; Dienstleistungen 39,2%.

Exporte: Kambodscha liefert die meisten Fahrräder nach Deutschland. Kein Land der Welt liefert mehr. Es waren 2018  560.000. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken gelten als miserabel. 5,50 Euro verdienen Fabrikarbeiter im Durchschnitt am Tag bei hoher Belastung. Machen Arbeiter haben zusätzlich noch lange Anfahrtszeiten. Die EU hat in einem Prüfbericht im November 2019 Verletzungen der Regeln der ILO festgestellt. Die Wettbewerbskommissarin soll entscheiden (setzt Frist), ob das Land seine Zollvorteile verliert. Vgl. Zacharakis, Z.: Unterm Rad, in: Die Zeit, Nr. 51, 5.12.19, S. 38f. Im Jahre 2020 setzen mehr als 110 Bekleidungsfirmen (unter anderen H&M, C&A) ihre Produktion wegen Corona aus. Ein Lieferkettengesetz könnte auch große Auswirkungen haben. Weitere Exporte: Textilien, Gold, Schuhe, Handtaschen, Reiseartikel.

Gesundheit in Kambodscha: Anfangs wird man durch Schließung der Grenzen gut mit der Pandemie fertig. Im Juni 2021 kommt ein Ausbruch: Vier Chinesen haben auf dem Flug von Dubai nach Phnom Phenh einen Sicherheitsbeamten bestochen und ihre Quarantäne gebrochen. Sie feierten in Clubs und verbreiteten so die Pandemie.

Landminen: Ein großes Problem sind auch 2020 noch die vielen Landminen. Man versucht, sie systematisch ausfindig zu machen. Sehr erfolgreich werden dabei Ratten eingesetzt. Die Ratte "Magawa", die eine Fläche von 20 Fußballfeldern von Minen räumte, erhält dafür eine der höchsten Auszeichnungen des Landes.

Kultur und Literatur: Der Bürgerkrieg im Land und die Kmer müssen immer noch bewältigt werden. 2021 erscheint ein sehr empfehlenswertes Buch dazu in Deutschland: Judith Taschler, Das Geburtstagskind, Roman 2021. Zwei Geschwister sind aus Kambodscha geflohen. Sie haben sich auch geliebt. Der Bruder baut sich eine Existenz in Deutschland auf und hat Kinder. Die Schwester landet nach Frankreich in den USA. Der Bruder verdrängt die Vergangenheit. Die Schwester hält Vorträge über Kambodscha in den USA. Die Kinder des Bruders schenken ihm zum Geburtstag ein Wiedersehen mit der Schwester.

Angkor Wat und Geschichte: Bekannteste und größte Tempelanlage der Welt. Sie liegt ca. 240 km nordöstlich der Hauptstadt Pnom Penh in der Provinz Siem Reap. Sie wurde ich 10. Jh. gebaut unter Yasovarman (889-910). Sie war Teil einer Bewässerungsanlage mit Stausee, die den Reisanbau das ganze Jahr ermöglichte. Das Wasser um die Tempelanlage bewirkte, dass der Wald nicht früher vordringen konnte. Das Khmerreich war sehr wohlhabend und eroberte das Nachbarvolk der Cham (die es später umgekehrt machten). Angkor Wat ist höchstwahrscheinlich der Toten-Tempel (Totengott Yama) für Suryavarman II. Ursprünglich hinduistisch für Vishnu wurde die Anlage später als Heiligtum und Kultstätte des Theravada-Buddhismus genutzt. Preah Ko, im 9. Jahrhundert errichtet, ist wahrscheinlich das erste große Gotteshaus in Angkor. Man sieht oft die Gesichter der Herrscher, die den Bau des jeweiligen Tempels befohlen haben. Man arbeitete mit Elefanten und Büffeln. Die Tempel-Anlage ist Nationalsymbol und Teil der Fahne. Um 1200 erreicht das Khmer-Reich seine größte Ausdehnung. Dann setzen Nachbarstämme es immer mehr unter Druck. 1431 erobern die Thai die Khmer-Hauptstadt, die 1434 zugunsten von Phnom Penh aufgegeben wird. Die Thai übernehmen viele kulturelle Traditionen. Die Anlage wurde später von Portugiesen und Franzosen restauriert. Frankreich entriss Kambodscha der vietnamesischen und siamesischen Vorherrschaft und machte es 1863 zu seiner Kolonie (Protektorat). 1953 wurde das Land wieder unabhängig. Später herrschten  die Roten Khmer.

Repression: Sie nimmt im Lande zu. 2021 wurden 9 Funktionäre der Oppositionspartei (CNRP) in Abwesenheit zu hohen Haftstrafen verurteilt. 150 Parteimitglieder auf unteren ebenen stehen unter Anklage.

 

Laos:

Bevölkerung: 7,3 Mio. Einwohner. Wachstum: 1,4%. Verteilung: Stadt  36,9%; Land 63,1%. Religionen: Buddhismus, Christentum u. a.

Hauptstadt Vientiane. Wichtige Städte: SAvannakhet, Pakse, Luang Prabang, Phonsavan.

Staatsform:Volksrepublik. An der Spitze Kommunistische Partei. Thoungloun ist Generalsekretär. Laos ist in unseren Sinne keine Demokratie, also unfrei (nach Freedom House). Es geht dem Land nicht um Wahrung der Demokratie und Menschenrechte. Es gibt positive Worte zum "starken Mann Putin" in Russland.

Der Einfluss Chinas war historisch immer relativ begrenzt. Nur das nördliche Laos stand unter der wirtschaftlichen Einflusssphäre Chinas. Man schätzt, dass 2013 300.000 Chinesen als Migranten in Laos leben. Chinesen investieren in Laos. Luang Prabang ist die frühere königliche Hauptstadt. Sie ist UNESCO-Weltkulturerbestadt. Sie ist bei Touristen sehr beliebt. Man will den Einfluss Chinas nicht zu groß werden lassen und nutzt die Rivalität der Großmächte aus. "Die Vietnamesen pflanzen Reis, die Kambodschaner schauen zu, die Laoten hören ihn wachsen", Spruch der Franzosen über die Mentalität der drei Völker.

Thong Hay Hin: Die Ebene der Tonkrüge, nahe Phonsavan. Mehrere Hundert Steinkrüge mit einer Größe von bis zu drei Metern wurden gefunden. Ihr Alter wird auf 1500 bis 2000 Jahre geschätzt. 2019 wurde das Gebiet zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Wirtschaft: Währung Kip. BIP 2017 17 Mrd. US-$. 18,55 Mrd. US-$ 2021. Im Jahre 2017 wächst die Wirtschaft rasant; 2021 2,1%.  Die Börse ist eine der kleinsten der Welt (Laos Composite Index). 2018 kommt Bewegung in den Kapitalmarkt (fünf Börsengänge). 2020 schrumpft die Wirtschaft erstmals seit der Asienkrise 1998. Die Staatsschulden steigen auf über 60% des BIP. Größter Gläubiger ist China. Der aktuelle Fünfjahresplan sieht eine Vertiefung der Beziehungen vor. Die Freundschaft zu Vietnam ist abgekühlt. Inflation 3,8% (2021). ALQ 1,3%.

Außenhandel: Import 6,53 Mrd. US-$. Nahrungsmittel, Maschinen, Petrochemie, Chemische Güter. Export 7,62 Mrd. US-$. Nahrungsmittel, Rohstoffe, Gold, Tabak.

Zusammenbruch?: 2022 kämpft Laos mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das Land hat immense Schulden bei China. Treibstoff ist unbezahlbar. Kredite können kaum noch bedient werden. Vgl. FAZ 6.7.22, S. 18. Laos ist völlig abhängig von China. Der Schnellzug bei Vientine hat alleine zu 7 Mrd. $ Schulden geführt. China macht bisher keine Schuldenschnitte. Vgl. HB 18.10.22.

Umwelt: CO2-Emissionen/Kopf 5,8 t.

 

Philippinen:

105 Mio. Einwohner. Hauptstadt Manila. Währung Philippin. BIP 2017 313,6 Mrd. US-$.  Beim Papstbesuch Mitte Januar 2015 in Manila fehlen Toiletten. Deshalb müssen die Polizisten vorsichtshalber Windeln tragen. Der Jeepney ist ein umgebauter Jeep aus alten Beständen, die die US-Armee nach dem 2. Weltkrieg zurückließ. Sie sind zum Symbol für nationalen Erfindergeist geworden, obwohl sie große Umweltverschmutzer sind. Das älteste Kunstwerk der Welt findet man 2015 auf Jawa: eine verzierte Muschel ist 540.000 Jahre alt.  Im Juli 2016 entscheidet der internationale Gerichthof in Den Haag über den Inselstreit zwischen den Philippinen und China. Er gibt den Philippinen recht. Trotzdem verordnet Präsident Duterte einen radikalen Kurswechsel. Er wendet sich von den USA ab und nähert sich China. Die Terrororganisation Abu Sayaf tötet im November 2016 eine deutsche Seglerin und entführt ihren Mann (Lösegeld). Mit Milliardeninvestitionen versucht das Land, die Hauptstadt Manila mit Infrastrukturprojekten gegen Überschwemmungen abzusichern. Nirgendwo gibt es so viele englischsprachige Callcenter wie auf den Philippinen (1,3 Mio. Menschen arbeiten dort). Sie tragen zum Boom der Wirtschaft bei (8% vom BIP). 2017 gewinnen die Islamisten Boden in dem Land. Bei Gefechten gibt es viele Toten. Am 12.11.17 besucht der US-Präsident Trump das Land. 2017 gibt die philippinische Zentralbank fehlerhafte 100-Peso-Scheine heraus (Porträt eines früheren Präsidenten fehlt).

Manila als Metropol-Region: Hier leben 13,4 Mio. Menschen. Die Stadt hatte einen zweifelhaften ruf als als motorisierte Metropole. Sie drohte im täglichen Verkehrschaos zu versinken. Doch wegen steigender Benzinpreise als Folge des Ukraine-Krieges fahren die Menschen zunehmend Fahrrad. Das könnte eine Chance für den grünen Wandel sein, Manila kann wieder atmen

Politik: Präsident Rodrigo Duterte will sich 2022 zurückziehen. Im Rahmen des Anti-Drogen-Krieges soll er massive Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Der Sohn des einstigen Diktators Ferdinand Marcos will für die Präsidentschaft kandidieren (Ferdinand Marcos jr.). Kehrt der Marcos-Clan zurück an die Macht? Er ging im Zuge eines Volksaufstands 1986 nach Hawaii (voll gestopft mit Goldbarren und Diamantenketten). Bei der Präsidentschaftswahl gewinnt der Sohn von Marcos. Die Dynastie Marcos feiert eine Wiederauferstehung.

Exkurs. Fidel V. Ramos: Er starb im Juli 2022 mit 94 Jahren. Er war in West-Point ausgebildet. Er kämpfte als Soldat im Korea- und Vietnam-Krieg. Als Chef der nationalen Polizei stützte er einst den Diktator Ferdinand Marcos. 1986 half er ihn stürzen. 1992 bis 1998 war er Präsident. Er liberalisierte die Gesellschaft und die Wirtschaft. Einer seiner größten Erfolge war die Versöhnung mit extremistischen und separatistischen Gruppen..

Drogenkrieg: Präsident Rodrigo Duterte geht 2018 unerbittlich gegen den Drogenhandel vor. Mit dem Versprechen hatte er die Wahl 2016 gewonnen. 30.000 drogenabhängige Menschen wurden schon getötet. Die Angst hat Methode. Das Angebot an Drogen wächst, die Preise fallen. Immer wieder kommt es 2019 zu Anschlägen, bei denen es viele Tode gibt. Ab 2019 stellen sich in der mächtigen katholischen Kirche viele gegen ihn. Doch auch sie müssen um ihr Leben fürchten. Kinder (der Präsident möchte schon Kinder ab 9 Jahren strafmündig erklären) und Jugendliche landen wegen kleinster Vergehen reihenweise im Gefängnis. Essen klauen reicht manchmal schon. Betten gibt es nicht. Hofgang ist selten. Der Frust entlädt sich dann in Gewalt. Viele Kinder werden in Drogen-Operationen auch getötet oder bleiben als traumatisierte Waisen zurück. 

Streit mit China: 2012 übernahmen die Chinesen nach einem Fischereistreit kurzerhand die Kontrolle über Scarborough Shoal. Der ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag erklärte das für illegal. Es gibt auch Krach über andere Inseln und die Ausdehnung des chinesischen Hoheitsgebietes vor Hainan (Spratly-Inseln). Das Mischief-Reef liegt in Territorialgewässern der Philippinen. Es wurde aber von China zu einem Luftwaffenstützpunkt ausgebaut (Meiji auf Chinesisch). Der Inselstreit steht immer wieder auf der Tagesordnung von ASEAN. Es konnte keine Einigung erzielt werden (z. B. über einen Verhaltenskodex). In den umstrittenen Gewässern lagern große Kobaltvorkommen. Der Rohstoff ist wichtig für die Batterie und Akkuproduktion. Die Philippinen sind einer der größten Produzenten (nach Kongo, Russland, Australien, Kuba). Bei den Spratly-Inseln versucht China, Tatsachen zu schaffen. Zum Beispiel sind zahllose Schiffe am Whitsun-Riff. Nach chinesischen Angaben Fischerboote. Nach philippinischer Ansicht verkappte Militärboote. Der Konflikt ist sehr komplex. Anrainerstaaten sind Vietnam, Malaysia, Brunei, Taiwan. Handelsrouten verbinden den indischen und den Pazifischen Ozean. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs gehörten die Insel zu Japan. 1951 erhob Taiwan Anspruch (Vertrag von San Francisco). Heute erhebt China Ansprüche.

Rohstoffe Philippinen: Sie sind der größte Lieferant für Nickelerz für China. Bei der Minen-Produktion von Nickel liegt das Land auf Platz zwei in der Welt hinter Indonesien und vor Russland. Bis Frühjahr 2022 ist der Nickelpreis innerhalb eines Jahres um +99% gestiegen. Sie zählen auch zu den wichtigsten Ländern bei Gold und Kupfer.

Probleme: Dazu gehören Armut, Kinderarbeit und Umweltverschmutzung. Auch die Philippinen importieren große Mengen Müll aus den Industrieländern, der nicht ordentlich entsorgt wird.  Ein Foto des deutschen Fotographen Hartmut Schwarzbach über das Fischen von Plastikmüll von Kindern vor Manila wird vom UN-Kinderhilfswerk Unicef zum Foto des Jahres 2019 gekürt. Im Süden des Landes wütet die militante Islamisten - Gruppe Abu Sayyaf. Sie macht immer wieder Bombenanschläge.

Religion: Die katholische Kirche hat viele Gläubige. Das Erzbistum Manila beginnt 2022 mit dem Bau eines Exorzismuszentrums. Sie soll "Zentrum des heiligen Michael für sprirituelle Befreiung und Exorzismus" heißen. Es ist das erste Zentrum dieser Art in Asien.

Naturkatastrophen: Im November 2013 trifft der stärkste Taifun aller Zeiten auf die Philippinen. Der Taifun "Haiyan" sorgt für schwere Verwüstungen (über 4.000 Menschen sterben, am schlimmsten betroffen ist die Stadt Tacloban; 2,5 Mio. Menschen brauchen Hilfe). Im Januar 2020 bricht der Vulkan Taal aus. Er liegt in der Nähe der Hauptstadt Manila. Die Luft ist stark beeinträchtigt. Anfang November trifft wieder der stärkst Taifun, den es 2020 gegeben hat, auf die Philippinen. Er bringt viele Opfer und Verwüstungen mit sich. Ein neuer Wirbelsturm Mitte November 2020 richtet auch große Schäden an. Das Land steht auf dem Climate Risk-Index von German Watch ganz oben. Mitte Dezember 21 kommt es zu starken Regenfällen und Überschwemmungen, die viele Tote mit sich bringen.

Internationales Recht: Bei Ermittlung von Massenmorden im so genannten "Anti-Drogenkrieg" wollen die Philipppinen nicht mit dem internationalen Strafgerichtshof zusammenarbeiten. Das Land erkennt den Strafgerichtshof nicht an.

Kommunikation/ Presse: Rappler ist eine Online-Nachrichten-Seite. Gründerin 1993 Maria Ressa, Chefin und Journalistin. Sie bekommt 2021 den Friedensnobelpreis. Die Regierung versucht sie daran zu hindern, zur Verleihung nach Oslo zu fliegen.

 

Malediven:

436.000 Einwohner. Hauptstadt Male. BIP 4,6 Mrd. US-$. Die Inselgruppe ist vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Mit Unterstützung Chinas wird 2018 wieder ein autoritäres Regime eingerichtet (chinesischer Brückenknopf). Vorher herrschte Gewalt und Chaos in der Hauptstadt Male.

 Die Malediven sind bei uns vor allem als Urlaubsparadies bekannt. Sie drohen im Zuge des Klimawandels und des folgenden Anstiegs des Meeresspiegels zu verschwinden. Unter dem Autokraten Yameen haben die Malediven mehrere Abkommen mit China unterzeichnet. Sie stehen dort mit drei Milliarden Dollar in der Kreide. Als Vorzeigeprojekt wurde die vierspurige China-Malediven-Freundschaftsbrücke gebaut, die über zwei Kilometer des Indischen Ozeans verläuft. Die Brücke verbindet die maledivische Hauptstadt mit dem internationalen Flughafen und der schnell wachsenden künstlichen Insel Hulhumale. Allerdings gibt es kaum Autos und Straßen.  2019 will man die Demokratie zurückerobern. Die Maledivische Demokratische Partei (MDP) gewinnt 60 von 87 Sitzen im Parlament. In China dürfte diese Entwicklung Missfallen auslösen.

Wirtschaft: 2020 steigt der Schuldenstand um ein Viertel. auf 149% des BIP. Die Wirtschaftsleistung sinkt Pandemie bedingt um -32%. Es gibt Sorgen um die Zahlungsfähigkeit des Landes. IWF und Rating - Agenturen stufen die Kreditwürdigkeit herab.

 

Mongolei:

Zentralasien. 3 Mio. Einwohner. Hauptstadt Ulan-Bator. BIP 2017 11,5 Mrd. $. Die Mongolei (2,6 Mio. Einwohner) verfügt über riesige Rohstoffreserven an Gold, Kupfer und Steinkohle. Sie wirbt um Investoren. Deutschland hat mit dem Land ein Rohstoffabkommen.

Die gemeinsame Grenze mit China ist 4700 Kilometer lang (längste Grenze Chinas mit einem Nachbarland). Die mongolische Revolution 1921 machte der chinesischen Besatzung ein Ende (Annexion durch das Qing - Reich im 17. Jh.). Die Mongolei geriet unter die Einflusssphäre der Sowjetunion. Heute versucht man Distanz zu halten gegenüber den beiden Riesen. Ein Symbol ist wie eh und je Dschinghis Khan, um sich mit Nationalstolz abzugrenzen. Rund 50 Kilometer von Ulan-Bator  entfernt thront Dschingis Khan zu Pferde auf einem künstlichen Hügel als 25 Meter hohe Statue aus Edelstahl. Dschingis Khan herrschte einst über das größte Reich der Geschichte. Er revolutionierte die Militärtechnik, indem er in großem Maße Pferde einsetzte. Pferde wurden als Steppenwildtiere domestiziert.

Politik Mongolei: Ende Juni 2020 wird erstmals in der drei Jahrzehnte langen Geschichte eine Regierungspartei wieder gewählt (MVP: Mongolische Volkspartei). Ministerpräsident Khurelsukh gewinnt 80% der Stimmen. Das Land hat große wirtschaftliche Probleme. Anfang 21 tritt die Regierung zurück: Entrüstung über ein Covid-Video.

Wirtschaft und Börse: 2021 hat der Aktienindex der Mongolei die dynamischste Entwicklung in der Welt. Es ist der MSE Top 20-Index. Mongolische Aktien explodieren, weil dahinter Rohstofffirmen stecken. Das sieht man auch bei Platz zwei und drei: Sambische Aktien, Abu-dhabische Aktien.

Asia-Pacific-Trade Agreement (APTA): Man trat 2020 bei. Es ist ein Handelsabkommen zwischen Bangladesch, Indien, Laos, Republik Korea und Sri Lanka.

Kulturelle Identität: Sowohl die Sowjetunion als auch China fahren einen offensiveren Kurs gegen die Kultur der Mongolen. In den Schulen (Grundschulen) soll früher in den jeweiligen Landessprachen unterrichtet werden.

Rohstoffabkommen mit Deutschland: Deutschland schließt im Herbst 2011 ein Abkommen mit der Mongolei: Lieferung Seltener Erden, Investitionen in Bildung und Technologie in der Mongolei.

Der deutsche Dschingis Khan: Der baltendeutsche Adlige Roman von Ungern-Sternberg schwang sich im russischen Bürgerkrieg im Namen des Zaren zum Warlord in der Mongolei auf. Er lebte von 1886 bis 1921. Er war bekannt als Judenhasser und Feind der Bolschewiki. Er nannte sich "Selbstbeherrscher der Steppe". Er scheiterte als sich Bolschewiki und Chinesen verbünden. 1921 wird er nach einem Schauprozess erschossen. Vgl. Thumann, Michael: Ein deutscher Dschingis Khan, in: Die Zeit Nr. 10, 4.3.21, S. 20.

Gesundheit: 2020 hat man kaum Corona, weil man sofort die Grenzen geschlossen hatte. Anders ist dies im Juni 2021. Die Sieben - Tage - Inzidenz steigt auf 170.

Tourismus: In der mongolischen Hauptstadt gibt es zahlreiche Hotels. Auf dem Land finden sich zahlreiche Ger Camps (Camping-Plätze). Sehr schön ist das farbenfrohe Nationalfest Naadam (11. bis 13. Juli). Ab Juni 2022 soll es Direktflüge ab Frankfurt geben (vorher Zwischenlandung in Jekaterinburg). Vgl. Galsan Tschinag: Die neun Träume des Dschingis Khan, Insel Verlag.

 

Afghanistan (Islamische Emirat Afghanistan):

Bevölkerung/ Grundlagen. 35,5 Mio. Einwohner. Hauptstadt Kabul.  Religion 99% Muslime (80% Sunniten, 19% Schiiten, Minderheit von Ismaeliten). Sprachen: Paschtunisch und Dari (Persisch). Ethnien: Paschtunen, Tadschiken, Hazara, Usbeken, Sadat. Minderheiten sind Turkmenen, Hindus, Pashai (Vielvölkerstaat, mehr als 30 Sprachen). Das Land liegt an der Schnittstelle von Südasien, Zentralasien und Vorderasien, hat also eine wichtige strategische Lage. 3/4 des Landes sind schwer zugängliche Gebirgsregionen.  Staatsreligion: Islam. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei nur 48 Jahren. Rund zwei Drittel der Afghanen sind 2021 unter 25 Jahre. Nur 18% können lesen und schreiben.  Im Herbst 2016 wird ein Rückführungsabkommen mit Deutschland geschlossen. Allerdings bekommen viele ehemaligen Beschäftigten der Deutschen (z. B. Dolmetscher) keine Einreisegenehmigung oder sie wissen nicht wie bzw. haben kein Geld, um nach Deutschland zu kommen.

Wichtige Städte und Grenzen: Die größten Städte sind neben Kabul, der Hauptstadt, Herat, Mazar-e Scharif, Kunduz, Bamiyan, Dschalabad, Ghazni, Khost und Kandahar. Das Land grenzt an den Iran, Turkmenistan, Tadschikistan, China und Pakistan.

Geschichte: In der Antike  gehörte das Land zum Perserreich. 329 v. Chr. kam Alexander der Große nach Afghanistan. Er hatte sein Hauptquartier im Pandschir-Tal. Er konnte die Perser besiegen. Im 14. Jahrhundert konnte Timur von Kabul aus sein Reich bis in den Iran ausdehnen. 1378 plünderte er Isfahan. 1504 bis 1530 beherrscht Babur ein Mogulreich von Kabul aus. Er hatte vorher 1504 von Usbekistan aus (dort wurde er 1483 geboren) Kabul erobert. Anfang des 19. Jahrhundert gehörte das Land zum British Empire. 1842 besiegt  die Armee Afghanistan das britische Kolonialreich. 1893 gewinnt GB das Land zurück. Es wurde dann nahezu selbständig 1919 unter Amanullah Khan, wobei es immer während dieser Zeit große Einflüsse aus GB und Russland gab. 1933 kam wieder die endgültige Unabhängigkeit. 1979 erfolgte der Einmarsch der UdSSR. Die Gegenbewegung Taliban, die sich als Zweckbündnis in Pakistan bildete, wurde von den USA und Saudi-Arabien unterstützt. 1987 ziehen die russischen Soldaten ab (13.000 russische Soldaten fallen).1996 siegten die Taliban, sie konnten aber den regionalen Führer Massoud nicht besiegen. Sie rufen 1997 das islamische Emirat Afghanistan aus. 2001 marschierten die USA mit ihren Verbündeten ein (wegen des islamistischen Anschlags in New York( World Trade Center, der von Terrorbewegungen in dem Land organisiert war). Am 15. August 2021 erobern die Taliban wieder die Hauptstadt Kabul. "Wenn du dich jemals nutzlos fühlst, dann erinnere dich daran, dass es 20 Jahre brauchte, Billionen von Dollar und vier US-Präsidenten, um die Taliban durch die Taliban zu ersetzen", 2021 in den sozialen Medien kursierend. "Es ist leicht, nach Afghanistan rein zukommen, aber unmöglich, sein Heer wieder raus zubringen", Alexander der Große.

"Trink Wein in Kabuls Zitadelle, und rastlos kreisen den Becher. Denn Kabul ist Berg und ist Meer, in Stadt und Ebene zugleich", Mulla Muhammad zit. in Babur, Das Babur-nama".

Kultur: Die wenigen Fortschritte für afghanischen Frauen drohen wieder verloren zu gehen. Auf dem Land sind sie ohnehin nie angekommen. Frauen sind in der Kultur nicht hoch angesehen (Mädchen werden noch zum Sterben rausgelegt in die Sonne). Hier vereinen sich die Religion "Islam" und die alte Agrarkultur. Die Frauen haben Angst, dass nach dem Abzug der ausländischen Truppen im September 2021 alle kleinen Freiheiten verloren gehen. Erste Eindrücke scheinen das nicht zu bestätigen. Nur die Kleidung muss islamisch sein. Es gibt einige Demonstrationen für Frauenrechte, die teilweise geduldet werden. Furcht haben viele Bereiche. So auch der Sport: Vereine wurden verboten genauso wie Fußballspielen auf der Straße. Das Scheitern der NATO in Afghanistan, zeigt wieder mal eindeutig, dass sich nicht in jede Kultur der Welt Demokratie exportieren lässt. In Fahrzeugen soll keine Musik mehr gehört werden. Es wird immer wieder diskutiert, ob das Land eine kulturelle Identität habe.

Karim Asir war in seinem Land ein berühmter Mann. Er spielte Charlie Chaplin. Auf You Tube konnten ihn Millionen sehen. Heute lebt er mit seiner Familie in Deutschland. Vgl. Die Zeit 23.6.22, S. 55.

Frauenrechte: Die Taliban wollen die Trennung der Geschlechter an Universitäten. Sie verbieten im November 21 Filme mit Schauspielerinnen. Auf längeren Wegen dürfen Frauen nur noch in Begleitung eines nahen männlichen Verwandten gehen. Später wird da verschärft: Frauen dürfen nicht ohne männliche Begleiter hinausgehen. In allen Transportmitteln dürfen nur Trägerinnen eines islamischen Hidschab befördert werden. Vor der Machtübernahme der Taliban gab es in dem Land 69 weibliche Abgeordnete. Heute leben 25 von ihnen in Athen (man spricht von Exilparlament der Frauen). Vgl. Kuntz, Katrin: Das Exilparlament der Frauen, in: Der Spiegel 6/5.2.22, S. 88f. Ab 2022 müssen Frauen im gesamten öffentlichen Leben Kopftücher tragen. Mädchen dürfen nicht mehr studieren. Die Taliban erlauben im März 2022 den Unterricht für ältere Mädchen (ab der 7. Klasse). Sie müssen den Hidschab tragen und in separaten Gebäuden von weiblichen Lehrkräften unterrichtet werden. Doch die Schulen werden gleich wieder geschlossen. Im Mai 2022 ordnen die Taliban an, dass Frauen in der Öffentlichkeit nur mit Burka auftreten dürfen. Mädchen unter 12 Jahren dürfen nicht zur Schule gehen. Im August 2022 werden Frauen-Proteste in Kabul mit Schüssen in die Luft aufgelöst. Im Friedensvertrag der USA mit den Taliban 202o spielten Frauenrechte keine Rolle. Medica Mondiale hat die meisten Büros geschlossen. Aus Verzweiflung werden Mädchen wieder sehr früh verheiratet (Brautpreis, Essen). Die Frauen werden grundsätzlich aus der Öffentlichkeit verbannt. "Die Deutschen sollen sich nicht immer nur um Probleme der Frauen kümmern", Anas Haqqani.

Kunst: Taliban-Kämpfer plündern historische Kunstschätze in einem Museum in Bamiyan. Sie verkaufen sie. Buddha-Köpfe und andere historische Fragmente wurden aus den Lagerräumen der Restauratoren gestohlen. Das Tal in der Provinz Daikundi ist berühmt für seine gigantischen, in Felsen gemeißelte, Buddha-Statuen. Im März 2001 wurden die buddhistischen Kunstwerke von den Taliban als unislamische "Götzenbilder" gesprengt.

Ab Juni 22 bis 11. September 2022 stellt das Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern Werke der afghanischen Künstlerin Kabru Khademi aus. Es ist weltweit erste Einzelausstellung einer afghanischen Künstlerin. Enhalten ist auch Feministische Pornografie.

Religionen in Afghanistan: Muslime (99%, ganz überwiegend Sunniten, auch Schiiten, die Paschtunen sind ganz überwiegend Sunniten), Hindus (15.000), Sikhs, Juden, Christen. Die Christen und Juden werden heute verfolgt.

Wirtschaft: BIP 2020 19,13 Mrd. US-$ (-6,5%). BIP 2017 20,8 Mrd. US-$.  Es ist eines der ärmsten Länder der Welt (36% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze). Währung Afhani. 15% des BIP werden illegal produziert (Opium, drei Viertel der Weltproduktion) . 2017 wird die größte Schlafmohnernte der Geschichte (Opium) erzielt. Das füllt die Kassen der Taliban. Frauen und Männer sind rechtlich gleichgestellt. Das steht in völligem Kontrast zu der gesellschaftlichen Realität. Die Taliban sind auf finanzielle Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. Erwerbstätige nach Sektoren (2020) Landwirtschaft 42,4%, Industrie 18,2%, Dienstleistungen 39,4%. Import 6,48 Mrd. US-$. Export 783 Mio. US-$. Riesiges Handelsdefizit (2020): Nahrungsmittel und Energie werden importiert. Quelle: Kosmos Welt-Almanach und Atlas, 2021, S. 30. Ende 2021 kollabiert die Wirtschaft. Millionen sind von Hunger bedroht. Die Wirtschaftssanktionen, die die Taliban treffen sollen, entziehen Millionen von Menschen die Lebensgrundlage.

Mohn: 15% des BIP werden illegal produziert (Opium, drei Viertel der Weltproduktion) . 2017 wird die größte Schlafmohnernte der Geschichte (Opium) erzielt. Das füllt die Kassen der Taliban. Im April 2022 verbieten die Taliban (Chef Hibatullah Achundsada) den Mohnanbau in Afghanistan. Er ist unabdingbar für die Produktion von Opium und Heroin. Es wird ein Dekret gemacht. Verstöße werden mit einer sofortigen Zerstörung der Mohnfelder bestraft. Es droht weiterhin eine Strafverfolgung nach der Scharia. Afghanistan ist der weltweit größte Mohnanbauer und Rauschgiftproduzent sowie Exporteur. Der Drogenhandel war immer die wichtigste Einnahmequelle der Taliban. Deshalb sind Zweifel angebracht.

Notenbank: Ende April 2021 beliefen sich die Reserven an Dollar auf 9,4 Mrd. Ein großer Teil des Geldes ist außerhalb Afghanistans untergebracht. Es ist bisher unklar, inwiefern die Taliban darauf Zugriff haben. 2022 ist ein Milliardenguthaben weiterhin nicht zugänglich. Die Banken sind kaum funktionsfähig.

Staatseinnahmen: Die Herrschaft der Taliban hat folgende Einnahmen: 1. Kriminelle Aktivitäten (Lösegeld, Schutzgeld). 2. Anbau von Schlafmohn (größter Produzent der Welt). 3. Steuern (die Taliban sind hierin sehr kreativ, sie nehmen auch Wegzölle, aber maximal 5-10%). 4. Förderungen von außen (Saudi-Arabien, Katar; China; Russland und die Türkei dürften eher zurückhaltend sein). Viele Länder stoppen die Entwicklungshilfe nach der Machtübernahme der Taliban.  Die EU will verhandeln. Gelder fließen aus arabischen Ländern und aus dem Iran, aber oft nur an spezielle Gruppen 5. Rohstoffe. Es gibt große Vorkommen von Öl, Gas, Uran, Gold, Lithium, Seltenen Erden. Afghanistan hat auch 9,4 Mrd. Dollar Devisenreserven. Doch der Zugriff ist praktisch unmöglich (USA). Auch die Überweisungen der afghanischen Diaspora dürften versiegen. Die USA haben 10 Mrd. $ an afghanischem Staatsguthaben eingefroren. Vorerst kommen die Taliban nicht ran. Sie brauchen dringend die internationale Anerkennung durch dir UNO. Alle internationalen Hilfszahlungen sind seit der Machtergreifung der Taliban ausgeblieben. Der Staatsbankrott rückt 2022 näher. Die USA wollen die afghanischen Reserven (Auslandsguthaben) für die Terroropfer des 11. September 2002 verwenden. Das stößt auf Empörung in Afghanistan. Das Land ist auch verwöhnt. Zeitweise floss sehr viel Geld aus dem Ausland als Unterstützung ins Land (Höhepunkt aus Deutschland 2001, ohne Kontrolle, auch aus Stiftungen).

Finanzmärkte und Bankensystem: Das afghanische Bankensystem braucht nach der Übernahme der Taliban 2021 Liquidität (Vermögenswerte lagern noch in Europa). Der Treuhandfonds für den Wiederaufbau Afghanistans (ARTF) lagert bei der Weltbank. Sie könnte 280 Mio.  sofort freigeben. Die USA und andere Geberländer könnten Finanzinstitutionen unterstützen.  Humanitäre Hilfen müssten fließen. Sanktionen könnten aufgehoben werden. Vgl. Miliband/ Desir: Im Umgang mit Afghanistan muss der Westen umdenken, in: WiWo 5/ 28.1.22, S. 10.

Rohstoffe in Afghanistan: Welche Rohstoffvorkommen das Land wirklich hat, ist sehr umstritten. Bisher sind alle Projekte aus Russland (Gazprom) oder China (MCC, Kupfer) eher gescheitert. Korruption, unausgereifte Infrastruktur und fehlende Technik haben alles verhindert. 70 Prozent der Fläche des Landes sind unerforscht. Große Teile sind überhaupt nicht zugänglich. Also muss die Angabe der Rohstoffe im letzten Abschnitt stark relativiert werden.

Umwelt und Natur/ Naturkatastrophen: Der Westen Afghanistans ist von großer Dürre betroffen. Es hat schon zwei Jahre nicht mehr geregnet, Es drohen Hungersnöte. Fast neun Millionen Afghanen seien aktuell von Hunger betroffen. Fast 23 Mio. Menschen seien bedroht. Quelle: Welternährungsprogramm.

Im Juni 2022 gibt es ein schweres Erdbeben in den ostafghanischen Provinzen Paktika und Chost (Grenzregion zu Pakistan). Mehr als 1000 Menschen kommen ums Leben, mehr als 1500 werden verletzt. Rettungsaktionen sind sehr schwierig, weil die Region unwegsam ist. Auch deutsche Hilfskräfte sind auf dem Weg ins Katastrophengebiet. Sie laufen über die Organisationen Unicef und WHO.

Politik: Staatsform: Islamische Präsidialrepublik. Staatsoberhaupt: Präsident. Legislative: Nationalversammlung. Verfassung von 2004.  Nach der Präsidentenwahl drohen dem Land neue Unruhen. Es gibt eine Kontroverse um 300.000 Stimmen. Die Regierung galt als zerstritten, inkompetent und korrupt. Die Regierung konnte nie mit dem vielen Geld aus dem Ausland umgehen: Es fehlten Kapazitäten und Fähigkeiten. 2021 übernehmen die Taliban wieder die Macht. Sie hatten schon lange politische Parallelsysteme aufgebaut. Es gab zahlreiche Schatten-Büros. Das Außenministerium war praktisch in Doha. Sie führen ein radikal - islamistisches Emirat ein. Rechtsgrundlage ist die Scharia. Die Taliban hat Clan-Strukturen (Stammes-Hierarchien). Allerdings gibt es auch verschiedene Stämme und  Strömungen. Man wird sehen, welche die Oberhand gewinnen (gemäßigte und moderne oder steinzeitliche, militante, fundamentale sehr radikale). Die Taliban haben zwar militärisch gewonnen. Aber das Regieren dürfte nicht leicht werden.

Verteilung: die Verteilung ist extrem ungleich. Ca. 40 Familien, die ihren Schwerpunkt in Kabul haben, besitzen den größten Teil des Vermögens. Auf dem Lande leben überwiegend Arme, die außerdem über wenig Bildung verfügen. Die Religion, d. h. der Islam, sichert die Vermögensstruktur.

Armut: 70% der afghanischen Haushalte gelingt es 2022 nicht, ihre Grundbedürfnisse abzudecken. Das Ausmaß der Armut ist hoch, zusammen mit Hunger. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist hoch. Vgl. Peer, Mathias: Das "traurigste Land der Erde", in: HB Nr. 155, 12./ 13./ 14. August 2022, S. 15. 

Flüchtlinge und Iran, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan sowie Pakistan: Nachdem die Amerikaner und Europäer mit dem Militär das Land verlassen haben, rücken die Taliban vor. Insgesamt sollen 3,4 Mio. Flüchtlinge im Land unterwegs sein. Es gibt große Flüchtlingsströme nach Iran und dann in die Türkei. Von dort wollen viele nach Europa. Der Iran ist das Schlüsselland. Es hat sowohl von der Sprache (Dari) als auch der Ethnie sowie der Religion traditionell enge Beziehungen zu Afghanistan.  Im Iran leben Mitte 2021 780.000 Flüchtlinge. Ohne gültigen Pass leben 2,5 Mio. Afghanen im Iran. Man fürchtet eine humanitäre Katastrophe. Die anderen Nachbarländer sind eher nicht Transitländer, sondern müssten die Flüchtlinge für lange Zeit aufnehmen. Die Aufnahme dort hängt von Religion und Volksgruppe ab. Russland hat Angst vor islamischen Flüchtlingen. Ebenso China, das mit der Problemregion Xinjian an das Land grenzt. In Pakistan leben Mitte 2021 1,4 Mio. Flüchtlinge. Ende 2021 sind es schon 2 Mio. Viele leben seit Jahrzehnten in dem Land. Sie sind in Sicherheit, aber ohne Perspektive. Je tiefer Pakistan in eine ökonomische Krise stürzt, desto lauter werden die Stimmen, die sich gegen die afghanischen "Gäste" richten. Die Zahl der Flüchtlinge in Usbekistan und Tadschikistan ist nicht bekannt (viele Usbeken und Tadschiken bilden aber die Bevölkerung in Afghanistan). Diktator Empali Rahmon aus Tadschikistan fürchtet den Islam. Usbekistan hat überwiegend ökonomische Interessen. Turkmenistan will sein Gas-Pipeline nach Pakistan bauen. An Flüchtlingen ist man eher nicht interessiert. Einige Nachbarländer wollen die Durchreise von Deutschen und Landespersonal der Bundeswehr zulassen (mit Deutschland vereinbart, wenn die Taliban zustimmen oder die Sicherheit herstellen können). Tadschikistan will allenfalls Tadschiken aufnehmen (kämpfen unter Massud im Pamir-Tal gegen die Taliban, ähnliche Sprache). Im Land findet Mitte September 21 eine Konferenz aller Staaten statt, die Grenzen zu Afghanistan haben.  Im Zentrum steht die Aufnahme von Flüchtlingen. Die deutsche Botschaft in Afghanistan ist geschlossen. Migrationsangelegenheiten (Familiennachzug, Ausreise) werden in Indien oder im Iran bearbeitet.  Auch 2022 fliehen jeden Tag Tausende über offene Routen im Süden ins Ausland. Die Taliban lassen sie ziehen, aber nicht ohne Gegenleistung (Exportgut).

Krieg/ Unruhen in neuerer Zeit/ USA:  Die Taliban organisierten sich ursprünglich in Pakistan als Gegenbewegung gegen die russische Armee (von Saudi-Arabien und den USA unterstützt). Taliban und die US-Regierung verhandeln 2019 im Hintergrund über einen Frieden. Was Terrorismus angeht, ist die Lage in Afghanistan besonders schlimm (auch 2019; Quelle: Institut for Economics and Peace/ IEO, London). Auf dem globalen Terrorismus-Index löst das Land den Irak auf dem ersten Platz ab. 2018 starben mit 7379 Menschen knapp 60% mehr bei Anschlägen als 2014. Viele junge Menschen verlassen verzweifelt als Flüchtlinge das Land. Im Norden erobern die Taliban Distrikt um Distrikt, ein mörderischer Feldzug. Im Februar 2020 wollen die USA und Taliban ein Abkommen unterzeichnen. Man trifft eine historische Vereinbarung in Doha/ Katar: Abzug aller internationaler Truppen bis Mai 21. Im Oktober 2020 gibt es starke Gefechte in Südafghanistan. Zehtausende Menschen fliehen. Als Trump schon abgewählt ist im November 2020, trifft er einen Beschluss, hohe Truppenkontinente aus dem Land abzuziehen (von 4500 auf 2500). Das verschlimmert die Lage seiner Verbündeten (z. B. Deutschland, Großbritannien, Australien). Im Januar 2021 ist die Anzahl der US-Soldaten auf dem Tiefststand: 2500. Die Nato berät über einen Abzug aus Afghanistan, weil eine erhöhte Bedrohung der Soldaten besteht (weil die US-Truppen weg sind). Die USA unter Biden wollen den Abzug koordinieren. Die Nato beschließt den gemeinsamen Truppenabzug aus dem Land, wahrscheinlich wird er im September 2021 erfolgen. Für die zahlreichen Unterstützer und Helfer der Truppen wird zu wenig gesorgt. Die Taliban rücken vor. Sie nehmen die erste Provinzhauptstadt seit 2016 ein: Sarandsch in der Provinz Nimrus mit geschätzt 65.000 Einwohnern. Sie ist ein wichtiger Handelsknotenpunkt an der Grenze zum Iran. Rasant erobern die Taliban große Teile des Landes zurück und stehen kurz vor Kabul. Die nicht-radikalmuslimische und bisher privilegierte  Führungsschicht verlässt das Land. Erste Botschaften und Helfer werden evakuiert. Dies geschieht vom militärischen Teil des Flughafens aus. Der Präsident flieht am 14.8.21 aus dem Land. Damit tritt auch die Regierung ab. In den westlichen Ländern, die Truppen im Land hatten, spricht man von einem Desaster nach 20 Jahren Krieg (die Geheimdienst wurden von dem frühen Zusammenbruch überrascht). Über Doha und Rammstein richten die USA Luftbrücken ein, wo Beschäftigte der US-Armee ausgeflogen werden. Der Endtermin für diese Aktionen liegt am 31.8.21. Tatsächlich ziehen die USA alle Soldaten bis dahin ab und beenden die Evakuierung. Insgesamt wurden 116.700 Menschen evakuiert. Die Haltung der Taliban zu den USA ist sehr gespalten. Viele Führer lassen ihre Kinder noch in den USA studieren.

Taliban: Die Taliban bildeten sich ursprünglich während der britischen Kolonialherrschaft als Gegenbewegung. Sie wurden reorganisiert 1994 in Pakistan gegen die russische Besetzung. Ursprung ist eine Koranschule in Indien, die dem Wahabismus ähnelt. Deshalb auch die engen Beziehungen nach Saudi-Arabien. Die Taliban sind so erfolgreich, weil sie nicht korrupt sind, klare hierarchische Strukturen besitzen, einen festen Glauben haben und massiv von Saudi-Arabien und Pakistan unterstützt werden. Hinzu kommt, dass die relevanten Ethnien vertreten sind. Sitz der Führung ist Pakistan (Karachi, Quetta). Dort sitzen auch spezielle Koranschulen, die radikalisieren und ausbilden (Akora Khattak, Abbotabad). In diesen Madrasas wurde auch das pakistanische Militär zu großen Teilen ausgebildet. Innerhalb der Taliban gibt es ganz unterschiedliche Kräfte mit ganz unterschiedlichen Interessen. Wir wissen viel zuwenig darüber. 2022 im Januar beginnen Verhandlungen der Taliban (15 Vertreter) mit den USA und europäischer Staaten (Deutschland, Frankreich) in Oslo. Es geht um Hilfe. In Afghanistan droht eine Hungersnot. Das soll keine Anerkennung des Regimes bedeuten.

Die Taliban bereiten sich 2021 auf eine mögliche militärische Machtübernahme nach einem Abzug und einem Scheitern der Friedensgespräche vor. Sie bevorzugen aber eine Verhandlungslösung: internationale Anerkennung zusammen mit Hilfsgeldern. Insofern gibt es noch Druckmittel gegen die Taliban. Das hindert sie aber nicht daran furchtbare Anschläge zu verüben. So ein blutiger Anschlag gegen eine Mädchenschule in Kabul (sie bestreiten allerdings die Tat). Die Rolle der Frau ist bei den Taliban nicht verhandelbar. Bei Abzug der Truppen der USA beherrschen sie ca. 50% des Landes. Es gibt ein Abkommen zwischen den USA und der Taliban, aber nicht zwischen der Regierung in dem Land und der Taliban. Viele muslimische Terrororganisationen wollen nach Truppenabzug wieder in das Land zurück. Die Taliban töten im August 2021 den afghanischen Regierungssprecher Dawa Khan Menapal. Mitte August 2021 übernehmen sie faktisch die Macht im Lande mit der kampflosen Eroberung von Kabul. Alle Prognosen über den Widerstand der Armee waren falsch. Die Taliban errichten ein islamisches Emirat mit der Scharia als Grundrecht. Auch sind inzwischen afghanische Usbeken und Tadschiken dabei. Das Staatsversagen hat sie zu den Taliban getrieben. Die Soldaten der staatlichen Armee haben mit ihrer Ausrüstung Geschäfte gemacht. Sie haben alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest war. Die Taliban geben im September 2021 eine Sicherheitsgarantie für humanitäre Helfer. Sie bilden auch eine Regierung. In der Übergangsregierung sind weder Frauen noch Vertreter anderer Gruppen. Es gibt sofort Konflikte unter den verschiedenen Strömungen in der Regierung. Nach einem UN-Bericht 2022 haben die Taliban mehr als 100 Ex-Beamte getötet.

Chef der Taliban ist Haibatullah Achundsada. Er wird "Anführer der Gläubigen" genannt. Vorgänger Mansur wurde 2016 von der US-Armee getötet. Achundsada ist 2021 etwa 60 Jahre alt. Sein Stellvertreter ist Siradschuddin Hakkani. Er ist Oberhaupt des Hakkani-Clans. Sein Netzwerk besteht auch in Pakistan und hat enge Verbindungen zu Al-Qaida. Er ist etwa 40 Jahre alt. Sein Bruder ist Anas Haqqani, der mit westlichen Medien redet (Interview im Spiegel 28/ 9.7.22, S. 90ff). Ein weiterer Stellvertreter ist Mullah Jacub. Er ist der Sohn des langjährigen Taliban-Chefs Mullah Omar und Chef der Milizen der Taliban. Sprecher der Taliban ist Sabiullah Mudschaid. Das mächtigste Netzwerk von allen sollen die Haqqani sein. Kern ist die Familie Dschalaludin aus Kkost. Siradschuddin gehört dazu als Anführer und Innenminister. Auch hier bestehen Beziehungen zu al-Qaida und zum Pakistanischen Geheimdienst ISI (also auch Zugriff auf alle Personaldaten). Man teilt die Taliban in zwei große Lager ein: Kandahari (die "alten Taliban") und Khosti (die "neuen Taliban"). Die Taliban können sehr gut organisieren. Sie verschwanden nie von der Bildfläche, sondern arbeiteten mit Schattengouverneuren.

Andere Gruppen: Al-Qaida, ein loses, weltweites Terrornetzwerk (1988 von Osama bin Laden in Peschawar/ Pakistan gegründet) und Islamischer Staat (IS)  sind weiterhin relativ mächtig und aktiv in Afghanistan. Sie versuchen, wieder mehr Einfluss zu gewinnen. Der Al-Qaida-Führer Aiman al-Zawahiri wird am 28.7.22 von einer US-Drohne, die eine Rakete abschießt,  in der Innenstadt von Kabul getötet. Er war der Hauptverantwortliche für den Anschlag vom 11. September 2001 in New York. Die USA werfen den Taliban ein Bruch des Doha-Abkommens vor. Der IS tritt mit einem Bomben-Anschlag auf den Flughafen in Kabul Ende August 21 hervor, bei dem es viele Todesopfer gibt. Als Vergeltung führen die USA einen Drohnenangriff gegen Führer des IS aus. Raketenangriffe des IS folgen, die zum größten Teil von der US-Flugabwehr verhindert werden. Der IS strebt weiterhin ein Kalifat an. Es ist der regionale Ableger der Provinz Chorasan (ISKP). Er hat sich 2015 gebildet aus unzufriedenen Mitgliedern der Taliban und Al-Qaidas). Die Machtverhältnisse zwischen Taliban und diesen Gruppen ist intransparent. Es gibt auch Stämme, die versuchen, wieder mehr Einfluss zu gewinnen. Die Stammesfürsten sind ganz wichtige Figuren. So formiert sich gewaltiger Widerstand im Pandschirtal. Anführer ist Widerstandskämpfer Massud (er ist der Sohn des Stammesführers, der nie von den Taliban bezwungen wurde). Angeblich erobern die Taliban Anfang September 2021 dieses Tal (wahrscheinlich nur Teile). Besonders gefährlich sind die Gruppen, die globale Ziele verfolgen. Die Taliban haben sie in der Vergangenheit weder bekämpft noch unterstützt, aber geduldet. Sie werden von der Türkei, Katar und Pakistan unterstützt. Dem internationalen Terrorismus wird der Abzug der Nato aus Afghanistan Auftrieb geben. Kernpunkt und Tummelplatz internationaler Terroristen ist schon immer die Provinz Nordwaziristan. Dann gibt es noch TTP. Die militant islamistische Dachorganisation besteht aus pakistanischen Taliban, die den Sturz der pakistanischen Regierung anstreben. Am 19.4.22 kommt es zu einem Anschlag auf eine Schule. Sechs Menschen sind tot, über 20 verletzt. Die Schule liegt in einem Viertel der schiitischen Minderheit Hasara. Sie sind immer wieder Zielscheibe des IS. In der Maulwai-Sikandar-Moschee nördlich von Kundus wird am 22.4.22 ein Anschlag gemacht. Es gibt mindestens 33 Tote.

Die Ideologie: Paschtunwali und Deobandismus: Die Ideologie der Taliban hat sich über drei Generationen entwickelt. Sie ist zuerst stark von der paschtunischen Dorfkultur geprägt (erste Generation, vor 1965 geboren). Die zweite Generation besuchte islamische Schulen, die der radikalen Deoband-Bewegung zugerechnet werden. In der dritten, heutigen Generation gibt es Vertreter der Taliban, die sie politikfähig machen wollen. 1. Dorfkultur: Hudschra/ Moschee als Mittelpunkt. Mullah als Lehrer. Taliban als Schüler. Grundlage ist der paschtunische Ehren- und Wertekodex Paschtunwali. 2. Deoband: Es ist eine nordindische Kleinstadt mit der islamischen Hochschule Dar al-Ulum. Das war die Denkschule des radikalen Islam. Daraus erwuchs Dar al-Ulum Haqqania nahe Peschawar. Sie wurde die Universität des Dschihads. eng mit der Ideolgie und ihrer Geschichte ist das Haqqani-Netzwerk verbunden (siehe oben). Vgl.Hermann, Rainer: Afghanistan verstehen. Geografie, Geschichte, Glaube, Gesellschaft, Stuttgart (Klett-Cotta) 2022 S. 124ff.

Afghanistan und Deutschland, auch EU: Deutschland hatte traditionell enge Beziehungen zu dem Land. Die Uni in Kabul war lange Partneruniversität von der Uni Köln. Es gab viele Entwicklungsprojekte. Durch die vielen und langen Kriege (mit Russland, USA u. a.) erlitten die Beziehungen großen Schaden. Trotzdem gibt es viele Partnerschaftsorganisationen zu dem Land. Sie werden überwiegend von immigrierten Afghanen betrieben. Nach 2001 beteiligte sich Deutschland an der Militäraktien im Land. Hauptquartier für Deutschland war Masar-i-Scharif. Mit Milliardenhilfen finanzierte Deutschland einen Flughafen, Straßen und Brücken. Es gab zahlreiche weitere Großprojekte (z. B. Siemens Energy). Ende 2020 hatte die GIZ noch über 1000 Beschäftigte in dem Land. Allein für Entwicklungshilfe wurde seit 2011 3,5 Mrd. ausgegeben für Schulen, Krankenhäuser und sonstige Infrastruktur. Viel Geld wurde auch in die Ausbildung von Soldaten und Polizei gesteckt. 2500 Ortskräfte haben nach Schätzungen für deutsche Arbeitgeber gearbeitet (Übersetzer, Fahrer, Wächter, Köche). Es wird eine Luftbrücke mit der Zwischenstation Usbekistan (Taschkent) eingerichtet. Eine weitere Luftbrücke der USA geht über Doha und Ramstein (auch medizinische Notfälle für Deutschland). Der BND hatte den Zusammenbruch der gewählten Regierung lange vorausgesagt, aber sich im Datum total geirrt. Deutschland stoppt die Entwicklungshilfe für das Land. Bis September 2021 hat Deutschland 5350 Menschen aus Afghanistan evakuiert. Es gibt ein Patenschaftsnetzwerk für afghanische Ortskräfte in Deutschland (Vorsitzender Marcus Grotian). Die Taliban wollen eine enge Beziehung zu Deutschland (weil sie Geld brauchen). Im Gegensatz zu den USA haben die Deutschen ungeheuer viele Bildungsinstitutionen aufgebaut (Schulen, Hochschulen) und ebenso viel für die Infrastruktur getan (Straßen, Brücken, Stromleitungen). Diese Arbeit wird besonders geschätzt. Insgesamt hat Deutschland für das Land 17,3 Mrd. € ausgegeben (Afghanistan-Einsatz über 20 Jahre). Die EU-Kommission schließt Ende 2021 Wirtschaftshilfe vorerst aus. Ab 2022 will die Taliban-Regierung wieder Pässe ausstellen, so dass dann Ausreisen möglich werden. Es ist noch offen, on Deutschland die restlichen Bediensteten des deutschen Militäreinsatzes ins Land holt. Deutschland stellt Ende 21 einen Aktionsplan vor. Er zeigt viel guten Willen für Afghanistan. Schon jetzt ist man mit 600 Mio. € der größte humanitäre Geldgeber. GIZ-Helfer fürchten 2022 die Rache der Taliban. Sie fühlen sich von Deutschland vergessen. Vgl. Lehman, T./ Malzahn, P.: "Ruf mich nicht mehr an", in: Der Spiegel Nr. 25/ 18.6.22.   Ende 2020 lebten in Deutschland 272.000 Afghaninnen und Afghanen, von denen 216.000 als Schutzsuchende gekommen waren. Zum 31. April 21 waren 40% in Beschäftigung (3% mehr als bei anderen Asylsuchenden). Es gibt also gute Chancen für Afghanen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Am 8.7.22 startet der Untersuchungsausschuss zur chaotischen Evakuierung ehemaliger Ortskräfte in Afghanistan, die auf die Ausreise nach Deutschland warteten. Im Oktober 2022 kommt ei neues Aufnahmeprogramm: Monatlich 1000 besonders gefährdete Afghaninnen und Afghanen sollen nach Deutschland kommen können.

"Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang. Dann Hochlandslieder wie Klagegesang. Sie bliesen die Nacht und über den Tag, Laut, wie nur die Liebe rufen mag. Sie bliesen - es kam die zweite Nacht. Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht. Die hören sollen, sie hören nicht mehr. Vernichtet ist das ganze Heer, mit dreizehntausend der Zug begann, Einer kam heim aus Afghanistan", Theodor Fontane, Gedichte in drei Bänden, Berlin 1989. Hier "Das Trauerspiel von Afghanistan". Es geht um das Fiasko des ersten Anglo-Afghanischen Kriegs (1839-1842). Fontane wirkte vier Jahre in London (als Korrespondent und Preußen-Lobbyist). Vgl. Die Zeit Nr. 50, 6.12.21, S. 16. Das Gedicht ist auch abgedruckt in dem Buch von Amiri, S. 37f.

Katar: Das Emirat gewinnt durch die Krisendiplomatie in Afghanistan an Gewicht. Es macht die Taliban salonfähig. Auch das US-Abkommen mit den Taliban wurde in Doha/ Katar verhandelt. Katar setzt auf einen politischen Islam. 50.000 Flüchtlinge auf Afghanistan nahm Katar bis September 2021 auf. Die Außenminister der Alliierten in Afghanistan verhandeln mit Taliban - Vertretern in Katar. Nicht nur als Vermittler ist das Land sehr wichtig. Man setzt in Deutschland 2022 auch aus LNG - Lieferungen als Ersatz für Erdgas aus Russland.

Afghanistan und China: Afghanistan und China haben eine 79 km lange gemeinsame Grenze. Die Taliban suchen die Unterstützung Chinas. Eine Delegation hochrangiger Taliban-Vertreter besucht im Juli 2021 Afghanistan. Sie wird von Außenminister Wang Yi empfangen. China interessieren in erster Linie Auswirkungen auf separatistische Bewegungen und Aufständischee im eigenen Land (Uiguren).  Die Grenze verläuft ausgerechnet entlang der Krisenregion Xinjiang. Die Taliban hatten zugesichert, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Chinas einzumischen. Man ist auch an den Rohstoffen interessiert. China ist schon 2021 der größte Auslandsinvestor mit Öl- und Gasprojekten. Afghanistan hat reiche Rohstoffvorkommen: Gold, Seltene Erden, Uran, Lithium. Außerdem will man gerne Staatsunternehmen am Aufbau des Landes profitieren lassen. Man spricht von einem "Kuschelkurs" Chinas, der aber stark handelsorientiert ist. Deshalb gab es schon früher Kontakte zur Taliban. Man will Afghanistan schon lange in das Projekt der Neuen Seidenstraße einbinden. Man plant eine Autobahn von Kabul bis ins pakistanische Pesgawar. Das Land soll in den China-Pakistan-Wirtschaftskorridor (CPEC) integriert werden (57 Mrd. $). Man will den Zugang zum Indischen Ozean sichern. Der Abzug der Truppen und die Form hat das Vertrauen in die USA erschüttert. Davon könnte China profitieren. Die Chinesen versuchen auch, in die Lücke zu stoßen. Aber sie sehen das Land weiterhin als Sicherheitsrisiko. An der Grenze liegt Xinjiang, die Provinz der muslimischen Uiguren. Die Milizenführer haben sich nach Afghanistan zurückgezogen, unter den Schutz der Taliban.

Afghanistan und Indien, Pakistan: Beide Länder streben einen großen Einfluss in dem Land an. Pakistan hat aufgrund von Lage, Geschichte und Religion Vorteile. Trotz offizieller Dementis hat Pakistan immer die Taliban unterstützt (sogar aufgebaut). Es bestand jahrelang eine paradoxe Situation: Die Taliban hatten ihre Basis in Pakistan. Gleichzeitig lief der Nachschub für die alliierten Truppen in Afghanistan über das Land. Der Pakistanische Geheimdienst ISI stützt die Führungsgruppe der Taliban in jeder Hinsicht. Es erkannte 1996 auch zusammen mir Saudi-Arabien und den VAE als erstes das Taliban-Regime an. Wichtige Unterstützer der alten Regierung (Nord-Allianz)  waren der Iran, Russland und Indien.  Indien hatte die afghanische Regierung besonders unterstützt. Es fürchtet das islamische Emirat.

Afghanistan und Russland: Nach der Machtübernahme der Taliban trifft sich der russische Botschafter mit der Taliban-Führung (insbesondere dem Sicherheitskoordinator). Man erwägt eine Anerkennung des Regimes. Vor Flüchtlingen aus dem Land hat man Angst. Aber es gilt, wer gegen den Westen ist, ist gut für uns. Afghanistan-Krieg: 1979 marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein. Sie fürchtete ein Vordringen der USA. Der Einmarsch stieß auf großen Widerstand im Westen (Entrüstung, Sanktionen). Der Westen fördert auch den islamischen Widerstand. 1986 kam der Rückzug Russlands aus Afghanistan. Der Nimbus der "Roten Armee" war angeschlagen. Sie war auf diese Form des Krieges nicht vorbereitet gewesen. 2022 wird das Verhältnis zu Russland wieder merklich besser. Die Taliban schließen einen Vertrag mit Russland: Flüssiggaslieferungen nach Afghanistan. Hinzu kommen jährliche Lieferungen von 1 Mio. Tonnen Benzin un d2 Mio. Tonnen Weizen. Das ist das größte Handelsabkommen seit der Machtübernahme der Taliban.

Afghanistan und Iran, Arabische Länder, Türkei: Der Iran hat die Taliban immer unterstützt. Das sowohl militärisch als auch finanziell. Dies wurde gemacht, obwohl die Taliban eher sunnitisch sind (es gibt aber enge sprachliche und ethnische Beziehungen, aber auch die Regierung bekam Unterstützung).  Weitere Gelder kommen aus den arabischen Ländern (Saudi-Arabien, Katar). Die Türkei ist gespalten. Einerseits freut man sich über den Sieg der Sunniten. Andererseits errichtet man eine riesige Grenzmauer gegen die Fluchtwelle aus Afghanistan. Die Bevölkerung in der Türkei will keine Flüchtlinge mehr.

Gesundheit und humanitäre Hilfe: Von der Corona-Krise wird das Land auch hart getroffen. Trotzdem hört man oft den Satz: Der Alltag ist gefährlicher als Corona. Ein humanitärer Gipfel der UN sammelt 1,1 Mrd. $. 100 Mio. davon kommen von Deutschland (mit Aussicht auf weitere 500 Mio.). Das Geld ist auch für Nachbarstaaten, die Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen. Ein weiterer humanitärer und virtueller  Gipfel der G20 findet in Rom im Oktober 2021 statt: Nicht dabei sind Russland und China. Die EU gibt 1 Mrd. €, Deutschland davon 600 Mio. Die USA gewähren trotz Taliban - Regime humanitäre Hilfe. Immer mehr humanitäre Organisationen kehren in das Land zurück. Das Dilemma ist: Man will die Menschen unterstützen, ohne das Taliban - Regime aufzubauen. 22,8 Mio. Menschen sind von Armut und Hunger bedroht. Die Bundesregierung gibt Ende März 2022 noch mal 200 Mio. € an Afghanistan für humanitäre Hilfe. Die UN (Geberkonferenz) will 4,4 Mrd. US-Dollar einwerben. 

Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan: Eine Un-Kommission hat die Menschenrechtsverletzungen untersucht. In dem Un-Report, der im Juli 2022 veröffentlicht wird, werden allein 160 außergerichtliche Tötungen aufgeführt. Es gab 56 Fälle von Folter oder Misshandlungen. 170 willkürliche Festnahmen werden genannt.

Quellen: Focus, Der Spiegel, Die Zeit, Wirtschaftswoche, Rheinpfalz, ZDF, ARD  (verschiedene Nummern und Sendungen). WiWo 34/20.8.21, S. 36ff. Die Zeit Nr. 34, 19.8.21. Der Spiegel Nr. 35/28.8.21, S. 72ff. Wikipedia. Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin. Centre for the Studies of Armed Groups, London. Statistisches Jahrbuch des Auslands (Destatis). Marozzi, Justin: Islamische Imperien, Berlin 2020 (Insel). Amiri, Natalie: Afghanistan. Unbesiegter Verlierer, Berlin (Aufbau) 2022. Rashid, Ahmed: Sturz ins Chaos. Afghanistan, Pakistan und die Rückkehr der Taliban, Berlin: Edition Weltkiosk 2021. https://www.afghanistan-analysts.org/en/ . Willemsen, Roger: Afghanische Reise, Frankfurt (Fischer) 2006. Hermann, Rainer: Afghanistan verstehen. Geografie, Geschichte, Glaube, Gesellschaft, Stuttgart (Klett-Cotta) 2022.

 

Nepal:

Politik und Wirtschaft:  Südasien. 29,3 Mio. Einwohner. Hauptstadt Kathmandu. Währung Nepalesische Rupie. BIP 2017 24,5 Mrd. US-$. Im Herbst 2015 wird eine neue Verfassung beschlossen. Sie beinhaltet die Trennung von Kirche und Staat. Damit wird das Land nicht zum Hindu-Staat. Bis 2008 war das Land eine Monarchie. Trotz Milliardenhilfen kommt der Wiederaufbau 2015 nicht so recht voran. Es kommt zu heftigen Potesten gegen die zukünftige Aufteilung des Landes in sieben Provinzen. Deutschland stellt seine Entwicklungshilfe bis 2030 ein im Rahmen der Konzentration der Entwicklungshilfe (konkrete Bedingungen: Demokratie, keine Korruption, Reformen). 1,1 Mio. Arbeitsplätze hängen am Tourismus. Die Reisewarnungen in der Corona-Pandemie treffen das Land voll. Außerdem können die nepalesischen Gastarbeiter nicht nach Indien oder in die Golfländer. Zum Glück kann die ertragreiche Landwirtschaft die Menschen ernähren. Viele Nepalesen arbeiten in Katar auf Baustellen. Das sind nicht nur die Stadien für die WM. Sie arbeiten unter unwürdigen Bedingungen (niedriger Lohn, schlechte Arbeitsbedingungen, menschenunwürdige Unterkünfte).

Natur und Tourismus (Erdbeben): Bei einem verheerenden Schneesturm in Nepal im Herbst 2014 kommen 43 Wanderer und Bergsteiger aus aller Welt um. Es ist das schlimmste Trekking-Unglück in der Geschichte des Staates. Ende April 2015 (25.) wird Nepal von einem Erdbeben heimgesucht. Das Epizentrum liegt nahe der Hauptstadt Kathmandu. Über 9.000 Menschen wurden tot geborgen.. Kulturdenkmäler (z. B. "Affentempel", Dharhara-Turm) wurden zerstört. Auch China, Indien und Bangladesch sind betroffen. 1,4 Mio. Menschen sind auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Es gibt viele Nachbeben. Entlegene Regionen sind schwer zu erreichen. Ein großes Nachbeben am 12.05.15 der Stärke 7,3 richtet weitere große Schäden an.  2015 wird zum ersten Mal seit Jahrzehnten kein Mensch auf den Mount Everest steigen. Die Südseite war von Nepal wegen Erdbeben gesperrt worden. China hatte die Nordseite aus dem gleichen Grund geschlossen. Die Einheimischen hoffen auf die Rückkehr der Touristen. Das zweitärmste Land Asiens braucht sie dringend. Anfang September 2017 wird das Land von Überschwemmungen heimgesucht. Am Mt. Everest sterben immer mehr Menschen, die den Berg besteigen wollen. Grund sind die Staus und die fehlenden körperlichen Voraussetzungen. Der Alpinist Wolfgang Nairz hat 2001 die Nepalhilfe Tirol gegründet (er war bereits über 90-mal in Nepal). Sie baut Schulen und bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Hans Kammerlander aus Süd-Tirol/Arntal, der mit Reinhold Messner und alleine viele Achttausender in Nepal bestiegen hat, fördert ein Schul-Projekt. Es gibt auch eine Sir-Edmund-Hillary-Stiftung. Sie unterstützt karitative Hilfsprojekte in Nepal von Deutschland aus. Vorsitzender 2021 ist Manfred Häupl. Er leitet auch seit über 35 Jahre den auf Nepal spezialisierten Trekkingreise-Spezialisten Hauser Exkursionen.

Tiger: In kaum einem anderen Land gibt es noch so viele wild lebende Tiger. Ende 2021 sollen sie gezählt werden. Die Zählung solle drei Monate dauern. Begonnen wurde im Chitwan - Nationalpark im südlichen Tiefland des Himalaya - Staates. Das Ergebnis soll zum Welt-Tiger-Tag am 29. Juli 2022 präsentiert werden. Man schätzt, dass noch ca. 235 Königstiger (Bengal-Tiger) hier leben. Die Wilderei wird stärker bekämpft, man arbeitet dabei mit den Dorfgemeinschaften zusammen.

Corona in Nepal: Nepal tut sich schwer mit Einschränkungen wie sie China auf seiner Seite macht. Auf dem höchsten Berg sind 2020 wegen der Corona-Pandemie keine Touristen erlaubt. Damit sind Zehntausende nepalesische Helfer arbeitslos, die Bergssteigern aus aller Welt sonst das Abenteuer ermöglichen. China will 2021 die höchstgelegene Landesgrenze schließen, wegen Corona. Man will vor allem die neuartigen Mutanten verhindern. Für Nepal ist das Business mit dem höchsten Gipfel der Welt eine wichtige Einnahmenquelle: Wer den Everest besteigen will, muss 2021 11.000 Dollar zahlen. Bis Ende April 2021 machten das über vier Millionen Dollar aus.

Geschichte und Seidenstraße: Nepal und auch Bhutan waren in der Geschichte "Spielwiesen" für Indien und China. In der Tiefebene von Terai sind die Grenzen zwischen Nepal und Indien immer offen gewesen. Die chinesisch-nepalesische Grenze verläuft zu 90% durch unbewohntes Gebirge. Im Zuge der Neuen Seidenstraße - Initiative soll eine Eisenbahnverbindung zwischen Kathmandu und Lhasa gebaut werden. In Nepal gibt es 2020 auch viele Infizierte mit dem Corona-Virus. Die Polizei überwacht rigoros die Ausgangssperre (Menschen werden mit langen Greifarmen eingefangen).

Religion und Volksglaube: Der Hinduismus dominiert im Land. Er vermischt sich mit Volksglauben. Es gibt die Jahrhunderte alte Tradition der Kumari. Das ist die Verkörperung einer wichtigen Göttin des Hinduismus. Ein Kind von etwa drei Jahren wird ausgewählt und verkörpert die Rolle bis 11 Jahre. Rote Kleider und viel Make-up gehören zum Erscheinungsbild. Die Göttin kann segnen und in die Zukunft sehen. Die Göttin residiert in Kathmandu in einem speziellen Kumari - Haus. Sie darf sich nicht verletzten. Sie wird von ihrer leiblichen Familie isoliert. Nach dieser Zeit darf Die ehemalige Göttin ein normales Leben führen.

Boudhanath Stupa: Nepals größtes buddhistisches Bauwerk. Man steigt 2021 auf biologisch abbaubare Gebetsfahnen um, um in Einklang mit der Natur zu stehen. Das Bauwerk steht in Kathmandu. Die Wimpel sind kompostierbar (Baumwolle, wasserlösliche Farben, Seile aus Naturfasern).

Mädchen, Frauen: Mädchen aus ärmeren Familien haben kaum Chancen auf bildung. Oft werden sie schon als Teenager (mit 15) verheiratet. Oder sie kommen Klöster, die in der Regel auch gute Schulen haben. Berühmt ist die Arya Tara School. Wer Nonne bleibt, darf in Kathmandu oder Indien studieren: Buddhistische Philosophie, tibetische Medizin oder auch Business. Vgl. Hauser, Bernd: Heirat mit 15 oder Nonnenschule, in: Rheinpfalz am Sonntag 8. Mai 2022.

Stockkampf:  In Nepals Hauptstadt Kathmandu werden Nepalesinnen zum Stockkampf ausgebildet. Zehn Tage dauert das Training von 100.000 Zivilistinnen. Sie sollen Sicherheitskräfte sein für die am 13. Mai 22 stattfindenden Kommunalwahlen. Sie heißen Myadi-Polizisten. Sie müssen körperlich fit sein, mit einem Stock bewaffnet und sich mit Menschenmengen auskennen. Nepals Wahlgesetz gilt als unstabil und chaotisch. Seit der Abschaffung der Monarchie 2008 hat bereits zwölfmal der Regierungschef gewechselt.

 

Brunei Darussalam:

Von Malaysia umgeben. Islamisches Sultanat (Absolute Monarchie). Hauptstadt Bandar Seri Begawan. Ca. 440.000 Einwohner. 4 Distrikte. Amtssprache: Malaiisch.

BIP 13,47 Mrd. US-$ 2019.

Das Land importiert (Nahrungsmittel, Maschinen) mehr als es exportiert. Die Bodenschätze gehen zu Neige.

 

Russland (Russische Föderation):

Grunddaten: Fläche 17.075.400 Quadratkilometer (Weltrang 1). Hauptstadt Moskwa, Moskau. 8 Föderalbezirke mit 83 Territorialeinheiten, 9 Regionen (krai), 46 Gebiete (oblast). Exklave: Kaliningrad (früher Königsberg). Autonome Republiken: Republik Altai, Republik Baschkortostan, Republik Burjatien, Republik Chakassien, Republik Dagestan, Republik Inguschetien, Republik Kabardinien, Republik Kalmückien, Republik Karatschai-Tscherkessien, Republik Karelien, Republik Komi, Republik Mari El, Republik Mordwinien, Republik Nord-Ossetien-Alanien, Republik Sacha, Republik Tatarstan, Republik Tscheschenien, Republik Tschuwaschien, Republik Tuwa, Republik Udmurtien. Ein großer Teil der Russischen Föderation gehört zu Europa. Traditionell fühlt sich Russland auch mehr zu Europa gehörig, vor allem von der Kultur her. Hier wird das ganze Land Asien zugeordnet, man spricht auch von Eurasien.

Ich habe das Land mal längere Zeit noch zu Zeiten der Sowjetunion besucht. Ich war unter anderem in Moskau und Sibirien (Skilanglauftour). Auffällig war die Deutschland-Freundlichkeit, trotz der Vergangenheit. Beeindruckt hat mich auch die Gastfreundschaft. Schade ist, dass aufgrund der Ukraine-Krise und der Annexionen (2014 und 2022) die Unternehmenskontakte und auch Wissenschaftskontakte immer mehr reduziert werden, obwohl das Gegenteil notwenig wäre. 

Bevölkerung:  143,3 Mio. Einwohner (2013). 80% Russen. Außerdem Ukrainer, Baschkiren, Tschuwaschen, Tschetschenen, Armenier, Mordwinen, Weißrussen, Deutsche. Der Kreml will 2018 die Kontrolle über das Internet. Mit VPN kann man dies aber mühelos umgehen (nicht wie in China). Ganze Geschäftsmodelle werden zerstört.  Im April 2019 beschließt das russische Parlament ein kontrolliertes Internet. Die Wada schließt Russland vier Jahre von internationalen Sportwettbewerben aus. Im Mai 2020 führt Russland ein Zentralregister für alle Einwohner-Dateien ein. Diese Datenbank enthält alle Informationen eines Menschen von der Geburt bis zum Tod. Im Mai 2021 erschüttert ein Anschlag auf eine Schule in Kasan das Land. Es kommen viele Kinder um. Der Attentäter ist ein Student für IT - Management.

Im Ukraine-Krieg 2022 erleichtert Russland dei Einbürgerung für alle Ukrainer. Es gibt ein vereinfachtes Verfahren.

Wohnungsmarkt: In Russland können sich seit einigen Jahren nicht weniger, sondern immer mehr Menschen Immobilien kaufen. Denn der Standard ist niedrig, und die Wohnungen werden immer kleiner.  Am Stadtrand wird überall gebaut (billige Hochhaussiedlungen). 40 Quadratmeter reichen oft. Vgl. Wagner, Katharina: Der Traum von der Einzimmer-Hochhauswohnung, in: FAZ Nr. 3, 5. Januar 2022, s. 17

Gesundheit: In Russland steigen die Infektionen an Corona (Covid-19) rapide an. Putin verkündet 9 Tage Pause, verschiebt die Volksbefragung, setzt die Armee ein, gibt auch Wirtschaftshilfen. Der Zwangsurlaub wird bis Ende April 20 verlängert. Moskau ist besonders betroffen. Russland schließt seine Grenzen. Am 30.3 werden die Regeln verschärft. In Moskau gibt es Ausgangssperre. Schutzausrüstung scheint aber ausreichend vorhanden zu sein. Man liefert große Mengen noch an New York. Das Corona-Virus verbreitet sich rasend schnell (08.05: 200.000 Infizierte, 2000 Tote). Am 24.07.20 hat man 800.000 Infizierte. Täglich kommen fast 6000 neu hinzu. Ab Herbst 2020 will Russland als erstes Land der Welt gegen Corona impfen. Das kommt dann doch nicht, bzw. als Test in Phase III: . Camaleja-Institut (Impfstoff Sputnik), wird dann von Biontech aus Mainz und Moderna überholt. Am 24.11.20 sind es schon täglich 25.000 Infizierte und 491 Tote an einem Tag. Am 6.12.20 starten die ersten Massenimpfungen in Moskau. 70 Kliniken sind beteiligt. Man verwendet den selbst entwickelten Impfstoff Sputnik V. Die Zahl der Corona - Toten muss Ende 2020 nach oben korrigiert werden: Fast 190.000 Corona - Tote 2020. Merkel telefoniert Anfang 2021 mit Putin. Es soll eine Kooperation bei der Produktion von Impfstoffen ausgelotet werden. Die Kontakte dazu sollen fortgesetzt werden. Russland will für Sputnik V auch eine EU-Zulassung. Studien belegen, dass Sputnik V eine Wirksamkeit von 91% hat und keine wesentlichen Nebenwirkungen. Er ist leicht transportabel und billig. Wenn er zugelassen wird in der EU, soll er auch dort produziert werden. Russland hat bis Mitte 2021 drei Impfstoffe: Der dritte Impfstoff ist CovoVac. Damit ist Russland das erste Land mit drei Impfstoffen. Er stammt vom Tschumakow-Forschungszentrum für immunobiologische Präparate.

Zwangsuntersuchungen für Ausländer: Ausländer müssen umfassende medizinische Untersuchungen machen. Ein neues Gesetz tritt Ende 2021 in Kraft. Es sieht regelmäßige Testes unter anderem auf HIV, Syphilis, Tuberkulose, Covid-19 für Ausländer vor, die in Russland arbeiten. Auch Familienangehörige sind betroffen.

Alkohol: Russland hat einen sehr hohen Alkoholverbrauch pro Kopf. Nach offiziellen Angaben soll er in den letzten Jahren von 18 auf 9,3 Liter im Jahr gesunken sein (Deutschland 10,6 Liter pro Jahr). Die Statistik ist sehr ungenau. Viele Russen auf dem Lande brennen aus Preis- und Qualitätsgründen ihren Alkohol selbst. Laut WHO betreiben 11,6% aller Russen über 15 Jahre "verhängnisvollen Alkoholmissbrauch". Für Alkholkonsum in der Öffentlichkeit gibt es hohe Bußgelder oder Arrest. Die Preise für Alkohol wurden in den letzten Jahren stark erhöht (aber immer noch billiger als in Skandinavien). Vgl. Scholl, Stefan: Einer geht noch, in: Rheinpfalz am Sonntag 28. März 2021, S. 3. Nach eigenen Erfahrungen ist der Alkoholkonsum stark von der Verfügbarkeit abhängig: Man trinkt gerade das, was man bekommen kann, oft durcheinander. Sehr gefährlich ist der Konsum in Sibirien. Bei extremer Kälte muss man immer zu zweit auf die Toilette (eigene Ski-Tour durch Sibirien).

Politik: Verfassung von 1993. Präsidialrepublik. Direktwahl des Staatsoberhauptes alle 6 Jahre. Die letzte Parlamentswahl war 2011. Es gibt 450 Sitze. Diese halten vier Parteien (Rangfolge): Einiges Russland, Kommunistische Partei, Gerechtes Russland, Liberaldemokratische Partei. 2014 finden die Olympischen Winterspiele in Sotschi statt.  In der Ukraine-Krise im März 2014 interveniert Russland auf der Krim. Die G8 droht mit dem Ausschluss Russlands und stoppt die Vorbereitungen zum G8-Gipfel in Sotschi.  2017 protestiert eine neue Generation (Jugendliche) gegen Korruption und führt das Land in eine innenpolitische Erstarrung. Bei einem Terroranschlag in der U-Bahn von St. Petersburg kommen 11 Menschen ums Leben und über 40 werden verletzt (wahrscheinlich vom Islamischen Staat). Bei einem Besuch von Merkel in Russland Anfang Mai 2017 bekräftigen beide Seiten die deutsch-russische Kooperation. Merkel lehnt im Juni 2019 bei einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Selensky eine Ausweitung der Sanktionen gegen Russland ab. Bei Protesten für faire und freie Wahlen in der Hauptstadt Moskau hat die Polizei im August 2019 über 900 Menschen festgenommen. Im Dezember verhandeln Russland, die Ukraine, Frankreich und Deutschland in Paris über ein Ende des Ukraine-Krieges. Ende 2019 wird die Brücke zwischen Russland und der Krim-Halbinsel fertig. Im Dezember 2019 wird eine neue Hyperschallrakete vorgestellt. Die "Avantgarde" soll 20 mal so schnell wie der Schall sein. Sie soll mit Abwehrsystemen nicht abzufangen sein. Die Niederlande, Australien und Großbritannien machen Russland für den Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugzeugs MH17 verantwortlich. Für die russischen Oligarchen, die häufig auch Sponsoren sind, wird das Klima in London eisig. Mitte September 2018 führt Russland das größte Militärmanöver seiner Geschichte durch (Wostok-2018; Beteiligung von China).Am 18.03.2018 wird Präsident Putin für weitere sechs Jahre gewählt (67% Wahlbeteiligung, 77% der Stimmen). Am 15.01.20 tritt die Regierung zurück. Putin will die Verfassung umbauen (Verfassungsreform). Das Parlament soll zukünftig den Ministerpräsidenten bestimmen. Der Chef der nationalen Steuerbehörde Michail Mischustin wird vorgeschlagen und vom Parlament gewählt. Die Popularitätswerte von Wladimir Putin sind im Mai 20 so niedrig wie nie zuvor. Die Menschen in Russland billigen aber am 30.06.20 die neue Verfassung (73%). Die Wahlbeteiligung lag bei 65%. Putin kann bis 2036 an der Macht bleiben. Die Ehe wird als Verbindung zwischen Mann und Frau festgeschrieben. Ende  Juli gibt es große Proteste in der Provinz Chabarowsk. Putin hatte den Gouverneur wegen Auftragsmorden vor 15 Jahren abgesetzt. Tausende protestieren, weil sie glauben, dass Putin den beliebten Politiker loswerden will. Die Proteste könnten auf andere Regionen im Osten übergreifen. Die Menschen sind unzufrieden. Viele Konflikte belasten 2020 das Verhältnis zu Deutschland: Besetzung der Krim, Tiergartenmord, Hacker im Bundestag, Weißrussland. Johann Saatfelder von der SPD wird im August 2020 neuer Russland-Beauftragter der Bundesregierung. Im Oktober. Die Duma sichert am 24.3.21 Putin eine Machtoption bis 2036. In seiner Rede an die Nation  im April 2021 greift Putin den Westen an. Er spricht von einer "Roten Linie". Am 19. und 20. August 2021 besucht Merkel Russland. Es ist ihr Abschiedsbesuch. Sie setzt sich für die Freilassung von Nawalny ein. Es geht auch um Afghanistan. Die Kremlpartei Geeintes Russland hat bei der Duma-Wahl am 19. September 2021 gewonnen und wird stärkste Kraft. Die Popularität war zuletzt stark gesunken. Zweiter werden die Kommunisten. Es gibt Manipulationsvorwürfe. Russland gleitet immer mehr von einem autoritären Regime in eine Diktatur ab.

Duma: Parlament von Russland. Russland ist keine Demokratie. Im Grunde genommen segnet das Parlament nur die Entscheidungen Putins ab. Dieses System überträgt Putin auch nach außen: Er hält nichts von internationalen Verträgen, nichts von der Souveränität von Staaten, nichts von Demokratie.

ZK, Politbüro: Die üblichen Gremien in einem kommunistischen Regime. Die Machtkontrolle in der Elite funktioniert in Russland nicht mehr. Russland gleicht einer Diktatur. Putin hat das alleinige Sagen. Es gibt aber große Risse in der Führung.

Sicherheitsrat: Er berät Putin in strategischen und militärischen Fragen. Eine öffentliche Übertragung einer Sitzung macht aber deutlich, dass Putin das Kommando führt. Putin verhöhnt seinen Auslandsgeheimdienstchef Naryschkin.

Exkurs: Alexejew Nawalnyj und Opposition: Nawalny ist von der Ausbildung her Jurist. Er hat viele Gesichter und ist nicht zimperlich. Er zeigt rassistische Parolen und demontiert seine Gegner. Im August 2020 wird der prominente Regimekritiker Nawalny in eine Klinik in Sibirien (Omsk) eingeliefert. Verdacht auf Vergiftung. Er wird dann in die Charite in Berlin geflogen (mit Spendengeldern). Der Verdacht auf Vergiftung bestätigt sich (Cholinesterase-Hemmer, Nervengift, Atropin hilft). Man findet Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe (in Russland als chemischer Kampfstoff entwickelt). Vielleicht soll die Opposition in Russland ihre führenden Köpfen verlieren (zumindest eine Zeit lang). Die Bundesregierung verlangt Aufklärung. Sie und die EU wollen weitere Infos abwarten. Schließlich werden im Oktober Sanktionen von der EU verhängt (Kontosperrungen, Einreiseverbote). Russland kündigt "spiegelgenaue"  Gegenaktionen an. Diese kommen am 12.11.20 gegen Deutschland und Frankreich. Während der Abwesenheit von Alexej Nawalny in Russland verbreiten sich dort ungeheuerliche Nachrichten über ihn und seine Frau Julia. Etwa westliche Geheimdienst wollten ihn durch seine Frau bei der Opposition ersetzen. Schon seit vielen Jahren werden obskure Beiträge über Nawalny veröffentlicht. Man will wohl Nachrichten fluten, um die Wahrheit auszulöschen. Nawalny selbst will nachweisen, dass der russische Geheimdienst hinter dem Anschlag steckt. Das scheint ihm zu gelingen. Nawalnyj war nie zimperlich in der Auswahl seiner Verbündeten. Früher suchte er am rechten Rand Verbündete. Doch der Kreml bot den Radikalen mehr. Die Politik in Russland ist sehr ökonomisch und auf Macht ausgerichtet. Nawalnyj gibt im Januar 2021 bekannt, dass er nach Russland zurück will. Viele in Deutschland sind erleichtert. Nawalnyj scheint unberechenbar: Er fliegt Ende Dezember einfach mal zum Urlaub nach Gran Canaria. Dort sind immer viele Russen, von denen sicher einige nicht seine Freunde sind. Dann kommt nach Corona hinzu. Am 17.01.21 fliegt er nach Russland zurück. Dort wird er wohl sofort festgenommen. In einem Schnellverfahren wird er zu 30 Tagen Haft verurteilt. Die baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen drängen in der EU auf weitere Sanktionen. Sie wollen auch einen Stopp der Pipeline. Nach der Verhaftung gibt es in ganz Russland Protestaktionen von Zehntausenden der Opposition. Viele Demonstranten (3000?) werden festgenommen. Im Internet zeigt Navalnyj ein Schloss am Schwarzen Meer, das angeblich Putin gehört. Als Eigentümer offenbart sich später der Oligarch Arkadi Rotenberg (nur zum Schein?). Die USA und Kanada prangern die Festnahme der Demonstranten an. Der Ruf nach weiteren Sanktionen wird lauter. Am 31.01.21 weiten sich die Demos auf ganz Russland aus, auch auf Sibirien. Es sind nicht nur Anhänger von Nawalny, sondern viele Unzufriedene. Über 4000 Menschen werden festgenommen. Am 02.02.21 findet eine Gerichtsverhandlung statt. Man rechnet damit, dass Nawalny wegen Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen länger ins Gefängnis muss. Es werden zwei Jahre und acht Monate (Anrechnung der Untersuchungshaft). Die NGO OWD geht von 11.000 festgenommenen Demonstranten seit Nawalnys Rückkehr aus (bis Anfang Februar 2021). Berlin ist offen für weitere Sanktionen. Der Europarat appelliert an Russland. Drei Diplomaten aus Deutschland, Polen und Schweden werden ausgewiesen. Das ist ein Affront, weil gleichzeitig der EU-Außenbeauftragte Josep Borell  in Russland verhandelte. Gibt es neue Sanktionen? Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg fordert Nawalny freizulassen. Der russische Justizminister sieht dafür keine gesetzliche Grundlage und warnt vor einer Einmischung in die russischen Parlamentswahlen im September. Nawalny unterliegt bei zwei Gerichtsverfahren (Widerspruch, Berufungsgericht) und muss in ein Straflager. Die EU verhängt Sanktionen gegen russische Oligarchen und Verantwortliche: Vermögenssperren, EU-Einreiseverbote. Russische Politiker und auch Intellektuelle denken darüber nach, Dissidenten wieder auszubürgern (wie früher in der Sowjetunion; Vgl. Thumann, Michael: "Verrat am Vaterland, in: Die Zeit Nr. 10, 4.3.21, S. 5. Vor der Parlamentswahl im September werden russische Oppositionelle (unabhängige Kandidaten) ins Gefängnis oder Exil geschickt. Politische Tätigkeit wird ihnen verboten. Besonders Mitarbeiter von Nawalny sind im Visier. Im März 2022 gibt es eine weitere lange Haftstrafe gegen Nawalny (Betrug, Korruption). Ende August 2022 wird der ehemalige Bürgermeister von Jekaterinburg Jewgenij Roisman festgenommen beim Joggen. Er soll sich gegen den Ukraine-Krieg geäußert haben. Zur Opposition gehört auch Wladimir Kara-Mursa. Er sitzt 2022  in Haft (ihm drohen 10 Jahre). Er prognostiziert das Kollabieren des Regimes.

Navalny hat Unterstützer in Russland, die wollen, das sich was ändert. Darunter ist der Unternehmer Jewgenij Tschitschwarkin (Handyhandelskette Euroset). Er wohnt zum großen Teil in London. Ein weiterer Unterstützer ist Sergej Aleksashenko, ehemaliger Politiker und Zentralbanker aus Kiew. Geld gibt auch Boris Simin, Sohn des russischen Mobilfunkpioniers Dmitri Simin. Vgl. Heissler, Julian/ Zastiral, Sascha: Peanuts gegen Putin, in: WiWo 7, 12.221, S. 40f. Der Präsident schickt "Flashmobs" aus, die für ihn demonstrieren. Daraufhin hagelt es Spottnamen für Putin ("Bunkerzwerg", Onkel Wowa). Die Vertrauensrate für Putin fällt gerade mal wieder. die russische Justiz verhängt im April 21 Arbeitsverbote. Damit legt sie Organisationen/ Stiftungen von Nawalny lahm.

Straflager YAG14/10 in Krasnokamensk: Hier werden die meisten Regimekritiker untergebracht. Es herrscht Willkür und Grausamkeit. Es drohen Sonderarrest (für Disziplinlosigkeit) und Schläge (für Beschwerden). Es gibt auch regelmäßige Schläge durch Polizeieinheiten. Blut und Kot sind auf den Korridoren. Es gibt in Russland 692 Strafanstalten. Nur acht sind Gefängnisse. Die Übrigen Gefangenen leben in Holz- und Ziegelbaracken. Es muss gearbeitet werden, manchmal auch mit giftigen Chemikalien. Die Info war allerdings falsch in den Medien. Nawalny meldet sich aus der Gefangenenkolonie IK-2 in Pokrow bei Moskau. Es führt auch ein strenges Regime. Ehemalige Insassen berichten von psychologischem Druck und einem Alltag voller Schikanen. Das Lager gehört zu den roten, in denen die Verwaltung das Sagen hat. Nawalny tritt im März 2021 in einen Hungerstreik. Er will bessere ärztliche Betreuung (Lähmungserscheinungen). Er wird in das Krankenhaus des Straflagers eingeliefert. Er beendet den Hungerstreik.

Wirtschaft: BIP 2021 4226 Mrd. US-$. (1505 Mrd. €; Prognose; vergleichbar mit dem Spaniens, nach Kaufkraftparität allerdings 6. größte Volkswirtschaft der Welt, pro Kopf vergleichbar mit Bulgarien). Seit 2013 wuchs die Wirtschaft im Schnitt nur um 0,8% (Sanktionen). BIP 2017 1578 Mrd. US-$. BIP 2013 2118 Mrd. US-$. Realer Zuwachs 1,3%. Reales Wachstum des BIP 3,4% (2012; 2014: 0,1%, Prognose 2015: -1,7%). Prognose für 2018: +1,5%. BIP je Einwohner 11.100€ (2012). Anteile: Landwirtschaft 4%, Industrie 36%, Dienstleistungen 60%. Staatsschuldenquote 12% (2018: 17,3%). Inflationsrate 5,1% (2012; 2015 15%). Arbeitslosenquote 2018: 5,3% (Prognose). Russische Auslandsverschuldung 2013 ca. 480 Mrd. €. Weltanteile der Produktion: Öl 13%; Gas 18%. Russische Exporte sind im Gegensatz zu denen anderer Länder hauptsächlich Öl und Gas. Russlands Bedeutung im Außenhandel ist stetig gewachsen.  Der Rubel steht schon seit Wochen unter Druck und wurde weiter abgewertet (12% Wertverlust im März 13). Weitere Sanktionen werden von der EU und den USA angedroht. Einreiseverbote für Russen und Kontensperrungen sind geplant (wird nach dem Referendum umgesetzt).. Deutschland deckt seinen Erdgasbedarf zu knapp 39 Prozent aus Russland. Die Wirtschaft Russlands ist nicht besonders effizient. Die Arbeitsproduktivität beträgt nur 40% der USA.  Ende Juli hebt die russische Zentralbank den Leitzins an (um 0,5% auf 8%). Unter dem Druck der Ukraine-Krise muss die hohe Inflation bekämpft werden. Wegen der Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos muss Russland eine Rekord-Entschädigung an die einstigen Aktionäre zahlen (37,2 Mrd. €). Russland baut ab 2014 seine Militärpräsens in der Arktis aus. Das hat angesichts der Ukraine-Krise strategische Gründe. Zudem lagern unter der Arktis riesige Rohstoffvorkommen. Der Start der Freihandelszone zwischen EU und der Ukraine wird auf Ende 2015 verschoben. Russland sucht 2014 die Nähe zu China. Angesichts westlicher Sanktionen werden diverse Abkommen mit China geschlossen.  Der Ölpreisverfall beeinflusst auch stark den russischen Aktienmarkt (Leitindex im Minus). Insgesamt zeigt die ökonomische Krise auch Putins Versagen in der Wirtschaftspolitik. Staat moderne Industrien aufzubauen, wurde einseitig die Rohstoffbranche gefördert. Ein Tauschgeschäft zwischen der BASF und Gazprom scheitert Ende 2014 an den politischen Verhältnissen. Russland muss Ende 2014 die Banken stützen (16,5 Mrd. Dollar). Die Rating -Agentur Fitch stuft Russland Anfang 2015 auf eine Stufe vor Ramschstatus herunter; Standard & Poor`s gibt wenig später Ramschstatus.. Einige Banken in Europa sind besonders betroffen, wenn russische Kunden ihre Schulden nicht mehr begleichen können (Raiffeisen Bank International aus Österreich; OTP aus Ungarn). Zu Beginn 2015 muss Russland den Etat drastisch kürzen (45 Mrd. $ weniger Einnahmen). Der Mittelstand in Russland ist besonders betroffen (steigende Lebensmittelpreise, Urlaub im Ausland nicht mehr möglich). Die EU will Mitte Februar 2015 weitere Wirtschaftssanktionen verhängen. Die Kapitalflucht aus Russland hatte 2014 einen Umfang von 150 Mrd. $; 2015 werden 115 Mrd. $ geschätzt (die westlichen Banken trifft es am härtesten; der Staat muss einige russische stützen). Das Land brauchte dringend eine Öffnung und Diversifizierung der Wirtschaft (hat aber wegen der Sanktionen und des niedrigen Ölpreises immer weniger Geld dafür). Vielleicht wird Minsk II eingehalten und es kann zu einer Lockerung der Sanktionen kommen.  Die EU verlängert Mitte des Jahres 2015 die Sanktionen bis Januar 2016. Russland hat im Herbst 2015 massive Probleme mit seinen Staatsfinanzen. Das Gesundheitssystem ist schon in einem desolaten Zustand (Reformen notwendig). Der Anstieg des Ölpreises Ende 2016 führt zu einer Stabilisierung der russischen Wirtschaft.2017 könnte die Wirtschaft in Russland nach längerer Zeit wieder wachsen. Es gibt immer wieder Festnahmen nach Massendemonstrationen. Belgische Abfangjäger fangen Mitte Januar 2018 eine russische Tupolew über den Niederlanden ab (strategische Nuklearübung?).  Allein während des US-Angriffs (auch Frankreich, GB) auf Syrien fällt der Rubel-Wert um 10%. Die niedrigen Energiepreise (Öl, Gas) machen Russland 2020 schwer zu schaffe. Hinzu kommt die Corona-Krise. Der "Nationale Wohlstandsfonds in Höhe von 150 Mrd. Euro wird nicht angetastet. Sechs Mio. Kleinunternehmen stehen vor der Pleite. Viele private Haushalte leiden unter Armut. 2020 dürfte das BIP um -5,5% sinken (Quelle: IWF). Die Löhne sinken, die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst. Man sieht nicht, wie das Land aus der schweren Krise herauskommen soll. Die Inflation ist 2020 extrem hoch (kumuliert 2000 bis 2020 571%, Welt 208). Der aktuelle Leitzins beträgt 5,0%. 2020 und 2021 muss man eine ernüchternde Bilanz ziehen - trotz Rohstoffreichtums. Russland hat mit seinem BIP einen Anteil von 3,1% am Welt-BIP. Für 2022 erwartet man ein deutliches Wirtschaftswachstum von +4,7%. Der Krieg wird sicher zu einem Einbruch führen, das Wachstum dürfte über Jahre gering ausfallen. Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen langfristig mit einem Einbruch des Wachstums um -10% (Ifo, Österreichisches Institut). Entscheidenden Einfluss hat der Umfang eines Energie-Embargos. Kurzfristig bricht das BIP um -15% ein (1. Quartal 22). Die russische Luftfahrt steht vor dem Kollaps. Im Juni 2022 findet ein Internationales Wirtschaftsform in St. Petersburg statt. Putin erklärt den "wirtschaftlichen Blitzkrieg des Westens" für gescheitert. Seine "militärische Spezialoperation" erklärt er für alternativlos. Dann wird sichtbar, dass es mehr ist: Das Parlament bereitet im Juli 22 den Umbau in die Kriegswirtschaft vor. Die Wirtschaft wird auf die Bedürfnisse der Armee ausgerichtet. Einzelne Branchen können zur Belieferung der Armee verpflichtet werden. Arbeiter in diesen Betrieben können zu Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit und Verzicht auf Urlaub verpflichtet werden.    "Es ist gut, dass vielfältige Handelsbeziehungen zu Russland bestehen. Es ist zudem eines der finanziell solidesten Länder überhaupt mit nur zehn Prozent Staatsverschuldung", Karl-Erivan Haub, Chef des Handelskonzerns Tengelmann. "Die Kosten der Refinanzierung für Banken und kleine und mittlere Unternehmen sind enorm gestiegen", Natalia Akindinowa, russische Ökonomin. "Russland macht mir Angst und viel mehr Sorgen als Griechenland", Robert Shiller, US-Wirtschaftsnobelpreisträger, 2015. In der Ukraine-Krise hat sich die Zu- und Abnahme von Ausländern drastisch verändert: Europäer und US-Amerikaner haben das Land verlassen; Weißrussen, Chinesen und Ukrainer sind gekommen. Im August 2015 lässt Putin demonstrativ illegal eingeführte Lebensmittel aus der EU vernichten. BASF und Gazprom tauschen Unternehmensteile trotz der politischen Lage. Die Allzweckwaffe VEB wird 2016 zum Problem. Sie ist eigentlich keine Bank, da keine Banklizenz (ursprünglich Außenhandelsbank). Vorbild war die KfW. Die Kreditausfälle werden immer größer. 2016 plant Daimler trotz der Sanktionen den Bau eines Autowerkes in Russland.

Notenbank, Rubel und Geldpolitik:  Im November 2014 gibt die russische Notenbank den Rubel frei, worauf hin zunächst eine Erholung des Kurses einsetzt. Die Inflationsrate liegt Ende 2014 bei 8%, was stark die ärmere Bevölkerung bei Lebensmitteln trifft. Die Prognose der russischen Regierung für das Wachstum 2015 liegt bei -3,0% (Zentralbank: -4,8%; erstmals seit 2009 keine Wachstum). Am katastrophalsten wirkt sich der niedrige Ölpreis aus (68% beträgt der Anteil von Öl und Gas am Export).  Ende 2014 verkauft die Regierung Devisenreserven. Der Rubel verliert massiv an Wert (50% gegenüber Dollar, 40% gegenüber Euro seit Jahresbeginn 2014). Die Zentralbank erhöht den Leitzins auf 9,5% als Gegenmaßnahme; später sogar auf 10,5% und 17%. Nach einer Leitzinssenkung von 11,5 auf 11% ist der Rubel am 31.07.15 auf den tiefsten Stand seit vier Monaten gefallen (1 Euro 67 Rubel; 1 Dollar 61 Rubel). Im August 2015 steht der Rubel bei 81,32 Rubel pro Euro (ein Dollar kostete 70,91 Rubel). Elvira Nabinullina ist die Chefin der Notenbank 2021 und 2022 (loyal zu Putin, auch im Krieg; sie gilt als liberal). Sie erhöht 2021 den Leitzins mehrmals wegen der Inflation. Im Dezember 21 soll der Leitzins auf 8% angehoben werden. Das Inflationsziel für 2022 ist 4%. Anfang 2022 ist der Leitzins bei 8,5%. Ende 2021 überlegt man, eine finanzielle Abkopplung von Swift. Das würde großen Schaden in Russland anrichten, ist aber auch ein Horrorszenario für die Handelspartner. Ende 2021 beträgt der Wechselkurs des Rubel zum Euro 1 Euro = 83,0068 Rubel. Die Fremdwährungsreserven des Landes liegen Ende 2021 bei 630 Mrd. US-$ (das meiste in Devisen, Rest in Gold, ca. im Wert von 100 Mrd. US-$). Der Rubel gilt 2022 als die instabilste Währung der Welt (Agentur Bloomberg). Bis März 2022 (nach dem Einmarsch) hat sie schon 40% gegenüber dem Dollar verloren, bis Mitte März 22 50%.  Am 23.März 2022 gibt Russland bekannt, dass alle Energielieferungen in den Westen mit Rubel bezahlt werden müssen ("unfreundliche Staaten": EU, Kanada, GB). Damit stützt er den Rubel-Kurs und umgeht teilweise Sanktionen gegen die russische Notenbank. Die russische Zentralbank bekommt eine Woche Zeit, die Modalitäten für die Umstellung von Devisen- auf Rubelzahlungen festzulegen. Die EU weigert sich, in Rubel zu zahlen, weil laut Vertrag der Euro gilt. Damit könnte auf diesem Wege ein Gasembargo automatisch kommen. Die EU und Deutschland finanzieren nicht direkt den Krieg gegen die Ukraine. Die russische Kriegswirtschaft ist autark: Rohstoffe, Energie, Militärgeräte und Nahrungsmittel sind vorhanden. Obwohl Putin am 31.3.22 ein Dekret zur Rubel-Zahlung ab 1.4.22 erlässt, soll Deutschland weiter Euro über die Gazprom-Bank bezahlen können (von Sanktionen nicht betroffen). Es soll ein Konto bei der Gazprom-Bank in Luxemburg eröffnet werden, die Euro oder Dollar-Zahlungen in Rubel umtauscht. Der Ausverkauf bei russischen Anleihen ist immens. Einige hoch spezialisierte Hedgefonds wittern auf lange Sicht trotzdem lukrative Geschäfte. Bei Polen und Bulgarien stellt Russland die Gaslieferungen ein, weil sie nicht in Rubel zahlen. In einigen ukrainischen Regionen will Russland den Rubel als Zahlungsmittel einführen (so etwa in Cherson). Deutschland arbeitet bei den Energiezahlungen an Russland mit einem Trick: Es überweist Euro an die entsprechende russische Bank. Diese tauscht den Betrag dann in Rubel um. So können beide Seiten ihr Gesicht wahren. Vgl. Schieritz, Mark:  Spielchen mit Putin, in: Die Zeit Nr. 19/ 5. Mai 2022, S. 22.

Die Notenbank wird nach dem Angriff auf die Ukraine mit Sanktionen belegt: 1. Einfrieren des Auslandsvermögens. 2.  Unterbinden von Transaktionen mit dem Ausland. Sofort fällt der Rubel auf den tiefsten Stand jemals. Die Notenbank erhöht den Leitzins auf 20%. Später erholt sich der Rubel-Kurs wieder auf Vorkriegsniveau /hohe Preise von Energie in Devisen bezahlt). Dann senkt die Notenbank den Zinssatz wieder. Die Inflation in Russland liegt bei 18% (April2022). Am 18.9.22 wird der Leizins abermals gesenkt um 0,5 Prozentpunkte auf 7,5%. Die Notenbank signalisiert gleichzeitig ein Ende der Zinssenkungen. Die Inflationsrate liegt bei rund 14%

Exkurs: Rubel-Kurs: Am Anfang des Ukraine-Krieges 2022 sackte der Rubel in den Keller (Rubel-Crash), insbesondere durch die Wirtschaftssanktionen. Dann erholte er sich wieder und erreicht sogar eine größere Stärke als vor dem Krieg. Offensichtlich manipuliert Putin den Kurs: 1. Beschränkungen des Devisenverkehrs. 2. Anhebung der Zinsen. 3. Rekordüberschuss der Handelsbilanz (Export von Öl und Gas zu extrem hohen Preisen). 4. Umstellung der Gaszahlungen in Rubel ab 1.4.22. Nur ein komplettes Embargo könnte den Rubel in die Knie zwingen. Für die Verbraucher gibt es Preisexplosionen. Einige Waren haben sich seit Jahresbeginn um 50 bis 70% verteuert. Das betrifft Luxusprodukte genauso wie alltägliche Lebensmittel. Vgl. auch: Eckert, Daniel/ Zschäpitz, Holger, Das Rätsel um den Rubel, in: Welt am Sonntag Nr. 21/ 22. Mai 2022, S. 35

Gold- und Devisenreserven: Seit 2015 steigen die Reserven kontinuierlich. Im vergangenen Jahr 2021 betrugen sie rund 620 Mrd. Dollar. Die Fremdwährungsreserven des Landes liegen Ende 2021 bei 630 Mrd. US-$ (das meiste in Devisen, Rest in Gold, ca. im Wert von 100 Mrd. US-$). Das deutet darauf hin, dass Putin lange auf einen Krieg hin gearbeitet hat. Die meisten Währungsreserven lagern in China (17,7 %, verfügbar). 15,6% sind in Frankreich (blockiert). Dann kommt Japan mit 12,8% (blockiert). Deutschland hat 12,2%., die USA 8,5%, BIZ/ IWF 6,4%, GB 5,8% (alle blockiert). Quelle: WiWo 11/ 11.3.22, S. 6. Der Bestand an US-Staatsanleihen und Goldreserven  wurde von 2017 bis 2022 drastisch umgeschichtet: 2017 Staatsanleihen 103 Mrd. $, Gold 77 Mrd. $; 2022 4 Mrd. € Staatsanleihen, 148 Mrd. € Gold (23%). 2022 werden ungewöhnlich große Mengen an Gold von Russland nach GB/ London transferiert. Dort sind keine Sanktionen zu erwarten und Gold ist zollfrei (muss nur deklariert werden).

Exkurs: Der Midas von der Moskwa. In den letzten 15 Jahren hat Putin massenweise Gold gehortet. Es sollen 2300 Tonnen sein (IWF, in Hochsicherheitstresoren in Moskau und St. Petersburg)). Das ist fünfmal so viel wie das sagenhafte Zarengold. Das Gold ist vor westlichen Sanktionen sicher. Es könnte aber nicht auf offiziellen Märkten verkauft werden (sanktioniert, Preis würde sofort sinken). Jahrelang wurde die eigene Goldförderung in Sibirien abgeschöpft. Vielleicht setzte Putin auch auf einen Verfall des Westens samt Währungen. Vgl. Fischermann, Thomas: Der Midas von der Moskwa, in: die Zeit Nr. 13/ 24. März 2022, S. 26. Die russischen Goldraffinerien sind von den westlichen Sanktionen betroffen. so sinkt weltweit das Angebot an Gold. Das treibt den Goldpreis in die Höhe (es ist immer zu unterscheiden zwischen dem Preis in Dollar und Euro). Gold profitiert auch von der Aktien- und Anleiheschwäche.

Die russischen Banken können das Zahlungssystem Swift leicht durch Telex ersetzen. Russische Banken wickeln ihre Geschäfte auf altmodische Weise ab - wie vor der Gründung von Swift 1973. Banken können auf andere Nachrichtenkanäle zugreifen. Telex ist ein System zur Nachrichtenübermittlung mithilfe von Fernschreibern.

Oligarchen und Putin sowie KGB: Das ist eine Gruppe von ehemaligen KGB-Agenten um Putin, die die Macht in Russland übernommen haben. Der KGB rekrutierte die Besten. Das war ihm möglich, weil es die attraktivsten Jobs waren, die man in Russland bekommen konnte. Die neue Klasse hat auch viele Unternehmen in der Hand. In andere investiert niemand, weil man eine Übernahme aus dem Sicherheitsapparat fürchtet.  Vgl. Catherine Belton: Putin `s People, William Collins 2020 (Deutsch "Putins Netz"). Standardwerk darüber ist Karen Dawisha: Putins Kleptokratie, Wem gehört Russland, 2017. Die Oligarchen sind in der Transformation der russischen Wirtschaft von der reinen Staatswirtschaft zur privaten Unternehmen entstanden (Epoche Jelzin). Kaufen konnte damals, wer Geld und Beziehungen hatte (auch viele Kriminelle, Maffia). Nikolaj Schamalow ist der Organisator des Putin - Palastes am Schwarzen Meer und sein häufiger "Strohmann". Sein Sohn Kirill machte auch Karriere: Beim Jura-Examen ließ er sich helfen. Mit 28 wurde er Vizepräsident von Sibur, Russlands größten Petrochemiekonzern. Der Schwiegersohn  von Putin spielt auch eine wichtige Rolle. Mit seiner Frau besuchte er auch das Weltwirtschaftsform in Davos.  Die Ehe wurde mittlerweile geschieden. Vgl. Schmidt, Friedrich: Putins Günstlinge, in: FAZ Nr. 40, 17.2.21, S. 3. Immer mächtiger wird der russische Verteidigungsminister. Er führt Kriege in aller Welt. Er dehnt seinen Einflussbereich systematisch aus. Er lässt auch Waffen an das Militär in Myanmar liefern und unterstützt die Taliban. Sein Name ist Sergej Schojgu. Manche handeln ihn schon als Putins Nachfolger. Nach 4 Wochen Ukraine-Krieg wird er allerdings nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt., weil das Meiste schief läuft. Andere wichtige Köpfe sind: Igor Setschin/ Rosneft; Alexej Miller/ Gazprom; Sergej Iwanow/ Alrosa-Diamanten; Margarita Simonjan/ RT; Maria Sacharowa/ Außenministerium; Dennis Bortnikow/ Staatsbank VTB; Brüder Rotenberg/ Baukonzern SGM. Nikollaj Tokarew/ Transneft; Alexej Mordaschow/ TUI; Usmanow/ Kommersant, Immobilien, Metallindustrie (Yacht in Hamburg, Immobilien in Berlin und am Tegernsee). Leonid Mikhelson (Miteigentümer des Gaskonzerns Novatek).  Weitere Namen in der Seilschaft sind (teilweise noch aus DDR-Zeiten): Jewgeni Schkolow, Sergei Tschemesow/ Rostec. Wichtig ist auch noch Michail Fridman. Über seine Holding ist er an Wintershall beteiligt. Er ist Gründer der Alfa Group.  Hinzu kommt Oleg Deripaska. Er wurde reich mit Aluminiumwerken. Er gilt als Putins bester Mann. Putin hat aber eindeutig die Führung.  2022 kommen auffällig viele Oligarchen mit ihren Familien ums Leben (Selbstmord? Mord?). Deutschland ist der Umschlagplatz illegaler russischer Gelder. Die Duma sichert am 24.3.21 Putin eine Machtoption bis 2036. Viele Dinge in der Außenpolitik Russlands sind nur durch die Innenpolitik zu erklären. Durch Feinbilder will man das Land zusammenschweißen und die Schwäche überdecken. Russland gleicht immer mehr einer Autokratie: Presse und Justiz sind weitgehend gleichgeschaltet. An allen Schalthebeln der Macht sitzen ehemalige Führungskräfte des Innlandsgeheimdienstes. Die Sanktionen des Westens setzen vor allem bei den Eliten an: Sie haben Vermögen im Westen (einschließlich Yachten und Immobilien) und lassen ihre Kinder dort studieren. Sie sind die Profiteure des Systems. Neuer Rückzugsort für die Superreichen als Ausgleich wird Dubai. Die Oligarchen bringen dort ihr Vermögen in Sicherheit. Beliebt ist auch Israel: Es wird zum sicheren Hafen für Putins Freunde und unterstützt die westlichen Sanktionen nicht. Jüngere Russen, die gut ausgebildet sind und die Repression nicht mehr wollen, fliehen bevorzugt nach Istanbul. Ein weiteres Ziel ist Tiflis in Georgien.  In Russland kursieren sehr viele Putin - Witze. Ein boshafter: "Er trinkt, tanzt, fliegt und schwimmt. Nur ins Weltall traut er sich nicht". Dann werden nämlich alle schreiben: "Wladimir Wladimirowitsch , bleiben Sie dort, tun Sie dem Volk den Gefallen", Michael Gorbaschow. Russland hat heute wieder das Ziel, das alte Sowjetimperium wieder herzustellen. Seit dem Angriff auf die Ukraine gehen westliche Regierungen gegen Putins Oligarchen vor. Man stößt aber schnell an die Grenzen: Die Milliardäre haben ihr Vermögen gut verschleiert. Die Sanktionen werden später auch auf die Familie von Putin (Töchter) und Lawrow ausgedehnt. Im August 2022 gibt e seinen Mordanschlag (Autobombe) auf die Tochter des kremlnahen Ideologen Alexander Dugin bei Moskau. Es gibt verschiedene Vermutungen über die Täter: Am wahrscheinlichsten ist ein Anschlag des Inlandsgeheimdienstes, um die Ukraine zu beschuldigen und bei Getreuen Angst zu verbreiten.  "Die Verräter werden ins Gras beißen, Glauben Sie mir", Putin.

Exkurs: Wladimir Putin (Lebenslauf): Putin wurde in der früheren Zarenmetropole St. Petersburg 1954 geboren. Als die Stadt noch Leningrad hieß, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Er wurde in einer russisch-orthodoxen Kirche getauft. Er trainierte Judo und brachte es zum schwarzen Gürtel. Dann studierte er Jura in St. Petersburg wie sein enger Vertrauter Dmitri Medwedew. Zunächst wurde er vom KGB abgewiesen, dann doch genommen. Er führte eine Kommission zur Aufklärung von Korruption und Betrug in der Stadtverwaltung. Viele seiner Kollegen gelangten später in hohe Positionen in der Wirtschaft. So auch Igor Setschin von Rosneft. Putin sorgte für einen Tausch von Lizenzen gegen Nahrungsmittel. Später leitete Putin die KGB-Abteilung in der DDR (1985 bis 1990 KGB-Offizier in Dresden). Dort lernte er auch fließend Deutsch und arbeitete sich in deutsche Kultur und Geschichte ein. 1999 berief Präsident Boris Jelzin ihn zum Ministerpräsidenten. 2020 wurde er zuletzt wieder Präsident. Er räumte mit dem Chaos unter Jelzin auf. 2021 setzte er eine Verfassungsänderung durch, die ihm das Weiterregieren bis 2036 ermöglicht. US-Politiker wollen wegen der Ukraine-Krise einen Bericht über Putins Vermögen ins Internet stellen. Putin gilt als deutschfreundlich. Bemerkenswert war seine Rede auf Deutsch im Deutschen Bundestag 2001. Hintersinn war sicher, Deutschland auf lange Sicht von den USA zu sich rüberzuziehen. Putin strebt eine Dominanz in Europa ohne die USA an. Damit bedroht er Europas Stabilität (er will eher spalten) und die Partnerschaft mit den USA. Ökonomisch-rationale Argumente beeinflussen ihn weniger als der historische Traum von einem neuen Groß-Russland. In Kiew sieht er die historische Keimzelle eines solchen Reiches (laut einem Aufsatz von ihm, auch Reden). In seinen Reden verwendet er immer mehr Floskeln aus dem Hitler-Buch "Mein Kampf", vor allem mit rassistischem Ton. Unklar sind Analysen seines Geisteszustandes. Einige sehen eine Wesensveränderung (paranoid, narzisstisch, aggressiv). Andere sehen ihn völlig isoliert unter dem starken Einfluss militaristischer Kreise um Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Klar ist, dass er allen ehemaligen Republiken im GUS-Bereich den Weg zur Demokratie, Reststaatlichkeit und Westanbindung verwehren will, weil sie sein Geheimdienst-System bedrohen. Er hat sicher auch Diktatorallüren. Er ist bisher vor allem als brutaler Kriegsherr ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung in Erscheinung getreten (Machtergreifung in Moskau, Tschetschenien, Georgien, Krim, Syrien, Kasachstan, Libyen). Man bezeichnet ihn auch heute als "Möchtegern-Zaren" (autokratisch, Peter und Katharina die Große als Vorbild, er verwandelt historische Traumata in Hass). Das äußerst Gefährliche an seinem Krieg gegen die Ukraine ist, dass er aus Schwäche handelt. Die Frage ist, was er noch gewinnen kann oder man ihm zu gewinnen gibt. Er ist ohne große Perspektive eingezwängt zwischen China (mit dem es auch noch Gebiets - Zwistigkeiten in Sibirien gibt) und der EU, deren Demokratiemodell und Wohlstand er fürchtet (gleichzeitig aber Schwäche und Verfall sieht). Es war aber auch ein großes Versäumnis des Westens, der Forderung Russland seit den 1990er-Jahren nach einer europäischen Friedensordnung nicht nachzukommen. Putin verfehlt im Krieg so ziemlich alle seine Ziele ("Entnazifizierung", Demilitarisierung) Die Blamage seiner Armee ist deutlich. Jetzt will er noch verhindern, dass aus der Ukraine eine prosperierende Demokratie auf dem Weg in die EU wird.  Seine Rückschläge machen ihn gefährlicher (Massenvernichtungswaffen?). Er fürchtet die Niederlage mehr als Kriegsverbrechen. Um sein Gesicht zu wahren, will er zumindest den Donbass und die Landverbindung zur Krim. Seine persönliche Lage wird immer prekärer. Er trinkt nur aus der Thermos-Kanne, weil er Angst vor Vergiftung hat. Ideologisch sieht er sich als Vertreter des Putinismus: Gedankenmodell für den russischen Staat. Historische Mission. Retter christlicher Mythen. Neoeurasismus. Die liberale Demokratie trägt die Saat der Selbstzerstörung in sich. Der Trumpismus wird als Kind des Putinismus gesehen. Der Westen mit seinem Liberalismus bedroht Russland. Er liest wohl kaum Zeitungen und misstraut dem Internet. Mitte 2022 verstärken sich Gerüchte, dass sich der Gesundheitszustand von Putin drastisch verschlechtere.

Exkurs: Michail Gorbatschow: Er war der letzte Staatschef der Sowjetunion. Er gilt als Befürworter der Wiedervereinigung. Er stirbt am 30.8.22 in einem Krankenhaus in Moskau, 1952 trat er in die KPdSU ein. In seiner Heimat stand er wegen des Zerfalls und der Auflösung der Sowjetunion 1991 vielfach in der Kritik. Er hat die Welt verändert wie nur wenige in der Geschichte. Er wollte auch mit der autokratischen, zaristischen Tradition Russlands brechen, an die Putin wieder anknüpft. Gorbatschow war Experte für Landwirtschaftspolitik, zuerst KP-Gebietsparteichef in Stawropol. Von 1985 bis 1991 war er Generalsekretär des ZK, 1990 wurde er Präsident. Er verpasste der Sowjetunion eine Reihe von Reformen, da seine Vorgänger einen Stillstand ausgelöst hatten. Man  sprach von Glasnost und Perestroika. Ab 1988 führte er in jedem sozialistischen Land "die Freiheit der Wahl" ein.

Ökonomische Modernisierung: Sie wird in Russland verschlafen. Die Institutionen verfallen (Universitäten, Unternehmen, Verwaltung). Das gleiche gilt für die Infrastruktur (Straßen, Schienen, Brücken, Flughäfen). Die Demokratisierung wird abgelehnt und damit auch jede Art von Reformen. Überholtes und Modernes konkurriert überall im heutige Russland. Man bewegt sich teilweise zurück in der Spätphase der Sowjetunion. Die große Frage ist, was die nächste Generation macht. Vgl. Kolesnikov, Andre: Putin verspielt Russlands Zukunft, in: WiWo 9, 26.2.2021, S. 44f. (Er ist Publizist, Jurist, Senior Fellow am Moskauer Carnegie Center). Sicher ist die Wirtschaftspolitik unter Putin desaströs. Die Korruption ist hoch. Die Armut nimmt zu. Der Lebensstandard sinkt. Es gibt keine besseren Krankenhäuser, Schulen und Straßen. "Es ist ein zerfallender Staat, der kaum mehr zu retten ist. Was wird den Russen helfen, die Fäulnis zu überwinden?" Wladimir Sorokin, bekannter russischer Schriftsteller, siehe Der Spiegel Nr. 16/ 16.4.22, S. 46ff.

Objektiv ist die Wirtschaft seit dem Amtsantritt Putins kaum gewachsen. Den Menschen geht es schlechter als vor dem Amtsantritt. Trotzdem stehen die Menschen hinter Putin (Solidarität wegen der vielen Kriege/ Außenbedrohung und Gehirnwäsche).

Unternehmen:  Vgl. Wichtige Unternehmen Russland. Wichtige Verbände  der Unternehmen sind: Mittelstandsverband "Unterstützung Russlands" und der Wirtschaftsclub ""Business Russland". Durch die Corona-Krise geraten viele Firmen an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. die Regierung hatte die Unternehmen gezwungen die Löhne weiterzuzahlen, während die Beschäftigten zu Hause bleiben mussten. Im September 2020 kommt ein Konjunktur- und Reformprogramm (Nationaler Aktionsplan zur Wiederherstellung von Beschäftigung  und Einkommen, Wirtschaftswachstum und langfristigen Strukturveränderungen in der Wirtschaft). Investitionen sollen unterstützt werden, Importsubstitution soll vorangetrieben werden, Exporte will man fördern. Der Wohnungsbau soll forciert werden, die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut werden. Das BIP soll jährlich um 3,5% wachsen (2021 3,3%, 2022 3,4%). 55 Mrd. Euro (umgerechnet) sollen eingesetzt werden, wobei noch offen ist, wo das Geld herkommt. Die größten Unternehmen in Russland sind: Gazprom (Börsenwert 2022 89 Mrd. €), Rosneft (69), Sberbank (64), Novatek (57), Lukoll (55), Norilsk Nickel (39), Polyus (20), Novolipetsk Steel (16), Severstal (16), Rusal (15). Ikea und H&M stellen in Russland vorerst ihre Geschäfte ein. Das gleiche machen folgende US-Unternehmen: Mc Donald´s, Coca Cola, Pepsi Cola, Starbucks. Auch Rolex aus der Schweiz stoppt sein Russland-Geschäft. Die französischen Luxusunternehmen Chanel und LVMH geraten in große Verlegenheit: Der Konsum in Russland spielt eine große Rolle. Die Ölkonzerne Exxon Mobil und Shell wollen sich zurückziehen. Japan hält an Öl- und Gasprojekten in Russland fest.

Deutsche Unternehmen in Russland: 2011 waren 6.301  deutsche Unternehmen in Russland. 2021 waren es nur noch 3.651. Grund war die Sanktionspolitik gegenüber Russland wegen der Annexion der Krim. Rund 40.000 deutsche Unternehmen haben Geschäftsbeziehungen zu Russland (ca. 280.000 Jobs hängen an Russland). Die deutschen Direktinvestitionen entwickelten sich aber positiv: 2011 1.147 Mrd. €. 2021 1.510 Mrd. €. Vgl. HB Nr.12/ 15. Februar 2022, S. 6. Nach dem Einmarsch in der Ukraine zieht es deutsche Firmen eher weg aus Russland. Daimler Truck stoppt seine Kooperation mit Kamaz in Russland und liefert keine Zuliefererteile mehr (produziert auch für die Armee). Die Mercedes - Group hält aber 15% an Kamaz. Nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine ziehen sich viele Unternehmen zurück: BMW, Playmobil, Kühne & Nagel, Siemens, MAN. 2,3% ihres Umsatzes machen deutsche Unternehmen in Russland. Es gibt auch Unternehmen, wie die Thalheimer Transformationswerke im Erzgebirge, für die Russland der wichtigste Markt ist. Im März 2022 stoppen die SAP und die BASF ihre Geschäfte in Russland. Die BASF hatte in der Vergangenheit einen sonderbaren Deal getätigt: Die Tochter Wintershall/ Dea hatte den größten Gasspeicher in Reden samt Leitungsnetz an Gazprom verkauft und dafür Förderrechte in Sibirien erhalten (nicht genehmigungspflichtig? mit Hermes-Bürgschaften vom Bund). Mercedes verkauft keine Autos mehr. Obi (Baumarkt) stoppt seine Geschäfte in Russland. Im März 2022 stoppt Continental die Produktion in Russland. Adidas zieht sich vorläufig aus Russland zurück, schreibt das Land aber noch nicht ganz ab (7000 Beschäftigte in Russland und der Ukraine werden weiterbezahlt). Heidelberg Cement betreibt drei Werke auf russischem Staatsgebiet. VW betreibt eine Firma 170 km südwestlich von Moskau (Kaluga). Man lässt auch beim russischen Autobauer Gaz mit Sitz in Nischni Nowgorod produzieren. Russland droht den Unternehmen mit Enteignung. Airbus und Siemens warten noch ab. Sie wollen die Sanktionen unterstützen, haben aber Angst vor Vergeltung. Vgl. Gnirke, K. u. a.: Furcht vor Rache, in: Der Spiegel 11/12.3.22, S. 74ff. Weitere deutsche Unternehmen schränken ihr Russland-Geschäft ein: Deutsche Bank, Lidl und Kaufland, Colgate-Palmolive. KSB hält seine Geschäfte aufrecht, weil die russische Bevölkerung am meisten unter einem Stopp leiden würde. Telekom will an seine russischen Standorten festhalten (St. Petersburg/ Zentrale, Moskau, Woronesch). Deutsche Leasing stopp das Neugeschäft in Russland. Sennheiser (Audiospezialist) zieht sich aus Russland zurück. Bosch soll Auflagen für Ausfuhren nach Russland missachtet haben. Das Ministerium prüft die Exporte. Die SAP will sich komplett aus Russland zurückziehen (dann Dementi). Kion prüft den Verkauf seines Geschäftes in Russland. Die meisten deutschen Unternehmen schränken ihr Geschäft ein oder stellen es vorübergehend ein: VW, Dürr, Putzmeister, Miele, SMS, Henkel, Lufthansa. Mehr als ein Dutzend Unternehmen betreibt weiter Geschäfte: Bayer, Fresenius, Merck, Südzucker, Nabaltec, Munich Re, Metro, Ritter Sport. Vgl. WiWo 13/ 26.3.22, S. 7. Firmen, die in Russland bleiben, laufen Gefahr, auf einer schwarzen Liste zu landen. Das Reputationsrisiko in Russland ist riesig, aber der Umsatz auch. Vgl. Bund, K./ Rudzio, K.: Darf man mit Russland noch Geschäfte machen, in: Die Zeit Nr. 14/ 31.3.22, S. 19.Im April 22 zieht sich Dr. Oethker ganz aus Russland zurück. Die Bundesregierung schnürt im April 22 ein Hilfspaket für deutsche Unternehmen, die besonders stark vom Ukraine-Krieg betroffen sind ("Stoßdämpfer": Kredite über die KfW, Bürgschaften, staatliche Zuschüsse, auch für Unternehmen, die besonders unter hohen Energiepreisen leiden). Solange Putin regiert, dürfte das Russland-Geschäft für deutsche Konzerne erledigt sein. Sie müssen ihr Russland-Geschäft vorerst abschreiben. Henkel stellt im April 22 die Produktion in Russland ein. Continental muss dei Produktion wieder aufnehmen. Grund seien "harte strafrechtliche Konsequenzen ", die Mitarbeitern und Führungskräften am Ort drohten, wenn sie den Bedarf in dem Land nicht bedienten. Bei Wirecard führt eine Spur nach Russland. Der mutmaßliche Betrüger Jan Marsalek soll sich in dem Land aufhalten. Die Auslieferung wird beantragt. Ritter Sport spendet seine in Russland erwirtschafteten Gewinne. Tschibo gibt im August 22 sein Russland-Geschäft auf. Vgl. auch Beschorner, Thomas: Should I stay or should I go? in: WiWo 19/ 6.5.22: "Es gibt keine guten Geschäfte in einem falschen Krieg". Bitte keine Moralisierung je nach Lage. Der Autor spricht von "Whataboutismus".

Verstaatlichung deutscher Unternehmen (russische Gegensanktionen und umgekehrt): 24,6 Mrd. € betrugen die deutschen Direktinvestitionen 2019 in Russland. Russland plant 2022 ein Gesetz zur Enteignung ausländischer Vermögen. Fraglich ist, was der deutsch - russische Investitionsschutz in Kriegszeiten noch zählt. Vgl. Anger, Heike: Wenn Verstaatlichung droht, in: HB Nr. 52, 15.3.22, S. 10. Umgekehrt gibt es auch viele russische Unternehmen in Deutschland. Das zeigt auch die ganze deutsche Energieabhängigkeit. In Brandenburg/ Schwedt liegt die PCK Raffinerie. Sie raffiniert russisches Öl, in Deutschland. Sie gehört zum Rosneft - Konzern (Gerhard Schröder sitzt im Aufsichtsrat). Chef ist 2022 der Deutsche Ralf Schairer.

Exkurs: Leitbilder und Werte als Grundlage der Russland-Politik der deutschen Unternehmen. Unternehmen wollen Leitbilder und Werte ("Purpose") definieren. Damit wollen sie in Krisenzeiten auch umstrittene Entscheidungen rechtfertigen. Die Zeit für Unternehmer und "In guter Gesellschaft -Stiftung für zeitgemäßes Unternehmertum" haben dazu eine Umfrage durchgeführt. wichtige Unternehmen sind Ritter Sport, Globus-Märkte, Viessmann,  Vgl. Tönnesmann, Jens: Raus aus Russland? in: Die Zeit Nr. 25/ 15. Juni 2022, S. 29.

Börse: Aktienindex in Russland ist der RTS. Er ist 2020 um 0,52% gestiegen. Von Januar 2020 bis Ende 2021 ist er um +850% gestiegen. Die Rohstoffkonzerne prägen das Bild mit den steigenden Energiepreisen. Der russische Aktienindex bricht 2013 ein (große Moskauer Börsen MMWB, RTS).2015 haben sich Russlands Währung und der Aktienmarkt deutlich erholt. 2022 sind die enthaltenen Unternehmen 619 Mrd. € wert. Im Februar geht der RTS in den Keller. Er sinkt um mindestens 25%, später noch weiter. Grund ist der Ukraine-Krieg. Russlands Reiche werden nervös. Sie verlieren Milliarden. Schließlich wird die Börse geschlossen. Die russischen Unternehmen an der deutschen Börse werden ausgesetzt. In Moskau gibt es einen Finanzdistrikt.

Frauenparadoxon: Im Alltag und der Kultur ist Sexismus und Macho-Gehabe noch stark verankert. In den Unternehmen haben allerdings die Frauen relativ viel Macht, scheinbar mehr als in vielen westlichen Industrienationen. Bei den weiblichen Finanzvorständen in Unternehmen/ Großkonzernen hat Russland sogar den höchsten Anteil (24,4%; China 24,3,;  USA 12,0; Deutschland 8,0%; Japan 0%; Quelle: Deloitte 2020). Finanzen scheint das Feld für Frauen zu sein. Das haben früher Studien im Mittelstand belegt (auch in Japan).  Besonders die Männer scheinen in Russland die Wende 1990 nicht gut verkraftet zu haben. Durch den Ukraine-Krieg und die großen Fluchtbewegungen, insbesondere von Frauen, droht Menschenhandel: Sie werden gezielt an Bahnhöfen von osteuropäischen Kriminellen angesprochen (Rotlichtmilieu, Reinigungskräfte, Altenpflege). 2022 behauptet die Politikwissenschaftlerin Florence Gaub (Vize-Direktorin des Instituts der EU für Sicherheitsstudien) Gewalt, auch gegen Frauen, würde in Russlands Gesellschaft verharmlost.

Rohstoffe (insbesondere Öl und Gas): Russland ist das rohstoffreichste Land der Erde. Der meiste Teil des Staatshaushalts kommt vom Export von Öl, Gas und Kohle sowie Nickel, Titan, Platin, Kobald und Aluminium (ca. die Hälfte der Staatseinnahmen). Hinzu kommen Palladium und Neon. Russland ist auch der größte Kali-Exporteur der Welt (zusammen mit Belarus 40%). Andere Länder in Europa, wie Frankreich, sind auf den Import von Uran angewiesen.  Die Anteile am Weltmarkt sehen wie folgt aus: Erdöl (12%), Erdgas (18%), Kupfer (8%), Nickel (11%), Seltene Erden 60%), Lithium (13%). Anders sieht es bei der Veredlung aus, wo China wichtiger ist. Putin in Russland macht einen Nebenkriegsschauplatz auf. Er senkt dramatisch die Preise für Gas und Öl. Er setzt sich von der Opec ab und brüskiert Saudi-Arabien. Damit werden aber am härtesten die Länder belastet, die hohe Förderkosten haben. Das trifft voll die US - Fracking - Industrie. Preise unter 40-50 Dollar sind für sie nicht tragbar. Außerdem sind die Unternehmen hoch verschuldet. Es sieht wie eine Revanche für die USA wegen der Sanktionen gegen Nord - Stream 2. Auch das könnte die Wiederwahl von Trump gefährden. Es zeigt sich immer gravierender, dass Kriege heutzutage auf andern als militärischen Ebenen stattfinden (Ressourcen, Cyberspace/ Internet, Viren). Die Gasexporte sinken dramatisch durch die Corona-Krise. Russland und Deutschland wollen North Steam 2 auf jeden Fall zu Ende bauen.  Die Genehmigungen deutscher Behörden liegen vor. Schweizer Schiffe sollen durch russische ersetzt werden. Die USA sind offenbar unter Biden zu neuen Gesprächen bereit und wollen Deutschland entgegen kommen. Deutschland hat schon Zugeständnisse gemacht: Kauf von US-Gas, Liefergarantie für Ukraine. Knapp über 50% des deutschen Erdgases kommen aus Russland (das erklärt auch das deutsche Festhalten an dem Projekt). die Pipeline darf zu Ende gebaut werden, was wohl 2021 geschieht.  Vgl. auch Gas-Pipelines. Immer wieder zu Unfällen kommt es in Bergwerken. So Ende November 2021 im Westen Sibiriens. In einem Kohlebergwerk gibt es 50 Tote. Die Bergwerksbosse kommen in Haft.Katar und die USA arbeiten an einem Notfallplan für Europa, falls das russische Gas nach einem Ukraine Krieg ausbleibt. Der größte Gaslieferant, Uniper, spricht davon, dass Russland seine Verträge erfüllt. Die Einnahmen aus den Rohstoffen will Russland in die Diversifizierung der Wirtschaft stecken. Man ist zu stark von den Preisschwankungen bei Rohstoffen abhängig. Auch die Zentralbank hat noch riesige Reserven. Mittel sind also da. Man muss nur die strukturellen Reformen umsetzen. Vgl. Kireev, Maxim: Da hilft nur China, in: WiWo 7/11.2.22, S. 30f. Auch die USA beziehen Rohöl aus Russland. Es ersetzt das ausbleibende Öl aus Venezuela (perfekt, weil gleiche Qualität, aber billiger). Sie zögern allerdings, es in die Sanktionen gegen Russland einzubeziehen.  Es gibt Staaten in der EU, die noch mehr als Deutschland auf russische Gaslieferungen angewiesen sind: Ungarn, Lettland, Finnland. die Gasimporte sollen aber reduziert werden. Russland liefert auch Gas in asiatische Länder: Japan (3,5% seines Gases), Taiwan (1,4%), Südkorea (1,2%). Die Gesamteinnahmen Russlands  aus Energieeinnahmen dürften 2022 wegen der hohen Energiepreise einen Rekordniveau erreichen (über 300 Mrd. €).Im April 2022 stoppt Russland die Gaslieferungen an Polen und Bulgarien. Offizieller Grund ist: Nicht-Zahlung in Rubel. Wahrscheinlich ist es eine Vergeltung gegen Polen in erster Linie, weil es den Hafen Danzig für Deutschland für Ölimporte zur Verfügung stellt (so kann Deutschland unabhängig werden von russischem Öl). Weiterhin versucht Putin, die EU zu spalten. Laut von der Leyen ist die EU auf einen Lieferstopp vorbereitet. Russland liefert kein Gas mehr an Finnland (Nato-Beitritt, keine Rubel-Zahlung). die Gaslieferungen an Deutschland werden im Juni 2022 gedrosselt, erst um 40%, dann um 60%. Die Sorge wächst, dass Putin den Hahn ganz zudreht.

Russland hat weltweit 10% der Agraranbaufläche. Hinzu kommen ca. 5% für die Ukraine. Beide Länder haben also eine große Bedeutung für die Welternährung. Die Sperrung der Häfen der Ukraine durch Russland (auch Odessa) verhindert den Getreideexport aus der Ukraine. Züge als Ersatz können die Kapazitäten nicht zur Verfügung stellen. Wenn die Lager und Silos in der Ukraine gefüllt sind, kann die neue Ernte nicht verwertet werden.

Ölindustrie in Russland: Sie ist die wichtigste Einnahmequelle für den Haushalt und für Devisen. Auch ohne ein europäisches Embargo (bis Ende 2022 Importstopp, Übergangsfrist für Ungarn und Slowakei) befindet sich die wichtigste Branche des Landes in einer tiefen Krise.  Die Lager sind gefüllt - aber auf den internationalen Märkten wird Moskau seinen Rohstoff nicht mehr los. 2020 hat Russland 524 Mio. Barrel produziert. Die Sorte Uralöl liegt -23,83 US-$ unter dem Preis von Brentöl. Die Europäer weichen aus: Polen auf Saudi-Aramco, Frankreich auf Abu Dhabi. Rosneft steht schon massiv unter Druck, auch Yukos (aufgelöst, bei Nachfolgeteilen). Putin dürfte die Hälfte seiner Öleinnahmen verlieren. Andere Länder können das nicht ausgleichen (andere Raffinerien, zu kleine Schiffe). Vgl. Brüggmann, Matthias: Ölindustrie im Niedergang, in: HB Nr. 85/ 3. Mai 2022, S. 6.

Gasförderung in Russland: 2021 fördert Russland 702 Mrd. Qubikmeter Gas, so viel wie nie zuvor. Das größte Abnehmerland war Deutschland mit 23,7%. Dann folgen die Türkei (13,2%), Belarus (9,7%), Dänemark (9,0%), Frankreich (5,7%). Russland selbst hat große Speicherkapazitäten. 72 Mrd. Kubikmeter Erdgas kann Russland einspeichern. Vgl. Krapp, Catiana: Plötzlicher Überfluss, in: HB 5.7.22, S. 22f.

Geschichte der Energiebeziehungen zwischen Russland und Europa: Öl wurde seit der Zarenzeit im späten 19. Jahrhundert geliefert. Ideologische Auseinandersetzungen spielten keine Rolle; Russland war immer verlässlicher Partner. Gas sahen die europäer lange als Alternative zum arabischen Öl. 1973 kam das erste Gas aus Russland nach Deutschland.  Damals wurden sogar Lieferungen an dei Ukraine gekappt, um Lieferverträge zu erfüllen. Russland profitierte erst spät mit steigenden Weltmarktpreisen vom Ölgeschäft. Mit den Rohstoffexporten ließ sich aber der Kapitalismus nicht überholen, aber immerhin Devisen erwerben. Damit konnte man kapitalistische Technik und Waren einkaufen. Bei der Transformation gab es kaum Steuereinnahmen. Um seine Grundverpflichtungen zu erfüllen, verhökerte der Staat sein Silberbesteck. Erst Putin macht dei Privatisierung der Energieförderung rückgängig. Er wollte den Zugang zu den Schlüsselsektoren und Renditen. Wenige staatliche Kernunternehmen sollen die Wirtschaft kontrollieren. Nach den westlichen Wirtschaftssanktionen wird das russische Öl und Gas neue Abnehmer finden.  Vgl. Perovic, Jeronim: Rohstoffmacht Russland. Eine globale Geschichte, Böhlau 2022. Ein Leck in Nordstream 1 und 2 im September 22 (staatlicher Anschlag mit 4 Löchern) verhindert dann auf Monate weitere Gaslieferungen.

Technologie Russland: Russland ist eine der führenden Technologie-Nationen. 1957 wurde mit Sputnik 1 der erste Satellit in die Erdumlaufbahn befördert, was einen Schock im Westen auslöste.  1961 umrundete Juri Gagarin als erster Mensch im Weltraum unseren Planeten. Heute ist Russland auf Technologie-Importe aus dem Westen angewiesen (z. B. im Flugzeug- und Fahrzeugbau). Deshalb treffen ihn auch die Wirtschaftssanktionen mittelfristig hart.

Informationstechnologie und Wettbewerb: Nicht nur Europa muss seine Rolle im globalen Machtkampf zwischen den USA und China finden. Das gleiche gilt für andere relativ starke IT - Nationen: Russland und Indien. Russland will ausländische Internet-Plattformen blockieren können. Ein besonderer Dorn im Auge ist den Russen Youtube. Russische Abgeordnete wollen entsprechende Gesetze machen, die ausländische soziale Netzwerke blockieren können. Der Kreml geht tatsächlich entschieden gegen Youtube vor. Es werden verschärfte Regeln entworfen. Auf der anderen Seite versucht der russische Geheimdienst immer wieder soziale Medien im Ausland zu beeinflussen oder zu lenken. Das zeigt sich besonders in Wahlkämpfen. Im Moment deutet alles daraufhin, dass sich die digitale Welt zersplittern wird. Es wird regionale Sphären geben. Der Ukraine-Krieg trifft die IT - Branche hart. Gründer und Programmierer kehren dem Land den Rücken zu. Es sollen 170.000 sein. Von Zypern aus wollen viele weiter agieren. Vgl. Bidder, B.: Am Strand von Moskau, in: Der Spiegel 25/ 18.6.22, S. 72ff.

Staatshaushalt: Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 236,6 Mrd. Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 186,5 Mrd. Dollar gegenüber. Damit hatte das Land einen Haushaltsdefizit in Höhe von 3,9 Prozent des BIP. Der Abschluss der Duma- und Präsidentenwahl gibt ab Mitte 2012 Anlass zu neuen umfangreichen Modernisierungsausgaben zugunsten der Infrastruktur, Wirtschaft und der Landesverteidigung. Angekündigt ist auch eine weitere Steigerung der Sozialausgaben. Somit werden die Ausgaben tendenziell weiter steigen, was aufgrund einer geringen Verschuldungsquote kein Problem darstellt. Die Staatsverschuldung betrug 2016 17,0 Prozent des BIP. 2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben vom BIP folgender Bereiche: Gesundheit: 5,3 Prozent, Bildung: 3,8 Prozent (2005), Militär: 3,9 Prozent (2005). Haushaltskonsolidierung steht im Vordergrund. Dazu werden die staatlichen Fonds wieder eingeführt, die die Budgetdefizite ausgleichen sollen. Die Corona-Krise senkt die Einkommen der Menschen (-11,5%). Dadurch sinken die Staatseinnahmen. Rund ein Drittel der russischen Staatseinnahmen kommen aus dem Öl-Export (März 2022, auch auf Grund der extrem gestiegenen Weltmarktpreise).

Staatsverschuldung: Russland hat eine Staatsverschuldung 2020 von 17,9%. Das ist extrem gering, vor allem im Vergleich zu den G7. 2021 betragen die Staatsschulden auch nur ca. 20%. Absolut liegt die Auslandsverschuldung bei 478,2 Mrd. US-$ Ende 2021 (Sonstige Sektoren, Banken, Staat, Zentralbank). Russland hat seine Auslandsschulden drastisch zurückgefahren.  Es könnte einer neuen Sanktionswelle besser standhalten. Russland ist vorbereitet. Fitch stuft die Schulden von B auf C herunter im März 22. Ein Zahlungsausfall könnte irgendwann kommen. Offenbar bemüht sich Russland Mitte März 22 , fällige Zinsen auf zwei Dollar-Anleihen zu zahlen, um einen Zahlungsausfall zu vermeiden. Doch es passiert nichts. Russland hat noch bis zum 15. April Zeit. Sollte diese Frist verstreichen, wäre die Staatspleite offiziell. Bis dahin sind noch 615 Mio. Dollar für Zinsen an Investoren zu überweisen. Russland fehlt der Zugriff auf die Devisen, um die Auslandsschulden zu begleichen. Damit rückt die Zahlungsunfähigkeit immer näher (April 22). Die würde sich dann auch auf die Unternehmen ausdehnen. Moskau hat im Grunde genommen die Wahl zwischen dem langsamen Auszehren der Devisenreserven und der Erklärung des Staatsbankrotts.

Im Sommer 2022 kann Russland seine Auslandsschulden nicht mehr begleichen. Zunächst ist Taiwan betroffen. Es ist aber eine technische Zahlungsunfähigkeit: Russland könnte zahlen und will auch, aber die westlichen Sanktionen verhindern das.

Banken und Beziehung zur Notenbank: Notenbankchefin ist 2022 Elwira Nablulina. Die Zentralbank rettet drei große private Banken mit Liquiditätsproblemen und einem hohen Anteil fauler Kredite (Otkrytie, Binbank, Promsswasbank). Die Zentralbank übernimmt die Geschäftskontrolle und die Kapitalmehrheit. Am 24.7.20 wird der Leitzins auf 4,25& gesenkt. Das ist der niedrigste Stand in diesem Jahrtausend. Die russischen Banken investieren in die Digitalisierung, um den Anschluss an die USA und China nicht zu verlieren. Russland strebt zusammen mit China an, sich vom globalen Finanzsystem, das von den USA dominiert wird, zu emanzipieren. Man hat Angst vor Sanktionen (z. B. über Swift). Der Leitzins liegt 2021 bei 5,0%. Nach dem Einmarsch in dei Ukraine wird er auf +20% erhöht. Beim Einmarsch in die Ukraine verlieren die Bankaktien auch am meisten. Die Filialen der Sberbank im Ausland stehen nach den Sanktionen des Westens vor dem Aus. Auch Banken in Russland könnten Pleite gehen (was Putin mit allen Mitteln verhindern wird). Am 12.6.22 senkt die russische Notenbank erneut den Leitzins (um 1,5% auf 9,5%). Damit ist der Leitzins auf dem selben Niveau wie vor dem russischen Einmarsch. Die Zentralbank senkt die Inflationsprognose (Mai 22 +17,1%).

Finanzmärkte: Es kommt zur Panik nach den Wirtschaftssanktionen des Westens. Der Inflationsschub wird weiter gehen.  Die internationalen Finanzmärkte haben das Risiko des Zahlungsausfalls Russlands fest einkalkuliert, aber auf Grund der geringen internationalen Verflechtungen auch für überschaubar gehalten. 

Konsummärkte: Beim Einmarsch in die Ukraine setzt in Russland ein Kaufrausch ein. Läden werden leer gekauft. Das gilt für die Edelmarken in der Innenstadt Moskaus: Louis Vuitton, Fendi, Gucci, Prada, Chanel. Vor allem im ZUM, der Mall für Edelwaren. Auch Apotheken werden gestürmt. Bestimmte Lebensmittel waren sehr gefragt (Nudeln, Haferflocken, Salz, Butter, Nüsse, Honig, Alkohol). Vgl. Nienhaus, Lisa u. a.: Russlands letzter Kaufrausch, in: die Zeit Nr.11/ 16. März 2022, S. 21.

Bedeutung des Finanzplatzes London für Russland: 31 russische Konzerne und Banken sind in der London Stock Exchange zweit - gelistet. Darunter sind Rosneft, Gazprom und Sberbank.  Alle diese Firmen können mit Sanktionen belegt werden. Die Aktien könnten vom Handel ausgesetzt, jegliche Geschäfte mit den Firmen verboten werden. London ist auch die Hauptstadt des globalen Devisenhandels. 43% des weltweiten Handels werden dort abgewickelt. Wenn GB Sanktionen treffen würde, träfe man auch die westlichen Geschäftspartner.  Auch der Finanzplatz New York könnte wirksame Sanktionen erlassen. In London wäscht Russland sein Geld. Bisher tat sich GB auch bei den "Goldenen Visa" hervor (bis Kaufen der Staatsbürgerschaft, das ist durch den Brexit uninteressanter geworden). Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann ein explosionsartiges Wachstum der Londoner City. Hier kann man über Scheinfirmen anonym anlegen. Beim Aufenthaltsrecht gibt es ein Eilverfahren. Die konservative Partei soll mit riesigen Summen gesponsert worden sein (hat auch im Brexit eine Rolle gespielt). Im Brexit-Fall haben Russland und die USA leider ein gemeinsames Ziel gehabt: die EU als Konkurrent zu schwächen.

Arbeitsmarkt/ Erwerbstätigkeit: Hohe Erwerbsbeteiligung, auch von Frauen. Die Zahl der Erwerbstätigen geht kontinuierlich zurück (niedrige Geburtenrate, hohe Sterblichkeit, niedrige Lebenserwartung bei Männern). Große Unternehmen vermeiden Entlassungen, stattdessen werden bei schlechter Auftragslage Löhne und Gehälter gekürzt oder monatelang nicht gezahlt. Die Einkommenszuwächse werden durch die hohe Inflationsrate aufgezehrt. Viele Russen sind gezwungen, sich einen Zweitjob zuzulegen. Es wird geschätzt, dass der Anteil der Erwerbstätigen, die in der Schattenwirtschaft arbeiten, bei 40% liegt. Häufig handelt es sich um Kleinunternehmer in der "Garagenwirtschaft". 15% der Erwerbstätigen lebt unterhalb des Existenzminimums. Im Zuge des Ukraine-Krieges sollen allein 100.000 junge Menschen aus der IT - Wirtschaft aus Russland ausgewandert sein (Ziel: Istanbul, Tiflis). Putin sieht sich gezwungen, vorübergehend die Wehrpflicht auszusetzen.

Sozialsystem: 2018 wird die Regelaltersgrenze für den Bezug einer Rente schrittweise angehoben: Für Männer bis 2028 von 60 auf 65 Jahre. Für Frauen bis 2034 von 55 auf 63 Jahre. Außer für Mütter mit vier und mehr Kindern. Höhere Rentenzahlungen sollen durch eine Anhebung der Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte auf 20% ausgeglichen werden.

Soziale Ungleichheit: Die Auflösung der Sowjetunion führte von 1992 bis 1995 zu einem starken Rückgang des Lebensstandards. Das Pro-Kopf-Einkommen steigt seit 2000 wieder und liegt 2018 bei 70% des westeuropäischen Niveaus in Kaufkraftparität (aufgrund des schwachen Rubels sogar nur noch halb so hoch). Die Einkommensteuer liegt bei 13% bei einem Einkommen von 1000 Rubel gleichermaßen wie bei 100 Mrd. Rubel. Man spricht von einer Kleptokratie in Russland: Von  1993 bis 2018 gab es riesige Handelsüberschüsse (Rohstoffen Energie). die zu keinen Finanzreserven geführt haben (wie in Norwegen oder China). Die Frage ist, wo das Geld geblieben ist. Vgl. Thomas Piketty: Der Sozialismus der Zukunft, München 2021, S. 122f.  Die Armut in Russland ist groß. Man merkt die wirtschaftlichen Probleme und die westlichen Sanktionen. Die Menschen haben aber eine hohe Toleranzgrenze. Der Nationalismus, der durch die Krieg geschürt wird, federt vieles ab.

Umwelt: Nach Russlands INDCs-Plänen sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um rund 25% bis 30% unter das Niveau von 1990 sinken. Allerdings lag die Wirtschaft des Landes 1990 danieder, so dass die Steigerung nichts aussagt (Statistischer Basiseffekt). Vgl. zu den Zielen und der Effektivität einzelner Länder als Quelle: Climat Action Tracker, http://climateactiontracker.org/countries/developed/russianfederation.html. Russland liegt beim Kohlendioxidausstoß weltweit auf Platz 4 (1800 Mio. Tonnen 2013; 2015 Platz 5, 4,9%). Russland bezweifelt immer wieder die wissenschaftliche Basis des Klimawandels (Wirkung von CO2 u. a.). Russland hat bei den globalen Treibhausgasemissionen einen Anteil von 5,2%. Ziel ist es (in Paris vereinbart) bis 2030 um 25% bis 30% gegenüber 1990 zu senken. Im Januar 2020 verkündigt die russische Regierung einen umfassenden Klimaplan. Es werden 30 Maßnahmen präsentiert. Dabei geht es unter anderem um den Bau von Dämmen und das ausweichen auf hitzeresistente landwirtschaftliche Anbauflächen. Im Kern geht es um die Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Am 04.06.20 kommt es zu einer Umweltkatastrophe in Sibirien (Norilsk, Flüsse Ambarnaja, Daldykan). 20.000 l Diesel laufen aus einem Kraftwerk aus. Putin ruft den Notstand in Sibirien aus. Es wird ein Sperrgürtel aus Kunststoffschwimmern aufgebaut. 2019 hat das Land 1.533 Tonnen CO2-Emissionen (wesentlich niedriger als China, USA, EU). Man braucht Russland auch im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel.  2020 läuft auf der russischen Halbinsel Kamtschatka eine Umweltkatastrophe ab. Es gibt ein rätselhaftes Tiersterben. Es wird wild über die Ursachen spekuliert (Beben am Meeresgrund, geheime U-Boot-Basis, Giftmüll). 2021 gibt es die historisch größten Wald- und Flächenbrände in Russland. Die Hälfte der Fläche von Deutschland wird vernichtet. Damit wird der Negativrekord von 2012 gebrochen. Schon im Frühjahr 2022 sind Brände in Sibirien wieder außer Kontrolle. Betroffen ist die Region um Krasnojarsk. Es wird immer schlimmer.

Auf der von Russland annektierten Krim herrscht 2020 Wassermangel. Das Leitungswasser ist trübe ("Kwass", Krimbier). 23 Seen und Stauseen drohen auszutrocknen. Es fehlt ausreichender Zugang zu Trinkwasser. Der Kreml macht die Ukraine dafür verantwortlich. Diese hat die Schleusen des Nordkrimkanals geschlossen. Der deckte 86% des Bedarfs der Halbinsel mit Wasser aus dem Fluss Dnjepr. Die Ukraine blockierte den Kanal mit einem Damm. Es sollen Meerwasserentsalzungsanlagen gebaut werden. Der Kreml hat 500 Mio. € für die Bewässerung der Krim bewilligt. 2021 werden Tausende Ausländer auf der Krim enteignet. Putin hatte ein entsprechendes Dekret schon im März 2020 unterzeichnet.

In Russland häufen sich die Naturkatastrophen in Folge des Klimawandels. 2021 fressen sich Feuerwalzen durch die russische Taiga. Hunderte Brände vernichten die Natur. Auch in Sibirien wüten Waldbrände. Laut Greenpeace vernichten Waldbrände in Russland inzwischen drei. bis viermal so viel Wald wie legale und illegale Holzeinschläge. Weil Löschflugzeuge, Personal und Treibstoff fehlen, werden Brände oft nur beobachtet statt bekämpft.

Arktis und strategische Bedeutung: Durch den Klimawandel bekommt die Arktis einen großen Bedeutungszuwachs. Rohstoffe, die dort lagern, sind leichter auszubeuten. Die Schmelze des Eises öffnet neue Wasserstraßen. China und Russland haben das schon lange erkannt. Neue Wasser- und Seefahrtsstraßen können den Weg von Asien nach Europa um 6000 km verkürzen. Russland baut schon lange Militärstationen in der Arktis. Norwegen, Skandinavien, Grönland, Kanada und die USA sind beunruhigt. Es drohen aber auch Konflikte mit China. Der Ukraine-Krieg behindert massiv das Seidenstraßen-Projekt Chinas.

Außenhandel und Direktinvestitionen: Anteil am Welthandel 20140 2: Import 1,8%, Export 2,9%. Von den Rohölimporten kommen 35% aus Russland. Der deutsche Warenverkehr mit Russland sieht wie folgt aus: Exporte 36,1 Mrd. €; Importe 40,4 Mrd. € (2013; Quelle: Ostausschuss der deutschen Wirtschaft). Der Handel mit Russland hatte 2013 einen Anteil von 3,8% am gesamten deutschen Außenhandel. Die wichtigsten Exportgüter sind Kraftwagen, Maschinen und Chemische Erzeugnisse; die wichtigsten Importgüter Erdöl und Ergas; Metalle, Kokereierzeugnisse. Die deutschen Direktinvestitionen in Russland lagen 2011 bei 9 Mrd. €. Hauptstandorte deutscher Unternehmen sind Nischnekamsk (BASF), Jekaterinburg (Siemens), Irkutsk (Knauf), Samara (Bosch, Noginsk (Metro, Bayer), Moskau (Allianz, Henkel, Airbus), St. Petersburg (MAN), Kaluga (Volkswagen, Continental), Smolensk (E.On), Krasnodar (Claas). Die große Mehrheit auf der Krim stimmt in einem Referendum am 16.03.14 für Beitritt zu Russland. Die EU fürchtet, dass das Muster (russische Mehrheit in der Bevölkerung) auch auf andere Landesteile und Länder angewandt werden könnte. Die größten Handelspartner von Russland sind China (Handelsvolumen 2013 66,8 Mrd. €) und die Niederlande (57,1 Mrd. € 2013). Im Juli 2014 verschärft die EU die Sanktionen gegen Russland (vor allem gegen bestimmte Unternehmen; auch Geldgeschäfte, Waffen und Hightech-Produkte). Auch die USA verschärfen die Sanktionen im Finanz-, Energie- und Technikbereich. Im August 2014 schlägt Russland zurück und verbietet die Einfuhr von Agrarprodukten aus der EU und den USA. Russland befürchtet eine Rezession (und die Privatisierung einzelner Firmen wie Rosneft wird gefährdet). Laut EU-Kommission soll russischen Banken, die eine Staatsbeteiligung von mehr als 50 Prozent haben, die Ausgabe von Aktien und Anleihen in der EU verboten werden. Außerdem werden weitere Namen mit Einreiseverbot und Kontosperrungen belegt. Anfang September 2014 werden die Sanktionen der USA und der EU verschärft. Am wirkungsvollsten dürften sie im Finanzbereich sein (unter anderem Zugang russischer Firmen zu westlichen Banken eingeschränkt außer Gasfirmen). Diese werden zunächst wegen eines Waffenstillstandes ausgesetzt (aber auch Angst vor Einschränkung der Überflugsrechte). Mitte September werden sie in Kraft gesetzt (Finanzmarkt, Technologie und Ölförderung, Dual-use-Güter, Waffen, Kontensperrung/ Einreiseverbot). Russland kündigt weitere Importbeschränkungen an. Viele Westfirmen verschieben ihre Investitionen in Russland (36%). Gegen einzelne Produkte aus der EU wird ein Verbot erlassen (z. B. gegen deutsche Waschmittel). Die EU verlängert Ende 2015 die Sanktionen bis Mitte 2016. Im Juni 2016 werden die Sanktionen wieder verlängert. Die Löhne dürften in den kommenden Jahren weiter sinken (problematisch für die Armen). Russland braucht weniger Regulierung und eine klarere Rechtsprechung. Im Dezember 2016 verlängert die EU die Russlandsanktionen, aber ohne zusätzliche Strafen. Die deutschen Direktinvestitionen sind 2016 auf fast 2 Milliarden Euro gestiegen. Ende 2016 gab es knapp 5200 Firmen in Russland mit deutscher Kapitalbeteiligung. 800 deutsche Firmen sind in der deutsch-russischen AHK. Die USA wollen Sanktionen gegen alle Firmen erlassen, die Geschäfte mit Russland machen. Das würde besonders Deutschland treffen (BASF; völkerrechtswidrig). Weitere US-Strafmaßnahmen gegen Russland im August 2017 treffen den Gasmarkt (Förderung von US - Fracking?). Im Jahre 2017 geht es dem Land etwas besser. Im November 2017 wird ein neues Mediengesetz erlassen. Es richtet sich in der Hauptsache gegen die USA (behinderten russische Medien in den USA), trifft aber auch andere Staaten). Ende Dezember 2017 verlängert die EU die Wirtschaftssanktionen gegen Russland. 2019 eröffnet Daimler auch eine Produktionsanlage in Russland nahe Moskau; vorerst wird die E-Klasse gebaut.  In Russland arbeiten über 5000 deutsche Unternehmen.  Durch die Sanktionen ist der Handel zwischen Deutschland und Russland stark zurückgegangen (2014 - 2016 Importe -50%; Exporte -31%; Quelle: Destatis). 2017 steigt der Außenhandel Deutschlands mit Russland wieder stark an (Einfuhren 31,4 Mrd. €, vor allem Öl und Gas; Ausfuhren 25,9 Mrd. €). Ein Giftgasanschlag mit Nervengas im englischen Salisbury wird Russland angelastet. Man belegt sich gegenseitig mit Sanktionen. Die EU-Staaten, die USA und Australien folgen Großbritannien. Russland erwägt 2018 Strafen gegen US-Produkte (Software, Medikamente, Flugzeugzubehör). In der Corona-Krise sind die deutschen Direktinvestitionen in Russland zurückgegangen: Einbruch nach den Boom-Jahren 2018, 2019 (Quelle: AHK). Auch die Nawalny-Affäre belastet das bilaterale Verhältnis. Der Handel schrumpft weiter (-14,7% erste sieben Monate 2020). Doch deutsche Firmen investieren weiter (Rhenus, Ekoniva, Globus). Die medizinischen Zwangstests könnten allerdings zu einer massiven Abwanderung deutscher Firmen führen. Im 1. Halbjahr 2022 erzielt Russland einen Leistungsbilanzüberschuss von 139 Mrd. Dollar (250% mehr als im Vorjahreszeitraum; Rohstoffexporte Wert, Einbruch bei Importen). Im Juli 2022 nimmt der Handel mit China extrem stark zu: +37,1%.

Die mit Abstand wichtigsten Ausfuhrprodukte von Russland sind Erdöl und Erdgas. In China ist Bedarf.  Aber die Frage ist, wie die Energierohstoffe dahin kommen sollen. Westliche Länder führen von Russland auch andere wichtige Rohstoffe wie Titan, Aluminium, Palladium  und Nickel ein. Viele werden im Flugzeugbau verwendet. Zwei Drittel der russischen Importe sind Kapitalgüter, Zwischenprodukte und Rohmaterialien. Die Autarkie ist praktisch nicht möglich. Vgl. Krugman, Paul: Interview "Putins Reserven sind nutzlos", in: Der Spiegel Nr. 11/ 12.3.22, S. 72. Mit den eingenommenen Devisen (€. $) kann Russland auf den Weltmärkten einkaufen und sie für den Inlandsbedarf (Sold der Soldaten u. a.) in Rubel umtauschen. Der Leistungsbilanzüberschuss dürfte 2022 wahrscheinlich bei 4,4% liegen (2021 5,7%).

Russland hat Direktinvestitionen in der EU. Am höchsten ist der Bestand in GB (11,5 Mrd. €, Ende 2021). Dann kommen Spanien (5,5) und Deutschland (5,4). In der Rangfolge dahinter liegen Frankreich und Italien.

Außenhandel zwischen Deutschland, EU  und Russland: Von 2011 auf 2021 fielen die deutschen Exporte von 34,5 Mrd. € um -23% auf 26,6 Mrd. €. Die Importe sanken im gleichen Zeitraum von 40,9 Mrd. € um -19% auf 33,1%. Aber Deutschland importiert 55% seines Gases, 50% seiner Kohle und 35% seines Erdöls aus Russland.  Bei Nickel hat Russland einen Anteil von 44%, bei Titan 41%, bei Palladium 18%. Die EU ist Russlands wichtigster Handelspartner (als Block, als einzelnes Land China): 34% des russischen Handelsvolumens. Die europäischen Unternehmen wollen auf alternative Beschaffungsmärkte umsteigen.  Innerhalb der EU exportieren und importieren am meisten aus Russland: Deutschland, Niederlande, Italien. Wichtige andere Handelspartner Russlands sind Weißrussland, die USA und die Türkei. Für die EU insgesamt steht Russland bei den Exporten der EU an 5. Stelle (hinter USA, GB, China, Schweiz). Bei den Einfuhren der EU liegt Russland durch seine Rohstoffe  an 3. Stelle (hinter China und USA). Im letzten registrierten Jahr 2021 exportierte die EU an Russland Waren im Werte von 89 Mrd. €, der Import betrug 159 Mrd. €. Das Ungleichgewicht ergibt sich aus den hohen Rohstoff- und Energieimporten. China hat im Vergleich dazu  eine wesentlich größere Bedeutung (Export 247, Import 479). Die EU hat insgesamt eine hohe Abhängigkeit von Russland, nicht nur Deutschland: Kohle 48,8% (Anteil der Einfuhren aus Russland an den Gesamteinfuhren 2020), Erdgas 35,1%; Öl 22,9%. Sie streitet im April 22 über ein Ölembargo. Im März 2022 halbieren sich die deutschen Exporte nach Russland.

Im März 2022 sind die deutschen Exporte nach Russland eingebrochen (1 Mrd. €, April 0,9 Mrd. €; Januar, Februar 22 jeweils 2 Mrd. €). Die Ausfuhrverbote beziehen sich auf Luxusgüter, Quanteninformatik, Halbleiter, Präzisionsgeräte, Transportmittel, Chemikalien. Anderes bleibt ausgenommen: Arzneien, pharmazeutische Erzeugnisse, Kunststoffe, Autos, Elektrotechnik. Bis Ende Juni 2022 (1. Halbjahr) sind die deutschen Exporte nach Russland um 41% gefallen.

Verhältnis zur EU und den USA:  2020 macht Russland ein neues Angebot für einen Abrüstungsvertrag (atomar, an die USA). Nach dem Amtsantritt von Biden einigt man sich auf einen neuen Vertrag. Russland steigt 2021 wie die USA aus dem Militärabkommen für militärische Beobachtungsflüge ("Open Skies") aus. Biden bezeichnet Putin in einem Interview als Mörder (Einmischung in den US-Wahlkampf). Daraufhin wird der Botschafter einbestellt. Im März 21 sieht Russland die Beziehung zur EU als Organisation als zerstört an. Man will sich wieder mehr China annähern. Die Nato-Außenminister beraten im März über den weiteren Umgang mit Russland. Sie beraten folgende Aspekte: aggressives Verhalten, Cyberangriffe, Aufrüstung, Desinformation, Wahlkampfbeeinflussung.  Vgl. dazu: Seipel, Hubert: Putins Macht. Warum Europa Russland braucht, Hamburg (Hoffmann & Campe) 2021. 2021 droht ein neuer Wirtschafts- und Handelskrieg. Biden erlässt weitere Sanktionen gegen Russland. Bisher russlandfreundliche EU-Staaten wenden sich ab. Ausländische Banken reagieren nervös. Tschechien weist 18 russische Diplomaten aus (Anschlag auf Munitionsdepot). Der US-Botschafter in Moskau John Sullivan reist nach Washington. Der Kreml spricht von einer "massenhaften antirussischen Psychose". Die Truppen werden schließlich noch im April 2021 von der Grenze abgezogen. Der Friedensvertrag von 2015 (unter Vermittlung von Deutschland und Frankreich zustande gekommen) liegt aber weiter auf Eis. Für den 16. Juni vereinbaren Biden und Putin ein Treffen in Genf/ Schweiz. Vorher treffen sich schon die Außenminister Blinken und Lawrow in Island. Das Treffen zwischen Putin und Biden findet in Genf statt, herausragende Ergebnisse werden nicht bekannt (Cyberangriffe, Ukraine, Menschenrechte). Die Botschafter sollen zurückkehren. Der Außenbeauftragte der EU Borrell schlägt gegenüber Russland eine dreiteilige Strategie vor: zurückdrängen, einschränken, einbinden (Russland wolle lieber direkten Kontakt zu einzelnen Mitgliedern und wolle die EU spalten). Die regelmäßigen Gespräche zwischen der EU und Russland sollen ab 2021 wieder stattfinden. Das blockieren die osteuropäischen Mitgliedsländer. Die Äußerung von Präsident Obama, dass Russland nur noch eine Regionalmacht sei, aber keine Weltmacht, wirkt bis heute negativ nach. Es gibt auch Veröffentlichen (Ex-US-Außenminister Baker, Umfeld von Genscher), dass Russland der Wiedervereinigung von Deutschland und der Aufnahme in die Nato nur zugestimmt habe  unter der Bedingung, dass sich die Nato nicht weiter nach Osten ausdehne. Auch die EU ist immer weiter nach Osten gegangen (jetzt sogar Aufnahmeanträge der Ukraine, Georgien, Moldawien). Die Äußerung von Biden, dass man die Ostukraine auch Russland überlassen könne, war nahezu eine Einladung. Die Nato will ab 2022 die Zahl der Soldaten in hoher Bereitschaft vervielfachen. Anfang September 2022 erschwert die EU Russen die Einreise in die EU. Das Abkommen zur erleichterten Visa - Vergabe für Reisende wird ausgesetzt. Im Oktober 2022 sind noch 31.000 Firmen in der EU in der Hand von Russen.  Vor 75 Jahren verfasste der US - Diplomat George F. Kennan eine Analyse der Moskauer Politik. Er prägte damit über Jahrzehnte die Strategie der USA im Kalten Krieg. Die Analyse ist aktueller denn je. Vgl. Berg, Manfred: Der Kreml-Versteher, in: Die Zeit Nr. 25/ 15. Juni 2022, S. 19.

Exkurs: Gipfel von 44 Ländern 2022: Er findet im Oktober 2022 in Prag statt. Es soll ein Signal an Putin sein. Die neue politische Gemeinschaft soll Russlands Präsident Wladimir Putin zeigen, dass er in Europa isoliert ist. Nur Russland und Belaruss fehlen. Dabei sind Armenien, Asabaidschan, die Türkei, Serbien, GB. 143 Länder der UN verurteilen am 13.10.22 die Annexion von teilen der Ukraine durch Russland. 35 Länder enthalten sich. 5 Länder sind dagegen (Russland, Belaruss, Syrien, Nordkorea, Nikaragua).

Exkurs: Victor Orban: Er stellt sich trotz EU an die Seite von Putin. Er steht Putin auch ideologisch nahe, vor allem in der Geringschätzung der Demokratie. Beide treten auch einem Werteverfall entgegen (gegen den Westen gegen Homosexuelle). Orban sieht nicht nur Russland, sondern auch China als Bündnispartner. Gerne nimmt er aber die EU-Milliarden, die er gerne seinem Volk verschweigt. Das geht, weil er die Medien kontrolliert. Die EU braucht die Zustimmung Orbans bei den Sanktionen. Orban braucht die EU (Inflation, Staatsbankrott).

Beziehungen zu Deutschland:  Deutschland hat besondere Beziehungen zu Russland. auf der einen Seite sind sie geprägt von tief greifenden Gefühlen der Schuld (Zweiter Weltkrieg). Auf der anderen Seite herrscht Dankbarkeit (Deutsche Wiedervereinigung). Die russisch-deutschen Beziehungen werden trotzdem auch  immer mehr eingefroren. Das ist besonders fatal, weil das Verhältnis durch die gemeinsame Geschichte traditionell sehr eng war. Für den Tiergartenmord bekommt ein russischer Agent lebenslänglich. Das Gericht stellt fest, dass der Mordauftrag an einem Georgier aus Russland kam. Zwei Diplomaten der russischen Botschaft werden zu unerwünschten Personen erklärt. Der EU fehlt es an einer gemeinsamen, von allen Mitgliedern mitgetragenen, Russland-Politik. Putin versucht immer wieder gezielt, die EU zu spalten. Er hat damit letztendlich Erfolg. Die Verärgerung in den USA über Deutschlands Haltung im Ukrainekonflikt wächst (Weigerung der Waffenlieferung, Zögern bei Sanktionen). Man sieht in den USA, aber auch in Nordeuropa, Deutschland als Stolperstein in der Russland-Politik. Der deutsche Kurs in der Ukraine-Krise wird nicht überall verstanden: Er nährt den Verdacht, dass auf Deutschland kein Verlass ist. Hinzu kommen persönliche Verbindungen ehemaliger Politiker, wie etwa von dem Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Er ist ein Freund Putins und sitzt in verschiedenen Aufsichtsräten deutsch-russischer Projekte (Gazprom, Rosneft). Besonders eng sind auch die Beziehungen von Mecklenburg-Vorpommern zu Russland (Gründung einer Stiftung in Lublin). Alle ostdeutschen Länder sind gegen die Russland-Sanktionen, weil sie ökonomische Einbußen haben. Die Abhängigkeit beim Gas zwischen Russland und Deutschland ist eine Co-Abhängigkeit.  Deutschland braucht das Gas als Brückenrohstoff (bis die alternativen Energien ausreichen) und Russland braucht das Geld. Das ist im Prinzip keine schlechte Sache. Je länger der Ukraine-Krieg dauert, desto größer wird der Druck auf Deutschland, einen Importstopp für russisches Öl und Gas zu erlassen. Die Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Moskau ist belastet. Die Anfeindungen gegen Russen in Deutschland nehmen zu. Es gibt in Deutschland bundesweite Proteste gegen den Krieg in der Ukraine. Deutschland sollte in seiner Politik dem Schwarz-Weiß-Denken (insbesondere der USA) entgegentreten. Die Zivilisation lebt auch davon, sich mit den Beweggründen Russlands, Chinas und des Irans  auseinanderzusetzen (das wäre auch ein Wunsch an die deutschen Medien). Am 20.3.22 findet ein "Sound of Peace" vor dem Brandenburger Tor in Berlin statt (Friedenskonzert, auf dem viele Künstler auftreten). Anfang April 22 weist Deutschland 40 Diplomaten aus Russland aus, weil sie Spionage betreiben und die ukrainischen Flüchtlinge gefährden. Die deutsche Tochter von Gazprom (Germania) wird vorübergehend unter die Treuhandverwaltung der Bundes-Netzagentur gestellt (Eigentumsverhältnisse unklar). Das dürfte russische Gegenreaktionen provozieren (Putin droht schon). Am 24.4.22 weist Russland 40 deutsche Diplomaten aus. Wahrscheinlich werden Deutschland und Russland für lange Zeit getrennte Wege gehen (eine Zusammenarbeit mit Putin ist schwer vorstellbar). Auf der anderen Seite kommen viele russische Staatsbürger ganz nach Deutschland. Von Februar bis Juni 2022 wurden 9251 nationale Visa erteilt. Dies evisa wurden meist für die Aufnahme einer Beschäftigung und mitreisende Familienangehörige genutzt. Am 13.9.22 telefonieren Scholz und Putin nach längerer Zeit 90 Minuten miteinander (Waffenstillstand, diplomatische Lösung). In Deutschland wächst der Druck auf Scholz, Panzerlieferungen zu ermöglichen (Marder, Leopard). Die Forderung bleibt vorerst unerfüllt. Dafür gibt es Raketenwerfer. Am 26.4.22 treffen sich hohe Nato-Vertreter aus 30 Ländern (+ auch Nicht-mitglieder) in Rammstein/ Pfalz. Sie treffen sich auf der US - Airbase und beraten über die Lage im Ukraine-Krieg.  Die Lieferung schwerer Waffen soll abgestimmt werden. Rammstein ist für die Amerikaner das wichtigste Drehkreuz in Europa und der wichtigste ausländische Stützpunkt.. Das Land Rheinland-Pfalz führt jährlich Gespräche in den USA über die wichtigen Stützpunkte der US-Armee in RLP. Außenminister Lawrow warnt die Nato pünktlich vor weiteren Waffenlieferungen an die Ukraine. Im internationalen Vergleich der Hilfsleistungen (insgesamt -humanitär, finanziell, militärisch) und nur der militärischen Unterstützung liegt Deutschland relativ gesehen (Anteil am BIP) auf hinteren Positionen. Quelle: Institut für Weltwirtschaft/ Kiel 2022.

Vermögenswerte Russlands in Deutschland: Die russischen Staatsbürger haben Vermögenswerte in Höhe von 25 Mrd. €. Darunter fallen Firmenbeteiligungen, Wertpapiere, Bankguthaben. Das tatsächliche Vermögen dürfte aber höher sein: Der Immobilienbesitz bleibt unberücksichtigt. Hinzu müsste man noch die russischen Direktinvestitionen rechnen (2019 8,9 Mrd. €). Während viele Staaten in Europa wegen des Ukraine-Krieges im Rahmen der Sanktionen Vermögenswerte sperren (Italien, Frankreich) tut sich Deutschland schwer damit. Die EU friert im zuge der Sanktionen bis Sommer 2022 14 Mrd. € an russischem Vermögen ein.

Verhältnis zu osteuropäischen Ländern: Russland versucht beständig, in Osteuropa mehr Einfluss zu gewinnen. China verfolgt eine ähnliche Strategie (Ungarn), die letztlich die EU spalten soll. Einige Länder versuchen, davon zu profitieren. Das gilt besonders für Ungarn, wo Orban wieder gewählt wird,  und die Slowakei. Man spricht von "Putins trojanischen Pferden". Putin will auch  die Nato hinter die Grenzen von 1997 zurückdrängen. Ihn stören vor allem die Raketen und Angriffswaffen im Grenzgebiet. Auch Serbien, das in die EU strebt, pflegt ein gutes Verhältnis zu Russland (Vucic wird wieder gewählt).

Verhältnis zu Osteuropa, speziell Westbalkan: Russland schürt den Konflikt auf dem Balkan. Der fragile Frieden wird bewusst gefährdet und als Waffe gegen die EU und die Nato eingesetzt. Besonders serbische Minderheiten in verschiedenen Staaten (Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, Kosovo) werden systematisch aufgestachelt. Vgl. Koelbi, Susanne: "Putin sagt: Kosovo, Kosovo, Kosovo", in: Der Spiegel 36/ 3.9.22, S. 90f.

Ostausschuss und Unternehmerrat:  und  2020 wurde ein Deutsch - Russischer Unternehmerrat gegründet. Beteiligt sind der russische Minister für wirtschaftliche Entwicklung Maxim Reschetnikow und der Ost-Aussschuss-Vorsitzende der deutschen Wirtschaft Oliver Hermes. Es wird das deutsch-russische Themenjahr "Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung 2020-2022"  eingeläutet (mit Maas und Lawrow). Es findet auch wieder ein Deutschlandjahr in Russland statt. Der Ostausschuss liefert nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine Argumente, warum nicht alle deutsche Unternehmen in Russland ihre Geschäftstätigkeit einstellen. Der Ostausschuss wurde 1952 gegründet. Er wird von ca. 350 Mitgliedsunternehmen finanziert. Hinter ihm stehen 6 Trägerverbände (auch BDI, DIHK). Langjähriger Vorsitzender war Klaus Mangold (Aufsichtsratschef von Knorr-Bremse, auch Mitglied des deutsch-russischen Petersberger Dialogs). Geschäftsführer ist Harms. Der Ostausschuss hat die gleiche Zuständigkeit, wie auf dieser Seite gegliedert ist: Alle Länder im Osten, auch Ost-Europa und Zentralasien.

2022 steigt der Außenhandel anders als erwartet sehr stark an. Mit Russland geht er stark, mit der Ukraine nur leicht zurück. Er boomt mit Zentralasien (Umleitungseffekte) und Osteuropa.

Deutsch-Russisches Forum: Sitz Berlin. Seit 1993. Dialog mit Russland. Vorsitz 2021 Matthias Platzceck, ehemaliger Ministerpräsident von Brandenburg und SPD-Vorsitzender. Gemeinnützig. Baerbock gilt in Russland als Reizfigur. Sie hat sich stark für die Ukraine eingesetzt und wollte Nord Stream 2 verhindern. Das gleiche gilt für Lindner, der sich sehr aktiv für Nawalny eingesetzt hat.

Deutsch-russischer Petersburger Dialog: wichtig als Gesprächsforum. Mit Lenkungsausschuss.

Russland-Deutsche: Millionen von Deutschstämmigen aus der früheren Sowjetunion sin in den Neunzigerjahren in die Bundesrepublik ausgesiedelt. Während sich viele Ältere bis heute als Bürger zweiter Klasse fühlen, entdeckt eine junge Generation selbstbewusst ihre Wurzeln. Vgl. Wenzel, Warkentin, Natalia: Deutsche unter Deutschen, in: FAZ Nr. 278, 29.11.21, S. 3. Man hat nach dem Ukraine-Einmarsch eine wachsende Distanz von russlandstämmigen Deutschen zu ihrer früheren Heimat.

Folgen der Russland-Sanktionen für die Deutsche Wirtschaft und andere: Die Sanktionen reduzieren die Wertschöpfung der deutschen Wirtschaft pro Jahr um 5,45 Mrd. €. Überproportional leidet Ostdeutschland. Effizienter seien Sanktionen gegen Personen und Institutionen, also etwa Einreiseverbote und Kontensperrungen ("Smart sanctions"). So das Ergebnis einer Studie von Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft in München. 2020 gab es in Deutschland Importe aus Russland in Höhe von 26,3 Mrd. €. Die Exporte nach Russland machten 22,0 Mrd. € aus. Das ist ein dramatischer Abfall gegenüber 2015. Quelle: StBA. Gas spielt eine wichtige Rolle in dem Poker. Die USA wollen US-Flüssiggas liefern. Russland hält Gas-Lieferungen zurück. Die Sanktionspolitik ist faktisch gescheitert. Deutschland ist noch lange auf russisches Gas angewiesen (auch durch den Ausstieg aus der Atomenergie, mehr als die Hälfte seines Gasimportes). Bei einem Einmarsch in die Ukraine wäre Nord Stream 2 aber wahrscheinlich erledigt. Auch Russland selbst wurde durch die 2014 erlassenen Sanktionen hart getroffen. Seit 2013 wuchs das BIP im Schnitt nur um 0,8%. Vgl. auch: Fischermann, Thomas u. a.: Der Preis der Sanktionen, in: Die Zeit Nr. 5/ 27. Januar 2022, S. 19. Felbermayr, G., C. Morgan, C. Syropoulos und Y. Yotov (2021), Understanding Economic Sanctions: Interdisciplinary Perspectives on Theory and Evidence, European Economic Review, 135(C). Mit dem Ukrainekrieg im Februar 2022 kommen weitere Sanktionen. Sie treffen Deutschland hart: Das Erdgas wird knapp und erreicht immer höhere Preise. Das gleiche gilt für Öl. Der größte Gasverbraucher in Deutschland ist die Industrie. Die Reichen in Russland haben ihr Geld und Vermögen in den westlichen Staaten angelegt (USA, GB, Deutschland). Die Sanktionen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine treffen wesentlich härter: Man rechnet damit, dass der Wohlstand in Deutschland sinkt (BIP -0,4% ). Russland wird allerdings wesentlich härter getroffen (BIP -10%; IWF). Es trifft auch viele andere Länder in Europa. Direkt sind die Haupt-Tourismus-Ziele betroffen: Türkei, Zypern, Italien. Ein Stopp der Erdgaslieferungen aus Russland würde die Industrie am stärksten treffen (36% der Erdgasnutzung). Dann kämen Haushalte (30%), Stromerzeugung (13%). Der Krieg wird die Industrie auch einiges kosten. Für ein groß Teil der Risiken war sie auch selbst verantwortlich (vor allem die BASF). Vgl. Pletter, Roman: Satt, in: Die Zeit Nr. 18/ 28.4.22, S. 21. Vgl. auch: Görg, Holger/ Jacobs, Anna/ Meuchelböck, Saskia: Auswirkungen der Russland-Sanktionen, in: Wirtschaftsdienst Heft 9/ 2022, s. 735-736.

Deutsche Unternehmen müssen Milliarden Euro an Forderungen und Beteiligungen in Russland und der Ukraine abschreiben. Russische Beteiligungen werden wertlos. Forderungen werden ausfallen. Selbst die Liquidation kostet Geld. Die Unternehmen verbuchen daheim die Verluste in der Handelsbilanz. Es gibt unterschied ezwischen Handelsgesetzbuch und Steuerrecht. Noch zögern die Finanzämter 2022 , die Verluste bei Konzernen anzuerkennen. Solche Ausnahme-Situationen sind im Steuerrecht nicht vorgesehen. Vgl. Ramthun, C.: Bomben auf dei Bilanzen, in: WiWo 18/ 29.4.22, S. 29.

Exkurs: Gas-Embargo von Deutschland für russisches Gas und die Folgen: Eine Projektgruppe in den USA geht davon aus, dass ein solches Embargo einen Verlust von Wirtschaftswachstum von 3 - 5% (je nach Szenario) in Deutschland mit sich brächte und mit einer gegen wirkenden Wirtschaftspolitik über Schulden zu schultern wäre. Vgl. Rüdiger Bachmann u. a.: "What if" (auch Bachmann-Paper genannt, Uni Notre Dame Indiana, Pittel von Ifo-Institut, München, dabei).  Gearbeitet wird mit einem makroökonomischen Modell. Meiner Ansicht nach hat dieses Modell mit der Prognose gravierende mikroökonomische Fehler (blendet physikalische und verkehrstechnische Aspekte aus). Es schätzt Gas als Grundstoff nicht richtig ein und berücksichtigt nicht die Verkehrstechnik bei LPG (keine Leitungen, Lastwagen, Schiffe). Vom Gas und Öl zum Endprodukt gibt es auch einen langen Weg: Die chemische Industrie arbeitet mit Wertschöpfungsketten, die später zu Endprodukten führen. 1. Methanol: Düngemittel, Harze, Leime, Polymere, Sprengstoffe. Baustoffe, Kunststoffe, Landwirtschaft. 2. Ethylen: Polymere, Polyole, Copolymere. Baustoffe, Beschichtungen, Kunststoffe, Textilien, Verpackungen.  3. Propylen/ Propan: Fasern, Polymere, Schäume, Superabsorber. Automobilindustrie, Baustoffe, Beschichtungen, Kunststoffe, Textilien. 4. Butan: BDO, NMP, Gummi. Dichtungen, Hochleistungskunststoffe, Reifen, Textilien. 5. Benzol: Fasern, Garne, Harze, Polymere. Baustoffe, Kunststoffe, Teppiche, Textilien. 6. p-Xylol: PET, PBT.  Kunststoffe (z. B. Mineralwasserflaschen und Zahnbürsten). Quelle: VCI; Freytag, Bernd: Ohne Gas nichts los, in: FAZ Nr. 75, 30.3.22, S. 21. Allein die BASF verbraucht ca. 4% des Gases aus Russland. Auf die Industrie insgesamt fallen ca. 15% (Heizung und Rohstoff). Habeck hat schon in einem Monat die Gaslieferungen aus Russland von 55 auf 40% heruntergefahren. Bis 2025 will man ganz ohne auskommen. Die Währung der Zahlung spielt eine Randbedeutung. Mit Rubel würden die Zahlungen direkt an die Notenbank und damit den Staat gehen (über die nicht sanktionierte Gazprom-Bank). Bei Devisen (Euro) zweigen die Oligarchen einen großen Teil ab. Das Problem ist also komplexer als oft dargelegt. Das aber auch, weil sicherheitspolitische und ethische Argumente für ein Embargo sprechen. Es kann also keine rein ökonomische Debatte geben. Innerhalb der Energie-Rohstoffen verdient Russland am meisten am Öl (1/3 des HH, auch aufgrund der Preissteigerungen). Ein Öl-Embargo würde am besten wirken, ein Kohle-Embargo ist am einfachsten umzusetzen. Ein Gas-Embargo würde Russland mittelfristig in die Knie zwingen, aber Deutschland auch. Die Bundesbank hat im April 2022 die Folgen eines Öl- und Gasembargos gegen Russland ausgerechnet: Das Wachstum in Deutschland würde um -5% einbrechen. Russland beliefert Finnland nicht mehr mit Gas (keine Rubelzahlungen, Nato-Beitritt). Im Juli muss North Stream 1 wegen Inspektion 10 Tage geschlossen werden. Offen ist, ob Leitung wieder geöffnet wird..

Sanktionen der EU, Deutschlands und der USA (auch G7) nach der Anerkennung des Donbass und dem Einmarsch: Handelsverbot für russische Staatsanleihen. Personen und Unternehmen auf einer EU-Sanktionsliste (Einreiseverbot und Vermögenseinfrieren). 350 Abgeordnete Einreiseverbot. Freihandelsregeln nicht für die Volksrepubliken. Zugang zu den Finanzmärkten erschweren. Weitere Sanktionen folgen, wenn Russland einmarschiert. Stopp von Nord Stream 2. Sanktionen nach dem Einmarsch: 1. Finanzsektor. Abschneiden der russischen Banken von den Finanzmärkten. 2. Exportverbot für Hochtechnologie nach Russland. 3. Energiesektor: Umleiten von Öl und Gas nach Europa aus den USA und Katar. Im Kern will man mit den Sanktionen Druck auf die Eliten ausüben. Sie sollen ihre Privilegien verlieren. Sie sollen Putin ihre Loyalität entziehen. Dann folgen weitere Sanktionen: Landeverbot und Überflugsverbot für russische Flugzeuge auf dem Gebiet der EU. Nirgends mehr in der EU dürfen russische Flugzeuge starten und landen. Die Hermesbürgschaften für deutsche Firmen, die nach Russland exportieren, werden ab sofort gestrichen. Allein für Energielieferungen in die EU kassiert Russland jeden Tag ca. 600 Mio. € (andere Berechnungen sprechen von 1 Mrd. €). Damit finanziert Putin seinen  Krieg. Ein Embargo könnte mittelfristig die Kriegskasse entscheidend schwächen. Die USA verhandeln mit Venezuela über Öllieferungen, um die russischen zu ersetzen. Es kommt ein Importembargo für russisches ÖL in den USA. Das US-Embargo wird auf Handelsgüter ausgeweitet (russischen Wodka, Meeresfrüchte, Diamanten). außerdem wird Russland der Status der "meistbegünstigsten Nation" entzogen. Das bringt Zollerhöhungen mit sich. Die EU schiebt Mitte März 2022 noch Sanktionen nach: Keine russischen Stahlerzeugnisse werden eingeführt. Keine Luxusgüter werden nach Russland exportiert. Die EU beschließt im März 2022 auch ein sicherheitspolitisches Konzept: Sie bekommt eine neue militärische Einheit, eine Eingreiftruppe.

Das Abschneiden von Swift wird noch aufgespart. Es wäre ein Ausschluss vom Zahlungsverkehr (Banken, Kreditkarten, Überweisungen, Rechnungen). Es würde die ganze Bevölkerung treffen. Die Erfahrungen damit im Iran sind nicht so positiv. Man würde Russland auch in das System Chinas hineintreiben. Massiv wären auch die Probleme für die EU (russische Banken und Unternehmen haben Schulden in Höhe von 50 Mrd. €). Die Schweiz ist und wäre die große Lücke. Sie verbietet zumindest neue Geldgeschäfte mit Russland, verweist aber auf ihre Neutralität. Schließlich macht sie am 28.2. bei den Sanktionen mit. Gegner des Swift-Ausschlusses Russlands waren wohl Ungarn, Italien, Niederlande und Deutschland. Dann kommt doch eine abgespeckte Version des Ausschlusses von Swift: Der soll nur ausgewählte Banken betreffen (7, die Energie-Banken Gazprom und Sberbank werden ausgenommen: so greift man nur 30%). Die russische Zentralbank wird mit Sanktionen belegt: 1. Keine Transaktionen mit dem Ausland mehr. 2. Vermögenswerte im Ausland werden eingefroren (Devisen- und Goldreserven im Westen). Insgesamt gibt es bei den Sanktionen drei Pakete. Mastercard, Paypal und Visa stoppen in Russland. Die Forderung Russland, Energierechnungen in Rubel zu begleichen könnte das Energie-Embargo der EU begünstigen. Die G7 lehnen die Zahlungen in Rubel ab. Putin will erst einen Expertenrat einsetzen. Er sichert Deutschland zu, weiter in Euro über die Gazprom - Bank  bezahlen zu können.

Einige Experten fordern eine Strafsteuer auf Öl und Gas aus Russland. Ein Embargo würde Putin voll treffen. Damit könnte die Kriegskasse entscheidend geschwächt werden. Vgl. Hausmann, Ricardo: Wir brauchen eine Strafsteuer auf Öl aus Russland, in: WiWo 10/ 4.3.22, S. 41. Die Sanktionen führen zu politischer Unsicherheit: Investoren und Konsumenten ziehen sich zurück. Die USA erlassen im März 2022 noch ein Embargo für russische Ölimporte. Als Vergeltung für die Sanktionen der EU erwägt Russland eine Schließung von Nordstream 1 (das wird später dementiert). Die EU prüft Hilfen für Unternehmen, die besonders durch Störung im Wirtschaftsleben durch den Ukraine-Krieg betroffen sind. Auf einem Treffen der Regierungschefs in Versailles am 11.3.22 lehnen Deutschland, Österreich und  Italien ein Energie-Embargo ab. Allerdings will Deutschland die Importe von Öl und Gas drastisch zurückfahren, soweit sie von anderen Staaten ergänzt werden können (Norwegen, Katar, USA, Kasachstan, Iran). Man könnte auch mit einer Importabgabe auf russisches Öl und gas arbeiten. Die von Russland gezahlten Gelder könnten in einen Treuhandfonds fließen, der nach dem Krieg helfen kann, den Wiederaufbau der Ukraine zu finanzieren. Vgl. Edenhofer, O./ Ockenfels, A.: Eine Alternative zum Embargo, in: HB Nr. 62, 29. März 2022, S. 48. Russland hält geleaste Flugzeuge zurück (Verstoß gegen die Kapstadt-Konvention). Sie können sowieso nur in Russland fliegen. Nach dem Bekanntwerden der Massaker der russischen Armee in Butscha nahe Kiew kündigt die EU weitere Sanktionen an (ähnliche Massaker dürfte es in anderen Städten gegeben haben). Es kommt also ein fünftes Paket: Die Sanktionen liegen im Bereich des Handels und der Finanzmärkte (mehr Banken aus Swift, Importverbot für Wodka und Kaviar sowie Holz, keine russischen Schiffe in EU-Häfen). Es kommt zuerst ein Kohle-Embargo, ein Erdöl- und Gas-Importverbot dürfte hinausgezögert werden. Knapp die Hälfte der europäischen Kohleimporte kommen 2022 aus Russland. Weiterhin werden zusätzliche Personen mit Sperren belegt (2 Töchter Putins/ Ärztin und medizinische Institution, Leiterin von KI-Einrichtung, Familie von Lawrow, weitere Familieangehörige der Oligarchen). "Die Sanktionen fressen sich Woche für Woche tiefer in die russische Wirtschaft. Der Staatsbankrott ist nur eine Frage der Zeit", EU-Präsidentin Ursula von der Leyen, im April 2022.

Im Mai 22 startet die EU das Sanktionspaket 6. Es soll zu einem Stopp von russischen Erdöl-Importen kommen. Ungarn droht bei einem Sondertreffen der EU-Energieminister weiter mit einem Veto. Ungarn und die Slowakei hängen fast vollständig an russischem Öl. Es dürfte für beide Länder Übergangsfristen geben (auch für Tschechien, Bulgarien bis 2024). In Deutschland ist die Versorgung der neuen Bundesländer noch nicht geklärt (über die russische Raffinerie Schwedt). Die EU will ihre Drähte zu China und Indien nutzen, damit diese nicht in die Bresche bei Ölimporten springen. Die Aussichten sind gering. Ungarn verhindert auch Sanktionen den russischen Patriarchen Kyrill. Im Juni 2022 auf dem G7-Gipfeltreffen im bayrischen Elmau wird eine weitere Verschärfung beschlossen: Importverbot für russisches Gold, Beschränkung der Öleinnahmen durch Höchstpreise, Exportverbot für Hochtechnologie, wenn sie einen militärischen Nutzen hat (Ausschließen Russlands vom Weltmarkt). Am 15.7.22 setzt die EU das Importverbot von russischem Gold um, ebenso das Exportverbot für Hochtechnologie. Anfang September 2022  Anfang September 2022 schlägt die EU-Kommission einen Preisdeckel für russisches Gas vor. Es gibt eine Lücke in den westlichen Sanktionen. Das ist Fisch, der von russischen Booten gefangen wird, in der Hauptsache Alaska-Seelachs (Krabben, Kaviar sind enthalten).

Nach den Referenden und der Einverleibung von Teilen der Ukraine (Luhansk, Donezk, Saporischschja, Cherson) in russisches Staatsgebiet reagiert die EU mit weiteren Sanktionen: Preisdeckel für Ölimporte aus Russland. EU-Bürger dürfen keinen Sitz in Führungsgremien russischer Unternehmen übernehmen.  Putin besiegelt die Annexion von den vier Gebieten mit einer Feier in Moskau.

Mitte November 2022 kommt es zu einem Raketeneinschlag in Polen in Grenznähe. In Warschau und bei der Nato geht man davon aus, dass die Explosion mit zwei Toten am 15.11.22 durch eine fehlgeleitete ukrainische Luftabwehrrakete verursacht wurde.

Folgen der westlichen Sanktionen für die russische Wirtschaft: Die Wirtschaftssanktionen werden gravierende Folgen für die russische Wirtschaft haben: BIP 2022 mindestens -9%. Deutlich geringerer Konsum und Lebensqualität. Massive Verarmung der russischen Bevölkerung. Die Eliten dürften sich von Europa verabschieden oder auswandern. Vgl. Interview mit Alexander Libmann in: WiWo 13/26.3.22, S. 36f. Die Inflation dürfte 2022 um mindestens 20% ansteigen. Russlands bescheidene Wirtschaftskraft soll entscheidend geschwächt werden, so dass weitere Angriffe ökonomisch nicht mehr möglich sind. Der Rubel wird weiter einbrechen (-8%). Die Zahl der Arbeitslosen wird ansteigen (7,5% Prognose). Auch die G7 vereinbaren im Mai 22 einen Ausstieg aus russischem Öl (bis 2030). Die Wirtschaft taumelt der Mangelverwaltung entgegen - ist aber erstaunlich resilient. Sie wird aber um Jahrzehnte zurückgeworfen. Westliche Unternehmen sehen den "russischen Markt als Geschichte an". Die Inflation zerrt das Restvermögen auf. Vgl. Fischer, Malte u. a.: Zurück in die Achtziger, in: WiWo 22/ 27.5.22, S. 14ff. Im Juli 2022 sieht man, dass die Sanktionen Russland ins Mark treffen. Wichtige Rüstungsfabriken können nicht mehr produzieren. Weiterhin stark betroffen sind die Mobilfunkanbieter und und die Autoindustrie. Die Sanktionen zeigen im Sommer 2022 eine sehr starke Wirkung: Das Wirtschaftswachstum Russland wird 2022 um -8% sinken, 2023 um -2%. Die Inflation steigt im Juni 2022 auf 15,9%. Viele Unternehmen bekommen ihre Vorleistungen nicht mehr (Pharma, Metallproduktion, Chemie, Maschinenbau, Autobau, Landwirtschaft). Die Sanktionen beginnen Mitte 2022 relativ stark zu wirken. Sie erschweren die Kriegsführung und kommen das Land teuer zu stehen. Vgl. Kluge, Janis: Die Schlinge zieht sich langsam zu um Russlands Wirtschaft, in: WiWo 33/ 12.8.22, S. 40f. Die Wirtschaft leidet allerdings noch so stark unter den Strafmaßnahmen des Westens wie erhofft, obwohl die Exporte drastisch eingebrochen sind. Die Türkei, China und andere Länder ergänzen gut. Technologisch wird das Land aber weit zurückgeworfen - vor allem die Armee (da hilft China sicher nicht). Vgl. Becker, M./ Bidder, B.: Chipfreie Zone, in: Der Spiegel 38/ 17.9.22, S. 90ff.

Verhältnis zu China: Die Sanktionen der EU und der USA führen zu einer Annäherung Russlands  an China. Mittlerweile gilt China als wichtigster Verbündeter. Russland ist einer der großen Profiteure der Neuen Seidenstraße. So erhält etwa der Staatskonzern Gasprom 2 Mrd. $ von der ebenfalls staatlichen Bank of China (Entwicklung der Blockchain - Technologie). Im UN-Sicherheitsrat stimmt man oft gemeinsam und verhindert Reaktionen. Auch bei sonstigen Aktionen in der Welt scheinen sich Russland und China abzustimmen. So lehnen beide vereint den Demokratie-Gipfel von Biden ab (Kalter Krieg!). Immer öfter ist der Iran mit beiden in einem Boot. China und Russland haben auch gemeinsame Interessen. Sie wollen eine neue Weltordnung. Die jetzige Weltordnung ist vor allem von den USA und dem Westen geprägt (G7, WTO, IWF). Sie sehen den Westen im Niedergang und den Osten im Aufwind. Sie haben auch das gemeinsame Ziel, die USA jeweils zu verdrängen: aus Europa und aus Ostasien/ Westpazifik. Dann können sie vielleicht wieder Eingliederungen vornehmen. die sie in ihren Träumen anstreben (Taiwan, Ukraine).  Vgl. Nass, Jörg/ Thumann, Michael: Wem gehört dei Zukunft? in: Die Zeit Nr. 6, 3. 2.22, S. 3.Anläßlich der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking kommt Putin persönlich. Die Beziehungen sind so gut wie nie vorher. Allerdings verbindet die beiden Großmächte vor allem ein Zweckbündnis und die Chinesen sehen Putin eher als Juniorpartner. Hinter den Kulissen schlummern auch viele Konflikte zwischen beiden Länder (Arktis, Grenzregionen, militärische Vormachtstellung, Kultur/ Russland eher europäisch, China macht die ehemaligen Staaten der Sowjetunion in Asien von sich abhängig). China schaut aber sehr genau auf das Vorgehen des Westens gegen Putin und die Wirkung. Schließlich hat man mit Taiwan etwas ähnliches vor. China könnte den Wirtschaftsboykott des Westens gegenüber Russland mit Waren, Kapital und Technologie ausgleichen (insbesondere Energieimport, und Export  von pharmazeutischen Produkten). Dann würden die beiden noch enger zusammenrücken. Die entscheidende Frage ist, ob beide das wollen. In der Ukraine leben etwa 6000 Chinesen. Sie sitzen nach dem russischen Einmarsch fest. Das deutet darauf hin, dass China über den Einmarsch nicht genau informiert war. China wollte wohl Russland von der Invasion abhalten. Es bietet sich auch als Vermittler an. China könnte die Invasion kurzfristig beenden, weil es der einzige und entscheidende Verbündete ist. China bezieht hohe Mengen Getreide (Weizen, Mais) aus der Ukraine. Chinesische Staatsunternehmen haben in dem Land investiert. Es gibt also wirtschaftliche Interessen (obwohl der günstigere Import von Gas, Öl und Kohle aus Russland auch lockt). China kann auch kein Interesse an der neuen Einigkeit in der EU haben. Vor allem will China keinen Einbruch der Weltwirtschaft, der sein Wachstum noch mehr schwächen könnte. Insofern besteht Hoffnung, dass China irgendwann starken Druck auf Russland ausübt. Es gibt auch Gebietsansprüche in Sibirien von China an Russland. Am 7.3.22 bietet sich Außenminister Wang Yi als Vermittler an. Gleichzeit betont er, dass die Freundschaft mit Russland "felsenfest" sei (gemeinsamer Gegner USA). Das könnte der Welt eine neue Weltordnung mit 2 Blöcken bringen. China würde wohl sehr weit gehen, um eine weltweite Stagflation zu verhindern. Die Grenze liegt in einem Modell Nordkorea: kein Regime - Change in Russland. Der wäre eine Gefahr auch für China. Russland bat China auch um militärische Unterstützung. Im Juli 2022 nimmt der Handel mit China extrem stark zu: +37,1%, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Nach außen hin gibt sich China als neutrale Friedensnation (G20-Gipfel 2022, Apec-Gipfel 2022). Doch in Wirklichkeit und im Zweifel steht es auf Russlands Seite.

Am Rande der Olympischen Winterspiele 2022 schließen Russland und China Handelsverträge in Höhe von 100 Milliarden Euro. Das Geschäft mit China boomt. Neue Öl- und Gaspipelines werden gebaut. Ebenso Zugstrecken, Brücken und Exporthäfen. Bei den russischen Chinaexporten dominieren Öl, Gas und Kohle (85% 2022). Hinzu kommen Holz und Holzwaren sowie Erze (Schlacke und Asche).  Damit ist die Wirtschaft für zyklische Rohstoffpreisschwankungen anfällig. Die Diversifizierung der Wirtschaft ist eigentlich das Ziel. Dahin sollen die Einnahmen aus den Rohstoffen fließen. Aus China werden importiert: Elektrische und elektronische Geräte, Maschinen, Kernreaktoren, Fahrzeuge. China ist der größte Handelspartner Russlands. Dann kommen Deutschland und die Niederlande.

Peking hat im Ukraine-Krieg verstärkt Rohstoffe gekauft. Die russischen Exporte nach China sind in den ersten vier Monaten 2022 um 65% gestiegen. China ist für Russland eine wichtige Devisenquelle. Außerdem macht China unter seinen Partnern Druck, sich den Sanktionen gegen Russland zu verweigern.

Am 15.6.22 telefonieren Putin und Xi. Sie vereinbaren eine enge wirtschaftliche Kooperation. Diese soll stattfinden auf den Gebieten Wirtschaft, Energie, Industrie und Verkehr. Die westlichen Sanktionen sollen bewusst ausgehebelt werden. Die russische Wirtschaft erweist sich als robuster als westliche Experten geschätzt haben. Der Ausbau der Landwirtschaft macht in der Versorgung unabhängig.

Ansonsten ist das Wachstum chinesischer Exporte nach Russland eher langsam. Investoren scheuen den russischen Markt oder warten ab. In einigen Branchen ist Russland in der Falle. So bei 5G. Es bleibt nur noch die Technik aus China übrig. Vgl. Die Zeit Nr. 44/ 17.1022, S. 26. 

Verhältnis zu Japan: Japan bezieht 2020 3,5% des russischen Gasexportes. Japan bezieht auch andere Rohstoffe aus Russland. Bei den UN-Resolutionen zum Ukraine-Krieg stimmt Japan mit den westlichen Staaten. Es gibt Grenzstreitigkeit seit dem 2. Weltkrieg um die Kurillen - Inseln. Japan beansprucht einige Gebiete. 2022 sollen sich 3000 russische Soldaten auf diesem beanspruchten Gebiet befinden. Man weiß nicht, ob ein Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg besteht. Japan erwägt angesichts des Ukraine-Krieges auch, dem atomaren Verteidigungsbündnis Aukus beizutreten (Australien, USA, GB). Eine formelle Einladung soll es geben. Dann würde Aukus zu Jaukus. Auch Südkorea könnte auf das neue Bündnis zugehen. Das Bündnis Quad will über das Thema beraten. Die "grenzenlose Freundschaft" von Russland und China hat den Pazifik in Alarmbereitschaft versetzt. Im Juli 2022 bestraft Putin Japan: Moskau enteignet Sachalin und droht mit dem Stopp von Gas- und Öllieferungen.

Verhältnis zur Türkei: Die Beziehung zur Türkei ist für Russland sehr wichtig. Auf der einen Seite ist die Türkei Mitglied der Nato. Auf der anderen Seite kauft sie massiv Waffen in Russland. Immer wieder stoßen die Interessen gegeneinander: in Syrien, in Armenien. Im Ukraine-Krieg schließt die Türkei den Zugang zum Marmarameer. Der ist wichtig für die russische Schwarzmeerflotte. Dann sperrt sie ihren Luftraum für russische Flüge nach Syrien. Beides soll Russland zu Gesprächen und Verhandlungen mit der Ukraine bewegen. Auf der anderen Seite ist die Türkei zuerst gegen den Nato-Beitritt von Finnland und Schweden. Das Land freut sich auch über den Andrang der Reichen aus Russland. Sie kaufen viele Immobilien in Istanbul. Die türkischen Banken sind dem russischen Zahlungssystem Mir angeschlossen. Wenn die EU die Visums-Pflicht für die Türkei aufhebt, wäre der türkische Pass ein Sprungbrett in die EU. Neben Dubai ist Istanbul die letzte verbliebene Drehscheibe für den Luftverkehr zwischen Russland und dem Westen.  Die Türkei ist 2022 gegen eine Aufnahme von Finnland und Schweden in die Nato (Sympathie mit Kurden). Wahrscheinlich will man handeln oder das Gesicht vor Russland wahren. Man will die Zustimmung gegen Zugeständnisse eintauschen ("Türkischer Basar"). Das autokratische Land unterhält die zweitgrößte Nato-Armee. Insofern zählt die schiere Größe. 2022 baut die Türkei ihre Wirtschaftsbeziehungen zu Russland massiv aus. Der Handel floriert (Exporte nach Russland bis zu +50%). 

Man vereinbart eine Zusammenarbeit. Putin und Erdogan treffen sich dazu Anfang August 2022 in Sotschi am Schwarzen Meer. Die Handelskontakte und die Energiezusammenarbeit sollen verbessert werden. Purin dankte Erdogan für dessen Vermittlung im Konflikt um Getreideexporte aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Die Türkei wird zur Drehscheibe für den Russland-Handel. Besonders der südtürkische Mittelmehrhafen Mersin entwickelt sich zu einem wichtigen Umschlagsplatz. Die Türkei setzt die Sanktionen gegen Russland nicht um. Warnungen der USA verpuffen.

Istanbul wird nach der Teilmobilmachung in Russland zu einem Fluchtpunkt. 300.000 Reservisten sollen eingezogen werden. Mancherorts löst das Panik aus. Viele fliehen - unter anderem an den Bosporus. Es gibt auch einen Ansturm auf die Länder Georgien und Kasachstan. Auf dem türkischen Immobilienmarkt bricht ein Boom aus.

Verhältnis zum Iran: Am 19. und 20. Juli ist Putin im Iran. Erdogan ist auch da. Russland will dauerhaft mit dem Iran zusammenarbeiten. Beide Länder sind von westlichen Sanktionen betroffen. Es geht auch um den Konflikt in der Ukraine, um Getreidelieferungen und um Syrien. Iran gehört dem Lager an, das sich gegen die USA und den Westen bildet: Russland, China. Man registriert auch aufmerksam, dass die USA mit Saudi-Arabien, Ägypten und Israel eine Koalition gegen den Iran geschmiedet haben. In der Woche vom 18.7.2 an will Erdogan zusammen mit Putin in den Iran reisen bzw. beide treffen sich dort. Unter anderem geht es um Drohnenlieferungen aus dem Iran an Russland für den Ukraine-Krieg. Drohnen der Türkei sind auf ukrainischer Seite im Einsatz. Es geht auch um Syrien. Die Türkei und der Iran wollen die Lücke füllen, die Russland hinterlässt. Erdogan, Raisi und Putin eint das Misstrauen gegenüber dem Westen. Die drei Länder wollen den Handel ausbauen. Es gibt auch Differenzen: Der Iran hält sich aus dem Ukraine-Konflikt heraus. Die Türkei steht auf der Seite der Assad-Gegner. Man will aber den westlichen Sanktionen trotzen durch enge Zusammenarbeit. Der Iran soll Drehscheibe für den Handel zwischen Russland und Indien werden. Hauptsächlich läuft das über Container-Züge über den Internationalen Nord-Süd-Transitkorridor (INSTC). Dieser Weg ist kürzer als der 16.000 Kilometer lange Seeweg von St. Petersburg um Europa herum und durch den Suezkanal nach Indien. Gazprom wil im Iran in die Öl- und Gas-Förderung investieren. auch Verkehrsflugzeuge sollen gemeinsam reparieret werden. Es gibt aber auch Rivalitäten. Wegen der Sanktionen gegen Russland ist der Ölpreis gefallen, was den Iran auch zu Senkungen des Preises zwang.  Im Herbst 2022 setzt Russland massiv Drohnen aus dem Iran ein. Mit den Drohen wird die Infrastruktur in der Ukraine angegriffen. Die Drohnen iranischer Bauart werden in Schwärmen abgeschossen. Die USA behaupten, dass sogar iranisches Personal von der Krim aus im Einsatz ist. Es unterstützt die Drohneneinsätze von dort (Ausbildung und technische Unterstützung).

Tourismus: 2021 in der Corona-Krise lockt Putin die Bürger mit Inlandsurlaub. 20% Rückerstattung winken bei Inlandsreisen. An organisierten Tourismus aus dem Ausland hat man nur bedingt Interesse. Im Zuge des Ukraine-Krieges müssen auch russische Urlauber ihr Verhalten ändern. In Zypern sind sie nicht mehr beliebt. Zypern bürgert auch russische Oligarchen und deren Familien aus. Mit "goldenen Pässen" ist Schluss. 2022 bevorzugen Russen die Türkei. Sie machen in Istanbul oder Antalya Urlaub. Die Türkei wird auch benutzt, um die Sanktionen zu umgehen.

Religionen: Orthodoxe 70% (bis 75%, Daten unklar), Muslime 14%, Protestanten 1,4%, Katholiken 0,6%, Juden 0,5%, Buddhisten, Anhänger indigener Religionen. Die Religion hatte großen Einfluss auf den Zerfall der Sowjetunion. China hat genau registriert, wie der Islam in den asiatischen Staaten eine große Rolle gespielt hat. In den europäischen Teilen sind die Anteile der orthodoxen, katholischen und evangelischen Christen höher. In der Ukraine hat sich die orthodoxe Kirche gespalten: in einen russisch-orthodoxen Teil, der zum Patriarchat Moskau (Kyrill) gehört und in einen ukrainischen Part. Der ukrainische Teil gehört zum ökomenisch - orthodoxen Patriarchat in Istanbul. Kyrill liefert auch eine Erklärung für den Krieg gegen die Ukraine (er ist ein Freund von Putin, "heiliger Kampf", Werte der Orthodoxie). Die russisch-orthodoxe Kirche ist abhängig vom Staat und staatstreu (auch in Belarus).

Kultur: Die russische Sprache kennt viele deutsche Lehnwörter. Alexander Puschkin ist Russlands bekanntester Dichter, danach kommen Tolstoi und Dostojewski (siehe unten). Russland ist ein Theaterland. Es gibt das geflügelte Wort, dass sich die Russen in zwei Kategorien einordnen lassen: die einen lieben Dostojewskij, Tee und Käse. Die anderen Tolstoj, Kaffee und Wurst. Das Land hat sehr berühmte Komponisten: Rachmaninow, Tschaikowsky. Die Regenbogen-Fahne wird 2020 zum neuen Symbol des Widerstands. Seit den 1970er Jahren ist sie auch ein Symbol der Schwulen und Lesben. Homosexuelle Ehen werden in der neuen Verfassung verboten. Im Juli 2021 tritt ein umstrittenes Gesetz gegen vermeintliche Geschichtsfälschung in Kraft. Unter anderem wird das Gleichsetzen von Sowjet- und NS-Handlungen während des 2. Weltkriegs unter Strafe gestellt. Der Kreml will wohl ein "Monopol über die Wahrheit" und knebelt die historische Forschung. Bestimmte Produkte werden 2021 als russisch deklariert . So etwa Champagner. Nur das russische Produkt darf diese Bezeichnung führen. Der originale muss Schaumwein genannt werden. Der Ursprung vieler Waren wird in Russland angesiedelt (Wein, Impfstoff u. a.). An der Olympiade in Tokio 2021 dürfen die russischen Sportler nur unter Auflagen ohne nationale Trikots teilnehmen. Die Demütigung sitzt tief. In Russland rollt zur Zeit der Spiele eine Kampagne gegen Sportler und Medien bei den Olympischen Spielen in Tokio. Die "Unmännlichkeit" einiger Trikots löst einen Kulturschock aus.

Exkurs: Fjodor Michailowitsch Dostojewski. (1821-1881). Seine berühmten Romane sind Verbrechen und Strafe, Der Idiot und Die Brüder Karamasow. Weitere Werke sind: Arme Leute, Der Spieler, Ein grüner Jüngling, Die Dämponen.  2021 ist sein 200.Geburtstag. Die Zeit nennt ihn Punk der Weltliteratur (Jessen, Jens: Der Punk der Weltliteratur, in: Die Zeit Nr. 45, 4.11.21, S. 65ff.). Er war Rebell, Spieler und Prophet. Er ist fromm und liebte trotzdem den Exzess. Er war als Kind seiner Zeit auch Antisemit ("Deutschland ist furchtbar verjudet"). Lenin verehrte ihn, Goebbels auch, und Einstein. In Wiesbaden spielte er oft in der dortigen Spielbank.

Exkurs: Leo N. Tolstoi (1828 - 1910), russischer Dichter und Schriftsteller: Krieg und Frieden, Anna Karenina. Er entstammte einem Adelsgeschlecht. 1844 begann er mit einem Studium der orientalischen Sprachen, dann wechselte er zu Jura. 1847 brach er das Studium ab. 1851 war er Fähnrich in der zaristischen Armee. Er kämpfte im Kaukasus-Krieg und im Krimkrieg mit. 1875 wurde er Mitglied in der russischen Akademie der Wissenschaften. Er hatte die Deutsche Behr mit 18 Jahren geheiratet und sie bekam 13 Kinder. "Jeder denkt daran, die Welt zu verändern, aber niemand dankt daran, sich selbst zu verändern", Leo N. Tolstoi.

Exkurs: Alexander Puschkin (1799/ Moskau - 1837/ St Petersburg), russischer Nationaldichter und Begründer der modernen russischen Literatur. Stücke: Boris Godunow, Eugen Onegin, Mozart und Salieri. Zwischenzeitlich musste er in Verbannung leben. Weitere bekannte Dichter sind: Lermontow, Bulganow, Brodsky, Jessenin, Wyssozki, Zoi.

Exkurs: Siedlung Alexandrowska in Potsdam: König Friedrich Wilhelm II. von Preußen ließ die russische Kolonie Alexandrowska in Potsdam 1826/1827 für eine Gruppe russischer Sänger anlegen. Russische Gefangene, die nach Potsdam gekommen waren, sollten einen Sängerchor bilden. Sie sollten wie in der Taiga leben. Heute kann man die Siedlung besichtigen. Haus Nr. biete deftige russische Küche. Haus Nr. 2 stellt ein Museum dar. Es gibt auch eine Bootsvermietung (Kajak bis Jaxcht).

Exkurs: Friedensnobelpreis 2021 an Dmitri Muratow (zusammen mit Maria Ressa von den Philippinen). Muratow ist Journalist. Man will dei Pressenfreiheit unterstützen. 1936 erhielt in Deutschland Carl von Ossietzky diesen Preis. Das Eintreten für Frieden, Humanität und Freiheit kostete ihn 1938 auch das Leben. Muratow ist Chefredakteur von Nowaja Gaseta, eine rder letzten unabhängigen Zeitungen Russlands.

Desinformation und Kommunikation: 2021 ist in Russland das Deutschlandjahr. Die EU legt 2021 einen Bericht vor, in dem Deutschland als Hauptziel russischer Desinformationskampagnen genannt wird. Das Bild wird gezeichnet, dass es nur "wenige gesunde Stimmen in einem Chor von irrationaler Russophobie" gebe. Viele Falschmeldungen beziehen sich auf Nawalny: Seine Ehefrau sei deutsche Staatsbürgerin. Viele Websites in Deutschland hätten die Aufgabe, Russland schlecht darzustellen. Die Online-Plattform Youtube, die zu Alphabet gehört, sperrt im September 2021 die deutschsprachigen Kanäle des russischen Senders RT. RT (früher Russia Today) ist regierungsnah in Russland. Man spricht in Russland von "Zensur" und droht mit Vergeltung. Man stellt sogar eine Youtube-Blockade in Russland in Aussicht. Nowaja Gaseta ist eine der wichtigsten unabhängigen Medien. Der Chefredakteur Dmitri Muratow erhält 2021 stellvertretend den Friedensnobelpreis. 2022 muss ein russischer Sender sein Deutschsprachiges Programm einstellen. Es ist der russische Staatssender RT (früher Russia Today) , dem Deutschland die Erlaubnis für das deutschsprachige Programm in Berlin entzieht (Sende-Erlaubnis, keine Lizenz, erst beantragen, aber bei Staatssendern schwierig). RT will sich juristisch wehren. Russland sperrt daraufhin das Programm der Deutschen Welle in Moskau (Entzug der Sendeerlaubnis, keine Akkreditierung mehr). Es gelingt Putin, weite Bereiche der Öffentlichkeit in ihrer Meinung zu steuern. Die EU verbietet russische Staatsmedien: RT und Sputnik. Der Kreml droht im Krieg gegen die Ukraine die Propagandaschlacht zu verlieren. Am 10.3.22 wird Facebook in Russland abgeschaltet. Das schadet auch russischen Unternehmen schwer. Die Kommunikationsschlacht um die Deutungshoheit des Krieges findet weltweit statt. Später im März 2022 werden Instagram und Whats App verboten. Es folgt ein Verbot für Bild.de. Ende März 2022 muss "Nowaja Gaseta" aufhören. Im April 2022 lässt Russland ausländische politische Stiftungen schließen (Heinrich-Böll, Friedrich Ebert, Friedrich Naumann, Konrad Adenauer; Amnesty International, Human Rights Watch). Im Mai 2022 erregt Außenminister Lawrows kruder Vergleich mit Hitler für Empörung, vor allem in Israel. Er hatte gesagt in der ukrainischen Regierung gebe es Neonazis. Die größten Anti-Semiten hätten jüdische Wurzeln gehabt (Selenskyi, Hitler). Im Juli 2022 wird Wikipedia sanktioniert. Es geht um dei Informationen über den Ukraine-Krieg. Anfang Dezember 2022 klappt eine Desinformationskampagne gegen Außenministerin Baerbock. Über prorussische Accounts wird ein Halbsatz sinnentstellend zusammen geschnitten: Deutsche Politiker fallen darauf rein. Im September 2022 gibt es weltweit starke Kritik an Putins Drohungen. Selbst China ruft zur Mäßigung auf. Es gibt einen Exilsender, der objektiv über Russland berichten will. Er heißt TV Doschd.

Kauf von Politikern im Ausland: Seit vielen Jahren kauft Russland systematisch Spitzenpolitiker im Ausland ein. Sie bekommen wichtige Positionen in den staatlichen Unternehmen. Besonders betroffen sind Deutschland, Frankreich, Italien, Ungarn, Österreich, Slowakei. Sie stellen in den jeweiligen Ländern eine wichtige Lobby für russische Interessen dar. Der wichtigste Lobbyist in Deutschland ist Ex-Kanzler Schröder. Am 11.3.22 reist er nach Russland und spricht mit Putin. Ende April 2022 gibt er ein denkwürdiges Interview in der New York Times: Es gibt kein "mea culpa". Er findet auch kein kritisches Wort zu Putin. Wenigstens eine Seite solle ihm vertrauen. Die SPD will den Altkanzler loswerden. Auch sein Büro in Berlin soll abgerüstet werden.  Russland versucht auch massiv, wichtige Wahlen und Abstimmungen im Ausland zu beeinflussen. So soll es den Brexit stark mit finanziert haben. Es fördert auch LePen in Frankreich oder Rechte in Ungarn und Slowenien.   Nach Berichten des US-Geheimdienstes flossen seit 2014 300 Mio. $ an westliche politischen Parteien und Kandidaten (z. B. Albanien, Bosnien, Montenegro, rechtsextreme Stiftungen in Brüssel). Es gibt auch das Gerücht, dass die AfD in Deutschland gesponsert wird. Jedenfalls hat sie eine große Nähe zu Russland.

Öffentlichkeit in Russland: Naturgemäß gibt es keine genauen Daten darüber. Gegen den Ukraine-Krieg gibt es Proteste in über 40 russischen Städten. Es ist ein "Brudervolk" angegriffen worden. Auch über 300 Mitglieder der Akademie der Wissenschaften protestieren. Weite Teile der Bevölkerung, vor allem die Älteren, kann Putin mit den gleichgeschalteten öffentlichen Medien in Schach halten. Die Kreml-Propaganda gegen den Westen verfängt also. Die Masse der Russen schweigt. Jüngere Menschen können sich über die sozialen Medien und andere Internetquellen informieren und sind daher kritischer. Am 4.3.22 werden Facebook und Twitter in Russland gesperrt. Die Berichterstattung wird durch ein neues Gesetz stark eingeschränkt. Wer Falschmeldungen verbreitet (das bestimmt die Regierung) kann mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft werden. Die BBC, CNN, ARD und ZDF stoppen ihre Berichterstattung. Es gibt Millionen von westlich orientierten Russen. Sie hofften auf ein offenes Russland. Jüngere sehen die Lage differenzierterer als die Älteren. Eine TV-Moderatorin protestiert gegen den Krieg in den Hauptnachrichten. Eine Rede von Putin im TV wird mittendrin abgebrochen (technische Schwierigkeiten). In Russland bleibt dei Unterstützung für Putin stabil. Nur deshalb kann Putin so weit gehen. Laut Umfragen wächst die Zustimmung für den Präsidenten sogar (70 bis 80%). 78% unterstützen den Krieg, fast 50%  aus Gründen des Ruhmes. Ein Regimewechsel in Russland ist also extrem unwahrscheinlich.  Doch die Kriegsbegeisterung der russischen Bevölkerung ist nicht ganz so groß, wie es scheint. Erlaubt man Menschen, ihre wahren Ansichten zu offenbaren, unterstützen deutlich weniger den Krieg. Vgl. Chapkovski, Philipp/ Schaub, Max: Insgeheim dagegen, in: WZB Mitteilungen Heft 176, Juni 22, S. 54ff. Im September 2022 gibt es Proteste in über 40 Städten gegen den Ukraine-Krieg und die Teilmobilmachung. Durch die Mobilmachung droht der Gesellschaft eine Spaltung.

Memorial: Die Organisation gilt als Keimzelle der Zivilgesellschaft. Es ist mit einem Archiv verbunden in Moskau, das die Erinnerungsstücke des Stalin-Terrors enthält. 30 Jahre hat man sich mit der Aufarbeitung stalinistischer Verbrechen beschäftigt.  Vorsitzender 2021 ist Jan Ratschinskij seit 2018 (Vorgänger Arsenij Roginskij, Mathematiker, 62 Jahre). Das Archiv enthält auch Infos über die "Ostarbeiterinnen" in Deutschland  im 2. Weltkrieg. Bei der Rückkehr wurden sie als Verräterinnen eingestuft. In dem Archiv lagern alle möglichen Dokumente (Zeugnisse, Briefe, Tagebücher, Fotos). Der Staat will das Archiv auflösen. Dagegen gibt es heftige Proteste. Ein Gerichtsurteil des Obersten Gerichtshofes  im Dezember 2021 zwingt Memorial zur Auflösung. Man spricht von einem Verstoß gegen das Ausländische Agenten-Gesetz. Eigentlicher Grund dürfte sein, dass Putin ein neues Geschichtsbild will: Verharmlosung des Hungertodes von fast 4 Mio. Menschen in der Ukraine Anfang der Dreißigerjahre, Leugnung der sowjetischen Okkupation der baltischen Staaten, Rechtfertigung der Kreml-Außenpolitik vom Hitler-Stalin-Pakt. Die Repression im Innern und das immer aggressivere Auftreten nach außen gehören wohl zusammen. Vgl. FAZ 29.12.21; S. 1. Die Mitgliedschaft Russlands im Menschenrechtsrat wird im April 2022 suspendiert.

Geschichte: Man unterteilt in der Regel in vier Phasen: 1. Altrussland, Mongolensturm und Aufstieg Moskaus: Kiewer  Periode 882-1290.  Annahme des Christentums von Byzanz 988/89. Teilfürstentümer. Herrschaft der Goldenen Horde der Mongolen bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Dann Herrschaft der Rus. 2. Öffnung Russlands unter Peter dem Großen und Aufstieg zur  europäischen Großmacht. Ab 1547 russisches Zarentum,   1771 Russisches Imperium/ Kaiserreich. Katharina die Große: Aufstieg zur Weltmacht, Expansion im Kaukasus und Zentralasien. Reformen. 3. Russische Revolution 1917 im 1. Weltkrieg, Abschaffung des Zarentums und Gründung der Sowjetunion unter Führung der Kommunistischen Partei (Lenin, Stalin). Ab 1945 Kalter Krieg mit den USA und dem Westen. 4. Auflösung der Sowjetunion 1991 und Gründung der Russischen Föderation seit 1992. Die Sowjetunion zerfiel in 15 Einzelstaaten. Russland, die Ukraine und Belarus erklären die Gründung einer "Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" (GUS). Es war das Zurückschneiden auf den slawischen Kern. Hier liegt einer der Gründe für den Krieg mit der Ukraine, die ausbrechen will. Wer in die Nato strebt, der ist sich seiner Grenzen nicht mehr sicher (so genannte Putin - Doktrin). Die muslimisch orientierten Provinzen in Asien will Putin nur kontrollieren, auch aus Rücksicht auf China. Am 4. Oktober 1957 umrundete Sputnik 1 die Erde. Das war das erste mal, dass ein Objekt aus Menschenhand dies tat. Der "rote Mond stürzte den Westen in eine tiefe Krise - die Sowjetunion konnte mit Atomsprengköpfen jeden Punkt der Erde erreichen.

Exkurs: Alexander Solschenizyn. Zehn Jahre lang arbeitete Alexander Solschenizyn im Geheimen an seinem Monumentalwerk "Archipel Gulag" (er verarbeitet eigene Erfahrung im Gefangenenlager). Menschen in Russland riskierten einst den Tod, um das Manuskript zu lesen, das am 28. Dezember 1973 in Paris erschien. Auf Russisch. Es war eine aufwühlende Anklage gegen das stalinistische Terrorsystem. Dank Wladimir Putin ist das Buch heute Schul-Pflichtlektüre in Russland  (seit 2009, ein Jahr nach dem Tod des Autors). Solschenizyn durfte später 1974 ausreisen. Der Dichter lebte zuerst in Köln bei seinem Freund Heinrich Böll, danach 3 Jahre in der Schweiz  und dann 17 Jahre in Vermont/ USA. Erst 1994 kehrte er in seine Heimat zurück. 

Russische Geschichtsschreibung unter Putin: Putin schreibt seit Jahren die Geschichte um. Er spricht der Ukraine und auch den baltischen Staaten die Staatenbildung und Identität ab. Er sieht viele Länder in einer Einheit mit Russland. Es gibt auch einen üppigen Sondertopf für die historische Krimforschung. Mittlerweile beginnen russische Historiker, sich zu wehren. Vgl. Schulze Wessel, Martin: Die russische Staatszitadelle, in: FAZ Nr. 51 2. März 2022, S. N4. Putin macht Lenin für den Verlust der Ukraine verantwortlich. Stalin verherrlicht er wieder. Er scheint von einem slawischen Großreich zu träumen und versucht, es historisch zu legitimieren. Alle Gegner und Feinde sind "Nazis". Das ist paradox, weil gerade die Ukraine und Belarus am stärksten unter Hitler gelitten haben. Damit wird auch der Krieg hauptsächlich gerechtfertigt. Er ist im Grunde genommen gegen drei Feinde: die Ukraine, europäische Werte und die eigene Bevölkerung. Die Sowjetunion war faktisch nie homogen: Das Baltikum zum Beispiel waren drei besetzte Länder. Der Zerfall der Sowjetunion hat ein Trauma ausgelöst. Man ist nicht im Felde besiegt worden, sondern durch innere und äußere Feinde, schwache Führer und ein falsches ökonomisches Modell. Das hat auch zu einer Wiederkehr des Stalinismus und zu kolonialistischen Träumen geführt.

Militär und Polizei in Russland, Sicherheitspolitik: Im Dezember 2021 kommt ein neues Gesetz. Es baut die Vollmachten der Polizei aus. Der Ermessensspielraum bei Wohnungsdurchsuchungen wird stark erhöht. Fahrzeuge dürfen immer geöffnet werden.

Russlands sieht sich von der Militärpräsens der USA und der Nato bedroht. Die Nato ist immer näher an Russland herangerückt. Russland versucht in Verhandlungen, eine rote Linie durchzusetzen oder alte Zustände wieder herzustellen (1997). Im Falle eines Scheiterns der Gespräche droht man mit Stationierung von Truppen auf Kuba und in Venezuela. Die Osteuropäer und (Baltischen Staaten, Polen) und diei Nordeuropäer (Finnland, Schweden) sind nervös.

Das russische Militär ist in einer zehnjährigen Reform zu einer sehr schlagkräftigen, hochmobilen, technologisch fortschrittlichen Streitmacht gewachsen. Man hat mehrere Kriege geprobt (Syrien, Ukraine, Kaukasus, Kasachstan). Russland hat 2022 850.000 aktive Soldaten, 49.118 gepanzerte Fahrzeuge, 7571 Geschütze, 4173 Flugzeuge, 3391 Raketenwerfer. Siehe Die Zeit Nr. 4, 20.01.22, S. 4. Auch die russische Marine wurde massiv ausgebaut: Es gibt viele Kriegsschiffen und U-Boote. Die sind hauptsächlich in der Ostsee und im Schwarzen Meer (Sewastopol auf der Krim) sowie in der Antarktis stationiert.

Russland setzt auf die Militärmacht. Die EU setzt bisher auf Wirtschaftsmacht. Mal sehen, ob die Wirtschaft die Hegemonie des Militärischen brechen kann. Sein erstes Ziel hat Putin nicht errecht: Den Westen zu spalten (Amerika und Europa sind einig). Peking dürfte den Krieg aufmerksam beobachten. Die Bundesregierung will die deutsche Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit stärken. Es werden 100 Mrd. € für die Bundeswehr freigegeben (Sondervermögen). Die Nato verstärkt die Ostflanke mit zusätzlichen Kampftruppen. Die EU schafft eine schnelle Eingreif-Truppe (5000).

Putin bat auch China militärisch um Hilfe gegen die Ukraine. Er setzt eher veraltete Technik ein, um die moderne für Auseinandersetzungen mit der Nato zu schonen. Er hat schon einige Generäle entlassen, weil er vom Verlauf  des Ukraine-Krieges enttäuscht ist. Erstmals wird auch die Wunderrakete "Dolch" (Kinshal) eingesetzt, die 2000 km ohne Abwehrchancen fliegen kann. Putin scheint die Ukraine entmilitarisieren und verwüsten zu zu wollen, gleichzeitig ein Marionetten-Regime einsetzen zu wollen. Dieses Ziel gibt er im April 2022 auf und konzentriert die Gefechte auf die Ost-Ukraine (Donbass) und die Landverbindung zur Krim (Mariupol, Cherson).

Die russische Armee scheint eine eigene Kultur zu haben. Sie zeichnet sich durch häufige und wiederholte Kriegsverbrechen aus. Tötung und Vergewaltigung unschuldiger Zivilisten, Tötung und Misshandlung von Kriegsgefangenen, Zerstörung ziviler Infrastruktur, gezielte Angriffe auf zivile Einrichtungen (Krankenhäuser, Schulen). Ein großes Problem in der Armee ist die Korruption. Das erklärt auch das logistische Versagen.

Ende Juli 2002 unterzeichnet der Kreml eine neue Militärdoktrin für die Marine. Darin werden die Seegrenzen Russlands in der Arktis und im Schwarzen Meer festgelegt. Es wird als Warnung an die Nato und die USA verstanden .  

Der Kreml verzichtet auf eine offene Mobilisierung (Generalmobilmachung) für die Armee. In den Provinzen werden jedoch Freiwilligenbataillone aufgestellt (20 Regionen, mehr als 40 solcher Einheiten). Es werden auch Soldaten in Gefängnissen rekrutiert. Es gibt Straffreiheit für Freiwillige. Ab September 2022 gibt es eine Teilmobilmachung. Sie löst eine Fluchtbewegung junger Menschen in die Nachbarländer und die Türkei aus. Militärexperten zweifeln auch danach rasche Erfolge an. Man führt schärfere Strafen für Fahnenflucht ein, Grenzen werden geschlossen. Putin hat jetzt den Krieg ins eigene Land getragen. Damit könnte ihm die Kontrolle entgleiten. Nach außen droht er unverhohlen mit Atomwaffen. Putin besiegelt die Annexion von vier Gebieten der Ukraine. Als Vergeltung für die Teil-Zerstörung der Krimbrücke lässt Putin wieder Kiew und andere Städte in der Ukraine mit Raketen angreifen, wobei auch zivile Ziele getroffen werden.

Afghanistan-Krieg: 1979 marschierte die Sowjetunion in Afghanistan ein. Sie fürchtete ein Vordringen der USA. Der Einmarsch stieß auf großen Widerstand im Westen (Entrüstung, Sanktionen). Der Westen fördert auch den islamischen Widerstand. 1986 kam der Rückzug Russlands aus Afghanistan. Der Nimbus der "Roten Armee" war angeschlagen. Sie war auf diese Form des Krieges nicht vorbereitet gewesen.

Gruppe Wagner: Russische Söldner-Truppe. Sie war in Libyen, Syrien, der Zentralafrikanischen Republik und in der Ukraine im Einsatz. Viele Experten behaupten, die Gruppe sei eine Schattenarmee des Kreml. Hinter ihr soll der kremlnahe Oligarch Jewgeni Prigoschin stecken. Er arbeitet mit dem Militär Dmitri Utkin zusammen, der auch dem russischen Militärgeheimdienst GRU angehört. Die Gruppe soll auch in Mali aktiv sein. Die US-Armee sieht die Präsenz als erwiesen an. Putin setzt die Gruppe auch im Ukraine-Krieg ein. In der Ukraine wird die Truppe immer stärker eingesetzt. Sie gilt als kampfstärkste und lautstärkste Einheit. Man spricht bei ihr auch von "Mord mit Vorschlagshammer" oder "Musikanten" (Vorliebe für Wagner). Sie setzt immer mehr begnadete Häftlinge aus den Gefängnissen ein. Alle Ermittlungen gegen die illegale Truppe werden von Putin persönlich blockiert.

 

Weitere Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (ab 1990, einige liegen in Europa; man spricht auch von Eurasien):

Tschetschenien: Seit 2007 ist Ramsan Achmatowitsch Kayrow der Präsident der russischen Teilrepublik. Er scheint mit mafiösen Methoden zu arbeiten. Es häufen sich Morde an seinen Feinden in Westeuropa. Putin und Kayrow verbindet eine lange Geschichte. Er half Putin den zweiten Tschetschenienkrieg zu beenden. In Berlins Unterwelt sind viele Tschetschenen aktiv. Sie liefern sich einen erbitterten Revierkampf mit arabischen Clans. Es geht um Millionengewinne aus Drogenhandel, Prostitution und Schutzgelderpressung. Der russische Geheimdienst mischt auch mit.

 

Georgien: Die Neuwahl im Oktober 2020 führt zu einem politischen Konflikt. Die Opposition will das Wahlergebnis nicht anerkennen. Das Land strebt in Nato und EU. Seit Jahrzehnten wird die Politik durch zwei Personen dominiert: Iwanischwili (Chef der Regierungspartei, Multimillionär) und Saakaschwili (2004-2013 Präsident). Das Wahlsystem war aufgrund von Straßenprotesten geändert worden. Seit dem Augustkrieg 2008 ist das Verhältnis zu Russland zerrüttet. Das Land gehörte ehemals zur Sowjetunion. . Im Frühjahr 2022 fliehen viele Russen nach Tiflis in Georgien. Es sind meist junge und gut ausgebildete Menschen, die den Ukraine-Krieg ablehnen.

Es gibt die Provinz Südossetien. Sie will in die Russische Föderation zurückkehren. Am 17. Juli soll es dazu eine Volksbefragung geben. Wegen der Teilmobilmachung in Russland fliehen viele junge Menschen nach Georgien.

Georgien möchte in die EU (Wohlstand, Freiheiten). Die EU eröffnet Perspektiven. Die Sache ist sehr umstritten, weil Georgien nicht zu Europa gehört. Da ist die Situation bei Moldawien, dem folgenden Land, einfacher.

 

Republik Moldau (Moldawien, gehört zu Europa): Sie gehörte auch zur Sowjetunion. Der Osten nennt sich Transnistrien und will sich abspalten. Er hat die Unterstützung von Russland. Deshalb besteht die Furcht, dass Putin auch hier einmarschieren lässt. Es gibt schon zahlreiche Flüchtlinge. Ca. 2000 werden direkt nach RLP geflogen und dort aufgenommen. Moldau strebt in die EU. Es gibt im April 2022 eine Geberkonferenz in Berlin. Man will dem Land bei der Bewältigung der Folgen des Ukraine-Krieges helfen. Es werden 71 Mi, Euro zur Verfügung gestellt. Es geht in erster Linie um die Umverteilung der 12.000 Kriegsflüchtlinge. Deutschland gewährt zusätzlich noch eine Kredithilfe in Höhe von 50 Mio. Euro. Putin plant offenbar die Unterstützung pro-russischer Rebellen in der Republik Moldau (Transnistrien). Wenn Russland den Donbass und die Südukraine sich einverleibt, wäre ein Korridor nach Transnistrien geschaffen. Damit weitet Russland sein Kriegsziel auf Moldau aus. Transnistrien ist international nicht anerkannt, ein Schmugglerparadies (über den Hafen von Odessa) und von Moskau abhängig. Moldau will in die EU. Im Juni 2022 erhält das Land von den EU-Kommission den Status Kandidat (die EU-Mitgliedsländer müssen noch zustimmen, was sie tun). In Bukarest/ Rumänien tagt am 15.7.22 eine Geberkonferenz für das Land. Deutschland bringt über 70 Mio. € ein. Es geht um Unterstützung für die Flüchtlinge aus der Ukraine. Im November 22 findet eine weitere Moldau-Konferenz in Paris statt. Deutschland sagt weitere 32 Mio. € zu. Putin versucht weiter das Land zu erpressen. Er spielt Abhängigkeiten aus: Infrastruktur und Energieversorgung aus den Nachbarländern, z. B. Ukraine.

 

Weißrussland (Belarus, ist hier aufgeführt, obwohl es zu Europa gehört): Hauptstadt ist Minsk. Weißrussland ist zwar ein selbständiger Staat, aber eng mit Russland verbunden. 1991 kam die Unabhängigkeit (vorher war das Land schon mal zwischen Russland und Polen aufgeteilt).  Im August 2020 gewinnt Lukaschenko noch mal die Wahl (80% der Stimmen). Er regiert seit 1994. Es gibt Manipulationsgerüchte und -vorwürfe. Die EU erkennt die Wahl nicht an. Belarus steht traditionell in einem Spannungsverhältnis zwischen der EU und Russland. Die Bürger möchten den Wohlstand vom Nachbarland Polen. Russland möchte Belarus aber abhängig halten, um Nato und EU nicht näher an sich heran zu lassen. Polens Ostgrenze, die Grenze zu Weißrussland, ist der äußerste Rand der EU.

Verhältnis von Weißrussland zu Russland und EU:  Die Demonstrationen und Proteste halten auch nach der Wahl noch an. Die Spitzenkandidatin der Opposition Tichanowskaja flieht nach Litauen. Viele Mitarbeiter von Staatsbetrieben legen aus Wut ihre Arbeit nieder. Russland sichert Beistand zu.  Es gibt Gerüchte, dass russische Truppen unterwegs sind. Die EU macht einen Sonder-Gipfel über die Situation. Der Widerstand gegen Lukaschenko wächst. Die EU erkennt den Wahlsieg Lukaschenkos nicht an. Ein Gesprächsangebot von Merkel wird ignoriert. Die EU hat aber auch keinen Plan, wie sie die Demokratie nach Minsk bringen will. Russland will schon lange Belarus zurück in sein Reich holen (bisher verhinderte Lukaschenko das). Was passiert dann, wenn Lukaschenko aus Schwäche diesen Weg geht? Es finden weiterhin Demonstrationen statt, trotz Drohungen. Mittlerweile gibt es über 100.000 Teilnehmer. Immer mehr Menschen werden verhaftet. Unter den Festgesetzten war auch die weißrussische Literatur-Nobelpreis-Trägerin Swetlana Alexijewitsch. Putin hält Sicherheitskräfte für Lukaschenko bereit. Die EU-Außenminister reden über Sanktionen (die Baltischen Staaten machen Sondersanktionen). Putin wird an Lukaschenko festhalten, weil er pluralistische Experimente nicht dulden kann (weil er auch Opposition im Inland hat; die harte Strategie hatte schon in Venezuela und Syrien Erfolg). Er muss sich aber zurückhalten, um Nord Stream 2 nicht zu gefährden. Lukaschenko verspricht Reformen. Einige verweisen auf Kasachstan, wo der Präsident sich schrittweise zurückzog. Die Oppositionspolitikern müssen das Land verlassen oder werden verhaftet. Am 14.09.20 besucht Lukaschenko nach langer Zeit wieder Russland /Sotschi). Er lässt sich Unterstützung zusagen und bekommt einen Kredit in Höhe von umgerechnet 1,2 Mrd. Euro. Die EU verhängt vorerst keine Sanktionen. Sie scheitern am Veto Zyperns (will auch Sanktionen gegen die Türkei). Im Oktober 2020 bittet Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja um mehr Unterstützung des Westens. Schließlich kommt es doch zu Sanktionen der EU (auch gegen Lukaschenko). Die Massenproteste im Land halten an. Es kommt zu zahlreichen Festnahmen. Bei einem Generalstreik in Belarus gibt es Hunderte Festnahmen. Lukaschenko entlässt im Oktober 2020 den Innenminister. Nachfolger wird der Polizeichef der Hauptstadt Minsk. Polen wird zunehmend zum Feinbild, auf die polnische Minderheit im Land wird der Sicherheitsapparat gehetzt.. In Polen leben auch viele Belarussen im Exil. Sie prangern das Luxusleben von Lukaschenko an. Im Mai 2021 lässt Lukaschenko eine Ryan-Air-Maschine (von Athen nach Vilnius) von einem Militärflugzeug zur Landung in Minsk zwingen, um einen oppositionellen Blogger (Roman Protassewitsch) zu verhaften. Die EU verstärkt ihre Sanktionen (Überflugsverbot und Landeverbot für Maschinen aus Belarus im EU-Luftraum). Maschinen aus EU-Ländern meiden den Belarus Luftraum. Es gibt auch Sanktionen gegen Einzelpersonen und staatliche Firmen. Eine Ausweitung auf die Potassium - Lieferung wird erwogen. Auch die USA und Kanada unterstützen die Sanktionen der EU. Russland stützt mit einem Kredit von 500 Mio. US-$. Es folgen noch gezielte Wirtschaftssanktionen der EU, die den Lukaschenko-Clan treffen sollen: Betroffen sind die Düngemittelindustrie, der Energiesektor und Finanzdienstleistungen. Die Sanktionen bestehen aus Exportverboten und Handelsbeschränkungen. Der Oppositionelle Viktor Babarenko wird 2021 zu 14 Jahren Haft im Straflager verurteilt. Der Oberste Gerichtshof in der Hauptstadt Minsk verurteilte den 57-jährigen wegen Geldwäsche, Bestechung und Steuerhinterziehung. Belarus schickt als Reaktion auf die Sanktionen der EU offenbar Flüchtlinge über die Grenze nach Litauen und Polen. Litauen baut einen Zaum. Das gleiche macht Polen. Dann riegelt Belarus auch die Grenze ab, weil Litauen die Flüchtlinge wieder zurückschickt. Offenbar geht aber vielen Migranten das Geld aus, so das sich der Ansturm in Grenzen hält. Trotzdem spitzt sich der Flüchtlingsstreit mit Belarus zu. An der polnischen Grenze verschärft sich der Konflikt. Lukaschenko droht das Gas abzustellen (wegen Verschärfung der Sanktionen der EU, totale Grenzschließung, nur ein geringer Teil des Gases fließt durch Weißrussland). Die EU erhöht den Druck: Neue Sanktionen zielen auf Fluggesellschaften. Kanzlerin Merkel telefoniert mit Machthaber Lukaschenko und Putin. Polen will Flüchtlingen die Rückkehr bezahlen. Deutschland und die EU lehnen die Aufnahme von Flüchtlingen ab. Im Februar 2022 beteiligen sich Truppen aus Weißrussland am Einmarsch in die Ukraine. Russland will dort Raketen stationieren, die auch Atomwaffen tragen können.

Bialystock: Nationalpark im Osten Polens. Urwälder und Sumpf. Ich habe vor vielen Jahren einmal das Gebiet mit dem Fahrrad erkundet. Da die Grenze zwischen Polen und Russland nicht gekennzeichnet war, passierte es öfter, dass man auf weißrussisches Gebiet kam. Man wurde dann von Grenzschützern mit Gewehr einfach zurückgewiesen. Es ist sehr tragisch, dass in dieser schönen Region 2021 Flüchtlinge verharren und um ihr Leben kämpfen müssen. Belarus hat die Menschen aus dem Irak, Afghanistan, Somalia und anderen Ländern mit Falschnachrichten und Schleppern angelockt, um die EU zu erpressen, damit sie ihre Sanktionen zurücknimmt. Polen scheint Pushbacks durchzuführen. Das Recht auf Asyl ist hier nicht mehr viel wert.

Opposition: Die Opposition sitzt entweder im Gefängnis oder hält sich im Ausland auf. Am bekanntesten ist Swetlana Tichanowskaja (eigentlich Englischlehrerin). Sie reist von einer europäischen Hauptstadt zur anderen. Sie äußert sich verärgert: "Europa unterstützt nur mit Worten, nicht mit Taten".

Integration in einen Unionsstaat mit Russland: 2021 wird ein Dekret mit Putin unterzeichnet. Der Druck der westlichen Sanktionen treibt das Land weiter an die Seite Russlands. Das Dokument sieht 28 Integrationsprogramme vor. Der Schwerpunkt liegt auf einer weiteren Verzahnung der Wirtschaft. 2022 ist Belarus faktisch von Russland besetzt (wird als Manöver deklariert). Es sollen 30.000 russische Soldaten im Land sein. Belarus ist auch bereit, die Stationierung russsicher Atomwaffen zuzulassen. Belarus zögert, aktiv in den Ukrainekrieg einzugreifen. Man hat Angst vor den westlichen Sanktionen.

Neue Verfassung 2022: 2021 kommt eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung für 2022. Es wird zusammen mit der Kommunalwahl durchgeführt. Das Parlament soll mehr Kompetenzen bekommen und der Präsident weniger. Die Opposition geht von keiner Änderung der Machtverhältnisse aus. Wahlen genügten nicht demokratischen Standards.

Wirtschaft: Belarus gehört ökonomisch der Eurasischen Wirtschaftsunion an, faktisch hängt es am Tropf Russlands. Öl und Gas wird aus Russland importiert. Europäische und deutsche Firmen sind in Weißrussland aktiv. Siemens Österreich kooperiert mit einem Unternehmen in Belarus wegen Verkehrsüberwachung. Das Projekt ist von der Exportkontrolle genehmigt. Es geht um die Eignung von Kontrollgeräten und Radar. Der größte Investor im Land ist allerdings China. Es investiert in Bau- und Technologieprojekte. Dann folgen die USA, Singapur, Niederlande und GB. Weißrussland hat eine leistungsfähige Softwarebranche. Positiv für die Wirtschaft ist auch die gute Ausbildung in Mathematik und Naturwissenschaften. Lange hielt sich die IT - Szene zurück. Im Herbst 2020 stellt sie sich gegen Lukaschenko. Der Handel mit der EU macht 2019 etwa 20% aus, der mit Russland ca. 50%. Trotz der Sanktionen wächst 2020 der Handel zwischen EU und Weißrussland. Russland erhöht die Militärpräsenz um 30.000 Soldaten. Das schafft große Unruhe in Osteuropa. Russland könnte eine Landverbindung nach dem ehemaligen Königsberg herstellen und so das Baltikum von der EU abschneiden. Das wäre aber ein Angriff gegen die Nato. Wichtigstes Exportgut ist Kali. Belarus hat einen Weltmarktanteil am Export von 21%. Es hat auch nach Kanada die zeithöchsten Reserven der Welt. Größte Firma ist Belaruskali (Weltmarktanteil an der Produktion 16%).

 

Ukraine: Die Ukraine hat etwa 41 Mio. Einwohner. Seit 2014 bis 2019 haben die USA Finanzhilfen in Höhe von 1774 Millionen Euro geleistet. Im gleichen Zeitraum gab die EU 3197 Mio. €., davon Deutschland 787 Mio. Die Exporte in die Ukraine sind im gleichen stark gestiegen: von den USA +109% (auf 2,1 Mrd. €). Von der EU um +30% (auf 27,1 Mrd. €). Die Importe stiegen auch: aus der Ukraine in die USA +44% (auf 1,2 Mrd. €). Aus der Ukraine in die EU +31% (auf 18,0 Mrd. €).  Quelle: WiWo 41, 4.10.19, S. 8. Es bleibt fraglich, ob Putin das Donbas, das große Steinkohle- und Industriegebiet an der russisch-ukrainischen Grenze, irgendwann wieder an die Ukraine zurückgibt. Bei der Krim scheint es ausgeschlossen zu sein. In der Corona-Krise rückt die Leihmutterschaft in den Mittelpunkt. Familien aus 40 Ländern lassen Kinder in der Ukraine bei Leihmüttern gebären (bis zu 56.000 e pro Kind). 200 Kinder in Kiew können nicht zu ihren Eltern. Leihmutterschaft ist legal in der Ukraine. 2020 droht ein neuer Staatsbankrott. Die Zahlungsfähigkeit steht auf der Kippe. Der Landeswährung sinkt wieder. Am 23.08.20 besucht Außenminister Heiko Maas die Ukraine. Im Oktober 2020 besucht Präsident Wolodymyr Selenskyj Deutschland. Er setzt auf eine Verlängerung der EU-Sanktionen gegen Russland, weil der Friedensprozess in der Ostukraine stockt. Die Ostukraine wird von Niedergang und Abwanderung geplagt. Noch immer ist ein großer Teil von pro-russischen Separatisten kontrolliert. Der Kreml scheint nach wie vor kein Interesse zu haben, den Konflikt zu beenden. Auch auf der Krim beobachten Menschenrechtler eine rapide Militarisierung. Putin will die Ordnung Osteuropas verändern. Er wünscht sich Russlands alte Größe zurück. Die Ukraine soll niemals der Nato überlassen werden. Russland ist 2014 in die Ukraine einmarschiert, obwohl das Land neutral war. Bei der Deutschen Einheit soll der US-Außenminister Baker die Zusage gegeben haben, dass sich die Nato nicht über die deutsche Grenze hinaus ausdehnt. Die Amerikaner bestreiten das und verweisen auf die Reduktion der US-Truppen in Europa von 300.000 auf 30.000.

Geschichte der Ukraine: Um 820 kamen germanische Krieger aus Südschweden und der Insel Gotland und gründeten die Rus. Sie bauten einen Handel auf. Die Stämme Nordrusslands waren davon beeindruckt. Im Jahre 862 schickten kam eine Delegation von Slawen und Finnen zum Warägerhäuptling in die slawische Stadt Kiänugrad (heute Kiew). Sie baten ihn ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen. 879 ernannt Fürst Helgi sich dort zum Grußfürsten und gründete die Kiewer Rus. Das Großreich reichte bis zum Baltikum und bis zur Halbinsel Krim. Die Führungsschicht setzte sich aus germanischem Adel, Händlern und Kriegern zusammen. Das Slawische dominierte Sprache und Kultur. Im 13. Jahrhundert zerfiel die Kiewer Rus in weitgehend isolierte Einzelfürstentümer. Asiatische Nomadenstämme herrschten ab dem 13. Jahrhundert über das heute ukrainische Gebiet. Damit trennt sich die ukrainische von der russischen Geschichte, da die Zentren Russlands nun weiter nördlich in Moskau und Nowgorod lagen. Danach teilten Polen und Litauen die Ukraine untereinander auf. Im 17. Jahrhundert entwickelt sich die Ukraine zu einer eigenen Nation (1648 Erhebung gegen Polen). Auch im 17. (1654 unter die Protektion des Zaren) und später 18. Jahrhundert verleibt sich das zaristische Russland den größten Teil des heutigen ukrainischen Staatsgebietes. 1917/18 als das russische Zarenreich und die Habsburger Monarchie zerfielen, durften die Ukrainer keinen Nationalstaat bilden (das Territorium wurde von Polen und der Sowjetunion geschluckt). Im Dritten Reich waren die Ukrainer in der Nazi-Ideologie eher als Arbeitssklaven vorgesehen. so überrannte Hitler dann auch das Land. Nach dem Zweiten Weltkriegs holte sich die Sowjetunion den bei Polen verbliebenen Teil. Die Ukraine blieb bis zum Verfall der UdSSR 1990 dort. 1922 war die Ukraine als Nation in der Sowjetunion anerkannt worden (eigene Institutionen, feste Grenzen). Die Ukrainische Sprache wurde aber zurückgedrängt (nur "Dialekt des Russischen"). Die Menschen waren zweisprachig. 1932/33 gab es eine verheerende Hungersnot in der Ukraine, die 3,5 Mio. Menschen das Leben kostete (Stalin hatte das herbeigeführt). Vgl. z. B. Kappeler, Andreas: Der lange Weg zur Unabhängigkeit, in: Die Zeit Nr. 11/ 10.3.22, S.19.

Fakten Ukraine-Konflikt: 13.000 Menschen sind bis März 2021 gestorben. 298 Menschen kamen beim Abschuss der Flugzeugs MH17 ums Leben. 130.000 bis 160.000 ist die Mannstärke der ukrainischen Armee. 1306 unabhängige Beobachter der OSZE arbeiten in der Ukraine. Vgl. Der Focus 10/2021, S. 40. In der abtrünnigen ukrainischen Region Donbas wird im April 2021 wieder gekämpft. In Moskau und Kiew redet man über den großen Krieg. Putin verspricht, dass man Donbass nicht fallen lässt. Vielleicht will er Biden auf die Probe stellen, ob den markigen Worten auch Taten folgen. Andererseits haben in der Ostukraine (Donezk, Luhansk) 400.000 Menschen die russische Staatsbürgerschaft. Diese Menschen kann Putin nicht fallen lassen. Biden macht im April 2021 Putin ein Gesprächsangebot. Der Kreml prüft das Angebot. Der Aufmarsch der russischen Armee im April 2021 lässt nichts Gutes erwarten. Putin hat eine Invasionsarmee zusammengezogen (40.000 Mann). Offenbar koordinieren Moskau und Peking auch ihre Schritte. Das macht es für die USA schwieriger. Die Ukraine scheint die Türkei als Verbündeten gefunden zu haben. Sie liefert wichtige Waffen (Drohen als Kampfmaschinen). Der Grünen-Vorsitzende Habeck unterstützt im Mai 21 die Lieferung von "Defensivwaffen" an die Ukraine. Er stößt auf Unmut, auch in der eigenen Partei. Im Juli 2021 veröffentlicht Putin das Werk "Über die historische Einheit der Russen und Ukrainer". Er stellt die Ukraine als kleineren Teil seines großen Landes dar. Es gibt 2021 einen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine (175.000 Soldaten?). Kiew befürchtet, Russland könne die Grenze zur Ukraine gewaltsam neu ziehen. Die Nato warnt Russland vor einem Übergriff (Tagung in Riga). Der US-Außenminister Blinken droht dem Kreml mit scharfen Sanktionen. Am 07.12.21 findet eine Video-Konferenz zwischen Biden und Putin statt. Die USA und Russland verhandeln direkt. Die Gespräche finden in Genf statt. Neben der Ukraine-Krise geht es auch um Atomwaffen. Biden weiß, dass Europa wegen des Brexit und dem Streit um Polen/ Ungarn nicht mit einer Stimme sprechen kann. Frankreich und Deutschland haben aber immerhin das Minsk-Abkommen zustande gebracht. Es soll zu einer gewaltfreien Lösung führen. Die Türkei liefert Drohnen an die Ukraine. Sie ärgert damit Putin. Deutschland liefert 5000 Helme und Sanitätsausrüstung (keine letalen Waffen). Die USA bringen die Krise im Januar 2022 vor den UN-Sicherheitsrat. Dort gibt es Ende Januar 22 Wortgefechte und man macht sich gegenseitig Vorwürfe. Im Februar 2022 kommt es zu einer diplomatischen Offensive um den Konflikt. Auch das Normandie-Format wird wieder belebt. Es gibt mittlerweile vorsichtigen Optimismus. Andererseits stellt man sich auch verstärkt auf eine russische Invasion ein: Die deutsche Botschaft bleibt offen, reduziert aber das Personal. Nach dem Besuch von Bundeskanzler Scholz in Moskau scheinen Rückzugsbewegungen der russischen Truppen einzusetzen. Putin scheint keinen Krieg zu wollen. Putin will in Fragen der Sicherheit mit dem Westen zusammenarbeiten. Allerdings werden die Militärübungen fortgesetzt. Am 21.02.22 erkennt Putin die Gebiete der Separatisten in der Ost-Ukraine (unabhängige Volksrepubliken Donezk, Luhansk)  an. Damit ist das Minsker Abkommen zur Befriedung des Donbass gescheitert. Am gleichen Tag lässt Putin seine Armee in der Ostukraine einmarschieren (unklare Infos darüber). Zumindest lässt er den Einmarsch von der Duma genehmigen. Putin will dann die ganze Ukraine übernehmen und ein Marionetten-Regime einsetzen. Als das nicht gelingt, konzentriert er sich auf die Teile mit hoher russischer Bevölkerung (Donezk, Luhansk im Osten) und auf die Brücke zur Krim (Cherson im Süden, Region Saporischschja). Putin will über die Zugehörigkeit zu Russland abstimmen lassen (Referenden). Die westlichen Staaten dürften das kaum akzeptieren. Die Aufnahme in russisches Staatsgebiet würde den Schutz der
Atommacht bringen. Auf ähnliche Weise wurde die Krim annektiert. Der Westen will noch mal seine Sanktionen steigern. Die Referenden bringen ein "Ja" zur Annexion.

Kosten des unsichtbaren Krieges:  Die virtuelle Bedrohung der Ukraine durch Russland hat reale Folgen. Der Flugverkehr wird stark reduziert. Rückversicherer ziehen Deckungszusagen zurück. Die Finanzmärkte haben Risikozuschläge für ukrainische Staatsanleihen erhoben. Die Währung Hrywnja musst zum Dollar abwerten (4% im Januar 22). Importe und Exporte nach Europa sind 2021 um 34 und 38% gewachsen (Hinwendung zum Westen). Die EU ist größter Handelspartner vor China. Man rechnet für 2022 nur mit 3 bis 4 % Wachstum des BIP. Sinkende Staatseinnahmen, bei steigenden Ausgaben (für Rüstung). 2014 wurde mit der EU ein Assoziierungsabkommen geschlossen. Damit ist auch ein Freihandelsabkommen verbunden. Kritisiert wird immer wieder die mangelnde Rechtsstaatlichkeit und die schleppende Privatisierungspolitik. Vgl. Mihm, Andreas: Kosten eines unsichtbaren Krieges, in: FAZ Nr. 39, 16.2.22, S. 20.

Der reale Angriffs-Krieg ab 24.2.22 (russischer Terminus: "militärischer Spezialeinsatz"):  Nach dem Scheitern des Minsker Abkommens und dem Einmarsch der russischen Truppen werden die Kosten rasant in die Höhe schnellen: teurere Energie für Deutschland (Diversifizierung), Verluste für deutsche Unternehmen, höhere militärische Aufrüstung in Deutschland. Russland will Kiew umzingeln und eine neue Führung als Marionette einsetzen. Im UN-Sicherheitsrat stimmen 11 Staaten für eine Verurteilung Russland. Russland selbst legt ein Veto ein. Enthaltungen kommen von Indien, China und den VAE. Deutschland entschließt sich, doch Waffen an die Ukraine zu liefern (Panzerfäuste, Stinger - Boden-Luft-Raketen). Man spricht von einer Zeitenwende. Putin setzt die Atom-Raketen in Alarmbereitschaft. Russland hat große eigene Opfer im Krieg. Der Widerstand ist viel größer als erwartet. Es gibt ab 28.2.22 erste Verhandlungen an der Grenze zu Belarus. Die Un-Vollversammlung verurteilt Putins Krieg (193 Mitgliedsländer: 4 Gegenstimmen von Weißrussland, Syrien, Nord-Korea, Russland; 143 Ja-Stimmen, der Rest Enthaltung). Die Nato will nicht den Luftraum über der Ukraine sperren. Eine Flugverbotszone wäre ein direkter Eingriff in den Krieg. Die Furcht ist, dass Putin seine in Syrien (Idlip, Aleppo) erprobte Taktik des Ausbombens und Zerstörung der zivilen Ordnung auch in der Ukraine anwendet. Das Angebot von Polen Mig - 29 - Flugzeuge an die Ukraine über Ramstein zu geben, lehnen die USA und Deutschland ab. Am 10.3. 22 treffen sich die Außenminister beider Länder in Antalya/ Türkei zu ersten Verhandlungen. Die Ukraine ist zur Neutralität und zu einem Sonderstatus des Donbass bereit. Das Treffen bleibt ohne Ergebnis. Die EU stellt höhere Summen für Waffenlieferungen zur Verfügung (bis zu 1 Mrd. €). Putin setzt vor allem altes Militärgerät ein. Deshalb sind auch die Verluste besonders hoch. Er hat sicher den Kampfeswillen der Ukraine unterschätzt. Auch die Luftdominanz kann nicht hergestellt werden. Putins Streitkräfte bremsen Technik- und Nachschubprobleme. 2021 haben die USA Kiew mit 1,2 Mrd. $ Militärhilfe unterstützt. 2022 werden noch mal 200 Mio. $ freigegeben (Panzerabwehrwaffen, Flugabwehrraketensysteme, Schnellfeuergewehre, Munition). Deutschland unterstützt militärisch über einen EU-Fonds von 500 Mio. €, von dem es den höchsten Anteil trägt. Israel und die Türkei bieten sich immer wieder als Vermittler an. Sie haben zu beiden Kriegsparteien gut Kontakte. Die Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien reisen nach Kiew (man will von der Nato geklärt haben, ab wann der Beistandspakt gilt). Der Internationale Gerichtshof in Den Haag fordert Russland auf, den Krieg zu beenden. Russland zerstört bewusst große Städte, die eine große strategische Bedeutung haben (Charkiw, Mariupol, Kiew). Man scheint eine Pufferzone der Verwüstung schaffen zu wollen (Unstaat) zwischen Russland und der Ukraine (Zerstörung von Städten, Infrastruktur, Stromzufuhr, Energie- und Wasserversorgung, Abwassersysteme). Gegenoffensiven der Ukraine bei Kiew sind erfolgreich. Am 24.3.22 beraten Nato, EU-Rat und G7 zusammen über den Ukraine-Krieg und Gegenmaßnahmen gegen Russland. In Istanbul verhandeln Russen und Ukrainer. Die Verluste der russischen Armee scheinen bis Ende März 22 extrem hoch zu sein (Flugzeuge 22, Raketenwerfer 138, Transportfahrzeuge 225, Panzer 228; 10.000 Gefallene, 20.000 Verwundete). Siehe Lau, Jörg: Die schwache Supermacht, in: Die Zeit Nr. 14/ 31.3.22, S. 4. Der Knackpunkt in den Friedensverhandlungen scheint der Status "Neutralität" zu sein. Die russischen  Truppen scheinen sich auf den Süden und Osten zu konzentrieren. Die USA liefern weitere Waffen im Werte von 271 Mio. € (Drohnen, Raketensysteme, Nachtsichtgeräte, Munition, sichere Kommunikationssysteme). In Butscha in der Nähe von Kiew hat die russische Armee Massaker an Zivilisten ausgeübt. Das gleiche zeigt sich in anderen Städten in der Nähe von Kiew (wahrscheinlich geplante Gräueltaten). Die russische Armee zieht sich aus dem Norden zurück und konzentriert sich auf den Donbass und die Landverbindung von der Krim dorthin. Soviel Landverlust kann die Ukraine in Verhandlungen niemals akzeptieren, so dass im Moment alles auf einen "Frozen conflict" hindeutet. Das kann viele Jahre andauern. Doch was hilft am besten dagegen? Waffenlieferungen, Sanktionen, Waffenstillstand und Verhandeln oder Aufgeben der Ukraine. Im April 22 verschärft die Nato ihren Kurs: Sie liefert mehr Waffen an die Ukraine. Millionen von Menschen werden ausgeflogen (Verletzte, Kranke, Flüchtlinge). Die EU liefert jetzt auch schwere Waffen; auch der Druck auf Deutschland wächst (Marder, Patriot). Man vermutet, dass Putin am 9. Mai eine Siegesfeier will. Bundespräsident Steinmeier ist nicht willkommen in der Ukraine, man lädt Bundeskanzler Scholz ein. Bis Mitte April sollen 3000 Soldaten der Ukraine und 20.000 russische Soldaten gefallen sein (ukrainische Angaben). Am 19.4.22 beginnt der russische Großangriff in der Ost-Ukraine. Besonders betroffen sind Cherson, Charkiw, Popasna, Marinka und Mariupol (1260 Ziele nach russischen Angaben). Deutschland liefert der Ukraine keine Waffen, aber es wird sie bezahlen (laut Bundeswehr-Führung auch nicht möglich: militärisch, technisch). Es kommt zu einem Ringtausch von schweren Waffen (unter anderem mit der Slowakei). Es wird immer deutlicher, dass Moskau sich den Donbass und die Südukraine einverleiben will. Deutschland ist im April 2022 auch bereit, Gepard-Panzer zu liefern (Flugabwehr). Die Koordinierung erfolgt auf dem Nato-Treffen von 40 Staaten in Rammstein/ RLP. Wegen Wartung, Munition und Schulungen stehen die Panzer aber wohl erst Ende des Jahres zur Verfügung. Folgen könnten Marder, Leopard, Puma und Fuchs.  Die USA geben auch massiv Militärhilfe an die Ukraine. Ende April 2022 beantragt Biden 33 Mrd. $ für die Ukraine. 20 Mrd. sind Militär- und Sicherheitshilfen. 8,5 Mrd. $ sind Wirtschaftshilfen. Die USA trainieren Ukrainer in Deutschland an Waffen. Neben Ausbildung soll auch die Wartung und der Munitionsnachschub sicher gestellt werden. Deutschland liefert auch Panzerhaubitzen an die Ukraine. Russland scheint beschädigte militärische Ausrüstung kaum noch ersetzen zu können. Am 8. und 9. Mai gibt es Feierlichkeiten in Deutschland und Russland. Vor 77 Jahren brachten die Tage Frieden. Die EU-Militärhilfe für die Ukraine wird auf 2 Mrd. € aufgestockt. Die Russen sollen ein Drittel ihrer Bodenkampftruppen verloren haben. Am 21.5.22 beschließen die USA ein 40 Mrd. $ Hilfspaket für die Ukraine. Russische Truppen konzentrieren sich im Juni 22 auf den Osten und Süden der Ukraine (Luhansk, Donbass, Region um das Asow`sche Meer) und rücken vor. Am 16.6.22 besuchen Scholz, Macron und Draghi die Ukraine. Man will Verhandlungen herbeiführen. Ab 21.6.22 veröffentlicht Deutschland seine Rüstungs- und Waffenlieferungen an die Ukraine. Litauen stoppt mit Verweis auf die EU-Sanktionen die russischen Bahntransporte nach Kaliningrad (Suwalki-Lücke). Am 24.6.22 gibt die Ukraine die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk auf. Während des G7-Treffens im Juni 22 werden Kiew und Odessa beschossen. Im Juni 2022 sagt auch die Türkei ja zur Norderweiterung der Nato. Nach der vollständigen Eroberung des Gebietes Luhansk verlagern sich die Kämpfe nach Donezk, das Russland auch komplett kontrollieren will. Die Ukraine greift verstärkt Stellungen auf der Krim an (Munitionslager, Nachschub). Die USA sagen der Ukraine im August 22 noch mal Militärhilfe in Höhe von 2,98 Mrd. $ zu (Luftverteidigung, Drohnenabwehr, Radarsysteme, Artillerie). Auch Deutschland sagt anlässlich des Nationalfeiertages weitere militärische Unterstützung zu. Beide Seiten setzen im Krieg Streumunition ein (international geächtet, nicht bei den Großmächten). Im August 22  startet die Ukraine eine Gegenoffensive, um die Region um das russisch besetzte Cherson zu befreien. Die Gegenoffensive der Ukraine scheint in Teilen Erfolg zu haben (Rückeroberungen von Teilen im Donbass, in der Region um Charkiw). Wird man jetzt verhandeln oder eskaliert die Lage? Russland verhängt das Kriegsrecht in den besetzten Gebieten. Russland verfolgt eine neue Strategie und greift gezielt Kraftwerke und die Infrastruktur der Ukraine an (Energie, Stromnetze, Wasserversorgung). Der Ukraine gelingt es, Cherson zurück zuerobern. 28 Intellektuelle und Künstler warnen Bundeskanzler Scholz Ende April 2022 vor Waffenlieferungen an die Ukraine. Sie sehen bei schweren Waffen die Gefahr eines Weltkrieges.

Armee der Ukraine: Die Erfolge verdankt die Ukraine dem Militärreformer Walerij Saluschnyi. Er will mithilfe des Westens die besetzten Gebiete zurückerobern. Er hat Kampf - Erfahrung im Donbass (stellvertretender Kommandeur des Sektors C). Die ukrainischen Soldanten sind echte Helfe rin ihrem Land, keine Sündenböcke. Es soll eine Nato-kompatible Armee entwickelt werden.

Exkurs: Die Stadt Mariupol: Sie ist die am heftigsten angegriffene Stadt im Ukraine-Krieg. Sie liegt in der Oblast (Verwaltungsbezirk) Donezk am Ufer des Asowschen Meeres. Vor dem Einmarsch der Russen hatte die Stadt 430.000 Einwohner (etwa zu gleichen Teilen Ukrainer und Russen).  Sie ist ein wichtiges Industrie- und Wirtschaftszentrum der Ukraine. Wichtigste Branche ist die Metallverarbeitung. Die Stadt ist mehr als 200 Jahre alt. Noch vor der zaristischen Annexion wurde hier zwischen 1778 und 1780 ein Zentrum für Griechen und Armenier gegründet. Nach Missernten kamen auch viele lutherische  und katholische Siedler aus Westpreußen, Baden und Hessen. Die "Stadt Mariens", so der griechische Name, blieb lange ein Zentrum pontos-griechischer Kultur. Im 19. Jahrhundert erfolgte eine systematische Russifizierung. 1941 bis 1943 besetzte die deutsche Wehrmacht die Stadt und zerstörte sie schwer. Ein Großteil der jüdischen Bevölkerung fiel dem Holocaust zum Opfer. Nach ukrainischen Angaben sind bis Ende März 2022  5000 Menschen in der Stadt umgekommen. Die humanitäre Lage ist katastrophal. Experten haben den Verdacht, dass Russland über die Stadt eine Landbrücke in die Krim errichten will. Zivilpersonen, die aufgegriffen werden, werden nach Russland gebracht. Am 16. März 2022 zerriss eine Explosion das Theater von Mariupol, in dem Hunderte Menschen Zuflucht gesucht hatten. Schon vorher am 9. März war eine Geburtsklinik zerstört worden. Es tauchen im April 2022 auch Meldungen auf, dass die russische Armee chemische Waffen eingesetzt habe. Die russische Armee hat Mitte April 22 die Stadt eingekesselt. Sie fordert die ukrainischen Soldaten auf, sich zu ergeben. Die meisten Soldaten und Bürger haben sich im größten Stahlwerk verschanzt. Sie rufen die Welt um Hilfe an. Die Stadt hat eine große strategische (sichere Landverbindung zur Krim) und symbolische (Maidan - Aufstand, Widerstand bei der Krim-Annexion) Bedeutung. Für Zivilpersonen können Fluchtkorridore vereinbart werden. Die Verwüstung Mariupols führt zu einem Wendepunkt in den traditionell nahen Beziehungen zu Griechenland. Die Ukraine lobt die Türkei für die Sperrung des Bosporus: Das habe Odessa gerettet. Putin will das große Stahlwerk nicht erstürmen, sondern belagern bzw. aushungern. Am 26.4.22 reist der Generalsekretär der UN zu ersten Friedensermittlungen nach Moskau. Er will sich für einen Waffenstillstand einsetzen. Durch einen Fluchtkorridor sollen die Zivilisten Mariupol verlassen können. Es findet auch ein Kampf um die Wahrheit in der Stadt statt. Diplomaten verbreiten Lügen. Die Schlacht ist in jedem Falle grausam ohne Ende. Vgl. Biermann, K. u. a.: Was geschieht in Mariupol?, in: Die Zeit Nr. 18/ 28.4.22, S. 13. Anfang Mai gibt es einen russischen Sturm auf das Stahlwerk. Die Assow-Brigade der Ukraine weicht nicht. Die Russen sollen Phosphor-Bomben einsetzen. Schließlich scheint ein Austausch von Soldaten zu funktionieren. Am 20.5.22 gibt Kiew die Verteidigung von Mariupol auf.

Flüchtlinge aus der Ukraine: Hunderttausende Menschen fliehen aus dem Land. Es sind vor allem Frauen und Kinder. Die EU gewährt eine dreijährige Aufenthaltszeit mit Antrag, ohne für ein Jahr (Aufhebung aller Visa-Beschränkungen). Bis Ende Februar 2022 sind schon über 600.000 im Ausland oder auf dem Weg dazu. Die Zahl übersteigt im März 22 über eine Million, Mitte März 3,0 Mio.. Moskau und Kiew vereinbaren "humanitäre/ "grüne" Korridore", durch die die Menschen fliehen können (manchmal Fake, manchmal nur nach Osten Belarus und Russland). Alle Länder der EU sind bei der Aufnahme solidarisch. Die Flüchtlinge gehen nach Russland, Belarus, bleiben im Land in anderen Regionen, Moldau, Rumänien, Ungarn, Slowakei, Polen (nimmt die meisten auf), andere EU-Länder, vor allem Deutschland. Bis 11.3.22 sind schon über 300.000 UkrainerInnen nach Deutschland geflohen. Sie werden auf die Bundesländer verteilt (150.000 registriert). Putin will bewusst hohe Flüchtlingswellen auslösen, um die EU zu destabilisieren (Strategie). Insgesamt sind ca. 10 Mio. Menschen auf der Flucht. Die meisten innerhalb der Ukraine. Nur wenige Ukrainer werden in die USA aufgenommen, sie haben kaum eine Chance. Biden erklärt dann, dass die USA 100.000 Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen wollen. Europol warnt vor Menschenhändlern. Die überwiegend weiblichen Flüchtlinge mit Kindern stehen im Visier von Verbrecherbanden. Es wird eine bessere und umfassende Registrierung gefordert. Mehr als die Hälfte der Kinder haben bis Ende März 2022 die Ukraine verlassen. Laut Unicef sind das 4,3 Mio. Minderjährige. Die EU will die Flüchtlingsaufnahme koordinieren. Die Innenminister beschließen einen Zehn-Punkte-Plan (gemeinsames System). Im April 22 gibt es bereits 7 Mrd. Inlandsflüchtlinge und 4,5 Mrd. Flüchtlinge im Ausland. Eine Geberkonferenz sammelt 10 Mrd. Euro für die Flüchtlinge. In Deutschland bekommen die ukrainischen Flüchtlinge ab Juni 22 SGB III-Status (Zugang zum Arbeitsmarkt und KV, höhere Leistungen). Unter den Flüchtlingen nach Deutschland sind bis Ende April 22  400.000 Kinder (90.000 Schüler). Laut USA sind auch Zehntausende in die russische Föderation verschleppt worden.

Lobbyarbeit/ Korruption: Oligarchen aus der Ukraine betreiben in großem Umfang Lobbyarbeit im Westen. Sie verfolgen dabei durchaus eigene Wirtschaftsinteressen. Sie sind sehr gut in den USA und Deutschland vernetzt. Abgeordnete stehen auf ihrer Gehaltsliste. Besonders im Mittelpunkt steht Rudy Giuliani (Ex-OB von New York, Ex-Anwalt von Trump). Auch der Sohn Bidens  kann als Lobbyist für die Ukraine eingestuft werden.  Im September 2021 verabschiedet das Parlament ein Gesetz, dass den Einfluss von Oligarchen begrenzen soll. Auch Russland betreibt massiv Lobbyarbeit. Der bekannteste Vertreter ist Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der Führungsposten in deutsch-russischen Gasprojekten innehat. Er schließt ein Einmarsch Russlands aus. Russland kauft wichtige Menschen aus der Elite der jeweiligen Länder ein (Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien; "elite-catching"). Indirekt werden die Lobbyisten in der Ukraine durch den Aufmarsch der Russen schwer geschädigt. Die Verzinsung der Staatsanleihen wird hochgetrieben. Investitionen in das Land wird das Vertrauen geraubt. Der ökonomische Schaden könnte beabsichtigt sein. Die Bedrohung stellt ein großes Risiko dar und wirkt auch ohne Einmarsch. Der ukrainische Oligarch Dmytro Firtasch ist besonders bekannt. Er betreibt auch in Wien ein Büro. Er hat enge Beziehungen in die USA, auch zum Wahlkampf dort  (Trump). Er war auch eng mit Wirecard verbunden (Jan Marsalek). Vgl. Elflein, C./ Hein, J. - P.: Die Trump-Putin-Wirecard-Wien-Ukraine-Connection, in: Focus 7/2022, S. 42ff. Man bezeichnet die Korruption in der Ukraine als die "dunkle Seite". Das sieht sogar der Europäische Rechnungshof so (Bericht 2021). Viele Hilfsgelder sind versickert. Eine Reform der juristischen Schlüsselinstitutionen 2022 sollte das ändern. Auf dem Korruptionsindex liegt das Land weit hinten (aber zumindest noch vor Russland). Ein Beitritt in die EU würde sicher erst in vielen Jahren möglich sein. Ein wichtiger Grund ist die hohe Korruption, in der wahrscheinlich auch ein Großteil von Aufbauhilfe versickern würde. Es gibt auch Oligarchen, die Russland zugewandt waren. Viktor Medwedtschuk war Freund Nr. 1 von Putin in der Ukraine. Er sit 620 Mio. Dollar reich. Er wird zu Kriegsbeginn verhaftet und ist Kriegsgefangener Nr. 1. Der  deutsche Anwalt Bertrand Malmendier aus Berlin soll ihn im Auftrag Moskaus verteidigen. Um eine Chance für den EU-Beitritt zu haben, muss das Land weniger Korruption, geringeren Einfluss der Oligarchen, mehr Rechtsstaatlichkeit und Transparenz durchsetzen. Die Vetternwirtschaft ist unsäglich. Im Ranking von Transparency International liegt die Ukraine in Europa auf dem vorletzten Platz vor Russland. Im Juli suspendiert Selenskyj den Geheimdienstchef und die oberste Richterin. Ihnen wird Verrat vorgeworfen. Der Wiederaufbau der Ukraine dürfte ein großes Problem werden. Man braucht ein institutionelles Gerüst, damit es kein Geschenk an die "richtigen Leute" wird. Seit der Unabhängigkeit 1991 hat dei Ukraine nur ein einziges IWF-Programm abgeschlossen. Dei anderen Programme wurden Gestoppt (Korruption). Vgl. Gorodnichchenko/ Fedyk/ Sologoub: Der Wiederaufbau darf kein Geschenk an die "richtigen Leute" werden, in: WiWo 33/ 12.822, S. 39.

Förderung der Krim: Russland steckt Milliarden in die Infrastruktur der 2014 annektierten Krim. Man will die Sympathien der Menschen gewinnen.

Politisches System in der Ukraine: Anders als Russland ist die Ukraine eine Demokratie. Selenskyj kam in einer glaubwürdigen Wahl ins Amt. Gerade davor hat Putin Angst: Er fürchtet die Ukraine als Vorbild für Demokratie. Das ist eines seiner Motive. Ein zweites ist sicher der Traum von einem neuen Großreich Rus (die Sowjetunion hätte seiner Meinung nach nie zerfallen dürfen). Drittens braucht er auch ein Gegengewicht zu China und eine Pufferzone zur Nato. Viertens soll der Aufmarsch der Truppen der Ukraine ökonomisch schaden (weniger Investitionen, Kapitalabfluss), so dass das Land instabiler wird. Putin will das Land auf jeden Fall als Puffer zur Nato und EU erhalten. Die Bevölkerung in der Ukraine ist sehr differenziert zu betrachten: Da ist einmal der chronische Ärger über die eigene Obrigkeit. Zum anderen haben die Menschen genug ökonomische Sorgen, auch ohne Krieg. Sie streben nach dem Wohlstand in der EU. Nicht wenige Menschen sind auch pro-russisch eingestellt und haben Verständnis für die strategischen Interessen Moskaus. Insofern ist das Land gespalten. Damit scheidet es sowieso auf absehbare Zeit als Nato-Kandidat aus (diese Zusage haben quasi auch Macron und Scholz gemacht). Die Anerkennung unabhängiger Volksrepubliken auf dem Territorium der Ukraine ist aber ein Verletzung des Völkerrechts, erst recht natürlich der Einmarsch und Angriffskrieg.

Exkurs: Wolodymyr Selenskyj. Er wird im Januar 1978 im südukrainischen Krywyj Rih geboren. 1997 gründet er die Kabarettgruppe "Kwartal 95". 2006 nimmt er an der ukrainischen Version von "Dancing with the Stars" teil. 2015 ist der Start der TV-Satire "Diener des Volkes". Im Mai 2019 wird er nach dem klaren Wahlsieg gegen Amtsinhaber Petro Poroschenko als neue Präsident vereidigt. 2022 führt er im Angriffskrieg Russlands gegen sein Land den Widerstand ("ukrainischer Che Guevara"). Auch seine Frau vertritt das Land im Westen. Vgl. Die Zeit 31.3.22.

Immer wieder im Mittelpunkt in Deutschland steht auch Andrij Melnyk, der Botschafter der Ukraine in Deutschland. Er wirkt wie in einem Kampfeinsatz. Damit provoziert er die deutsche Politik und Öffentlichkeit. Er sagt, Deutschland habe die Ukraine bis heute nicht verstanden. Er tritt mehr als Lobbyist denn als Botschafter auf. Vgl. Sauerbrey, Anna: Der Diplomat im Kampfeinsatz, in: Die Zeit Nr. 15, 7, April 2022, S. 7. Der ukrainische Botschafter Melnyk beleidigt immer wieder deutsche Politiker. Anfang Mai 22 vergleicht er Kanzler Scholz mit einer beleidigten Leberwurst. Ende Juni 22 ruft er einen Skandal hervor. Er versucht einen ukrainischen Nationalisten, der auch Antisemit war und Russen sowie Polen ermorden ließ, rein zu waschen. Bandera führte die OUN, die einen ethnisch homogenen Staat der Ukrainer errichten wollte (unterstützt eigentlich die Argumentation von Putin). Im Juli 2022 wird bekannt, dass er abberufen werden soll. Er soll stellvertretender Außenminister werden. Nachfolger als Botschafter wird Olexij Makejew.

Serhij Zhadan: Er erhält im Oktober 2022 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche (mit 25.00 € dotiert). Er ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Musiker. Er kommt aus Charkiw, wo er im Krieg auch Freiwilligendienst leistet. Er wurde 1974 geboren. Er ist einer der wichtigsten Stimme in der ukrainischen Gegenwartsliteratur. Sein jüngstes Buch trägt den Titel "Himmel über Charkiw".

Wirtschaft der Ukraine: 2021 lag die Wirtschaftsleistung bei 170 Mrd. €. Die Ukraine leitet Pipelines aus Russland durch und kassiert dafür Gebühren. Sie hat selber ein Defizit in der Förderung von Öl und Gas. Sie ist aber eine wichtige Kornkammer für Europa (Weizen, Mais). Sie exportiert auch den wichtigen Rohstoff Neon. In der Ukraine gibt es 15 Atommeiler an vier Standorten. Das größte Atomkraftwerk steht im umkämpften Südosten in Saporischschja. Die anderen drei sind in der Südukraine. Chmelnykyi, Riwne. Tschernobyl ist stillgelegt.  Das Kraft werk wird sogar von der russischen Armee beschossen und eingenommen. Die Ukraine fordert die Hilfe der IAEA an. Die Ukraine will möglichst schnell in die EU. Die EU will die Ukraine an ihr Stromnetz anbinden. Die EU sagt erst mal humanitäre Hilfe zu. Der Beitritt dürfte ein langer Weg werden, weil es noch viele Beitrittskandidaten gibt. Sie werden von Putin systematisch destabilisiert (Serbien, Moldawien, Nord-Mazedonien). Die Länder lavieren auch geschickt zwischen den Blöcken (Forderung von Hilfszahlungen). Die EU-Regierungschefs lehnen auf ihrer Sitzung in Versailles eine baldige Mitgliedschaft der Ukraine (kein Beitritt-Eilverfahren) ab. Die Ukraine hätte aber zumindest gerne eine Anerkennung der Anwartschaft. Das Verfahren würde dann noch viele Jahre dauern. Man signalisiert der Ukraine die Aufnahmebereitschaft (von der Leyen reist dorthin). Durch den Krieg wankt die Wirtschaft. Zerstörte Fabriken, zerbombte Verkehrswege. Industrie und Handel verzeichnen massive Verluste. Drei Viertel des BIP sind seit dem Ausbruch des Krieges verloren gegangen. 64% der Erwerbstätigen konnten nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen. Quelle: Finanzministerium der Ulraine. Die EU und die USA geben schon massiv Wirtschaftshilfen (USA 8,5 Mrd. $). 2022 braucht die Ukraine Hilfe bei der Getreideausfuhr. Es betrifft vor allem Hartweizen, Weichweizen, Gerste, Körnermais. Die Lager müssen geleert werden. Beim Besuch von Scholz, Macron und Draghi in der Ukraine wünscht man sich das Land als EU-Beitrittskandidat. Die Region Donbass hat riesige Kohle- und Metallvorkommen. Der Süden ist das industrielle Herz des Landes.  Wirtschaftsberater von Selensky ist Dr. Alexander Rodnyansky. Er hat länger in Deutschland gelebt (spricht fließend Deutsch) und an der London School of Economics studiert.

Solidaritätsfonds für die Ukraine: Die EU richtet am 24.3.22 einen solchen Fonds ein, um Mittel für die Ukraine zu sammeln. Es sollen weltweit Staaten angesprochen werden. Der Schaden wird bis Ende April 2022 schon auf 500 Mrd. $ in der Ukraine gerechnet. Quelle: Timofiy Mylovanov, Ökonom, Präsident der Kiew School of Economics (WiWo 18/ 29.4.22, S. 32f.). Amerikas Ukraine-Hilfe steht im Oktober 2022 auf der Kippe. Der Trump - Flügel der Republikaner macht gegen die Milliardenzahlungen mobil.

Marshallplan für die Ukraine: Die Schätzungen des Finanzbedarfs nach einem Kriegsende liegen zwischen 250 und 1000 Milliarden Dollar. Keiner weiß bisher, wo her das Geld kommen soll. Eine Hoffnung ist schon zerplatzt: Aus dem eingefrorenen Besitz russischer Oligarchen und der russischen Notenbank werden sich keine Milliarden loseisen lassen. Am 5. juni 1948 wurde der Marshallplan für Westeuropa und Deutschland in Kraft gesetzt. 12,4 Milliarden Dollar wurden in der Folgzeit hineingepumpt. Vgl. Losse/ Wettlach: Ein Aufbauplan, kein Geschenk, in: WiWo 23/ 3.6.22, S. 38f. Auf dem G7-Gipfel wird beschlossen, der Ukraine zum Budget-Ausgleich 26 Mrd. $ zur Verfügung zu stellen. Die EIB schlägt die Einrichtung eines 100 Mrd. € schweren Fonds vor. Durch den Krieg sind die Staatsausgaben explodiert und die Steuern eingebrochen. In Lugano treffen sich Anfang Juli 2022 40 Länder, um über Hilfe für die Ukraine zu beraten. Nach 2 Tagen wird Hilfe bis zur vollständigen Erholung zugesagt. Die EU beschließt im Juli 2022 noch mal 500 Mio. € für die Lieferung von Waffen und Ausrüstung der Ukraine zur Verfügung zu stellen. 2023 will die EU die Ukraine mit 18 Mrd. € unterstützen. Am Marshallplan sollen die G7 beteiligt werden. Insgesamt dürften für den Wiederaufbau 350 Mrd. € nötig sein. Da ssoll über eine Wiederaufbauplattform gehen (Koordinierung mit Weltbank, IWF, EU-Investitionsbank, G7).

Wirtschaftsforum: Deutschland richtet eine Wirtschaftsform mit der Ukraine ein. Es soll die Hilfen für den Winter 22/23 und für den Wiederaufbau organisieren. Ziel soll die EU-Mitgliedschaft sein. Die bundeseigene Außenwirtschaftsgesellschaft German Trade and Invest ist mit dabei. Bundeskanzler Scholz, der auch zur Zeit G7-Vorsitzender ist, will diese mit einbeziehen.

Erwartungen der EU an die Ukraine: 1. Rechtsstaatlichkeit effiziente Justiz, Auswahl Verfassungsrichter, Demokratie). 2. Korruptionsbekämpfung (neuer Leiter Anti-Korruption, Korruption auch durch Krieg hoch). 3. De - Oligarchisierung der Wirtschaft. 4. Grundrechte der Menschen (Minderheiten, freie Medien). Experten rechnen damit, dass ein Beitritt frühestens in 10 Jahren möglich ist. Schon jetzt ist die Ukraine in einigen Programmen (z. B. Erasmus). Hinzu kommen die wirtschaftlichen Kriterien (Konvergenzkriterien). Die Erweiterung der EU durch die Ukraine wird aber als geostrategische Investition gesehen.

Ukrainische Exporte: Agrarprodukte, insbesondere Getreide (Weizen, Mais), auch Sonnenblumenkerne, Raps; Eisen/ Metalle, Mineralprodukte, Neon, Maschinen, Chemie, Holz. Bordnetze für Autos (BMW, VW). Die Ukraine ist nach Russland der drittgrößte  Weizenexporteur der Welt (8%, Russland 18%, USA 14%). Die Hauptimportländer sind die Türkei, Ägypten, Pakistan, Bangladesch, Libanon und viele EL. Diese Länder leiden und werden unter dem Krieg besonders leiden. Die größten Anbauländer sind China und Indien. In vielen EL dürften Hungersnöte ausbrechen. Die Ukraine exportiert auch Strom (Atomstrom). Ende Februar 2022 hat sich das Land mit Moldau vom ehemals sowjetischen Stromnetz abgekoppelt. Mitte März 22 erfolgte die Synchronisierung mit dem europäischen Netzwerk. Seitdem exportiert das Land 400 bis 700 Megawattstunden Strom in die EU und nach Moldau.

Getreideabkommen und Getreide-Blockade: Im Ukraine-Krieg blockieren russische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer die wichtigen Getreideexporte der Ukraine. Auf Vermittlung der UN und der Türkei kommt es zu einem Abkommen, das Russland die Schiffe durchlässt. Das Abkommen steht immer wieder auf der Kippe. Russland spricht von ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Schiffe der Schwarzmeerflotte. Mal dürfen Getreidefrachter fahren, mal nicht.

Ukraine und Deutschland/ EU: Die Ukraine möchte gerne in die Nato und die EU. Russland ist strikt dagegen und sieht eine rote Linie und alte Zusagen überschritten. Deutschland ist wegen North Stream 2 und nicht geleisteten Waffenlieferungen in der Kritik. Der Aufmarsch der russischen Truppen an der Grenze zur Ukraine scheint zumindest mehr Einigkeit in der EU und der Nato zu schaffen. Deutschland arbeitet mit der Ukraine zusammen. Mit Sachsens ehemaligem Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich gibt es einen Sonderbeauftragten der Bundesregierung für den Strukturwandel in den ukrainischen Kohleregionen. Rund 2 Milliarden Euro hat Berlin seit der Annexion der Krim durch Russland 2014 an nichtmilitärischer Hilfe für Kiew geleistet (an der Spitze). Weitere 150 Mio., € werden im Februar 2022 zugesagt. Die USA räumen einen Kreditrahmen von 1 Mrd. € ein. Die Ukraine profitiert ganz erheblich von den Durchfluss-Gebühren für russisches Gas, die sie durch North Stream 1 bekommt. Außerdem entnimmt sie ihr eigenes Gas. Deutschland und der Westen stehen vor einem Dilemma oder in der Sackgasse: Kiew in den Westen zu holen,  ohne Russland vor den Kopf zu stoßen, geht nicht. Im Februar 2022 billigt das EU-Parlament Notkredite für die Ukraine in Höhe von 1,2 Mrd. €, die in zwei Tranchen ausgezahlt werden . Seit 2014 hat die Ukraine bereits mehr als 17 Mrd. € an Krediten von der EU erhalten. Außenhandel zwischen den beiden Ländern: 7 Mrd. € aus Exporten und Importen. Platz 43. Quelle: Statistisches Bundesamt. Während des Ukraine-Krieges besucht der Kanzler Österreichs Nehammer als einziger Putin. Das IfW hat versucht die finanzielle, humanitäre und militärische Hilfe von außen insgesamt zusammenzurechen: Gemessen wird das Ganze als Anteil am BIP. Danach führt Estland. Militärisch liegen die USA vorne. Der ukrainische Botschafter Melnyk beleidigt immer wieder deutsche Politiker. Anfang Mai 22 vergleicht er Kanzler Scholz mit einer beleidigten Leberwurst. Mitte 2022 entsteht eine Diskussion in Deutschland, ob man stärker auf eine diplomatische Lösung drängen solle. Es gibt zwei Extrempositionen: 1. Gerade Deutschland solle keine Ratschläge geben. 2. Das Dogma, nur die Ukraine dürfe entscheiden, sei falsch. Am 25