Werner Krämer

Asia & China, Japan, Indien, Russland, Korea,   & alle Länder Asiens

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"Ohne aus der Tür zu gehen, kennt man die Welt. Ohne aus dem Fenster zu schauen, sieht man den SINN des Himmels", Laotse (Laozi, chinesischer Philosoph, 6. Jh. v. Chr., Begründer des Taoismus, Die Weisheit des Tao Te King, Das Buch vom Sinn und Leben). Hat Laotse das Internet vorhergesehen? "Das Internet ist ein Geschenk Gottes ", Papst Franziskus 2014. Heute gibt es sogar virtuelles Reisen. Das Internet macht es möglich, ohne Koffer, Geld und ohne Hektik Urlaub zu machen, wozu man die eigene Wohnung nicht verlassen muss. Noch intensivere Eindrücke bietet Virtual oder Augmented Reality. Es kann aber mentale Souvenirs nicht ersetzen. Erinnerungen an Reisen sind sehr speziell und schließen oft einen ganzen Strauß von Sinneseindrücken ein (neueste Erkenntnisse der Psychologie). Schon der österreichische Komponist A. Mozart hatte erkannt: "Ohne Reisen ist man ein armseliges Geschöpf". Oder der Dalai Lama: "Besuche einmal im Jahr einen Ort, an dem du noch nie gewesen bist". Eine professionelle Auseinandersetzung mit Asien braucht aber beides: Reisen/Aufenthalte (Zugang nicht überall hin frei! der Blick für das Zuhause wird auch geschärft) und den richtigen sowie kritischen Umgang mit empirischen  Daten bzw. Informationen. Für den letzten Aspekt soll diese Asien-Seite Hilfestellung leisten. Objektive Informationen über China, die gleichzeitig ihren Nutzen haben, sind nicht so einfach zu bekommen. Ich habe selbst mehrmals miterlebt, wie Journalisten führender Zeitungen in Pekinger Luxushotels "abgefüttert" wurden (Vorsicht und Zweifel sind immer angebracht). Reisen ist in China mühsam und schwierig (wenn man in heikle Gebiete will). Alle Ökonomen und auch Führungskräfte anderer Ausbildung kommen heute nicht mehr an Asien und China vorbei. Schon vor über 2500 Jahren wusste der chinesische Philosoph und Militärstratege Sunzi: "Wer den Gegner kennt und sich selbst, wird in hundert Schlachten nicht in Not geraten".

Gerade diese Site wird deshalb mittlerweile von Studierenden vieler anderer Hochschulen und von interessierten Führungskräften , sogar im Ausland,  stark genutzt (die Übersetzungsprogrammen: DeepL/Köln oder Google Translater sowie Microsoft Translator/ Edge sind mittlerweile so gut, dass sich ein extra englischsprachiges Forum gar nicht mehr lohnt; in neuern Browsern sind Übersetzungsprogramme eingebaut, manchmal müssen sie erst herunter geladen werden). Die Seite scheint sich hervorragend für Blended Learning zu eignen. Für Hinweise auf Fehler oder Verbesserungsvorschläge bin ich weiterhin sehr dankbar. Gleichzeitig ist die Konzeption dieser Seite eine Prognose: Die Globalisierung hat und wird ihren Schwerpunkt weiter nach Asien verlagern (schon 2021 erwirtschaftet Asien über 50% des Welt - BIP; Thema des WEF, Davos).. Ein großer Teil der Globalisierung ist noch die Dynamik Chinas. Das Land der Mitte wird ökonomisch die führende Macht in der Welt werden (wahrscheinlich zwischen 2026 - 2049, neueste Prognosen nach Corona sprechen sogar von 2024 ; gleichzeitig werden Japan und Südkorea, ökonomisch die Nr. 2 und 3 in Asien, relativ schwächer). Der Handelskrieg mit den USA (ein Symptom des Abstiegs der USA) verlangsamt das Wachstum Chinas nur etwas (insbesondere durch Exportrückgänge und weniger Technologietransfers). Die Gegenstrategie der Ausweitung des Binnenkonsums und der Aufbau  der "Neuen Seidenstraße" läuft aber schon länger. Besonders deutlich wird die langfristige Gegenstrategie bei den digitalen "Gegen-Unternehmen" (Huawei, Tencent, Alibaba, Baidu u. a.). "Das Gravitätszentrum der Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert wird in Ostasien liegen." Kishore Mabubani, Politik-Professor an der National University Singapore, Ex-Diplomat.

                                                   Good afternoon                 

                 konnichiwa                                   nin hao

                                                      Buenos dias

Asien (insb. China, Japan, Indien, Korea, Russland, Indonesien, Vietnam, Iran : Direktzugriff!) hat folgende Inhaltsangabe (Gebiete): Lage und aktuelle Entwicklungen, Institutionelle Rahmenbedingungen und Wirtschaftspolitik nach Bereichen (u . a. Wirtschaftsordnung, Kultur, Geld und Währung, Bildung, Mittelstand, Handelspolitik), Wissen, Buchtipps, Autarkie versus Freihandel, Makroökonomische Daten und Spezialpolitik-Bereiche (mit Umwelt, Außenwirtschaft, Arbeitsmarkt, Löhne, Inflation, Verschuldung, Konjunktur, Migration), Management/ Kultur, Unternehmen und FDI, chinesische Unternehmen, japanische Unternehmen, chinesische Digitalunternehmen, Marktanalyse und Marketing, Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und JapanKyoto als Symbol, Ostasien als Teil der Globalisierung, Probleme, Tagungen, Aufenthalte, Theorien und Daten der Globalökonomik, Indien (mit Nachfolge- und Nachbarstaaten), Indonesien, Korea, Malaysia, Thailand, Vietnam. Singapur. Taiwan. Myanmar. Bhutan. Kambodscha. Laos. Philippinen. MaledivenMongolei. Afghanistan. Nepal. Russische Föderation. Türkei/Israel, Iran (Persien), Saudi-Arabien. Fallstudie "Wenn der Drache lahmt": Die ökonomische Bedeutung Chinas für Deutschland und die Welt. Karl Marx in China, Chinesische Marxismus-Rezeption und Konfuzianismus, Genossenschaftsidee und Japan;  Seidenstraßen - ProjektAnalyse von Wirtschaftsordnungen, Aufstieg der Schwellenländer, Geschichte, Ostasien - Links, Ganzheitliches Denken, Religionen in Asien, Naturphilosophien: Daoismus und Schintoismus, Konfuzianismus in Asien, Interkulturelle Kompetenz mit Asienbezug, KMU und Asien, Indikatoren Asien, Marketing und Asien, Finanzierung und Asien, Arbeit/ Personal und Asien, Themen von Abschlussarbeiten mit Asienbezug, Präsentationen über Ostasien. Wein in China. Das chinesische Kaiserreich und Geschichte Chinas. Geschichte Japans Geschichte Koreas. Geschichte Vietnams. Geschichte Indiens. Geschichte Indonesiens. Geschichte Kambodschas und Angkor Wat. Geschichte Thailands. Geschichte Taiwans. "Vom Land der aufgehenden zum Land der untergehenden Sonne?": Der langsame Abstieg Japans in einer langen ökonomischen Krise. Was können die EU und Deutschland daraus lernen? Neustart/ Erholung nach der Corona-Krise 2020 in China. Auslandsnetzwerk. Asia Society.

                               China, Taiwan Japan bzw. Sonstige Länder in Asien,

                               Indien (Kaschmir, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka),

                               IndonesienKorea, Vietnam, Malaysia,

                              Thailand, Singapur, Taiwan, Myanmar, Bhutan;

                              Russland, Iran, Mongolei, Afghanistan, Brunei

                              Kambodscha, Laos, Philippinen, Nepal

                              auch Australien & Wirtschafts-Integrationen .

Stichworte (Schnellzugriff nach Register; oder auf dieser Seite mit Windows 10 bzw.11 suchen; Systematik "Länder/ Nationen in Asien"). Es sind hier alle Länder Asiens aufgeführt, außer Vorderasien (an anderer Stelle auf der Seite Economics/special/ Globalökonomik/ Länder. Oceanien ist noch mit enthalten). Rangfolgenkriterium ist in der Regel die Bedeutung des Landes in Asien/ subjektiv

"China muss mehr über die Welt lernen und die Welt mehr über China", Xi Jinping, Staatspräsident Chinas und Parteichef der KPCh bei seiner Antrittsrede 2012 (heute tritt er selbstbewusster auf und würde das so nicht mehr sagen). Im folgenden ist Asien nach Ländern und regionalen Integrationen  gegliedert:

VR China: Begriff "China". Sprache. Pinyin. Peking. Tsingtau. Tianjin. Hongkong. Shanghai. Quanzhou. Hangzhou und Suzhou. Shenzhen. Kanton. Dongguan. Greater Bay Area (GBA). Nanjing. Chongqing /Chengdu. Chengde. Pingyao. Xì´an. Chang´an. Xiong`an. Ligang New City, Qingtian, Wukan. Xingtai. Yiwu. Yiwu International Trade City Guilin. Qufu. Zibo, Xinjiang/ Uiguren. Zhenjiang. Wuhan. Lanzhou /Gansu/Gelber Fluss. Taicang, Kaschgar, Beidaihe. Yangtsekiang/ Zhenjiang, Jingxi, Drei-Schluchten-Staudamm. Dali/ Shangri La. Kaiserkanal. Yinjianbuhan-Tunnel, Li-Fluss. Flüsse als Lebensader. Seidenstraße, Belt & RoadHainan. Raumfahrtstation.  Bayan Obo. Grotten von Longyou, Chinesische Sowjetrepublik/ Jiangxi. Naturraum. Klimaschwankungen. Abfalltrennung und RecyclingGroße Mauer. Sommerpalast. Platz des Himmlischen Friedens. 70 Jahre Volksrepublik Himmelstempel. Verbotene Stadt. Dalai Lama-Effekt. Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Zentralkomitee von Chinas KP, 14. Fünfjahresplan (Wende). Nationaler Volkskongress. Regierungsorgane. Politisches System. Auslandsnetzwerk und Interessensvertretung im Ausland. Journalisten in China. Sozialistische Marktwirtschaft. Geschichte der sozialistischen Marktwirtschaft in China: Unternehmen, Arbeitsmarkt, Landwirtschaft, Preise, Privatisierungsprozess. Militärmacht (Rüstung). Mittelschicht. Handelskonflikt im Alltag. Masterplan/ Made in China 2025. Social-Credit-System. Harmonische Gesellschaft. Finanzmärkte, Ceinex, Banken. Staatsfonds CIC. Kaiser in China. Soziale Ordnung im alten China. Langer Marsch. Auslandschinesen, Migration, Greater China, Kultur und Subkulturen. Homogenität der Kultur. Horoskop. Mondfest. Friedhof der europäischen Jesuiten in China. Chin Shi Huang ti. Yongle. Laotse. Konfuzius. Konfuzius-Institute. Mao Tsedong. Deng Xiaoping. Xi Jinping. Karl Marx. Friedrich Engels. Zhou YougangJohn Rabe. Otto Braun. Ai Weiwei. Marco Polo. Schildkröte. Drache. Kranich. Maus. Schwein. Panda-Bär. Verhältnis zu Russland. Importmesse in Shanghai. Produktpiraterie. Fake-Economy. Tee. Zitrusfrucht. Lotos. Opium. Kartoffel. Wein. Porzellan. Jade. Papier und Buchdruck. Silber. Traditionelle chinesische Medizin (TCM). Sport. Außenwirtschaftpolitik. Autarkie versus Freihandel. Umweltpolitik. Arbeitsmarktpolitik. Arbeitsproduktivität und Rückgang der Erwerbsbevölkerung. Finanz- & Steuerpolitik. Mittelstandspolitik, Bildungspolitik, Strukturpolitik, Sozialpolitik (mit Gesundheit/ Covid-19; Null-Covid-Strategie; berühmte Mediziner in China und Seuchen); Aufarbeitung der Corona-Krise; Behinderte ; Armut; Überalterung, Bomben-Theorie, Wanderarbeiter und viele andere Politikbereiche (Geldpolitik, Ordnungspolitik, Währungspolitik, Wettbewerbspolitik, Industriepolitik, Entwicklungspolitik, Städtebaupolitik u. a., Landraub, Entschädigung). Industriestandards und Normung. Wirtschaftsordnung im Westen (Nordamerika, Europa) und in China. Geschichte Chinas. Neustart/ Erholung nach der Corona-Krise 2020. "Wenn der Drache lahmt": Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft. Statistik in China und ihre Genauigkeit. Digitaler Renminbi. Probleme Chinas. China als Teil der Globalisierung. Bevölkerung. Ethnische Minderheiten. Die junge Generation (Jugendliche). Heiratsmarkt. Aktuelle Bevölkerungspolitik. Wirtschaftsleistung. Inflation/ Budgetsaldo. Erwerbstätigkeit/ Arbeitsmarkt. Arbeitsmoral. Jugendarbeitslosigkeit, Migration/ Migrationspolitik. Umwelt/ Energie Chinas Rolle in der globalen Klima- und Umweltpolitik. Bohranlage Shenditake 1 Unternehmen in China. Dumping-Praktiken der Staatsunternehmen (SOE). Elektromobilität. Hochleistungsmagnete. Verkehrsinfrastruktur. Außenwirtschaft. Handelsmacht China. Häfen in China ( Container). Handel Chinas mit der EU. Probleme deutscher Unternehmen mit chinesischer Beteiligung. Direktinvestitionen in Deutschland. Deutsche Direktinvestitionen in China nach Branchen. Carl Hahn/ VW, Chinastrategie Deutschlands. Verhaltenskodex für deutsche Firmen in China, Chinesische Märkte/ MarketingImmobilienmarkt. Bankensystem. Finanzierung in China. Managementstrategien/ Kultur. Kulturelemente: Kriegslisten, Shaolin-Strategie, Weiji, Danwei/ Guanxi Industriepolitik und Protektionismus in China. Chinesische Digitalriesen und ihre Strategien. Strategie der zwei Kreisläufe in der Außenwirtschaftspolitik. Selektives Decoupling. Aktuelle Politik Chinas. Aktuelle Konjunktur Chinas. Technologien/ Innovationen in China. Wirtschaftliche Sachbücher über China oder Bücher, die in China spielen. Pandemien aus China. Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft. EU-China-Gipfel. Shanghai Cooperation Organisation (SCO). Comprehensive Agreement on Investment, CAI. RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership).  Empirische Wirtschaftsforschung in  China. Astronomie und China (Kooperation mit Europa). Geschichte der Astronomie und Technologie.

Aktuelles aus China:  Konflikt zwischen China und  den USA (Kampf um die Weltherrschaft, Kalter Krieg 2.0). Olympische Winterspiele 2022 in China. Historische Querdenker in China. 100 Jahre KPCh. Immobilienkrise in China 2021 folgende. Gelbe Gefahr 2.0. China-Afrika-Kooperationsforum. Jugend-Revolte "Flachliegen" und "radikaler Ausbeuter-Wettbewerb". Intellektuelle in China und ihr Denken. Schwierigkeiten im "großen Wiederaufstieg der Nation". Gesundheits-App., Taiwan-Konflikt. Proteste gegen die Covid-Strategie. Hemmnisse im Wirtschaftswachstum 2022/2023. Spionageballons 2023. Legitimitätsglaube in China. Gesamtsituation auf dem Automarkt für deutsche Hersteller. Anti-Spionage-Gesetz 2023. Konjunkturpaket 2023. Tabakkonsum in China. Cyberspionage. Grundsätze für die wirtschaftliche Entwicklung 23. Börsenkrise 2024. Sanktionen und Abkopplung (Lehren von westlichen Russlandsanktionen). Neues Wachstumsmodell. Wachstum der chinesischen Wirtschaft. Export der Krise ab 2024. Entdollarisierung und Vorbereitung auf Eskalation. Chinastrategie der EU. Gemeindeökonomie. Landwirtschaft. Top-Wissenschaftler Zhang Yongzhen. Chinesische Subventionen und Strafzölle des Westens. Gewinner des Handelskonflikts zwischen China und dem Westen. Generation Z.

Taiwan (Republik China, Formosa, National-China): Bevölkerung und Fläche, Vergleichsgrößen, Wichtige Städte, Verwaltungsgliederung,  Kultur, Identität, Freiheiten, Religion, Geschichte Taiwans, Autoritäre Vergangenheit, Gesundheit, Wirtschaft, Währung, Inflation, Außenhandel, Statistik, Halbleiter und Technologie, Bedeutung der HalbleiterindustrieTextilindustrie, Unternehmen,  Deutsche Unternehmen in Taiwan Deutsche Rüstungsgüter für Taiwan, Freihandelsabkommen der EU mit Taiwan, StaatsformPolitik, Triaden, Shih Ming-teh Beziehungen und Status zu China, Wichtige Inselgruppen, Spratly-Inseln, Kimmen-Inseln, Verteidigung und Manöver, Militärische Stärke im Vergleich, Kuma-Akademie, Chinas Traum von Einheit und Weltmacht, Ein Land, zwei Systeme, Taiwan-Krise und ein Handelskrieg der EU mit China, Taiwan und die USA als Schutzmacht. Handelsabkommen mit den USA ab 2022. Taiwan und Japan. Taiwan und Südkorea, Taiwan und DeutschlandTaiwan und der Ukraine-Krieg, Außenpolitik Taiwans. "Stachelschwein-Strategie", Taiwan und die Jugend.  Taiwan und der Sport. Taiwan und Stimmung. Geschichte Taiwans. Natur und Umwelt. Klimaneutralität/ Energie. Attraktive Regionen. Ureinwohner, Lüdao und Tainan als Inseln des Widerstands Katastrophen. Digitale Demokratie. Desinformation und digitale Transformation. Unternehmen in Taiwan.

Japan: Begriff "Japan". Sprache. Japanische Handwerkskunst. Jin Shin Jyutsu/ Japanisches Heilströmen, Reiki japanische Toiletten. Nara. Größter Buddha in Japan. Kyoto. Tokio. Fuji-san. Hokkaido (Ezo). Dörfer in Japan. Goldener Pavillon. Japanische Brücke in Hoi An/ Vietnam. Geographie. Geschichte Japans. Geschichte der christlichen Missionierung in Japan. Erste Kontakte zu China. Tributsystem. Samuraiburgen. Meiji-Restauration. Amakudai; Nemawashi; Kuki wo Yomu. Shintoismus. ObdachloseNotenbank, Nikkei-Index, Bankensystem. Siebold. Friedrich Fröbel/ Kindergarten. DüsseldorfSake. Alkoholkonsum. Tabak. Tee und Teezeremonie. Ginko. Gerstengras. Wasabi. Manga-Bibliotheken. Obdachlose. Japanische Bahn. Japan AG. Lean Production (Toyota Way, Kaizen). Japanische Kultur. Kulturinstitutionen und aktuelle -aspekte. Japanischer Markt, Kundenorientierung. Senioritätsprinzip. Atombomben. Fukushima Daiichi. Asia-Africa-Growth-Corridor G20-Gipfel 2019 in Osaka. Wirtschaftsordnung; Rechtsordnung. Liberaldemokratische Partei. Ordnungspolitik. Geldpolitik. Finanz- und Steuerpolitik. Währung. Bankensystem. Bildungs- und Forschungspolitik. Mittelstandspolitik. Städtebaupolitik. Verkehrspolitik. Außenwirtschaftspolitik. Offenheitsgrad der Volkswirtschaft Bevölkerungspolitik. Frauen in Japan, Arbeitsmarktpolitik. "Firmenkrieger", Gesundheit und Gesundheitspolitik (Geschichte der westlichen Medizin), Hanaoke Seishu Umweltpolitik. Energiepolitik. Zwei Traumata der Energie in Japan, Migrationspolitik, Entwicklungspolitik. Strukturpolitik. Sozialpolitik mit Gesundheit, Geschichte des internationalen Handels in Japan. Japan-Syndrom. Staatsverschuldung. Naturkatastrophen u. a. Der langsame Abstieg Japans in einer langen ökonomischen Krise. Was können die EU und Deutschland daraus lernen?  Probleme Japans. Neue Ökonomie der Nachhaltigkeit und Fukushima. Japan im Wettbewerb der Wirtschaftsordnungen. Japan und globale Umweltpolitik. Unternehmen in Japan Finanzmarktreform und Banken. Managementstrategien/ Kultur. Aktuelle Politik in Japan. Technologie/ Innovationen  in Japan. Aktuelle Konjunktur in Japan. Bücher über Japan und/oder Asien. Empirische Wirtschaftsforschung in Japan. Statistiksystem in Japan. Olympische Sommerspiele 2021 in Japan. Aufrüstung und neue Geopolitik. Japan als Pionier der Zeitenwende. Japan als Vorbild beim Energie sparen. Opakalypse/ Nachfolge, Tinder für Unternehmen, Zweitjob. Japan im Aufwind, die Kirschblüten-Formel. Tokio als Indikator des Aufschwungs.

Indien (auch Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Kaschmir): Begriff und Sprache, Wirtschaft, Wirtschaftsgeschichte, Arbeitsmarkt, Beschäftigtenstruktur, Arbeitsmigration nach Deutschland, Geldpolitik, Währung "Rupie",  UPI: digitales Geld, Wirtschaftspolitik, Subventionsprogramm, Technologie und Forschung, Staatsverschuldung, Amartya Sen, Raghuran Rajan, Gita Gopinath, Ashika Mody, Bhaskar Chakravorti, Kampf mit China, Geschichte der Konflikte zwischen Indien und China, Indien und USA, Indien und Deutschland/ EU, Handelsgeschichte, Wirtschaftsentwicklung der Zukunft, Indien als Eier legende Wollmilchsau, Wirtschaftsreformen, Ausbau der Infrastruktur ab 2022, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit,  Verhältnis zu wichtigen Ländern, China, USA, Kanada, Russland, Japan, Deutschland/ EU,  Handelsabkommen mit der EU, U-Boot-Deal zwischen Deutschland und Indien, Großbritannien; Migrations- und Mobilitätsabkommen mit Deutschland, Bedeutung der Zuwanderung für Deutschland, Inder in Deutschland/ Migration, Parag Khanna Auslandsinvestitionen und Außenhandel, Bedeutung des Außenhandels,  Produktionsverlagerungen nach Indien, Autarkiebestrebungen, Handelsverträge IndienG20-Treffen 2023, Indiens wachsender Einfluss in der Welt,  Bevölkerung, PolitikN. Modi Premier, Rahul Gandhi, Vinayak Damodar Savarkar, Stellenwert der Bevölkerung, Analphabetenrate und Bildung, Bevölkerung 2050/ Prognose, Politische Teilung und Parlament, Politische Parteien und politische Organisationen, Barygaza, Geschichte, Unabhängigkeit, Rishi Sunak, GB, Indien; Gesellschaft und Kultur, Mathematik, Philosophie in Indien, Kricket, Sabu Dastagir, Diskriminierung der Frau, Shrayana Bhattacharya,  Leena Nair, Erwerbstätigkeit der FrauenErwerbstätigkeit, Eheschließungen, Kinder-Ehen, Sprachen in Indien, Urbane Großräume Barygaza,  Bangalore, Neu-Delhi, Mumbai, Kalkutta, Deshnoke, Udalpur, Varanasi, Urbanisierung  Gesundheitsreform 2018 und Gesundheit, Medizin und Gesundheit,  Industriepolitik, insbesondere für die Pharmaindustrie, Khasi, KastensystemVerteilung, Armut, Pankaj Mishra, Pratap B. Mehta, Sathnam Sanghera, Grundeinkommen, Religionen, Kumbh Mela, Heilige Kühe, Mutter-Teresa-Organisation, Mata Vaishno Devi, Zarathustra, Siddharta, Ram-Hindu-Tempel, Muslime in Indien und den Nachfolgeländern, Migration, Verteilungskampf und Hindu-Fanatismus, Terrorismus, Bhagavad Gita (Yoga-Exkurs, Tri-Guna-Modell), Moderne Psychologie, Fürsorglicher Führungsstil Guru Sri Chinmoy, Buddhistische PsychologieMedizin, Umwelt (Energie, Landwirtschaft, Öko-Versuch in Andra Pradesch, Agrarreform 2020, Wasser, Wasserkriege?, größtes Flussdelta der Welt, Naturkatastrophen, Disha Ravi, Energiepartnerschaften, Korrupte Bausünden, Stellenwert im Klimawandel) , Punjab,Uttar Pradesh, Elefanten, Tauben, Riesenschildkröte, Unternehmen, Start-ups in Indien, Adani Group/Gaudam Adani, Nandan Nilekani/ Infosys, Deutsche Unternehmen in Indien, Statistik der deutschen Unternehmen in Indien,  Deutsche Bank in Indien Deutsche AHK in Indien, India Manufactoring Show/ Bangalore.  Börsen Unternehmenssteuern, Mehrwertsteuer, Lieferketten, Soziale Medien und IT, Technologie der E-Verwaltung, informeller Sektor, Kinderarbeit, Darjeeling, Gewürze, Standort für DI, Zollvergünstigungen; TTC mit der EU, IMEC, AAGC, Quad; Zukunft Indiens.  Nachbarländer bzw. historische Nachfolgestaaten (Tibet in Indien, Lamaismus, Kalachakra Initiation/ Bodh Gaya, SikkimLadakh, Aksai Chin und Armada Pradesch, Kaschmir, Pakistan: Allgemein, Politik Pakistan, Volksheld Khan, Natur und Grenzen, Pakistan und Seidenstraße, Wirtschaft in Pakistan, Energiebedarf, Pakistan und Taliban, Pakistan und Islam,Religionen und Konflikte, Pakistan und Iran, Naturktastrophen, Hitzerekord, Bangladesch,  (Einwohner, Abhängigkeit und Strategische Position, Kultur, Politische Einordnung, Scheich Hasina, Muhammad Yunus, Flüchtlinge, Wirtschaft, Textilproduktion, Arbeitskämpfe/ Gewerkschaften, Energie, Außenhandel, Lebensmittelpreise, You Tube - Dörfer, Bildungswesen, Umwelt/ Müllberge, Katastrophen). , Sri Lanka: Allgemein, Politik und konflikte, Stadt Kandy, Zentrum des Ayurveda, Ethnische Konflikte, Wirtschaft, Inflation, Wirtschaftspolitik,  Hafen Hambantota, Verschuldung, Zentralban,  Tourismus. Indien in der globalen Umweltpolitik. Indien als Quelle vieler Religionen und Kulturen. Unternehmen in Indien. Institutionen in Indien. Sachbücher über Indien. Zukunft Indiens im 21. Jahrhundert.

Indonesien: Emil-Helfferich-Sammlung,  Geschichte, Revolusi, Urzeit, Bevölkerung und Kultur, Documenta Kassel 2022Wayang Kulit, Messerkultur, Volksgruppen, Frauen, Strafrechtsreform im Sexualrecht, Politik, Provinzen, Wichtige StädteNeue Hauptstadt "Nusantara",  Militär/ Rüstung, Gesundheit, Religion, Wichtige Wirtschaftsdaten und Wirtschaft, Außenhandel, Ausfuhrverbote für Rohstoffe, Verschuldung, Aktuelles bei WirtschaftStaatsfonds und Staatsholding, Antikorruptionsbehörde KPK, Rohstoffe Indonesien, NickelMissstände in den Nickelminen,  Energiepartnerschaft OmnibusgesetzG20-Mitgliedschaft und Treffen, Wirtschaftsintegrationen, Indonesien und Deutschland, Indonesien und die Niederlande/ EU,  Indonesien und Neue Seidenstraße, Indonesien und China, Indonesien und Rohingya, Naturkatastrophen, Umwelt, Regenwald in Indonesien, Volk der Fayu, Aeshnina Azzahra, Tourismus in Indonesien Reisterrassen der Subak, Manuelle Salzgewinnung auf Bali, Nationalpark Tanjung Puting, Orang-Utans, Tiger, Meereskrebs namens Sahra Wagenknecht, Anamba - ArchipelPapua-Neuguinea, VulkaneArbeitsmarkt, Kinderarbeit, Matriarchat, Aktuelles. Unternehmen Indonesien. Quellen Indonesien.

Korea: Gesamt-Korea/ Geschichte. Nationalhymne Koreas.

Südkorea: (Republik Korea);  Lage, Politik, Nationaler Sicherheitsrat, Staatsrat, Nationalversammlung, Verwaltungsgliederung und wichtige Städte, Busan, Rechtsordnung, Unternehmen, Aktienmarkt, Samsung, Wirtschaft, Inflation, Wirtschaft im Vergleich, Markt/ Wirtschaftsstruktur, Wirtschaftspolitik, Energiepreise, Rüstungsgüter deutscher Firmen, Kaufmänner des Krieges,  Außenhandel mit Deutschland, Vanadium, Deutsche Direktinvestitionen Offenheitsgrad der Volkswirtschaft, Wirtschaftspolitik (Subventionen), Energie,  Strategisches Denken Südkoreas, KMU-Politik, Korea Governance Service,  Bedingungsloses Grundeinkommen, Notenbank, Koreanische Kommission für fairen Handel (KFTC), Kreativwirtschaft und Innovation,  Innovationsstandort Seoul, Innovationen, Projekt "Schwimmende Stadt", Korea als natürliches Experiment der Geschichte, Umweltpolitik und Energie,  Müll-Ballons,  Internationales Plastikabkommen, Bodenschätze, Landwirtschaft, Saumaul Undong, Bevölkerungs- und Sozialstruktur als Problem: Suizidrate,  Fernseh-Psychiaterin Dr. Oh, Gesellschaftsschichten, Rolle der Frau, Einstellungen, Konfuzianismus, Industriegesellschaft, Geschlechterrollen und modernes Leben, Die Brücke des Todes und Happy dying,  System der Altersberechnung, Discos für Senioren, Prominente mit Mobbing - Vergangenheit, Lohngefälle, Gesundheit, Lebenserwartung, Psychische Gesundheit, Ginseng, Kimchi, Wirtschaftsgeschichte, Digitalisierung, Online-Konsumgüterhandel, Südkorea als Großmacht für Chips,  Zepeto als Metaversum, Arbeitsleben, Arbeitsbedingungen, Sozialversicherung und Soziales,  Menschen - Rechte und Tradition, Kultur, Musik-Bands, Kulturexporte, Hundefleisch, Taekwondo, südkoreanische Sex-Dokumentation mit deutscher Domina, Franz Kafka, Nunchi, Nationalfeiertag, Erziehungswesen, Bildung und Forschung, Suneung,  Religion, Totemismus und Schamanismus,  Vollversammlung des Weltkirchenrates, Verhältnis zu USA,  China, Socotra-Fels, Japan, Russland, Deutschland, Kooperation für Pflanzenschutz, Kooperation, RCEP, Propaganda. Terrorgefahr, Familienzerrissenheit und Hoffnung auf Wiedervereinigung. Katastrophen/ Unglücke.  Jeju-do. Gyeongju. Unternehmen in Südkorea.

Nordkorea: Demokratische Volksrepublik Korea; Allgemein, Verwaltungsgliederung und wichtige Städte, Wichtige Flüsse, Politik,  Nachrichtenagentur/ KCNA,  Kim Ni Nam (Goebbels Nordkoreas), Wiedervereinigung, Wirtschaft, Währung, Arbeitslosenquote, Energie,  Export von Rüstungsgütern, Rüstungsfirmen, Waffen aus Nordkorea im Ukraine-Krieg,  Importe, Sonderwirtschaftszone Razon, China, Sanktionen, Verhältnis zu den USA, Nordkoreaner im Ausland, Jihyun Park, Wirtschaftssanktionen, Sanktionsverstöße, Verhältnis zu Russland Verhältnis zu DeutschlandFamilien-Clans, Kim Ryon-hui, Parteikongress, Bevölkerung und Lebensverhältnisse, Gesundheit, Humanitäre Hilfe, Naturkatastrophen und Ernten, Müll-Ballons, Kultur, Sprache, Totengedenken, Rolle der Frau, Art Kastensystem, Hundefleisch, Kinder, Religionen, Menschenrechte, Bildung, Atomprogramm, geographische Zonen, Tourismus in Nordkorea, politische Rahmenbedingungen, Nachrichtenagentur, Staatsfinanzierung, Atomwaffen. Militär. Strategie und langfristiges Ziel, Exkurs. Rüdiger Frank.

Vietnam: Bevölkerung, Menschenschmuggel, Gesundheit, Wirtschaft, Probleme, Unternehmen, Aktienmarkt und Börse, Politik, Hanoi, das nächste Peking?, Geschichte, Vietnamkrieg, Boat People in Deutschland, Religion und Kultur, Umwelt, Schuhexporteur, Kaffeeexport, Außenhandel, Phosphor, Deutschland und Vietnam, Arbeitsabkommen über Fachkräfte, Deutsch-Vietnamesische Handelskammer, Handelsabkommen, Kooperation mit den USAVietnam als neues China, Konflikt und Kooperation mit China. Bücher über Vietnam.

Myanmar: Allgemein, Geschichte, Politik, Militärputsch und Proteste, Armee in MyanmarEthnische Minderheiten und Rebellenarmeen, Geschichte, Wirtschaft, Deutsche Unternehmen in Myanmar, Deutscher Fußballnationaltrainer, Myanmar und China, Das Malakka-Dilemma, Umwelt, Ethnische Konflikte und Vertreibung,Überläufer, Rohingyas und Flüchtlingscamp, Neues Seidenstraßenprojekt, Billigwerkbank, Ausländische Direktinvestitionen, Opiumanbau, Jade, Seltene Erden, Outsourcing, Teak-Exporte (Holz). Unruhen. Luftangriffe der Armee. Humanitäre Katastrophe, Naturkatastrophe, Asean als Rahmen, Kultur, Tourismus. Bridgefy

Kambodscha: Bevölkerung. Politik. Geschichte, Wirtschaft. Außenhandel Kuh-Leih-Projekt,  Hauptstadt und andere wichtige Städte. Seidenstraße und Sihanoukville. Umwelt. Bildung. Erwerbstätigkeit. Exporte/ Fahrradexport. Gesundheit in Kambodscha. Landminen.  Kultur und Literatur. Geschichte und Angkor Wat. Zirkusschule. Repression.

Laos: Bevölkerung/ Einwohner, Hauptstadt. Staatsform. Einfluss Chinas. Thong Hay Hin. Wirtschaft. Rohstoffe. Außenhandel. Verkehr/ Schleichende Übernahme durch China. Zusammenbruch/ Verschuldung? Umwelt.

Philippinen: Allgemein. Bevölkerung. Wirtschaft. Manila als Metropol-Region, Politik, Fidel V. Ramos, Dynastie-Kartell, Geschichte, Rohstoffe Philippinen, Drogenkrieg. Streit mit China. Abkehr von China ab 2023. Philippinen und Deutschland, Philippinen und USA, Balikatan-Übung, Probleme. Steuerbetrug, ReligionCorona-Pandemie und Bildung, Chelsea Marie/ Trans Frau, Naturkatastrophen. Internationales Recht. Gesetz gegen Bomben. Presse/ Kommunikation. Tourismus.

Thailand: Allgemein (Bevölkerung), Politik, Kultur Thailands, Wirtschaft, Finanzstabilität, Global Government, Geschichte, Umwelt/ Naturkatastrophen. Energie. Gesundheit. Cannabis, Vipassana - YogaTourismus. Chiang Mai, Beziehung zu Russland. Gastarbeiter aus Thailand. Thailand und Deutschland, Unternehmen Thailand.

Bhutan: Allgemein, Wirtschaft Cross National Happiness, Außenhandel, Umwelt, Religion Buddhismus, Politik buddhistisches Königreich, Gesundheit, territorialer Konflikt mit China, Bhutan und Deutschland.

Malaysia: Lage und Bevölkerung, Wichtige Städte und Verwaltungsgliederung, Kuala Lumpr, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Wirtschaftslage und Finanzpolitik, Außenhandel, Palmöl, Orang-Utan-Diplomatie, Direktinvestitionen, Malaysia und Deutschland, Unternehmen, Verkehr, MH370-MysteriumKorruption, Gesundheit in Malaysia, Klimaneutralität und Energie, Waldreservat Belum-Temengor/ Tiger,  Unternehmen Malaysia.

Singapur: Geschichte und Bevölkerung, Politik, Wirtschaft, Inflation, Hafen von Singapur, Stützpunkt für westliche Firmen, Singapur und Deutschland, Deutsche Außenhandelskammer in Singapur, Singapur als Hort der Superreichen, Singapur als Zufluchtsort für Chinas Oberschicht Economic Development Board,  Singapur als Konferenz-Standort, Gesundheit und Bildung, Langschwanzmakaken, Modell für den Fortschritt, Smart Nation, Staatskapitalismus als Vorbild.

Nepal: Bevölkerung und Politik, Staatsform und Instabilitäten, Wirtschaft, Außenhandel Nepal, Nepal und Deutschland, Arbeitskräfte in und außerhalb Nepals, Landwirtschaft in Nepal Natur und Tourismus, Katastrophen, Mt. Everest und Bergsteigen, Tiger, Corona in Nepal, Geschichte und Seidenstraße, Religion und Volksglaube. Boudhanath Stupa. Mädchen/ Frauen Stockkampf. "Bikini-Killer".

Brunei Darussalam: Geografie, Politik, Bevölkerung, Religionen, Wirtschaft, Außenhandel.

Timor-Leste: Geographische Lage. Politik. Bevölkerung. Wirtschaft.

Russland (Russische Föderation), Grunddaten, Bevölkerung, Wohnungsmarkt, Gesundheit, Zwangsuntersuchungen für Ausländer, Psychotherapie und Berichtspflicht, Alkoholsucht, Politik, Duma, ZK und PolitbüroSicherheitsrat, KGB, Moskau als HauptstadtAlexej Nawalnyj, Wirtschaft, Notenbank, Rubel und Geldpolitik, Exkurs Rubelkurs, Midas von der Moskwa, Kriegswirtschaft, Tod als lukrativste Nutzung des Lebens,  Oligarchen und Putin, Lebenslauf von Wladimir Putin, Familie von Putin, Michail Gorbatschow, Ökonomische Modernisierung, Unternehmen, Deutsche Unternehmen in Russland. Verstaatlichung deutscher Unternehmen, "Purpose" als Grundlage der Russland-PolitikBörse, Frauenparadoxon, Rohstoffe (insbesondere Öl und Gas), Ölindustrie, Erdgasförderung, Geschichte der Energiebeziehungen zwischen Russland und EuropaTechnologie in Russland, Informationstechnologie und Wettbewerb, Staatshaushalt, Staatsausgaben, Staatsverschuldung, Banken, Finanzmärkte, Konsummärkte, Bedeutung des Finanzplatzes London für RusslandArbeitsmarkt/ Erwerbstätigkeit, Jugendarbeitslosigkeit,  Sozialsystem, Soziale Ungleichheit, Umwelt, Arktis und strategische Bedeutung, Außenhandel und Direktinvestitionen, Außenhandel zwischen Deutschland und Russland. Verhältnis zu EU und USA, Gipfel von 44 Ländern 2022, Victor Orban, Beziehungen zu Deutschland, Russische Vermögenswerte in Deutschland, Immobilienmarkt in Russland und Ausland Verhältnis zu osteuropäischen Ländern, Ostausschuss und Unternehmerrat, Deutsch-Russisches Forum, Deutsch-russischer Petersburger Dialog, AHK in Russland, Russland-Deutsche, Folgen der Russland-Sanktionen für die Deutsche Wirtschaft, Gas-Embargo von Deutschland,   Sanktionen der EU, Deutschlands und der USA (G7), Folgen der westlichen Sanktionen für die russische Wirtschaft Verhältnis zu China, Verhältnis zu Japan, Verhältnis zur Türkei, Verhältmis zum Iran, Verhältnis zum Westbalkan, Verhältnis zu Finnland, Beziehung zu Süd-Afrika, Beziehung zu Thailand, Verhältnis zu den Staaten im Nahen Osten, Tourismus, Religionen, Kultur, LGBTQI+, Fjodor Michailowitsch Dostojewski, Leo N. Tolstoi, Alexander Puschkin, P. I. Tschaikowsky, Siedlung Alexandrowska, Gewaltschulung in der GesellschaftDesinformation, Kauf von Politikern im Ausland, Cyberkrieg, Öffentliche Meinung, Lewada-Zentrum, Memorial, Irina Scherbakowa, NGO Moskauer Helsinki-Gruppe, Geschichte, Russische Geschichtsschreibung unter Putin, Alexander Solschenizyn, Amnya, Polizei und Militär, (Russland liegt überwiegend in Asien, ein kleinerer Teil ist in Europa; deshalb spricht man auch von Eurasien). Afghanistan-Krieg. Gruppe Wagner. Katastrophen. Russland als Schwellenland. Öl, Krisen und Preis. Umweltpolitik in der Russischen Föderation. Russische Unternehmen (Multis), Nord-Stream 2. Quellen.

Weitere Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (ab 1990/91, einige in Europa): Tschetschenien. Georgien (Bidsan Iwanischwilli). Republik Moldau (Unterstützungsplattform), Weißrussland (Grunddaten, Verhältnis zu Russland und EU, Integrationsdekret mit Russland, Neue Verfassung 2022, vollständige Eingliederung in Russland,  Wirtschaft, Bialystock, Opposition, Arbeitslager, Nobelpreisträger Bjaljazki, Stationierung von Atomwaffen, Belarus und China). Ukraine (in Europa! Ukraine und Deutschland/ EU, Deutsche Unternehmen in der Ukraine, Wirtschaft in der Ukraine, Solidaritätsfonds der EU,Wirtschaftsforum, Ukrainische Exporte, Getreide-Blockade und -Abkommen. Unternehmen in  der Ukraine, Lobbyismus, Geschichte der Ukraine, Konflikt, Kosten des unsichtbaren Krieges, der reale Angriffs-Krieg, Armee der Ukraine,  Stadt Mariupol, Flüchtlinge aus der Ukraine, Szenarien zum Ende des Krieges, Förderung der Krim, System in der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, Andrij Melnik, Michailo Fedorow, Serhij Zhadan). Marshallplan Ukraine. Unterstützung EU/ D, Ukraine und GB, Aktionsplattform UN/ Sicherheitsrat, Erwartungen der EU an die Ukraine. Aserbaidschan. Armenien. Kasachstan (Grenzen, Politik, Korruption, Wirtschaft, antichinesische Proteste, Flüchtlinge aus Xinjiang, Unruhen, Wirtschaftsintegration, Kasachstan und Deutschland, Kasachstan und deutsche Unternehmen). Flüchtlinge in Deutschland,  Kasachstan/ Astana als Neu-Moskau, Naturkatastrophen. Turkmenistan. Ruhnama, Usbekistan, das Land als Alternative zu Russland, Samarkand, Kirgisistan, "Basar-Ökonomie für China". Tadschikistan (Letztere sind selbständige Staaten in Zentralasien und Vorderasien, auch heute noch unter starkem Einfluss Russlands; durch Rohstoffe und ihre Lage als Grenzländer auch für China attraktiv).

Mongolei Allgemein/ Lage, Wichtige Städte, Verhältnis zu China, Politik, Wirtschaft und Börse. Rohstoffe/ Bodenschätze, Rohstoffabkommen mit Deutschland. Abkommen über strategische Partnerschaft mit Deutschland, Währung, Außenhandel, Arbeitslosenquote, Energie, Asia-Pacific-Trade Agreement (APTA)Kulturelle Identität. Adlerjagd, Religionen, Der deutsche Dschingis Khan. Gesundheit in der Mongolei. Tourismus.

Afghanistan: Bevölkerung/ Grundlagen. Wichtige Städte und Grenzen. Geschichte. Kultur. Frauenrechte. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen, Kunst, Religionen, Wirtschaft. Außenhandel. Energie. Mohn, Notenbank. Staatseinnahmen. Finanzmärkte und Bankensystem. Rohstoffvorkommen. Umwelt und Natur/ Naturkatastrophen, Politik. Verteilung, Armut, Hungerkrise, Flüchtlinge nach Iran, Usbekistan, Tadschikistan, PakistanKrieg/ Unruhen. Taliban. Andere Gruppen. Ideologie: Paschtunwali und Deobandismus. Afghanistan und Deutschland. Theodor Fontane. Katar. Afghanistan und China. Afghanistan und Russland. Afghanistan und Pakistan, Indien. Afghanistan und Iran/ arabische Länder. Gesundheit und humanitäre Hilfe. Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan. Quellen.

Iran: Bevölkerung und Geografie (auch Regionen, Fläche, Landesteile, Grenzen, bedeutende Städte). Minderheiten. Frauen im Iran. Shirin Ebadi, Apameh SchönauerVerhältnis Männer-Frauen, Geschichte, Wendepunkte und wichtige Ereignisse/ Zeitgeschichte,. Staatssystem. Politische Macht im Regime, Theokratie,  Jugend und Proteste/ Opposition. Besondere Qualität der jüngsten Proteste. Jina Masha Amini, Narges Mohammadi, Fischhändler von Rascht, Evin - Gefängnis. Todesstrafe. Distanzierung im Inland Proteste im Ausland. Resumee der Proteste, Volksmuschahedin (MEK) und Islamisches Zentrum Hamburg, Menschenrechte und UN-Menschenrechtsrat. Internet im Iran. IrnaAtomvertrag und -rüstung. Wirtschaft (Lage), Außenhandel, Bodenschätze/ Rohstoffe, Strontium als Monopol, Staatsverschuldung und Inflation, Suche nach Einnahmequellen, Schattenwirtschaft, Währung, Unternehmen, Aktuelles/ Wirtschaft. Bildung, Arbeitsmarkt. Verteilung, Mittelschicht. Wirtschaftssanktionen. EU-Abwehrgesetz, Iran/ Tauschbörse. Deutschland und Iran. Behzad Karim Khani, Nairi Baghranian, Masih Alinejad, Deutschland als Drehscheibe iranischer Unternehmen, Iran und China. Iran und Indien. Iran und Pakistan. Iran und Irak. Iran und Afghanistan. Iran und Israel. Iran und Türkei, Iran und Russland, Iran und USA. Iran und Saudi-Arabien. Iran und Syrien.  Iran und UN. Iran und Oman, Katar. Iran und Hamas sowie Hispola. Iran und Gazakrieg, Sicherheit, Rüstung und Militär. Al-Kuds-Brigaden. Iranische Raketen, Gesundheit. Heroin und Drogen, Marzipan, Kunst und Kultur (auch Sprache). Persische Mathematik Religionen (Schiiten, Zoroastrismus, Bahai). Salman Rushdie. Umwelt (Flora und Fauna, Wasser).Katastrophen. Quellen.

Malediven, Allgemein, Lage, Sprache, Religion, Politik, Wirtschaft, Währung, Tourismus, Beziehung zu China..

Sonstige (Ozeanien, eigentlich eigener Erdteil, aber sehr eng mit Asien verbunden. Australien, Neuseeland, Salomonen, Samoa, Vanuatu, Fidschi, Niue, Papua-Neuguinea, Tonga, Kiribati, Marshallinseln, Mikronesien, Nauru)

Vorderasien: 1 Türkei als Land,  2 Türkei, islamische Kultur und Verhältnis zu Deutschland, 3 Wirtschaftliche Verbindung zu Deutschland.  Saudi-Arabien, Israel, VAE (Dubai), Katar, Bahrain, Syrien, Libanon, Kuweit, Jordanien, Irak, Jemen, Oman, (Kurdistan). Weitere vorderasiatische Länder bei Economics/ special: Globalökonomik/ Ländergruppen, Länder. Dort finden sich auch Länder aus anderen Erdteilen. (z. B. Ägypten, Libyen, Algerien, Marokko, Tunesien). Die Entwicklungsländer Afrikas finden sich unter Globalökonomik/ Entwicklungsländer. Die Länder Mittel- und Südamerikas sind bei Globalökonomik/ Ländergruppen und Länder aufgeführt. Die Länder der EU bilden bei Globalökonomik/ EU eine eigene Kategorie. Weitere Länder Osteuropas sind bei Nachfolgestatten der ehemaligen Sowjetunion (oben) enthalten. Damit sind in meinem System nahezu alle Länder der Welt beschrieben.

Wirtschaftsintegrationen und wichtige Treffen bzw. Kooperationen (Asien-Pazifik-Region als künftiger Wirtschaftsschwerpunkt).

Nach dem Buch der Riten ist die Schildkröte in China eines der vier heiligen Tiere. Sie symbolisiert Kraft, Ausdauer, Festigkeit, Gesundheit  und langes Leben. Schon früh leitete man von ihr kosmische Bezüge ab (gewölbter Panzer als Versinnbildlichung des Himmelsgewölbes, glatte Unterseite als die auf dem Wasser schwimmende Himmelsscheibe). "Behold the turtle. He makes progress only when he sticks his neck out", James Bryant Conant, 1893-1978, American scientist, president of Harvard University. Als Pflanze und Heilkraut der Unsterblichkeit gilt in China Jiaogulan. Sie gilt als äußerst wertvoll für die Gesundheit und für mehr Lebensenergie. 2022 lebt die älteste Schildkröte der Welt auf St. Helena. Die Riesenschildkröte ist 190 Jahre alt.

          Aktuelle Lage und Entwicklungen (Daily news):

"Die Wahrheit in den Fakten suchen", Deng Xiaoping (Schöpfer des modernen, pragmatischen Chinas; 1997 gestorben; 1974 Ministerpräsident, 1977 wurde er wieder stellvertretender Ministerpräsident, 1978 und 1992 stellte er entscheidende Weichen in der Reformpolitik). 1974 reiste er als erster chinesischer Spitzenpolitiker in die USA. Damals konnte China kaum die Reisekosten bezahlen. Das Mitbringsel, eine Puppe, war so billig, dass sich ein Exil-Chinese erbarmte. Folgender Spruch von Deng anlässlich der Eröffnung der ersten Sonderwirtschaftszone Shenzhen 1980 ist auch berühmt: "Lasst den Westwind herein. Reichtum ist ruhmvoll!" Auch folgender Leitsatz ist bekannt geworden: "Verbirg deine Stärke und warte ab". Deng prägte die Ära nach Mao.Er leitete den Wandel eines isolierten Landes, das noch unter der Kulturrevolution litt, zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde - fast ein Wunder.  Seine Karriere war ein ständiges Auf und Ab. Mal war er allein, mal mit wichtigen Kumpanen unterwegs (Ye Jianying, Hua Guofeng, Hu Yaobang, Chen Yun, Zhao Ziyang, Li Peng, Jiang Zemin). Man kannte die Führung in China noch grob. Deng hatte auch als graue Eminenz noch die Macht, als er nur nur die Zentrale Militärkommission leitete (nach dem Motto von Mao: "Macht kommt aus den Gewehrläufen"). Zuletzt war er eine Art Diktator.  Zhongnanhai, das Hauptquartier der Partei neben der verbotenen Stadt, ist heute völlig intransparent. Hinzu kommt, dass die gegenwärtigen und ehemaligen Parteimitglieder an 95 der führenden Privatunternehmen hohe Aktienanteile haben. Heute gilt der Satz von China-Beobachter James Palmer: "Kein Mensch weiß irgendetwas über China: einschließlich der chinesischen Regierung". Das gilt besonders für die Wirtschaft, die im Grunde genommen auf Spekulation aufbaut und wahrscheinlich ziemlich überbewertet ist. "Kein Parteimitglied darf über der Partei stehen und tun und lassen, was ihm gefällt", Deng. Vgl. Dikötter, Frank: China nach Mao. Der Aufstieg zur Supermacht, Stuttgart (Klett-Cotta) 2023.

  China:                  (direkt zu Japan bzw. Sonstige Länder in Asien,

                               Indien (Kaschmir, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka),

                               Indonesien,   Korea, Vietnam, Malaysia,

                              Thailand, Singapur, Taiwan, Myanmar, Bhutan;

                              Russland, Iran, Mongolei, Afghanistan, Brunei

                              Kambodscha, Laos, Philippinen, Nepal

                              auch Australien & Wirtschafts-Integrationen )

                                                                                                             

Geschichte: Das in aller Welt gebräuchliche Wort "China" geht auf den Begründer des Kaiserreichs Shao Sheng zurück, der sich als Kaiser Chín Shi Huang ti nannte, nach seinem Herkunftsland Chin. Er vereinigte 221 vor Christus das in sieben Teilreiche zerfallene Land. Er begründete das chinesische Kaisertum, das in dieser Form 2133 Jahre bis zum letzten Kaiser Pu Yi im Jahre 1912 Bestand hatte (die berühmte Terrakotta-Armee (siehe unten) gehört zu den Grabbeigaben des ersten Kaisers. ER führte umfassende Verwaltungsreformen durch. Er ließ alle Bücher vernichten, damit er neu anfangen konnte. Andererseits war der erste Kaiser unvorstellbar grausam, so dass die Dynastie danach nicht lange Bestand hatte.  Danach kamen als Dynastien die Han, Xin, Jin, Sui, Tang, Song, Yuan, Ming und Qing. In der Ming-Dynastie erreichte der Außenhandel (hauptsächlich über die Seidenstraße) einen Höhepunkt. Porzellan und Seide konnte in Europa noch nicht hergestellt werden. Die Bezeichnung Sinologie - Chinawissenschaft kommt vom griechischen (seres) und lateinischen (serica) für "Land der Seide" vom chinesischen Wort für Seide (si). Die chinesische Flagge ist ein wichtiges Symbol: Auf rotem Untergrund prangt links ein großer gelber Stern, um den herum vier kleinere gruppiert sind. Der große Stern steht für Chinas kommunistische Partei. die vier kleineren stehen für die vier klassen: Arbeiter, Bauern, Kleinbürger und Bourgeosie. die Partei überragt tatsächlich alles. Vgl. auch:  Geschichte Chinas (wesentlich ausführlicher).

Dieses Foto ist in der German-Hall in Xi´an 2012 entstanden (Provinz Shaanxi, 40 km nordöstlich). Ein Großteil kann noch nicht ausgegraben werden, weil bei Sauerstoff-Kontakt die Farben sofort verfallen. Erst 1974 wurde die berühmte Terrakotta-Armee entdeckt. 700.000 Menschen (Soldaten, Sklaven, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene) sollen an dem Projekt gearbeitet haben. Bauern entdeckten beim Brunnengraben zufällig das Grab.  Xi´an war die erste chinesische Kaiserstadt, dann folgt Nanjing (erster Ming-Kaiser, Stadt auch durch die Geschehnisse um John Raabe bekannt; viele deutsche Unternehmen). Seit der Ming-Dynastie (3. Kaiser) und in der Qing-Dynastie (Mandschu) ist Beijing (Hauptstadt im Norden) das Machtzentrum. Heute spricht man von der Mao-Dynastie. Vgl. zur ausführlichen Darstellung der Geschichte "Chinesisches Kaiserreich, Geschichte Chinas"

Chin Shi Huang ti ließ auch andere imposante Bauwerke schaffen. Relativ spät in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurden die Grotten von Lonyou entdeckt. sie sind unter einem buddhistischen tempel verborgen. Sie haben gewaltige Ausmaße und sind mit den Pyramiden in Ägypten vergleichbar. Sie sind archetektonische Wunderwerke und zeugen von der Baukunst der Chinesen vor 2200 Jahren. Lange rätselte man über den Zweck.. Sie dienten wohl als Depot und Waffenlager.

Der größte Kaiser war wahrscheinlich der Ming-Kaiser Yongle (aber auch alkoholabhängig und dann grausam). Die Chinesen selbst nennen ihr Land Zhongguo = Reich der Mitte. Deguo = Deutschland ist das Land der Tugend. Das Hochchinesische "Mandarin" nennen die Chinesen Putonghua  (Allgemeine Sprache) , Zhongwen (Chinesische Sprache) oder Guoyu (Nationalsprache). Das alte, kaiserliche China sah sich als ein Reich, das "alles unter dem Himmel" ist (Tianxia, aus tian-Himmel und xia-darunter).  Die Farbe "Gelb" wurde erst im neunzehnten Jahrhundert den Chinesen zugeschrieben. Damals entstanden die Rassenlehren in Europa. Ursprünglich war "gelb" nur dem Kaiser in China als Farbe vorbehalten. Leute durften weder Gelb noch  Gold verwenden. Der Kaiser nannte sich unter anderem auch "Wan sui ye´" (ein Herr über zehntausend Jahre). Die Kaiser hatten eine hervorragende Infrastruktur aufgebaut (Straßen, Kanäle). Im 15. Jahrhundert hatte China die größte Flotte der Welt ("Schatzflotte"). Burma, Korea und Vietnam gehörten praktisch zu China. Die anderen Nachbarstaaten waren in einer Tributgemeinschaft. Erst 1949 wurde die VR China nach längerer kolonialer Vergangenheit von Mao wieder geeint (nach dem langen Marsch). Ab 1982 öffnete Deng das Land wieder nach außen. Der Untergang der Sowjetunion 1989 ist China ein warnendes Beispiel.

1958 war die Umschrift mit lateinischen Buchstaben fertig. Sie wurde Pinyin genannt. Schöpfer war Zhou Youguang. Er war Wirtschaftsprofessor in Shanghai.  Er war 50 Jahre alt, als ihn der Auftrag ereilte. Zhou schrieb auch ein Buch über die Vorteile von Buchstabenschriften beim Spracherwerb. Seit Jahrzehnten lernen chinesische Kinder und Menschen in aller Welt mit seinem System. Zhou lebt noch 2014 mit 108 Jahren in Peking bei seinem Sohn (Zitat: "Mao Zedong hat Mist gebaut"). Die Chinesen verfügen wahrscheinlich auch über die älteste Schrift der Welt. Sie entstand am Hohang-ho, am Gelben Fluss. Das war um 6.600 v. Chr.. Die Schrift hieß Jiahu - Schrift.

Heute, etwa 2017,  hat China nach 40 Jahren atemberaubenden Aufstiegs die Stellung einer Supermacht und damit wieder die Rolle zur Zeit Yongles in Asien und der Welt. Aber das Ende der Aufwärtsentwicklung der politischen, ökonomischen und technologischen Supermacht ist noch nicht erreicht. Spätestens 2050 wird China einsam an der Spitze stehen.  Vgl. auch Geschichte Chinas.

Konjunktur:  Die Wirtschaft wächst im 1. Quartal um 5,3% (Nationale Statistikamt). Experten zweifeln das an, weil sie nur mit 4,6% gerechnet hatten. Im März 2024 ist der Außenhandel wieder schwächer (-7,5% Exporte). Von Januar bis März 2024 stiegen auf Jahressicht Ein- und Ausfuhren um je 1,5%. Im 3. Quartal 23 wächst die Wirtschaft stärker als erwartet (4,9% im Vergleich zum 2. Quartal, Statistikamt). Im September 2023 gibt Turbulenzen auf dem Devisenmarkt. Die Währung bricht ein. Der Yuan fällt auf ein 16-Jahrestief (7,32 pro US-$; -6% seit Jahresanfang). Grund sind die wirtschaftlichen Probleme Chinas. Im August 2023 sind Chinas Ausfuhren um 8,8% zurückgegangen, die Importe um 7,3. Das ist weniger als von Experten erwartet; der Handel mit Deutschland hat überproportional gelitten (-13,9%). Im Juli 2023 bricht der Export um -14,5% ein (schwache Nachfrage aus den USA und Europa). Auch die Inlandsnachfrage sinkt (Importe -12,4%). Im ersten Halbjahr 2023 sinken die Industriegewinne um -15,5% . Quelle: NBS/ China 2023. China verliert an Bedeutung. Im Frühjahr und Sommer 2023 dümpelt die Wirtschaft schon vor sich hin. Im Juni 23 geht im dritten Monat in Folge die Produktion zurück. Die Exporte brechen auch ein: -12,4% im Jahresvergleich (in die USA -23,7%, nach Deutschland -15%). Gründe sind die Dynamik des Weltmarktes, Inflation und gestiegene -Zinsen und Energiepreise. Im April 2023 ist das Wirtschaftswachstum geringer als im März (Abkühlung). Im ersten Quartal 2023 erholt sich die Wirtschaft überraschend schnell. Das Wachstum liegt bei 4,5%, die Exporte steigen sogar um 14,5%. Im November 2022 bricht der Außenhandel ein: -9,5%; Exporte -8,7%; Importe -10,6% (gegenüber dem Vorjahresmonat, Hauptgrund: Null-covid-Politik)). Neue Lockdowns im November 2022 schüren Konjunkturängste (die Null-Covid-Strategie stranguliert die Wirtschaft). Im Oktober 2022 bricht der Außenhandel ein (-0,3% Exporte, 0,7% Importe, erstmals seit 2 Jahren; schwache globale Nachfrage): eine Hiobsbotschaft. Null-Covid wird 2022 zur Wachstumsbremse. Es gibt Vertrauensprobleme (Vorhersagbarkeit, Nachfrage). Im Juli 2022 legen die Exporte unerwartet stark zu (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; +18%; besonders stark Handel mit Russland +37,1%). Im 2. Quartal 2022 wird die Wirtschaft fast komplett ausgebremst (0,4% im Vergleich zum Vorjahreszeitrau; Null-Covid, Immobilienkrise). 2022 bricht der Binnenkonsum aufgrund flächendeckender Lockdowns und der Immobilienkrise ein. Die Chinesen konsumieren zu wenig. Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) fällt auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie (42,7 April 22). Hinzu kommen massive Kapitalabflüsse durch die Haltung Chinas im Ukraine-Krieg. Das Exportwachstum schwächt sich im November 21 etwas ab (+22% gegenüber 27,1% im Oktober). Ursache könnte eine Aufwertung des Yuan sein. Die Importe steigen im November um +31,7% (vor allem Kohle, um Energieknappheit zu lösen). Im November 21 belebt sich überraschend nach drei Monaten wieder die Industrietätigkeit (Einkaufsmanagerindex wieder knapp über 50, sinkende Rohstoffpreise und Lockerung der Stromrationierung).  Im September 2021 hält der Exportboom an, auch im Oktober (+27,1%). Der Energiemangel dämpft aber die Aktivitäten. Importe aus Deutschland sind gesunken. Im August kommen Wachstumssorgen in China: Der Einkaufsmanagerindex des Verarbeitenden Gewerbes schwächt sich ab, ebenso ist das Dienstleistungsgewerbe rückläufig. Die Umsätze im Einzelhandel (+2,5%) und die Industrieproduktion (+5,3%) bleiben hinter den Erwartungen zurück (Quelle: Staatliches Statistikamt). Im Juli 2021 schwächt der Exportboom etwas ab (19,3% gegenüber Vorjahresmonat). Im Juni 2021 steigen die Exporte sprunghaft da (+32,2% gegenüber dem Vorjahresmonat, 281 Mrd. $; Importe +36,7% 230 Mrd. $). Im Mai 2021 geht der Einkaufsmanagerindex (PMI) leicht zurück (von 51,1 auf 51 gegenüber dem Vormonat). Die Industrie wächst langsamer. Im 1. Quartal 2021 steigt das BIP um +18,3% an. Das ist das stärkste Wachstum in einem Quartal seit 30 Jahren. Vor allem der Export explodiert (Waren der Medizintechnik und für Homeoffice). Im Jahre 2020 wächst das BIP insgesamt um 2,3% (im letzten Quartal 6,5%; vor allem durch hohe Neuverschuldung; Quelle: NBSC). Im November 2020 gibt es einen Exportboom (+21,1% gegenüber dem Vorjahr). Im 3. Quartal 20 beträgt das Wachstum schon 4,9% (Industrieproduktion legt zu, auch Exporte; im Oktober 2020 sogar um 11,4% gegenüber Vorjahresmonat). Im 2. Quartal ist das BIP Chinas ist das BIP um 3,2% gewachsen (relativ zu anderen Ländern sehr positiv; Statistikbüro Chinas).  Im September 2020 steigen die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,9%: Der Außenhandel zieht weiter an. Im Juli 2020 zeigen sich die Ausfuhren deutlich erholt (+9,5% gegenüber dem Vorjahresmonat). Im April 2020 legt die Ausfuhr wieder zu (3,5% gegenüber dem Vorjahresmonat; Importe -14,2%). Im 1. Quartal 2020 bricht das BIP um -6,8% ein (Quelle: Nationales Statistikbüro).2020 gerät Chinas Außenhandel unter Druck. Auch die Wirtschaftsentwicklung insgesamt wird zunehmend vom Corona-Virus beeinträchtigt.  Januar und Februar 2020 ist die Industrieproduktion um -13,5% geschrumpft (gegenüber Zeitraum 2029, stärkster Einbruch seit 30 Jahren).  Die Anlageinvestitionen sinken um -24,5%. Die Einzelhandelsumsätze gehen um -20,5% zurück. 2019 ist der Zuwachs beim BIP so gering wie seit 30 Jahren nicht mehr (6,1%, Pekinger Statistikamt). Im 3. Quartal 2019 geht das Wirtschaftswachstum auf 6,0% zurück (niedrigster Wert seit 1992, damals Sanktionen wegen der gewaltsamen Niederschlagung der Demos). Ursachen sind der Handelskrieg mit den USA und selbst gemachte Probleme. Im April 2019 kommt es zu einem Exporteinbruch (2,7% binnen Jahresfrist). Im März 2019 sind die Exporte wieder unerwartet gestiegen (14,2% zum Vormonat, auch saisonaler Effekt des Neujahrsfestes im Februar). China senkt seine Wachstumsziele für 2019 (6,0 bis 6,5%; IWF geht von 6,3% aus; einige Experten befürchten 5,8%). Die Industrieproduktion ist im Januar und Februar 2019 nur um 5,3% gewachsen (schwächstes Wachstum seit 17 Jahren, Export bricht auch ein, Quelle: Nationales Statistikamt, März 2019).  Die Gewinne in der Industrie wachsen 2018 auch langsamer (nur noch 861 Mrd. € Überschuss, Quelle:  Statistikamt, insgesamt ist die Wirtschaft 2018 um 6,6% gewachsen). Ende 2018 gehen die Exporte um 4,4% gegenüber dem Vormonat zurück. Im dritten Quartal 2018 scheint der Handelsstreit mit den USA das Land doch zu bremsen (6,5%).  Es mehren sich Ende 2018 die Anzeichen, dass der Handelskrieg Chinas Wirtschaft bremst.  Im April 2018 steigt der Außenhandel noch kräftig an: 12,9% wuchsen die Exporte (Vorwegnahme?). Die Importe stiegen um 21,5%. Das mitten im Handelsstreit mit den USA. Für das 2.Quartal 2018 wird allerdings nur mit einem Wachstum des BIP von 6,7% gerechnet.  2017 droht Chinas Wirtschaft eine Flaute (steigende Staatsverschuldung, Zinswende in den USA; Überprüfung der Handelspolitik in den USA). Doch es kommt anders: das chinesische Wachstum ist erstmals seit sieben Jahren höher ausgefallen als im Vorjahr (6,9%).  Im Juni 2016 gehen Chinas Exporte um -4,8% zurück. Die Exporte wachsen langsamer als erwartet (Juli 2017: 7,2% gegenüber dem Vorjahresmonat; Importe +11%; August nur 5,5% gegenüber Vormonat). Doch Daten aus dem Ende 2016 zeigen China überraschend robust (Erzeugerpreise, Verbraucherpreise). Im ersten Quartal 2017 wächst die Wirtschaft sogar um 6,9% (allerdings hat Immobilienboom stark beigetragen). Im ersten und zweiten Quartal 2016 betrug das Wachstum 6,7% (niedrigster Wert seit 2009; Experten zweifeln diese Zahl noch an). Xu Shaoshi, Chinas oberster Wirtschaftsplaner, rechnet für 2016 mit 6,7% Wachstum. Im März 2016 haben erstmals wieder die Exporte zugelegt nach langer Durststrecke (halbes Jahr, 11,5% zum Vorjahresmonat). Im Oktober 2016 brechen die Exporte wieder ein (minus 7,3%). Das geht auf eine maue Weltwirtschaft zurück. Direkt zu Beginn des Jahres 2016 gibt es weitere Einbrüche am Aktienmarkt in Shanghai wegen des Rückgangs der Industrieproduktion (hohe Volatilitäten auch am Devisenmarkt). In den ersten zwei Monaten des Jahres 2016 sinkt die Industrieproduktion auf das niedrigste Niveau seit der Finanzkrise 2008. Die Wirtschaft verlor schon 2015 an Dynamik (das Wirtschaftswunder scheint dem Ende entgegen zu gehen; das Wachstumsziel für die nächsten Jahre wird auf 6,5% gekappt; die Industrieproduktion geht im Dezember 2015 im fünften Monat in Folge zurück). Ende Juni 2015 senkt die Zentralbank die Leitzinsen erneut, um die Konjunktur anzukurbeln (um 25 Basispunkte auf 4,85 %; vierte Reduzierung seit November 2014). Am 25.08.15 gibt es sogar eine weitere Senkung des Leitzinses auf 4,6%. Die Regierung steuert mit Steuersenkungen, Mehrausgaben und lockerer Geldpolitik dagegen. Der Hauptgrund für Rückgänge bei den Gewinnen sind sinkende Preise (Unternehmen versuchen mit hohen Rabatten ihre Marktposition zu verteidigen). Der Aktienmarkt ist hoch volatil (Blase in Shanghai; die größten 21 Broker stemmen sich gegen den Kurssturz; zuletzt muss der Staat eingreifen und Unternehmen aus dem Markt nehmen; am 27.07.15 weiterer Einbruch um 8%). Der nächste Einbruch ist am 24.08.15 um 8,5%. Dreimal wertet die PBoC den Yuan ab, um die Exporte anzuregen. Diese sind im Juli 2015 um -8,3% zum Vorjahresmonat eingebrochen (Staatliches Amt für Statistik China). 2014 und Anfang 2015 kommt die Wirtschaft trotz guter Exportquoten nicht in Schwung. Im ersten Quartal 2015 betrug das Wachstum nur 7% (vergleichbar 2009 nach der Finanzkrise 66,6%). Das Wirtschaftswachstum betrug 7,4% für 2014 (3. Quartal 7,3%; kleinere Firmen haben Probleme). Für 2015 werden nur noch 7% Wachstum erwartet (Renminbi vor Abwertung, Importe brechen ein, Bankenkrise, möglicher Immobiliencrash, "allgemeine gesellschaftliche Erstarrung"; 7% auch Prognose beim Volkskongress im März 2015). Das wäre das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert. Die Lage in China könnte die Wirtschaft weltweit beeinträchtigen. Im Februar 2014 brechen die Exporte sogar ein (-18,1%). Auch im März 14 sinken die Exporte um 6,6%, die Importe sogar um -11,3%. Im Mai 2014 wächst die Wirtschaft wieder wie seit fünf Monaten nicht mehr. Der Staat kurbelt die Konjunktur an. Das geringe Wachstum ist aber staatlich gewollt, weil die Wirtschaft neu strukturiert werden soll. Evtl. können doch 7,5% Wachstum erreicht werden (Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz legen spürbar zu; offizielle Prognose des Statistikamtes). Im zweiten Quartal 2014 lag das Wachstum schon bei 7,5%. Die Immobilienblase könnte platzen und das Land hätte seine eigene Finanzkrise. Die strukturellen Probleme und der Raubbau an der Natur rächen sich. Chinas Wirtschaft wächst Ende 2013 wieder schneller (Industrieproduktion November +10,1%; Dezember +10,3%) und gewinnt Anfang und Mitte 2013 an Zugkraft. Die Exporte sind im Februar 2013 im Vergleich zum Vorjahresmonat sprunghaft um mehr  20% gestiegen. Im Mai wachsen sie allerdings nur noch um 1%; im Juni gehen sie um 3,1% zurück. Die Wirtschaft wächst im ersten Quartal um vergleichsweise schwache 7,7%, im zweiten Quartal nur um 7,5% (schwächster Wert seit 22 Jahren). Im August 2013 steigen die Exporte unerwartet stark um 7,2% (in die südostasiatischen Länder um über 30%). Das Land leidet 2013 aber auch an einer Finanzblase (absurde Bauprojekte, riskante Anlagen); die Löhne steigen relativ stark an. Die neue Regierung will den Konsum ankurbeln (damit sänke die Sparquote und der Handelsbilanzüberschuss). Im dritten Quartal 2012 fällt das Wachstum auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren (große Überkapazitäten in der Stahlbranche). Im zweiten Quartal 2012 fällt die Wachstumsrate auf 7,6%. Auch die Inflation geht stark zurück, so dass sogar eine Deflation droht. Der Staat versucht, sich dagegen zu stemmen (kritische Schwelle 8%). Ein Mega-Konjunkturprogramm zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und gegen Arbeitslosigkeit wurde eingeleitet (885 Mrd. €). Fehlinvestitionen sollen aber vermieden werden (nicht Immobilien, sondern Schienen, Straßen und Kraftwerke). Die Zentralbank senkt im Juli die Zinsen weiter und lockerte die Mindestreserveanforderungen. Im ersten Quartal 2011 läuft die Wirtschaft noch heiß. Im dritten Quartal 2011 schwächt sich das Wachstum auf 9,1% ab, im vierten Quartal auf 8,9%. Das Wachstum flaut auch in China ab. Die Industrie schrumpft auch im Dezember. Insgesamt wird  9,2 % Wachstum für 2011 erreicht (2012 etwa 8%-8,5%, im März 12 auf 7,5% korrigiert, Weltbank-Prognose 8,2%). Die Inflation steigt auf den höchsten Stand seit 2008 (5,4%). Dann flaut die Wirtschaft, insbesondere die Produktion,  etwas ab (schlechte Nachfrage aus USA, Geldpolitik). Die wegen der Inflation harte Geldpolitik soll gelockert werden wegen einer Abschwächung der Weltwirtschaft. So ergibt sich Ende 2011 eine Stopp- (Leitzins und Mindestreservesatz erhöht) und Go-Politik (Verteilung von Geld und Krediten durch den Staat). Anfang 2012 wächst der Außenhandel deutlich langsamer. Der Mindestreservesatz wird im Februar 2012 wieder auf 20,5% gesenkt, um "eine harte Landung zu verhindern". Im Mai 2012 legen die Exporte wieder deutlich zu (+15,3%). Im ersten Quartal 2010 lag das Wirtschaftswachstum bei 11,9% (vor allem durch den Privaten Konsum getragen). Im Mai steigen die Exporte um 49% (Februar 2010 steigen die Exporte um 45,7%, die Importe um 44,7%). Chinas Importe wachsen im Herbst 2011 schneller als die Exporte (Wachstum aus eigener Kraft). Die Industrieproduktion stieg um 21%. Im März gibt es erstmals wieder einen Importüberschuss (7,24 Mrd. $, wegen Konjunkturprogramm). Allerdings steigt auch die Inflation um +2,7%. Dies zeigt China insgesamt als Gewinner der Krise und zunehmend als Anker der Weltwirtschaft. Allerdings gibt es 2010 auch Warnsignale für einen Crash an den Finanzmärkten (vor allem Immobilienmarkt, es könnte ein Preissturz kommen, es könnten Unruhen drohen). Damit zusammenhängend ist ein gewaltiger Bauboom. Mitte 2010 verdichten sich die Indikatoren für einen Zusammenbruch des Immobilienmarktes. Dieser würde auch die Banken mit in den Abgrund ziehen. Indizes deuten Mitte 2010 auch auf sinkende Produktion und Exporte (Auslaufen Konjunkturprogramme, Einschränkung der Kreditvergabe). Von Januar bis Juli 2008 ging der Außenhandelsüberschuss noch um 9,6% zurück (immer noch 123,7 Mrd. $). Im November 08 brechen die Exporte dramatisch ein (erstmals seit sieben Jahren Rückgang, -2,2%). 2009 wurden bis August 23,4% weniger exportiert als letztes Jahr. Noch schlimmer ist der Einbruch im ersten Quartal 09. So stellt sich im März 2010 erstmals seit sechs Jahren ein Handelsdefizit heraus. Von April bis Juni 09 wuchs die Wirtschaft allerdings wieder um 7,9%, für das Jahr 2009 beträgt das Wachstum 9,1% (letztes Quartal 10,7%). Die Produktion ist danach gegenüber dem Vorjahr um 12,3% gestiegen. Würde das Wirtschaftswachstum unter 8% betragen, wäre höhere Arbeitslosigkeit die Folge, man braucht mindestens 8%; geringstes Wachstum seit 17 Jahren; immerhin als einzige der großen Volkswirtschaften noch relativ hohes Wachstum mit 8,7% 2010. Die Krise trifft Exportfirmen und mittelgroße Firmen besonders hart. Die Regierung macht im Herbst 2008 ein Konjunkturprogramm . Mit weiteren großen Ausgabenprogrammen, die die Sozialversicherung und den Finanzsektor weiter ausbauen, sollen die Sparquote gesenkt und der Konsum angeregt werden. Der Konsumanreiz gelingt 2009 nicht wie erhofft. Ab Juni 2009 ist wieder ein Zuwachs der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe zu beobachten (schon im ersten Halbjahr hat die Produktion wieder um 7% zugelegt). Durch die Bindung an den Dollar profitiert China bei den Exporten. Der Stahlboom hält an, China scheint über Bedarf zu produzieren. Es drohen Überkapazitäten und eine Überflutung der Märkte mit Billigprodukten. Auf dem Immobilienmarkt droht einen Überhitzung. Der Staat drosselt die Kreditvergabe der Banken. "Wenn China bebt, erzittert die Welt", Alain Peyrefitte, 1973.  Seit Oktober 2007 hat der Shanghai-Index rund 60% verloren. In Folge der Hypothekenkrise in den USA kommt es zu weiteren Kurseinbrüchen. Am stärksten am 21. 01.08 (größter Abfall seit 11.09.01). Nach der amerikanischen Leitzinssenkung durch die Fed um drei Viertel Prozentpunkte begann eine Berg- und Talfahrt an den asiatischen Aktienmärkten (-26% Hang Seng gegenüber dem Höchststand 2007, CSI Shanghai 2008 -30%). Weitere dramatische Kurseinbrüche gibt es nach der Pleite von Lehman Brothers. Ebenso nach Ablehnungen des Rettungspakets in den USA (auch Nikkei, Sensex) und am 06.10.08 (Einbruch beim Hang Seng). 2008 verzeichnet der MSCI China Index einen Rekordverlust von 53%. Im ersten Quartal 2009 steigt er um 50%! Mitte 2009 herrscht wieder Euphorie und die Kurse steigen weiter (bis Mitte 2009 ca. 50%). Am 19.08.09 kommt es zu einem Einbruch. In China könnte vor einer Situation wie Japan in den Neunziger Jahren stehen. Die Zinsen werden mehrmals gesenkt. Im März 2007 bricht der Handelsüberschuss ein. China verdrängt 2006 Deutschland von der dritten Stelle der Automobilproduzenten (hinter den USA und Japan, das wohl 2007 überholt wird). 2006 wächst der Autoabsatz um 40%. Die Regierung setzt seit 2006 auf einen Wachstumskurs mit mehr Konsum und weniger Exporte. Die heimische Nachfrage soll den Exportrückgang auffangen. Die Regierung schnürt im November 2008 ein Konjunkturprogramm in Höhe von 450 Mrd. $, das vor allem der Infrastruktur zugute kommen soll. Durch die Initiativen lokaler Regierungen wuchs es auf 1,2 Bill. €. Im März 2009 wird das Programm noch erweitert (465 Mrd. € werden bereitgehalten). Es herrscht die größte Energieknappheit seit 20 Jahren, es droht eine Trinkwasserkrise; das starke Wirtschaftswachstum bedroht insgesamt die Umwelt. China kümmert sich verstärkt um Afrika: bis 2010 soll der Handel auf 100 Mrd. $ verdoppelt werden; China ist besonders an Rohstoffen interessiert. Ende Januar 2007 besucht Hu Jintao zum 2. Mal binnen eines Jahres den Kontinent (mit 3 Mrd. $ Krediten). "China hat anderen Ländern nie seinen Willen aufgezwungen und wird das auch in Zukunft nicht tun", Hu Jintao zu dem Vorwurf, sein Land wolle Afrika kolonialisieren. 2007 rückt China an die 2. Stelle der Exportländer und wird voraussichtlich 2009 Deutschland als Exportweltmeister ablösen. Befristete Sonderangebote werden wegen Tod durch Drängelei verboten. Der Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft ruft kurz vor Beginn der Olympischen Spiele zu einem fairen und vertrauensvollen Umgang der Deutschen mit China auf. Bei einem Besuch von Wirtschaftsminister Gabriel in China im Juli 2015 wird eine Absichtserklärung über eine engere Kooperation der Industrie unterzeichnet (mit Industrieminister Miao Wei). Ende Mai 2017 senkt erstmals seit 1989 die Ratingagentur Moody´s die Kreditwürdigkeit Chinas (von Aa3 auf A1). Ende Mai 2017 besucht der chinesische Premierminister Li Keqiang Deutschland (China ist wichtigster Handelspartner als Einzelland). Am 01.06.17 gibt es einen Wirtschaftsgipfel zwischen EU und China in Brüssel. Gemeinsam lehnen sie Trumps Isolationspolitik ab. Das nächste Gipfeltreffen zwischen der EU und China findet am 16.07.18 in Peking statt. Es wird ein Wirtschaftsabkommen beschlossen. 16 Bergleute sterben bei einem Grubenunglück im September 2020 im Südwesten Chinas (nahe der Millionenmetropole Chongqing). Chinas Gruben gelten als die gefährlichsten der Welt. Jedes Jahr kommen tausende von Bergarbeitern ums Leben. Die Aufsicht der lokalen Behörden funktioniert nicht. Viele Unglücke werden auch vertuscht. Die Regierungskonsultation findet am 28.4.21 zum zehnten Mal statt (Merkel, Le Keqiang, Kabinette). Sie ist virtuell, Gastgeber ist China. Sie bei den Geschäften erfolgreicher als bei den Menschenrechten. Außer Menschenrechten geht es um die Zusammenarbeit der Wirtschaft bei Klimaschutz und Gesundheit. Die Konsultationen finden alle zwei Jahre statt.  "China überspringt gerade mehrere Entwicklungsstufen, für die Europa Jahrzehnte brauchte", Jürgen Hambrecht, vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses und BASF.

Gesellschaft, Politik und Reformen: Der steigende Reformstress und der wachsende Abstand zwischen Armen und Reichen führt zu einer wachsenden Zahl gewaltsamer Auseinandersetzungen, vor allem in den armen Provinzen (z. B. in Donzhou: 20 Tote bei Protest gegen Enteignung für ein Windkraftwerk, zum Ausgleich fehlt ein funktionierendes Rechtssystem),  das Einkommen der Bauern hält dem schnellen Wachstum nicht stand, Wanderarbeiter sterben zu Tausenden (weniger als 20% aller Erwerbstätigen sind in einer Sozialversicherung). Chinas Bergwerke sind die gefährlichsten der Welt. Ein schweres Unglück ist im November 2009 mit 104 Toten. Das letzte schwere Unglück ist im April 2010 in der Provinz Shanxi. 115 Kumpel können gerettet werden. Vom 15. 10. - 20. 10. 07 fand der 17. Parteitag der KPC statt, wo die Richtlinien für die zukünftige Politik aufgestellt werden.  Das "blinde Wachstum" soll beendet werden (gerechtere Verteilung des Wohlstands und mehr Umweltschutz). Außerdem konnte Hu Jintao mehr Anhänger in den ständigen Ausschuss des Politbüros (9 Mitglieder) hineinholen . Ab 5. März 2007 fand der Nationale Volkskongress für 10 Tage statt, auf dem knapp 3000 Delegierte den 5-Jahresplan beschlossen (Vorsitzender: Wu Bangguo).  Es ging u. a. um ein umweltfreundliches Wirtschaftswachstum (Energie sparen, geringere Verschmutzung), mehr Gerechtigkeit und ein neues Eigentumsrecht. Bis Mitte März 2008 findet wieder der Nationale Volkskongress statt. Die Regierung soll transparenter werden: die 28 Ministerien, 37 Zentralbehörden und 29 Koordinationsstellen sollen transparenter und verringert werden. Xi Jinping, auch Präsident der Parteihochschule, soll zum stellvertretenden Staatspräsident gewählt werden, Li Keqiang zum stellvertretenden Ministerpräsidenten. Vom 05.03. bis 19.03.2009 berät der Nationale Volkskongress über die Wirtschaftskrise. Die steigende Arbeitslosigkeit schürt die Furcht vor Unruhen. Auf dem am 05.03.10 beginnenden Volkskongress wird versucht, den Immobilienmarkt abzukühlen. Der überhitzte Immobilienmarkt ist die Schattenseite des Booms. Mao-Nachfolger Hua Guofeng starb im August 2008. Auch China beteiligt sich mit zwei Zerstörern an der Piratenjagd vor Somalia (erstmals seit 200 Jahren außerhalb Chinas). Bei einem Besuch der US-Außenministerin Hillary Clinton in China im Februar 2009 vereinbaren beide Länder mehr Kooperation in der Wirtschaftspolitik. Im Frühjahr 2009 will sich China in europäische Firmen einkaufen. Mitte März 2011 beschließt der Volkskongress wieder einen neuen Fünfjahresplan: 1,5 Billionen Dollar werden in die Schlüsselindustrien investiert (Erneuerbare Energien, Informationstechnologie, Elektroautos). 45 Flughäfen werden gebaut.  "...Und wenn sie ihre Bäume rot anstreichen, können wir das zwar komisch finden, die kulturellen Unterschiede sollten wir bei der Beurteilung dieser Spiele aber nicht vergessen, Jochen Zeitz, Puma, im Handelsblatt Nr. 163, 22.08.08, S. 7.

In China gibt es mittlerweile 300.000 Dollar-Millionäre und 64 Dollar-Milliardäre (2010, Forbes). Anwohner sollen die chinesische Mauer vor Vandalismus schützen. Anlässlich der Olympischen Spiele hat die KP im Sommer 2006 eine Benimm-Kampagne für Chinesen gestartet. Sie richtet sich an Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und an Manager von Staatsbetrieben. Über 2 Mio. Menschen wurden wegen der Spiele umgesiedelt. Ca. 45% aller in China verkauften Bücher, Filme, CDs und Computerprogramme sind Raubkopien (Xinhua). Die Kontrolle ausländischer Presseagenturen wird verschärft (Xinhua hat Vorzensur).  Für Olympia 2008 wird auf Zeit die Pressefreiheit gelockert. 2005 übernachteten ca. 850.000 Chinesen in Deutschland (70-80 Mio. können sich eine Auslandsreise leisten). Michael Schäfer wird neuer deutscher Botschafter in China. Die chinesische Führung stockt 2007 ihre Truppen im muslimischen Gebiet "Xinjiang" auf in der Furcht vor Unruhen. China stoppt den Organ-Tourismus 2007 (2005 zwischen 15.000 und 20.000 Organverpflanzungen bei Ausländern für durchschnittlich 60.000€). Ende März 2007 besucht der chinesische Präsident Hu Jintao Russland, das ein wichtiger Energielieferant ist (strategische Partnerschaft bei Öl und Gas). Ende Mai 2007 besucht Bundespräsident Köhler China: die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Umweltschutz, Energie und Kultur soll verstärkt werden. Die chinesische Polizei zerschlägt 2007 einige Menschenhändlerringe, die auch Kinder als Sklaven gehalten haben. Am 01.07.07 feiern Hongkong und China den 10. Jahrestag der SVZ ("Ein Land, zwei Systeme"). Der Chef der Aufsichtsbehörde Für Lebensmittel und Arzneien Zheng Xiaoyu wurde Mitte 2007 hingerichtet. Angesichts drastisch steigender Lebensmittelpreise, insbesondere von Fleisch, fürchtet die Regierung im Sommer 2007 soziale Unruhen. Bei ihrem China-Besuch Ende August 2007 mahnt die Bundeskanzlerin die Einhaltung der internationalen Spielregeln an. Ende August werden 5 Minister ausgewechselt. Der Dalai-Lama-Besuch im Kanzleramt bei Frau Merkel erzürnt die Regierung in Peking, sie sagt mehrere Gesprächstermine ab. (Die Bundesregierung unterstützt das Autonomiestreben Tibets). Auch die Imagekampagne "Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung", die drei Jahre laufen sollte, ist ins Stocken geraten. Am 28.11.07 fand der EU - China - Gipfel in Peking statt. Erst im Januar 2008 wird die diplomatische Krise zwischen Deutschland und China beendet. Ende Januar 2008 zum Frühlingsfest wird China von der größten Schneekatastrophe seit Jahrzehnten heimgesucht (Schäden in Höhe von 5 Mrd. €). Demonstrationen und Proteste  in Tibet (Autonomie, Religionsfreiheit) im März 2008 werden gewaltsam niedergeschlagen. Die Unruhen greifen auch auf andere Provinzen über. Der Dalai Lama spricht von "kulturellem Völkermord". China lehnt den Dialog mit dem Dalai Lama ab. Zehntausende ausländische Studenten müssen während der Olympischen Spiele das Land verlassen. Auch Geschäftsvisa aus Hongkong werden verschärft. Am 12. Mai 2008 gibt es ein schweres Erdbeben in der Provinz Sichuan (über 70.000 Tote). Zerstört wurde auch das Venedig des Ostens Dujiangyan, das zu den drei Weltwundern der chinesischen Antike zählt. Der Wiederaufbau dürfte insgesamt mindestens drei Jahre dauern und ca. 500 Mrd. Yuan (50 Mrd. €) kosten. Deutschland leistet Hilfe durch mobile Krankenhäuser und den Wiederaufbau von Schulen. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi erklärt die Beziehungen offiziell wieder für normal. Im April 2010 gibt es ein schweres Erdbeben in der Provinz Qinghai (12.00 Verletzte, 100.000 Menschen ohne Wohnung). Vor den Olympischen Spielen legt die Regierung das Programm "soziale Harmonie und Stabilität schützen" auf, um gegen Kritiker in den Provinzen vorzugehen. In West-China führen die Uiguren mehrere Attentate durch. Die auch für die internationale Presse verhängte Internetzensur wird kurz vor Beginn der Spiele gelockert. Die Spiele wurden am 08.08. 2008 eröffnet. Nach dem Ende der Paralympics wird das Fahrverbot einzelner Tage in Peking beibehalten. Eine Chemikalie (meist Melamin) im Milchpulver verschiedener Hersteller (20 Firmen) macht in China über 50.000 Kinder krank.  Der Chef der Qualitätskontrolle tritt zurück. Deutsches Milchpulver soll den Bedarf decken. China lässt Ende Nov. 08 den China- EU-Gipfel platzen, weil Sarkozy den Dalai Lama treffen will. 2009 wird ein neuer "Gedenktag der Befreiung der Leibeigenschaft" der Tibeter vor 50 Jahren verkündigt (Propaganda: das Gute soll das viele Schlechte in Begleitung der gewaltsamen Kollektivierung übertünchen). Dieser Gedenktag der Machtübernahme in Tibet vor 50 Jahren wird am 28. März 09 gefeiert. Die chinesische Regierung veröffentlicht im April 2009 einen Aktionsplan für Menschenrechte (stärkerer Rechtsschutz, Einkommensverbesserungen, erweiterte Möglichkeiten für Rechtsbeschwerden). Die geheimen Memoiren vom ehemaligen KP-Chef Zhao Ziyang über die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 geben tiefe Einblicke in die Struktur der KPC. Der wichtigste Dissident Chinas Bao Tong gibt am 18. Mai 09 ein viel beachtetes Interview im Handelsblatt. Ende Juni 2009 kommt es zu schweren Unruhen in der zentralchinesischen Provinz Hubei. Im Juli kommen bei Unruhen von Uiguren in der westchinesischen Provinz Xinjiang über 200 Menschen ums Leben (die muslimischen Uiguren fühlen sich von den Han-Chinesen unterdrückt, es gibt später 200 Gerichtsverfahren). Vor dem 60. Geburtstag der Staatsgründung am 01. 10. wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt (Ausländer nicht nach Tibet, Ring um Peking, strenge Kontrolle). Die Feierlichkeiten wurden mit einer gewaltigen Parade begangen. Der Ehrenpräsident des chinesischen PEN-Clubs, Liu Xiaobo, muss elf Jahre ins Gefängnis. Ende 2009 wird das Grab des legendären Herrschers Cao Cao bei der Stadt Anyang in der Provinz Henan entdeckt. 2010 will sich Google aus China zurückziehen wegen der Zensur. Peking droht den USA mit Sanktionen wegen der Waffenlieferungen an Taiwan. Der private Empfang des Dalai Lama bei Obama belastet die Beziehungen weiter. Im Süden Chinas wurden Mitte 2010 1,4 Mio. Menschen wegen einer drohenden Hochwasserkatastrophe evakuiert. Beim Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in China im Juli 2010 sollen die Beziehungen beider Länder auf eine völlig neue Ebene gestellt werden (Zusammenarbeit bei der Reform der Finanzmärkte und beim Kampf gegen Klimawandel). Im September 2010 löst Premier Wen Jiabao in der Staatsspitze einen Streit über die Zukunft der Reformpolitik aus ("Donner ohne Regen"?). 2010 bestimmt China den zukünftigen Partei- und Staatschef: Xi Jinping. Auf den Friedensnobelpreis an Liu Xiabao reagiert die chinesische Führung hysterisch und erfindet sogar einen Gegennobelpreis, den Konfuziuspreis. Ende 2010 startet der oberste Korruptionsbekämpfer Wu Yuliang eine neue Kampagne gegen "Extravaganz und Verschwendung". Verschwenderische Exzesse der Spitzenfunktionäre kosten Milliarden. Im Januar 2011 besucht Chinas Präsident Hu Jintao die USA. 2011 wird die Todesstrafe für zahlreiche Verbrechen abgeschafft. Im April 2011 wird der Künstler Ai Weiwei verhaftet (Wirtschaftsverbrechen lautet die Anschuldigung). Vor dem Deutschland -Besuch der Regierung wird er freigelassen zusammen mit dem Menschenrechtsaktivisten Hu Jia. Beim Besuch werden Wirtschaftsverträge in Höhe von 10,6 Mrd. € unterzeichnet. Jeder 50. ausländische Tourist kommt mittlerweile aus China. 2012 bekommt China wahrscheinlich eine neue Doppelspitze: Xi Jinping und Li Keqiang. Im Februar 2012 besucht die Bundeskanzlerin Merkel China (fünfte Mal als Kanzlerin, Hilfe bei der EU-Schuldenkrise, Werbung für chinesische Direktinvestitionen in D.). Am 05.03.12 beginnt wie jedes Jahr der Volkskongress in der Großen Halle des Volkes in Peking (3000 Mitglieder). In den mittleren und niedrigen Gehaltsgruppen soll das Einkommen erhöht werden, um die Binnenkonjunktur zu stärken. Die Abhängigkeit vom Außenhandel soll verringert werden. Es wird ein neues Gesetz für Geheimarrest beschlossen. Im Herbst 2012 ist dann der Kongress der Kommunistischen Partei, bei dem die neue Parteiführung gekürt wird. Der Vorsitzende der KPC in der Metropole Chongqing ist im März 2012 seines Amtes enthoben worden (Bo Xilei, er galt als kommender Star, Sohn eines der "acht Unsterblichen"). Angeklagt wird seine Frau. Im September 2012 wird Bo aus allen Parteiämtern ausgeschlossen (vom Parteikongress im Herbst 2012 bestätigt; auch Ausschluss von Liu Zhijun). Im September 2013 wird Bo zu lebenslänglich verurteilt. Im April 2012 flüchtet der Regimekritiker Chen in die amerikanische Botschaft in Peking, verlässt sie zu einem Klinikaufenthalt. Er kann die USA ausreisen. Im Mai 2012 weist China erstmals seit 14 Jahren wieder die Journalistin Melissa Chan von Al Jazeera aus. Im August 2012 tagt die gesamte Führungselite der KPC in Beidaihe (Badeort 100km östlich von Peking). Von heftigen Machtkämpfen wird berichtet. Ende August 2012 besucht die Bundeskanzlerin Merkel zum sechsten Mal in ihrer Amtszeit China (regelmäßige Regierungskonsultationen nur mit 6 Ländern, Wirtschaftsverträge im Volumen von 4,8 Mrd. €). Im September 2012 ist der künftige Staatschef Xi Jinping für längere Zeit verschwunden. Er taucht wieder auf (es gibt in China Gerüchte über einen Putschversuch seines ärgsten Widersachers). Der chinesische Schriftsteller Mo Yan bekommt den Literaturnobelpreis 2012. Er verteidigt in der Folgezeit die Zensurpolitik Chinas und gerät immer mehr in die Kritik. Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu erhält den Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2012 (vier Jahre wegen eines Gedichts im Gefängnis, lebt seit 2011 in Berlin). Ende Oktober tauchen im Internet Informationen über die Vermögensverhältnisse von Premierminister Wen Jiabao auf: Milliardär (2,1 Mrd. €), Familie in Führungspositionen. In China werden die Seiten gesperrt; die Familie dementiert (wahrscheinlich zum Teil US-Propaganda). Der zukünftige Premier Li Keqiang ist der erste Wirtschaftswissenschaftler an der Spitze. Der 18. Parteitag mit 2200 Delegierten wählt im November 2012 die neue Führungsspitze. Weitere Themen: Korruption und stärkere Binnenmarkt-Orientierung. Auf neuen chinesischen Reisepässen werden schon Gebiete der Volksrepublik zugerechnet, die andere Länder als ihr Territorium betrachten. Beim zehntätigen Volkskongress 2013 (2978 Abgeordnete) , der am 05.03. beginnt wird der Machtwechsel vollzogen. Xi Jinping wird auch zum neuen Präsidenten gewählt. Li Keqiang wird zum Ministerpräsidenten ernannt. Die Themen sind die gleichen geblieben (Gegensatz zwischen Arm und Reich/ Wohlstandsgefälle, Korruption, Umweltverschmutzung, Verschuldung der Kommunen/ Fehlinvestitionen, Demokratisierung, Immobilienpreise in den Zentren). Ein Erdbeben im Südwesten Chinas (Provinz Sichuan, Region Ya ´an (eine Geburtsstätte der Teekultur, Panda-Bären-Zentrum), 140 km von Provinzhauptstadt Chengdu) richtet im April 2013 großen Schaden an. Über 150 Menschen sterben, über 5500 werden verletzt. Im Mai 2013 wird der Vizechef der Zentralen Planungsbehörde wegen Korruption entlassen. Im September 2013 befreit die Polizei 92 Kinder aus der Hand von Menschenhändlern (einträgliches Geschäft bei der Ein-Kind-Politik). Mitte November tagt in Peking das "Dritte Plenum des 18. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei" (376 mächtigsten Männer und Frauen Chinas). Es sollen umfassende Reformen beschlossen werden. In den letzten Jahren war die Wirtschaftspolitik zu stark auf Großunternehmen und den Export ausgerichtet. Die Umwelt leidet, gigantische Überkapazitäten wurden aufgebaut. Dies ist auch auf die lokalen Kader zurückzuführen, die die vollständige Kontrolle über Unternehmen und Investitionen behalten wollen. Folgende Richtungen werden vorgegeben: 1. Weniger Staat, mehr Markt; 2. Weniger Export, mehr Binnenkonsum; 3. Mehr Rechte für die Landbewohner. 4. Lockerung der Ein-Kind-Politik und Abschaffung der Umerziehungslager. Ende 2013 feiert China den 120. Geburtstag von Mao (vor 37 Jahren verstorben). Es läuft eine 30-teilge Serie im Fernsehen; eine Statue in Gold wird enthüllt. Offshore-Leaks enthüllt im Januar 2014, dass ein Großteil der Parteielite Billionen Dollar in karibischen Steueroasen bunkert. In der Stadt Kunming in der südwestchinesischen Provinz Yunnan richten zehn schwarz gekleidete Menschen mit Messern im März 2014 ein Blutbad an (33 Tote, alle Täter werden gefasst, wahrscheinlich uigurische Separatisten). Am 05.03.14 wird der Nationale Volkskongress in Peking eröffnet. Der Militärhaushaushalt wird massiv aufgerüstet (+12,2%; +96 Mrd. €; aber unter 1,4% am BIP; weltweiter Durchschnitt 3%); aber man will sich weiterhin außenpolitisch zurückhalten. Ein Schwerpunkt des Kongresses ist die Umweltsituation in den Großstädten, insbesondere in Peking. Die Industrie wird als Verursacher ausgemacht und soll Strafgebühren zahlen. Im März 2014 reist die US-Präsidentengattin mit Töchtern und Mutter eine Woche nach China (Kulturtrip). Ende März besucht der chinesische Präsident und Parteichef Xi Jinping Deutschland. Es werden gegenseitige Investitionen vereinbart. Beide Länder wollen bei der Lösung internationaler Konflikte enger zusammenarbeiten ("strategische Partnerschaft", Angela Merkel). Im April 2014 wird in Berlin eine Ausstellung des chinesischen Künstlers Ai Wei Wei eröffnet (er selbst darf nicht ausreisen). Beim Besuch des Wirtschaftsministers Gabriel mit einer Wirtschaftsdelegation in China kann kein Regimegegner getroffen werden (Sicherheitsapparat verhindert). Schwerpunktthema ist Umweltschutz und Energieeffizienz. Im Juli 2014 reist Kanzlerin Merkel mit einer Wirtschaftsdelegation nach China. Erste Station ist Chendu, die Hauptstadt von Sichuan im Südwesten. Dort besucht sie auch ein VW-Werk und ein Sozialprojekt für Kinder von Wanderarbeitern. 2014 kommt ein Gammelfleischskandal in China zu Tage. Beliefert wurde auch McDonald´s (auch in Japan). Gegen den Ex-Sicherheitschef Zhou Yongkang wird 2014 wegen Korruption ermittelt (Disziplinarkommission der KPC). Beim stärksten Erdbeben seit Jahren in Chinas südwestlicher Provinz Yunnan sind ca. 380 Menschen ums Leben gekommen. Ende September gibt es Demonstrationen in Hongkong (Sonderverwaltungszone; globale Zentrum für den Devisenhandel mit Yuan; Motto: occupy-central). Viele Bürger wehren sich gegen Einschränkungen der Demokratie bei der Nominierung der Kandidaten. Im Oktober gibt es auch Zusammenstöße mit der Polizei. Im Dezember 2014 steht die Occupy Central - Bewegung vor dem aus. Führende Köpfe stellen sich der Polizei.  Im Oktober 2014 finden in Berlin die dritten deutsch - chinesischen Wirtschaftskonsultationen statt. Ministerpräsident Li Keqiang kommt mit einigen Ministern und Wirtschaftsführern, um Wirtschaftsvereinbarungen zu treffen. Es geht um ein Volumen von zwei Mrd. Euro. Die Kommunistische Partei Chinas hat Ende 2014 den einst mächtigen Sicherheitschef Zhou Yongkang verhaften lassen wegen Bereicherung und Staatsverrat (auch Mentor von Bo Xilai). Als weiterer "Tiger" (Funktionär des obersten Machtzirkels) gerät Ling Jihua (Büroleiter von Hu Jintao) unter Korruptionsverdacht. Man scheint systematisch Seilschaften und Clans anzugehen. Auch der stellvertretende Außenminister wird abgesetzt. Bei den Silvesterfeiern sterben in Shanghai 36 Menschen und über 40 werden verletzt, weil eine Massenpanik ausbricht als vermutetes  Geld aus einem Hochhaus geschmissen wird (Ursache ist umstritten). Ab 2015 soll die Entnahme von Organen bei Hingerichteten eingeschränkt werden. Genen den stellvertretenden Minister für Staatssicherheit Ma Jian wird im Januar 2015 wegen Korruption ermittelt. Am 05.03.2015 treffen sich die 3000 Delegierte zum alljährlichen Volkskongress in Peking. Das Budget der Armee soll um 10% angehoben werden (vor allem für die Marine; Militärausgaben liegen bei 2% des BIP). Sie umfasst 2,11 Mio. Soldaten, die als militärischer Arm direkt der Kommunistischen Partei untersteht.  Mitte März 2015 wirft ein Kampfflugzeug aus Myanmar irrtümlich eine Bombe auf die Provinz Shan (im Grenzgebiet wird eine ethnische Minderheit bekämpft). Am 01.06.2015 kentert ein Schiff (Stern des Orients) auf dem Yangtse auf dem Weg nach Chongshing bei Jianli in der Provinz Hubei (über 400 Passagiere, nur wenige können gerettet werden, Fluss ist an dieser Stelle über 15 Meter tief, überwiegend chinesische Touristen, Ursache Wirbelsturm). Die von China gewollte Wahlreform in Hongkong scheitert (Pekingtreue Abgeordnete fehlen). Bei landesweiten Razzien Mitte 2015 haben die Behörden Tonnen weise gefrorenes Gammelfleisch beschlagnahmt (teilweise aus den frühen 1970er). Rund eine Million Menschen werden an der Ostküste des Landes vor einem Taifun in Sicherheit gebracht (Zhoushan in der Provinz Zhejiang). Chinas Regierung lässt im Juli 2015 mindestens 50 Bürgerrechtler festnehmen. Im August 2015 fliegt ein Treibstofflager in Tianjin in die Luft. Am 03.09.2015 feiert man in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens den 70. Jahrestag des Sieges über Japan. 2015 nimmt die chinesische Führung mit einem neuen Gesetz ausländische Nichtregierungsorganisationen (NGO) ins Visier (z. B. Registrierung beim Sicherheitsapparat, nicht nur vom Ausland finanziert, Hälfte der Mitarbeiter Chinesen). Am 22.09.2015 beginnt der USA-Besuch von Staatspräsident Xi Jinping. Am 29./30.10.15 besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel China. Es geht um Wirtschaftsfragen (Wirtschaftsabkommen von 20 Mrd. €; Abkommen zum Verzicht auf Computerspionage) und aktuelle Krisen. Erstmals seit dem Bürgerkrieg wollen sich die Präsidenten von China und Taiwan in Singapur treffen. Dies geschieht am 07.11.15. Die Staatschefs Ma Ying-Jeou und Xi Jinping zeigen nach 66 Jahren Feindschaft einen historischen Handschlag. Vier Tage lang verschwindet Fosun-Gründer Guo Guangchang (Verhaftung wegen Korruption?). Nach einem Erdrutsch im südchinesischen Shenzhen am 20.12.2015 sind mehr als 60 Menschen vermisst. 2016 gibt es Massenbetrug: 900.000 Anleger haben umgerechnet 7 Mrd. Euro Schaden (durch die Firma Ezubao). Am ersten Märzwochenende kommen wieder die Delegierten des Nationalen Volkskongresses in Peking zusammen. Der 13. Fünfjahresplan soll beschlossen werden. Die Volksrepublik steht vor schmerzhaften Strukturreformen. 2016 zieht die Regierung die Schrauben der Staatssicherheit weiter an: Ausländische Stiftungen und NGOs werden stärker kontrolliert. Am 12. und 13.06.2016 besucht die Bundeskanzlerin China mit einer Delegation von Ministern und Staatsekretären zu den vierten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen. Merkel pocht auf Rechtsstaatlichkeit in China und warnt vor Handelskonflikten. Es sind auch Wirtschaftsvertreter dabei (Siemens, Thyssen, BASF). 20 Verträge sollen abgeschlossen werden. Im September 2016 führen China und Russland ein gemeinsames Manöver im südchinesischen Meer durch. Am 1. November 2016 besucht Wirtschaftsminister Gabriel mit einer 60-köpfigen Wirtschaftsdelegation Peking. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen. Es  geht auch um chinesische Investoren in Deutschland und Errichtung von Hürden. Es treten schwerwiegende Differenzen in Handelsfragen zu Tage. In Hongkong schließt China zwei Politiker, die für die Unabhängigkeit kämpfen, aus dem Parlament aus. Der deutsch-französische Menschenrechtpreis 2016 geht an die chinesische Menschenrechtsaktivistin Wang Qiaoling (Ehemann ist der Menschenrechtsanwalt Li Heping). Die Botschafter beider Länder werden ins chinesische Außenministerium einbestellt. Ende 2016 soll das Polizeigesetz verschärft werden. Künftig kann auch auf friedliche Demonstranten geschossen werden. 2017 klagt ein chinesischer Bauer, der 16 Jahre lang sich mit dem Recht beschäftigt hat, erfolgreich gegen einen Chemiekonzern. Am 05.03.2017 tagt wieder der Nationale Volkskongress in Peking- wie jedes Jahr (3000 Delegierte). Kernthema sind Reformen im Umwelt- und Energiebereich (Kampf gegen Luftverschmutzung soll verschärft werden). Der Druck aus dem Volk nach sauberer Luft wächst. Die traditionelle Schwerindustrie bekommt zwar billige Kredite, kann aber nicht schnell genug sauber gemacht werden (Stahlproduktion soll um 50 Mio. Tonnen sinken, die Kohle noch stärker). Weitere Kernthemen sind die Senkung der Verschuldung und das geringere Wachstum (2017: 6,5%; 2016: 6,7%). Strukturreformen bekommen Vorrang vor Wachstum. Im März 2017 zwei Jahre nach den Demokratieprotesten wird in Hongkong eine Peking treue Kandidatin zur Regierungschefin gewählt. Sie heißt Carrie Lam und ist die erste Frau an der Spitze von Hongkongs Verwaltung. Die Fahrtroute des US-Zerstörers "USS Dewey" löst Empörung in China aus. Die Gewässer in der Nähe der Spratlys-Inseln beansprucht China für sich. Mit Donald Trump in den USA könnte die Vorherrschaft enden. So könnte das chinesische Jahrhundert wirklich beginnen. Ein massiver Erdrutsch im Südwesten Chinas hat ein ganzes Dorf unter sich begraben. Im Juni bekommt der Berliner Zoo ein Pandapärchen (Meng Meng, Jiao Qing, "Panda-Diplomatie"). Kurz vor dem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Hongkong (Anlass: 20. Jahrestag der Rückgabe) sind viele Demokratie-Aktivisten festgenommen worden. Am 05.07.17 kurz vor dem G20-Gipfel treffen sich Merkel und Xi Jinping. Es geht um Handelsfragen. Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, der in seiner Gefangenschaft an Leberkrebs leidet, darf zur Behandlung nicht nach Heidelberg ausreisen. Er stirbt am 12.07.17. Am 08. und 09.11. besucht der US-Präsident Trump China. Es werden gemeinsame Handelsvereinbarungen geschlossen in einem Volumen von 218,7 Mrd. Euro (manchmal nur Absichtserklärungen). Das hohe Handelsdefizit der USA bezeichnet Trump als unfair und macht seine Vorgänger dafür verantwortlich. Anfang 2018 reist der französische Präsident nach China. Als Geschenk bringt er ein Garde-Pferd mit. Es geht auch um Aufträge für Airbus (kommen nicht zustande), die Atomindustrie oder die Supermarktkette "Auchan". Die Kommunistische Partei will 2018 die Amtsbegrenzung für Staats- und Parteichef Xi Jinping aufheben.  Damit würde das Prinzip der "kollektiven Führung" (Deng Xiaoping) zugunsten einer Autokratie aufgegeben. Das geschieht am 11.03.2018 auf dem Volkskongress, der am 05.03. begonnen hatte (2958 Delegierte). Außerdem bekommen die Ideen von Xi jetzt Verfassungsrang. Kritik an Xi kann dann wegen Staatsfeindlichkeit verfolgt werden. Xi Jinping wird schon "kleiner Mao" oder "neuer Kaiser" genannt (er hat in jüngster Zeit auch zwei Bücher veröffentlicht, The Governance of China). Am 17.03.18 wird Xi vom Volkskongress  für weitere fünf Jahre gewählt. Kritiker warnen vor Personenkult. Unter dem Vorwand der Korruption werden immer wieder Gegner verhaftet. Premier Li Keqiang nennt in seinem Rechenschaftsbericht "drei schwierige Schlachten": Finanzrisiken, Armut, Umweltverschmutzung. Li Keqiang bleibt für weitere fünf Jahre Ministerpräsident. Seine Position ist aber geschwächt. Wichtige wirtschaftpolitische Kompetenzen werden in Ausschüsse der Partei verlagert.  Es wird eine neue staatliche Aufsichtskommission eingerichtet (Korruption, Disziplin in der Partei). Bei einem Treffen von Xi Jinping mit dem indischen Premierminister Narenda Modi einigt man sich Ende April 2018 "auf ernsthafte vertrauensbildende Maßnahmen", was die Grenze im Himalaya angeht. Ab 23.05.2018 reist Bundeskanzlerin Merkel nach China (11. Besuch; + 10 Spitzenmanager, darunter Brudermüller von der BASF). Die Konflikte im Handel häufen sich (Investitionsabkommen?, Preissenkungen der deutschen Autohersteller?). China lässt Liu Xia, die Witwe von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, im Juli 2018 nach Deutschland ausreisen. Im Juli 2018 besucht der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang Deutschland. VW investiert Milliarden in China. Die Volksrepublik wird zum Testmarkt für E-Autos und autonomes Fahren. Im August 2018 wird ein deutscher Journalismus -Student ausgewiesen, nachdem er die Verfolgung von Menschenrechtsanwälten recherchiert hatte. Im September 2018 leitet Trump eine Sitzung des Welt-Sicherheitsrates. Er wirft China Einmischung in den Kongresswahlkampf in den USA vor. Der Internet-Chef Meng Hongwei aus China verschwindet zunächst und teilt dann später mit, dass er zurücktritt wegen Korruptionsvorwürfen. Die Ernennung war umstritten gewesen, weil er auch mehrere Sicherheitsbehörden in China leitete. Anfang Dezember 2018 reist Bundespräsident Steinmeier durch China (Chengdu, Shenzhen, Beijing). Montag, den 10.12.18 spricht er mit Xi Jinpeng und Li Keqiang. Ethische Mindeststandards will man vereinbaren. Der Anwalt von Ai Weiwei wird zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt im Januar 2019 (drei Jahre hat er schon abgesessen; ungerecht, weil der Künstler selbst unter besonderem Schutz von Xi Jinping steht; Väter gemeinsames Schicksal).  Im Januar 2019 gibt es ein schweres Unglück in einem Kohlebergwerk. Über 30 Bergleute sterben. Anfang März 2019 treffen sich wieder die Mitglieder des Volkskongresses in Peking (rund 3000). Dann ist Peking wie jedes Jahr um die Zeit besonders gut kontrolliert. Ein Gesetz für ausländische Investitionen soll beschlossen werden, um Trump zu besänftigen. Es enthält das Verbot unrechtmäßiger Technologietransfers sowie "illegaler Einmischung der Regierung". Beim Besuch von Xi Jinping in Europa trifft er auf das Trio Macron, Merkel und Juncker. Die EU will Einigkeit demonstrieren. Am 20.Juni besucht Wirtschaftsminister Altmaier mit einer Wirtschaftsdelegation China; er trifft den Minister für Industrie- und Informationstechnologie Miao Wei. Der Wirtschaftsminister will sich um Benachteiligungen deutscher Unternehmen auf dem chinesischen Markt kümmern. Er trifft auch den Minister für Marktregulierung und Huawei. Die chinesischen Behörden lassen die Bundestagsabgeordnete der Grünen Margarete Bause (Menschenrechtsexpertin) im August 2019 nicht einreisen. Der Taifun "Lekima" hat an der Ostküste Chinas 22 Todesopfer gefordert. Vom 05.09. bis 07.09.2019 besucht Angela Merkel China. Einer der führenden Demokratie-Aktivisten in Hongkong, Joshua Wong, bittet Merkel, bei Xi Jinping ein Wort für die Demokratiebewegung einzusetzen. Es geht bei den Gesprächen mit der chinesischen Führung auch um Menschenrechte. Ansonsten um Klimaschutz und neue Wirtschaftsabkommen. Man kommt zu 11 Vereinbarungen (Flugzeugbau, Mobilität, Finanzen, Energie). Mit einer gigantischen Militärparade und riesigen Schaubildern  hat China am 01. Oktober 2019 den 70. Jahrestag der Gründung der kommunistischen Volksrepublik auf dem Tiananmen-Platz gefeiert. Vom 06. bis 12.10. besucht die RLP - Ministerpräsidentin Dreyer China und RLP - Unternehmen in dem Land. Anlass ist die 30 Jahre Partnerschaft zur Provinz Fujian. Sie besucht unter anderem die BASF-Niederlassung in Shanghai. Sie trifft sich auch mit deutschen Austauschschülern in  Fuzhou. Vom 16.12.19 an wird das China-Visum noch komplizierter: Es werden viele persönliche Daten verlangt und Fingerabdrücke. Ausgenommen sind Personen unter 14 und über 70 Jahre. Der frühere Interpol-Chef Meng Hongwei wird in China wegen Korruption zu 13 Jahren Haft verurteilt. Am 06.07.20 nimmt Chinas Polizei der Juristen und Professor Xu Zhangrun fest. Er hatte die Corona-Reaktion der Regierung in Peking kritisiert. Am 28.8.20 startet der chinesische Außenminister Wang Yi eine Reise durch die EU. Sie beginnt nicht zufällig in Italien, das als engster Verbündeter im Seidenstraßen-Projekt gilt. Die größte Angst Chinas ist, dass die EU dem harten Kurs der USA folgt. Es geht also um Schadensbegrenzung. Aus der großen Koalition kommt Kritik an Pekings Außenpolitik (Röttgen, Hongkong). Die Journalistin Zhang Zhan wird in Shanghai zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatte in der Corona-Krise kritisch über die Ereignisse in Wuhan berichtet. Am 10.3.21 gibt es einen Brand-Anschlag auf die chinesische Botschaft in Berlin. Am 15.3.21 fegt ein starker Sandsturm über Peking (stärkste seit zehn Jahren). Die EU verhängen Sanktionen gegen China gegen Verantwortliche für die Unterdrückung der Uiguren: Vermögenswerte natürlicher und juristischer Personen). Erstmals seit 30 Jahren Sanktionen der EU gegen China. China verhängt Sanktionen gegen Deutsche (EU-Politiker, Mercator-Institute for China Studies). Bei einem Ultra-Marathon-Lauf in der Provinz Gansu werden die Teilnehmer im Mai 2021 von einem heftigen Unwetter mit Temperaturumschwung überrascht. 21 Teilnehmer sterben, weil sie unterkühlt sind und sich verirren. Im Juli 2021 ist ein Besuch der US-Vizeaußenministerin Wendy Sherman in der nordchinesischen Stadt Tianjin. Sie trifft sich dort mit Chinas Vize-Außenminister Xie Feng.  China wirft den USA eine hochgradig fehlgeleitete China-Politik vor. Die bilateralen Beziehungen steckten in einer Sackgasse. Sherman soll Konfliktthemen ansprechen.  Es geht auch um die Vorbereitung eines Gipfeltreffens von Joe Biden und Xi Jinping. Anfang September 2021 stirbt überraschend der deutsche Botschafter in China Jan Hecker. Er hatte sein Amt  kurz vorher angetreten, war vor einem Jahr ernannt worden und war erst 54 Jahre alt. Er war Merkels Mann für außenpolitische Krisen ("heimlicher Außenminister"). Ende September wird die Huawei - Finanz - Chefin Meng in Kanada freigelassen. Die Rückkehr ist ein Triumph für China: Sie bekräftigt Pekings Darstellung als "politisch Verfolgte". Die frühere Weltranglistenerste im Tennis, Peng Shuai beschuldigt den ehemaligen Vizepremier Zhang Gaoli der Vergewaltigung.  Sie hatte auch eine längere Affäre mit ihm. In Weibo macht sie die Sache öffentlich. Daraufhin verschwindet sie; das Netz wird zensiert. Dann taucht sie wieder mit einem Video und Bildern in "Global Times" in Twitter auf. Die besten Tennisspieler der Welt gründen eine Initiative: nur die Bilder reichen ihnen nicht. Am 21.11.21 telefoniert Peng Shuai mit IOC Präsident Thomas Bach. Anwesend waren auch die Vorsitzende der IOC-Athletenkommission Emma Terho aus Finnland und das chinesische IOC-Mitglied Li Lingwei. Im Februar 2022 will Peng Shuai nichts mehr wissen von den Vorwürfen gegen Zhang Gaoli (ehemaliger Vize-Premier). Sie gibt ein Interview in der französischen Sportzeitung "L`Equipe". am 5.3.22 beginnt wieder die jährliche Plenarsitzung des Volkskongresses (pünktlich dazu zündet Nordkorea eine Rakete). Das ist ein Affront. Der Ukraine-Krieg wird totgeschwiegen. Im Juli 2022 werden Ermittlungen gegen Chinas Industrieminister Xiao Yaqing  eingeleitet von der Disziplinarkommission der KPCh. Er ist der ranghöchste Politiker seit Jahren, der sich einer Antikorruptionskampagne stellen muss. Am 02.08.22 besucht Nancy Pelosi den Inselstaat Taiwan. Sie ist die dritthöchste Repräsentantin der USA. Sie versichert der taiwanesischen Regierung den Rückhalt der USA. Peking spricht von Einmischung in innerchinesische Angelegenheiten. China macht Manöver um Taiwan (Kriegsschiffen, Flugzeuge). In der englischen Stadt Manchester haben chinesische Regierungsvertreter einen Hongkonger Demonstranten verprügelt.  Am 04.11.22 startet Bundeskanzler Scholz zu einer Chinareise. Die Außenministerin Baerbock, die auch Asien bereist, pocht auf eine andere China-Politik (Menschenrechte und fairen Wettbewerb). Es ist ein Besuch mit Signalwirkung (historische Dimension). Scholz ist der erste westliche Politiker der seit der Corona-Pandemie und dem Parteikongress China besucht (Kurzbesuch, 12 Stunden). Er reist mit einer Wirtschaftsdelegation. Kritik an den Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang weist China schon im Vorfeld zurück. Es gibt weitere heikle Themen, die einen Drahtseilakt verlangen: Ukraine-Krieg, Taiwan, deutsche Unternehmen in China (Marktzugang). Beide Seiten sprechen sich für eine Beendigung des Ukraine-Krieges und gegen den Einsatz von Atomwaffen aus. Ende November 2022 fordern Demonstranten Xis Rücktritt (Ürümqi, Shanghai, Peking und andere Städte). Die Bürger akzeptieren die rigide "Null-Covid" - Politik nicht mehr. Berichte darüber im Netz werden gelöscht. In Shanghai schlägt die Staatsgewalt hart zurück. Zunehmend geht man mit Zensur und Polizei gegen die Proteste vor. Gleichzeitig kündigt man Änderungen bei der Covid-Politik an. Die Proteste werden in den chinesischen Medien ignoriert. Peking setzt auf Zensur und Einschüchterung. Vgl. Böge, Frederike: Jetzt demonstriert der Staat seine Macht, in: FAZ 29.11.22, S. 3. Ende November 2022 stirbt der ehemalige Präsident Jiang Zemin (der "Senior"). Er wurde 96 Jahre alt und starb an Leukämie. Von 1989 bis 2002 war er Generalsekretär der KPCh. Von 1999 bis 2002 auch Staatspräsident. Er war der Nachfolger von Deng Xiaoping. Unter ihm wurde China Mitglied der WTO. Bekannt ist seine Theorie der "drei Vertretungen". Er gab öfter seine Kenntnisse von Goethe zum Besten. Er hatte sich zuletzt mit Xi angelegt (Korruptionsbekämpfung). China legt Ende Februar 2023 einen 12-Punkte-Plan für die Beendigung des Ukraine-Krieges dar. Außenminister Wang Yi kommt erst auf die Münchener Sicherheitskonferenz und reist dann nach Moskau. Der Spiegel enthüllt, dass Verhandlungen zwischen Russland und China über die Lieferung von Kampf-Drohnen laufen. Am 05.3.23 beginnt wieder der Nationale Volkskongress in Peking (2592 Abgeordnete). Xi wird einstimmig für eine dritte Amtszeit als Präsident gewählt. Zusätzlich hat er die zwei wichtigsten anderen Ämter inne: KPCh - Chef und oberster Militär (wichtiges Symbol: 2 Teetassen). Zwei wichtige Ämter werden neu besetzt: Außenminister (Qin Gang) und Premierminister (Li Qiang). Der Außenminister geht auf Konfrontationskurs zum Westen. Xi setzt in seiner kommenden  Amtszeit zwei Schwerpunkte: 1. Wirtschaft (mindestens 5% Wachstum). 2. Militär (höchste Militärausgaben). Premier Li Qiang stimmt moderate Töne an und beschwichtigt internationale Investoren. Im April 2023 besuchen der französische Staatspräsident Macron und die EU-Kommissionschefin von der Leyen Peking. Sie treten zweistimmig auf (Macron für Annäherung und eher gegen Taiwan, Leyen für härteren Kurs). Am 13./ 14. April 2023 besucht die deutsche Außenministerin Baerbock China. Sie trifft auch Xi Jinping. Themen sind die Ukraine, Taiwan und Menschenrechte. Am 8.5.23 wird das Treffen von Finanzminister Lindner mit seinem chinesischen Kollegen Liu Kun in Peking von chinesischer Seite abgesagt (terminliche Gründe). So fliegt Lindner direkt zum G7- Finanzministertreffen nach Japan. Am 9.5.23 kommt der chinesische Außenminister nach Berlin. Meinungsverschiedenheiten treten zu Tage (Ukraine, Menschenrechte). Qin Gang warnt Deutschland und die EU vor Sanktionen gegen chinesische Unternehmen, die mit Russland handeln. Er verbittet sich Einmischung und verlangt einen "Dialog auf Augenhöhe".  Dann verschwindet Qin Gang von der Bildfläche. Er wird mehrere Wochen nicht gesehen. In China werden Spekulationen zensiert. Qin Gang wird abgelöst (formell vom Ständigen Ausschuss des Volkskongresses; er war Aufsteiger und Machtmensch). Nachfolger wird der Außenpolitik-Experte in der KPCh Wang Yi, der schon von 2013 bis 2022 Außenminister war. Es gibt viele Gerüchte über die Gründe der Ablösung (unter anderem Affäre mit Fernsehmoderatorin in Hongkong). Am 15.11.23 treffen sich Xi und Biden in der Nähe von San Francisco am Rande des Apec-Treffens. Im November 2023 kommen in der Stadt Lüliang in der Provinz Shanghai bei einem Großbrand in einem Kohlebergwerksunternehmen mindestens 26 Menschen ums Leben. Im Dezember 23 fordert ein Erdbeben im Nordwesten (Provinz Gansu) des Landes fast zweihundert Tote. Im gleichen Monat findet ein Prozess gegen den Peking-kritischen Verleger Jimmy Lai statt. Ihm droht lebenslange Haft. Neuer Verteidigungsminister wird der bisherige Marinechef Dong Ju. In der Neujahrsansprache 2024 geht Xi Jinping offen mit den Wirtschaftsproblemen des Landes um. Die Ansprache steht unter dem Motto "Wir gingen voran". Im März 2024 gibt es ein Lebenszeichen eines Verschwundenen: Der ehemalige Außenminister Qin Gang gibt seinen Rücktritt als Delegierter für den Nationalen Volkskongress bekannt. Der derzeitige Amtsinhaber Wang Yi  gilt mit 70 Jahren als Übergangslösung. Als möglicher Nachfolger wird Liu Jianchao favorisiert. Am 5.3.24 beginnt der Nationale Volkskongress. Der wirtschaftliche Kurs Chinas wird im Mittelpunkt stehen. Der Druck auf Xi Jinping wächst.  In seiner traditionellen Eröffnungsrede (31 Seiten Arbeitsbericht) nennt Premierminister Li Qiang mit "Rund fünf Prozent" ein ambitioniertes Wachstumsziel. Die Wirtschaft soll auf der Wertschöpfungskette weiter nach unten getrieben werden. Der Militäretat steigt um 7,2%. Xi Jinping wird 18-mal erwähnt. Im März 24 besucht der bayrische Ministerpräsident Söder China. Er trifft den Ministerpräsidenten Li Qiang (Nr. 2). Er besucht auch die Konzerne BMW und Siemens, die ihren Sitz in Bayern haben. anfang April 2024 besucht die US-Finanzministerin Yellen China. Sie hat eine schwierige Mission.  Sie soll China von hoch subventionierten Exporten abhalten (Solarmodule, E-Autos). Vom 13.04. bis 16.04.24 ist Bundeskanzler Scholz (+Özdemir, Lemke) mit einer Wirtschaftsdelegation (Bosch, Bayer, Siemens) in China. Er startet am 14. in Chongqing mit dem Besuch eines deutschen Wasserstoff-Unternehmens (Bosch). Am 15.04. reist er nach Schanghai zu einem deutschen Kunststoff-Unternehmen. Am 16.04. trifft er Xi Jinping und Li Qiang in Peking (3 - 5 Std., Ukraine, subventionierte Exporte). Mit Li Qiang nimmt er auch am Deutsch-chinesischen beratenden Wirtschaftsausschuss teil.  Die Wirtschaft steht im Fordergrund (Dumping, fairer Handel und Wettbewerb). Es geht auch um die Ukraine und Nahost. Bei der Ukraine soll China auf Russland einwirken (Dual-Use - Güter, Beitrag für den Frieden in Europa). Am 22.4.24 lässt der Bundesanwalt drei Deutsche verhaften, die für China spioniert haben. Auch ein Mitarbeiter des Europaabgeordneten und Spitzenkandidaten der AfD für die Europawahl 24 Maximilian Krah wird der Spionage für China überführt. Er hat Interna der Europaparlaments weitergegeben.  Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter, ob Krah Geld aus China oder Russland bezogen hat. Ende April 24 führt der US-Außenminister Blinken lange Gespräche in Peking. Er kritisiert Chinas Beistand für Russland. Er hat vor allem Komponenten für Kriegsgüter im Blick. Man will sich für gemeinsame Regeln auf See einigen. Blinken wiederholt in Peking, dass die Militärallianz zwischen den USA und den Philippinen "eisern" sei. Im Mai 2024 kommt der chinesische Präsident Xi Jinping zu einem Staatsbesuch nach Frankreich (Dissens im Ukraine-Krieg, unlautere Handelsmethoden). Er besucht auch Ungarn und Serbien, die "Einfallstore" Chinas in die EU. Xi sagt, Ungarn und China seien auf einer "goldenen Reise".  "Das westliche Politikmodell darf niemals kopiert werden...."Chinas politisches System darf niemals erschüttert werden." Bekannte Sätze von Jiang Zemin.  "Nieder mit Xi Jinping, nieder mit der Partei", Demonstranten auf der Straße, Ende November 2022.  "Wir müssen auf der Basis von Chinas tatsächlichen Gegebenheiten demokratische Politik mit chinesischen Besonderheiten erforschen", Wen Jiabao, ehemaliger chinesischer Regierungschef.

"China? Eine günstige wirtschaftliche Entwicklung hängt nicht am politischen System", F.-W. Steinmeier, Ex-Bundesaußenminister. Im Dorf "Wukan" im Süden Chinas gibt es freie Wahlen seit 2011. Einige wenige Kommunen in China haben sich dieses Recht auf kommunaler Ebene  erstritten. Der korrupte stellvertretende Chef der Kohlebehörde hat bis 2014  200 Millionen Yuan (26 Mio. Euro) in bar gehortet.

Der "kleine Kaiser" Xi Jinping und seine Ziele (er lässt sich lieber "guter Kaiser" nennen): 2017 ist Xi Jinping Teil der Verfassung geworden - das hat es seit Mao nicht gegeben (einmalig in der "Mao-Dynastie"). Die Person wird damit den Takt und auch den Ton der Weltpolitik für Jahrzehnte vorgeben. Xi ist Staatsoberhaupt, Generalsekretär und Oberbefehlshaber. Unter Xi fällt China im Grunde genommen in die Zeiten der Ein-Mann-Diktatur zurück. China ist vielleicht das derzeit mächtigste Land der Welt (in Anbetracht der Schwächen und Wankelmütigkeit der USA unter Trump; mal sehen, was sich bei Biden ändert). Seine Industrie untermauert die Weltwirtschaft, sein Militär wächst schneller als das jeder andern Nation. Also ist es von immenser Bedeutung, wie dieser Mann tickt. Xi wurde 1953 geboren, als Sohn von Xi Zhongxun, einem Militärführer und Verbündeten Mao Zedongs. Er wurde im Regierungsviertel Zhongnanhai geboren, einen Steinwurf vom alten Kaiserpalast entfernt. Die Familie lebt in einer bewachten Wohnanlage.  Zwei Jahrzehnte war der Vater ein Opfer der Kulturrevolution (der Absturz kam 1962). Xi war der zweitälteste Sohn von sieben Kindern. 1966 war er auf einer Eliteschule nahe des Regierungsviertels und wohnte in der Verbotenen Stadt. Er lernte die Mao-Bibel auswendig. Dann kam er in der Kulturrevolution in die Provinz Shaanxi, wo er mit Bauern lebte. Mit 15 Jahren musste er Fronarbeit verrichten und wurde gedemütigt (7 Jahre; seine älteste Schwester begeht wegen der Demütigungen der Familie wahrscheinlich Selbstmord)). Experten vergleichen sein Schicksal mit dem Stockholm-Syndrom (er wurde "roter als rot"). Mitte der Siebzigerjahre studierte Xi an der Pekinger Universität Tsinghua Ingenieurwissenschaften (mit 22 Jahren trat er wieder in die Partei ein mit gefälschten Dokumenten). Eine Zeit lang lebt Xi auch in den USA in Iowa (ursprünglich war er ein Anhänger des US-Modells, beim zweiten Besuch in der Region sah das schon anders aus, als er die Schwächen klar erkannte). Von 1978 bis 1982 arbeitete er als Sekretär Geng Biaos, Mitglied des ZK und eine militärische Schlüsselfigur (auch Verteidigungsminister). 1982 ging er wieder in die Provinz, 1985 ging er nach Fujian. Er blieb 16 Jahre dort. Xi ist bekannt für seine eiserne Arbeitsdisziplin.  Wichtig ist seine zweite Frau Peng, die als bekannte Schauspielerin und Sängerin in Ansehen und Bekanntheit über ihm stand. Sie schult ihn in Öffentlichkeitsarbeit. Von 2000 bis 2002 war er Gouverneur in Fujian. Dann ging er in die Küstenprovinz Zhejiang, wo er fünf Jahre in höchster Parteiposition tätig war. Er lernte dort Jack Ma, den Begründer von Alibaba, kennen. Ein wichtiger Konkurrent um die Führung der Partei Bo Xiling musste 2011 aufgeben bzw. wurde von ihm ausgeschaltet (seine Frau hatte einen Mord begangen, der vertuscht werden sollte). Xi verschwand dann eine Zeitlang 2011 (niemand weiß bis heute, wo er war). Es fand wohl im Politbüro ein Machtkampf statt, bei dem er sich als Kompromisskandidat durchsetzte. Man hatte in dieser Zeit Mühe mit Kontakten zu führenden Kollegen an den Hochschulen (an den führenden Hochschulen sind die Mitglieder des Politbüros in der Leitung). Ich selbst war 2011 in China und konnte die Situation selbst beobachten. Ende des Jahres bzw. 2012 konnte er sich dann als Führer durchsetzen. Wie stark die innere Opposition gegen Xi ist, bleibt Journalisten und Wissenschaftlern verborgen. Ebenso wie die tatsächlichen Machtverhältnisse und Entscheidungsmechanismen sind. Was sind nun Xi´s Ideen? 1. Er will massiv die Korruption bekämpfen (die VBA wird "gesäubert"). 2. Die Partei soll zum Diener der wachsenden Mittelschicht werden. 3. Wohlstand und Innovation sollen stark ausgedehnt werden (China 2025; mehr Verteilungsgerechtigkeit). 4. Formulierung eines Wertekanons (Konfuzianismus, Revival des Marxismus, Harmonie; er baute die Marxismus-Kurse an den Universitäten aus). 5. Wirtschaft zuerst. Sozialer und politischer Fortschritt kann warten. 6. Globale Führungsmacht bis 2050 (2049 100 Jahre Volksrepublik). Man bezeichnet die Ziele zusammen als "China Dream". Vgl. Kerry Brown: Die Welt des Xi Jinping. Alles, was man über das neue China wissen muss, S. Fischer, Frankfurt 2018. Die KPCh hat 2018 90 Mio. Mitglieder, mehr als Deutschland Einwohner hat (die Partei hat ganz harte Aufnahmekriterien!). Sein engster Berater ist Wang Xining. Er verfügt über eine immense Erfahrung in der Partei. 11 Mio. Parteimitglieder wurden bis 2018 in Haft gesetzt in der Antikorruptionskampagne, die ein Machtinstrument ist. Xi Jinping hat 2012 bei seinem Amtsantritt das Dokument Nr. 9 eingeführt. In ihm warnt er vor demokratischen Kräften, die Pressefreiheit, Demokratie und Menschenrechte wollen. Die vorsichtige Trennung von Partei und Staat, die Deng Xiaoping eingeleitet hatte, wird vollkommen zurückgedreht. Der Macht der Kommunistischen Partei hat sich alles andere unterzuordnen (Staat, Wirtschaft, Unternehmen, Wissenschaft). Außenpolitisch strebt Xi Eurasien an, das Rückgrat ist die "Neue Seidenstraße". Bei Nachbarländern traut er sich auch politisch ran, wie bei Australien und Neuseeland. Politiker wurden bestochen. Australien verbietet daraufhin ausländische Spenden. Ende des Jahres 2020 führt China Australien als Retourkutsche vor: Mit Handelsbarrieren und Strafzöllen wird erbarmungslos die Abhängigkeit von China vorgeführt. Es könnte ein Exempel sein: Den verbündeten Amerikas deutlich machen, dass China am längeren Hebel sitzt. In Djibuti wurde der erste Militärstützpunkt in Afrika errichtet. China dominiert mittlerweile in Afrika mit dem Motto " Recht auf wirtschaftliche Entwicklung". In Europa wird eher gekauft (Piräus, Toulouse, Budapest, Hahn).  2022 will sich Xi Jinping für eine weitere Amtszeit als Parteichef bestätigen lassen (beim 20. Parteikongress). Dafür braucht er die Aura der Stärke. Er will sicher eines Tages auf die gleiche Ebene wie Mao kommen. Dafür braucht er auch die "Nationalismus-Karte". Das Zeigen der übertriebenen Stärke Chinas ist aber auch ein Resultat einer narzisstischen Kränkung Chinas in den letzten Jahrhunderten. Deshalb versucht auch Xi alles, das Image des Landes ("soft power") und den Respekt anderer Länder zu erhöhen. "Wirft man Eisen 100 mal ins Feuer, dann wird es zu Stahl". "Wer Europa besitzt, dem gehört die Welt". Beide Sprüche hat er im Hinterkopf.  Vgl. als Quelle zu Xi Jinping auch:  Stefan Aust/ Adrian Geiges: Xi Jinping. Der mächtigste Mann der Welt, München 2021. Aufgrund von Reden, eigenen Interviews, verfügbaren Quellen und seiner Lebensgeschichte sowie von Reportagen in und über China wird der chinesische Staatspräsident und Chef (Generalsekretär) der KPCh dargestellt. Xi Jinping hat eine Machtfülle, wie sie vorher nur Mao hatte. Aust hat Xi selbst mal interviewt, Geiges war Korrespondent des Stern in Peking und ist Sinologe. Der Leser soll sich selbst sein Urteil über Xi Jinping bilden. Ich selbst habe diese Quelle für obigen Artikel nicht benutzt. Zwei Konfuzius-Institute sagen im Oktober 2021 nach Druck aus China die Lesung des Buches ab. Das ist in Hannover und das Konfuziusinstitut Metropole Ruhr in Duisburg. Das ist doch sehr erstaunlich und im Grunde genommen eine Aufwertung des Buches, in dem gar nichts Schlimmes über Xi steht. 2023 erscheint ein weiteres Buch, dass Infos über Xi enthält: Frank Dikötter: China nach Mao. Der Aufstieg zur Supermacht, Stuttgart/ Klett-Cotta 2023.

Am 08.11.21 tritt das Zentralkomitee von Chinas KP zusammen. Xi Jinping wird die Gelegenheit nutzen, seine persönliche Rolle in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Es gibt zwei große Linien: Der Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft bis 2049 (100 Jahre VR China). Der Wiederaufstieg der chinesischen Nation nach dem so genannten "Jahrhundert der Schande" (1840-1949). Die Parteigeschichte soll in drei Abschnitte unterteilt werden: Unter Mao sei China auferstanden, unter Deng Xiaoping sei es reich geworden, und unter Xi Jinping werde es stark werden. Drei Siege werden Xi zugeschrieben: Niederschlagung der Demokratiebewegung Hongkong 2019, Sieg über extreme Armut, Sieg über das Coronavirus. Vgl. Böge, Friederike: Auf Maos Pfaden, in: FAZ Nr. 260, 08.11.21, S. 2. Das Zentralkomitee ebnet den Weg für eine dritte Amtszeit von Xi Jinping. Damit kann Xi die ausgeprägte Vision für sein Heimatland umsetzen. Vgl. Kretschmer, Fabian: So mächtig wie einst Mao, in: Rheinpfalz Nr. 260, 9.11.21, S. 3. Im Herbst 2022 ist der 20. Parteikongress der KP, die wahrscheinlich wichtigste Polit-Veranstaltung für Xi Jinping. Er will seine dritte Amtszeit ausrufen. Gleichzeitig kriselt es in China (Null-Covid-Strategie, Lockdowns, Massenentlassungen). Hoffentlich muss Xi das nicht durch zunehmenden Nationalismus ausgleichen (Verschärfung der Taiwan-Krise). Nancy Pelosi aus den USA verzichtet schon auf eine Taiwan-Reise, die sie später dann doch macht. .  Als die WHO die Corona-Varianten durchnummeriert werden nach der Omikron-Variante (aus Südafrika) 2 griechische Buchstaben übersprungen: "Ny" klinge zu ähnlich dem Englischen "New". "Xi" sei ein weit verbreiteter Nachname. Pikant dabei ist, dass der chinesische Parteichef und Staatspräsident so heißt.

Am 16.Oktober beginnt der Kongress der Kommunistischen Partei (20., alle 5 Jahre, 5 Tage Dauer, 2341 Delegierte) in Peking. Dort soll eine dritte Amtszeit von Xi beschlossen werden bzw. seine lebenslange Regentschaft, was wohl nur Formsache ist. Seine Macht ist gefestigt (über 100.000 Regierungsbeamte wurden im Zuge der Anti-Korruptionskampagne hinter Gittern gesteckt). Er hat sein Land umgekrempelt. Den Zenit dürfte er aber überschritten haben. Wahrscheinlich hat er zu viele Fehler gemacht. Man spricht von vier Kardinalfehlern: 1. Die Null - Covid - Strategie hat das Land in eine Sackgasse geführt, einschließlich Wirtschaftskrise. 2. Die gesellschaftliche Überwachung hat zu viel Frust geführt, Covid wird instrumentalisiert (perfekter Überwachungsstaat). 3. Die führenden Tech - Konzerne wurden an die Leine gelegt und damit ihrer Innovationskraft beraubt. 4. Die Unterstützung der Position Putins im Ukraine-Krieg hat das Ziel einer neuen Weltordnung offen gelegt (er scheint den Rest der Welt von sich abhängig machen zu wollen). Vgl. Kretschmer, Fabian: Fehlentscheidungen holen Xi ein, in: Die Rheinpfalz 15.10.22. Xi tritt als Ideologe auf. Seit 2017 verschiebt er die Wirtschaftspolitik in Richtung marxistische Linke. Er misstraut dem privaten Sektor. Er hat Parteikomitees geschaffen, die Personalberufungen in privaten Firmen überwachen. In Hongkong hat Xi ein drakonisches Sicherheitsgesetz eingeführt, das alle Proteste erstickt hat.  Vgl. Fahrion, Georg/ Giesen, Christoph: Der Allmächtige, in: Der Spiegel Nr. 42/ 15.10.22, S. 10ff. Xi hält auf dem 20. Parteikongress eine zweistündige Grundsatzrede, in der er die Ziele seiner neuen Amtszeit erläutert ("Chaos" in Hongkong beseitigt, Aufrüstung, Null-Covid bleibt, Wiedervereinigung mit Taiwan - notfalls mit Gewalt, Ausklammerung von Ukraine und Xinjiang, Betonung des Umweltschutzes). Die Jugendarbeitslosigkeit in China beunruhigt die Partei. Xi warnt vor "gefährlichen Stürmen". Vgl. Gusbeth, Sabine: Xi Jinping warnt vor "gefährlichen Stürmen", in: HB Nr. 200/ 17.10.22, S. 10. Selbstkritik ist nicht zugelassen. Das Ausland wird mit "Wolfskrieger-Diplomatie" bekämpft: Verschwörungstheorien und Beschimpfen des Westens. Vgl. Kretschmer, Fabian: Pekinger Paralleluniversum, in: Die Rheinpfalz Nr. 245/ 21.10.22, S. 3. Xi Jinping wird für eine dritte Amtszeit als Generalsekretär der KPCh gewählt. Damit kann er 2023 auch wieder zum Staatspräsident gewählt werden. Auf der Abschlusszeremonie des Kongresses wird der ehemalige Staatspräsident (von 2003 bis 2013)  Hu Jintao von Saaldienern aus dem Raum geleitet (Verhaftung oder gesundheitliche Probleme?). Xi Jinping gelingt es, seine Anhänger in den Ständigen Ausschuss des Politbüros (7) wählen zu lassen. Damit kann er seine Macht weiter festigen.  Direkt hinter ihm folgt der Technokrat Li Qiang (kümmert sich um die Wirtschaft und die führenden Unternehmen), der damit auch Premierminister werden dürfte. Auch Xis rechte Hand Ding Xuexiang wird in den Ständigen Ausschuss befördert (ist erst 60 Jahre alt). Dabei ist weiterhin Li Xi, Parteisekretär der Provinz Guangdong. Er führt die mächtige Antikorruptions- und Disziplinarkommission. Vgl. Grünberg, Nis: Xis neue Ära, in: WiWo 44/ 28.10.22, S. 10. Man rechnet damit, dass Xi rational und zuverlässig bleiben wird. Vgl. Kretschmer, Fabian: Xi und seine Ja-Sager, in: Die Rheinpfalz 24.10.22, S. 2. Wichtig für uns ist weiterhin: Wirtschaftswachstum in China wird an Bedeutung verlieren. China forciert die weitere technologische und wirtschaftliche Abkopplung. Für die chinesische Staatsführung ist die Ideologie wichtiger als die Wirtschaft. Vgl. HB Nr. 205/ 24.10.22, S. 6f. Vor dem Beginn des eigentlichen G20-Gipfels in Bali treffen sich Xi und Biden in Bali (erstmals persönliches Treffen der Chefs der beiden Weltmächte seit 5 Jahren). Es geht um die "Roten Linien" der Großmächte. Einig ist man sich darin, keine Atomkriege zu führen und auch nicht damit zu drohen.

Ab November 2022 kommt es zu immer mehr Protesten gegen die Null-Covid-Strategie der KPCh. Auslöser ist ein Brand in einem Hochhaus in Urumqi, bei dem 10 Menschen wegen der Quarantäne-Beschränkungen nicht aus dem Haus kommen. Die Corona-Zahlen steigen, die Wirtschaft schwächelt. Inwieweit kann das Xi schaden? Noch sitzt er fest im Sattel. Die Partei wird die Corona-Regeln in kleinen Schritten lockern. Wichtiger für Xi sind die wirtschaftlichen Verhältnisse. Er hat den Menschen mehr gemeinsamen Wohlstand versprochen, der jetzt in Gefahr ist (gemeinsame Verbesserung des materiellen und geistigen Wohlstands). Vgl. George Magnus: Rote Flaggen - Warum Xis China in Gefahr ist, 2022. Xis Mann für die Wirtschaft ist Liu He. Er ist 2023 71 Jahre alt (will im März 2023 in Rente gehen). Der Ökonom ist Xis Vertrauter, weil er mit dem Präsidenten im selben Pekinger Viertel aufgewachsen ist. Er hat einst in Harvard studiert und an Pekings besten Universitäten unterrichtet. Er liegt aber nicht immer auf einer Linie mit Xi (Covid-Strategie, IT-Konzerne). Er ist stellvertretender Ministerpräsident und Chinas Wirtschaftslenker.  Er tritt 2023 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos auf. Vgl. Ankenbrand, Hendrik: Chinas Charmeur, in: FAZ 18.1.23, S. 8. Am 07.2.23 hält Xi seine erste Grundsatzrede im neuen Jahr. Er skizziert seine politische Kursrichtung. Eine "Verwestlichung" lehnt Chinas Staatschef ab, über allem steht die Kommunistische Partei. Die Rede ist einen Monat vor Beginn des Nationalen Volkskongresses, bei dem seine dritte Amtszeit beginnt. Er hielt seine Rede vor den führenden Kadern in der Parteischule des Zentralkomitees (hier habe ich mal ein Semester unterrichtet). "China habe den Mythos entlarvt, dass Modernisierung gleich Verwestlichung bedeute". "Der chinesische Weg diene den Entwicklungsländern des globalen Südens als Vorbild". China versucht schon länger sein autokratisches Regierungsmodell ins Ausland zu exportieren. China sei die "bessere Demokratie und fördere die Menschenrechte stärker als die USA". Kein anderes Land als China habe in solch kurzer Zeit so viele Menschen aus der Armut gehoben, was das Verdienst der KPCh sei (die ersten 100 Jahre von 1921 bis 2021). Die zweiten 100 Jahre (1949-2049) sollen China in jeder Hinsicht an die Weltspitze bringen.  Vgl. auch: Kretschmer, Fabian: China: Xi sieht sein Land als die bessere Demokratie, in: Die Rheinpfalz Nr. 34/ 9.2.23. Am 05.3.23 beginnt wieder der Nationale Volkskongress in Peking (2592 Abgeordnete). Xi wird einstimmig für eine dritte Amtszeit als Präsident gewählt. Zusätzlich hat er die zwei wichtigsten anderen Ämter inne: KPCh - Chef und oberster Militär (wichtiges Symbol: 2 Teetassen). Am 20.3.23 besucht Xi Russland. Es geht um eine neue Weltordnung. Xi scheint den Machterhalt der Partei über alles zu stellen. Er warnt vor einem Zerfall wie in der UdSSR. Er stellt Chaos und Partei gegenüber. Weniger Wachstum nimmt er in Kauf und erhöht die Repressionen.     In China gibt es eine Xi Jinping-App. Sie soll adäquat zur ehemaligen Mao-Bibel sein. Sie enthält kluge Sprüche von Xi und zeigt sein Weltbild. Wenn man die App anklickt, erhält man Social Scoring-Punkte. Abends gibt es mehr Punkte als morgens. Im September 2023 bezeichnet Außenministerin Baerbock in einem Interview beim rechten Sender Fox in den USA Xi Jinping als Diktator. Das führt zu empörten Reaktionen in Peking. 2023 verschwinden zwei Minister: Erst der Außenminister, dann der Verteidigungsminister. Es herrscht große Verunsicherung. die motive bleiben im Unklaren. Beide werden ersetzt.

Die Zukunft von Xi/ 2024: Xi scheint 2023 und wohl auch 2024 fest im Sattel zu sitzen. Wahrscheinlich kommen weitere Details über Qin und Li ans Licht. Doch die Berichte dürften geschönt sein, denn der Eindruck, Xi habe bei der Ernennung Fehler gemacht, ist zu vermeiden. Der ehemalige Premier Li Keqiang stirbt. Es gibt Gerüchte in China über eine Vergiftung (er galt nicht als Befürworter von Xi). Xi hat immer noch keinen designierten Nachfolger. Es könnten Spannungen kommen, wenn Möchtegern-Kandidaten um seine Aufmerksamkeit buhlen. Zu den Anwärtern gehört sicher Cai Qi, der im März 23 zu Xis Stabschef ernannt wurde. Im ständigen Ausschuss des Politbüros (7 Köpfe) steht er an fünfter Strelle. Er war immer nahe bei Xi (in Fujian, in Zhejiang). er ist für Xis persönliche Sicherheit und für die Propaganda/ Ideologie der KPCh zuständig. Xi muss sein persönliches Image aufpolieren. Die Wirtschaftsmisere und der  chaotische Ausstieg aus der strikten Pandemiepolitik dürften ihm geschadet haben. Hinzu kommen die gespannten Beziehungen zum Westen. Vgl. James Miles: Xi und die Ja-Sager, in: The Economist, 2023 (Die Welt in 2024). .

Aufrüstung/ Militär: Xi Jinping rüstet die Volksbefreiungsarmee sehr erfolgreich auf. Er galt von Anfang an als Mann der Volksbefreiungsarmee (enge Beziehungen) Traumatisch war die Niederlage 1979 gegen Vietnam bei einem Einmarsch. Er macht eine Wehrstrukturreform. Elementar sind Flugzeugträger, U-Boote, Satellitenaufklärung und Raketenabwehr. Alles Voraussetzungen für eine Weltmachtrolle. China hat nach den USA die zweithöchsten Militärausgaben der Welt (vor Saudi-Arabien und Russland sowie Indien). Korruption im Militär wird bekämpft. Die Seemacht wird massiv ausgebaut. Vgl. Sommer, Theo: China First, München 2019, S. 250ff.  Die USA machen im Sommer 2019 ein Waffengeschäft mit Taiwan. Sie liefern 66 Kampfflugzeuge vom Typ F-16. China droht mit Strafmaßnahmen. China hat mittlerweile nuklear bestückbare Interkontinentalraketen, die bis zu 15.000 km weit fliegen und erstmals das gesamte Territorium der USA ereichen können. Mittlerweile verfügt das Land auch über Hyperschall-Raketen. Auf der Militärparade zum 70. Geburtstag präsentierte China einen Hyperschall-Gleiter. Seitdem sind Militärstrategen rund um den Globus alarmiert. Es gibt noch keine Verteidigung gegen sie. Chinas Flotte könnte in zehn Jahren (2030) der der USA fast ebenbürtig sein. China plant, 2049 (dann wird die Volksrepublik 100 Jahre alt, in allen Feldern (ökonomisch, militärisch, geopolitisch) die globale Führung zu übernehmen. Dann hätten wir eine von China dominierte Weltordnung. Die Strategie des Westens "Wandel durch Annäherung" ist krachend gescheitert. Wenn man die weltweiten  Militärausgaben 2020 (Corona-Jahr) bündelt, sind sie auf fast 2 Billionen $ gestiegen (+2,6% gegenüber dem Vorjahr). 62% der Summe entfallen auf die USA, China, Indien, Russland und GB. Die höchsten Militärausgaben mit 778 Mrd. $ entfallen auf die USA.  Chinas Militärausgaben lagen 2020 bei 252 Mrd. $ (Schätzung). Die Zahlen stammen von Sipri/ Friedensforschung, Stockholm/ Schweden. 2022 beginnt ein nukleares Modernisierungsprogramm in China. Das ist kein gutes Zeichen für die Welt. Im Rüstungsprogramm liegt auch die tiefere Ursache des Konflikts mit den USA. US-Geheimdienst fanden in chinesischen Raketen amerikanische Computerchips. Sofort verhängten die USA ein Chip-Embargo gegen China. Gleichzeitig soll möglichst viel Produktion aus Taiwan in die USA (Arizona) und Deutschland (Dresden) geholt werden. Im Herbst 2023 erreicht Xi Jinpings Säuberungswelle das Militär. Erst werden zwei hochrangige Generäle entlassen (bei den Racketenstreikräften, die besonders wichtig sind). Dann wurde der Verteidigungsminister Li Shangfu zwei Wochen nicht gesehen (schon der Außenminister verschwand spurlos). Eine mögliche Erklärung bietet Korruption. Es ist aber auch ein Indikator dafür, dass Xi fürchtet, die Kontrolle über die eigene Armee zu verlieren. Die Korruption in der Armee ist für uns völlig intransparent. Ihre Ursachen liegen in der Bezahlung der Soldaten und ihrer Qualifikation (in der Armee sind sicher nicht die Besten). "Jede Kriegsführung gründet auf Täuschung. Wenn wir also fähig sind anzugreifen, müssen wir unfähig erscheinen; wenn wir unsere Streitkräfte einsetzen, müssen wir inaktiv erscheinen; wenn wir nahe sind, müssen wir den Feind glauben machen, dass wir weit entfernt sind; wenn wir weit entfernt sind, müssen wir ihn glauben machen, dass wir nah sind", Sun Tsu: Die Kunst des Krieges (zweieinhalbtausend Jahre alt). Berühmt ist auch der Spruch von Deng Xiaoping: "Verbirg deine Stärke, und warte ab".

Hainan: Hainan ist eine Insel im Süden Chinas Sie ist die zweitgrößte Insel nach Taiwan. Sie hat ca. 9 Mio. Einwohner. Sie wird oft das Hawaii Chinas genannt. Es ist ein Urlaubsschwerpunkt der Chinesen (manche Reiche aus dem Norden haben dort einen Zweitwohnsitz). Gleichzeitig ist Hainan ein wichtiger Militärstützpunkt des Landes. Man spricht von einer "schwimmenden Festung". Unterirdische Raketen sollen dort ruhen (Flotte der Atom-U-Boote). Ein Netz von paramilitärischen Fischerbooten soll die Insel sichern helfen, aber auch die normale Flotte ist präsent. Es ist der wichtigste Militärstandort für Aufklärung, auch für die Raumfahrt. Die Insel ist der militärische Ausgangspunkt für das südchinesische Meer, für den Griff nach Taiwan und für den Ausbau und die Inbesitznahme vieler kleiner Inseln (werden zu Festungen umgebaut). Taiwan empfindet China auch als Provokation, weil das demokratische System ökonomischen Erfolg hat. Haikou ist die Hauptstadt der Inselprovinz (wurde 1988 in den Rang einer Provinz erhoben). Sie hat 2020 zwei Millionen Einwohner. Im Süden der Insel gibt es auch ein  großes Kreuzfahrtterminal. Die ganze Insel ist eine Freihandelszone (erst seit 2020, die Insel ist extrem hoch verschuldet). Auf der Insel gibt es einen Nationalpark. Berühmt ist die seltene Variante des Gibbon-Affen, die es nur auf der Insel gibt. Im südschinesischen Meer gibt es paramilitärische Fischereischiffe, die stark bewaffnet sind (Maschinengewehre, Laser, Sonar). Sie rammen und provozieren. Sie haben ihren Sitz in der Regel auf Hainan. Die Insel gilt aber auch kurioserweise als Gesundheitsinsel. China entdeckt die Gesundheitsbranche. Die Bevölkerung altert und Krankheiten wie Krebs und Diabetes nehmen zu. Hainan soll zum Zentrum für den internationalen Medizintourismus aufgebaut werden. Bisher hat China nur einen Anteil von 8% am Weltmarkt für Medizintechnik.

2021 beginnt man auf der Insel mit dem Bau einer eigenen Raumfahrtstation. Der Raumfahrtbahnhof heißt Wenchang. Von hier sollen die Starts zu der ständigen Raumfahrtsstation "Tiangong" (Himmelspalast) stattfinden. Die Trägerraketen heißen in der Regel "Langer Marsch". Das Hauptmodul wird meist "Tianhe" (Himmlische Harmonie) genannt. In Hainan starten in der Regel auch die Spionage-Ballons. Einer dieser Ballons flog über Nordamerika und wurde von den USA über South-Carolina abgeschossen.

Im Konflikt mit Japan 1933 bis 1945 haben 230.000 Chinesen durch den Einsatz biologischer Waffen ihr Leben verloren. Daraus hat China gelernt und betreibt "defensive" biologische Waffenforschung. Es scheint mittlerweile die Sowjetunion als größte biologische Supermacht abzulösen. Seit 1984 ist China Mitglied der Biowaffekonvention der UN und bestreitet die Existenz biologischer Offensivwaffen. Die Geheimdienste aus Taiwan und Südkorea haben immer auf die Möglichkeit solcher Waffen hingewiesen. Deshalb waren diese Länder auch wesentlich besser auf Sars-CoV-2 vorbereitet. Erst recht China selbst, das schon seit April 2020 in der Testphase von Impfstoffen ist. Das Wuhan Center for Desease Control und ein anderes biologisches  Forschungszentrum in Wuhan stehen unter der Kontrolle des Militärs. Das heißt nicht, dass es Beweise für ein absichtliches oder versehentliches Freisetzen des Virus in  Wuhan gibt. eher sprechen virologische Forschungsergebnisse gegen entsprechende Anschuldigungen von Trump. Aber die Welt muss auf den Einsatz biologischer Kampfstoffe vorbereitet sein. Sie sind in einer globalisierten Welt wesentlich effektiver als die klassischen militärischen Mittel (Quelle: Hans Rühle: Der Wahrheit zu nahe gekommen, in: Der Focus, 20/2020, S. 40).

2020 sind die USA militärisch China noch überlegen. Aber ein Krieg hätte schon desaströse Folgen, auch für die Welt. China füllt systematisch die Leere, die die USA durch ihren Rückzug hinterlassen. In den internationalen Organisation werden Chinesen in einflussreiche Positionen gebracht (UN, WHO, WTO; IWF u. a.). Dabei helfen finanzielle Anreize, Investitionsversprechungen und massives Lobbying. Vgl. Reichart, Thomas: Das Feuer des Drachen, München 2020, S. 241ff. Bis 2049 (100 Jahre Volksrepublik) will China spätestens die dominierende Militärmacht der Welt werden. Weil die USA dicht machen, hält man verstärkt in anderen Ländern nach Rüstungstechnik Ausschau. Besonders begehrt sind deutsche Deep-High-Tech Start-ups. Sie verfügen oft über Dual-Use-Produkte. Die Produkte sind auch militärisch nutzbar. Solche Firmen sind z. B. Mynaric, Alcan Systems, Black Semiconductor, Hyperganic. Vgl. Stözel, T./ Petring, J.: Im Visier der Wettrüster, in: WiWo 39, 18.9.20, S. 64ff. Vgl. auch das neue Buch von Ex-BND-Chef Schinder über die Sicherheitspolitik. Er sagt, dass die Gefahr Chinas unterschätzt wird. Am Ende des einwöchigen Volkskongresses am 10.3.21 ruft  Xi das Militär zu ständiger Bereitschaft auf. Der Volkskongress hatte vorher eine Steigerung der Militärausgaben von 6,8% beschlossen. Der für den Asien-Pazifikraum zuständige US-Admiral Davidson sagte dazu, dass die USA damit rechneten, dass China bis 2027 versuchen werde, die Inselrepublik Taiwan zu besetzen. Die USA und China sprechen über ein Spitzentreffen in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska. Das findet auch statt mit unüberbrückbaren Differenzen. 2021 fängt China an, die USA militärisch zu überholen. Es finden sich immer mehr Staaten, die mit den USA in Asien kooperieren wollen: Kanada, Sri Lanka, auch Deutschland. Man will noch 2021 eine Fregatte in die Region entsenden. Vgl. Busse, Nikolas: Chinas neue Muskeln, in: FAZ 12.4.21, S. 8. Zahlenmäßig ist die chinesische Flotte heute schon die größte der Welt. Sie ist noch nicht so effektiv wie die der USA. Sie wächst jährlich in der Bestandsgröße der deutschen Flotte (Aussage eines deutschen Flottengenerals, der dann schweigen muss).   Pensionierte Piloten der Bundeswehr bilden chinesische Kampfpiloten aus. Es taucht der Verdacht auf, dass sie militärische Geheimnisse verraten könnten. Verteidigungsminister Pistorius will das ab 2023 mit allen Mitteln verhindern.

Wenn die Wirtschaft Chinas in Zukunft die der USA überholt, wird auch das Militär früher oder später dominieren. Das war immer so in der Geschichte. Dann könnte der Punkt gekommen sein, dass China seine nationalen Interessen durchsetzt, ohne dass der Westen eingreift. China wird einen militärischen Konflikt aber kaum provozieren, da die Zeit für das Land spricht. China sieht keinen Sinn in bilateralen Abrüstungsverhandlungen oder in Dialogen. Vgl. den Militärexperten Tang Zhao vom Carnegie-Tsinghua Center for Global Policy, Quelle: Interview in der Rheinpfalz  vom 7.7.2021, S. 3. Das Pentagon bestätigt im Oktober 21 Chinas Hyperschallwaffentest. Das ist "sehr nah am Sputnik-Moment". Das amerikanische Abwehrsystem kann damit übergangen werden. Vgl. FAZ 29.10.21, S. 5. Immer wieder kommt es zu Konfrontationen in der Region. Westliche Staaten entsenden Schiffe in internationale Hoheitsgewässer, wie z. B. GB den Flugzeugträger HMS Queen Elisabeth (Flaggschiff der britischen Marine). So sollen z. B. die Philippinen unterstützt werden. In der Regel fährt man im Verbund mit US-Kriegsschiffen un d Schiffen anderer Nationen (Niederlande, Japan, Deutschland). China fühlt sich provoziert und sendet eine Warnung aus: "Einen hinrichten als Warnung an hundert". Auch Deutschland beteiligt sich ab Sommer 2021 an der Mission. Man schickt die Fregatte "Bayern". Bei den Operationen fahren  Kriegsschiffe gezielt durch von China beanspruchte Gewässer.

China baut Nachbildungen von US-Kriegsschiffen. Diese sollen als Angriffsziele für Militärübungen gelten. China entwickelt Raketen, die gezielt Kriegsschiffe ins Visier nehmen sollen. Die Flugzeugträgerverbände zählen zu den mächtigsten Militärgeräten im Waffenarsenal der USA. Ein Flottenverband der USA ist im Pazifik stationiert, um strategisch wichtige Gebiete wie Taiwan und das Südchinesische Meer zu überwachen. Pekings Gebietsansprüche werden als illegal angesehen.  Neuer Verteidigungsminister wird der bisherige Marinechef Dong Ju.

Technologie/ Innovationen: China hat ein neues Internetgesetz gegen "Blogger" erlassen (137 Mio. Internetnutzer 2006,  Zuwachsrate +23%  jährlich); 2006 wird die Tibet-Bahn, die höchste Eisenbahnstrecke der Welt, nach fünf Jahren Bauzeit von Qinghai nach Tibel in Betrieb genommen. 2006 startet die Regierung eine Innovationsoffensive. China zerschießt den alten Wettersatelliten "Fengyun 1C" und zeigt damit, dass es in einen Weltraumkrieg eingreifen könnte. China bringt im Januar 2007 zwischen Shanghai und Hangshou bzw. Nanjing den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen aus Japan auf die Schienen. Die reichste Provinz Chinas "Jiangsu" will als erste die Vorgaben des Volkskongresses 2007 umsetzen: neues Bewertungssystem für Wohlstand mit Zustand von Umwelt, Bildung, medizinischer Versorgung. Die Racketsportart Taiji Bailong Ball, die in China erfunden wurde, findet im westen immer mehr Anhänger. Sie verbindet westliche Techniken (Schläger und Ball) mit asiatischer Bewegungsphilosophie. Im Sommer 2007 kommt heraus, dass China mit sogenannten Trojaner-Spähprogrammen die Bundesregierung ausspioniert. Am 24. 10. 07 wird der erste Satellit zum Mond geschickt vom Raumbahnhof Xichang. China plant langfristig eine Verbesserung seiner militärischen Fähigkeiten. Dabei spielt die Luft- und Raumfahrt eine Schlüsselrolle. Hier muss China bald nicht mehr abkupfern. Im Mai 2008 wird zwischen Shanghai und Ningbo die längste Brücke der Welt freigegeben. Es wird ein riesiger Atom-U-Boot-Bahnhof im südchinesischen Meer gebaut. 2009 werden die Atom-U-Boote vor Qingdao präsentiert. Im September 2008 startet China seine dritte bemannte Weltraummission; Zhai Zhigang soll einen Weltraumspaziergang machen. China entdeckt immer mehr Weihnachten  mit Weihnachtsbäumen und europäischer Musik  als Anlass für Partys und Geschenke. Beim Deutschlandbesuch von Wen Jiabao 2009 wird eine weitere Zusammenarbeit beim Transrapid, bei Energie, Umwelttechnik und Finanzdienstleistungen vereinbart. 2009 kauft sich China in Firmen ein, die über Schlüsseltechnologien im Flugzeugbau verfügen, um langfristig Boing und Airbus Konkurrenz machen zu können. Ende 2009 schießt man Chemikalien in die Wolken, um Regen über Peking zu erzeugen. Es schneit, ohne dass Heizungen eingeschaltet oder Straßen geräumt werden. In Chansa/ Hunan hat China einen Supercomputer gebaut (Tianhe, viertschnellster der Welt).2014 soll der erste in China entwickelte Passagierjet auf den Markt kommen. Anfang 2010 testet man erfolgreich ein neues Raketenabwehrsystem. 2010 wird die Transrapid von Shanghai nach Hangzhou genehmigt. 2010 investiert China 100 Mrd. Dollar in den Ausbau eines Hochgeschwindigkeits-Schienennetzes. Der Verkehr vor Peking (vor allem im Norden) staut sich oft auf 100 km. Eine Tram auf Stelzen soll Abhilfe schaffen. Die längste Schnellbahn der Welt von Peking nach Shanghai über 1300 km geht bald im Juni 2011 in Betrieb. 2011 testet China erstmals einen Tarnkappenbomber (15-minütiger Jungfernflug). Auf der Luftfahrtschau in Paris 2011 wurde der erste Prototyp eines chinesischen Passagierjets vorgestellt. Wegen der CO2-Abgabe werden Airbusbestellungen storniert. Die Unglücke mit Hochgeschwindigkeitszügen Ende Juli 2011 und in einer Chemiefabrik  in Dalian im August lassen viele Chinesen am Nutzen des technischen Fortschritts zweifeln. Die Modernisierung der F-16-Kampfflugzeuge Taiwans durch die USA stört die bilateralen Beziehungen. Ende September 2011 schießt China die erste Weltraumstation (Testmodul) ins All. China will ein Konkurrenzflugzeug zu Boing und Airbus bauen. Internationale Zulieferer sollen helfen. Im Januar 2012 kommt es vor einem Apple-Store in Peking zu Tumulten (zu großer Andrang, Banden von Schwarzmarkthändlern). In der südchinesischen Stadt Changsha (Hauptstadt der Provinz Hunan, sieben Mio. Einwohner) entsteht der höchste Wolkenkratzer der Welt mit 838m. Bis 2018 soll im Süden Pekings ein neuer Flughafen gebaut werden. Mit 120 Mio. Passagieren pro Jahr soll er der größte Flughafen der Welt werden. Damit konkurriert er mit einem ebenfalls als größter Flughafen der Welt geplanten Airport bei Istanbul. Die Dienstfahrzeuge der Beamten werden ab 2013 mit GPS ausgerüstet. Die Disziplin soll überwacht werden (auch Systemwarnung, wenn zu lange vor bestimmten Einrichtungen geparkt wird). Ende 2013 gibt es wieder in verschiedenen Provinzen Smogalarm: In Jiansu, Zhejiang, Anhui und Henan. Im Dezember 2013 landet erstmals ein chinesisches Raumschiff auf dem Mond. An Bord ist das Mondfahrzeug "Jadehase" (yutu). Der US-Überläufer Edward Snowden offenbart 2014, dass die NSA jahrelang die chinesische Staatsspitze und das Unternehmen  "Huawei" ausspioniert hat. Im August 2014 ist eine neue Langenstreckenrakete fertig (Dongfeng - DF 41), die ungefähr 12.000 km weit fliegen kann. China verstärkt seine Forschungen zur künstlichen Intelligenz. Das Großprojekt hat den Namen Chinas Gehirn. Beteiligt ist vor allem der Internetgigant Baidu. Im März 2015 ist China das Partnerland auf der Cebit in Hannover. China will bis Ende 2017 mehr als 180 Mrd. Dollar in den Ausbau des Internets investieren. 2015 fließen 70 Mrd. $ in Netzwerke. China will ab 2015 eigene Mittelstreckenflieger bauen. Der Flugzeugbauer Comac präsentiert seinen ersten komplett selbst gefertigten Flieger (Konkurrenz für Boing und Airbus). 2015 baut China eine gigantische Fabrik, worin massenhaft Haus- und Nutztiere geklont werden sollen. Damit soll insbesondere der Fleischhunger der Bevölkerung gestillt werden. Durch den Kauf einer Lizenz von der Ukraine baut China zukünftig das größte Flugzeug der Welt. In China soll der größte Teilchenbeschleuniger der Welt entstehen, der 2040 in Betrieb genommen werden soll. 2017 lässt China die ersten Trams ohne Schienen fahren (Gummiräder; Elektromotor). Im Januar 2018 gelingt chinesischen Forschern das Klonen Jawa-Affen. Die chinesische Weltraumstation "Himmelspalast" stürzt im April 2018 auf die Erde. Der erste chinesische Flugzeugträger geht im Mai 2018 auf Probefahrt. Am 21.05.18 wird eine Rakete zum Mond abgeschossen, die erstmals auf der Rückseite des Mondes (von der Erde aus gesehen) landen soll. Im November 2018 wird bekannt gegeben, dass ein chinesischer Forscher Zwillinge genmanipuliert hat. Die Babys sind resistent gegen HIV. Das wurde mit dem Verfahren der Gen-Schere gemacht. Die Führung will die Ethik überprüfen, nachdem Kritik aus aller Welt kommt. Das Projekt wird gestoppt. Im Dezember 2018 startet das Land eine Sonde zum Mond (Chang´e 4), die erstmals auf der Rückseite landen soll. Ein spezieller Satellit muss für die Kommunikation sorgen. Die Sonde landet am 02.01,19 erfolgreich. Erstmals gelang China schon 2013 eine Sondenlandung auf dem Mond. Damit zeigt China seine Weltspitze auch in Wissenschaft und Technik (entscheidend auch für Militär). Pünktlich zum 70. Geburtstag der VR China wird der weltgrößte Flughafen (700.000 Quadratmeter) nach vier Jahren Bauzeit fertig gestellt. Er liegt 50 km südlich von Peking und heißt Daxing (im Volksmund auch Seestern, weil sechs Arme da sind). Schon 2021 sollen 45 Mio. (ab 2024 100 Mio.) Fluggäste jährlich befördert werden, mit 4 Start- und Landebahnen. Eine Schnellbahn befördert die Fluggäste in 20 Minuten nach Peking. Noch im Juli 2020 will China seine Marsmission starten. Das geschieht von der von der Firma C-Space in der Wüste Gobi. Das Raumschiff "Tianwen-1" wird mit der Rakete "Langer Marsch" abgeschossen. Die Rakete "Langer Marsch" bringt im November 2020 ein unbemanntes Raumschiff mit Namen der Mondgöttin ""Change` 5" zum Mond, um Bodenproben zu nehmen. Die Sonde landet am 1.12.20 auf dem Mond. Sie besteht aus vier Modulen. Darunter auch die Rückkehrkapsel. Es wird auch eine speziell entwickelte China-Flagge gehisst (440 Mio. Nutzer sehen das über Weibo). Am 15.5.21 landet die Sonde/ Rover "Zhurong" (Gott des Feuers) auf dem Mars. Sie wurde von Tianwen 1 hingebracht. Am 17. Juni 2021 erreichen die chinesischen Taikonauten die neue Raumstation. Am 21.3.22 stürzt ein Flugzeug mit 132 Insassen bei Wuzhou ab. Sie fällt aus großer Höhe kopfüber zu Boden (sehr ungewöhnlich). Im April 2022 sind Taikonauten wieder aus dem All zurückgekommen. Sie waren ein halbes Jahr dort. 2023 plant China eine Mondlandung. Die soll bis 20230 verwirklicht werden. China will eine neue Supermacht im All werden, neben den USA und Russland. China entwickelt Hyperschallflieger (wie auch die USA). 2035 sollen sie betrieben werden. Mit einem Forschungsschiff möchte China ab 2024 in bislang unerreichte Tiefen unter dem Meer bohren. Anfang Juni 2024 landet eine chinesische Sonde auf der erdabgewandten Seite auf dem Mond, um Gesteinsproben zu sammeln (staatliche Angaben). "China, Indien und Korea werden mit rasantem Tempo immer einflussreichere Spieler auf dem Patentmarkt", Alain Pompidou, ehemaliger Präsident des Europäischen Patentamtes. "Sein Licht unter den Scheffel stellen und den rechten Augenblick abwarten", Deng Xiaoping. 2017 macht eine Zahnstocher-Armbrust von sich reden. Viele Schüler benutzen sie (Reichweite bis 20 Meter, starke Durchschlagskraft). Es ist der neue Spielzeugtrend.

   Shanghai (früher "Paris des Ostens" genannt; auch: der Hafen der Düfte oder die Stadt über dem Meer), Pudong (Finanz-Viertel) und World Financial Center vom Wasser her bei einer Hafenrundfahrt  aus fotografiert. "China ist vergleichbar einem Baum. Die Wurzeln liegen in Xi ´an, der Stamm ist Beijing, die Blüten sind Shanghai". Diesen Spruch hört man oft in China. Die Zukunft wird im Süden gesehen. Keine andere Stadt hat sich seit 1990 so stark gewandelt. Es gibt noch Bauten aus der Konzessionszeit (Französische Konzession), aber vor allem viele Wolkenkratzer. Die Chinesen selbst sprechen heute auch von Mao-Dynastie und verweisen darauf, dass jede Dynastie im Schnitt 200 Jahre gehalten hat. "Das chinesische Volk ist wie ein weißes Stück Papier, wie gemacht, die allerschönsten Zeichen darauf zu malen", Mao.  Die Realität in China hat nicht mehr viel mit Kommunismus zu tun.  Der Süden Chinas ist westlicher und etwas freier. Shanghai hat das bunteste Nachtleben. Am berühmtesten ist der Bund (Wort stammt aus Indien und bedeutet so viel wie Gürtel), die alte Hafenpromenade. Im Süden Chinas wird in der Regel alles gegessen, was vier Füße hat, außer Tischen und was fliegen kann, außer Flugzeugen (also auch Hunde und Katzen; vor allem, wenn anderes Fleisch teurer wird). Vom Flughafen zur Stadt verkehrt ein Transrapid in 7 Minuten (mit deutscher Technik; in Deutschland Auslaufmodell). Am  Ende der Kaiser-Ära war Kanton (heute Shenzhen) aber eher das Tor des Westens nach China. Es stand damals unter britischer und französischer Verwaltung. Es liegt im Perlflussdelta an der Mündung des Weißen Flusses.     

Geschichte: Vor 1200 Jahren war dort nichts. Erst in der Tang-Zeit entstand in diesem Gebiet durch Ablagerungen des Yanzi festes Land. Im 10.Jh. gab es zum ersten  Mal eine Anlegestelle (am oberen Hai-Fluss). 1267 wurde Shanghai zum Marktflecken. 1292 zur Kreisstadt. 1554 erhielt die Stadt eine Stadtmauer. Die Stadt wurde sehr bekannt, als 1840 England im Vertrag von Nanjing die Öffnung der Stadt erzwang. Es entstanden Konzessionsgebiete der Engländer, Franzosen und Amerikaner. Die Deutschen setzten mit dem Club Concordia ein architektonisches Wahrzeichen. Der Bund (waitan) wurde zu einer der ersten Adressen weltweit. 1854 wurde in Shanghai ein Seezollamt unter britischer Leitung eingerichtet, das zu einer wichtigen Einnahmequelle für den Qing-Staat wurde. Shanghai war von Beginn an Chinas Laboratorium der Moderne. Vgl. Vogelsang, Kai: Geschichte Chinas, Stuttgart 2019, S. 458.

 Japan:

"Wer sich selbst alles zutraut, wird andere übertreffen", Zen-Weisheit.

Konjunktur:  Im September 2020 gehen Japans Exporte in Höhe von -14,8% zurück im Vergleich zum Vorjahresmonat. Es war der sechste Monat in Folge mit einem zweistelligen negativen Wert. Bis dahin liegt der Überschuss in der Handelsbilanz noch bei 248,3 Mrd. Yen. Auch im zweiten Quartal 2020 sackt Japans Wirtschaft weiter ab. Die Exporte sind so stark eingebrochen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im 1. Quartal 2020 bricht die Wirtschaft ein (Taifun, Handelskrieg der USA, Mehrwertsteuererhöhung, Corona-Virus). Japan ist am Beginn einer Rezession. Im ersten Quartal 2018 beendet die Wirtschaft Japans ihre Erfolgsserie: Das BIP schrumpfte um 0,6% (schrumpfende Investitionen und Konsumausgaben). Durch die Handelspolitik von Trump können Exporte das nicht mehr ausgleichen. Vor allem die sinkenden Konsumausgaben belasten auch Japans Volkswirtschaft. Im zweiten Quartal 2017 wächst die Wirtschaft so schnell wie seit zwei Jahren nicht mehr (BIP +4,0%; Binnennachfrage, höhere Investitionen der Firmen). Im ersten Quartal 2017 verliert die Konjunktur stark an Fahrt. Die Industrieproduktion fiel im Mai 17 um 3,3% gegenüber dem Vorjahr. Die Verbraucherausgaben sanken um 0,1%.  Im Februar 2016 ist die Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,2% gesunken. Im Februar 2016 fällt auch der Dollar zum Yen auf ein Rekordtief. Der Yen wird als sicherer Hafen gesehen. Seit Jahresbeginn hat der Nikkei-Index ein Fünftel seines Wertes verloren. Mit einem massiven Konjunkturprogramm will die neue japanische Regierung ab 2015 die Wirtschaft wieder in Schwung bringen (3,5 Billionen Yen/ 24 Milliarden Euro).  Die wichtigsten Elemente sind Unterstützung für den Mittelstand, für Verbraucher und die Opfer von Naturkatastrophen. Die expansive Geldpolitik wird 2015 fortgesetzt (jährlich 80 Billionen Yen für Ankauf von Anleihen und Wertpapieren). Trotzdem rutscht das Land im dritten Quartal 2015 weiter in die Rezession (BIP -0,2%; gleicher Wert für 2. Quartal)). Am 24.08.15 brechen die Aktienkurse um 4,61% (im Anschluss an Einbruch in Shanghai). Im letzten Quartal 2014 erholt sich die Wirtschaft (BIP +2,2%). Im Dezember 2014 stiegen die Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,9%. Im Zuge des stark gesunkenen Ölpreises stiegen die Importe nur um 1,9%. Zwei Quartale in Folge am Ende von 2014 rutschte Japan in eine Rezession (-1,6%, die Industrieproduktion steigt allerdings im September und Oktober 14 noch um 0,2%). Am Beginn von 2014 hatten die Politik des billigen Geldes und hoher Defizite den Aufschwung vorerst zurückgebracht. Das Land scheint der Deflation entronnen. Es könnte für 2014 +0,2% Wachstum herauskommen (2015: 1,1%). Die Konsumenten sind aber nicht an Inflation gewöhnt und halten sich zurück (Reallohnverlust, Mehrwertsteuererhöhung; bis 2015 auf 10%). Die Betriebe fahren ihre Investitionen weiter zurück.  Das führt im zweiten Quartal 2014 zu einem Einbruch (-6,8%). Der schwache Yen sorgt Ende 2013 für ein Handelsdefizit in Japan. Die Einfuhren übertrafen im November 2013 die Ausfuhren um 1,25 Billionen Yen (rund 9 Mrd. €; vor allem Energie, die in Dollar bezahlt, wurde teurer). Insofern ist die Lage gespalten. Zu Jahresbeginn 2013 hellt sich das Konsumklima auf. Im ersten Quartal wächst die Wirtschaft um 4,1% (Stagnation zu Ende?). Vor allem die Exporte legen vier Monate hintereinander zu (im August 2013 +14,7%). Im 2. Quartal beträgt das Wachstum 3,8%.  Im dritten Quartal wächst die Wirtschaft nur um 1,1%. Die Regierung zieht ein Konjunkturprogramm in Höhe von 134 Milliarden € auf (auch um die restriktiven Wirkungen der Verbrauchssteuererhöhung zu bremsen). Im November 2013 erreicht der Nikkei-Index den höchsten Stand seit Mai. Es zeigen sich allerdings noch keine Erfolge im Kampf gegen die Deflation. Am 13. 06. 13 kommt es zu einem Kursrutsch an der Börse (Wirtschaftsdaten aus den USA). Die Vergabe der Olympischen Spiele 2020 an Tokio soll die Wirtschaft Japans beflügeln (150.000 neue Arbeitsplätze). die Aktienkurde steigen. Im ersten Quartal 2012 erholt sich Japans Wirtschaft (BIP +1%; Konsum, Export, Aufbau des Nordostens/ Konjunkturprogramme). Die Arbeitslosenquote stagniert bei 5% (allerdings ungenau gemessen). Im dritten Quartal brechen die Exporte ein: Der Inselstreit mit China und die Euro-Krise haben großen Einfluss. Die Wirtschafts-Aussichten für 2013 sind schlecht, werden aber nach den Stimulierungsmaßnahmen der Regierung und der Geldschwemme korrigiert (Abenomics). Man rechnet mit 2,5% Wachstum.  2011 hat Japan das erste Handelsbilanzdefizit seit 30 Jahren. 2011 wird Japan durch die Naturkatastrophe (Erdbeben, Tsunami, Atomkraftwerke) zurückgeworfen (1. Quartal -0,9%). Im Mai 2011 brechen die Exporte um -10,3% als Folge des Erdbebens ein. Gleichzeitig im Mai stieg die Industrieproduktion wieder um  5,7% zum April. Die Regierung rechnet 2011 mit Mini-Wachstum von 0,5%. Die Rating -Agentur Moody´s stuft Japan im August 2011 herab (von Aa2 auf Aa3) . Auch der Einzelhandel kommt nicht in Schwung. Der jüngste Tankan-Bericht warnt vor einem Yen-Höhenflug (Firmenexodus?). 2010 zeigt sich auch in Japan der Aufschwung (Industrieproduktion, Bruttoinvestitionen größer Null). Auch die Exporte treiben Japans Konjunkturerholung (März 2010 43,5% über dem Vorjahr). Im 1. Quartal 2010 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 1,2% (Exporte mit 0,7 Punkten); im 2. Quartal nur um magere 0,1%, im 3. Quartal +1,1%. Der starke Yen, die mangelnde Kauflust der Japaner und fehlende Investitionen bremsen. Hinzu kommen Preisdeflation, die rapide alternde Bevölkerung  und soziale Deformation bei der Renten- und Gesundheitssicherung. Im August 2010 wird ein weiteres Konjunkturprogramm von 8,5 Mrd. € aufgelegt. Im September 2010 greift die japanische Notenbank massiv in den Devisenhandel ein, indem sie Landeswährung im Milliardenumfang verkauft. Außerdem stellt die Zentralbank weitere zinsgünstige Kredite zur Verfügung. Im Oktober 2010 wird der Leitzins quasi auf Null gesenkt (0 bis 0,1%). Japan hat Ende 2008 die Produktion kräftig gedrosselt, Januar und Februar bricht die Industrieproduktion ein (10,2%, 9,4%). Japan ist in einer  Rezession. Im letzten Quartal 2009 ging das BIP um -4% im Jahresvergleich  zurück. Um 1,2% sanken im März die Verbraucherpreise. Statistisch ist Japan der größte Krisenverlierer (stärkster Rückgang seit 50 Jahren). Mitte 2009 scheint der Absturz gestoppt. Japan profitiert vor allem vom Aufbau der Infrastruktur in China (Baumaschinen). Im September steigt die Produktion wieder um 2,1%, das BIP im 3. Quartal um 0,7%.  2010 soll die Wirtschaft um1,4% wachsen (2011: 1,1%, 2012: 1,2%). Das Geschäftsklima steigt 2010 deutlich an. Seit Februar 2002 bewegte sich die Wirtschaft Japans, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, nach Jahren der Deflation vorübergehend auf Wachstumskurs. Japan hat im Jahr 2007 ein Wachstum von 2,0%, 2006 ein Wachstum von 2,2% erzielt (2005: 1,9%, 2008: voraussichtlich 1,7%, 2009: voraussichtlich 1,5%). Neue Exportmärkte in Asien und Südamerika, aber auch Großinvestitionen der Elektronik- und Automobilindustrie in Japan haben dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die Exporte brechen 2008 um 50% ein, im 1. Quartal 2009 noch mal um 28% zum Vorquartal.. Auch andere Frühindikatoren sind  Ende 2008 und Anfang 2009 rückläufig. Es fehlt auch an Produktivität und Innovation. Insbesondere die weltweite Nachfrage nach japanischen Autos und Elektronikprodukten geht zurück. Auch die Binnennachfrage bricht ein. Ende 2009 und 2010 drosselt Toyota weltweit die Produktion, weil 8,5 Mio. Fahrzeuge zurückgerufen werden müssen. Damit kriselt ein Symbol Japans. Die Regierung legt im Herbst 08 ein Konjunkturprogramm in Höhe von 70 Mrd. € auf (weitgehend Kredit finanziert). Ein Investitionsprogramm in Höhe von 380 Mrd. € folgt. Erst im zweiten Quartal 2009 gibt es mit 0,9% ein Plus beim BIP-Zuwachs nach fünf Minusquartalen. Dabei profitiert Japan stark vom Wachstum Chinas. Die Preise am Immobilienmarkt steigen wieder. Ist Japan auf dem Weg in eine Stagflation? Zusätzliche Bargeldgeschenke (bis 500 € pro Haushalt sollen den Konsum anregen. die Rückzahlung von Hypotheken soll bezuschusst werden. Der Nikkei - Index der Japan-Aktien hat im Jahre 2008 -42% verloren, soviel wie nie zuvor.. Zu einem Dreijahrestief kommt es nach der Pleite von Lehman Brothers. Die japanische Konjunktur ist volatil wegen der großen Abhängigkeit von den USA. Von hier könnte weiter nachlassendes Wachstum kommen. Denn der Export ist neben dem Binnen-Konsum der Hauptwachstumsfaktor. Wegen der höheren Zinsen in den USA ist der Yen schon länger unter Druck. Am 17.08.07 kommt es zu einem Aktien-Crash von 5%, stärker ist der Rückgang dann am 21. 01. 08 (-5,6%, unter 13.000), am 06.10.08 (-4%, tiefster Stand seit 5 Jahren) und am 08.10 (-9%, 20Jahrestief).  Der Yen ist immer noch  unterbewertet, doch die BoJ interveniert nicht. Die japanische Industrie kann mit diesem Wettbewerbsvorteil günstiger exportieren (vor allem die Automobilindustrie hat profitiert, im Januar Export +18,2% gegenüber dem Vorjahr), es gibt auch keine Inflationsgefahr. Die Deflation, die eine Reaktion auf frühere Übersteigerungen, insbesondere bei Aktien und Grundstückspreisen, war, scheint überwunden (zuletzt sogar Preissteigerung von 0,6%). Japans Anleger leihen sich billiges Geld in Japan und legen es in Hochzinsländern an (Carry Trade).  Mitte November 2006 hat Japan ein Exportverbot für Luxusgüter nach Nordkorea erlassen. Am 21.02.2007 erhöhte die BoJ den Leitzins auf 0,5%. Im Oktober 08 wird er wieder auf 0,3% gesenkt, im Dezember auf 0,1%.  Dann auf 0,25%. Nach zweieinhalb Jahren wegen Corona sind ab Oktober 2022 wieder Individualreisen nach Japan ohne Visum möglich.

In Japan bildet sich das Parlament aus den zwei Häusern "Shügiin" mit 475 Mitgliedern und "Sangiin" mit 242 Mitgliedern.

Gesellschaft, Politik und Reformen: Über 10 Jahre andauernde Rezession und der Druck durch die Globalisierung haben in der Wirtschaft, den Unternehmen und der Gesellschaft zu großen Struktur - Veränderungen geführt (z. B. Abbau des auf der Firma beruhenden sozialen Sicherungsnetzes). Es ist auch ein Wachsen des Nationalismus zu beobachten. Die Bestimmungen für die Einreise sollen verschärft werden. Mitte September 2006 legte Koizumi sein Amt nieder, Nachfolger war Shinzo Abe (wollte die Beziehungen zu China verbessern und "Flamme der Reformen soll weiter brennen"). Auf internationaler Bühne wird seither selbstbewusster agiert, auch gegenüber den USA. Die japanische Regierung unter Abe wurde auch nationalistischer und rückt nach rechts. Die Regierung wurde durch verschiedene Skandale erschüttert. Abe trat daher im September 2007 zurück, auch als Vorsitzender der LDP. Nachfolger wurde Yasuo Fukuda in beiden Funktionen . Leistungs- und Anpassungsdruck führen zu einer Selbstmordwelle unter Japans Schülern. Das japanische Landwirtschaftsministerium schickt Sushi Inspektoren in die Welt, um die Zubereitungsregeln zu kontrollieren. Erstmals seit sechs Jahren reiste im April 2007 wieder ein chinesischer Ministerpräsident (Wen Jiabao) nach Japan. Vertreter der Energiewirtschaft beider Länder unterzeichneten Kooperationsabkommen. Die Zwischenfälle häufen sich vor den Südkurilen, die zwischen Japan und Russland umstritten sind. Der Zwist verhindert bessere  bilaterale Handelsbeziehungen der beiden Länder. Bis 2020 will Japan eine komplett neue Netzinfrastruktur für das Internet schaffen (Kommunikationsminister Yoshihide Suga). Bundeskanzlerin Merkel besucht Ende August 2007 mit einer 30köpfigen Wirtschaftsdelegation Japan. Vorher hat sie China besucht. Es geht vor allem um Klimapolitik und die Übergabe der G8 Führung an Japan. Japan unterstützt den US-Einsatz in Afghanistan nicht mehr. Ein Rüstungsskandal erschüttert Ende 2007 Japans Regierung: Verteidigungsbeamte erhielten Bestechungsgeld für die Vergabe von Beschaffungsaufträgen. Der Besuch von Regierungschef Fukuda in China Ende 2007 knüpft die Kontakte enger und verbessert weiter die Beziehungen beider Länder. Im Sommer 2008 ersetzt Fukuda 13 von 17 Ministern seiner Regierung. Im September 08 tritt Y. Fukuda frustriert zurück. Taro Aso wird sein Nachfolger ("Club der alten Männer"). Bei der Parlamentswahl im August 2009 kommt es  zu einer Niederlage der LDP, die seit 1955 regiert. Die DPJ gewinnt und Hatoyama wird Ministerpräsident. Er will die Kaufkraft fördern und Japan weniger abhängig von Exporten machen. 2010 gerät Hatoyama in Schwierigkeiten wegen Millionenspenden seiner Mutter für den Wahlkampf am Fiskus vorbei (Die Mutter ist Erbin des Gründers von Bridgestone). Außerdem hält er das Wahlkampfversprechen zur Schließung eines US-Stützpunktes nicht ein. Im Juni 2010 tritt er zurück. Finanzminister Naoto Kan wird neuer Premierminister. Er will die Steuern erhöhen und den Haushalt sanieren. Seine Partei verliert die Senatswahl. 2010 besucht erstmals kein Regierungsmitglied den Yasukuni - Schrein. 2010 gestattet die Regierung erstmals einen Blick in Todeszellen und Hinrichtungsräume. 86% aller Japaner sind für die Todesstrafe. Die demokratische Partei Japans (DPJ) steht vor der Spaltung. Regierungschef Naoto Kan und die graue Eminenz Ichiro Ozawa kämpfen um die Parteiführung und den Premier. Kan gewinnt die Kampfabstimmung klar. Im Juni 2011 übersteht er ein Misstrauensvotum. Ende August tritt Kan als Vorsitzender der DPJ und als Ministerpräsident zurück (Krisenmanagement nach dem Erdbeben). Sein Nachfolger in beiden Funktionen wird der bisherige Finanzminister Yoshihido Noda. Er warnt vor einem Haushaltsnotstand. Im November 2012 löst Noda das japanische Unterhaus auf. Es gibt vorgezogene Neuwahlen im Dezember. Diese Wahl gewinnt Shinzo Abe (LDP). Im Juli 2013 bekommt Abe auch die Mehrheit im Oberhaus. Die "Abenomics" zeigt Wirkung: der Nikkei-Index legt zu und die Konsumausgaben steigen. Vor allem steigt die Stimmung in Japan. Die Regierung in Japan unter Abe will bis Ende 2013 die Freihandelszone "Trans Pacific Partnership" (alle Pazifikanrainerstaaten) eingehen. Ende 2013 besucht Abe erstmals seit 2006 als Ministerpräsident wieder den Yasukuni-Schrein. Weil hier auch verurteilte Kriegsverbrecher des 2. Weltkriegs geehrt werden, protestieren China und Korea (in diesem Krieg tötete die japanische Armee 20 Mio. Menschen). Im Januar 2014 werden 200 Delfine in die Bucht von Taiji getrieben. Die meisten werden getötet (obwohl das Fleisch kaum noch in Japan gegessen wird). Einige kommen in Delfin - Aufzucht - Stationen. Jährlich kommen in der Bucht vor dem Fischerort ca. 200.000 Delfine und Kleinwale ums Leben (Film "Die Bucht"). Ende April 2014 besucht der amerikanische Präsident Obama Japan. 2014 beschließt Japan, dass künftig Verbündete militärisch unterstützt werden können (kollektive Selbstverteidigung; Pazifismusgebot wird damit aufgehoben). Durch den Konflikt mit China im Chinesischen Meer rücken Japan und Australien enger zusammen. 2014 richtet der Taifun "Neoguri" große Schäden in der südwestlichen Region Okinawa an. In der Nähe des havarierten Atomkraftwerks Fukushima kommt es zu einem Erdbeben. Es wird Tsunami-Warnung erlassen. Im August 2014 fliehen 100.000 Menschen vor dem Taifun "Halong" im Süden Japans. Beim Ausbruch des Vulkans Ontake (zweithöchster Berg Japans) Ende September 2014 sind über 30 Menschen umgekommen und über 40 schwer verletzt worden. Im Oktober 2014 treten zwei Ministerinnen zurück wegen Spenden- und Amtsmissbrauch. Am 18.11.14 tritt Premier Abe zurück und flüchtet sich in Neuwahlen. Er ist wegen der Rezession unter Druck. Im Wahlkampf artikulieren Japans Frauen lautstark ihre Interessen. Sie machen mobil gegen die gesamte Clique der "Ossan", der alten Männer (Akie Abe, die Frau des Premiers: "Ich bin die Oppositionspartei in der Familie"). Shinzo Abe wird am 14.12.2014 bei den vorgezogenen Neuwahlen mit Zweidrittelmehrheit wieder gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 52%. Am 09.03. 15 besucht Bundeskanzlerin Merkel Japan. Es geht um ein Freihandelsabkommen. Beide Länder wollen vorerst an den G7 festhalten und damit Russland nicht dabei haben. Der Kulturaustausch mit Europa lahmt (Japan schottet sich eher gegen Einwanderer ab). Ein starkes Erdbeben der Stärke 8,5 hat am 30.05.15 die Region um Tokio erschüttert. Im Juli 2015 weicht das japanische Parlament die pazifistische Verfassung auf: Neue Sicherheitsgesetze, auch für Einsätze im Ausland. Anfang Oktober 2015 bildet Premierminister Abe das Kabinett um: 10 neue Minister. Japan leidet an dem verlangsamten Wachstum gegenüber China. 29 Tote gibt es bei einem Erdbeben (zwei Beben innerhalb von 24 Stunden) im April 2016 im Südwesten Japans (Insel Kyushu). Am 27. mai 2016 sucht der US-Präsident Hiroshima (als erster Präsident). Chinesische Kriegsschiffe halten sich 2016 immer wieder nahe der Senkaku-Inseln auf. Japan wirft China Provokation auf hoher See vor. Bei der Parlamentswahl im Juli 2016 fährt Abe einen hohen Sieg ein: Die Koalition aus LDP und Komeito erreicht fast die Zweidrittelmehrheit (erstmals nach 27 Jahren winkt der LDP die alleinige Mehrheit, 59 von 121 Sitzen, im Unterhaus hat sie bereits eine Zweidrittelmehrheit). Somit kann die Änderung der pazifistischen Verfassung angegangen werden (von der amerikanischen Siegermacht nach dem 2. Weltkrieg aufgedrängt). Viele Experten fürchten, dass Abe jetzt seine Strukturreformen, Teil der Abenomics, vernachlässigt. Mitte 2016 kommen Spekulationen auf, dass Kaiser Akihito bald abdanken könnte. Im Juli 2016 wird Yuriko Koike, frühere Verteidigungsministerin Japans, zum Gouverneur der Hauptstadt Tokio gewählt. Ein schweres Seebeben erschüttert im November 2016 die Region um Fukushima. Zusammen mit Obama will der japanische Regierungschef Abe noch Pearl Harbour besuchen. Ein Russland-Japan-Gipfel (mit Abe, Putin) im Dezember 2016 in Tokyo und Nagato bringt keinen Durchbruch im Inselstreit. es werden eine Reihe von Wirtschaftsabkommen geschlossen. Die japanische Verteidigungsministerin Tomomi Inada besucht Ende 2016 den Yasukuni Schrein. Im März 2017 besucht eine Delegation aus Saudi-Arabien (1000 Personen; schwierig in Tokyo unterzubringen) Japan. Es geht für das Land um Technologie-Transfer, für Japan auch um Öl. 2017 kommt ein Gesetz in Japan, dass dem Kaiser die Abdankung erlaubt. Damit kann Akihito die Krone an seinen Sohn Naruhito weiterreichen. Sollte Tochter Prinzessin Mako einen Bürgerlichen heiraten, muss sie vom Gesetz aus, den Hof verlassen. Das wäre das Ende des Kaisertums in Japan. Japans Kaiserenkelin Mako verlobt sich im September 2017 mit einem Bürgerlichen. Premier Abe nutzt die Gunst der Stunde (Raketen Nordkoreas, gute Wirtschaftslage), um Neuwahlen für den 22. Oktober 2017 auszurufen. Just zu dem Zeitpunkt rast Taifun Lan auf das Land zu und könnte die Wahlbeteiligung weiter drücken. Die konservative Koalition von Abe kommt auf 311 von 465 Sitzen, er gewinnt also haushoch. Im November 2017 besucht Trump Asien, zuerst Japan (dann Südkorea, China, Vietnam und die Philippinen). Die Reise ist wegen der Unberechenbarkeit von Trump heikel. In Japan stehen zwei Punkte im Mittelpunkt: Nordkorea und das Handelsdefizit der USA mit Japan (-68 Mrd. $). Eine funktionierende Achse ist für beide Länder wichtig. Die Regierung in Tokio legt im Dezember 2017 den Abdankungstermin von Tenno Akihito auf den 30. April 2019 fest. 2017 werden immer wieder "Geisterboote" (nicht hochseetauglich, teilweise mit Leichen) an der Küste Japans angeschwemmt. Die Erklärung dafür reicht von Flüchtlinge aus Nordkorea bis gestrandete Agenten. Ende 2017 wird entschieden, dass die Todesstrafe beibehalten wird. Der Todestrakt der Gefängnisse wird nicht kontrolliert. Die Verurteilten berichten von Folter und Böswilligkeiten. Im März 2018 erschüttert ein Skandal um Vetternwirtschaft im Zusammenhang mit einem ultranationalistischen Schulbetreiber das Land. Es gibt auch Hinweise auf eine Verwicklung von Premier Abe und seine Frau. Im Mai 2018 besucht der chinesische Ministerpräsident  Le Keqiang Japan. Man vereinbart Verhandlungen über die umstrittenen Inselgruppen und eine Ausweitung des Handels zwischen beiden Ländern (weitere Punkte: Hotline zwischen beiden Ländern zur Vermeidung militärischer Konflikte, Abe nach China eingeladen, Xi will Japan besuchen). Es ist der erste Besuch eines chinesischen Ministerpräsidenten seit sieben Jahren. Am 17.06.18 gibt es ein Erdbeben in der Nähe von Osaka. 3 Menschen werden getötet, über 200 müssen fliehen. Im Juli 2018 gibt es Unwetter und Erdbeben in der Nähe von der Region Hiroshima, Nagasaki, Kyoto. Es gibt viele Tote und Verletzte. Am 04.09.18 gibt es einen schweren Taifun an der Küste der Hauptinsel. "Jebi" ist der schwerste Taifun seit 25 Jahren. Er führt zu sechs Toten und einem Verkehrschaos an der Küste. Der internationale Flughafen von Osaka muss lange gesperrt werden. Gleich danach erschüttert ein schweres Erdbeben der Stärke 7 die Insel Hokaido (Nordjapan). Mindestens 23 Personen kommen ums Leben. Ende Oktober 2018 kündigt Japans Regierungschef Abe an, dass er mehr Kooperation mit China will. Er spricht von "einem historischen Wendepunkt" auf dem ersten Gipfel beider Staaten. Möglichkeiten der Zusammenarbeit sieht er bei der Infrastruktur, der Logistik, bei Gesundheit und Finanzdienstleistungen. Einige Wirtschaftsabkommen wurden unterzeichnet. Auch beim Thema "Nordkorea" will man zusammenarbeiten. Anfang November 2018 besucht Wirtschaftsminister Peter Altmaier Tokio vor dem Asien-Pazifik-Gipfel. Er trifft seinen Amtskollegen Hiroshige Seko. Auch ein Treffen mit Abe ist geplant. Ab 2019 verlässt Japan die Internationale Walfangkommission (IWC). Am 04. und 05. Februar 2019 besucht Bundeskanzlerin Merkel Japan. Es geht um die Themen Internationale Ordnung, Krisenmanagement, Welthandel und Wirtschaftsbeziehungen. Im Oktober 2019 trifft ein Super-Taifun auf Japan und Tokio. Hagibis richtet große Schäden an. Im November 2019 (23./24.) besucht Papst Franziskus Japan. Er gedenkt auch der Opfer der Atombombenabwürfe. Bei schweren Unwettern (schwerer Regen, Überschwemmungen) im Südwesten Japans (am stärksten betroffen die Provinzen Kumamoto, Kagoshima) kommen 35 Menschen ums Leben. An 75. Jahrestag der Kapitulation Japans im 2. Weltkrieg äußert Kaiser Naruhito sein "tiefstes Bedauern" über die kriegerische Vergangenheit. Vier japanische Minister besuchen allerdings wieder den Yasukuni-Schrein. Premierminister Abe ist schwerer erkrankt. Er hat einen längeren Klinikaufenthalt. Er hat Darmprobleme. Japans Kaiserfamilie verzichtet wegen Corona auf den Sommerurlaub außerhalb Tokios (Präfekturen Shizuoka, Tochigi). Am 28.8.20 tritt Abe zurück (chronische Darmentzündung, ganz schlechte Umfragewerte: zuletzt nur 37% Zustimmung). Er regierte am längsten in Japan. Sein Nachfolger als Vorsitzender der LDP wird der Stellvertreter Yoshihide Suga. Damit wird er auch nächster Ministerpräsident. Suga ist 71 Jahre alt und ein Vertrauter von Abe (er stammt allerdings nicht aus einer Politiker-Dynastie, sondern aus ärmlichen Verhältnissen). Er will die schwer angeschlagene Wirtschaft ankurbeln. In Asien belebt Biden alte Allianzen neu, Als erstes ausländisches Staatsoberhaupt besucht der japanische Premierminister Suga das Land Es geht vor allem um die aggressive Politik von China im südchinesischen und ostchinesischen Meer.  Die Sicherheitsgarantie wird erneuert (notfalls Atomwaffen). Bald wird auch der Ministerpräsident Südkoreas in den USA erwartet. Im September 2021 gibt Premier Suga auf. Die Kritik an seiner Corona-Politik war zu stark. Er kandidiert nicht mehr für den Parteivorsitz (LDP). Gleich vier Kandidaten stellen sich zur Wahl, was eine Vielfalt der LDP anzeigt: Taro Kono, Fumio Kishida, Sanae Takaichi, Seiko Noda. Erstmals sind zwei Frauen dabei, die aber eher Außenseiterinnen sind. Die größen Chancen hat Kono, Minister für administrative Reform und "Impfzar". Er will Japan stärker öffnen. Prinzessin Maku will bald ihren Freund Kei Komuro heiraten. Nicht alle Japaner freuen sich. Die shintoistischen Rituale sind abgesagt. Sie will ihrem Angetrauten nach New York folgen. Jetzt hängt alles an ihrer jüngeren Schwester, die im Kaiserhaus bleiben soll. Überraschend wird Ex-Außenminister Fumio Kishida Vorsitzender der Regierungspartei LDP. Damit wird er auch Japans nächster Premier. Technokraten haben sich einem politischen Kurswechsel widersetzt. Tatsächlich wird Kishida am 4. Oktober 21 zum Regierungschef gewählt. Er ist 64 Jahre alt. Viele Minister bleiben im Amt, zwölf neue Gesichter, es gibt drei Besetzungen mit Frauen. Darunter ist auch Seiko Noda, die sich um den Geburtenmangel kümmern soll. Sie wollte selbst Premierminister werden. Im November 2021 legt die deutsche Fregatte "Bayern" im Hafen von Tokio an. Damit hat erstmals seit 20 Jahren wieder ein deutsches Marineschiff in Japan angelegt. Es geht um die Überwachung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea und um Gebietskonflikte zwischen China und den Anrainerstaaten. Bei einem Hochhausbrand in Osaka am 16.12. 21 kommen über 20 Menschen um (im 4. Stock von acht, Brandstiftung). Im April 22 sinkt ein Ausflugsboot vor der Küste Nord-Japans. 26 Menschen kommen dabei um. Am 29.4.22 reist Bundeskanzler Scholz nach Japan. Es ist sein erster Besuch als Kanzler in einem asiatischen Land. Man wertet das hier auch als klare Botschaft an China (Revidierung von Merkels Fokussierung auf China). Auch Premier Fumio Kishida setzt auf starke Partner. Bei einem Besuch von Biden am 22.5.22 in Japan sagt er Taiwan Hilfe zu bei einem Angriff von China auf die Insel. Das Verteidigungsbündnis Quad ist auch gegen die Expansionspolitik Chinas in Asien gerichtet (USA, Japan, Südkorea, Australien). Am 7.7.22 wird bei einer Parteiveranstaltung ein Anschlag auf den Ex-Premierminister Abe verübt. Zwei Schüsse aus einer Schrotflinte verletzten ihn schwer. Abe setzte sich für eine Aufhebung des "Kriegsverbots" ein und wollte eventuell wieder Premier werden (Stärkung von Patriotismus und Rolle des Militärs). Er stirbt nach einigen Stunden im Krankenhaus in Nara.  Der Täter, ein ehemaliger Soldat,  wurde überwältigt und verhaftet. Die Nachricht löst Schockwellen aus, denn Japan gilt als eines der sichersten Länder (mit schärfstem Waffenrecht). Am 10.7.22 besucht Außenministerin Baerbock das Land. In Nagasaki besucht sie das Atommuseum. Sie spricht mit dem letzten Überlebenden der Atomkatastrophe. Sie mahnt eine Welt ohne Atomwaffen an. In Nagasaki wurden etwa 70.000 Menschen durch die direkte Wirkung der US-Atombombe getötet. Bei den Wahlen zum Oberhaus erreicht die LDP eine Mehrheit. Am 27.9.22 wird Shinzo Abe in einem Staatsbegräbnis beigesetzt. Die Witwe Akie Abe trägt die Asche. Am 01.11. 22 besucht Bundespräsident Steinmeier  Japan. Er lobt das Land als Wertepartner. Kishida warnt Russland dabei vor dem Einsatz von Atomwaffen. Am 18. und 19.3. 23 finden Regierungskonsultationen zwischen Deutschland und Japan in Tokio statt. Bundeskanzler Scholz ist mit den wichtigsten 6 Ministern angereist. Man vereinbart eine engere Zusammenarbeit bei Handel/ Wirtschaft und Militär. Der Besuch ist auch ein Ausdruck besonderer gegenseitiger Wertschätzung (man ist auch Wertepartner). Am 21.3.23 besucht der japanische Premierminister Fumio Kishida die Ukraine. Das eigene Netzwerk gen Westen soll gestärkt werden. Im April 2023 findet ein G7-Außenministertreffen in Japan statt (Sonderzug, Nagano). Baerbock reist auch an (vorher China und Südkorea). Es geht um den Ukraine-Krieg, China und den Indo - Pazifik-Raum. Am 1. Januar 2024 treffen mehrere Erdbeben die japanische Hauptinsel Honshu. Die Stärke liegt bei 7,4. Erste Tsunami-Wellen kommen (Halbinsel Noto). Über 90 Menschen kommen ums Leben, 200 sind noch vermisst. Über 30.000 Menschen müssen ihre Unterkunft verlassen. Es gibt Folgebeben. Auf dem Flughafen von Tokio stoßen am 2.1.24 zwei Flugzeuge zusammen (ein A350 und ein Rettungsflugzeug). 5 Passagiere des Rettungsflugzeugs sterben.  Ab 11.4.24 besucht Ministerpräsident Fumio Kishida die USA. Er bleibt mehrere Tage und spricht mit Biden. Dann kommt Marcos aus den Philippinen zu einem Dreiertreffen dazu. Man hält auch gemeinsame Manöver im südchinesischen Meer ab. Japan soll auch AUKUS beitreten.  Seit 1999 gibt es in Japan den Nationalen Teishu-Kampaku-Verein (Vereinigung der chauvinistischen Ehemänner), die Schmeicheleien für ihre Ehefrauen üben.

Die Armen und Obdachlosen führen in Japan ein Schattendasein. Weil es offiziell keine Armut gibt und das Leben ohne Bleibe eine Schande ist, machen sich die Wohnungslosen unsichtbar (die meisten Mitbürger haben nur Verachtung übrig). Das gilt tagsüber, wenn sie ihre Lager abbauen und sich versuchen, normal einzugliedern. Nachts sieht man sie in Parks oder unter Brücken oder auch neben Bahnhöfen. Wer aus dem Raster der sozialen Homogenität fällt, gilt als Verlierer (mit wenig Menschenwürde). In Tokio leben 2014 ca. 6000 Obdachlose. Mit dem Kaiserwechsel 2019 endet die seit 1989 dauernde Regentschaft unter dem Namen Heisei (Frieden überall). Obwohl 1873 formal der gregorianische Kalender eingeführt wurde, rechnen die meisten Japaner und die Behörden in Kaiserepochen. 2018 befindet sich Japan im Jahr 30 der Heisei-Ära.

Technologie/Innovationen: Mitsubishi und Toyota entwickeln gemeinsam einen Regionaljet (70 bis 90 Sitze). Honda will einen Businessjet mit sechs Sitzen bauen. Viele Japaner geben mittlerweile dem Grabstein von Angehörigen einen digitalen Speicher mit persönlichen Daten des Verstorbenen bei (Familie, Vorlieben, Verdienste). Japan ist das Partnerland auf der Hannover Messe (weltgrößte Industrieschau) 2008. Die japanische Weltraumagentur Jaxa schickt Samen heimischer Kirschbäume für Experimente ins Weltall. Die Japaner bringen 2008 mit "Kibo" das größte Weltraumlabor zur ISS. Wenn eine Rakete Nordkoreas über Japan fliegt, soll diese abgeschossen werden. 2010 kommen die ersten Brennstoffzellen für den Hausgebrauch (erstes Land der Welt). Die katastrophale Pannenserie und Rückrufaktion des einstigen Elite-Konzerns Toyota stürzt die Industrienation Japan in eine Krise. Im Juni 2008 erschüttert ein schweres Erdbeben Nordjapan und richtet große Schäden in der Präfektur Iwate an (Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz seit 1999). Iwate lebt vor allem von der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei. Dadurch ist die Präfektur sehr stark betroffen. Am 11.03.11 trifft ein schweres Erdbeben mit Tsunami Japan (Jahrhunderterdbeben, Stärke 9). Es gibt sehr viele Todesopfer (30.000). Vier Atomkraftwerke sind schwer zerstört. Fukushima  ist mit vier Blöcken am schlimmsten betroffen. Es tritt radioaktives Cäsium, Jod, Plutonium und Strontium aus. Einige Atommeiler sind außer Kontrolle. Die Lage spitzt sich immer mehr zu (Erweiterung der Evakuierungszone, Verseuchung des Meeres, Schäden am Druckbehälter). In Reaktor 2 hat wohl eine Kernschmelze eingesetzt. Der Betreiber Tepco gibt keine genauen Informationen, ebenso sind die Regierungsangaben intransparent. Die Regierung gibt das Gebiet um Fukushima auf (20km Sperrgürtel); es läuft radioaktives Wasser aus (Leck kann geschlossen werden). Die Folgen für die Wirtschaft sind unabsehbar (Werksstilllegungen, Stromausfälle, Verseuchungen, Wanderung, Warenengpässe, kaputte Infrastruktur, Benzinknappheit, Folgeschäden bei der Gesundheit). Insbesondere die japanische Automobilindustrie wird um Jahre zurückgeworfen. Ca. 500 Zuliefererbetriebe im Nordosten sind betroffen. Am härtesten wird Toyota in Mitleidenschaft gezogen (Drosselung der Produktion in Japan, Nordamerika und China). Auch deutsche Firmen müssen die Produktion in Japan vorübergehend runterfahren (BASF, Schott, Böhringer). Immer mehr Unternehmen verlagern ihren Sitz nach Osaka. Die Rückversicherungen schätzen den Schaden auf 220 Mrd. Euro (teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten). Ein Nachbeben im April 2011 beschädigt weitere Atomkraftwerke (Onagawa). Tepco muss auf Anordnung der Regierung Entschädigungen zahlen. Es legt auch einen Zeitplan vor, der aber unrealistisch erscheint. Tepco beantragt Staatshilfen. Die japanische Regierung gibt den Plan zum Ausbau der Atomenergie auf. Es soll ein Rettungsfonds für Autozulieferer eingerichtet werden. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA wird 100 Tage nach der Katastrophe Japan Versäumnisse vor. Die japanische Regierung beziffert Mitte 2011 die direkten Kosten der Schäden auf 147 Mrd. €. Hinzu kommen mögliche Kosten durch das havarierte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi. Mitte 2011 tritt der Minister für Wiederaufbau Matsumoto zurück. Bis 09.2011 wurden 54,8 Mrd. € für den Wiederaufbau bereitgestellt. Ein weiteres Konjunkturpaket ist geplant. Ab 2011 entsteht von Osaka nach Tokio über Nagoya eine 438 km lange Magnetschwebebahn (Maglev), die 500 km/h schnell ist. Als Reaktion auf den Führungswechsel in Nordkorea kauft Japan Kampfjets in den USA. Im März 2014 beschließt der Internationale Gerichtshof in Den Haag, dass Japan den Walfang in der Antarktis aufgeben muss (kommerzieller Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft). Ab 2014 bündelt Japan seine Kräfte, um die Brennstoffzelle für Autos zu beschleunigen (Toyota, Honda u. a. ). 2015 bekommt Japan den Zuschlag für eines der größten Eisenbahnprojekte der Welt: Der Schnellzug Shinkansen soll Mumbai und Ahmedabad in Indien verbinden. Japanische Forscher haben ein Bakterium entdeckt, dass sich vom Kunststoff PET ernährt. Vielleicht kann man damit die Mülllawinen in den Weltmeeren und an Land endlich in den Griff bekommen. Den Medizinnobelpreis 2016 erhält der Japaner Yoshinori Ohshumi für seine Verdienst um die Erforschung der Autophagie (Selbstverdauung der Zellen, Recycling der Zellen).  Japan ist im März 2017 das Partnerland der Cebit in Hannover. Das Land hat einen technischen Vorsprung bei der Digitalisierung der Wirtschaft. Beide Länder vereinbaren eine Zusammenarbeit bei der Digitalisierung. Der japanische Professor Tasuko Honjo von der Uni Kyoto bekommt den Medizinnobelpreis 2018 für die Erforschung der "vierten Säule der Krebstherapie" (Anregung der Körperabwehr gegen Tumore; mit dem US-Amerikaner James P. Allison). Erstmals seit 1945 beschafft Japan einen Flugzeugträger im Dezember 2018. Es wird mit der "potentiellen Drohung" durch China und Nordkorea begründet. Der japanische Wissenschaftler Nakaushi will Schweine mit menschlichen Bauchspeicheldrüsen erschaffen. Langfristig sollen Tiere Ersatzteillager für menschliche Organe werden. Dazu hat die Regierung ein Gesetz geändert. Japan plant auch eine Mission zur Erkundung des Mondes. Privatunternehmen wollen dabei Tankstellen und Mobilfunkmasten auf dem Trabanten installieren. Ispace soll als erstes Privatunternehmen Ende April auf dem Mond landen - mit einer deutschen Sonde. Am 7.9.23 ist die Mini-Mond-Sonde Slim in Richtung Mond gestartet. Sie startet vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima im Süden des Landes. Sie kann dort landen, wo es gewünscht ist. Die Leitung hat die Weltraumbehörde Jaxa. Sie landet im Januar 24 auf dem Mond. Damit ist Japan das fünfte Land (Russland, USA, China, Indien). Es soll die erste punktgenaue Landung sein. Ein kleines Mondfahrzeug aus Deutschland ist mit an Bord. Zunächst funktionieren die Solarmodule nicht. Die Batterien sind schnell erschöpft. Doch dann klappt es doch, obwohl die Sonde auf dem Kopf steht. Slim sendet Fotos.   Der Fächer stammt ursprünglich aus Japan und kam im 15. Jahrhundert nach Europa. Spanien wurde zum wichtigsten Herstellungsland, als sich der französische Kunsthandwerker Eugenio Prost im 18. Jahrhundert dort niederließ.

Sonstige Länder und Vereinigungen in Asien (China hat 14 souveräne angrenzende Staaten, mehr als jedes andere Land; die Landesgrenze ist mit 22.000 Kilometern die längste der Welt; viele der folgenden Länder sind auch unter diesem Gesichtspunkt zu sehen):

 

Göteborg, Schweden. Die Stadt wurde von Gustav Adolf II. gegründet bzw. zur Stadt gemacht. Besiedlung gab es schon vorher. Auf dem Bild ist eine Statue von Gustav Adolf und im Hintergrund die Börse. In Göteborg wurde 1631 die schwedische Ost - Indien - Kompanie gegründet. Damit wurde die Stadt zu einem Umschlagplatz des europäischen Handels mit Indien im 17. Jahrhundert. Offizielle Sprachen waren zu der Zeit Schwedisch, Englisch, Deutsch und Holländisch. Es gab auch eine enge Kooperation mit der niederländischen Ostindien - Kompanie. Später wurden auch Güter nach und von China hier verschifft.

Indien

"Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg", Mahatma Gandhi.

Inhalt: Begriff und Sprache, Wirtschaft, Wirtschaftsgeschichte, Arbeitsmarkt, Beschäftigtenstruktur, Arbeitsmigration nach Deutschland, Geldpolitik, Währung "Rupie", UPI: digitales Geld, Wirtschaftspolitik, Subventionsprogramm, Technologie und ForschungStaatsverschuldung, Amartya Sen, Raghuran Rajan, Gita Gopinath, Ashika Mody, Bhaskar Chakravorti, Kampf mit China, Indien und USA, Indien und Deutschland/ EU, Handelsgeschichte, Wirtschaftsentwicklung der Zukunft, Indien als Eier legende Wollmilchsau Wirtschaftsreformen, Ausbau der Infrastruktur ab 2022, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit,   Verhältnis zu wichtigen Ländern, China, Geschichte der Konflikte zwischen Indien und ChinaUSA, Kanada, Russland, Japan, Deutschland/ EU, Handelsabkommen mit der EU, U-Boot-Deal zwischen Deutschland und Indien, Migrations- und Mobilitätsabkommen mit Deutschland, Bedeutung der Zuwanderung für Deutschland, Inder in Deutschland/ Migration, Parag Khanna Auslandsinvestitionen und Außenhandel, Bedeutung des Außenhandels, Produktionsverlagerungen nach Indien,  Handelsverträge Indien, Bevölkerung, Politik, N. Modi Premier, Rahul Gandhi, Vinayak Damodar Savarkar, Stellenwert der Bevölkerung, Analphabetenrate und Bildung, Bevölkerung 2050/ Prognose,  Politische Teilung und Parlament Politische Parteien und politische Organisationen, Militär und RüstungBarygaza, Geschichte, UnabhängigkeitRishi Sunak, GB, IndienGesellschaft und Kultur, Mathematik, Philosophie in Indien, Kricket, Sabu Dastagir Diskriminierung der Frau, Leena Nair, Shrayana Bhattacharya, Erwerbstätigkeit der Frauen, Erwerbstätigkeit,  Eheschließungen, Kinder-Ehen, Sprachen in Indien, Urbane Großräume, Barygaza,  Bangalore, Neu-Delhi, Mumbai, Kalkutta, Deshnoke, Udalpur, Varanasi, Gesundheitsreform 2018 und Gesundheitspolitik, Medizin und Gesundheit,  Industriepolitik, insbesondere für die Pharmaindustrie, Khasi, KastensystemVerteilung, Armut, Pankaj Mishra, Pratap B. Mehta, Sathnam Sanghera,  GrundeinkommenReligionen, Kumbh Mela, Mutter-Teresa-Organisation,  Siddharta, Ram-Hindu-Tempel, Mata Vaishno Devi, Muslime in Indien und den Nachfolgeländern, Migration, Verteilungskampf und Hindu-Fanatismus,Terrorismus, Bhagavad Gita (Yoga, Tri-Guna-Modell, Moderne Psychologie, Fürsorglicher Führungsstil, Guru Sri ChinmoyBuddhistische Psychologie, Medizin, Umwelt (Energie, Stellenwert im Klimawandel, Landwirtschaft, Öko-Versuch in Andgra Pradesch Agrarreform 2020, Wasser, Wasserkriege?, größte Flussdelta der Welt, Naturkatastrophen, Disha Ravi, Energiepartnerschaften, Korrupte Bausünden),  Punjab, Uttar Pradesh, Elefanten, Tauben, Riesenschildkröte, Unternehmen, Start-ups in IndienAdani Group/Gaudam Adani, Nandan Nilekani/ InfosysDeutsche Unternehmen in Indien, Statistik der deutschen Unternehmen in Indien, Deutsche Bank in Indien, Deutsche AHK in Indien, India Manufactoring Show/ BangaloreBörsen, Lieferketten, Unternehmenssteuern, Mehrwertsteuer, Soziale Medien und IT, Technologie der E-Verwaltung, informeller Sektor, Kinderarbeit, Darjeeling, Gewürze, Standort für DI, G20-Treffen 2023, Indiens wachsender Einfluss in der Welt, Zollvergünstigungen; TTC mit der EU, IMECAAGC, Quad; Zukunft Indiens. Nachbarländer bzw. historische Nachfolgestaaten (Tibet in Indien, Lamaismus, Kalachakra Initiation/ Bodh Gaya Sikkim, Ladakh, Aksai Chin und Armada Pradesch, Kaschmir, Pakistan, (Natur und Grenzen, Pakistan und Seidenstraße, Pakistan und Taliban, Pakistan und Islam, Religionen und Konflikte, Pakistan und Iran, Naturktastrophen, Bangladesch, (Einwohner, Abhängigkeit und Strategische Position, Kultur, Politische Einordnung, Scheich Hasina, Muhammad Yunus, Flüchtlinge, Wirtschaft, Textilproduktion, Energie, Außenhandel, Lebensmittelpreise, You Tube - Dörfer, Bildungswesen, Umwelt/ Müllberge, Katastrophen). Sri Lanka: Allgemein, Politik und Konflikte, Stadt Kandy, Zentrum des Ayurveda, Ethnische Konflikte, Wirtschaft, Inflation, Landwirtschaft, Hafen Hambantota, Verschuldung, Zentralbank, Tourismus.  Institutionen in Indien. Zukunft im 21. Jahrhundert.

"It will be curious to see something of the India that is changing", E. M. Forster (The Hill of Devi, Harcourt Brace 1953, Forster schrieb 1921, vor über 100 Jahren).

Begriff und Sprache: Indien wird im Englischen "India" genannt. Manchmal verwendet man auch den Begriff "Bharat". Es ist eine Bezeichnung für Indien in der Hochsprache Sanskrit. 1000 v. Chr. schon war Indien eine Hochkultur (vgl. weiter unten Geschichte). Es sind vor allem radikale Hindus, die sogar auf eine Namensänderung Richtung Bharat drängen. Namensänderung gehören zur Kultur Indiens. Man sieht sie bei Mumbai (Bombay) oder Chennai (Madras). Man will die koloniale britische Vergangenheit ablegen. Indien hat 18 Amtssprachen, darunter Englisch. Es gibt aber über 1000 Sprachen (nicht Dialekte) . Insofern gibt es immer Streit über jedes Auswechseln von Namen.

Wirtschaft (Indien ist zum größten Back-Office der Welt aufgestiegen und dominiert als wichtigster Offshoring-Standort den weltweiten Handel mit IT -Dienstleistungen, Ihlau: Weltmacht Indien, S. 24, vgl. auch WIPRO und andere große indische Firmen bei Links)  2022 geht das BIP um -7% zurück (am stärksten aller Wirtschaftsnationen). Es liegt bei  11.855 US-Dollar. 2020 liegt das BIP bei 2,71 Bio. US$. Das Wachstum des BIP beträgt -8% (Covid). Indien hatte 2010 eine Inflation von 10,4%, 2009 5,5%). 2015 wächst Indiens Wirtschaft um 7,6%. 2018 wächst das BIP um 6,6%. Die Zahlen werden von Experten angezweifelt (Umstellung auf neue Berechnungsmethode; wahrscheinlich nur 5%). Das Wachstum blieb in den letzten 30 Jahren immer hinter China zurück. BIP 2018 2600 Mrd. $. BIP 2014 2048 Mrd. US$. 2010 liegt das BIP bei 1265 Mrd. $ (Rang 11 weltweit); die Bevölkerung liegt bei 1,34 Mrd. 2018 (1,23 Mrd. 2008); bis 2050 soll sich der Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung von heute 2% auf 17% erhöhen, bis 2025 soll es die fünftgrößte Wirtschaftsmacht werden). Heute 2020 ist es drittgrößte Wirtschaftsmacht in Asien und die sechstgrößte der Welt. 2022 überholt man GB und wird die fünftgrößte. BIP pro Kopf: 2.200 US-$ 2022. 728 € (2007, 2010 1176 Dollar Prognose). Seit mehr als 25 Jahren wächst die Wirtschaftsleistung jedes Jahr um über 5%. CO2-Ausstoß pro Kopf 1,18 t pro Jahr-2007, insgesamt 1324 Mio. t). Der Bedarf an Infrastrukturinvestitionen beträgt 2007 350 Mrd. $.  Das Land bleibt von der Weltwirtschaftskrise weitgehend verschont.2012 lahmt die Wirtschaft; es wird mit einer längeren Schwächephase gerechnet. Es häufen sich Mega-Blackouts, Reformstau und Korruption.2015 soll die indische Wirtschaft um 7,6% gewachsen sein. Damit ist Indien Weltmeister. Ökonomen zweifeln diese Zahl massiv an (zu viele Indikatoren sprechen dagegen). Ende 2016 stottert auch Indiens Wachstumsmotor. Die IT-Branche schwächelt. Trump und der Brexit bremsen. Die industrielle Produktion entwickelt sich weiter nur schwach. Trotzdem hat sie 2015 wohl die höchste Wachstumsrate in der Welt (7,6%, vor China mit 7,0% und Indonesien mit 5,5%). Im September 2019 scheitert eine geplante Mondlandung.    Mumbai ist die Finanzmetropole Indiens (auch Börse). Früher hieß die Stadt Bombay. Sie wurde von der rechts-nationalen Partei Shiv Sena umbenannt. Bangalore ist die IT-Metropole Indiens und der Welt. "Indiens Arbeiter sind in der Theorie gut, aber schlecht in der Praxis", B. Braun-Geschäftsführer Apte, 2015. Indiens Premierminister Nahendra Modi will in die Rolle von Mahatma Gandhi schlüpfen. Deshalb versucht Modi, die Erinnerung an Gandhi zu verdrängen (auf Kalendern in Gandhi-Pose, soll Gandhi auf Geldscheinen ersetzen). Gandhi hatte einst den Mittelstand gegen die englische Kolonialmacht hinter sich: Es waren die dörflichen Khadi - Industrien, mit denen handwerkliche Produkte hergestellt wurden.

Wirtschaftsgeschichte: Die Wurzeln des heutigen Booms liegen in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts, als der damalige Finanzminister und spätere Regierungschef Mammohan Singh die über Jahrzehnte staatlich gelenkte Wirtschaft liberalisierte. Riesige Mischkonzerne - wie z. B. die Tata - Gruppe  - sind globale Player. Die Softwareindustrie boomt. Indiens Pharmafirmen stehen für 20% der Generika weltweit. Noch leben 2023 300 Mio. Inder in großer Armut. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 2000 € (China 12.000 €). Immer mehr US-Konzerne (Apple) und Firmen aus Europa machen Direktinvestitionen (DI) in Indien. 2022 lag Indien mit seinem BIP auf Platz 5 vor GB und hinter Deutschland. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Deutschland von Indien überholt wird. Vgl. zur Geschichte insgesamt weiter unten.

Arbeitsmark und Löhne:  Die Arbeitslosenquote 7,2% (2010, hohe Dunkelziffer). Die Löhne steigen 2011 um 13%.  Aber im internationalen Vergleich sind sie eher niedrig. Die Arbeitslosenrate lag 2013 bei 9%.  Indien hat eine hohe Zahl von Wanderarbeitern und Taglöhnern auf dem Arbeitsmarkt (die Statistik liefert keine genauen Zahlen). Indien hat deutlich mehr junge Menschen als alte. Die Menge an potentiell Werktätigen ist außerordentlich groß. Man spricht von einer "demographischen Dividende". Viele Arbeitskräfte müssen allerdings sehr riskante Jobs ausüben. Einer ist der des Kanalreinigers. Er muss mit bloßen Händen die Kanalisation putzen. Die Lebenserwartung liegt bei 32 Jahre. Menschen, die die Kanäle und Latrinen putzen, gehören zur Kaste der Dalits. Früher nannte man sie die "Unberührbaren".

Beschäftigtenstruktur: Beschäftigte pro Sektor 2018: Landwirtschaft 42%, Dienstleistungen 32%, Industrie 25%. Quelle: Weltbank. die Bevölkerung ist jung. Das Potential ist gigantisch.

Erwerbstätigkeit: Die meisten Inder arbeiten in der Landwirtschaft auf dem Lande. In den Städten gibt es nicht so viele Arbeit. Wer in den Städten erwerbstätig ist, arbeitet in der Regel in prekären Verhältnissen in der Bauwirtschaft, dem Straßenverkauf, bei Sicherheitsdiensten oder als Hausangestellte.

Arbeitsmigration nach Deutschland: Deutschland muss für Zuwanderer aus Indien attraktiver werden. Es gibt zu viele Probleme mit der Anerkennung indischer Abschlüsse. Auch für die Ehepartner ist es schwierig, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Die bürokratischen  Hürden für eine Arbeit in Deutschland sind hoch. Der wachsende Fachkräftemangel in Deutschland ist eine Chance. Es sollen pro Jahr 400.000 Fachkräfte fehlen (ab 2022). Die deutsch-indischen Regierungskonsultationen sollen sich 2022 mit dem Thema beschäftigen. Der größte indische Industrieverband in Deutschland ist CII. Er vertritt 300.000 indische Firmen. Sprecherin ist 2022 Lakshmi Lalita Mohan. Man schließt 2023 ein Arbeitskräfteabkommen mit Deutschland. Bundesarbeitsminister Heil wirbt bei einem Besuch 2023 um Fachkräfte für Deutschland.

Geldpolitik: Die Inflationsrate beträgt 2007 6,7% und 2008 8,3%. Die Notenbank erhöht 2010 den Leitzins auf 5,0%. 2012 ist die Rupie stark gefallen. Die Rupie, die indische Währung, wertete relativ stark gegenüber dem Dollar in der Vergangenheit auf, was die Exporte verteuert; auch die Löhne steigen relativ stark. 22,9% hat die Rupie 2008 an Wert eingebüßt, 2010 bis 2012 verlor die Rupie ein Fünftel ihres Wertes.Indien macht im November 2016 eine Blitz-Bargeldreform.  Alle großen Geldscheine werden für ungültig erklärt. Der Umtausch muss bis Ende 2016 erfolgen. Die Banken sind überfordert. Indien gleitet ins Chaos. Die Bargeldreform dient dem Kampf gegen Korruption und Schattenwirtschaft. Sie ist ein riskantes Experiment. Vor allem die Reisbauern sitzen nach einer guten Ernte auf Bündeln von alten Scheinen. Mit täglich neuen Verordnungen zum Umtausch mehrt die Regierung die Konfusion. Besser wäre ein funktionierendes Steuersystem.2017 belasten faule Kredite Indiens Staatsbanken. Die Regierung setzt 2017 ihren Kampf gegen Bargeld fort. Sogar der Landbevölkerung werden Konten, Geldkarten und Apps aufgedrängt. Millionen Inder müssen folgen, nutzen die Sachen aber nicht. 2010 führt Indien den Emissionshandel ein.  Indiens Zentralbankchef Duvvuri Subbarao kritisiert zunehmend Chinas Wechselkurspolitik. 2011 erhöht Indien die Zinsen weiter (auf 6,5%), weil Inflation droht (hoher Anstieg der Lebensmittelpreise). Raghuram Rajan wird im September 2013 Notenbankchef (bis 2006 Chefökonom des IWF). Er wird auch spöttisch 007 genannt, weil er als James Bond der Finanzbranche gefeiert wurde. 2016 muss er seinen Rückzug ankündigen. Er hat das Augenmerk immer wieder auf "crony capitalism" gerichtet (ökonomische Interessen und politische Macht sind unheilvoll vermischt). Die Währungsreserven sind ganz niedrig. Das wird allerdings massiv 2021/22 geändert. 2021 hat Indien schon die zweithöchsten Devisenreserven nach China: 578 Mrd. $ (Quelle: IWF). Die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland wegen des Ukraine-Krieges führen zu einer Umschichtung der Währungsreserven: raus aus dem Dollar, mehr in Gold. Auch sonst dürfte Indien sein Vermögensportfolio umschichten: Tarnfirmen?

Die Währung "Rupie" und Währungspolitik: In Asien, Afrika und Lateinamerika ist die Skepsis gegenüber der Verwendung des US-Dollars deutlich gestiegen. Zu der Schwächung hat auch die westliche Sanktionspolitik im Zuge des Ukraine-Krieges beigetragen. Nicht weniger misstrauisch ist man gegenüber dem chinesischen Yuan oder dem Euro. Das ist die große Chance für die indische Rupie, die noch kaum jemand auf dem Zettel hat. Bisher ist die Währung der VAE, der Dirham, eine erfolgreiche Transaktionswährung. Diese Rolle könnte die Rupie übernehmen. Voraussetzung wäre der Abbau der Kapitalverkehrskontrollen. Vgl. Dieter, Heribert: Warum die Strahlkraft des US-Dollars abnimmt, in: WiWo 34/ 18.8.23, S. 39. 2024 legt die Rupie zu.

UPI: Digitales Geldsystem in Indien. Es ist ein offenes System. Es ist recht erfolgreich, ähnlich wie das System in Brasilien (PIX, sehr effizient).

Aktienmarkt: Indien hat den Nifty-Index. 2024 sind die Aktienmärkte auf Rekordhoch. Die Wachstumsrate liegt bei rund 8%. Es profitieren vor allem die Unternehmen, die eng bei Modi sind (Adani, Ambani/ Reliance).

Wirtschaftspolitik: Mit Preiskontrollen, Exportverboten und Subventionen versucht die Regierung 2008, die wirtschaftliche Lage in den Griff zu bekommen. Ende 08 kommen Steuererleichterungen dazu, insbesondere bei der Mehrwertsteuer. Im August 2013 beschließt das Parlament ein Hilfsprogramm für 800 Mio. € zur Armutsbekämpfung. 70% der mehr als 1,2 Mrd. Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. 2013 will der indische Staat immer mehr Gold kaufen und importieren, um den freien Fall der Rupie zu stoppen. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt 2013 nur bei 4000 Dollar (China 11.000). Zu Beginn 2014 versinkt Indien in einer Schuldenspirale. Insbesondere die Staatsbanken besitzen einen Berg fauler Kredite. Die Regierung investiert lieber in Marssonden, Atomraketen und Staudämme. Als Haupthinderungsgrund der wirtschaftlichen Entwicklung sieht V. Raghunathan den fehlenden Willen der Inder zur Kooperation und die negativen Folgen dieses Verhaltens (vgl. Viswanathan Raghunathan: Games Indians Play, London 2008). Indien ist das größte Armenhaus der Welt. Immer mehr Provinzen in Indien leiden unter Dürre. 2016 ist es ganz schlimm. Es entwickelt sich eine "Durst-Wirtschaft". Ein Viertel der Bevölkerung sind betroffen (330 Mio.). Die Infrastruktur ist die große Schwäche Indiens. Kein anderes Land der Welt hat einen solchen Investitionsbedarf an Infrastruktur. Hinzu kommen als Schwächen Korruption und Bürokratie. Im Jahre 2017 führt Indien eine Mehrwertsteuer ein. Bisher bestanden zwischen den Grenzen der Einzelstaaten Zölle. Diese sollen ersetzt werden. Die neue Mehrwertsteuer ist vielfach gestaffelt:  "Sündensteuer" 280% (Tabak, Luxusautos), Gold (3%), Gemüse (5%), Handys (12%), Kosmetika (28%). Die Zuordnung nach den Kategorien ist unklar. Es drohen viele Prozesse. Drei Mal im Monat soll eine elektronische Steuererklärung gemacht werden. Am 24./25.02.2020 besucht Trump Indien. Donald Trump und Narenda Modi feiern sich selbst mit einer gigantischen Show. Es geht auch um den Abschluss eines Handelsvertrages (und Käufe von Rüstungsgütern in den USA im Werte von 3 Mrd. Dollar). Die USA hofieren Indien als Gegengewicht zu China (Trump sagt indirekt Unterstützung zu). Die Corona-Krise führt zu einem historischen Konjunktureinbrauch. Regierungschef Modi lockert die Beschränkungen im Lockdown. Die Verbreitung der Pandemie ist beängstigend.  Zu Beginn 2021 kassiert die Regierung die Schuldenbremse. Die Staatsverschuldung in Prozent vom BIP lag 2020 bei 89,3% (2019: 72,3%). Der Premier will ein  umfassendes Konjunkturpaket. 2020 ist die Wirtschaft um -8,0% eingebrochen. 2021 ist ein Wachstum von +11,5% angestrebt. Die Gesundheitsausgaben sollen verdoppelt werden.

Subventionsprogramm: 2023 kommt ein milliardenschweres Programm. Gefördert werden Halbleiter, Batterien oder Mobiltelefone. Es wird Gujarat - Modell genannt. aus dem Bundestaat stammt Modi. Das Grundprinzip besteht darin, große Unternehmen zu subventionieren und sie nicht zu regulieren.

Technologie und Forschung: Indien macht große Fortschritte. Das hängt auch damit zusammen, dass viele Weltkonzerne Indien als Outsourcing - Standort nutzen und den zukünftigen Markt sehen.  Im August 2023 kann Indien als viertes Land überhaupt eine sanfte Landung auf dem Mond vermelden. Die Mondsonde Chandrayaan-3 hat aufgesetztt. Das ist ein großer Erfolg für dei indische Weltraumbehörde ISRA. Startpunkt war dei Satish Dhawan Space Station im Bundesstaat Andhra Pradesh.

Staatsverschuldung: Sie liegt Ende 2021 bei 90,6%. Das ist weit unter der Verschuldung der G7-Staaten. Indien profitiert davon, dass China 2021/22 die Marktmacht seiner Tech-Konzerne beschränkt. Viele Investoren nehmen als Alternative Indien. Einige Schwellenländer wie Brasilien, Südafrika und Indien haben beachtliche Devisenreserven angehäuft und sich so abgesichert.

Wirtschaftsreformen: In wirtschaftspolitischer Hinsicht war 1991 ein Schlüsseljahr. Die Version des Sozialismus war gescheitert. 44 Jahre nach der Staatsgründung waren noch immer 36% aller Inder arm, 47% konnten nicht lesen und schreiben, 26% litten an Unterernährung. Es setzte eine Welle von Wirtschaftsreformen ein. Rao und Singh waren an der Spitze. als Folge eines Liquiditätsengpasses brauchte Indien Geld vom IWF. Als Bedingung mussten Reformen kommen. Staatliche Monopole und Beschränkungen für Privatunternehmen wurden aufgehoben. 1992 folgte eine Kapitalmarktreform. Damals bildeten sich heute führende Banken und Finanzinstitute (HDFC, ICICI, Axis Bank). Weiterhin machte Modi eine Steuerreform.

Ausbau der Infrastruktur ab 2022: Man ahmt hier China nach. Es sollen zwei Eisenbahntrassen für den Güterverkehr im Binnenland gebaut werden, die die Häfen an der Ost- und Westküste verbinden. Die westliche Güterlinie verläuft auf einer Strecke von rund 1500 Kilometern zwischen New Delhi und dem südlich von Mumbai gelegenen Jawaharlal-Nehru-Hafen. Die östliche Linie verbindet auf einer Länge von 1900 Kilometern Ludhiana im Punjab mit Kalkutta in Westbengalen. Indien hat schon eines der größten Schienennetze der Welt, das es auf etwa 70.000 Kilometer bringt. Es ist der am schnellsten wachsende Bahnmarkt. Indien hat klar seine große Schwäche schlechte Infrastruktur erkannt.

Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit: Indien hat eine niedrige Produktivität, vor allem im Vergleich zu China. Dei Industrie ist noch nicht konkurrenzfähig  international. Es wird gerne nach dem Schutz des Staates gerufen. Von Natur aus ist Indien ein protektionistisches Land, also kein Vorreiter des Freihandels. Der große Vorteil des Landes ist das Wachstum. Weiterhin ist der durchschnittliche Monatslohn sehr viel niedriger als in China (unter 200 $). Bei der Wettbewerbsfähigkeit liegt man vor allem bei folgenden Faktoren hinten: Basisinfrastruktur, Technische Infrastruktur, Ausbildung, Gesundheitssystem. Vgl. Losse, Bert u. a.: Endlich Großmacht, in: WiWo 36/ 1.9.23, S. 14ff.

Exkurs: Amartya Sen. Er ist ein indischer Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph. Er erhält 2020 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 € dotiert ist. 1998 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis. Sen wurde 1933 in Shantiniketan in Westbengalen geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften in Kalkutta und England. Sen lehrte in Dehli, Stanford, Berkeley, Oxford und Cambridge. Seit 2004 war er Professor in Harvard. Er lebt heute in den USA an der Ostküste. Sen verbindet die ökonomische Theorie mit Moralphilosophie und Ethik. Sein großes Thema ist die Soziale Gerechtigkeit. Sen verfasste über 30 Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden, und hat ca. 100 Ehrendoktorwürden. Seine Gedanken über Gleichheit setzen bei John Rawls an. Diesen Gedanken greift Amartaya Sen in der Ökonomie auf: Am 22. Mai 1979 hält der indische Wirtschaftswissenschaftler in Stanford einen programmatischen Vortrag mit dem Titel "Equality of What?". Darin übte er scharfe Kritik an den herrschenden Gleichheitsvorstellungen. Er skizzierte als Alternative zum ersten Mal seinen berühmten Fähigkeiten - Ansatz (vgl. Ders., Gleichheit? Welche Gleichheit? Stuttgart/ Reclam 2020). Berühmt ist auch sein Werk "Die Identitätsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt. München 2007 (3. Auflage, Beck). Er stellt sich dem Klischee vom Kampf der Kulturen entgegen. Er plädiert für eine kosmopolitische Gesellschaft, in der Platz ist für viele Identitäten und Lebensformen. Gerechtigkeit und Freiheit werden den Sieg über Fundamentalismus und Gewalt davontragen. Weitere Bücher von ihm sind: Entwicklung der Freiheit, 2001 und Ökonomie für den Menschen, 1992. Er hat auch ein Buch über seine Heimat, Indien, geschrieben: Indien, ein Land und seine Widersprüche, München/ Beck 2014 (An Uncertain Glory. India and its Contradictions).

Exkurs: Raghuram Rajan: Er ist 2022 Professor an der Universität von Chicago. Er war Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (2003 - 2006). Geboren wurde er im indischen Bhopal. Von 2013 bis 2016 leitete er die Notenbank Indiens. Er macht oft interessante Vorschläge. 2022 empfiehlt er die Globalisierung von Onlinedienstleistungen, um das Risiko der säkularen Stagnation zu bekämpfen. Vgl. Rajan, Raghuran: Eine Medizin gegen Szenarien des Untergangs, in: WiWo 35/ 26.8.2022, S. 40. Er äußert sich oft zur Situation in Asien, auch zur Rolle Chinas. Vgl. Interview in Die Zeit Nr. 36/ 24.08.23, S. 19.

Exkurs: Gita Gopinath: 2019 wurde Gopinath als erste Frau oberste Ökonomin des IWF. Sie ist Expertin für internationale Handelsbeziehungen sowie für Zölle und Währungen. Anfang 2022 stieg sie zur Vizedirektorin des IWF auf. Sie ist im indischen Kalkutta geboren. zunächst studierte sie Ökonomie in Delhi. Sie studierte danach in den USA und promovierte bei Kenneth Rogoff und Ben Bernanke in Princeton. Sie plädiert für eine harte Finanzpolitik (Schuldenbremse in Deutschland: ja, aber lockern). Sie ist auch gleichzeitig Professorin in Harvard seit 2005. 2023 ist sie 51 Jahre alt. Vgl. Interview mit ihr in Die Zeit Nr. 52/ 7.12.23, S. 24.

Exkurs. Ashoka Mody: indischstämmiger Ökonom. Er lehrt und forscht in Princeton als Gastprofessor für Internationale Wirtschaftspolitik. Bücher: India is broken, 2023; Financial Reform, 2003. Geboren 1956. Er ist skeptisch, dass Indien die nächste große Wirtschaftsmacht werden kann.

Exkurs. Bhaskar Chakravorti: indischstämmiger Ökonom an der Tufts-University in Massachusets/ USA. Er warnt 2024 vor dem Verschwinden vieler indischer IT-Jobs durch KI. Er untersucht auch Indien als Profiteur des Deriskings. Strategie "China plus one". Indiens Produktionssektor sei mit 13% des BIP aber zu klein. Deshalb könnten Länder wie Vietnam und Malaysia in Asien eher profitieren. Außerdem sei die Infrastruktur und Logistik schlecht. Es fehlten auch gut ausgebildete Arbeitskräfte. Er sieht eine Spaltung im Land im Land und eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. Modi bevorzuge Konglomerate, die mit der Partei BJP zusammenarbeiten. Modi sei auch quasi autoritär. Vgl. HB 4.6.24, S. 10.

Verhältnis zu wichtigen Ländern:

Indien und China: In Asien kämpfen Indien und China um die Vorherrschaft. Noch dominiert China, das systematisch große Häfen in den Nachbarstaaten Indiens als Stützpunkte ausbaut. Auf lange Sicht hat Indien gute Karten. 2013 fällt Indien stark zurück. Die Korruption blüht, Investoren ziehen ihr Geld ab. Das Wirtschaftswachstum fällt 2012 auf 5% und 2013 auf ca. 3%. Der Anteil des produzierenden Gewerbes ist in Indien sehr gering (15%; zum Vergleich: Thailand 40%, China 34%; Malaysia 28%, Südkorea 26%). Bürokratie, Regularien und Unberechenbarkeit behindern weiter die indische Wirtschaft.  Im Mai 2017 war Indien als einziger Staat in Asien dem Seidenstraßengipfel ferngeblieben. Indien misstraut dem Projekt Chinas "One Belt, One Road". Das kommt den USA entgegen; sie hofieren Indien. Natursteine aus Indien sind in Deutschland sehr beliebt. Ihre Förderung bringt aber viele Arbeiter um. Die ganze Region Rajasthan lebt vom Sandstein. Am 18.01.18 testet Indien wieder eine Interkontinentalrakete (über 5000 km Reichweite).  Indien will China 2018 beim Wirtschaftswachstum überholen (7 bis 7,5%, China 6,5 bis 6,8%). Im September 2020 vereinbaren China und Indien, Truppen zurückzuziehen. Die Spannungen an der Himalaja - Grenze sollen verringert werden. Indien tritt 2019 aus den RCEP -Verhandlungen aus. Man fürchtet, von Billigwaren aus China überschwemmt zu werden. Weiterhin war man man der Berücksichtigung von Dienstleistungen nicht zufrieden. "In Indien wächst eine neue Mittelschicht aus 200 bis 300 Millionen Menschen heran, ein Markt, ein Land, so groß wie die europäische Union", Armin Buck, Siemens - Indien - Chef.

Es gibt drei verschiedene Konfliktstränge zwischen den beiden Ländern: Die Dauerkonfrontation zwischen Indien und Pakistan wegen Kaschmir. Auch China verwaltet einen dritten Teil. Der ständig schwelende Grenzstreit im Himalaja. 2022 verlegt Indien das größte Truppenkontingent der Geschichte an die Grenze, weil China auch seine Truppen verstärkt hat. . Das Vordringen der Chinesen im indischen Ozean: China errichtet eine "Perlenkette" von Stützpunkten in den strategischen Flaschenhälsen Straße von Malakka und Straße von Hormuz. In West-Pakistan hat die China Overseas Ports Holding Company in Gwadar schon 2009 einen Tiefsee-Hafen gebaut und sich für 40 Jahre die Kontrolle gesichert. Die Chinesen haben auch in Sri Lanka Fuß gefasst (siehe unten). In Bangladesch hat China eine Brücke über den Padma gebaut (in Indien Ganges). Zu den Malediven baut China auch Beziehungen auf. Indien fühlt sich immer mehr eingekreist. Der Außenminister warnt im August 22: Sollten Indien und China nicht an einem Strang ziehen, käme es zu keinem asiatischen Jahrhundert.

Die neue Strategie der KPCh auf dem 20 Parteikongress im Oktober 22 kommt Indien zugute. Indien wird attraktiver als alternativer Produktionsstandort: Foxconn produziert schon in der Metropole Chennai (für Apple). Noch gibt es ein Rekorddefizit in der Handelsbilanz mit China: 72 Mrd. $ 2021. Indische Behörden diskriminieren chinesische Unternehmen.

Exkurs. Geschichte der Konflikte zwischen China und Indien: 1950 annektiert China unter Mao Tibet. Mao erkennt früh die geostrategische Bedeutung (alle Flüsse Asiens entspringen hier, Kontrolle der Grenze zu Indien, Tor nach Südasien, Rohstoffe wie Lithium und Zink). Indien toleriert unter Neru und lehnt Hilfsangebote der USA und GB ab. Später unterstützen die USA den militärischen Widerstand in Tibet, als die Scheinautonomie deutlich wird. Der erste Konflikt taucht auf, als Daressalam Sitz Tibets in Indien wird (Klein-Lhasa). Dann  annektiert China noch Ladakh 1959. Straßen werden dort gebaut. 1962 kommt es zu einem offenen Krieg. Indien ist zu schwach und muss einen einseitigen Waffenstillstand akzeptieren. Ohnmächtig muss man die Assimilation Tibets beobachten. 1993 kommt es zu einem Abkommen für Frieden zwischen China und Indien. Die Grenzfrage bleibt aber ungeklärt. In China lebt ein Achtel der Menschheit,  ebenso in Indien. Beide Länder werden ökonomisch immer mächtiger. Sie entscheiden auch zunehmend über Frieden in der Welt.

Indien und USA: Es gibt in den USA eine wohlbetuchte und einflussreiche indische Gemeinde. Bei der Amtseinführung und beim Schwur von Kamala Harris wird darüber spekuliert, ob sie einen Sari (Begalischer) trägt. Sie hat eine indisch-stämmige Mutter  und einen schwarzen Vater aus Jamaika. Indien lehnt sich an die USA an im gemeinsamen Kampf gegen China. Andererseits missfällt dem Land die enge Beziehung der USA zu Pakistan. Den USA missfällt die Diskriminierung der Moslems. Indien wird zum G7-Treffen in Cornwall im Juni 2021 eingeladen, obwohl es eigentlich nicht dazu gehört. Auch beim Treffen 2022 in Deutschland soll Indien dabei sein.

Im Juni 2023 besucht der indische Premierminister Narenda Modi die USA. Der Staatsbesuch hat große politische Bedeutung. Die USA wollen Indien als Gegengewicht zu China etablieren und die Regierung in New Delhi zu einem Bruch mit Russland bewegen. Anlässlich von Modis Besuch wird es eine Reihe von Rüstungs- und Wirtschaftsvereinbarungen geben. Unter anderem will Indien von den USA Militärdrohnen vom Typ MQ-9B Sea Guardians kaufen.

Indien und Kanada: Im September 2023 wirft Kanada Indien die Tötung eines Sikh vor. Er wird in Vancouver erschossen. Er trat für einen unabhängigen Staat Khalistan ein. Die Regierung in New Delhi bestreitet jede Beteiligung. Diplomaten werden wechselseitig ausgewiesen. Kanada hat eine große Sikh-Diaspora. Von den 30 Mio. im Ausland lebenden Sikh leben die meisten in Kanada. Sie wollen einen unabhängigen Staat Khalistan mit Hauptstadt Punjab.

Indien und Russland: Indien bekommt viele Militärgüter aus Russland. Die Beziehungen sind eng, weil man mit großem Misstrauen auf das enge Verhältnis Pakistan - USA schaut. Ebenso hat China Pakistan ökonomisch immer enger an sich gebunden. Beim Einmarsch Russlands in die Ukraine enthält man sich deshalb im Sicherheitsrat der UN bei einer Verurteilung (zusammen mit China und den VAE). Trotz Quad kooperiert Indien schon seit langem eng mit Russland. Besonders eng ist die Kooperation beim Militär. Indien kauft die meisten Militär-Güter in Russland. Im Ukraine-Krieg, bei dem der Westen seine Energie- und Rohstoff - Lieferungen umorganisiert, springt man gerne in die Lücke. Man ist sehr interessiert an billigerem russischen Erdöl (die Raffinerien sind darauf eingestellt) und Erdgas. Lawrow, der russische Außenminister reist sofort nach Indien. Indien hat panische Angst vor einer Kooperation Chinas mit Russland. Ende August/ Anfang September 2022 nimmt Indien an gemeinsamen Militärübungen im Osten Russlands teil ("Wostok"; Soldaten aus Russland, China, Belarus, Syrien).  Mehr als 50.000 Soldaten und mehr als 5000 Waffen sind im Einsatz. Gleichzeitig strebt Indien auch eine Kooperation mit dem Westen an ("zwischen  den Welten"). Nach Irak ist Russland der zweitgrößte Öllieferant. Ein Teil Energie wird von Indien wieder auf dem Weltmarkt angeboten. Die Beziehungen zu Russland sind intransparent. Sicherheitsberater Ajit Kumar Doval besucht öfter Putin. Es geht um Waffenproduktion in Indien, Handel in Rubel und Rupie und um Rohstoffkäufe. Indien wird 2023 zum Hauptimporteur russischen Erdöls. Es wird in indischen Raffinerien weiterverarbeitet und dann wieder exportiert, auch nach Deutschland.

Indien und Japan: Beide Länder gehen militärisch aufeinander zu. 2023 beginnen am 16.1.23 gemeinsame Kampfjetmanöver  in der nähe von Tokio. Beide Länder sind auch in Quad - Gruppe (zusammen mit USA und Australien). Das ist ein Gegengewicht gegen China.

Indien und Deutschland/ EU Im Mai 2017 besucht Modi Deutschland. Es findet auch ein Deutsch-indischer Wirtschaftsgipfel in Berlin statt. Ein Freihandelsabkommen ist beabsichtigt. Ab 2021 hat Deutschland Indo-Pazifik-Leitlinien. Auch die EU (Portugal) will die Beziehung zu Indien verbessern. Es gibt aber Kritik an Exportschranken für Impfmaterialien. Deutschland ist der achtgrößte Handelspartner Indiens . Waren und Dienstleistungen im Wert von 13,6 Mrd. US-$ importierte Indien aus Deutschland. 2020 (März 20 bis März 21). Nach Deutschland wurden in Höhe von 8,1 Mrd. US-$ exportiert. (Für 5,2 Mrd. € exportierte Indien 2009 nach Deutschland/ Importe 8 Mrd. €).  Neben Deutschland sind noch  GB und die Niederlande besonders wichtig. Anfang Mai 2022 besucht der indische Regierungschef Modi Berlin. Neben dem klimaschutz soll über die Haltung New Delhis zu Russland diskutiert werden. Indien ist in einem Dilemma: Ökonomisch vom Westen abhängig, waffentechnisch und Energie mäßig von Russland. Deutschland hat Indien (auch Indonesien, Süd-Afrika, Senegal) zum G7-Treffen in Bayern eingeladen.  Bis Ende 2023 soll ein Freihandelsabkommen mit Indien zustande kommen. Indien ist für Deutschland eine Chance. Es ist aber noch keine echte Alternative zu China, weil der Markt zu klein ist. Mitte Februar besucht eine deutsche Delegation Indien (außenpolitische Berater des Kanzlers, Mitglieder des Haushaltsausschusses). Sie sollen den Besuch von Scholz vom 24.2.23 an vorbereiten. Scholz kommt dann mit Finanzminister Lindner und einer Wirtschaftsdelegation. Sie besuchen Neu Delhi und Bangalore. Es geht auch um engere Sicherheits- und Verteidigungskooperationen (Indien ist zur Zeit von Russland abhängig bei Rüstungslieferungen)). Man will auf weitere engere Wirtschaftsbeziehungen hin arbeiten. Das Freihandelsabkommen mit der EU wurde mehrmals aufgeschoben. Im Juli 2023 bereist Wirtschaftsminister Habeck das Land drei Tage.  Er will das Handelsvolumen mit Indien ausweiten.  Es gibt auch den EU-Indien-Gipfel. 2021 wird er virtuell von der portugiesischen Ratspräsidentschaft veranstaltet. Er wird von der Notsituation in Indien durch die Corona-Pandemie überschattet. Nimi Ravindran und Shiva Pathak vom Theaterkollektiv Sandbox Collective erhalten 2022 die Goethe - Medallie. Am 4. und 5. Dezember 2022 besucht Außenministerin Baerbock Indien. In New Delhi legt sie an der Gedenkstätte Gandhi Smitri barfüßig Rosenblätter nieder. Sie trifft den indischen Außenminister Subrahanyan.

Handelsabkommen von Indien mit der EU: Gespräche laufen bereits seit 2007. Sie wurden 2023 vorerst abgebrochen. Er nach Beginn des Ukraine-Krieges laufen wieder Verhandlungen. Die EU strebt ein Abkommen light noch vor der Europawahl 2023 und der Wahl in Indien 2024 an. Die hohen Zölle stören im Vergleich zu Konkurrenten, die Handelsabkommen haben (Japan, Südkorea). Es wurde 2023 ein Rat für Handel und Technologie (TTC) eingerichtet. Er tagt zum ersten Mal im Mai 2023. Er soll die strategische Kooperation vorantreiben.

U-Boot-Deal zwischen Deutschland und Indien: Im April 2024 unterstützt die deutsche Bundesregierung einen U-Boot-Deal. Es geht um sechs U-Boote. Thyssen-Krupp Systems soll die Boote in Indien produzieren. Generell soll die Militär - Kooperation mit Deutschland weiter ausgebaut werden. Das Militärbudget Indiens gehört zu den größten der Welt. Indien hat Probleme mit Russland, dem größten Lieferanten: Ersatzteile knapp, Wartungen verzögert, Lieferungen unzuverlässig.

Migrations- und Mobilitätsabkommen mit Deutschland: Bei ihrem Besuch Anfang Dezember 2022 schließt Bundesaußenministerin Baerbock ein Migrations- und Mobilitätsabkommen mit Indien ab (Außenminister Subbrahmanyam Jaishankar). Das ist das erste umfassende Abkommen im Migrationsbereich, das Deutschland mit einem Herkunftsland schließt. Es hat insofern Modellcharakter.

Exkurs. Bedeutung der Zuwanderung für Deutschland: "Die Zuwanderung von MINT-Fachkräften hat entscheidende Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit Deutschlands. Auswertungen des Instituts der deutschen Wirtschaft mit einem Fokus auf Indien zeigen, dass in den vergangenen Jahren hohe Beschäftigungszuwächse zu verzeichnen waren. Zudem nimmt die erfinderische Tätigkeit einen zunehmenden Stellenwert ein. Schließlich erhalten indische MINT-Fachkräfte vergleichsweise hohe Medianlöhne. Das überarbeitete Fachkräfteeinwanderungsgesetz bietet die Möglichkeit, diesen Immigrationsprozess weiter zu verstärken und zu beschleunigen." Siehe Plünder, Axel: Indien: Die Bedeutung der Zuwanderung für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland, in: Wirtschaftsdienst 4/ 2024, S. 264-268.

Inder in Deutschland/ Migration: Viele Inder wollen nach Deutschland auswandern trotz bürokratischer Hürden. Agenturen helfen ihnen dabei. Die indischen Vermittlungsagenturen haben Trainingszentren (z. B. Agentur "Magic Billion" in Delhi; für viele bei uns knappe Berufe interessant: Koch, Bäcker, Metzger, IT-Fachleute). Auch DEHOGA in Deutschland bietet Unterstützung. Die Inder haben den Traum von mehr Geld und der deutschen Autobahn. Ende 2022 leben 33.900 Inder in Deutschland. Indien ist das wichtigste Herkunftsland bei Fachkräften außerhalb der EU. Das Projekt Pro-Recognition" hilft bei der Anerkennung indischer Abschlüsse in Deutschland. Es gibt in Indien auch ein Online-Portal "Make it in Germany". Vgl. Fähnders, Till: Der Traum von mehr Geld - und der deutschen Autobahn, in: FAZ 1.3.23, S. 3. Im Juli 2023 besucht Bundesarbeitsminister Heil Indien. Er wirbt um Fachkräfte, die nach Deutschland kommen wollen. Der indische Arbeitsmarkt kann nicht alle Fachkräfte aufnehmen. Indien ist das bevölkerungsreichste Land der Welt. Jeder sechste Erdenbürger lebt dort. Im Gegensatz dazu fehlt es in Deutschland an Arbeitskräften. Also auf den ersten Blick eine Win-Win - Situation. Aber die USA und GB sind wesentlich begehrter. Dort leben schon viele Inder. Hinzu kommt die schlechte Wohnungslage in Deutschland.

Indien und GB: Durch den Brexit hofft GB wieder stärkere Beziehungen zu Indien aufbauen zu können. Indien ist eher reserviert. Als erstes europäisches Land besucht Regierungschef Modi Deutschland im Mai 2022, nicht GB.

Exkurs. Parag Khanna: Der Politikwissenschaftler wurde 1977 in Kanpur (Indien) geboren. Er wuchs auch in den VAE, in New York und in Deutschland auf. Er war 2007 geopolitischer Berater des US-Militärs im Irak und Afghanistan. Er arbeitete als außenpolitischer Experte für Barack Obama. Mittlerweile hat er die US-Staatsbürgerschaft. Er war auch Gründer von FutureMap (datenbasiertes Strategieunternehmen). Weiterhin gründete er Climate Alpha, eine KI-Firma, die Klimafolgen bestimmen helfen will. Er ist CNN-Experte für Globalisierung. Sein Buch "Unsere asiatische Zukunft" wurde 2019 ein Bestseller. Zuletzt erschien von ihm "Move. Das Zeitalter der Migration". Vgl. von ihm: Parag Khanna: Ist eine Weltordnung möglich? in: Die Zeit Nr. 33/ 11. August 2022, S. 47. Inhalt: Die Zukunft gehört den Netzwerken. Nur weil die Globalisierung zu einer neuen Verteilung von Zentren führt, muss sie nicht absterben. Vgl. auch sein Interview in Die Zeit 21/ 17.5.23, S. 24: Mehr Asien wagen! zum G7-Treffen der Staatschefs in Japan im Mai 2023.

Wirtschaftsentwicklung der Zukunft:  Indien hat noch nicht den wirtschaftlichen Reifegrad wie China. In der Wachstumsgeschwindigkeit hat es aber China bereits überholt. Treiber sind hier vor allem die junge und stetig wachsende Bevölkerung sowie die umfassende und schnell voranschreitende Digitalisierung. Aufgrund der starken Abhängigkeit von Ölimporten und ausländischen Investitionen sowie in Anbetracht des hohen Anteils Not leidender Kredite in den Bilanzen indischer Banken kommen 2019 Herausforderungen auf Indien zu. Vielleicht kann es trotzdem 7% Wirtschaftswachstum geben. Vgl. Deutsche Bank: Perspektiven 2019, S. 10. Nach Kaufkraftparitäten ist Indien schon 2020 die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. 2023 dürfte sie Deutschland hinter sich lassen. Doch Corona macht Indien schwer zu schaffen. 2020 bricht deshalb die Wirtschaft ein. Es wird mit einem Rückgang des BIP 2020 um -10,2% gerechnet (Quelle: OECD; 2019 noch +4,2%). Im 2. Quartal 2020 ist die Wirtschaft um 24% gefallen! Es gibt auch kaum eine Spur von Erholung. Indien scheint zum Problemfall zu werden. Das ändert sich 2022 wieder. Das Wachstum liegt bei 8%. 2023 könnten 7% erreicht werden. Indien trägt schon 15% zum globalen Wachstum bei (IWF). Die Wachstumsprognose wird Mitte 2023 für 23 auf knapp über 6% korrigiert. Quelle: OECD. Damit ist Indien aber immer noch das am stärksten wachsende bedeutende Land der Welt vor China, Australien, Südkorea, USA, Kanada. 2075 könnte Indien die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sein, nach China und vor den USA. Indien zieht nach Beginn des Ukraine-Krieges Direktinvestitionen aus aller Welt an. Aus deutscher sicht werden Gewinne vor allem re - investiert. Langfristig hat Indien ökonomisch sehr gute Karten (auch im Vergleich zu China).

Indien als Eier legende Wollmilchsau: 2022 hat Indien einen Lauf. Man braucht Indien als strategischen Partner (G7, Nato): Bollwerk gegen China. Unbegrenzter Markt. Demokratischer Gegenentwurf zu den Autokratien. Das wird Alles nicht einfach. Die Zahl der Menschenrechtsverletzungen wachsen rapide (Hindu-Nationalisten). Indien kauft fleißig in Russland Öl und Gas (hält sich nicht an die westlichen Sanktionen). Teilweise verkauft man wieder mit Gewinn auf dem Weltmarkt. Indien ist von russischen Waffen abhängig. Indien bietet große Chancen. Modi ist aber nicht leicht zu gewinnen. Vgl. Hein, Christoph: Indiens schöner Schein, in: FAZ Nr. 147/ 28.6.22, S. 15. Indiens große Stärke ist Chinas Schwäche. Viele Firmen wollen ab 2023 ihre Lieferketten  diversifizieren. Vgl. Höflinger, Laura: Der Riese erwacht, in: Der Spiegel 16/ 15.4.23, S. 80ff. Indien gilt als verlässlich, China ist eher unberechenbar.

Auslandsinvestitionen und Außenhandel: Deutschland ist der achtgrößte Handelspartner Indiens . Waren und Dienstleistungen im Wert von 13,6 Mrd. US-$ importierte Indien aus Deutschland. 2020 (März 20 bis März 21). Nach Deutschland wurden in höhe von 8,1 Mrd. US-$ exportiert. (Für 5,2 Mrd. € exportierte Indien 2009 nach Deutschland/ Importe 8 Mrd. €). Indien und Deutschland wollen ihr Handelsvolumen bis 2012 auf 20 Mrd. € verdoppeln (Merkel Ende Oktober 07 in Indien). Als Importpartner ist China am wichtigsten 65,2 Mrd. US$) vor den USA (28,9) und Den VAE (26,6). Dann folgen Schweiz, Saudi-Arabien, Irak. Wichtigster Exportpartne rsind die USA (51,6 Mrd. US-$, 20/21), vor China (21,2), VAE (16,7), Bangladesch, Singapur, GB. Neben Deutschland sind noch  GB und die Niederlande besonders wichtig.  Die ausländischen Direktinvestitionen lagen 2008 bei ca. 30 Mrd. $. 2014 betragen sie 169 Mrd. US$. Indien wird zusammen mit China  neuerdings als die Vision "Chindia" gesehen. 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen in Indien 2,47 Mrd. €. Die deutschen Exporte nach Indien legten 2015 um 10% zu. Indien ist der viertgrößte Abnehmer deutscher Waren in Asien und der am schnellsten wachsende Exportmarkt. Für deutsche Firmen ist Mumbai der begehrteste Standort. Das größte Hindernis für ausländische Investitionen ist die ausufernde Bürokratie. 2013 strebt Indien ein Freihandelsabkommen mit der EU an. 2011 sind die Exporte aus der EU auf 10,9 Mrd. Euro gewachsen (Importe 7,5 Mrd. Euro). 2016 stiegen die Ausfuhren aus der EU auf 38 Mrd. Euro (Deutschland 10 Mrd. €) . Die Einfuhren lag en bei 39 Mrd. Euro (Deutschland 8 Mrd. €). Die Exporte waren wesentlich niedriger als die Importe (Importe 23% des BIP; Exporte 17% des BIP). Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU liegen seit 20213 auf Eis. Es gibt teilweise drastische Importzölle in Indien. Bei Neuwagen liegen sie zwischen 60 und 100%. Die EU erhebt Zölle für indische Waren (Textilien, Edelsteine, landwirtschaftliche Produkte, z. B. Basmati - Reis). Andererseits hat Indien ein 25-Milliarden-Dollar-Paket aufgelegt, um mehr ausländische Industrie ins Land zu holen. Vgl. auch: Losse, Bert/ Wettlach, Silke: Der schwierige Hoffnungsträger, in: WiWo 18/ 30.4.2021, S. 34f. Im Mai 2022 erlässt Indien einen Export-Stopp für Weizen. Das trägt weiter zu Preissteigerungen auf dem Weltmarkt und auch Hungersnöten bei. Europa ist der wichtigste Handelspartner für Indien, vor den USA und China.  Vgl. Menkhoff, Lukas/ Wagner, Christian: Indien. Alternative zu China? in: Wirtschaftsdienst 1/ 2023. 2023 wird ein Export-Stopp für bestimmte Reissorten erlassen. Der Reis-Preis steigt auf dem Weltmarkt.

Bedeutung des Außenhandels: Sie schwankt sehr stark. Lange betrug der Anteil am BIP 10% (Exporte + Importe). 1991 stieg er auf den Höchststand 55%. Zuletzt 2021 betrug der Anteil 40%. Mit Exportstopps auf bestimmte Nahrungsmittel (Weizen, Reis) beeinflusst Indien den Weltmarktpreis stark. Indien wird zu einem großen Händler russischen Öls. So können die westlichen Sanktionen umgangnen werden. Das Öl kommt auch nach Deutschland.

Indien als Standort für ausländische Direktinvestitionen: 2022 wird mit einem Wachstum in Indien von 6,9% gerechnet (Quelle: IWF, über China und der Welt). Indien ist 2019 mit 7,3% gewachsen, schneller als jedes andere asiatische Land. Bis Ende des Jahrzehnts wird Indien auch das bevölkerungsreichste Land der Welt sein und damit China überholt haben. Damit könnte Indien das kommende Land der Welt sein. Investoren finden gut ausgebildete Arbeitnehmer und unzählige Konsumenten. Als besonderer Standortvorteil gelten die IT - Fachkräfte. Als Hürde gilt immer noch die Bürokratie, aber auch das Kastensystem. Die Regierung hält im Prinzip auch wenig von Freihandel. Die Tradition und Kultur hemmen die wirtschaftliche Entwicklung. Es gibt in Indien auch großen gesellschaftlichen Widerstand gegen ausländische Direktinvestitionen. Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU liegen seit 20213 auf Eis. 2020 überholt Indien China als Zielort für Direktinvestitionen. Indien ist aber noch keine echte Alternative zu China, weil der Markt zu klein ist. Vgl. Menkhoff, Lukas/ Wagner, Christian: Indien. Alternative zu China? in: Wirtschaftsdienst 1/ 2023. Aber Indien liegt zunehmend im Fokus von deutschen KMU, die sich das Risiko in China nicht mehr leisten wollen. 

Produktionsverlagerungen nach Indien: 2022 ist die Abhängigkeit von China das große Problem für viele Firmen. Es drohen Sanktionen bei einem Angriff auf Taiwan. Man arbeitet an einer Produktionsverlagerung nach Indien und Vietnam. Die Personalkosten in China steigen auch. Ein gutes Beispiel ist Apple. Die Regierung hat die Initiative "Make in India" ausgerufen. Allerdings ist in den letzten drei Jahren das Volumen der ausländischen Direktinvestitionen gesunken.

Autarkiebestrebungen (Decoupling): Indien will sich zum Protagonisten der Deglobalisierung entwickeln. Ab 2020 vollzieht Modi eine drastischen Kurswechsel.

Indien wird von den Weltmärkten abgekoppelt. "Swadeshi" (Autarkie) hat in Indien eine lange Tradition. Schon Gandhi schwärmte von selbst verwalteten autonomen Dörfern (Selbstversorgung ohne Außenhandel). Indien war immer ein Fan der Handelspolitik von Friedrich List. Die Corona-Pandemie hat solche Pläne verstärkt. Hintergrund ist auch der Konflikt mit China, das genau in die Gegenrichtung geht. Populäre Apps wie Tencent und Alibaba wurden schon in Indien verboten. Indien hat sich auch bewusst dafür entschieden, an RCEP nicht teilzunehmen. Die Strategie könnte fatal sein: Viele Länder suchen nach einer Alternative für China. Vgl. Dieter, Heribert: Indiens riskanter Abschied von der Globalisierung, in: WiWo 9, 26.2.2021, S. 43. Indien wird so zum zentralen Akteur der Chinapolitik der westlichen Länder. Viele Großunternehmen denken über eine Verlagerung aus China nach Indien nach. Sie fürchten eine weitere Abkühlung der Beziehungen zu China. Apple gilt als Vorreiter. Andererseits hat Indien ein 25-Milliarden-Dollar-Paket aufgelegt, um mehr ausländische Industrie ins Land zu holen.

Handelsverträge Indien: Im April 2022 wird ein Vertrag mit Australien geschlossen. Bis Oktober soll ein Vertrag mit GB zustand kommen. Weitere Abkommen mit der EU, USA, Kanada und Israel sollen folgen. Vgl. Dieter, Heribert: Ein Freihandelsgegner entdeckt den Freihandel, in: WiWo 34/ 19.8.22, S. 39

G20-Treffen 2023: Im Jahre 2023 findet das G20-Treffen in Indien statt (in der Kapitale New-Delhi). Indien ist umworben. Ab 01.12.22 hat Indien den Vorsitz der G-20 (Präsidentschaft). Modi geht es vor allem um Lösungen für die globale Ernährungs- und Düngemittelkrise, ausgelöst durch den Ukraine-Krieg. Indien bietet sich auch als Vermittler zu Russland an. Am 01.03.23 treffen sich schon die Außenminister in Delhi, um Vorbereitungen zu machen. Auch der russische Außenminister ist dabei. Es geht auch um das indische Geschäftsmodell bei Erdöl: aus Russland importieren, in Raffinerien verarbeiten und exportieren.  Das Treffen findet am 9. und 10. September 2023 statt. Das größte Problem scheint zu sein, die Affen von den Delegierten fernzuhalten. Die Stadt Delhi heuert als Experiment 30 "Monkey Wallahs" an, die die Rufe der aggressiven Languren nachahmen, um die Rhesusaffen zu vertreiben. Alle Büros, Schulen, Banken und Geschäfte bleiben während des Gipfels zwei Tage geschlossen. Indien will sich auf Augenhöhe mit den Großmächten präsentieren. Es definiert sich traditionell "blockfrei". Chinas Staats- und Parteichef Xi will nicht teilnehmen (das erste Mal). Er schickt Ministerpräsident Li Qiang. Auch Russlands Staatschef Putin kommt nicht, weil ihm eine Verhaftung droht. Es gibt auf dem Gipfel eine gespaltene Haltung zum Ukraine-Krieg, der einer der Hauptthemen auf dem zweitätigen Gipfel ist.  Die Afrikanische Union wird als neues Mitglied aufgenommen (bisher 19 Länder und die EU). Streitpunkte sind der Ukraine-Krieg und der Klimawandel. Teil ist auch die pompöse Inszenierung der indischen Kultur mit Andeutungen (Bharat). Nur mühsam kann man sich auf eine  Abschlusserklärung einigen (keine direkte Verurteilung Russlands). Der nächste Gipfel findet in Brasilien statt. Es wird ein neues Miteinander zwischen Nord und Süd gelobt.

Am 21./ 22.11.23 findet noch mal ein virtueller Gipfel der G20, veranstaltet von Indien, statt. Hier sind alle Staatschefs dabei, auch Putin. Er nutzt die Bühne, um sich in Szene zu setzen. Indien ist einer der großen Profiteure des Ukraine-Krieges. Es kann jetzt billig russische Energie und Rohstoffe beziehen. Teilweise handelt man wieder damit und bietet sie auf dem Weltmarkt an. Viele sehen diesen Gipfel deshalb auch als Dank an Putin.

Indiens wachsender Einfluss in der Welt: Im Zusammenhang mit dem G20-Treffen 2023 spricht Indiens Außenminister S. Jaishankar selbst von einer international immer wichtigeren Rolle seines Landes. "Wir stehen für eine diversifizierte, demokratische, faire und marktorientierte Re-Globalisierung. Es ist jetzt eine selbstbewusstere, fähigere und flexinlere Gesellschaft. Es ist ein neues Indien". Siehe The Economist/ Focus. Die Welt in 2024, 2023, S. 71.

Bevölkerung: Bevölkerungszahl: 1 243 337 000 (2018: 1,34 Mrd.): Bevölkerungsdichte: 421,1 Einwohner pro Quadratkilometer; 32 Prozent Stadtbevölkerung; 63% Alphabetisierung. Die Geburtenrate fiel von 4,6 1981 auf 2,4 2015. 600 Mio. Inder sind jünger als 35 Jahre (Quelle: Worldometers). Das Bevölkerungswachstum liegt bei 1,4%, Alphabetisierung 61%, Kindersterblichkeit 6,3%, 60% aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, die nur ein Fünftel des BIP erwirtschaftet.  Um 2030 dürfte Indien das bevölkerungsreichste Land sein, aber ca. 300 Mio. leben von weniger als 1$ pro am Tag, 600 Mio. sind jünger als 25 Jahre). Nach neuesten  Berechnungen der UN wird Indien schon 2023 China als bevölkerungsreichstes Land der Erde ablösen. Im April 2023 hat Indien 1,4 Mrd. Menschen (1,4286) und löst China (1,411) als bevölkerungsreichstes Land ab. Die Geburtenrate liegt mit 1,7 höher als in China (1,5). Die Lebenserwartung liegt 2100 bei 86 Jahren (China 90). Quelle: Uno World Population Prospects 2022. Bei beiden Zahlen muss man aber vorsichtig sein. die letzten Zahlen der Volkszählung in Indien stammen aus dem Jahr 2011. Auch die Bevölkerungszahl Chinas von Ende 2022 beruht zum großen Teil auf Schätzungen. Ein Viertel der indischen Bevölkerung sind jünger als 25 Jahre.

Stellenwert: Indien stellt 2022 ca. 18% der Weltbevölkerung. Es hat eine junge Bevölkerungsstruktur. Allerdings macht der Markt nur ein Fünftel des chinesischen aus, weil die Kaufkraft noch eher gering ist.

Analphabetenrate und Bildung: Die Analphabetenrate ist sehr hoch. Leider gibt es keine genauen Daten. Die Stärken Indiens liegen aber im Software-Bereich. Der vermehrte Einsatz von KI in der Industrie könnte Indien zugute kommen. Auch die Beherrschung der englischen Weltsprache ist ein großer Vorteil. 2012 nahm Indien an der Pisa-Studie teil. Die indischen Schüler schnitten auf dem Niveau von Kirgistan und Kasachstan ab. Seither nimmt Indien nicht mehr an Pisa teil.

Prognose 2050: Der UN-Bericht "World Population Prospects 2022" gilt es seriöseste Quelle. Danach hat Indien im Jahre 2050 1,67 Mrd. Menschen und liegt weit an der Spitze (China 1,32, USA 375 Mio.). 2022 liegt China noch knapp vor Indien und den USA.

Politik:  Indien ist die größte Demokratie der Welt.2014 sind Parlamentswahlen in Indien. Im Mai 2014 kommt es zu einem historischen Regierungswechsel. Die Hindu-Nationalisten mit ihrem Spitzenkandidaten Narendra Modi gewinnen die Parlaments-Wahl. Sie können viele Versprechen aber nicht halten (viele Großprojekte liegen auf Eis, weil die Bürokratie Grundstückskäufe verhindert). Damit gewinnen die radikalen Hindus Boden und die Intoleranz wächst. Mitte Oktober 2015 besucht die Bundeskanzlerin zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation das Land. 18 Wirtschaftsabkommen werden unterzeichnet (insbesondere für erneuerbare Energien). Im November 2016 ereignet sich ein schweres Bahnunglück in Indien. Wahrscheinlich waren die Schienen nicht in Ordnung (stammen noch aus der englischen Kolonialzeit). Über 150 Menschen sterben. Die hinduistisch-nationalistische BJP von Regierungschef Modi setzt sich bei den Regionalwahlen in Uttar Pradesh (bevölkerungsreichste Provinz mit 220 Mio. Menschen) im März 2017 durch.  Am 15. August 2017 ist der 70. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens (einen Tag vorher Pakistans; Wettrüsten und drei Kriege gab es dann). Im August 2017 einigt sich Indien mit China im Grenzstreit vom Doklam-Plateau. Anfang September 2017 ist Indien stark von Überschwemmungen betroffen (vor allem Mumbay; Folge des Monsuns). Der Sohn von Sonia Gandhi Rahul beerbt nach 19 Jahren seine Mutter als Führer der Kongress-Partei. die Partei kämpft ums Überleben.  Auslöser war der gewaltsame Tod eines Mitglieds. Im Juli 2018 droht vier Millionen Menschen auf einen Schlag die Ausweisung. Sie sind von einer Abschiebung nach Bangladesch bedroht (vor allem Muslime der bengalischen Minderheit). Dies gilt vor allem für den Süden. Ab September 2018 ist Sex von Homosexuellen in Indien nicht mehr strafbar. Im Bundesstaat Gujraras wird er Unabhängigkeitsheld Vellabhbhai Petel mit der höchsten Statue der Welt geehrt (182 m hoch, 360 Mio. €). Es ist der Heimatstaat von Premier Modi. Bei Mumbai entsteht schon eine weitere Statue, die noch höher werden soll. Mehr als 20 Jahre nach der Gewaltwelle gegen Anhänger des Sikh-Glaubens in Indien mit Tausenden von Toten ist ein bekannter Politiker Ende Dezember 2018 wegen Anstiftung zum Mord verurteilt worden. Im Mai 2019 ist eine Parlamentswahl. Eine weitere Amtszeit von Narenda Modi ist nicht mehr sicher. Für einen Machtwechsel müsste sich die Opposition zusammen tun. Indira Gandhis Enkelin betritt im Januar 2019 auch die politische Bühne (Regionalchefin der Kongresspartei, Priyanka Gandhi). Bei der Parlamentswahl im Mai 2019 hat die hindu-nationalistische Partei von Premierminister Narenda Modi ihr bestes Ergebnis aller Zeiten erzielt und baut ihre Mehrheit aus. Modi wird dann auch zum zweiten Mal Regierungschef. Er ist eine Art Alleinherrscher, obwohl er viele seiner Versprechungen nicht erfüllt hat. Er ist ehemaliger Teeverkäufer, der einer niederen Kaste entstammt. Anfang November 2019 besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel Indien. Sie wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Es geht um Müll (Klimawandel), Ayurveda und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Amnesty stellt seine Arbeit in Indien im September 2020 ein: Die Menschenrechtsorganisation beklagt eine Hexenjagd. Die Behörden haben die Bankkonten eingefroren. Die indische Regierung sagt, die Organisation habe ausländische Gelder erhalten. Indien hat auch eine Präsidentin. Sie heißt 2023 Draupadi Murmu. Sie hat repräsentative Funktionen.   "Diejenigen aber, welche zum Glück der Erkenntnis gelangt, über die Gegensätze erhaben und frei von Selbstsucht sind, dies erschüttert weder Glück noch Unglück irgendwann", aus Indien. "Die neue Regierung ist nicht wirtschaftsfreundlich, sondern versteht es auch, die Menschen auf dem Reformweg mitzunehmen", Raghuram Rajan, indischer Notenbankchef 2015. In Indien werden immer noch jedes Jahr Tausende Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag zwangsverheiratet (ein Drittel aller Zwangsverheiratungen auf der Welt; 360.000 Frauen sterben jährlich, weil sie zu früh schwanger werden). Indien versucht 2017 den Hochzeitswahn zu bändigen. Feiern in Kaschmir dürfen nur noch bis zu 500 Gäste haben und sieben Gänge. Darüber hinaus wird eine Sondersteuer fällig. Die meisten Haare für Perücken in der Welt kommen aus Indien. Der Rohstoff stammt aus südindischen Hindu-Tempeln, in denen sich die Gläubigen hingebungsvoll die Köpfe scheren lassen.

Exkurs. Narendra Modi: Er lässt sich gerne Vishvaguru, den "Lehrer der Welt" nennen. Er ist auch Führer der hindu-nationalistischen Partei. Er ist eine Art Alleinherrscher, obwohl er viele seiner Versprechungen nicht erfüllt hat. Er ist ehemaliger Teeverkäufer, der einer niederen Kaste entstammt (der erste Führer, der den Aufstieg geschafft hat). 2023 kann er die Führerschaft in den G20 übernehmen. Er hat im Land eine Trennlinie zwischen Regierung/ Partei und Unternehmen geschaffen. 2023 ist er 72 Jahre alt. Er spricht auf Reisen lieber Hindi als Englisch. Er stellt die uralte Hindutradition heraus. Er ist auch Hindunationalist. Im Netz wird er auch gezeigt, wie er stundenlang meditiert. Er verkörpert damit auch die spirituelle Seite der indischen Kultur. Ein halbes Jahr vor Indiens landesweiter Parlamentswahl triumphiert Modi bei den Regionalwahlen. An der Börse bricht Euphorie aus. Modi wurde von klein auf vom RSS ausgebildet. Dieser besteht seit 1925, also aus britischer Zeit. Er dient der Mobilisierung von Hindus und setzt Gewalt ein. Modi will Indien in eine Industrienation mit religiösem Überbau verwandeln ("glorreiche Hinduzivilisation", ethnische Demokratie, 80% sind Hindus). Er hat die Angewohnheit, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen. Er ist der mächtigste Premier, den Indien seit drei Jahrzehnten hatte. Er ist ein herausragender Redner, der jedem das Gefühl gibt, er spreche nur mit ihm. Er ist Nationalist, Populist, kinderlos und ohne Partnerin. Für den Westen ist Indien als Partner unverzichtbar. Es soll ein Gegengewicht zum chinesischen Rivalen bilden. Er ist auch ein Wirtschaftsliberaler. Angeblich soll er nur Arbeiten und Yoga kennen (so sein Biograph Nilanjan Mukhopadhyay: "Narendra Modi: The Man, The Times."). Er trinkt keinen Alkohol und fastet regelmäßig.  "Ich bin überzeugt, dass Gott mich zu einem bestimmten Zweck geschickt hat", Modi. Vgl. auch Kuntz, Katrin/ Svensson, Paul: Modimania, in: Der Spiegel 23/ 1.6.24, S. 72ff. Modi ist dann im Juni 2024 kein strahlender Sieger in der Wahl. Er verliert viele Stimmen und die absolute Mehrheit. Er muss eine Koalition suchen. Fast niemand hatte diese Entzauberung von Modi erwartet. Vor allem in ländlichen Gebieten und von den Armen wurde seine Partei abgestraft. In Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten und politisch wichtigsten Bundessaat, müssen die Hindunationalisten die Hälfte der Sitze abgeben (Armut höher, Bildung niedriger). Für jemand, der sich für einen Gesandten Gottes hält, muss da sein schwerer Schlag sein. Andererseits hat noch kein Premier vor ihm drei aufeinander folgende Amtszeiten geschafft, insofern historisch. Vgl. Der Spiegel 24/ 8.6.24, S. 68.

Exkurs. Rahul Gandhi:   Er ist der berühmteste Oppositionspolitiker in Indien und N. Modis größter Gegner. Er entstammt einer Politikerdynastie. Gandhis Vater, Großmutter und Urgroßvater waren einst Premier. Gandhi selbst wollte 2024 gegen Modi antreten. Das ist 2023 fraglich. Er musste schon seine Residenz in Neu-Delhi nach fast 20 Jahren räumen. Er hatte in einer Wahlkampfrede zwei mutmaßliche Kriminelle mit dem Premier in Verbindung gebracht: "Warum tragen all diese Diebe den Namen Modi"? Ende März 23 verurteile ihn dafür ein Gericht in Modis Heimatstadt Gujarat zu zwei Jahren Haft. Er habe alle Inder mit dem gleichen Nach-Namen beleidigt. Gandhi ist gegen Kaution auf freiem Fuß.

Exkurs. Vinayak Damodar Savarkar (Buch "Hindutva"). Er schrieb die ideologische Grundlage für die Organisation namens Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS). Hass ist der Kern der Ideologie. Es  ist auch die Ersatzfamilie von Modi, dei ihn auch ausgebildet hat. Es ist die "Nationale Freiwilligenorganisation". Sie ist auch eng mit Modis Partei BJP verbunden. Sie basiert auf der Weltanschauung von Savarkar (argumentiert hindunational). Muslime seien keine richtigen Inder. Ansonsten geht RSS vom Pfadfindertum aus. RSS hat durchaus auch faschistische Züge (orientiert sich an Hitler, der bewundert wird). Der eigentliche Bezugspunkt ist aber mehr Mussolini mit seinem Faschismus und Rassismus. Der RSS wurde 1925 gegründet, also schon in britischer Zeit. Er prägte eine neue soziale Klasse, die sich durch den Hinduismus definiert. Sie mobilisiert die Hinduisten. Sie ermordeten schon M. Gandhi. Von ihr kontrolliert wird eine Miliz von 200.000 Menschen (vergleichbar den Revolutionsgraden im Iran). Sie sind eine Art Religionspolizei. Sie greifen auch in den Bildungssektor ein (Schulbücher, Curricula an Hochschulen). Sie führen immer wieder gewalttätige Anschläge aus (am schwersten 2002). Sie erstrecken sich auch auf das Ausland (Kanada, GB, USA). Die Hindu-American Foundation ist sehr mächtig (Präsidentin Shukla). Es wird ein repressives Netzwerk auf der Welt aufgebaut. Traum ist die Herrschaft über Südasien.

Politische Teilung und Parlament: Indien besteht aus 28 Bundesstaaten. Es gibt acht Unionsterritorien. Das Parlament zählt 543 Abgeordnete (bei 1,4 Mrd. Einwohnern; weniger Abgeordnete als Deutschland). Politisch kann man oft von Chaos sprechen (positiv und negativ).

Politische Parteien und politische Organisationen: Eine Organisation namens Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) ist die Ersatzfamilie von Modi. Es ist die "Nationale Freiwilligenorganisation". Sie ist auch eng mit Modis Partei BJP verbunden. Sie basiert auf der Weltanschauung von Vinayak Damodar Savarkar (Buch "Hindutva"). Savarkar argumentiert hindunational. Muslime seien keine richtigen Inder. Ansonsten geht RSS vom Pfadfindertum aus. RSS hat durchaus auch faschistische Züge (orientiert sich an Hitler, der bewundert wird). Der eigentliche Bezugspunkt ist aber mehr Mussolini mit seinem Faschismus und Rassismus. Der RSS wurde 1925 gegründet, also schon in britischer Zeit. Er prägte eine neue soziale Klasse, die sich durch den Hinduismus definiert. Modis Partei ist die BJP. Auf die kann er sich blind verlassen. Sie ist hindunational, wertkonservativ und wirtschaftsfreundlich. Die zweite große Partei ist die Congress. Sie ist dynamisch, säkular und sozialdemokratisch. Sie ist die Partei Nehrus und Gandhis. Sie sitzt bis heute an den Schalthebeln der Macht. Daneben gibt es kleinere Parteien: AITC (Westbengalen, ungefähr wie CSU), Shiv Sena (fremdenfeindlich, rechts), AAP (Partei des einfachen Mannes, gegen Korruption).  Modi ist dann im Juni 2024 mit seiner BJP kein strahlender Sieger in der Wahl. Er verliert viele Stimmen und die absolute Mehrheit. Er muss eine Koalition suchen. Er findet sie in zwei Regionalparteien: aus den Bundesstaaten Bihar und Andhra Pradesh. Es sind die Politiker Nitish Kumar und Nara Chandrababu Naidu (Telugu Desam Party). Sie haben zusammen 28 Sitze. Sie gelten allerdings als Opportunisten und sind eher säkular orientiert. Das Bündnis wird eher instabil eingestuft. 

Militär und Rüstung Indien: Anfang Dezember 2021 kommt Indiens Militärchef bei einem Absturz ums Leben. Der Militärhubschrauber stützt in Südindien ab (14 Menschen kommen ums Leben). Militärisch arbeitet Indien eng mit Russland zusammen. Man hat große gemeinsame Interessen (gegen China und die USA, die Pakistan unterstützt). So enthält sich Indien auch im Sicherheitsrat der UN beim russischen Einmarsch in die Ukraine). Im März 2022 wird versehentlich eine Rakete auf Pakistan geschossen. Man bedauert dies. Indien bemüht sich um alternative Rüstungslieferanten und baut eine eigene Rüstungsindustrie auf. In Europa ist Frankreich hier für Indien am wichtigsten.

Indien entwirft und produziert die Loitering Munition Nagastra-1. Sie kostet nur 55.000 Euro. Solche Waffen können am Himmel "herumlungern" und auf Ziele warten. Die indische Variante kann mehrmals starten. Sie wird zum Exportschlager. Sie wird erfolgreich in der Ukraine eingesetzt.

2024 beschleunigt Indien das nukleare Wettrüsten. Delhi will seine Raketen mit atomaren  Sprengköpfen bestücken - eine Reaktion  auf Pekings Ausbau seines Atomarsenals. Es werden insbesondere MIRV - Raketen bestückt. hier kann man die Anzahl der Sprengköpfe leicht erhöhen. Vgl. NZZ, 20.3.24, S. 4.

Urbane Großräume: Indien liegt mit seinen urbanen Großräumen an der Spitze in der Welt. Mumbai, Delhi, Kolgata, Chennai, Bengaluru, Hyderabad, Ahmedabad, Pune, Surat, Kanpur, Jaipur, Lucknow, Nagpur haben alle über 5 Mio. Einwohner.

Barygaza (heute Bharuch): War im 1. Jahrhundert n. Chr. Zentrum eines Handelsnetzes im indischen Ozeans. Schiffe konnten den Ozean relative leicht durchfahren, weil es verlässliche Monsunwinde gab. Es gibt Bericht über die Stadt und die Seefahrt, die zeigen, dass sogar ägyptische, sumerische, persische und europäische, natürlich auch chinesische Kaufleute, die Stadt anfuhren. Die Römer klagten über ein Defizit in ihrer Handelsbilanz. Vgl. Frie, Ewald: Die Geschichte der Welt, München 2020, S. 81ff..

Bangalore: Metropole in Südindien. Binnen 20 Jahren hat sich die Einwohnerzahl auf geschätzte 13 Mio. Menschen verdoppelt. Fast jede Tech - Firma der Welt hat hier einen Sitz. Die Stadt ist Inbegriff von Outsourcing, IT - Firmen, Callcenter. Der IT-Riese Infosys (Nandan Nilekani) hat hier seinen Sitz und beschäftigt alleine 340.000 Menschen. Der Umsatz liegt bei 18 Mrd. $. In der Stadt gibt es auch viel Armut, Korruption und Verkehrschaos. Die indische Metropole ist die Universitäts- und IT -Hochburg. Die Stadt ist Sitz des Digitalriesen Infosys. Google betreibt dort sein größtes Forschungszentrum außerhalb der USA. Es ist eine der innovativsten Städte der Welt. 

Neu-Delhi: Ist die Hauptstadt von Indien. 1911 verlegte König George von GB die Hauptstadt von Kalkutta nach New Delhi. Im Metropolraum leben mehr als 30 Mio. Menschen. Die Stadt liegt im Norden Indiens. Modi errichtet ab 2022 ein neues Regierungsviertel. Es soll imposant werden und für den Aufstieg des Landes stehen. Die Promenade der Central Vista wurde schon eröffnet. Sie wurde von Königsstraße in Straße der Pflichten umbenannt. New Delhi, die indische Hauptstadt, ist besonders stark von Umweltverschmutzung betroffen. Das Risiko für Fehl- und Frühgeburten ist dadurch erhöht. Jährlich sterben auch mehr als 100.000 Kinder unter fünf Jahren aufgrund der schlechten Luft (Kinder atmen Schadstoffe doppelt so schnell ein). Delhi ist auch in Zukunft besonders durch den Klimawandel bedroht. Es steht auf der Risikoliste ganz oben (von Verisk Maplecraft, London). .

Mumbai (früher Bombay bis 1995). Metropole an der indischen Westküste. Berühmt ist der steinernere Torbogen des Gateway of India, der 1924 von der britischen Kolonialregierung errichtet wurde. Mumbai ist heute Zentrum der Bollywood-Film-Industrie.

Kalkutta: Hauptstadt des Bundesstaates Westbengalen. Ehemals Hauptsitz der Britischen Ostindien-Kompanie. 15 Mio. Einwohner.

Deshnoke: Indische Kleinstadt. Sie ist berühmt, weil sie in einem Tempel Tausende von Ratten aus religiösen Gründen beherbergt.

Udalpur: Indische Großstadt. Sie wurde zum Hotspot für Touristen durch den James Bond - Film "Octupussy", der in großen Teilen hier spielte.

Varanasi: Heiligste Stadt der Hindus in Indien. Sie liegt am Ganges, dem längsten und heiligsten Fluss Indiens. Immer mehr Menschen kommen hierin, um zu sterben. Es gibt Hospize, wie z. B. Mukti Bawan. Hier haben die Menschen dann 15 Tage Zeit zum Sterben. Die Faszination liegt darin, dass sich die Menschen danach verbrennen lassen, um die Asche dem Ganges zu übergeben. Es gibt den Beruf des Leichen - Verbrenners. In Varansi werden alle Götter der Hindus verehrt. Die sterbenden Menschen sind in Liebe und Dankbarkeit für das genossene Leben. Deshalb nennt man Varanasi auch Stadt des "Glücklichen Todes".

Vadnagar: Eine Kleinstadt im Osten Indiens. Hier wurde Narendra Modi am 17. September 1950 in eine niedrige Kaste geboren. Modis Geburtshaus ist heute verfallen. Acht Personen lebten in drei Zimmern. Der Vater habe Tee verkauft und manchmal habe sein Sohn Narendra geholfen. Noch heute nennt sich Modi "Chai-Wallah", ein Teeverkäufer. Mit 13 Jahren wurde Modi verheiratet. Er floh. Er soll in Kolgata gewesen sein und ist durch den Himalaja gereist.

Ayodhya: Pilgerort, ca. 55.000 Einwohner. Hier wird von Modi am 22.01.24 ein Super-Tempel eingeweht. Es hat 200 Mio. $ gekostet. Er nutzt es zum Auftakt seines Wahlkampfes. Es ist ein Hindu-Tempel in der Pilgerstadt Ayodhya im Norden Indiens (fast an der Grenze zu Nepal). Er ist auf Ruinen errichtet worden. Vorher war dort eine Moschee, die von fanatischen Hindus niedergebrannt worden war. Das war im Jahre 1992 und gilt als Wendepunkt in der Entwicklung des Hinduismus (Renaissance, organisierte Massengewalt, 150.000 Menschen setzen den Tempel in Trümmer, Anführer R. Togadia wird verehrt, der Oberste Gerichtshof erlaubte den Bau).  Der neue Tempel ist zu Ehren des Hindu-Gottes Ram. Er steht als Symbol für ein "säkularisiertes Indien" (Modi), sprich hinduistisches Indien. Die Pilgerstätte soll Aushängeschild einer Modernisierungsagenda sein. Modi lobt natürlich seine Regierung. Moslems sind offiziell an den Rand gedrängt. Es gibt immer wieder Anschläge gegen sie (aber auch gegen Christen). In der Regel wirft man ihnen vor, die Kuh beleidigt zu haben: "Die Kuh ist eine heilige Mutter".

Wirtschaftszentren im Süden mit viel Industrie und Urbanisierung: Bangalore, Hyderabad, Chennai (früher Madras). Die Urbanisierungsquote - ein Indikator für den Entwicklungsstand eines Landes - liegt mit 35% weit niedriger als in China (60%). Vgl. Losse, Bert u. a.: Endlich Großmacht, in: WiWo 36/ 2023, S. 34ff.

Geschichte Indiens:  Die ältesten Spuren von Sesshaftigkeit finden sich am Westrand eines Tales, in Mehrgarh, in der heutigen pakistanischen Provinz Belutschistan. Sie stammen etwa um 7000 v. Chr. Etwa um 4000 v. Chr. breitet sich die Besiedlung von den Rändern des Tales immer mehr Richtung Fluss aus. Größte Städte sind Mohenjo-Daro am Indus und Harappa im Punjab (nutzte vielleicht als erste Kultur das Rad). Die erste Hochkultur in der Region des Flusses Indus gibt es von 2600 v. Chr. - 1800 v. Chr. Vor ungefähr 3000 Jahren (1500 bis 700 v. Chr.)  führte eine Völkerwanderung zu einem dramatischen Umbruch südlich des Himalayas. Damals wanderten so genannte Arier (arya) aus dem Gebirge in die Gangesebene. Sie stießen auf die Ureinwohner, heute Draviden genannt. Es war ein Aufeinanderprallen zweier Welten (die zwei Kulturen sind heute noch sichtbar) . Im siebten und sechsten vorchristlichen Jahrhundert dominiert kulturell der Brahmanismus. Das religiöse Denken kreist um "Brahman", den Wesensgrund der Welt, der als Einheit stiftende und alles bewirkende Prinzip von den sinnlichen Erscheinungen in der Welt differenziert wird. Die erlösende Verschmelzung des Atman (individuellen Bewusstsein des Weisen) mit der Alleinheit des Brahman ist das Ziel des Heilsweges, der aus dem frustrierenden Kreislauf des schmerzlichen, dem Materiellen und der Begierde verhafteten Menschenleben herausführt. Die Vorstellungswelt der Upanishaden kennt schon Seelenwanderung und Karma sowie Samsara. Um 530 v. Chr. beginnt der Buddhismus in Indien, der wesentliche Elemente des Brahmanismus übernimmt (vgl. auch Religion weiter unten).  326 v. Chr. erfolgte der Indienfeldzug Alexander des Großen. Er hatte keine militärischen Gründe, sondern Kriegslust und Neugier waren die Motive. Auf dem Rückzug zerstört er 323 v. Chr. Theben. Um 1 n. Chr. ist Indien Teil eines riesigen Handelsnetzes. Metropole des Handels ist Barygaza (siehe oben). Hier werden Silber, Glas, Korallen, Öl, Wein, Leinen, Weihrauch, Araberhengste, Gewürze, Baumwolle, Seidenstoffe, Elfenbein, kostbare Hölzer gehandelt. Förderlich ist der Buddhismus, der undogmatisch ist. Man handelt praktisch mit allen Nachbarländern, mit Vorderasien und Europa. Im 4. Jht. entstand das erste Großreich (Maurya, Kaiser Ashoka).  Im 3. Jahrhundert v. Chr. ist das Maurya-Reich das mächtigste. Es hatte eine Verwaltung und war militärisch sehr stark. Dann folgt das Gupta-Reich, bei dem Indien fast wieder vereint ist. Danach kommt der Großkönig Harsha (606-647). Ab dem 8. Jht. n. Chr. gibt es immer wieder arabische Reiche.  Ab 1330 sind dann große Teile des Landes unter Kontrolle von dem von  zentralasiatischen Militärführern gegründeten Sultanats von Delhi. Babur erobert 1526 das Sultanat von Delhi (er setzt Kanonen aus Persien ein). Man spricht auch von indischen Mogul-Reich, weil sich der Gründer als Nachfahre der Mongolen sah (von Tamerlans). Als Babur 1530 stirbt hinterlässt er ein sehr großes Gebiet (Kabul, Kandahar, Lahore, Delhi, Agra, Bangladesch). Grundlage des Reiches war das Mansab-System (Steuereinzug als Adelspflicht). 1492 n Chr. entdeckt Vasco da Gama den Seeweg nach Indien, die Europäer kommen nach Indien. 1510 erobern die Portugiesen  Goa in Indien und machen es zum Zentrum aller Beziehungen. 1511 erobern die Portugiesen Malakka, die Drehscheibe des Handels zwischen Indien und China. Zunächst ist Indien eine portugiesische, später eine britische Kolonie. Im 16. Jahrhundert schafft der Großmogul Akbar in Indien ein gewaltiges Reich (er stirbt 1604 n. Chr.; er verbietet Kinderheirat und Witwenverbrennung; ist aber sehr grausam). Es predigt vor allem Toleranz. 1658 wird Schah Jahan, Erbauer des Taj Mahal in Agra, abgesetzt. Sein Sohn und Nachfolger Aurangzeb vereinigt fast ganz Indien unter seiner Herrschaft.  Das Reich ist auf dem Gipfel der Macht. Es besteht danach noch 100 Jahre. Dann steht die East India Company der Britten bereit. 1930 startet Mahatma Gandhi eine neue gewaltlose Kampagne gegen die britische Kolonialherrschaft. 1947 kommt die Unabhängigkeit (Gandhi, Neru). Indiens gefährlichster innerer Feind sind die aufständischen Maoisten. Nach der Unabhängigkeit zerfällt das Reich in drei Teile: Indien, Pakistan, Bangladesch (und  auch Sri Lanka). Vgl. Kulka, h./ Rothermund, D.: Geschichte Indiens, 1998. Vor 150 Jahren wurde Mahatma Gandhi geboren. Er war Friedensprediger und Unabhängigkeitskämpfer. Er lebte in seiner Heimatregion Gujarat. Nächste Großstadt ist Mumbai. "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für die Welt", Mahatma Ghandi.

Exkurs: Geschichte des Handels: Traditionell lief der Handel zwischen China/ Asien  und Europa Jahrhunderte über die Seidenstraße (Blüte: Tang-Dynastie, Ming und Qing - Dynastie). Im 17. Jahrhundert kam immer mehr der Seeweg dazu. Vasco da Gama aus Portugal entdeckte 1504 den Seeweg nach Indien (vorher 1498 Calicut). Führend im Handel mit Südostasien waren Portugal und die Niederlande. Huygen und Barents aus den Niederlanden entdeckten neue Seerouten nach China. Daraus entstanden drei Bücher. Sie berichten über den Handel mit Indien, China und Japan. Die Niederlande wollten Malaysia zu ihrem Stützpunkt machen, um das portugiesische Gewürzmonopol zu brechen. Schließlich wurde 1602 die VOC gegründet (Vereinigte Ostindische Companie für Handel). Es war Teil des niederländischen Unabhängigkeitskampfes gegen Spanien und Portugal. Zentrum wurde dann doch eher Indonesien. Vgl. J. Elvers: Europa, das Meer und die Welt, München 2018, S. 264ff.  Gegen Indien wurde protektionistische Maßnahmen ergriffen. Die Fertigung in Indien wurd evon GB systematisch unterbunden. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Produkte des Verarbeitenden Gewerbes hauptsächlich aus Indien und China importiert und größtenteils durch Goldimporte aus Europa und Amerika (auch Japan) finanziert. Namentlich bedruckte Stoffe und baue Kattune kamen aus Indien. Die europäische Kaufleute heizten die Stimmung gegen indische Textilimporte an und sorgten für hohe Zölle. In Europa war Göteborg ein wichtiger Anlaufpunkt. Dadurch sank der Anteil Indiens und Chinas dramatisch.  Vgl. Piketty, Thomas: Eine kurze Geschichte der Gleichheit, München 2022, S. 68ff. Später übernahmen die Briten Indien als Kolonie. Heute versuchen die USA, Indien im Handel zu begünstigen als Gegenpol zu China.

Exkurs. Unabhängigkeit: Am 15. August 2022 feiern Indien und Pakistan ihre Unabhängigkeit von Großbritannien vor 75 Jahren.

Exkurs. Rishi Sunak, GB und Indien:: Sunak wird 2022 britischer Premierminister. Er ist der erste nicht-weiße Regierungschef der Geschichte und Hindu (seine Eltern stammen aus Indien, er hat also indische Wurzeln). Ende 2022 glaubt die Mehrheit der Briten, dass der Brexit ein Fehler war. Der Traum vom Singapur an der Themse ist ausgeträumt. Die Rezession könnte bis 2024 gehen. Besonders die britischen Unternehmen klagen über die Brexit - Folgen. Vgl. Watt, Andrew: Rücktritt Truss: Brexit-Traum ist ausgeträumt, in: Wirtschaftsdienst 2022/11, S. 817. Die Presse in Großbritannien unterstützt überwiegend die Torries. Sie hat großen Anteil an der Abstimmung für den Brexit (wahrscheinlich auch Russland und die USA). Man hat die EU meist für alle Missstände in GB verantwortlich gemacht. Damit hatte die Regierung immer ein Alibi. Die Elite GB, die überwiegend in Internaten groß geworden ist, hängt vergangenen Träumen nach. Der englische Nationalismus ist überwiegend eine Sache der älteren, weißen Generation. Die Gegner des Brexit, meist die Jüngeren, haben sich eher zurückgehalten und nicht für ihre Meinung gekämpft. Die Schotten und die Iren, die auch von hohen Fördergeldern der EU profitiert haben, werden schon aus ökonomischen Gründen für eine Abspaltung von GB kämpfen. Im 1. Quartal 2021 sinkt das Handelsvolumen zwischen der EU und GB um fast ein Viertel. Sunak ist mit einer Inderin (Akshata Murty) verheiratet, die viel reicher ist als er. Sie ist die Tochter von Murty, dem Gründer von Infosys. Auf 730 Millionen Pfund wird das Vermögen beider geschätzt. Das Team von Sunak ist zweifelhaft (Kabale- und Intrigenstadel von Johnson). Seine Partei, die Torries, sind seine größte Hürde. Eine Annäherung an GB oder eine Kooperation sind bisher nicht erkennbar.

Gesellschaft und Kultur in Indien: Die Gesellschaft ist heute tief gespalten. 33% der Menschen müssen 2010 mit weniger als 1,25 Dollar am Tag auskommen. 70% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Das Haushaltseinkommen der 20% ärmsten Haushalte wuchs zwischen 2000 und 2008 nur um 1,0% (OECD), während das BIP um 7,1% stieg. Besonders erschreckend ist die Diskriminierung der Frauen in Indien. Die Katastrophe in der Spitze besteht aus erschreckend hohen Todeszahlen pro Jahr (2003: 2,2 Mio. Todesfälle bei Frauen; 265.000/12% durch Abtreibung; 558.000 von 0 bis 15 Jahren/25%; 398.000 zwischen 15 und 45 Jahren/18%). Hinzu kommen die Gruppenvergewaltigungen.  Das größte Hindernis für ein moderneres Indien ist die grenzenlose Armut. Das Bildungssystem und die medizinische Versorgung sind verheerend.  In Indien ist das Bildungssystem noch niedrig, abgesehen von der Spitzenforschung. Das Bildungswesen kann auch 2014 noch als marode bezeichnet werden. Immer wieder Ärger gibt es mit Paralleljustiz der Khap Pachayats. Sie sind seit über 100 Jahren sind sie verboten, werden aber noch immer als Kastenjustiz eingesetzt. Abgelegene Dörfer sind schwierig zu kontrollieren. 2017 verbietet das oberste Gericht die Islamische Scheidung durch Verstoßung. Durch gepanschten Schnaps kommt es zu mehr als 100 Toten in Golaghat (Arbeiter einer Teeplantage) in Indien. Es war zu viel Methanol beigemischt. Das passiert in Indien immer wieder. Generell ist die Kultur Indiens vielfältig und facettenreich. Das führt zu eher flexiblen Menschen.   Entwicklungsminister Gopai Rai macht 2019 den Vorschlag, die heiligen Kühe und ältere Menschen im Ruhestand in  gemeinsamen Unterkünften unter zu bringen. Beide Gruppen sollen aufeinander acht geben. 2023 gibt es einen Pinkel-Vorfall bei Air India. Ein betrunkener Mitarbeiter von Wells Fargo pinkelt auf seine Nachbarin. Er wird entlassen. Der Eigentümer der Fluggesellschaft Tata kritisiert.

Exkurs Negative Zahlen in der Mathematik und andere Meilensteine (indische Mathematik): Bhaskara II.. indischer Mathematiker (1114-1185), der Jahrhunderte vor der Entwicklung der Infinitesimalrechnung in Europa darüber schrieb und in seinen Siddhantasiromani (1150) negative Zahlen analysierte. Als negative Zahl bezeichnet man eine reelle Zahl kleiner Null. 0 (Null) steht für nichts, keine Menge oder auch den Ausgangspunkt einer Skala (Meeresspiegel, Gedrierpunkt). Vgl. Daeid/ Cole: Zahlen in 30 Sekunden, Librero 2020, S. 28.. In Indien wurde sehr wahrscheinlich unser Zahlensystem erfunden (0, 1-9), das dann L. Fibonacci aus Pisa/ Italien in Europa etablierte. Hindu-Gelehrte kannten mit Sicherheit auch schon die Lösung der Kaninchenaufgabe (mathematische Folge). Über die eigentliche Bedeutung der indischen Mathematik schrieb der französische Mathematiker Pierre-Simon Laplace. "Indien schenkte uns die geniale Methode, alle Zahlen mit zehn Symbolen auszudrücken". Indien hatte früh geniale Mathematiker: Brahmi, Aryabhata, Brahmagupta, Varahamihira. Vgl. Willers, Michael: Algebra, Kerkdriel 2022, S. 74ff.

Exkurs: Philosophie in Indien: Immer wieder bezieht man sich auf Gandhi (Hind Swaraj). Die deutsche Philosophie steht hoch im Kurs. Indien leidet unter einer geistigen Verkümmerung. Es ist die Unkenntnis der eigenen intellektuellen und moralischen Ressourcen. Viele Religionen haben in Indien ihren Ursprung (siehe unten). Dieses Privileg ist verloren gegangen. Wichtig ist noch das Werk von Rabindranath Tagore (Literaturnobelpreisträger für Literatur 1913). Es ist ein Bedürfnis nach Authentischem in Indien da. So ist auch der Hindu-Nationalismus vielleicht zu deuten. Vgl. Shrivastava, Aseem et al.: Churning the Earth, 2018. Auch: Ross, Jan: Gandhi statt Kapitalismus, in: Die Zeit Nr. 44, 25.10.2018, S. 7.

Exkurs. Kricket: Es ist Kult in Indien, ein nationales Kulturgut. Die Liga ist hochlukrativ. Nur im amerikanischen Football NFL wird mehr Geld verdient. 2023 trägt Indien die Kricket-WM aus. Die Regierung in New Delhi vermarktet sie als Symbol für ihren wirtschaftlichen und politischen Aufstieg. Das größte Kricket-Stadion der Welt ist in Ahmedabad mit 132.000 Plätzen (das drittgrößte ist in Kolgata). Seit 2021 trägt das Stadion in  Ahmedabad den Namen Narenda Modi. Es liegt im Bundestaat Gujarat. Kricket ist ein Spiegel der Konflikte und der Diplomatie in Indien. Es ist ein Vermächtnis der Kolonialzeit.

Exkurs. Sabu Dastagir: Er ist immer noch der berühmteste Schauspieler Indiens. Vor ca. 100 Jahren wurde er geboren. am 27. Januar 2024 wäre er 100 Jahre alt geworden. Er stirbt mit nur 39 Jahren an einem Herzinfarkt. In zahlereichen Filmen der 40er und 50er Jahre war er der Exot vom Dienst. Im Krieg dienst er in der US-Luftwaffe. Berühmt sind folgende Filme: "Der Dieb von Bagdad," "Árabische Nächte". "die Braut des Maharadscha". "Der Tempelschatz der Bengalen".

Diskriminierung der Frau (Gewalt): Ein spezielles Problem ist die Gewalt gegen Frauen. Gewalttaten gegen Frauen ereignen sich täglich (alle 15 Minuten eine Vergewaltigung). Gruppenvergewaltigungen werden als einträgliches Geschäft betrieben. Sie finden zum Teil öffentlich statt (zum Beispiel in Bussen). 2022 wurden 90 Vergewaltigen pro Tag gemeldet. Der Staat ist nicht fähig, hier Recht und Ordnung durchzusetzen. Er versucht zwar, drastische Präsidenzurteile zu fällen (Todesstrafe durch Erhängen). Aber die Erniedrigung von Frauen niederer Kasten durch Männer höherer Kasten bleibt. Der Hinduismus bewahrt das Kastensystem mit der Abwertung der Frau. Indien hat eine sehr hohe Selbstmordrate bei jungen Frauen.   Im Oktober 2020 findet eine Gruppenvergewaltigung der 20-Jährigen in der Stadt Hathras statt. Der zuständige Polizeichef samt vier Mitarbeitern wurde suspendiert. Die Polizei ermittelte nur widerwillig. Anfang März 2024 wird eine Touristin (spanisch-brasilianisch) von sieben Männern im Bundesstaat Jharkhand vergewaltigt. ein Paar auf einem Motorrad bereist die Welt. 

Exkurs Leena Nair. Sie gilt in Indien als großes Vorbild. Sie wird 1969 in Indien geboren. Sie studierte von 1986 bis 1990 Elektro- und Kommunikationstechnik. sie startet beruflich 1992 als Trainee bei Unilever in Indien. 2016 leitet sie bei Unilever den Human-Resources-Bereich. Sie avanciert zum Role Model: erste Frau und erste Asiatin als Personalchefin, jüngstes Mitglied im Vorstand. Sie wird "Global Indian of the Year" und 2021 "Vorbild des Jahres". Anfang Februar 2022 wird sie CEO beim französischen Modekonzern Chanel. Sie soll dort mehr Diversität organisieren.

Exkurs. Shrayana Bhattacharya: Desperatly Seeking Sha Rukh, 2022. Es ist eine Mischung aus Recherche, Gesellschaftsanalyse und autobiographischer Reflexion. Es geht um die zentrale Frage "Wie besiegen Frauen weltweit das Patriarchat? Der Kampf ist ihrer Meinung nach im Wesentlichen nur ökonomisch zu gewinnen. Das Wirtschaftssystem produziert nicht nur Waren und Dienstleistungen, sondern vor allem gesellschaftliche Gefühle und Realitäten.

Vergewaltigung und Gruppenvergewaltigung von Frauen: Die letzte große Gruppenvergewaltigung in Indien war 2012. Daraufhin wurde das Strafrecht geändert: Ab 16 Jahre gilt nun Erwachsenenstrafrecht. Der Oberste Gerichtshof entschied 2022 allerdings, dass Gewalt in der Ehe weiterhin kein Verbrechen ist. Es haben sich inzwischen Organisationen gebildet, die dagegen vorgehen: Jagori, MAVA (Men against Violence and Abuse). Trotzdem gilt Indien noch als das frauenfeindlichste Land der Erde. Die Wurzeln liegen im Patriarchat, in der Kolonialzeit und im Kastensystem. Vgl. Finke, Katharina: Die Furchtlosen, in: Die Zeit 52/ 15.12.22, S. 10.

Erwerbstätigkeit der Frauen: Nur 19% der Inderinnen üben 2022 einen Beruf aus. Das ist weniger als in anderen großen Volkswirtschaften. In Indien ist die Heirat der Wendepunkt. Berufstätigkeit ist wenig angesehen (Ehemänner, Eltern und Schwiegereltern  verbieten). An Bildung fehlt es bei den Frauen nicht. In vielen anderen Ländern kommt die Wende erst mit dem ersten Kind. Eine Ausnahme bildet der IT - Sektor, weil hier leicht moderne Arbeitsformen möglich sind (Home Office). Viele Frauen arbeiten in der Datenannotation und helfen bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz mit. Algorithmen muss man Muster und Gesetzmäßigkeiten erst erklären. Das ist in Kerala in Südindien, Mannarkkad oder in Bangalore der Fall.  Vgl. Höflinger, Laura: Wo Frauen die Welt erklären, in: Der Spiegel 49/ 3.12.22, S. 86f.

Eheschließungen in Indien: Über 90% aller Eheschließungen sind arrangiert. Ehen werden nicht zwischen Individuen, sondern zwischen Familien geschlossen. Manchmal vermitteln auch Freunde. Folgt ein Paar dieser Vereinbarung nicht, wird es aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Es gibt in Indien eine Initiative, die sich darum kümmert: "Love Commando". Eine Eheschließung aus Liebe ist immer noch die große Ausnahme, vor allem wenn die Paare verschiedenen Kasten angehören. Harnaaz Sanghu wird 2021 in Eilat/ Israel zur schönsten Frau des Universums gewählt. Sie holt den Titel nach 21 Jahren nach Indien zurück.

Kinder-Ehen: Sie sind eigentlich verboten. Trotzdem werden, vor allem auf dem Land, noch Mädchen mit 14, 15 oder 16 Jahren verheiratet. Das durchschnittliche Alter der Frauen beim ersten Kind liegt 2023 bei 17 Jahren. Das hat gravierende negative gesundheitliche Folgen für die Mädchen. 1,5 Mio. minderjährige Mädchen werden noch jährlich verheiratet. Das hängt mit dem geringeren "ökonomischen Wert" der Frauen zusammen. Es gibt viele Vermittler, die Geld daran verdienen.

Sprachen in Indien: Nur geschätzt 200-300 Mio. Inder sprechen Englisch. Nach dem letzten Census sind es sogar nur 129 Mio. Das sind relativ wenig, zumal Englisch immer als großer Vorteil gegenüber China gesehen wird. Die meisten Inder sprechen Hindi (800 Mio. geschätzt, die folgenden Zahlen sind alle geschätzt). 125 Mio. sprechen Bengali. Dann folgen Marathi (115), Telugu (110), Tamil (90), Urdu (72). Am Ende liegen Gujarati (69), Kannada (68), Odia (49), Panschabi (42), Malayalam (41), Sanskrit (0,1). Vgl. Braun Alexander, Michael: Indien Super Power, München 2020, S. 59.

Khasi-Matriarchat: Das Volk lebt im Nordosten Indiens. Es handelt sich um eine matrillineare Gesellschaft. Abstammung und Erbfolge leitet sich nur von den Müttern ab. Das Volk ist berühmt für seine Brücken. Aus Luftwurzeln des Gummibaums, die teils in Felsbrocken Halt finden, lassen die Khasi Brücken wachsen. Ausgehöhlte Stämme der Betelsnusspalme geben den Wurzeln die Richtung vor.

Kastensystem (von casta - portugiesisch Herkunft, lateinisch: rein). Die Kaste bezeichnet die soziale Stellung, die Recht, Glauben, Partner- und Berufswahl bestimmt. Seit Jahrhunderten gliedert das komplexe Kasten-System die Gesellschaft. Jeder dient in der Kaste, in die er geboren wurde. Diese Ordnung bleibt relativ stabil. Man unterscheidet vier Varnas: 1. Brahmanen (Priester, Gelehrte), 2. Kshatryas (Krieger, Adel), Vaishya (Bauern, Händler, Handwerker), 4. Shudras (Hausangestellte, einfache Arbeiter). Das System ähnelt der Klassengesellschaft im antiken Griechenland. Weiter: Dalits, Harigans, Parias (Unberührbare). Innerhalb der Kasten gibt es weitere Clan-Strukturen. Anfang 2018 legen die "Unberührbaren" (unterste Schicht, Dalits) Mumbai lahm. Der RSS als Freiwilligenchor begründete eine neue soziale Kaste. Sie definiert sich über den Hindunationalismus.   Die indische Kastengesellschaft ist schon im ersten vorchristlichen Jahrtausend entstanden. Das starke religiöse hierarchische Gefälle einer relativ undurchlässigen Schichtung definierte sich nach religiösen Merkmalen, nämlich über den selektiven Zugang zu beziehungsweise den Ausschluss von jenen Heiligtümern, welche die Priester verwalteten. Das Kastensystem ist untrennbar mit dem Hinduismus verbunden, der in Indien als Religion gesiegt hat (nicht der Buddhismus, der eher subversiv ist und hierarchische Strukturen nicht unterstützt; auch indifferent gegenüber der Herrschaft).

Verteilung: Es gibt kaum ein anderes Land mit so großen Unterschieden. Indien hat die dritt meisten Milliardäre in der Welt. Gleichzeitig verfügt noch ein Drittel der Menschen über keine Toilette. Der Gini - Koeffizient wird gar nicht erst errechnet. Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf lag 2022 bei 2.200 US-$ (China 11.200 US-$). Vgl. Wienhold, H.: Indien heute - Die Armut bleibt unbesiegt, 2019. Der britische Economist berichtet von einem Sinken der Armut.

Armut: In höchster Armut leben vermutlich 30 bis 40% der Menschen (weniger als 100 € pro Monat). Genaue Erhebungen werden nicht gemacht. Die Vermutung stammt von Ashoka Mody, Ökonom, Gastprofessor in Princeton. Von 2011 bis 2013 führte der Regierung eine  große Armutsstudie durch. 2019 gab es erneut eine Untersuchung, Diese ergab, dass die Armut gestiegen sei. Sie wurde von Modi als Müll bezeichnet, so dass die Ergebnisse nicht veröffentlicht werden durften. Vgl. "Vile haben weniger als 100 Euro im Monat", in: Die Zeit 24/ 29.5.24, S. 23 (Interview mit Ökonom Ashoka Mody) .

Exkurs. Pankaj Mishra: indischer Essayist, Schriftsteller, Soziologe, Intellektueller. Seine Bücher sind sehr bekannt und haben unser Bild über Indien beeinflusst. Er wurde 1969 in Jhansi geboren. Berühmte Bücher sind: Aus den Ruinen des Empires. Zeitalter des Zorns. Butter Chicken in Ludhiana. Letzteres ist sein berühmtestes Buch und eine soziologische Studie über das kleinstädtische Indien. Weitere bücher: An End to Suffering, Temptations of the West. Vgl. auch: Mishra, Pankaj: Das Reich der Mitte, in: Der Spiegel 4/ 21.1.23, S. 46f. "Ob Deutschland sich dessen bewusst ist oder nicht, es ist heute von allen westlichen Ländern am besten in der Lage, eine neue globale Ostpolitik zu skizzieren - eine, die den Narzissmus Angloamerikas aufgibt und lernt, die Welt so zu sehen, wie sie ist", ebenda, S. 47. Im Dezember geißelt er massiv dei deutsche Israel-Politik. Er spricht von einem moralischen Sanierungsfall. Der Antisemitismus werde auf muslimische Zuwanderer abgeschoben. Damit nährt er die Insinuation: Wer Israel unterstützt ist rechts. Deutschland habe seinen Nationalismus auf den israelischen Nationalismus übertragen. Vgl. FAZ 21.12.23, S. 9.

Exkurs. Pratap B. Mehta: Er ist einer der führenden Denker und öffentlichen Intellektuellen Indiens. Er war unter anderem Rektor der Ashoka - Universität und lehrt auch in Princeton/ USA. Er wirft dem Westen vor, dass er sich selbstgerecht und widersprüchlich verhalte. "Alle Mächte sind Heuchler, und sie heucheln auch, wenn sie den Vorwurf der Heuchelei erheben", in: Die Zeit 35/ 17.8.23, S. 4. 

Exkurs. Sathnam Sanghera: Journalist und Autor. Er wurde in GB als Sohn indischer Einwanderer geboren. Er studierte in Cambridge. Er ist Journalist der Times, vorher Financial Times. Zwei Bücher: Empireland, 2021; Empireworld, 2024. In dem letzten Buch erforscht er die Auswirkungen, welche der britische Imperialismus bis heute vor Ort hat. Dazu bereiste er länger Indien. Seine Grundthese ist: Wer die moderne Welt verstehen wolle, müsse das britische Empire verstehen. Er beschäftigt sich auch mit dem "colonial hangover". Dekolonialisierung werden missbraucht, um eine islamphobe Agenda zu propagieren. werden missbraucht,  "Großbritannien muss die eigene Geschichte kennen, damit es sich nicht mit Nichtwissen lächerlich macht, wenn es andere belehrt". "Man kann den Kolonialismus in Indien nicht rückgängig machen" Vgl auch: NZZ 15.4.24, S. 5.

Grundeinkommen in Indien: Die Kongresspartei machte 2019 den Vorschlag für ein Grundeinkommen. Es heißt NYAY. Es ist ein garantiertes Mindesteinkommen. Es soll sich auf 6000 Rupien pro Monat und Haushalt belaufen. Da sisn etwa 250 € in Kaufkraftparität. Da sist sehr hoch, da das Medianeinkommen in Indien bei 400€ pro Haushalt liegt. Deise Absicherung würde den ärmsten 20% der Bevölkerung zugute kommen (Kosten 1% des BIP). Man schweigt zur Finanzierung. Der Vorschlag liegt auf Eis. Vgl. Thomas Piketty: Der Sozialismus der Zukunft, München 2021, S. 164ff.

Religionen: Indien besitzt die ältesten Texte religiöser Philosophie auf der Welt. 1500 v. Chr. in der Bronzezeit werden die Veden (vier große Sammlungen; indogermanisch "Wissen" oder "Weisheit"; Sanskrit, Ritualformeln, Hymnen)) zwischen dem Ganges und dem Indus aufgeschrieben. Unter ihnen sind die Upanishaden am wichtigsten.  Darin werden viele traditionelle Themen der hinduistischen Philosophie diskutiert (Karma, Maya, Atman, Brahman; vgl. auch oben "Geschichte"). Im 6. Jahrhundert vor Christus entstehen zwei Religionen, die heute noch Indien prägen. Die eine ist der Jainismus. Er wurde von Mahavista (599 - ca. 527 v. Chr., bürgerlich Nataputta Vardhamana) gegründet. Die Jainas glauben auch an Karma und Reinkarnation. Das Endziel des Lebens ist die Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien (Samsura). Alle Lebewesen besitzen eine Seele. In Nordindien entstand im 15. Jahrhundert der Sikhismus. Sikh ist ein Wort aus dem Pandschabi (Sprache des Pandschab) und bedeutet Schüler. Religionsgründer war der Guru Nanak. Ursprünglich sollte diese Religion die Spannungen zwischen Hindus und Moslems in Indien überwinden. Die Mitglieder der Religion fallen vor allem durch ihre Namen und Kleidungsvorschriften auf. Die Religion ist eng mit einer tugendhaften Lebensführung verbunden. Frauen werden nicht diskriminiert. Das Streben nach Wohlstand und Ansehen wird befürwortet. In der Thar-Wüste, im Nordwesten Indiens, lebt seit Jahrhunderten das Volk der Bishnoi. Ihre Religion, die Bishnoi-Religion,  wurzelt in der Liebe zur Natur (1 bis 2 Mio. Angehörige der Religion). Es gibt 29 Gebote. Wo Bishnoi leben, ist die Wüste grüner und die Tiere sind zutraulicher.  Die Hindu-Religion vereint eine Vielzahl von Sekten, Kulten und Traditionen. So sprechen Experten mehr von Hindu-Traditionen. Die erste Hochkultur in der Region des Flusses Indus gibt es von 2600 v. Chr. - 1800 v. Chr. Um 530 v. Chr. beginnt der Buddhismus in Indien. Höchstes Fest des Hinduismus ist das Diwali-Fest (aus dem Sanskrit-Wort Deepavali - Lichterkette). Es ist zu Ehren der Gottheit Lakshmi (Wohlstand, Reichtum). Es ist vergleichbar unserem Weihnachten und gleichzeitig Neujahrsfest. Geschenke, Neuanschaffungen und Familie gehören dazu. Das größte religiöse Festival der Welt ist "Kumbh Mela". Es dauert sieben Wochen (Januar bis März) und wird am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna in Prayagraj alle drei Jahre begangen.  Nach einem Mythos werden "Tropfen der Unsterblichkeit" aus dem Krug (Kumbh) vergeben. 2019 sollen 150 Mio. Menschen kommen. Am bekanntesten bei uns durch die Berichte der Kolonialisten ist wohl die Göttin Kali (mit Toten-Schädel, nackt). Die heiligste Stadt des Hinduismus ist Varanasi (Stadt des Gottes Shiva; liegt im Gangestal rund 200 km südlich des Himalaja; 3,2 Mio. Pilger kommen jährlich). Mit dem Wasser des Ganges kann man die Sünden abwaschen (Ganga Mata). Zwei Elemente des Hinduismus sind bei uns besonders bekannt: Wiedergeburt und Erlösung, sowie die heilige Kuh und die vegetarische Ernährung. Im Januar 2019 verschaffen sich erstmals Frauen Zugang zu einem Hindu-Tempel. Daraufhin kommt es zu Krawallen in Indien. Die Polizei will den Tempelbesucherinnen rund um die Uhr Schutz bieten. Eine der Frauen, Kanaka Durga, ist Angehörige der hohen Kaste der Nair. So geht es auch um die Privilegien der oberen Kasten und das Patriarchat. Der Hinduismus wird von der RSS (dem Faschismus von Mussolini nahe) und der Regierungspartei BJP immer mehr mit Nationalismus verbunden. Grundlage ist das Buch "Hindutva" von Savarkar. 80% der Bevölkerung in Indien sind Hinduisten. Die Intoleranz bei der dieser Mehrheit wächst. Die Religion des Buddhismus geht auf Siddharta Gautama zurück, der später zum Buddha ("Erwachet") wurde. Sein Geburtsort ist das nepalesische Lumbini (wurde unter einem Baum von seiner Mutter geboren). Dort lebte er vor dem 6. Jahrhundert vor Christi (neuere Forschungen aufgrund älterer Tempelanlagen in Nepal bestreiten die Lebenszeit von 563-483 vor Chr.). Im Gazellenhain in Sarnath bei Benares soll der Buddha seine Erkenntnisse erstmals mit Anhängern geteilt haben. Siddartha verkündete seine Überzeugungen in Nordindien, sammelte Anhänger um sich und bekämpfte auch die strenge Einteilung der Menschen in Kasten. Er war eine Art Wanderlehrer ("Geht hin, ihr Mönche, und verkündet die Lehre zum Nutzen und Wohl der Menge". Er ist kein Gott, sondern Lehrer. Er gibt keine Regeln vor, sondern Ratschläge. Es gibt kein heiliges Buch und keine Missionierungen. Der Buddhismus ist Religion wie Philosophie). Über die alten Handelswege kam der Buddhismus nach China, Korea, Japan und in viele andere Länder. Der Buddhismus ist mehr als nur eine Religion (das macht ihn meiner Meinung nach auch im Westen so attraktiv). Er stellt eine Lebenshaltung und -philosophie dar. Der Buddha ist Erkenntnis und wahres Wissen. In den 200 Jahren nach Gautamas Tod wurde aus seiner Lehre eine neue Religion.  König Ashoka verhalf dem Buddhismus in Indien zum Durchbrauch. Möglichst viele Menschen sollten seine Edikte verstehen. Das machte ihn zum Idealbild eines guten Herrschers (er kannte die Kultur der Griechen und Perser). Das Dhammapada ("Worte der Lehre") ist eines der populärsten buddhistischen Werke. Es ist eine Sammlung von über 400 Versen. Meditation ist ein weiteres wesentliches Element des Buddhismus. Das ist ein Zustand innerer Ruhe und Klarsicht. Zentraler Ort für die Verbreitung der Schriftreligion aus Indien war die uralte indische Universität Nalanda. Im Geburtsland des Buddhismus bekennt sich heute nur noch weniger als ein Prozent der Bevölkerung zu dem Glauben. Die Regierung Modi betreibt einen Hindu-Nationalismus, der auch aggressiv ist. Dieser diskriminiert die heute zweitgrößte Religionsgruppe in Indien, die Moslems. Dabei ist Indien das zweitgrößte moslemische Land der Welt nach Indonesien (200 Mio. Moslems). Die Regierung setzt den Hindu-Chauvinismus als Ventil ein. Ein zusätzliches Antimuslimisches Gesetz verhindert die "Zwangsbekehrung" hinduistischer Frauen durch Heirat mit einem muslimischen Mann. Der religiöse Konflikt wird durch den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes kaschiert. Die Geschichte wird gefälscht (es gab in der Vergangenheit muslimische Mogul-Reiche).   Der muslimische Herrscher Shah Jahan läst im 17. Jahrhundert das Taj Mahal als Liebesdenkmal für seine Frau Mumtaz Mahal bauen. 20.000 Arbeiter und Künstler waren beschäftigt. Es stand damals allein und spiegelt sich im Ymuna-Fluss. Heute ist der Fluss eine stehende Kloake. Agra, südlich von Delhi,  ist auf 1,6 Mio. Einwohner angewachsen. Das Denkmal wird von Abgasen zerfressen. Im Februar 2019 meldet Indien eine Luftschlag gegen Pakistan. Es ist Vergeltung für einen Anschlag in Kaschmir. Es geht gegen die islamistische Gruppe Jaish-e-Mohammad. Diese plant immer wieder Anschläge in Indien. Anfang August 2020 legt den Modi den Grundstein für einen umstrittenen Hindu-Tempel. Es ist in der Pilgerstadt Ayodhya, die von Muslimen und Hindus verehrt wird. Der Tempel entsteht auf den Grundmauern einer ehemaligen Moschee (die Hinduisten behaupten, dass ein Hindu-Tempel zuerst .da gewesen sei).

Exkurs: Kalachakra Initiation/ Bodh Gaya

Exkurs: Kumbh Mela. Es ist das größte religiöse Fest der Welt und das größte Zusammentreffen der Hindus. Es wird alle 12 Jahre gefeiert (dazwischen kleinere Feste) 2021 ist es wieder so weit. Treffpunkt ist diesmal Haridwar am Ganges. Die Stadt liegt im Bundesstaat Uttarakhant in Nordindien. Hier ist das Wasser des Ganges noch relativ sauber, aber kalt (das Fest ist von Mitte Januar 21 bis April 21). Auftakt ist das Ritual Makar Sakranti. Bei dem ganzen Fest geht es um Seelenreinigung, damit der Weg zum Himmel gelingen kann. Das Fest geht auf einen Mythos zurück: Götter und Dämonen stritten sich um einen Krug. Deshalb spricht man auch von Krugfest. Die Sicherheitsvorkehrungen sind sehr hoch (Online -Anmeldung, Corona-Test, Temperaturmessung, Abstand). Aber die Hindus sind eher sorglos, weil sie an eine Reinigung und an den Schutz durch das Wasser des Ganges glauben. So wird das Fest auch tatsächlich zu einer Schleuder der Pandemieverbreitung.

Exkurs: Kühe. Sie gelten in Indien für die hinduistische Bevölkerungsmehrheit als heilig, Kuhmilch, Kuhurin und Kuhmist gelten laut traditioneller indischer Ayurveda - Medizin als heilend. Viele Bauern setzen ihre alten Kühe aus, wenn sie keine Milch mehr geben oder sich deren Haltung nicht mehr lohnt. Zahlreiche Tiere sterben dann im Straßenverkehr. Die herrschende Regierung, die Hindu - nah ist, gibt viel Geld für ihren Schutz und für Kuhwissenschaft aus. Das Töten ist grundsätzlich verboten.

Exkurs: Mata Vaishno Devi, Katra/ Region Jammu und Kaschmir: Schrein des Hinduismus. einer der heiligsten. Immer wieder kommt es hier zur Massenpanik. So zuletzt zum Jahreswechsel 21/22. Es gibt 12 Tote und 14 Verletzte. Auch Menschen ohne Passierscheine wollten dem Heiligtum ihre Ehrerbietung erweisen.

Exkurs: Mutter-Teresa-Organisation. Die Organisation von Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa (1910-1997) kann vorerst nicht mehr auf ausländisches Geld zugreifen. Die Lizenz für Auslandsspenden wird vom Ministerium nicht erteilt. Grund sind "nachteilige Informationen". In Indien werden Hindu-Hardliner-Organisationen immer mächtiger und machen Stimmung gegen Christen. Die Organisation von Mutter Teresa bringe Hindus dazu, zum Christentum zu konvertieren. Die katholische Ordensgemeinschaft betreibt Waisenhäuser und Kliniken in Indien. Die Christen sind schon länger im Visier radikaler Hindus. Vgl. FAZ Nr. 303, 29.12.21, S. 15.

Exkurs: Zoroastrismus: Zarathustra wurde 630 v. Chr. geboren. Er lebte in Mesopotamien. Man spricht heute von Zoroastrismus (ca. 200.000 weltweit). Die meisten leben heute in Indien (Parsen). Weitere Anhänger gibt es vor allem im Iran.

Exkurs: Siddharta. Vor 100 Jahren (von 2022 zurück) kam eines der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts auf den Markt. Herrmann Hesses "Siddharta". Verfasst hat es der Literaturnobelpreisträger in seiner Wahlheimat, dem Schweizer Kanton Tessin. Hesse lebte 43 Jahre im Dorf Montagnola. In seinem ehemaligen Wohnhaus "Casa Camuzzi" ist heute ein Museum eingerichtet. Das Buch hat unsere Sicht auf die Kultur und Religion Indiens stark geprägt.

Exkurs: Ram-Hindu-Tempel in Ayodhya (Megatempel): Er wird von Modi am 22.01.24 eingeweht. Es hat 200 Mio. $ gekostet. Er nutzt es zum Auftakt seines Wahlkampfes. Es ist ein Hindu-Tempel in der Pilgerstadt Ayodhya im Norden Indiens (fast an der Grenze zu Nepal). Er ist auf Ruinen errichtet worden. Vorher war dort eine Moschee, die von fanatischen Hindus niedergebrannt worden war. Das war im Jahre 1992 und gilt als Wendepunkt in der Entwicklung des Hinduismus (Renaissance, organisierte Massengewalt, 150.000 Menschen setzen den Tempel in Trümmer, Anführer R. Togadia wird verehrt).  Der neue Tempel ist zu Ehren des Hindu-Gottes Ram. Er steht als Symbol für ein "säkularisiertes Indien" (Modi), sprich hinduistisches Indien. Die Pilgerstätte soll Aushängeschild einer Modernisierungsagenda sein. Modi lobt natürlich seine Regierung. Moslems sind offiziell an den Rand gedrängt. Es gibt immer wieder Anschläge gegen sie (aber auch gegen Christen). In der Regel wirft man ihnen vor, die Kuh beleidigt zu haben: "Die Kuh ist eine heilige Mutter".

Muslime in Indien und den Nachfolgeländern: Weltweit leben 1,9 Mrd. Muslime auf der Welt. Wenn man Indien und seine Nachbarländer zusammen nimmt, haben sie den höchsten Anteil: Indien 176 Mio.; Pakistan 167 Mio.: Bangladesch 134 Mio. Damit übertreffen sie Indonesien mit 209 Mio. Danach liegen in der Rangfolge erst Nigeria (77); Ägypten (76); Iran (73), Türkei (71). In Saudi-Arabien leben nur 25 Mio. Muslime. In Deutschland sind es 5 Mio. Mit dem Hindu-Nationalismus unter Modi werden die Muslime in Indien diskriminiert bzw. marginalisiert.

Migration und Gesetz: Im Dezember 2019 sorgt ein neues Einbürgerungsgesetz für Unruhe. Es ist für muslimische Einwanderer aus den Nachbarländern. Diese fürchten aber, diskriminiert zu werden (Verstoß gegen säkulare Verfassung). Die Hindus haben Angst vor Überfremdung. Bei Protesten gegen das Einbürgerungsgesetz gibt es viele Tote. Im März 2024 wird das "Citizenship Amendment Act" (CAA), so heißt das Gesetz, umgesetzt. Die Einwanderung soll Hindus, Sikhs, Buddhisten, Parsen, Christen, Jain offen stehen, aber nicht Muslimen. Deshalb wird das Gesetz als diskriminierend empfunden. Die Umsetzung des Gesetzes kurz vor der Wahl ist wohl dazu gedacht, die Wählerschaft zu polarisieren. Die Einbürgerung für Nicht-Muslime wird erleichtert, so dass man das Gesetz als humanitäre Hilfe deklariert.

Verteilungskampf und Hindu-Fanatismus: Seit dem Wahlsieg der hindu-fanatischen Partei BJP spielt der Verteilungskampf unter den Menschen Indiens eine immer größere Rolle. Die Regierung hat die Mehrheit hinter sich, wenn sie große Gruppen des Landes von der Verteilung ausnimmt. Es beginnt der Umbau zu einem fundamentalistischen Hindu-Einheitsstaat. Die größte Demokratie der Welt zerstört sich so selbst und wird nie ihr großes Entwicklungspotential nutzen können. Mit der Besetzung Kaschmirs und der Streichung des Verfassungsartikels, der Kaschmir, dem größten muslimischen Staat in Indien, Sonderrechte und Autonomie sichert, ging alles los. Dann wurde das Staatsbürgerregister für Assam eingeführt, dass für 1,9 Millionen Muslime die Abschiebung nach Bangladesch vorsieht (sie waren seit 1971 Staatsbürger und beim Unabhängigkeitskrieg mit Pakistan als Verbündete Indiens geflohen). Die viermonatige Einspruchsfrist ist eine Farce, denn die Menschen sind bettelarm und können sich keine Reise zu fernen Gerichten leisten. So werden alle Nicht-Hindus, überwiegend Moslems, systematisch diskriminiert. Die Spannungen zwischen den rund 1 Milliarde Hindus und den etwa 200 Millionen indischen Muslimen gehen bis in die 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Damals schon zogen beide Gruppen nicht an einem Strang als es um die Unabhängigkeit von GB ging. Gandhi war gegen die Aufspaltung, die Muslime unter Führer Ali Jinnah dafür. Die Briten folgen Jinnah und so entstand Pakistan. 1948 wurde Gandhi wegen seiner Haltung von einem fanatischen Hindu ermordet.

Im August 2020 meldet Indien schon mehr als 2 Mio. Corona-Fälle (vorher schon Brasilien und USA). Die Steigerung geht in Indien am schnellsten. Der Glaube an die wachsende Wirtschaft zerfällt. Die Aufstiegsträume sind zerschmettert.  Die Wirtschaft bricht massiv ein. Die Regierung setzt auf Hindu-Chauvinismus als Ventil. Tempelprojekte dienen dem Stimmenfang.

Terrorismus: Der Dauerkonflikt mit den maoistischen Naxaliten hält an. 2020 gab es 239 Todesopfer. Die Anschläge waren in Odisha, Chhattigarth, Kerala und Arunachal Pradesh. Im Januar 2021 gab es eine Sicherheitsoffensive, was die Opferrate kurzfristig erhöhte (22 Soldaten). Manchmal erwischt man bei Militäreinsätzen auch die Falschen: Anfang Dezember tötet man versehentlich 15 Bergleute statt Rebellen. Der indischen Innenminister Amid Shah kündigt eine Untersuchung an. Im Februar 2022 werden 38 Todesurteile ausgesprochen. Dabei geht es um Bombenanschläge aus dem Jahre 2008. Dei Anschläge waren in Ahmedabad im Bundesstaat Gujarat. Die militant-islamische Gruppe Indian Muhahideen übernahm die Verantwortung.

Bhagavad Gita: Kern der indischen Psychologie, 200 v. Chr. entstanden. Es ist ein Epos. Drei Ganas bzw. Prinzipien wirken zusammen, alles im Universum zu erschaffen. Es sind Tamas (Trägheit, Dunkelheit, Chaos), Rajas (Ruhelosigkeit, Bewegung, Energie), Sattwa (Klarheit, Güte, Harmonie). Alle drei sind erforderlich. Ziel der Ausübung dieser Prinzipien (Yoga) ist die Beruhigung des Geistes, damit sich Erleuchtung einstellen kann und Bewusstsein bilden können. Es mehrere Yogaformen: Bewegung, Gesang, Hingabe, Erkenntnis. Psychisches Wachstum vollzieht sich in vier Lebensabschnitten: Schüler, Familienoberhaupt, Einsiedler, Asket. Vgl. Pickren, Wade E.: Das Psychologie Buch, 2018, S. 32. Yoga geht im Ursprung auf die Upanishaden zurück, die sich vom Opferkult des Brahmanismus gelöst haben und auf Yoga als meditativen Heilsweg umgestellt hatten. Mittlerweile gibt es viele Yoga-Richtungen. Als Klassiker gelten immer noch die 5 Tibeter. Es sind einfache Yoga-Übungen für mehr Vitalität und Energie. Yoga wird heute auch politisch zur Stärkung der nationalen Identität eingesetzt. Es gibt sogar Massenübungen auf Geheiß des indischen Premierministers Narendra Modi (z. B. in der Industriestadt Ranchi). So versucht das sanft autoritäre Regime liberale Institutionen zu schwächen und ihre Wähler strategisch zu verändern. Bhagavad Gita umfasst Meditation, Fasten, Energiekörperübungen und Erkundung veränderter Bewusstseinsstrukturen. Am bekanntesten ist das Yoga - Sutra von Patanjali (400 v. Chr.).

Exkurs. Yoga: Bereits vor 2500 Jahren wurde Yoga in alten Sanskrit-Schriften erwähnt. Es ist eine hauptsächlich körperliche Praxis : eine Reihe von Haltungen bzw. Asanas. Im Sanskrit bedeutet Yoga "Methode", "Kniff", Angemessenheit", "Sorgfalt". Heute betreiben ca. 300 Mio. Menschen weltweit Yoga. Die wichtigsten Strömungen sind  Ashtanga, Vinyasa, Hatha, Iyengar, Hot-Yoga. Als Trainer in einem Sportverein baue ich mittlerweile viele Yoga-Übungen in mein Programm ein (Wirbelsäulentraining, Gleichgewichtsübungen, Dehnübungen, Atemübungen). Yoga ist extrem nützlich für ältere Menschen. Eine fitte Lunge ist in Zeiten von Corona wichtiger denn je. Jeder sollte seine Atemmuskeln trainieren. Atemtherapie und Yoga hängen eng zusammen. Ziel aller Lungensportübungen ist die Atmung zu vertiefen, den Brustkorb zu mobilisieren und die Kondition zu verbessern. Om ist der zentrale Laut. Er soll das Göttliche darstellen. Das Wort "Amen" im jüdischen und christlichen Glauben soll daher kommen.  Vgl. auch: Lucas, Lucy: Das kleine Buch vom Yoga, München 2020.

Tri-Guna-Modell: Es entstammt der vedischen Philosophie. Es beschreibt menschliches Verhalten und will es ändern. Es ist ein Werkzeug, mit dem wir geistige Fähigkeiten regulieren und unsere Lebensqualität steigern können.  Das Ziel ist, Wohlbefinden und Gesundheit zu fördern. Meditation dient als Schutzprogramm für das Immunsystem. Das Stresshormon Cortisol soll reduziert werden. Es gibt drei psychologische Grundtypen: 1. Sattva: Prinzip der Reinheit. Sattva-Typen sind ausgeglichen, weise und glücklich. 2. Rajas:  Prinzip der Aktivität. Sie streben nach Bewegung, materiellem Erfolg und Sinnengenuss. Das Übermaß führt zu Stress, Nervosität und Sorgen. 3. Tamas: Prinzip der Passivität. Die Typen sind träge, pessimistisch und meist unzufrieden mit dem Leben. Sie neigen zu Depressionen. Man kann den Typ verändern durch Instrumente: Wechselatemübung Nadi Shodhana Pranayama, Yoga mit der Seele verbinden, der achtgliedrige Pfad, Meditation, Übung Shavasana (Toter Mann), Ernährung. Vgl. Peggy Freede: Das Tri-Guna-Modell, in: Natur & Heilen 12/2020, S. 36ff.  Besonders wirksam ist auch Tantra. Es ist ein Begriff aus dem indischen Sanskrit und bedeutet "Zusammenhang" oder auch "Gefüge". Bei dem Massageritual wird der gesamte Körper leicht gestreichelt, massiert und stimuliert. Kein Gefühl soll dabei unterdrückt werden. Es geht zunächst darum, Verbundenheit zu erleben; dies lässt sich leicht mit Erotik verbinden. Sexualität kann also hilfreich sein, steht aber nicht unbedingt im Zentrum. "Man muss meditieren, um sich den wahren Problemen zu öffnen", Yogi Sadhguru, gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten in Indien, er füllt ganze Stadien, tourt oft mit dem Motorrad durch Indien. Seit übe r20 Jahren setzt er sich für den Schutz der Böden ein.

Moderne Psychologie: Girindrasekhar Bose (1887-1953) gilt als der Begründer der modernen Psychologie in Indien. Im frühen 20 Jhd. wurde die Psychologie akademische Disziplin. In der Psychoanalyse bestand ein enger Bezug zur indischen Kultur. Nach dem zweiten Weltkrieg prägte Durganand Sinha die Psychologie in Indien. Vgl. Sinha, D.: Psychology in a Third World Country. The Indian Experience, Delhi: Sage, 1986. "The healthiest response to life is joy", Deepak Chopra (1946), Indischer Musiker.

Exkurs: Fürsorglicher Führungsstil (The Nurtant Task Leader): Es wurde von Jai B. P. Sinha 1980 publiziert. Es basiert einmal auf der Tradition der amerikanischen Sozialpsychologie (Sinha hatte in Ohio studiert). Andererseits berücksichtigt es das Konzept von Sikolohiyang Pilipino auf den Philippinen. Die Sinnhaftigkeit des Lebens ist in Indien unlösbar mit dem Verhältnis zu den anderen verbunden. Das Ziel des Lebens ist es, in Harmonie mit der Natur und der Gesellschaft zu leben. Inder gedeihen vor allem bei fürsorglicher und klar strukturierter Führung. Die Führungskraft fördert so die Motivation des Arbeitnehmers und macht ihn selbständiger (die hohen Produktionserwartungen des Arbeitgebers werden mit fürsorglichem Verhältnis zum Arbeitnehmer verbunden). Vgl. Pickren, Wade E.: Das Psychologiebuch, Kerkdriel 2022, S. 466. Auch:  Budhwar P.S./ Varma, H.: Doing Business in India, New York 2010. Kim, U./ Berry, J. W.: Indigneous Psychologies, Newbury Park 1993. Die Menschen in Indien sehr flexibel. Das mag an der Vielfalt der Kultur und dem Chaos liegen.  Sie gelten deshalb von Natur aus als gute Führungskräfte.

Exkurs. Philosophie von Sri Chinmoy: Er ist ein einflussreicher indischer Guru. Bei ihm haben Carlos Santana und John McLaughlin gelernt. Chinmoys Lehre hatte große 'Wirkung in der Musikwelt. Sie war auch immer mit Drogen verbunden.

Exkurs. Buddhistische Psychologie: Sie lehrt Akzeptanz und Gelassenheit. Sie ist mittlerweile auch in vielen westlichen Therapien enthalten (MBSR, DBT). Sie kann helfen bei Schmerzen, Enttäuschungen und Ängsten. Sie geht von einer universellen Perspektive aus, die entlastet: Leid ist unvermeidbar, es stößt allen zu, ich bin nicht allein. Die  Psyche muss von Narzissmus befreit werden. Wie überhaupt Befreiung der Kern ist (das Ich überwinden). Man muss eine Distanz zur Angst entwickeln. Basis sind die Lehren des Buddha (edle Wahrheiten genannt): 1. Leben ist Leiden. 2. Die Ursachen des Leidens liegen nicht nur in unserem alternden Körper und in der Tatsache, dass wir sterben müssen und auch unsere Lieben irgendwann sterben, sondern insbesondere in unserem Geist. 3. Es ist möglich, das Leiden zu überwinden, indem wir seine Ursachen verstehen und auflösen. 4. Wir können das Leiden beenden durch die Praxis des so genannten achtfachen Pfades. Spiritualität ist ein Grundbedürfnis.  Vgl. Schönberger, Birgit: Hast du ein Problem und willst es loswerden, dann hast du schon zwei, in: Psychologie heute 09/ 2023, S. 12ff. Auch: Ulrike Anderssen, Michael von Brück: Buddhistische Basics für Psychotherapeuten. Mit einem Geleitwort des Dalai Lama, Schattauer 2022.

Gesundheitsreform und Gesundheitspolitik: Nach einem Gesundheitsbericht 2017 (28,2% der ländlichen und 28,95 der städtischen Bevölkerung haben eine Krankenversicherung) gibt es 2018 eine Gesundheitsreform. Für 100 Mio. arme Familien werden die Kosten der stationären Aufenthalte übernommen. Die ambulante Versorgung muss nach wie vor selbst bezahlt werden. Indien bleibt von der Corona-Krise nicht verschont. 1,3 Mrd. Menschen werden im März 2020 mit einer Ausgangssperre belegt. Das Taj Mahal wird gesperrt. Polizisten überwachen die Ausgangssperre mit viel Brutalität. Die viele Millionen Tagelöhner können wegen der Ausgangssperre aus den Städten nicht in ihre Heimat zurück. In den Städten können sie sich das Leben aber nicht ohne Arbeit leisten. So gibt es viel Elend und auch große Infektionsgefahr. In Indien gibt es nur 1 Krankenhaus pro 1000 Einwohner (D 8). Schon 2.800.000 Menschen haben Tuberkulose. 500 Mio. Menschen könnten sich mit Covid-19 infizieren. Diese Zahl wird Ende Juni 2020 schon überschritten. Indien ist nach den USA und Brasilien das am stärksten betroffene Land. Mitte Juli 2020 hat man schon über eine Million Corona-Fälle. Über 25.000 Menschen sind daran gestorben. Am 30. August 2020 erreicht das Land mit 78.761 Covid-19-Fällen innerhalb eines Tages einen traurigen Weltrekord (3,5 Mio. Infektionen, 64.000 Tote). Diese Zahl steigt im September noch auf 90.000. Die Corona-Krise bedroht den finanziellen Spielraum des Landes (hohe Ausgaben, geringere Einnahmen). 2021 schafft die WHO das Großprojekt "Covax". 2 Milliarden Impfdosen sollen in über 190 Staaten verteilt werden. Produktionsstandort ist überwiegend Indien, Logistikzentrum Kopenhagen. Allerdings steht die indische Firma Serum - Institute, eine der größten der Welt, unter dem Druck eines Export-Stopps. Vgl. Höflinger, Laura u. a.: Mission Weltrettung, in: Der Spiegel Nr. 14/ 3.4.2021, S. 84ff.  Das Center of Global Development in den USA legt 2021 eine neue Studie vor: Ergebnis ist, dass die offiziellen Corona-Toten-Zahlen in Indien zu verzehnfachen seien. Offiziell werden bis Mitte 2021 414.000 Tote durch Corona genannt. Das Institut kommt auf 3,4 bis 4,7 Mio. Tote.

Medizin und Gesundheit (vgl. Gesundheitsreform weiter oben): Berühmt und weltweit verbreitet ist Ayurveda (das Wissen vom Leben). Es ist das älteste bekannte Heilverfahren der Welt. Es gehört offiziell zum indischen Gesundheitssystem. Der Arzt untersucht Augen, Puls, Zunge, Urin und Stuhlgang. Drei Dosha (Prinzipien des Lebens) sollen sich im Gleichgewicht befinden: Vata (Bewegung), Pitta (Feuer) und Kapha (Struktur). Grundlage jeder Therapie ist individuelle Diät, Schwitzen, Öle, Abführen und Erbrechen (Entgiftung, Panchalkarma). Das Nachtschattengewächs Ashwagandha (Withana somnifera, indischer Ginseng) ist z. B. für gute Nerven und erholsamen Schlaf. Indien wird oft als Apotheke der Welt bezeichnet, weil zahlreiche Pharmaprodukte und auch Vorprodukte in Indien hergestellt werden. Allerdings geht das Meiste in den Export. Viele Rohstoffen zur Impfproduktion fehlen auch im Land.

Indien wird hart vom Corona-Virus 2020 getroffen. Man erlässt am 21.3.20 eine Ausgangssperre für 1 Mrd. Menschen. Auf eine solche Krise ist das Gesundheitssystem überhaupt nicht vorbereitet. Im August 2020 meldet Indien schon mehr als 2 Mio. Corona-Fälle (vorher schon Brasilien und USA). Die Steigerung geht in Indien am schnellsten. Der Glaube an die wachsende Wirtschaft zerfällt. Die Aufstiegsträume sind zerschmettert.  Im Land gehen die Corona-Zahlen im November 2020 etwas zurück. Aber die Hauptstadt Delhi wird von einer dritten Welle heimgesucht. Verstärkend wirkt der Smog und Feinstaub in der Hauptstadt (fatale Kombination, viele Tote). Während in anderen Regionen die Infektionsfälle zurückgehen, steigen sie in Delhi noch an. Im Januar 2021 startet die "größte Impfaktion aller Zeiten" (Modi). Es ist eine lokale Version des Impfstoffs von Astrazeneca (1,1 Mio. Dosen). Man möchte Sputnik V aus Russland und die chinesischen Impfstoffe meiden. Es gibt allerdings nur 300 Impfzentren. Man wartet noch auf heimische Hersteller. Im Januar 2021 liegt die Anzahl der Corona-Toten bei 151.727 (Indien hat eine junge Bevölkerung). An einem Impfkonzept wird im Februar 2021 immer noch gearbeitet. Der Staat bleibt hinter den Zielen zurück. Vier große Pharmahersteller wollen in das Impfgeschäft einsteigen. Hetero will in vorhandenen Anlagen Sputnik V produzieren. Auobindo plant mit einem eigenen Impfstoff (von Profektus Bio Sciences aus USA übernommen). Wockhart/ Mumbai verhandelt mit einigen ausländischen Herstellern, um die Produktion zu bekommen. Im Februar 2021 sind die Infektionszahlen in den letzten fünf Monaten gesunken. Wissenschaftler rätseln über die Gründe. Ist das schon Herdenimmunität (mit der jungen Durchschnittsbevölkerung)? Das Leben ist weitgehend zur Normalität zurückgekehrt. Im April 21 kommt die Pandemie wieder massiv zurück. Die Infektionszahlen steigen stark exponentiell an. Es ist eine neue Variante entstanden. Indien erlangt bei den Neuinfektionen weltweit die Spitze (400.000 an einem Tag im Frühling 21, 4000 Tote an einem Tag, 250.00 Tote insgesamt mit Dunkelziffer/ 50%, weil nur in Krankenhäusern gezählt wird, 20 Mio. Infektionen). Die Mutante heißt B.1.617, eine Mischung aller bisher bekannten Mutanten. Das marode Gesundheitssystem ist am Rande des Zusammenbruchs (auch die Krematorien sind überlastet). Wanderarbeiter und Taglöhner verstärken das Problem. Sie tragen die Pandemie in die Dörfer. Die USA und Deutschland (auch die EU) schicken Hilfe nach Indien. 23 mobile Anlagen zur Produktion von Sauerstoff werden von der Bundeswehr nach Indien transportiert. Auch der Industriekonzern Linde ist im Einsatz. Es werden auch Beatmungsgeräte geliefert. Die 2. Welle ist außer Kontrolle geraten. Einreisen aus Indien sind in fast alle Länder der Welt verboten. In Delhi ist das renommierteste Krankenhaus "Sir-Ganga-Ram". Davor stehen Schlangen von Krankenwagen, die ihre Patienten nicht los werden. Überall brennen Toten-Feuer. Die Regierung leugnet die Dramatik der Situation.

Im Süden Indien bricht im Dezember 2020 eine mysteriöse Krankheit aus. Schwerpunkt ist die Stadt Eluru. Es treten epileptische Anfälle auf, auch Gedächtnisverlust, Kopf- und Rückenschmerzen. Folge ist eine "Massenhysterie". Im Süden, im Bundesstaat Karnataka, mit dem Outsourcing - Zentrum Bangalore muss wegen Corona ab April 21 ein Lockdown verhängt werden. Im Frühjahr 2021 gibt es große Angst vor einer tödlichen Pilzkrankheit. Diese tritt unter Corona-Patienten auf. Es geht um bestimmte Schimmelpilzsporen. In mehreren Bundesstaaten gibt es schon über 5000 Fälle. Im September 2023 bricht der tödliche Nipahvirus in Indien aus. Es gibt zwei Tote im Bundesstaat Kerala in der Region Kozhikode.

Industriepolitik, insbesondere für die Pharmaindustrie: Der Umsatz der Pharmaindustrie beläuft sich auf 40 Mrd. $. Damit ist Indien der drittgrößte Player der Welt (nach China und USA). Indien macht seinen Umsatz vor allem mit Generika. Deshalb hat Indien 2021 ein ungeheures Interesse daran, mRNA-Impfstoffe zu produzieren. Dazu müsste der Patentschutz aufgehoben werden. Die indische Industriepolitik setzt alle Hebel in Bewegung. Das könnte auch Pfizer nutzen, das eine hohe Lizenzgebühr an BionTech zahlen muss. Insofern hat Indien auch die Unterstützung der USA, zumindest von Biden. Vgl. Wettach, Silke: Bollywood first, in: WiWo 20/ 14.5.21, S. 32 f.

Umwelt (Energie/ Landwirtschaft u. a.): Ein großes Problem Indien ist die Hygiene. Es gibt viel zu wenig Toiletten und Kanalisationen. Die Flüsse sind erheblich verschmutzt. Schwere gesundheitliche Schäden sind die Folge. Die Pro-Kopf-Emissionen in Indien sind viel geringer als bei den anderen Hauptemittenten (1,7 t CO2 pro Kopf). Insgesamt liegt Indien aber mit 2070 Mio. Tonnen Kohlendioxidausstoß 2013 schon an dritter Stelle in der Welt. 2018 erzeugt Indien noch sieben Prozent der weltweiten Treibhausgase. Indien neigt in der Vergangenheit dazu, der chinesischen Position zu folgen. Die neue Zielsetzung für Paris ist wenig transparent. Indien scheint mit seinem Pro-Kopf-Ausstoß zu argumentieren und will sich kaum auf Ziele einlassen. Doch die Regierung stimmt schließlich dem Pariser Abkommen zu. Indien hat 6% des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes. Indien hängt noch stark an der Kohle. Das schmutzige Geschäft wird im Nachbarland Bangladesch betrieben. Wie kaum in einem anderen Land der Erde ist Indien vom Klimawandel und der Umweltverschmutzung betroffen. Alle 30 Minuten bringt sich ein Landwirt um, weil er in Existenznot ist. Die Kleinbauern bekommen keine Hilfe von der Regierung. In New Delhi ist ein Leben kaum noch möglich. Jährlich sollen vorzeitig 1,8 Mio. Inder an Luftverschmutzung sterben (Quelle: Fachzeitschrift "The Lancet" 2018). 640.000 Menschen kommen durch verunreinigtes Wasser zu Tode. Die Flüsse sind zu Kloaken mutiert, auch der heilige Fluss "Ganges" sowie seine Nebenflüsse. Inder sind sicher nicht schmutzigere Leute als anderswo. Im Lande werden Gesetze nicht durchgesetzt. Ausländische Konzerne stemmen sich auch gegen einen umweltfreundlichere Politik (z. B. deutsche Autohersteller). Sunita Narain ist Indiens bekannteste und einflussreichste Aktivistin in Umweltfragen. Im Jahre 2019 erfasst eine Hitzewelle Indien. Dem Land droht das Wasser auszugehen. Indien versinkt regelmäßig unter Fluten und doch leidet das Land unter Wasserknappheit. Dafür ist der Klimawandel aber nur zum Teil verantwortlich, einen größeren Beitrag leistet die verfehlte Politik. Die Landwirtschaft verbraucht 80% des Grundwassers, das mit hoch subventioniertem Strom abgepumpt wird. Die Zuckerrohrpflanze und der Reis verschlingen eine Unmenge Wasser. Im Mai 2020 zerstört der Super-Zyklon "Amphan" die Lebensgrundlage von Millionen Menschen.  Bangalore. Die indische Metropole ist die Universitäts- und IT -Hochburg. Die Stadt ist Sitz des Digitalriesen Infosys. Google betreibt dort sein größtes Forschungszentrum außerhalb der USA. Es ist eine der innovativsten Städte der Welt. New Delhi, die indische Hauptstadt, ist besonders stark von Umweltverschmutzung betroffen. Das Risiko für Fehl- und Frühgeburten ist dadurch erhöht. Jährlich sterben auch mehr als 100.000 Kinder unter fünf Jahren aufgrund der schlechten Luft (Kinder atmen Schadstoffe doppelt so schnell ein). Delhi ist auch in Zukunft besonders durch den Klimawandel bedroht. Es steht auf der Risikoliste ganz oben (von Verisk Maplecraft, London). .

Energie: Indien entscheidet maßgeblich mit, ob die globale Klimakatastrophe verhindert werden kann. Indien will zum grünen Pionier werden. Indien baut derzeit einige der größten Solarparks der Welt, der Bau vieler Kohlekraftwerke wurde abgesagt. Allerdings steigt noch die Kapazität der Kohlekraftwerke (+ 155960 Megawatt). Indien ist drittgrößter Kohleproduzent der Welt und zweitgrößter Verbraucher 2021. Bis zum Jahre 2030 könnte nicht fossiler Strom mehr als 40% ausmachen (Climate Action Tracker). In Indien wird noch sehr viel gebaut (Straßen, Schienen, Fabriken, ganze Stadtteile). Dies wird den Energiebedarf stark erhöhen. 2016 wurden noch 65,2% der CO2-Emissionen durch Kohleverbrennung erzeugt (Deutschland 39,5%). Bis 2030 dürften die Emissionen noch weiter ansteigen. Vgl. Höflinger, Laura: Energiewende XXL, in: Der Spiegel Nr. 28, 6.7.2019, S. 78ff.. Indien gibt auf der Weltklimakonferenz in Glasgow bekannt, dass es erst 2060 die Klimaneutralität erreichen kann. Der Verteilungskampf um LPG-Gas, der nach dem drohenden Erdgas-Embargo gegen Russland ausbricht, geht wegen volatiler Verträge zum Schaden Indiens aus (Deutschland bietet höhere Preise). Insofern ist es verständlich, dass sich Indien mit Russland halten will, um notfalls von da Gas zu beziehen, was auch noch günstiger ist. Nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieg hat Indien seine Ölimporte aus Russland um +340% hochgefahren. Indien hat einen Verbrauch von 4,7 Mio. Barrel pro Tag. Die steigende Nachfrage aus Indien und China unterläuft das Embargo der EU und USA. Mittlerweile raffiniert Indien auch Öl aus Russland und verkauft es mit hohem Gewinn auf dem Weltmarkt (auch an Deutschland, ausgleichende Gerechtigkeit für entgangenes LNG). Über den Umweg Indien gelangen immer größere Mengen Öl aus Russland nach Deutschland.  "Wenn Öl verbilligt verfügbar ist, weshalb sollten wir es nicht kaufen?" Nirmala Sitharaman, indische Finanzministerin, im Mai 2022.

Landwirtschaft: 2012 wird Indien größter Reis-Exporteur der Welt (überholt Thailand und Vietnam). Im Mai 2022 erlässt Indien einen Export-Stopp für Weizen. Das trägt weiter zu Preissteigerungen auf dem Weltmarkt und auch Hungersnöten bei. Teilweise wird später der Stopp aufgehoben: Man liefert an Länder mit extremer Nahrungsmittelknappheit (Ägypten). Später folgt ein Exportstopp für bestimmte Reissorten. Das führt zu einem Anstieg des Reis-Preises auf dem Weltmarkt. Im August 23 schränkt Indien den Reisexport weiter ein (Ausdehnung auf alle Sorten, vorher nur Basma- und Basmati-Reis).

Öko-Versuch in Andhra Pradesch:  In Indien läuft ein riesiger Feldversuch für eine alternative Landwirtschaft. Eine Million Bauern sind daran beteiligt. Der Versuch läuft in Südindien in der Provinz Andhra Pradesh in Guntur. Pflanzen werden nebeneinander angebaut (Reis, Erdnüsse, Zuckerrohr, Bananen, Linsen, Mango, Palmen). Es gilt ein strenges Pflanzenschema. Das Projekt heißt ZBNF (Zero Budget Natural Farming). Kleinbauern bündeln ihre Erfahrungen. Sie setzen auf Brahma, Krishna und Gurus. Beraten werden die Bauern auch von einem FAO-Team. Es herrscht Mischfruchtanbau wie schon gesagt. Es wachsen hier z. B. auch gleichzeitig Büschelbohnen, Auberginen, Tomaten und Mais. Zentrum ist Anantapur. Es wird auch mit einem speziellen Dünger gearbeitet. Er heißt Ghanajeevamrutham. Trocken hält er monatelang. Ziel ist eine chemiefreie Landwirtschaft. von den rund 50 Mio. Einwohnern leben 60% hauptsächlich vom Ackerbau. Imme rmehr Bauern machen mit. Die hoch verschuldeten Bauern brauchen keine Agrarchemikalien mehr. Vgl. Grefe, Christiane: Hier wächst was!  in: Die Zeit 4/ 18.01.24, S. 32.

Exkurs. Punjab: Das ist Indiens Kornkammer. Eigentlich wollte man im Jahre 2022 12 Mio. Tonnen Weizen exportieren. Doch extreme Hitze reduzierte die Ernte deutlich. Man rechnet mit 25 bis 50% Ernteausfall. Der Klimawandel schadet seit Jahren. Der Staat mischt mit, um sein Volk zu ernähren: Die Bauern dürfen nicht direkt an private Händler verkaufen, sondern müssen ihre Produkte auf dem Großhandelsmarkt zur Auktion bringen. Wird ein staatlicher Mindestpreis nicht erreicht, geht die Ware an einen öffentlichen Getreidespeicher. Die Bauern verkaufen unter der Hand an Händler, die die Preise der Regierung deutlich überbieten. Diese horten das Korn zu Spekulationszwecken. Den Kleinbauern hilft das Alles wenig. Sie können von der Preisexplosion nicht profitieren. Viele pflanzen jetzt Reis, der aber sehr viel mehr Wasser braucht. Auch hier gibt der Staat nur garantierte Preise.

Exkurs. Uttar Pradesh: In Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten und politisch wichtigsten Bundessaat, müssen die Hindunationalisten bei der Parlamentswahl 24 die Hälfte der Sitze abgeben (Armut höher, Bildung niedriger). Für jemand wie Modi, der sich für einen Gesandten Gottes hält, muss da sein schwerer Schlag sein. Andererseits hat noch kein Premier vor ihm drei aufeinander folgende Amtszeiten geschafft, insofern historisch. Vgl. Der Spiegel 24/ 8.6.24, S. 68.

Exkurs. Elefanten: Sie werden in Indien traditionell als Nutztiere eingesetzt. sie haben große Bedeutung in der Landwirtschaft. Der Lebensraum der Elefanten wird gefährlich kleiner. vor allem der Wald, ihr Lebensraum, wird reduziert. Dadurch geraten sie in Stress, weil sie die Ruhe im Wald brauchen. Es gibt in Indien viele Forschungsprojekte über Elefanten. Ihr Kot wird untersucht, es werden Videos über ihr Verhalten gedreht. Elefanten können glücklich und traurig sein. 

Exkurs. Tauben: In Indien werden seltsamerweise immer wieder Tauben "verhaftet". In Mumbai wird eine Taube mit chinesischen Schriftzeichen acht Monate isoliert. Vorher fand man eine Taube, die eine Drohnachricht für Modi trug. Das war an der Grenze zu Pakistan. An dieser Grenze fängt man öfter Tauben ein, die am Fuß pakistanische Telefonnummern und Adressen tragen.

Exkurs. Riesenschildkröten: Im Februar 2024 findet man eine Cantors Riesen- Weichschildkröte (Pelochelys cantorii) , die als ausgestorben galt. Es ist eine Süßwasser-Schildkröte. Fundort ist der Chandragiri-Fluss in der Region Kerala. Die Schildkrötenart ist von Aussterben bedroht. Man kann sie zur Brutstätte begleiten.

Agrarreform 2020: Sie soll mehr Marktliberalisierung bringen. Indien will sich zur Industriegesellschaft entwickeln. Es könnte aber zu einer Flucht aus den Dörfern kommen. Die Bauern kämpfen ohnehin mit Umweltproblemen: Die Böden sind ausgelaugt. Das Grundwasservorkommen ist erschöpft. Die Reform könnte starke Auswirkungen auf die Preise der Produkte haben. Großkonzerne wie Walmart könnten die Preise drücken. Bisher werden die Produkte über staatlich kontrollierte Märkte verkauft (so genannte Mandis). Es gibt staatliche Mindestpreise für Weizen und Reis. Von diesem System profitieren sehr stark Mittelsmänner (sie kümmern sich um Verkauf und Lagerung, verleihen Saatgut und Maschinen). Die Kleinbauern sind oft hoch verschuldet. Deshalb erlaubt die Regierung noch Sonderregeln (direkter Verkauf an Supermärkte, landesweiter Verkauf u. a.). Die Bauern protestieren gegen die Reform, weil sie eine Verschlechterung ihrer Lage befürchten. Sie glauben nicht die Versprechen von Effizienz und Produktivität. Vor allem die Kleinbauern fürchten um ihre Existenz.  Vgl. Fähnders, Till: Bauern auf den Barrikaden, in: FAZ Nr. 292, 15.12.20, S. 5. Die Proteste weiten sich aus zu Massenprotesten. Man spricht von einem Marsch der Bauern ("Karneval des Trotzes"). Das verursacht Unmut bei der Regierung (ist peinlich für sie). Sie stellt in den kritischen Regionen für Stunden das Internet ein. Vgl. Fähnders, Till: Der Marsch der indischen Bauern, in: FAZ Nr. 22, Mittwoch 27.01.21, S. 5.

Wasser:  Am meisten Wasser wird verbraucht in der Landwirtschaft. Hier führt Indien (relativ und absolut). Dann folgt die Industrie, wo auch Indien führt (relativ). Auch bei den Haushalten liegt Indien an der Spitze. Indien überfordert die Wasserreserven.

Wasserkriege?: Was passiert, wenn China die großen Flüssen Asiens, die in Tibet entspringen, abgräbt? Dann gibt es wahrscheinlich Krieg. Indien ringt auch mit Pakistan am Indus um die Wasserrechte. Indien droht mit der Umleitung von Zuflüssen.

Größtes Flussdelta der Welt: Es entsteht durch den Zusammenfluss von Ganges, Bramaputra und Meghna (140.000 Quadratkilometer, nicht dauerhaft). Es ist eine Ansammlung von Flüssen, Seen, Kanälen, Sümpfen und Schwemmlandinseln. Es ist auch die Reisschüssel Indiens. Durch Überschwemmungen gibt es eine fruchtbare Schlammschicht, ein besonders nährstoffreicher Boden. Man kann dreimal im Jahr ernten. Außerdem gibt es die größten Mangrovenwälder der Erde in der Nähe des Indischen Ozeans. Hier wird der begehrte Honig der Riesenbienen geerntet. Dort liegt auch der Kasiranga-Nationalpark (mit noch vielen Tigern).

Naturkatastrophen und große Verkehrsunfälle: Immer wieder wird Indien von Naturkatastrophen heimgesucht. Es sind Erdbeben an der Grenze zu China. Oder auch Sandstürme. Am 07.02.21 löst ein Gletscher eine Sturmflut im Norden aus. Es ist am Nanda-Dewi, dem zweithöchsten Berg Indiens, in der Provinz Uttarakhand. 170 Vermisste und 30 Tote sind die Folge. Daneben gibt es auch immer wieder schwere Verkehrsunfälle. So stürzt am 16.2.21 ein Bus in den Kanal im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Es kommen 45 Menschen ums Leben. Im Mai 2021 sucht ein heftiger Zyklon ("Tauktae") den Westen Indiens heim. Über 30 Menschen verlieren ihr Leben. Im August 2022 gibt es große Überschwemmungen im Land. Über 40 Menschen kommen ums Leben. Am 2.6.23 gibt es ein großes Zugunglück auf der Strecke zwischen Kalkutta und Chenai. Fast 300 Menschen kommen ums Leben, viele werden verletzt. Anfang Oktober 2023 kommt es zu einer Sturzflut. Betroffen ist der Bundesstaat Sikkim an der Grenze zu China, Nepal, Bhutan. Auf Grund starken Regens stieg der Fluß Tista stark an. Nahezu 100 Tote werden gezählt. Im November 2023 wird der Smog in Indien immer schlimmer. In der Hauptstadt Neu Delhi werden die Winterferien für Grundschüler vorgezogen. Ebenfalls im November 2023 sind Dutzende Arbeiter in einem Tunnel eingeschlossen. Es ist ein Autobahntunnel nahe der Kleinstadt Uttarkashi im Himalaya - Bundesstaat Uttarakhand, der von einem Erdrutsch getroffen wurde. Alle 41 verschütteten Arbeiter können schließlich gerettet werden. Sie waren durch ein 15 Zentimeter dickes Rohr versorgt worden. Ende Februar 2024 ist ein Güterzug ohne Lokführer auf Irrfahrt (70 km). Er fährt vom Bundesstaat Jammu nach Punjab. Der Geisterzug wurde mit Holzklötzen auf den Gleisen gestoppt.

Disha Ravi: Sie ist eine junge Klimaschützerin und gilt als Indiens Greta. Sie wird 2021 verhaftete. Die Regierung Modi will Kritik unterdrücken und einschüchtern.

Klimawandel und -politik: Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow 2021 gibt Indien bekannt, dass es erst bis 2070 klimaneutral sein will. Indien drängt auf eine weiche Lösung beim Kohleausstieg (zusammen mit China). Trotzdem schließt Indien wegen Smogs immer mal wieder eine zeitlang Kohlekraftwerke (in der Nähe von New Delhi). Ohne Indien kann es keine globale Klimawende geben. Im Gegensatz zu China kann Indien das ohne Hilfe nicht schaffen. Deutschland will bei der Umstellung auf erneuerbare Energien eng mit Indien kooperieren. Vgl. Gerd Müller: Ohne Indien gibt es keine globale Klimawende, in: HB Nr. 235, 3./4./5. Dezember 2021, S. 64. Vor mehr als 100 Jahren hat sich in der Erde unter dem indischen Dorf Liloripathra die Kohle entzündet. Die Feuer strahlen große Hitze aus, vergiften durch Spalten im Boden die Luft, verschlingen Häuser. Das Leben wird zur Hölle. Gleichzeitig ist es für die dort lebenden Menschen die einzige Lebensgrundlage. "Lebe in völliger Harmonie mit der Natur", hinduistisches Yajurveda, vor rund 3000 Jahren

Stellenwert Indiens im Klimawandel: Kaum ein Land leidet mehr unter dem Klimawandel. Und auf kaum ein Land kommt es jetzt so sehr an. Indien steht als Verschmutzer ganz oben, zusammen mit den USA und China. In Indien leben 1,4 Mrd. Menschen (2023 bevölkerungsreichstes Land). 90% des Landes sind gefährlichen Temperaturen ausgesetzt. Bis 20250 könnten Hitzewellen ein Niveau erréichen, die die Schwelle der Überlebensfähigkeit eines Menschen überschreiten (Hitzschläge, Nahrungsknappheit, Krankheiten, Wassermangel, Strommangel). 2021 betrug der CO2-ausstoß pro Jahr 2,71 Mrd. Tonnen (hinter China und USA). Pro einwohne rliegt der Ausstoß bei 1,93 Tonenn (weit hinter USA, China, Deutschland). Bis 2021 ist Indiens anteil am weltweiten CO2-ausstioß auf 3,29% gestiegen (hinter China, USA und D). Die krassesten Schauplätze sind Delhi, Kalkutta, Mumbai. Vgl. Aisslinger, Moritz: Wie hält Indien da saus? in: Die Zeit 49/ 23.11.23, S. 15ff.

Energiepartnerschaften (G7 und Drittstaaten zum Klimaschutz): Sie werden auf dem G7-Gipfeltreffen im Juni 2022 in Elmau/ Bayern vereinbart. Vorbild ist Südafrika, das von Deutschland und anderen Ländern Geld erhält, um den Einsatz neuer sauberer Technologien zu fördern. Zum Gipfel eingeladen waren neben Südafrika, Senegal, Argentinien, Indien, Indonesien. Besonders relevant ist Indien.

Korrupte Bausünden: Im August 2022 werden illegal errichtete Hochhäuser in New Delhi gesprengt. Dei Türme waren 100 m hoch. Die 1000 Wohnungen wurden aufgrund jahrelanger Rechtsstreitigkeiten nicht bewohnt. 2012 entschied das Oberste Gericht, die Gebäude würden gegen Sicherheitsvorkehrungen verstoßen und die Bauträger hätten mit korrupten Behörden zusammengearbeitet. Ende Oktober 2022 stürzt im Westen Indiens eine Hängebrücke aus der britischen Kolonialzeit ein, die kurz vorher renoviert worden war. Über 100 Menschen kommen ums Leben.

Unternehmen: Mittlerweile hat Indien mit Mittal den größten Stahlproduzenten, mit Arcelor einigt man sich auf Fusion (Weltmarktanteil 12,5%).    Das weltweit größte Stahlunternehmen Mittal baut für 5 Mrd. Euro eine neue Stahlfabrik in Südost-Indien. SAP will in Indien bis 2011 1 Mrd. $ investieren. Pläne zur Begrenzung von Auslandsinvestitionen lösen im Oktober 2007 Panikverkäufe an der Börse aus (Mumbai). Indian Oil und Bharat Petroleum sind die größten Unternehmen in Staatshand. Die Privatisierung der indischen Unternehmen kommt 2009 ins Stocken.  Ca. 470 Unternehmen sind noch in staatlicher Hand (40% der Wirtschaftsleistung). Sie sollen schrittweise privatisiert werden. Eine Reihe von Milliardären scheinen die Wirtschaft zu dominieren. Dies führt immer wieder zu Korruptionsskandalen. Man spricht auch von "Crony Capitalism" (Kumpanei zwischen Privatwirtschaft und Staat). 85% der Arbeitskräfte arbeiten in einer Art informellem Sektor, ohne Tarif- und Arbeitsverträge. Bürokratie und Stromausfälle erschweren auch 2015 weiterhin die Geschäfte. Die Regierung wirbt um Direktinvestitionen (höhere Ausgaben für Infrastruktur, niedrigere Unternehmenssteuern). Vgl. Links/ Sonstige Unternehmen in Ostasien. Indien besitzt die drittgrößte Lederindustrie der Welt (nach China und Italien). Die Abwässer der riesigen Beiz-Fabriken fließen in der Regel ungefiltert in den Ganges. 2017 platzten die Bündnispläne zwischen VW und Tata (Kooperation bei Billigautos; Skoda; Absichtserklärung für strategische Allianz). 2017 übernimmt der russische Erdölgigant Rosneft die zweitgrößte indische Ölfirma Essar Oil (zusammen mit Partnern). 2017 wirbt indien massiv um deutsche Mittelständler. Das Motto der Initiative lautet: "Make in India Mittelstand". Allerdings sind die bürokratischen Hürden hoch. Unilever kauft Ende 2018 die asiatische Malzgetränkesparte von Glaxo-Smithkline für 3,3 Mrd. Euro. Es geht insbesondere um die Getränkemarken Horlicks77 und Boost in Indien. Das ist wichtig im Wettbewerb gegen Nestle.  Im südindischen Chemieunternehmen LG Chem kommt es im Mai 2020 zu einem Gasunglück (Styrol). Es sterben 11 Menschen (das größte Unglück bisher war in Bhopal 1984 mit 20.000 Toten  durch Pestizide). 2019 steckt Indiens Autobranche in der Krise. Hersteller und Zulieferer reagieren mit temporären  Produktionsstopps. Im Juli 2019 wurden 31 % weniger Autos verkauft. Die Branche steckt mit dem Absatzrückgang in der schwersten Krise seit 19 Jahren. Quelle: Automobilverband Siam.  "Auch Pannen haben ihren Wert, aber nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika", C. Reisbach, Brauereivorstandsvorsitzender.  2015. Im März 2017 schließt der größte Bundesstaat Uttar Pradesh über die Hälfte seiner Schlachthöfe wegen Regelverstößen. In Wirklichkeit dürfte es sich eine Maßnahme von Hindu-Nationalisten gegen Moslems und Christen handeln. Nachbarschaftsläden versorgen in Indien Hunderte Millionen Menschen. 12 Mio. solcher Tante-Emma-Läden gibt es 2018 noch in Indien. Sie versorgen Hunderte Millionen Menschen mit Gütern des täglichen Bedarfs. Metro will helfen, die Shops ins digitale Zeitalter zu überführen. 2021 reagieren indische Pharmafirmen empört auf Äußerungen von Merkel: Sie hatte davor gewarnt, dass die Firmen Vorleistungen nicht an die EU liefern wegen der Pandemie.  Vgl. zu wichtigen Unternehmen "Unternehmen, Indien".

Start-ups in Indien: 2021 ist das beste Jahr der Geschichte. Investoren wetten Milliardensummen auf ihr Wachstum. Auch deutsche Geldgeber sind mit dabei. Besonders die folgenden Start-ups tun sich hervor: 1. Nykaa (Kosmetik, mit Nivea und L`Orial). 2. Eruditus (Weiterbildung mit Geld von Bertelsmann). 3. Paytm (digitale Bezahlung, mit Warren Buffet und Jack Ma). 4. Meesho (Facebooks E-Commerce-Partner). 5. Zomato (Liefermarktführer bei Essen, Delivery Hero aus D. ist mit an Bord). 6. Zeta (Software für deutsche Banken).

Exkurs: Adani Group, Public Limited Company, Ahmedabad (Mischkonzern, Energie- und Rohstoffkonglamerat, Infrastruktur, Stromerzeugung, Agrarprodukte, Hafenbetreiber, Flughafenbetreiber; 1988 aus einem Rohstoffunternehmen entstanden, heute auch Logistik, Agrobusiness, Energie; über 10.000 B.; gerät 2020 wegen eines geplanten, größten Kohlebergwerk der Welt in die Kritik; in Australien gibt es riesige Buschfeuer, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Gautam Adami ist Asiens reichster Mann, drittreichster Mann der Welt: 112 Mrd. $; Freund von Modi). Die Staatsnähe hilft ihm, Projekte zu verwirklichen.  2023 steht er unter Betrugsverdacht. Er muss sich gegen den Vorwurf von Kursmanipulation und Scheingeschäften wehren. Der Shortseller Hindenburg Research wirft Adani Kursmanipulation und Bilanzfälschung vor. Adani wurde 1962 im nordwestindischen Bundesstaat Gujarat geboren. Er brach sein Wirtschaftsstudium ab und begann als Diamantenhändler. 1988 gründete er eine Exportfirma. Er investierte in Textilfabriken, Agrargüter und Metalle. Später baut er einen Hafen in Mundra. Die Region wird Sonderwirtschaftszone. 2008 ist er Milliardär. Er lässt im australischen Great Barrier Reef baggern, um Kohle zu exportieren. Immer wieder wird die hohe Verschuldung seines Konzerns bemängelt. Seit September 2022 bis Februar 2023 ist der Aktienkurs um -58% gefallen. Adani betreibt auch ein Solar-Kraftwerk im indischen Kamuthi. Die Adani-Gruppe wollte bis 2030 100 Milliarden Dollar in Indien investieren, 70 Mrd. in erneuerbare Energien. Adani Green Energy wollte der größte Wasserstoffproduzent der Welt werden. Wenn Adani strauchelt, würde das wahrscheinlich Indien mitreißen (man spricht von einem Kartenhaus). Vgl. auch. Bartz/ Höflinger: Fall eines Superstars, in: Der Spiegel 7/ 11.2.23, S. 84f. Die Adani-Aktien bekommen 2023 ein geringeres Gewicht im MSCI durch Neugewichtung. Das führt zu Kapitalabflüssen. Vgl. HB 13.2.23, S. 35. Es gibt Angriffe von amerikanischen Leerverkäufern. Insgesamt halbiert das den Börsenwert. Adani fällt auf Platz 21 der reichsten Personen. Der Fall "Gautam Adani" wird in Finanzkreisen berühmt. Er war der reichste Mann der Welt. Ein Spekulant von der Wallstreet - Anderson - macht ihn um viele Milliarden ärmer. Funktionsweise von Shortselling: 1. Ein Leerverkäufer leiht sich gegen eine geringe Gebühr Aktien von einem anderen Aktienhändler aus. 2. Er verkauft diese zum aktuellen Kurs an der Börse. 3. Der Akteinkurs fällt durch die Bekanntgabe der Informationen über die Firma durch den Leerverkäufer. 4. Sobald der Kurs gefallen ist, kauft der Leerverkäufer die Aktien wieder. 5. Er gibt sie dem Händler zurück. Die Differenz behält er als Gewinn. Vgl. Die Zeit 10/2023, S. 20. Der Inder verlor 60 Mrd. $. Dank seiner Nähe zur Macht ist er 2024 wieder obenauf. Schließlich ist Wahljahr.

Weitere Giganten in Indien sind Mukesh Ambani vom Reliance - Konglomerat und die Tata-Gruppe.

Exkurs. Nandan Nilekani: Er gründete Infosysy in Bangalore. Er gilt als Tech-Mogul. Es ist das bekannteste IT - Unternehmen Indiens. In dem IT-Sektor arbeiten aber nur 5 Mio. Menschen. Auch Nilekani steht der BJP Modis nahe. Er gehört zum Netzwerk von Modi.

Deutsche Unternehmen in Indien: 2000 deutsche Firmen sind in Indien aktiv. 2007 eröffnet auch BMW ein neues Werk. Daimler kooperiert bei Nutzfahrzeugen mit Hero (Joint-Venture). VW baut ein Werk in Indien (110.00 Autos, 2009). Bosch hat ein großes Werk in Bagalore. 1600 deutsche Firmen haben 2015 Direktinvestitionen in Indien (9,7 Mrd. €). Tata baut das billigste Auto der Welt (ca. 1700 €) und kauft Jaguar und Landrover von Ford. Daimler hält 7% an Tata und will bei Jaguar kooperieren. Daimler investiert 700 Mio. € in ein Gemeinschaftsunternehmen (60%) mit dem Partner Hero, der allerdings 2009 aussteigt. Es wurden Nutzfahrzeuge produziert. VW baut ab 2008 eine neue Fabrik bei Mumbai. Die Deutsche Bank will bis 2007 tausende von Stellen nach Indien auslagern. Vodafone hat die Mehrheit an dem indischen Mobilfunkbetreiber Hutchison Essar übernommen. Die Allianz will in Indiens Bankensektor einsteigen. Heidelberger Cement erweitert seine Produktion in Indien. SAP will wichtige Entwicklungsentscheidungen zukünftig im indischen Bangalore treffen und stärkt damit den Standort Indien. Die indische Softwarefirma Yasu soll übernommen werden. Die BASF baut eine neue Kunststoff-Produktionsanlage in ihrem Standort Thane bei Mumbai (Bombay). In Mumbai ist ebenfalls ab 2015 ein Forschungszentrum für 50 Mio. Euro und 300 Wissenschaftler geplant. Daimler will im südindischen Chennai einfache Lastwagen bauen.  Im März 2017 schließen VW und Tata Motors eine strategische Allianz. 2010 will die Deutsche Telekom in Indien starten. Siemens will ab 2010 in den nächsten drei Jahren 8000 Jobs in Indien schaffen. 2010 verkauft Daimler seinen 5%-Anteil an Tata. b 2019 plant die BASF eine Investition in Milliardenhöhe in Indien (Hafenstadt Mundra, zusammen mit Adani). Das Werk kostet 3,6 Mrd. €. Es wird ein Öko-Chemiewerk. Als weltweit erster Petrochemiestandort soll es komplett mit erneuerbaren Energien versorgt werden. VW zahlt 2019 in Indien eine Sicherheitsleistung: 12,3 Mio. Euro. Emissionsnormen und ihre Einhaltung. Die BASF will 2020 ihre Bauchemie verkaufen: Davon wäre das Bauchemie-Zentrum in Mumbai betroffen. Die Metro gibt 2022 Indien auf. Siemens baut 2023 Elektrozüge in Indien (größter Einzelauftrag, 1200 Elektroloks). Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr ist seit den 1959er Jahren in Indien. Er ist hauptsächlich Automobilzulieferer.   In Indien wurde das Raiffeisenmodell, das auf F. W. Raiffeisen zurückgeht, erfolgreich schon zur deutschen Kaiserzeit eingeführt (1904). Heute gibt es in etwa 230 Mio. Mio. Mitglieder im Genossenschaftsnetzwerk. Etwa 60% aller Genossenschaften sind im Bereich der Landwirtschaft tätig. Allerdings wird das Demokratieprinzip schon mal durch die bemittelten Mitglieder unterwandert. Indien ist 2015 Partnerland auf der Hannover Messe. "In Indien weißt du nie, wo ein LKW steckt und wann er ankommt", Philipp Bäcker, BPW Trailer Systems India. "Nicht nur Waren liefern, sondern lokal produzieren, Man muss in die indische Gesellschaft eintauchen", Michael Berger, Dürr - India -Chef 2023. Indien wird 2023 zum Sehnsuchtsort deutscher Manager, der Wachstum und Stabilität verspricht. Vgl. Hesse, Martin: Die neue alte Indien-Sehnsucht, in: Der Spiegel 52/ 23.12.23, S. 52ff.

Exkurs: Statistik der deutschen Unternehmen: In Indien sind rund 1.800 deutsche Unternehmen (manche gehen von 2000 aus)  2021 aktiv. Sie beschäftigen rund 500.000 Menschen. Die größten sind mit jeweiligen Produktionsstandorten: Volkswagen (Chakan, Puna, Shendra, Aurangabad), BMW (Channai), Daimler (Puna), Lanxess (Nagada, Jhagadia), Bosch (Jaipur, Ahmedabad, Puna, Verna, Chennai, Gangelkondan), BASF (Dahej, Mangalore, Thane, Chennai, insgesamt 8 Standorte),  SAP (Bangalore), Merck. 2023 übernimmt die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd 40% des indischen Hafenbetreibers JM Baxi Ports & Logistics. (350 Mio. €). Hawe/ München ist seit 2003 in Indien (Ventile, Pumpen, Hydrauliksysteme). 2023 neues Werk im Ostindischen Wuxi. Siemens (seit 1892 in Indien, Werk in Aurangabad im Westen des Landes)  erhält 2023  einen Großauftrag: 1200 Lokomotiven inklusive Wartung für 35 Jahre. Die erste Lok geht 2025 in Testbetrieb. Der Getriebehersteller Renk aus Augsburg produziert auch in Indien. 2020 betrugen die deutschen Exporte nach Indien 10,7 Mrd. €. Die deutschen Importe aus Indien lagen bei 8,9 Mrd. €. Indien liegt auf Platz 9 der deutschen Handelspartner. Die deutschen Direktinvestitionen (DI) in Indien betrugen 2019 1.210 Mio. € (Stand des Volumens). 2019 hatte Indien DI in Deutschland für 208 Mio. €. Vgl. Handelsblatt 28.4.21, S. 6f., Deutsche Auslandshandelskammer in Indien. Indien punktet mit niedrigen Kosten und einem hohen Ausbildungsniveau. Hinzu kommt die englische Sprache. Negativ bewerten deutsche Manager Zollschranken, nicht-tarifäre Handelshemmnisse und die Bürokratie. Das hält viele deutsche Manager von Investitionen in Indien ab. Quelle: Umfrage der Außenhandelskammer in Singapur. Es gibt drei zentrale Standortvorteile: politische Stabilität, niedrige Arbeitskosten und ein großes Fachkräftereservoir.

Exkurs: Deutsche Bank in Indien: Die Technologiestandorte Bangalore und Pune wachsen beständig. Die Informationstechnologie-Kapazitäten werden stark ausgebaut. Man will 2022 2500 IT-Spezialisten einstellen. Man beschäftigt schon 5000 in Indien. Es wird Software für alle Bereiche des Unternehmens programmiert. Chef in indien ist Bernd Leukert (vorher bei SAP). Weitere Technologiezentren sind in Berlin, Bukarest und Cary/ USA sowie Moskau.

Exkurs. Deutsch-Indische Handelskammer (AHK), Mumbai. Filialen in Pune, Chennai und Bangalore mit IT-Cluster. Chef ist 2023 Stefan Halusa. Indien könne China auf absehbare Zeit nicht ersetzen, sondern bestenfalls ergänzen. .

Exkurs: India Manufatoring Show, Bangalore/ Messegelände: mehr als 400 Aussteller. 20.000 Besucher. Im November. Automatisierungstechnik, Roboter, Drohen, Maschinen. Viele deutsche Firmen. auch Hawe, München von Karl Haeusgen, Präsident von VDMA 2023.

Börsen: Die Hauptbörse ist in Mumbai. In Indien gibt es mehr börsennotierte Unternehmen als in jedem anderen Land der Welt. An der Mombay (Bombay) Stock Exchange (BSE) sind ungefähr 5000 Unternehmen gelistet, mehr als an jeder anderen Börse. Leitindex ist der Sensex. Die heute führenden Gesellschaften in Indien wurden von Parsen im 19. Jahrhundert gegründet. Die Parsen gründeten auch die Textilindustrie. Die Juteindustrie in Bengalen dominierten die Briten. Die Briten betrieben ursprünglich auch den Kohlebergbau. Auch die Teeplantagen waren ein Monopol der Briten. Die Parsen waren aus Persien eingewandert. 2020 und auch noch 2021 klettert die Börse trotz Rezessionen. Sogar die Zentralbank warnt vor überzogenen Erwartungen. Am 21.01.21 klettert der BSE-Sensex über die historische Marke von 50.000 (Verdopplung seit dem Einbruch im März 2020). Er sinkt zwar wieder aber hält sich knapp unter 50.000 trotz Corona. Er steigt dann im Laufe von 21 kontinuierlich auf über 57.000 bis Ende des Jahres. 2022 geht der Kurs nach unten: Hohe Inflation und steigende Leitzinsen sorgen dafür. Indien hat auch spezielle Indices: Nifty 50 und MSCI Emerging Markets. Es gibt schwache Aussichten für IT-Werte.  Die älteste Börse in Asien ist die in Mumbai/ Indien (1876). Sie ist auch die älteste Börse in Asien. Sie geht 2017 selbst an die Börse.  

Unternehmenssteuern: Indien liegt weltweit an der Spitze bei Unternehmenssteuern. Man liegt bei 48%. Der weltweite Mindeststeuersatz soll nach dem Willen der USA 2021 auf 15% festgelegt werden. China liegt bei 25%, die USA bei 26%, Deutschland bei 30%.

Mehrwertsteuer: 2017 führt man eine einheitliche Mehrwertsteuer ein. Bis dahin gab es noch einzelne Zölle zwischen den Provinzen.

Lieferketten/ Indien: In der Corona-Krise, die Indien mit am stärksten trifft, sind dei Lieferketten bedroht. Mit dem Anstieg der Covis-19-Fälle in Indien häufen sich Beschränkungen für Personal und Schiffe. Das führt zu starken Störungen im Welthandel. Die deutschen Exporte nach Indien gehen so zurück. Vgl. HB, Nr. 90, 11.5.21, S. 14.

Finanzmärkte: Bei einer wertebasierten Außenwirtschaftspolitik können Fallstricke auftauchen: Gerade EU-Interventionen stoßen in bestimmten Ländern auf Widerstand. so hat die ESMA die indische Zentralbank und Börsenaufsicht aufgefordert, eine Vereinbarung zu unterzeichnen, die der ESMA die Überwachung der Clearingunternehmen ermöglicht. Die Inder lehnen das ab. Damit kommt es zu eine Distanz zwischen Indiens und Europas Finanzmärkten. China könnte davon profitieren. Vgl. Dieter, Heribert: Die Fallstricke einer wertebasierten Außenwirtschaftspolitik, in: WiWo 24/ 9.6.23, S. 40.

Soziale Medien und IT: Indien ist der größte Outsourcing - Standort der Informationstechnologie. Schwerpunkt ist Bangalore. Indien tut sich aber schwer mit der Meinungsfreiheit. Facebook und Twitter haben Schwierigkeiten. Das Oberste Gericht fordert etwa Stellungnahmen. Man droht Twitter - Managern mit Haftstrafen. Facebook legt sich 2021 mit Indiens Regierung an. Eine schärfere Zensur stößt auf Protest. WhatsApp will Offenlegen von nutzerdaten verhindern. Die Uni IIT in Mumbai (Indian Institute of Technology) gilt als die Elite-Uni für den IT-Sektor. viele Führungskräfte im Silicon Valley oder Start-up-Gründer haben hier studiert.

Technologie der E-Verwaltung: Man spricht von Digital Public Infrastructure (DPI). Dazu zählen Biometrische Identitäts - Zahlungs- und Datenmanagementsysteme. Direktzahlungssystem United Payments Interface (UPI).  Internetportal Digital Locker, das Dokumente wie Führerscheine und Steuerunterlagen online bereitstellt. Diese Technologie soll auch exportiert werden.

Informeller Sektor: Nichtreglementierte Unternehmen bilden das Rückgrat der indischen Volkswirtschaft. Ihr Anteil soll nach Schätzungen bei 54% der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung liegen. Es handelt sich um ca. 56 Mio. informelle Unternehmen (Kleinbetriebe und Selbständige). Sie standen 1,39 Mio. registrierten Unternehmen gegenüber. Die Landwirtschaft, die Fischerei, das Transportgewerbe und Teile des Finanzsektors sind ohne Rücksicht auf Steuerrecht, Arbeitsrecht, Arbeitsschutz organisiert. Diese Schattenwirtschaft führt auch zu Korruption und fehlendem Zugang von staatlichen Leistungen. 2017 wurde eine Mehrwertsteuer eingeführt, die das Dickicht der Umsatzsteuer und den Vorsteuerabzug  regulieren soll. Gegen Scheinfirmen wird härter vorgegangen. Die Bargeldreform soll hier helfen.

Teeregionen Darjeeling und Assam: Erstere im  Osten Indiens ist berühmt, auch noch aus der Zeit von Indien als britischer Kolonie. Die Teepflückerinnen werden immer noch ausgebeutet. Sie erhalten etwa 1,4 bis 2,8% vom Preis für die Verbraucher in Deutschland. Sie verdienen 2,25€ pro Tag und müssen sich davon noch Arbeitsutensilien kaufen. Deutsche Teefirmen kaufen ca. ein Viertel der jährlichen Ernte. Das sind prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen. Es herrscht ein enormer Preisdruck auf die Plantagen. Tee aus anderen Landesteilen wird beigemischt. Nachhaltigkeitsstandards von Fair Trade und Rainforest Alliance werden nicht eingehalten. Quelle: Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung 2019. Die zweite große Tee-Region ist Assam am Fluss Bramaputra , die größte Teeregion der Welt (2000 Plantagen) Auch auf Plantagen dort sind Menschenrechtsverletzungen Alltag. Dies zeigt auch eine neue Studie der Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam 2019: Schikane, giftige Pestizide, schlechte Bezahlung. In der Studie gibt es aber keine konkreten Angaben für ein Einschreiten. Man brauchte ein Gesetz, das globale Lieferketten besser kontrolliert. Deutsche Unternehmen verlassen sich häufig auf Zertifikate (Rewe, Aldi, Lidl, Teekanne, Ostfriesische Teegesellschaft). Die Organisation Rainforest kündigt einen Aktionsplan an. Kleinere Teeregionen sind Dooars im Norden und Nilgiri im Südwesten. Vgl. auch: Allinger, Wolfgang/ Kliewer, Ute: Zeit zieht nicht. Erzähl mir von Darjeeling, Mirabilis Verlag 2022.

Gewürze und Indien: Gewürze waren eines der ersten Güter im Handel Indiens mit Europa. Noch heute gilt Indien als ein Zentrum der Gewürzindustrie. Heute werden vor allem Ingwer, Pfeffer, Chili und Paprika exportiert, auch nach Deutschland. 2023 ist dei Branche in der Krise: Lieferkettengesetz der EU, teurer Dünger wegen Ukrainekrieg, maue Nachfrage wegen Weltkonjunktur, günstigere Ware im Trend. Im September 2023 findet eine Konferenz der weltweiten Branche in Mumbai statt. Man sucht nach Wegen aus der Krise.

Kinderarbeit in Indien: In Indien ist Kinderarbeit sehr verbreitet (einer der höchsten Anteile in der Welt). Jedes zweite hungernde Kind soll in Indien leben. Die Kinder arbeiten vor allem in der Landwirtschaft, im Bergbau und in Steinbrüchen (Grabsteine, Granit, Marmor). Besonders betroffen sind die Mädchen, die wie oft Sklaven eingesetzt werden. Besonders problematisch ist der Mika-Abbau (Glimmer). Er ersetzt die ausfälle in der Landwirtschaft wegen der Dürre. 2020 wird bekannt, dass auch viele Kinder in der Teppichindustrie schuften. Die Zustände dort werden verharmlost, oft mit Beteiligung der Kinderrechtsorganisation Unicef. Siegel erweisen sich als nicht verlässlich (z. B. IGEP). Es gibt Kinderarbeit auch als Heimarbeit. Die indische Teppich-Lobby ist sehr mächtig.

Indien als Entwicklungsland bzw. begünstigtes Land im Außenhandel: Zum 5. Juni 2019 streichen die USA Zollvergünstigen für Indien. Sie galten im Rahmen eines Handelsprogramms für Entwicklungsländer. Die USA lassen verlauten, Indien biete keinen gerechten und angemessenen Zugang zu seinen Märkten. Im Juni 2019 antwortet Indien mit Vergeltungszöllen: 20 US-Produkte werden mit Zöllen belegt. 2020 weitet die Bundesregierung ihre Indien-Hilfe wegen Covid-19 deutlich aus: Es werden 330.000 Testkits und 600.000 Schutzausrüstungen zur Verfügung gestellt. Außerdem gibt es kurzfristige  Kredite im Wert von 460 Mio. € für Nahrungsmittel und Überbrückungshilfen. Indien wird 2022 sehr wichtig in einer sich abzeichnenden neuen Welthandelsordnung. Russland braucht Indien dringend als Nachfrageausgleich für Europa. In der UN enthält sich Indien bei Sanktionen und Äußerungen gegen Russland.

TTC (Trade and Technology Council) mit der EU): Am 25.422, beim Besuch von Ursula von der Leyhen beim  indischen Regierungschef Narendra Modi, soll das Abkommen besiegelt werden. Etwas ähnliches besteht mit den USA. Man strebt auch ein Handelsabkommen an. Dei EU will Indien auch mit Rüstungsgütern versorgen. So will man Indien aus der engen Bindung an Russland lösen. Indien hatte sich nicht den westlichen Sanktionen angeschlossen (und stark von billigerer Energie profitiert). Die EU braucht Ersatz für Russland, auch von China will man sich mehr lösen. 

Wirtschaftskorridor Indien - Naher Osten - Europa (IMEC): Er wird 2023 konzipiert.  Es soll die Antwort auf die Seidenstraße sein. Man will schleunigst mit dem Bau anfangen. Man braucht Schiffskorridore, Häfen und Eisenbahnstrecke. In Arabien sind Israel, Saudi-Arabien und die VAE beteiligt.

AAGC: Asia-Africa Growth Corridor. Kooperation von Japan und Indien (ein Gegenprojekt zum chinesischen Seidenstraßenprojekt). Enge Zusammenarbeit mit der African Development Bank. Es geht um maritime Handelsrouten nach Europa (vor allem nach Afrika). Bei RCEP ist Indien nicht dabei (hat sich 2019 zurückgezogen, weil man Angst vor den billigen chinesischen Massenprodukten hatte).

Quad: Die USA "gehen Klinkenputzen" gegen den Einfluss Chinas. Sie schmieden eine Allianz, die man "Quad" nennt. Ihr gehören neben der USA Indien, Australien und Japan an. Die USA bemühen sich noch um Indonesien, Sri Lanka und die Malediven. Peking sieht die Gruppe als asiatische Nato, deren Ziel die Eindämmung Chinas ist. Auf jeden Fall sucht man gemeinsam auf eine Antwort auf Chinas Machzuwachs.

Zukunft Indiens  im 21. Jahrhundert: 1. Indien folgt in seiner Entwicklung im 21. Jahrhundert weder China noch dem Westen, sondern seinem eigenen Kurs. 2. Indien spielt im 21. Jahrhundert global eine Schlüsselrolle und reift zur Wirtschaftsmacht, zur Superpower. 3. Als gefestigte Demokratie ist Indien ein natürlicher Verbündeter des Westens. 4. Indiens außenpolitische Konfliktachsen: Pakistan und China. 5. Narendi Modi ist weder Heilsbringer noch das personifizierte Böse. In wirtschaftspolitischer Hinsicht ist er der bislang beste Regierungschef in der Geschichte der Republik Indien. Problematisch ist sein Hinduismus. Er formt einen autokratischen Einheitsstaat unter Führung der Hindus.6. Indische Unternehmen werden zu den größten der Welt gehören. 7. Indiens "soft power" gewinnt weltweit an Einfluss. 8. Die neuen Statussymbole: Geld und Bildung. 9. Agenda: Umweltverschmutzung, Gewichtsprobleme, Urbanisierung, Arbeitsmarktreformen, Frauen am Arbeitsmarkt, Korruption, Privatisierungen. Siehe Braun Alexander, Michael: Indien Super Power, München (FBV) 2020, S. 321ff. Die neu gewählte Vizepräsidentin der USA Kamala Harris hat indische Wurzeln. Ihr Großvater wurde in Thulasendrapuram, einem kleinen Dorf in Indien, geboren. Dort feiert man Harris enthusiastisch. Neben Indien durch die Mutter hat sie auch Wurzeln in Jamaika, wo ihr Vater her ist.

Zähe Investitionen bremsen Indien (Investitionen sind als Teil des BIP von übe r40% im Jahr 2008 auf 34% 2023 gesunken). Wird sich das 2024 und später ändern? Viel Geld fließt nicht in Fabriken und Forschung und andere private Sektoren, sondern in Infrastrukturprojekte, an denen oft der Staat beteiligt ist. Nach Schätzungen sind 36,5% der Bankfinanzierungen für Straßen und Brücken vorgesehen und weitere 20% für Energien, Chemie. Dei ausländischen Direktinvestitionen sanken 2023, die ausländischen Portfolioinvestitionen sind erst wieder seit kurzem positiv. Das indische Geschäftsklima bleibt trotz der Steuersenkungen schwierig. Die gefürchteten Steuerbeamten haben einen zu großen Ermessensspielraum. Aber Indiens Durchbruch dürfte vielleicht noch kommen. Vgl. Tom Easton, Ressortleiter Unternehmen und Finanzen Südasien, The Economist, 2023.

 

Nachbarn bzw. historische Nachfolgestaaten und Abspaltungen:

Kaschmir: Seit der Trennung von Indien und Pakistan in der Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 ein Zankapfel, obwohl es eine Waffenstillstandslinie ("Line of Control") gibt. Eigentlich zerfällt Kaschmir in drei Teile: Einer, von Pakistan verwaltet, einer von Indien verwaltet und einer von China verwaltet. Indien und Pakistan haben schon drei Kriege um das Gebiet geführt:1947/48, 1965, 1971. Beide Länder beanspruchen ganz Kaschmir. Seit 2016 ebbt die Welle der Aufstände und Proteste nicht mehr ab. Pakistan und Indien sind Atommächte (Pakistan 150 Atomsprengsätze, Indien 140). Ende Februar 2019 gibt es wohl Luftangriffe von beiden Seiten mit abgeschossenen Flugzeugen und Kanonenfeuer. Die Freilassung indischer Piloten wird dann als Zeichen der Entspannung interpretiert. Trotzdem ist die Lage unsicherer geworden (USA übernehmen nicht mehr Vermittlerrolle, Führung in beiden Ländern unberechenbarer, "rote Linien" werden öfter gebrochen, wie das Verbot von Luftangriffen). Anfang August 2019 lässt Indien Soldaten in Kaschmir einmarschieren. Gleichzeitig wird per Dekret der Autonomie-Sonderstatus seines Teils von Kaschmir aufgehoben. Dadurch werden sich auch die Spannungen mit Pakistan erhöhen. Pakistan bittet die Weltgemeinschaft um Hilfe. Der Indische Botschafter wird von Pakistan ausgewiesen. Die beiden indischen Provinzen von Kaschmir Jammu und Kaschmir mit eigenen Gesetzen habe die Entwicklung gehemmt, sagt Indien. Die Region solle fest zu Indien gehören (Modi: "Indien zuerst"). Die Autonomie der Region ist aufgehoben., alle Verbindungen zur Außenwelt sind gekappt. Zehntausende von Soldaten werden in die Region geschickt. Die Bewegungsfreiheit der Menschen wird stark eingeschränkt. Was plant Indien? Indien und Pakistan liefern sich an der Grenzlinie Gefechte. In Asien gibt es noch zwei andere große Konfliktherde: Taiwan und dass Bestreben von China, die Insel ins Reich zu holen und das geteilte Korea, wo noch kein Frieden geschlossen wurde. Es gibt noch weitere territoriale Konflikte: China beansprucht Teile von Bhutan und Indien.  Bis 1947 war Kaschmir ein Fürstentum.

 

Pakistan: Allgemein: 197 Mio. Einwohner. 96% sind Muslime (überwiegend Sunniten). Währung Pakist, Rupie.  BIP 2017 305 Mrd. US-$. Ein Tweed auf Twitter von Präsident Trump Anfang  Bei zwei Anschlägen im November 2018 gibt es viele Tote. Die Brandkatastrophe in einer pakistanischen Textilfabrik im Jahr 2012 wird nicht vor einem deutschen Gericht verhandelt (Ali Enterprises in Karachi für die deutsche Firma Kik; Fall sei verjährt).  Am 22.05.20 stürzt ein Flugzeug mit 98  Passagieren nahe Karashi ab. In der Corona-Pandemie geht am rigoros vor: Betroffene Gebiete werden abgeriegelt. Das geht leichter, weil fast die Hälfte des Volkes von Tages- und Wochenlöhnen lebt. Die Armut steigt. Ein neues Sicherheitsgesetz 2020 schränkt die Freiheiten von Journalisten ein. Am 09.01. 23 gibt es einen Stromausfall im ganzen Land. Ursprung ist ein Kraftwerk im Süden des Landes.

Natur Pakistan und Grenzen: Der Indus ist die Lebensader. Im Norden macht der Himalaya das Land zu einem der gletscherreichsten der Welt. Man grenzt an Iran, Afghanistan, China und Indien.

Politik Pakistan: 2018 erbost die pakistanische Regierung. Trump hatte darauf hingewiesen , dass Pakistan in den vergangenen 15 Jahren 33 Milliarden Dollar an Hilfe bekommen habe.  Die Gegenleistung seien aber Lügen und Betrug gewesen. 2016 gewinnt Khan die Wahlen in Pakistan. Die USA wollen die Hilfsgelder für Pakistan zusammenstreichen. Im Februar 2020 ruft die Regierung den Notstand aus: Eine Heuschreckenplage bedroht die Ernährungssicherheit. Khan übersteht ein Misstrauensvotum nicht (ökonomische Probleme). Im November 2022 entgeht der Nationalheld  und ehemalige Premier Imran Khan nur knapp einem Mordanschlag (er beschuldigt die Regierung). Der Oppositionsführer Shebaz Sharid übernimmt als neuer Regierungschef (2022 70 Jahre alt). Er gehört einer politischen Dynastie an. Gleichzeitig ist er Vorsitzender der konservativen Muslimliga-Nawaz (PML-N) und der jüngere Bruder des dreimaligen pakistanischen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif. Die USA und der Westen hoffen wieder auf bessere Beziehungen. In Pakistan gab es 2023 so viele Anschläge wie seit Jahren nicht mehr. Nawaz Sharif (74 Jahre ) darf 2024 nach Pakistan zurückkehren. Der Oberste Gerichtshof hat ihn wieder für politische Ämter zugelassen. Man vermutet enge Absprachen zwischen Nawaz und dem Militär.

Exkurs: Volksheld Khan: Imran Khan ist ein einstiger Chricket-Star. Er will zurück an die Macht. Er ist extrem populär und Volksheld. Die Generäle fürchten die Popularität des Politikers. Polizeitruppen in Pakistan führen ihn im Mai 2023 ab. Nun drohen größere Unruhen im Land. Vgl. Süddeutsche Zeitung 10.5.23, S. 7. Wenige Monate vor der Parlamentswahl wird er verurteilt und inhaftiert (3 Jahre wegen Korruption). Er kommt in ein Hochsicherheitsgefängnis nahe Islamabad. für die nächsten fünf Jahre ist er damit von politischen Ämtern ausgeschlossen. Damit dürfte er auch die Parlamentswahl verpassen. Seine Partei PTI kämpft ums Überleben. Khan hatte den Fehler gemacht, das Militär als eigentlichen Herrscher des Landes nicht zu akzeptieren. Wegen Verkauf von Staatsgeschenken wird er 2024 noch mal zu 14 weiteren Jahren Haft verurteilt.

Pakistanisch-chinesischer Wirtschaftskorridor (CPEC): Er bietet China einen direkten Zugang zum Golf von Oman. Stationen sind Kashgar, Khunjerab, Rawalpindi, Lahore Hyderabad, Karachi. Zu dem Projekt gehören auch eine Übertragungsleitung (Karashi/Matiari-Punjab), Thar Kraftwerke (6), Windkraftwerke (5). Dazu kommen Eisenbahnen, Autobahnen, Pipeline, Kabel. Vgl. Winter, Martin: China 2049, München 2019, S. 161. Sialkot (650.000 Einwohner) in Pakistan ist die Stadt der Bälle. Dort werden im Jahr 60 Mio. Bälle produziert. Ein Arbeiter hat im Durchschnitt 2020 60 Euro Monatsgehalt (Durchschnittsmonatseinkommen in Pakistan 112 €). 2020 steigt das Handelsbilanzdefizit stark an.

Wirtschaft Pakistans: Im April 2022 kämpft die Regierung ums Überleben. Das Land ist in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Devisenreserven reichen nur noch für zwei Monate. Man ist seit 2019 in einem IWF-Hilfsprogramm. Die USA halten aber Zahlen vorerst zurück. Dadurch könnten sich die Beziehungen zum Westen verschlechtern. Khan sieht sogar ein Komplott in den USA. Das Land ist hoch verschuldet und hat eine galoppierende Inflation. Pakistanische Taliban machen immer wieder Gewaltanschläge mit großen ökonomischen Schäden.

Energiebedarf: Pakistan hat seine Energie (Öl, Gas) in der Vergangenheit aus den arabischen Ländern bezogen, allen voran Saudi-Arabien. Der Ukraine-Krieg und die Preisdeckel bei Gas und Öl führen zu einem Umdenken. Russland will billigere Energie liefern, um die Deckel zu umgehen.

Pakistan und Seidenstraße:  Pakistan spielt eine wichtige Rolle im Projekt "Neue Seidenstraße" Chinas. Geplant ist noch eine Eisenbahnverbindung von Kashgar durch Pakistan nach dem Hafen Gwadar (von einer chinesischen Firma kontrolliert; von hier besteht ein Korridor in den Nahen Osten und Afrika, damit der Seeweg über die unsichere Malakka - Meerenge entlastet wird). Außerdem wird schon über 10 Jahre an einer Straße über das Karakorum-Gebirge gebaut (seit 2007). Der Weg muss entweder gefunden oder gebaut werden (Karakorum-Highway). Er führt von Kaschgar/ Xinjiang nach Havelian/ Nordwesten Pakistans. Pakistan ist extrem verschuldet bei den Baufirmen und Banken Chinas. Der Korridor durch Pakistan soll den direkten Zugang Chinas zum indischen Ozean sichern.

Naturkatastrophen: Bei einem Erdbeben im Südwesten Pakistans (Provinz Baluchistan) gibt es 28 Tote. Im August 2022 führen schwere Überschwemmungen zu vielen Toten. Hunderte Bergdörfer im Norden des Landes sind betroffen. Ein Drittel des Lande steht unter Wasser. Seit Mitte Juni 2022 ist Pakistan von ungewöhnlich starkem Monsunregen betroffen. 33 Mio. Menschen sind davon berührt. 80.000 Hektar Ackerland wurden vernichtet, 157 Brücken weggespült. 1300 Menschen kamen schon ums Leben. 10 Mrd. $ sollen die Schäden an öffentlicher Infrastruktur betragen. Das Land selbst trägt kaum eine Verantwortung für die Klimakrise (0,28% der weltweiten CO2-Emissionen). Es brechen viele Krankheiten aus (Malaria, Cholera u. a.). Die Katastrophe führt das Land in eine schwere Wirtschaftskrise. Es braucht dringend Hilfe von außen.

Exkurs. Hitzerekord: Jacobabad in Pakistan gilt als der heißeste Ort der Welt, an dem Menschen leben. Im Sommer werden spielend 50 Grad Celsius erreicht. Eigentlich müssten die Menschen gehen. Knap dahinter liegen folgende Orte: Tak Agro/ Thailand 45,4 Grad; Akjoujt/ Mauretanien 45,3 Grad; Prayagraj/ Indien 42,2 Grad. Vgl. Die Zeit 19/ 4.5.23, S. 38.

Pakistan und die Taliban: Es taucht immer wieder die Frage auf, wie eng die Verbindungen sind. Wahrscheinlich sind die Verbindungen sehr eng. Ohne Pakistan wären die Taliban in Afghanistan nicht in so kurzer Zeit an die Macht gekommen. Das Problem war, dass man die Taliban nicht in Pakistan bekämpfen konnte. Eine Schlüsselrolle hat der mächtige Militärgeheimdienst Interservices Intelligence (ISI) gespielt. Pakistan hat der Taliban immer seine Infrastruktur zur Verfügung gestellt (Krankenhäuser, Unis, Schulen). Pakistan wollte schon immer maximalen Einfluss auf Afghanistan haben (als Gegengewicht zu Indien). 2021 leben 3,5 Mio. afghanische Flüchtlinge in Pakistan. Vgl. Haneke, Alexander: Pakistans doppeltes Spiel, in: FAZ 5.11.21, S. 8. Am 30.1.23 gibt es in Peschawar ein schweres Selbstmordattentat in einer Moschee. Viele Menschen kommen ums Leben (ca. 50, übe r150 Verletzte). Die Taliban bekennen sich zwar nicht, aber vieles spricht für sie. Die Taliban in Pakistan sind eine eigene Organisation. Sie unterstützen die im Nachbarland und setzen sich für schärfere Regeln nach dem Koran ein. Sie hatten eine Waffenruhe mit der Regierung in Islamabad angekündigt. Seitdem häufen sich Anschläge.

Pakistan und Islam: Nach dem Freispruch für eine Christin gibt es Proteste im Land. Die Christin heißt Asia Bibi und kann wahrscheinlich nach Europa (Deutschland) ausreisen. In Pakistan gibt ein Blasphemiegesetz. Wer eine Gotteslästerung wiederholt, dem droht der Tod. Wobei Mohammed gleich Gott ist. Unabhängiges Denken kann tödlich sein. Verteidiger und Richter wurden ermordet. Paradoxerweise schützt das Blasphemiegesetz die "Gotteslästerer", sonst würden sie direkt gelyncht. Anfang Dezember 2021 kommt es dann doch wieder zu einem Lynchmord. 110 Menschen werden in Haft genommen. Der Mord hat im pakistanischen Teil von Kaschmir stattgefunden.

Religionen und Konflikte: In Pakistan dominiert der Islam. Es gibt aber viele Richtungen: Sunniten, Schiiten, Achidmäer, Sufis, Taliban u. a.  Sie versuchen, mit der Religion Politik zu machen und ihre Interessen durchzusetzen. Jede Richtung verspricht bei Tod einen Platz im Himmel. Entsprechend hart sind die Konflikte.

Pakistan und Iran: Es gibt eine gemeinsame Grenze. Dort kommt es immer wieder zu Scharmützeln. Beiderseits der Grenzen agieren auch Separatisten. Sunniten (Pakistan) und Schiiten (Iran) sind sich auch nicht "grün".

 

Tibet in Indien (Exilgemeinde): Von den etwa 7 Mio. Tibetern leben über 100.000 in Indien (in Nepal leben 14.0000, in Bhutan 1600). Vor 60 Jahren musste der Dalai Lama nach Dharamsala ins Exil fliehen. In der Region leben die meisten Tibeter in Indien. Sie können dort Tibetisch sprechen und lernen. Sie können ihre Religion, den Lamaismus. frei ausüben. Der letzte große Protest in Tibet selbst war anlässlich der Olympischen Spiele 2008 in Peking. Zentrum war der Ort Ngaba in der Provinz Sichuan. 21 Menschen wurden getötet und 600 festgenommen. Ausgangspunkt war das Kitri-Kloster mit 3000 Mönchen. Heute stört die Regierung in China die Kommunikation zwischen Tibet und der Exilregierung in Dharamsala, wo sie nur kann. Als Opposition meldet sich immer wieder das Kirti - Kloster in Dharamsala. Es ist ein Ableger des Originals in der osttibetischen Kulturregion Amdo. Es gehört zur Gelug - Schule des tibetischen Buddhismus. Proteste während der Olympischen Winterspiele in Peking 2022 werden kaum erhört. Man kritisiert die Umerziehung in den Schulen in Tibet (Kinder im Internat). Außerdem werden Nomaden zu Farmern umgeschult. Die Betriebe gehören aber dem chinesischen Staat.

Exkurs: Lamaismus: In Tibet gibt es eine spezielle Form des Buddhismus, den Lamaismus. An der Spitze steht der Dalai Lama, der jeweils als Kind auserwählt wird. Der jetzige Dalai Lama wird am 05.07.20 85 Jahre alt. Er gibt zu seinem Geburtstag eine CD heraus, die meditative Musik enthält. Er lebt im Exil in Daressalam in Indien. China verfolgt ihn, weil er zugleich geistliches und weltliches Oberhaupt von Tibet ist. Deshalb beschuldigt in China des Separatismus. 1989 hat der Dalai Lama den Friedensnobelpreis bekommen. Der Dalai Lama veröffentlichte mehrere Bücher. Darin setzt er sich vor allem für Mitgefühl ein. Die sei entscheidend gegen Stress, der unser Immunsystem zerstöre. Der Lamaismus war auch die Rechtfertigung für die Theokratie in Tibet.  Das war kein Paradies der Werte, sondern Unterdrückung und Ausbeutung der Bevölkerung durch eine kleine geistliche Elite. Der Lamaismus lebt heute in Indien fort (siehe oben). Besonderheiten des Tibetischen Buddhismus: Er gehört zum Mahayana-Buddhismus. Er verspricht einen schnelleren Ausweg aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten. Durch anspruchsvolle spirituelle Übungen (Tantra, Yoga) kann der Mensch Erleuchtung innerhalb des Lebens erlangen. Es bedarf enger Beziehungen des Meisters, dem Lama, mit seinem Schüler. Sehr populär sind Bodhisattvas, erleuchtete Wesen (sie könnten ins Nirvana einziehen, entscheiden sich aber für den Meister). Der Dalai-Lama gilt als menschliche Erscheinungsform. Lama bedeutet "Hoher Priester".  In China mit Tibet als autonomem Gebiet leben heute etwa 250 Mio. Buddhisten - die Hälfte aller Buddhisten weltweit. Der Dalai Lama ist mit Realismus den Chinesen immer mehr entgegen gekommen. Er will nicht mehr der weltliche Herrscher Tibets sein. Er propagiert einen Mittelweg für Tibet. Im Mittelpunkt soll die Autonomie des buddhistischen Glaubens stehen. Es geht um die Bewahrung der Kultur. Die Nachfolge des Dalai Lama ist offen und entscheidend. Aus chinesischer Sicht muss die KPCh zustimmen. Indien beansprucht als Mutterland des Buddhismus auch Einfluss. So könnte es zukünftig 2 Dalai Lama geben.

Exkurs. Kalachakra Initiation/ Bodh Gaya: Kalachakra heißt übersetzt "Rad der Zeit". Am besten sieht man sich dazu den Film von Werner Herzog an, der "Rad der Zeit" heißt und 2003 gedreht wurde (auch in der Edition der meisten Filme von Herzog zum 80. Geburtstag 2022). Er spielt in Bodh Gaya/ Indien, am Kailash/ Tibet und in Graz/ Österreich. Bodh Gaya ist ein heiliger Ort des Buddhismus (ca. 3000 Einwohner). Hier kam Siddharta Buddha zum Bodi - Baum (heute in der 5. Generation) und hatte seine Erleuchtung. Bodh Gaya liegt am Ganges in der Nähe von Kalkutta. Hier fand 2003 im Jahr des Pferdes eine Kalachakra-Initiation statt. Es kamen 500.000 Menschen (aus Nepal, Tibet, Mongolei, Bhutan, Indien, Thailand u. a.). Hier steht die Stupa, eines der höchsten Heiligtümer. Am Fest wird das Sankt Mandala gelegt. Es ist eine innere Landschaft in Form einer Malerei (das Rad der Zeit im Zentrum). Sie wird vom Dalai Lama begonnen und von den höchsten Priestern beendet. 720 Gottheiten werden visualisiert. Höchstes Ziel ist die Leere als endgültige Wirklichkeit. Weitere heilige Orte sind Spiti in Nordindien (hier kam der Buddha zuerst hin, er startete in Nepal) und der Kailash. Der Kailash gilt als Zentrum des Universums. Er ist ein heiliger Ort für Buddhisten und Hinduisten ("kostbares Schneejuwel"). Man umrundet den Kailash auf 5000 m Höhe (52 km, 3 Tage). Einige Pilger sterben dabei, weil sie die Höhe nicht gewohnt sind. Es geht um Aufhebung von schlechtem Karma. Der Dalai Lama spricht sich für Hineinversetzen in jede Religion aus, um Frieden zu stiften und erreichen. Jeder sollte aber bei der Religion seiner Kultur bleiben. Der Buddhismus ist eine Religion des Alltags, ähnlich dem Islam.

Exkurs. Sikkim: Sikkim ist eine Provinz bzw. Bundesstaat in Indien im Nordosten. Es grenzt an Nepal, Bhutan und Tibet. Es liegt schon im Himalaja - Gebirge. Der höchste Berg Indiens liegt hier: der Kangchendzönga. Die Landschaft ist dramatisch mit Bergwiesen und Gletschern. Viele buddhistische Klöster sind hier, auch Pemayangtse. Hauptstadt des Bundesstaates ist Gangtok. Vgl. auch: Allinger, Wolfgang/ Kliewer, Ute: Zeit zieht nicht. Erzähl mir von Darjeeling, Mirabilis Verlag 2022.

Exkurs: Ladakh: Provinz im Norden Indiens. Sie liegt zwischen dem Karakorum - Gebirge und dem Himalaja. Sie hat weniger als 300.000 Einwohner. Sie grenzt an Pakistan und Tibet. Hauptstadt ist Leh. In der Nähe von Leh hat  Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, seine Sommerresidenz. Er verbringt jedes Jahr ein Paar Wochen hier. Die Shanti Stupa ist die beliebteste Sehenswürdigkeit in Leh. Religion ist auch der tibetische Buddhismus (Lamaismus). Die Provinz ist bekannt für den Anbau an Aprikosen. Bekannt ist das Kloster Diskrit im Nubra Valley, auch das Kloster Tserkamo sowie Alchi. Man sollte die Wanderung um Tingmosgang machen. Der Pangong-See liegt 5300 Meter hoch und ist ein Salzsee. Er liegt an der Grenze zwischen Ladakh und Tibet. Vgl. Rotter, Julia: Etwas ist anders, in: Brigitte, Nr.2, 3.12024, S. 82ff.

Exkurs. Aksai Chin und Armada Pradesch/ Grenzverlauf: Die Grenzfrage zwischen China und Indien im Himalaja ist offen. Es gibt keine vertraglichen Regelungen. China hat diese Offenheit lange genutzt, um Gebiete zu annektieren. Nach der Einverleibung Tibets 1950 unter Mao kam es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten und militärischen Konflikten mit Indien. Aksai Chin ist quasi schon übernommen von China. Man hat Infrastruktur (Straßen) errichtet.

 

Bangladesch (ehemals Pakistan/ Ost): Seit 1971. Einwohner 174,7 Mio. (Rang 8) Hauptstadt Dhaka.

Abhängigkeit und Strategische Position: Ist auf Flüsse angewiesen, die aus Indien und China kommen. Sämtliche relevanten Flüsse entspringen in Tibet. Es nutzt seine strategische Lage im Golf von Bangladesch, um sich Zugeständnisse und Hilfen von den Regionalmächten zu sichern.

Kultur: 2019 muss Bangladesch den Zusatz "Jungfrau" (Kumari) von der Heiratsurkunde streichen (Gerichtsurteil in Dhaka, neue Kategorie "unverheiratet").  Im Sommer 2016 wird wieder ein schwerer Anschlag vom IS durchgeführt. In der Islam-Debatte (Enthauptung eines Lehrers in Paris, hatte im Unterricht islamkritische Karikaturen gezeigt, Macron macht Islamismus verantwortlich) gibt es Massenproteste (40.000 Menschen).

Politische Einordnung: Parlamentarische Demokratie. Dei Verfassung stammt aus dem Jahre 1966. Das Land entwickelt sich zum neuen Vietnam in Asien. Es spielt die großen Nachbarn China und Indien gegeneinander aus. Das beginnt sich auszuzahlen: Man entwickelt sich vom Armenhaus weg (so der IWF).

Exkurs. Scheich Hasina: Sie ist ein Symbol für Kontinuität. Ihr Vater war der erste Präsident Scheich Rahmann. Sie wurde 1996 zum ersten Mal Premierministerin und hat seitdem vier Amtszeiten absolviert. Sie ist mittlerweile die dienstälteste weibliche Regierungschefin der Welt. Sei wird "Eiserne Lady Asiens" oder "Großmutter der Nation" genannt. Sie sorgte für anhaltendes Wachstum und einen Rückgang der Armut. Die Wirtschaft hat sich damit prächtig entwickelt. Doch Probleme sind steigende Lebenshaltungskosten, radikaler Islam und der Klimawandel. Hasina agiert zunehmend autoritär. Vgl. Höflinger, Laura: Großmutter der Nation, in: Der Spiegel 1/ 30.12.23, S. 76f.

Exkurs. Muhammad Yunus: Friedensnobelpreisträger und Gründer der Grameen Bank, die als einer der ersten Mikrokredite an Bauern vergeben hatte. Am 01.0124 wird er wegen vermeintlicher Verstöße gegen Arbeitsgesetze zu sechs Monaten Haft verurteilt. Mehr als 100 Verfahren laufen gegen ihn. Viele Prominente weltweit (Obama, Bono u. a.,) haben in einem offenen Brief vor der juristischen Drangsalierung des Nobelpreisträgers gewarnt. Bangladeschs Regierung geht gegen ihre Kritiker vor. Nach dem Wahlsieg fühlt sie sich sehr sicher. Es gibt nur Vermutungen über das Motiv von Hasina: Sie hat vielleicht Angst vor ihm in der Politik. Sie duldet keine politischen Gegner - erst recht keine, die berühmter sind als sie selbst.

Flüchtlinge: Die Behörden wollen stundenweise die Mobilfunknetze in Flüchtlingslagern der Rohingya abschalten. Man gibt Sicherheitsbedenken vor. Wahrscheinlich geht es aber darum, den Aufenthalt weniger "behaglich" zu machen. Sie sollen nach Myanmar zurückkehren, wollen aber nicht, weil sie Angst haben. Am 23.3.21 brennt ein großes Flüchtlingslager. Es gibt mindestens 15 Tote. Knapp 1 Mio. Rohingya leben in Bangladesch in einem der größten Flüchtlingslager weltweit. Ihre Integration lehnt das Land ab. Bangladesch erlaubt keine festen Gebäude und gepflasterten Wege in dem mit Stacheldraht umzäunten Lager. Alle soll provisorisch bleiben. Vgl. NZZ 20.3.24, S. 7.

Wirtschaft:  Währung Taka. BIP-Wachstum 2022 6,2%; BIP 2017 250 Mrd. US-$.    Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf beträgt 2015 1190 US-$. 2022 beträgt das BIP pro kopf 2615 $. 2015 lag das BIP bei 195,1 Mrd. US $. Inflation 8,8%. Haushaltssaldo -5,4% (des BIP).

Textilproduktion: Sie ist der Kern der Wirtschaft. Dabei handelt es sich um Billigproduktion.  Der Umfang liegt bei 40 Mrd. $.  Sie macht 80% des gesamten Exports aus. Sie leidet besonders durch die Corona-Krise. Allein die drei Anbieter Primark, H&M und Zara stornieren Aufträge im Wert von 3 Mrd. $. Besonders wichtige Güter sind Baumwolle und Stoffe. In dem Land lassen viele westliche Firmen Stoffe und Textilien produzieren. Es gibt sowohl eigene Produktionsstätten, Lizenzen und Auftragsvergabe. Beim Brand einer Textilfabrik mit vielen Toten wird der Billighändler KIK beschuldigt und später in Deutschland verklagt. Bangladesch entwickelt sich zu einem wichtigen Land der Billiglohnproduktion. In der Corona-Krise sind mehr als 1000 Firmen geschlossen worden. eine Katastrophe für die Menschen, die auf den Lohn angewiesen sind. Ein Lieferkettengesetz bliebe auch nicht ohne Folgen. Die Textilarbeiterinnen sind dem Elend machtlos ausgesetzt. Sie müssen sich Geld leihen, um Nahrungsmittel zu bekommen (Zinsen bis zu 15% pro Monat, jahrelange Abhängigkeit). Immer wieder kommt es zu schweren Brandkatastrophen. Über 50 Menschen kommen im Sommer 2021 in Dhaka ums Leben. Der Fabrikbesitzer wird wegen Mordes und Kinderarbeit angeklagt. Durch die Corona-Pandemie wird die Textilbranche 2020 schwer getroffen.

Arbeitskämpfe, Gewerkschaften: Ende 2023 kommt es zu hohen Entlassungen nach Streiks. Die Gewerkschaften sehen die Streiks als Ursache. Es gibt auch einen Zusammenhang mit den Wahlen Anfang Januar 2024. Die Regierung hatte 2023 schon die Mindestlöhne angehoben. Aus Deutschland fertigen Adidas und Puma in Bangladesch.Andere bekannte firmen sind Levi Strauss, Under Armour und Abercombie & Fitch.

Energie: Nutzen aus billiger russischer Energie: Die Firma Baden Board, Gernsheim am Rande Schwarzwaldes muss 2022 Insolvenz anmelden. Die Firma macht Kartons für Tiefkühlpizzas und Getränke-Sixpacks. Dabei wird viel Gas gebraucht. Die Explosion der Gaspreise durch den Ukrainekrieg hat das unternehmen in die Pleite getrieben. Ein Investor will die Fabrik in Bangladesch wieder aufbauen. Vgl. Nezik/ Rückl: Putins unberechenbares Spiel, in: Die Zeit Nr. 31/ 28. Juli 2022, S. 19.

Außenhandel: Das Land muss mehr importieren (Vorleistungen, Energie) als es exportiert (Textilien, Leder). Dabei ist es auch massiv vom Verteilungskampf um Energieressourcen betroffen:  Wenn Deutschland abrupt LPG auf dem Weltmarkt nachfragt, greift es in die volatilen Verträge ein und kauft Bangladesch mit höheren Preisen das Gas weg (Reaktion auf das drohende Gas-Embargo gegen Russland)

Lebensmittelindustrie: In Rupganji wird gegen einen Besitzer wegen der Beschäftigung von Kindern ermittelt.

Youtube-Dörfer: Mittlerweile gibt es Youtube - Dörfer. In Videos geht es ums Essen. Menschen werden im Internet berühmt. Alles ist gigantisch, bunt und authentisch. Im Mittelpunkt steht das Dorf Shimulia ("Youtube-Dorf"). Auch andere Dörfer zeigen ihre spezielle Essenskultur der Welt und verdienen Geld damit (Kochvideos).

Bildungswesen: Es gibt viele private Schulen und Hochschulen. Sie werden von Saudi-Arabien finanziert und sind islamisch ausgerichtet. Sie sind insgesamt autonom gegenüber dem Staat. sie werden manchmal instrumentalisiert, z. B. wenn der Islam als Religion oder Mohammed vermeintlich angegriffen werden.

Umwelt: Der Super-Zyklon "Amphan" zerstört im Mai 2020 die Lebensgrundlage vieler Menschen.

Müllberge: Berühmt ist die Mülldeponie Halishahar in der Hafenstadt Chittagong. Es sind vor allem Mädchen und junge Frauen, die unter erheblichen Gesundheitsrisiken Materialien wie Kunststoff und Metalle aus dem Müll klauben. Sie wollen ihre Familien unterstützen, obwohl der Tageslohn lächerlich niedrig ist.

Katastrophen: Im Juni 2022 gibt es eine schwere Explosion im Containerhafen. Über 30 Menschen kommen ums Leben. die Ursache muss noch geklärt werden. Monsun-Stürme und schwere Überschwemmungen lösen im Juni 22 eine Katastrophe aus. Ganze Dörfer müssen evakuiert werden. Es gibt über 20 Todesopfer. Beim Einsturz einer Hängebrücke kommen Ende Oktober 2022 über 60 Menschen ums Leben. Die Brücke aus der britischen Kolonialzeit war gerade renoviert worden. Wahrscheinlich waren zu viele Menschen auf der Brücke.

Bangladesh Garment Manufactures and Exporters Association, Dhaka (BGMEA, Chefin 2021 Rubana Huq; Organisation seit 1983).

 

Sri Lanka (Allgemein. bis 1972 Ceylon, 1948 unabhängig von Großbritannien) ist ein Inselstaat. Daten: 21,9 Mio. Einwohner (2022, 21: 22 Mio.). Verteilung der Bevölkerung: Stadt 19%; Land 81%. Altersmedian 32,7 Jahre. Religionen: Buddhismus, Hinduismus, Islam, Christentum. Sprachen: Sinhala, Tamil, Englisch.

Politik und Konflikte: Jahrzehnte prägten Konflikte zwischen Tamilen und Ceylonesen (Singhalesen) das Land. Im Mai 2017 töten Überschwemmungen über 150 Menschen. 2018 gibt es blutige Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Moslems (mit 10 Prozent in der Minderheit). Der deutsche Bundespräsident Steinmeier muss eine Reise in das Land verschieben. In der Hauptstadt Dhaka bewegt sich im Verkehr so gut wie nichts mehr (einziger langer Stau). Sri Lanka liegt am südlichen Zipfel Indiens. Die Insel ist etwa so groß wie Bayern. Allerdings leben dort 22 Mio. Menschen. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist buddhistischen Glaubens. Im nördlichen Teil der Insel leben auch Tamilen, die überwiegend Hindus sind. Viele Tamilen haben die Briten auf die Insel gebracht, weil Einheimische nicht auf den Teeplantagen arbeiten wollten. Auf Sri Lanka machen Deutsche gerne Urlaub, vor allem im Winter "Vorstufe zum Paradies"). 2018 tobt ein Machtkampf auf der Tropeninsel. Welche Regierung ist legitim? Hinter dem Streit dreier Rivalen steckt ein grundsätzliches Problem: Wer hat mehr Einfluss - Indien oder China? Das oberste Gericht untersagt im November 2018 dem Präsidenten Sirisena, das Parlament aufzulösen. Damit wird die Position des entlassenen Ministerpräsidenten Wickremesinghe gestärkt. Der Präsident wollte eigentlich Rajapakse einsetzen. Der entlassene Ministerpräsident kehrt aber auf seinen Posten zurück. Damit setzt sich auch Indien durch. Im Süden der Insel hat China aber einen Hafen gebaut. Er ist ein wichtiger Transithafen. Als das Land die Zinsen nicht mehr bezahlen kann, übernimmt China für 99 Jahre die Kontrolle über den Hafen. Proteste der Bevölkerung nützten nichts. Sri Lanka spielt auch eine wichtige Rolle im Neuen Seidenstraßenprojekt Chinas. Hambantota in der Südprovinz wird in einem großen Infrastrukturprojekt von China zum Hafen umgebaut. Früher wurden hier Wassermelonen gehandelt. Das Land  ist schon so verschuldet, dass der Hafen für 99 Jahre von China kontrolliert werden kann. Man munkelt, dass auch eine Militärbasis entsteht. China gibt die Kredite, wobei nach bewährtem Rezept ca. 90% wieder bei chinesischen Firmen landen. Es ist auch ein Flughafen entstanden, der seit Jahren keine Flüge hat. In Sri Lanka gibt es noch die Todesstrafe, die auch ausgeführt wird. Es fehlen allerdings Henker (die Vererbung der Position klappt nicht mehr). Man sucht sie 2019 per Zeitungsinserat. Bei Anschlägen auf christliche Kirchen und große Luxushotels werden im April 2019 über Ostern über 350 Menschen getötet. Der IS reklamiert die Anschläge für sich als Vergeltung für die Anschläge auf Moscheen in Neuseeland. Es scheinen tatsächlich radikale Muslime (Salafisten) hinter den Attentaten zu stecken. Der Anführer ist wohl umgekommen. Erstaunlich ist, dass die Attentäter aus besseren Kreisen mit höherer Bildung kamen. Es finden auf absehbare Zeit keine katholischen Gottesdienste statt aus Angst vor weiteren Anschlägen. Außerdem wird das Internet vorübergehend abgeschaltet. Die islamistischen Terrorattacken haben den Tourismus auf Sri Lanka fast zum Erliegen gebracht. Der Familienclan der Rajapakses will 2019 alle wichtigen politischen Ämter besetzen. Wahrscheinlich wird Gotabaya Rajapakses Gewinner bei der Präsidentenwahl (er war schon Verteidigungsminister); er hat ein langes Sündenregister. Tatsächlich gewinnt er die Wahl im November 2019 mit 52%. Der neue Präsident muss das Problem der Touristenflaute lösen. Der neue Präsident löst am 2.3.20 das Parlament auf. Es soll am 25.4. neu gewählt werden. Deutschland will zukünftig keine Entwicklungshilfe mehr an das Land zahlen (Kriterien: Demokratie, Korruption, Reformen).  In Sri Lanka ist der Theravada - Buddhismus die Hauptreligion. Sie kam um 1000 n. Chr. in das Land. Der Kontakt zwischen Mönchen und Soldaten ist traditionell eng. Hier lebt auch Nyanatiloka, der eigentlich Anton Gueth hieß. 1909 reist er in die Nähe von Lugano, um dort das erste buddhistische Kloster in Europa zu gründen. Sicher hat auch ein Hauptwerk von Hermann Hesse, nämlich Siddharta, zur Verbreitung des Buddhismus in Europa beigetragen. Hesse hatte eine Reise nach Indien gemacht.

Die Stadt Kandy in Sri Lanka verwahrt einen Schatz, dem im Buddhismus kein anderer ebenbürdig ist. Es handelt sich um den linken Eckzahn von Siddharta Gautama (ca. 563 v. Chr. - 483 v. Chr.). Kandy war einst die verborgene Hauptstadt des Singhalesischen Königreichs, das bis 1815 den Eroberungsgelüsten der Portugiesen und Briten trotzte. Sri Vikrama Rajasinha, der letzte König von Kandy, ließ einen großen künstlichen See anlegen. Direkt daneben liegt Sri Dalada Maligawa, der Zahntempel. Jeden Juli feiert Sri Lanka das größte buddhistische Fest der Welt. Ursprünglich wurde der Zahn in einem Kloster in der Nähe aufbewahrt. Siddharta Buddha wurde als junger Mann drei Mal mit dem Leiden der Welt konfrontiert (kranker Mann, alten Mann, Begräbnis). Dies führte zu der Erkenntnis, dass Wohlstand und Privilegien kein Schutz vor Leiden sind. Er kam zu drei Grundmerkmalen der Existenz: 1. Alles ist flüchtig und verändert sich kontinuierlich. 2. Es gibt kein Ich oder eine sterbliche Seele. 3. Leiden und Unfrieden sind der Kern der Existenz. Der mittlere Weg zur Erkenntnis soll befolgt werden, indem die vier edlen Wahrheiten gepflegt werden.

Sri Lanka ist ein Zentrum des Ayurveda. "Ayubowan" sagt man zur Begrüßung. Das bedeutet: "Ich wünsche dir ein langes Leben". Das Schlüsselwort dafür ist Ayurveda und reinigt den Körper. Kern ist dabei Shirodhara, der ayurvedische Stirnölguss mit warmem Therapieöl. Grundlage ist der "Sushruta Samhita", ein zweieinhalb Jahrtausende alter Sanskrit-Text.

Konflikte zwischen Ethnischen Linien: Es war der Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen, der das Land fast zerriss. Es gab nie nennenswerte Konflikte zwischen Christen und Muslimen. Beide sind kleine Minderheiten (7% Christen, 10% Moslems). 13% sind Hindus, mehr als 66% Buddhisten. Die extremen Buddhisten machten auch die meisten Übergriffe in der Vergangenheit. Um so unerwarteter war der muslimische Anschlag im April 2019. 2022 nehmen die religiösen Spannungen spürbar zu. Die Christen gehen auf die koloniale Vergangenheit zurück.

Wirtschaft: BIP-Wachstum 2022 5,6%. BIP 75,3 Mrd. US-$ 2022. BIP 87,1 Mrd. Dollar (2017, 2020: 80,7 Mrd. $); 7% des BIP umfasst die chinesischen Projekte.  Ein wichtiges Exportprodukt ist Tee. BIP pro Kopf 2022 5707 $. Inflation 2022 3,3%.

Wirtschaftspolitik: 2025 wurden die Importe gesenkt. Dei Produktion und der Export von High-Tech-Gütern wurde angekurbelt.

Landwirtschaft: Das Pestizidverbot führte zu Ernteausfällen. Reis- und Maisproduktion brachen ein. (ein Drittel und die Hälfte).

Inflation: 72,5% 2024. Hauptursache Ukraine-Krieg.

Staatsverschuldung: 50 Mrd.$ bei Privaten Gläubigern, 11,2 Mrd. $ bei multilateralen Organisationen, 7,3 Mrd. $ bei China, 6,8 Mrd. $ bei anderen Ländern.

Zentralbank: Chef ist 2024 Nandalal Weerasinghe.

Für den Hafen Hambantota nahm das Land Kredite von China auf, die nicht mehr bedient werden konnten. So gehört nun der Hafen für 99 Jahre nicht mehr zu Sri Lanka. Das war der Deal mit einem chinesischen Staatskonzern: Schuldenerlass gegen 99 Jahre Verpachtung. China kann jetzt über den Hafen als Teil des Seidenstraßenprojektes verfügen. Das ist der einzige bisher bekannte Fall von Schuldendiplomatie im Rahmen der Seidenstraße. Hambantota ist mit Südchina und Kiaukpyu in Myanmar verbunden und verkürzt den Seeweg. Sri Lanka hat insgesamt hohe Schulden bei China, das sich nicht auf einen Schuldenschnitt einlässt.

Anfang September 2020 liegt ein Öltanker nach Explosion und Brand vor der Küste. Die New Diamond ist mit Rohöl und Diesel beladen. Eine ökologische Katastrophe kann verhindert werden.  Im Mai 2021 droht dem Land eine Umweltkatastrophe. Es gibt ein großes Schiffsunglück vor der Küste. Die schlimmste Strandverschmutzung der Geschichte könnte die Folge sein. Tonnenweise werden Plastikkügelchen angespült. Besonders bedroht ist die Negombo - Lagune, die berühmt ist für ihre Krebs und Riesengarnelen. Die Fischzucht ist bedroht, ebenso wie die bei Urlaubern beliebten Strände.

2020 konnte die Covid-Pandemie durch Einreisestopp und Quarantänen gut eingedämmt werden. Alles führte sie zu einer Rezession, so dass das BIP schrumpfte. Um die Zahlungsfähigkeit des Landes zu stärken, stellte die VR China im März 21 einen zusätzlichen Kreditrahmen von 10 Mrd. Yuan zur Verfügung.

Im April 2022 kommt es wegen der hohen Teuerung zu Massenprotesten. Die Preise für Tomaten, Milch und Medikamente haben sich innerhalb weniger Wochen verdoppelt. Es droht eine Staatskrise. Das Kabinett tritt zurück. Die Aussichten auf ein IWF-Paket verschlechtern sich dadurch. Es geht 2022 die Angst vor dem Staatsbankrott um. Die  Schulden können nicht mehr bezahlt werden. Den letzten Rest hat dem Land Covid gegeben. Die Chinesen wollen nicht mehr helfen; selten erlassen sie einem Land auch die Schulden. die Verträge enthalten alternative Tilgungsmöglichkeiten: Naturalien, Bodenschätze. Im Mai 22 tritt die Regierung Sri Lankas nach Ausschreitungen zurück. Die gewalttätigen Unruhen gehen weiter. Im Juli 2022 wird der Präsidentenpalast von Aufständischen besetzt. Sie bleiben dort, um den Präsidenten und seinen Bruder zum Rücktritt aufzufordern (Rajapaksa). Der Präsident flieht auf ein Marineboot und kündigt seinen Rücktritt an. Die Bevölkerung ist hungrig, zermürbt und wütend. Am 13. Juli 22 besetzt sie auch den Regierungssitz. Auch Wickremmmesinghe soll gehen. Rajapaksa flieht auf die Malediven.

Das Land ist hoch verschuldet. Premier Mahinda Rajapaksa und alle Minister ist weg. Neuer Premier ist Wickremmesinghe.  Er erklärt den Bankrott des Landes. Es ist die schlimmste Wirtschaftskrise des Landes. Der Tourismus ist wegen Corona weg gebrochen. Durch den Ukraine-Krieg fehlen dem Land Agrarprodukte. Man hofft auf Unterstützung des IWF, China und Indien. China hat große Projekte im Land finanziert, aber über Kredite. Diese können nicht bedient werden. Sri Lanka könnte in den Konflikt zwischen China und Indien geraten. Man wendet sich an Putiin, um Öl und Kredite zu erhalten. Vgl. auch: Fähnders, Till: Sie genießen einen super Luxus, während wir leiden, in: FAZ Nr. 158/ 11.7.22, S. 3. Am 20.7.22 wird Ranil Wickremesinghe vom Parlament zum Präsidenten gewählt. Dei Demonstranten sehen in ihm einen Verbündeten des früheren Staatsoberhauptes.

2023 blockiert China Staatshilfen. Der IWF steht bereit. Der gewährt auch 2,9 Mrd. US-$ als Rettungskredit. Aber China will nur bilateral agieren, weil es mittlerweile die Institution IWF ablehnt. Andere Staaten wie Indien und der Pariser Club sind kooperationsbereit. Vgl. Der Spiegel 8/ 2023, S. 71.

Ein sehr wichtiges Exportprodukt ist Tee. Er wird auf Farmen produziert. Gehandelt wird er über Börsen. Abnehmer sind die größten Tee-Handelsfirmen der Welt. Der Tee ist weltberühmt.

2022 rutscht das Land in eine historische Wirtschaftskrise. Es leidet heute darunter, dass China und die USA hier um geopolitische Interessen rangeln. Auch 2023 ziehen die Menschen auf die Straße. sie sind gegen Steuererhöhungen, Chinas wachsenden Einfluss, steigende Lebenshaltungskosten und drohende Armut. Die Verschuldungskrise verschärft sich 2023 und 2024.

Tourismus: Sri Lankas Westküste besticht mit traumhaften Stränden und viel Kultur. Palmsaftzapfer klettern in luftigen Höhen, Stelzenfischer warten auf den großen Fang. In einer der größten erhaltenen Festungen Südasiens werden Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. Colombo ist ein Mix der Kulturen. Schon früh siedelten sich Römer, Araber und Chinesen an. Die Holländer bauten im 18. Jahrhundert den Dutch Canal zum Transport von Fischen und Zimt. Der Wegbruch des Tourismus in corona stützt da sLand weiter in die Krise.

Volksgruppen: 2009 schlossen die Volksgruppen der Tamilen und Singhalesen Frieden.

 

Indonesien:

Inhalt: Emil-Helfferich-Sammlung, Geschichte, Revolusi, Urzeit, Bevölkerung und Kultur, Documenta Kassel 2022, Wayang Kulit, Messerkultur, Volksgruppen, Frauen, Strafrechtsreform im Sexualrecht, Politik, Provinzen, Wichtige Städte, Neue Hauptstadt "Nusantara", Gesundheit, Religion, Wichtige Wirtschaftsdaten und Wirtschaft, Außenhandel, Ausfuhrverbote für Rohstoffe, Verschuldung, Aktuelles bei WirtschaftStaatsfonds und Staatsholding, Antikorruptionsbehörde KPK, Rohstoffe Indonesien, Nickel, Missstände in den Nickelminen,  Energiepartnerschaft, Omnibusgesetz Wirtschaftsintegrationen, Indonesien und Deutschland, Indonesien und Neue Seidenstraße, Indonesien und China,  Indonesien und RohingyaNaturkatastrophen, Umwelt, Reisterrassen der Subak, Manuelle Salzgewinnung auf Bali Nationalpark Tanjung Puting, Regenwald, Volk der Fayu, Orang-Utans, Tiger, Roter Meereskrebs namens Sahra WagenknechtAnamba-ArchipelPapua-Neuguinea, VulkaneArbeitsmarkt, Kinderarbeit, Matriarchat, Aktuelles. Quellen.

   Jan Pieterson Coen (1587 - 1629) legte den Grundstein der niederländischen Kolonialmacht im fernen Osten. Er stammte aus Hoorn in Nord-Holland. Dort steht heute das oben abgebildete Denkmal. Im 16. Jahrhundert war die Stadt der bedeutendste Hafen in der damaligen Zuiderregion. Handel und Seefahrt florierten. Er gründete auch Batavia auf Indonesien (s. u.). In Hoorn gab es zahlreiche Bierbrauerein, Goldschmieden und Tuchwebereien. Es gab auch Fischfang und Schiffsbau. Nach Hoorn ist auch das Kap Horn benannt. Willem Schoutens aus Hoorn umsegelte 1616 als erster den südlichen Zipfel des amerikanischen Kontinents. Coen gründete die Vereinigte Ost-Indien- Kompanie (VOC) 1602 (s. u.). Sie begründete eine Epoche der Expansion der Niederlands nach Asien, insbesondere Indonesien. Es war Kolonialisierung, die mit  dem 2. Weltkrieg langsam zu Ende ging. Das gilt als Auftakt zur globalen Entkolonialisation.

Das siebzehnte Jahrhundert gilt als das "Goldene" in der Geschichte der Niederlande. Die Flotte mit ihren Handelsschiffen transportierte Waren aus aller Welt. Zwischen 1640 und 1670 waren die Niederlande auch weltweit größter Sklavenhändler. Auf der Rückreise nach Europa brachten die Schiffe Kaffee, Baumwolle und Zucker mit. Das Land versklavte in 200 Jahren schätzungsweise 500.000 Menschen. Die Niederländische Regierung will dafür um Vergebung bitten. Als bestes Datum dafür gilt der 1. Juli 2023, 160 Jahre nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei durch die Niederlande (1863). Die stattlichen Herrenhäuser in Amsterdams Grachten mit ihren Gemälden zeugen noch heute vom einstigen Reichtum.

Exkurs Emil Helfferich - Sammlung: Der gebürtige Neustadter Emil Helfferich starb vor etwa 50 Jahren 1972 auch in Neustadt an der Weinstraße. Die Sammlung umfasst ostasiatische Kunstgegenstände (von Reisen des Kaufmanns mitgebracht) und eine umfangreiche Bibliothek. Früher war die Sammlung in der Villa Böhm in Neustadt untergebracht, was eigentlich unmöglich war, weil das Haus einmal einem jüdischen Architekten gehört hatte.2022 lässt die Stadt die Rolle von Helfferich historisch genauer untersuchen (auch eine Straße in Neustadt ist nach einem Bruder benannt). Seit 1997 ist die Sammlung im Ostasieninstitut in Ludwigshafen am Rhein untergebracht. Das geht über jeweils zehnjährige Leihverträge. 2019 lehnte es der Stadtrat ab, die Karl-Helfferich-Straße umzubenennen, die nach seinem Bruder benannt ist. Es soll eventuell noch mal darüber entschieden werden. 2023 wird eine Umbenennung vom Stadtrat beschlossen. Ein neuer Name muss her.

Bei Emil Helfferich interessieren heute drei Aspekte: 1. Wie war sein Nazi-Vergangenheit? Hellferich war - zumindest lange Zeit - glühender Nazi. Er gehörte dem Heinrich Himmler Freundeskreis an. Er besuchte auch Konzentrationslager, wie Dachau. Er hatte ein enges Verhältnis zu SS-Gruppenführer Otto Ohlendorf, der für Massenmorde in der Ukraine verantwortlich war. Gegenüber dem Bankier Max Warburg distanzierte er sich nicht von Antisemitismus der Bank. Er war wohl auch wie sein Bruder Karl gegen Demokratie und Erzberger in der Weimarer Republik (wurde 1921 von Rechtsterroristen ermordet. Karl starb schon 1924 bei einem Eisenbahnunglück, die Bennennung der Straße nach ihm war eine Belohnung der Nazis für die er agitiert hatte). 2. Wie dachte er über Ostasien? Sein Grabmal auf dem Neustadter Hauptfriedhof ist einem javanischen Tempel nachempfunden. 1934 übernahm er den Vorsitz des Ostasiatischen Vereins in Hamburg. Sein Vorgänger Martin March wollte nichts mit den Nazis zu tun haben. Helfferich hat Memoiren geschrieben. Die zeugen von Eitelkeit, Selbstüberschätzung, aber auch von Rassismus. War er damit nur ein Kind seiner Zeit? 3. Inwieweit steht die Sammlung symbolisch für Kolonialismus und Imperialismus? Kann man nur von Reiseandenken sprechen? Leider fehlen bis heute Beschreibungen und Erläuterungen über die Hintergründe der Zeit. Man ist also bei weitem noch nicht so weit wie bei der "Judensau" an der Wittenberger Kirche. Vgl. auch: O. V.: Himmlers Busenfreund, in: Die Rheinpfalz Nr. 145, 25. Juni 2022. Auch Nr. 24/ 28.1.23.

Geschichte: (früher: Niederländisch-Indien, holländische Kolonie; vgl. Helfferich-Sammlung im Ostasieninstitut Ludwigshafen/ HWG LU, wo es wichtige Ausstellungsstücke dazu gibt). Der südostasiatische Staat besteht offiziell aus 17.508 Inseln.  Damit ist das Land der größte Inselstaat der Welt. Auf der Insel Sulawesi werden 39.900 Jahre alte Höhlenmalereien gefunden (sie sind ähnlich alt wie in Europa und sind erste Hinweise auf abstraktes Denken). 686 greift eine rInschrift zufolge die Flotte des Reiches Srivijaya im Südosten von Sumatra die Nachbarinsel Jawa an. Bis zum Ende des folgenden Jahrhunderts bringen die buddhistischen Herrscher von Srivijaya weite Teile Sumatras und der Malaiischen Halbinsel unter ihren Einfluss. sie kontrollieren die dazwischen liegende Meerenge, den günstigsten Weg der Schiffe auf der Handelsroute zwischen China uns Indien. Es sind eine Vielzahl von Fürstentümer. 1300 künden arabische Schriftzeichen auf dem Grabstein eines Herrschers von Pasai im Norden Sumatras vom Tod eines zuvor Verstorbenen im Fastenmonat Ramadan. Damit ist das ein Zeugnis des ersten islamischen Reiches in der Region. 1365 verfasst ein javanischer Hofpoet das Verseros "Nagarakretagama". Es erzählt von den Taten des Herrschers Hayam Wuruk, der im Nordosten Javas residiert. 1527 erobert der Sultan des nordjavanischen Demak die Kapitale. Die Herrscherfamilie flieht nach Bali und nimmt den Hinduismus mit. 1546 will der Jesuit Francisco Javier  aus Portugal den katholischen Glauben verbreiten. Indonesien war früher eine holländische Kolonie. 1602 wurde die Vereinigte Ostindische Companie in Amsterdam gegründet (VOC). 1605 wurden die Portugiesen von der Insel Ambon vertrieben. Sie blieben aber in Malakka, einem der wichtigsten damaligen Handelspunkte der Welt. Die VOC beherrschte Jahrhunderte Indonesien. Noch heute erinnert die Architektur in vielen Städten an Holland. Eine Million Menschen wurden aus Europa nach Indonesien gebracht. Die meisten waren Soldaten aus vielen europäischen Ländern. Sie unterschrieben Schuldscheine für Kost und Logis. 1609 wurde Djakarta erobert. Man nannte es Batavia und wurde zum Zentrum der VOC. 1649 wurde das Sultanat Malakka erobert (Durchfahrt zwischen Sumatra und Malaysia). Europa wollte die Rohstoffe, die Europäer blieben aber nur auf Zeit. 1799 ging die VOC Pleite. Aber bis 1942 blieb Indonesien holländische Kolonie. 1942 marschierten die Japaner ein (Start 1941 mit dem Angriff auf Pearl Harbour). Sie rekrutierten 270.000 einheimische Zwangsarbeiter, von denen nur 52.000 heimkehrten. Viele junge Mädchen dienten den japanischen Männern als so genannte Trostfrauen (Prostituierte). 1945 endete die japanische Herrschaft mit der Kapitulation des Landes. Indonesien wurde unabhängig, offiziell aber erst 1949. Zwischen 1967 und 1998 wurde der Inselstaat vom brutalen Diktator Suharto regiert. Unter ihm war Prabowo, der Wahlsieger 2024, ein mächtiger General. Er war zusätzlich der Schwiegersohn Suhartos, Es gab in der Zeit zahlreiche Menschenrechtsverletzungen.

Revolusi: Die Unabhängigkeit wurde 1945 vom späteren Präsidenten Sukarno proklamiert. Es folgte ein mehrjähriger brutaler Krieg. Diese "Revolusi" war in zweierlei Hinsicht Weltgeschichte: Sie ergab sich aus einem globalen Konflikt und hatte globale Signalwirkung. Nicht zuletzt mit der Konferenz von Bandung (1955) setzte sich Indonesien an die Spitze der Dekolonisation, die bald auch Afrika erfasste und die ganze politische Landkarte. Vgl. Reybrock, David van: Revolusi. Indonesien und die Entstehung der modernen Welt, Berlin 2022.    Mit knapper Mehrheit entscheidet Indonesiens Verfassungsgericht im Dezember 2017, dass außerehelicher Sex erlaubt bleibt. Jayus: Das indonesische Wort beschreibt einen derart schlechten Witz, dass er fast schon wieder lustig ist. gibt es nur in der Sprache.

Urzeit: Sulawesi (Insel östlich von Bormeo): 2017 wurden in einer Höhle Zeichnungen entdeckt. Vor allem ein überlebensgroßes Bild des Sulawesi-Warzenschweins. Im Januar 2021 können die Zeichnungen datiert werden. Sie sind die ältesten der Welt: 45.500 Jahre alt. Die These von neoltihischen Bauern, die vor 4000 Jahre aus Südchina kamen, scheint widerlegt.

Bevölkerung und Kultur: Einwohner 270 Mio. (2020); Bevölkerungswachstum 1 Prozent. Das Land kommt nach China, Indien und den USA an vierter Stelle. Es ist die drittgrößte Demokratie der Erde. Es leben 50,7% in Städten. Bevölkerungsdichte (Einwohner je Quadratkilometer) 12768 (Jakarta), 188 (Nordsumatra). Ethnien: 41% Javaner, 15,5% Sudanesen; 3,7% Malaien; 1,2% Chinesen und viele andere. Durchschnittsalter 29,2 Jahre; 4% sind jünger als 25. Durchschnittsheiratalter 19,6 Jahre. Einwohner unter der Armutsgrenze: 11,7%. Rund 700 Sprachen werden in dem Land gesprochen. Am weitesten verbreitet ist traditionell Malaiisch (die Niederländer wollten nur Handel, drängten aber nicht ihre Sprache auf). Sie führten aber 1901 die lateinische Schrift ein. Im Februar 2020 gehen Behörden gehen nicht verheiratete Paare vor. In der Stadt Makassar/ Insel Sulawesi werden sogar Paare festgenommen. Der Valentinstag ist umstritten. Der Pfälzer Klappverein, der den Kalmit-Klapprad.Cup jährlich ausrichtet, bemüht sich um eine Partnerschaft mit dem indonesischen Klappradverband. Der soll aus bis zu 300 Chaptern bestehen. Es ist einer der größten der Welt im Klapprad-Weltverband.

Documenta Kassel 2022 (documenta fifteen): Die Documenta in Kassel findet alle fünf Jahre statt. Sie kostet 2022  42 Mio. € (getragen vom Bund, Land Hessen und der Stadt Kassel) 2022 ist das Projekt Wagiwagi auf der Dokumenta Kassel. Es geht um nachhaltiges Wirtschaften in Indonesien und Taiwan. Beteiligt sind etwa die taiwanesische Kuratorin Yipei Lee und der britische Künstler Celyn Bricker. Das indonesische Kunstkollektiv Ruangrupa hat die künstlerische Leitung der Ausstellung insgesamt. Es bezog Organisationen ein, die die BDS-Kampagne unterstützen. Sie ruft mit Blick auf den Palästina-Konflikt zum wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Boykott Israels auf. Das löst viel Kritik aus, auch beim Bundespräsidenten. Einige sprechen von der Kunstmesse der Schande, weil israelische Künstler nicht ausstellen dürfen. Palästinensische Künstler setzen in der Serie "Guernica Gaza" klassische Gemälde mit Bildern israelischer Anti-Terror-Operationen zusammen. Ein Beitrag des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi führt zu einem Skandal: Auf einem großflächigen Banner am Friedrichplatz ist unter anderem ein Soldat mit Schweinsgesicht zu sehen. Er trägt ein Halstuch mit einem Davisstern und einem Helm mit der Aufschrift "Mossad". Das Kunstwerk wird durch die Leitung der Documenta verhüllt, später abgebaut. Es wird auch Kunst aus der Sicht von Thailand und den Philippinen definiert als Freiraum für eine Welt, die man sich selbst schaffen muss.

Grundsätzlich geht es um 14 Kollektive im globalen Süden. Sie sind aus Brasilien, Kolumbien, Kuba, Osteuropa (Rumänien, Bulgarien), Kenia, Uganda, Nigeria, Australien, Indonesien, Taiwan, Thailand, Philippinen Es geht auch um alternative Formen des Wirtschaftens. so etwa um Cheesecoin. Das ist ein Tauschsystem. Es wird eine Geschenk-Ökonomie modelliert. die Nachbarschafts- und Peer-to-peer-Tauschsysteme nachempfindet. Dinge werden verschenkt, um ein komplexes Geflecht sozialer Beziehungen zu kreieren. Es  gibt auch ein "Internet des Gestanks". Schimmel.Bakterien und Pilze des Käse sind Echt-Zeit-Sensoren. Sie messen Umweltbedingungen. Wenn die Bedingungen günstig sind, werden Chese-Coins erzeugt. Die Herstellung der Cheese-Coins wird auf einem Geschenk-Holz überprüft. Es hat dei Funktion eines traditionellen Kerbholzes, das Schulden aufzeichnet.

Exkurs: Messer-Kultur in Indonesien: Das Land hat eine große Messer-Kultur. Bekannt sind Karambit, Hawkbill, Nashiji Gyoto, Kris, Kujang, Keris. Von den antiken Messern Kris und Keris gibt es viele Untermodelle. einige kann man im Deutschen Klingenmuseum in Solingen - Graefrath sehen.

Wayang Kulit: Kultur auf Java. Abbild der Menschheit und zeigt Gut und Böse. Die Charaktere stellen Archetypen der Gesellschaft dar und werden teils als Vorbilder gesehen. Man arbeitet viel mit Schattenspielen und Theater. Farben werden für Gesichter und Körper verwendet. Am häufigsten und neutral ist Gold. Weiß steht für offen und ehrlich. Schwarz bedeutet edel. Quelle: Museum für Weltkultur, Frankfurt. Das Museum ist am Museumsufer am Main.

Volksgruppen: Es gibt 360 verschiedene Völker. Die größten Minderheiten sind die Malaiischen Völker und die Chinesen (8 Mio.).  In Indonesien werden über 500 regionale Sprachen gesprochen (deshalb ist Englisch primäre Geschäftssprache).

Frauen: Es gibt zunehmend strengere Regeln. Etliche Provinzen und Städte haben mittlerweile harsche Kleiderordnungen für Mädchen und Frauen. Wenn sie sich nicht daran halten, haben sie mit Diskriminierung, Mobbing und Gewaltandrohung zu kämpfen. In der Provinz Aceh im norden von Sumatra gilt das islamische Recht Scharia. Insgesamt gibt es mehr als 60 Dekrete im Land, die sich mit Kleiderordnung für Frauen beschäftigen. Es geht hauptsächlich um Jilbab und Hijab.  Quelle: Human Rights Watch 2022.

Strafrechtsreform im Sexualrecht: Im Dezember 2022 verschärft das Parlament die Regeln für Sex (Strafrechtsreform): Sex außerhalb der Ehe wird unter Strafe gestellt. Das gilt auch für Sex vor der Ehe. Auch das Zusammenleben unverheirateter Paare wird verboten. Das Gesetz gilt auch für Ausländer. Verstöße werden mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft.

Politik: Hauptstadt Jakarta. Verwaltung: 34 Provinzen, Sonderegion Yogyakarta, und 3 Provinzen mit Sonderstatus: Aceh, Papua, West-Papua. Staatsform Präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der Präsident. Legislative ist die Volksversammlung. die Verfassung ist von 1945. Wählen darf man ab 17. Im April 2019 steht der bisherige Präsident Widodo vor einer zweiten Amtszeit. Indonesien ist die drittgrößte Demokratie und das größte islamische Land der Welt, ("sanfter Islam"). Jakarta, die Hauptstadt, ist eine der größten, dreckigsten und überfülltesten Metropolen der Welt. Die Hauptstadt Jakarta (1527 gegründet, zwischenzeitlich Batavia; ca. 30 Mio. Einwohner) versinkt. 40% ihrer Fläche befinden sich bereits unter dem Meeresspiegel. Außerdem herrscht Überbevölkerung und Erdbebengefahr und ein ewiges Verkehrschaos. Bis 2024 soll der Regierungssitz deshalb in die Provinzstädte Palangkaraya und Balikpapan verlegt werden, die im Dschungel liegen. Vgl. dazu den nächsten Abschnitt. Am 14. Februar 2024 wählt das Land einen neuen Präsidenten. Der sehr beliebte Präsident Joko Widolo, genannt Jokowi, kann nicht wieder antreten. Das verbietet die Verfassung. 2014 kam er ins Amt. Wahrscheinlich wird Prabowo Subianto nachfolgen. Er ist ein 72-jähriger Ex-General und Verteidigungsminister. Er ist ein China-Fan. Indonesien brauche Europa nicht mehr. Tatsächlich wird Subianto der Wahlsieger (gezählt wird im Februar 2024 noch immer). Zwischen 1967 und 1998 wurde der Inselstaat vom brutalen Diktator Suharto regiert. Unter ihm war Prabowo, der Wahlsieger 2024, ein mächtiger General. Er war zusätzlich der Schwiegersohn Suhartos, Es gab in der Zeit zahlreiche Menschenrechtsverletzungen. Er hat also eine dunkle Vergangenheit.

Provinzen: Das Land besteht aus 34 Provinzen. 24 sind streng islamisch. 1 Sonderegion, 1 Hauptstadtdistrikt. Es gibt geschätzte 17.000 Inseln. Man hat drei verschiene Zeitzonen.

Wichtige Städte: Bekasi, Surabaya, Depok, Bandung (Konferenzort 1955!), Tangerang, Medan, Semarang, Patembang, Makassar.

Neue Hauptstadt "Nusantara": Das bedeutet "Archipel". Im Januar 2022 wurde die neue Stadt auf Borneo vom Parlament beschlossen. Baubeginn soll noch 2022 sein. Budget: 35 Mrd. Dollar. Geplanter Umzug des Regierungsapparates 2024. Bis 2045 soll ganz Nusantara fertig gestellt sein.

Militär/ Rüstung: Die USA versuchen, das Land in eine Allianz gegen China hineinzuziehen (Quad). Auf der anderen Seite  strebt China an, das Land von sich abhängig zu machen (Kredite, Infrastrukturprojekte). Rheinmetall aus Deutschland liefert Panzer an Indonesien. Insgesamt ist Deutschland einer der größten Rüstungslieferanten für das Land. Im April 2021 helfen die USA, ein U-Boot vor Bali zu finden. Die Zeit drängt, da die Besatzung nur einige Tage überleben kann. Das U-Boot stammt auch aus deutscher Produktion (40 Jahre alt). Schließlich findet man die Reste des U-Boots (800 m, nur für 500 m geeignet, Besatzung tot). Wahrscheinlich werden noch deutsche U-Boote vom Typ 214 bestellt. Sie stammen von der deutschen Firma TKMS aus Kiel (U-Boote für flache Gewässer).  Beim Militär finden 2021 noch immer "Jungfrauentests" statt. Es sind Zwei-Finger-Tests bei Anwärterinnen. Nur Jungfrauen seien mental geeignet, um ihrem Land an der Waffe zu dienen. Es gelten aber für Frauen und Männer die gleichen Regeln (ist aber bei Männern nicht überprüfbar). Es gibt eine Diskussion über die Tests, worin sich die Organisation Human Rights Watch einmischt.

Gesundheit: Im September 2020 hat Indonesien 253.000 Infizierte mit Corona. Rund 10.000 Infizierte sind bisher gestorben. Corona trifft besonders hart den Tourismus, vor allem auf Bali. Indonesien verfolgt dann 2021 eine radikal andere Impfstrategie: Zuerst sind die Jüngeren an der Reihe. Man hofft dadurch auf eine schnellere wirtschaftliche Erholung. Der Impfstoff kommt überwiegend aus China (Sinovac; allerdings reicht er 2021 nur für die Hälfte der Bevölkerung). Man hat auch Impfstoff bei BionTech/ Pfizer bestellt.

In Indonesien gibt es eine überdurchschnittliche Zahl von Rauchern. Bei E-Zigaretten ist der Anteil mit 23% weltweit am höchsten (vor Italien und UK). Quelle: Statista.

Religionen: Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Es wird eine gemäßigte und tolerante Form des Islam praktiziert (87,2% der Bevölkerung sind Muslime). In jüngster Zeit häufen sich allerdings Vorfälle, die auf eine Radikalisierung hindeuten. So wird etwa eine chinesische Gottheit verhüllt, weil sie zum Gegenstand von Kampagnen wird. Auch der IS zeigt sich häufiger in Aktionen. Viele radikale Indonesier waren Mitglieder des IS. Sie könnten in ihre Heimat zurückkehren. Um 1000 bis 1500 n. Chr. erfährt der Buddhismus, der bis dahin in Indonesien überwiegt, einen Niedergang und wird durch den Islam ersetzt. Die Gründe sind noch nicht ausreichend erforscht. Heute haben andere Religionen einen ganz geringen Anteil: Protestantismus (6,9%), Katholizismus (2,5%), Hinduismus (!,7%), Buddhismus (0,7%), Konfuzianismus (0,05%). Es gibt keine Staatsreligion. Indonesien kommt als größter islamischen Staat der Welt eine große Verantwortung für die Entwicklung des Islam zu. Es könnte bei der Eindämmung des militanten Islamismus helfen.

Wichtige Wirtschaftsdaten und Wirtschaft: Bruttoinlandsprodukt 2017 1016 Mrd. US-$; 2016 900 Mrd. US-Dollar; Wachstum 5,5% (Prognose 2017 +5,3%); Exportquote 5,8%; Arbeitslosenquote 5,8%; Aktienmarktbewertung 15,4 (Kurs/ Gewinn 2017, Schätzung). Wichtigste Handelspartner: China 8sowohl bei Export als auch bei Import), Singapur, Japan; Wichtigste Branchen Bergbau, Energie (2014; German Trade & Invest). Indonesien ist die zweitgrößte Fischereination nach China. 2015 leidet Indonesien besonders unter dem Absturz Chinas. Das Land hat eine große Abhängigkeit von Rohstoffexporten (Gold, Kupfer). Das Geschäft mit Palmöl ist besonders stark zurückgegangen, aber größter Palmölproduzent der Welt. Die Insel Java ist am wichtigsten; hier leben über 50% der Bevölkerung (ist liegt auch Jakarta). Weitere bekannt und wichtige Inseln sind Sumatra, Bali und Borneo. BIP-Anteile: Primärer Sektor (über 13%; aber über 40% der Erwerbstätigen), Sekundärer Sektor ca. 42%, tertiärer Sektor über 42%. 2016 streicht die Regierung Subventionen und investiert in Infrastruktur. Indonesien ist besonders abhängig von Fisch als Einkommens- und Nahrungsquelle. Vielen gilt das Land als der Zukunftsmarkt Asiens. Schon jetzt haben Holz, Palmöl und Kohle ausländischen Investoren angelockt. Das Land hat noch viele andere Rohstoffe (Kupfer, Zinn, Gas). Es ist politisch stabil und hat eine positive demographische Entwicklung. Insgesamt lagen die ausländischen Direktinvestitionen 2014 bei 22,3 Mrd. Dollar (aus Japan, China, Oman). Sie verhindern einen massiven Abschwung. Indonesien war der Star unter den Schwellenländern. In den letzten Jahren war das Wachstum bei 6%. Der Kurs der Landeswährung Rupiah fällt. Die Inflation steigt.  Bis Mitte des 21. Jahrhunderts soll Indonesien die siebtgrößte Wirtschaftsmacht der Erde sein. Im November 2017 findet in Jakarta die Asien-Pazifik-Konferenz statt. Bundeswirtschaftsminister Altmaier nimmt teil. Die Hälfte der Wirtschaftsleistung hängt vom privaten Konsum ab. Seit 2028 gibt es die Initiative "Making Indonesia 4.0" . Das Land will in der Zukunft zu den wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt gehören.

Außenhandel : Das Land verfügt über große Kohle-, Öl-, und Gasvorkommen. Wichtigste landwirtschaftliche Produkte sind Palmöl, Kautschuk, Kakao, Tee, Maniok, Reis, Gewürze, Heilkräuter, Geflügel, Shrimps, Fisch. Wichtige Industrieprodukte sind Gold, Textilien, Schuhe, Zement, Stahl, Kunsthandwerk, Papierwaren, Möbel. Bei Importen ist das Land  auf Weizenimporte aus der Ukraine angewiesen.

Ausfuhrverbote bei Rohstoffen: 2023 verbot das Land die Ausfuhr von Nickel. 2024 folgten Bauxit, Zinn und Kupfer. Das verärgerte die EU.

Verschuldung: Indonesien hat hohe Auslandsschulen in Dollar. Dei Aufwertung des Dollar 2022 macht dem Land massiv zu schaffen.

Aktuelles bei Wirtschaft: Im April 2022 gibt es einen Palmöl-Schock. Der Krieg in der Ukraine treibt die Preise für Nahrungsmittel. Indonesien schottet seine Palm-Öl-Produktion ab. Es soll keinerlei Palmöl mehr ausgeführt werden. Indonesien steht für ein Drittel des weltweiten Exports. Der Stoff wird industriell genutzt, aber auch von vielen Haushalten als preiswerte Alternative gebraucht. Das Beispiel macht Schule. Argentinien , der weltgrößte Soja-Produzent, erhebt eine Exportsteuer von 33%.  Die FAO warnt vor Kettenreaktionen. Erster Gewinner ist das Nachbarland Malaysia, der weltweit zweitgrößte Produzent. Vgl. Diemand, S./ Hein, C.: Palmölschock verursacht Chaos, in: FAZ Nr. 96/ 26.4.22, S. 15.

Aus Palmöl wird in vielen Industrieländern auch Bioethanol hergestellt. Das wird dem Benzin beigemischt. Damit soll der CO2-Aussstoß verringert werden. Das Abholzen des Urwaldes in Indonesien für Palmöl-Plantagen wird dem Land negativ angelastet, dafür ist es in Industrieländern ökologisch nützlich. Es zeigt, wie unsinnig die Weltklimapolitik ist.

Staatsfonds und Staatsholding: 2021 wird ein Staatsfonds eingerichtet: Indonesia Investment Authority (INA) 15 Billionen Rupiah (861,6 Mio. €). Ende 2021 um weitere 60 Billionen Rupiah aufgestockt. Mit 10 Mrd. $ wollen die  VAE helfen. Verantwortlich dafür ist die Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati (vorher bei der Weltbank). Ebenso wird 2021 die Staatsholding Indonesia Battery Corporation gegründet. Sie soll die ganze Wertschöpfungskette abdecken.

Antikorruptionsbehörde KPK: 2020 wurden zwei amtierende Minister verhaftet. Schmiergelder und Bestechung.

Omnibusgesetz: Paket von Reformen 2020. Insbesondere im Arbeitsrecht und bei Genehmigungsverfahren. Sektoren wie Bau, Telekommunikation, Transport und Energie werden für Auslandsinvestitionen geöffnet.

Rohstoffe Indonesien: Kein anderes Land exportiert so viele Kraftwerkskohle. Bei der Produktion von Kohle liegt man weltweit an zweiter Stelle hinter China und vor Indien. Beim Verbrauch liegt man an 7. Stelle in der Welt.  Auch bei den Nickelreserven liegt man vorn  (weltweit ca. 35%). Man produziert rund ein Drittel des weltweiten Nickel. Es gibt auch hohe Gold- und Kupfervorkommen (Grasberg-Mine). Indonesien ist auch einer der größten Palmöl-Lieferanten. Man hätte gerne Batteriefabriken im Land. Deshalb hält man sich mit dem Export wichtiger Rohstoffe zurück. Bei LNG-Lieferungen (Import) leidet Indonesien darunter, dass Deutschland mehr bietet und das Gas wegkauft. Vgl. Bee, Ooi Jin: The Petroleum Resources of Indonesia, Oxford/ Kuala-Lumpur 1982.

Indonesien ist auch eines der Hauptlieferländer bei Mangan. Die Knollen werden überwiegend in der Tiefsee abgebaut. Sie sind wichtig für Batterien, insbesondere kleinere. Der Abbau liegt in der Hand internationaler Konzerne. Einer der größten ist TMC aus Vancouver/ Kanada.

Nickel: Das ist ein strategischer Rohstoff. Indonesien hat rund ein Drittel der weltweiten Vorkommen (21.000.000 Tonnen) und produziert aktuell 26%. Seit 2020 ist die ausfuhr von Rohnickel verboten. Wer die Bodenschätze des Landes will, soll nach Indonesien kommen.

Exkurs. Missstände in indonesische Nickelminen: Nickel wird für chinesische E-Auto-Batterien gebraucht. Sie sind technologisch führend und konkurrenzlos billig. Das Problem: Was Kunden sparen, bezahlen Arbeiter und Umwelt in Indonesien. Indonesien steigert den Nickelabbau seit Jahren (2022  1.600.000 Tonnen). Damit liegt Indonesien an der Spitze vor Australien, Brasilien und Russland. 77% der indonesischen Minen sind in der Hand Chinas. Allein 14 Mrd. US$ hat China in Schmelzhütten in Morowali investiert. Es entstehen riesige Mülldeponien. Die Abwässer färben die Flüsse und das Meer rotbraun. Fischerei und Muskatanbau werden ruiniert. Die Gehälter sind extrem niedrig. Vgl. Mattheis, P.: Schürfwunden, in: Wiwo 6/ 2.2.24, S. 58ff. Morowali bildet einen Industriepark. Er liegt auf der Insel Sulawesi. Hier sind 53 Firmen tätig. Fast alle kommen aus China. Man sieht grüne Berge und türkisblaue Lagunen. Ganz stark ist die chinesische Firma Huayue Nickel Cobalt vertreten (Joint-Venture). Sie bezeichnet China und Indonesien als die Mitte der Welt. Umweltstandards interessieren nicht. Vgl. Der Spiegel 7/ 10.2.24, S. 70f.

Energiepartnerschaft (mit den G7-Staaten): Sie wird auf dem Gipfeltreffen der G7 in Elmau/ Bayern im Juni 2022 vereinbart. Indonesien ist nicht antiwestlich. Es ist auch nicht besonders China freundlich. Es versteht sich traditionell als blockfrei.

Wirtschaftsintegrationen: 2020 ist Indonesien bei RCEP dabei. Man hofft, besonders davon zu profitieren. 2023 hat Indonesien den Vorsitz der ASEAN-Gruppe. Deshalb treffen sich die 10 Staaten am5.9.23 in Indonesien. Im Mittelpunkt steht die Situation in Myanmar.

G20-Mitgliedschaft und Treffen: Indonesien ist auch Mitglied der G20. Das Treffen 2022 findet am 30. und 31. Oktober 2022 auf Bali statt. Putin will auch kommen. Die Frage ist, ob das die meisten Länder tolerieren (Wohlwollen bei China, Indien, Indonesien, VAE, Israel, Saudi-Arabien). Am 20.4.22 treffen sich schon vorher die G20-Finanzminister in Jarkarta. Das Treffen wird überwiegend virtuell abgewickelt. Moskau sitzt auch mit am Tisch. Man berät Maßnahmen gegen eine weltweite Schuldenkrise, insbesondere bei Entwicklungs- und Schwellenländern. Deutschland hat Indonesien (auch Indien, Süd-Afrika, Senegal) zum G7-Treffen im Juni 2022 in Bayern eingeladen. Am 7. und 8.7.22 findet ein Außenministertreffen zur Vorbereitung des Gipfels statt. Lawrow, der russische Außenminister,  ist auch anwesend. Er verlässt das Treffen früher (bei Rede von Bauerbock und zugeschaltetem ukrainischen Außenminister. Beim Treffen in Bali zeichnet sich eine klare Stellungnahme gegen den russischen Angriffskrieg ab. Bisherige Unterstützer Moskaus wie China und Indien blockieren eine gemeinsame Abschlusserklärung nicht. Damit ist Russland diplomatisch isoliert. Xi und Biden haben das wohl bei ihrem Treffen einen Tag vor dem Gipfel vorbereitet. 2023 im September findet die Basketball-Weltmeisterschaft in Indonesien statt. Deutschland wird überraschend Weltmeister in Manila gegen Serbien. Vorher hatte man schon die USA geschlagen.

Indonesien und Deutschland:  Die deutschen Direktinvestitionen betrugen 2008 1,35 Mrd. €. 2012 steigen die deutschen Exporte nach Indonesien um 47%. Das Land ist Partnerland der Hannover Messe 2021. Diese findet nur digital statt, deshalb ist das Land 2023 wieder Partner. Bis 2045 möchte das Land zu den fünf größten Wirtschaftsnationen der Welt aufsteigen. Es will deutschen Unternehmen große Chancen einräumen. Wenn ein Unternehmen noch nicht in Asien ist, ist Indonesien automatisch interessant. Seit 2018 gibt es die Initiative "Making Indonesia 4.0" . Das ergibt große Chancen für deutsche Maschinenbauer, aber auch für Konzerne (Siemens, ABB). Schwierig ist die Topographie mit rund 17500 Inseln. 51 deutsche Unternehmen sind dabei, in den Markt einzutreten (2020, AHK). Deutsche Unternehmen in Indonesien: Seit 2000 hat Pepperl+Fuchs aus Mannheim dort eine Produktionsstätte mit 600 Mitarbeitern. Rheinmetall aus Deutschland liefert Panzer an Indonesien. Festo betreibt eine große Produktionsstätte in Indonesien. 2023 im April ist Indonesien das Partnerland auf der Hannover-Messe. Der deutsche Gastronom Wolfgang Nickel aus Sachsen-Anhalt arbeitet sehr erfolgreich mit Indonesiern zusammen. Er beschäftigt insgesamt 89 Indonesier, zum Teil schon lange.

Indonesien und die Niederlande/ EU: Die Niederlande haben heute noch enge Beziehungen zu Indonesien. Die EU müsste solche traditionellen Beziehungen besser für sich nutzen. Sie muss alles tun, um ihre Abhängigkeit von den USA und China zu reduzieren.

Indonesien und Neue Seidenstraße (auch Konflikte): Das Land erhält viel Geld (Finanzhilfen und Kredite) von China. Das Land nutzt dieses Geld zum Bau von Straßen, Glasfaserleitungen und anderen Infrastrukturprojekten. Auf der anderen Seite versuchen die USA, das Land in eine Allianz gegen China hineinzuziehen (Quad). Es gibt keinen Territorialdisput mit China, doch berühren Chinas Gebietsansprüche auch die indonesischen Hoheitsgebiete in ihren Randzonen. Bei den Natuna-Inseln kam es schon zu einer wochenlangen Konfrontation. China hatte die indonesische Seite aufgefordert, nicht mehr nach Öl und Gas zu bohren, da es sich um chinesisches Territorium handele. Seit Sommer 2021 erforscht Indonesien den Meeresboden in einer Wirtschaftszone, die auf die Seerechtskonvention der UN zurückgeht. Das überlappt sich mit Seengebieten, die von China beansprucht werden. Schiffe beider Seiten verfolgen einander. Die USA versucht alles, damit Indonesien nicht von China abhängig wird (so wie Kambodscha und Laos). China ist schon größter Handelspartner Indonesiens und zweitgrößter Investor. Mehr als 80% des Impfstoffes stammt aus China.

Indonesien und China: 77% der indonesischen Minen sind in der Hand Chinas. Allein 14 Mrd. US$ hat China in Schmelzhütten in Morowali investiert. Morowali bildet einen Industriepark. Er liegt auf der Insel Sulawesi. Hier sind 53 Firmen tätig. Fast alle kommen aus China. Man sieht grüne Berge und türkisblaue Lagunen. Ganz stark ist die chinesische Firma Huayue Nickel Cobalt vertreten (Joint-Venture). Sie bezeichnet China und Indonesien als die Mitte der Welt. Umweltstandards interessieren nicht. Vgl. Der Spiegel 7/ 10.2.24, S. 70f.

Indonesien und Rohingya: In Indonesien leben viele aus Myanmar geflohene Rohingya. Sie sind Muslime. Trotzdem sind sie in Indonesien nicht sehr willkommen. Es kommt immer wieder zu Mob-Attacken. Bekannt wir der Sturm auf eine Notunterkunft in Banda Aceh. Mehr als 1500 Rohingya leben in der Provinz Aceh im norden der Insel Sumatra. Sie sind meist mit primitiven Holzbooten aus Bangladesch gekommen. Thailand und Malaysia nehmen keine Bootsflüchtlinge mehr auf. Das ist eine Katastrophe, weil es in Malaysia einen informellen Arbeitsmarkt gibt und viele dort Verwandte haben. Indonesische Fischer haben in der Vergangenheit immer wieder Flüchtlinge gerettet. Mittlerweile lehnen sie das ab, weil es ihnen selbst schlecht geht. Es soll auch Menschenschmuggel geben. Vgl. Fähnders, Till: Indonesier verjagen Rohingya, in: FAZ 29.12.23, S. 5.

Naturkatastrophen und Unfälle: Der Ausbruch des Vulkans Krakatau in Indonesien 1883 war ein apokalyptisches Weltereignis. Gerade so war eine telegraphische Übermittlung möglich. Das Land wurde zum Jahreswechsel 2007 von einer Katastrophenserie überzogen; Im Herbst 2015 ist es Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Auf den Inseln kommt es Ende 2015 wieder zu massiven Brand-Rodungen. Diese beeinflussen das Wetter und Klima in ganz Süd-Ostasien. 2016 macht der IS einen Anschlag in Jakarta (mindestens sieben Tote, 1 Deutscher). Im Dezember 2016 werden 50.000 Menschen bei einem Erdbeben obdachlos. Am 15.01.18 stürzt ein Teil der indonesischen Börse ein. Wie durch ein Wunder, kommt niemand ums Leben. Im Februar 2018 bricht der Vulkan Sinabung wieder aus. Der Sinabung war 2010 nach 400-jährigem Schlaf wieder erwacht. Im August 2018 erschüttert ein Erdbeben das Land (vor allem die Insel Lombok). Es sterben über 150 Menschen. Am 28.09.2018 stößt ein Tsunami auf Indonesien (Insel Sulawesi, Küstenstadt Palu): Es gibt Nachbeben, die Infrastruktur ist zerstört, Hunderte von Verletzten überfordern die Krankenhäuser, es gibt auch über tausend Tote. Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der sehr häufig von Erdbeben heimgesucht wird. Die Folgen sind auch so dramatisch, weil die Tsunami - Warnung zu früh aufgehoben wurde. Es gibt weitere Beben auf anderen Inseln. Indonesien fordert internationale Hilfe an (25 Staaten helfen). Über 5000 Menschen sind vermisst. Am 30.10.18 stürzt ein Flugzeug kurz nach dem Start ab ins Meer (180 Tote). Kurz vor Weihnachten 2018 kommt ein tödlicher Tsunami ohne Vorwarnung. Er löst eine starke Flutwelle aus, die die Strände zwischen Java und Sumatra verwüstet. Als Ursache gilt ein Seebeben, das einen Erdrutsch auslöste. Es gibt über 400 Todesopfer. Um Weihnachten 2019 kommt es zu großen Überschwemmungen nahe der Hauptstadt (heftigste Regenfälle seit 1866). Auch hier gibt es viele Todesopfer. Zusätzlich kommt es noch zu Erdrutschen. 400.000 Menschen sind betroffen; es gibt schon über 60 Todesopfer. Ein schweres Erdbeben trifft am 14.01.21 West-Sulabesi. Es gibt viele Tote und die Zerstörung vieler Häuser. Große Teile Indonesiens liegen auf einem so genannten Feuerring, der immer wieder Erdbeben verursacht. Im April 21 lösen schwere Regenfälle eine Katastrophe im Osten Indonesiens aus. Es kommt zu großen Überschwemmungen. Über 150 Menschen kommen ums Leben. Anfang Dezember bricht ein Vulkan auf der Insel Jawa aus. Er verursacht große Schäden und fordert viele Menschenleben. Indonesien liegt auf dem so genannten Feuerring. Anfang Oktober 2022 gibt es bei einem Fußballspiel 182 Tote. Am 21.11.22 gibt es ein schweres Erdbeben (5,6 auf der Richter-Skala) südwestlich der Stadt Cianjur auf der Hauptinsel Java. Über 1000 Menschen werden verletzt, es gibt über 250 Tote. Die Region liegt auf dem Pazifischen Feuerring. Am 4.12.22 nach fast exakt einem Jahr bricht der Vulkan Semeru im Osten von Indonesien (Hauptinsel Java) wieder aus. Über 2000 Menschen mussten sich in Sicherheit bringen. Im Dezember 2023 kommt es zum Ausbruch des Vulkans Marapi auf Sumatra.  11 Bergsteiger kommen ums Leben. Wahrscheinlich gab es noch mehr Todesopfer. Am 23.4.24 stürzt eine Touristin aus China in einen Vulkankrater in der Provinz Ost-Java.   In dem Land lebt der Volksstamm der Toraja (Insel Sulawesi). Für die ist das Leben nur ein Übergang zu einer unendlichen Reise. Das Jenseits ist bedeutsamer. Beim Tod verlässt die Seele den Körper, bleibt aber in der Nähe. Deshalb wird der Leichnam möglichst lange zuhause aufbewahrt (einbalsamiert). Beim Ma´Nene-Ritual werden Dahingeschiedene ausgebuddelt, neu eingekleidet und durchs Dorf geführt.

Umwelt: Indonesien hat viele Waldbrände, die zum Teil gelegt werden für neue Palmölplantagen. Dann zeigt sich ein blutroter Himmel. Dieses besondere Phänomen wird Rayleigh-Streuung genannt. Es  handelt sich um Partikel in der Atmosphäre, die das Sonnenlicht auf besondere Weise streuen, so dass es viel roter erscheint. Es ist viel Rauch und Verschmutzung in der Atmosphäre. Die Einwohner leiden unter Luftverschmutzung, auch die in Singapur und Malaysia. Es brennen nicht nur die Bäume aus, sondern auch der Torfboden. Das war in den Jahren 1997, 2006 und 2015 heftig, auch angefacht durch extreme Trockenheit. Ebenso im Jahr 2019. Es gehen auch Lebensräume für Tiere verloren (Tiger, Orang-Utans). Indonesien baut 2019 immer noch die Kapazität seiner Kohlekraftwerke aus (+ 21.090 Megawatt). Indonesien ist 2019 noch einer der Hauptabnehmer für Plastikmüll. Es hat praktisch China ersetzt. Der Müll wird in der Regel nicht recycelt, sondern irgendwo abgeladen. Die Noch-Hauptstadt Jakarta ist extrem vom Klimawandel bedroht. Die Stadt leidet unter Luftverschmutzung, Naturkatastrophen und Überschwemmungen. Deshalb zieht die Regierung nach Ost - Kalimantan um.

Regenwald in Indonesien: Aus Palmöl wird in vielen Industrieländern auch Bioethanol hergestellt. Das wird dem Benzin beigemischt. Damit soll der CO2-Aussstoß verringert werden. Das Abholzen des Urwaldes in Indonesien für Palmöl-Plantagen wird dem Land negativ angelastet, dafür ist es in Industrieländern ökologisch nützlich. Es zeigt, wie unsinnig die Weltklimapolitik ist. 2022 vollzieht das land eine Kehrtwende zugunsten des Natur- und Artenschutzes. Seit 2021 fallen jedes Jahr weniger Waldflächen dem wirtschaftlichen Raubbau zum Opfer. Man gibt finanzielle Anreize für den Waldschutz.

Volk der Fayu: Es ist ein Volk ohne Kontakt zur Außenwelt im  Dschungel Indonesiens. Hier entstand der Weltbestseller "Dschungelkind" von Sabine Kuegler 2005. Das Buch wurde 2011 unter demselben Namen verfilmt. 2012 holt die Autorin die Tropenkrankheit ein. Ein Medizinmann bewahrte sie vor dem Tod.

Exkurs: Aeshnina Azzahra. Sie ist die Greta Indonesiens. 2021 ist sie erst 14 Jahre alt. Sie könnte die neue Stimme einer globalen Umweltbewegung werden. Sie redet zuerst auf einer internationalen Plastikkonferenz 21 in Amsterdam. Vgl. Laura Cwiertnia: Was Greta kann, kann ich auch! in: Die Zeit Nr. 45, 4.11.21, S. 40. Auch film darüber in der ARD, 30.11.21("Kinder in der Klimakrise").

Tourismus in Indonesien: Die Regierung will den Tourismus ab 2021 massiv ausbauen. Das boomende Bali dient als Vorbild für die Erschließung anderer Inseln. So die Insel Lombok (Surfer, Vulkanfans). Das Projekt Mandalika ist ein Ressort in Bau (3 Mrd. €). Es gibt Kritik von Umweltschützern und von der UN (Anwohner-Rechte, Landraub) Es werden Luxushotels errichtet. Auf Rinca-Island entsteht ein Safari-Park.  .

Reisterassen der Subak auf Bali: Bauern organisieren sich in Bewässerungsgemeinschaften. Ein System von Dämmen und Kanälen schafft Ausgleich zwischen Regen- und Dürreperioden. Über Drainagelöcher werden die Felder regelmäßig trockengelegt, um Schädlinge zu kontrollieren. Die alten Anlagen produzieren auch ohne Pestizide und Dünger hohe Erträge. Die Corona-Krise bringt den Tourismus auf Bali fast zum Erliegen (rund 75.000 Menschen mussten entlassen werden). 4400 Influencer können im Herbst 2020 kostenlos Urlauf auf der Insel machen. Sie sollen Werbung für den Tourismus machen.

Manuelle Salzgewinnung auf Bali: Salz ist heute zumeist raffiniert und mit Konservierungsstoffen versetzt. Nicht so auf Bali. Hier wird es noch manuell aus dem Meer gewonnen. aber das Handwerk verliert an Bedeutung. Im naturbelassenen Meersalz finden sich durch die Restfeuchte noch Mineralien und Spurenelemente aus dem Meerwasser. Das gefilterte Salzwasser wird in halbierte oder ausgehöhlte Baumstämme gefüllt. Jetzt muss dann die Sonne mitspielen. Das Wasser verdunstet und übrig bleibt das Salz.

Nationalpark Tanjung Puting: Hier leben Orang-Utans. Sie wurden zum Teil anderswo befreit. Sie müssen allerdings wieder lange an das Leben in der Wildnis herangeführt werden. Sie können sich auch mit Corona anstecken.  Sie werden Waldmenschen genannt. Der Park auf Borneo wurde 1971 gegründet (Initiative der Primalologin Galdikas). Der einzige Weg führt über den Fluss Sekonyer. Doch auch hier sind Waldbrände und Bergbau ein Problem. Es gibt auch 220 Vogelarten und 17 Reptiliensorten.

Exkurs. Orang-Utans (malaiisch für Waldmensch): Ihr Lebensraum sind heute die Regenwälder in Borneo oder Sumatra. Die Nachfrage nach Palmöl, Tropenholz und Kohle führt zu Rodungen in großem Umfang. Durch ihre zutrauliche Art sind sie leichte Beute für Wilderer.

Exkurs. Tiger: Die meisten Tiger leben auf der Insel Sumatra (ca. 400 Tiere). Ein Tiger wird 2024 auf Jawa gesichtet. Ehedem war das Raubtier weit verbreitet auf der Insel. Den Bali-Tiger gab es nur bis 1937.

Exkurs. Roter Meereskrebs namens Sahra Wagenknecht ("Cherax wagenknechtae"): Er wird im Oktober 2022 vom vom deutschen Meerestierexperten Christian Lukhaup aus Waiblingen in Indonesien entdeckt. Er nennt ihn so im Fachmagazin "Zoosystematics and Evolution".

Anambas - Archipel: Es gibt mehr als 250 Inseln, eine schöner als die andere. Sie sind gut geeignet für Insel - Hopping. Es gibt auch viele unbewohnte Inseln. Man kann Baden, Schwimmen, Klettern. Die Inselgruppe liegt zwischen Singapur und Borneo. Die Hauptstadt ist Taremba. Der Temburun-Wasserfall ist der größte mit sieben Kaskaden und 250 m.

Papua-Neuguinea und Westpapua: Der Zuzug von anderen indonesischen Inseln wird von der Zentralregierung gefördert. So sind die Muslime inzwischen in der Überzahl. Es gibt aber noch viele Christen auf der Insel. Die pfälzische Landeskirche (evangelisch) hat eine Partnerschaft mit der dortigen evangelischen Kirche. Es laufen Projekte, finanzielle Unterstützung, Hilfe bei Frauen- und Menschenrechtsarbeit. Konzerne bauen Gold, Kupfer und Steinkohle ab. Das führt zur Vertreibung von den angesiedelten Menschen. 

Die indigene Bevölkerung ist Gewalt und Vertreibung durch das indonesische Militär ausgesetzt. Dagegen wehren sich nicht nur bewaffnete Rebellen, sondern auch Menschenrechtler. Das gleiche gilt für Westpapua. Beide Provinzen blieben nach der Unabhängigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst niederländische Kolonien. 1963 besetzten indonesische Soldaten das Gebiet, die Holländer zogen sich zurück. Es gab einen "Act of Free Choice", der nicht umgesetzt wurde. Die Regierung betreibt eine gezielte Siedlungspolitik.

Vulkane: In Indonesien gibt es etwa 130 aktive Feuerberge. Die meisten sind auf Sumatra. Im Erdinnern schieben sich auch verschiedene Erdplatten, die sich verhaken und Beben auslösen. Der gefährlichste Vulkan ist der Merapi. Er liegt auf der Insel Jawa. Mitte März 2023 bricht er aus. Der Katastrophenschutz errichtet eine Sperrzone von 7 km. Der Merapi ist 2900 Meter hoch. Er brach zuletzt 2010 aus.

Arbeitsmarkt: Er weist eine Reihe von Besonderheiten auf. Er ist von staatlichen Interventionen im Inneren und Protektionismus nach außen geprägt- Er ist stark binnenorientiert. Der internationale Wettbewerbsdruck ist dadurch gering. Das Lohnniveau ist relativ hoch. Das Arbeitsrecht ist restriktiv und wird von ausländischen Firmen als Investitionshemmnis interpretiert. Kündigungsschutz, Feiertagsregelungen und Gebetspausen sind arbeitnehmerfreundlich. Die Schuhindustrie steht im weltweiten Wettbewerb und umgeht daher das Arbeitsrecht. Informelle Arbeitsbeziehungen und Heimarbeit kennzeichnen die Branche. Insgesamt gibt es eine Abschottung gegen ausländische Arbeitnehmer. Indonesien hat einen staatlichen Mindestlohn: Er ist auf den Inseln unterschiedlich. Vgl. Fischer Weltalmanach 2019, S. 214. Auch: Schott, Christina: Indonesien. Ein Länderporträt, Berlin 2015.

Kinderarbeit: Die Abschottung des Arbeitsmarktes hat auch eine weitere Kehrseite: Kinderarbeit ist in Indonesien weit verbreitet. Sie arbeiten etwa auf der Insel Sulawesi bei der Kakaoernte. Kinder werden auch in den Minen des Bergbaus eingesetzt. Hier vor allem in Goldminen.

Matriarchat: Das Volk der Minangkabau ist die größte matrillineare Gesellschaft der Welt (kleinere Völker gibt es auch in China und Brasilien). Das Volk ist muslimischen Glaubens. Frauen sind Oberhaupt der Familie, ihnen gehört das Grundeigentum und sie vererben und erben. Religion und Kultur stehen in einem Widerspruch. Aber die Kultur ist älter als die Religion (heute Moslems, früher Buddhisten). Eine sehr interessante soziale Situation, die mehr erforscht werden müsste (auch im Hinblick auf das Vordringen von Frauen in vielen westlichen Kulturen, das Matriarchat in China habe ich mal in einer Diplomarbeit untersuchen lassen mit teilnehmender Beobachtung).

Aktuelles: Indonesiens staatliche Fluggesellschaft Garuda macht die Bestellung von 49 Maschinen des Typs Boing 737 rückgängig. Hintergrund der Stornierung sind zwei Abstürze mit mehr als 340 Toten. Um Touristen anzulocken, will Indonesien zehn international weitgehend unbekannte Orte besser erschließen. Aus den Fehlern auf Bali will man lernen. Am 09.01,2021 stürzt eine Passagiermaschine auf dem Weg von Jakarta nach Bormeo ab. Keiner der Passagiere überlebt (62 Tote). Wahrscheinlich gab es Mängel in der Wartung bei der Billigfluglinie.

Quellen: Anderson, Benedict: A Life Beyond Boundaries, Selangor 2016. Elson, Robert E.: The Idea of Indonesia,. A History, Cambridge 2008. Fogg, Kevin W.: Indonesia`s Islamic Revolution, Cambridge 2019. Frankopan, Peter: Die neuen Seidenstraßen. Gegenwart und Zukunft unserer Welt, Berlin 2020. Reybrock, David van: Revolusi. Indonesien und die Entstehung der modernen Welt, Berlin 2022. Ricklefs, Merle Calvin: A History of Modern Indonesia since c. 1200, Stanford 2001. StBA: Statistisches Jahrbuch des Auslands, jährlich. Der neue Kosmos Weltalmanach & Atlas, Stuttgart 2022 und 2023. Viele Artikel in Fach-Zeitschriften und Zeitungen (bei den einzelnen Abschnitten konkret benannt).

 

Korea:

Inhalt: Gesamt-Korea/ Geschichte. Nationalhymne Koreas.

"Fürchte dich nicht, langsam zu gehen, fürchte dich nur vor dem Stehenbleiben. Koreanisches Sprichwort.

Südkorea Lage, Politik, Nationaler SicherheitsratStaatsrat, Nationalversammlung, Verwaltungsgliederung und wichtige Städte, Busan, Rechtsordnung,  Unternehmen, Aktienmarkt, Samsung, Wirtschaft, Inflation, Wirtschaft im Vergleich, Markt/ Wirtschaftsstruktur, Wirtschaftspolitik (Subventionen), Energiepreise, KMU-Politik, Korea Governance Service,  Bedingungsloses Grundeinkommen, Notenbank, Koreanische Kommission für fairen Handel (KFTC), Kreativwirtschaft und Innovation, Innovationsstandort Seoul, Innovationen, Projekt "Schwimmende Stadt"Rüstungsgüter deutscher Firmen, Kaufmänner des Krieges, Außenhandel (mit Deutschland), Vanadium, Deutsche Direktinvestitionen Offenheitsgrad der Volkswirtschaft Korea als natürliches Experiment der Geschichte, Umwelt und Energie, Müll-Ballons, Internationales Plastikabkommen Bodenschätze, Landwirtschaft, Saumaul Undong, Bevölkerungs- und Sozialstruktur als Problem: Suizidrate, Fernseh-Psychiaterin Dr. Oh Gesellschaftsschichten, Rolle der Frau, Einstellungen, Konfuzianismus, Industriegesellschaft, Geschlechterrollen und modernes Leben, Die Brücke des Todes und Happy dying, System der Altersberechnung, Discos für Senioren, Prominente mit Mobbing - Vergangenheit, Lohngefälle, Gesundheit, Lebenserwartung, Psychische Gesundheit, Ginseng, Kimchi, Wirtschaftsgeschichte, Digitalisierung,   Südkorea als Großmacht für ChipsZepeto als Metaversum,  Arbeitsleben, Arbeitsbedingungen, Sozialversicherung und Soziales, Menschen - Rechte und   Tradition, Kultur, Musik-Bands, Kulturexporte, Hundefleisch, Taekwondo, südkoreanische Sex-Doumenttion mit deutscher Domina, Franz KafkaErziehungswesen,  Bildung und Forschung, Suneung, Nunchi, Nationalfeiertag, Religionen, Totemismus und Schamanismus, Vollversammlung des Weltkirchenrates, Verhältnis zu USA, China, Socotra-Fels,  Japan, Russland, Deutschland, Kooperation für PflanzenschutzKooperation, RCEP, Propaganda. Terrorgefahr, Familienzerrissenheit und Hoffung auf Wiedervereinigung. Katastrophen/ Unglücke. Jeju-do. GyeongjuUnternehmen in Südkorea.

Nordkorea (Allgemein, Verwaltungsgliederung und wichtige Städte, Wichtige Flüsse, Politik, Parteikongress, Nachrichtenagentur/ KCNA, Kim Ni Nam (Goebbels Nordkoreas), Wiedervereinigung, Wirtschaft, Währung, Arbeitslosenquote, Energie, Export von Rüstungsgütern, Rüstungsfirmen, Waffen aus Nordkorea im Ukraine-Krieg,  Importe, Sonderwirtschaftszone Razon, China, Bevölkerung und Lebensverhältnisse, USA, Nordkoreaner im Ausland, Verhältnis zu Deutschland, Jihyun Park, Wirtschaftssanktionen, Sanktionsverstöße, Verhältnis zu Russland,  Familien-Clans, Kim Ryon-hui GesundheitHumanitäre Hilfe, Naturkatastrophen und Ernten, Müll-Ballons,  Kultur, Sprache, Totengedenken, Rolle der Frau, Art Kastensystem, Hundefleisch, Religionen, Menschenrechte, geographische Zonen, Tourismus in Nordkorea, politische Rahmen-Bedingungen. Staatsfinanzierung, Atomwaffen. Militär. Strategie und langfristiges Ziel, Exkurs. Rüdiger Frank.

Im Sprachgebrauch bildet der 38. Breitengrad die Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Symbol ist die demilitarisierte Zone (DMZ), die in der Regel dort lokalisiert wird. Dabei berührt diese geographische Linie den Grenzverlauf nur an einem einzigen Punkt: östlich von Kaesong. Auslöser für die Zufallsgrenze "Breitengrad" war der Zeitdruck. Die Grenze bot sich optisch an, real war sie unsinnig (zu viele Straßen, Flüsse und Eisenbahnlinien wurden zerschnitten).  So einigte man sich später auf Bögen südlich oder nördlich des Breitengrades. Sie ist die letzte Grenze des "kalten Krieges". Die Grenze entstand nach dem Koreakrieg: Der Norden wurde von China und Russland unterstützt, der Süden von den USA. 2018 räumen Nord- und Südkorea in der Pufferzone gemeinsam Landminen weg. Der Grenzort Panmunjom wird 2018 zur waffenfreien Zone ernannt. Hier kommt es zu einem symbolischen Handschlag zwischen den süd- und nordkoreanischen Staatschefs. 2019 treffen sich hier Trump und Kim. Am 15.06.20 wird das Verbindungsbüro für Korea von Nordkorea gesprengt (Auslöser sind Flugblätter von Flüchtlingen aus Nordkorea in Südkorea, Überläufer). Dabei tritt die Schwester von Kim in den Vordergrund (Kim Yo Jong). Man weiß nicht, ob Kim krank ist oder entmachtet wurde. Im Juli 2021 gibt es einen überraschenden Briefverkehr zwischen Südkoreas Präsident und Nordkoreas Machthaber. Es ist eine Art Stille Post. Heimlich kehrt man zur Kommunikation auf höchster Ebene zurück. Dort liegt auch eines der bemerkenswertesten Naturreservate der Welt. Es dehnt sich auf knapp tausend Quadratkilometern aus, und seit bald 70 Jahren hat kaum ein Mensch einen Fuß hineingesetzt. Es hat sich ein Urwald gebildet, der erahnen lässt, wie die Welt einmal ausgesehen haben könnte. Am südlichen und nördlichen Rand dieser Wildnis stehen sich Truppen gegenüber. Quelle: Neue Züricher Zeitung, 22.11.2021. Es gibt keinen Friedensvertrag (offiziell noch Krieg) Die Grenze wird wird seit 70 Jahren von Schwedischen und Schweizer Soldaten überwacht.

Korea (Geschichte):  Seit der Altsteinzeit bewohnt (Funde): Zwischen 18.000 bis 12.000 v. Chr. besiedelt. Es waren Nomadenstämme aus dem sibirisch-nordasiatischen Raum.  Erstes Königreich Go-Joseon 2333 v. Chr. (Halbgott Wanggeon). Als Gründervater gilt Dangun. Der "König des Sandelholzes" nannte sein Reich Asadal ("Morgensonne"). Er stammt von Hwan-in, dem himmlischen Herrscher. Bärin und Tiger wohnen gemeinsam in einer Höhle. Die Bärin gebar ein menschliches Kind, den König. Im 11. Jahrhundert vor Christus folgte die Kija-Epoche.    194 v. Chr. vom chinesischen General Wei Mon erobert. Unter Wudi expandiert China bis an das Südchinesische Meer. 109 v. Chr. wird Korea von China tributpflichtig gemacht . Dann Zeit der drei Königreiche: Goguryeon, Balhae, Silla. Das geeinte Groß-Sila konnte sogar mal China Paroli bieten. Vordringen des Buddhismus: Im Jahre 1087 wird in Korea die größte Sammlung buddhistischer Schriften auf Holzdruckstöcken vollendet (Tripitaka Koreana). 1392 Sturz des Koryo-Reiches in Korea: Die Yi - Dynastie begründet das neue - stark konfuzianisch geprägte - Reich Choson. Neue Hauptstadt wird 1394 Seoul ("Besondere Stadt"). 1627 wird Korea Vasallenstaat der Mandschus in China und bleibt dies auch nach deren Machtübernahme in China (Qing - Dynastie). 1895 Sieg Japans über China um die Vorherrschaft in Korea (aber Korea bleibt vorerst selbständig). China muss im Frieden von Shimonoseki noch Taiwan und die Pescadores-Inseln an Japan abtreten. Nach 1905 dominiert Japan in Korea (quasi abhängig). 1948 nach dem Korea-Krieg (USA auf Seiten Südkoreas, China auf Seiten Nordkoreas) werden in Korea zwei Staaten proklamiert (siehe unten und oben). Es beginnt der Aufstieg Südkoreas ("Tiger") mit großer Unterstützung der USA und der Abstieg Nordkoreas, das von China und Russland abhängig ist (aber beide gegeneinander ausspielen kann). Südkorea und Japan stehen in hartem ökonomischen Wettbewerb. Ökonomisch ist mittlerweile auch Südkorea bei Importen und Exporten von China abhängig. Seit 1987 ist Südkorea demokratisch. Ein wichtiges Datum ist in neuerer Zeit 2016 mit der so genannten "Kerzenrevolution". Die korrupte Präsidentin geht und seitdem scheint die Demokratie auch zu funktionieren.

Exkurs. Nationalhymne Koreas: Sie wurde vor 120 Jahren von einem Deutschen komponiert. Der Preuße Franz Eckert wurde 1870 von der preußischen Verwaltung nach Japan geschickt. Er sollte dort eine Militärkapelle aufbauen. Um die Jahrhundertwende zog er nach Korea, um eine ähnliche Aufgabe zu übernehmen. In diesem Zusammenhang komponierte er die Hymne des Großkoreanischen Kaiserreichs. Die Hymne blieb 8 Jahre. 1910 kolonisierte Japan Korea. Die heutige Hymne Südkoreas ist eine andere, ebenso in Nordkorea. In Berlin wird die alte Hymne 2022 wieder aufgeführt mit dem Daegeum-Spieler Adam Lee. Sie wird also wieder entdeckt.

Südkorea (Daehan Minguk; Republik Korea):

Lage: Südkorea hat an seiner Nordgrenze Nordkorea. Gegenüber liegt Japan (Ostmeer, Japanisches Meer). An der linken Seite liegt China (Westmeer, Gelbes Meer). Diese  Situation hat die Geschichte des Landes immer wieder geprägt. Fläche: 100339 Quadratkilometer, davon 70% gebirgig und 30% für Besiedlung, Landwirtschaft und Industrie.

Politik: Noch 28.000 US-Soldaten sind in Süd-Korea stationiert. Dazu kommen 50.000 in Japan. Korea war das Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse 2005. Der Norden wird mit Investitionen und Devisen unterstützt, um den Zusammenbruch zu verhindern. 2007 wird auch Reis geliefert. Hyundai-Boss Chung bekommt eine Anklage wegen Bestechung und Unterschlagung. Die Hyundai-Arbeiter streiken Anfang 2007 für volle Bonuszahlung für 2006. Nach einem Tankerunfall entsteht eine große Ölpest an der Küste. 2009 trudelt das Land in eine Rezession (Exporte -18% 2008). Beide Staaten Koreas haben ein Ministerium für Wiedervereinigung. Wegen der Seuche Mers senkt die Notenbank die Zinsen (1,5% Schlüsselzins, historisches Tief). Die britische Supermarktkette Tesco verkauft ihr Südkoreageschäft 2015 an den Finanzinvestor MBK Partners. Ab 2015 will das Land seine Nationalgerichte Kimchi und Barbecue exportieren. Südkorea und Japan nähern sich im Streit um die Versklavung von über 200.000 koreanischen Frauen ("Trostfrauen") durch die kaiserliche japanische Armee an. Tokio sagt eine Zahlung von 7,6 Mio. € an die ehemaligen Zwangsprostituierten zu und entschuldigt sich. Im Jahre 2016 wollen die USA einen Raketenschild in dem Land einrichten. Süd-Korea, wo Kia und Hyundai zu Hause sind, verbietet 2016 den Verkauf vieler VW- und Audi-Dieselmodelle wegen des Diesel-Abgasskandals. Im Herbst 2016 gerät die Präsidentin Park Geun Hye unter Druck. Sie soll Geschäfte ihrer Freundin begünstigt haben (Korruption; der Staatsanwalt erhebt Anklage gegen die Freundin). Außerdem soll sie an Ritualen einer Sekte (Schwarze Messen) teilgenommen haben. Hunderttausende gehen zu Demonstrationen auf die Straße. Die Massenproteste wiederholen sich. Es wird ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet.  Im Januar 2017 wird die Kulturministerin Cho Yoon Sun wegen Amtsmissbrauchs verhaftet. Sie soll eine schwarze Liste mit 10.000 missliebigen Personen erstellt haben.  Im März 2017 entfernt das Verfassungsgericht die Präsidentin Park wegen Korruption aus dem Amt. Später wird sie verhaftet und zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt wegen Amtsmissbrauchs. Die Opposition steht Nordkorea und China positiver und den USA kritischer gegenüber. Das könnte zu Machtverschiebungen in Südostasien führen.. Im Mai 2017 wird in Südkorea ein neuer Präsident gewählt. Aussichtsreichster Kandidat ist Moon Jae In von der Demokratischen Partei. Er gewinnt auch mit 41,4% die Wahl (linksgerichtet; Reform von familiengeführten Großkonzernen; Dialog mit Nordkorea; "Nationale Interessen zuerst"). China könnte mehr Einfluss gegenüber den USA bekommen. Samsung-Erbe Lee Jae Yong muss wegen Bestechung, Veruntreuung, Geldwäsche  und Meineids für fünf Jahre ins Gefängnis. Trump verkündet im September 2017, Südkorea stark aufzurüsten (wegen der Raketentests in Nordkorea). Unter anderem wird eine "Enthauptungseinheit" aufgebaut (Ausschaltung der Führung Nordkoreas). Ein militärischer Konflikt in Korea würde die Weltwirtschaft hart treffen. Die Schifffahrtsrouten wären bedroht und die Computer- und Smartphone - Industrie. Am 07. und 08. November besucht Präsident Trump Südkorea (Seoul; "We go together"). Trump schlägt eher nachdenkliche Töne an. Als Reaktion auf die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems in Süd-Korea geht China gegen den Mischkonzern Lotte in China vor (Dutzende Märkte mussten schließen). Die USA und Nordkorea starten im Dezember 2017 das bisher größte Luftwaffenmanöver. Kurz vor Weihnachten 2017 kommt es zu einem Hackerangriff auf die Bitcoin-Börse in Südkorea. Sie wird zahlungsunfähig. Südkorea lädt Anfang 2018 Nordkorea zu "hochrangigen Gesprächen" ein. China schickt einen Gesandten. Altkanzler Gerhard Schröder unterhält schon länger eine private Beziehung zu der südkoreanischen Wirtschaftsexpertin Kim Soyeon. Die Olympischen Winterspiele gehen am 25.02.18 friedlich zu Ende. Nord- und Südkorea testen das "Rote Telefon". Angeblich fordert Kim nicht mehr den völligen Abzug der US-Truppen von der koreanischen Halbinsel. Süd-Korea stoppt die Beschallung an der Grenze (Ende des Propaganda-Krieges?). Am 27.04.18 treffen sich Kim Jong Un und Moon Jae In erstmals auf südkoreanischem Gebiet (demilitarisierte Zone; Pammunjom; neues Zeitalter der Abrüstung, Friedensvertrag soll noch 2018 ausgehandelt werden, Wiederbelebung der gemeinsamen Zone, Familienzusammenführung; Pflanzen eines Baumes). Ende Mai treffen sich die beiden Staatschefs erneut am gleichen Ort zu einem Gipfeltreffen. Es geht um die Ermöglichung des Nordkorea-USA-Gipfels. Ab 2019 soll es keine Großmanöver mehr mit den USA geben. Künftig gibt es keinen Informationsaustausch mehr über Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm. Die beiden Fernostmächte streiten jetzt um Entschädigungszahlungen im Zweiten Weltkrieg. Bei der Parlamentswahl in Südkorea im April 2020 gewinnt ein Überläufer aus Nordkorea ein Mandat (Thae Yong Ho, ehemaliger Diplomat). Moons Demokratische Partei gewinnt die absolute Mehrheit. Zusammen mit ihrer Schwesterpartei kann sie sich 180 von 300 Sitzen sichern. Im märz 2022 findet ein harter Wahlkampf um die Präsidentschaft statt. Amtsinhaber Moon darf nach 5 Jahren nicht mehr antreten. Zur Wahl stehen der Linksliberale Lee Jae Myung und  der Konservative Yoon Seok Youl, Entscheidend die Wahl beeinflussen könnte Kim Jong Un aus Nordkorea (Raketentests). Yoon Suk Yeol gewinnt die Wahl und wird neuer Präsident. Er gilt als ultrakonservativer Hardliner, der auch die Konfrontation mit Nordkorea nicht scheut. Premierminister wird Han Duck Soo.  Der Oppositionsführer Lee Jae Myung will mit dramatischen Mitteln die Regierung stürzen. Nach einem Hungerstreik muss er ins Krankenhaus. Gegen ihn werden auch Korruptionsvorwürfe erhoben. Am 02.01.24 wird er in der Hafenstadt Busan mit einem Messer angegriffen. Nach einer Operation ist er nicht mehr in Lebensgefahr. Bei den Parlamentswahlen im April 2024 erreicht die Opposition einen Erdrutsch-Sieg. Damit wird der Präsident Staatschef Yoon Suk Yeol zur "Lahmen Ente". Muss der Staatschef vor Ende der Amtsperiode gehen?   In dem Land gibt es eine Bestattung auf Probe. Sie wird vom Hyonwon Healing Center in Seoul angeboten. Die Teilnehmer machen einen 2,5 Stunden-Kurs. Nach der Wiederauferstehung würden sich viele frisch beseelt fühlen. Der Kurs ist sogar umsonst. Seoul, die Hauptstadt Südkoreas, ist mittlerweile die Welthauptstadt der Schönheitsoperationen. Wer im Beruf und im Privatleben erfolgreich sein will, legt sich unters Messer. Immer mehr Touristen nutzen das Angebot zum Traumgesicht. Südkorea hat mittlerweile 2017 die höchste Lebenserwartung (WHO: Frauen 90,8; Männer 84,1).

Nationale Sicherheitsrat: Wichtiges Organ in Südkorea. Die Sitzungen finden auf verschiedenen Ebenen statt, je nach Wichtigkeit. Er muss sich meist mit Nordkorea auseinandersetze. Regelmäßig ist das, wenn wieder mal Raketen getestet werden.

Staatsrat: Präsident, Premierminister, Ressortminister und andere Personen (nicht mehr als 30 und nicht weniger als 15). Der Präsident hat den Vorsitz, der Premierminister ist Stellvertreter.

Nationalversammlung: So heißt das Parlament in Südkorea (Gukhoe). Ein-Kammer-Parlament mit 300 Abgeordneten. Ein Sechstel der Plätze wird unter denjenigen Parteien verteilt, die mindestens 3 Prozent der Stimmen erhalten haben.

Verwaltungsgliederung und wichtige Städte: 9 Provinzen und 8 Städte. Wichtige Städte: Seoul, Busan, Incheon, Daegu, Daejeon, Gwangju, Suwon, Ulsan. Die Hälfte der Einwohner Südkoreas lebt in und um Seoul herum. Das prägt die Bevölkerungsstruktur sehr stark. Insofern stehen Seoul und die Umgebung im Mittelpunkt. Daneben kann man den Osten, Zentralkorea, den Südwesten und den Südosten betrachten.

Exkurs. Busan: Mit knapp 3,7 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Stadt. Sie liegt in der Provinz Süd-Gyeongsang. Die Eisenbahn zwischen Seoul und Busan ist die älteste des Landes. 1876 musste die Stadt als Handelsplatz mit Japan geöffnet werden. Es gibt heute viel Industrie (Beton, Stahl, Glas). In der Nähe liegt der Hallyeo-Meeres-Nationalpark.

Rechtsordnung: Oberster Gerichtshof, Appelationsgerichte, Landgerichte, Familiengerichte, Kriegsgerichte. Der oberste Gerichtshof ist die letzte Instanz. Es gibt auch ein Verfassungsgericht. Es besteht aus 9 Richtern. 

Unternehmen/ Chaebol: Es ist die Bezeichnung für die netzwerkartige Unternehmensform in Südkorea. Man spricht von Konglomeraten. Die Entstehung geht auf die Zeit nach dem Koreakrieg zurück. Die größten Chaebols sind Hyundai, Samsung, LG, SK, Hanjin, Lotte und Daewoo. Sie sind im Besitz einer bestimmten Familie. Die Grenzen des gesamten Netzwerks können nur schwer gezogen werden. Managementprinzip ist "Inhwa": Prinzip der Harmonie.  In Süd-Korea entsteht eine Diskussion, ob das Wirtschaftssystem geändert werden sollte (Chaebols, riesige Familienkonzerngruppen). 2015 ist die Industrieproduktion erstmals seit dem 2. Weltkrieg rückläufig. Jedes fünfte der 30 größten Unternehmen kann seine Kredite nicht mehr bedienen. Im Herbst 2016 geht die Hanjin-Reederei in Insolvenz. Das bringt weltweit Lieferketten durcheinander 8auch bei Samsung). Ende September 2016 streiken 50.000 Arbeiter bei Hyundai. die Gewerkschaft fordert 7,2% mehr Lohn. Hyundai hat mit Gewinnrückgängen durch Währungsschwankungen und fallende Verkaufszahlen zu kämpfen. Im Oktober 2016 muss Samsung die Produktion des Flaggschiffs Note 7 einstellen. Rückrufe vorher waren nicht erfolgreich. Dadurch werden die Schwächen in der Konzernkultur aufgedeckt (Gründerenkel Jay Y. Lee ist unerfahren, der Patriarch in der Klinik, die Führung ist verunsichert). Auf Druck der Investoren wird die Gründung einer Holding und ein Börsengang in den USA geprüft. Der südkoreanische Elektronikriese LG verlegt seine Europazentrale von London in den Raum Frankfurt (Konsequenz des Brexit). Samsung übernimmt 2016 das US-Unternehmen Harman (Vernetzung von Fahrzeugen). Südkorea plant Ende 2016 den Verkaufsstopp einiger Automodelle aus Deutschland und Japan wegen fehlerhafter Angaben zur Zulassung (BMW, Porsche, Nissan). Schließlich verbietet die Regierung den Verkauf von BMW und Porsche. Mitte Januar wird ein Haftbefehl gegen Samsung-Erben beantragt (Vizepräsident von Samsung, Bestechung).Die BASF muss 2017 Geldbußen zahlen nach einem Phosgen-Unfall (Fahrlässiges Handeln, Gerichtsurteil). Hoher Schaden entsteht auch dem Schweizer Anlagenbauer ABB 2016 nach einem Betrugsfall (Unterschlagung, Veruntreuung). Ende August 2018 wird die Süd-Korea-Zentrale von BMW durchsucht. Der Hersteller steht im Verdacht, Mängel an Fahrzeugen unter Verschluss zu halten. Im Oktober 2018 kommt raus, dass Audi für die Zulassung von Autos in Südkorea jahrelang Fahrgestellnummern und Testprotokolle gefälscht hat. Mit falschen Angaben wurde die Zulassung von Autotypen erschlichen. Der Chef von Korean Air Cho Yang Ho wird im Oktober 2018 angeklagt (Untreue und illegale Geschäftspraktiken). 2018 gibt das Land Finanzhilfen für Autozulieferer. Mit umgerechnet 2,65 Mrd. € wird die kriselnde Branche unterstützt. Die Laufzeit von Krediten wird verlängert (auch für die Tochter von GM). Anfang 2020 legt der Coronavirus Hyundai lahm. Es fehlen Teile aus China. Wuhan ist ein Zentrum der Automobilindustrie in China. Im südkoreanischen Chemieunternehmen LG Chem in Indien kommt es im Mai 2020 zu einem Gasunglück (Styrol). Es gibt 11 Tote. Im Oktober 2020 stirbt der Sohn des Samsung-Gründers. Lee Kun Hee war gleichzeitig wirtschaftlicher Stolz und Personifizierung einer korrupten Elite in Korea. Ende 2020 übernimmt Delivero Hero aus Berlin das südkoreanische Start-up Woowa Brothers. Der Deal scheint zu hängen. Die Stimmung bei den Fahrern und Verbrauchern schlägt um. Im Februar 2021 gibt es einen Hackerangriff aus Nordkorea auf Pfizer. Man will an Informationen über den Impfstoff und die Bekämpfung des Corona-Virus ran. Südkoreanische Unternehmen sind wichtige Zulieferer für Unternehmen in China, Japan und den USA (Chips, LCD-Displays, Tankschiffe, Akkus).  Kein Automarkt der Welt wird so stark von einem einzigen Konzern dominiert wie der südkoreanische von Hyundai. Hyundai will ab 2023 E-Autos in Georgia / USA bauen. Vgl. zu den wichtigsten Unternehmen in Südkorea "Links, Unternehmen" auf der Seite "Links".

Parallel zur Großindustrie entwickeln sich auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Rund 60 Prozent der arbeitenden Bevölkerung sind in diesem Bereich tätig. Er dürfte weiter wachse. Dafür sorgt die herausragende Infrastruktur.

Aktienmarkt: Aktienindex ist der Kospl. 2020 entwickelte sich der Index extrem dynamisch (besser als der CSI/ China und der Nikkei/ Japan). Aus 100.000 € wären 126.900 geworden.

Exkurs: Samsung Electronics, Südkorea als Fallstudie (Jaebol, gegründet 1938 als Handelshaus von Lee Byung-chull, der Name bedeutet drei Sterne, bis 1993 im Logo, Drei ist in Asien eine Glückszahl; gelenkt von Everland, das zu 54% der Familie Lee gehört, nach dem Umsatz weltgrößter Technologiekonzern; der Name bedeutet drei Sterne, das Unternehmen soll kraftvoll und ewig strahlen wie die Sterne am Himmel; Mischkonzern, auch Schwerindustrie, Banken, Versicherungen, Hotels; gerät 2016 unter Druck wegen Handy Note 7; auch Massenrückruf in den USA wegen Waschmaschinen; das dritte Quartal 2018 ist ein Rekordquartal durch den Absatz von Chips; 2018 bricht aber der Gewinn insgesamt ein erstmals seit drei Jahren; immer wichtiger wird er Halbleiter-Bereich: Konkurrenten TMSC aus Taiwan, Intel aus den USA. Im Oktober 2020 stirbt der Sohn des Samsung-Gründers. Lee Kun Hee war gleichzeitig wirtschaftlicher Stolz und Personifizierung einer korrupten Elite in Korea. Lee Jae Yong führt als ältester Sohn von Lee-Kun-hee seit 2014 als Unternehmen als Vizepräsident: sein Vater hatte einen Herzinfarkt und starb . Er hat die Harvard Business School besucht, 1991 begann er für Samsung zu arbeiten, den Doktor hatte er nicht geschafft. Danach gab es verschiene Korruptionsskandale: Der Chef sitzt in Seoul im Gefängnis, Verstoß gegen Finanzmarktgesetze. 2024 kommt Samsung nicht aus der Krise. Teile der Chipssparte lasten schwer auf dem Konzern.  Beim Nachbarn SK Hynix läuft es viel besser. "Ändere alles, außer deiner Frau und deinen Kindern", berühmtes Motto von Lee Kun-hee). Andere bekannte Unternehmen sind Hyundai, LG und TSMC.  

Wirtschaft: BIP 2022 1,67 Bio. US$. Wachstum BIP 2022 2,6%. 2021 wächst die Wirtschaft so stark wie seit 2010 nicht mehr: 4% (Erholung). Der Export wuchs sogar um 9,7%. Der wichtigste Risikofaktor ist 2022 die Binnenwirtschaft (Omikron-Welle). 2020 schrumpfte die Wirtschaft (BIP) nur um -1%. Südkorea hat die elftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Größe entspricht in etwa der Ungarns. Sehr positive Faktoren sind die hoch gebildete Bevölkerung und der unbedingte Aufstiegswillen. Südkorea schichtet seine Währungsreserven von Dollar in andere Währungen um, ein immer größerer Teil wird auch in Gold angelegt, ebenso kämpft das Land mit den chinesischen Billiglöhnen, das Wirtschaftswachstum lag 2006 bei 4,9% (Prognose 2007: 5,8%), die Wirtschaft befindet sich im Aufschwung.  2018 betrug das Wirtschaftswachstum +2,6%. Das BIP pro Kopf lag bei 32.700 USD. Die Arbeitslosenquote war 3,7%. Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea liegt wegen der deutschen Automobilindustrie auf Eis, 2011 kommt ein Abkommen mit Deutschland zustande. 2010 schließen die USA und Südkorea ein Freihandelsabkommen. 2011 wird der Leitzins auf 2,75% heraufgesetzt um die Inflation von 3,5% zu bekämpfen. 2011 wird ein sechsmonatiges Handelsverbot gegen die Deutsche Bank erlassen. Die Wachstumsrate des BIP lag 2012 bei 2,7%, die ALQ bei 3,3%. Mittlerweile ist das Land relativ urban: 80% leben in Städten. Der größte Teil der Exporte geht nach China, die USA und Japan. Es gibt ein eigenes Ministerium für Mittelstand und Start-ups. 2018 will Südkorea den Handel mit Bitcoin verbieten. Daraufhin bricht der Preis ein -12%). Südkorea hat eines der besten Internetnetze. Das begünstigt einen digitalen Gründerboom. Am 23.01.2018 macht Trump seine Ankündigung war und führt Einfuhrzölle (Strafzölle) für den Import von  Solarmodulen (20 bis 30%) und Waschmaschinen (50%) ein  ein. Davon sind sehr stark China und Südkorea betroffen. Südkorea legt Beschwerde vor der WTO ein. Korruption, Kostenexplosion und Umweltsünden belasten die Olympischen Winterspiele. Der IWF traut Südkorea zu, am besten mit der Corona-Pandemie fertig zu werden (nur -3,$% BIP-Rückgang). Sofort nach Ausbruch der Schweinepest in Deutschland (Wildschwein in Brandenburg) erlässt Südkorea ein Importverbot für deutsches Schweinefleisch. Im Sommer 2019 liegt das Land im Clinch mit Japan über ehemalige Zwangsarbeiter. Es eskaliert ein Hightech-Boykott. Im dritten Vierteljahr 2020 wächst die Wirtschaft wieder um 1,9% gegenüber dem Vorquartal. Treibende Kraft war der Export, der von Juli bis September 20 um 15,6% zulegte. Der IWF prognostiziert für 2021 ein Wachstum von 2,9%. Der Anteil Südkoreas am Weltinlandsprodukt liegt 2020 bei 2,2% (2021: 2,3%, UBS Global Research). Die Deutsche Bank wird im Januar 2016 zu Strafzahlungen verurteilt (Marktmanipulation). Die Finanzmärkte in dem Land sind hoch volatil. Die IT-Branche ist der Hauptwachstumsbereich. Wegen Verstößen gegen die Emissionsvorschriften verhängt das Umweltministerium Bußgelder in Höhe von 54,3 Mio. € gegen BMW, Daimler und Porsche. 

Inflationsrate: Aktuell geht die Inflationsrate steil nach oben: 2023 5,6%. Im April 2022 liegt sie bei 4,78%. Schon 2021 betrug sie 3,7%. Ansonsten im historischen Überblick ist sie eher moderat.

Wirtschaft im Vergleich: Unter den großen Industrienationen liegt Südkorea auf Platz 13 in der Rangfolge beim BIP 2021. In Asien liegen davor: China/ 2, Japan/ 3, Indien/ 6. Vor Südkorea liegen Kanada/ 9, Italien/ 8, Großbritannien/ 5, Frankreich/ 7 und Deutschland/ 4.

Markt/ Wirtschaftsstruktur: Es dominieren Großkonzerne. Das sind vor allem Samsung, Hyundai, SK und LG. Die Konzentration in den einzelnen Branchen ist hoch. Es führen Stahlerzeugung, Halbleiter, Batterien, Elektrogeräte, Schiffbau, Baukonstruktion, Autoindustrie, Display. Es gibt auch viele neue Player, vor allem in der Informationstechnologie: Coupang, Daou Data, Netmarble, Naver. Quelle: German Trade & Invest.

Wirtschaftspolitik (Subventionen, Industriepolitik, Merkantilismus): Die Erfolge des Landes sind auch auf eine Wirtschaftspolitik zurückzuführen, die eine breit angelegte Industriepolitik betreibt mit Kombination staatlicher Planung, niedriger Wechselkurse und gezieltem Protektionismus (Beispiel Werften). Nach der Corona-Krise gibt die Fiskalpolitik Anschub: Die Staatsausgaben sollen 2021um 8,5% erhöht werden. Zusätzlich gibt es noch einen Nachtragshaushalt für 2020. Vgl. auch: Matthias Naß: Countdown in Korea, München  (Beck) 2017. Im Mai 2021 wird ein ambitionierter Plan zur Förderung der Chipindustrie vorgestellt: Mit hohen Steuernachlässen und hohen Subventionen (1,1 Mrd. $ im ersten Schritt) sollen die Halbleiterhersteller des Landes ermutigt werden. 2030 werden für 200 Mrd. $ Chipexporte angestrebt, doppelt so viele wie 2020. Hauptprofiteure sind Samsung und SK Hynix. Das Programm richtet sich gegen die USA, die EU und China. Direkt im Januar 2022 wird ein Nachtragshaushalt eingebracht. Er umfasst 14 Billionen Won (10 Mrd. €), um die Folgeschäden der Omikron-Welle zu lindern.

Strategisches Denken Südkoreas: Drei zentrale Ziele: Sicherheit, wirtschaftlicher Wohlstand, Einheit. Streben nach strategischer Autonomie. Gestaltung der regionalen Beziehungen. Mittelmacht mit schwachem Sozialsystem. Vgl. ausführlich dazu: Farkas, Barbara: Südkoreas politische und strategische Kultur, Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie, August 2023, Wien.

Energiepreise (subventioniert): Südkorea hat nach den USA die zweitniedrigsten Strompreise der Welt. auch hier wird ordentlich subventioniert. Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien: 7,8%.

KMU-Politik: Seit den 1980er Jahren Förderung von KMU und Start-ups. Seit 2017 sogar eigenes Ministerium. Die Wirtschaftsförderung soll dezentralisiert ablaufen.

Korea Corporate Governance Service: Privat. Kontrolle institutioneller Investoren. Bei Unternehmen gute Unternehmensführung. Es gilt der "Stewartship code".

Grundeinkommen in Südkorea: 2022 wird eine Konzeption entwickelt. Sie wird im Präsidentschaftswahlkampf vertreten. Das passt eigentlich nicht zu dem überzeugt kapitalistischen Südkorea. Die ausgaben für Soziales liegen bisher nur bei 10%. Sie sind damit niedriger als in jeden anderen Industriestaat. Der Anteil geringfügiger jobs ist übe rein Viertel gestiegen. Die Verschuldung privater Haushalte ist auf 104% des BIP gestiegen. Ab 2023 soll jede erwachsene Person ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten können. 250.000 Won (183€) werden pro Person gezahlt. Bis 2027 soll sich der wert vervierfachen. Das Geld soll auf spezielle Kreditkarten überwiesen werden und drei Monate bei Unternehmen aus der Region ausgegeben werden können. Das könnte ein zehntel des gesamten Staatshaushalts kosten. Finanzieren will man das mit Steuern aus Kohlendioxid-Emissionen und Grundbesitz. Schöpfer der Konzeption ist Lee Jae Myung. Vgl. Lill, Felix: Grundeinkommen für Einsteiger, in: Die Zeit Nr. 8/ 17.2.22, S. 26.

Notenbank: Die Zentralbank erhöht im Januar 2022 den Leitzins von 1 auf 1,25%. Man sieht Inflationsgefahren und Risiken an den Kapitalmärkten. Es soll mindestens noch eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr geben.

Koreanische Kommission für fairen Handel (KFTC): Sie ist auch Koreas Kartellbehörde. Sie ermittelt 2021 gegen Google/ Alphabet in Korea. Es geht um Wettbewerbsbehinderung. Das Verfahren endet mit einer Geldstrafe von 207,4 Milliarden Won (etwa 150 Mio. €). Google hindere bei seinem Betriebssystem Android andere Hersteller von Google nicht nicht genehmigte Versionen verwenden zu können. 2022 erlässt die Behörde eine strafe gegen Mercedes Benz (falsche Angaben zu Emissionen bei Dieselautos).

Rüstung und deutsche Unternehmen: Die Südkoreaner haben gute Werften. Deshalb kaufen sie meist Teile von deutschen Unternehmen. Motoren, Lenkwaffen u. a. (von TKMS/ Kiel, Rolls-Royce-Power-Systems/ Friedrichshafen). Die Gabler - Maschinenbau GmbH aus Lübeck liefert Komponenten wie Ausfahrgeräte für den U-Boot-Bau. Atlas-Elektronik aus Bremen liefert U-Boot-Sensoren. RWE will ab 2021 Windparks vor der Küste Südkoreas bauen. Südkorea taucht als einziges Land aus Asien in den oberen Plätzen der deutschen Rüstungsexporte auf: es taucht auf dem 10. Platz 2023 auf (erster Platz Ukraine vor Norwegen).

Südkorea hat 600.000 Soldaten. Denen stehen in Nordkorea 2 Mio. gegenüber. Das Gleichgewicht halten die USA und ihre Verbündeten. Im April 2024 schießt Südkorea einen speziellen Satelliten ins All. Er kann den Luftraum in Nordkorea überwachen.

Kaufmänner des Krieges: Südkorea will seine Lage als hoch gezüchteter Frontstaat zu Nordkorea industriepolitisch nutzen. Die Waffenexporte steigen rasant an. 2021 hat das Land schon einen Anteil von 2,2% an den weltweiten Waffenexporten. Es liegt hinter GB und Israel. Die eigene Aufrüstung wird auch verstärkt. Denn mit China, Nordkorea und Russland handelt es sich um feindlich gesinnte Atommächte. Vgl. Kölling, Martin: Südkorea. Die Kaufmänner des Krieges, in: HB 12./13./ 14. August 2022, S. 13. 2023 erwägt der Präsident die Beschaffung von Atomwaffen.  Die USA haben ihre hochmodernen Raketenabwehrsysteme (THAAD) stationiert, Sie sind eigentlich für Nordkorea bestimmt, können aber weit nach China hineinhorchen. Südkorea kann in der Regel Waffen wesentlich günstiger anbieten als andere Staaten (Subventionen, Löhne). Verkaufsschlager sind: Kampfjet KAJ KF-21 Boramae Tarnkappenflieger. Panzerhaubitze K9A2 Thunder feuert 56 Kilometer weit. Südkorea liefert 2023 auch Artilleriemunition an die Ukraine. Besonders bei Artilleriegranaten kann das Land einspringen. Europas Rüstungsindustrie hat Probleme. Es ist auch ein Signal an Nordkorea, dass im Ukraine-Krieg Russland mit Artilleriemunition beliefert.

Außenhandel mit Deutschland: Im Oktober 2021 steigen die deutschen Exporte nach Südkorea am stärksten (+18,1% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Das könnten Nachholeffekte von Lieferketten- und Logistikproblemen sein. Aus den Gründen im vorherigen Abschnitt dominieren Metall/ KfZ/ Maschinenbau. Die Virus-Variante Omikron könnte im vierten Quartal zu einer Stagnation führen. Der deutsche autohersteller Mercedes Benz soll 2022 20,2 Mrd. Won (14,7 Mio. €) zahlen, weil er angeblich falsche Angaben zu den Emissionen bei Diesel-Autos gemacht hat (Software). Die Strafe kommt von der südkoreanischen Kommission für fairen Handel (Wettbewerbsbehörde).  Sie fordert auch Mercedes Korea zu Korrekturen auf. Größter und wichtigster Hafen in Südkorea ist Busan. Hinter den großen chinesischen Häfen (Shanghai, Ningbo, Shenzhen, Guangzhou, Qingdao) ist er einer der größten Container-Häfen der Welt vor Tianjin/ China.

Vanadium: Südkorea liefert 17% des Vanadiums für die EU. An der Spitze steht immer noch Russland mit 44%. Südafrika liefert 16%. Man braucht Vanadium für die Stahlherstellung. 

Deutsche Direktinvestitionen: 2023 prüft Hapag-Lloyd einen Zukauf bei HMM (Werft) in Südkorea aus.

Offenheitsgrad der Volkswirtschaft: Exporte plus Importe in Prozent des BIP. Damit misst man die Einbindung in die Globalisierung. 2020 liegt der Wert für Südkorea bei 69,2%. Im Vergleich dazu: Deutschland 81,1%; China 34,5%; Japan 31,1%; USA 23,4%.

Kreativwirtschaft und Innovation: Korea arbeitet mit Innovationszentren in ganz Korea. Es gibt 19 insgesamt davon; sie bieten kostenlose Arbeitsplätze und umfassende Unterstützung für Gründer. Es handelt sich um eine Maßnahme, die von der Regierung unterstützt wird und das Land unabhängiger von Exporten machen soll (40% Exportquote 2020). Das bekannteste und größte Zentrum ist in Seoul: Seoul Center for Creative Economy and Innovation. Gezielt werden Gründungen in vier Strängen gefördert: Start-ups; Gründer mit Misserfolg; Start-ups, die bereits drei Jahre auf dem Markt sind (nächste Wachstumsstufe); Unternehmen, die Start-up-Ideen sammeln. Seoul ist eines der weltweiten Start-up-Zentren.

Innovationsstandort Seoul: Im weltweiten Ranking liegt Seoul auf Platz 10 (hinter Shanghai und Seattle, vor Washington DC und Tokio). Angetrieben von Förderprogrammen entsteht eine neue Gründerkultur. Auch German Accelerator in Asien fördert (von Singapur aus). Es gibt eine Seoul Business Agency. Daimler, BMW und Beiersdorf bezahlen Studien und Forschung. 2021 wurden 6,4 Mrd. US-$ in Start-ups investiert. Vgl. HB Nr. 116, 20.6.22, S. 14f.

Herausragende Sehenswürdigkeiten in Seoul sind: Gyeong-Palsat, Nationalmuseum, Gangnam-Bezirk.

Innovationen: 2021 gehen die Investitionen in Innovation leicht zurück: -0,2%. Quelle: OECD.

Projekt "Schwimmende Stadt":  In Südkoreas Hafenstadt Busan ist ein großes Projekt auf drei künstlichen Inseln. Das Quartier heißt Oceanix City. Es ist ein US-Start-up. Mitgründer ist Itai Madamombe. Vgl. Fritz, Martin/ Kuhn, Thomas: Neues Leben auf dem Wasser, in: WiWo 51/ 16.12.2022, S. 64f.

Korea als natürliches Experiment der Geschichte: Die stark divergierenden Institutionen der beiden Koreas haben zu unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen geführt. Allerdings muss man die Einschränkung machen, dass Südkorea am Tropf der USA und Nordkorea unter dem Einfluss Chinas steht. Es handelt sich also um einen Machtkampf der Supermächte als Stellvertreterwettbewerb (ein ähnliches Experiment hatten wir in Deutschland). Das BIP pro Kopf driftet seit 1973 total auseinander (2011: Südkorea ca. 18.000 $ , Nordkorea ca. 2700 $). Das muss mit den Institutionen zusammenhängen. Vgl. Acemoglu, Daron u. a.: Volkswirtschaftslehre, München 2020, S. 705ff.

Exkurs: Johan Nylander: The Epic Split (September 2020). Nylander ist schwedischer Journalist in Hongkong. Er entwickelt in seinem Buch die These, das eine Koexistenz zwischen Liberalismus und Autoritarismus nicht endlos möglich ist. Irgendwann muss es zu einem Crash kommen. Vor einem besonderen Balanceakt stehen Staaten, die demokratisch und liberal sind, aber wirtschaftlich auch von China abhängig sind: Südkorea, Japan und Deutschland. Untertitel des Reports: "Made in China" is going out of style.

Umwelt und Energie: Die Kapazität der Kohlekraftwerke wird 2019 immer noch ausgebaut (+ 18.900 Megawatt). Die Speicherkapazität der Stromversorger ist hier weltweit am höchsten (839 Megawatt; Deutschland liegt an vierter Stelle hinter China und USA). Der Abbau von Mika (Glimmer), das man für die Autoindustrie und Kosmetika braucht, führt zu Umweltschäden. Bis 30% soll der Anteil an erneuerbaren Energien bei der Stromversorgung bis 2030 ansteigen. Trotzdem muss Südkorea noch in hohem Ausmaß Öl und Gas auf den Weltmärkten einkaufen. Durch den Ukraine-Krieg treten manchmal auch Südkorea und Deutschland in Konkurrenz um LPG auf dem Weltmarkt. Bei volatilen Verträgen gewinnt der den Zuschlag, der den höchsten Preis bietet (da sind schon Schiffe nach Südkorea umgekehrt). Andererseits hat Südkorea die Situation auf dem Weltölmarkt ausgenutzt. Nach Ausbruch des Ukraine-Krieges Erdölimporte aus Russland +55% (Starke Reduktionen: EU, China, Türkei). 

CO2-Emission/ Kopf: 12,1 t.

Südkorea hat eine äußerst energieintensive Industrie, Das Land ist der achtgrößte Energieverbraucher der Welt. Fossile Brennstoffe (LNG, Erdöl, Kohle) werden zu über 94% aus dem Ausland importiert. Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien beträgt nur 7,8%. Das Land subventioniert die Energiepreise stark, so dass sie nach den USA die zweitniedrigsten aller Industrieländer sind.

Internationales Plastikabkommen: Weltweites Plastikabkommen: Es gibt immer wieder Verhandlungen. Die jüngste Runde 2024 findet in Ottawa/ Kanada statt. Seit 2022 wird dort von den Mitgliedsstaaten der UN verhandelt. Die größten Blockierer sind Staaten mit starker Kunststoffindustrie und fossilen Rohstoffen (USA, Russland, Saudi-Arabien, Süd-Afrika). Der größte Kunststoffhersteller der Welt ist ExxonMobil in den USA. Ziel ist ein Vertrag zur Reduzierung der Plastikflut und des Plastikmülls. Die Abschlusskonferenz soll in sechs Monaten in Südkorea stattfinden.

Bodenschätze: Anthrazitkohle, Eisenerz, Kaolin, Grafit, Wolfram. Lithium, Seltene Erden und andere Rohstoffe werden zu über 90% importiert. 1983 hat man Koreas größte Silbermine entdeckt: bei Wolseong in der Provinz Gyeongsang. Sie soll angeblich 10 Mio. Tonnen Silber enthalten.

Landwirtschaft: Bis zur Besetzung durch die Japaner 1910 gehörte sämtlicher Grund und Boden dem König. Der Adel und ein Paar Großgrundbesitzer hatten das Recht, den Boden zu kultivieren. auch nach der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft änderte sich praktisch nichts. Es kam zur Anhäufung von Land in den Händen weniger Familien. Nur rund 30% des Landes sind für Ackerbau geeignet. Drei Viertel dieser Fläche ist Nassanbau, vor allem Reis. Ein Viertel bleibt für den Rest: Roggen, Gerste, Weizen, Sojabohnen, Gemüse. Der Anteil am BIP liegt bei 1,76%. 5,3% der Bevölkerung arbeiten hier. Hinzu kommen Forstwirtschaft und Fischerei. Die Küstengewässer sind weitgehend leer gefischt.

Saemaul Undong: Hilfsprogramm für die Landbevölkerung 1971. Der Teufelskreis der Armut sollte durchbrochen werden. Es entstand die  "Neue-Gemeinde-Bewegung". Sie diente später als Vorbild für andere asiatische Länder.

Müll-Ballons: Ende Mai und  Juni 2024 schickt Nordkorea Müll-Ballons über die Grenze nach Südkorea. Sie werden reihenweise geschickt (Inhalt: Zigarettenstummel, Papier, Kleiderfetzen, Plastik und andere Abfallprodukte). Sie werden vom Generalstab in Südkorea genau gezählt. Bis Anfang Juni 2024 waren es schon 720. Gleichzeitig gibt es Störangriffe gegen das Satelliten-Navigationssystem GPS. Südkorea erwägt, die Propagandamaßnahmen gegen den Norden wieder aufzunehmen. Sie waren 20218 nach Annäherung eingestellt worden. Es waren hauptsächlich Durchsagen mit Lautsprechern an der Grenze. 2021 hatte dann die liberale Regierung in Südkorea ein Gesetz erlassen, das das Versenden von Flugblättern und anderer Objekte an der Grenze verbot. Das Verfassungsgericht hatte das Gesetz 2023 aufgehoben. Im Juni 24 stellt das Militär wieder Lautsprecheranlagen an der Grenze auf. Es werden Durchsagen nach Nordkorea gemacht (auch Popmusik, Reichweite 20 km). .

Bevölkerungs- und Sozialstruktur als Problem: 51,78 Mio. Einwohner. Sehr homogen. Fast 100% Koreaner, nur 600.000 Chinesen als Minderheit. Verteilung: Stadt 81,4%; Land 18,6%. Wachstum -0,2%. Geburtenrate 0,98 2018 (niedrigste der Welt). So löst sich der Bevölkerungszuwachs von selbst. Im Jahre 2050 werden 40% der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein. Derzeit wird die Rente und die Krankenversicherung der Senioren von den Jungen finanziert, die arbeiten. Das funktioniert nur so lange, wie das Verhältnis stimmt. Südkorea gilt als das erste Land, in dem das Verhältnis kippen wird. Die Regierung fürchtet ein Zusammenbrechen der Wirtschaft und tut alles, um die Geburtenrate zu erhöhen (eigentlich müsste sie auf 4,5 bis 4,8 Kinder steigen). Seit 2006 wurden dafür 270 Mrd. $ investiert (Entbindungskosten, Krippen, Kindergärten, Familientag). Nichts wirkte. Quelle: Südkoreanische Forschungsinstitut Kihasa. In der Vergangenheit gab kein Land er Welt so viele Babys zur Adoption frei wie Süd-Korea. Viele Babys wurden in die USA vermittelt. 2022 sind weitere Maßnahmen in Planung: Verdopplung der Ausgaben für Kindergeld. Kindergeld von 100.000 Won (rund 73 €) pro Monat und Kind statt bis zum 7. Lebensjahr bis zur Volljährigkeit. Günstige Kredite für Geringverdiener zum Kauf einer Wohnung, vor allem für Familien. Der Präsident hat eine Taskforce "Geburtenrate" eingerichtet (Kindergärten, Schulbetreuung, Kindergeld). Sie verfügt über 145 Mrd. €. Noch 1960 bekamen Südkoreanerinnen durchschnittlich 6 Kinder. In den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde die Sterilisation empfohlen. Die Geburtenrate fiel mit dem Wandel von Agrarstaat zum Industrieland. Viele Frauen sehen sich vor einer Alternative: Ein Kind zu bekommen und sich für die Familie zu entscheiden oder sich beruflich zu verwirklichen. In keinem OECD-Land sind berufstätige Frauen ihren männlichen gegenüber so benachteiligt wie in Südkorea. Vgl. Peters, Katharina Graca: Land ohne Kinder, in: Der Spiegel Nr. 6/ 26.2.22, S. 82ff.

Der Stress der Pandemiefolgen belastet in Südkorea vor allem junge Frauen. Ihre Suizidrate schnellt hoch. Sie ist ohnehin - auch ohne Pandemie - die höchste aller Industriestaaten. Die Todesrate in der Altersgruppe von 21 bis 29 Jahren ist von Januar 2020 bis August 2020 um 40% angestiegen. Die Gründe dürften mit den patriarchalischen Strukturen zu tun zu haben. Männer haben in der Regel noch die Hauptbeschäftigung, Frauen werden meist als überschüssige Hilfskräfte eingesetzt. Das spiegelt sich auch in der Lohnstatistik wider. Kein anderes OECD-Land weist ein höheres Lohngefälle zwischen Männern und Frauen aus. Die koreanische Gesellschaft leidet seit mehreren Jahrzehnten an einer der höchsten Suizidraten überhaupt. Gründe werden auch in der rasanten Transformation nach dem Koreakrieg gesehen. Traditionelle Familienstrukturen sind im Turbokapitalismus auseinander gebrochen. Das Sozialsystem ist unterentwickelt. Leistungsdruck und Konkurrenzkampf setzen den Menschen zu. Hinzu kommen Vereinsamung und Tabuisierung.

2023 sinkt die Geburtenrate weiter auf 0,78 Kinder (Quelle: Nationales Statistikamt). Nirgends auf der Welt ist die Fruchtbarkeitsrate niedriger. Paare heiraten späterm viele entscheiden sich gegen Familie und Kinder - auch wegen der hohen Wohnungspreise und Bildungskosten. 200 Mrd. US-$ flossen in den vergangenen 16 Jahren in Förderungsprogramme. Man müsste einen Wandel in der Gesellschaft herbeiführen (Frauen wertschätzen, Mütter unterstützen). Vgl. Der Spiegel 9/ 25.2.23, S. 75.

2024 kommt es zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gegen den Geburtenrückgang. In der Hauptstadt Seoul gibt eine Prämie für das Einfrieren von Eizellen.

Gesellschaftsschichten: Noch heute starke Differenzierung in Schichten. Das hat eine jahrtausendelange Tradition. Oberschicht (Yangban), die Mittelklasse, das einfache Volk (Sangnom) und die Rechtlosen. Die Oberschicht umfasste Adel, höchste Beamte, Lehnsherren, einige Gelehrte. Mittelschicht waren Beamte. Das einfache Volk waren Handwerker, Händler, Bauern und Künstler. Zu den Rechtlosen gehörten Schlachter, Schauspieler, Schamanen, Mönche. Diese Differenzierung ist heute noch in den Köpfen drin. Vgl. Südkoreas, Berlin (Trescher Verlag) 2023, S. 83ff. Der Gini - Koeffizient der Verteilung liegt bei 31,0 (2010).

Rolle der Frau: Die Gesellschaft in Südkorea ist hypermodern und traditionell zugleich. Das führt zu Zerrissenheit im Frauenleben. Die Geschlechterrollen ändern sich kaum. In der Schule haben die Mädchen beim Mittagessen weniger Zeit als die Jungen. Sie werden durch unpraktische Kleidungsvorschriften schikaniert. Es gibt Belästigungen von Frauen. Man beobachtet auch eine Unvereinbarkeit von Kindererziehung und Karriere. Vgl. Liebert, Juliane: Jederfrau außer sich, in: Süddeutsche Zeitung Nr. 39, 17.2.2021, S. 11. Auch: Cho Nam-Joo: Kim Jioung, geboren 1982, Köln 2021 (ein Welterfolg, der auch verfilmt wurde). Im Herbst 2022 wird in Seoul eine junge Frau umgebracht - von einem Stalker. Gewalt gegen Frauen bleibt ein massives Problem. Südkorea ist hauptsächlich noch patriarchalisch. Es gibt viele schädliche Stereotype. Vgl. Kretschmer, Fabian: Toxische Männlichkeit, in: Die Rheinpfalz 21.9.22.   Eine der bekanntesten  Frauen in Südkorea ist Soyeon Schröder-Kim. Sie ist eine südkoreanischer Wirtschaftsmanagerin und in zweiter Ehe mit dem siebten Bundeskanzler der Bundesrepublik Gerhard Schröder verheiratet (für ihn die fünfte Ehe).

Exkurs. Politische Einstellungen der Generation Z: Die Untersuchungsergebnisse sind über alle Länder gleich. In Südkorea, in China, in Deutschland, in den USA, in Tunesien passiert es. Die politische Denkungsart variert nach Geschlecht. Junge Männer wenden sich nach rechts (good old days), Nach links und ins Grüne neigen die jungen Frauen (Freiwilligkeit first). In Südkorea und China sind die Geschlechterunterschiede noch krasser. Das ist eines der globalen Probleme unserer Zeit. Eine deutliche Folge ist eine geringe Geburtenrate.  Quelle: Daten der Financial Times, 2024.

Exkurs. Konfuzianismus, Industriegesellschaft, Geschlechterrollen und  modernes Leben:  Männer müssen in Südkorea zum Militär, Frauen nicht. Das gibt Frauen im Berufsleben einen Vorsprung. Trotzdem herrscht ein großes Lohngefälle zwischen den Geschlechtern. Frauen verdienen im Schnitt für gleiche Tätigkeiten 30% weniger. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 52 Stunden. Da bleibt keine Zeit für Familien. "Sam Po" ist eine Bezeichnung für Frauen, die nur auf die Karriere blicken. Alle Kraft gilt dem Beruf. Als Gegenbewegung gibt es anti-feministische Bewegungen mit zunehmendem Frauenhass. Jede dritte Koreanerin soll Gewalt erfahren haben. Die Stereotypen haben sich wenig geändert und sind vom Konfuzianismus geprägt (Frau hat sich dem Mann unterzuordnen, Hausfrau). Das Ministerium für Gleichstellung soll wieder abgeschafft werden. Eine besondere Stellung hatten die Gisaeng. sie sind mit den japanischen Geishas vergleichbar. Sie gehören zu den Rechtlosen. In Wirklichkeit ist ihre Stellung aber sehr gehoben (Gesellschafterinnen).

Exkurs. "Die Brücke des Todes und Happy dying". Sie ist in Seoul und steht als Symbol für Selbstmord. Südkorea hat die höchste Suizidrate der Welt. Das ist die Folge gnadenlosen Wettbewerbs und extrem hoher Arbeitsintensität in der Gesellschaft. Man versucht das zu bekämpfen mit einer Art Schock-Therapie. Man nennt sie "Happy dying (glückliches Sterben)". Man probt das Sterben und den Tod. Dazu wird man auch in einen Sarg gelegt. Das soll gegen Depression, Burn-out und Selbstmordgedanken helfen. Symbolisch wird das Ich zu Grabe getragen, so dass ein Neuaufbau beginnen kann.

System der Altersberechnung: Es gibt eine traditionelle Methode der Altersberechnung. Man spricht von koreanischer Methode. An jedem 1. Januar hat man ein Jahr und nicht etwa am Geburtstag. Es gibt noch zwei andere Berechnungsmethoden. Um mit dieser Verwirrung aufzuhören, soll spätestens ab Juni 2023 nur noch eine Methode gelten (Parlament). Dann soll das internationale System gelten. Einige Koreaner können dann zwei Jahre jünger werden.

Exkurs. Discos für Senioren: Kaum ein Land altert so schnell, weshalb sich viele Jugendklubs neu erfunden haben: als Discos für Senioren. Altersgerecht öffnen die Discos schon morgens. Sie sind gut besucht. Manche wollen jemand kennen lernen, andere sich einfach mal bewegen. Die Alten sind allerdings oft vom Wohlstand abgekoppelt, weil sie niedrige Renten haben. Viele sammeln Artikel für Recycling-Höfe oder spülen in Küchen. Sie üben oft das Tanzen mit You Tube - Videos. Das Tanzen ist gegen Einsamkeit und Alter. Auch bei Senioren ist die Suizid-Rate hoch. Nicht selten führt ein Tanz zu einer Romanze - auch wenn beide verheiratet sind. Scheidung kommt für viele ältere Südkoreaner nicht in Frage. Vgl. Peters, Katharina Gracia: Den Tag zur Nacht machen, in: Der Spiegel 24/ 8.6.24, S. 84.

Prominente mit Mobbing - Vergangenheit: In Südkorea werden Volleyballerinnen, Fußballer, Schauspieler und K-Pop-Größen im Jahre 2021 öffentlich beschuldigt, während ihrer Schulzeit andere Kinder drangsaliert zu haben. Manche entschuldigen sich, viele streiten alles ab, denn die Konsequenzen, die sie zu erwarten haben, sind drastisch. Die Welle der Mobbing - Klagen begann in Februar.  Mitglieder von Mannschaften wurde mittlerweile suspendiert, Profis verlieren ihre Jobs. Es ist eine Bewegung moralischen Reinemachens. Das Sportministerium will bei der Auswahl der Athleten künftig das Strafregister berücksichtigen. Wer als Kind versagt, trägt die Verantwortung noch als Erwachsener. Die Kraft der Sozialen Medien ist groß in Südkorea. Vgl. Hahn, Thomas: Prominente mit Mobbing - Vergangenheit, in: SZ Nr. 56, 9.3.2021, S. 8.

Gesundheit: Das Corona-Virus (Covid-19), das in China in der Stadt Wuhan zuerst ausgebrochen ist, löst überraschend viele Infektionen in Südkorea aus: Am 20. Februar 2020 steigt die Zahl der Infizierten von 53 auf 104. In der südöstlichen Stadt Cheondo stirbt eine Frau. Viele neue Fälle wurden aus Daegu und der Provinz Nord-Gyerongsang gemeldet. Dort trifft es besonders hart Mitglieder der christlichen Sekte Shincheonji, die auch starke Verbreiter sind.  Staatschef Moon Jae verhängt die höchste Seuchen-Alarmstufe. Am 24.02.20 gibt es 602 Infizierte und 4 Todesopfer (die höchste Zahl nach China). Am 12.3. ist man bei 7.700 Infekten und 60 Todesfällen (Mortalitätsrate 0,77%). Bis zum 26.3.20 hatte Südkorea 9241 Infizierte und 131 Tote. Südkorea scheint die Seuche in Griff zu bekommen. Das Land wird als Wunder und Vorbild gesehen. Die systematische Früherkennung von Infektionen war und ist der Grundpfeiler der Südkoreaner (möglichst viele Tests; 5744 Tests pro Million Einwohner; Weltspitze). Die Behörden setzen auch auf radikale Transparenz: Warnungen aufs Handy bei Corona - Hotspots, Bewegungsprofile von Infizierten. Hinzu kommen Desinfektionen überall mit hohem Personaleinsatz, Hygiene und Atem-Masken. Südkorea wird zusammen mit Singapur als Benchmark in der Corona-Krise gesehen. Besonders anerkannt ist Südkorea als Test-Hochburg. Das Land entwickelt sich zur Exportmacht für die heiß begehrte Diagnostik. Die DNA - Amplifikationstest - Methode wurde im Land entwickelt. Der Test soll von der ISO (Organisation für Normung) zum Standard erhoben werden. Der Schnelltest liefert innerhalb von 10 Minuten ein zuverlässiges Ergebnis. Das ist ein Exportschlager und ein Supergeschäft für die Firma Sugentech (500.000 Testkids pro Woche, 17,50 $ das Stück). Das könnte auch die angespannten Handelsbeziehungen zu den USA und Japan wieder verbessern. Man fürchtet im Mai 2020 eine zweite Viruswelle. Im Fokus steht die Schwulen-Szene in Seoul. Damit müssen Homosexuelle jetzt doppelt Angst haben. Ein infizierter junger Mann, der mehrere Clubs besucht, steckt im Ausgeh-Viertel von Seoul (Itaewon) 86 andere an. Mehr als 5600 Menschen werden daraufhin gesucht. Süd-Korea wird von einer zweiten Welle erfasst Ende Juni 2020. Sie ist eher leicht, aber kontinuierlich steigend. Es gibt 13.000 Infizierte. Im Dezember 20 und Januar 21 gibt es eine dritte Welle. Allerdings bleiben die Infektionsraten im Vergleich zu Deutschland eher gering. Südkorea hat da svirus besser bekämpft als andere. Nur China steht besser da. Die Wirtschaft schrumpfte 2020 nur geringfügig (-1%).

Korea Center for Disease Control und Prevention (KCDC): Amerikanischen Behörde als Vorbild. Hat sehr viel Erfahrung mit der Bekämpfung von Corona-Seuchen: 2003 Sars. Danach wurde das Institut gegründet. 2009 H1N1. 2015 Mers. Man arbeitet mit Quarantäne. Wer sich nicht daran hält muss 7500 Euro Strafe zahlen. Man ist erfolgreich mit einem Tracing-System.

Lebenserwartung: Südkorea ist auf Platz 11 bei der weltweiten durchschnittlichen Lebenserwartung (Deutschland 29, Monaco 1, Japan 4). Das fortschrittliche Gesundheitssystem, die technologischen Fähigkeiten der Medizin und die gesunde Ernährung tragen dazu bei.

Exkurs: Psychische Gesundheit in Japan und Süd-Korea: 2020 steigt die Suizidrate in Japan wieder an auf 21.919 Tote. Sie ist eine der höchsten in der Welt. Deshalb gründet die Regierung 2021 ein Ministerium für Einsamkeit (Minister wird Sakamoto; GB hatte das Gleiche 2018 schon gemacht, weltweit erster Minister). Die Suizidzahlen sind hoch bei Frauen, Selbständigen und Arbeitslosen. Die Pandemie hatte die Gesundheitsprobleme verschärft: isolierte Arbeit am Computer sowie familiäre Trennungen vor allem wegen der verengten Wohnbedingungen. Ein erster Aktionsplan ist in Arbeit. Aktivitäten sollen gefördert, die Einsamkeit und Entfremdung soll verhindert werden, die Bindungen zwischen den Menschen sollen geschützt werden. Auf konkrete Maßnahmen darf man gespannt sein. Vgl. Köhler, Angela: Auf verlorenem Posten, in: Rheinpfalz Nr. 135, 15. 6.2021, S. 1 Korea hat die höchste Suizidrate unter allen Industrieländern. Ursache dürfte der extrem hohe Leistungsdruck und die Vereinsamung durch Trennung von alten Rollenbildern (Konfuzianismus) sein. Die "Brücke des Todes" in Seoul erringt traurige Berühmtheit.

Exkurs. Die Fernseh-Psychiaterin Dr. Oh: Sie heißt eigentlich Oh Eun Young. Sie "legt Südkorea auf die Couch". Sie bricht ein gesellschaftliches Tabu und erreicht damit ein Millionenpublikum. Sie hat eine Mission. Sie ist auf Kinder und Jugendliche spezialisiert. In der Anfangsphase der Show besuchte sie ihre Klienten auch Zuhause. Sie sammelte in den Wohnungen Stromkabel, Schuhlöffel und Fliegenklatschen ein, mit denen Eltern die Kinder gezüchtigt hatten. Sie will das Bewusstsein für psychische Gesundheit schärfen. Sie ist auf allen Kanälen tätig. Das Zentrum für psychische Gesundheit sieht einen enormen Nachholbedarf in Südkorea. Jeder Fünfte leidet während seiner Lebenszeit mindestens einmal an psychischen Störungen. Vgl. NZZ 27.3.24, S. 7..

Exkurs. Ginseng (Panax ginseng):  Sie gehört zu den ältesten asiatischen Pflanzen. Urheimat ist Korea. Sie wird auch "Wurzel des Lebens" genant. Sie war einst wertvoller und begehrter als Gold. Sie galt damals und auch heute noch in Asien als Sinnbild für ein langes Leben. In ihrem August-Heft 2022 hat Stiftung Warentest Ginseng-Präparate in Deutschland getestet.

Exkurs: Kimchi: Koreanisches Sauerkraut. Balsam für den Darm. Es gilt als besonders gesund, besonders für das Immunsystem. Es unterscheidet sich zum deutschen Sauerkraut durch die Fermentierung und die Gewürze: Milchsäure (Gärung), Knoblauch, Chili, Fischfermente.

Wirtschaftsgeschichte: Nach dem Korea-Krieg förderte die südkoreanische Regierung (mit Duldung durch die USA) den Aufstieg von eigenen Unternehmen zu Weltkonzernen, indem sie den Heimatmarkt zunächst mit Zöllen abschottete und ausländische Unternehmen in Joint Ventures zwang. Sie holte so Technologie und Know-how ins Land. Dieses Modell kopierte später China.

Digitalisierung: Das Land ist 2019 schon voll auf 5G-Technik umgestellt. Mit 28,6 Megabit pro Sekunde fließen Datenmengen durch das Internet. K-City südlich von Seoul ist seit Ende 2018 als erste Teststrecke der Welt für autonomes Fahren in Betrieb. Bis 2023 sollen über 23 Milliarden Euro in fünf Dienstleistungsbereiche fließen (darunter Gesundheitssystem).

Online-Konsumgüterhandel: Südkorea liegt weltweit klar an der Spitze (2022). Diese Sparte macht 29% aus. Es folgen weitere asiatische Länder: China mit 27%, Taiwan mit 17%. Quelle: Kantar.

Südkorea als zukünftige Großmacht bei Chips: Präsident Yoon möchte in den kommenden 20 Jahren drei Millionen Jobs in der Halbleiterbranche schaffen. Das soll ganz ohne Milliardensubventionen gelingen - anders als in Deutschland. Samsung (zweitgrößter Hersteller der Welt) soll den Chipriesen TSMC aus Taiwan attackieren. Südkorea will insgesamt 16 weitere Werke bauen. Zweiter großer Anbieter ist SK Hynix (sechstgrößter der Welt). Der Staat nimmt Geld für die Infrastruktur in die Hand. Der Staat stützt die Halbleiterindustrie mit 17,5 Mrd. Euro- Die Gelder sind für Finanzierung, Infrastruktur und Forschung. Auch KMU sollen unterstützt werden. Für Investitionen sind 6,4 Mrd. € vorgesehen. ein Großteil des Geldes läuft über die staatliche Korea Development Bank. Es soll auch Steuererleichterungen geben.

Exkurs. Zepeto als Metaversum: Es startete 2019 als Onlinespiel. Inzwischen ist es die bedeutendste Metaversum - Plattform in Asien. Es ist eine virtuelle Welt mit Straßen, Häusern, Restaurants und Discos. 300 Mio. Nutzer treffen sich auf virtuellen Partys, besuchen Modeboutiquen, schauen sich Konzerte an oder verabreden sich zum Grillen. In Südkorea funktioniert diese Parallelwelt besonders gut, weil dei reale Welt immer noch von einem starren Netz von Regeln und Normen geprägt wird. Virtuelle Welten sind nichts Fremde sin Südkorea. 70% der Nutzer sind Frauen. "Es geht nicht darum, wer du bist, sondern wer du sein willst". Vgl. Peters, Katharina Graca: Du hast die Macht, in: Der Spiegel Nr. 31/ 30.7.22, S. 76f.

Arbeitsleben: Qua Gesetz gilt die 40-Stunden-Woche. Ebenso laut Gesetz kann der Arbeitgeber bis zu 12 Überstunden verlangen. Also gilt eher dei 52 -Stunden-Woche. Das monatlich Durchschnittseinkommen liegt 2023 bei 2700 Euro. Frauen beziehen in der Regel nur 65% vom Verdienst ihrer männlichen Kollegen. Nur noch 1,8% der Wirtschaftsleistung werden in der Landwirtschaft erarbeitet, 32,8%  in der Industrie, 58% im Dienstleistungssektor.  Vgl. Dietsch, K. A.: Südkorea, Berlin 2023, S. 91. "When too perfect, lieber Gott böse", Koreanischer Videokünstler Nam June Paik.

Arbeitsbedingungen: Die Arbeitsbedingungen sollen massiv verbessert werden. Bis 2020 soll der Mindestlohn auf 10.000 Won angehoben werden. Es könnte Arbeitsplatzverluste bei Klein- und Mittelbetrieben geben durch die Mehrkosten. Es gibt staatliche Förderprogramme für KMU. Im Februar 2018 kommt ein Gesetz zur Verkürzung der gesetzlichen Wochenarbeitszeit. Seit Juli gilt in Betrieben mit mehr als 300 Mitarbeitern eine maximale gesetzliche Wochenarbeitszeit von 52 Stunden (bisher: 68). Quelle: Fischer Weltalmanach 2019, S. 280. Die Betriebe versuchen mit allen Mittel, die Einrichtung von Gewerkschaften zu verhindern. In Seoul demonstriert seit über einem Jahr Kim auf einem Sendemast auf einer winzigen Plattform. Er wurde von einer Samsung-Tochter entlassen, weil er eine Gewerkschaft im Betrieb organisieren wollte. Er fordert von Samsung Wiedereinstellung. Kim ist eine berühmte Institution und hat seine Fans.

Sozialversicherung und Soziales: Seit 1960 gibt es ein System der sozialen Sicherung. Es gibt eine Krankenversicherung, Firmen und Beschäftigte zahlen je die Hälfte. Der Staat schießt Finanzhilfen zu. Das Krankenversicherungsgesetz ist von 1963. Andere Gesetze sind: Sozialhilfegesetz (1961), Hilfe für Katastrophenopfer (1962), Unfallversicherung (1963), Sicherung der Arbeitsplätze (1967), allgemeine Wohlfahrt (1970), Altershilfe (1981). 28% des Staatshaushalts  sollen in soziale Einrichtungen fließen, wozu auch der Wohnungsbau gehört.

Menschenrechte und Tradition: Das südkoreanische Verfassungsgericht muss die Spannung zwischen konfuzianischen Traditionen und universellen Menschenrechten austragen. Einzelfälle werden verfassungsrechtlich geprüft. Die Institution des männlichen Haushaltsvorstands wurde durch Einführung einer individuellen Meldepflicht abgeschafft. Die Regelung, dass die eigenen Eltern und Großeltern nicht strafrechtlich verklagt werden dürfen, wurde beibehalten. Die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare werden gestärkt: Krankversicherung muss homosexuelle Partner mitversichern. Trotzdem ist die Diskriminierung von LGTBQ in Südkorea noch hoch.

Kultur:  Die Kultur ist eine der ältesten der Welt (seit 2400 v. Chr.). Knapp die Hälfte aller Süd-Koreaner heißen Lee, Kim oder Park. Kaum ein Land hat so wenige Nachnamen. Der Nachnamen wird zuerst genannt. Essayist Lee O-Young antwortete auf die Frage von Schriftsteller Tiziano Terzani, was Korea ist: "Ein Ort im Wind. Ein Krebs zwischen zwei Walen" (die heißen China und Japan). Kimchi ist ein Hauptgericht in der koreanischen Küche (Gemüse). Hanbok heißt das traditionelle Gewand für Festtage, das von Männern und Frauen getragen wird. Gyeongbokgung heißt und hieß die Residenz der Königsfamilie (Hauptpalast der Joseon-Dynastie, 1392-1910). Hapkido heißt die koreanische Kampfkunstart. Kakao-Talk ist das koreanische Whats App. Die Koreaner sollen von Tan Gun abstammen (Verbindung von Gott mit Bär, der sich in Frau verwandelte, 333 v- Chr. erstes Staatsgebilde). Ginseng ist die herausragende Heilpflanze (vor allem der rote). Vgl. Christine Liew: Iwanowski`s Reisegast in Korea, 2013; Klaus A. Dietsch: Südkorea, 2015. Die koreanische Sprache ist stärker mit dem Japanischen als mit dem Chinesischen verwandt (Grammatik, Wörter). Trotzdem war China über die Jahrhunderte kulturell der große Einflussfaktor. Die koreanischste aller Speisen ist Kimch`i (Milchsäure vergorener Chinakohl). Sehr stark hat sich die Beerdigungszeremonie geändert.  Sie ist eng mit dem Ahnenkult verbunden. Sie dauerte drei Tage und die Toten wurden bei den Familien aufgebart. Auf einem nach Norden aufgerichteten Traueraltar wurde die Leibgerichte und -getränke aufgereiht. Die Leiche wurde in weiße Chrysanthemen eingebettet. Im Raum Seoul gibt es mittlerweile immer mehr schlichtere Abschiede. Immer öfter sterben auch Menschen, die niemand vermisst. 2020 wird ein Zivildienst für Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen eingeführt (im Gefängnis, dreijähriger Dienst). In Südkorea ist es gesetzlich verboten, sich positiv über den verfeindeten Norden zu äußern. Das gibt zu allerlei Klischees Anlass. Beim Messen des Geburtstages hat Südkorea eine Besonderheit: Man feiert den Geburtstag am Neujahrstag. Seoul überprüft ab 2018 jeden Tag 20.000 Toiletten. Das ist eine Reaktion auf die Installation versteckter Kameras. China ist mittlerweile der größte Handelspartner Südkoreas; sowohl bei Importen als auch bei Exporten abhängig. Vom 30 April 2021 bis 5. September 2021 findet in Bern/ Schweiz folgende Ausstellung statt: Grenzgänge - Nord- und südkoreanische Kunst aus der Sammlung Sigg. 2021 erregt eine Netflix - Serie Aufsehen: Sie heißt Squid Game und ist als Gesellschaftskritik gemeint. Sie kommt aus Südkorea. Die Serie arbeitet mit extremster Brutalität. Immer wieder Streitpunkt in der Kultur ist Hundefleisch. Der Verzehr hat in Korea eine lange Tradition. Pro Jahr werden etwa eine Mio. Tiere geschlachtet und verzehrt. Man beruft such auf Konfuzius (der zwischen Jagd-, Wach- und Zuchthunden unterschied). Man glaubt auch an die Potenzsteigerung. Das Thema ist sensibel. Ein Verbot von Hundefleisch auf der Speisekarte ist im Gespräch.

Exkurs. Musik-Bands: Die Boy - Group BTS ist sehr bekannt in Südkorea. Sie wird auch immer beliebter in den USA und vielen anderen Ländern, auch in China. Sie ist 2020 wohl die erfolgreichste Band der Welt. Sie löst im Oktober 2020 einen wütenden Internet-Mob in China aus. Streaming - Dienste nehmen BTS aus dem Sortiment. Samsung und Fila müssen Werbekampagnen mit der Band in China zurücknehmen. Der Band - Rapper RM hatte eine Rede vor der Korea-Society in N. Y. gehalten: "Wir werden für immer an die Opfer erinnern, die unsere beiden ´Nationen erbracht haben". Auf der gegnerischen Seite kämpfte aber China ("Krieg gegen die US-Aggressoren"). Die Band ist eher unpolitisch; es war wohl ein Versehen. Bekannt ist auch die Girl-Group Blackpink. Dazu gehört die K-Pop-Sängerin Lalisa Manoban. Sie gerät auch ins Visier chinesischer Zensurbehörden. Ihr Auftritt im Online-Portal Weibo, der sie im Pariser Revuetheater Crasy Horde zeigt, ist wohl zu freizügig.  Die Pop-Industrie ist in Südkorea sehr ausgeprägt. Talente müssen sich in einem gnadenlos harten Wettbewerb nach oben kämpfen (klare Vorgaben: kein Partner, 16 Stunden-Tag). 2024 wird Dei Südkoreanerin Peggy Gou bekannt. Als DJ verbreitete sie kollektive Glücksgefühle. Jetzt bringt sie ihr Debütalbum.

Exkurs. Kulturexporte: Die Kulturindustrie beliefert die Welt mit zwei Produktlinien. einmal mit harmlosen koreanischen Pop., dem K-Pop. Zum anderen mit ultrabrutalen Filmen und Serien, die auch als abrechnung mit dem Hyperkapitalismus des Landes gelesen werden können. Dazu gehört die Netflix-Serie "Suid Game". Hinzu kommt "Bargain", wo eine Entjungferung verhandelt wird oder der Kauf einer Niere. Es scheint ein spannendes und zynisches Abbild einer Gesellschaft zu sein, in der jeder für sich selbst kämpft und die Gier unerschöpflich ist. Vgl. Der Spiegel 41/ 7.10.23, S. 119.

Exkurs. Hundefleisch: Es gilt in Südkorea als Delikatesse und hat eine lange Tradition. Es gibt 2023 noch über 100 Hundefarmen, die Hunde speziell zum Verzehr züchten. Im Januar 2024 beschleißt das Parlament, dass die Zucht, der Verkauf und der Verzehr von Hundefleisch ab 2027 verboten ist. Hauptsächlich im Sommer wird "Bosintang", eine Suppe aus Hundefleisch, zubereitet (das hängt damit zusammen, dass Kühe einst einen hohen Stellenwert hatten) . Sie soll die Ausdauer stärken. Es gibt in Südkorea etwa 1600 Restaurants, die dieses Gericht servieren. Es drohen drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe von 30 Mio. Won (20.000€). Für Jüngere ist das Fleisch sowieso tabu, weil Hunde als Haustiere immer beliebter werden. Besonders die First Lady setzte sich für ein Verbot ein, man fürchtete auch um das internationale Ansehen des Landes (die Präsidentenfamilie liebt auch Hunde). Lobbyisten (Vereinigung für Hundefleisch) kämpfen weiter dafür, dass Hundefleisch gegessen werden darf. Sie scheitern 2024 mit einer Petition vor dem Verfassungsgericht Südkoreas.

Exkurs. Taekwondo: Kampfsport aus Korea. Auch Tae-Kwan do genannt, kurz TKD. Bedeutet "Der Weg des Fuß- und Faustkampfes". Entwickelt sich erst nach der japanischen Herrschaft in Korea. Es besteht aus 9 Elementen. Es gibt aber fünf Ursprungsstile.

Exkurs. Stadträtin aus Neuss in südkoreanischer Sex-Dokumentation: Die Domina Julia Vershinina wird 2024 ein Sexstar bei Netflix. Sie tritt in der Netflix-Serie "Risue Business" auf, die von einer südkoreanischen Produktionsfirma entwickelt wurde. Sie ist für "Die Partei" (Martin Sonneborn)  in den Stadtrat von Neuss gewählt worden. Vgl. Gantenbrink, Nora: mit Latex und Merkel-Raute, in: Der Spiegel 15/ 6.4.24, S. 47.

Exkurs. Franz Kafka: Es gibt in Südkorea eine Kafka-Gesellschaft. Er wird in dem Land viel gelesen, wie in ganz Asien (in China Schullektüre).

Nunchi: (gesprochen: nun-tschi). "Augenmaß" oder die subtile Kunst, die Gedanken und Gefühle anderer Menschen einzuschätzen, um Harmonie, Vertrauen und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Es ist das wichtigste koreanische Leitprinzip für das Überleben, das Glück und den Erfolg. Es geht auch darum, intuitiv zu erfassen, was in anderen Menschen vorgeht, und dadurch bessere Beziehungen aufzubauen. Ein hohes Nunci steht für ausgeprägte emotionale Intelligenz. Nunchi - Blocker (Vorurteile der westlichen Welt) sind: Empathie ist wichtiger als Einsicht, Lärm ist wichtiger als Stille, Extrovertiertheit ist wichtiger als Introvertiertheit, scharfe Kanten sind wichtiger als glatte Rundungen, Individualismus ist wichtiger als Kollektivismus. Vgl. Euny Hong: Nunchi. Das koreanische Geheimrezept, München (Knaur) 2020.

Nationalfeiertag: 15. August: Befreiung von der japanischen Herrschaft 1945.

Erziehungswesen: "Lernen und Leiden". Die Alliteration fasst das Leben heutiger Jugendlicher zusammen. Grundlage ist der Konfuzianismus. Bildung entscheidet über den sozialen Status und die Heiratschancen. Im alten Korea stand Bildung nur den Männern zu. Schulen für die Allgemeinheit gibt es erst seit rund 140 Jahren. Christliche Missionare gründeten die ersten Lehranstalten. 1887 eröffnete die erste Mädchenschule ihre Pforten.  - die Ewha Haktang, Vorläufer der heutigen Elite-Frauenuniversität. 1945 bis 1948 bauten die Amerikaner Schulen, das Schulsystem gilt noch heute: sechs Jahre Grundschule, drei Jahre Mittelstufe, vier Jahre College oder Universität. Die jugendlichen lernen von 8 bis spätnachts mit Nachhilfe (Hakwon). In die Eliteuniversitäten kann man sich auch ganz gut "einkaufen".

Bildung und Forschung: Bildung ist ein gewaltiges Geschäft. Das hat eine lange Tradition Neben Konfuzianismus hat der Aufschwung vom Agrar- zum Industrieland innerhalb kurzer Zeit einen Rolle gespielt. Das war nur durch massive kollektive Aus- und Weiterbildung möglich. Der wirtschaftliche Aufschwung ist untrennbar mit dem Anstieg des Bildungsniveaus verbunden. Allerdings ist der heutige Arbeitsmarkt prekärer als in jedem anderen Land. Das führt auch zu einer Verschärfung des Bildungssystems. Der Druck wird immer größer. Bildung wird immer enger mit Datenhandel verknüpft (biometrische Daten, Messung von Konzentration und Aufmerksamkeit und Fleiß). Vgl. Lill, Felix: Pauken zu jedem Preis, in: Die Zeit Nr. 4, 16.1.20, S. 27. In den Pisa-Studien schneidet Südkorea regelmäßig sehr gut ab und liegt in der Spitzengruppe, zusammen mit Japan, Kanada, Estland. Man ist bereit, in Zusatzangebote wie Nachhilfe zu investieren. Die Elite-Unis haben harte Zugangsbedingungen (natürlich auch Noten). Doch man muss auch viel Geld haben.

2019 hatte Südkorea den höchsten Forschungsanteil am BIP mit 4,53% (vor Schweden, Schweiz und Japan). Dahinter liegt Deutschland mit 3,17%. Dann erst folgen die USA (2,83%), Frankreich (2,19%) und China (2,14%). Anfang August 2022 schießt Südkorea eine Mondsonde ins All mithilfe von SpaceX von Musk.

Exkurs, Suneung: Die Abschlussprüfung an den Schulen. Sie hält das ganze Land in Atem. Davon hängen die Studienplätze ab. Es ist ein knallharter Wettbewerb. Es gibt keine klassischen Noten, sondern Ränge (1 bis 9). 4% können Rank 1 in der Regel erreichen. Jeder Rank ermöglicht einen Zugang zu einem Fach an der Uni (vergleichbar dem Numerus Clausus).  Vgl. Schmiegel, Catrin: Sie lernt um ihr Leben, in: die Zeit 4/ 18.01024, S. 13ff.

Religion:  Es herrscht Religionsfreiheit. Die ursprüngliche Religion war der Schamanismus. In Korea gilt der Mahayana - Buddhismus (chinesisch-japanisch). Man spricht auch vom "nördlichen Buddhismus". Es geht um die Erlösung aller Lebewesen. Es gibt eine ausgeprägte Meditationspraxis. Zwischen 0 und 500 n. Chr. erreicht der Buddhismus Südostasien und Korea. Als gesichertes Jahr gilt 373. Ansonsten spielt der Animismus noch eine Rolle, wie in vielen anderen asiatischen Ländern. Es ist der Glaube, dass alle Objekte Seelen besitzen, vor allem Berge. Offizielle Staatsphilosophie ist der Konfuzianismus, der Hierarchien legitimiert. Man sieht ihn aber heute nicht mehr als Religion, allenfalls als ethisches System. Ca. ein Drittel der Bevölkerung gehört den christlichen Religionen an, insbesondere dem Katholizismus. Unter diesen Christen gibt es aber viele Sekten oder Kulte, wie sie in Süd-Korea genannt werden. Diese breiten sich auch in den USA und Deutschland aus. Man spricht von "Seelenfängerei". Am bekanntesten ist Shincheonji. Sie breitet sich seit 2006 in Deutschland aus, vor allem in Essen, Frankfurt und Berlin. Gründer ist Lee Man-hee, 1931 in Cheongdo geboren. Die Sekte fällt durch aggressive Mitgliederwerbung und Schwerpunkt "Endzeit" auf.

Exkurs. Totemismus und Schamanismus: In der Frühzeit wurden Bären und Tiger verehrt. Es gibt noch ein drittes Totemtier: den Hahn. Er kommt im Mythos der Gründung des Silla - Reichs (57 v. Chr.) vor. Die frühen Dorfgemeinschaften hingen auch dem Schamanismus an. Dei Schamanen standen gesellschaftlich ganz oben. Ursprünglich fungierte der König als Oberpriester.

2013 war die Vollversammlung des Weltkirchenrates (Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK) in Südkorea. Der Rat ist 2022  70 Jahre alt. In diesem Jahr trifft er sich in Deutschland in Karlsruhe. Dem Rat gehören 353 Kirchen aus 120 Ländern an. Er repräsentiert weltweit mehr als 580 Mio. Christinnen und Christen. Er soll die Einheit aufzeigen. Oberstes Organ ist die Vollversammlung. Die römisch-katholische Kirche gehört nicht dazu.

Südkorea und USA: 2019 gibt es einen Streit über die Finanzierung des amerikanischen  Militärkontingents auf der Halbinsel. Zunächst platzen die Gespräche. Die amerikanische Delegation verlässt den Verhandlungstisch. Südkorea soll einen größeren Anteil an der Finanzierung für die Stationierung der 28.500 US-Soldaten übernehmen. Demnächst wird der Anteils Koreas an der Militärpräsens der USA bei 41% liegen (Japan 50%, Deutschland 18%). Im März 2021 kommt es nach dem Amtsantritt von Biden zu einer Einigung: Der Vertrag läuft bis 2025. Südkorea zahlt weniger als die geforderten 4,2 Mrd. € jährlich. Im März 2021 besuchen die US-Minister Blinken (Außen) und Austin (Verteidigung) Südkorea und Japan. Es gibt eine gemeinsame Warnung vor Chinas "destabilisierenden Verhaltens". Ende April 2018 wird Südkorea nach Verhandlungen mit den USA dauerhaft von den Zöllen auf Stahl (25%) und Aluminium (10%) ausgenommen. Auf starken Druck aus Washington hat Südkorea im Februar 2019 einer deutlichen Erhöhung seines Finanzbeitrags zur Stationierung der US-Truppen auf seinem Territorium zugestimmt. Am 21.5.22 besucht US-Präsident Biden Südkorea. Man plant gemeinsame Militärübungen. Diese werden sogar bis Ende des Jahres 2022 verlängert als Antwort auf die Raketentests von Nordkorea. Am 27.4.23 besucht der Premierminister Südkoreas Han-Duck-soo die USA.

Südkorea und China: Als Südkorea darüber nachdachte, das Raketenabwehrsystem THAAD zu stationieren, legte China scharfen Protest ein (2017). Dann folgte ein Doppelschlag: Chinesischer Tourismus wurde gestoppt. Die südkoreanische Kaufhauskette Lotte, die in China sehr erfolgreich ist, wurde von Aufsichtsbehörden schikaniert. Südkorea gab klein bei. China hegt die Hoffnung, dass nach einer Vereinigung Koreas, das Land von Peking aus kontrolliert werden kann. Korea steht voll im Zentrum des globalen Machtkampfes zwischen den USA und China. Vgl. Winter, M.: China 2049, München 2019, S. 126. Ab 2020 ist Südkorea im RCEP, der neuen Wirtschaftsintegration in Asien, der 15 Länder angehören. China dürfte die Führungsrolle haben.

Es gibt Konflikte um den Socotra-Fels. Er liegt 100 km nähe ran Südkorea als an China. Keine der beiden Nationen kann nach internationalem Seerecht den Felsen zu seinem Territorium erheben, da es im wesentlichen ein untermeerisches Riff ist. China verlangt von Südkorea auf die Kontrolle von Socotra zu verzichten und auf die ganze Meeresregion zu verzichten. Es geht um Öl und Schiffsrouten. Vgl. Görlach, Alexander: Alarmstufe Rot, Hamburg 2022, S. 183ff.

Südkorea und Japan: Lange herrschte eine Eiszeit zwischen beiden Ländern. Gründe sind  die Kriegsvergangenheit und der Umgang beider Länder damit. Das setzt sich fort in einem Handelskonflikt 2018. Ursache war ein Urteil des obersten Gerichts in Südkorea: Nippon Steel und Mitsubishi Heavy Industries sollten Entschädigungen in Höhe von 500 Mio. Dollar für den Einsatz von Zwangsarbeitern von 1910 bis 1945 zahlen. Es handelt sich immerhin um die zweitgrößte und drittgrößte Volkswirtschaft des Kontinents. Beim Asean - Gipfel Anfang November 2019 in Bangkok wird wieder eine Annäherung vereinbart.  Der Handelskonflikt entstand, als Japan einseitig Handelsrestriktionen verkündete: beim Export von Elektronikprodukten nach Südkorea sollten höhere administrative Anforderungen gelten. So fehlte es in Südkorea an Komponenten für die Weiterverarbeitung (3 wichtige Komponenten für Smartphones dürfen nur noch mit Lizenz aus Japan nach Südkorea verkauft werden). Die geheimdienstliche Zusammenarbeit wurde aufgekündigt. Der Bierabsatz aus Japan in Südkorea brach um 99% ein. Die Supermarktbesitzer profitieren von dem Boykott japanischer Waren. Toyota büßte 62% seines Absatzes ein. Japan scheint der größere Verlierer zu sein, vor allem je länger die Restriktionen gelten. Zwischen Juli und Oktober 2019 exportierte Japan 14 Prozent weniger nach Südkorea. Die Frage steht im Raum, ob die Kolonialzeit angemessen aufgearbeitet wurde. Anfang 2021 kommt ein interessantes Gerichtsurteil dazu in Südkorea: Japan muss an frühere Sexsklavinnen zahlen (12 Opfer des japanischen Militärs). Ein Bezirksgericht in Seoul sprach den Klägerinnen umgerechnet 74.500 € zu. Nur fünf der Klägerinnen sind noch am Leben. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass Japan zahlt. Im März 2023 bietet Seoul Tokio einen historischen Handschlag an. Es gibt eine Annäherung in einem emotional aufgeladenen Streit. Südkoreas Präsident Yeol will eine Stiftung für ehemalige Zwangsarbeiter einrichten. Japan regiert positiv. Beide Länder sind auf Kooperation angewiesen (gegen China).   2021 wird der internationale Konflikt mitten in Berlin sichtbar. In Moabit sorgt ein Mahnmal für koreanische "Trostfrauen" für diplomatischen Unfrieden. Der Koreaverband hat das Mahnmal aufgestellt. 200.000 Koreanerinnen wurden von japanischen Soldaten als so genannte Trostfrauen sexuell missbraucht. Es hagelt Proteste aus Japan (Botschaft, Regierung). Das Bezirksamt Mitte sitzt zwischen den Stühlen und will das Mahnmal "vorübergehend" dulden.

Im Mai 2023 reist der japanische Premier Fumio Kishida erstmals seit Jahren zu einem Gipfel nach Südkorea. Er trifft Präsident Yoon Suk-yeol in Seoul. Im März 2023 hatten sich beide schon in Tokio getroffen. Die Sicherheitsbedenken stehen im Vordergrund, vor allem die Frage, wie man auf einen Angriff Chinas auf Taiwan reagiert. Es geht auch um Entschädigungen für Südkoreanerinnen und Südkoreaner (Fabriken, Prostitution). Die Feindbilder zwischen den beiden Ländern sind überholt.

Südkorea und Russland: Mit den westlichen Sanktionen nimmt man es nicht so genau. 2023 errichtet die Firma Enertech aus Südkorea zusammen mit Rosatom aus Russland eine Batteriefabrik in Kaliningrad. Sie ist sehr wichtig für die russische Wirtschaft. Im März 2024 wird ein Missionar aus Südkorea festgenommen in Russland. Russland wirft ihm Spionage vor. Er soll auch nordkoreanische Flüchtlinge bei der Flucht unterstützt und mit Hilfsgütern versorgt haben. Dei Beziehungen beiden Länder haben sich verschlechtert. In Seoul herrscht Unmut über dei militärische Zusammenarbeit von Russland und Nordkorea.

Südkorea und Deutschland: Im Februar 2023 wird Jürgen Klinsmann Nationaltrainer für Fußball in Südkorea. Er soll die Nationalmannschaft Südkoreas zur Asienmeisterschaft führen. Die große Frage ist, ob er den Fußball eines Landes reformieren kann, das er kaum kennt. Länderspiel gegen Japan gelten immer noch als kritisch. Das letzte Trainingslager vor der Asien-Turnier ist in Abu Dhabi. Im Halbfinale des Asien-Cups scheitert Südkorea überraschend an Jordanien. Im Februar 2024 trennt sich Südkorea von Jürgen Klinsmann. Im April 2023 besucht Außenministerin Baerbock das Land. Sie plädiert für Kooperation. Baek Won-soon sitzt im gleichen Gefängnis wie der Journalist vom Wall Street Journal Evan Gershkovich. Es soll wohl eine Warnung an Südkorea sein. Man fertigt Munition, die NATO-Standards entspricht. Man versorgt Polen, GB, die baltischen Staaten, die diese zum Teil an die Ukraine weitergeben.

Es gibt eine Kooperation für Pflanzenschutz der Zukunft. Sie besteht 2024 zwischen Agroscience GmbH, Neustadt/ Mußbach und KRIBB (Korea Research Institute of Bioscience and Biotechnology), Südkorea. Es geht insbesondere um umweltverträgliche Pflanzenschutzmittel.

Kooperation: Die Premierminister der drei Länder Li Keqiang/ China, Moon Jae/ Süd-Korea, Shinzo Abe/ Japan treffen sich am 24.12.19 in Chengdu/ China. Sie sorgen sich um die Stabilität in der Region, weil Nord-Korea seine Atomraketentests verstärkt hat. Das Regime ist unberechenbar und es gibt keine Fortschritte in den Abrüstungsgesprächen mit den USA. Alle drei eint die Angst. 

Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP): Es wurde als Handelsabkommen im November 2020 unterzeichnet. die Partnerschaft verbindet 2,2 Mrd. Menschen. Damit wird fast in Drittel des weltweiten Handelsaufkommens repräsentiert. Diesem block gehören erstmals China, Südkorea und Japan gemeinsam an. Auch Australien ist eines der unterzeichnenden Länder. Nur Indien ist nicht dabei. Das abkommen sorgt für Unruhe in den USA (die freiwillig ausgestiegen waren).

Terrorgefahr: Auslandsvertretungen von Südkorea sind in Gefahr. Es gibt hinweise auf geplante Terroranschläge von Nordkorea. So wird das Terrorwarnsystem für einige Botschaften auf "Alarmbereitschaft" erhöht: Kambodscha, Laos, Vietnam. Wladiwostok/ Russland und Shenyang/ China. Bei letzteren Ländern geht es um die Generalkonsulate.

Propaganda: Es gibt regelmäßige Aktivitäten Südkoreas in Nordkorea. So werden etwa Flugblätter per Ballon im Reich von Kim Jong Un abgeworfen. Auf Druck Nordkoreas verbietet Südkorea solche Aktivitäten wieder mal Ende 2020. Es soll sogar Geldstrafen und Haft geben. Die NGO "Database Center for North Korean Human Information" untersucht dies. Viele Flüchtlinge aus Nordkorea würden davon beeinflusst. Es gibt noch andere NGOs, die aus Südkorea heraus arbeiten. Nordkorea betreibt ein Intranet, das alle Verbindungen nach außen abschottet. Anfang Oktober 2021 öffnet Nordkorea wieder den Kommunikationskanal zu Südkorea.

Familienzerrissenheit und Hoffnung auf Wiedervereinigung: Der Koreakrieg vor 70 Jahren riss viele Familien auseinander. Ed gibt auf beiden Seiten eine Hoffnung auf Wiedervereinigung. Dabei schielet man auf Deutschland. Gegenwärtig sind die Systeme noch zu verschieden. Die Weltmächte China und USA stehen sich hier gegenüber. formell ist man noch im Kriegszustand. Kein einziges Projekt der Entspannung ist vorangekommen.    Vgl. Katharina Graca Peters: Das Leben des anderen, in: Der Spiegel Nr. 1/ 2.1.2021, S. 82ff.

Katastrophen/ Unglücke: Ende Oktober 2022 kommen bei einer Massenpanik im Vergnügungsviertel von Seoul mehr als 150 Menschen ums Leben. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Eine bergab führende Straßen wurde für die meist jungen Partygänger bei Halloween zur Falle. Nach Überschwemmungen und Erdrutschen kommt im Juli 2023 zu Dutzenden von Toten. Präsident Yoon Suk Yeol kündigt eine  Neuausrichtung seines Landes beim Klimawandel an. Anfang August läuft ein Mann Amok in Südkorea. Er setzt sein Auto und eine Stichwaffe ein. Mindestens 13 Menschen werden verletzt. Der Man kann verhaftet werden.

Jeju (oder auch Cheju): Vulkaninsel vor der Küste Südkoreas. Zusammen mit einigen kleineren Inseln bildet sie die Provinz Jeju-do. Die Inseln haben ein sehr mildes Klima. Hier gedeihen über 2500 verschiedene Zitrusfrüchte. Man spricht auch von Hochzeitsinsel, weil hier traditionell geheiratet wird. Es ist heute auch ein Zufluchtsort für Aussteiger.

Gyeongju: "Museum ohne Mauern". Alte Hauptstadt des Königreichs Silla. Liegt im Südosten der Provinz Nord - Gyeongsang. Kulturelle Hochblüte der Silla - Herrscher (57 v. Chr. - 936 n. Chr.). Das am längsten existierende Königtum in Korea. Die Macht beruhte schon auf dem Konfuzianismus.

 

Nordkorea Allgemein: (offiziell: Koreanische Demokratische Volksrepublik/ KDVR bzw. DVRK; das Land hat mit China eine gemeinsame Grenze, die 1400 Kilometer lang ist. Sie folgt den Flüssen Yalu und Tumen; es gibt Flüchtlinge von Nordkorea nach China). Als Nordkorea in der 1960er und 1970er Jahren wohlhabender war als China, konnte man über den Yalu Lebensmittel besorgen. Nordkoreanische Grenzstädte sind Sinuiju und Hyesan. Es gibt es einen Handel mit chinesischen Städten jenseits der Grenze: Dandong, Changhai). Völkerrechtlich befinden sich beide Koreas seit dem Koreakrieg (1959-1953) im Kriegszustand. In Panmunjom wurde 1953 ein Waffenstillstand vereinbart. Er gilt immer noch. Ein Friedensvertrag kam nie zustande. Die vier Kilometer breite und 250 Kilometer lange Entmilitarisierte Zone schafft einen streng bewachten Puffer zwischen beiden Staaten. Am 02.05.20 kommt es wieder mal zu einem Schusswechsel an der Grenze.

Verwaltungsgliederung: 9 Provinzen, 3 Städte. Wichtige Städte: Pjöngjang, Hamheung, Nampo, Gaeseong, Wonsan, Cheongjin. Wichtig ist noch die Hafenstadt Chongjin. Von hier aus versuchen viele Bürger zu fliehen. Wichtige Grenzstädte sind: Sinuiju Hyesan, Namyang (ander Grenze zu China). Wonjong, Rason (an der Grenze zu Russland).

Wichtige Flüsse: Ch`ongch`on, Taedong (in der Mündung liegt der Westseestaudamm), Tuman (Grenzfluss zu China und Russland), Amnok (Grenzfluss zum China).

Politik: 2011 kommt Kim Jong Un an die Spitze als Nachfolger seines Vaters. Er ist erst 29 Jahre alt. Es gibt Sorge um die Stabilität des Landes; Südkorea, China und Japan reagieren nervös. 2013 scheint das Land bereit für Reformen, vielleicht gibt es eine langsame Öffnung. 2013 wird den USA mit Atomraketen gedroht. Der pakistanische Forscher Abdul Qadeer Khan lieferte die Technologie, die man braucht. Das Land gibt 35% seines BIP für das Militär aus. 2014 scheint die Militärspitze, Diktator Kim demontieren zu wollen. Er steht unter Hausarrest. Beerbt ihn seine Schwester? Plötzlich taucht er wieder mit Gehstock auf. Ende 2014 stoppt Nordkorea einen Sony-Film über ein Attentat auf Kim Jong Un ("The Interview"; Hackerangriff, Anschläge auf Kinos). In Nord-Korea gibt es eine hochintelligente Hackerelite, die für Cyber-Angriffe geschult ist. Nordkorea startet eine Langstreckenrakete. Peking lehnt Gegenmaßnahmen ab, die Nordkorea destabilisieren könnten. Beim UN-Sicherheitsrat wollen sich allerdings die USA und China zusammentun gegen Nordkorea. Im Mai 2016 versammeln sich 3200 Delegierte der herrschenden Arbeiterpartei in der großen Halle des Volkes in der Hauptstadt Pjönjang. Dies ist der erste Parteitag seit 1980. Im September 2016 wird wieder ein Atomwaffentest (neu entwickelter Atomsprengkopf) durchgeführt. Die USA und Japan beantragen eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Nach dem Amtsantritt von Trump in den USA wird im Februar ein neuer Raketentest durchgeführt. Die USA wollen eine Eskalation vermeiden und China auffordern, seine Einfluss geltend zu machen. Der Stiefbruder von Nord-Koreas Machthaber Kim Jong Un  Jong Nam fällt im Februar 2017 in Malaysia einem Giftanschlag zum Opfer. Über die Täter und ihre Motive wird spekuliert (Geheimdienst, Signal an China?). Wegen des Mordes kommt es zu Spannungen zwischen Nordkorea und Malaysia. Gegenseitige Ausreiseverbote werden verhängt. Nordkorea führt im März 2017 wieder einen Raketentest durch (Protest gegen das Raketenabwehrsystem THAAD, von den USA installiert). Konkret werden Strafmaßnahmen gegen 15 Personen eingeleitet. 2017 gelingt es die Auslandseinnahmen aufzuschlüsseln. Die Gesamteinnahmen liegen bei 6 Mrd. $. Sie kommen aus Waffendeals und Beratung, Cybercrime, Schmuggel und Drogen, Botschaftsvermietung, Gastarbeitern, Tourismus sowie Restaurant- und Hotelbetrieb.  Am 29.08.17 feuert das Land wieder eine Rakete ab, die über Japan fliegt (eine zweite folgt später). Damit werden nicht nur die Japaner geschockt. Anfang September 2017 wird eine Wasserstoffbombe im Meer vor Nordkorea gezündet. Die USA drohen mit massiver militärischer Reaktion.  Der handelspolitische Druck soll weiter erhöht werden (China, EU, Russland gegen Ölembargo). Beschränkte Öllieferungen und Gasembargo. Einfrieren des Auslandsvermögens von Machthaber Kim und Verbot von Textilimporten. Vor der UN redet Trump am 19.09.17 auch zu Nordkorea (er droht vollständige Zerstörung an). Kim wirft Trump Geisteskrankheit vor und droht mit Atomexplosion im Ausland. Am 28.11.17  wird wieder eine Interkontinental-Rakete abgefeuert (1000km weit, 4475km hoch geht gen Osten ins japanische Meer, könnte potentiell die USA erreichen, Name Hwasong-15). Im Dezember 2017 stirbt der berühmteste Deserteur des Korea-Krieges Charles Jenkins. Er lebte viele Jahre in Nordkorea als Englischlehrer für Spione. Später durfte er mit seiner Frau, einer Japanerin, und den Kindern nach Japan ausreisen. Präsidialamt und Außenministerium der USA können sich hinsichtlich direkter Gespräche mit Nord-Korea ohne Vorbedingungen nicht einigen. Kurz vor Weihnachten flüchtet wieder ein Soldat aus Nordkorea über die Grenze nach Südkorea. Ende 2017 wird General Hwang Pyong So kaltgestellt (zweiter Mann im Staat). Anfang 2018 kommt es zu einer Annährung zwischen Nord und Süd. Die Gespräche sollen nach zwei Jahren wieder aufgenommen werden (vordergründig geht es um die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen in diesem Jahr). Anfang 2018 ändert Kim Jong Un sein Outfit. Er trägt helle westliche Anzüge und eine neue Brille. Experten und Zeitungen (z. B. Japan Times) spekulieren über die Bedeutung. Anfang 2018 erklärt sich Trump zu direktem Kontakt zu Machthaber Kim bereit. Beim ersten Treffen der beiden Delegationen aus Süd- und Nordkorea einigt man sich über eine Teilnahme von Nordkorea an den Olympischen Spielen und Frieden während der Spiele im Februar. Mitte Januar 2018 ist eine Nordkorea-Konferenz in Vancouver. Die USA und Kanada richten ein Treffen von 20 Außenministern aus, die über die Umsetzung von UN-Sanktionen wegen der Atomtests gegen Nordkorea beraten (bessere Kontrolle der Seewege). Russland und China waren nicht eingeladen. Nordkorea bezeichnet Trump als "tollwütigen Hund". Bei Olympia im Februar 2018 im südkoreanischen Pyeongchang wollen Nord- und Südkorea unter einer Flagge auflaufen (Nordkorea nutzt die Veranstaltung für Propagandazwecke). Nordkoreas Diktator Kim hat eine eigene Girl-Band. Sie heißt Moranbong und könnte bei dem Anlass auftreten. Nordkorea ist bereit, mit den USA im Atomkonflikt zu verhandeln. Erstmals seit einem Jahrzehnt soll im April 2018 ein Gipfeltreffen der beiden verfeindeten koreanischen Staaten stattfinden. Das Treffen gibt es am 27.04.2018. Am 08.03.18 stimmt US-Präsident Trump zu, Nordkorea zu besuchen und Kim zu treffen. Am 26. und 27.3.18 besucht Kim vorher Xi Jinping in Peking. Er reist wie Vater und Großvater im Sonderzug. Es geht auch um atomare Abrüstung. Nordkorea soll in zivile High Tech investieren. Im April 2018 treffen Kim und der designierte US-Außenminister Pompeo in Nord-Korea zusammen (zwei Treffen müssen vorbereitet werden: Trump - Kim; Kim - Moon Jae/ Süd-Korea). Nordkorea stoppt Atom- und Raketentests. Im Mai 2018 korrigiert Kim die Uhren-Umstellung in seinem Land wieder (waren eine halbe Stunde zurückgedreht worden anlässlich der Kapitulation Japans). Wegen der gemeinsamen Manöver von Südkorea und den USA droht Nordkorea im Mai 2018, das Gipfeltreffen abzusagen. Mittlerweile wird auch der Termin in Frage gestellt. Am 24.05.18 sagt Trump das Treffen mit Kim ab. Er bietet aber weitere Gespräche an. Beide Seiten halten ein Treffen noch für möglich. Dieses soll dann tatsächlich am 12.06.18 in Singapur stattfinden. Kim wechselt vorher im Juni 2018 seine obersten Militärs aus. Er braucht wohl "geistig beweglichere Vasallen" um sich. Im Süden von Singapur auf der Insel Sentosa (Ruhe, Frieden) im Luxushotel "Capella" kommt das Treffen zwischen Trump und Kim tatsächlich zustande. Es gibt auch eine Vereinbarung. In einer Erklärung werden folgende Punkte angedeutet: Gefangenenaustausch, Friedensvertrag, Botschafteraustausch, Entnuklearisierung Nordkoreas, keine Militärmanöver mehr. Scheinbar gibt es nur Sieger. Die Wiedervereinigung bleibt als Ziel. Eine Zeitplanung bzw. ein Datum wird nicht verhandelt. Die USA gehen in Vorleistung und stoppen Militärmanöver. 2018 soll es wieder nach drei Jahren Familientreffen geben. Im August 2018 gibt Nordkorea 55 Särge mit sterblichen Überresten von gefallenen US-Soldaten im Korea-Krieg an die USA zurück. Im September 2018 wollen sich die Spitzen beider Hälften Pjöngjang treffen. Vorher gibt es am 19.08.18 eine Familienzusammenführung in Nordkorea (Auslosung). Am 09.09.2018 feiert Nordkorea den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung (zeigt keine Interkontinentalraketen). noch im September 2018 bietet Nordkorea den Abbau von Atomanlagen ab. Im November 2018 gibt Nordkorea bekannt, eine neue Wunderwaffe zu haben ("High-Tech-Waffe"). Am letzten November-Tag 2018 kann erstmals ein Zug aus dem Süden die Grenze zum Norden passieren (Teilstück von 2007 war bisher lahm gelegt). Die Strecke hätte für den Süden eine große Bedeutung (nach China , mit der transsibirischen Eisenbahn nach Russland). Zum Jahreswechsel 2019 droht Kim mit dem Ende der Annäherungspolitik. Er ist mit der Blockadepolitik der USA nicht einverstanden. Trump bietet ein weiteres Treffen an. Am 08.01.19 reist Kim in seinem berühmten gepanzerten Sonderzug wieder nach Peking. Er bleibt 4 Tage und trifft auch Xi Jinping. Will er sich abstimmen für das nächste Treffen mit Trump? Bei der Handball-WM in Deutschland im Januar 2019 tritt eine gemeinsame Mannschaft mit Süd-Korea an. Im Februar 2019 soll ein weiterer Gipfel zwischen Trump und Kim stattfinden (27./28.02.19 in /Hanoi/ Vietnam; Rede des Präsidenten zur Lage der Nation vor dem Kongress am 06.02.19. Wahrscheinlich wird am 28.02.19 der Krieg zwischen Nordkorea und den USA offiziell beendet. Bisher besteht nur ein Waffenstillstand. Wirtschaftliche Entwicklung für Nordkorea gegen Verzicht auf Atomwaffen. So könnte der Deal lauten. Man vereinbart eine Verbindungsstelle. Trump bricht plötzlich die Gespräche ab, weil Kim angeblich zu viel fordert (Aufhebung aller Sanktionen). Nordkorea dementiert den Grund. Es werden wieder Aktivitäten an den Raketentestanlagen beobachtet. Trump stoppt Sanktionen, die die USA deswegen verhängen wollten. Das Verbindungsbüro nach Südkorea wird nach Unterbrechung wieder besetzt. Im Februar 2019 wird in Nordkoreas Botschaft in Madrid eingebrochen. Im April 2019 wird das protokollarische Staatsoberhaupt ersetzt: Choe Ryong Hae ersetzt Kim Yong Nam. Im April betont Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, dass er bereit sei zu einem dritten Treffen mit Trump. Russland bereitet 2019 ein Treffen zwischen Putin und Kim vor in Russland. Die beiden Länder haben eine kleine gemeinsame Grenze. Aktuell geht es um Zehntausende nordkoreanische Gastarbeiter, die Russland verlassen müssten. Das Treffen findet am 25.04.19 in Wladiwostok (Insel Ruski, fernöstliche Universität)  statt (erstes Treffen; Russland ist einer der wenigen Verbündeten; Kim reist wieder mit gepanzertem Sonderzug). Nordkorea möchte die Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. In Bezug auf die Atombomben fährt Russland eher eine Strategie der kleinen Schritte. Im Mai verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Nordkorea und den USA dramatisch: Nordkorea provoziert mit Militärübungen, Trump plaudert ein Mordgeständnis von Kim aus (Onkel, zweithöchster Funktionär). Im Mai 2019 gibt es Gerücht, Kim habe seinen Unterhändler im Atomkonflikt mit den USA, Kim Hyok Chol, heimlich hinrichten lassen, weil das Gipfeltreffen nicht wie gewünscht lief. Auch die Dolmetscherin sei in ein Lager für politische Gefangene gekommen. Das könnte aber auch südkoreanischer Propaganda entspringen. Am 20.06.19 besucht Xi Jinping Kim kurz vor dem Ende des G20-Treffens. Es geht auch um das Atomwaffenprogramm. China ist der wichtigste Handelspartner. Am 28. und 29.6. treffen sich die Regierungschefs der G20 bei Osaka. Trump könnte ein Atomabkommen mit Nordkorea, was ihm im Wahlkampf nützt, mit Entgegenkommen für China im Handel belohnen. Auf seiner Rückreise vom Gipfel trifft Trump am Grenzkontrollpunkt Panmunjom kurzfristig Kim. Damit setzt Trump als erster US-Präsident einen Fuß auf nordkoreanischen Boden, eine Weltsensation. Im Sommer 2019 mach Nordkorea wieder Raketentest und bezeichnet sie als Warnung an Südkorea. Die Raketentests häufen sich. Sie werden massiv fortgesetzt. Im September 2019 lässt sich Kim als "Oberster  Repräsentant" des gesamten koreanischen Volkes titulieren. Damit erhebt er sich in den Stand eines Staatsoberhauptes. Anfang Oktober 2019 bricht Nordkorea die Atomgespräche mit den USA in Stockholm ab. Kurz vor Ablauf eines Ultimatums an die USA beruft Kim Ende Dezember 2019 ein Treffen hochrangiger Parteivertreter ein. Er will den Stopp von Atomtests beenden. Ri Son Gwon wird im Januar 2020 neue Außenminister (vorher Koordinator für innerkoreanische Gespräche). Im Monat März 2020  macht das Land vier Raketentests. Trump schlägt in einem Brief die Verbesserung der Beziehungen vor. Die Schwester von Kim Kim Yo Jong wird im August 2020 der "Führer Nummer 2". Ihm soll Arbeitsstress erspart werden. Sie soll auch als Reserve da sein, wenn Kim etwas zustößt (ob sie als Frau die Parteikader und die Generäle hinter sich hat, ist allerdings fraglich). Am 10.1020 feiert man den 75 jährigen Gründungstag der herrschenden Arbeiterpartei. Es gibt eine große Militärparade und jubelnde Menschenmassen. Es wird einen neue Interkontinentalrakete gezeigt, die wohl größte ihrer Art  der Welt. Anfang Januar 2021 bezeichnet Kim die USA als größten Feind des Landes ("Erzfeind"). Er kündigt eine Fortsetzung des Atomprogramms an. Im Juni 2022 wird Choe Son Hui die erste Außenministerin Nordkoreas. Vorher war sie Vize und bei den Atom-Gesprächen und dem Treffen mit Trump beteiligt. Sie ist USA-Expertin und spricht fließend Englisch (sie hat auch in Österreich studiert).  In Berlin gibt es ein "City Hostel Berlin". Es ist Teil der Botschaft Nordkoreas. Insgesamt sind 435 Betten vorhanden und die Preise sind unschlagbarh. In einem Schaukasten winkt der "hoch verehrte oberste Führer Genosse Kim Jong Un". Das Hotel dient der Devisenbeschaffung von Nordkorea. Hinter Kim Jong -Un sind folgende Personen noch sehr wichtig: Ri Man-gon (Direktor Munitionsamt), Hwang Pyang-so (Direktor des Politbüros der Volksarmee).  Die Hackerangriffe auf ausländische Banken dienen wohl der Devisenbeschaffung. Auch Bitcoin-Börsen werden geplündert. In einem Kriegsfall sollen wichtige Infrastrukturteile lahm gelegt werden. Es gibt eine Kooperation zwischen Deutschland und Nordkorea in der Forstwirtschaft und beim Umweltschutz. Es gibt einen Austausch von Förstern aus den neuen Bundesländern (Bernhard Seliger). Kim Il Sung hat die Vorschrift eingeführt, dass jeder Koreaner ein Instrument lernen solle. Bei Spannungen werden Lieder angestimmt.

Familien-Clan an der Spitze: Ein eng begrenzter Kreis von alten, gut vernetzten Familien scheint das Sagen zu haben. Es sind Hardliner, die sich 2015/16 durchgesetzt haben. Es sind Militärs, Geheimdienstler, Ideologen. Wie groß der Einfluss von Kim Jong Un in diesem Kreis ist, lässt sich nicht genau sagen. Der Kurs ist militaristisch. Gegenüber ausländischen Direktinvestitionen besteht Misstrauen. Man hat Angst vor einer Wiedervereinigung.  Vgl. Interview mit Thomas Schäfer, Ex-Botschafter in Nord-Korea (2020-2018), in: Der Spiegel Nr. 2/ 8.1.2022, S. 93. Die Schwester von Kim, Kim Yo Jong (2022 34 Jahre alt), übernimmt eine immer größere Rolle. Sie ist für martialische Rhetorik zuständig ("Frau fürs Grobe"). Sie droht Südkorea, es im Kriegsfall auszulöschen (Atomschlag mit dem Atomarsenal?). Sie bezeichnet den südkoreanischen Verteidigungsminister Suh Wook als "menschlichen Abschaum".

Exkurs: Kim Ryon-hui. Sie kämpft seit 11 Jahren dafür, nach Nord-Korea (Pjöngjang) aus Süd-Korea zurückzukehren. Ihr Protest hat sie berühmt gemacht. Kaum jemand versteht, warum sie ins Hungerland zurück will. Hauptbeweggrund ist ihre Familie in Nordkorea (Eltern Tochter). Kim ist 2022 52 Jahre alt und lebt in Seoul. Sie kam über Laos und Thailand. Sie wollte sich nur etwas Geld verdienen. Bei Ankunft wurde sie vom Geheimdienst verhört. Die Rückkehr kann gefährlich sein (Arbeitslager, Schläge). Vgl. Peters, K. G.: Frau Kim will heim, in: Der Spiegel Nr. 17/ 23.4.22, S. 90ff.

Parteikongress: Es ist das höchste Gremium im Land. Es gibt nur die Kommunistische Partei Nordkoreas. Der Kongress tagt alle fünf Jahre. Allerdings hat er 2016 zum ersten Mal seit 36 Jahren getagt. Am 05.01.21 findet wieder ein Kongress statt. Überraschend gibt Kim Jong Un zu, dass der Fünf-Jahres-Plan in fast allen Punkten gescheitert ist. Er dankt den Arbeitern des Landes und den Corona - Bekämpfern (offiziell gab es kein Corona in Nordkorea). Kim wird zum Generalsekretär der Partei gewählt. Damit gewinnt er noch mehr Macht. Hinter ihm sitzt immer seine Schwester. Das deutet darauf hin, dass sie die Nummer 2 ist. Seine Frau wurde viele Monate nicht gesehen. Man machte sich schon Sorgen. Im Februar 2021 taucht sie wieder neben ihm auf. Zum Jahreswechsel 2021/22 findet eine Tagung des Zentralkomitees statt. 2022 müsse das Volk einen "Kampf um Leben und Tod" führen. Gemeint sind die katastrophalen Lebensbedingungen. Die Wirtschaft ist desolat, Corona drückt das Land an die Wand. Die Lebensgrundlagen entgleiten. Die Machtsicherung der kommunistischen Elite erfordert eine weitere Ausrichtung auf Feindbilder, wie die USA.

KCNA: Staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas. Ansonsten kommen Nachrichten über Südkorea, Japan oder die USA. Sie sind natürlich gefiltert.

Exkurs. Kim Ni Nam: Er leitete viele Jahre die Parteiabteilung für Propaganda und Agitation. Er wurde als "Goebbels Nordkoreas" bekannt. Er stirbt 2024 mit 94 Jahren. Er bekommt ein Staatsbegräbnis.

Wiedervereinigung: Im Februar 2024 gibt Kim bekannt, dass er von der Nation nichts mehr wissen will. Er gibt das ziel einer friedlichen Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel als Staatsziel auf. Südkorea sei von nun an "Feind Nummer eins". Die Grenze ist dichter geschlossen denn je. Es gibt natürlich auch keine Gespräche über Wiedervereinigung mehr. Hier liegt aber eine Chance für Südkorea. Denn Nordkorea hatte bei den Linken in Südkorea gewisse Sympathien. Südkorea kann jetzt die "nationale Karte" spielen. Vgl. FAZ 21.2.24, S. 1.

Wirtschaft:  Das Land ist etwas größer als seinerzeit die DDR. Das Wirtschaftswachstum lag 2018 bei -1,1%. Das BIP pro Kopf betrug 1700 USD. Die Arbeitslosenquote war 2018 25,6% (Quelle: IMF). Über das BIP erhält man keine Angaben. Nahezu als einziges Land der Welt hat sich Nordkorea nicht dem SNA-System angeschlossen. Japan und Deutschland industrialisierten das Land während der japanischen Kolonialzeit von 1910 bis 1945. Nach der Befreiung leisteten die Sowjetunion und ihre Satelliten Aufbauarbeit. Nordkorea darf in der chinesischen Währung Yuan (Renminbi, RMB) handeln. Seit der Remonetarisierung seit 1991 ist der RMB eine der Landeswährungen (Parallelwährung neben der heimischen Währung). Drei Sonderwirtschaftszonen bringen Devisen (eine ist Rason im Nordosten). Ca. 16 Mio. Menschen leiden an Hunger. Aber insgesamt hat sich in den letzten Jahren die Situation verbessert. Kim will vor allem die Wirtschaft aufbauen. Seit 1991 hat das Land seinen Wohlstand etwas verbessert. Zentrales Problem ist die Modernisierung der Industrie und Infrastruktur. 2016 hat das Land einen Export in Höhe von 3,5 Mrd. US-Dollar; der Import liegt bei 3,0 Mrd. US-Dollar. Die wichtigsten Handelspartner sind China (80%-90%), Indien, Russland, Thailand, Pakistan.  Der Export besteht hauptsächlich aus Mineralstoffen, Textilien, Maschinen und Metallen (Eisen, Blei). Nach Verschärfung der UN-Sanktionen feuert Nordkorea Trotzraketen in Form von Kurzstreckenraketen ins Meer (ohne Schaden anzurichten). Nordkorea verkauft Zwangsarbeiter in die ganze Welt, damit sie Devisen beschaffen. Die Wirtschaft in Nordkorea erlebt 2017 trotz internationaler Wirtschaftssanktionen (Waffenembargo, Importverbot für sämtliche Produkte mit Nuklearfähigkeit, Exportverbot für alle Bodenschätze) einen Boom. Dafür gibt es drei Erklärungen: Fleiß der Menschen. Umgehung der Sanktionen (z. B. lassen chinesische Firmen hinter der Grenze arbeiten und schreiben auf die Produkte "Made in China"). Reformen von Un wirken. Alles stimmt wohl ein bisschen. Von dem Aufschwung profitiert vor allem die Elite. Überall im Lande werden kleine Märkte geduldet. Dadurch entstehen unabhängige Business-Netzwerke. In den nächsten Jahren soll wohl eine nordkoreanische Form des chinesischen Modells kommen. Starker Staat mit einer Partei und marktwirtschaftliche Anreize und Elemente. Die Wirtschaft wird damit etwas liberalisiert. Die "rote Linie" liegt aber da, wo Kim seine Macht bedroht sieht. Im Sommer 2019 bestellt er zwei Maybach bei Daimler (6,50 m lang, luxuriös, gepanzert). 2020 geht die Wirtschaftsleistung um etwa -8,5% zurück (Kim macht Überschwemmungen und den Corona-Virus verantwortlich). Die Überschwemmungen und damit ausbleibende Ernten 2021 könnten eine Hungersnot verursachen. Kim spricht verklausuliert von einem "beschwerlichen Marsch". Die Wirtschaftsprobleme sind groß, weil auch der Handel mit China zusammengebrochen ist. Hinzu kommt Corona. Nach der Corona-Krise liegt die Wirtschaft vollkommen am Boden. Das erzeugt zunehmend Druck auf das Regime, von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Corona und die Wirtschaftssanktionen lassen die desolate Wirtschaft 2022 weiter abstürzen (2020 -4,5%, 2021 -0,1%, Außenhandel nur 710 Mio. $ 2022 1. Halbjahr).

Währung: 1 Won = 100 Chon. Außenhandel in der Regel in Renminbi/ Yuan.

Arbeitslosenquote: 3%.

Energie: Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien: 83,2%. CO2-Emission / Kopf 2,4t.

Export von Rüstungsgütern: Nordkorea liefert in hohem Ausmaß Waffen an Russland (Millionen Raketen, Granaten, Artilleriemunition). Die Beschaffung in Nordkorea zeigt, in welch schwieriger Lage sich Russland aufgrund der Sanktionen befindet. Drohnen werden aus dem Iran geordert. Nordkorea selbst dementiert die Waffen- und Munitionslieferungen. Beides ist objektiv nicht nachprüfbar. 2023 steigen die Verluste der Russen durch den Vormarsch der Ukraine. Moskau sucht immer mehr Hilfe in Nordkorea. Die Machthaber besuchen Waffen- und Munitionsfabriken, um die Produktion zu steigern. Man trifft sich regelmäßig mit Russland bei Wirtschaftsforen. Sonstige Exporte: Mineralische Brennstoffe, Eisen und Stahl (128 Mio. $ geschätzt).

Rüstungsfirmen in Nordkorea: Fabrik Nummer 17 ist in Hüngnam. Hier wird Sprengstoff hergestellt. Die Taesong Maschinenfabrik bei Pjöngjang produziert Raketen. Fabrik Nr. 95 produziert mobile Abschussrampen. Fabrik Nr. 25 hat die größte Munitionsfertigung.

Exkurs. Waffen aus Nordkorea im Ukraine-Krieg: Sie werden in der Ukraine gefunden. E sind Kurzstreckenraketen. Auch Artilleriegranaten werden gefunden. Kim lässt sich wohl mit Satellitentechnologie bezahlen. Kim kann seine Raketen unter Kriegsbedingungen testen. Putin will noch 2024 nach Pjöngjang reisen, um die Allianz zu vertiefen. Die Waffen werden über zwei Routen transportiert. Russische Frachter nehmen im Hafen von Rajin Ladung auf und bringen sie zum russischen Militärhafen Dunai. Per Schiene werden die güter nach Westen transportiert. Genutzt wird die Strecke der transsibirischen Eisenbahn und der angeschlossenen Baikal-Amur Magistrale. Die Züge passieren den Seweromuisker Tunnel, Russlands längsten Eisenbahnzunnel. Nordkorea habe jahrzehntelange Erfahrung und ein Netz Scheinfirmen und Mittelsmännern. Früher habe man so Waffen nach Iran und Myanmar geliefert. Die nordkoreanischen Rüstungsfirmen befinden sich in abgelegenen Orten in den Bergen, sind aber an das Schienennetz angeschlossen. Vgl. Antonladis, N. u. a.: Deal der Despoten, in: Der Spiegel 6/ 3.2.24, S. 84f. Der Transport kann über die Schienen erfolgen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch chinesische Schiffe Nachschub aus Nordkorea transportieren.

Importe: 1,34 Mrd. $ (geschätzt). Öl, Tier, pflanzliche Fette, Tabak, Müllereierzeugnisse. Fossile Brennstoffe.

Sonderwirtschaftszone Rason: 800 Quadratkilometer mit etwa 170.000 Einwohner. Seit 1991 Freihandelszone, 2020 Sonderwirtschaftszone. Die Region wurd einst von der UNIDO gefördert. Lage im Dreiländereck zwischen Nordkorea, China und Russland als Standortvorteil. Einst Handel von dort mit Japan. Dann wurden die Südkoreaner Hauptzielgruppe. Heute dominieren die Chinesen die Zone.

Verhältnis zu China und China-Sanktionen: China ist ökonomisch der letzte Verbündete. Der legale Handel soll aber 2020 um 90% eingebrochen sein (genaue Zahlen bekommt man nicht). Der Handel mit China soll im gesamten Jahr 2020 um zwei Drittel mindestens gesunken sein. Damit hat man eine Spanne bei den Schätzungen. Die große Unbekannte ist der illegale Handel. 2021 nähert sich China wieder mehr an. Man braucht klare Verbündete in der Strategie gegen die USA in Asien. Viele Nordkoreaner sind nach China geflohen und leben dort illegal. In der Corona-Pandemie hat der chinesische Staat seine Kontrollen verschärft (Restaurants, Fabriken, Farmen). Die Hilfsorganisation "Helping Hands Korea" kann vereinzelt bei der Flucht nach Südkorea helfen. Pünktlich zur Plenarsitzung des Volkskongresses in China startet Nordkorea eine Rakete (die 9. 2022). Das ist ein klarer Affront. China verbleibt aber als einziger Wirtschaftspartner.  Der Frachtzugverkehr bleibt offen.

Verhältnis zu USA:  Im Juli 2017 macht testet das Land wieder eine Mittelstreckenrakete. Das Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea wird im August 2017 immer größer (Korea will Guam angreifen, Trump droht mit "Feuer und Wut"; die militärischen Lösungen seien "locked and loaded"; Japan positioniert Flugabwehrraketen). Ein entscheidendes Motiv für das "Säbelrasseln" in Nordkorea ist politische Überleben der Kim-Clique. Die Sanktionen wirken nur begrenzt (treffen nicht Eliten, sondern städtische Bevölkerung). Im März 2021 droht die Schwester von Kim Kim Jo Jong der US-Regierung (Anlass ist der Besuch zweier US-Minister in Südkorea und Japan; sie werden "Schießpulver über unser Land verbreiten"; Schwester fürs Grobe!). Nordkorea will nur noch mit den USA sprechen, wenn vorher bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Die USA appellieren an China, Druck auszuüben. In seiner ersten großen Rede vor dem Kongress nach 100 Tagen nennt Biden Nordkorea eine "ernsthafte Bedrohung". Man werde auf Nordkorea mit Diplomatie und strikter Abschreckung reagieren. Leiter der Abteilung für US - Angelegenheiten in Nordkoreas Außenministerium ist Kwon Jong Gun. Er spricht von nicht tolerierbaren Äußerungen. Nordkorea reagiert zunehmend aggressiv auf gemeinsame Militärübungen von den USA und Südkorea. Die Schwester von Kim Kim Yo Jong, dei sehr einflussreich ist, warnte im Februar 23 die USA vor weiterer Stationierung strategischer Waffensysteme. Dann werden man den Pazifik als "Schießstand" benutzen. Im Bezug auf die USA und Südkorea hat sich ein Quid-pro-Quo-Schema etabliert: Mit Raketenstarts und Waffentests wird auf Militärübungen Südkoreas mit den USA reagiert. So auch wieder im August 2023: Die USA und Südkorea machen die größte Militärübung bisher. Sie soll bis zum 31.8.23 dauern. Nordkorea startet Raketen und Lenkflugkörper. Man spricht von einer bevorstehenden Invasion. Viele Experten in den USA glauben, dass Kim die Entscheidung getroffen hat, einen Krieg zu führen.  Im Juli 2023 überquert ein US-Soldat illegal die Grenze. Er hat unerlaubt die entmilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea betreten. Er dürfte sich im Gewahrsam der DVRK befinden.

Nordkoreaner im Ausland: Viele fliehen aus dem Land. Manche werden im Ausland zur Berühmtheit. Nordkorea wird als das größte Gefängnis der Welt beschrieben, weil niemand das Land verlassen darf. Fast alle Nordkoreaner, denen die gefährliche Flucht gelingt, sind traumatisiert. Zehntausende leben in China, viele werden dort ausgebeutet (Frauen werden oft als Ehefrauen verkauft, damit ihnen die Flucht gelingt; viele leben auch als Prostituierte). Manche werden wieder nach Nordkorea abgeschoben, weil sie als illegale Migranten gelten. Die meisten leben in Südkorea, wenn ihnen die Flucht dahin gelingt..

Jihyun Park: Sie floh nach Großbritannien und ist jetzt 2023 konservative Lokalpolitikerin. Sie floh zweimal aus der Diktatur. Sie hat Hunger, Folter und Arbeitslager erlitten. Heute lebt sie mit ihrer Familie (ihr Mann ist auch Nordkoreaner) nahe Manchester (Bury).

Wirtschaftssanktionen: Die USA verstärken den Druck auf China, damit Nordkorea bei den Atomraketen (Atomprogramm) zurückfährt. Dies wird beim Besuch des chinesischen Staatspräsidenten in den USA verstärkt (gleichzeitig werden Kriegsschiffe nach Korea entsandt). Bei Stopp von Kohle-Exporten und UN-Erklärungen ist China schon den USA gefolgt. Ein weiterer Abschuss einer Rakete am 20.04.17 spitzt den Konflikt zu (Rakete explodiert kurz nach Start). Dann schickt Trump eine Einladung an Kim Jong Un zu einem Besuch (Trump: "helles Köpfchen"). Korea macht weiterhin Raketenstarts.  Am 02.06.2017 weitet der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Nordkorea aus (erstmals mit Zustimmung Chinas). Der Sicherheitsrat der UN erhöht die Sanktionen mit Zustimmung Chinas (drastische Handelsbeschränkungen; Importstopp, insbesondere für Eisen und Blei; mehr als 80% des Außenhandels Nordkoreas laufen über China). Von einem Exportstopp für Öl sieht China aber ab (das würde wirklich weh tun). Die Sanktionen werden weiter erhöht (USA: gegen IT- und Fischbranche; EU: Verbot von Investitionen und Ölexporte, Einreise- und Vermögenssperre). Im Februar 2018 zeigt sich, das das Land illegale Exporte (durch Schmuggler, Schiffe unter falscher Flagge, Umladen von Schiffen; auch Rüstungsgüter an Syrien, Vietnam und Myanmar) durchführt und damit Devisen (200 Mio. $ 2017) verdient (Quelle: UN-Bericht zu Sanktionen).  Russische Tanker schmuggeln Erdöl nach Nordkorea. Ende September 2017 setzt China weitere Sanktionen um: Schließung nordkoreanischer Firmen in China bis Ende Januar 2018 (auch Joint Ventures; 90% des Außenhandels). Natürlich gibt es noch einen Schwarzhandel. Ein großer Teil findet über die nordostchinesische Grenz-Stadt Dandong statt (Freundschaftsbrücke). Aus Nordkorea importiert werden Eisen, Kohle, Meeresfrüchte und Kleidung. Ende 2017 werden die Sanktionen gegen Nordkorea verschärft (UN-Sicherheitsrat: Mineralöllieferungen auf ein Viertel reduziert, Exportverbot für Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte, Maschinen und Mineralien sowie Schiffe, Nordkoreaner dürfen nicht mehr im Ausland arbeiten). 2022 verhindern China und Russland eine weitere Verschärfung der Sanktionen durch die UN durch ein Veto. 2024 verschärft die EU Sanktionen gegen Nordkorea. Nordkorea unterstützt zunehmend Russland im Ukraine-Krieg. Der Verteidigungsminister und andere Verantwortliche kommen auch auf eine Sanktionsliste.

Sanktionsverstöße: Zwei Mitglieder im UN-Sicherheitsrat blockieren die Sanktionen (Russland, China). Deshalb können sie nicht angepasst werden. Sie sollen ja das Land von der Entwicklung von Atomwaffen abhalten. Russland kauft sogar Waffen. Bürger werden ins Ausland geschickt, und lässt diese arbeiten. Sie sollen Geld für das Regime erwirtschaften. Vgl. Der Spiegel 41/ 7.10.23, S. 87.

Verhältnis zu Russland: Im August 2022 geben beide Länder bekannt, dass sie die Beziehungen wesentlich verbessern wollen. Putin bekräftigt das in seiner Gratulation an Kim zum Tag der Befreuung Koreas von der japanischen Kolonialherrschaft (1910-1945). Nordkorea will Russland im Ukraine-Krieg unterstützen.  Donezk und Luhansk wurden schon anerkannt.  Nordkorea liefert in hohem Ausmaß Waffen an Russland (Millionen Raketen, Granaten, Artilleriemunition). Die Beschaffung in Nordkorea zeigt, in welch schwieriger Lage sich Russland aufgrund der Sanktionen befindet. Drohnen werden aus dem Iran geordert. Im September 2023 reist Kim mit dem Panzer-Zug nach Russland in die Nähe von Wladiwostok zum Weltraumbahnhof Wostotschny. Kim und Putin treffen sich. Putin braucht Waffen und Munition aus Nordkorea. Beide Länder haben vereinbart, im Verteidigungsbereich enger zu kooperieren. Insofern begleiten Kim auch hochrangige Militärvertreter. Kim steht fest an Putins Seite. Er reist noch nach Komsomolsk am Amur (Schiffsbau, Flugzeugbau)  und Wladiwostok (russische Pazifikflotte). Ein Gegenbesuch wird vereinbart. Im Februar 2024 schenkt Putin Kim ein Auto aus russischer Produktion. Ein hochrangiger Vertreter der Arbeiterpartei und die Schwester Kims nehmen es entgegen. Russland scheint in der Gunst auf Platz eins zu rücken vor China.

Verhältnis zu Deutschland: 2024 soll eine Geheimmission des Auswärtigen Amtes klären, ob Deutschland seine Botschaft wiedereröffnen könnte, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Die Deutschen werden vom amtierenden Europaabteilungsleiter im nordkoreanischen Außenministerium empfangen. Der deutsche Delegationsleiter spricht mit dem Vizeaußenminister. Die Deutschen sprechen auch mit den chinesischen Gesandten vor Ort. Es sieht so aus, dass deutsche Diplomaten wieder in Nordkorea stationiert werden können. Von der EU haben die Österreicher die besten Beziehungen zu Nordkorea. Vgl. Hammerstein, Konstantin von: Einsam in Pjöngjang, in: Der Spiegel 11/9.3.24, S. 32f. Nordkorea und Deutschland haben eine wichtige Sache gemeinsam: Es gibt keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung.

Bevölkerung und Lebensverhältnisse: 26,16 Mio. Menschen leben in Nordkorea (2022). Die Bevölkerung ist militärisch organisiert, was die Gesellschaft prägt. Die politische Führung ist tabu (darf nicht kritisiert werden). 2015 öffnet das Land seine Grenzen für Touristen (noch kein Individualtourismus). China will das Dreiländereck mit Nordkorea und Russland attraktiver machen, indem kein Visum erforderlich ist. Ojea Quintana ist 2019 Uno-Sonderberichterstatter für das Land: 40% der Menschen sind unterernährt. Lebensmittel sind knapp. Menschen werden in Lagern gefoltert und interniert. Manchen Nordkoreanern gelingt die Flucht nach China; es gibt auch einen Menschenhandel von Frauen nach China. Doch selbst dort sind sie nicht sicher. Besonders trifft die Menschen, dass Textilexporte verboten sind (Sanktionen).  Vgl. Der Spiegel Nr. 51; 14.12.19; S. 89. In Nord-Korea gibt es eine hochintelligente Hackerelite, die für Cyber-Angriffe geschult ist. Immer wieder werden grausige Geisterschiffe mit verwesten Leichen an Japans Nordwestküste angespült. Es gibt sehr viele dieser Boote. Sicher ist, dass die Boote aus Nordkorea kommen. Vgl. auch: Julia Leeb: North Korea - Anonymous Country, 2014.

Gesundheit (System, Politik, Seuchen):  2020 sorgt das Corona-Virus für eine weitere Isolation des Landes. Man kommt nicht mehr herein und nicht heraus. Alle Reisen von und nach China wurden gekappt.  Es gibt aber offiziell noch keine Fälle in dem Land. Das Virus scheint Diktaturen nicht zu befallen: auch Tadschikistan und Usbekistan melden keine Fälle. Trotzdem wird in Nordkorea eine Resolution am 13.04. verkündet, die nationale Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der Sicherheit fördern soll. Der Flug- und Schienenverkehr ist schon länger ausgesetzt. Das Gesundheitssystem auf dem Lande gilt als stark veraltet und schwach. Im Juli 2020 gibt es den ersten offiziellen Corona-Fall. Er tritt in der Grenzstadt zu Süd-Korea Kaesong auf. Diese wird abgeriegelt. Ein Überläufer aus Süd-Korea soll das Virus eingeschleppt haben. Offenbar handelt es sich um einen doppelten Überläufer (erst von Norden nach Süden, dann wieder von Süden nach Norden; Spion?). Das Regime meldet immer wieder, dass es Corona in Nordkorea nicht gebe. Kim und seine Familie lassen sich aber heimlich impfen. Die von Exilanten aus Nordkorea betriebene Website "DailyNK" meldet seit November 2020 die Schließung aller Schulen (Unterricht wohl erst wieder ab März 2021). Websites in den USA sprechen von einem maximalen Notstand. Die Schwester von Kim  Kim Yo Jong spricht von Unverschämtheiten. Kim gibt im April 2021  offen zu, dass die Pandemie große Schäden anrichtet und viele Opfer fordert. Eine Spende von drei Millionen chinesischen Impfdosen  durch die UN lehnt das Land im September 2021 ab. Begründung: Es gäbe Länder, die den Impfstoff dringender bräuchten.  Kim wirft seinen Beamten Faulheit vor und gibt ihnen eine Mitschuld.

Seit Wochen taucht Kim Jong Un im April 20202 nicht in der Öffentlichkeit auf (zuletzt 11.04.). Er ist nicht mehr zu sehen. So taucht das Gerücht über eine Krankheit auf. Wie krank ist Kim? Die ausländischen Diplomaten unterliegen einer 30-tägigen Quarantäne. Einige wurden per Sonderflug ins russische Wladiwostok gebracht. Die Nachrichten verdichten sich, dass Kim Herz-Kreislauf-Probleme hatte und operiert werden musste. In jedem Falle ist er fettleibig und starker Raucher (viele in der Familie erlitten Herzinfarkt). Andere Gerüchte beziehen sich auf eine Zyste am Sprunggelenk. Daraufhin kursieren viele Gerüchte im Netz aus Südkorea, Japan, China und den USA. Einige sprechen sogar von Koma oder Tod. Südkorea bringt in Umlauf, dass sich Kim in der Ferienstadt Wonsan im Osten von Nordkorea aufhalte, weil er Angst vor einer Corona-Ansteckung habe. Am 01.05. taucht Kim wieder überraschend in der Öffentlichkeit auf. Es gibt Zweifel, ob er noch die uneingeschränkte Macht hat. Im Mai 2023 gibt es weitere Gerüchte vom südkoreanischen Geheimdienst: Kim habe Dermatitis. Es gebe wieder Herz-Kreislaufprobleme. Nordkorea schickt keine Sportler zu den Olympischen Spielen 2021 in Tokio/ Japan. Als Grund wird Corona angegeben. Das Land steckt aber auch in einer großen Wirtschaftskrise und Geldnot. Man hat in Japan Sorge vor weiteren Rückziehern. Im Mai 2022 ordnet Kim Jong Un landesweite Lockdowns an. Städte werden abgeriegelt. Erstmals werden offiziell Corona-Fälle gemeldet. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldet Mitte Mai 22 innerhalb von 24 Stunden 270.000 neue Fälle. Seit April 22 sind 1,5 Mio. Fieberfälle registriert. Das Militär wird für Hilfseinsätze mobilisiert (sie verteilen auch rund um die Uhr in Apotheken Medikamente).

Es gibt in Nordkorea keine Covid-Tests. Die Anzahl der gemeldeten Todesfälle ist wahrscheinlich nicht echt (nur 70 insgesamt bis Juni 22). Die Grenzen sind geschlossen. Es fehlt an Medizin und Nahrungsmitteln. Medikamente kommen aus China und wurden von der UN gespendet ("UNO-Medizin"). Fast keine internationalen Organisationen sind vor Ort. Dei Menschen sind völlig isoliert. Vgl. Hanna Song, in Der Spiegel Nr. 24/ 11.6.22, S. 71. Ende Juni schätzt man 4,5 Mio. Fälle. Im Juni bricht im Norden des Landes eine mysteriöse Darmkrankheit aus. Hunderte Familien sind betroffen. Es gibt in kurzer Zeit 1600 Fälle. Es könnte sich auch um Cholera oder Typhus handeln. Die Menschen sind durch Corona geschwächt.

Im Juli 22 entdeckt Kim Jong Un die vermeintlichen Urheber der Pandemie in seinem Land. Der Klassenfeind im Süden ist verantwortlich. Mit Viren gefüllte Ballons  seien über die Grenze geschickt worden. Dahinter steckten Republikflüchtlinge aus dem Norden. Kim hatte vorher schon zugegeben, dass mindestens 4,7 Mio. Nordkoreaner infiziert gewesen seien, also 18% der Bevölkerung. Vgl. Köhler, Angela: Ansteckende Grüße vom Klassenfeind, in: Die Rheinpfalz, 4.7.22, S. 1. Ende 2022 wird wohl die Hauptstadt abgeriegelt und in den Lock down geschickt.

Im August 2023 werden die strikten Einreiseregeln für im Ausland lebende Staatsbürger weitgehend aufgehoben. Sie waren in der Corona-Pandemie erlassen worden. Seit Anfang 2020 hatte sich Nordkorea vollkommen abgeschottet.

Humanitäre Hilfe: Die Welthungerhilfe ist seit 1997 in Nordkorea. Landesdirektor der Welthungerhilfe in Nordkorea ist 2020 Andreas Oswald, der aus Landau/ Pfalz stammt. Rund 10,4 Mio. Menschen brauchen hier humanitäre Hilfe. Allerdings sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da es keine offizielle Zahlen der Regierung gibt. Nach neuesten Informationen 2021 sind 11 Mio. Menschen unterernährt. Es droht eine ähnliche humanitäre Katastrophe wie in den 1990er Jahren. Selbst die einfachsten Nahrungsmittel fehlen. Die Menschen essen Wurzeln und Gras. Die Propaganda bedauert den "ausgemergelten" Diktator, der tatsächlich abgenommen hat.

Atomprogramm und Rüstung: Das Land will Atommacht werden. Es will damit ein Gegengewicht gegen die USA und Südkorea entwickeln. Dieses Programm steht immer wieder im Mittelpunkt von Verhandlungen und Konflikten. Im August gibt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bekannt, dass der umstrittene Atomreaktor im Nuklearzentrum Yongbyon wieder in Betrieb genommen wurde. Balistische Raketen werden zu Testzwecken ständig gezündet. Das macht auch Südkorea. Ein Test einer ballistischen Rakete findet auch im Januar 2022 statt. Sie können je nach Bauart mit einem atomaren Sprengkopf versehen werden. Das Geschoss stürzte ins Meer. Am 15.1.22 kommt ein neuer Raketentest als antwort auf neue Sanktionen der USA. Es ist der dritte Raketentest innerhalb von 10 Tagen.  Es sind jetzt schon 7 Raketenstarts in einem Monat, soviel wie nie zuvor. Man rätselt , was dahinter steckt: Spannungen in Ostasien anheizen, die Ukraine-Krise ausnutzen, Zeit vor Vorsitz in der UN-Weltabrüstungskonferenz ausnutzen? Am 24.3.22 folgt der Höhepunkt als Paukenschlag: Nach 5 Jahren zündet Kim erstmals wieder eine Interkontinentalrakete. Trotz Verbots und internationaler Sanktionen wird weiter getestet. Am 18.4.22 gibt es einen Test taktischer Lenkwaffen (auch mit Atomköpfen bestückbar). Die Entwicklung sei von großer Bedeutung (es war wohl wieder die Antwort auf ein gemeinsames Militärtraining von USA und Südkorea). Als US-Präsident Biden im Mai 22 Südkorea wieder verlässt, zündet Nordkorea pünktlich Raketen ins Japanische Meer. Man rechnet damit, das auch bald mal wieder Atom-Raketen getestet werden. Im September 2022 wird erneut eine ballistische Rakete abgefeuert, die im Meer landet. im Oktober 22 wird eine Rakete über Japan hinweg geschossen. Zwei weitere folgen. Es sind Reaktionen auf Militärübungen der USA und Südkorea. Das setzt sich fort auch Ende des Jahres 2022, wo mehrere ballistische Raketen abgefeuert werden. Kim kündigt an, mehr Atomwaffen zu bauen. Im Februar 2023 ist wieder ein Raketentest mit dem Typ Hwasong-15. Pjöngjang spricht von der "Fähigkeit zum tödlichen atomaren Gegenangriff". Im Gegenzug kündigen die USA und Südkorea gemeinsame Manöver der Luftwaffe an. Daraufhin schießt Kim zwei weitere Raketen ab. Japan schaltet den Sicherheitsrat ein. Kim schießt 4 weitere Raketen ab. Im August 23 gibt es einen Fehlstart von einem Spionagesatellit. Das war schon der zweite Versuch. Die Trägerrakete mit dem militärischen Aufklärungssatelliten "Malligyong-1" sei vom Raketenstartplatz in der Provinz Nord-Pyongan gestartet. Das technische Antriebssystem hatte ein Problem. Ende Mai 2024 feuert Nordkorea in einem Test 10 ballistische Raketen ab (von Südkorea und Japan gemeldet).

Atomwaffen: Nordkorea scheint kleine Atomwaffen zu haben. Das Land macht trotz internationaler Sanktionen Fortschritte bei der Entwicklung. Die kleinen Atomwaffen passen in die Sprengköpfe ballistischer Raketen (Boden-Boden-Raketen). Es gibt eine Produktion von hoch angereichertem Uran und einen Bau eines experimentellen Leichtwasserreaktors. Kim treibt den Ausbau der Nuklearstreitkräfte konsequent voran. Dem Westen bleiben dagegen kaum Druckmittel. Deshalb nennt man Nordkorea auch "Land der lausigen Optionen". Vielleicht ist die neue Außenministerin zu mehr Rüstungskontrolle bereit (sie war schon an Gesprächen mit den USA beteiligt). Vgl. Peters, K. G.: Land der lausigen Optionen, in: Der Spiegel Nr. 25/18.6.22, S. 76. Kim ist zum Einsatz von Atomwaffen bereit. Das betont er immer wieder. Vgl. FAZ 29.7.22, S. 4. Ende November 2022 verkündet Kim, dass Nordkorea die weltweit stärkste Atomstreitmacht werden will. Man will auch das Territorium der USA erreichen. Kim Jong Un fordert im Frühjahr 2023 mehr Atomwaffen.

Militär: Im August 2023 setzt Kim den Chef des Generalstabes Pak Su II ab und ersetzt ihn durch Vizemarshall Ri Yong Gil. Weitere führende Offiziere werden entlassen. Kim will wahrscheinlich einen koreanischen Prigoschin verhindern. Nordkorea hat Militärkooperation mit China und Russland. Russland braucht Waffen und Munition. Nordkorea braucht moderne Technologie.

Strategie und langfristiges Ziel: Im Januar 2024 gibt Kim die Politik zur friedlichen Wiedervereinigung auf (friedliche Wiedervereinigungspolitik des Großvaters und Staatsgründers Kim Il Sung). Experten glauben, dass er sein Land sogar auf einen kriegerischen Konflikt einschwört. Seit dem Scheitern der Gespräche zwischen Kim und Trump 2019 scheint Nordkorea die Annäherung an die USA aufgegeben zu haben. Nordkorea nähert sich immer mehr China und Russland an. Nordkorea-Experten weisen darauf hin, dass Nordkorea eine Erstschlag-Bedrohung gegen die Westküste der USA mit nuklearen Sprengkörpern und Interkontinentalraketen aufgebaut haben könnten. Dann könnte eine USA unter Trump nicht mehr bereit sein, Südkorea zu verteidigen. Vgl. Kretschmer, Fabian: Mehr als das übliche Säbelrasseln des Diktators, in: Die Rheinpfalz 17.01.24

Kultur: Chosonot heißt das traditionelle Gewand für Männer und Frauen. Es wird vor allem an Festtagen getragen.  Vor 30 Jahren (1989) sollte in Nordkoreas Hauptstadt das größte Hotel der Welt entstehen. Vollendet wurde das Gebäude nie. Es hat 105 Etagen und ist 330 Meter hoch. Am 16.10.2019 zeigt sich Kim Jong Un propagandawirksam auf einem weißen Pferd auf dem höchsten Berg Paektu-san (Weißkopf-Berg, mit seiner Frau und einigen Generälen) auf dem ersten Schnee reitend. Als "Schimmelreiter" will er auch Angst verbreiten. Es ist der heilige Berg und das Symbol der Herrscherfamilie (auch Ursprungs-Ort des koreanischen Volkes).  Samjiyon, direkt am heiligen Berg, soll zum Aushängeschild des Sozialismus werden ("sozialistisches Utopia"). Hier sollen erst mal 4000 ausgewählte Familien leben (mit Skigebiet, Hotels, Kultur- und Gesundheitseinrichtungen). Einziges Nachrichtenorgan in Nordkorea ist die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Sie hat ein Nachrichtenmonopol. Zum "Jahrestag der Nation" am 08.09.21 wird in Pjöngjang eine Parade zelebriert. An der Veranstaltung nehmen "paramilitärische und öffentliche Sicherheitskräfte" teil. Vertreter des Eisenbahnministeriums, der Fluggesellschaft Air Koryo und der Hungnam - Düngemittel-Fabrik sind beteiligt. Auch Feuerwehrautos und Traktoren. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldet, Machthaber Kim Jong Un habe "herzliche Grüße an das gesamte Volk" des Landes ausgerichtet. Durch Gasmasken und orangefarbene Schutzanzüge erinnert einiges an eine Grusel-Parade.   "Sein Marsch auf dem Pferderücken auf dem Paektu-Berg ist ein großes Ereignis in der Geschichte der koreanischen Revolution."

Sprache: Koreanisch. Auch Russisch und Chinesisch. Die Koreaner schreiben nicht mit chinesischen Zeichen. Das heutige koreanische Alphabet besteht aus 14 Konsonanten und zehn Vokalen, also 24 Buchstaben. Die Koreaner schreiben ihre Buchstaben in Silben. Es gibt zwei Varianten von Buchstaben.

Totengedenken: Ende 2021 lebt der Personenkult um Nordkoreas Führer-Clan wieder auf. Vor zehn Jahren starb der Vater und Vorgänger von Kim an einer Herzattacke. Jetzt stirbt der jüngere Bruder des Staatsgründers Kim II Sung ("ewiger Präsident"). Es ist der Politikveteran Ju (wohl 101 Jahre alt). Es wird eine aktuelle Trauerperiode angeordnet. Sie dauert bis die Leiche beerdigt wird. Während dieser Zeit sind Alkohol, Freizeitsport, Lachen und Einkaufen verboten. Nordkorea wird immer absurder. Vgl. Köhler, Angela: Kim Jong Un verbietet das Lachen, in: Die Rheinpfalz Samstag 18.1.21, S. 1. Mitte April 22 gibt es eine große Militärparade zu Ehren des Staatsgründers.

Rolle der Frauen: Kim Jong Un überlässt den Frauen aus seinem engsten Umfeld die öffentliche Bühne. Manche sprechen von einer feministischen Revolution in Nordkorea. Seine Schwester ist fürs Grobe zuständig. Seine Frau Ri Sol Ju macht in Wohltätigkeit. Propagandachefin ist Kim Yo Jong (eventuell aus einer unehelichen Beziehung des Vaters).  Er zeigt auch seine Tochter. Vgl. Kretschmer, Fabian: Kim und dei Frauen, in: die Rheinpfalz 27.2.23. Neuerdings lässt er sich von seiner Tochter zu öffentlichen Auftritten begleiten. Ihr Name und Alter werden öffentlich nie genannt.  Soll sie als Thronfolgerin präsentiert werden? Ob es noch einen Sohn gibt, ist unklar. Der fühere deutsche Botschafter Schäfer meint das sei unklug. Der Kontrast zwischen den mangelernährten Kindern und wohlgenährter Diktatorentochter sei zu stark. Vgl. Peters, Katharina G.: In Ballerinas zum Raketentest, in: Der Spiegel 10/ 4.3.23, S. 77.

Kinder: Über die Lage der Kinder in Nordkorea weiß man sehr wenig. Es gibt viele Waisen, die ihre Eltern verloren haben, und traumatisiert sind. Viele versuchen, nach Südkorea zu fliehen. Die Fluchtroute geht über China (Bus, Taxi, zu Fuß) nach Laos oder Vietnam. Von dort führt die Flucht nach Thailand. Von Thailand geht es mit Flügen nach Südkorea. In Südkorea werden sie in der Regel von Familien aufgenommen. Berühmt ist der Südkoreaner Kim Tae-hoon. Er hat 12 Kinder aus Nordkorea aufgenommen. Vgl. Peters, Katharina Graca: Kims Kinder, in: Der Spiegel 29/ 15.7.23, S. 80ff.

Kastensystem: Es bestimmt jeden Aspekt des Lebens: wo die Menschen wohnen, wie sie ausgebildet sind, welcher Arbeit sie nachgehen.

Hundefleisch: Gerade auf dem land gibt es zahlreiche Hundefleischrestaurants. Sie heißen Süßfleischhaus. Zum Verzehr wird eine spezielle Rasse gezüchtet. Die Tötungsweise ist unethisch: das Tier wird großem Stress ausgesetzt, damit das ausgeschüttete Adrenalin das Fleisch zarter macht. Das Fleisch gilt als sehr gesund.

Religion:  In Korea gilt der Mahayana - Buddhismus (chinesisch-japanisch). Man spricht auch vom "nördlichen Buddhismus". Es geht um die Erlösung aller Lebewesen. Es gibt eine ausgeprägte Meditationspraxis. Zwischen 0 und 500 n. Chr. erreicht der Buddhismus Südostasien und Korea. Ansonsten spielt der Animismus noch eine Rolle, wie in vielen anderen asiatischen Ländern. Es ist der Glaube, dass alle Objekte Seelen besitzen, vor allem Berge. Offizielle Staatsphilosophie ist der Konfuzianismus, der Hierarchien legitimiert. Man sieht ihn aber heute nicht mehr als Religion, allenfalls als ethisches System.

Religionen sind nicht erwünscht oder angesehen. Das Christentum ist verboten und wird verfolgt.

Menschenrechte: Die Vereinten Nationen prangern immer wieder Menschenrechtsverletzungen des Regimes an. Man redet über Verschleppungen, Entführungen. So gibt das Hochkommissariat 2023 eine Erklärung ab. Davor 2014. Seit den 50er Jahren gibt e sdie Anklagen.

Bildung: In der Corona-Pandemie wurden die meisten Schulen und Hochschulen geschlossen. Eine Kommission wurde eingesetzt, die Reformvorschläge machen soll. Sie fordert bessere Ausrüstung und kleiner Gruppen ein. Der Kommissionschef wurde exekutiert und Kimm macht die Hochschulreform zur Chefsache. Vgl. Köhler, Angela: Kritisieren darf nur Kim, in: Rheinpfalz Nr. 85, 13 4.21, S. 1.

Geographische Zonen: Die Hauptstadt Pjöngjang kann in einen West- und Ostteil getrennt werden. R. Frank/ siehe unten teilt weiterhin in den Nordwesten (Sinuiju ist das Tor nach China), Südwesten (Kornkammer, Westmeerstaudamm, demilitarisierte Zone), Südosten (Tourismus, deutscheste Stadt Hamhung) und Nordosten (kleiner Grenzverkehr nach China, heilige Berg Paektusan, Sonderwirtschaftszone Rason).

Exkurs: Tourismus in Nordkorea. Reisen in das Land sind möglich, obwohl das Auswärtige Amt in der Regel vor den angebotenen Zielen warnt (man spricht von "dark tourism"). Es herrscht auch kein Massentourismus. Rocky Road Travel ist einer der Veranstalter, andere sind Clio Voyages aus Frankreich oder Wild Frontiers bzw. Lupine Travel aus GB. Auch Reiseblogger und Influencer berichten über das Land. Viele lehnen die Reisen jedoch ab, weil sie als Unterstützung für das Regime angesehen werden.

Naturkatastrophen und Ernten: Im Juli und August 2020 verwüsten sintflutartige Regenfälle und Taifune die Ernte und zerstörten Häuser. Immer wieder suchen Überschwemmungen und Sturmschäden das Land heim. Dadurch verschlechtert sich die Nahrungsmittelsituation dramatisch. Kim Jong Un bereitet in einer Rede am 16.6.21 seine Bevölkerung auf eine Nahrungsknappheit vor (mehrtätiges Treffen des ZK in Pjöngjang). Es fehlen 1,3 Mio. Tonnen, vor allem Getreide. In seiner ersten Rede 2022 (Abschluss eines fünftätigen Parteitreffens zum Jahreswechsel) stellt Kim die Versorgungsprobleme in den Mittelpunkt. Er will die Agrarproduktion erhöhen und die Nahrungsmittelprobleme des Landes komplett lösen. Trotzdem gibt es 2023 wieder erhebliche Probleme mit Lebensmittelknappheit.

Müll-Ballons: Ende Mai und  Juni 2024 schickt Nordkorea Müll-Ballons über die Grenze nach Südkorea. Sie werden reihenweise geschickt (Inhalt: Zigarettenstummel, Papier, Kleiderfetzen, Plastik und andere Abfallprodukte). Sie werden vom Generalstab in Südkorea genau gezählt. Bis Anfang Juni 2024 waren es schon 720. Gleichzeitig gibt es Störangriffe gegen das Satelliten-Navigationssystem GPS. Südkorea erwägt, die Propagandamaßnahmen gegen den Norden wieder aufzunehmen. Sie waren 20218 nach Annäherung eingestellt worden. Es waren hauptsächlich Durchsagen mit Lautsprechern an der Grenze. 2021 hatte dann die liberale Regierung in Südkorea ein Gesetz erlassen, das das Versenden von Flugblättern und anderer Objekte an der Grenze verbot. Das Verfassungsgericht hatte das Gesetz 2023 aufgehoben.

Politische Rahmenbedingungen: Bei Nordkorea geht es um einen Kampf zwischen den USA und China um die Vormachtstellung im pazifischen Wirtschaftsraum. Für China ist daher das Regime wichtiger als eine Vereinigung mit den USA. Vgl. Thomas Reichart: Der Wahnsinn und die Bombe, 2018. Reichert ist Leiter des Ostasienstudios des ZDF in Peking. Er lebt auch in Peking und reist von da regelmäßig nach Nordkorea. Nach seiner Meinung braucht China Nordkorea als strategischen Pufferstaat, ein Schutz vor der Macht der USA. Bedrohlicher als die Atombombe sei für China der Zusammenbruch Nordkoreas. Vgl. Reichart, Thomas: Das Feuer des Drachen, München 2020, S. 242.  Ein anderer anerkannter Nordkoreaexperte ist Rüdiger Frank, Uni Wien. Sein aktuelles Buch ist "Unterwegs in Nordkorea. Eine Gratwanderung, München 2018". Vgl. auch: Rüdiger Frank: Neuer Tiger auf dem Sprung?, in: Die Zeit, Nr. 25, 14. Juni 2018, S. 24. Ein weiteres Buch von ihm über Nordkorea ist "Nordkorea. Innenansichten eines totalen Staates" (Geschichte, Ideologie, wirtschaftliches System, Politik). Es gibt nicht viele Experten zu dem Land,. Dazu ist die Abschottung und die Intransparenz zu groß. Man sollte aber alle Informationen mit Vorsicht aufnehmen und überprüfen soweit es geht. Viele direkte Informationen habe ich von einem Studenten erhalten, der über die österreichische Botschaft eine zeitlang in dem Land leben und arbeiten konnte. Durch die Corona-Pandemie wird die vollständige Isolation der Bevölkerung weiter ausgebaut. Beide koreanische Staaten sehen sich als treue Bollwerke im Machtpoker USA-China. Anfang Oktober 2021 wird der Kommunikationskanal zwischen Nord- und Südkorea wieder hergestellt. Kim gibt sich als Friedensengel.  2020 erlangt ein Däne Aufsehen. Der ehemalige Koch war in die dänisch-koreanische Freundschaftsvereinigung eingetreten. Es gelang ihm geheime Informationen zu bekommen und zu filmen. Es listet Verstöße gegen die UN-Sanktionen auf: Waffenlieferant, Drogenproduzent für Geld; geheime Wege an Öl).

Staatsfinanzierung (Hacker-Angriffe): Die Regierung scheint ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufgestellt zu haben. Es gibt ein Team, dass Cyberangriffe im Ausland durchführt. Die erpressten Gelder fließen in die Staatskasse. Ob das eine Legende oder Realität ist, konnte noch nicht endgültig nachgewiesen werden. Das FBI fahndet nach der Hackerbande "Lazarus". Es gilt als das "beste Bankräuber-Team" der Welt. Sie sollen in Pjöngjang ansässig sein. Sie operieren mit Viren und Trojaner. Sehr bekannt wurde die Attacke "Wanncry" 2017. Hunderttausende Windows-Computer wurden außer Gefecht gesetzt und erst nach Zahlung eines Lösegeldes  wieder freigesetzt. Sie drangen auch mal in das Bankensystem Swift ein und  machten falsche Transfers für Nordkorea. Man schätzt die Gesamtbeute bis 2020 auf 1,3 Mrd. $. Ein Überläufer berichtet im Oktober 2021 von massivem Drogenhandel. Dieser ist staatlich organisiert. Die Beschaffung erfolgt gegen Devisen. Davon profitiert vor allem die Herrscherfamilie Kim. Vgl. Kölner Stadtanzeiger, Di. 12.1021, S. 5. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen soll Nordkorea 2022 mindestens 630 Mio. US-Dollar mit Hackerangriffen im Internet gestohlen haben (in den Jahren ab 1997 1,2 Mrd. $). Damit werden die Raketen finanziert. Kim will damit Druck auf die Weltgemeinschaft ausüben, damit sie die Sanktionen aufgibt.

Exkurs. Rüdiger Frank: Er gilt als einer der besten Kenner Nordkoreas. Er bereist seit über einem Vierteljahrhundert das Land regelmäßig. Er kann so tiefe Einblicke in den Alltag der Menschen geben. Frank ist Deutscher, geboren 1969 in Leipzig. Er studierte Koreanistik und Wirtschaftswissenschaften in Berlin und Duisburg. Er ist heute Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens an der Universität Wien und Leiter des dortigen Ostasieninstituts. Er hat zwei wichtige Bücher über Nordkorea geschrieben: 1. R. Frank, Nordkorea. Innenansichten eines totalen Staates, 2014; Ders., Unterwegs in Nordkorea. Eine Gratwanderung, München 2018.

 

Malaysia:

Lage und Bevölkerung: In Südostasien. 34,3 Mio. Einwohner (2022). Hauptstadt Kuala Lumpur. Regierungssitz Putrajaya.  Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1957. 61% der Bevölkerung sind Moslems (Sunniten, Staatsreligion; 20% Buddhisten; wird zum Zentrum des islamischen Finanzwesens). Klima: Feuchtheißes Tropenklima. Amtssprache: Malayisch.

Wichtige Städte und Verwaltungsgliederung: Kuala Lumpur, Subang Jaya, Lelang, Johor Bahru, Ipoh, Ampang Jaya, Kuching, Petaling Jaya, Sha Alam. Verwaltungsgliederung: 13 Bundesstaaten und drei Bundesterritorien.

Kuala Lumpur: Sie ist die Hauptstadt Malaysias. Hier treffen die Kulturen aus Indien, China und den arabischen Ländern zusammen. Die Inder und Chinesen haben ihre eigenen Viertel mit Tempeln und Gottheiten. Die überwiegend  muslimischen Malaysier lassen sich fünf Mal am Tag vom Muezin in die Moscheen zum Gebet rufen. Sehr sehenswert sind Central Market und Batu Caves. Vom KL Tower hat man die beste Aussicht.

Geschichte: Um 1400 gründet der Prinz von Palembang (er musste aus Sumatra fliehen) an der Südwestküste der malaiischen Halbinsel die Hafenstadt Malakka. 1511 entsteht mit der Eroberung Malakkas durch die portugiesische Flotte der erste Stützpunkt von Europäern in Südostasien. Im Folgejahr erreiche die Portugiesen ihr eigentliches Ziel: die Molukken. Auf den Inseln wachsen Muskatnuss- und Nelkenbäume, Quelle für Gewürze. Die nächsten 450 Jahre werden Europäer die Geschichte Südostasiens entscheidend mitprägen. 1605 erobert die Flotte der niederländischen Handelsgesellschaft VOC zuerst die Molukken, später auch Malakka (1641). 1795 Britische Kolonie. 1939 Kommunistische Partei Malaysias. Kampf für die Unabhängigkeit. 1941 Japanische Besatzung. Nach dem Krieg wieder britische Kolonie. 1950 Unabhängigkeit von GB.

Politik: Verfassung von 1957 (Anpassung 2019): Parlamentarische Wahlmonarchie. Tengku Abdullah, der Sultan des Bundesstaates Pahang,  wird im Januar 2019 Malaysias neuer König. Damit ist er der 16. Yang di-Pertuan Agong ("Der zum Herrscher gemacht wird"). Er darf bis 2024 regieren. In der Politik wird mit allen Mitteln gekämpft. 2018 wird Anwar begnadigt vom König. 2014 war er wegen gleichgeschlechtlichen Sex zu fünf Jahren verurteilt worden. Er war Konkurrent von Najib.  Es gibt Ermittlungen gegen Najib (Skandal um den Staatsfonds).Die Leiche Kim Jong Nams wird Ende März 2017 nach Nordkorea überführt. Malaysias Ex-Premier Mahathir Mohamad kandidiert mit 92 Jahren noch mal gegen Machthaber Najib Razak. Mahathir gewinn die Wahl und wird als Regierungschef vereidigt. Später wird er mit seiner UMNO-Partei wieder abgewählt. Das Land entwickelt sich zum demokratischen Leuchtturm Südostasiens. Malaysias König Sultan Muhammad V. tritt im Januar 2019 zurück (das erste Mal, dass ein König abdankt). Es gibt Gerüchte über eine Heirat mit einer Russin. Malaysia ist eines der wenigen Länder in Asien, das noch Müllabfälle aus Europa aufnimmt. Im Februar 2020 entbrennt ein Machtkampf in der Regierung: Regierungschef Mahathir Mohamad (94 Jahre) tritt zurück, um seinen Rivalen Ibrahim zu verhindern.  Der kleine deutsche Kreuzer "Emden" macht 1914 in Asien Furore. Vor Malaysia versenkt er englische Schiffe und schießt Ölanlagen in Madras in Brand. Schließlich wird er kampfunfähig geschossen und ein Teil der Besatzung schlägt sich auf einer abenteuerlichen Reise nach Hause zurück. Noch heute wird in Asien mit "a real Emden" ein wagemutiger Mensch bezeichnet.

Wirtschaft: Währung: Malaysischer Ringit. BIP 2022 407,92 Mrd. US-$. BIP 2017 314,5 Mrd. US-Dollar.  BIP 364,7 Mrd. US-$ 2019. Wachstum BIP 2019: 4,3%; 8,7% 2022.  Seit die US-Notenbank mehrmals die Zinsen 2008 gesenkt hat, strömt Anlagekapital nach Asien, und übt einen starken Druck auf die Wechselkurse aus. Preiskontrollen sollen die Preissteigerungen eindämmen. Auch die Subventionen auf Energiepreise werden abgebaut. Das Land hat eine der besten Infrastrukturen in Asien, eine englischsprachige Bevölkerung und zahlreiche Naturressourcen. Mahatmir kündigt ein Ende des Bahnprojektes zwischen Kuala Lumpur und Singapur an. Damit vergrätzt er Singapur und China. Der Projektstopp könnte auch zu Schadensersatzzahlungen führen. Die neue Regierung will wieder Benzin und Zucker höher subventionieren. Die 2015 eingeführte Mehrwertsteuer soll wieder abgeschafft werden. Anteil am Welthandel 2017: Import 1,1%; Export 1,2% (Elektronik, Maschinen, Nahrungsmittel). Arbeitslosigkeit 2017 im Durchschnitt: 3,4%. ab 2020 ist Malaysia im RCEP dabei, der regionalen Wirtschaftsintegration in Asien.

Wirtschaftslage und Finanzpolitik: Ein Plan zur Besteuerung von Rücküberweisungen löste 2021 Proteste aus und wurde zurückgezogen. Die finanzielle Unterstützung von Bratöl und Benzin sowie des Haushaltsstroms belastete die Staatskasse zunehmend, so dass das System der Preisdeckelung durch direkte Einkommenshilfen ersetzt werden soll (Ankündigung Mitte 22). Die höheren Preise für Lebensmittel belasten die arme Bevölkerung.

Palmöl: Malaysia ist der zweitgrößte Palmölproduzent der Welt. Es ist ein wichtiges Exportgut. 2022 profitiert das Land vom Exportstopp in Indonesien im Zuge des Ukraine-Krieges. Ein Wegfall der 8%-Exportsteuer wurde aber fallen gelassen.

Orang-Utan-Diplomatie: Die Regierung orientiert sich 2024 am Beispiel von China (Panda-Diplomatie). Bei Malaysia spricht man von Orang-Utan-Diplomatie. Die auf der Roten Liste stehenden Tiere sollen an Länder gegeben werden, die mit Palmöl handeln oder es für Kosmetik und Nahrungsmittel verarbeiten. Der Hintergrund: Der großflächige Anbau von Palmöl ist heftig umstritten, weil dafür Regenwald gerodet wird, in dem Orang-Utans leben.

Außenhandel: Eine hohe Importquote und ein Anstieg der Exportnachfrage waren 2021 Voraussetzung für die Erholung der Wirtschaft.

Malaysia ist eine wichtige Anlaufstelle für Direktinvestitionen in Asien. Die Machtverteilung ist recht interessant: Einheimische - Politik, Chinesen - Wirtschaft, Muslime - Finanzwesen (islamisches Finanzwesen). 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 3,41 Mrd. €. 

Malaysia und Deutschland: Am 12.1.24 besucht Außenministerin Baerbock das Land. Es wird als Standort für deutsche Direktinvestitionen immer interessanter.

Unternehmen: 2013 steigt die BASF aus einem gemeinsamen Projekt mit Petronas (rund eine Mrd. Euro) aus. Ab 2016 investiert Osram 1 Milliarde Euro in eine neue Chip-Fabrik (LED-Chips) in Malaysia. Schokinag GmbH, Mannheim (seit 90 Jahren, gegründet 1923; produziert nicht für Endverbraucher, sondern für Lebensmittelhandwerk; investiert 2019 in neue Produktlinien; ursprünglich Familienunternehmen, dann drei Eigentümerwechsel; in Europa ist Deutschland der größte Markt, weltweit die USA, Nischenanbieter europäischer Schokolade: Chips und Chunks. 2020 wird die Firma für 30 Mio. € vom malayischen Kakao-Riesen Guan Chong aufgekauft). 2022 baut Infineon eine neue Fabrik in Malaysia. Man investiert in die Materialien Sliciumcarbid und Galliumnitrid. Das ist eine Trendwende. Der weltweit führende Palmölhersteller Sime Darby gerät 2022 in dei Kritik: Menscherechte sollen missachtet werden. Ferrero zieht sich zurück. Die USA sprechen einen Einfuhrbann aus.

Verkehr: Das Projekt Kuala-Lumpur-Singapore High Speed Rail (HSR) wird Anfang 2021 vorerst auf Eis gelegt. Seit 2013 wurde geplant an der 350 Kilometer-Strecke. Es kursierten Zahlen von 15 Milliarden Dollar. Man will aber irgendwann den Bau verwirklichen. Man hofft auf China oder Japan. Offizieller Grund für den Stopp ist Corona. 905 gehen durch Malaysia, 10% durch Singapur.

MH370-Mysterium: Das Verschwinden des Flugzeugs von Malaysia Airlines ist eines der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte. Das Wrack wurde nie gefunden. Nach zehn Jahren (2014 war das Verschwinden) gibt es wieder Hoffnungsschimmer für die betroffenen Familien. Es gibt bizarre Theorien.

Korruption: Veruntreuung bei Staatsfonds 1 MDB. Prozess gegen Stiefsohn Riza Aziz von Premierminister Razak. G284 Mio. US-$ wurden für eine  Filmproduktion eingesetzt und vorher in der Schweiz geparkt. Rizza zahlte 107 Mio. $ an die Staatskasse.

Gesundheit: 2020 kommt Malaysia gut durch die Corona-Pandemie. Das wird auch auf das Dichtmachen der Grenze zurückgeführt. 2021 sieht die Lage ganz anders aus: Es gibt im Juni 21 Rekordinfektionen von 7000 Fällen pro Tag. Man geht in den totalen Lockdown. Sogar die meisten Unternehmen müssen schließen. Das Gesundheitsministerium macht die Feiern zum Ende des Ramadan für den erneuten Ausbruch verantwortlich. Die Kritik an der Corona-Politik verstärkt sich. Malaysias Regierung muss zurücktreten.

Klimaschutz und Energie: Am 27.09.21 stellte der Premier den 12. Malaysia-Plan vor, der Klimaneutralität bis 2050 vorsieht. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß halbiert werden. Ismael erklärte auch einen Baustopp für Kohlekraftwerke. Bei der Stromerzeugung sollen Gaskraftwerke eine zentrale Rolle spielen. Vgl. Der neue Kosmos Welt-Almanach 2023, S. 274.

Waldreservat Belum-Temengor/ Tiger: Im Norden der malayischen Halbinsel leben einige der letzten Tiger. 1959 gab es noch 3000 Exemplare. Die Tiere sind stark dezimiert, weil der Lebensraum verloren geht. Außerdem gibt es Wilderei, weil Tigerteile in der TCM verwendet werden. Dei Bemühungen zum Schutz der Tiger werden verstärkt.

 

Thailand:

Bevölkerung:: 71,8 Mio. Einwohner. Verteilung: Stadt 52,9%; Land 47,1%. Altersmedian: 39,7 Jahre. Alphabetenrate: Frauen 92,8%; Männer 95,5%. Bevölkerungsgruppen: Thai, Malaien, Khmer, Indigene, Nachfahren von Chinesen. Lebenserwartung: Frauen 84 Jahre; Männer 75 Jahre.

Politik: Hauptstadt Bangkok (Krung Thep). Machtkämpfe und Korruption belasten das Land. Durch das Stilllegen von Flughäfen wird der Tourismus, die wichtigste Devisenquelle des Landes, getroffen. Thailand, der weltgrößte Reisexporteur, will mit Vietnam, Myanmar, Kambodscha und Laos den Handel abstimmen (Reiskartell). 2010 kämpft das Land gegen Inflation. 2013 gibt es viele Demonstrationen gegen die Regierung (Korruption). Protestführer Suthep hat eine dubiose Vergangenheit. Anfang 2014 legt die Opposition die Hauptstadt Bangkok durch einen Generalstreik lahm (bei Wahlen hat sie keine Chance). Es ist ein Machtkampf entbrannt zwischen regierungstreuen "Rothemden" und oppositionellen "Gelbhemden". Über Bangkok wird der Ausnahmezustand verhängt (Desaster für den Tourismus und aufstrebende Junge aus der Mittelschicht). VW darf ab 2015 in Thailand Kleinwagen bauen. Im Herbst 2016 stirbt der thailändische König Bhumibol. Er war 70 Jahre König und der am längsten regierende Monarch der Welt. Am 26.10.17 findet die Einäscherungszeremonie statt. Thailands König wird 2018 Eigentümer aller Vermögenswerte der Monarchie. Er hat damit mehr als 30 Mrd. Dollar und ist der reichste Monarch der Welt vor dem Sultan von Brunei.  Zwölf Jugendliche werden im Juli 2018 aus einer Höhle durch eine kompliziere Tauchaktion gerettet. Ein ranghohes Mitglied der thailändischen Königsfamilie will 2019 Regierungschefin werden (Prinzessin Ubolratana). Nach einem öffentlichen Rüffel ihres Bruders, des Königs, muss sie aufgeben. Die Opposition reklamiert den Sieg für sich in den Parlamentswahlen. Die Aussicht auf einen Machtwechsel sind offen, weil das Militär eine starke Stellung hat. Überraschend wird die Partei der Armee zum Sieger erklärt. Betrugsvorwürfe werden laut. Offen ist, wie es weiter geht. Ein Soldat hat bei einem Amoklauf im Februar 2020 mindestens 20 Menschen getötet. Ende Februar 2020 löst das Verfassungsgericht eine populäre Oppositionspartei auf ("Future Forward"). Proteste gegen Regierung und Monarchie nehmen 2020 zu. Das ist ein Tabubruch. Die Jugend begehrt auf. Der Monarch lebt meist außerhalb Thailands am Starnberger See in Deutschland. Es soll wilde Sex-Partys geben. Im Oktober 2020 verbietet Thailands Regierung Versammlungen. Ende August 2022 wird Ministerpräsident Prayut suspendiert. Das macht das Verfassungsgericht des Landes. Er soll laut Verfassung das Ende seiner Amtszeit erreicht haben. Im Mai 2023 gibt es Neuwahlen. Die pro-demokratische Opposition gewinnt. Nächster Ministerpräsident dürfte Pita Limjaroenrat werden. Die Frage ist, ob die alten Generäle tatsächlich die Macht abgeben. Pita Limjaroenrat scheitert bei der Wahl im Parlament klar. Er kann eine Mehrheit nicht erreichen. Ein Gesetz mindert die Chancen eines Kandidaten, der nicht aus der Armee kommt. Die politischen Eliten und das Militär  verbannen ihn in die Opposition. Dafür kehrt der "Berlusconi von Bangkok" zurück. Gemeint ist Thaksin Shinawatra.  Spätestens um 1000 n. Chr. erreichte der Buddhismus Thailand. Es ist der Theravada - Buddhismus (wie in Sri Lanka, Myanmar, Kambodscha, Laos). Heute sind fast 95% der thailändischen Bevölkerung Buddhisten. Thailand ist heute eine Monarchie mit demokratischen Wahlen. Der König hat eine zweite Frau (Konkubine), die in der Öffentlichkeit durchaus gezeigt wird (Spitzname Koi, ehemalige Kampfpilotin). Sie war zeitweilig in Ungnade gefallen. Der König hält sich häufig in Bayern auf (er hat eine Villa in Tutzing, die er als Botschaft tituliert; sein Gefolge von 100 Personen wohnt in einem Luxus-Hotel, wo ständig Zimmer reserviert sind) . Es gibt Proteste in Thailand gegen den König (Rama X.) und die Monarchie. Es ist wohl der reichste Monarch der Welt. Die Bundesregierung kann nur wenig gegen den Aufenthalt tun. Im Januar 2021 feiert der Monarch mit allem Pomp den 36. Geburtstag seiner Zweitfrau Maha (jetzt plant er eine Aufwertung für sie).

Wirtschaft:  BIP 2022 536,16 Mrd. US-$. BIP 2020 -6,6% wegen der Corona-Krise (Tourismus). BIP 2017 455,2 Mrd. US-Dollar. Wachstum 2022 2,6%. Inflation 6,1%. 2007 Auflagen für Auslandsinvestitionen, ein buddhistisches Wirtschaftsmodell ist geplant; Aktienkurse sind gefallen. Der Baht, die Währung Thailands, wurde innerhalb des letzten Jahres um 20% aufgewertet. Der Export ist 2006 gegenüber dem Vorjahr um 18,4% gestiegen, 2007 18%. 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 1,63 Mrd. €. Das Land hat andauernde  Inflationsprobleme. Deshalb hat die Zentralbank Thailands den Leitzins zum achten Mal auf jetzt 4,75%  erhöht. Ab 2015 will die Regierung 100 Mrd. Dollar in Infrastruktur stecken. Deutsche Unternehmen hoffen auf Aufträge. Die größten Wertschöpfungsbeiträge zum BIP leisten die Tourismusbranche und die Naturkautschukbranche. Thailand ist der weltgrößte Hersteller von Naturkautschuk. Die Bedingungen für die Arbeiter in den Gummibäumen ist extrem hart (Nachschichten, Aufnahme von Giften, Nichteinhaltung des Mindestlohnes). Mittlerweile arbeiten überwiegend Arbeiter aus Kambodscha  dort. Nach den Plantagen kommt ein kompliziertes System von Zwischenhändlern im Land bis das Gummi als Vorleistung die Filialen der großen Reifenhersteller im Land erreicht (Bridgestone, Michelin, Continental). Der Weltmarktpreis für Kautschuk in aufgrund des Überangebots in den letzten Jahren gesunken. Einige Nachfrageländer setzen mittlerweile auch stark auf Recycling. Die Technik der Runderneuerung ist so ausgereift, dass die Qualitäten fast gleich sind. Anteil BIP nach Sektoren: Landwirtschaft 8,6%; Industrie 33,1%; Dienstleistungen 58,3%.

Finanzstabilität: Thailand hat immer wieder mit Finanzkrisen zu kämpfen. Zuletzt Ende der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts. Man hatte viele Kredite in Dollar aufgenommen. Dabei waren auch Kredite an Unternehmen. Dann kam eine Baht -Abwertung und man geriet in Turbulenzen. Der IWF musste helfen.

Global Government: Am 18. und 19.11.2022 findet in Bangkok, der Hauptstadt von Thailand,  der Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) statt. Xi Jinping  reist direkt vom G20-Gipfel auf Bali dorthin an. Er warnt davor, dass die Asien-Pazifik-Region zur "Arena für den Wettbewerb zwischen den großen Mächten" ("Hinterhof") wird.

Geschichte Thailands: Erste Besiedlung und Kultur der Funan. Die Thai kommen wahrscheinlich von Norden (von China vertrieben?). Sie kommen aus den Regionen Guangxi und Guangdong. 9. bis 13. Jh. besetzt vom Kmer-Reich von Angkor. Das Reich von Sakkothai (1238-1430). 1351 bis 1767 Reich von Ayutthaya (U Thong, Sohn eines chinesischen Kaufmanns und einer Thai-Fürstentochter) 1782. Nach der Vertreibung der zuvor siegreichen Burmesen, die 1767 der Thai-Hauptstadt Ayutthaya erobert hatten, begründet General Phraya Chakri (als König Rama I.) das dritte Thai-Reich mit der neuen Hauptstadt Bangkok. Chakri-Dynastie 1782 bis heute.

Kultur Thailands: Thailands Nationalhymne zwingt die Menschen in der Hauptstadt Bangkok täglich zum Pausieren. Zweimal am Tag schallt das Stück im Viertelvierteltakt und fordert zum Strammstehen auf. Der Komponist hat deutsche Wurzeln und soll von einer Straßenbahn inspiriert worden sein. Peter Veit (1883-1968) war sein Name. Er hatte einen deutschen Vater.

Umwelt, Naturkatastrophen: Das Land wird immer wieder von großen Naturkatastrophen getroffen (vor allem Tsunamis). Anfang 2020 macht die Regierung einen Aufruf, das Duschen und Zähneputzen um je eine Minute zu verkürzen. Wasser wird knapp im Land. Am 10.10.20 gibt es ein großes Busunglück mit vielen Toten. Der Bus wird von einem Zug getroffen.

Energie: Berühmt ist die schwimmende Solaranlage Sirindhorn vor Thailand. Es ist eine Offshore - Photovoltaik - Anlage.

Gesundheit: Die Corona-Krise führt auch in Thailand zum Ausnahmezustand. Der soll bis Ende April andauern. Die Mönche des Buddhismus beten weiter. Sie schützen sich aber mit Gesichtsschildern und Masken. Pali ist die Sakralsprache des Buddhismus. Thailand fährt dann eine Politik der Null-Prozent-Infektionen. Die Grenzen bleiben geschlossen und werden in absehbarer Zeit nicht geöffnet. Der Preis dafür ist hoch. Der Tourismus kommt zum Erliegen. Seit Ende März 2020 durften nur wenige Ausländer einreisen und müssen nach der Ankunft für 14 Tage in überwachte Quarantäne. Man hatte bis Oktober 2020 nur 59 Tote und kaum Kranke. Mit 6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Januar bis November 2020) hatte Thailand weltweit den besten Wert.

Exkurs. Cannabis: Thailand hat Cannabis im Juni 2022 legalisiert. Dabei gab es vorher drakonische Strafen. Inzwischen ist das Land das Mekka für Marihuana-Fans. Es fehlt aber noch ein finales Gesetz. Es gibt einen Leitfaden für Touristen. Man kann Marihuana an jeder Ecke kaufen, sie ist verfügbar wie Gemüse. . Die Droge ist ein Wirtschaftsfaktor geworden. 1 Mrd. € könnte der jährliche Umsatz im thailändischen Cannabismarkt 2025 betragen. Man feiert jährlich ausgiebig in Bangkok den Weltcannabistag.

Vipassana: Auf klassischem Yoga aufbauende buddhistische Achtsamkeitsmeditation, außerdem verbreitet in Myanmar. Ziel ist die Befreiung von allen Hemmnissen und Einsicht in die wahre Natur der Realität. Techniken sind Sitzmeditation mit Atembeobachtung und Entfaltung von liebevoller Güte ("metta"), Mitgefühl ("karuna"), Mitfreude ("mudita") und Gleichmut ("upekkha").

Tourismus: Top-Attraktionen sind einmal River Kwai (Krieg von Japan in Südostasien). Es ist eine Brücke im westlichen Zentralthailand, wo 1956 der Monumentalstreifen "Die Brücke am Kwai" entstand, der zum Welterfolg mit sieben Oskars wurde. Zum Zweiten Sukhothai. Es ist die Wiege des Landes. 1228 verbündeten sich einige Thai-Fürsten gegen die Khmer und machten Sukhothai zur Hauptstadt ihres eigenen Königreichs Siam. Es ist heute Unesco - Weltkulturerbe. 200 Tempelruinen gehören dazu. Am bekanntesten ist der Königstempel Wat Mahathat. Bekant ist auch Wat Sri Chum mit dem Riesenbuddha. hinzu kommt Wat Traimit. Hier steht der wohl größte Goldgegenstand der Welt: Eine Buddha-Statue. Sie ist mehr als 3 Meter och und rund 5,5 Tonen schwer. Der Körper besteht zu 40 bis 80% aus Gold, das Gesicht sogar vollständig.  Im März 2021 werden es schon 12 Monate seit die Grenzen geschlossen sind. Urlauber werden weitgehend ausgeschlossen. Der Massentourismus erlebt eine beispiellose Krise. Die Wirtschaft beginnt zu meutern. Im Herbst 2021 öffnet sich Thailand wieder für die Touristen. Für die Insel Phuket gibt es ein Modellprojekt namens Sandbox (sieben Nächte in einem zertifizierten Hotel).

Exkurs. Chiang Mai: Im Norden Thailands gelegen. Es ist dei zweitgrößte Stadt des Landes mit 1,2 Mio. Einwohnern. Nicht weit sind Myanmar, Laos, und die chinesische Provinz Yunnan mit der Stadt Dali. Dali war lange der Zufluchtsort chinesischer Hippies und Aussteiger (Dalifornia). In den letzten Jahren (2024 rückwärts) kommen chinesische Dissidenten, Künstler und Unternehmer scharenweise in die Stadt Chiang Mai, um dem Kontrollwahn zu entkommen. Hinzu kommen die chinesischen Touristen, die 2024 für ganz Thailand auf 8 Mio. geschätzt werden. Chiang Mai ist auch Kryptostadt (dezentrale Systeme). Hierin flüchten Chinesen, die eher anarchisch orientiert sind.

Beziehung zu Russland: 2023 wandern viele Russen nach Thailand aus. Die Regierung in Thailand scheint dies zu fördern. Es sind hauptsächlich wohlhabende Russen, die kommen. Sie bauen sich eine neue Existenz in Thailand auf.

Gastarbeiter aus Thailand: Viele Thailänder arbeiten im Ausland. Sie leben dann vorübergehend in Japan, Korea, in arabischen Ländern oder Israel. In Israel brechen traditionell viele Frauen und Männer Richtung Israel auf, um als Vertragsarbeiter auf den Feldern zu arbeiten.

32 Menschen aus Thailand wurden beim Überfall am 7. Oktober zu Geiseln. Sie wurden von der Hamas nach Gaza in Tunnel verschleppt (sie gehörten zu den 200 verschleppten Geiseln, 1200 Menschen wurden ermordet). Sie werden nach zwei Monaten wieder freigelassen und können nach Thailand zurückkehren. Die meisten haben in einer Kartoffelfabrik in Mivtahim nahe dem Gaza-Streifen gearbeitet. Sie sind in einen Konflikt geraten, den sie nicht verstehen (sie wussten nicht, wer Hamas war). Einige sind auch umgekommen. Die Gefangenen berichten über kalte Unterkünfte ohne Matratzen, über nur eine Malzeit pro Tag und auch über Misshandlungen. Vgl. Hölzl, Verena/ Stöhr, Maria: Im Tunnel der Hamas, in: Der Spiegel 50/ 9.12.23, S. 92f.

Thailand und Deutschland: Am 25.01.24 besuchen Bundespräsident Steinmeier und Bundesarbeitsminister Heil Thailand. Sie schließen mit dem Land ein Arbeitskräfteabkommen. Man will Facharbeiter aus Thailand, insbesondere Pflegekräfte, anwerben.

 

"Bambus ist leicht zu biegen", Vietnamesisches Sprichwort. Diese Eigenschaft von Bambus macht man sich von Nutzen: Trinkhalme, Hüte, Textilien, Baumaterialien, Möbel, Werkzeuge u. a. werden daraus produziert. Vietnam wird auch als Bambusstange mit zwei Reisenden bezeichnet (Süden Mekong, Norden Golf von Tonkin). Vietnam ist ein Land auf dem Sprung in die Zukunft. Die Bevölkerung ist jung und sehr fleißig. In den Großstädten Saigon und Hanoi sieht man schon das moderne Leben. Vietnam erstreckt sich über 1700 km von Nord nach Süd. Mehrmals täglich durchquert der Fernzug die Altstadt von Hanoi durch die schmale Train Street. Berühmt ist auch die alte von Franzosen gebaute Brücke. Sie gilt als Wahrzeichen für die Ausdauer des Landes (sie wurde im Vietnam-Krieg x-mal beschädigt und wieder repariert).

Ho Chi Minh-Mausoleum in Hanoi, Vietnam. Das Foto ist morgens um 6 Uhr 2019 gemacht. Um diese Zeit findet täglich ein Wachwechsel und ein Fahnenhissen statt. Das Gelände ist abgesperrt. Man kommt später nur nach Körper- und Gepäckkontrolle dahin. Ho Chi Minh (der nach Erleuchtung strebende, wie er sich später nannte; Onkel Ho genannt; es gibt auch die Legende, dass das Original von den Chinesen ersetzt wurde) hat als Symbolfigur das Land durch zwei Unabhängigkeitskriege geführt. Einen gegen die französische Kolonialmacht und einen gegen die USA. Er hat dem Land die Unabhängigkeit und die Vereinigung gebracht (siehe unten). Schon Ho selbst war sehr pragmatisch; er stülpte den Kommunismus als Ideologie auf, weil er die Erfolge in Russland und China gesehen hatte, Von seiner Bildung und seinem Leben her war war er eher französisch geprägt (sehr kritisch gegenüber China wie viele seiner Landsleute auch).

Vietnam:

Bevölkerung: 98 Mio. Einwohner 2022. 96 Mio. Einwohner (2020). Bevölkerungsdichte 302 Einwohner/Quadratkilometer (Vietnam ist etwas kleiner als Deutschland). Bevölkerungswachstum 1%. Verteilung Stadt/ Land: 30%/ 70%.  Man darf nur zwei Kinder haben. Mehr ginge allein schon aus Kostengründen nicht. Bildung muss zum geringen Teil privat bezahlt werden (Eliteschulen). Ab 18 Jahren besteht für Männer eine zweijährige Wehrpflicht. Man bekommt Zertifikate, die man im Beruf einsetzen kann. Hauptstadt Hanoi. 2019 sind fast zwei Drittel der Bevölkerung jünger als 35 Jahre. Analphabetenrate: Frauen 8%, Männer 4%. Eine Million Menschen verlassen jedes Jahr Schule und Uni, um einen Job zu suchen. Die Geburtenrate sank schon stark ohne Geburtenkontrolle von 1981=4,9 auf 2013=1,7. Volksgruppen sind Viet, Cham, Chinesen, Thai und Khmer. Viele junge Menschen verlassen das Land, um im Ausland, auch in Deutschland, Ausbildung und Job zu finden. Sie werden dabei teilweise von der Regierung unterstützt (auch mit der Verpflichtung zu Gegenleistungen: Spionage bei Regimegegnern, Devisenabführung). Es gibt auch Austauschprogramme zwischen Vietnam und Deutschland, z. B. bei Krankenschwestern und Pflegekräften. In Vietnam leben 54 ethnische Gruppen.

Menschenschmuggel: Vietnamesische Schleuser - Banden betreiben das Geschäftsmodell, Vietnamesinnen und Vietnamesen in die EU (Ungarn, Slowakei, Deutschland) zu schmuggeln. In Deutschland liegt das Zentrum in Berlin. Vor allem Frauen werden geschmuggelt, die dann systematisch ausgebeutet werden. Auch Drogen werden gehandelt. Es gibt auch unklare Situationen: Rund 500 vietnamesische Arbeiter bauen 2021 in Serbien die erste chinesische Reifenfabrik in Europa. Aktivisten sprechen von Sklavenarbeit. Wahrscheinlich setzt China wegen Corona keine eigenen Arbeiter ein.

Gesundheit: Über die Gesundheitssituation in Vietnam kommt sehr wenig an die Öffentlichkeit. In der Anbetracht der großen Touristenströme aus China (vor allem in die Halong - Bucht) und der hohen Zahl an Fremdarbeitern aus China wird das Land auch stark von der Corona-Krise betroffen sein. Informationen darüber werden zuerst nicht öffentlich. Man erfährt so gut wie nichts über die Situation im Land. Am 01.04.20 wird dann die "soziale Gefangenschaft" verkündet, was auf eine stärkere Betroffenheit hindeutet. Ende Februar wurde 17 Infektionsfälle bekannt gegeben, Ende März werden schon 43.000 Fälle öffentlich (200 Tote). Insgesamt ist Vietnam aber nicht so stark betroffen. Das ändert sich im Mai 2021. Da taucht eine neue Variante auf: eine Mischung zwischen indischer und britischer. Die Fallzahlen steigen wieder stark. Der Gesundheitsminister Nguyen Thanh Long äußert sich sehr besorgt. Bis Mitte Mai gab es nur 6396 offizielle Corona-Fälle, 47 Menschen starben.

Wirtschaft: Seit 1986 Sozialistische Marktwirtschaft (sechster Parteitag, Doi Moi). Es wurde damit eine große Wirtschaftsreform durchgeführt. Es gibt nur Volkseigentum, für das Nutzungsrechte verteilt werden. Seitdem jährliches Wirtschaftswachstum von 7 - 8%. BIP 2017 223,9 Mrd.  US-$. BIP pro Kopf 6400 USD. Währung Dong. Das Land hatte 2013 ein Wachstum von 5,3%  (2007 8,3%; 2006 8,2%). 2018 beträgt das Wirtschaftswachstum 6,8%. Seit 2014 steig das BIP um mindestens 6% jährlich (nur Indien mehr Wachstum in Asien). Sogar 2020 wird noch ein Wachstum von 6,0 bis 6,8% erwartet, trotz der Pandemie. Ursache ist der boomende Export in die USA, Japan und die EU. Das Land ist ein großer Gewinner im Welthandelsstreit. Die Arbeitslosenquote liegt 2018 bei 2,2%. Der Ho-Chi-Minh-Stock-Index ist 2007 um 250% gestiegen. 2008 befindet sich der Kurs im freien Fall und halbiert sich (Währungskrise durch Inflation). Eine Wirtschaftskrise erschüttert das Land. Goldimporte werden Mitte 2008 verboten. Ab Januar 2007 ist das Land das 150. Mitglied der WTO. Das BIP pro Kopf betrug 2007 513€, (2013 4001) die Inflationsrate 7,3% (2013 7,4%), die ALQ 5,1%. Die Währung heißt Dong. Wie kaum ein zweites Land investiert Vietnam in die Vorsorge gegen Naturkatastrophen.  Im Herbst 2014 lockern die USA ihr Embargo gegen Vietnam. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg von 130 Dollar 1990 auf 1890 Dollar 2014.  Im August 2015 schließt die EU ein Handelsabkommen mit Vietnam. Zölle und andere Handelsbarrieren sollen abgebaut werden. Das Abkommen soll Ende 2017 in Kraft treten. Es gibt einige Kooperationen mit Japan. Die größte ist der Metro-Bau in Saigon.  In Vietnams Ho-Chi-Minh-Stadt herrschen chaotische Verkehrsverhältnisse. Auch auf den Gehwegen herrscht das Gesetz der Straße. Es gibt in der Stadt alleine 7,5 Mio. Mopeds. 

Die Beschäftigtenstruktur sieht offiziell wie folgt aus: Industrie und Handwerk 21%, Landwirtschaft und Fischerei 48%, Dienstleistungen 31%. Allerdings haben nur wenige Menschen einen festen Arbeitsplatz (15%?, wahrscheinlich aber mehr). Die meisten Menschen sind selbständig in einer Art Schattenwirtschaft. 75% der Menschen leben 2020 noch von der Landwirtschaft.

Probleme: Es gibt auch Menschenhandel aus Vietnam heraus. Er wird von Schleusern (mafiöse Strukturen) organisiert, meist über Osteuropa. Zielländer sind häufig Deutschland und Großbritannien. Am 03.03.20 macht die Bundespolizei eine große Razzia in vielen deutschen Städten. Es wird auch von Landraub in Vietnam berichtet. Dieser soll staatlich organisiert und brutal umgesetzt werden. Aus unserer Sicht fehlen oft die Hintergrundinformationen. Es gibt eigentlich nur Volkseigentum in Vietnam. Also gibt es eine Grauzone bei den Verfügungsrechten.

Unternehmen: Aktienindex ist der FTSE-Vietnam-Index. Die größten Positionen haben der Nahrungsmittelmulti Vietnam Dairy Products, der Mischkonzern Vingroup und der Hausbaukonzern Vinhomes. Der weltgrößte Handyhersteller Samsung fertigt bereits 2020 rund die Hälfte seiner Geräte in Vietnam. Apple verlegte die AirPod-Produktion nach Vietnam. Ein Drittel der Gesamtproduktion der Luxus-Kopfhörer soll dort stattfinden. Ende 2019 wird über die BMW-Filiale in Vietnam das BMW-Netzwerk geknackt und Wirtschaftsspionage betrieben (für einen Auftraggeber in einem anderen Land; BMW forscht an allen Antriebstechnologien). Siemens erhält den Zuschlag für den Bau einer U-Bahn (Dank für deutsche Entwicklungshilfe). Große Zulieferer der Sportartikelfirmen produzieren in Vietnam (z. B. Schuhe für Nike). Es wird zum Top - Investitionsstandort internationaler Einzelhandelskonzerne. Das Land hat 45 Flughäfen.

Aktienmarkt und Börse: VN Index Ho Chi Minh City. Er verliert allein 22 über -20%. Der engere HNX-Index büßte 41% ein.  2022 lässt auch der Markt am Mekong insgesamt Federn (FTSE). Nach dem Beginn des  Ukraine-Kriegs 2022 geht es nach unten.

Politik: Das Land hat 58 Provinzen und 5 Stadtverwaltungen. die Nationalversammlung hat 500 Sitze und wählt den 17-köpfigen Staatsrat. In der Sozialistischen Republik Vietnam ist die Kommunistische Partei als einzige Kraft zugelassen. Sie wählt alle fünf Jahre auf dem Volkskongress Zentralkomitee und Politbüro. Das System entspricht der Struktur nach dem in China. Am 10.11.17 besucht Trump das Land. Er spricht in Da Nang, wo die ersten US-Soldaten im Vietnam-Krieg landeten. Trump nimmt dort am APEC-Gipfel teil. Am 26./27.02.2019 treffen sich Trump und Kim, Staatschef von Nordkorea, (wieder mit dem gepanzerten Sonderzug angereist) in Hanoi. Trump bricht dann relativ schell die Gespräche abrupt ab. Im Mai 2014 kommt es zu gewaltsamen Protesten gegen China. China hat innerhalb der 200-Meilen-Zone illegal eine Bohrinsel errichtet. Vietnam entführt im Juli 2017 einen Geschäftsmann aus Berlin nach Vietnam (Regimegegner, aber reichlich korrupt). Es kriselt zwischen beiden Ländern. Es kommt immer wieder zu diplomatischen Verstimmungen, weil Regimegegner in Deutschland ausspioniert und eingeschüchtert werden (z. B. ehemalige Boatpeople). Reiche Vietnamesen investieren mittlerweile stark in Deutschland (Dienstleistungen, Gastronomie, Immobilien), um sich für den Notfall abzusichern. Soziale Medien wie Facebook und Instagram werden seit 2015 immer wieder blockiert.  Human Rights mahnt immer wieder an, dass Umweltaktivisten systematisch eingeschüchtert werden. Es gibt im Land einen Zielkonflikt zwischen Umwelt und Arbeit (insbesondere im Tourismus). Im Januar 2023 stürzt der Präsident. Nguyen Xuan Phue reicht seinen Rücktritt ein. Er wird von der KP (Zentralkomitee) für "Verstöße und Fehler" von Regierungsmitgliedern verantwortlich gemacht. Insider verweisen auf die Anti-Korruptionskampagne von KPV-Generalsekretär Nguyen Phu Trong (78 Jahre alt).

Hanoi das nächste Peking?: Vietnams Parteispitze folgt 2023 Chinas Beispiel. Sie säubert die Regierung. Investoren werden verunsichert. Der Wirtschaftsstandort ist interessant, aber undemokratisch. Präsident Steinmeier sagt seine Reise ab. Vgl. Hein, Christoph: Hanoi, das nächste Peking? in: FAZ 15.2.23, S. 16.

Alte Kaiserstadt Hue, Zitadelle. Hue war seit 1009 Kaiserstadt. Die Zitadelle wurde 1802 unter Kaiser Gia Long gebaut. Sie wurde nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking angelegt. Die Hauptstadt wurde 968 ursprünglich in Hoa Lu in der Trockenen Ha Long-Bucht gegründet (Reste sind noch heute zu sehen). So sollte eine optimale Verteidigung gegen China möglich sein. Teile des Kaiserplastes in Hue wurden von den USA im Vietnam-Krieg bewusst zerstört. Heute ist es Weltkulturerbe der UNESCO (seit 1999).

Geschichte: 7. - 3. Jh. v. Chr. Bronzezeit und das Reich Van Lang der legendären Hung -Könige. 3 Jh. v. Chr. Es entsteht der erste historisch nachweisbare Staatenverbund Au Lac. Hauptstadt ist Co Loa.  111 v. Chr. Beginn der tausendjährigen Herrschaft Chinas. 931/938 Sieg über China, Unabhängigkeit. Durch General Ngo Quyen mit der Entscheidungsschlacht auf dem Bach-Dang-Fluss. Als er 944 stirbt, brechen Streitigkeiten zwischen Generälen und Fürsten aus. Dinh Bo Linh ruft sich 968 zum König aus und gründet das Reich "Dai Co Viet" und verlegt die Hauptstadt nach Hoa Lu. 1009 gründet Ly Thai To die erste stabile Dynastie und verlegt die Hauptstadt nach Thang Long (Hanoi). 1009 -1225 Ly - Dynastie führt Beamtenwesen ein. 10. Jh. Konfuzianismus wird Staatsphilosophie. Es ist der Beginn des ersten vietnamesischen Reiches "Dai Viet" (seit 1804 Viet Nam genannt). Es ist das einzige in Südostasien, das nie indischem Kultureinfluss unterliegt, immer auf China ausgerichtet bleibt. Im 16. Jh. teilen  Trinh und Nguyen das Land unter sich auf. 1862/1863 Beginn der französischen Kolonialherrschaft. 1939 - 1945 Japan besetzt Vietnam. 1946 - 1954 Erster Indochinakrieg. 1954 Auf der Indochinakonferenz in Genf Teilung des Landes. 1964 - 1975 Zweiter Indochinakrieg. 1975 Einmarsch der Nordvietnamesen in Saigon und Machtübernahme im ganzen Land. 1976 Gründung der Sozialistischen Republik Vietnam. 1979 Straffeldzug Chinas, schwere Wirtschaftskrise. 2007 Vietnam wird Mitglied der WTO.

Vietnamkrieg ("Die Grüne Hölle"): Es gab schon länger Vorbereitungen in den USA. Man befürchtete nach der Dominotheorie kommunistische Umstürze in der Region. Auslöser des Krieges war ein Vorfall im Golf von Tonkin (US-Zerstörer "Maddox" wurde angegriffen). Mit modernsten Waffen wollte man die kommunistischen Soldaten aus dem Süden vertreiben und den Norden besiegen. Doch der Vietkong kämpfte mit Guerillataktik (z. B. "Tigerfallen"). Legendär war der Tunnel von Cu Chi (siehe oben). Die Vietkong legten den Ho-Chi-Minh-Pfad an, ein 16.000 km langes verzweigtes Wegenetz von Nord nach Süd. Die Tet - Offensive war zwar eine militärische Niederlage für den Norden, aber durch die Bilder im Fernsehen des Westens doch ein Sieg. Die Berichterstattung stärkte die Antikriegsbewegung im Westen. Trotzdem zog sich das Ende des Krieges lange hin mit einer Niederlage der USA. Der Krieg hatte große Bedeutung für die Welt (wirtschaftlich: neues Währungssystem, kulturell: Asien war im Mittelpunkt, politisch: die USA erlitten einen großen Dämpfer und die erste Niederlage; China erzielte einen ersten Erfolg im globalen Machtkampf mit den USA ). Das deutsche Sanitätsschiff Helgoland vom Roten Kreuz lag im Vietnamkrieg vor Saigon und half vielen Menschen. Im Vietnamkrieg wurde auch Hanoi von den USA bombardiert. Berühmt sind die Berichte von der Sängerin Joan Baez, die tagelang in einem Luftschutzkeller verbringt. Sie singt dort auch ihre Hymne "We shall overcome". 1973 wurde ein Friedensvertrag zwischen den USA und Vietnam geschlossen. Als Personen besiegelten Le Duc Tho für Vietnam und Henry Kissinger für die USA den Vertrag. Viele sagen, der Vertrag hätte Jahre früher kommen können, um viele Menschenleben zu retten. Trotzdem erhält Kissinger den Friedensnobelpreis. Kissinger wurde 1923 in Fürth/ Franken geboren. Als Jude musste er 1939 mit seiner Familie in die USA fliehen. Er sprach fließend Deutsch und war Anhänger des Fußballvereins Greuther Fürth.

Die Boat People aus Vietnam: Menschen aus dem Süden flohen am Ende des Krieges aus dem Land. Es begann 1978 mit dem Schiff Hai Hong, auf dem sich etwa 2000 Flüchtlinge drängten (1000 wurden nach Niedersachsen aufgenommen). Das deutsche Schiff Cap Anamur nahm ab 1979 Flüchtlinge auf, die auch nach Deutschland gebracht wurden. Insgesamt wurden ca. 15.000 Vietnamesen eingebürgert. Die DDR holte ab 1980 Vietnamesen ins Land als "Vertragsarbeiter". Es gab eine zeitliche Begrenzung (ca. 70.000). Nach der Vereinigung waren 1993 noch ca. 17.000 registriert..

Religion und Kultur: Alle Weltreligionen haben in dem Land Spuren hinterlassen, was auch mit der Lage zwischen Süd- und Ostasien zusammenhängt. In Vietnam herrscht eine große Vielfalt an religiösen Strömungen. Das hat zu einer relativ großen religiösen Toleranz geführt.  Da ist der Daoismus, eine Naturphilosophie von Laotse in China, bei dem die Ahnenverehrung eine große Rolle spielt. Auch der Konfuzianismus, in dem jeder an seinem Platz gesehen wird, kommt aus China und wird noch heute als Tugendlehre beachtet. Er ist mehr Gesellschafts- und Staatslehre als Religion. Am stärksten ist der Buddhismus verbreitet, wie in den Nachbarstaaten Laos und Kambodscha. Stärker als in diesen beiden Ländern kommt das Christentum vor, was mit den europäischen Kolonialländern (Frankreich, Portugal) zusammenhängt. In erster Linie ist es der Katholizismus, der seit dem Sieg der Kommunisten bestimmten Beschränkungen unterliegt. Das hängt damit zusammen, dass während der französischen Kolonialzeit, reiche Katholiken die Machtelite in Süd - Vietnam bildeten.  Etwa ein Prozent der Bevölkerung sind Muslime und es gibt zusätzlich noch einige Sekten (Cao Dai, Hoa-Hao). Der Caodaoismus nimmt Elemente aus allen Religionen, insofern ist er mehr Kompromiss und Pragmatismus  (was der Toleranz zwischen den Religionen entspricht) als Sekte.2023 gibt es einen Buddha-Boom im Land und ganz Südostasien. Es gibt immer neue Rekorde bei Tempeln und Pagoden.  Es geht ums Geld. Es ist der kapitalistische Umgang mit der Religion. Im Zentrum steht das Karma: "Gutes tun, damit uns später Gutes widerfährt". Nach Vietnam gelangte der Buddhismus etwa im 2. Jahrhundert n. Chr. über China. Buddhisten sind heute die größte religiöse Gruppe im Land. Hier gilt der Mahayana - Buddhismus (chinesisch-japanische Prägung).

Exkurs: Thich Nhat Hanh. Er war im 20. Jahrhundert einer der wichtigsten und berühmtesten Vertreter des Buddhismus in der Welt. Er wurde Zen-Meister genannt und stand für die Ausbreitung des Achtsamkeits-Konzeptes in der Welt. 1968 war er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Im Januar 2022 stirbt er mit 95 Jahren im Tu Hien - Tempel in der alten Kaiserstadt Hue/ Vietnam, wo er friedlich einschläft. Im Vietnam-Krieg 1966 hatte er fliehen müssen. Er baute dann Klöster im Westen auf. Europa-Zentrale war und ist EIAB in Waldbröl bei Köln/ Bergisches Land. Dorthin kamen und kommen Besucher aus 35 europäischen Ländern. 30 seiner 100 Werke sind auf Deutsch erschienen. Er betrieb auch das Meditationszentrum "Plum Village" auf Twitter. Nach dem Dalai Lama war er wohl der bekannteste Buddhist der Welt.  "Die Welt muss nicht sterben, um zu Wasser zu werden, sie ist bereits Wasser", war sein berühmtester Spruch.

Als größtes kulturelles Denkmal gilt die alte Kaiserstadt Hue (Weltkulturerbe der UNESCO). Der Palast befindet sich in einem abgeschlossenen Bereich innerhalb der Zitadelle Hues. Bei der Musik gibt es höfische und religiöse Musik, aber auch Unterhaltungsmusik. Es gibt auch besondere Instrumente (Sapekenklapper, Monochord). Beim Kunsthandwerk gibt es starke Einflüsse aus China (Lackarbeiten, Seidenmalerei, Keramik und Porzellan). Bei den Bergvölkern des Nordens gibt es starke Einflüsse der jeweiligen Herkunftsländer (Thailand, Laos). Vietnam hat als einziges asiatisches Land das lateinische Alphabet. Die Missionare lehrten die lateinische Schrift, weil die Menschen als Analphabeten die Symbolschriftzeichen nicht beherrschten. Die Kinder gehen drei Jahre in den Kindergarten. Ab 6 Jahre ist die Grundschule Pflicht. Bildung wird in konfuzianischer Tradition groß geschrieben. 2023 wird der Film "Barbie" in Vietnam verboten. Barbies Welt ist pink, doch Vietnam sieht rot. Eine gezeigte Karte enthält chinesische Ansprüche. Aus dem gleichen Grund wird der Film in Malaysia und den Philippinen gestoppt. Vgl. Neue Züricher Zeitung 12.7.23, S. 5.

Umwelt und Energie: Vietnam wird mit einer Tragestange verglichen, an der zwei Körbe hängen: Der schmale Küstenstreifen entspricht der gebogenen Stange. Dei beiden Ebenen - das knapp 15.000 Quadratkilometer große Rote - Fluss-Delta und das 40.000 Quadratkilometer große Mekong-Delta stellen die Körbe dar. Höchste Erhebung ist der 3143 m hohe Fan Si Pan. Noch im frühen 20.Jh. war Vietnam zu mehr als zwei Drittel von Wald bedeckt. Brandrodung, Abholzung und die großen Entlaubungsaktionen während des Vietnamkrieges haben den Wald auf weniger als ein Fünftel der Gesamtfläche reduziert. Bei einem schweren Tropensturm im Süden des Landes im November 2017 kommen fast 30 Menschen ums Leben. Im Mekong-Delta zeigen sich schon Vorboten des Klimawandels (weniger Regen). Durch den Bau von Staudämmen und weitere Umleitungen durch China in Tibet, wo der Mekong entspringt,  hat der Fluss bedeutend weniger Wasser, was große Auswirkungen auf die Landwirtschaft hat (Zentrum des Reisanbaus, vier Ernten pro Jahr möglich). Der Wolkenpass ist die Wetterscheide in Vietnam. Unterhalb herrscht tropisches Klima, oberhalb subtropisches. Im Juli 2014 zieht China seine umstrittene Bohrplattform vor Vietnam ab. Vietnam hat 33 Nationalparks. Der älteste ist Cuc Puong. In den Nationalparks leben besonders viele Primaten, darunter aussterbende Arten. Berühmt ist auch der Kon Ka Vinh - Nationalpark. Es liegt an der Grenze zu Laos. Es ist ein Regenwaldgebiet (mit seltenen Pflanzenarten, Orchideen). Vietnam wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht, zuletzt im Oktober 2020 mit vielen Toten.

Das Land hat zwei Wasserkraftwerke, Kohlekraftwerke (als Rohstoff im Land), Solarenenergie. Der Bau eines Atomkraftwerks, der 2008 mit russischer Hilfe begonnen wurde, ist gestoppt. Wasser wird als "blaues Gold bezeichnet". Es gibt Wasserförderanlagen mit Turbinen (Wasserkraftpumpen) bei Dongvan ganz im Norden. Das ist ein Karstgebiet. Auch im Norden an der Grenze zu China gibt es viel Kalkstein. Ein Drei-Länder-Projekt von Deutschland, Belgien und Vietnam sucht nach Wasser.

Vietnam ist hinter der VR China der zweitgrößte Schuhexporteur (12 Mrd. US-$). Beliebt ist das Lands im höheren Preissegment (Sportschuhe). Die Konkurrenz durch andere Niedriglohnländer wie Indonesien und Indien steigt. Der Lohndruck ist hoch. Die personalisierte und computergesteuerte Einzelfabrikation von Schuhen wieder in den Heimatländern könnte die Arbeitsplätze gefährden. Noch gibt es ein hohes Ausmaß an Billiglohnproduktion insgesamt. Auch weitere in ausländischen Direktinvestitionen hergestellte Produkte sind nur für den Export bestimmt  (Elektronikartikel: Samsung, Canon, Siemens Autos: Hyundai, Honda). Ausnahme sind Motorräder und Mopeds (Yamaha, Honda).  Eine zunehmend wichtige Einnahmequelle ist der Tourismus. Gerade die Küsten sind im Kommen. Ein Geheimtipp ist die Lan-Ha-Bucht im Norden Vietnams. Bootsfahrten durch die Bucht starten auf der Insel Cat Ba. Diese hat auch einen Nationalpark.

Kaffeeexporte. Der Klimawandel setzt den Kaffeebauern in Vietnam zu. Er verändert sowohl die Qualität als auch die Menge. Auf die Regenzeit ist kein Verlass mehr. Allerdings ist die dort gepflanzte Robusta - Sorte widerstandsfähiger als die Arabica -Sträucher.  17% der nach Deutschland importierten Bohnen kamen 2022 aus Vietnam. Quelle: Statistisches Bundesamt/ Wiesbaden. Der Kaffeeanbau in Vietnam war in dem ausmaß nicht traditionell. Er wurde erst später von der Regierung strategisch geplant.

Außenhandel insgesamt: wichtigste Exportgüter sind Rohöl, Textilien, Schuhe, Elektroteile und Meeresfrüchte, neuerdings auch Kaffee (hier zweitgrößter Exporteur nach Brasilien). Hinzu kommen Gold, Platinum und Edelsteine. Trotzdem hat das Land ein deutliches Außenhandelsdefizit (Bedarf an Konsumgütern). Wichtigste Handelspartner (Import) sind China, Taiwan, Singapur. Vietnam schließt fleißig Freihandelsabkommen ab. Am meisten hat das Land profitiert von einem Freihandelsabkommen mit den USA zu Obamas Zeiten. Das Land zieht auch großen Nutzen von den Handelstreitigkeiten der USA mit China und der EU. Immer mehr Firmen verlagern ihre Produktion aus China nach Vietnam, um Strafzölle zu vermeiden (Schaeffler: neues Werk in Bien Hoa; Apple; Sharp).  Bei Investitionen legt man großen Wert auf die Verbindung zu Forschung und auf Nachhaltigkeit. Vietnamesen sind gut ausgebildet, verdienen aber weniger als Chinesen. Die deutschen Exporte und Importe in das Land steigen stark an: 2018: Exporte in Höhe von 4,1 Milliarden Euro. Importe in Höhe von 9,8 Milliarden Euro. "Wir wünschen uns Projekte in Verbindung mit Forschung, bessere, nachhaltige Investitionen", Nguyen Chi Dung, vietnamesischer Minister für Planung und Investitionen 2019.

Deutschland und Vietnam: Weil die Abhängigkeit Deutschlands von China als zu hoch angesehen wird, wird Vietnam zu einer wichtigen Alternative in Asien. Am 13.11.22 besucht Bundeskanzler Scholz vor dem G20-Gipfel in Bali das Land. Er fordert eine klare Positionierung im Ukraine-Krieg. Vietnam steht eher auf der Seite Russlands. Es unterstützt das Land bei seinen Ansprüchen auf Meeresgebiete (Streit mit China).

Exkurs. Vereinbarung über Arbeitskräfte 2024: Am 23.01.24 besucht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Land. Er trifft Präsident Vo Van Thuong in Hanoi. Man unterzeichnet eine Vereinbarung. Sie besiegelt ein Kooperation bei Arbeitskräften/ Fachkräften. Arbeitsminister Heil ist auch dabei. Bürokratische Hürden auf dem deutschen Arbeitsmarkt sollen abgebaut werden und es soll faire Arbeitsbedingungen geben. 

Deutsch-Vietnamesische Handelskammer: In Ho-Chi-Minh-Stadt. Chef 2022 ist Marco Walde.

Handelsabkommen mit der EU und den USA, auch in Asien : Im Juni 2019 schließen die EU und Vietnam ein Freihandelsabkommen (EVFTA). 99 Prozent aller Zölle sollen abgebaut werden. Etwa zwei Drittel aller Waren werden von Zöllen befreit. Kinderarbeit wird verboten. Geistiges Eigentum wird geschützt. 2020 soll der Handelspakt RCEP fertig sein, der neben Vietnam auch China einschließt. Vietnam ist auch der transpazifischen Freihandelszone beigetreten (mit USA), was zur Abschaffung von bis zu 95% der bisherigen Zollbeschränkungen führen könnte. Ab 2020 ist Vietnam auch Mitglied der neuen Wirtschaftsintegration in Asien, der RCEP. Ihr gehören 15 Länder an.

Phosphor: Vietnam liefert 23% des Phosphors der EU. Der höchste Anteil kommt aus Kasachstan  mit 65%. Dann folgt China mit 10%.

Kooperation mit den USA: 2023 schließen Vietnam und die USA eine strategische Partnerschaft. Biden reist Anfang September 23 extra früher vom G20-Gipfel in Indien ab, um Vietnam zu besuchen.

Vietnam als neues China: Deutsche Unternehmen suchen in Asien zunehmend nach Alternativen zu China. Viele werden in Vietnam fündig. Mittelständler wenden sich von China ab: Engpässe in den Lieferketten, Null-Covid-Politik, Lebensbedingungen von Expats. einige Unternehmen denken über Verlagerungen statt. Vietnam bietet Zollvorteile dank des Transpazifischen Handelsabkommens mit den USA. Beispiele sind Brose, Kurz, Magnetec.

Konflikt und Kooperation mit China: Beide beanspruchen die Paracel-Inseln, die östlich von Vietnam und südlich von Hainan liegen. China kontrolliert die Inseln. Sie werden auch von Taiwan beansprucht. Die VR China spricht von einer "Neun-Strich-Linie", innerhalb derer das Land die Hoheit für sich sieht, um das Südchinesische Meer zu kontrollieren. Dazu gehören auch die Spratly-Inseln, die entweder von Vietnam oder China besetzt sind. Das Mischief Reef liegt aber auf in philippinischen Territorialgewässern. Immer mehr Unternehmen werden aus China nach Vietnam verlagert, weil die Produktionskosten günstiger sind (vor allem Lohnkosten). Das ist aber auch mit Ausbeutung von Menschen verbunden. China nutzt seinen großen Einfluss in Vietnam, um die Handelsbeschränkungen der USA (Zölle) zu unterlaufen.2021 nähert sich China wieder mehr. Man braucht jeden Verbündeten in der Strategie gegen die USA in Asien.  "Was mich angeht, ziehe ich es vor, fünf Jahre französischen Mist zu riechen, als den Rest meines Lebens chinesisch zu essen", Ho Chi Min, nordvietnamesischer Revolutionsführer im Vietnam-Krieg (das Misstrauen gegenüber China hat also Tradition).

"Mit jedem Tag des Lebens kommt ein Stück Weisheit hinzu", aus Vietnam.

 

Singapur:

Geschichte und Bevölkerung: Die Stadt begann als Fischerdorf. Dann wurde sie Sultanat. 1819 überlässt der Sultan von Jahore Singapur der britischen "East India Company". Später war sie Kronkolonie der Briten und wichtiger Handelsplatz. Der Name kommt aus dem Sanskrit und bedeutet "Löwenstadt". Der Stadtstaat ist der flächenmäßig kleinste Staat in Asien. 1819 gründen die Briten Singapur als rasch aufstrebende und bald wichtigste ihrer Straits Settlements. Einwohner 5,6 Mio. 2015 feiert das Land 50 Jahre Unabhängigkeit. Im Süden von Singapur auf der Insel Sentosa (Ruhe, Frieden) im Luxushotel "Capella" kommt das Treffen zwischen Trump und Kim tatsächlich zustande. Es gibt auch eine Vereinbarung. Berühmt ist die Verordnung gegen "Kaugummi-Vandalismus", die 2010 erneuert wird. Seit 1938 gibt es ein Gesetz, das homosexuelle Handlungen verbietet (2 Jahre Gefängnis). Das Gesetz wird immer noch angewandt und zeigt, wie konservativ das Land ist.   Einmalig ist Singapurs Sprachenmix Singlish. Es ist ein Mischmasch aus Englisch, Malay, Mandarin und Tamil. Es ist nicht mehr verpönt, sondern gehört zum Nationalstolz. Singapur ist von der Staatsform eine Diktatur. Berühmt sind die Gardens by the Bay, ein 1822 gegründeter Park am Hafen. Hermann Hesse war von diesem Park fasziniert, Er wohnte auch im Raffles, dem berühmten Hotel. Vgl. Hermann Hesse "Aus Indien", Fischer-Verlag 1913.  

Politik: Die Regierungspartei PAP regiert schon lange seit 1965. 2020 erreicht die neu gegründete PSP einen Achtungserfolg. Das Land ist eine Parlamentarische Republik offiziell. Faktisch ist es eher eine Diktatur. Die Meinungen unter Fachleuten gehen auseinander, wohin Singapur faktisch driftet. Man äußert Sympathie mit Putin und verhält sich neutral (Verständnis für Russland). Als neuen Regierungschef hat man Lawrence Wong im Auge.

Wirtschaft: Singapur gilt als Symbol des Aufstiegs Asiens im Rahmen der Globalisierung. BIP 2020 339,98 Mrd. US$ (-5,4% durch die Pandemie). BIP 2017 323,9 Mrd. US-$. Singapur ist eine wichtige Basis für westliche Unternehmen für die Betreuung für Direktinvestitionen. Umstritten ist die Beurteilung der Regierungsform: Diktatur. Singapur erhöht 2007 die Einkommen seiner Minister um 60% als Schutz vor Korruption. Die Wachstumsrate beträgt hier 7,9% (2006), 2010 14% nach einem Einbruch 2009 wegen der Krise (-2,1%). Hier leben 4,99 Mio. Einwohner. Wichtigste Branchen sind Finanzen und Versicherungen, Verarbeitendes Gewerbe und Handel. Ein Staatsfonds aus Singapur stützt Ende 2007 die UBS (9,8 Mrd. $) und Merrill Lynch (Temasek 4,4 Mrd. $). Erstmals seit 4 Jahren ist die stark exportabhängige Wirtschaft im letzten Quartal 2007 um über 3% geschrumpft. 2013 bestraft die Notenbank 20 Banken wegen Zinsmanipulation.  Level33 ist die höchstgelegene Mikrobrauerei der Welt. Von der Terrasse hat man einen gigantischen Ausblick über die Stadt.

Die Inflationsrate in Singapur trotzt ab 202 dem weltweiten Trend. sie liegt bei nur 2,3%. Für 2022 werden 3,5% erwartet.

Hafen von Singapur: Der Hafen von Singapur ist der zweitgrößte Container-Hafen der Welt. Er liegt hinter Shanghai/ China und vor Ningbo/ China.

Singapur als Stützpunkt westlicher Firmen: Viele Unternehmen bearbeiten Asien von Singapur aus. Der Staat ist zwar eine Diktatur, hat aber eine sehr erfolgreiche Wirtschaft. Auch die deutsche Firma Wirecard war dort. Ebenso Continental. Ab 2017 soll Siemens Singapur zur digitalen Modellstadt machen. 2020 soll kräftig investiert werden in LED -beleuchtete Gemüsefabriken und Fischfarmen in den seichten Gewässern vor der Nordküste. Siemens liefert  Sensoren und künstliche Intelligenz. Der Stadtstaat steht in Rankings zur Wettbewerbsfähigkeit immer ganz oben. Er gehört zu den reichsten Ländern der Welt und hat mit die höchsten Lebenshaltungskosten. Mit mehr als elf Millionen Touristen gehört Singapur zu den zehn meistbesuchten Städten des Globus. Star Alliance (Luftverkehrsbündnis) errichtet ab 2021 ein neues Zentrum in Singapur.

Singapur und Deutschland: Im November 2022 findet der Asien - Pazifik - Gipfel der deutschen Wirtschaft in Singapur statt. Bundeskanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck kommen. Man will Singapur als Alternative zu China ausbauen (Abhängigkeit von China verringern). Man strebt ein Freihandelsabkommen mit Singapur an.

Deutsche Außenhandelskammer in Singapur: Sie ist für einige Länder in Asien zuständig.

Singapur als Hort der Reichen: In Scharen zieht es die Superreichen nach Singapur. Es locken niedrigere Zinsen und weniger Turbulenzen als in Hongkong. Singapur profitiert also von der Situation in Hongkong. Viele Vermögensverwalter lassen sich mittlerweile in Singapur nieder. Viele Familiy - Offices werden gegründet. Singapur konkurriert mit New York, London und Hongkong um die Rangfolge der Finanzmetropolen in der Welt.

Singapur als Zufluchtsparadies für Chinas Oberschicht: Chinas Oberschicht hat Angst vor der wachsenden Kontrolle durch Xi Jinping. Viele Reiche setzen sich deshalb nach Singapur ab (zumindest Zweitwohnsitz). Sie versuchen dort ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen. Vor allem die Zahl der Family Offices ist rapide angewachsen (700 ende 2021). An singapur schätzt man das politische Klima und die Stabilität.  Vgl. Petring, Jörn: Im Paradies der Luxusflüchtlinge, in: WiWo 48/ 25.11.22, S. 34f.

Economic Development Board: Wirtschaftsförderungsbehörde Singapurs. Weltweit bekannt. Sie hat den Stadtstaat nach oben gebracht. Vor einem halben Jahrhundert war der Handelsposten von unterbezahlten Industriearbeitsplätzen bestimmt. Davor entluden chinesische Kulis die Sampans aus Sumatra.

Singapur als Konferenz-Standort: Im Juni 2022 findet die Shangri-La-Sicherheitskonferenz  in Singapur statt. Chinas Verteidigungsminister Wei Fenghe droht Taiwan: Im Taiwan-Konflikt würde notfalls militärische Gewalt eingesetzt.

Gesundheit und Bildung: Singapur hat ein hervorragendes Gesundheitssystem. Das bewährt sich im März 2020 in der Corona-Krise. Notfallpläne waren in der Schublade, weil man in der Vergangenheit schon von Corona (Sars, Mers) betroffen war. So gab es eine gute Vorbereitung. Hinzu kam eine Totalüberwachung der Handys. Tracking deckte bei jedem Infizierten die Kontaktpersonen der letzten zwei Wochen auf. Großflächige Tests wurden zusätzlich durchgeführt. Trotzdem gab es eine fatale Fehleinschätzung: In wenigen Tagen steigen die Infektionsraten wieder dramatisch an (Verzwanzigfachung in einer Woche). Man hatte die Gastarbeiter vergessen. Sie sind Wanderarbeiter aus Bangladesch, Indonesien und Indien, die überwiegend am Bau arbeiten. Sie werden in engen Quartieren eingepfercht. 25 Unterkünfte müssen unter Quarantäne gestellt werden. Viele Bauarbeiter müssen umquartiert werden.

Das Bildungssystem ist stark von der historischen Tradition geprägt. Es gibt eine Reihe europäischer Schulen. Überwiegend  sind sie britisch beeinflusst. Auch eine europäische, deutsche Schule ist vorhanden.

Exkurs. Langschwanzmakaken (auch Jawaaffen genannt): Sie sind überall. Sie stehen auf der Roten Liste. Der Lebensraum schrumpft. Sie sind für die Medikamentenforschung extrem wichtig. Sie leben außerdem noch in Thailand. Man schätzt, dass bis zu 450.000 Makaken für Forschungszwecke gehandelt werden. Sie werden zum Teil in buddhistischen Tempeln als heilig verehrt.

Modell für den Fortschritt (Smart City, Future City, Green City; Smart Nation): Das Innovationsmanagement gilt als das Beste in der Welt. Ab 2017 soll Siemens Singapur zur digitalen Modellstadt machen.  Vgl. Schnaas, Dieter: Tropenübungsplatz, in: Wirtschaftswoche 1/2 2020, 3.1.20, S. 26ff. Bei den Nutzern dieser Plattform liegt Singapur in Asien an der Spitze. Mit der Corona-Krise 2020 wird das Land sehr gut fertig. Der Flugdienst Volocopter will bis 2024 Flug-Taxi-Dienst in Singapur einrichten. Das Unternehmen ist im Bruchsal/ BW. Singapur vernetzt sich wie kein anderes Land der Erde. Schon 2021 geht fast alles mit dem Handy. Die Politiker gelten als visionär - die Bürger als folgsam.

Staatskapitalismus als Vorbild: Der Westen hat in der Welt immer weniger zu melden. "Asiatische Werte" sind auf dem Vormarsch. Der Staatskapitalismus in Singapur gilt vielen als idealer, pragmatischer  Kompromiss zwischen Demokratie und autokratischen Regimen.

Als Musterprojekt gilt der Pungol Digital District, ein Stadtteil im Nordosten Singapurs: 50 Hektar, 28.000 Arbeitsplätze, 12.000 Studenten. Immer mehr chinesische Baukonzerne ziehen am Rande Hochhäuser hoch. Es entsteht ein Ökosystem für Wissenschaft und Industrie. Damit verbunden ist eine "Open Digital Platform". Es wird eine Dateninfrastruktur aufgebaut. Am Ende soll der Stadtteil über eine einzige Plattform über Echtzeit-Daten gesteuert werden. Der SingPass soll fast alles ermöglichen. Vgl. Hein, Christoph: Smart Nation Singapur, in: FAZ Nr. 119, 26.5.21, S. B4.

Es wird auch ein neuer Stadtteil gebaut: Tengah. Er soll für die Gegensätze Urbanität und Dschungel stehen. Wichtige Bestandteile sind ein zentrales Kühlungssystem, eine automatisierte Müllentsorgung. In der Siedlung mitten im Urwald sollen die Menschen im Einklang mit der Natur leben. Eine App informiert laufend übe rden Energieverbrauch. 

Singapur gilt auch als Vorreiter in digitaler Regierung.

Internationale Konzerne nutzen Singapur als Experimentierfläche. Zukunftstechnologien bekommen die Bewohner oft als Erste zu Gesicht. Auch deutsche Konzerne forschen dort. 2022 lauf Tests mit Robotern, die Essen bringen.

 

Taiwan (Republik China, Nationalchina, Formosa: "die Schöne"; Zhonghua, Insel der Erdbeersoldaten):

Bevölkerung und Fläche: Taiwan hat 23,8 Mio. Einwohner. 78,6 % der Bevölkerung leben in Städten. Das Land umfasst 36.197 Quadratkilometer (Rang 134). Einwohner pro Quadratkilometer: 658 (Rang 9). Größte Stadt ist die Hauptstadt Taipeh (eine der modernsten Metropolen in Fernost, kulinarisches Mekka). Es gibt 124 Mobilfunkverträge pro 100 Einwohner. Nur 130 km trennen Taiwan an der schmalsten Stelle vom chinesischen Festland, 180 km sind es an der Westküste. 404.000 Taiwanesen arbeiten auf dem chinesischen Festland. 2,71Mio. Chinesen vom Festland besuchten 2019 Taiwan als Touristen.

Vergleichsgrößen: Die Insel ist in Fläche so groß wie Baden-Württemberg, in der Wirtschaftsleistung etwas größer als Bayern und in der Bevölkerung so groß wie Baden Württemberg und Bayern zusammen.

Wichtige Städte außer Taipeh: Neu-Taipeh, Taichung, Kaohsiung, Taoyuan, Tainan, Taitung, Yilan, Hengchun, Pintung, Zhongli, Hualien. Direkt Taiwan gegenüber liegen die chinesischen Städte Xiamen, Quanzhou und Fuzhou (Provinz Fujian).

Tainan ist die wohl unchinesischste Stadt Taiwans. William Tai ist ihr Lieblingssohn. Er kandidiert 2024 in der Präsidentenwahl am 13.1.24. Er war auf Taipehs bestem Jungengymnasium und studierte Medizin an der renommiertesten Hochschule des Landes, machte einen Master in Harvard.

Verwaltungsgliederung: 13 Bezirke und neun Städte.

Kultur: Das Nationale Palast-Museum in Taipeh ist einmalig: Es stellt die weltweit größte Kollektion chinesischer Kunst aus (Kunstschatz des Kaisers von Jahrtausenden). Götter- und Geisterglaube spielen in Taiwan noch eine Rolle. Als einziges Land in Asien hat es die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt. Am 22.4.22 meldet der Fernsehkanal CTS eine chinesische Invasion.  Der Sender entschuldigt sich später für die Falschnachricht. Zwei-Top-Managerinnen verlieren ihren Job.

Taipeh will ab 2021 mit Sprachzentren ein positives Taiwan-Bild im Ausland vermitteln. 18 solcher Sprachzentren sollen eröffnet werden. 15 sind in den USA, die übrigen drei in Hamburg, Paris und London. Die Initiative wird von der US-Regierung unterstützt. Wahrzeichen der Stadt ist die Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle. Das Monument steht im Zentrum der Stadt und ist von einem Park umgeben.

Identität: Die letzte Umfrage stammt aus dem Jahre 2022. Davor gab es die Umfrage aus dem Jahre 1994. 2022 antworteten die Taiwaner auf die Frage "Sind wir Chinesen oder Taiwaner" wie folgt: Taiwanesisch 60,8%; Beides 32,9%; Chinesisch 2,7%; Keine antwort 3,6%. 1994 hatte noch "Beides" die Mehrheit gehabt. Die meisten Taiwaner lehnen eine Vereinigung mit China ab und haben eine eigene Identität als Taiwaner entwickelt. Allerdings wächst in Taiwan die Sorge, dass Chinas Propaganda mit populären Apps wie TikTok den Verteidigungswillen der jungen Generation untergraben könnte.  Quelle: HB 28.3.23, S. 14f.

Freiheiten: Wenige Staaten in Asien sind heute progressiver. Frauen sind besser gestellt als in den Nachbarländern. Ihr Anteil im Parlament ist höher. Homosexuelle Paare dürfen seit 2019 heiraten. Wahrscheinlich würde es nach einer Wiedervereinigung zur "Umerziehung" kommen. Vgl. Peters, Katharina Graca: Stoisch im Sturm, in: Der Spiegel Nr. 48/ 26.11.22, S. 90ff.

Religion: Man wurde lange Zeit von Kolonialherren diskriminiert. Die Bewohner der Insel wurden anfangs "Eingeborene" genannt (domin, Erdmenschen). Nach Protesten nannte man sie "Bewohner dieser Insel" (honto jin). Die Religion hat eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung eines neuen Selbstverständnisses gespielt. In den Tempeln der Insel wurden nicht nur religiöse Rituale , sondern auch öffentliche Versammlungen durchgeführt. Das führte zu strenger Kontrolle. Die Taiwaner sollten zu Untertanen des japanischen Kaisers erzogen werden. Nach 1945 setzte sich die Diskriminierung fort. Aus die Japanisierung folgte eine gewaltsame Sinisierung. Die ostasiatische Arbeitsteilung in der Religion wurde fortgesetzt (es gibt keinen Exklusivanspruch): Die Erziehung ist konfuzianisch ausgerichtet. Die Ahnenverehrung kommt aus dem Daoismus. Für das Jenseits ist in der Regel der Buddhismus zuständig. Es gibt auch viele buddhistische Laienorganisationen. Am wichtigsten ist Tzu Chi (Barmherzige Hilfe). Es gibt auch Christen in Taiwan. Presbyterische Missionare waren schon im 19. Jahrhundert auf der Insel aktiv. Sie betrieben Schulen und Krankenhäuser. Vgl. Thome, Stephan: Gebrauchsanweisung für Taiwan, München 2021, S. 150ff.

Amtssprache: Chinesisch (Putonghua).

Geschichte Taiwans: Um 4000 v. Chr. lebten Menschen im Delta des Jangtsekiangs rund um den heutigen Großraum Shanghai. Diese besiedelten auch Taiwan. Sie lebten in enger Verbundenheit mit dem Wasser. Sie trieben Handel mit den Chinesen des Binnenlandes. Später spricht man von der Lianghzhu-Kultur, die sich auch ab 3400 v. Chr. im Jangtse-Delta findet: Die Menschen betrieben Nassreisanbau, intensive Fischerei und Fischzucht, schützten ihre Städte durch Mauern. Um 2200 v. Chr. findet die Lianghzu-Kultur ein abruptes Ende (weltweite Klima - Veränderung sorgt für steigende Meeresspiegel). Seit 1895 war Taiwan japanische Kolonie. Die Republik China wurde 1912 gegründet, nachdem in Peking das Kaiserreich gestürzt war. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs entbrannte ein Bürgerkrieg  in China. Er war zwischen den von den USA unterstützten Militärherrschers Chiang Kai-shek und den Kommunisten von Mao Zedong, der am 1. Oktober 1949 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik ausrief. 1949 kamen die Reste der nationalchinesischen Truppen von Chiang Kai-shek auf die Insel. Chiang-Kai-shek (1887-1975) war im chinesischen Bürgerkrieg (1927-1949) Gegenspieler Maos. Die Siegermächte hatten 1945 die Insel an den General übergeben (er kam mit 2 Mio. Anhängern). Bis 1987 war Taiwan noch Militärdiktatur, Chiang-Kai-shek war militärischer Oberbefehlshaber  und beanspruchte bis zu seinem Tod ganz China. Erst da wurde das Kriegsrecht ausgehoben. Die "Republik Chinas" sah sich als die legitime Herrschaft Chinas. Im Kalten Krieg vertraten sowohl die VR China als auch Taiwan die Auffassung, es gebe nur ein China. Zunächst war Taiwan im Vorteil: Bis 1971 vertrat es China als ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die VR war diplomatisch völlig isoliert. 1972 erkannten dann die USA die VR China an. Erstmals wurde 1996 der Präsident direkt gewählt. 1972 anerkannten die USA die Ein-China-Politik (Shanghai - Kommunique`, Nixon). Das kam mit der historischen Reise von Nixon nach China. Die Sowjetunion hatte immer die VR China unterstützt. Die USA erkannten 1979 die VR China an; 1987 wurde in Taipeh das Kriegsrecht aufgehoben (auf den Kimmen-Inseln fünf Jahre später).  Inzwischen wollen viele Taiwanesen keine Wiedervereinigung mehr. Bei Hongkong haben sie gesehen, dass der "Ein Land - Zwei-Systeme-Gedanke" nicht funktioniert. Die VR China hat ein großes Interesse an der Wiedervereinigung: militärisch, wirtschaftlich, politisch.  Heute rudern die USA wieder zurück und versuchen mit anderen Staaten (Japan, Indien, Südkorea, Australien, Neuseeland, Kanada) eine Allianz gegen China aufzubauen. Nach dem Taiwan Relations Act würden die USA der Insel im Ernstfall helfen, sich selbst zu verteidigen. Was das konkret heißt, ist unklar. 2014 besetzt die studentische "Sonnenblumenbewegung" das Parlament in Taipeh aus Protest gegen ein Wirtschaftsabkommen der KMT-Administration mit Peking. 2024 tritt die China kritische Staatschefin Tsai Ing-wen (DPP) nach zwei Amtszeiten ab.

Autoritäre Vergangenheit: Nach dem 2. Weltkrieg übernahmen die Kuomintang (ICMT) die Herrschaft über Taiwan. Danach stieg die Inflation und die Korruption stark an. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung in Taiwan mit der neuen Führung war groß. Diese lässt 10.000 Soldaten vom Festland kommen, die ein Massaker anrichten ("228-Massaker"). Danach folgt "Weißer Terror". Es wird das Kriegsrecht verhängt (1949). Bis 1987 werden ungefähr 140.000 Menschen inhaftiert und teils hingerichtet. Der Wandel zur Demokratie kam relativ spät. Diese Geschichte muss man im Blick haben, wenn man das totalitäre Regime in China kritisiert. Vgl. Fiedler, Lena: Taiwans offene Wunden, in: Die Zeit 51/ 8.12.22, S. 19..

Gesundheit: Taiwan hat wie Südkorea und Singapur viel Erfahrungen mit Seuchen, die aus China kommen. Man bekämpfte viele Fälle von Sars und Mers. Deshalb hat das Land eine gutes Vorsorgesystem. Es besteht aus den Elementen kontrollieren, isolieren, testen und Big Data nutzen. Taiwan hat nicht so viele Covid-19 Fälle trotz Neujahrsfest und Reisen. Nach der Erfahrung mit Sars richtete Taiwan 2003 ein Nationales Stabszentrum ein: National Health Command Center (NHCC), das alle Maßnahmen anordnet, überwacht und koordiniert. Schon bei dem ersten Verdacht wurde eine gigantische Eindämmungsmaschinerie in Gang gesetzt. Daten sind vernetzt. Passagierscheine werden per SMS vergeben. Es gibt eine nationale Hotline. Schon am 23.01.20 verbot man Einreisen aus Wuhan. Taiwan hat eine Digitalministerin (Audrey Tang 2021, seit 2016, "digitaler Zaun"). Sie kann mit digitalen Instrumenten einen Lockdown verhindern. Außerdem gibt es immer Quarantäne nach der Einreise. Die Anti - Corona - Politik war ganz eigen. 2021 erreicht man weitgehend Normalität.  Doch im Mai 21 entwickelt sich Taiwan wieder zum Sorgenkind. Die Infektionszahlen explodieren plötzlich. Es gibt Panik und Hamsterkäufe. Als Ursache hat man Hotels am Flughafen von Taipeh im Verdacht. Der Börseindex verliert seit Anfang Mai um 12,5% (siehe unten). Vgl. O. V.: Taiwans Weg vom Musterschüler zum Sorgenkind, in: FAZ 18.5.21, S. 2. Die Regierung reagiert mit starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Es fehlen Impfungen (man hat wesentlich weniger Impfdosen von Astra und Moderna bekommen als bestellt).

Wirtschaft: Der taiwanesische Aktienindex ist der dynamischste in Asien. Taiwan: 23,4 Mio. Einwohner (2013); BIP 2017 572,8 Mrd. US-$; BIP pro Kopf 39.000 $ (wie Deutschland); Wachstum des BIP 2020 3,1% trotz Corona (erste quartal 2021 +8,2%). ALQ 4,1%; Export nach Deutschland 6,5 Mrd. €; Import 5,8 Mrd. €. Taiwan hatte 2006 ein Wirtschaftswachstum von 4,4% (ALQ: 4,6%). Acer kauft den US-Konkurrenten Gateway. Taiwan hat bis 2008 ca. 64 Mrd. $ auf dem chinesischen Festland investiert (offiziell Platz vier, inoffiziell wahrscheinlich 250 Mrd. $ mit Briefkastenfirmen). 2009 will China Taiwan bei Investitionen auf dem Festland 19 Mrd. $ zur Verfügung stellen und erwartet im Gegenzug Handelserleichterungen. Das bilaterale Handelsvolumen liegt bei 102 Mrd. $. Taiwan hat Direktinvestitionen in China in Höhe von 8497,7 Mio. US-$. Der Wahlsieg des China freundlichen Kandidaten 2008 lässt die Aktienkurse nach oben schießen. Die Weltwirtschaftskrise trifft das Land schwer (-4% 2009). 2010 wird ein Freihandelsabkommen mit der VR China abgeschlossen (Zölle für 800 Produktgruppen fallen weg, mehr Freiraum für Dienstleister).  Sowohl bei Exporten als auch bei Importen ist China schon der größte Handelspartner.  28% aller Exporte gehen nach China. Die weitere Rangfolge: USA, Hongkong, Japan. 2018 trat eine Steuerreform in Kraft: Unternehmenssteuer angehoben, Ertragssteuer gesenkt, Zusatzsteuer für inländische Investoren wird gesenkt. Taiwan gehört zu den Weltmarktführern bei High-Tech-Geräten.  "Wir sind eine Familie", Xi Jinping, Staatspräsident Chinas über die Beziehungen zu Taiwan, 2015. Vgl. zu den wichtigsten Unternehmen "Unternehmen, Taiwan".

Währung: Neuer Taiwan Dollar (NT$)=100 Cent. Kurs  1US-$=30,00 NT$.

Inflationsrate in Taiwan: Sie lag 2021 bei 1,8%. Für 2022 werden 2,3% erwartet. Damit stellt sich das Land gegen den weltweiten Trend.

Außenhandel: Import: 259, 5 Mrd. US-$ 2016; Elektronik, Maschinen, Erdöl; größter Handelspartner China vor USA und Japan. Export: 317,4 Mrd. US-$ 2021; Elektronik, Maschinen, Elektrotechnik, Kunststoffe; Länder: China vor USA und Japan. Anteil am Welthandel: Import 1,4% 2017; Export 1,8%.

Statistik: In der Statistik Chinas wird Taiwan als Teil Chinas ausgewiesen. Das gilt auch für die Außenhandelsstatistik.

Halbleiter und Technologie: Viele Firmen haben Produktionsstätten in Taiwan. Einzelne Branchen ragen heraus, so die Fahrradindustrie. Rahmen und Zubehör kommen oft aus Taiwan (ZEG - Betriebe in Deutschland). Zu nennen ist auch die Computerindustrie. Viele Notebooks werden hier gefertigt. Taiwan will im Januar 2021 helfen, den Halbleiterengpass zu beseitigen. Viele Halbleiter-Module werden in Taiwan gefertigt. TSMC weitet 2021 seine Produktion massiv aus. Die Firma ist der größte Vertrags -Chiphersteller der Welt. Größter Kunde ist die Autoindustrie. Taiwan hat 2021 18,6% Anteil an der Welt-Chip-Produktion. Es führt die VR China (22,7%), an dritter Stelle liegt Japan (17,3%) vor Südkorea (14,8%). Dann erst folgen die USA (10,4%) vor der EU (7,9%).

Bedeutung der Halbleiterindustrie: Die Halbleiterindustrie ist Dreh- und Angelpunkt. Das Land ist weltweit führend in der Auftragsproduktion von Computerchips. Sie tragen 15% zum BIP bei und machen 40% des Exportes aus. Taiwan hat den Industriezweig systematisch durch Subventionen aufgebaut. Die Dominanz galt als Lebensversicherung - doch sie könnte auch das Angriffsrisiko durch China erhöhen (die großen Firmen aus Taiwan machen systematisch DI in den USA und Japan). Vgl. Welter, Patrick: Taiwans Chip-Schatz, in: FAZ Nr. 175/ 3.8.22, S. 15. In Taiwan werden 60% aller weltweiten Halbleiter produziert und 90% der Spitzenprodukte. Ab 2023 versucht der größte Chiphersteller der Welt TSCM seine Produktion zunehmend ins Ausland zu verlagern (USA/ Arizona, EU/ Deutschland). Was bedeutet das für die Insel (das war nämlich auch ein Schutz im Konflikt mit China, das die Chips braucht). Vgl. Die Zeit 12/ 16.3.23, S. 28.

Auch China braucht die Chips aus Taiwan (60% der weltweiten Nachfrage). Die lokale Produktion reicht bei weitem nicht aus. Sie macht nur ca. 50 Mrd. $ aus. Für 250 Mrd. $ muss importiert werden. Vgl. WiWo 32/ 5.8.22, S. 33. 31% der taiwanesischen Chip-Ausfuhren landen in China. TSCM ist der weltweit größte Auftragsfertiger. Der Börsenwert beträgt 2022 432 Mrd. Dollar. TSMC fertigt 53% aller Chip-Exporte. Der Gründer von UMC/ Hsinchu Robert Tsao spendet 2022 33 Mio. € für die Verteidigung der Insel gegen China.

Textilproduktion: Taiwan war einmal ein Niedriglohnland. Es dominierte die Textilindustrie. Viel wurde damals auch nach Deutschland exportiert. Der Strukturwandel hat Taiwan zu einem asiatischen Tiger gemacht.

Unternehmen:  Rund 8000 taiwanesische Unternehmer sind auf dem chinesischen Festland aktiv, darunter auch Foxconn (arbeitet für Apple). Es besteht eine gegenseitige Abhängigkeit. Eine Blockade durch China würde den Handel zusammenbrechen lassen. Vgl. auch: Unternehmen, Taiwan auf der Seite "Links".

Deutsche Unternehmen in Taiwan: Ca. 250 deutsche Unternehmen sind 2021 ansässig. Die Insel ist ein besonders guter Standort für Elektronik- und Halbleiterindustrie.  EnBW investiert 2018 in Windenergie-Projekte in Taiwan. WPD AG ist bei Offshore - Projekten in Yunlin und Guanyin dabei. Vor Ort Marktanteil von 30%. Die deutsche Firma Merck produziert Halbleiter auf Taiwan.

Deutsche Rüstungsgüter für Taiwan: Die taiwanesische Küstenwache kauft bis 2027 141 neue Schiffe aus Deutschland (Rolls-Royce Power Systems in Friedrichhafen). Die CSBC in Kiel baut Unterseeboote mit lautlosen Antrieben, die auch bestellt sind. Deutsche Unternehmen profitieren vom Rüstungswettlauf im Südchinesischen Meer.

Freihandelsabkommen der EU mit Taiwan: Im September 2021 gibt die EU bekannt, dass sie die Handelsverbindungen zu Taiwan vertiefen will (Freihandelsabkommen). Da könnte Ärger mit China drohen. China hat aber selbst ein Freihandelsabkommen mit Taiwan. Die EU will ein positives Signal an Taiwan senden, weil dort mit TSMC der größte Chip-Hersteller sitzt. Im November 2021 besucht eine Delegation von EU-Abgeordneten Taiwan. Sie sichern Taiwan Solidarität im Konflikt mit China zu. China rügt den Besuch.

Staatsform: Semipräsidiale Republik. Regierungspartei DPP. Jahr der Verfassung 1947. Wahlrecht 20 Jahre.

Politik: Im November 2015 treffen sich die Präsidenten von Taiwan und der VR China in Singapur. Anfang 2016 gewinnt die Kandidatin der Oppositionspartei (Tsai Ing-wen; die gegen Annäherung an die VR China ist) die Präsidentenwahl. 2017 bekommt das Land eine Digitalministerin (Audrey Tang; kann programmieren; zwei Geschlechter). Das Land soll aus den Fängen Chinas befreit werden. China will sich Taiwan einverleiben, auch wenn man dort von Wiedervereinigung gar nichts hält. Noch würden eine Reihe von Militärstützpunkte der USA unweigerlich zu einem Krieg im Pazifik führen. Im November 2018 stimmt die Mehrheit in Taiwan gegen die Ehe für alle. Bei der Präsidentenwahl 2020 stehen sich Tsai Ing-wen (63, Juristin, proamerikanisch) und Han Kuo-yu (62, chinafreundlich, Bürgermeister von Kaohsiung) gegenüber. Mit einer Wahlbeteiligung über 80% wird die Amtsinhaberin Tsai mit großer Mehrheit wieder gewählt (57%). US-Vertreter besuchen wieder häufiger Taiwan. Ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums besucht im September 2020 die Insel. Anlass ist die Gedenkfeier für den im Juli verstorbenen Präsidenten Lee Teng-hui. Das Land hat vor dem neuen Präsidenten Biden etwas Bammel. Biden gilt als China freundlich. Nancy Pelosi besucht Anfang August 2022 das Land. Präsidentin Tsai besucht 2023  auch die USA (Treffen mit McCarthy). Mit ihm will sie die Taiwan-Freunde in den USA erreichen. Sie führt in Taiwan das grüne Lager (unabhängiges Land, Demokratie). auch der Vizepräsident besucht 2023 noch die USA. Der Foxconn - Gründer Terry Gou will 2024 bei der Präsidentschaftswahl in Taiwan antreten, um die Beziehungen zu China zu verbessern. Damit gibt es bisher 4 Kandidaten. Ein weiterer Milliardär tritt an: Robert Tsao, der Chip-Magnat von UMC. Er vertritt einen harten Kurs gegenüber China. Auch TSMC -Gründer Chang akzeptiert eine enge Bindung an die USA. Favorit ist bisher William Lai, der als China kritisch gilt und für eine Unabhängigkeit eintritt. Lai war Nierenarzt. Lai tritt gegen die so genannten Chinaversteher an. Die China - Versteher schmieden Ende 2023 ein Bündnis: Es wird angeführt von Ko Wen-je (TPP) und Hou Yu-ih (KMT). Alexander Huang ist außenpolitischer Berater. Er will das Fieber senken, Spannungen reduzieren, Zeit gewinnen. Vgl. Die Zeit 3/ 11.1.24, S. 5. William Lai von der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei gewinnt die Präsidentenwahl mit rund 40%.

Exkurs. Triaden: Der Begriff wurde von den Engländern vergeben, als sie China beherrschten. Er steht für Himmel, Erde und Wasser. Die Triaden haben eine lange Tradition in China. Sie bildeten sich ursprünglich als Widerstand der Bauern gegen die Machtergreifung der Chin (Mongolen) in China im 17. Jahrhundert. Sie übernahmen später wichtige Teile der Schattenwirtschaft. Am mächtigsten waren die Hongmen. Die "Grüne Bande" herrschte in Shanghai mit dem "Großohrigen Du" als Führer. Sie machten Geschäfte im Rotlichtmilieu und mit Opium. Sie halfen Sun Yat Sen an die Macht, der ihr Mitglied war.. Als die Kommunisten unter Mao die Herrschaft übernahmen und sich auf die Bauern stützten, mussten sie mit Tschiang Kai Chek nach Taiwan fliehen. Sie hatten ihm geholfen, die Arbeiter zu unterdrücken. Sie halfen dann bei der Diktatur in Taiwan. Heute sind die Bamboo Union, so heißt die Triade in Taiwan, immer noch sehr einflussreich (es gibt noch ander). Ihr Führer ist der "Weiße Wolf". Ihre Rolle ist umstritten. Es gibt auch Gerüchte, dass sie für die KPCh arbeiten. Jedenfalls sind die Triaden heute in Taiwan, Hongkong und auch in der VR China. Sie besitzen Unternehmen, den Spiel- und Wettbereich, das Rotlichtmilieu, den Drogenhandel,  große Teile der Gastronomie (auch global) u. a. Sie sind weltweit verbreitet. Ihr Einfluss in Taiwan ist heute nicht zu unterschätzen. Sie sind gut vernetzt in die Politik. Angeblich treten sie für eine Wiedervereinigung ein.

Exkurs. Shih Ming-teh: 1941 im taiwanischen Kaohsiung geboren, am 15. Januar 2024 gestorben in Taipeh. Seine Kindheit war geprägt von der Grausamkeit das Kuomintang-Regimes, sein Vater wurde verhaftet und starb wenig später. Anfang der Sechziger trat Shih offen für Taiwans Unabhängigkeit ein. Die Kuomintang - Diktatur verhaftete ihn und gab ihm lebenslänglich. 1990 kam er frei. Er wurde Chef der DPP. Wegen eines Korruptionsskandals brach er mit der Partei. Vgl. Der Spiegel 4/ 20.01.24, S. 117.

Beziehungen und Status zu  China: Taiwan wird von vielen multinationalen Unternehmen zu "Greater China" gerechnet. Seit 1992 besteht ein Konsens, dass es nur ein China gibt, allerdings mit zwei politischen Systemen ("Ein-China-Prinzip"; "ein Land, zwei Systeme"). Taiwan will den "Nationalen Vereinigungsrat" auflösen und erntet damit heftige Kritik aus China. 2008 gibt es eine Annäherung durch ein erstes Treffen der Parteichefs nach 60 Jahren (Vereinbarung direkter Flugverbindungen). Im Februar 2014 gibt es erstmals seit 1949 Gespräche auf Regierungsebene zwischen China und Taiwan. 2018 verstärkt China den Druck auf Fluggesellschaften: Sie müssen den Anspruch auf Taiwan bestätigen. Sie dürfen Taiwan nicht mehr als Land benennen. Außenpolitisch unterhält China in Rivalität zu Indien besonders enge Beziehungen zu Pakistan und Burma. China fürchtet eine Einkreisung durch Indien, Russland, Südkorea und Japan. China kauft sich daher immer mehr in Pakistan ein (Milliardeninvestitionen). China plagt die Sorge, das sich Taliban- und IS-Terror via Pakistan auf die muslimische Provinz Xinjiang im Westen Chinas ausdehnen könnten. Zum anderen geht es um einen die Arabische See und den Indischen Ozean beherrschenden Seekorridor vom südpakistanischen Hafen Gwadar aus. Ein Zubringer von der nördlichen Seidenstraße aus wird errichtet. Im Finanzmarktbereich scheint es mittlerweile eine Zusammenarbeit mit Japan zu geben. Die tibetisch-nepalesische Grenze wird seit 2007 stark überwacht. Die Flucht von Tibetern soll verhindert werden. Zu Füßen des Cho Oyu wird vor allem der Nangpa La - Pass kontrolliert. China vorgelagert ist eine Inselkette, die von der Koreanischen Halbinsel über Japan, Taiwan, die Philippinen bis nach Indonesien reicht. Alle diese Staaten sind mit den USA durch Militärabkommen oder Sicherheitsgarantien verbunden ("umgekehrte Große Mauer"). Streit gibt es mit Vietnam und China um die Paracel- und Spratly-Inseln. Erstmals bringen die Chinesen 2018 Raketen auf den Spratly-Inseln in Stellung. An ihnen vorbei führt eine der weltweit wichtigsten Handelsrouten. Mit Japan gibt es Konflikte um die Senkaku-Inseln. Im südchinesischen Meer gibt es auch Auseinandersetzungen um Inseln mit Malaysia und den Philippinen. Vor der philippinischen Küste haben die Chinesen künstliche Riffe geschaffen. Die USA schaltet sich immer wieder in den Schlagabtausch ein. Der Nationalismus in China selbst könnte irgendwann außer Kontrolle geraten. Das Land beruft sich auf seine lange Tradition, in der es Jahrhunderte lang die Nachbarländer dominierte. Die USA und China kämpfen um die Vorherrschaft im Pazifik (der amerikanische Admiral Davidson, der für den Pazifik zuständig ist, rechnet mit einer Übernahme Chinas bis 2007). Umstritten sind die Seegebiete, die China kontrollieren will (das Land wird vom internationalen Gerichtshof in Den Haag verurteilt). China will sich Taiwan einverleiben, auch wenn man dort von Wiedervereinigung gar nichts hält. Die USA verfügen über eine Reihe von Marinestützpunkte in dem Bereich. Heute sieht sich das Land als "Daguo" (die Großmacht), das groß sein will, aber frei von imperialen Zielen. Vgl. zu gegenteiliger Auffassung: Graham Allison: Destined for War: Can America and China Escape Thucydides´s Trap, Houghton Mifflin 2017. Ab 2019 geht Taiwan wieder mehr auf Distanz zu China. Unter dem Eindruck zunehmender Ideologie in China soll die Abhängigkeit verringert werden. Als Symbol steht dafür die Taiwan Exchange Foundation (TAEF) in Taipeh. Man sucht mehr Handel mit anderen Ländern. Das Verhalten von China gegenüber Taiwan wird  2021 aggressiver. Die USA erhöhen ihre Militärpräsenz und wollen Kontakte zu Regierungsvertretern in Taiwan verstärken. Am Nationalfeiertag 1. Oktober 2021 dringen Kampfflugzeuge der VR China in den Luftraum von Taiwan ein. Taiwan spricht von 39 Flugzeugen und fühlt sich provoziert. Der Präsident der VR China Xi Jinping weist gleichzeitig darauf hin, dass China die Wiedervereinigung anstrebt. In Litauen/ Vilnius eröffnet Taipeh/ Taiwan eine Vertretung im November 2021. Deshalb stuft die VR China die Beziehungen zu Litauen herab. Man kommt dann auf die Geschäftsträgerebene. Die VR China spricht von einem "äußerst ungeheuerlichen Akt". Litauen gehört zur EU. China erlässt Wirtschaftssanktionen gegen Litauen: einen vollständigen Handelsboykott. 2023 versucht China, in den beginnenden Wahlkampf in Taiwan einzugreifen. Die Kommunisten versuchen, mit gezielten Lockerungen der Opposition zu helfen. Vgl. Böge, F.: Roter Teppich in Peking, in: FAZ 15.2.23, S. 8. Taiwans Ex-Präsident Ma Ying-jeou kündigt im März 2023 einen China-Besuch an, der 10 Tage dauern soll. Das ist der erste offizielle Besuch seit 70 Jahren. Er trifft allerdings keine Regierungsvertreter. Angeblich geht es um seine Vorfahren und Jugendaustausch. In Wahrheit dürfte es darum gehen, dass die KMT Taiwans (blaue Lager) und die KPCh die Präsidentschaftswahlen in Taiwan im Januar 2024 beeinflussen wollen. Peking bleibt auch auf dem Volkskongress 2023 dabei, dass Taiwan Teil der Volksrepublik Chinas ist und droht, die Insel notfalls mit Gewalt einzugliedern. Ein Krieg gilt weiterhin kurzfristig als unwahrscheinlich, aber die Angst steigt. Als Reaktion auf den USA-Besuch der Präsidentin probt China die Abriegelung Taiwans (Manöver). Auch der Vizepräsident Taiwans reist in die USA. China versucht, mit Nadelstichen zu antworten: Die Einfuhr von Mangos aus Taiwan wird verboten. In seiner Neujahrsansprache bekräftigt Xi den Anspruch auf Taiwan: "Die Wiedervereinigung des Mutterlands ist historisch unvermeidlich", Xi Jinping, chinesische Originalfassung der Neujahrsansprache 2024. Im Mai 2024 kommt eine groß angelegte Militärübung. Es ist wieder eine Blockade-Übung. Es sit die größte seit einem Jahr. Grund ist dei Wahl von Lai  Ching-te zum Präsidenten. Mit seiner Antrittsrede erzürnte er Peking. Peking droht mit "Blutvergießen".

Wichtige Inselgruppen: Bei den Spratly-Inseln versucht China, Tatsachen zu schaffen. Zum Beispiel sind zahllose Schiffe am Whitsun-Riff. Nach chinesischen Angaben Fischerboote. Nach philippinischer Ansicht verkappte Militärboote. Der Konflikt ist sehr komplex. Anrainerstaaten sind Vietnam, Malaysia, Brunei, Taiwan. Handelsrouten verbinden den indischen und den Pazifischen Ozean. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs gehörten die Insel zu Japan. 1951 erhob Taiwan Anspruch (Vertrag von San Francisco). Heute erhebt China Ansprüche.

Kimmen-Inseln: Sie liegen südwestlich von Taipeh. Es ist die engste Stelle zum Festland. Es sind nur zwei Kilometer. Es gibt ein ausgedehntes Bunker- und Tunnelsystem. Es gibt Sperrriegel gegen die Angreifer vom Festland. Mit 5 Angriffswellen versuchten schon Maos Truppen die Kimmen-Inseln zu erobern. Hier stichelt China immer wieder. Nachdem im Februar 2024 ein chinesisches Fischerboot gekentert war (illegal eingedrungen ohne Kennung), verschafft sich die chinesische Küstenwache Zugang zu der Ausflugsfähre "King Xia". Sie fordert die Crew auf, Papiere vorzulegen. Experten sehen darin eine Grauzonentaktik: kleine Nadelstiche, die zwar weiter die Grenze verwischen aber zu harmlos sind, um ein Eingreifen zu rechtfertigen. Taipeh reagiert mit Zurückhaltung. Vgl. Der Spiegel 9/ 24.2.24, S. 71.

Verteidigung und Manöver: Auf Taiwan selbst gibt es vier Marinebasen. Hinzu kommen die Marinebasen der USA auf Taiwan und im Pazifischen Ozean. Die VR China hat direkt gegenüber Taiwans drei Marinebasen. Früher waren die Manöver Chinas in der Regel zwischen dem Festland und Taiwan. Das letzte große Manöver der VR 2022 umkreiste die ganze Insel. Ende 2022 kommt wieder eine Militärübung Chinas (man reagiert auf höhere Militärhilfe der USA für 2023). In Taiwan wird der Wehrdienst verlängert: Auf 12 statt wie bisher 4 Monate. Die militärischen Kontakte zu den USA werden ab 2023 noch ausgebaut (Treffen von Präsidentin Tsai Ing-wen mit US Parlamentariern in Taipeh im Februar 23).

Militärische Stärke (2022): Taiwan hat 170.000 Soldaten (China: 2.035.000), 1200 Artillerie (China 9800), Kriegsschiffe 57 (China 139), U-Boote 2 (China 71), Kampfjets 300 (China 1900), Bomber/ Angriffsflugzeuge 0 (China 450). Quelle: US-Verteidigungsministerium. Xi hat seiner Armee den Auftrag gegeben, bis 2027 in der Lage zu sein, Taiwan erobern zu können.

Kuma - Akademie: Sie liegt im Stadtzentrum von Taipeh. Sie ist eine NGO und will eine zivilrechtliche Verteidigungsinfrastruktur aufbauen. In ihren Workshop-Programmen gibt e sKurse übe rerste Hilfe oder Medienkompetenz gegen Desinformation aus China. Es gibt auch militärisches Training.

Chinas Traum von Einheit und Weltmacht: Der Konfuzianismus wird  als Grundlage einer gemeinsamen Kultur gesehen. Das ist auch gut mit dem Ethno - Nationalismus vereinbar. Es handelt sich in beiden Ländern in der Mehrheit um Han - Chinesen. Vgl. Görlach, Alexander: Alarmstufe Rot. Wie Chinas aggressive Außenpolitik im Pazifik in einen globalen Krieg führt, Hamburg 2022. Viele Experten sehen 2035 als Zielmarke für eine Invasion in Taiwan. Erst muss ein küstennahes Nachschubsystem aufgebaut werden. Es braucht mehr Truppentransporter und mehr Fallschirmjäger.  Auf dem 20. Parteikongress im Oktober 22 in Peking äußert sich Xi Jinping aggressiv gegenüber Taiwan. Er betont die Wiedervereinigung und will auf Gewalt nicht verzichten. Experten rechnen mit einer Annexion frühestens 2027. Die Wahl von Lai (Chinakritiker) könnte die Spannungen verstärken. Er gehört zur Denkschule "Abschreckung". Die Denkschule "Entgegenkommen" hat die Wahl verloren.

Ein Land, zwei Systeme: Dieser Slogan galt viele Jahre auch für Taiwan nach einer Wiedervereinigung. Spätestens seit der Ereignisse in Hongkong ist er überholt. Inzwischen sind auch die chinesischen Vertreter ehrlicher: Es wird Umerziehung geben (Zerstörung sozialer Strukturen, Indoktrination). Vgl. Thome, Stefan: Pflaumenregen 2021. Auch von ihm: Die Insel der Freiheit, in: Die Zeit Nr.33/ 11.8.22, S. 49. Taiwan will die Beziehungen mit den USA und anderen Partnern (Japan, Südkorea) vertiefen. Die Dialogbereitschaft gegenüber der VR soll aufrechterhalten bleiben. Vgl. Der Spiegel 4/ 20.01.24, S. 71.

Taiwankrise und Handelskrieg der EU mit China: Das Ifo-Institut errechnet 2022 ein Handelsmodell, das beinhaltet, was im schlimmsten Falle für Deutschland passieren kann. Berechnet werden die Wertschöpfungsverluste der deutschen Industrie im Falle eines Handelskrieges (analog den westlichen Sanktionen gegen Russland). Automobilindustrie -8,5%; Transport -5,1%; Maschinenbau -4,3%; Pharma -2,9%; Chemie -1,3%. Im April 23 reisen Macron und von der Leyen nach China. Sie sprechen zweigleisig. Macron untergräbt die europäische Chinastrategie, um sich selbst (Frankreich) Vorteile im Handel zu sichern. Er distanziert sich von der Politik der USA gegenüber Taiwan.

Taiwan und die USA als Schutzmacht: 2019 schließen die USA mit Taiwan ein Milliarden-Rüstungsgeschäft (2,2 Mrd. $) ab. China ist empört. Es sieht einen Verstoß gegen das "Ein-China-Prinzip". Er fordert die USA auf, das Geschäft sofort rückgängig zu machen. Es wäre der größte Waffenkauf seit Jahrzehnten. Seit 1949 ist der Inselstaat unabhängig. Die USA haben mehrere Militärbasen dort und sehen sich als Schutzmacht. kurz vor Amtsantritt von Biden im Januar 2021 werden noch alle Einschränkungen zwischen Vertretern der USA und Taiwan aufgegeben (bestehen seit 1979). Pompeo will noch Fakten für eine Unabhängigkeit Taiwans schaffen. Natürlich ist China empört. Im November 2021 besuchen US-Abgeordnete Taiwan. China macht prompt Militärübungen vor der Küste. Das "Säbelrasseln" wird zum Ritual. Für Juli 2022 ist die größte Militärübung der Geschichte geplant. Kiews Taktik soll genutzt werden. Anfang August 2022 besucht Nancy Pelosi Taiwan. Sie ist die ranghöchste Amerikanerin in Taipeh seit 1997. Sie ist nominell die Nummer drei in den USA. Peking will militärisch auf Pelosis Taiwanreise reagieren. Das macht es mit großen Manövern. Biden hatte kein Interesse an der Reise: Einmal ist er in Europa gebunden. Zum anderen sind die Handelsprobleme mit China (Strafzölle, Covid-Restriktionen) eine Ursache für die hohe Inflation in den USA. Vgl. auch: Fahrion, Georg u. a.: Dämonen der Vergangenheit, in: Der Spiegel Nr. 32/ 6.8.2022, S. 74ff.  US-Kriegsschiffe durchqueren 2022 immer wieder die Taiwanstraße. Man spricht von einer "strategic ambiguity" (unklar, ab welchem Punkt die USA eingreifen). Sie erhöhen für 2023 die Militärhilfe für Taiwan. Sofort setzt China wieder eine Militärübung vor Taiwan an. Präsidentin  Tsai ing - Wen besucht im April 2023 Amerika. Offizieller Schwerpunkt ihrer Reise sind Kontakte zu sieben mittel- und südamerikanischen Staaten, die Taiwan anerkennen und nicht die VR China. Honduras hat allerdings gerade die Seiten gewechselt. In den USA trifft sie McCarthy und andere hochrangige Politiker. China droht mit Vergeltung und schickt ein Patrouillen - Boot vor die Provinz Fujian in die Straße von Taiwan. In Japan haben die USA 54.000 Soldaten stationiert, so viele wie in keinem anderen Land. Zur Wahl von Lai im Januar 2024 kommt eine US-Delegation nach Taiwan.

Taiwan und Handelsabkommen mit den USA: Im August 2022 beginnen die USA und Taiwan mit Handelsgesprächen. ziel soll ein Handelsabkommen sein. Das sorgt für Verstimmungen mit China. Federführend sind das Amerikanische Institut in Taiwan (AIT) und die Taipeh Wirtschafts- und Kulturvertretung (Tecro) in Washington. Es soll um Handelserleichterungen gehen.

Taiwan und der Ukraine-Krieg bzw. die Ukraine: Er spiegelt sich auch im Verhältnis von Taiwan zu China. Auf der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses 2022 in China wird der ausländische Einfluss und Separatismus in Taiwan kritisiert. Man kritisiert die Wellen, die von den USA und Japan ausgehen. China schaut mit Argus-Augen auf die Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Russland. Man wird alles tun, um die Finanzmärkte unabhängiger zu machen. Auch die Verteilung der Devisenreserven wird geändert werden.

Beide Länder wehren sich gegen autoritäre Nachbarreiche. Rund 8000 km trennen Taiwan und die Ukraine. Taiwander kämpfen in Kiews internationaler Legion. Seit Kriegsbeginn hat 100 Mio. € für humanitäre Hilfe gegeben. Man finanziert Wiederaufbauprojekte in Charkiw, Kiew, Butscha und Lwiw. Es ist eine Partnerschaft entstanden.

Taiwan und Japan: Bislang hatte sich Japan im Konflikt zwischen China und Taiwan zurückgehalten. 2021 stellt sich Japan immer offener an die Seite Taiwans - wenn nötig, auch militärisch. Die Annexion Taiwans würde einen Krieg auslösen. Vgl. FAZ Nr. 160, 14. Juli 2021, S. 6. Japan hat Inseln, dei nahe bei Taiwan liegen. Am nächsten ist Yonaguni. Dort gibt es eine große Militärbasis, die jetzt ständig vergrößert wird. Auch Okinawa ist nicht weit. Bis 1972 war die Insel von den USA besetzt. die Stützpunkte der USA blieben.

Taiwan und Südkorea: Beide vereint ihre Interessen im Pulverfass Westpazifik. Wenn China Taiwan erobert, könnten Südkorea und Teile der Philippinen als nächste dran sein. Die Neue Seidenstraße legitimiert alle militärisch-politischen Machtmittel.

Taiwan und Deutschland:  Es gibt eine Taipeh-Vertretung in Deutschland. In Taipeh ist ein Deutsches Institut. Außerdem gibt es politisch eine Deutsch - Taiwanesische Gesellschaft in Berlin. In Taipeh ist der Chin. - Deutsche Kultur- und Wirtschaftsverband. Wirtschaftlich existiert ein Außen-Entwicklungsrat (TAITRA) in München/ Düsseldorf. In Taiwan besteht das Deutsche Wirtschaftsbüro (AHK), Germany Trade Invest. Kulturell hat die Taipeh-Vertretung in Bonn eine Wissenschaftsabteilung. Auf Taiwan findet man das Goethe-Institut, DAAD und Deutsche Schule. Immer mal wieder besuchen Abgeordnete des Bundestages Taiwan. So auch Anfang Oktober 2022. Sofort kommt Kritik aus der VR China. Am 22./23. besucht wieder eine Delegation aus dem Bundestag Taiwan (Menschenrechtsausschuss). Im Bundeswirtschaftsministerium gibt es 2022 Spekulationen, dass China 2027 Taiwan annektiert.  Repräsentant Taiwans in Berlin ist 2022  Jhy-Wey Shieh (seit 2016). Deutschland ist extrem abhängig von der VR China  (vor allem Auto- und Chemieindustrie). Wenn politische Delegationen aus Deutschland nach Taiwan reisen, gibt es routinemäßig Kritik aus der VR. So bei einem Besuch einer FDP-Delegation im Januar 2023. Im März 2023 ist die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger in Taiwan (20.3. und 21.3.). Sie spricht in Taipeh mit Regierungsvertretern. Man schließt ein Technologieabkommen. Es ist der erste Besuch eines Regierungsmitglieds seit 26 Jahren. Die Regierung in Peking reagiert empört.

Außenpolitik Taiwans: Taiwan betreibt 2021 in 74 Ländern Büros. Diese sind nicht Botschaften gleichgestellt, weil das Ein-China-Prinzip" gilt: Die VR China sieht sich als einziges China, das neben dem Festland-China auch die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau sowie Taiwan umfasst. 2021 eröffnet Taiwan in Litauen erstmals in Europa eine Vertretung unter eigenem Namen.

Stachelschwein-Strategie: Asymmetrie ist das Schlüsselwort (24 Mio. Menschen gegen 1,4 Mrd.). Die Kosten eines möglichen Angriffs sollen in die Höhe getrieben werden, so dass der Aggressor zurückschreckt (Stachelschwein-Strategie). Der Konflikt findet in einer Grauzone zwischen Krieg und -Frieden statt durch ökonomischen und diplomatischen Druck, Fake News und militärischen Drohgesten. Vgl. Lau, Jörg: Die Stachelschwein-Strategie, in: Die Zeit Nr. 3/ 12.1.23, S. 8.. Hinter der Strategie steht am ehesten die regierende DPP. Abschreckung und Internationalisierung. Mit der Wahl von Lai kann die Strategie fortgesetzt werden.

Taiwan und die Jugend: Den Jungen ist die Volksrepublik fremd. Sie sympathisieren mit den Demonstranten in Hongkong. Taiwan wird zum Zufluchtsort für Andersdenkende. Vgl. Naß, Matthias: Drachentanz, München 2021, S. 157ff.

Taiwan und Sport: Der Sport ist immer Teil der Politik. Als Taiwans Sportler bei der Eröffnungszeremonie in Tokio das Stadion betraten, schaltete der Streaming - Dienst Tencent aus China kurzerhand die Übertragung ab. Der Sieg der Taiwaner im Badminton-Doppelfinale wird nationalistisch in Taiwan gefeiert.

Taiwan und Stimmung: Trotz der massiven chinesischen Drohungen 2022 bleibt die Stimmung ruhig. Es besteht keine Panik oder Angst. Das Bedrohtsein ist zur Routine geworden. Man rechnet mit einem Angriff frühestens 2027. Das könnte aber auch ohne Krieg geschehen (Politik der Nadelstiche). Vgl. Yang, Xifan: Insel der Erdbeersoldaten, in: Die Zeit Nr. 37/ 8.9.22, S. 7.

Natur und Umwelt: Der Sonne-Mond-See ist das größte Binnengewässer. Für Hochzeitspaare ist der See ein Muss. Rund um den See gibt es jede Menge Luxusressorts. Besonders schön ist der Xuangguang-Tempel. Man kann den See zu Fuß oder per Rad erkunden. Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen kein Visum für die Einreise. Taichung ist der Hauptort (45 Minuten von Taipeh mit dem Schnellzug).

2021 wird das Wasser in Teilen des Landes reduziert. 2020 blieben Taifune aus. Es fiel zu wenig Niederschlag. Es ist wohl die schlimmste Dürre seit 57 Jahren. Viele Stauseen haben nur 20% ihres normalen Wassers.

Klimaneutralität/ Energie: Taiwan will bis 2050 Klimaneutralität erreichen. 2022 stammen immer noch 80% der Energieversorgung aus fossilen Brennstoffen, die zu 99% importiert werden müssen. Der Rest wird aus Wasserkraft, erneuerbaren Energien und Kernenergie erzeugt. Der Atomausstieg ist beschlossene Sache; die Genehmigung für den letzten aktiven Meiler läuft 2025 aus.

Attraktive Regionen: Der Osten des Landes hat atemberaubende Naturparks (bis zum geographischen Mittelpunkt, dem höchsten Berg Ostasien Yu Shan/ Jadeberg, 3592 Meter hoch). Die Vegetation wuchert über Berge und Hügel, die steil abfallen und fast nahtlos ins Meer übergehen. Zwischen den Steilhängen und dem Strand bleibt an vielen Stellen nur noch Platz für die Eisenbahnlinie und die parallel dazu verlaufende Straße.

Der Norden des Landes hat auch viel zu bieten: Japanische Badetraditionen, deutsche Backrezepte und ein kanadischer Glaubensbote. Es locken Tamsui mit dem gleichnamigen Fluss, an dem Fahrradwege angelegt sind und dem Tamsui Oxford Museum. Die Stadt Beitou   bietet ein Grand View Resort und einen Garden Spa.  Auch das 1629 erbaute Fort San Domingo ist eine Besichtigung wert.

Ureinwohner: Wushe und Hongye gelten als Orte, wo die Ureinwohner der Insel lebten. In Wushe lebten die Seediq. Sie lebten monogam und besaßen einen starken Begriff von ehelicher Treue. Ein Großteil des Volkes wurde von den Japanern interniert. Hongye liegt unweit von Taitung. Hier am Rande des Zentralmassivs lebten Ureinwohner vom Volk der Bunum. Vgl. Stephan Thome: Gebrauchsanweisung für Taiwan, München 2021, S. 164ff.

Lüdao und Tainan als Inseln des Widerstands: Auf Lüdao lebten einst Piraten. Sei machten gemeinsame Sache mit der Niederländischen Ostasien-Kompanie. Besonders bekannt ist der Piratensohn Zheng Chenggong (1624-1662). Er war Gelehrter und Rebell. Er wird heute als eine Art Schutzheiliger der Insel verehrt.  In Tainan ist Koxinga ein Schrein geweiht. Auch er war ein Piratensohn. Er ging zuerst nach Japan, später nach Fuzhou im Süden Chinas. Er übernahm kurze Zeit die Herrschaft in Taiwan. Bevor er die Philippinen angreifen konnte, starb er. Vgl. Stephan Thome: Gebrauchsanweisung für Taiwan, München 2021, S. 186ff.

Katastrophen:  Ein schweres Erdbeben in Taiwan wirft im Februar 2016 ein 16-stöckiges Hochhaus um (116 Menschen sterben, 475 werden verletzt). Im Februar 2018 richtet ein Erdbeben große Zerstörungen an. In der Corona-Krise ist Taiwan sehr erfolgreich. Im Osten Taiwans kommt es am 1.4.21 zu einem schweren Zugunglück. Mindestens 50 Menschen kommen ums Leben. Der Zug war mit über 500 Menschen voll besetzt, während des mehrtätigen Totengedenkfestes. Im Oktober 2021 kommt es zu Dutzenden Toten bei einem Hochhausbrand in Koahsiung im Süden des Landes. Im März 2022  legt ein Stromausfall fast die ganze Insel lahm. Auslöser war das Abschalten eines Kraftwerkes. Im September 2022 gibt es ein schweres Erdbeben nahe der Hauptstadt Taipeh. Vom 24.7. -4. August 23 richtet der Taifun Doksuri (Egay) große Schäden an.

Digitale Demokratie: Unter Demokratieforschern ist Taiwan der Vorzeigefall. Die Bürgerbeteiligung wurde durch die Digitalisierung massiv ausgebaut. Man setzt nicht auf Kontrolle. Es wurde die Plattform "Polis" entwickelt. "Regenschirm" - und "Sonnenblumenbewegung" vereint Hongkong und Taiwan gegen Peking. Taiwan ist digital weiter als viele Länder. Bürger können online mit der Regierung über Gesetze diskutieren. Tik Tok und andere chinesische Propaganda wirkt kaum auf der Insel.  "Es gibt Dinge, die unbedingt in die Hände der Zivilgesellschaft gehören. Ich danke zum Beispiel an die Pandemie", Audrey Tang, Digitalministerin. siehe Die Zeit 23/ 23.5.24, S. 22.

Desinformation: Digitalministerin ist 2023 Audrey Tang. Sie soll ihr Land vor chinesischer Desinformation schützen. Das Land soll auch resilient gegen einen Angriffskrieg sein. Es werden 700 Satellitenempfänger installiert, um die heimische Kommunikation im Angriffsfall sicherzustellen.

Ein beträchtlicher Anteil an Desinformationen stammt aus Taiwan selbst. Selbst regierungstreue Medien lassen gelegentlich kritische Stimmen gegenüber der Regierungspolitik zu Wort kommen. Vgl. Hofmann, Jeanette: Desinformation, Zensur und Zivilgesellschaft. dei digitale Transformation in Singapur und Taiwan, in: WZB -Mitteilungen, Heft 180/ Juni 2023, S. 40ff.

 

Myanmar:

Geschichte: Um 200 v. Chr. legen nahe den Ufern des Irrawaddy Angehörige des Volkes der Pyu erste größere städtische Siedlungen an. In der fruchtbaren Flussebene graben sie Kanäle, um Felder zu bewässern, und errichten imposante Heiligtümer aus gebrannten Ziegeln. Die Stadtstaaten sind eigenständig organisiert und unterhalten später Handelskontakte nach Indien. Um 1067 n. Chr. schwingt sich mit Pagan ein neues Reich zum Hegemon am Irrawaddy auf. Sie haben bereits die Städte der Pyu einverleibt. Sie unterwerfen auch weitere Völker. Die Hauptstadt der Pagan am Mittellauf  wird zum bedeutendsten buddhistischen Zentrum mit rund 4000 Tempeln. Um 1113 gravieren Steinmetze geschwungene Schriftzeichen in eine Steinstele - die wohl älteste erhaltene Inschrift auf Birmanisch. 1287 fällt ein Mongolenheer von Norden aus in Pagan ein. Pagan ist geschwächt, weil alle Ressourcen in Klöstern sind, die keinen Militärdienst leisten. 1752: Die Taungu-Dynastie wird abgesetzt, nachdem Truppen eines Reiches, das sich im Süden vom birmanischen König abgespalten hat, die Hauptstadt erobern. Schon bald schwingt sich ein lokaler Fürst zum neuen König auf, zerschlägt 1757 das südliche Königreich und begründet die Konbaung-Dynastie. 1885 überrennt das britische Herr, das vorher schon den Süden erobert hatte, auch den Norden Birmas. Sie fügen das Reich als Provinz Burma Britisch-Indien zu. 1947 bei der ersten Wahl zur Nationalversammlung für einen unabhängigen Staat Birma (ab 1989 Myanmar) erhält die AFPFL fast alle Sitze. Vgl. O. V.: Die Geschichte Südostasiens, Geoepoche Geschichte Nr. 109, S. 72ff.

Politik Myanmar (Burma, Birma; 53 Mio. Menschen). Hauptstadt Nay Pyi Taw. Größte Stadt des Landes ist Rangun, zweitgrößte Mandalay. 2012 versucht man die Regimegegnerin Aung San Suu Kyi einzubinden. Am 08.11.15 findet die erste demokratische Wahl seit 25 Jahren statt. Die Partei von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyis geht als klare Siegerin hervor. Im März 2018 tritt Präsident Htin Kyaw überraschend zurück. Als Nachfolger wird der bisherige Unterhauschef Win Myint gehandelt. Deutschland will die Entwicklungshilfe einstellen (Plan ab 2020, Korruption, Vertreibung). Myanmars Regierungspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hat nach eigenen Angaben am 8.10.20 wieder eine absolute Mehrheit erzielt (gegen die militärtreue USDP). Das ist ein Wahlsieg der Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Sie steht international in der Kritik wegen Völkermord an den Rohingya. Ende Februar 2021 wird die UN - Botschafterin abgesetzt. Sie hatte die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, sich der Militärjunta im Land zu widersetzen. Gegen die abgesetzte Regierungschefin Aun San Suu Kyi werden 2021 Gerichtsverfahren eingeleitet. Es kommen immer neue strafrechtliche Vorwürfe (Schmuggeln von Funkgeräten ins Land, Annahme von Bestechungsgeldern). Die EU (Außenminister) verhängt Sanktionen gegen Personen der Militärjunta in Myanmar. Nach dem großen Blutvergießen des Militärs protestiert die internationale Gemeinschaft. Sie nimmt Kontakt zur Gegenregierung auf (CRPH, auch im Ausland). Die USA stoppen ihre Handelsvereinbarung mit dem Land. Myanmars Botschafter in GB, der Gegner der Militärjunta ist, bekommt keinen Zugang mehr zur Botschaft. Er wird abberufen. Anfang Dezember 21 wird Aun San Suu Kyi zu vier Jahren Haft verurteilt (unter Ausschluss der Öffentlichkeit). Weitere Prozesse gegen sie folgen. Man rechnet mit 120 Jahren Haft. Ende April 2022 wird Aung San Kyi wegen Korruptionsvorwürfen zu weiteren 5 Jahren Haft verurteilt. Im Juni 2022 wird sie in Einzelhaft verlegt. Im August 2022 kommt eine weitere Verurteilung zu sechs Jahren Haft (Korruption in vier Fällen). Am 30.12.22 wird sie zu weiteren 7 Jahren verurteilt. Für 2023 hat die Militärjunta eine Wahl angekündigt. Es scheint aber eine Scheinwahl zu sein, die null Legitimität beim Großteil der Bevölkerung hat. Großen Einfluss auf Politik Myanmars haben China und Indien. 

Militärputsch und Proteste: Am 31.01.2021 putscht das Militär wieder. Die führenden Politiker werden verhaftet. Man wirft ihnen Wahlbetrug vor. Die Regierungsmitglieder werden ausgewechselt, auch die Richter. Es gibt weltweite Proteste gegen den Militärputsch (auch der USA). Der Weltsicherheitsrat beschäftigt sich mit dem Thema und zeigt sich besorgt. Der neue starke Mann in Myanmar ist Armeechef Min Aung Hlaing. Er war nie weg von der Macht, hatte sie nur verschleiert. Es gibt Demonstrationen in der Millionenstadt Mandalay im Norden des Landes. Die Militärführung setzt Sperren des Online-Netzwerks "Facebook" ein. Demos werden hierüber organisiert. Trotzdem demonstrieren immer wieder Zehntausende und fordern die Rückkehr zur Demokratie. Sie halten als Zeichen des Protestes drei Finger in die Luft (Widerstandssymbol aus der Filmreihe "Tribute von Panem"). In der Wirtschaftsmetropole Rangun gehen ca. 100.000 auf die Straße. Die Demos im ganzen Land weiten sich aus. Die Armee setzt Wasserwerfer ein. Es gibt Aushangssperren. Zwei Wochen nach dem Putsch bleibt das Militär unerbittlich: Panzer rollen, es fallen Schüsse. Das Militär verspricht wieder mal Wahlen. In der zweitgrößten Stadt des Landes, Mandalay, werden drei Demonstranten erschossen. In der größten Stadt des Landes kommt es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern des Militärs und Gegnern. Die Zusammenstöße zwischen den Demonstranten und dem Militär werden härter: mindestens 18 Tote. Die Demonstrationen gehen weiter. Mittlerweile beschäftigen sich auch die Nachbarländer mit dem Aufruhr. Droht dem Asea-Bund gar die Spaltung? Am 14.3.21 verhängt das Militär das Kriegsrecht. Entmachtete Abgeordnete erklären eine Gegenregierung im Untergrund. Es gibt teilweise noch Netzwerke im Untergrund von dem letzten Aufstand (Safran-Revolution). Buddhistische Mönche spielen eine wichtige Rolle. Bis März 2021 gibt es mindestens 280 Tote bei Demos und mehr als 2800 Verhaftete (viele Studenten). Schwerpunkte sind Shan, Mandalay, Yangon, Monywa. Am Tag des bewaffneten Militärs am 26.3.21 (Gedenken an Kampf gegen Japan) werden allein über 100 Menschen getötet. Viele Soldaten desertieren (nach Indien?), weil sie nicht auf Bürger schießen wollen. Der Ausnahmezustand wird im Juli 2021 bis August 2023 verlängert. Dann soll es Neuwahlen geben. Das kündigt Juntachef Min Aung Hlaing an. Am 8.12.21 kommt es wieder zu einem Massaker durch das Militär (11 Tote). Aus einem aufstrebenden Land hat das Militär ein Konfliktgebiet gemacht. Am 18.4.22 lässt das Militär mehr als 1600 Gefangene frei (darunter Journalisten und Ausländer). Im April 2023 wird eine Bombe auf ein Dorf (Kanbalu) geworfen, in dem Aufständische vermutet werden. Es gibt über 100 Tote.  Als erstes Land der Welt sanktionieren die USA die Militärführung: Der Zugriff der Militärs auf Vermögen Myanmars in den USA in Höhe von 827 Mio. €  bleibt ihnen verwehrt. Es gibt eine Reihe von Oppositionsgruppen. Eine der bekanntesten ist "88 Generation Students" mit dem Aktivisten Ko Jimmy (Kyaw Min Yu).

Armee in Myanmar: Seit der Unabhängigkeit des Landes 1948 eine weitgehend abgeschlossene Kaste, die wie ein religiöser Orden agiert (zumindest die Offiziere und Unteroffiziere; Tatmadaw). Sie sieht sich als Hüter des nationalen Schicksals. Fast alle Einsätze fanden und finden innerhalb des Landes statt (gegen rebellische ethnische Minderheiten). Die Armee agierte immer rassistisch. "Senior General" Min Aung Hlaing hat großen Ehrgeiz und ist sehr eitel. 2020 erhält die Armee ihr erstes U-Boot aus Russland (vorher in Indien). Zwei weitere sollen folgen. Die Armee braucht eine funktionierende Wirtschaft, um sich zu finanzieren. Sie ist 350.000 Mann stark, aber nicht alle Einheiten sind kampffähig. Vgl. Anthony Davis, Sicherheits- und Militärexperte an der Uni Bangkok. Facebook sperrt Ende Februar 2021 die Konten des Militärs. Die Weltbank stellt alle Kreditzahlungen ein. Im Dezember 2021 brennt das Militär ein ganzes Dorf nieder (Kaebar). Gegen Aung San Suu Kyi werden immer neue Anklagen erhoben, um sie politisch auszuschalten (zuletzt geht es um eine Schenkung an eine Stiftung). Gegen Dissidenten verhängt die Militärjunta Todesurteile. Mit Granaten schießt man auf friedliche Demonstranten. Die Sicherheitslage ist auch 2023 noch prekär. De facto befindet sich das Land im Bürgerkrieg, eine Vielzahl von Bewaffneten bekämpfen die Junta, aber auch sich gegenseitig. Einen Tag nach dem traditionellen Neujahrsfestes (2021 17.4.21) lässt die Militärjunta 23.000 Gefangene frei.

Ethnische Minderheiten und Rebellenarmeen: Rebellenarmeen ethnischer Minderheiten beteiligen sich 2021 immer mehr am Konflikt. Die Auseinandersetzungen nehmen zu. In Naungmon wird eine Polizeistation angegriffen und elf Polizisten werden getötet. In Bago tötet das Militär mehr als 80 Menschen am 11.4.21. Vgl. Fähnders, Till: Sie stapeln die Leichen an der Pagode, in: FAZ 12.4.21, S. 2. An der Grenze zu Thailand kommt es Ende April 21 zu heftigen Kämpfen. Nahe der Stadt Mae Sam Laep kämpfen Rebellen, hauptsächlich KNU, gegen Außenposten der Armee. Es gibt immer mehr Flüchtlinge nach Thailand und Indien. Die Jugend scheint den Glauben an den Fortschritt zu verlieren. Im März 2022 stufen die USA die Gewalt gegen die Rohingya als Völkermord ein. Die Rebellenarmeen werden 2024 immer stärker. Sie beherrschen eigene Territorien. Die Kampfmoral der staatlichen Armee scheint eher schwach zu sein. Sie hat allerdings China im Rücken.

Überläufer: 2023 lockt die Junta Überläufer. Widerstandskämpfer sollen ihre Waffen niederlegen. Ihnen werden hohe Geldprämien in Aussicht gestellt. Dei Strafen würden erheblich gemildert.

Rohingya und Flüchtlingscamps: 1 Million Menschen leben seit 2018 im größten Flüchtlingscamp der Welt in Bangladesch. Das Lager Kutu Palong liegt 30 km vom Touristenort Cox´s Bazar im Süden des Landes. Sie waren 2017 geflüchtet über den Grenzfluss nach Bangladesch. Bangladesch will sie loswerden, Myanmar will sie nicht zurücknehmen. Die Welt lässt die Rohingya allein. Vgl. Aisslinger, Moritz: Das Lager der Vergessenen, in: Die Zeit 11/ 9.3.23, S. 11.

Kultur: Bei den Padaung-Frauen erscheint der Hals als Spirale gestreckt. Es ist aber das Gewicht des Metalls, das den Oberkörper verformt und nach unten drückt.

Geschichte: Bereits 3000 v. Chr. gab es eine Besiedlung am Irrawaddy-Fluss. Als Territorialstaat gibt es das Land seit dem 11. Jahrhundert. Danach gab es aufsteigende und untergehende Königreiche. Im Jahre 1885 kam eine britische Besetzung (Teil von Britisch-Indien, beherrscht von einem Gouverneur). 1943 besetzten die Japaner das Land. Es gibt heute sieben Regionen. Die Militärs putschten 1974, 1989 und 2021. 1974 richteten sie einmal ein sozialistisches Regime ein und viele Unternehmen wurden verstaatlicht.

Wirtschaft:  Währung Kyat. Das BIP betrug 2011 857 Mrd. $. Das Land hat eine schlechte Infrastruktur, viele Umweltschäden und es gibt  viel Korruption. BIP 2017 70 Mrd. US-Dollar.  2017 expandiert der deutsche Handelskonzern "Metro" in das Land.  Die wirtschaftliche Entwicklung geht nicht voran (obwohl die USA die Sanktionen aufgehoben haben); die Auslandsinvestitionen sind rückläufig. Die USA stoppen im März 2021 die Handelsvereinbarungen (Sanktion für Todesschüsse des Militärs). Das Militär ist im Blutrausch. Es gibt einen Ansturm auf die Banken (Finanzmetropole Yangon). Die Menschen trauen dem Finanzsystem nicht mehr. Die Wirtschaft liegt 2023 am Boden.

Billigwerkbank: Seit dem Ende der EU-Sanktionen wird Myanmar zur neuen Billigwerkbank. So lassen etwa Aldi und Lidl da fertigen. Das gilt vor allem für Textilfabriken. Auch Zulieferer für Adidas produzieren dort.  2018 steigen die zollfreien Ausfuhren in die EU auf 2,3 Mrd. € (2015: 535 Mio. €). Die GIZ pumpte Milliarden in das Programm "Smart Myanmar".

Ausländische Direktinvestitionen in Myanmar: Sie sprangen von 900 Mio. $ 2010 auf 2,5 Mrd. 2011. 2013 prognostizierte McKinsey eine Vervierfachung der Wirtschaft bis 2030.

Deutsche Unternehmen: Deutsche Mittelständler sind recht aktiv. Sie wollen einen der letzten unbearbeiteten Wachstumsmärkte erschließen. Das geht aber nur über Verbindungen zum Militär. Unternehmen sind für die Streitkräfte eine wichtige Einnahmequelle. Krones hilft der Myanmar Brewery (Staatsunternehmen, seit 1995). Das Unternehmen zog sich allerdings 2017 zurück.  Das Hamburger Textilunternehmen Deltex  lässt Sportbekleidung nähen. Der Münchener Telekommunikationsausrüster Adva liefert Technik an Firmen. Weiterhin sind Heidelberger Druck  und Fraunhofer Institut vertreten (mit Elektronikunternehmen Rohde & Schwarz). Vgl. Peer, Mathias: Die heiklen Geschäfte der Mittelständler in Myanmar, in: Handelsblatt Nr. 247, 21.12.2020, S. 26f. Auch der Geldnotendrucker Giesecke & Devrient aus München unterhält enge Kontakte. 2021 werden Zulieferungen ausgesetzt. Doch die Zukunft des Geldes in Asien scheint eh digital zu sein. Die Deutsche Post betreibt seit 25 Jahren eine Tochter im Land (DHL, gemeinsam mit Postministerium im Land). Die KfW stellte 30 Mio. $ für das Unternehmen Irrawaddy Green Towers (IGT) zur Verfügung. Das Webhosting - Unternehmen Hetzner unterstützt direkt das Militär. Der Elektronik-Konzern Rohde & Schwarz (siehe oben) liefert Kommunikationstechnik für das Militär. Der indische Unternehmer Adani hat deutsche Technik von Siemens nach Myanmar verschifft. Siemens ist wohl getäuscht worden.  Ne Win, ein früherer Lilitär-Diktator ließ zum Dank einst ein "birmanisches Teehaus" bei Wiesbaden bauen, das heute noch steht. Mitarbeiter der Hans-Seidel-Stiftung (CSU) richten seit 2014 Oktoberfeste in Yangon aus. Sponsor ist die Dagon-Brauerei, die dem Militär gehört. Vgl. Klawitter, Nils: Hilfe für die Junta, in: Der Spiegel 14/ 3.4.2012, S. 94.

Deutscher Fußballnationaltrainer: Der Deutsche Michael Feichtenbeiner ist 2023 Fußballnationaltrainer. Kritiker bezeichnen ihn als Kollaborateur der brutalen Junta, andere loben ihn  als Entwicklungshelfer. Er bewegt sich in jedem Falle in einem heiklen Spannungsfeld. Jedenfalls geht e smit dem Fußball aufwärts: Erstmals die Gruppenphase bei den Asian Games überstanden.

Opiumanbau: Tausende von Kleinbauern leben vom Opiumanbau (Schlafmohn). Man schätzt, dass ca. 70.000 Kleinbauern im Hochland davon ihren Unterhalt bestreiten. Insgesamt wurden 2018 520 Tonnen produziert (Schätzung der UN). Kein pflanzliches Produkt ist in Relation zu seinem Gewicht wertvoller. Mittlerweile konkurrieren zwei Entwicklungshilfeorganisationen darum, die Kleinbauern davon wegzubringen. Es sind die UNODOC (Büro der UN für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, von Deutschland und Finnland finanziert) und die USAID (Organisation der USA). Beide arbeiten mit dem Alternativprodukt Kaffee, gehen aber unterschiedliche Wege. 950 Bauern haben sich bis 2019 dem UN-Projekt angeschlossen.

Jade: Myanmar ist einer der größten Jade-Produzenten der Erde. In der Region Hpakant nahe der Grenze zu China im Bundesstaat Kachin ist eines der größten Jade - Haupt-Abbaugebietes der Welt. Hier liegen viele Minen. Sie gelten insgesamt als unsicher. Im Juli 2020 gibt es viele Opfer nach einem Erdrutsch.

Seltene Erden:  Das Land hat die drittgrößten Vorkommen hinter China und den USA.

Outsourcing: Man sollte vorsichtig sein, bei der Nachfrage nach Seltenen Erden in Myanmar. Die meiste Förderung ist in der Hand chinesischer Firmen. auch wenn man das Land wechselt, ist man weiterhin von China abhängig.

Teak-Exporte (Holz): Myanmar ist einer der größten Holzexporteure der Welt. Es geht um hochwertiges Teakholz, das aus Mangrovenwäldern gewonnen wird. Es wird vor allem im Yachtbau verwendet. Das Holz ist Plantagen-Teakholz weit überlegen. Da die EU und andere Staaten die staatliche Gesellschaft sanktioniert haben, läuft die Abholzung und der Export vor allem über kriminelle Organisationen.

Tourismus: Myanmar wird als Tourismus-Ziel immer attraktiver. Besonders attraktiv ist der Mergui-Archipel vor der Westküste des Landes. Es ist die Heimat der Moken, die sich Jäger der Meere nennen. Sie sind Seenomaden und helfen ein einzigartiges Öko-System zu schützen.

Myanmar und China: Das Land  hat eine große strategische Bedeutung für China: Im September 2007 werden alle Verbindungen nach außen, insbesondere das Internet, gekappt. China will eher einen Sturz der Militärjunta verhindern. Bodenschätze, Holz, Öl und Gas lagern dort in großen Mengen. Ein wichtiges Exportgut ist auch Jade. Der Jade-Handel ist fest in chinesischer Hand. In China ist Jade ein Symbol des Glücks. Wichtig ist auch der Zugang zum Golf von Bengalen. China hat einen direkten Draht zum Militär und lenkt im Hintergrund (mehr Duldung des Militärs, wirtschaftliche Beziehungen sind entscheidend). Die gemeinsame Landesgrenze ist 2129 km lang. Militärcoups haben in der Region eine lange Tradition. In der Regel blockiert China - zusammen mit Russland - UN-Reaktionen auf den Militärputsch. Der "China-Myanmar Economic Corridor" (CMEC) hat für China oberste Priorität.

Im Rahmen des Neuen Seidenstraßenprojektes hat Myanmar eine große strategische Bedeutung für China. Einmal verfügt das Land über wichtige Bodenschätze (Öl, Gas, Holz, Jade).  Zum anderen ist es ein Verkehrsweg und Energielieferant. China wollte am Ursprung des Irrawaddy einen Staudamm bauen, der China mit Energie versorgen soll. 90% der Energie sollten nach China fließen. Nach heftigen Protesten der Bevölkerung wurde das Projekt vorerst gestoppt. China traut weder der Minderheit der Muslime noch der Mehrheit der Buddhisten. So werden  - wie fast immer - nur Chinesen in den Projekten beschäftigt. Das macht die Chinesen aber sicher nicht beliebt.  Es gibt nur eine sichere Straße zwischen Myanmar und China. Das ist die Burma Road. Es war eine wichtige Route für Chinas Alliierte im Zweiten Weltkrieg gegen die Japaner. Sie wurde in den 1930er Jahren gebaut. Sie führt in China in die Provinz Yunnan. Es gibt schon gebaute Gasleitungen von Myanmar nach China, die aber bisher kaum genutzt werden. Das Hafenprojekt Kyaukpyu wurde von 7,5 Mrd.  auf 1,3 reduziert. Es soll zu einem verkürzten Seeweg führen von Südchina über Hambantota in Sri Lanka.

Das Malakka-Dilemma: Das Land  schafft eine Verbindung zum indischen Ozean, ohne die Meerenge bei Singapur und die Straße von Malakka passieren zu müssen. Dieses geographische Nadelöhr ist als Malakka-Dilemma bekannt. Heute schützt die 7.Flotte der US-Marine die Straße. Immer wieder wird die Idee ins Spiel gebracht, einen Kanal durch die malyaische Halbinsel zu bauen. So weit ist es noch nicht gekommen. Aber Myanmar ist der "Hintereingang" zum indischen Ozean. Heute schon baut China jede Menge Leitungen durch Myanmar. Man hat den Überblick verloren. Vgl. Mattheis, Philipp: Die dreckige Seidenstraße, München 2023, S. 183ff.

Umwelt und Naturkatastrophen: Ein Tropensturm im Mai 2008 verwüstet das Land und führt zu über 20.000 Toten und über 40.000 Vermissten (Zyklon löste Flutwelle aus). Das Land hat viele Umweltkatastrophen. Der Monsunregen trifft 2015 das Land am stärksten: Überschwemmungen. Im November 2015 kommen bei einem Erdrutsch ca. 100 Menschen um (ausgelöst durch eine Jade-Mine). Auf dem Climate Risk - Index von German Watch steht das Land ganz oben.

In den letzten Jahren ab 2012 wurden 100 neue Tierarten in dem Land entdeckt. Das ist ein Beweis für die erstaunliche Artenvielfalt in dem Land (37 Geckoarten, 17 Arten Süßwassermuscheln, Stumpfnasenaffe).

Ethnische Konflikte und Vertreibung: 2013 töten Buddhisten hilflose Muslime in Massen und zerstören Moscheen. Konzerne meiden das Land eher wegen hoher Risiken. KMU aus Deutschland sind aktiv (deutsche Direktinvestitionen Stand 2014 8,3 Mrd. €). Tausende Flüchtlinge verlassen 2015 das Land (Rohinggya-Flüchtlinge, verfolgte Muslime, Einwanderer aus Bangladesch und Pakistan in der britischen Kolonialzeit). Besonders die Muslime werden diskriminiert und verfolgt. Auch unter Aung San werden die Moslems erheblich diskriminiert und gar verfolgt. Immerhin darf der buddhistische Hetzer Wirathu öffentlich seine Thesen nicht mehr verbreiten (aber er gilt als verlängerter Arm des Militärs). Im August 2017 kommt es wieder zu starken Gefechten mit den Rohingyas (über 100 Tote). 60.000 Menschen der Volksgruppe fliehen Ende August 2017 nach Bangladesch. Mittlerweile sind wohl 230.000 bis 389.000 Menschen geflohen. Insgesamt sind ca. 600.000 Rohingya - Flüchtlinge in Bangladesch. Das Flüchtlingslager Kutupalong ist das größte der Welt. Im Oktober 2017 sammelt eine Geberkonferenz in Genf 340 Mio. € für die Flüchtlinge. Die Grenze könnte vermint sein, um eine Rückkehr zu verhindern. Indien will die 40.000 Rohingyas zurückschicken. Die UN warnen vor "ethischen" Säuberungen. Es könnte für Südostasien gefährlich werde, wenn der Konflikt Schule macht. Auf internationalen Druck hin nehmen Myanmar und Bangladesch Gespräche über die Rückkehr von Flüchtlingen auf. Man einigt sich über eine Rückkehr innerhalb von 2 Jahren. 2018 wirft die UN Myanmar Massentötungen und -Vergewaltigungen vor ("Absicht von Völkermord"; Stigmatisierung der Rohingyas). Im Mai 2019 klagt Amnesty International über die Bedingungen in Gefängnissen. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag (IGH) führt einen Prozess wegen Völkermord gegen Myanmar. De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi (Friedens-Nobelpreisträgerin?) sagt im Dezember 2019 aus. Im Mittelalter war Bagan im heutigen Myanmar die Hauptstadt eines riesigen buddhistischen Reichs, die Stadt war 15-mal größer als das mittelalterliche London. Sie war berühmt in ganz Asien. In Myanmar ist der Theravada - Buddhismus (wie in Thailand, Kambodscha, Laos, Sri Lanka). Sehr berühmt ist der Mönch Mahakassapa. Buddhisten aus ganz Asien strömten in das wohlhabende Bagan mit seinen frommen Königen. Viele blieben auf Dauer. Nur 5% der Bevölkerung Myanmars sind Muslime. Dennoch schüren nationalistische Mönche immer wieder die Angst vor Überfremdung.

Humanitäre Katastrophe: 2021 droht dem Land eine große Hungersnot. Etwa 800.000 Menschen benötigen Hilfe. 360.000 Menschen sind auf monatliche Unterstützung angewiesen. Insgesamt leiden 3,4 Mio. Menschen Not. Die Treibstoffpreise explodieren. Der Palmölpreis steigt um 20%. Der Reispreis geht 5% in die Höhe. Geld gibt es nur begrenzt, weil die Banken gelähmt sind. Vgl. UN-World-Food-Program. Amnesty International fordert für das Land ein globales Waffenembargo.

Naturkatastrophe: Am 13.5.23 bedroht ein Zyklon Myanmar. Flüchtlingslager und Küstenorte werden evakuiert. Der Zyklon "Mocha" fordert trotzdem über 400 Tote. Die meisten sind Rohingya.

Asean als Rahmen: Die Staatschefs der Asean - Gruppe treffen sich am 24.4.21 in Djakarta/ Indonesien. Sie fordern den anwesenden Militärführer auf, zur Demokratie zurückzukehren. Sie haben großen Einfluss durch Wirtschaftshilfen für das Land.

Unruhen: 2019 kommt es in der Provinz Rakhine zu Unruhen. In der Region bekämpfen sich islamische Rebellen und das Militär. Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi lässt das Internet in der Provinz sperren.

Luftangriffe der Armee: Die Armee lässt einen Luftangriff im Oktober 2022 auf ein Konzert in Kachin-Stadt fliegen. Mindestens 80 Menschen kommen ums Leben. Mit dem Konzert sollte der Gründung von der Unabhängigkeitsorganisation Kachin Independence Organisation vor 62 Jahren gedacht werden. Sie setzt sich für die Rechte der Volksgruppe der Kachin ein.

Bridgefy: App. Man kann Botschaften ohne Web senden. Man nutzt das Bluetooth-Netzwerk durch Selbstvernetzung. Für bis zu 30 Nutzer ist die Nutzung kostenlos. Bis zu 1000 Nutzer werden 2021 99 US-Dollar fällig. Das Netz erlangt traurige Berühmtheit in Myanmar. Es  kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Behörden  das Internet abschalten.

 

Bhutan:

Allgemein: In Bhutan, das etwa so groß wie die Schweiz ist, leben 2,3 Mio. Menschen (andere Statistiken nennen 1 Mio. bzw. 790.000). Der Staatsname ist "Druk Yul": "Land des Donnerdrachens" in der Landessprache.

Wirtschaft und CNH: Interessant ist die "Cross  National  Happiness" (GNH), d. h. wichtiger als wirtschaftliches Wachstum ist die Zufriedenheit der Menschen. Allerdings muss mehr als die Hälfte des Staatshaushalts durch Kredite und Zuschüsse aus dem Ausland abgedeckt werden.  Das BIP beträgt 2,64 Mrd. US-$ 2022, 2,5 Mrd. US-$ (2020). Wachstum BIP 4,3%. Inflation 5,9% (2022). Arbeitslosenquote 3,6% (2022). Die meisten Menschen arbeiten in der Landwirtschaft (55%). Ca.60% der Menschen leben auch auf dem Land. Das Land muss mehr importieren als es exportiert. Das Bruttonationalglück arbeitet mit den Indikatoren gutes Regieren, nachhaltige, soziale und wirtschaftliche Entwicklung, Kulturförderung und Umweltschutz.

Außenhandel: Import 1,7 Mrd. US-$: Brennstoffe, Luftfahrzeuge, Maschinen. Export 2022: 720 Mio. US-$: Steine, Erden, Gips und Zement, Eisen und Stahl.

Umwelt: 2013 plant das Land, erster Öko-Staat der Welt zu werden (biologische Landwirtschaft Pflicht). Bhutan will CO2-neutral bleiben. In der Verfassung steht, dass 60% der Wälder erhalten werden müssen. Mehr als dei Hälfte des Staatsgebietes steht unter Naturschutz. Allerdings ist Wilderei in den Grenzregionen ein großes Thema. Begehrt sind der Rote Panda (streng geschützt) und der Schwarzhalskranich. Letzterer gilt als Himmelsbote (es gibt noch 500 in ganz Bhutan).

Politik: Hinter der vordergründigen Demokratie mit der Partei der "vollkommenen Harmonie" steht ein Königreich, das keine Abweichler duldet. Bhutan ist das letzte noch existierende souveräne buddhistische Königreich auf dem Dach der Welt (Konstitutionelle Monarchie). König ist Wangchuck. Traditionell ist die Beziehung zu Tibet eng. Die Machtspiele Chinas treiben das Land eher in die Arme Indiens. Viele Tibeter sind nach Bhutan geflohen. Normalerweise pendelt das Land geschickt zwischen China und den USA.

Religion:  In dem Land wurde der Buddhismus im 12. Jahrhundert Staatsreligion. Lange lag die eigentliche Macht in den Händen der Lamas. Sehr verbreitet ist der Mahayana-Buddhismus (tibetisch). Er verspricht einen schnelleren Ausweg aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten. Durch anspruchsvolle spirituelle Übungen (Tantra, Yoga) kann der Mensch Erleuchtung innerhalb des Lebens erlangen. Es bedarf enger Beziehungen des Meisters, dem Lama, mit seinem Schüler. Sehr populär sind Bodhisattvas, erleuchtete Wesen (sie könnten ins Nirvana einziehen, entscheiden sich aber für den Meister). Der Dalai-Lama gilt als menschliche Erscheinungsform. Lama bedeutet "Hoher Priester". Zwar durften Frauen später Nonnen werden, doch sie galten als unrein und mussten sich Männern grundsätzlich unterordnen. So ist auch heute noch die Alphabetengrate bei Frauen bei 57%.

Gesundheit: Rund 800 Covid - Fälle gab es 2020 (1 Todesfall). Das mag an den wenigen Ausländern liegen. Beim Impfen entwickelt das Land Rekordgeschwindigkeit (April 2021 63%, Platz 2 in der Welt hinter Seychellen). Die Lebenserwartung liegt heute bei 70; sie hat sich innerhalb kurzer Zeit verdoppelt. Die Corona-Pandemie brachte den Tourismus zum Erliegen.

Territorialer Konflikt mit China: China beansprucht noch einige Teile von Bhutan. Die Regionen liegen an der Grenze zum autonomen Gebiet Tibet. Es handelt sich um das Doklam-Plateau und Gebiete um die Städte Jakarlung und Pasamlung. Vgl. Winter, M.: China 2049, München 2019, S. 149. Die Chinesen errichten illegal ein Dorf auf dem Territorium von Bhutan. Sie gehen aggressiv vor. In Bhutan leben um die 2000 Tibeter, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind.

Bhutan und Deutschland: Der Regierungschef aus Bhutan Lotay Tshering besucht im März 2023 zum ersten Mal Deutschland. Scholz lobt dabei das Konzept "Bruttonationalglück" und sieht das Land dabei als Vorreiter.

 

Kambodscha:

Bevölkerung: 17 Mio. Einwohner. Verteilung: Stadt 24,7%; Land 75,3%. Wachstum 1,4%. Lebenserwartung: Frauen 72 Jahre; Männer 68 Jahre. Hauptstadt: Phnom Penh.

Politik: Parlamentarische Monarchie. Staatsoberhaupt: König Norodom Sihamoni (seit 2004). Regierungschef: Premierminister Hun Sen. Im Jahre 1997 kam Hun Sen per Staatsstreich an die Macht. Bei Wahlen verbietet er die wichtigste Oppositionspartei. Im November 2018 gibt es erste Gerichtsurteile gegen Verbrechen der "Roten Kmer". Verwaltungsgliederung: 24 Provinzen und 1 Sonderverwaltungsgebiet.

Geschichte: Funan-Reich 1. -7. Jahrhundert). Chenia-Reich 7- - 8. Jahrhundert). Kmer-Reich (9. - 15. Jahrhundert). Abhängigkeit von Thailand und Vietnam (15. - 19. Jahrhundert). Französische Kolonialherrschaft (1863 - 1953). Erst in den 1950er-Jahren endete die französische Herrschaft. Dann wurde das Land in den Vietnamkrieg hineingezogen. 1975 stürzten die Roten Khmer das pro -amerikanische Regime, das 1970 die Macht übernommen hatte. Während dieser Herrschaft sollen 1,2 Mio. Menschen gestorben sein (Hinrichtung, Unterernährung, Überarbeitung, Krankheiten). 1979 marschierte Vietnam ein und errichtete bis 1989 ein Protektorat. Seit 1998 Unabhängigkeit und Wiederaufbau.

Wirtschaft: Währung Riel. BIP 2022 28,54 Mrd. US-$. BIP 2017: 22,2 Mrd. US-$. 26,19 Mrd. US-$ (2021). Das Land hatte 2006 ein Wachstum von 9,5% und profitiert stark von seinen Ölvorräten. Inflation 5,3% (2022). Viele Menschen in dem Land verdienen gerade einmal 3 $ pro Tag. BIP/ Kopf 1785 $. ALQ 0,4%.

Außenhandel: Import 29,8 Mrd. US-$: Edelsteine, Metalle, Wirk- und Strickwaren, Brennstoffe. Export 22,47 Mrd. US-$: Bekleidung, Lederwaren, Schuhe.

Exkurs. Kuh-Leih-Projekt: Eine Kuh ist so viel wert wie ein Haus. Sie bleibt für viele Dorfbewohner ein Traum. Kambodscha ist eines der ärmsten Länder Südostasiens. Zwei Männer aus Australien versuchen 2023 zu helfen. Sie gründen das Projekt "Cows for Cambodia". Es fungiert als eine Art Bank für Kühe. Die gemeinnützige Organisation besitzt eine eigene Kuhherde. Sie verleiht einzelne trächtige Kühe an Familien. Fünf Monate nach Geburt des Kalbs geht die Kuh an die Organisation zurück.

Hauptstadt und wichtige Städte:  Phnom Penh (1,57 Mio.). Siem Reap, Battambang, Sihanoukville, Sisophon.

Seidenstraße und Sihanoukville: Mittlerweile ist das Land in das chinesische Neue Seidenstraßenprojekt eingebunden. Die Stadt Sihanoukville ist eine wichtige Station der maritimen Seidenstraße. Bade- und Erholungsort war sie immer.  Gleichzeitig bauen die Chinesen sie zu einer Spiel- und Amüsierstadt um. Die Einheimischen sind verbittert. Die Stadt entwickelt sich 2022 zu einem hotspot des globalen Internetbetrugs. Menschenhändler locken Migranten aus ganz Asien in so genannte Scam-Fabriken (Betrugsfabriken). Vgl. Collini, Francesco u. a.: Verraten und verkauft, in: Der Spiegel Nr. 42/ 15.10.22, s. 90ff..

Umwelt: Ein großer Teil der Wälder fallen immer mehr Brandrodungen zum Opfer.  Die indigenen Völker, die seit Jahrhunderten Landwirtschaft betreiben, verlieren ihre Felder an große Naturkautschukfirmen. Immer Gummi wird für die PKW-Reifen, vor allem in Asien, benötigt. CO2-Emissionen/Kopf 0,9 t.

Bildung: Im November 2019 geht ein Beispiel einer Schulklasse im Norden  des Landes (Provinz Preah Vihear) um die Welt: 400 Grundschüler haben für neue Klassen einen Spendenaufruf gemacht. Zwei neue Gebäude können gebaut werden.

Erwerbstätige: Landwirtschaft 31,2%; Industrie 29,6%; Dienstleistungen 39,2%.

Exporte: Kambodscha liefert die meisten Fahrräder nach Deutschland. Kein Land der Welt liefert mehr. Es waren 2018  560.000. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken gelten als miserabel. 5,50 Euro verdienen Fabrikarbeiter im Durchschnitt am Tag bei hoher Belastung. Machen Arbeiter haben zusätzlich noch lange Anfahrtszeiten. Die EU hat in einem Prüfbericht im November 2019 Verletzungen der Regeln der ILO festgestellt. Die Wettbewerbskommissarin soll entscheiden (setzt Frist), ob das Land seine Zollvorteile verliert. Vgl. Zacharakis, Z.: Unterm Rad, in: Die Zeit, Nr. 51, 5.12.19, S. 38f. Im Jahre 2020 setzen mehr als 110 Bekleidungsfirmen (unter anderen H&M, C&A) ihre Produktion wegen Corona aus. Ein Lieferkettengesetz könnte auch große Auswirkungen haben. Weitere Exporte: Textilien, Gold, Schuhe, Handtaschen, Reiseartikel.

Gesundheit in Kambodscha: Anfangs wird man durch Schließung der Grenzen gut mit der Pandemie fertig. Im Juni 2021 kommt ein Ausbruch: Vier Chinesen haben auf dem Flug von Dubai nach Phnom Phenh einen Sicherheitsbeamten bestochen und ihre Quarantäne gebrochen. Sie feierten in Clubs und verbreiteten so die Pandemie.

Landminen: Ein großes Problem sind auch 2020 noch die vielen Landminen. Man versucht, sie systematisch ausfindig zu machen. Sehr erfolgreich werden dabei Ratten eingesetzt. Die Ratte "Magawa", die eine Fläche von 20 Fußballfeldern von Minen räumte, erhält dafür eine der höchsten Auszeichnungen des Landes.

Kultur und Literatur: Der Bürgerkrieg im Land und die Kmer müssen immer noch bewältigt werden. 2021 erscheint ein sehr empfehlenswertes Buch dazu in Deutschland: Judith Taschler, Das Geburtstagskind, Roman 2021. Zwei Geschwister sind aus Kambodscha geflohen. Sie haben sich auch geliebt. Der Bruder baut sich eine Existenz in Deutschland auf und hat Kinder. Die Schwester landet nach Frankreich in den USA. Der Bruder verdrängt die Vergangenheit. Die Schwester hält Vorträge über Kambodscha in den USA. Die Kinder des Bruders schenken ihm zum Geburtstag ein Wiedersehen mit der Schwester.

Angkor Wat und Geschichte: Bekannteste und größte Tempelanlage der Welt. Sie liegt ca. 240 km nordöstlich der Hauptstadt Pnom Penh in der Provinz Siem Reap. Sie wurde ich 10. Jh. gebaut unter Yasovarman (889-910). Sie war Teil einer Bewässerungsanlage mit Stausee, die den Reisanbau das ganze Jahr ermöglichte. Das Wasser um die Tempelanlage bewirkte, dass der Wald nicht früher vordringen konnte. Das Khmerreich war sehr wohlhabend und eroberte das Nachbarvolk der Cham (die es später umgekehrt machten). Angkor Wat ist höchstwahrscheinlich der Toten-Tempel (Totengott Yama) für Suryavarman II. Ursprünglich hinduistisch für Vishnu wurde die Anlage später als Heiligtum und Kultstätte des Theravada-Buddhismus genutzt. Preah Ko, im 9. Jahrhundert errichtet, ist wahrscheinlich das erste große Gotteshaus in Angkor. Man sieht oft die Gesichter der Herrscher, die den Bau des jeweiligen Tempels befohlen haben. Man arbeitete mit Elefanten und Büffeln. Die Tempel-Anlage ist Nationalsymbol und Teil der Fahne. Um 1200 erreicht das Khmer-Reich seine größte Ausdehnung. Dann setzen Nachbarstämme es immer mehr unter Druck. 1431 erobern die Thai die Khmer-Hauptstadt, die 1434 zugunsten von Phnom Penh aufgegeben wird. Die Thai übernehmen viele kulturelle Traditionen. Die Anlage wurde später von Portugiesen und Franzosen restauriert. Frankreich entriss Kambodscha der vietnamesischen und siamesischen Vorherrschaft und machte es 1863 zu seiner Kolonie (Protektorat). 1953 wurde das Land wieder unabhängig. Später herrschten  die Roten Khmer.

Exkurs. Zirkusschule: Hier können Kinder Akrobatik, Tanzen, Musizieren und Zeichnen lernen. Das Projekt stiftet Zukunftschancen. Der Camus ist in der drittgrößten Stadt des Landes Battambang, an der Grenze zu Thailand. Er umfasst ein halbes Dutzend Gebäude und eine Trainingshalle. 

Repression: Sie nimmt im Lande zu. 2021 wurden 9 Funktionäre der Oppositionspartei (CNRP) in Abwesenheit zu hohen Haftstrafen verurteilt. 150 Parteimitglieder auf unteren ebenen stehen unter Anklage.

 

Laos:

Bevölkerung: 7,63 Mio. Einwohner (2022). Wachstum: 1,4%. Verteilung: Stadt  36,9%; Land 63,1%. Religionen: Buddhismus, Christentum u. a.

Hauptstadt Vientiane. Wichtige Städte: Savannakhet, Pakse, Luang Prabang, Phonsavan.

Staatsform:Volksrepublik. An der Spitze Kommunistische Partei. Thoungloun ist Generalsekretär. Laos ist in unseren Sinne keine Demokratie, also unfrei (nach Freedom House). Es geht dem Land nicht um Wahrung der Demokratie und Menschenrechte. Es gibt positive Worte zum "starken Mann Putin" in Russland.

Der Einfluss Chinas war historisch immer relativ begrenzt. Nur das nördliche Laos stand unter der wirtschaftlichen Einflusssphäre Chinas. Man schätzt, dass 2013 300.000 Chinesen als Migranten in Laos leben. Chinesen investieren in Laos. Luang Prabang ist die frühere königliche Hauptstadt. Sie ist UNESCO-Weltkulturerbestadt. Sie ist bei Touristen sehr beliebt. Man will den Einfluss Chinas nicht zu groß werden lassen und nutzt die Rivalität der Großmächte aus. "Die Vietnamesen pflanzen Reis, die Kambodschaner schauen zu, die Laoten hören ihn wachsen", Spruch der Franzosen über die Mentalität der drei Völker.

Thong Hay Hin: Die Ebene der Tonkrüge, nahe Phonsavan. Mehrere Hundert Steinkrüge mit einer Größe von bis zu drei Metern wurden gefunden. Ihr Alter wird auf 1500 bis 2000 Jahre geschätzt. 2019 wurde das Gebiet zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Wirtschaft: Währung Kip. BIP 2017 17 Mrd. US-$. 18,55 Mrd. US-$ 2021. BIP 2022 15,3 Mrd. US-$. Im Jahre 2017 wächst die Wirtschaft rasant; 2021 2,1%.  Die Börse ist eine der kleinsten der Welt (Laos Composite Index). 2018 kommt Bewegung in den Kapitalmarkt (fünf Börsengänge). 2020 schrumpft die Wirtschaft erstmals seit der Asienkrise 1998. Die Staatsschulden steigen auf über 60% des BIP. Größter Gläubiger ist China. Der aktuelle Fünfjahresplan sieht eine Vertiefung der Beziehungen vor. Die Freundschaft zu Vietnam ist abgekühlt. Inflation 3,8% (2021). ALQ 1,3%.

Rohstoffe: Laos hat große Vorkommen an den Bodenschätzen Gold, Silber, Kupfer. Es wird Raubbau betrieben von chinesischen Minenunternehmen. Auch die ökologischen Folgen sind bedenklich.

Außenhandel: Import 6,53 Mrd. US-$. Nahrungsmittel, Maschinen, Petrochemie, Chemische Güter. Export 7,62 Mrd. US-$. Nahrungsmittel, Rohstoffe, Gold, Tabak.

Verkehr; Schleichende Übernahme durch China: Laos droht eine art chinesische Provinz zu werden. China baut eine Zugstrecke durch das Land (Laos-China-Railway). Auf 417 Kilometern durchschneidet sie das Land. Es sollen auch chinesische Touristen aus der Nachbarprovinz Yunnan kommen. Damit wird es ein regionaler Knotenpunkt. aber der Zug ist primär für China. Die Zugstrecke soll durch Thailand und Malaysia verlängert werden. Es geht sogar noch weiter zu einem "panasiatischen Eisenbahn-Netzwerk". Vgl. Mattheis, Philipp: Die dreckige Seidenstraße, München 2023, S. 197ff.

Zusammenbruch/ Verschuldung?: 2022 kämpft Laos mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das Land hat immense Schulden bei China. Treibstoff ist unbezahlbar. Kredite können kaum noch bedient werden. Vgl. FAZ 6.7.22, S. 18. Laos ist völlig abhängig von China. Der Schnellzug bei Vientine hat alleine zu 7 Mrd. $ Schulden geführt. China macht bisher keine Schuldenschnitte. Vgl. HB 18.10.22. Das Joint-Venture "Zug" wird über die Exim Bank finanziert (60% Kredit). Die Gesamtverschuldung des Landes liegt über 100%.

Umwelt: CO2-Emissionen/Kopf 5,8 t. 2022: 2,8 t. Enorme Umweltschäden durch den Rohstoff-Abbau durch chinesische Firmen. Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien: 71,6%. .

 

Philippinen:

Allgemein: 117 Mio. Einwohner 2022. Hauptstadt Manila. Beim Papstbesuch Mitte Januar 2015 in Manila fehlen Toiletten. Deshalb müssen die Polizisten vorsichtshalber Windeln tragen. Der Jeepney ist ein umgebauter Jeep aus alten Beständen, die die US-Armee nach dem 2. Weltkrieg zurückließ. Sie sind zum Symbol für nationalen Erfindergeist geworden, obwohl sie große Umweltverschmutzer sind. Das älteste Kunstwerk der Welt findet man 2015 auf Jawa: eine verzierte Muschel ist 540.000 Jahre alt.  Im Juli 2016 entscheidet der internationale Gerichthof in Den Haag über den Inselstreit zwischen den Philippinen und China. Er gibt den Philippinen recht. Trotzdem verordnet Präsident Duterte einen radikalen Kurswechsel. Er wendet sich von den USA ab und nähert sich China. Die Terrororganisation Abu Sayaf tötet im November 2016 eine deutsche Seglerin und entführt ihren Mann (Lösegeld). Mit Milliardeninvestitionen versucht das Land, die Hauptstadt Manila mit Infrastrukturprojekten gegen Überschwemmungen abzusichern. 2017 gewinnen die Islamisten Boden in dem Land. Bei Gefechten gibt es viele Toten. Am 12.11.17 besucht der US-Präsident Trump das Land.

Wirtschaft:  Währung Philippin. Peso. BIP 2017 313,6 Mrd. US-$.. BIP 2022 404,26 Mrd. US-$.  Wachstum 2022 7,6%. BIP/Kopf 3623 US-$. Inflation 5,8%. Anteil BIP nach Sektoren: Landwirtschaft 10,2%; Industrie 28,4%; Dienstleistungen 61,4%. ALQ 2,2%. CO2-emissionen pro kopf 1,3t. Strom aus erneuerbaren Energien 21,2%.  Nirgendwo gibt es so viele englischsprachige Callcenter wie auf den Philippinen (1,3 Mio. Menschen arbeiten dort). Sie tragen zum Boom der Wirtschaft bei (8% vom BIP). 2017 gibt die philippinische Zentralbank fehlerhafte 100-Peso-Scheine heraus (Porträt eines früheren Präsidenten fehlt).

Manila als Metropol-Region: Hier leben 13,4 Mio. Menschen. Die Stadt hatte einen zweifelhaften Ruf als als motorisierte Metropole. Sie drohte im täglichen Verkehrschaos zu versinken. Doch wegen steigender Benzinpreise als Folge des Ukraine-Krieges fahren die Menschen zunehmend Fahrrad. Das könnte eine Chance für den grünen Wandel sein, Manila kann wieder atmen Berühmt ist das Viertel Poblacion. Das ist der Ort der Sünde. Es gibt käuflichen Sex, Drogen und Party ohne Ende. Das Schmuddel - Viertel soll umgewandelt werden.

Politik: Staatsname: Republik der Philippinen. Staatsform: Präsidiale Republik. Präsident Rodrigo Duterte will sich 2022 zurückziehen. Im Rahmen des Anti-Drogen-Krieges soll er massive Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Der Sohn des einstigen Diktators Ferdinand Marcos will für die Präsidentschaft kandidieren (Ferdinand Marcos jr.). Kehrt der Marcos-Clan zurück an die Macht? Er ging im Zuge eines Volksaufstands 1986 nach Hawaii (voll gestopft mit Goldbarren und Diamantenketten). Bei der Präsidentschaftswahl gewinnt der Sohn von Marcos: Ferdinand junior. Die Dynastie Marcos feiert eine Wiederauferstehung.

Exkurs. Fidel V. Ramos: Er starb im Juli 2022 mit 94 Jahren. Er war in West-Point ausgebildet. Er kämpfte als Soldat im Korea- und Vietnam-Krieg. Als Chef der nationalen Polizei stützte er einst den Diktator Ferdinand Marcos. 1986 half er ihn stürzen. 1992 bis 1998 war er Präsident. Er liberalisierte die Gesellschaft und die Wirtschaft. Einer seiner größten Erfolge war die Versöhnung mit extremistischen und separatistischen Gruppen.

Dynastie-Kartell: Die Marcos- und die Duterte-Familie scheinen eine Allianz eingegangen zu sein. So scheint sich eine Autokratie zu entwickeln. Beide Familien haben eine Menge Dreck am Stecken. Legendär war Imelda Marcos (ehemalige Schönheitskönigin): ihre gute Beziehung zu Mao, Gaddafi und Fidel Castro, ihr Schuh-Tick, ihre Feierlaune. Vgl. Follath, Erich: Im Bann der schrecklichen Familie, in: Die Zeit 52/ 15.12.22, S. 22.

Drogenkrieg: Präsident Rodrigo Duterte geht 2018 unerbittlich gegen den Drogenhandel vor. Mit dem Versprechen hatte er die Wahl 2016 gewonnen. 30.000 drogenabhängige Menschen wurden schon getötet. Die Angst hat Methode. Das Angebot an Drogen wächst, die Preise fallen. Immer wieder kommt es 2019 zu Anschlägen, bei denen es viele Tode gibt. Ab 2019 stellen sich in der mächtigen katholischen Kirche viele gegen ihn. Doch auch sie müssen um ihr Leben fürchten. Kinder (der Präsident möchte schon Kinder ab 9 Jahren strafmündig erklären) und Jugendliche landen wegen kleinster Vergehen reihenweise im Gefängnis. Essen klauen reicht manchmal schon. Betten gibt es nicht. Hofgang ist selten. Der Frust entlädt sich dann in Gewalt. Viele Kinder werden in Drogen-Operationen auch getötet oder bleiben als traumatisierte Waisen zurück. 

Geschichte: 1565 landet der Konquistador Miguel Lopez de Legazpi mit seiner Flotte vor den Philippinen und nimmt sie für Spaniens Krone in Besitz. Die Inseln wurden nach dem spanischen König Philipp II. benannt. Das dünn besiedelte Archipel war seit Jahrhunderten ein Umschlagplatz für Waren aus China, wie Seide und Porzellan. Die Spanier tauschen die Güter gegen Silber aus ihren Kolonien in Amerika. Ein Großteil der Einwohner nimmt den  katholischen Glauben an. 1896 beginnt der Unabhängigkeitskampf. 1897 siegen zunächst die Spanier. 1898 im Krieg zwischen den USA und Spanien greifen die Kämpfe auch auf die Philippinen über. Die USA kaufen den Archipel für 20 Mio. US-Dollar von den Spaniern. 

Streit mit China: 2012 übernahmen die Chinesen nach einem Fischereistreit kurzerhand die Kontrolle über Scarborough Shoal. Der ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag erklärte das für illegal. Es gibt auch Krach über andere Inseln und die Ausdehnung des chinesischen Hoheitsgebietes vor Hainan (Spratly-Inseln). Das Mischief-Reef liegt in Territorialgewässern der Philippinen. Es wurde aber von China zu einem Luftwaffenstützpunkt ausgebaut (Meiji auf Chinesisch). Der Inselstreit steht immer wieder auf der Tagesordnung von ASEAN. Es konnte keine Einigung erzielt werden (z. B. über einen Verhaltenskodex). In den umstrittenen Gewässern lagern große Kobaltvorkommen. Der Rohstoff ist wichtig für die Batterie und Akkuproduktion. Die Philippinen sind einer der größten Produzenten (nach Kongo, Russland, Australien, Kuba). Bei den Spratly-Inseln versucht China, Tatsachen zu schaffen. Zum Beispiel sind zahllose Schiffe am Whitsun-Riff. Nach chinesischen Angaben Fischerboote. Nach philippinischer Ansicht verkappte Militärboote. Der Konflikt ist sehr komplex. Anrainerstaaten sind Vietnam, Malaysia, Brunei, Taiwan. Handelsrouten verbinden den indischen und den Pazifischen Ozean. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs gehörten die Insel zu Japan. 1951 erhob Taiwan Anspruch (Vertrag von San Francisco). Heute erhebt China Ansprüche. Die Philippinen versuchen sich abzusichern. Sie nähern sich militärisch immer mehr den USA an (gemeinsame Manöver). Boote der Philippinischen und Chinesischen Küstenwache kollidieren öfters.

Abkehr von China ab 2023: 2023 steigt das asiatische Land aus der Initiative "Neue Seidenstraße" aus. Es will geplante Eisenbahnstrecken ohne Hilfe Pekings finanzieren.

Philippinen und Deutschland: Am 11.1.24 besucht Außenministerin Baerbock das Land. Sie sagt Unterstützung in der Auseinandersetzung mit China zu (Störung von Schiffen). Prompt kommt eine Retourkutsche aus Peking.

Philippinen und USA: Das Land hat einen Vertrag mit den USA, der ihnen im Verteidigungsfall Beistand zusichert. Im April 2024 treffen sich der philippinische Präsident Ferdinand Marcos jr., Fumio Kishida/ Japan und Joe Biden in Washington. Der US-Präsident will mit Japan und den Philippinen China in Schach halten. Vgl. Der Spiegel 16/ 13.4.24, S. 70.  Ende April 24 führt der US-Außenminister Blinken lange Gespräche in Peking. Er kritisiert Chinas Beistand für Russland. Er hat vor allem Komponenten für Kriegsgüter im Blick. Man will sich für gemeinsame Regeln auf See einigen. Blinken wiederholt in Peking, dass die Militärallianz zwischen den USA und den Philippinen "eisern" sei. 

Balikatan-Übung: Jährlich stattfindendes Militärmanöver mit den USA im südchinesischen Meer. "Balikatan" ist philippinisch und heißt "Schulter an Schulter". Nördlich ist das Land nur 300 km von Taiwan entfernt. Es wird auch die Rückeroberung von Inseln geübt.

Rohstoffe Philippinen: Sie sind der größte Lieferant für Nickelerz für China. Bei der Minen-Produktion von Nickel liegt das Land auf Platz zwei in der Welt hinter Indonesien und vor Russland. Bis Frühjahr 2022 ist der Nickelpreis innerhalb eines Jahres um +99% gestiegen. Sie zählen auch zu den wichtigsten Ländern bei Gold und Kupfer. Es gibt auch öl- und Gasvorkommen, deren Ausbeutung umstritten ist.

Probleme: Dazu gehören Armut, Kinderarbeit und Umweltverschmutzung. Auch die Philippinen importieren große Mengen Müll aus den Industrieländern, der nicht ordentlich entsorgt wird.  Ein Foto des deutschen Fotographen Hartmut Schwarzbach über das Fischen von Plastikmüll von Kindern vor Manila wird vom UN-Kinderhilfswerk Unicef zum Foto des Jahres 2019 gekürt. Im Süden des Landes wütet die militante Islamisten - Gruppe Abu Sayyaf. Sie macht immer wieder Bombenanschläge.

Steuerbetrug: Die Philippinen sind ein Paradies für Steuersünder. Der neue Präsident Ferdinand Marcos muss ab 2023 gegen Steuersünder härter vorgehen. Als Sohn eines prominenten Steuerbetrügers dürfte ihm das schwer fallen. Vgl. Lill, Felix: Familienband, in: Die Zeit 16/ 13.4.23, S. 27.

Religion: Die katholische Kirche hat viele Gläubige. Das Land ist zuriefst katholisch. Das Erzbistum Manila beginnt 2022 mit dem Bau eines Exorzismuszentrums. Sie soll "Zentrum des heiligen Michael für sprirituelle Befreiung und Exorzismus" heißen. Es ist das erste Zentrum dieser Art in Asien. Es gibt im Land auch viele Muslime.

Corona-Pandemie und Bildung: Über zweieinhalb Jahre fiel auf den Philippinen der Unterricht aus. Viele Schüler sind bis heute 2023 nicht zurückgekehrt. Nun reist der Lehrer Samboy de Leon mit einer Eisenbahn-Draisine in abgelegene Orte - und kämpft um jedes Kind. Vgl. Stormer, Carsten: Auf stillgelegten Gleisen, in: Die Zeit Nr. 3/ 12.1.23, S. 33

Exkurs. Chelsea Marie: Sie ist eine Trans - Frau und eine der populärsten Wrestlerinnen der Philippinen. Trans Personen sind hier ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Sie könnte nicht nur als Wrestlerin weltweit eine Pionierin sein. 

Naturkatastrophen: Im November 2013 trifft der stärkste Taifun aller Zeiten auf die Philippinen. Der Taifun "Haiyan" sorgt für schwere Verwüstungen (über 4.000 Menschen sterben, am schlimmsten betroffen ist die Stadt Tacloban; 2,5 Mio. Menschen brauchen Hilfe). Im Januar 2020 bricht der Vulkan Taal aus. Er liegt in der Nähe der Hauptstadt Manila. Die Luft ist stark beeinträchtigt. Anfang November trifft wieder der stärkst Taifun, den es 2020 gegeben hat, auf die Philippinen. Er bringt viele Opfer und Verwüstungen mit sich. Ein neuer Wirbelsturm Mitte November 2020 richtet auch große Schäden an. Das Land steht auf dem Climate Risk-Index von German Watch ganz oben. Mitte Dezember 21 kommt es zu starken Regenfällen und Überschwemmungen, die viele Tote mit sich bringen. Ende Juli 2023 trifft ein Taifum die Insel (Doksuri/ Egay). Er richtet große Verwüstungen an. Er zieht dann weiter, auch nach China (Peking steht unter Wasser). Die Anpassung an den Klimawandel ist für das Land eines der Hauptprobleme.

Internationales Recht: Bei Ermittlung von Massenmorden im so genannten "Anti-Drogenkrieg" wollen die Philippinen nicht mit dem internationalen Strafgerichtshof zusammenarbeiten. Das Land erkennt den Strafgerichtshof nicht an.

Exkurs. Gesetz aus der Zeit der Militärdiktatur (PD 1727): Wer bei Gepäckkontrollen das Wort "Bombe" in den Mund nimmt, kommt ins Gefängnis. Es wird ausdrücklich vor "bomb jokes" gewarnt. Bombendrohungen können Anlass für Verhaftungen sein (40.000 Pesos oder 5 Jahre Gefängnis).

Kommunikation/ Presse: Rappler ist eine Online-Nachrichten-Seite. Gründerin 1993 Maria Ressa, Chefin und Journalistin. Sie bekommt 2021 den Friedensnobelpreis. Die Regierung versucht sie daran zu hindern, zur Verleihung nach Oslo zu fliegen.

Tourismus: Von Frankfurt wird Cebu und Manila angeflogen. Geoplan und Explorer bieten organisierte Reisen an. Vgl. allgemein: www.morefunphilippines.de . Empfehlenswert ist Insel-Hopping. Besonders interessant ist die Insel Palawan (insgesamt 7641 Inseln). Nahe Coron zählen Kanyangan Lake und Twin Lagoons zu den Favoriten. 

 

Timor-Leste:

Südostasien. 1,36 Mio. Einwohner. Hauptstadt: Dili. Staatsform: Parlamentarische Demokratie. BIP: 3,66 Mrd. US-$.

 

Malediven:

436.000 Einwohner. Hauptstadt Male.

Lage: 9 Inselgruppen im Indischen Ozean, südwestlich von Indien und Sri Lanka.

Sprache: Dhivehi

Religion: Islam.

Politik: Mit Unterstützung Chinas wird 2018 wieder ein autoritäres Regime eingerichtet (chinesischer Brückenknopf). Vorher herrschte Gewalt und Chaos in der Hauptstadt Male.2019 will man die Demokratie zurückerobern. Die Maledivische Demokratische Partei (MDP) gewinnt 60 von 87 Sitzen im Parlament. In China dürfte diese Entwicklung Missfallen auslösen.

Wirtschaft: BIP 2022 6,21 Mrd. US$. Wachstum 12,3%. 92020 steigt der Schuldenstand um ein Viertel. auf 149% des BIP. Die Wirtschaftsleistung sinkt Pandemie bedingt um -32%. Es gibt Sorgen um die Zahlungsfähigkeit des Landes. IWF und Rating - Agenturen stufen die Kreditwürdigkeit herab.

Währung: Rufiyaa= 100 Laari

Umwelt: Die Inselgruppe ist vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht.

Tourismus:Die Malediven sind bei uns vor allem als Urlaubsparadies bekannt. Sie drohen im Zuge des Klimawandels und des folgenden Anstiegs des Meeresspiegels zu verschwinden. 2024 tauchen Strandfotos von Modi, dem indischen Premier auf. Er macht Urlaub für Laksweep, eine Gruppe indischer Inseln vor der Westküste. Er bezeichnet sie als die schönsten Sandstrände. Dei Malediven empfinden das als Reiseboykott. Die Inder stellen bis jetzt die größte Reisegruppe. Vgl. Der Spiegel 4/ 20.01.24, S. 71.

Beziehung zu China: Unter dem Autokraten Yameen haben die Malediven mehrere Abkommen mit China unterzeichnet. Sie stehen dort mit drei Milliarden Dollar in der Kreide. Als Vorzeigeprojekt wurde die vierspurige China-Malediven-Freundschaftsbrücke gebaut, die über zwei Kilometer des Indischen Ozeans verläuft. Die Brücke verbindet die maledivische Hauptstadt mit dem internationalen Flughafen und der schnell wachsenden künstlichen Insel Hulhumale. Allerdings gibt es kaum Autos und Straßen. 

 

 

Mongolei:

Zentralasien. 3 Mio. Einwohner. Hauptstadt Ulaan-Baator.  Viermal so groß wie Deutschland. Das am dünnsten besiedelte Land der Welt.

Wichtige Städte: Erdenet, Darchan, Mörön, Tschojbalsan.

Die gemeinsame Grenze mit China ist 4700 Kilometer lang (längste Grenze Chinas mit einem Nachbarland). Die mongolische Revolution 1921 machte der chinesischen Besatzung ein Ende (Annexion durch das Qing - Reich im 17. Jh.). Die Mongolei geriet unter die Einflusssphäre der Sowjetunion. Heute versucht man Distanz zu halten gegenüber den beiden Riesen. Ein Symbol ist wie eh und je Dschinghis Khan, um sich mit Nationalstolz abzugrenzen. Rund 50 Kilometer von Ulan-Bator  entfernt thront Dschingis Khan zu Pferde auf einem künstlichen Hügel als 25 Meter hohe Statue aus Edelstahl. Dschingis Khan herrschte einst über das größte Reich der Geschichte. Er revolutionierte die Militärtechnik, indem er in großem Maße Pferde einsetzte. Pferde wurden als Steppenwildtiere domestiziert.

Politik Mongolei: Ende Juni 2020 wird erstmals in der drei Jahrzehnte langen Geschichte eine Regierungspartei wieder gewählt (MVP: Mongolische Volkspartei). Ministerpräsident Khurelsukh gewinnt 80% der Stimmen. Das Land hat große wirtschaftliche Probleme. Anfang 21 tritt die Regierung zurück: Entrüstung über ein Covid-Video.

Wirtschaft und Börse: BIP 2017 11,5 Mrd. $.