Werner Krämer

Asia & China (N/ Japan)

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"Ohne aus der Tür zu gehen, kennt man die Welt. Ohne aus dem Fenster zu schauen, sieht man den SINN des Himmels", Laotse (Laozi, chinesischer Philosoph, 6. Jh. v. Chr., Begründer des Taoismus, Die Weisheit des Tao Te King, Das Buch vom Sinn und Leben). Hat Laotse das Internet vorhergesehen? "Das Internet ist ein Geschenk Gottes ", Papst Franziskus 2014. Heute gibt es sogar virtuelles Reisen. Das Internet macht es möglich, ohne Koffer, Geld und ohne Hektik Urlaub zu machen, wozu man die eigene Wohnung nicht verlassen muss. Noch intensivere Eindrücke bietet Virtual oder Augmented Reality. Es kann aber mentale Souvenirs nicht ersetzen. Erinnerungen an Reisen sind sehr speziell und schließen oft einen ganzen Strauß von Sinneseindrücken ein (neueste Erkenntnisse der Psychologie). Schon der österreichische Komponist A. Mozart hatte erkannt: "Ohne Reisen ist man ein armseliges Geschöpf". Eine professionelle Auseinandersetzung mit Asien braucht aber beides: Reisen/Aufenthalte (Zugang nicht überall hin frei!) und den richtigen sowie kritischen Umgang mit empirischen  Daten bzw. Informationen. Hier soll diese Asien-Seite Hilfestellung leisten.

Gerade diese Seite wird mittlerweile von Studenten vieler anderer Hochschulen, sogar im Ausland, stark genutzt (insbesondere in Fernstudiengängen und mit Übersetzungsprogrammen). Sie scheint sich hervorragend für Blended Learning zu eignen. Für Hinweise auf Fehler oder Verbesserungsvorschläge bin ich weiterhin sehr dankbar. Gleichzeitig ist die Konzeption dieser Seite eine Prognose: Die Globalisierung hat und wird ihren Schwerpunkt weiter nach Asien verlagern. Ein großer Teil der Globalisierung ist die Dynamik Chinas. Das Land der Mitte wird ökonomisch die führende Macht in der Welt werden (wahrscheinlich zwischen 2026 - 2049; gleichzeitig wird Japan schwächer). Der Handelskrieg mit den USA (ein Symptom des Abstiegs der USA) verlangsamt das Wachstum Chinas nur etwas (insbesondere durch Exportrückgänge).

                                                   Good afternoon                 

                 konnichiwa                                   nin hao

                                                      Buenos dias

Asien (insb. China, Japan) hat folgende Inhaltsangabe: Lage und aktuelle Entwicklungen, Institutionelle Rahmenbedingungen und Wirtschaftspolitik, Wissen, Buchtipps, Autarkie versus Freihandel, Makroökonomische Daten und Spezialpolitik-Bereiche (mit Umwelt, Außenwirtschaft), Management/ Kultur, Unternehmen und FDI, chinesische Unternehmen, japanische Unternehmen, chinesische Digitalunternehmen, Marktanalyse und Marketing, Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und JapanKyoto als Symbol, Ostasien als Teil der Globalisierung, Probleme, Tagungen, Aufenthalte, Theorien und Daten der Globalökonomik, Indien (mit Nachfolge- und Nachbarstaaten), Indonesien, Korea, Malaysia, Thailand, Vietnam. Singapur. Taiwan. Myanmar. Bhutan. Kambodscha. Laos. Philippinen. MaledivenMongolei. Afghanistan. Nepal. Russland/ Türkei/Israel, Iran (Persien), Saudi-Arabien. Fallstudie "Wenn der Drache lahmt", Karl Marx in China, Chinesische Marxismus-Rezeption und Konfuzianismus, Genossenschaftsidee und Japan;  Seidenstraßen - ProjektAnalyse von Wirtschaftsordnungen, Aufstieg der Schwellenländer, Geschichte, Ostasien - Links, Ganzheitliches Denken, Religionen in Asien, Naturphilosophien: Daoismus und Shintoismus, Konfuzianismus in Asien, Interkulturelle Kompetenz mit Asienbezug, KMU und Asien, Indikatoren Asien, Marketing und Asien, Finanzierung und Asien, Arbeit/ Personal und Asien, Themen von Abschlussarbeiten mit Asienbezug, Präsentationen über Ostasien. Wein in China. Das chinesische Kaiserreich und Geschichte Chinas. Geschichte Japans. "Vom Land der aufgehenden zum Land der untergehenden Sonne?": Der langsame Abstieg Japans in einer langen ökonomischen Krise. Was können die EU und Deutschland daraus lernen? 

StichworteTsingtau. Hongkong. Shanghai. Quanzhou. Hangzhou und Suzhou. Shenzhen. Nanjing. Chongqing /Chengdu. Pingyao. Xì´an. Xiong`an. Wukan. Xingtai. Yiwu. Guilin. Qufu. Xinjiang. Zhenjiang. Lanzhou /Gansu/Gelber Fluss. Yangtsekiang/ Zhenjiang. Kaiserkanal. Li-Fluss. Naturraum. Große Mauer. Sommerpalast. Platz des Himmlischen Friedens. Himmelstempel. Verbotene Stadt. Dalai Lama-Effekt. Kommunistische Partei Chinas (KPC). Nationaler Volkskongress. Politisches System. Sozialistische Marktwirtschaft. Masterplan/ Made in China 2025. Staatsfonds CIC. Kaiser in China. Soziale Ordnung im alten China. Horoskop. Mondfest. Friedhof der europäischen Jesuiten in China. Mao Tsedong. Deng Xiaoping. Xi Jinping. John Rabe. Marco Polo. Verhältnis zu Russland. Importmesse in Shanghai. Produktpiraterie. Tee. Zitrusfrucht. Kartoffel. Traditionelle chinesische Medizin (TCM).

Japanische Handwerkskunst. Jin Shin Jyutsu/ Japanisches Heilströmen, Reiki japanische Toiletten. Nara. Kyoto. Tokio. Fuji-san. Dörfer in Japan. Goldener PavillonGeschichte der christlichen Missionierung in Japan. Tributsystem. Samuraiburgen. Meiji-Restauration. Amakudai; Nemawashi; Kuki wo YomuNotenbank, Nikkei-Index, Bankensystem. Siebold. DüsseldorfSake. Tabak. Manga-Bibliotheken. Obdachlose. Japanische Bahn. Japan AG. Lean Production (Toyota Way). Japanischer Markt, Kundenorientierung. Atombomben.

Nach dem Buch der Riten ist die Schildkröte in China eines der vier heiligen Tiere. Sie symbolisiert Kraft, Ausdauer, Festigkeit und langes Leben. Schon früh leitete man von ihr kosmische Bezüge ab (gewölbter Panzer als Versinnbildlichung des Himmelsgewölbes, glatte Unterseite als die auf dem Wasser schwimmende Himmelsscheibe). "Behold the turtle. He makes progress only when he sticks his neck out", James Bryant Conant, 1893-1978, American scientist, president of Harvard University. Als Pflanze und Heilkraut der Unsterblichkeit gilt in China Jiaogulan. Sie gilt als äußerst wertvoll für die Gesundheit und für mehr Lebensenergie.

          Aktuelle Lage und Entwicklungen (Daily news):

"Die Wahrheit in den Fakten suchen", Deng Xiaoping (Schöpfer des modernen, pragmatischen Chinas; 1997 gestorben; 1974 Ministerpräsident, 1977 wurde er wieder stellvertretender Ministerpräsident, 1978 und 1992 stellte er entscheidende Weichen in der Reformpolitik). 1974 reiste er als erster chinesischer Spitzenpolitiker in die USA. Damals konnte China kaum die Reisekosten bezahlen. Das Mitbringsel, eine Puppe, war so billig, dass sich ein Exil-Chinese erbarmte. Folgender Spruch von Deng anlässlich der Eröffnung der ersten Sonderwirtschaftszone Shenzhen 1980 ist auch berühmt: "Lasst den Westwind herein. Reichtum ist ruhmvoll!" Auch folgender Leitsatz ist bekannt geworden: "Verbirg deine Stärke und warte ab".

  China:                  (direkt zu Japan bzw. Sonstige Länder in Asien,

                              ( Indien, Indonesien, Korea, Vietnam, Malaysia,

                              Thailand, Singapur, Taiwan, Myanmar, Bhutan);

                              auch Australien & Wirtschafts-Integrationen)

                                                                                                             

Geschichte: Das in aller Welt gebräuchliche Wort "China" geht auf den Begründer des Kaiserreichs Shao Sheng zurück, der sich als Kaiser Chín Shi Huang ti nannte, nach seinem Herkunftsland Chin. Er vereinigte 221 vor Christus das in sieben Teilreiche zerfallene Land. Er begründete das chinesische Kaisertum, das in dieser Form 2133 Jahre bis zum letzten Kaiser Pu Yi im Jahre 1912 Bestand hatte (die berühmte Terrakotta-Armee (siehe unten) gehört zu den Grabbeigaben des ersten Kaisers. Andererseits war der erste Kaiser unvorstellbar grausam, so dass die Dynastie danach nicht lange Bestand hatte.  Danach kamen als Dynastien die Han, Xin, Jin, Sui, Tang, Song, Yuan, Ming und Qing. In der Ming-Dynastie erreichte der Außenhandel (hauptsächlich über die Seidenstraße) einen Höhepunkt. Porzellan und Seide konnte in Europa noch nicht hergestellt werden. Die Bezeichnung Sinologie - Chinawissenschaft kommt vom griechischen (seres) und lateinischen (serica) für "Land der Seide" vom chinesischen Wort für Seide (si).

Dieses Foto ist in der German-Hall in Xi´an 2012 entstanden. Ein Großteil kann noch nicht ausgegraben werden, weil bei Sauerstoff-Kontakt die Farben sofort verfallen. Xi´an war die erste chinesische Kaiserstadt, dann folgt Nanjing (erster Ming-Kaiser, Stadt auch durch die Geschehnisse um John Raabe bekannt; viele deutsche Unternehmen). Seit der Ming-Dynastie (3. Kaiser) und in der Qing-Dynastie (Mandschu) ist Beijing (Hauptstadt im Norden) das Machtzentrum. Heute spricht man von der Mao-Dynastie.

Der größte Kaiser war wahrscheinlich der Ming-Kaiser Yongle (aber auch alkoholabhängig und dann grausam). Die Chinesen selbst nennen ihr Land Zhongguo = Reich der Mitte. Deguo = Deutschland ist das Land der Tugend. Das Hochchinesische "Mandarin" nennen die Chinesen Putonghua  (Allgemeine Sprache) , Zhongwen (Chinesische Sprache) oder Guoyu (Nationalsprache). Das alte, kaiserliche China sah sich als ein Reich, das "alles unter dem Himmel" ist (Tianxia, aus tian-Himmel und xia-darunter).  Die Farbe "Gelb" wurde erst im neunzehnten Jahrhundert den Chinesen zugeschrieben. Damals entstanden die Rassenlehren in Europa. Ursprünglich war "gelb" nur dem Kaiser in China als Farbe vorbehalten. Leute durften weder Gelb noch  Gold verwenden. Der Kaiser nannte sich unter anderem auch "Wan sui ye´" (ein Herr über zehntausend Jahre). Die Kaiser hatten eine hervorragende Infrastruktur aufgebaut (Straßen, Kanäle). Im 15. Jahrhundert hatte China die größte Flotte der Welt ("Schatzflotte"). Burma, Korea und Vietnam gehörten praktisch zu China. Die anderen Nachbarstaaten waren in einer Tributgemeinschaft. Erst 1949 wurde die VR China nach längerer kolonialer Vergangenheit von Mao wieder geeint (nach dem langen Marsch). Ab 1982 öffnete Deng das Land wieder nach außen. Der Untergang der Sowjetunion 1989 ist China ein warnendes Beispiel.

1958 war die Umschrift mit lateinischen Buchstaben fertig. Sie wurde Pinyin genannt. Schöpfer war Zhou Youguang. Er war Wirtschaftsprofessor in Shanghai.  Er war 50 Jahre alt, als ihn der Auftrag ereilte. Zhou schrieb auch ein Buch über die Vorteile von Buchstabenschriften beim Spracherwerb. Seit Jahrzehnten lernen chinesische Kinder und Menschen in aller Welt mit seinem System. Zhou lebt noch 2014 mit 108 Jahren in Peking bei seinem Sohn (Zitat: "Mao Zedong hat Mist gebaut"). Die Chinesen verfügen wahrscheinlich auch über die älteste Schrift der Welt. Sie entstand am Hohang-ho, am Gelben Fluss. Das war um 6.600 v. Chr.. Die Schrift hieß Jiahu - Schrift.

Heute, etwa 2017,  hat China nach 40 Jahren atemberaubenden Aufstiegs die Stellung einer Supermacht und damit wieder die Rolle zur Zeit Yongles in Asien und der Welt. Aber das Ende der Aufwärtsentwicklung der politischen, ökonomischen und technologischen Supermacht ist noch nicht erreicht. Spätestens 2050 wird China einsam an der Spitze stehen.  Vgl. auch Geschichte Chinas.

Konjunktur:  Im April 2019 kommt es zu einem Exporteinbruch (2,7% binnen Jahresfrist). Im März 2019 sind die Exporte wieder unerwartet gestiegen (14,2% zum Vormonat, auch saisonaler Effekt des Neujahrsfestes im Februar). China senkt seine Wachstumsziele für 2019 (6,0 bis 6,5%; IWF geht von 6,3% aus). Die Industrieproduktion ist im Januar und Februar 2019 nur um 5,3% gewachsen (schwächstes Wachstum seit 17 Jahren, Export bricht auch ein, Quelle: Nationales Statistikamt, März 2019).  Die Gewinne in der Industrie wachsen 2018 auch langsamer (nur noch 861 Mrd. € Überschuss, Quelle:  Statistikamt, insgesamt ist die Wirtschaft 2018 um 6,6% gewachsen). Ende 2018 gehen die Exporte um 4,4% gegenüber dem Vormonat zurück. Im dritten Quartal 2018 scheint der Handelsstreit mit den USA das Land doch zu bremsen (6,5%).  Es mehren sich Ende 2018 die Anzeichen, dass der Handelskrieg Chinas Wirtschaft bremst.  Im April 2018 steigt der Außenhandel noch kräftig an: 12,9% wuchsen die Exporte (Vorwegnahme?). Die Importe stiegen um 21,5%. Das mitten im Handelsstreit mit den USA. Für das 2.Quartal 2018 wird allerdings nur mit einem Wachstum des BIP von 6,7% gerechnet.  2017 droht Chinas Wirtschaft eine Flaute (steigende Staatsverschuldung, Zinswende in den USA; Überprüfung der Handelspolitik in den USA). Doch es kommt anders: das chinesische Wachstum ist erstmals seit sieben Jahren höher ausgefallen als im Vorjahr (6,9%).  Im Juni 2016 gehen Chinas Exporte um -4,8% zurück. Die Exporte wachsen langsamer als erwartet (Juli 2017: 7,2% gegenüber dem Vorjahresmonat; Importe +11%; August nur 5,5% gegenüber Vormonat). Doch Daten aus dem Ende 2016 zeigen China überraschend robust (Erzeugerpreise, Verbraucherpreise). Im ersten Quartal 2017 wächst die Wirtschaft sogar um 6,9% (allerdings hat Immobilienboom stark beigetragen). Im ersten und zweiten Quartal 2016 betrug das Wachstum 6,7% (niedrigster Wert seit 2009; Experten zweifeln diese Zahl noch an). Xu Shaoshi, Chinas oberster Wirtschaftsplaner, rechnet für 2016 mit 6,7% Wachstum. Im März 2016 haben erstmals wieder die Exporte zugelegt nach langer Durststrecke (halbes Jahr, 11,5% zum Vorjahresmonat). Im Oktober 2016 brechen die Exporte wieder ein (minus 7,3%). Das geht auf eine maue Weltwirtschaft zurück. Direkt zu Beginn des Jahres 2016 gibt es weitere Einbrüche am Aktienmarkt in Shanghai wegen des Rückgangs der Industrieproduktion (hohe Volatilitäten auch am Devisenmarkt). In den ersten zwei Monaten des Jahres 2016 sinkt die Industrieproduktion auf das niedrigste Niveau seit der Finanzkrise 2008. Die Wirtschaft verlor schon 2015 an Dynamik (das Wirtschaftswunder scheint dem Ende entgegen zu gehen; das Wachstumsziel für die nächsten Jahre wird auf 6,5% gekappt; die Industrieproduktion geht im Dezember 2015 im fünften Monat in Folge zurück). Ende Juni 2015 senkt die Zentralbank die Leitzinsen erneut, um die Konjunktur anzukurbeln (um 25 Basispunkte auf 4,85 %; vierte Reduzierung seit November 2014). Am 25.08.15 gibt es sogar eine weitere Senkung des Leitzinses auf 4,6%. Die Regierung steuert mit Steuersenkungen, Mehrausgaben und lockerer Geldpolitik dagegen. Der Hauptgrund für Rückgänge bei den Gewinnen sind sinkende Preise (Unternehmen versuchen mit hohen Rabatten ihre Marktposition zu verteidigen). Der Aktienmarkt ist hoch volatil (Blase in Shanghai; die größten 21 Broker stemmen sich gegen den Kurssturz; zuletzt muss der Staat eingreifen und Unternehmen aus dem Markt nehmen; am 27.07.15 weiterer Einbruch um 8%). Der nächste Einbruch ist am 24.08.15 um 8,5%. Dreimal wertet die PBoC den Yuan ab, um die Exporte anzuregen. Diese sind im Juli 2015 um -8,3% zum Vorjahresmonat eingebrochen (Staatliches Amt für Statistik China). 2014 und Anfang 2015 kommt die Wirtschaft trotz guter Exportquoten nicht in Schwung. Im ersten Quartal 2015 betrug das Wachstum nur 7% (vergleichbar 2009 nach der Finanzkrise 66,6%). Das Wirtschaftswachstum betrug 7,4% für 2014 (3. Quartal 7,3%; kleinere Firmen haben Probleme). Für 2015 werden nur noch 7% Wachstum erwartet (Renminbi vor Abwertung, Importe brechen ein, Bankenkrise, möglicher Immobiliencrash, "allgemeine gesellschaftliche Erstarrung"; 7% auch Prognose beim Volkskongress im März 2015). Das wäre das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert. Die Lage in China könnte die Wirtschaft weltweit beeinträchtigen. Im Februar 2014 brechen die Exporte sogar ein (-18,1%). Auch im März 14 sinken die Exporte um 6,6%, die Importe sogar um -11,3%. Im Mai 2014 wächst die Wirtschaft wieder wie seit fünf Monaten nicht mehr. Der Staat kurbelt die Konjunktur an. Das geringe Wachstum ist aber staatlich gewollt, weil die Wirtschaft neu strukturiert werden soll. Evtl. können doch 7,5% Wachstum erreicht werden (Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz legen spürbar zu; offizielle Prognose des Statistikamtes). Im zweiten Quartal 2014 lag das Wachstum schon bei 7,5%. Die Immobilienblase könnte platzen und das Land hätte seine eigene Finanzkrise. Die strukturellen Probleme und der Raubbau an der Natur rächen sich. Chinas Wirtschaft wächst Ende 2013 wieder schneller (Industrieproduktion November +10,1%; Dezember +10,3%) und gewinnt Anfang und Mitte 2013 an Zugkraft. Die Exporte sind im Februar 2013 im Vergleich zum Vorjahresmonat sprunghaft um mehr  20% gestiegen. Im Mai wachsen sie allerdings nur noch um 1%; im Juni gehen sie um 3,1% zurück. Die Wirtschaft wächst im ersten Quartal um vergleichsweise schwache 7,7%, im zweiten Quartal nur um 7,5% (schwächster Wert seit 22 Jahren). Im August 2013 steigen die Exporte unerwartet stark um 7,2% (in die südostasiatischen Länder um über 30%). Das Land leidet 2013 aber auch an einer Finanzblase (absurde Bauprojekte, riskante Anlagen); die Löhne steigen relativ stark an. Die neue Regierung will den Konsum ankurbeln (damit sänke die Sparquote und der Handelsbilanzüberschuss). Im dritten Quartal 2012 fällt das Wachstum auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren (große Überkapazitäten in der Stahlbranche). Im zweiten Quartal 2012 fällt die Wachstumsrate auf 7,6%. Auch die Inflation geht stark zurück, so dass sogar eine Deflation droht. Der Staat versucht, sich dagegen zu stemmen (kritische Schwelle 8%). Ein Mega-Konjunkturprogramm zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und gegen Arbeitslosigkeit wurde eingeleitet (885 Mrd. €). Fehlinvestitionen sollen aber vermieden werden (nicht Immobilien, sondern Schienen, Straßen und Kraftwerke). Die Zentralbank senkt im Juli die Zinsen weiter und lockerte die Mindestreserveanforderungen. Im ersten Quartal 2011 läuft die Wirtschaft noch heiß. Im dritten Quartal 2011 schwächt sich das Wachstum auf 9,1% ab, im vierten Quartal auf 8,9%. Das Wachstum flaut auch in China ab. Die Industrie schrumpft auch im Dezember. Insgesamt wird  9,2 % Wachstum für 2011 erreicht (2012 etwa 8%-8,5%, im März 12 auf 7,5% korrigiert, Weltbank-Prognose 8,2%). Die Inflation steigt auf den höchsten Stand seit 2008 (5,4%). Dann flaut die Wirtschaft, insbesondere die Produktion,  etwas ab (schlechte Nachfrage aus USA, Geldpolitik). Die wegen der Inflation harte Geldpolitik soll gelockert werden wegen einer Abschwächung der Weltwirtschaft. So ergibt sich Ende 2011 eine Stopp- (Leitzins und Mindestreservesatz erhöht) und Go-Politik (Verteilung von Geld und Krediten durch den Staat). Anfang 2012 wächst der Außenhandel deutlich langsamer. Der Mindestreservesatz wird im Februar 2012 wieder auf 20,5% gesenkt, um "eine harte Landung zu verhindern". Im Mai 2012 legen die Exporte wieder deutlich zu (+15,3%). Im ersten Quartal 2010 lag das Wirtschaftswachstum bei 11,9% (vor allem durch den Privaten Konsum getragen). Im Mai steigen die Exporte um 49% (Februar 2010 steigen die Exporte um 45,7%, die Importe um 44,7%). Chinas Importe wachsen im Herbst 2011 schneller als die Exporte (Wachstum aus eigener Kraft). Die Industrieproduktion stieg um 21%. Im März gibt es erstmals wieder einen Importüberschuss (7,24 Mrd. $, wegen Konjunkturprogramm). Allerdings steigt auch die Inflation um +2,7%. Dies zeigt China insgesamt als Gewinner der Krise und zunehmend als Anker der Weltwirtschaft. Allerdings gibt es 2010 auch Warnsignale für einen Crash an den Finanzmärkten (vor allem Immobilienmarkt, es könnte ein Preissturz kommen, es könnten Unruhen drohen). Damit zusammenhängend ist ein gewaltiger Bauboom. Mitte 2010 verdichten sich die Indikatoren für einen Zusammenbruch des Immobilienmarktes. Dieser würde auch die Banken mit in den Abgrund ziehen. Indizes deuten Mitte 2010 auch auf sinkende Produktion und Exporte (Auslaufen Konjunkturprogramme, Einschränkung der Kreditvergabe). Von Januar bis Juli 2008 ging der Außenhandelsüberschuss noch um 9,6% zurück (immer noch 123,7 Mrd. $). Im November 08 brechen die Exporte dramatisch ein (erstmals seit sieben Jahren Rückgang, -2,2%). 2009 wurden bis August 23,4% weniger exportiert als letztes Jahr. Noch schlimmer ist der Einbruch im ersten Quartal 09. So stellt sich im März 2010 erstmals seit sechs Jahren ein Handelsdefizit heraus. Von April bis Juni 09 wuchs die Wirtschaft allerdings wieder um 7,9%, für das Jahr 2009 beträgt das Wachstum 9,1% (letztes Quartal 10,7%). Die Produktion ist danach gegenüber dem Vorjahr um 12,3% gestiegen. Würde das Wirtschaftswachstum unter 8% betragen, wäre höhere Arbeitslosigkeit die Folge, man braucht mindestens 8%; geringstes Wachstum seit 17 Jahren; immerhin als einzige der großen Volkswirtschaften noch relativ hohes Wachstum mit 8,7% 2010. Die Krise trifft Exportfirmen und mittelgroße Firmen besonders hart. Die Regierung macht im Herbst 2008 ein Konjunkturprogramm . Mit weiteren großen Ausgabenprogrammen, die die Sozialversicherung und den Finanzsektor weiter ausbauen, sollen die Sparquote gesenkt und der Konsum angeregt werden. Der Konsumanreiz gelingt 2009 nicht wie erhofft. Ab Juni 2009 ist wieder ein Zuwachs der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe zu beobachten (schon im ersten Halbjahr hat die Produktion wieder um 7% zugelegt). Durch die Bindung an den Dollar profitiert China bei den Exporten. Der Stahlboom hält an, China scheint über Bedarf zu produzieren. Es drohen Überkapazitäten und eine Überflutung der Märkte mit Billigprodukten. Auf dem Immobilienmarkt droht einen Überhitzung. Der Staat drosselt die Kreditvergabe der Banken. "Wenn China bebt, erzittert die Welt", Alain Peyrefitte, 1973.  Seit Oktober 2007 hat der Shanghai-Index rund 60% verloren. In Folge der Hypothekenkrise in den USA kommt es zu weiteren Kurseinbrüchen. Am stärksten am 21. 01.08 (größter Abfall seit 11.09.01). Nach der amerikanischen Leitzinssenkung durch die Fed um drei Viertel Prozentpunkte begann eine Berg- und Talfahrt an den asiatischen Aktienmärkten (-26% Hang Seng gegenüber dem Höchststand 2007, CSI Shanghai 2008 -30%). Weitere dramatische Kurseinbrüche gibt es nach der Pleite von Lehman Brothers. Ebenso nach Ablehnungen des Rettungspakets in den USA (auch Nikkei, Sensex) und am 06.10.08 (Einbruch beim Hang Seng). 2008 verzeichnet der MSCI China Index einen Rekordverlust von 53%. Im ersten Quartal 2009 steigt er um 50%! Mitte 2009 herrscht wieder Euphorie und die Kurse steigen weiter (bis Mitte 2009 ca. 50%). Am 19.08.09 kommt es zu einem Einbruch. In China könnte vor einer Situation wie Japan in den Neunziger Jahren stehen. Die Zinsen werden mehrmals gesenkt. Im März 2007 bricht der Handelsüberschuss ein. China verdrängt 2006 Deutschland von der dritten Stelle der Automobilproduzenten (hinter den USA und Japan, das wohl 2007 überholt wird). 2006 wächst der Autoabsatz um 40%. Die Regierung setzt seit 2006 auf einen Wqchstumskurs mit mehr Konsum und weniger Exporte. Die heimische Nachfrage soll den Exportrückgang auffangen. Die Regierung schnürt im November 2008 ein Konjunkturprogramm in Höhe von 450 Mrd. $, das vor allem der Infrastruktur zugute kommen soll. Durch die Initiativen lokaler Regierungen wuchs es auf 1,2 Bill. €. Im März 2009 wird das Programm noch erweitert (465 Mrd. € werden bereitgehalten). Es herrscht die größte Energieknappheit seit 20 Jahren, es droht eine Trinkwasserkrise; das starke Wirtschaftswachstum bedroht insgesamt die Umwelt. China kümmert sich verstärkt um Afrika: bis 2010 soll der Handel auf 100 Mrd. $ verdoppelt werden; China ist besonders an Rohstoffen interessiert. Ende Januar 2007 besucht Hu Jintao zum 2. Mal binnen eines Jahres den Kontinent (mit 3 Mrd. $ Krediten). "China hat anderen Ländern nie seinen Willen aufgezwungen und wird das auch in Zukunft nicht tun", Hu Jintao zu dem Vorwurf, sein Land wolle Afrika kolonialisieren. 2007 rückt China an die 2. Stelle der Exportländer und wird voraussichtlich 2009 Deutschland als Exportweltmeister ablösen. Befristete Sonderangebote werden wegen Tod durch Drängelei verboten. Der Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft ruft kurz vor Beginn der Olympischen Spiele zu einem fairen und vertrauensvollen Umgang der Deutschen mit China auf. Bei einem Besuch von Wirtschaftsminister Gabriel in China im Juli 2015 wird eine Absichtserklärung über eine engere Kooperation der Industrie unterzeichnet (mit Industrieminister Miao Wei). Ende Mai 2017 senkt erstmals seit 1989 die Ratingagentur Moody´s die Kreditwürdigkeit Chinas (von Aa3 auf A1). Ende Mai 2017 besucht der chinesische Premierminister Li Keqiang Deutschland (China ist wichtigster Handelspartner als Einzelland). Am 01.06.17 gibt es einen Wirtschaftsgipfel zwischen EU und China in Brüssel. Gemeinsam lehnen sie Trumps Isolationspolitik ab. Das nächste Gipfeltreffen zwischen der EU und China findet am 16.07.18 in Peking statt. Es wird ein Wirtschaftsabkommen beschlossen. "China überspringt gerade mehrere Entwicklungsstufen, für die Europa Jahrzehnte brauchte", Jürgen Hambrecht, vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses und BASF.

Gesellschaft, Politik und Reformen: Der steigende Reformstress und der wachsende Abstand zwischen Armen und Reichen führt zu einer wachsenden Zahl gewaltsamer Auseinandersetzungen, vor allem in den armen Provinzen (z. B. in Donzhou: 20 Tote bei Protest gegen Enteignung für ein Windkraftwerk, zum Ausgleich fehlt ein funktionierendes Rechtssystem),  das Einkommen der Bauern hält dem schnellen Wachstum nicht stand, Wanderarbeiter sterben zu Tausenden (weniger als 20% aller Erwerbstätigen sind in einer Sozialversicherung). Chinas Bergwerke sind die gefährlichsten der Welt. Ein schweres Unglück ist im November 2009 mit 104 Toten. Das letzte schwere Unglück ist im April 2010 in der Provinz Shanxi. 115 Kumpel können gerettet werden. Vom 15. 10. - 20. 10. 07 fand der 17. Parteitag der KPC statt, wo die Richtlinien für die zukünftige Politik aufgestellt werden.  Das "blinde Wachstum" soll beendet werden (gerechtere Verteilung des Wohlstands und mehr Umweltschutz). Außerdem konnte Hu Jintao mehr Anhänger in den ständigen Ausschuss des Politbüros (9 Mitglieder) hineinholen . Ab 5. März 2007 fand der Nationale Volkskongress für 10 Tage statt, auf dem knapp 3000 Delegierte den 5-Jahresplan beschlossen (Vorsitzender: Wu Bangguo).  Es ging u. a. um ein umweltfreundliches Wirtschaftswachstum (Energie sparen, geringere Verschmutzung), mehr Gerechtigkeit und ein neues Eigentumsrecht. Bis Mitte März 2008 findet wieder der Nationale Volkskongress statt. Die Regierung soll transparenter werden: die 28 Ministerien, 37 Zentralbehörden und 29 Koordinationsstellen sollen transparenter und verringert werden. Xi Jinping, auch Präsident der Parteihochschule, soll zum stellvertretenden Staatspräsident gewählt werden, Li Keqiang zum stellvertretenden Ministerpräsidenten. Vom 05.03. bis 19.03.2009 berät der Nationale Volkskongress über die Wirtschaftskrise. Die steigende Arbeitslosigkeit schürt die Furcht vor Unruhen. Auf dem am 05.03.10 beginnenden Volkskongress wird versucht, den Immobilienmarkt abzukühlen. Der überhitzte Immobilienmarkt ist die Schattenseite des Booms. Mao-Nachfolger Hua Guofeng starb im August 2008. Auch China beteiligt sich mit zwei Zerstörern an der Piratenjagd vor Somalia (erstmals seit 200 Jahren außerhalb Chinas). Bei einem Besuch der US-Außenministerin Hillary Clinton in China im Februar 2009 vereinbaren beide Länder mehr Kooperation in der Wirtschaftspolitik. Im Frühjahr 2009 will sich China in europäische Firmen einkaufen. Mitte März 2011 beschließt der Volkskongress wieder einen neuen Fünfjahresplan: 1,5 Billionen Dollar werden in die Schlüsselindustrien investiert (Erneuerbare Energien, Informationstechnologie, Elektroautos). 45 Flughäfen werden gebaut.  "...Und wenn sie ihre Bäume rot anstreichen, können wir das zwar komisch finden, die kulturellen Unterschiede sollten wir bei der Beurteilung dieser Spiele aber nicht vergessen, Jochen Zeitz, Puma, im Handelsblatt Nr. 163, 22.08.08, S. 7.

In China gibt es mittlerweile 300.000 Dollar-Millionäre und 64 Dollar-Milliardäre (2010, Forbes). Anwohner sollen die chinesische Mauer vor Vandalismus schützen. Anlässlich der Olympischen Spiele hat die KP im Sommer 2006 eine Benimm-Kampagne für Chinesen gestartet. Sie richtet sich an Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und an Manager von Staatsbetrieben. Über 2 Mio. Menschen wurden wegen der Spiele umgesiedelt. Ca. 45% aller in China verkauften Bücher, Filme, CDs und Computerprogramme sind Raubkopien (Xinhua). Die Kontrolle ausländischer Presseagenturen wird verschärft (Xinhua hat Vorzensur).  Für Olympia 2008 wird auf Zeit die Pressefreiheit gelockert. 2005 übernachteten ca. 850.000 Chinesen in Deutschland (70-80 Mio. können sich eine Auslandsreise leisten). Michael Schäfer wird neuer deutscher Botschafter in China. Die chinesische Führung stockt 2007 ihre Truppen im muslimischen Gebiet "Xinjiang" auf in der Furcht vor Unruhen. China stoppt den Organ-Tourismus 2007 (2005 zwischen 15.000 und 20.000 Organverpflanzungen bei Ausländern für durchschnittlich 60.000€). Ende März 2007 besucht der chinesische Präsident Hu Jintao Russland, das ein wichtiger Energielieferant ist (strategische Partnerschaft bei Öl und Gas). Ende Mai 2007 besucht Bundespräsident Köhler China: die Zusammenarbeit in Wirtschaft, Umweltschutz, Energie und Kultur soll verstärkt werden. Die chinesische Polizei zerschlägt 2007 einige Menschenhändlerringe, die auch Kinder als Sklaven gehalten haben. Am 01.07.07 feiern Hongkong und China den 10. Jahrestag der SVZ ("Ein Land, zwei Systeme"). Der Chef der Aufsichtsbehörde Für Lebensmittel und Arzneien Zheng Xiaoyu wurde Mitte 2007 hingerichtet. Angesichts drastisch steigender Lebensmittelpreise, insbesondere von Fleisch, fürchtet die Regierung im Sommer 2007 soziale Unruhen. Bei ihrem China-Besuch Ende August 2007 mahnt die Bundeskanzlerin die Einhaltung der internationalen Spielregeln an. Ende August werden 5 Minister ausgewechselt. Der Dalai-Lama-Besuch im Kanzleramt bei Frau Merkel erzürnt die Regierung in Peking, sie sagt mehrere Gesprächstermine ab. (Die Bundesregierung unterstützt das Autonomiestreben Tibets). Auch die Imagekampagne "Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung", die drei Jahre laufen sollte, ist ins Stocken geraten. Am 28.11.07 fand der EU - China - Gipfel in Peking statt. Erst im Januar 2008 wird die diplomatische Krise zwischen Deutschland und China beendet. Ende Januar 2008 zum Frühlingsfest wird China von der größten Schneekatastrophe seit Jahrzehnten heimgesucht (Schäden in Höhe von 5 Mrd. €). Demonstrationen und Proteste  in Tibet (Autonomie, Religionsfreiheit) im März 2008 werden gewaltsam niedergeschlagen. Die Unruhen greifen auch auf andere Provinzen über. Der Dalai Lama spricht von "kulturellem Völkermord". China lehnt den Dialog mit dem Dalai Lama ab. Zehntausende ausländische Studenten müssen während der Olympischen Spiele das Land verlassen. Auch Geschäftsvisa aus Hongkong werden verschärft. Am 12. Mai 2008 gibt es ein schweres Erdbeben in der Provinz Sichuan (über 70.000 Tote). Zerstört wurde auch das Venedig des Ostens Dujiangyan, das zu den drei Weltwundern der chinesischen Antike zählt. Der Wiederaufbau dürfte insgesamt mindestens drei Jahre dauern und ca. 500 Mrd. Yuan (50 Mrd. €) kosten. Deutschland leistet Hilfe durch mobile Krankenhäuser und den Wiederaufbau von Schulen. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi erklärt die Beziehungen offiziell wieder für normal. Im April 2010 gibt es ein schweres Erdbeben in der Provinz Qinghai (12.00 Verletzte, 100.000 Menschen ohne Wohnung). Vor den Olympischen Spielen legt die Regierung das Programm "soziale Harmonie und Stabilität schützen" auf, um gegen Kritiker in den Provinzen vorzugehen. In West-China führen die Uiguren mehrere Attentate durch. Die auch für die internationale Presse verhängte Internetzensur wird kurz vor Beginn der Spiele gelockert. Die Spiele wurden am 08.08. 2008 eröffnet. Nach dem Ende der Paralympics wird das Fahrverbot einzelner Tage in Peking beibehalten. Eine Chemikalie (meist Melamin) im Milchpulver verschiedener Hersteller (20 Firmen) macht in China über 50.000 Kinder krank.  Der Chef der Qualitätskontrolle tritt zurück. Deutsches Milchpulver soll den Bedarf decken. China lässt Ende Nov. 08 den China- EU-Gipfel platzen, weil Sarkozy den Dalai Lama treffen will. 2009 wird ein neuer "Gedenktag der Befreiung der Leibeigenschaft" der Tibeter vor 50 Jahren verkündigt (Propaganda: das Gute soll das viele Schlechte in Begleitung der gewaltsamen Kollektivierung übertünchen). Dieser Gedenktag der Machtübernahme in Tibet vor 50 Jahren wird am 28. März 09 gefeiert. Die chinesische Regierung veröffentlicht im April 2009 einen Aktionsplan für Menschenrechte (stärkerer Rechtsschutz, Einkommensverbesserungen, erweiterte Möglichkeiten für Rechtsbeschwerden). Die geheimen Memoiren vom ehemaligen KP-Chef Zhao Ziyang über die Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 geben tiefe Einblicke in die Struktur der KPC. Der wichtigste Dissident Chinas Bao Tong gibt am 18. Mai 09 ein viel beachtetes Interview im Handelsblatt. Ende Juni 2009 kommt es zu schweren Unruhen in der zentralchinesischen Provinz Hubei. Im Juli kommen bei Unruhen von Uiguren in der westchinesischen Provinz Xinjiang über 200 Menschen ums Leben (die muslimischen Uiguren fühlen sich von den Han-Chinesen unterdrückt, es gibt später 200 Gerichtsverfahren). Vor dem 60. Geburtstag der Staatsgründung am 01. 10. wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt (Ausländer nicht nach Tibet, Ring um Peking, strenge Kontrolle). Die Feierlichkeiten wurden mit einer gewaltigen Parade begangen. Der Ehrenpräsident des chinesischen PEN-Clubs, Liu Xiaobo, muss elf Jahre ins Gefängnis. Ende 2009 wird das Grab des legendären Herrschers Cao Cao bei der Stadt Anyang in der Provinz Henan entdeckt. 2010 will sich Google aus China zurückziehen wegen der Zensur. Peking droht den USA mit Sanktionen wegen der Waffenlieferungen an Taiwan. Der private Empfang des Dalai Lama bei Obama belastet die Beziehungen weiter. Im Süden Chinas wurden Mitte 2010 1,4 Mio. Menschen wegen einer drohenden Hochwasserkatastrophe evakuiert. Beim Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in China im Juli 2010 sollen die Beziehungen beider Länder auf eine völlig neue Ebene gestellt werden (Zusammenarbeit bei der Reform der Finanzmärkte und beim Kampf gegen Klimawandel). Im September 2010 löst Premier Wen Jiabao in der Staatsspitze einen Streit über die Zukunft der Reformpolitik aus ("Donner ohne Regen"?). 2010 bestimmt China den zukünftigen Partei- und Staatschef: Xi Jinping. Auf den Friedensnobelpreis an Liu Xiabao reagiert die chinesische Führung hysterisch und erfindet sogar einen Gegennobelpreis, den Konfuziuspreis. Ende 2010 startet der oberste Korruptionsbekämpfer Wu Yuliang eine neue Kampagne gegen "Extravaganz und Verschwendung". Verschwenderische Exzesse der Spitzenfunktionäre kosten Milliarden. Im Januar 2011 besucht Chinas Präsident Hu Jintao die USA. 2011 wird die Todesstrafe für zahlreiche Verbrechen abgeschafft. Im April 2011 wird der Künstler Ai Weiwei verhaftet (Wirtschaftsverbrechen lautet die Anschuldigung). Vor dem Deutschland -Besuch der Regierung wird er freigelassen zusammen mit dem Menschenrechtsaktivisten Hu Jia. Beim Besuch werden Wirtschaftsverträge in Höhe von 10,6 Mrd. € unterzeichnet. Jeder 50. ausländische Tourist kommt mittlerweile aus China. 2012 bekommt China wahrscheinlich eine neue Doppelspitze: Xi Jinping und Li Keqiang. Im Februar 2012 besucht die Bundeskanzlerin Merkel China (fünfte Mal als Kanzlerin, Hilfe bei der EU-Schuldenkrise, Werbung für chinesische Direktinvestitionen in D.). Am 05.03.12 beginnt wie jedes Jahr der Volkskongress in der Großen Halle des Volkes in Peking (3000 Mitglieder). In den mittleren und niedrigen Gehaltsgruppen soll das Einkommen erhöht werden, um die Binnenkonjunktur zu stärken. Die Abhängigkeit vom Außenhandel soll verringert werden. Es wird ein neues Gesetz für Geheimarrest beschlossen. Im Herbst 2012 ist dann der Kongress der Kommunistischen Partei, bei dem die neue Parteiführung gekürt wird. Der Vorsitzende der KPC in der Metropole Chongqing ist im März 2012 seines Amtes enthoben worden (Bo Xilei, er galt als kommender Star, Sohn eines der "acht Unsterblichen"). Angeklagt wird seine Frau. Im September 2012 wird Bo aus allen Parteiämtern ausgeschlossen (vom Parteikongress im Herbst 2012 bestätigt; auch Ausschluss von Liu Zhijun). Im September 2013 wird Bo zu lebenslänglich verurteilt. Im April 2012 flüchtet der Regimekritiker Chen in die amerikanische Botschaft in Peking, verlässt sie zu einem Klinikaufenthalt. Er kann die USA ausreisen. Im Mai 2012 weist China erstmals seit 14 Jahren wieder die Journalistin Melissa Chan von Al Jazeera aus. Im August 2012 tagt die gesamte Führungselite der KPC in Beidaihe (Badeort 100km östlich von Peking). Von heftigen Machtkämpfen wird berichtet. Ende August 2012 besucht die Bundeskanzlerin Merkel zum sechsten Mal in ihrer Amtszeit China (regelmäßige Regierungskonsultationen nur mit 6 Ländern, Wirtschaftsverträge im Volumen von 4,8 Mrd. €). Im September 2012 ist der künftige Staatschef Xi Jinping für längere Zeit verschwunden. Er taucht wieder auf (es gibt in China Gerüchte über einen Putschversuch seines ärgsten Widersachers). Der chinesische Schriftsteller Mo Yan bekommt den Literaturnobelpreis 2012. Er verteidigt in der Folgezeit die Zensurpolitik Chinas und gerät immer mehr in die Kritik. Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu erhält den Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2012 (vier Jahre wegen eines Gedichts im Gefängnis, lebt seit 2011 in Berlin). Ende Oktober tauchen im Internet Informationen über die Vermögensverhältnisse von Premierminister Wen Jiabao auf: Milliardär (2,1 Mrd. €), Familie in Führungspositionen. In China werden die Seiten gesperrt; die Familie dementiert (wahrscheinlich zum Teil US-Propaganda). Der zukünftige Premier Li Keqiang ist der erste Wirtschaftswissenschaftler an der Spitze. Der 18. Parteitag mit 2200 Delegierten wählt im November 2012 die neue Führungsspitze. Weitere Themen: Korruption und stärkere Binnenmarkt-Orientierung. Auf neuen chinesischen Reisepässen werden schon Gebiete der Volksrepublik zugerechnet, die andere Länder als ihr Territorium betrachten. Beim zehntätigen Volkskongress 2013 (2978 Abgeordnete) , der am 05.03. beginnt wird der Machtwechsel vollzogen. Xi Jinping wird auch zum neuen Präsidenten gewählt. Li Keqiang wird zum Ministerpräsidenten ernannt. Die Themen sind die gleichen geblieben (Gegensatz zwischen Arm und Reich/ Wohlstandsgefälle, Korruption, Umweltverschmutzung, Verschuldung der Kommunen/ Fehlinvestitionen, Demokratisierung, Immobilienpreise in den Zentren). Ein Erdbeben im Südwesten Chinas (Provinz Sichuan, Region Ya ´an (eine Geburtsstätte der Teekultur, Panda-Bären-Zentrum), 140 km von Provinzhauptstadt Chengdu) richtet im April 2013 großen Schaden an. Über 150 Menschen sterben, über 5500 werden verletzt. Im Mai 2013 wird der Vizechef der Zentralen Planungsbehörde wegen Korruption entlassen. Im September 2013 befreit die Polizei 92 Kinder aus der Hand von Menschenhändlern (einträgliches Geschäft bei der Ein-Kind-Politik). Mitte November tagt in Peking das "Dritte Plenum des 18. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei" (376 mächtigsten Männer und Frauen Chinas). Es sollen umfassende Reformen beschlossen werden. In den letzten Jahren war die Wirtschaftspolitik zu stark auf Großunternehmen und den Export ausgerichtet. Die Umwelt leidet, gigantische Überkapazitäten wurden aufgebaut. Dies ist auch auf die lokalen Kader zurückzuführen, die die vollständige Kontrolle über Unternehmen und Investitionen behalten wollen. Folgende Richtungen werden vorgegeben: 1. Weniger Staat, mehr Markt; 2. Weniger Export, mehr Binnenkonsum; 3. Mehr Rechte für die Landbewohner. 4. Lockerung der Ein-Kind-Politik und Abschaffung der Umerziehungslager. Ende 2013 feiert China den 120. Geburtstag von Mao (vor 37 Jahren verstorben). Es läuft eine 30-teilge Serie im Fernsehen; eine Statue in Gold wird enthüllt. Offshore-Leaks enthüllt im Januar 2014, dass ein Großteil der Parteielite Billionen Dollar in karibischen Steueroasen bunkert. In der Stadt Kunming in der südwestchinesischen Provinz Yunnan richten zehn schwarz gekleidete Menschen mit Messern im März 2014 ein Blutbad an (33 Tote, alle Täter werden gefasst, wahrscheinlich uigurische Separatisten). Am 05.03.14 wird der Nationale Volkskongress in Peking eröffnet. Der Militärhaushaushalt wird massiv aufgerüstet (+12,2%; +96 Mrd. €; aber unter 1,4% am BIP; weltweiter Durchschnitt 3%); aber man will sich weiterhin außenpolitisch zurückhalten. Ein Schwerpunkt des Kongresses ist die Umweltsituation in den Großstädten, insbesondere in Peking. Die Industrie wird als Verursacher ausgemacht und soll Strafgebühren zahlen. Im März 2014 reist die US-Präsidentengattin mit Töchtern und Mutter eine Woche nach China (Kulturtrip). Ende März besucht der chinesische Präsident und Parteichef Xi Jinping Deutschland. Es werden gegenseitige Investitionen vereinbart. Beide Länder wollen bei der Lösung internationaler Konflikte enger zusammenarbeiten ("strategische Partnerschaft", Angela Merkel). Im April 2014 wird in Berlin eine Ausstellung des chinesischen Künstlers Ai Wei Wei eröffnet (er selbst darf nicht ausreisen). Beim Besuch des Wirtschaftsministers Gabriel mit einer Wirtschaftsdelegation in China kann kein Regimegegner getroffen werden (Sicherheitsapparat verhindert). Schwerpunktthema ist Umweltschutz und Energieeffizienz. Im Juli 2014 reist Kanzlerin Merkel mit einer Wirtschaftsdelegation nach China. Erste Station ist Chendu, die Hauptstadt von Sichuan im Südwesten. Dort besucht sie auch ein VW-Werk und ein Sozialprojekt für Kinder von Wanderarbeitern. 2014 kommt ein Gammelfleischskandal in China zu Tage. Beliefert wurde auch McDonald´s (auch in Japan). Gegen den Ex-Sicherheitschef Zhou Yongkang wird 2014 wegen Korruption ermittelt (Disziplinarkommission der KPC). Beim stärksten Erdbeben seit Jahren in Chinas südwestlicher Provinz Yunnan sind ca. 380 Menschen ums Leben gekommen. Ende September gibt es Demonstrationen in Hongkong (Sonderverwaltungszone; globale Zentrum für den Devisenhandel mit Yuan; Motto: occupy-central). Viele Bürger wehren sich gegen Einschränkungen der Demokratie bei der Nominierung der Kandidaten. Im Oktober gibt es auch Zusammenstöße mit der Polizei. Im Dezember 2014 steht die Occupy Central - Bewegung vor dem aus. Führende Köpfe stellen sich der Polizei.  Im Oktober 2014 finden in Berlin die dritten deutsch - chinesischen Wirtschaftskonsultationen statt. Ministerpräsident Li Keqiang kommt mit einigen Ministern und Wirtschaftsführern, um Wirtschaftsvereinbarungen zu treffen. Es geht um ein Volumen von zwei Mrd. Euro. Die Kommunistische Partei Chinas hat Ende 2014 den einst mächtigen Sicherheitschef Zhou Yongkang verhaften lassen wegen Bereicherung und Staatsverrat (auch Mentor von Bo Xilai). Als weiterer "Tiger" (Funktionär des obersten Machtzirkels) gerät Ling Jihua (Büroleiter von Hu Jintao) unter Korruptionsverdacht. Man scheint systematisch Seilschaften und Clans anzugehen. Auch der stellvertretende Außenminister wird abgesetzt. Bei den Silvesterfeiern sterben in Shanghai 36 Menschen und über 40 werden verletzt, weil eine Massenpanik ausbricht als vermutetes  Geld aus einem Hochhaus geschmissen wird (Ursache ist umstritten). Ab 2015 soll die Entnahme von Organen bei Hingerichteten eingeschränkt werden. Genen den stellvertretenden Minister für Staatssicherheit Ma Jian wird im Januar 2015 wegen Korruption ermittelt. Am 05.03.2015 treffen sich die 3000 Delegierte zum alljährlichen Volkskongress in Peking. Das Budget der Armee soll um 10% angehoben werden (vor allem für die Marine; Militärausgaben liegen bei 2% des BIP). Sie umfasst 2,11 Mio. Soldaten, die als militärischer Arm direkt der Kommunistischen Partei untersteht.  Mitte März 2015 wirft ein Kampfflugzeug aus Myanmar irrtümlich eine Bombe auf die Provinz Shan (im Grenzgebiet wird eine ethnische Minderheit bekämpft). Am 01.06.2015 kentert ein Schiff (Stern des Orients) auf dem Yangtse auf dem Weg nach Chongshing bei Jianli in der Provinz Hubei (über 400 Passagiere, nur wenige können gerettet werden, Fluss ist an dieser Stelle über 15 Meter tief, überwiegend chinesische Touristen, Ursache Wirbelsturm). Die von China gewollte Wahlreform in Hongkong scheitert (Pekingtreue Abgeordnete fehlen). Bei landesweiten Razzien Mitte 2015 haben die Behörden Tonnen weise gefrorenes Gammelfleisch beschlagnahmt (teilweise aus den frühen 1970er). Rund eine Million Menschen werden an der Ostküste des Landes vor einem Taifun in Sicherheit gebracht (Zhoushan in der Provinz Zhejiang). Chinas Regierung lässt im Juli 2015 mindestens 50 Bürgerrechtler festnehmen. Im August 2015 fliegt ein Treibstofflager in Tianjin in die Luft. Am 03.09.2015 feiert man in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens den 70. Jahrestag des Sieges über Japan. 2015 nimmt die chinesische Führung mit einem neuen Gesetz ausländische Nichtregierungsorganisationen (NGO) ins Visier (z. B. Registrierung beim Sicherheitsapparat, nicht nur vom Ausland finanziert, Hälfte der Mitarbeiter Chinesen). Am 22.09.2015 beginnt der USA-Besuch von Staatspräsident Xi Jinping. Am 29./30.10.15 besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel China. Es geht um Wirtschaftsfragen (Wirtschaftsabkommen von 20 Mrd. €; Abkommen zum Verzicht auf Computerspionage) und aktuelle Krisen. Erstmals seit dem Bürgerkrieg wollen sich die Präsidenten von China und Taiwan in Singapur treffen. Dies geschieht am 07.11.15. Die Staatschefs Ma Ying-Jeou und Xi Jinping zeigen nach 66 Jahren Feindschaft einen historischen Handschlag. Vier Tage lang verschwindet Fosun-Gründer Guo Guangchang (Verhaftung wegen Korruption?). Nach einem Erdrutsch im südchinesischen Shenzhen am 20.12.2015 sind mehr als 60 Menschen vermisst. 2016 gibt es Massenbetrug: 900.000 Anleger haben umgerechnet 7 Mrd. Euro Schaden (durch die Firma Ezubao). Am ersten Märzwochenende kommen wieder die Delegierten des Nationalen Volkskongresses in Peking zusammen. Der 13. Fünfjahresplan soll beschlossen werden. Die Volksrepublik steht vor schmerzhaften Strukturreformen. 2016 zieht die Regierung die Schrauben der Staatssicherheit weiter an: Ausländische Stiftungen und NGOs werden stärker kontrolliert. Am 12. und 13.06.2016 besucht die Bundeskanzlerin China mit einer Delegation von Ministern und Staatsekretären zu den vierten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen. Merkel pocht auf Rechtsstaatlichkeit in China und warnt vor Handelskonflikten. Es sind auch Wirtschaftsvertreter dabei (Siemens, Thyssen, BASF). 20 Verträge sollen abgeschlossen werden. Im September 2016 führen China und Russland ein gemeinsames Manöver im südchinesischen Meer durch. Am 1. November 2016 besucht Wirtschaftsminister Gabriel mit einer 60-köpfigen Wirtschaftsdelegation Peking. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen. Es  geht auch um chinesische Investoren in Deutschland und Errichtung von Hürden. Es treten schwerwiegende Differenzen in Handelsfragen zu Tage. In Hongkong schließt China zwei Politiker, die für die Unabhängigkeit kämpfen, aus dem Parlament aus. Der deutsch-französische Menschenrechtpreis 2016 geht an die chinesische Menschenrechtsaktivistin Wang Qiaoling (Ehemann ist der Menschenrechtsanwalt Li Heping). Die Botschafter beider Länder werden ins chinesische Außenministerium einbestellt. Ende 2016 soll das Polizeigesetz verschärft werden. Künftig kann auch auf friedliche Demonstranten geschossen werden. 2017 klagt ein chinesischer Bauer, der 16 Jahre lang sich mit dem Recht beschäftigt hat, erfolgreich gegen einen Chemiekonzern. Am 05.03.2017 tagt wieder der Nationale Volkskongress in Peking- wie jedes Jahr (3000 Delegierte). Kernthema sind Reformen im Umwelt- und Energiebereich (Kampf gegen Luftverschmutzung soll verschärft werden). Der Druck aus dem Volk nach sauberer Luft wächst. Die traditionelle Schwerindustrie bekommt zwar billige Kredite, kann aber nicht schnell genug sauber gemacht werden (Stahlproduktion soll um 50 Mio. Tonnen sinken, die Kohle noch stärker). Weitere Kernthemen sind die Senkung der Verschuldung und das geringere Wachstum (2017: 6,5%; 2016: 6,7%). Strukturreformen bekommen Vorrang vor Wachstum. Im März 2017 zwei Jahre nach den Demokratieprotesten wird in Hongkong eine Peking treue Kandidatin zur Regierungschefin gewählt. Sie heißt Carrie Lam und ist die erste Frau an der Spitze von Hongkongs Verwaltung. Die Fahrtroute des US-Zerstörers "USS Dewey" löst Empörung in China aus. Die Gewässer in der Nähe der Spratlys-Inseln beansprucht China für sich. Mit Donald Trump in den USA könnte die Vorherrschaft enden. So könnte das chinesische Jahrhundert wirklich beginnen. Ein massiver Erdrutsch im Südwesten Chinas hat ein ganzes Dorf unter sich begraben. Im Juni bekommt der Berliner Zoo ein Pandapärchen (Meng Meng, Jiao Qing, "Panda-Diplomatie"). Kurz vor dem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Hongkong (Anlass: 20. Jahrestag der Rückgabe) sind viele Demokratie-Aktivisten festgenommen worden. Am 05.07.17 kurz vor dem G20-Gipfel treffen sich Merkel und Xi Jinping. Es geht um Handelsfragen. Der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, der in seiner Gefangenschaft an Leberkrebs leidet, darf zur Behandlung nicht nach Heidelberg ausreisen. Er stirbt am 12.07.17. Am 08. und 09.11. besucht der US-Präsident Trump China. Es werden gemeinsame Handelsvereinbarungen geschlossen in einem Volumen von 218,7 Mrd. Euro (manchmal nur Absichtserklärungen). Das hohe Handelsdefizit der USA bezeichnet Trump als unfair und macht seine Vorgänger dafür verantwortlich. Anfang 2018 reist der französische Präsident nach China. Als Geschenk bringt er ein Garde-Pferd mit. Es geht auch um Aufträge für Airbus (kommen nicht zustande), die Atomindustrie oder die Supermarktkette "Auchan". Die Kommunistische Partei will 2018 die Amtsbegrenzung für Staats- und Parteichef Xi Jinping aufheben.  Damit würde das Prinzip der "kollektiven Führung" (Deng Xiaoping) zugunsten einer Autokratie aufgegeben. Das geschieht am 11.03.2018 auf dem Volkskongress, der am 05.03. begonnen hatte (2958 Delegierte). Außerdem bekommen die Ideen von Xi jetzt Verfassungsrang. Kritik an Xi kann dann wegen Staatsfeindlichkeit verfolgt werden. Xi Jinping wird schon "kleiner Mao" oder "neuer Kaiser" genannt (er hat in jüngster Zeit auch zwei Bücher veröffentlicht, The Governance of China). Am 17.03.18 wird Xi vom Volkskongress  für weitere fünf Jahre gewählt. Kritiker warnen vor Personenkult. Unter dem Vorwand der Korruption werden immer wieder Gegner verhaftet. Premier Li Keqiang nennt in seinem Rechenschaftsbericht "drei schwierige Schlachten": Finanzrisiken, Armut, Umweltverschmutzung. Li Keqiang bleibt für weitere fünf Jahre Ministerpräsident. Seine Position ist aber geschwächt. Wichtige wirtschaftpolitische Kompetenzen werden in Ausschüsse der Partei verlagert.  Es wird eine neue staatliche Aufsichtskommission eingerichtet (Korruption, Disziplin in der Partei). Bei einem Treffen von Xi Jinping mit dem indischen Premierminister Narenda Modi einigt man sich Ende April 2018 "auf ernsthafte vertrauensbildende Maßnahmen", was die Grenze im Himalaya angeht. Ab 23.05.2018 reist Bundeskanzlerin Merkel nach China (11. Besuch; + 10 Spitzenmanager, darunter Brudermüller von der BASF). Die Konflikte im Handel häufen sich (Investitionsabkommen?, Preissenkungen der deutschen Autohersteller?). China lässt Liu Xia, die Witwe von Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, im Juli 2018 nach Deutschland ausreisen. Im Juli 2018 besucht der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang Deutschland. VW investiert Milliarden in China. Die Volksrepublik wird zum Testmarkt für E-Autos und autonomes Fahren. Im August 2018 wird ein deutscher Journalismus -Student ausgewiesen, nachdem er die Verfolgung von Menschenrechtsanwälten recherchiert hatte. Im September 2018 leitet Trump eine Sitzung des Welt-Sicherheitsrates. Er wirft China Einmischung in den Kongresswahlkampf in den USA vor. Der Internet-Chef Meng Hongwei aus China verschwindet zunächst und teilt dann später mit, dass er zurücktritt wegen Korruptionsvorwürfen. Die Ernennung war umstritten gewesen, weil er auch mehrere Sicherheitsbehörden in China leitete. Anfang Dezember 2018 reist Bundespräsident Steinmeier durch China (Chengdu, Shenzhen, Beijing). Montag, den 10.12.18 spricht er mit Xi Jinpeng und Li Keqiang. Ethische Mindeststandards will man vereinbaren. Der Anwalt von Ai Weiwei wird zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt im Januar 2019 (drei Jahre hat er schon abgesessen; ungerecht, weil der Künstler selbst unter besonderem Schutz von Xi Jinping steht; Väter gemeinsames Schicksal).  Im Januar 2019 gibt es ein schweres Unglück in einem Kohlebergwerk. Über 30 Bergleute sterben. Anfang März 2019 treffen sich wieder die Mitglieder des Volkskongresses in Peking (rund 3000). Dann ist Peking wie jedes Jahr um die Zeit besonders gut kontrolliert. Ein Gesetz für ausländische Investitionen soll beschlossen werden, um Trump zu besänftigen. Es enthält das Verbot unrechtmäßiger Technologietransfers sowie "illegaler Einmischung der Regierung". Beim Besuch von Xi Jinping in Europa trifft er auf das Trio Macron, Merkel und Juncker. Die EU will Einigkeit demonstrieren.  "Wir müssen auf der Basis von Chinas tatsächlichen Gegebenheiten demokratische Politik mit chinesischen Besonderheiten erforschen", Wen Jiabao, ehemaliger chinesischer Regierungschef.

"China? Eine günstige wirtschaftliche Entwicklung hängt nicht am politischen System", F.-W. Steinmeier, Ex-Bundesaußenminister. Im Dorf "Wukan" im Süden Chinas gibt es freie Wahlen seit 2011. Einige wenige Kommunen in China haben sich dieses Recht auf kommunaler Ebene erstritten. Der korrupte stellvertretende Chef der Kohlebehörde hat bis 2014  200 Millionen Yuan (26 Mio. Euro) in bar gehortet.

Der "kleine Kaiser" Xi Jinping und seine Ziele (er lässt sich lieber "guter Kaiser" nennen): 2017 ist Xi Jinping Teil der Verfassung geworden - das hat es seit Mao nicht gegeben (einmalig in der "Mao-Dynastie"). Die Person wird damit den Takt und auch den Ton der Weltpolitik für Jahrzehnte vorgeben. China ist vielleicht das derzeit mächtigste Land der Welt (in Anbetracht der Schwächen und Wankelmütigkeit der USA unter Trump). Seine Industrie untermauert die Weltwirtschaft, sein Militär wächst schneller als das jeder andern Nation. Also ist es von immenser Bedeutung, wie dieser Mann tickt. Xi wurde 1953 geboren, als Sohn von Xi Zhongxun, einem Militärführer und Verbündeten Mao Zedongs. Zwei Jahrzehnte war der Vater ein Opfer der Kulturrevolution (der Absturz kam 1962). Xi war der zweitälteste Sohn von sieben Kindern. 1966 war er auf einer Eliteschule nahe des Regierungsviertels und wohnte in der Verbotenen Stadt. Er lernte die Mao-Bibel auswendig. Dann kam er in der Kulturrevolution in die Provinz Shaanxi, wo er mit Bauern lebte. Mit 15 Jahren musste er Fronarbeit verrichten und wurde gedemütigt (7 Jahre). Experten vergleichen sein Schicksal mit dem Stockholm-Syndrom. Seine älteste Schwester beging Selbstmord. Mitte der Siebzigerjahre studierte Xi an der Pekinger Universität Tsinghua Ingenieurwissenschaften (mit 22 Jahren trat er wieder in die Partei ein mit gefälschten Dokumenten). Von 1978 bis 1982 arbeitete er als Sekretär Geng Biaos, Mitglied des ZK und eine militärische Schlüsselfigur (auch Verteidigungsminister). 1982 ging er wieder in die Provinz, 1985 ging er nach Fujian. Er blieb 16 Jahre dort. Wichtig ist seine zweite Frau Peng, die als bekannte Schauspielerin und Sängerin im Ansehen und Bekanntheit über ihm stand. Sie schult ihn in Öffentlichkeitsarbeit. Von 2000 bis 2002 war er Gouverneur in Fujian. Dann ging er in die Küstenprovinz Zhejiang, wo er fünf Jahre in höchster Parteiposition tätig war. Er lernte dort Jack Ma, den Begründer von Alibaba, kennen. Ein wichtiger Konkurrent um die Führung der Partei Bo Xiling musste 2011 aufgeben bzw. wurde von ihm ausgeschaltet. Xi verschwand dann eine Zeitlang 2011 (niemand weiß bis heute, wo er war). Es fand wohl im Politbüro ein Machtkampf statt, bei dem er sich als Kompromisskandidat durchsetzte. Man hatte in dieser Zeit Mühe mit Kontakten zu führenden Kollegen an den Hochschulen. Ende des Jahres bzw. 2012 konnte er sich dann als Führer durchsetzen. Was sind nun Xi´s Ideen? 1. Er will massiv die Korruption bekämpfen (die VBA wird "gesäubert"). 2. Die Partei soll zum Diener der wachsenden Mittelschicht werden. 3. Wohlstand und Innovation sollen stark ausgedehnt werden (China 2025; mehr Verteilungsgerechtigkeit). 4. Formulierung eines Wertekanons (Konfuzianismus, Revival des Marxismus, Harmonie). 5. Wirtschaft zuerst. Sozialer und politischer Fortschritt kann warten. 6. Globale Führungsmacht bis 2050 (2049 100 Jahre Volksrepublik). Man bezeichnet die Ziele zusammen als "China Dream". Vgl. Kerry Brown: Die Welt des Xi Jinping. Alles, was man über das neue China wissen muss, S. Fischer, Frankfurt 2018. Die KPC hat 2018 90 Mio. Mitglieder, mehr als Deutschland Einwohner hat. Sein engster Berater ist Wang Xining. Er verfügt über eine immense Erfahrung in der Partei. 11/2 Mio. Parteimitglieder wurden bis 2018 in Haft gesetzt in der Antikorruptionskampagne, die ein Machtinstrument ist. Xi Jinping hat 2012 bei seinem Amtsantritt das Dokument Nr. 9 eingeführt. In ihm warnt er vor demokratischen Kräften, die Pressefreiheit, Demokratie und Menschenrechte wollen. Außenpolitisch strebt Xi Eurasien an, das Rückgrat ist die "Neue Seidenstraße". Bei Nachbarländern traut er sich auch politisch ran, wie bei Australien und Neuseeland. Politiker wurden bestochen. Australien verbietet daraufhin ausländische Spenden. In Djibuti wurde der erste Militärstützpunkt in Afrika errichtet. China dominiert mittlerweile in Afrika mit dem Motto " Recht auf wirtschaftliche Entwicklung". In Europa wird eher gekauft (Piräus, Toulouse, Budapest, Hahn). "Wirft man Eisen 100 mal ins Feuer, dann wird es zu Stahl". "Wer Europa besitzt, dem gehört die Welt". Beide Sprüche hat er im Hinterkopf. 

Aufrüstung: Xi Jinping rüstet die Volksbefreiungsarmee sehr erfolgreich auf. Traumatisch war die Niederlage 1979 gegen Vietnam bei einem Einmarsch. Er macht eine Wehrstrukturreform. Elementar sind Flugzeugträger, U-Boote, Satellitenaufklärung und Raketenabwehr. Alles Voraussetzungen für eine Weltmachtrolle. China hat nach den USA die zweithöchsten Militärausgaben der Welt (vor Saudi-Arabien und Russland sowie Indien). Korruption im Militär wird bekämpft. Die Seemacht wird massiv ausgebaut. Vgl. Sommer, Theo: China First, München 2019, S. 250ff.

Technologie/ Innovationen: China hat ein neues Internetgesetz gegen "Blogger" erlassen (137 Mio. Internetnutzer 2006,  Zuwachsrate +23%  jährlich); 2006 wird die Tibet-Bahn, die höchste Eisenbahnstrecke der Welt, nach fünf Jahren Bauzeit von Qinghai nach Tibel in Betrieb genommen. 2006 startet die Regierung eine Innovationsoffensive. China zerschießt den alten Wettersatelliten "Fengyun 1C" und zeigt damit, dass es in einen Weltraumkrieg eingreifen könnte. China bringt im Januar 2007 zwischen Shanghai und Hangshou bzw. Nanjing den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen aus Japan auf die Schienen. Die reichste Provinz Chinas "Jiangsu" will als erste die Vorgaben des Volkskongresses 2007 umsetzen: neues Bewertungssystem für Wohlstand mit Zustand von Umwelt, Bildung, medizinischer Versorgung. Die Racketsportart Taiji Bailong Ball, die in China erfunden wurde, findet im westen immer mehr Anhänger. Sie verbindet westliche Techniken (Schläger und Ball) mit asiatischer Bewegungsphilosophie. Im Sommer 2007 kommt heraus, dass China mit sogenannten Trojaner-Spähprogrammen die Bundesregierung ausspioniert. Am 24. 10. 07 wird der erste Satellit zum Mond geschickt vom Raumbahnhof Xichang. China plant langfristig eine Verbesserung seiner militärischen Fähigkeiten. Dabei spielt die Luft- und Raumfahrt eine Schlüsselrolle. Hier muss China bald nicht mehr abkupfern. Im Mai 2008 wird zwischen Shanghai und Ningbo die längste Brücke der Welt freigegeben. Es wird ein riesiger Atom-U-Boot-Bahnhof im südchinesischen Meer gebaut. 2009 werden die Atom-U-Boote vor Qingdao präsentiert. Im September 2008 startet China seine dritte bemannte Weltraummission; Zhai Zhigang soll einen Weltraumspaziergang machen. China entdeckt immer mehr Weihnachten  mit Weihnachtsbäumen und europäischer Musik  als Anlass für Partys und Geschenke. Beim Deutschlandbesuch von Wen Jiabao 2009 wird eine weitere Zusammenarbeit beim Transrapid, bei Energie, Umwelttechnik und Finanzdienstleistungen vereinbart. 2009 kauft sich China in Firmen ein, die über Schlüsseltechnologien im Flugzeugbau verfügen, um langfristig Boing und Airbus Konkurrenz machen zu können. Ende 2009 schießt man Chemikalien in die Wolken, um Regen über Peking zu erzeugen. Es schneit, ohne dass Heizungen eingeschaltet oder Straßen geräumt werden. In Chansa/ Hunan hat China einen Supercomputer gebaut (Tianhe, viertschnellster der Welt).2014 soll der erste in China entwickelte Passagierjet auf den Markt kommen. Anfang 2010 testet man erfolgreich ein neues Raketenabwehrsystem. 2010 wird die Transrapid von Shanghai nach Hangzhou genehmigt. 2010 investiert China 100 Mrd. Dollar in den Ausbau eines Hochgeschwindigkeits-Schienennetzes. Der Verkehr vor Peking (vor allem im Norden) staut sich oft auf 100 km. Eine Tram auf Stelzen soll Abhilfe schaffen. Die längste Schnellbahn der Welt von Peking nach Shanghai über 1300 km geht bald im Juni 2011 in Betrieb. 2011 testet China erstmals einen Tarnkappenbomber (15-minütiger Jungfernflug). Auf der Luftfahrtschau in Paris 2011 wurde der erste Prototyp eines chinesischen Passagierjets vorgestellt. Wegen der CO2-Abgabe werden Airbusbestellungen storniert. Die Unglücke mit Hochgeschwindigkeitszügen Ende Juli 2011 und in einer Chemiefabrik  in Dalian im August lassen viele Chinesen am Nutzen des technischen Fortschritts zweifeln. Die Modernisierung der F-16-Kampfflugzeuge Taiwans durch die USA stört die bilateralen Beziehungen. Ende September 2011 schießt China die erste Weltraumstation (Testmodul) ins All. China will ein Konkurrenzflugzeug zu Boing und Airbus bauen. Internationale Zulieferer sollen helfen. Im Januar 2012 kommt es vor einem Apple-Store in Peking zu Tumulten (zu großer Andrang, Banden von Schwarzmarkthändlern). In der südchinesischen Stadt Changsha (Hauptstadt der Provinz Hunan, sieben Mio. Einwohner) entsteht der höchste Wolkenkratzer der Welt mit 838m. Bis 2018 soll im Süden Pekings ein neuer Flughafen gebaut werden. Mit 120 Mio. Passagieren pro Jahr soll er der größte Flughafen der Welt werden. Damit konkurriert er mit einem ebenfalls als größter Flughafen der Welt geplanten Airport bei Istanbul. Die Dienstfahrzeuge der Beamten werden ab 2013 mit GPS ausgerüstet. Die Disziplin soll überwacht werden (auch Systemwarnung, wenn zu lange vor bestimmten Einrichtungen geparkt wird). Ende 2013 gibt es wieder in verschiedenen Provinzen Smogalarm: In Jiansu, Zhejiang, Anhui und Henan. Im Dezember 2013 landet erstmals ein chinesisches Raumschiff auf dem Mond. An Bord ist das Mondfahrzeug "Jadehase" (yutu). Der US-Überläufer Edward Snowden offenbart 2014, dass die NSA jahrelang die chinesische Staatsspitze und das Unternehmen  "Huawei" ausspioniert hat. Im August 2014 ist eine neue Langenstreckenrakete fertig (Dongfeng - DF 41), die ungefähr 12.000 km weit fliegen kann. China verstärkt seine Forschungen zur künstlichen Intelligenz. Das Großprojekt hat den Namen Chinas Gehirn. Beteiligt ist vor allem der Internetgigant Baidu. Im März 2015 ist China das Partnerland auf der Cebit in Hannover. China will bis Ende 2017 mehr als 180 Mrd. Dollar in den Ausbau des Internets investieren. 2015 fließen 70 Mrd. $ in Netzwerke. China will ab 2015 eigene Mittelstreckenflieger bauen. Der Flugzeugbauer Comac präsentiert seinen ersten komplett selbst gefertigten Flieger (Konkurrenz für Boing und Airbus). 2015 baut China eine gigantische Fabrik, worin massenhaft Haus- und Nutztiere geklont werden sollen. Damit soll insbesondere der Fleischhunger der Bevölkerung gestillt werden. Durch den Kauf einer Lizenz von der Ukraine baut China zukünftig das größte Flugzeug der Welt. In China soll der größte Teilchenbeschleuniger der Welt entstehen, der 2040 in Betrieb genommen werden soll. 2017 lässt China die ersten Trams ohne Schienen fahren (Gummiräder; Elektromotor). Im Januar 2018 gelingt chinesischen Forschern das Klonen Jawa-Affen. Die chinesische Weltraumstation "Himmelspalast" stürzt im April 2018 auf die Erde. Der erste chinesische Flugzeugträger geht im Mai 2018 auf Probefahrt. Am 21.05.18 wird eine Rakete zum Mond abgeschossen, die erstmals auf der Rückseite des Mondes (von der Erde aus gesehen) landen soll. Im November 2018 wird bekannt gegeben, dass ein chinesischer Forscher Zwillinge genmanipuliert hat. Die Babys sind resistent gegen HIV. Das wurde mit dem Verfahren der Gen-Schere gemacht. Die Führung will die Ethik überprüfen, nachdem Kritik aus aller Welt kommt. Das Projekt wird gestoppt. Im Dezember 2018 startet das Land eine Sonde zum Mond (Chang´e 4), die erstmals auf der Rückseite landen soll. Ein spezieller Satellit muss für die Kommunikation sorgen. Die Sonde landet am 02.01,19 erfolgreich. Erstmals gelang China schon 2013 eine Sondenlandung auf dem Mond. Damit zeigt China seine Weltspitze auch in Wissenschaft und Technik (entscheidend auch für Militär).  "China, Indien und Korea werden mit rasantem Tempo immer einflussreichere Spieler auf dem Patentmarkt", Alain Pompidou, ehemaliger Präsident des Europäischen Patentamtes. "Sein Licht unter den Scheffel stellen und den rechten Augenblick abwarten", Deng Xiaoping. 2017 macht eine Zahnstocher-Armbrust von sich reden. Viele Schüler benutzen sie (Reichweite bis 20 Meter, starke Durchschlagskraft). Es ist der neue Spielzeugtrend.

   Shanghai (früher "Paris des Ostens" genannt; auch: der Hafen der Düfte oder die Stadt über dem Meer), Pudong (Finanz-Viertel) und World Financial Center vom Wasser her bei einer Hafenrundfahrt  aus fotografiert. "China ist vergleichbar einem Baum. Die Wurzeln liegen in Xi ´an, der Stamm ist Beijing, die Blüten sind Shanghai". Diesen Spruch hört man oft in China. Die Zukunft wird im Süden gesehen. Keine andere Stadt hat sich seit 1990 so stark gewandelt. Es gibt noch Bauten aus der Konzessionszeit (Französische Konzession), aber vor allem viele Wolkenkratzer. Die Chinesen selbst sprechen heute auch von Mao-Dynastie und verweisen darauf, dass jede Dynastie im Schnitt 200 Jahre gehalten hat. "Das chinesische Volk ist wie ein weißes Stück Papier, wie gemacht, die allerschönsten Zeichen darauf zu malen", Mao.  Die Realität in China hat nicht mehr viel mit Kommunismus zu tun.  Der Süden Chinas ist westlicher und etwas freier. Shanghai hat das bunteste Nachtleben. Am berühmtesten ist der Bund (Wort stammt aus Indien und bedeutet so viel wie Gürtel), die alte Hafenpromenade. Im Süden Chinas wird in der Regel alles gegessen, was vier Füße hat, außer Tischen und was fliegen kann, außer Flugzeugen (also auch Hunde und Katzen). Vom Flughafen zur Stadt verkehrt ein Transrapid in 7 Minuten (mit deutscher Technik; in Deutschland Auslaufmodell). Am  Ende der Kaiser-Ära war Kanton (heute Shenzhen) aber eher das Tor des Westens nach China. Es stand damals unter britischer und französischer Verwaltung. Es liegt im Perlflussdelta an der Mündung des weißen Flusses.        

 Japan:

"Wer sich selbst alles zutraut, wird andere übertreffen", Zen-Weisheit.

Konjunktur: Im ersten Quartal 2018 beendet die Wirtschaft Japans ihre Erfolgsserie: Das BIP schrumpfte um 0,6% (schrumpfende Investitionen und Konsumausgaben). Durch die Handelspolitik von Trump können Exporte das nicht mehr ausgleichen. Vor allem die sinkenden Konsumausgaben belasten auch Japans Volkswirtschaft. Im zweiten Quartal 2017 wächst die Wirtschaft so schnell wie seit zwei Jahren nicht mehr (BIP +4,0%; Binnennachfrage, höhere Investitionen der Firmen). Im ersten Quartal 2017 verliert die Konjunktur stark an Fahrt. Die Industrieproduktion fiel im Mai 17 um 3,3% gegenüber dem Vorjahr. Die Verbraucherausgaben sanken um 0,1%.  Im Februar 2016 ist die Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,2% gesunken. Im Februar 2016 fällt auch der Dollar zum Yen auf ein Rekordtief. Der Yen wird als sicherer Hafen gesehen. Seit Jahresbeginn hat der Nikkei-Index ein Fünftel seines Wertes verloren. Mit einem massiven Konjunkturprogramm will die neue japanische Regierung ab 2015 die Wirtschaft wieder in Schwung bringen (3,5 Billionen Yen/ 24 Milliarden Euro).  Die wichtigsten Elemente sind Unterstützung für den Mittelstand, für Verbraucher und die Opfer von Naturkatastrophen. Die expansive Geldpolitik wird 2015 fortgesetzt (jährlich 80 Billionen Yen für Ankauf von Anleihen und Wertpapieren). Trotzdem rutscht das Land im dritten Quartal 2015 weiter in die Rezession (BIP -0,2%; gleicher Wert für 2. Quartal)). Am 24.08.15 brechen die Aktienkurse um 4,61% (im Anschluss an Einbruch in Shanghai). Im letzten Quartal 2014 erholt sich die Wirtschaft (BIP +2,2%). Im Dezember 2014 stiegen die Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,9%. Im Zuge des stark gesunkenen Ölpreises stiegen die Importe nur um 1,9%. Zwei Quartale in Folge am Ende von 2014 rutschte Japan in eine Rezession (-1,6%, die Industrieproduktion steigt allerdings im September und Oktober 14 noch um 0,2%). Am Beginn von 2014 hatten die Politik des billigen Geldes und hoher Defizite den Aufschwung vorerst zurückgebracht. Das Land scheint der Deflation entronnen. Es könnte für 2014 +0,2% Wachstum herauskommen (2015: 1,1%). Die Konsumenten sind aber nicht an Inflation gewöhnt und halten sich zurück (Reallohnverlust, Mehrwertsteuererhöhung; bis 2015 auf 10%). Die Betriebe fahren ihre Investitionen weiter zurück.  Das führt im zweiten Quartal 2014 zu einem Einbruch (-6,8%). Der schwache Yen sorgt Ende 2013 für ein Handelsdefizit in Japan. Die Einfuhren übertrafen im November 2013 die Ausfuhren um 1,25 Billionen Yen (rund 9 Mrd. €; vor allem Energie, die in Dollar bezahlt, wurde teurer). Insofern ist die Lage gespalten. Zu Jahresbeginn 2013 hellt sich das Konsumklima auf. Im ersten Quartal wächst die Wirtschaft um 4,1% (Stagnation zu Ende?). Vor allem die Exporte legen vier Monate hintereinander zu (im August 2013 +14,7%). Im 2. Quartal beträgt das Wachstum 3,8%.  Im dritten Quartal wächst die Wirtschaft nur um 1,1%. Die Regierung zieht ein Konjunkturprogramm in Höhe von 134 Milliarden € auf (auch um die restriktiven Wirkungen der Verbrauchssteuererhöhung zu bremsen). Im November 2013 erreicht der Nikkei-Index den höchsten Stand seit Mai. Es zeigen sich allerdings noch keine Erfolge im Kampf gegen die Deflation. Am 13. 06. 13 kommt es zu einem Kursrutsch an der Börse (Wirtschaftsdaten aus den USA). Die Vergabe der Olympischen Spiele 2020 an Tokio soll die Wirtschaft Japans beflügeln (150.000 neue Arbeitsplätze). die Aktienkurde steigen. Im ersten Quartal 2012 erholt sich Japans Wirtschaft (BIP +1%; Konsum, Export, Aufbau des Nordostens/ Konjunkturprogramme). Die Arbeitslosenquote stagniert bei 5% (allerdings ungenau gemessen). Im dritten Quartal brechen die Exporte ein: Der Inselstreit mit China und die Euro-Krise haben großen Einfluss. Die Wirtschafts-Aussichten für 2013 sind schlecht, werden aber nach den Stimulierungsmaßnahmen der Regierung und der Geldschwemme korrigiert (Abenomics). Man rechnet mit 2,5% Wachstum.  2011 hat Japan das erste Handelsbilanzdefizit seit 30 Jahren. 2011 wird Japan durch die Naturkatastrophe (Erdbeben, Tsunami, Atomkraftwerke) zurückgeworfen (1. Quartal -0,9%). Im Mai 2011 brechen die Exporte um -10,3% als Folge des Erdbebens ein. Gleichzeitig im Mai stieg die Industrieproduktion wieder um  5,7% zum April. Die Regierung rechnet 2011 mit Mini-Wachstum von 0,5%. Die Rating -Agentur Moody´s stuft Japan im August 2011 herab (von Aa2 auf Aa3) . Auch der Einzelhandel kommt nicht in Schwung. Der jüngste Tankan-Bericht warnt vor einem Yen-Höhenflug (Firmenexodus?). 2010 zeigt sich auch in Japan der Aufschwung (Industrieproduktion, Bruttoinvestitionen größer Null). Auch die Exporte treiben Japans Konjunkturerholung (März 2010 43,5% über dem Vorjahr). Im 1. Quartal 2010 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 1,2% (Exporte mit 0,7 Punkten); im 2. Quartal nur um magere 0,1%, im 3. Quartal +1,1%. Der starke Yen, die mangelnde Kauflust der Japaner und fehlende Investitionen bremsen. Hinzu kommen Preisdeflation, die rapide alternde Bevölkerung  und soziale Deformation bei der Renten- und Gesundheitssicherung. Im August 2010 wird ein weiteres Konjunkturprogramm von 8,5 Mrd. € aufgelegt. Im September 2010 greift die japanische Notenbank massiv in den Devisenhandel ein, indem sie Landeswährung im Milliardenumfang verkauft. Außerdem stellt die Zentralbank weitere zinsgünstige Kredite zur Verfügung. Im Oktober 2010 wird der Leitzins quasi auf Null gesenkt (0 bis 0,1%). Japan hat Ende 2008 die Produktion kräftig gedrosselt, Januar und Februar bricht die Industrieproduktion ein (10,2%, 9,4%). Japan ist in einer  Rezession. Im letzten Quartal 2009 ging das BIP um -4% im Jahresvergleich  zurück. Um 1,2% sanken im März die Verbraucherpreise. Statistisch ist Japan der größte Krisenverlierer (stärkster Rückgang seit 50 Jahren). Mitte 2009 scheint der Absturz gestoppt. Japan profitiert vor allem vom Aufbau der Infrastruktur in China (Baumaschinen). Im September steigt die Produktion wieder um 2,1%, das BIP im 3. Quartal um 0,7%.  2010 soll die Wirtschaft um1,4% wachsen (2011: 1,1%, 2012: 1,2%). Das Geschäftsklima steigt 2010 deutlich an. Seit Februar 2002 bewegte sich die Wirtschaft Japans, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, nach Jahren der Deflation vorübergehend auf Wachstumskurs. Japan hat im Jahr 2007 ein Wachstum von 2,0%, 2006 ein Wachstum von 2,2% erzielt (2005: 1,9%, 2008: voraussichtlich 1,7%, 2009: voraussichtlich 1,5%). Neue Exportmärkte in Asien und Südamerika, aber auch Großinvestitionen der Elektronik- und Automobilindustrie in Japan haben dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet. Die Exporte brechen 2008 um 50% ein, im 1. Quartal 2009 noch mal um 28% zum Vorquartal.. Auch andere Frühindikatoren sind  Ende 2008 und Anfang 2009 rückläufig. Es fehlt auch an Produktivität und Innovation. Insbesondere die weltweite Nachfrage nach japanischen Autos und Elektronikprodukten geht zurück. Auch die Binnennachfrage bricht ein. Ende 2009 und 2010 drosselt Toyota weltweit die Produktion, weil 8,5 Mio. Fahrzeuge zurückgerufen werden müssen. Damit kriselt ein Symbol Japans. Die Regierung legt im Herbst 08 ein Konjunkturprogramm in Höhe von 70 Mrd. € auf (weitgehend Kredit finanziert). Ein Investitionsprogramm in Höhe von 380 Mrd. € folgt. Erst im zweiten Quartal 2009 gibt es mit 0,9% ein Plus beim BIP-Zuwachs nach fünf Minusquartalen. Dabei profitiert Japan stark vom Wachstum Chinas. Die Preise am Immobilienmarkt steigen wieder. Ist Japan auf dem Weg in eine Stagflation? Zusätzliche Bargeldgeschenke (bis 500 € pro Haushalt sollen den Konsum anregen. die Rückzahlung von Hypotheken soll bezuschusst werden. Der Nikkei - Index der Japan-Aktien hat im Jahre 2008 -42% verloren, soviel wie nie zuvor.. Zu einem Dreijahrestief kommt es nach der Pleite von Lehman Brothers. Die japanische Konjunktur ist volatil wegen der großen Abhängigkeit von den USA. Von hier könnte weiter nachlassendes Wachstum kommen. Denn der Export ist neben dem Binnen-Konsum der Hauptwachstumsfaktor. Wegen der höheren Zinsen in den USA ist der Yen schon länger unter Druck. Am 17.08.07 kommt es zu einem Aktien-Crash von 5%, stärker ist der Rückgang dann am 21. 01. 08 (-5,6%, unter 13.000), am 06.10.08 (-4%, tiefster Stand seit 5 Jahren) und am 08.10 (-9%, 20Jahrestief).  Der Yen ist immer noch  unterbewertet, doch die BoJ interveniert nicht. Die japanische Industrie kann mit diesem Wettbewerbsvorteil günstiger exportieren (vor allem die Automobilindustrie hat profitiert, im Januar Export +18,2% gegenüber dem Vorjahr), es gibt auch keine Inflationsgefahr. Die Deflation, die eine Reaktion auf frühere Übersteigerungen, insbesondere bei Aktien und Grundstückspreisen, war, scheint überwunden (zuletzt sogar Preissteigerung von 0,6%). Japans Anleger leihen sich billiges Geld in Japan und legen es in Hochzinsländern an (Carry Trade).  Mitte November 2006 hat Japan ein Exportverbot für Luxusgüter nach Nordkorea erlassen. Am 21.02.2007 erhöhte die BoJ den Leitzins auf 0,5%. Im Oktober 08 wird er wieder auf 0,3% gesenkt, im Dezember auf 0,1%.  Dann auf 0,25%.

In Japan bildet sich das Parlament aus den zwei Häusern "Shügiin" mit 475 Mitgliedern und "Sangiin" mit 242 Mitgliedern.

Gesellschaft, Politik und Reformen: Über 10 Jahre andauernde Rezession und der Druck durch die Globalisierung haben in der Wirtschaft, den Unternehmen und der Gesellschaft zu großen Struktur - Veränderungen geführt (z. B. Abbau des auf der Firma beruhenden sozialen Sicherungsnetzes). Es ist auch ein Wachsen des Nationalismus zu beobachten. Die Bestimmungen für die Einreise sollen verschärft werden. Mitte September 2006 legte Koizumi sein Amt nieder, Nachfolger war Shinzo Abe (wollte die Beziehungen zu China verbessern und "Flamme der Reformen soll weiter brennen"). Auf internationaler Bühne wird seither selbstbewusster agiert, auch gegenüber den USA. Die japanische Regierung unter Abe wurde auch nationalistischer und rückt nach rechts. Die Regierung wurde durch verschiedene Skandale erschüttert. Abe trat daher im September 2007 zurück, auch als Vorsitzender der LDP. Nachfolger wurde Yasuo Fukuda in beiden Funktionen . Leistungs- und Anpassungsdruck führen zu einer Selbstmordwelle unter Japans Schülern. Das japanische Landwirtschaftsministerium schickt Sushi Inspektoren in die Welt, um die Zubereitungsregeln zu kontrollieren. Erstmals seit sechs Jahren reiste im April 2007 wieder ein chinesischer Ministerpräsident (Wen Jiabao) nach Japan. Vertreter der Energiewirtschaft beider Länder unterzeichneten Kooperationsabkommen. Die Zwischenfälle häufen sich vor den Südkurilen, die zwischen Japan und Russland umstritten sind. Der Zwist verhindert bessere  bilaterale Handelsbeziehungen der beiden Länder. Bis 2020 will Japan eine komplett neue Netzinfrastruktur für das Internet schaffen (Kommunikationsminister Yoshihide Suga). Bundeskanzlerin Merkel besucht Ende August 2007 mit einer 30köpfigen Wirtschaftsdelegation Japan. Vorher hat sie China besucht. Es geht vor allem um Klimapolitik und die Übergabe der G8 Führung an Japan. Japan unterstützt den US-Einsatz in Afghanistan nicht mehr. Ein Rüstungsskandal erschüttert Ende 2007 Japans Regierung: Verteidigungsbeamte erhielten Bestechungsgeld für die Vergabe von Beschaffungsaufträgen. Der Besuch von Regierungschef Fukuda in China Ende 2007 knüpft die Kontakte enger und verbessert weiter die Beziehungen beider Länder. Im Sommer 2008 ersetzt Fukuda 13 von 17 Ministern seiner Regierung. Im September 08 tritt Y. Fukuda frustriert zurück. Taro Aso wird sein Nachfolger ("Club der alten Männer"). Bei der Parlamentswahl im August 2009 kommt es  zu einer Niederlage der LDP, die seit 1955 regiert. Die DPJ gewinnt und Hatoyama wird Ministerpräsident. Er will die Kaufkraft fördern und Japan weniger abhängig von Exporten machen. 2010 gerät Hatoyama in Schwierigkeiten wegen Millionenspenden seiner Mutter für den Wahlkampf am Fiskus vorbei (Die Mutter ist Erbin des Gründers von Bridgestone). Außerdem hält er das Wahlkampfversprechen zur Schließung eines US-Stützpunktes nicht ein. Im Juni 2010 tritt er zurück. Finanzminister Naoto Kan wird neuer Premierminister. Er will die Steuern erhöhen und den Haushalt sanieren. Seine Partei verliert die Senatswahl. 2010 besucht erstmals kein Regierungsmitglied den Yasukuni - Schrein. 2010 gestattet die Regierung erstmals einen Blick in Todeszellen und Hinrichtungsräume. 86% aller Japaner sind für die Todesstrafe. Die demokratische Partei Japans (DPJ) steht vor der Spaltung. Regierungschef Naoto Kan und die graue Eminenz Ichiro Ozawa kämpfen um die Parteiführung und den Premier. Kan gewinnt die Kampfabstimmung klar. Im Juni 2011 übersteht er ein Misstrauensvotum. Ende August tritt Kan als Vorsitzender der DPJ und als Ministerpräsident zurück (Krisenmanagement nach dem Erdbeben). Sein Nachfolger in beiden Funktionen wird der bisherige Finanzminister Yoshihido Noda. Er warnt vor einem Haushaltsnotstand. Im November 2012 löst Noda das japanische Unterhaus auf. Es gibt vorgezogene Neuwahlen im Dezember. Diese Wahl gewinnt Shinzo Abe (LDP). Im Juli 2013 bekommt Abe auch die Mehrheit im Oberhaus. Die "Abenomics" zeigt Wirkung: der Nikkei-Index legt zu und die Konsumausgaben steigen. Vor allem steigt die Stimmung in Japan. Die Regierung in Japan unter Abe will bis Ende 2013 die Freihandelszone "Trans Pacific Partnership" (alle Pazifikanrainerstaaten) eingehen. Ende 2013 besucht Abe erstmals seit 2006 als Ministerpräsident wieder den Yasukuni-Schrein. Weil hier auch verurteilte Kriegsverbrecher des 2. Weltkriegs geehrt werden, protestieren China und Korea (in diesem Krieg tötete die japanische Armee 20 Mio. Menschen). Im Januar 2014 werden 200 Delfine in die Bucht von Taiji getrieben. Die meisten werden getötet (obwohl das Fleisch kaum noch in Japan gegessen wird). Einige kommen in Delfin - Aufzucht - Stationen. Jährlich kommen in der Bucht vor dem Fischerort ca. 200.000 Delfine und Kleinwale ums Leben (Film "Die Bucht"). Ende April 2014 besucht der amerikanische Präsident Obama Japan. 2014 beschließt Japan, dass künftig Verbündete militärisch unterstützt werden können (kollektive Selbstverteidigung; Pazifismusgebot wird damit aufgehoben). Durch den Konflikt mit China im Chinesischen Meer rücken Japan und Australien enger zusammen. 2014 richtet der Taifun "Neoguri" große Schäden in der südwestlichen Region Okinawa an. In der Nähe des havarierten Atomkraftwerks Fukushima kommt es zu einem Erdbeben. Es wird Tsunami-Warnung erlassen. Im August 2014 fliehen 100.000 Menschen vor dem Taifun "Halong" im Süden Japans. Beim Ausbruch des Vulkans Ontake (zweithöchster Berg Japans) Ende September 2014 sind über 30 Menschen umgekommen und über 40 schwer verletzt worden. Im Oktober 2014 treten zwei Ministerinnen zurück wegen Spenden- und Amtsmissbrauch. Am 18.11.14 tritt Premier Abe zurück und flüchtet sich in Neuwahlen. Er ist wegen der Rezession unter Druck. Im Wahlkampf artikulieren Japans Frauen lautstark ihre Interessen. Sie machen mobil gegen die gesamte Clique der "Ossan", der alten Männer (Akie Abe, die Frau des Premiers: "Ich bin die Oppositionspartei in der Familie"). Shinzo Abe wird am 14.12.2014 bei den vorgezogenen Neuwahlen mit Zweidrittelmehrheit wieder gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 52%. Am 09.03. 15 besucht Bundeskanzlerin Merkel Japan. Es geht um ein Freihandelsabkommen. Beide Länder wollen vorerst an den G7 festhalten und damit Russland nicht dabei haben. Der Kulturaustausch mit Europa lahmt (Japan schottet sich eher gegen Einwanderer ab). Ein starkes Erdbeben der Stärke 8,5 hat am 30.05.15 die Region um Tokio erschüttert. Im Juli 2015 weicht das japanische Parlament die pazifistische Verfassung auf: Neue Sicherheitsgesetze, auch für Einsätze im Ausland. Anfang Oktober 2015 bildet Premierminister Abe das Kabinett um: 10 neue Minister. Japan leidet an dem verlangsamten Wachstum gegenüber China. 29 Tote gibt es bei einem Erdbeben (zwei Beben innerhalb von 24 Stunden) im April 2016 im Südwesten Japans (Insel Kyushu). Am 27. mai 2016 sucht der US-Präsident Hiroshima (als erster Präsident). Chinesische Kriegsschiffe halten sich 2016 immer wieder nahe der Senkaku-Inseln auf. Japan wirft China Provokation auf hoher See vor. Bei der Parlamentswahl im Juli 2016 fährt Abe einen hohen Sieg ein: Die Koalition aus LDP und Komeito erreicht fast die Zweidrittelmehrheit (erstmals nach 27 Jahren winkt der LDP die alleinige Mehrheit, 59 von 121 Sitzen, im Unterhaus hat sie bereits eine Zweidrittelmehrheit). Somit kann die Änderung der pazifistischen Verfassung angegangen werden (von der amerikanischen Siegermacht nach dem 2. Weltkrieg aufgedrängt). Viele Experten fürchten, dass Abe jetzt seine Strukturreformen, Teil der Abenomics, vernachlässigt. Mitte 2016 kommen Spekulationen auf, dass Kaiser Akihito bald abdanken könnte. Im Juli 2016 wird Yuriko Koike, frühere Verteidigungsministerin Japans, zum Gouverneur der Hauptstadt Tokio gewählt. Ein schweres Seebeben erschüttert im November 2016 die Region um Fukushima. Zusammen mit Obama will der japanische Regierungschef Abe noch Pearl Harbour besuchen. Ein Russland-Japan-Gipfel (mit Abe, Putin) im Dezember 2016 in Tokyo und Nagato bringt keinen Durchbruch im Inselstreit. es werden eine Reihe von Wirtschaftsabkommen geschlossen. Die japanische Verteidigungsministerin Tomomi Inada besucht Ende 2016 den Yasukuni Schrein. Im März 2017 besucht eine Delegation aus Saudi-Arabien (1000 Personen; schwierig in Tokyo unterzubringen) Japan. Es geht für das Land um Technologie-Transfer, für Japan auch um Öl. 2017 kommt ein Gesetz in Japan, dass dem Kaiser die Abdankung erlaubt. Damit kann Akihito die Krone an seinen Sohn Naruhito weiterreichen. Sollte Tochter Prinzessin Mako einen Bürgerlichen heiraten, muss sie vom Gesetz aus, den Hof verlassen. Das wäre das Ende des Kaisertums in Japan. Japans Kaiserenkelin Mako verlobt sich im September 2017 mit einem Bürgerlichen. Premier Abe nutzt die Gunst der Stunde (Raketen Nordkoreas, gute Wirtschaftslage), um Neuwahlen für den 22. Oktober 2017 auszurufen. Just zu dem Zeitpunkt rast Taifun Lan auf das Land zu und könnte die Wahlbeteiligung weiter drücken. Die konservative Koalition von Abe kommt auf 311 von 465 Sitzen, er gewinnt also haushoch. Im November 2017 besucht Trump Asien, zuerst Japan (dann Südkorea, China, Vietnam und die Philippinen). Die Reise ist wegen der Unberechenbarkeit von Trump heikel. In Japan stehen zwei Punkte im Mittelpunkt: Nordkorea und das Handelsdefizit der USA mit Japan (-68 Mrd. $). Eine funktionierende Achse ist für beide Länder wichtig. Die Regierung in Tokio legt im Dezember 2017 den Abdankungstermin von Tenno Akihito auf den 30. April 2019 fest. 2017 werden immer wieder "Geisterboote" (nicht hochseetauglich, teilweise mit Leichen) an der Küste Japans angeschwemmt. Die Erklärung dafür reicht von Flüchtlinge aus Nordkorea bis gestrandete Agenten. Ende 2017 wird entschieden, dass die Todesstrafe beibehalten wird. Der Todestrakt der Gefängnisse wird nicht kontrolliert. Die Verurteilten berichten von Folter und Böswilligkeiten. Im März 2018 erschüttert ein Skandal um Vetternwirtschaft im Zusammenhang mit einem ultranationalistischen Schulbetreiber das Land. Es gibt auch Hinweise auf eine Verwicklung von Premier Abe und seine Frau. Im Mai 2018 besucht der chinesische Ministerpräsident  Le Keqiang Japan. Man vereinbart Verhandlungen über die umstrittenen Inselgruppen und eine Ausweitung des Handels zwischen beiden Ländern (weitere Punkte: Hotline zwischen beiden Ländern zur Vermeidung militärischer Konflikte, Abe nach China eingeladen, Xi will Japan besuchen). Es ist der erste Besuch eines chinesischen Ministerpräsidenten seit sieben Jahren. Am 17.06.18 gibt es ein Erdbeben in der Nähe von Osaka. 3 Menschen werden getötet, über 200 müssen fliehen. Im Juli 2018 gibt es Unwetter und Erdbeben in der Nähe von der Region Hiroshima, Nagasaki, Kyoto. Es gibt viele Tote und Verletzte. Am 04.09.18 gibt es einen schweren Taifun an der Küste der Hauptinsel. "Jebi" ist der schwerste Taifun seit 25 Jahren. Er führt zu sechs Toten und einem Verkehrschaos an der Küste. Der internationale Flughafen von Osaka muss lange gesperrt werden. Gleich danach erschüttert ein schweres Erdbeben der Stärke 7 die Insel Hokaido (Nordjapan). Mindestens 23 Personen kommen ums Leben. Ende Oktober 2018 kündigt Japans Regierungschef Abe an, dass er mehr Kooperation mit China will. Er spricht von "einem historischen Wendepunkt" auf dem ersten Gipfel beider Staaten. Möglichkeiten der Zusammenarbeit sieht er bei der Infrastruktur, der Logistik, bei Gesundheit und Finanzdienstleistungen. Einige Wirtschaftsabkommen wurden unterzeichnet. Auch beim Thema "Nordkorea" will man zusammenarbeiten. Anfang November 2018 besucht Wirtschaftsminister Peter Altmaier Tokio vor dem Asien-Pazifik-Gipfel. Er trifft seinen Amtskollegen Hiroshige Seko. Auch ein Treffen mit Abe ist geplant. Ab 2019 verlässt Japan die Internationale Walfangkommission (IWC). Am 04. und 05. Februar 2019 besucht Bundeskanzlerin Merkel Japan. Es geht um die Themen Internationale Ordnung, Krisenmanagement, Welthandel und Wirtschaftsbeziehungen. Seit 1999 gibt es in Japan den Nationalen Teishu-Kampaku-Verein (Vereinigung der chauvinistischen Ehemänner), die Schmeicheleien für ihre Ehefrauen üben.

Die Armen und Obdachlosen führen in Japan ein Schattendasein. Weil es offiziell keine Armut gibt und das Leben ohne Bleibe eine Schande ist, machen sich die Wohnungslosen unsichtbar (die meisten Mitbürger haben nur Verachtung übrig). Das gilt tagsüber, wenn sie ihre Lager abbauen und sich versuchen, normal einzugliedern. Nachts sieht man sie in Parks oder unter Brücken oder auch neben Bahnhöfen. Wer aus dem Raster der sozialen Homogenität fällt, gilt als Verlierer (mit wenig Menschenwürde). In Tokio leben 2014 ca. 6000 Obdachlose. Mit dem Kaiserwechsel 2019 endet die seit 1989 dauernde Regentschaft unter dem Namen Heisei (Frieden überall). Obwohl 1873 formal der gregorianische Kalander eingeführt wurde, rechnen die meisten Japaner und die Behörden in Kaiserepochen. 2018 befindet sich Japan im Jahr 30 der Heisei-Ära.

Technologie/Innovationen: Mitsubishi und Toyota entwickeln gemeinsam einen Regionaljet (70 bis 90 Sitze). Honda will einen Businessjet mit sechs Sitzen bauen. Viele Japaner geben mittlerweile dem Grabstein von Angehörigen einen digitalen Speicher mit persönlichen Daten des Verstorbenen bei (Familie, Vorlieben, Verdienste). Japan ist das Partnerland auf der Hannover Messe (weltgrößte Industrieschau) 2008. Die japanische Weltraumagentur Jaxa schickt Samen heimischer Kirschbäume für Experimente ins Weltall. Die Japaner bringen 2008 mit "Kibo" das größte Weltraumlabor zur ISS. Wenn eine Rakete Nordkoreas über Japan fliegt, soll diese abgeschossen werden. 2010 kommen die ersten Brennstoffzellen für den Hausgebrauch (erstes Land der Welt). Die katastrophale Pannenserie und Rückrufaktion des einstigen Elite-Konzerns Toyota stürzt die Industrienation Japan in eine Krise. Im Juni 2008 erschüttert ein schweres Erdbeben Nordjapan und richtet große Schäden in der Präfektur Iwate an (Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz seit 1999). Iwate lebt vor allem von der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei. Dadurch ist die Präfektur sehr stark betroffen. Am 11.03.11 trifft ein schweres Erdbeben mit Tsunami Japan (Jahrhunderterdbeben, Stärke 9). Es gibt sehr viele Todesopfer (30.000). Vier Atomkraftwerke sind schwer zerstört. Fukushima  ist mit vier Blöcken am schlimmsten betroffen. Es tritt radioaktives Cäsium, Jod, Plutonium und Strontium aus. Einige Atommeiler sind außer Kontrolle. Die Lage spitzt sich immer mehr zu (Erweiterung der Evakuierungszone, Verseuchung des Meeres, Schäden am Druckbehälter). In Reaktor 2 hat wohl eine Kernschmelze eingesetzt. Der Betreiber Tepco gibt keine genauen Informationen, ebenso sind die Regierungsangaben intransparent. Die Regierung gibt das Gebiet um Fukushima auf (20km Sperrgürtel); es läuft radioaktives Wasser aus (Leck kann geschlossen werden). Die Folgen für die Wirtschaft sind unabsehbar (Werksstilllegungen, Stromausfälle, Verseuchungen, Wanderung, Warenengpässe, kaputte Infrastruktur, Benzinknappheit, Folgeschäden bei der Gesundheit). Insbesondere die japanische Automobilindustrie wird um Jahre zurückgeworfen. Ca. 500 Zuliefererbetriebe im Nordosten sind betroffen. Am härtesten wird Toyota in Mitleidenschaft gezogen (Drosselung der Produktion in Japan, Nordamerika und China). Auch deutsche Firmen müssen die Produktion in Japan vorübergehend runterfahren (BASF, Schott, Böhringer). Immer mehr Unternehmen verlagern ihren Sitz nach Osaka. Die Rückversicherungen schätzen den Schaden auf 220 Mrd. Euro (teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten). Ein Nachbeben im April 2011 beschädigt weitere Atomkraftwerke (Onagawa). Tepco muss auf Anordnung der Regierung Entschädigungen zahlen. Es legt auch einen Zeitplan vor, der aber unrealistisch erscheint. Tepco beantragt Staatshilfen. Die japanische Regierung gibt den Plan zum Ausbau der Atomenergie auf. Es soll ein Rettungsfonds für Autozulieferer eingerichtet werden. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA wird 100 Tage nach der Katastrophe Japan Versäumnisse vor. Die japanische Regierung beziffert Mitte 2011 die direkten Kosten der Schäden auf 147 Mrd. €. Hinzu kommen mögliche Kosten durch das havarierte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi. Mitte 2011 tritt der Minister für Wiederaufbau Matsumoto zurück. Bis 09.2011 wurden 54,8 Mrd. € für den Wiederaufbau bereitgestellt. Ein weiteres Konjunkturpaket ist geplant. Ab 2011 entsteht von Osaka nach Tokio über Nagoya eine 438 km lange Magnetschwebebahn (Maglev), die 500 km/h schnell ist. Als Reaktion auf den Führungswechsel in Nordkorea kauft Japan Kampfjets in den USA. Im März 2014 beschließt der Internationale Gerichtshof in Den Haag, dass Japan den Walfang in der Antarktis aufgeben muss (kommerzieller Walfang unter dem Deckmantel der Wissenschaft). Ab 2014 bündelt Japan seine Kräfte, um die Brennstoffzelle für Autos zu beschleunigen (Toyota, Honda u. a. ). 2015 bekommt Japan den Zuschlag für eines der größten Eisenbahnprojekte der Welt: Der Schnellzug Shinkansen soll Mumbai und Ahmedabad in Indien verbinden. Japanische Forscher haben ein Bakterium entdeckt, dass sich vom Kunststoff PET ernährt. Vielleicht kann man damit die Mülllawinen in den Weltmeeren und an Land endlich in den Griff bekommen. Den Medizinnobelpreis 2016 erhält der Japaner Yoshinori Ohshumi für seine Verdienst um die Erforschung der Autophagie (Selbstverdauung der Zellen, Recycling der Zellen).  Japan ist im März 2017 das Partnerland der Cebit in Hannover. Das Land hat einen technischen Vorsprung bei der Digitalisierung der Wirtschaft. Beide Länder vereinbaren eine Zusammenarbeit bei der Digitalisierung. Der japanische Professor Tasuko Honjo von der Uni Kyoto bekommt den Medizinnobelpreis 2018 für die Erforschung der "vierten Säule der Krebstherapie" (Anregung der Körperabwehr gegen Tumore; mit dem US-Amerikaner James P. Allison). Erstmals seit 1945 beschafft Japan einen Flugzeugträger im Dezember 2018. Es wird mit der "potentiellen Drohung" durch China und Nordkorea begründet. Der Fächer stammt ursprünglich aus Japan und kam im 15. Jahrhundert nach Europa. Spanien wurde zum wichtigsten Herstellungsland, als sich der französische Kunsthandwerker Eugenio Prost im 18. Jahrhundert dort niederließ.

Sonstige Länder und Vereinigungen in Asien (China hat 14 souveräne angrenzende Staaten, mehr als jedes andere Land; die Landesgrenze ist mit 22.000 Kilometern die längste der Welt; viele der folgenden Länder sind auch unter diesem Gesichtspunkt zu sehen):

Indien

Inhalt: Wirtschaft, Kampf mit China, Handelsgeschichte, Wirtschaftsentwicklung der Zukunft,  Bevölkerung und Politik, Geschichte, Gesellschaft und Kultur, Gesundheitsreform 2018, KastensystemReligionen, Bhagavad Gita (Yoga), Moderne Psychologie, Medizin, Umwelt, Unternehmen, informeller Sektor, Kinderarbeit, Standort für DI; Nachbarländer bzw. historische Nachfolgestaaten (Kaschmir, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka).

Wirtschaft (Indien ist zum größten Back-Office der Welt aufgestiegen und dominiert als wichtigster Offshoring-Standort den weltweiten Handel mit IT -Dienstleistungen, Ihlau: Weltmacht Indien, S. 24, vgl. auch WIPRO und andere große indische Firmen bei Links) wächst 2013 nur um 5% (ebenso wie 2012). Die Inflation ist wieder gering: 2,6% 2018 (sie war mal zweistellig geworden. Indien hatte 2010 eine Inflation von 10,4%, 2009 5,5%). 2015 wächst Indiens Wirtschaft um 7,6%. 2018 wächst das BIP um 6,6%. Die Zahlen werden von Experten angezweifelt (Umstellung auf neue Berechnungsmethode; wahrscheinlich nur 5%). BIP 2018 2600 Mrd. $. BIP 2014 2048 Mrd. US$. 2010 liegt das BIP bei 1265 Mrd. $ (Rang 11 weltweit); die Bevölkerung liegt bei 1,34 Mrd. 2018 (1,23 Mrd. 2008); bis 2050 soll sich der Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung von heute 2% auf 17% erhöhen, bis 2025 soll es die fünftgrößte Wirtschaftsmacht werden). Heute ist es drittgrößte Wirtschaftsmacht in Asien. BIP pro Kopf: 728 € (2007, 2010 1176 Dollar Prognose). Seit mehr als 25 Jahren wächst die Wirtschaftsleistung jedes Jahr um über 5%. CO2-Ausstoß pro Kopf 1,18 t pro Jahr-2007, insgesamt 1324 Mio. t); das Bevölkerungswachstum liegt bei 1,4%, Alphabetisierung 61%, Kindersterblichkeit 6,3%, 60% aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, die nur ein Fünftel des BIP erwirtschaftet; um 2030 dürfte Indien das bevölkerungsreichste Land sein, aber ca. 300 Mio. leben von weniger als 1$ pro am Tag, 600 Mio. sind jünger als 25 Jahre). Die Inflationsrate beträgt 2007 6,7% und 2008 8,3%, die Arbeitslosenquote 7,2% (hohe Dunkelziffer). Die Notenbank erhöht 2010 den Leitzins auf 5,0%. Der Bedarf an Infrastrukturinvestitionen beträgt 2007 350 Mrd. $. Die Infrastruktur ist die große Schwäche Indiens. Kein anderes Land der Welt hat einen solchen Investitionsbedarf an Infrastruktur. Hinzu kommen als Schwächen Korruption und Bürokratie. 2012 ist die Rupie stark gefallen. Die Rupie, die indische Währung, wertete relativ stark gegenüber dem Dollar in der Vergangenheit auf, was die Exporte verteuert; auch die Löhne steigen relativ stark. 22,9% hat die Rupie 2008 an Wert eingebüßt, 2010 bis 2012 verlor die Rupie ein Fünftel ihres Wertes. Deutschland ist der sechstgrößte Handelspartner Indiens . Für 5,2 Mrd. € exportierte Indien 2009 nach Deutschland (Importe 8 Mrd. €). 2016 stiegen die Ausfuhren aus der EU auf 38 Mrd. Euro (Deutschland 10 Mrd. €) . Die Einfuhren lag en bei 39 Mrd. Euro (Deutschland 8 Mrd. €). Die ausländischen Direktinvestitionen lagen 2008 bei ca. 30 Mrd. $. 2014 betragen sie 169 Mrd. US$. Indien wird zusammen mit China  neuerdings als die Vision "Chindia" gesehen. 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen in Indien 2,47 Mrd. €. Die deutschen Exporte nach Indien legten 2015 um 10% zu. Mit Preiskontrollen, Exportverboten und Subventionen versucht die Regierung 2008, die wirtschaftliche Lage in den Griff zu bekommen. Ende 08 kommen Steuererleichterungen dazu, insbesondere bei der Mehrwertsteuer. Indien ist der viertgrößte Abnehmer deutscher Waren in Asien und der am schnellsten wachsende Exportmarkt. Für deutsche Firmen ist Mumbai der begehrteste Standort. Das größte Hindernis für ausländische Investitionen ist die ausufernde Bürokratie. Das Land bleibt von der Weltwirtschaftskrise weitgehend verschont. 2010 führt Indien den Emissionshandel ein.  Indiens Zentralbankchef Duvvuri Subbarao kritisiert zunehmend Chinas Wechselkurspolitik. 2011 erhöht Indien die Zinsen weiter (auf 6,5%), weil Inflation droht (hoher Anstieg der Lebensmittelpreise). Raghuram Rajan wird im September 2013 Notenbankchef (bis 2006 Chefökonom des IWF). Er wird auch spöttisch 007 genannt, weil er als James Bond der Finanzbranche gefeiert wurde. 2016 muss er seinen Rückzug ankündigen. Er hat das Augenmerk immer wieder auf "crony capitalism" gerichtet (ökonomische Interessen und politische Macht sind unheilvoll vermischt). Die Löhne steigen 2011 um 13%. 2012 lahmt die Wirtschaft; es wird mit einer längeren Schwächephase gerechnet. Es häufen sich Mega-Blackouts, Reformstau und Korruption. 2012 wird Indien größter Reis-Exporteur der Welt (überholt Thailand und Vietnam). 2013 strebt Indien ein Freihandelsabkommen mit der EU an. 2011 sind die Exporte aus der EU auf 10,9 Mrd. Euro gewachsen (Importe 7,5 Mrd. Euro). Im August 2013 beschließt das Parlament ein Hilfsprogramm für 800 Mio. € zur Armutsbekämpfung. 70% der mehr als 1,2 Mrd. Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. 2013 will der indische Staat immer mehr Gold kaufen und importieren, um den freien Fall der Rupie zu stoppen. Zu Beginn 2014 versinkt Indien in einer Schuldenspirale. Insbesondere die Staatsbanken besitzen einen Berg fauler Kredite. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt 2013 nur bei 4000 Dollar (China 11.000). Die Arbeitslosenrate lag 2013 bei 9%. Die Exporte waren wesentlich niedriger als die Importe (Importe 23% des BIP; Exporte 17% des BIP). Die Währungsreserven sind ganz niedrig. Ein großes Problem Indien ist die Hygiene. Es gibt viel zu wenig Toiletten und Kanalisationen. Die Flüsse sind erheblich verschmutzt. Schwere gesundheitliche Schäden sind die Folge. Die Regierung investiert lieber in Marssonden, Atomraketen und Staudämme. Als Haupthinderungsgrund der wirtschaftlichen Entwicklung sieht V. Raghunathan den fehlenden Willen der Inder zur Kooperation und die negativen Folgen dieses Verhaltens (vgl. Viswanathan Raghunathan: Games Indians Play, London 2008). Indien ist das größte Armenhaus der Welt. Immer mehr Provinzen in Indien leiden unter Dürre. 2016 ist es ganz schlimm. Es entwickelt sich eine "Durst-Wirtschaft". Ein Viertel der Bevölkerung sind betroffen (330 Mio.). 2015 soll die indische Wirtschaft um 7,6% gewachsen sein. Damit ist Indien Weltmeister. Ökonomen zweifeln diese Zahl massiv an (zu viele Indikatoren sprechen dagegen).  Indien macht im November 2016 eine Blitz-Bargeldreform.  Alle großen Geldscheine werden für ungültig erklärt. Der Umtausch muss bis Ende 2016 erfolgen. Die Banken sind überfordert. Indien gleitet ins Chaos. Die Bargeldreform dient dem Kampf gegen Korruption und Schattenwirtschaft. Sie ist ein riskantes Experiment. Vor allem die Reisbauern sitzen nach einer guten Ernte auf Bündeln von alten Scheinen. Mit täglich neuen Verordnungen zum Umtausch mehrt die Regierung die Konfusion. Besser wäre ein funktionierendes Steuersystem. Ende 2016 stottert auch Indiens Wachstumsmotor. Die IT-Branche schwächelt. Trump und der Brexit bremsen. Die Regierung setzt 2017 ihren Kampf gegen Bargeld fort. Sogar der Landbevölkerung werden Konten, Geldkarten und Apps aufgedrängt. Millionen Inder müssen folgen, nutzen die Sachen aber nicht. 2018 wird Indien zur fünfgrößten Wirtschaftsmacht aufsteigen (wird Frankreich überholen). Die industrielle Produktion entwickelt sich weiter nur schwach. Trotzdem hat sie 2015 wohl die höchste Wachstumsrate in der Welt (7,6%, vor China mit 7,0% und Indonesien mit 5,5%). 2017 belasten faule Kredite Indiens Staatsbanken. Im Jahre 2017 führt Indien eine Mehrwertsteuer ein. Bisher bestanden zwischen den Grenzen der Einzelstaaten Zölle. Diese sollen ersetzt werden. Die neue Mehrwertsteuer ist vielfach gestaffelt:  "Sündensteuer" 280% (Tabak, Luxusautos), Gold (3%), Gemüse (5%), Handys (12%), Kosmetika (28%). Die Zuordnung nach den Kategorien ist unklar. Es drohen viele Prozesse. Drei Mal im Monat soll eine elektronische Steuererklärung gemacht werden.  Mumbai ist die Finanzmetropole Indiens (auch Börse). Früher hieß die Stadt Bombay. Sie wurde von der rechts-nationalen Partei Shiv Sena umbenannt. Bangalore ist die IT-Metropole Indiens und der Welt. "Indiens Arbeiter sind in der Theorie gut, aber schlecht in der Praxis", B. Braun-Geschäftsführer Apte, 2015. Indiens Premierminister Nahendra Modi will in die Rolle von Mahatma Gandhi schlüpfen. Deshalb versucht Modi, die Erinnerung an Gandhi zu verdrängen (auf Kalendern in Gandhi-Pose, soll Gandhi auf Geldscheinen ersetzen). Gandhi hatte einst den Mittelstand gegen die englische Kolonialmacht hinter sich: Es waren die dörflichen Khadi - Industrien, mit denen handwerkliche Produkte hergestellt wurden.

Indien und China: In Asien kämpfen Indien und China um die Vorherrschaft. Noch dominiert China, das systematisch große Häfen in den Nachbarstaaten Indiens als Stützpunkte ausbaut. Auf lange Sicht hat Indien gute Karten. 2013 fällt Indien stark zurück. Die Korruption blüht, Investoren ziehen ihr Geld ab. Das Wirtschaftswachstum fällt 2012 auf 5% und 2013 auf ca. 3%. Der Anteil des produzierenden Gewerbes ist in Indien sehr gering (15%; zum Vergleich: Thailand 40%, China 34%; Malaysia 28%, Südkorea 26%). Bürokratie, Regularien und Unberechenbarkeit behindern weiter die indische Wirtschaft.  Im Mai 2017 war Indien als einziger Staat in Asien dem Seidenstraßengipfel ferngeblieben. Indien misstraut dem Projekt Chinas "One Belt, One Road". Das kommt den USA entgegen; sie hofieren Indien. Natursteine aus Indien sind in Deutschland sehr beliebt. Ihre Förderung bringt aber viele Arbeiter um. Die ganze Region Rajasthan lebt vom Sandstein. Am 18.01.18 testet Indien wieder eine Interkontinentalrakete (über 5000 km Reichweite).  Indien will China 2018 beim Wirtschaftswachstum überholen (7 bis 7,5%, China 6,5 bis 6,8%).  "In Indien wächst eine neue Mittelschicht aus 200 bis 300 Millionen Menschen heran, ein Markt, ein Land, so groß wie die europäische Union", Armin Buck, Siemens - Indien - Chef.

Es gibt drei verschiedene Konfliktstränge zwischen den beiden Ländern: Die Dauerkonfrontation zwischen Indien und Pakistan wegen Kaschmir. Auch China verwaltet einen dritten Teil. Der ständig schwelende Grenzstreit im Himalaya. Das Vordringen der Chinesen im indischen Ozean: China errichtet eine "Perlenkette" von Stützpunkten in den strategischen Flaschenhälsen Straße von Malakka und Straße von Hormuz. In West-Pakistan hat die China Overseas Ports Holding Company in Gwadar schon 2009 einen Tiefsee-Hafen gebaut und sich für 40 Jahre die Kontrolle gesichert. Die Chinesen haben auch in Sri Lanka Fuß gefasst (siehe unten). In Bangladesch hat China eine Brücke über den Padma gebaut (in Indien Ganges). Zu den Malediven baut China auch Beziehungen auf. Indien fühlt sich immer mehr eingekreist.

Wirtschaftsentwicklung der Zukunft:  Indien hat noch nicht den wirtschaftlichen Reifegrad wie China. In der Wachstumsgeschwindigkeit hat es aber China bereits überholt. Treiber sind hier vor allem die junge und stetig wachsende Bevölkerung sowie die umfassende und schnell voranschreitende Digitalisierung. Aufgrund der starken Abhängigkeit von Ölimporten und ausländischen Investitionen sowie in Anbetracht des hohen Anteils Not leidender Kredite in den Bilanzen indischer Banken kommen 2019 Herausforderungen auf Indien zu. Vielleicht kann es trotzdem 7% Wirtschaftswachstum geben. Vgl. Deutsche Bank: Perspektiven 2019, S. 10.

Bevölkerung und Politik: Bevölkerungszahl: 1 243 337 000 (2018: 1,34 Mrd.): Bevölkerungsdichte: 421,1 Einwohner pro Quadratkilometer; 32 Prozent Stadtbevölkerung; 63% Alphabetisierung. Die Geburtenrate fiel von 4,6 1981 auf 2,4 2015. 600 Mio. Inder sind jünger als 35 Jahre (Quelle: Worldometers). Indien ist die größte Demokratie der Welt.2014 sind Parlamentswahlen in Indien. Im Mai 2014 kommt es zu einem historischen Regierungswechsel. Die Hindu-Nationalisten mit ihrem Spitzenkandidaten Narendra Modi gewinnen die Parlaments-Wahl. Sie können viele Versprechen aber nicht halten (viele Großprojekte liegen auf Eis, weil die Bürokratie Grundstückskäufe verhindert). Damit gewinnen die radikalen Hindus Boden und die Intoleranz wächst. Mitte Oktober 2015 besucht die Bundeskanzlerin zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation das Land. 18 Wirtschaftsabkommen werden unterzeichnet (insbesondere für erneuerbare Energien). Im November 2016 ereignet sich ein schweres Bahnunglück in Indien. Wahrscheinlich waren die Schienen nicht in Ordnung (stammen noch aus der englischen Kolonialzeit). Über 150 Menschen sterben. Die hinduistisch-nationalistische BJP von Regierungschef Modi setzt sich bei den Regionalwahlen in Uttar Pradesh (bevölkerungsreichste Provinz mit 220 Mio. Menschen) im März 2017 durch. Im Mai 2017 besucht Modi Deutschland. Es findet auch ein Deutsch-indischer Wirtschaftsgipfel in Berlin statt. Ein Freihandelsabkommen ist beabsichtigt. Am 15. August 2017 ist der 70. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens (einen Tag vorher Pakistans; Wettrüsten und drei Kriege gab es dann). Im August 2017 einigt sich Indien mit China im Grenzstreit vom Doklam-Plateau. Anfang September 2017 ist Indien stark von Überschwemmungen betroffen (vor allem Mumbay; Folge des Monsuns). Der Sohn von Sonia Gandhi Rahul beerbt nach 19 Jahren seine Mutter als Führer der Kongress-Partei. die Partei kämpft ums Überleben.  Auslöser war der gewaltsame Tod eines Mitglieds. Im Juli 2018 droht vier Millionen Menschen auf einen Schlag die Ausweisung. Sie sind von einer Abschiebung nach Bangladesch bedroht (vor allem Muslime der bengalischen Minderheit). Indien hat eine sehr hohe Selbstmordrate bei jungen Frauen. Dies gilt vor allem für den Süden. Ab September 2018 ist Sex von Homosexuellen in Indien nicht mehr strafbar. Im Bundesstaat Gujraras wird er Unabhängigkeitsheld Vellabhbhai Petel mit der höchsten Statue der Welt geehrt (182 m hoch, 360 Mio. €). Es ist der Heimatstaat von Premier Modi. Bei Mumbai entsteht schon eine weitere Statue, die noch höher werden soll. Mehr als 20 Jahre nach der Gewaltwelle gegen Anhänger des Sikh-Glaubens in Indien mit Tausenden von Toten ist ein bekannter Politiker Ende Dezember 2018 wegen Anstiftung zum Mord verurteilt worden. Im Mai 2019 ist eine Parlamentswahl. Eine weitere Amtszeit von Narenda Modi ist nicht mehr sicher. Für einen Machtwechsel müsste sich die Opposition zusammen tun. Indira Gandhis Enkelin betritt im Januar 2019 auch die politische Bühne (Regionalchefin der Kongresspartei, Priyanka Gandhi).  "Diejenigen aber, welche zum Glück der Erkenntnis gelangt, über die Gegensätze erhaben und frei von Selbstsucht sind, dies erschüttert weder Glück noch Unglück irgendwann", aus Indien. "Die neue Regierung ist nicht wirtschaftsfreundlich, sondern versteht es auch, die Menschen auf dem Reformweg mitzunehmen", Raghuram Rajan, indischer Notenbankchef 2015. In Indien werden immer noch jedes Jahr Tausende Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag zwangsverheiratet (ein Drittel aller Zwangsverheiratungen auf der Welt; 360.000 Frauen sterben jährlich, weil sie zu früh schwanger werden). Indien versucht 2017 den Hochzeitswahn zu bändigen. Feiern in Kaschmir dürfen nur noch bis zu 500 Gäste haben und sieben Gänge. Darüber hinaus wird eine Sondersteuer fällig. Die meisten Haare für Perücken in der Welt kommen aus Indien. Der Rohstoff stammt aus südindischen Hindu-Tempeln, in denen sich die Gläubigen hingebungsvoll die Köpfe scheren lassen.

Geschichte Indiens:  Die erste Hochkultur in der Region des Flusses Indus gibt es von 2600 v. Chr. - 1800 v. Chr. Um 530 v. Chr. beginnt der Buddhismus in Indien. 326 v. Chr. erfolgte der Indienfeldzug Alexander des Großen. Er hatte keine militärischen Gründe, sondern Kriegslust und Neugier waren die Motive. Auf dem Rückzug zerstört er 323 v. Chr. Theben. Im 4. Jht. entstand das erste Großreich (Maurya, Kaiser Ashoka). Ab dem 8. Jht. n. Chr. gibt es immer wieder arabische Reiche.  1492 n Chr. entdeckt Vasco da Gama den Seeweg nach Indien, die Europäer kommen nach Indien. Zunächst ist Indien eine portugiesische, später eine britische Kolonie. Im 16. Jahrhundert schafft der Großmogul Akbar in Indien ein gewaltiges Reich (er stirbt 1604 n. Chr.; er verbietet Kinderheirat und Witwenverbrennung; ist aber sehr grausam). Es predigt vor allem Toleranz. Das Reich besteht danach noch 100 Jahre. Dann steht die East India Company der Britten bereit.  1947 kommt die Unabhängigkeit (Gandhi, Neru). Indiens gefährlichster innerer Feind sind die aufständischen Maoisten. Nach der Unabhängigkeit zerfällt das Reich in drei Teile: Indien, Pakistan, Bangladesch (und  auch Sri Lanka). Vgl. Kulka, h./ Rothermund, D.: Geschichte Indiens, 1998.

Exkurs: Geschichte des Handels: Traditionell lief der Handel zwischen China/ Asien  und Europa Jahrhunderte über die Seidenstraße (Blüte: Tang-Dynastie, Ming und Qing - Dynastie). Im 17. Jahrhundert kam immer mehr der Seeweg dazu. Vasco da Gama aus Portugal entdeckte 1504 den Seeweg nach Indien (vorher 1498 Calicut). Führend im Handel mit Südostasien waren Portugal und die Niederlande. Huygen und Barents aus den Niederlanden entdeckten neue Seerouten nach China. Daraus entstanden drei Bücher. Sie berichten über den Handel mit Indien, China und Japan. Die Niederlande wollten Malaysia zu ihrem Stützpunkt machen, um das portugiesische Gewürzmonopol zu brechen. Schließlich wurde 1602 die VOC gegründet (Vereinigte Ostindische Companie für Handel). Es war Teil des niederländischen Unabhängigkeitskampfes gegen Spanien und Portugal. Zentrum wurde dann doch eher Indonesien. Vgl. J. Elvers: Europa, das Meer und die Welt, München 2018, S. 264ff. Später übernahmen die Briten Indien als Kolonie.

Gesellschaft und Kultur in Indien: Die Gesellschaft ist heute tief gespalten. 33% der Menschen müssen 2010 mit weniger als 1,25 Dollar am Tag auskommen. Das Haushaltseinkommen der 20% ärmsten Haushalte wuchs zwischen 2000 und 2008 nur um 1,0% (OECD), während das BIP um 7,1% stieg. Besonders erschreckend ist die Diskriminierung der Frauen in Indien. Die Katastrophe in der Spitze besteht aus erschreckend hohen Todeszahlen pro Jahr (2003: 2,2 Mio. Todesfälle bei Frauen; 265.000/12% durch Abtreibung; 558.000 von 0 bis 15 Jahren/25%; 398.000 zwischen 15 und 45 Jahren/18%). Hinzu kommen die Gruppenvergewaltigungen.  Das größte Hindernis für ein moderneres Indien ist die grenzenlose Armut. Das Bildungssystem und die medizinische Versorgung sind verheerend.  In Indien ist das Bildungssystem noch niedrig, abgesehen von der Spitzenforschung. Das Bildungswesen kann auch 2014 noch als marode bezeichnet werden. Immer wieder Ärger gibt es mit Paralleljustiz der Khap Pachayats. Sie sind seit über 100 Jahren sind sie verboten, werden aber noch immer als Kastenjustiz eingesetzt. Abgelegene Dörfer sind schwierig zu kontrollieren. 2017 verbietet das oberste Gericht die Islamische Scheidung durch Verstoßung. Durch gepanschten Schnaps kommt es zu mehr als 100 Toten in Golaghat (Arbeiter einer Teeplantage) in Indien. Es war zu viel Methanol beigemischt. Das passiert in Indien immer wieder.  Entwicklungsminister Gopai Rai macht 2019 den Vorschlag, die heiligen Kühe und ältere Menschen im Ruhestand in  gemeinsamen Unterkünften unter zu bringen. Beide Gruppen sollen aufeinander acht geben.

Gesundheitsreform: Nach einem Gesundheitsbericht 2017 (28,2% der ländlichen und 28,95 der städtischen Bevölkerung haben eine Krankenversicherung) gibt es 2018 eine Gesundheitsreform. für 100 Mio. arme Familien werden die Kosten der stationären Aufenthalte übernommen. Die ambulante Versorgung muss nach wie vor selbst bezahlt werden.

Kastensystem (von casta - portugiesisch Herkunft, lateinisch: rein). Die Kaste bezeichnet die soziale Stellung, die Recht, Glauben, Partner- und Berufswahl bestimmt. Seit Jahrhunderten gliedert das komplexe Kasten-System die Gesellschaft. Jeder dient in der Kaste, in die er geboren wurde. Diese Ordnung bleibt relativ stabil. Man unterscheidet vier Varnas: 1. Brahmanen (Priester, Gelehrte), 2. Kshatryas (Krieger, Adel), Vaishya (Bauern, Händler, Handwerker), 4. Shudras (Hausangestellte, einfache Arbeiter). Das System ähnelt der Klassengesellschaft im antiken Griechenland. Weiter: Dalits, Harigans, Parias (Unberührbare). Innerhalb der Kasten gibt es weitere Clan-Strukturen. Anfang 2018 legen die "Unberührbaren" (unterste Schicht, Dalits) Mumbai lahm.

Religionen: Indien besitzt die ältesten Texte religiöser Philosophie auf der Welt. 1500 v. Chr. in der Bronzezeit werden die Veden zwischen dem Ganges und dem Indus aufgeschrieben. Unter ihnen sind die Upanishaden am wichtigsten.  Darin werden viele traditionelle Themen der hinduistischen Philosophie diskutiert (Karma, Maya, Atman, Brahman). Im 6. Jahrhundert vor Christus entstehen zwei Religionen, die heute noch Indien prägen. Die eine ist der Jainismus. Er wurde von Mahavista (599 - ca. 527 v. Chr., bürgerlich Nataputta Vardhamana) gegründet. Die Jainas glauben auch an Karma uns Reinkarnation. Das Endziel des Lebens ist die Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien (Samsura). Alle Lebewesen besitzen eine Seele. In Nordindien entstand im 15. Jahrhundert der Sikhismus. Sikh ist ein Wort aus dem Pandschabi (Sprache des Pandschab) und bedeutet Schüler. Religionsgründer war der Guru Nanak. Ursprünglich sollte diese Religion die Spannungen zwischen Hindus und Moslems in Indien überwinden. Die Mitglieder der Religion fallen vor allem durch ihre Namen und Kleidungsvorschriften auf. Die Religion ist eng mit einer tugendhaften Lebensführung verbunden. Frauen werden nicht diskriminiert. Das Streben nach Wohlstand und Ansehen wird befürwortet. In der Thar-Wüste, im Nordwesten Indiens, lebt seit Jahrhunderten das Volk der Bishnoi. Ihre Religion, die Bishnoi-Religion,  wurzelt in der Liebe zur Natur (1 bis 2 Mio. Angehörige der Religion). Es gibt 29 Gebote. Wo Bishnoi leben, ist die Wüste grüner und die Tiere sind zutraulicher.  Die Hindu-Religion vereint eine Vielzahl von Sekten, Kulten und Traditionen. So sprechen Experten mehr von Hindu-Traditionen. Die erste Hochkultur in der Region des Flusses Indus gibt es von 2600 v. Chr. - 1800 v. Chr. Um 530 v. Chr. beginnt der Buddhismus in Indien. Höchstes Fest des Hinduismus ist das Diwali-Fest (aus dem Sanskrit-Wort Deepavali - Lichterkette). Es ist zu Ehren der Gottheit Lakshmi (Wohlstand, Reichtum). Es ist vergleichbar unserem Weihnachten und gleichzeitig Neujahrsfest. Geschenke, Neuanschaffungen und Familie gehören dazu. Das größte religiöse Festival der Welt ist "Kumbh Mela". Es dauert sieben Wochen (Januar bis März) und wird am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna in Prayagraj alle drei Jahre begangen.  Nach einem Mythos werden "Tropfen der Unsterblichkeit" aus dem Krug (Kumbh) vergeben. 2019 sollen 150 Mio. Menschen kommen. Am bekanntesten bei uns durch die Berichte der Kolonialisten ist wohl die Göttin Kali (mit Toten-Schädel, nackt). Die heiligste Stadt des Hinduismus ist Varanasi (Stadt des Gottes Shiva; liegt im Gangestal rund 200 km südlich des Himalaja; 3,2 Mio. Pilger kommen jährlich). Mit dem Wasser des Ganges kann man die Sünden abwaschen (Ganga Mata). Zwei Elemente des Hinduismus sind bei uns besonders bekannt: Wiedergeburt und Erlösung, sowie die heilige Kuh und die vegetarische Ernährung. Im Januar 2019 verschaffen sich erstmals Frauen Zugang zu einem Hindu-Tempel. Daraufhin kommt es zu Krawallen in Indien. Die Polizei will den Tempelbesucherinnen rund um die Uhr Schutz bieten. Eine der Frauen, Kanaka Durga, ist Angehörige der hohen Kaste der Nair. So geht es auch um die Privilegien der oberen Kasten und das Patrairchat. Die Religion des Buddhismus geht auf Siddharta Gautama zurück, der später zum Buddha ("Erwachet") wurde. Sein Geburtsort ist das nepalesische Lumbini (wurde unter einem Baum von seiner Mutter geboren). Dort lebte er vor dem 6. Jahrhundert vor Christi (neuere Forschungen aufgrund älterer Tempelanlagen in Nepal bestreiten die Lebenszeit von 563-483 vor Chr.). Im Gazellenhain in Sarnath bei Benares soll der Buddha seine Erkenntnisse erstmals mit Anhängern geteilt haben. Siddartha verkündete seine Überzeugungen in Nordindien, sammelte Anhänger um sich und bekämpfte auch die strenge Einteilung der Menschen in Kasten. Er war eine Art Wanderlehrer ("Geht hin, ihr Mönche, und verkündet die Lehre zum Nutzen und Wohl der Menge"). Über die alten Handelswege kam der Buddhismus nach China, Korea, Japan und in viele andere Länder. Der Buddhismus ist mehr als nur eine Religion (das macht ihn meiner Meinung nach auch im Westen so attraktiv). Er stellt eine Lebenshaltung und -philosophie dar. Der Buddha ist Erkenntnis und wahres Wissen. In den 200 Jahren nach Gautamas Tod wurde aus seiner Lehre eine neue Religion.  König Ashoka verhalf dem Buddhismus in Indien zum Durchbrauch. Möglichst viele Menschen sollten seine Edikte verstehen. Das machte ihn zum Idealbild eines guten Herrschers (er kannte die Kultur der Griechen und Perser). Das Dhammapada ("Worte der Lehre") ist eines der populärsten buddhistischen Werke. Es ist eine Sammlung von über 400 Versen. Meditation ist ein weiteres wesentliches Element des Buddhismus. Das ist ein Zustand innerer Ruhe und Klarsicht. Zentraler Ort für die Verbreitung der Schriftreligion aus Indien war die uralte indische Universität Nalanda. Im Geburtsland des Buddhismus bekennt sich heute nur noch weniger als ein Prozent der Bevölkerung zu dem Glauben.  Der muslimische Herrscher Shah Jahan läst im 17. Jahrhundert das Taj Mahal als Liebesdenkmal für seine Frau Mumtaz Mahal bauen. 20.000 Arbeiter und Künstler waren beschäftigt. Es stand damals allein und spiegelt sich im Ymuna-Fluss. Heute ist der Fluss eine stehende Kloake. Agra, südlich von Delhi,  ist auf 1,6 Mio. Einwohner angewachsen. Das Denkmal wird von Abgasen zerfressen. Im Februar 2019 meldet Indien eine Luftschlag gegen Pakistan. Es ist vergeltung für einen Anschlag in Kaschmir. Es geht gegen die islamistische Gruppe Jaish-e-Mohammad. Diese plant immer wieder Anschläge in Indien.

Bhagavad Gita: Kern der indischen Psychologie, 200 v. Chr. entstanden. Es ist ein Epos. Drei Ganas bzw. Prinzipien wirken zusammen, alles im Universum zu erschaffen. Es sind Tamas (Trägheit, Dunkelheit, Chaos), Rajas (Ruhelosigkeit, Bewegung, Energie), Sattwa (Klarheit, Güte, Harmonie). Alle drei sind erforderlich. Ziel der Ausübung dieser Prinzipien (Yoga) ist die Beruhigung des Geistes, damit sich Erleuchtung einstellen kann und Bewusstsein bilden können. Es mehrere Yogaformen: Bewegung, Gesang, Hingabe, Erkenntnis. Psychisches Wachstum vollzieht sich in vier Lebensabschnitten: Schüler, Familienoberhaupt, Einsiedler, Asket. Vgl. Pickren, Wade E.: Das Psychologie Buch, 2018, S. 32. Als Trainer in einem Sportverein baue ich mittlerweile viele Yoga-Übungen in mein Programm ein (Wirbelsäulentraining, Gleichgewichtsübungen, Dehnübungen, Atemübungen).

Moderne Psychologie: Girindrasekhar Bose (1887-1953) gilt als der Begründer der modernen Psychologie in Indien. Im frühen 20 Jhd. wurde die Psychologie akademische Disziplin. In der Psychoanalyse bestand ein enger Bezug zur indischen Kultur. Nach dem zweiten Weltkrieg prägte Durganand Sinha die Psychologie in Indien. Vgl. Sinha, D.: Psychology in a Third World Country. The Indian Experience, Delhi: Sage, 1986.

Medizin: Berühmt und weltweit verbreitet ist Ayurveda (das Wissen vom Leben). Es ist das älteste bekannte Heilverfahren der Welt. Es gehört offiziell zum indischen Gesundheitssystem. Der Arzt untersucht Augen, Puls, Zunge, Urin und Stuhlgang. Drei Dosha (Prinzipien des Lebens) sollen sich im Gleichgewicht befinden: Vata (Bewegung), Pitta (Feuer) und Kapha (Struktur). Grundlage jeder Therapie ist individuelle Diät, Schwitzen, Öle, Abführen und Erbrechen (Entgiftung, Panchalkarma).

Umwelt: Die Pro-Kopf-Emissionen in Indien sind viel geringer als bei den anderen Hauptemittenten (1,7 t CO2 pro Kopf). Insgesamt liegt Indien aber mit 2070 Mio. Tonnen Kohlendioxidausstoß 2013 schon an dritter Stelle in der Welt. Indien neigt in der Vergangenheit dazu, der chinesischen Position zu folgen. Die neue Zielsetzung für Paris ist wenig transparent. Indien scheint mit seinem Pro-Kopf-Ausstoß zu argumentieren und will sich kaum auf Ziele einlassen. Doch die Regierung stimmt schließlich dem Pariser Abkommen zu. Indien hat 6% des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes. Indien hängt noch stark an der Kohle. Das schmutzige Geschäft wird im Nachbarland Bangladesch betrieben. Wie kaum in einem anderen Land der Erde ist Indien vom Klimawandel und der Umweltverschmutzung betroffen. Alle 30 Minuten bringt sich ein Landwirt um, weil er in Existenznot ist. Die Kleinbauern bekommen keine Hilfe von der Regierung. In New Delhi ist ein Leben kaum noch möglich. Jährlich sollen vorzeitig 1,8 Mio. Inder an Luftverschmutzung sterben (Quelle: Fachzeitschrift "The Lancet" 2018). 640.000 Menschen kommen durch verunreinigtes Wasser zu Tode. Die Flüsse sind zu Kloaken mutiert, auch der heilige Fluss "Ganges" sowie seine Nebenflüsse. Inder sind sicher nicht schmutzigere Leute als anderswo. Im Lande werden Gesetze nicht durchgesetzt. Ausländische Konzerne stemmen sich auch gegen einen umweltfreundlichere Politik (z. B. deutsche Autohersteller). Sunita Narain ist Indiens bekannteste und einflussreichste Aktivistin in Umweltfragen. Bangalore. Die indische Metropole ist die Universitäts- und IT -Hochburg. Die Stadt ist Sitz des Digitalriesen Infosys. Google betreibt dort sein größtes Forschungszentrum außerhalb der USA. Es ist eine der innovativsten Städte der Welt.

Unternehmen: Mittlerweile hat Indien mit Mittal den größten Stahlproduzenten, mit Arcelor einigt man sich auf Fusion (Weltmarktanteil 12,5%).   VW baut ein Werk in Indien (110.00 Autos, 2009). 2007 eröffnet auch BMW ein neues Werk. Daimler kooperiert bei Nutzfahrzeugen mit Hero (Joint-Venture). Bosch hat ein großes Werk in Bagalore. 1600 deutsche Firmen haben 2015 Direktinvestitionen in Indien (9,7 Mrd. €). Tata baut das billigste Auto der Welt (ca. 1700 €) und kauft Jaguar und Landrover von Ford. Daimler hält 7% an Tata und will bei Jaguar kooperieren. Daimler investiert 700 Mio. € in ein Gemeinschaftsunternehmen (60%) mit dem Partner Hero, der allerdings 2009 aussteigt. Es wurden Nutzfahrzeuge produziert. VW baut ab 2008 eine neue Fabrik bei Mumbai. Das weltweit größte Stahlunternehmen Mittal baut für 5 Mrd. Euro eine neue Stahlfabrik in Südost-Indien. SAP will in Indien bis 2011 1 Mrd. $ investieren. Die Deutsche Bank will bis 2007 tausende von Stellen nach Indien auslagern. Vodafone hat die Mehrheit an dem indischen Mobilfunkbetreiber Hutchison Essar übernommen. Die Allianz will in Indiens Bankensektor einsteigen. Heidelberger Cement erweitert seine Produktion in Indien. SAP will wichtige Entwicklungsentscheidungen zukünftig im indischen Bangalore treffen und stärkt damit den Standort Indien. Die indische Softwarefirma Yasu soll übernommen werden. Pläne zur Begrenzung von Auslandsinvestitionen lösen im Oktober 2007 Panikverkäufe an der Börse aus (Mumbai). Indien und Deutschland wollen ihr Handelsvolumen bis 2012 auf 20 Mrd. € verdoppeln (Merkel Ende Oktober 07 in Indien). Die BASF baut eine neue Kunststoff-Produktionsanlage in ihrem Standort Thane bei Mumbai (Bombay). In Mumbai ist ebenfalls ab 2015 ein Forschungszentrum für 50 Mio. Euro und 300 Wissenschaftler geplant. Daimler will im südindischen Chennai einfache Lastwagen bauen. Indian Oil und Bharat Petroleum sind die größten Unternehmen in Staatshand. Die Privatisierung der indischen Unternehmen kommt 2009 ins Stocken. 2010 will die Deutsche Telekom in Indien starten. Siemens will ab 2010 in den nächsten drei Jahren 8000 Jobs in Indien schaffen. 2010 verkauft Daimler seinen 5%-Anteil an Tata. Ca. 470 Unternehmen sind noch in staatlicher Hand (40% der Wirtschaftsleistung). Sie sollen schrittweise privatisiert werden. Eine Reihe von Milliardären scheinen die Wirtschaft zu dominieren. Dies führt immer wieder zu Korruptionsskandalen. Man spricht auch von "Crony Capitalism" (Kumpanei zwischen Privatwirtschaft und Staat). 85% der Arbeitskräfte arbeiten in einer Art informellem Sektor, ohne Tarif- und Arbeitsverträge. Bürokratie und Stromausfälle erschweren auch 2015 weiterhin die Geschäfte. Die Regierung wirbt um Direktinvestitionen (höhere Ausgaben für Infrastruktur, niedrigere Unternehmenssteuern). Vgl. Links/ Sonstige Unternehmen in Ostasien. Im März 2017 schließen VW und Tata Motors eine strategische Allianz. Indien besitzt die drittgrößte Lederindustrie der Welt (nach China und Italien). Die Abwässer der riesigen Beiz-Fabriken fließen in der Regel ungefiltert in den Ganges. 2017 platzten die Bündnispläne zwischen VW und Tata (Kooperation bei Billigautos; Skoda; Absichtserklärung für strategische Allianz). 2017 übernimmt der russische Erdölgigant Rosneft die zweitgrößte indische Ölfirma Essar Oil (zusammen mit Partnern). 2017 wirbt indien massiv um deutsche Mittelständler. Das Motto der Initiative lautet: "Make in India Mittelstand". Allerdings sind die bürokratischen Hürden hoch. 2000 deutsche Firmen sind in Indien aktiv. Unilever kauft Ende 2018 die asiatische Malzgetränkesparte von Glaxo-Smithkline für 3,3 Mrd. Euro. Es geht insbesondere um die Getränkemarken Horlicks und Boost in Indien. Das ist wichtig im Wettbewerb gegen Nestle. ab 2019 plant die BASF eine Investition in Milliardenhöhe in Indien (Hafenstadt Mundra, zusammen mit Adani, komplett mit Versorgung aus erneuerbaren Energien). VW zahlt 2019 in Indien eine Sicherheitsleistung: 12,3 Mio. Euro. Emissionsnormen und ihre Einhaltung. "Auch Pannen haben ihren Wert, aber nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika", C. Reisbach, Brauereivorstandsvorsitzender. In Indien wurde das Raiffeisenmodell, das auf F. W. Raiffeisen zurückgeht, erfolgreich schon zur deutschen Kaiserzeit eingeführt (1904). Heute gibt es in etwa 230 Mio. Mio. Mitglieder im Genossenschaftsnetzwerk. Etwa 60% aller Genossenschaften sind im Bereich der Landwirtschaft tätig. Allerdings wird das Demokratieprinzip schon mal durch die bemittelten Mitglieder unterwandert. Indien ist 2015 Partnerland auf der Hannover Messe. "In Indien weißt du nie, wo ein LKW steckt und wann er ankommt", Philipp Bäcker, BPW Trailer Systems India, 2015. Die älteste Börse in Asien ist die in Mumbai/ Indien. Sie geht 2017 selbst an die Börse. Im März 2017 schließt der größte Bundesstaat Uttar Pradesh über die Hälfte seiner Schlachthöfe wegen Regelverstößen. In Wirklichkeit dürfte es sich eine Maßnahme von Hindu-Nationalisten gegen Moslems und Christen handeln. Nachbarschaftsläden versorgen in Indien Hunderte Millionen Menschen. 12 Mio. solcher Tante-Emma-Läden gibt es 2018 noch in Indien. Sie versorgen Hunderte Millionen Menschen mit Gütern des täglichen Bedarfs. Metro will helfen, die Shops ins digitale Zeitalter zu überführen.

Informeller Sektor: Nichtreglementierte Unternehmen bilden das Rückgrat der indischen Volkswirtschaft. Ihr Anteil soll nach Schätzungen bei 54% der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung liegen. Es handelt sich um ca. 56 Mio. informelle Unternehmen (Kleinbetriebe und Selbständige). Sie standen 1,39 Mio. registrierten Unternehmen gegenüber. Die Landwirtschaft, die Fischerei, das Transportgewerbe und Teile des Finanzsektors sind ohne Rücksicht auf Steuerrecht, Arbeitsrecht, Arbeitsschutz organisiert. Diese Schattenwirtschaft führt auch zu Korruption und fehlendem Zugang von staatlichen Leistungen. 2017 wurde eine Mehrwertsteuer eingeführt, die das Dickicht der Umsatzsteuer und den Vorsteuerabzug  regulieren soll. Gegen Scheinfirmen wird härter vorgegangen. Die Bargeldreform soll hier helfen.

Kinderarbeit in Indien: In Indien ist Kinderarbeit sehr verbreitet (einer der höchsten Anteile in der Welt). Jedes zweite hungernde Kind soll in Indien leben. Die Kinder arbeiten vor allem in der Landwirtschaft, im Bergbau und in Steinbrüchen (Grabsteine). Besonders betroffen sind die Mädchen, die wie Sklaven eingesetzt werden.

Indien als Standort für ausländische Direktinvestitionen: Indien soll 2019 mit 7,3% wachsen (Prognose), schneller als jedes andere asiatische Land. Bis Ende des Jahrzehnts wird Indien auch das bevölkerungsreichste Land der Welt sein und damit China überholt haben. Damit könnte Indien das kommende Land der Welt sein. Investoren finden gut ausgebildete Arbeitnehmer und unzählige Konsumenten. Als besonderer Standortvorteil gelten die IT - Fachkräfte. Als Hürde gilt immer noch die Bürokratie, aber auch das Kastensystem. Die Tradition und Kultur hemmen die wirtschaftliche Entwicklung.

Nachbarn bzw. historische Nachfolgestaaten und Abspaltungen:

Kaschmir: Seit der Trennung von Indien und Pakistan in der Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 ein Zankapfel, obwohl es eine Waffenstillstandslinie ("Line of Control") gibt. Eigentlich zerfällt Kaschmir in drei Teile: Einer, von Pakistan verwaltet, einer von Indien verwaltet und einer von China verwaltet. Indien und Pakistan haben schon drei Kriege um das Gebiet geführt:1947/48, 1965, 1971. Beide Länder beanspruchen ganz Kaschmir. Seit 2016 ebbt die Welle der Aufstände und Proteste nicht mehr ab. Pakistan und Indien sind Atommächte (Pakistan 150 Atomsprengsätze, Indien 140). Ende Februar 2019 gibt es wohl Luftangriffe von beiden Seiten mit abgeschossenen Flugzeugen und Kanonenfeuer. Die Freilassung indischer Piloten wird dann als Zeichen der Entspannung interpretiert. Trotzdem ist die Lage unsicherer geworden (USA übernehmen nicht mehr Vermittlerrolle, Führung in beiden Ländern unberechenbarer, "rote Linien" werden öfter gebrochen, wie das Verbot von Luftangriffen). In Asien gibt es noch zwei andere große Konfliktherde: Taiwan und dass Bestreben von China, die Insel ins Reich zu holen und das geteilte Korea, wo noch kein Frieden geschlossen wurde. Bis 1947 war Kaschmir ein Fürstentum.

Pakistan: 197 Mio. Einwohner. 96% sind Muslime (überwiegend Sunniten). Währung Pakist, Rupie.  BIP 2017 305 Mrd. US-$. Ein Tweed auf Twitter von Präsident Trump Anfang 2018 erbost die pakistanische Regierung. Trump hatte darauf hingewiesen , dass Pakistan in den vergangenen 15 Jahren 33 Milliarden Dollar an Hilfe bekommen habe.  Die Gegenleistung seien aber Lügen und Betrug gewesen. 2016 gewinnt Khan die Wahlen in Pakistan. Die USA wollen die Hilfsgelder für Pakistan zusammenstreichen. Nach dem Freispruch für eine Christin gibt es Proteste im Land. Die Christin heißt Asia Bibi und kann wahrscheinlich nach Europa (Deutschland) ausreisen. In Pakistan gibt ein Blasphemiegesetz. Wer eine Gotteslästerung wiederholt, dem droht der Tod. Wobei Mohammed gleich Gott ist. Unabhängiges Denken kann tödlich sein. Verteidiger und Richter wurden ermordet. Paradoxerweise schützt das Blasphemiegesetz die "Gotteslästerer", sonst würden sie direkt gelyncht. Bei zwei Anschlägen im November 2018 gibt es viele Tote. Pakistan spielt eine wichtige Rolle im Projekt "Neue Seidenstraße" Chinas. Geplant ist noch eine Eisenbahnverbindung von Kashgar durch Pakistan nach dem Hafen Gwadar (von einer chinesischen Firma kontrolliert; von hier besteht ein Korridor in den Nahen Osten und Afrika, damit der Seeweg über die unsichere Malakka - Meerenge entlastet wird). Außerdem wird schon über 10 Jahre an einer Straße über das Karakorum-Gebirge gebaut (seit 2007). Der Weg muss entweder gefunden oder gebaut werden (Karakorum-Highway). Er führt von Kaschgar/ Xinjiang nach Havelian/ Nordwesten Pakistans. Pakistan ist extrem verschuldet bei den Baufirmen und Banken Chinas. Der Korridor durch Pakistan soll den direkten Zugang Chinas zum indischen Ozean sichern. Die Brandkatastrophe in einer pakistanischen Textilfabrik im Jahr 2012 wird nicht vor einem deutschen Gericht verhandelt (Ali Enterprises in Karachi für die deutsche Firma Kik; Fall sei verjährt).

Bangladesch (ehemals Pakistan/ Ost): Seit 1971. Einwohner 165 Mio. Hauptstadt Dhaka. Währung Taka. BIP 2017 250 Mrd. US-$. Ist auf Flüsse angewiesen, die aus Indien und China kommen. Sämtliche relevanten Flüsse entspringen in Tibet. Im Sommer 2016 wird wieder ein schwerer Anschlag vom IS durchgeführt. Das Land hat 161 Mio. Einwohnen (Rang 8). Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf beträgt 1190 US-$. 2015 lag das BIP bei 195,1 Mrd. US $.Besonders wichtige Güter sind Baumwolle und Stoffe. In dem Land lassen viele westliche Firmen Stoffe und Textilien produzieren. Es gibt sowohl eigene Produktionsstätten, Lizenzen und Auftragsvergabe. Beim Brand einer Textilfabrik mit vielen Toten wird der Billighändler KIK beschuldigt und später in Deutschland verklagt. Bangladesch entwickelt sich zu einem wichtigen Land der Billiglohnproduktion.

Sri Lanka (bis 1972 Ceylon, 1948 unabhängig von Großbritannien) ist ein Inselstaat. Daten: 21,7 Mio. Einwohner (2018); BIP 87,1 Mrd. Dollar (2017); 7% des BIP umfasst die chinesischen Projekte.  Ein wichtiges Exportprodukt ist Tee. Jahrzehnte prägten Konflikte zwischen Tamilen und Ceylonesen (Singhalesen) das Land. Im Mai 2017 töten Überschwemmungen über 150 Menschen. 2018 gibt es blutige Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Moslems (mit 10 Prozent in der Minderheit). Der deutsche Bundespräsident Steinmeier muss eine Reise in das Land verschieben. In der Hauptstadt Dhaka bewegt sich im Verkehr so gut wie nichts mehr (einziger langer Stau). Sri Lanka liegt am südlichen Zipfel Indiens. Die Insel ist etwa so groß wie Bayern. Allerdings leben dort 22 Mio. Menschen. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist buddhistischen Glaubens. Im nördlichen Teil der Insel leben auch Tamilen, die überwiegend Hindus sind. Viele Tamilen haben die Briten auf die Insel gebracht, weil Einheimische nicht auf den Teeplantagen arbeiten wollten. Auf Sri Lanka machen Deutsche gerne Urlaub, vor allem im Winter "Vorstufe zum Paradies"). 2018 tobt ein Machtkampf auf der Tropeninsel. Welche Regierung ist legitim? Hinter dem Streit dreier Rivalen steckt ein grundsätzliches Problem: Wer hat mehr Einfluss - Indien oder China? Das oberste Gericht untersagt im November 2018 dem Präsidenten Sirisena, das Parlament aufzulösen. Damit wird die Position des entlassenen Ministerpräsidenten Wickremesinghe gestärkt. Der Präsident wollte eigentlich Rajapakse einsetzen. Der entlassene Ministerpräsident kehrt aber auf seinen Posten zurück. Damit setzt sich auch Indien durch. Im Süden der Insel hat China aber einen Hafen gebaut. Er ist ein wichtiger Transithafen. Als das Land die Zinsen nicht mehr bezahlen kann, übernimmt China für 99 Jahre die Kontrolle über den Hafen. Proteste der Bevölkerung nützten nichts. Sri Lanka spielt auch eine wichtige Rolle im Neuen Seidenstraßenprojekt Chinas. Hambantota in der Südprovinz wird in einem großen Infrastrukturprojekt von China zum Hafen umgebaut. Früher wurden hier Wassermelonen gehandelt. Das Land  ist schon so verschuldet, dass der Hafen für 99 Jahre von China kontrolliert werden kann. Man munkelt, dass auch eine Militärbasis entsteht. China gibt die Kredite, wobei nach bewährtem Rezept ca. 90% wieder bei chinesischen Firmen landen. Es ist auch ein Flughafen entstanden, der seit Jahren keine Flüge hat. In Sri Lanka gibt es noch die Todesstrafe, die auch ausgeführt wird. Es fehlen allerdings Henker (die Vererbung der Position klappt nicht mehr). Man sucht sie 2019 per Zeitungsinserat. Bei Anschlägen auf christliche Kirchen und große Luxushotels werden im April 2019 über Ostern über 350 Menschen getötet. Der IS reklamiert die Anschläge für sich als Vergeltung für die Anschläge auf Moscheen in Neuseeland. Es scheinen tatsächlich radikale Muslime (Salafisten) hinter den Attentaten zu stecken. Der Anführer ist wohl umgekommen. Erstaunlich ist, dass die Attentäter aus besseren Kreisen mit höherer Bildung kamen. Es finden auf absehbare Zeit keine katholischen Gottesdienste statt aus Angst vor weiteren Anschlägen. Außerdem wird das Internet vorübergehend abgeschaltet. In Sri Lanka ist der Theravada - Buddhismus die Hauptreligion. Sie kam um 1000 n. Chr. in das Land. Der Kontakt zwischen Mönchen und Soldaten ist traditionell eng. Hier lebt auch Nyanatiloka, der eigentlich Anton Gueth hieß. 1909 reist er in die Nähe von Lugano, um dort das erste buddhistische Kloster in Europa zu gründen. Sicher hat auch ein Hauptwerk von Hermann Hesse, nämlich Siddharta, zur Verbreitung des Buddhismus in Europa beigetragen. Hesse hatte eine Reise nach Indien gemacht.

Die Stadt Kandy in Sri Lanka verwahrt einen Schatz, dem im Buddhismus kein anderer ebenbürdig ist. Es handelt sich um den linken Eckzahn von Siddharta Gautama (ca. 563 v. Chr. - 483 v. Chr.). Kandy war einst die verborgene Hauptstadt des Singhalesischen Königreichs, das bis 1815 den Eroberungsgelüsten der Portugiesen und Briten trotzte. Sri Vikrama Rajasinha, der letzte König von Kandy, ließ einen großen künstlichen See anlegen. Direkt daneben liegt Sri Dalada Maligawa, der Zahntempel. Jeden Juli feiert Sri Lanka das größte buddhistische Fest der Welt. Ursprünglich wurde der Zahn in einem Kloster in der Nähe aufbewahrt. Siddharta Buddha wurde als junger Mann drei Mal mit dem Leiden der Welt konfrontiert (kranker Mann, alten Mann, Begräbnis). Dies führte zu der Erkenntnis, dass Wohlstand und Privilegien kein Schutz vor Leiden sind. Er kam zu drei Grundmerkmalen der Existenz: 1. Alle sist flüchtig und verändert sich kontinuierlich. 2. Es gibt kein Ich oder eine sterbliche Seele. 3. Leiden und Unfrieden sind der Kern der Existenz. Der mittlere Weg zur Erkenntnis soll befolgt werden, indem die vier edlen Wahrheiten gepflegt werden.

Konflikte zwischen Ethnischen Linien: Es war der Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen, der das Land fast zerriss. Es gab nie nennenswerte Konflikte zwischen Christen und Muslimen. Beide sind kleine Minderheiten (7% Christen, 10% Moslems). 13% sind Hindus, mehr als 66% Buddhisten. Die extremen Buddhisten machten auch die meisten Übergriffe in der Vergangenheit. Umso unerwarteter war der muslimische Anschlag im April 2019.

 

Indonesien:

Inhalt: Kultur und Geschichte, Religion, Wichtige Wirtschaftsdaten und Rahmenbedingungen, Naturkatastrophen, Arbeitsmarkt, Kinderarbeit, Matriarchat.

Kultur und Geschichte: (früher: Niederländisch-Indien, holländische Kolonie; vgl. Helfferich-Sammlung im Ostasieninstitut Ludwigshafen/ HS LU, wo es wichtige Ausstellungsstücke dazu gibt). Der südostasiatische Staat besteht offiziell aus 17.508 Inseln.  Damit ist das Land der größte Inselstaat der Welt. Mit knapper Mehrheit entscheidet Indonesiens Verfassungsgericht im Dezember 2017, dass außerehelicher Sex erlaubt bleibt. Indonesien war früher eine holländische Kolonie. 1602 wurde die Vereinigte Ostindische Companie in Amsterdam gegründet (VOC). Sie beherrscht Jahrhunderte Indonesien. Noch heute erinnert die Architektur in vielen Städten an Holland. Eine Million Menschen wurden aus Europa nach Indonesien gebracht. Die meisten waren Soldaten aus vielen europäischen Ländern. Sie unterschrieben Schuldscheine für Kost und Logis. 1609 wurde Djakarta erobert. Man nannte es Batavia und wurde zum Zentrum der VOC. Europa wollte die Rohstoffe, die Europäer blieben aber nur auf Zeit. 1799 ging die VOC Pleite. Aber bis 1949 blieb Indonesien holländische Kolonie. Auf der Insel Sulawesi werden 39.900 Jahre alte Höhlenmalereien gefunden (sie sind ähnlich alt wie in Europa und sind erste Hinweise auf abstraktes Denken).

Religion: Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Es wird eine gemäßigte und tolerante Form des Islam praktiziert. In jüngster Zeit häufen sich allerdings Vorfälle, die auf eine Radikalisierung hindeuten. So wird etwa eine chinesische Gottheit verhüllt, weil sie zum Gegenstand von Kampagnen wird. Auch der IS zeigt sich häufiger in Aktionen. Viele radikale indonesier waren Mitglieder des IS. Sie könnten in ihre Heimat zurückkehren. Um 1000 bis 1500 n. Chr. erfährt der Buddhismus, der bis dahin in Indonesien überwiegt, einen Niedergang und wird durch den Islam ersetzt. Die Gründe sind noch nicht ausreichend erforscht.

Wichtige Wirtschaftsdaten und politische Rahmenbedingungen: Einwohner 260 Mio. (2017); Bevölkerungswachstum 1 Prozent. Hauptstadt Jakarta. Verwaltung: 34 Provinzen, Sonderegion Yogyakarta, und 3 Provinzen mit Sonderstatus: Aceh, Papua, West-Papua.  Bruttoinlandsprodukt 2017 1016 Mrd. US-$; 2016 900 Mrd. US-Dollar; Wachstum 5,5% (Prognose 2017 +5,3%); Exportquote 5,8%; Arbeitslosenquote 5,8%; Aktienmarktbewertung 15,4 (Kurs/ Gewinn 2017, Schätzung). Wichtigste Handelspartner: China, Singapur, Japan; Wichtigste Branchen Bergbau, Energie (2014; German Trade & Invest). 2015 leidet Indonesien besonders unter dem Absturz Chinas. Das Land hat eine große Abhängigkeit von Rohstoffexporten. Das Geschäft mit Palmöl ist besonders stark zurückgegangen. Die Insel Java ist am wichtigsten; hier leben über 50% der Bevölkerung (ist liegt auch Jakarta). Weitere bekannt und wichtige Inseln sind Sumatra, Bali und Borneo. BIP-Anteile: Primärer Sektor (über 13%; aber über 40% der Erwerbstätigen), Sekundärer Sektor ca. 42%, tertiärer Sektor über 42%. 2016 streicht die Regierung Subventionen und investiert in Infrastruktur. Indonesien ist besonders abhängig von Fisch als Einkommens- und Nahrungsquelle. Das Wachstum betrug 2009 4,5% (2006 5,3%). Indonesien ist die drittgrößte Demokratie (250 Mio. Einwohner) und das größte islamische Land der Welt (mehr als 90% Muslime, "sanfter Islam"). Jakarta, die Hauptstadt, ist eine der größten, dreckigsten und überfülltesten Metropolen der Welt. Vielen gilt das Land als der Zukunftsmarkt Asiens. Schon jetzt haben Holz, Palmöl und Kohle ausländischen Investoren angelockt. Das Land hat noch viele andere Rohstoffe (Kupfer, Zinn, Gas). Es ist politisch stabil und hat eine positive demographische Entwicklung. Die deutschen Direktinvestitionen betrugen 2008 1,35 Mrd. €. Insgesamt lagen die ausländischen Direktinvestitionen 2014 bei 22,3 Mrd. Dollar (aus Japan, China, Oman). Sie verhindern einen massiven Abschwung. Indonesien war der Star unter den Schwellenländern. In den letzten Jahren war das Wachstum bei 6%. Der Kurs der Landeswährung Rupiah fällt. Die Inflation steigt. 2012 steigen die deutschen Exporte nach Indonesien um 47%. In Indonesien werden über 500 regionale Sprachen gesprochen (deshalb ist Englisch primäre Geschäftssprache). Das Land verfügt über große Kohle-, Öl-, und Gasvorkommen. Bis Mitte des 21. Jahrhunderts soll Indonesien die siebtgrößte Wirtschaftsmacht der Erde sein. Im November 2017 findet in Jakarta die Asien-Pazifik-Konferenz statt. Bundeswirtschaftsminister Altmaier nimmt teil. Im April 2019 steht der bisherige Präsident Widodo vor einer zweiten Amtszeit. Der deutsche Gastronom Wolfgang Nickel aus Sachsen-Anhalt arbeitet sehr erfolgreich mit Indonesiern zusammen. Er beschäftigt insgesamt 89 Indonesier, zum Teil schon lange.

Naturkatastrophen: Das Land wurde zum Jahreswechsel 2007 von einer Katastrophenserie überzogen; Im Herbst 2015 ist es Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Auf den Inseln kommt es Ende 2015 wieder zu massiven Brand-Rodungen. Diese beeinflussen das Wetter und Klima in ganz Süd-Ostasien. 2016 macht der IS einen Anschlag in Jakarta (mindestens sieben Tote, 1 Deutscher). Im Dezember 2016 werden 50.000 Menschen bei einem Erdbeben obdachlos. Am 15.01.18 stürzt ein Teil der indonesischen Börse ein. Wie durch ein Wunder, kommt niemand ums Leben. Im Februar 2018 bricht der Vulkan Sinabung wieder aus. Der Sinabung war 2010 nach 400-jährigem Schlaf wieder erwacht. Im August 2018 erschüttert ein Erdbeben das Land (vor allem die Insel Lombok). Es sterben über 150 Menschen. Am 28.09.2018 stößt ein Tsunami auf Indonesien (Insel Sulawesi, Küstenstadt Palu): Es gibt Nachbeben, die Infrastruktur ist zerstört, Hunderte von Verletzten überfordern die Krankenhäuser, es gibt auch über tausend Tote. Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der sehr häufig von Erdbeben heimgesucht wird. Die Folgen sind auch so dramatisch, weil die Tsunami - Warnung zu früh aufgehoben wurde. Es gibt weitere Beben auf anderen Inseln. Indonesien fordert internationale Hilfe an (25 Staaten helfen). Über 5000 Menschen sind vermisst. Am 30.10.18 stürzt ein Flugzeug kurz nach dem Start ab ins Meer (180 Tote). Kurz vor Weihnachten 2018 kommt ein tödlicher Tsunami ohne Vorwarnung. Er löst eine starke Flutwelle aus, die die Strände zwischen Java und Sumatra verwüstet. Als Ursache gilt ein Seebeben, das einen Erdrutsch auslöste. Es gibt über 400 Todesopfer. In dem Land lebt der Volksstamm der Toraja (Insel Sulawesi). Für die ist das Leben nur ein Übergang zu einer unendlichen Reise. Das Jenseits ist bedeutsamer. Beim Tod verlässt die Seele den Körper, bleibt aber in der Nähe. Deshalb wird der Leichnam möglichst lange zuhause aufbewahrt (einbalsamiert). Beim Ma´Nene-Ritual werden Dahingeschiedene ausgebuddelt, neu eingekleidet und durchs Dorf geführt.

Arbeitsmarkt: Er weist eine Reihe von Besonderheiten auf. Er ist von staatlichen Interventionen im Inneren und Protektionismus nach außen geprägt- Er ist stark binnenorientiert. Der internationale Wettbewerbsdruck ist dadurch gering. Das Lohnniveau ist relativ hoch. Das Arbeitsrecht ist restriktiv und wird von ausländischen Firmen als Investitionshemmnis interpretiert. Kündigungsschutz, Feiertagsregelungen und Gebetspausen sind arbeitnehmerfreundlich. Die Schuhindustrie steht im weltweiten Wettbewerb und umgeht daher das Arbeitsrecht. Informelle Arbeitsbeziehungen und Heimarbeit kennzeichnen die Branche. Insgesamt gibt es eine Abschottung gegen ausländische Arbeitnehmer.  Vgl. Fischer Weltalmanach 2019, S. 214.

Kinderarbeit: Die Abschottung des Arbeitsmarktes hat auch eine weitere Kehrseite: Kinderarbeit ist in Indonesien weit verbreitet. Sie arbeiten etwa auf der Insel Sulawesi bei der Kakaoernte. Kinder werden auch in den Minen des Bergbaus eingesetzt. Hier vor allem in Goldminen.

Matriarchat: Das Volk der Minangkabau ist die größte matrillineare Gesellschaft der Welt (kleinere Völker gibt es auch in China und Brasilien). Das Volk ist muslimischen Glaubens. Frauen sind Oberhaupt der Familie, ihnen gehört das Grundeigentum und sie vererben und erben. Religion und Kultur stehen in einem Widerspruch. Aber die Kultur ist älter als die Religion (heute Moslems, früher Buddhisten). Eine sehr interessante soziale Situation, die mehr erforscht werden müsste.

Aktuelles: Indonesiens staatliche Fluggesellschaft Garuda macht die Bestellung von 49 Maschinen des Typs Boing 737 rückgängig. Hintergrund der Stornierung sind zwei Abstürze mit mehr als 340 Toten.

 

Korea:

Inhalt: Südkorea (Politik, Unternehmen, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik, Arbeitsbedingungen, Menschen - Rechte und Tradition, Kultur, Religion), Nordkorea (Politik, Wirtschaft, Kultur, geographische Zonen, politische Rahmenbedingungen).

Im Sprachgebrauch bildet der 38. Breitengrad die Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Symbol ist die demilitarisierte Zone (DMZ), die in der Regel dort lokalisiert wird. Dabei berührt diese geographische Linie den Grenzverlauf nur an einem einzigen Punkt: östlich von Kaesong. Auslöser für die Zufallsgrenze "Breitengrad" war der Zeitdruck. Die Grenze bot sich optisch an, real war sie unsinnig (zu viele Straßen, Flüsse und Eisenbahnlinien wurden zerschnitten).  So einigte man sich später auf Bögen südlich oder nördlich des Breitengrades. Sie ist die letzte Grenze des "kalten Krieges". Die Grenze entstand nach dem Koreakrieg: Der Norden wurde von China und Russland unterstützt, der Süden von den USA. 2018 räumen Nord- und Südkorea in der Pufferzone gemeinsam Landminen weg.

Südkorea (Daehan Minguk):

Politik: Noch 28.000 US-Soldaten sind in Süd-Korea stationiert. Dazu kommen 50.000 in Japan. Korea war das Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse 2005. Der Norden wird mit Investitionen und Devisen unterstützt, um den Zusammenbruch zu verhindern. 2007 wird auch Reis geliefert. Hyundai-Boss Chung bekommt eine Anklage wegen Bestechung und Unterschlagung. Die Hyundai-Arbeiter streiken Anfang 2007 für volle Bonuszahlung für 2006. Nach einem Tankerunfall entsteht eine große Ölpest an der Küste. 2009 trudelt das Land in eine Rezession (Exporte -18% 2008). Beide Staaten Koreas haben ein Ministerium für Wiedervereinigung. Wegen der Seuche Mers senkt die Notenbank die Zinsen (1,5% Schlüsselzins, historisches Tief). Die britische Supermarktkette Tesco verkauft ihr Südkoreageschäft 2015 an den Finanzinvestor MBK Partners. Ab 2015 will das Land seine Nationalgerichte Kimchi und Barbecue exportieren. Südkorea und Japan nähern sich im Streit um die Versklavung von über 200.000 koreanischen Frauen ("Trostfrauen") durch die kaiserliche japanische Armee an. Tokio sagt eine Zahlung von 7,6 Mio. € an die ehemaligen Zwangsprostituierten zu und entschuldigt sich. 2015 ist die Industrieproduktion erstmals seit dem 2. Weltkrieg rückläufig. Jedes fünfte der 30 größten Unternehmen kann seine Kredite nicht mehr bedienen. Die Deutsche Bank wird im Januar 2016 zu Strafzahlungen verurteilt (Marktmanipulation). Die Finanzmärkte in dem Land sind hoch volatil. Die IT-Branche ist der Hauptwachstumsbereich. Im Jahre 2016 wollen die USA einen Raketenschild in dem Land einrichten. Süd-Korea, wo Kia und Hyundai zu Hause sind, verbietet 2016 den Verkauf vieler VW- und Audi-Dieselmodelle wegen des Diesel-Abgasskandals. Im Herbst 2016 geht die Hanjin-Reederei in Insolvenz. Das bringt weltweit Lieferketten durcheinander 8auch bei Samsung). Ende September 2016 streiken 50.000 Arbeiter bei Hyundai. die Gewerkschaft fordert 7,2% mehr Lohn. Hyundai hat mit Gewinnrückgängen durch Währungsschwankungen und fallende Verkaufszahlen zu kämpfen. Im Oktober 2016 muss Samsung die Produktion des Flaggschiffs Note 7 einstellen. Rückrufe vorher waren nicht erfolgreich. Dadurch werden die Schwächen in der Konzernkultur aufgedeckt (Gründerenkel Jay Y. Lee ist unerfahren, der Patriarch in der Klinik, die Führung ist verunsichert). Auf Druck der Investoren wird die Gründung einer Holding und ein Börsengang in den USA geprüft. In Süd-Korea entsteht eine Diskussion, ob das Wirtschaftssystem geändert werden sollte (Chaebols, riesige Familienkonzerngruppen). Im Herbst 2016 gerät die Präsidentin Park Geun Hye unter Druck. Sie soll Geschäfte ihrer Freundin begünstigt haben (Korruption; der Staatsanwalt erhebt Anklage gegen die Freundin). Außerdem soll sie an Ritualen einer Sekte (Schwarze Messen) teilgenommen haben. Hunderttausende gehen zu Demonstrationen auf die Straße. Die Massenproteste wiederholen sich. Es wird ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Der südkoreanische Elektronikriese LG verlegt seine Europazentrale von London in den Raum Frankfurt (Konsequenz des Brexit). Samsung übernimmt 2016 das US-Unternehmen Harman (Vernetzung von Fahrzeugen). Südkorea plant Ende 2016 den Verkaufsstopp einiger Automodelle aus Deutschland und Japan wegen fehlerhafter Angaben zur Zulassung (BMW, Porsche, Nissan). Schließlich verbietet die Regierung den Verkauf von BMW und Porsche. Mitte Januar wird ein Haftbefehl gegen Samsung-Erben beantragt (Vizepräsident von Samsung, Bestechung). Im Januar 2017 wird die Kulturministerin Cho Yoon Sun wegen Amtsmissbrauchs verhaftet. Sie soll eine schwarze Liste mit 10.000 missliebigen Personen erstellt haben.  Im März 2017 entfernt das Verfassungsgericht die Präsidentin Park wegen Korruption aus dem Amt. Später wird sie verhaftet und zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt wegen Amtsmissbrauchs. Die Opposition steht Nordkorea und China positiver und den USA kritischer gegenüber. Das könnte zu Machtverschiebungen in Südostasien führen. Kein Automarkt der Welt wird so stark von einem einzigen Konzern dominiert wie der südkoreanische von Hyundai. Im Mai 2017 wird in Südkorea ein neuer Präsident gewählt. Aussichtsreichster Kandidat ist Moon Jae In von der Demokratischen Partei. Er gewinnt auch mit 41,4% die Wahl (linksgerichtet; Reform von familiengeführten Großkonzernen; Dialog mit Nordkorea; "Nationale Interessen zuerst"). China könnte mehr Einfluss gegenüber den USA bekommen. Samsung-Erbe Lee Jae Yong muss wegen Bestechung, Veruntreuung, Geldwäsche  und Meineids für fünf Jahre ins Gefängnis. Trump verkündet im September 2017, Südkorea stark aufzurüsten (wegen der Raketentests in Nordkorea). Unter anderem wird eine "Enthauptungseinheit" aufgebaut (Ausschaltung der Führung Nordkoreas). Ein militärischer Konflikt in Korea würde die Weltwirtschaft hart treffen. Die Schifffahrtsrouten wären bedroht und die Computer- und Smartphone - Industrie. Südkoreanische Unternehmen sind wichtige Zulieferer für Unternehmen in China, Japan und den USA (Chips, LCD-Displays, Tankschiffe, Akkus). Am 07. und 08. November besucht Präsident Trump Südkorea (Seoul; "We go together"). Trump schlägt eher nachdenkliche Töne an. Wegen Verstößen gegen die Emissionsvorschriften verhängt das Umweltministerium Bußgelder in Höhe von 54,3 Mio. € gegen BMW, Daimler und Porsche. Als Reaktion auf die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems in Süd-Korea geht China gegen den Mischkonzern Lotte in China vor (Dutzende Märkte mussten schließen). Die USA und Nordkorea starten im Dezember 2017 das bisher größte Luftwaffenmanöver. Kurz vor Weihnachten 2017 kommt es zu einem Hackerangriff auf die Bitcoin-Börse in Südkorea. Sie wird zahlungsunfähig. Südkorea lädt Anfang 2018 Nordkorea zu "hochrangigen Gesprächen" ein. China schickt einen Gesandten. Altkanzler Gerhard Schröder unterhält schon länger eine private Beziehung zu der südkoreanischen Wirtschaftsexpertin Kim Soyeon. Die Olympischen Winterspiele gehen am 25.02.18 friedlich zu Ende. Nord- und Südkorea testen das "Rote Telefon". Angeblich fordert Kim nicht mehr den völligen Abzug der US-Truppen von der koreanischen Halbinsel. Süd-Korea stoppt die Beschallung an der Grenze (Ende des Propaganda-Krieges?). Am 27.04.18 treffen sich Kim Jong Un und Moon Jae In erstmals auf südkoreanischem Gebiet (demilitarisierte Zone; Pammunjom; neues Zeitalter der Abrüstung, Friedensvertrag soll noch 2018 ausgehandelt werden, Wiederbelebung der gemeinsamen Zone, Familienzusammenführung; Pflanzen eines Baumes). Ende Mai treffen sich die beiden Staatschefs erneut am gleichen Ort zu einem Gipfeltreffen. Es geht um die Ermöglichung des Nordkorea-USA-Gipfels. Ende April 2018 wird Südkorea nach Verhandlungen mit den USA dauerhaft von den Zöllen auf Stahl (25%) und Aluminium (10%) ausgenommen. Auf starken Druck aus Washington hat Südkorea im Februar 2019 einer deutlichen Erhöhung seines Finanzbeitrags zur Stationierung der US-Truppen auf seinem Territorium zugestimmt. Ab 2019 soll es keine Großmanöver mehr mit den USA geben. In dem Land gibt es eine Bestattung auf Probe. Sie wird vom Hyonwon Healing Center in Seoul angeboten. Die Teilnehmer machen einen 2,5 Stunden-Kurs. Nach der Wiederauferstehung würden sich viele frisch beseelt fühlen. Der Kurs ist sogar umsonst. Seoul, die Hauptstadt Südkoreas, ist mittlerweile die Welthauptstadt der Schönheitsoperationen. Wer im Beruf und im Privatleben erfolgreich sein will, legt sich unters Messer. Immer mehr Touristen nutzen das Angebot zum Traumgesicht. Südkorea hat mittlerweile 2017 die höchste Lebenserwartung (WHO: Frauen 90,8; Männer 84,1).

Unternehmen/ Chaebol: Es ist die Bezeichnung für die netzwerkartige Unternehmensform in Südkorea. Man spricht von Konglomeraten. Die Entstehung geht auf die Zeit nach dem Koreakrieg zurück. Die größten Chaebols sind Hyundai, Samsung, LG, SK, Hanjin, Lotte und Daewoo. Sie sind im Besitz einer bestimmten Familie. Die Grenzen des gesamten Netzwerks können nur schwer gezogen werden. Managementprinzip ist "Inhwa": Prinzip der Harmonie. Die BASF muss 2017 Geldbußen zahlen nach einem Phosgen-Unfall (Fahrlässiges Handeln, Gerichtsurteil). Hoher Schaden entsteht auch dem Schweizer Anlagenbauer ABB 2016 nach einem Betrugsfall (Unterschlagung, Veruntreuung). Ende August 2018 wird die Süd-Korea-Zentrale von BMW durchsucht. Der Hersteller steht im Verdacht, Mängel an Fahrzeugen unter Verschluss zu halten. Im Oktober 2018 kommt raus, dass Audi für die Zulassung von Autos in Südkorea jahrelang Fahrgestellnummern und Testprotokolle gefälscht hat. Mit falschen Angaben wurde die Zulassung von Autotypen erschlichen. Der Chef von Korean Air Cho Yang Ho wird im Oktober 2018 angeklagt (Untreue und illegale Geschäftspraktiken). 2018 gibt das Land Finanzhilfen für Autozulieferer. Mit umgerechnet 2,65 Mrd. € wird die kriselnde Branche unterstützt. Die Laufzeit von Krediten wird verlängert (auch für die Tochter von GM).

Wirtschaft: Südkorea hat die elftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Größe entspricht in etwa der Ungarns. Sehr positive Faktoren sind die hoch gebildete Bevölkerung und der unbedingte Aufstiegswillen. Südkorea schichtet seine Währungsreserven von Dollar in andere Währungen um, ein immer größerer Teil wird auch in Gold angelegt, ebenso kämpft das Land mit den chinesischen Billiglöhnen, das Wirtschaftswachstum lag 2006 bei 4,9% (Prognose 2007: 5,8%), die Wirtschaft befindet sich im Aufschwung.  2018 betrug das Wirtschaftswachstum +2,6%. Das BIP pro Kopf lag bei 32.700 USD. Die Arbeitslosenquote war 3,7%. Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea liegt wegen der deutschen Automobilindustrie auf Eis, 2011 kommt ein Abkommen mit Deutschland zustande. 2010 schließen die USA und Südkorea ein Freihandelsabkommen. 2011 wird der Leitzins auf 2,75% heraufgesetzt um die Inflation von 3,5% zu bekämpfen. 2011 wird ein sechsmonatiges Handelsverbot gegen die Deutsche Bank erlassen. Die Wachstumsrate des BIP lag 2012 bei 2,7%, die ALQ bei 3,3%. Mittlerweile ist das Land relativ urban: 80% leben in Städten. Der größte Teil der Exporte geht nach China, die USA und Japan. Es gibt ein eigenes Ministerium für Mittelstand und Start-ups. 2018 will Südkorea den Handel mit Bitcoin verbieten. Daraufhin bricht der Preis ein -12%). Südkorea hat eines der besten Internetnetze. Das begünstigt einen digitalen Gründerboom. Am 23.01.2018 macht Trump seine Ankündigung war und führt Einfuhrzölle (Strafzölle) für den Import von  Solarmodulen (20 bis 30%) und Waschmaschinen (50%) ein  ein. Davon sind sehr stark China und Südkorea betroffen. Südkorea legt Beschwerde vor der WTO ein. Korruption, Kostenexplosion und Umweltsünden belasten die Olympischen Winterspiele.

Wirtschaftspolitik: Die Erfolge des Landes sind auch auf eine Wirtschaftspolitik zurückzuführen, die eine breit angelegte Industriepolitik betreibt mit Kombination staatlicher Planung, niedriger Wechselkurse und gezieltem Protektionismus (Beispiel Werften).

Digitalisierung: Das Land ist 2019 schon voll auf 5G-Technik umgestellt. Mit 28,6 Megabit pro Sekunde fließen Datenmengen durch das Internet. K-City südlich von Seoul ist seit Ende 2018 als erste Teststrecke der Welt für autonomes Fahren in Betrieb. Bis 2023 sollen über 23 Milliarden Euro in fünf Dienstleistungsbereiche fließen (darunter Gesundheitssystem).

Arbeitsbedingungen: Die Arbeitsbedingungen sollen massiv verbessert werden. Bis 2020 soll der Mindestlohn auf 10.000 Won angehoben werden. Es könnte Arbeitsplatzverluste bei Klein- und Mittelbetrieben geben durch die Mehrkosten. Es gibt staatliche Förderprogramme für KMU. Im Februar 2018 kommt ein Gesetz zur Verkürzung der gesetzlichen Wochenarbeitszeit. Seit Juli gilt in Betrieben mit mehr als 300 Mitarbeitern eine maximale gesetzliche Wochenarbeitszeit von 52 Stunden (bisher: 68). Quelle: Fische Weltalmanach 2019, S. 280.

Menschenrechte und Tradition: Das südkoreanische Verfassungsgericht muss die Spannung zwischen konfuzianischen Traditionen und universellen Menschenrechten austragen. Einzelfälle werden verfassungsrechtlich geprüft. Die Institution des männlichen Haushaltsvorstands wurde durch Einführung einer individuellen Meldepflicht abgeschafft. Die Regelung, dass die eigenen Eltern und Großeltern nicht strafrechtlich verklagt werden dürfen, wurde beibehalten.

Kultur:  Die Kultur ist eine der ältesten der Welt (seit 2400 v. Chr.). Knapp die Hälfte aller Süd-Koreaner heißen Lee, Kim oder Park. Kaum ein Land hat so wenige Nachnamen. Der Nachnamen wird zuerst genannt. Essayist Lee O-Young antwortete auf die Frage von Schriftsteller Tiziano Terzani, was Korea ist: "Ein Ort im Wind. Ein Krebs zwischen zwei Walen" (die heißen China und Japan). Kimchi ist ein Hauptgericht in der koreanischen Küche (Gemüse). Hanbok heißt das traditionelle Gewand für Festtage, das von Männern und Frauen getragen wird. Gyeongbokgung heißt und hieß die Residenz der Königsfamilie (Hauptpalast der Joseon-Dynastie, 1392-1910). Hapkido heißt die koreanische Kampfkunstart. Kakao-Talk ist das koreanische Whats App. Es herrscht Religionsfreiheit. Die ursprüngliche Religion war der Schamanismus. Die Koreaner sollen von Tan Gun abstammen (Verbindung von Gott mit Bär, der sich in Frau verwandelte, 333 v- Chr. erstes Staatsgebilde). Ginseng ist die herausragende Heilpflanze (vor allem der rote). Vgl. Christine Liew: Iwanowski`s Reisegast in Korea, 2013; Klaus A. Dietsch: Südkorea, 2015. Die koreanische Sprache ist stärker mit dem Japanischen als mit dem Chinesischen verwandt (Grammatik, Wörter). Trotzdem war China über die Jahrhunderte kulturell der große Einflussfaktor. Die koreanischste aller Speisen ist Kimch`i (Milchsäure vergorener Chinakohl). Sehr stark hat sich die Beerdigungszeremonie geändert.  Sie ist eng mit dem Ahnenkult verbunden. Sie dauerte drei Tage und die Toten wurden bei den Familien aufgebart. Auf einem nach Norden aufgerichteten Traueraltar wurde die Leibgerichte und -getränke aufgereiht. Die Leiche wurde in weiße Chrysanthemen eingebettet. Im Raum Seoul gibt es mittlerweile immer mehr schlichtere Abschiede. Immer öfter sterben auch Menschen, die niemand vermisst. Seoul überprüft ab 2018 jeden Tag 20.000 Toiletten. Das ist eine Reaktion auf die Installation versteckter Kameras.

Religion: In Korea gilt der Mahayana - Buddhismus (chinesisch-japanisch). Man spricht auch vom "nördlichen Buddhismus". Es geht um die Erlösung aller Lebewesen. Es gibt eine ausgeprägte Meditationspraxis. Zwischen 0 und 500 n. Chr. erreicht der Buddhismus Südostasien und Korea.

 

Nordkorea (offiziell: Koreanische Demokratische Volksrepublik; das Land hat mit China eine gemeinsame Grenze, die 1400 Kilometer lang ist. Sie folgt den Flüssen Yalu und Tumen; es gibt Flüchtlinge von Nordkorea nach China. Als Nordkorea in der 1960er und 1970er Jahren wohlhabender war als China, konnte man über den Yalu Lebensmittel besorgen. Nordkoreanische Grenzstädte sind Sinuiju und Hyesan. Es gibt es einen Handel mit chinesischen Städten jenseits der Grenze: Dandong, Changhai):

Politik: 2011 kommt Kim Jong Un an die Spitze als Nachfolger seines Vaters. Er ist erst 29 Jahre alt. Es gibt Sorge um die Stabilität des Landes; Südkorea, China und Japan reagieren nervös. 2013 scheint das Land bereit für Reformen, vielleicht gibt es eine langsame Öffnung. 2013 wird den USA mit Atomraketen gedroht. Der pakistanische Forscher Abdul Qadeer Khan lieferte die Technologie, die man braucht. Das Land gibt 35% seines BIP für das Militär aus. Die Bevölkerung ist militärisch organisiert, was die Gesellschaft prägt. Die politische Führung ist tabu (darf nicht kritisiert werden). 2014 scheint die Militärspitze, Diktator Kim demontieren zu wollen. Er steht unter Hausarrest. Beerbt ihn seine Schwester? Plötzlich taucht er wieder mit Gehstock auf. Ende 2014 stoppt Nordkorea einen Sony-Film über ein Attentat auf Kim Jong Un ("The Interview"; Hackerangriff, Anschläge auf Kinos). In Nord-Korea gibt es eine hochintelligente Hackerelite, die für Cyber-Angriffe geschult ist. 2015 öffnet das Land seine Grenzen für Touristen (noch kein Individualtourismus). China will das Dreiländereck mit Nordkorea und Russland attraktiver machen, indem kein Visum erforderlich ist. Nordkorea startet eine Langstreckenrakete. Peking lehnt Gegenmaßnahmen ab, die Nordkorea destabilisieren könnten. Beim UN-Sicherheitsrat wollen sich allerdings die USA und China zusammentun gegen Nordkorea. Im Mai 2016 versammeln sich 3200 Delegierte der herrschenden Arbeiterpartei in der großen Halle des Volkes in der Hauptstadt Pjönjang. Dies ist der erste Parteitag seit 1980. Im September 2016 wird wieder ein Atomwaffentest (neu entwickelter Atomsprengkopf) durchgeführt. Die USA und Japan beantragen eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Nach dem Amtsantritt von Trump in den USA wird im Februar ein neuer Raketentest durchgeführt. Die USA wollen eine Eskalation vermeiden und China auffordern, seine Einfluss geltend zu machen. Der Stiefbruder von Nord-Koreas Machthaber Kim Jong Un  Jong Nam fällt im Februar 2017 in Malaysia einem Giftanschlag zum Opfer. Über die Täter und ihre Motive wird spekuliert (Geheimdienst, Signal an China?). Wegen des Mordes kommt es zu Spannungen zwischen Nordkorea und Malaysia. Gegenseitige Ausreiseverbote werden verhängt. Nordkorea führt im März 2017 wieder einen Raketentest durch (Protest gegen das Raketenabwehrsystem THAAD, von den USA installiert). Die USA verstärken den Druck auf China, damit Nordkorea bei den Atomraketen (Atomprogramm) zurückfährt. Dies wird beim Besuch des chinesischen Staatspräsidenten in den USA verstärkt (gleichzeitig werden Kriegsschiffe nach Korea entsandt). Bei Stopp von Kohle-Exporten und UN-Erklärungen ist China schon den USA gefolgt. Ein weiterer Abschuss einer Rakete am 20.04.17 spitzt den Konflikt zu (Rakete explodiert kurz nach Start). Dann schickt Trump eine Einladung an Kim Jong Un zu einem Besuch (Trump: "helles Köpfchen"). Korea macht weiterhin Raketenstarts.  Am 02.06.2017 weitet der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Nordkorea aus (erstmals mit Zustimmung Chinas). Konkret werden Strafmaßnahmen gegen 15 Personen eingeleitet. 2017 gelingt es die Auslandseinnahmen aufzuschlüsseln. Die Gesamteinnahmen liegen bei 6 Mrd. $. Sie kommen aus Waffendeals und Beratung, Cybercrime, Schmuggel und Drogen, Botschaftsvermietung, Gastarbeitern, Tourismus sowie Restaurant- und Hotelbetrieb. Im Juli 2017 macht testet das Land wieder eine Mittelstreckenrakete. Das Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea wird im August 2017 immer größer (Korea will Guam angreifen, Trump droht mit "Feuer und Wut"; die militärischen Lösungen seien "locked and loaded"; Japan positioniert Flugabwehrraketen). Ein entscheidendes Motiv für das "Säbelrasseln" in Nordkorea ist politische Überleben der Kim-Clique. Die Sanktionen wirken nur begrenzt (treffen nicht Eliten, sondern städtische Bevölkerung). Am 29.08.17 feuert das Land wieder eine Rakete ab, die über Japan fliegt (eine zweite folgt später). Damit werden nicht nur die Japaner geschockt. Anfang September 2017 wird eine Wasserstoffbombe im Meer vor Nordkorea gezündet. Die USA drohen mit massiver militärischer Reaktion.  Der handelspolitische Druck soll weiter erhöht werden (China, EU, Russland gegen Ölembargo). Beschränkte Öllieferungen und Gasembargo. Einfrieren des Auslandsvermögens von Machthaber Kim und Verbot von Textilimporten. Vor der UN redet Trump am 19.09.17 auch zu Nordkorea (er droht vollständige Zerstörung an). Kim wirft Trump Geisteskrankheit vor und droht mit Atomexplosion im Ausland. Am 28.11.17  wird wieder eine Interkontinental-Rakete abgefeuert (1000km weit, 4475km hoch geht gen Osten ins japanische Meer, könnte potentiell die USA erreichen, Name Hwasong-15). Im Dezember 2017 stirbt der berühmteste Deserteur des Korea-Krieges Charles Jenkins. Er lebte viele Jahre in Nordkorea als Englischlehrer für Spione. Später durfte er mit seiner Frau, einer Japanerin, und den Kindern nach Japan ausreisen. Präsidialamt und Außenministerium der USA können sich hinsichtlich direkter Gespräche mit Nord-Korea ohne Vorbedingungen nicht einigen. Kurz vor Weihnachten flüchtet wieder ein Soldat aus Nordkorea über die Grenze nach Südkorea. Ende 2017 wird General Hwang Pyong So kaltgestellt (zweiter Mann im Staat). Anfang 2018 kommt es zu einer Annährung zwischen Nord und Süd. Die Gespräche sollen nach zwei Jahren wieder aufgenommen werden (vordergründig geht es um die Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen in diesem Jahr). Anfang 2018 ändert Kim Jong Un sein Outfit. Er trägt helle westliche Anzüge und eine neue Brille. Experten und Zeitungen (z. B. Japan Times) spekulieren über die Bedeutung. Anfang 2018 erklärt sich Trump zu direktem Kontakt zu Machthaber Kim bereit. Beim ersten Treffen der beiden Delegationen aus Süd- und Nordkorea einigt man sich über eine Teilnahme von Nordkorea an den Olympischen Spielen und Frieden während der Spiele im Februar. Mitte Januar 2018 ist eine Nordkorea-Konferenz in Vancouver. Die USA und Kanada richten ein Treffen von 20 Außenministern aus, die über die Umsetzung von UN-Sanktionen wegen der Atomtests gegen Nordkorea beraten (bessere Kontrolle der Seewege). Russland und China waren nicht eingeladen. Nordkorea bezeichnet Trump als "tollwütigen Hund". Bei Olympia im Februar 2018 im südkoreanischen Pyeongchang wollen Nord- und Südkorea unter einer Flagge auflaufen (Nordkorea nutzt die Veranstaltung für Propagandazwecke). Nordkoreas Diktator Kim hat eine eigene Girl-Band. Sie heißt Moranbong und könnte bei dem Anlass auftreten. Nordkorea ist bereit, mit den USA im Atomkonflikt zu verhandeln. Erstmals seit einem Jahrzehnt soll im April 2018 ein Gipfeltreffen der beiden verfeindeten koreanischen Staaten stattfinden. Das Treffen gibt es am 27.04.2018. Am 08.03.18 stimmt US-Präsident Trump zu, Nordkorea zu besuchen und Kim zu treffen. Am 26. und 27.3.18 besucht Kim vorher Xi Jinping in Peking. Er reist wie Vater und Großvater im Sonderzug. Es geht auch um atomare Abrüstung. Nordkorea soll in zivile High Tech investieren. Im April 2018 treffen Kim und der designierte US-Außenminister Pompeo in Nord-Korea zusammen (zwei Treffen müssen vorbereitet werden: Trump - Kim; Kim - Moon Jae/ Süd-Korea). Nordkorea stoppt Atom- und Raketentests. Im Mai 2018 korrigiert Kim die Uhren-Umstellung in seinem Land wieder (waren eine halbe Stunde zurückgedreht worden anlässlich der Kapitulation Japans). Wegen der gemeinsamen Manöver von Südkorea und den USA droht Nordkorea im Mai 2018, das Gipfeltreffen abzusagen. Mittlerweile wird auch der Termin in Frage gestellt. Am 24.05.18 sagt Trump das Treffen mit Kim ab. Er bietet aber weitere Gespräche an. Beide Seiten halten ein Treffen noch für möglich. Dieses soll dann tatsächlich am 12.06.18 in Singapur stattfinden. Kim wechselt vorher im Juni 2018 seine obersten Militärs aus. Er braucht wohl "geistig beweglichere Vasallen" um sich. Im Süden von Singapur auf der Insel Sentosa (Ruhe, Frieden) im Luxushotel "Capella" kommt das Treffen zwischen Trump und Kim tatsächlich zustande. Es gibt auch eine Vereinbarung. In einer Erklärung werden folgende Punkte angedeutet: Gefangenenaustausch, Friedensvertrag, Botschafteraustausch, Entnuklearisierung Nordkoreas, keine Militärmanöver mehr. Scheinbar gibt es nur Sieger. Die Wiedervereinigung bleibt als Ziel. Eine Zeitplanung bzw. ein Datum wird nicht verhandelt. Die USA gehen in Vorleistung und stoppen Militärmanöver. 2018 soll es wieder nach drei Jahren Familientreffen geben. Im August 2018 gibt Nordkorea 55 Särge mit sterblichen Überresten von gefallenen US-Soldaten im Korea-Krieg an die USA zurück. Im September 2018 wollen sich die Spitzen beider Hälften Pjöngjang treffen. Vorher gibt es am 19.08.18 eine Familienzusammenführung in Nordkorea (Auslosung). Am 09.09.2018 feiert Nordkorea den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung (zeigt keine Interkontinentalraketen). noch im September 2018 bietet Nordkorea den Abbau von Atomanlagen ab. Im November 2018 gibt Nordkorea bekannt, eine neue Wunderwaffe zu haben ("High-Tech-Waffe"). Am letzten November-Tag 2018 kann erstmals ein Zug aus dem Süden die Grenze zum Norden passieren (Teilstück von 2007 war bisher lahm gelegt). Die Strecke hätte für den Süden eine große Bedeutung (nach China , mit der transsibirischen Eisenbahn nach Russland). Zum Jahreswechsel 2019 droht Kim mit dem Ende der Annäherungspolitik. Er ist mit der Blockadepolitik der USA nicht einverstanden. Trump bietet ein weiteres Treffen an. Am 08.01.19 reist Kim in seinem berühmten gepanzerten Sonderzug wieder nach Peking. Er bleibt 4 Tage und trifft auch Xi Jinping. Will er sich abstimmen für das nächste Treffen mit Trump? Bei der Handball-WM in Deutschland im Januar 2019 tritt eine gemeinsame Mannschaft mit Süd-Korea an. Im Februar 2019 soll ein weiterer Gipfel zwischen Trump und Kim stattfinden (27./28.02.19 in /Hanoi/ Vietnam; Rede des Präsidenten zur Lage der Nation vor dem Kongress am 06.02.19. Wahrscheinlich wird am 28.02.19 der Krieg zwischen Nordkorea und den USA offiziell beendet. Bisher besteht nur ein Waffenstillstand. Wirtschaftliche Entwicklung für Nordkorea gegen Verzicht auf Atomwaffen. So könnte der Deal lauten. Man vereinbart eine Verbindungsstelle. Trump bricht plötzlich die Gespräche ab, weil Kim angeblich zu viel fordert (Aufhebung aller Sanktionen). Nordkorea dementiert den Grund. Es werden wieder Aktivitäten an den Raketentestanlagen beobachtet. Trump stoppt Sanktionen, die die USA deswegen verhängen wollten. Das Verbindungsbüro nach Südkorea wird nach Unterbrechung wieder besetzt. Im Februar 2019 wird in Nordkoreas Botschaft in Madrid eingebrochen. Im April 2019 wird das protokollarische Staatsoberhaupt ersetzt: Choe Ryong Hae ersetzt Kim Yong Nam. Im April betont Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, dass er bereit sei zu einem dritten Treffen mit Trump. Russland bereitet 2019 ein Treffen zwischen Putin und Kim vor in Russland. Die beiden Länder haben eine kleine gemeinsame Grenze. Aktuell geht es um Zehntausende nordkoreanische Gastarbeiter, die Russland verlassen müssten. Das Treffen findet am 25.04.19 in Wladiwostok (Insel Ruski, fernöstliche Universität)  statt (erstes Treffen; Russland ist einer der wenigen Verbündeten; Kim reist wieder mit gepanzertem Sonderzug). Nordkorea möchte die Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. In Bezug auf die Atombomben fährt Russland eher eine Strategie der kleinen Schritte. Im Mai verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Nordkorea und den USA dramatisch: Nordkorea provoziert mit Militärübungen, Trump plaudert ein Mordgeständnis von Kim aus (Onkel, zweithöchster Funktionär).  In Berlin gibt es ein "City Hostel Berlin". Es ist Teil der Botschaft Nordkoreas. Insgesamt sind 435 Betten vorhanden und die Preise sind unschlagbarh. In einem Schaukasten winkt der "hoch verehrte oberste Führer Genosse Kim Jong Un". Das Hotel dient der Devisenbeschaffung von Nordkorea. Hinter Kim Jong -Un sind folgende Personen noch sehr wichtig: Ri Man-gon (Direktor Munitionsamt), Hwang Pyang-so (Direktor des Politbüros der Volksarmee).  Die Hackerangriffe auf ausländische Banken dienen wohl der Devisenbeschaffung. Auch Bitcoin-Börsen werden geplündert. In einem Kriegsfall sollen wichtige Infrastrukturteile lahm gelegt werden. Es gibt eine Kooperation zwischen Deutschland und Nordkorea in der Forstwirtschaft und beim Umweltschutz. Es gibt einen Austausch von Förstern aus den neuen Bundesländern (Bernhard Seliger). Kim Il Sung hat die Vorschrift eingeführt, dass jeder Koreaner ein Instrument lernen solle. Bei Spannungen werden Lieder angestimmt.

Wirtschaft: 25 Mio. Menschen leben in Nordkorea. Das Land ist etwas größer als seinerzeit die DDR. Das Wirtschaftswachstum lag 2018 bei -1,1%. Das BIP pro Kopf betrug 1700 USD. Die Arbeitslosenquote war 2018 25,6% (Quelle: IMF). Japan und Deutschland industrialisierten das Land während er japanischen Kolonialzeit von 1910 bis 1945. Nach der Befreiung leisteten die Sowjetunion und ihre Satelliten Aufbauarbeit. Nordkorea darf in der chinesischen Währung Yuan (Renminbi, RMB) handeln. Seit der Remonetarisierung seit 1991 ist der RMB eine der Landeswährungen (Parallelwährung neben der heimischen Währung). Drei Sonderwirtschaftszonen bringen Devisen (eine ist Rason im Nordosten). Ca. 16 Mio. Menschen leiden an Hunger. Aber insgesamt hat sich in den letzten Jahren die Situation verbessert. Kim will vor allem die Wirtschaft aufbauen. Seit 1991 hat das Land seinen Wohlstand etwas verbessert. Zentrales Problem ist die Modernisierung der Industrie und Infrastruktur. 2016 hat das Land einen Export in Höhe von 3,5 Mrd. US-Dollar; der Import liegt bei 3,0 Mrd. US-Dollar. Die wichtigsten Handelspartner sind China (80%-90%), Indien, Russland, Thailand, Pakistan.  Der Export besteht hauptsächlich aus Mineralstoffen, Textilien, Maschinen und Metallen (Eisen, Blei). Nach Verschärfung der UN-Sanktionen feuert Nordkorea Trotzraketen in Form von Kurzstreckenraketen ins Meer (ohne Schaden anzurichten). Nordkorea verkauft Zwangsarbeiter in die ganze Welt, damit sie Devisen beschaffen. Die Wirtschaft in Nordkorea erlebt 2017 trotz internationaler Wirtschaftssanktionen (Waffenembargo, Importverbot für sämtliche Produkte mit Nuklearfähigkeit, Exportverbot für alle Bodenschätze) einen Boom. Dafür gibt es drei Erklärungen: Fleiß der Menschen. Umgehung der Sanktionen (z. B. lassen chinesische Firmen hinter der Grenze arbeiten und schreiben auf die Produkte "Made in China"). Reformen von Un wirken. Alles stimmt wohl ein bisschen. Von dem Aufschwung profitiert vor allem die Elite. Überall im Lande werden kleine Märkte geduldet. Dadurch entstehen unabhängige Business-Netzwerke. Der Sicherheitsrat der UN erhöht die Sanktionen mit Zustimmung Chinas (drastische Handelsbeschränkungen; Importstopp, insbesondere für Eisen und Blei; mehr als 80% des Außenhandels Nordkoreas laufen über China). Von einem Exportstopp für Öl sieht China aber ab (das würde wirklich weh tun). Die Sanktionen werden weiter erhöht (USA: gegen IT- und Fischbranche; EU: Verbot von Investitionen und Ölexporte, Einreise- und Vermögenssperre). Im Februar 2018 zeigt sich, das das Land illegale Exporte (durch Schmuggler, Schiffe unter falscher Flagge, Umladen von Schiffen; auch Rüstungsgüter an Syrien, Vietnam und Myanmar) durchführt und damit Devisen (200 Mio. $ 2017) verdient (Quelle: UN-Bericht zu Sanktionen).  Russische Tanker schmuggeln Erdöl nach Nordkorea. Ende September 2017 setzt China weitere Sanktionen um: Schließung nordkoreanischer Firmen in China bis Ende Januar 2018 (auch Joint Ventures; 90% des Außenhandels). Natürlich gibt es noch einen Schwarzhandel. Ein großer Teil findet über die nordostchinesische Grenz-Stadt Dandong statt (Freundschaftsbrücke). Aus Nordkorea importiert werden Eisen, Kohle, Meeresfrüchte und Kleidung. Ende 2017 werden die Sanktionen gegen Nordkorea verschärft (UN-Sicherheitsrat: Mineralöllieferungen auf ein Viertel reduziert, Exportverbot für Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte, Maschinen und Mineralien sowie Schiffe, Nordkoreaner dürfen nicht mehr im Ausland arbeiten). In den nächsten Jahren soll wohl eine nordkoreanische Form des chinesischen Modells kommen. Starker Staat mit einer Partei und marktwirtschaftliche Anreize und Elemente. Die Wirtschaft wird damit etwas liberalisiert. Die "rote Linie" liegt aber da, wo Kim seine Macht bedroht sieht.

Kultur: Chosonot heißt das traditionelle Gewand für Männer und Frauen. Es wird vor allem an Festtagen getragen.

Geographische Zonen: Die Hauptstadt Pjöngjang kann in einen West- und Ostteil getrennt werden. R. Frank teilt weiterhin in den Nordwesten (Sinuiju ist das Tor nach China), Südwesten (Kornkammer, Westmeerstaudamm, demilitarisierte Zone), Südosten (Tourismus, deutscheste Stadt Hamhung) und Nordosten (kleiner Grenzverkehr nach China, heilige Berg Paektusan, Sonderwirtschaftszone Rason).

Politische Rahmenbedingungen: Bei Nordkorea geht es um einen Kampf zwischen den USA und China um die Vormachtstellung im pazifischen Wirtschaftsraum. Für China ist daher das Regime wichtiger als eine Vereinigung unter den USA. Vgl. Thomas Reichert: Der Wahnsinn und die Bombe, 2018. Reichert ist Leiter des Ostasienstudios des ZDF in Peking. Er lebt auch in Peking und reist von da regelmäßig nach Nordkorea. Ein anderer anerkannter Nordkoreaexperte ist Rüdiger Frank, Uni Wien. Sein aktuelles Buch ist "Unterwegs in Nordkorea. Eine Gratwanderung, München 2018". Vgl. auch: Rüdiger Frank: Neuer Tiger auf dem Sprung?, in: Die Zeit, Nr. 25, 14. Juni 2018, S. 24. Ein weiteres Buch von ihm über Nordkorea ist "Nordkorea. Innenansichten eines totalen Staates" (Geschichte, Ideologie, wirtschaftliches System, Politik).

 

Malaysia Lage in Südostasien. 32 Mio. Einwohner. Hauptstadt Kuala Lumpur. Währung: Malaysischer Ringit. BIP 2017 314,5 Mrd. US-Dollar. Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1957. 61% der Bevölkerung sind Moslems (Sunniten; 20% Buddhisten; wird zum Zentrum des islamischen Finanzwesens). Tengku Abdullah, der Sultan des Bundesstaates Pahang,  wird im Januar 2019 Malaysias neuer König. Damit ist er der 16. Yang di-Pertuan Agong ("Der zum Herrscher gemacht wird"). Er darf bis 2024 regieren.

Seit die US-Notenbank mehrmals die Zinsen 2008 gesenkt hat, strömt Anlagekapital nach Asien, und übt einen starken Druck auf die Wechselkurse aus. Preiskontrollen sollen die Preissteigerungen eindämmen. Auch die Subventionen auf Energiepreise werden abgebaut. Das Land hat eine der besten Infrastrukturen in Asien, eine englischsprachige Bevölkerung und zahlreiche Naturressourcen.2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 3,41 Mrd. €. 2013 steigt die BASF aus einem gemeinsamen Projekt mit Petronas (rund eine Mrd. Euro) aus. Ab 2016 investiert Osram 1 Milliarde Euro in eine neue Chip-Fabrik (LED-Chips) in Malaysia. China will die Firma Osram übernehmen. Die Leiche Kim Jong Nams wird Ende März 2017 nach Nordkorea überführt. Malaysias Ex-Premier Mahathir Mohamad kandidiert mit 92 Jahren noch mal gegen Machthaber Najib Razak. Mahathir gewinn die Wahl und wird als Regierungschef vereidigt. Später wird er mit seiner UMNO-Partei wieder abgewählt. Das Land entwickelt sich zum demokratischen Leuchtturm Südostasiens. Malaysias König Sultan Muhammad V. tritt im Januar 2019 zurück (das erste Mal, dass ein König abdankt). Es gibt Gerüchte über eine Heirat mit einer Russin.  Der kleine deutsche Kreuzer "Emden" macht 1914 in Asien Furore. Vor Malaysia versenkt er englische Schiffe und schießt Ölanlagen in Madras in Brand. Schließlich wird er kampfunfähig geschossen und ein Teil der Besatzung schlägt sich auf einer abenteuerlichen Reise nach Hause zurück. Noch heute wird in Asien mit "a real Emden" ein wagemutiger Mensch bezeichnet.

In der Politik wird mit allen Mitteln gekämpft. 2018 wird Anwar begnadigt vom König. 2014 war er wegen gleichgeschlechtlichen Sex zu fünf Jahren verurteilt worden. Er war Konkurrent von Najib.  Es gibt Ermittlungen gegen Najib (Skandal um den Staatsfonds). Mahatmir kündigt ein Ende des Bahnprojektes zwischen Kuala Lumpur und Singapur an. Damit vergrätzt er Singapur und China. Der Projektstopp könnte auch zu Schadensersatzzahlungen führen. Die neue Regierung will wieder Benzin und Zucker höher subventionieren. Die 2015 eingeführte Mehrwertsteuer soll wieder abgeschafft werden.

Malaysia ist eine wichtige Anlaufstelle für Direktinvestitionen in Asien. Die Machtverteilung ist recht interessant: Einheimische - Politik, Chinesen - Wirtschaft, Muslime - Finanzwesen (islamisches Finanzwesen).

Thailand: 70 Mio. Einwohner. Hauptstadt Bangkok (Krung Thep). BIP 2017 455,2 Mrd. US-Dollar. 2007 Auflagen für Auslandsinvestitionen, ein buddhistisches Wirtschaftsmodell ist geplant; Aktienkurse sind gefallen. Der Baht, die Währung Thailands, wurde innerhalb des letzten Jahres um 20% aufgewertet. Der Export ist 2006 gegenüber dem Vorjahr um 18,4% gestiegen, 2007 18%. 2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 1,63 Mrd. €. Das Land hat andauernde  Inflationsprobleme. Deshalb hat die Zentralbank Thailands den Leitzins zum achten Mal auf jetzt 4,75%  erhöht. Machtkämpfe und Korruption belasten das Land. Durch das Stilllegen von Flughäfen wird der Tourismus, die wichtigste Devisenquelle des Landes, getroffen. Thailand, der weltgrößte Reisexporteur, will mit Vietnam, Myanmar, Kambodscha und Laos den Handel abstimmen (Reiskartell). 2010 kämpft das Land gegen Inflation. 2013 gibt es viele Demonstrationen gegen die Regierung (Korruption). Protestführer Suthep hat eine dubiose Vergangenheit. Anfang 2014 legt die Opposition die Hauptstadt Bangkok durch einen Generalstreik lahm (bei Wahlen hat sie keine Chance). Es ist ein Machtkampf entbrannt zwischen regierungstreuen "Rothemden" und oppositionellen "Gelbhemden". Über Bangkok wird der Ausnahmezustand verhängt (Desaster für den Tourismus und aufstrebende Junge aus der Mittelschicht). VW darf ab 2015 in Thailand Kleinwagen bauen. Ab 2015 will die Regierung 100 Mrd. Dollar in Infrastruktur stecken. Deutsche Unternehmen hoffen auf Aufträge.Im Herbst 2016 stirbt der thailändische König Bhumibol. Er war 70 Jahre König und der am längsten regierende Monarch der Welt. Am 26.10.17 findet die Einäscherungszeremonie statt. Thailands König wird 2018 Eigentümer aller Vermögenswerte der Monarchie. Er hat damit mehr als 30 Mrd. Dollar und ist der reichste Monarch der Welt vor dem Sultan von Brunei.  Zwölf Jugendliche werden im Juli 2018 aus einer Höhle durch eine kompliziere Tauchaktion gerettet. Ein ranghohes Mitglied der thailändischen Königsfamilie will 2019 Regierungschefin werden (Prinzessin Ubolratana). Nach einem öffentlichen Rüffel ihres Bruders, des Königs, muss sie aufgeben. Die Opposition reklamiert den Sieg für sich in den Parlamentswahlen. Die Aussicht auf einen Machtwechsel sind offen, weil das Militär eine starke Stellung hat. Überraschend wird die Partei der Armee zum Sieger erklärt. Betrugsvorwürfe werden laut. Offen ist, wie es weiter geht. Spätestens um 1000 n. Chr. erreichte der Buddhismus Thailand. Es ist der Theravada - Buddhismus (wie in Sri Lanka, Myanmar, Kambodscha, Laos). Heute sind fast 95% der thailändischen Bevölkerung Buddhisten.

Vietnam: 95,5 Mio. Einwohner. Hauptstadt Hanoi. 2019 sind fast zwei Drittel der Bevölkerung jünger als 35 Jahre. BIP 2017 223,9 Mrd. Eine Million Menschen verlassen jedes Jahr Schule und Uni, um einen Job zu suchen. US-$. BIP pro Kopf 2800 USD. Währung Dong. Das Land hatte 2013 ein Wachstum von 5,3%  (2007 8,3%; 2006 8,2%). 2018 beträgt das Wirtschaftswachstum 6,8%. Seit 2014 steig das BIP um mindestens 6% jährlich (nur Indien mehr Wachstum in Asien). Ursache ist der boomende Export in die USA, Japan und die EU. Das Land ist ein großer Gewinner im Welthandelsstreit. Die Arbeitslosenquote liegt 2018 bei 2,2%. Der Ho-Chi-Minh-Stock-Index ist 2007 um 250% gestiegen. 2008 befindet sich der Kurs im freien Fall und halbiert sich (Währungskrise durch Inflation). Eine Wirtschaftskrise erschüttert das Land. Goldimporte werden Mitte 2008 verboten. Ab Januar 2007 ist das Land das 150. Mitglied der WTO. Das BIP pro Kopf betrug 2007 513€, (2013 4001) die Inflationsrate 7,3% (2013 7,4%), die ALQ 5,1%. Vietnam hat 82,3 Mio. Einwohner, die Währung heißt Dong.  Die Geburtenrate sank ohne Geburtenkontrolle von 1981=4,9 auf 2013=1,7. Siemens erhält den Zuschlag für den Bau einer U-Bahn (Dank für deutsche Entwicklungshilfe). Große Zulieferer der Sportartikelfirmen produzieren in Vietnam (z. B. Schuhe für Nike). Es wird zum Top - Investitionsstandort internationaler Einzelhandelskonzerne. Wie kaum ein zweites Land investiert Vietnam in die Vorsorge gegen Naturkatastrophen. Im Mai 2014 kommt es zu gewaltsamen Protesten gegen China. China hat innerhalb der 200-Meilen-zone illegal eine Bohrinsel errichtet. Im Herbst 2014 lockern die USA ihr Embargo gegen Vietnam. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg von 130 Dollar 1990 auf 1890 Dollar 2014.  Im August 2015 schließt die EU ein Handelsabkommen mit Vietnam. Zölle und andere Handelsbarrieren sollen abgebaut werden. Das Abkommen soll Ende 2017 in Kraft treten. Vietnam entführt im Juli 2017 einen Geschäftsmann aus Berlin nach Vietnam (Regimegegner). Es kriselt zwischen beiden Ländern. Bei einem schweren Tropensturm im Süden des Landes im November 2017 kommen fast 30 Menschen ums Leben. Am 10.11.17 besucht Trump das Land. Er spricht in Da Nang, wo die ersten US-Soldaten im Vietnam-Krieg landeten. Trump nimmt dort am APEC-Gipfel teil. Am 26./27.02.2019 treffen sich Trump und Kim (wieder mit dem gepanzerten Sonderzug angereist) in Hanoi. Trump bricht dann relativ schell die Gespräche abrupt ab.  In Vietnams Ho-Chi-Minh-Stadt herrschen chaotische Verkehrsverhältnisse. Auch auf den Gehwegen herrscht das Gesetz der Straße. Es gibt in der Stadt alleine 7,5 Mio. Mopeds. Nach Vietnam gelangte der Buddhismus etwa im 2. Jahrhundert n. Chr. über China. Buddhisten sind heute die größte religiöse Gruppe im Land. Hier gilt der Mahayana - Buddhismus (chinesisch-japanische Prägung).

Vietnam ist hinter der VR China der zweitgrößte Schuhexporteur (12 Mrd. US-$). Beliebt ist das Lands im höheren Preissegment (Sportschuhe). Die Konkurrenz durch andere Niedriglohnländer wie Indonesien und Indien steigt. Der Lohndruck ist hoch. Die personalisierte und computergesteuerte Einzelfabrikation von Schuhen wieder in den Heimatländern könnte die Arbeitsplätze gefährden. Noch gibt es ein hohes ausmaß an Billiglohnproduktion insgesamt. Eine zunehmend wichtige Einnahmequelle ist der Tourismus. Gerade die Küsten sind im Kommen. Ein Geheimtipp ist die Lan-Ha-Bucht im Norden Vietnams. Bootsfahrten durch die Bucht starten auf der Insel Cat Ba. Diese hat auch einen Nationalpark.

Außenhandel insgesamt: Vietnam schließt fleißig Freihandelsabkommen ab. Das Land profitiert erheblich von den Handelstreitigkeiten der USA mit China und der EU. Bei Investitionen legt man großen Wert auf die Verbindung zu Forschung und auf Nachhaltigkeit. Die deutschen Exporte und Importe in das Land steigen stark an: 2018: Exporte in Höhe von 4,1 Milliarden Euro. Importe in Höhe von 9,8 Milliarden Euro. "Wir wünschen uns Projekte in Verbindung mit Forschung, bessere, nachhaltige Investitionen", Nguyen Chi Dung, vietnamesischer Minister für Planung und Investitionen 2019.

Konflikt mit China: Beide beanspruchen die Paracel-Inseln, die östlich von Vietnam und südlich von Hainan liegen. China kontrolliert die Inseln. Sie werden auch von Taiwan beansprucht. Die VR China spricht von einer "Neun-Strich-Linie", innerhalb derer das Land die Hoheit für sich sieht, um das Südchinesische Meer zu kontrollieren. Dazu gehören auch die Spratly-Inseln, die entweder von Vietnam oder China besetzt sind. Das Mischief Reef liegt aber auf in philippinischen Territorialgewässern. "Was mich angeht, ziehe ich es vor, fünf Jahre französischen Mist zu riechen, als den Rest meines Lebens chinesisch zu essen", Ho Chi Min, nordvietnamesischer Revolutionsführer im Vietnam-Krieg (das Misstrauen gegenüber China hat also Tradition).

Singapur: Die Stadt begann als Fischerdorf. Später war sie Kronkolonie der Briten und wichtiger Handelsplatz. Einwohner 5,6 Mio. BIP 2017 323,9 Mrd. US-$. Singapur ist eine wichtige Basis für westliche Unternehmen für die Betreuung für Direktinvestitionen. Umstritten ist die Beurteilung der Regierungsform: Diktatur. Singapur erhöht 2007 die Einkommen seiner Minister um 60% als Schutz vor Korruption. Die Wachstumsrate beträgt hier 7,9% (2006), 2010 14% nach einem Einbruch 2009 wegen der Krise (-2,1%). Hier leben 4,99 Mio. Einwohner. Wichtigste Branchen sind Finanzen und Versicherungen, Verarbeitendes Gewerbe und Handel. Ein Staatsfonds aus Singapur stützt Ende 2007 die UBS (9,8 Mrd. $) und Merrill Lynch (Temasek 4,4 Mrd. $). Erstmals seit 4 Jahren ist die stark exportabhängige Wirtschaft im letzten Quartal 2007 um über 3% geschrumpft. Das Innovationsmanagement gilt als das Beste in der Welt. Berühmt ist die Verordnung gegen "Kaugummi-Vandalismus", die 2010 erneuert wird. 2013 bestraft die Notenbank 20 Banken wegen Zinsmanipulation. 2015 feiert das Land 50 Jahre Unabhängigkeit. Ab 2017 soll Siemens Singapur zur digitalen Modellstadt machen. Im Süden von Singapur auf der Insel Sentosa (Ruhe, Frieden) im Luxushotel "Capella" kommt das Treffen zwischen Trump und Kim tatsächlich zustande. Es gibt auch eine Vereinbarung.  Einmalig ist Singapurs Sprachenmix Singlish. Es ist ein Mischmasch aus Englisch, Malay, Mandarin und Tamil. Es ist nicht mehr verpönt, sondern gehört zum Nationalstolz. Singapur ist von der Staatsform eine Diktatur. Berühmtsind die Gardens by the Bay, ein 1822 gegründeter Park am Hafen. Hermann Hesse war von diesem Park fasziniert, Er wohnte auch im Raffles, dem berühmten Hotel. Vgl. Hermann Hesse "Aus Indien", Fischer-Verlag 1913.

Singapur als Stützpunkt westlicher Firmen: Viele Unternehmen bearbeiten Asien von Singapur aus. Der Staat ist zwar eine Diktatur, hat aber eine sehr erfolgreiche Wirtschaft. Auch die deutsche Firma Wirecard ist dort. Ab 2017 soll Siemens Singapur zur digitalen Modellstadt machen.

Taiwan: Politik und Wirtschaft: Der taiwanesische Aktienindex ist der dynamischste in Asien; Taiwan will den "Nationalen Vereinigungsrat" auflösen und erntet damit heftige Kritik aus China. Taiwan: 23,4 Mio. Einwohner (2013); BIP 2017 572,8 Mrd. US-$; BIP pro kopf 39.000 $ (wie Deutschland); ALQ 4,1%; Export nach Deutschland 6,5 Mrd. €; Import 5,8 Mrd. €. Taiwan hatte 2006 ein Wirtschaftswachstum von 4,4% (ALQ: 4,6%). Acer kauft den US-Konkurrenten Gateway. Taiwan hat bis 2008 ca. 64 Mrd. $ auf dem chinesischen Festland investiert (offiziell Platz vier, inoffiziell wahrscheinlich 250 Mrd. $ mit Briefkastenfirmen). 2009 will China Taiwan bei Investitionen auf dem Festland 19 Mrd. $ zur Verfügung stellen und erwartet im Gegenzug Handelserleichterungen. Das bilaterale Handelsvolumen liegt bei 102 Mrd. $. Der Wahlsieg des China freundlichen Kandidaten 2008 lässt die Aktienkurse nach oben schießen. Die Weltwirtschaftskrise trifft das Land schwer (-4% 2009). 2010 wird ein Freihandelsabkommen mit der VR China abgeschlossen (Zölle für 800 Produktgruppen fallen weg, mehr Freiraum für Dienstleister). Im November 2015 treffen sich die Präsidenten von Taiwan und der VR China in Singapur. Sowohl bei Exporten als auch bei Importen ist China schon der größte Handelspartner. Anfang 2016 gewinnt die Kandidatin der Oppositionspartei (Tsai Ing-wen; die gegen Annäherung an die VR China ist) die Präsidentenwahl. Ein schweres Erdbeben in Taiwan wirft im Februar 2016 ein 16-stöckiges Hochhaus um (116 Menschen sterben, 475 werden verletzt). 2017 bekommt das Land eine Digitalministerin (Audrey Tang; kann programmieren; zwei Geschlechter). Das Land soll aus den Fängen Chinas befreit werden. Im Februar 2018 richtet ein Erdbeben große Zerstörungen an. EnBW investiert 2018 in Windenergie-Projekte in Taiwan. 2018 trat eine Steuerreform in Kraft: Unternehmenssteuer angehoben, Ertragssteuer gesenkt, Zusatzsteuer für inländische Investoren wird gesenkt. Im November 2018 stimmt die Mehrheit in Taiwan gegen die Ehe für alle. China will sich Taiwan einverleiben, auch wenn man dort von Wiedervereinigung gar nichts hält. Noch würden eine Reihe von Militärstützpunkte der USA unweigerlich zu einem Krieg im Pazifik führen.  "Wir sind eine Familie", Xi Jinping, Staatspräsident Chinas über die Beziehungen zu Taiwan, 2015.

Beziehungen und Status zu  China: Taiwan wird von vielen multinationalen Unternehmen zu "Greater China" gerechnet. Seit 1992 besteht ein Konsens, dass es nur ein China gibt, allerdings mit zwei politischen Systemen. 2008 gibt es eine Annäherung durch ein erstes Treffen der Parteichefs nach 60 Jahren (Vereinbarung direkter Flugverbindungen). Im Februar 2014 gibt es erstmals seit 1949 Gespräche auf Regierungsebene zwischen China und Taiwan. 2018 verstärkt China den Druck auf Fluggesellschaften: Sie müssen den Anspruch auf Taiwan bestätigen. Sie dürfen Taiwan nicht mehr als Land benennen. Außenpolitisch unterhält China in Rivalität zu Indien besonders enge Beziehungen zu Pakistan und Burma. China fürchtet eine Einkreisung durch Indien, Russland, Südkorea und Japan. China kauft sich daher immer mehr in Pakistan ein (Milliardeninvestitionen). China plagt die Sorge, das sich Taliban- und IS-Terror via Pakistan auf die muslimische Provinz Xinjiang im Westen Chinas ausdehnen könnten. Zum anderen geht es um einen die Arabische See und den Indischen Ozean beherrschenden Seekorridor vom südpakistanischen Hafen Gwadar aus. Ein Zubringer von der nördlichen Seidenstraße aus wird errichtet. Im Finanzmarktbereich scheint es mittlerweile eine Zusammenarbeit mit Japan zu geben. Die tibetisch-nepalesische Grenze wird seit 2007 stark überwacht. Die Flucht von Tibetern soll verhindert werden. Zu Füßen des Cho Oyu wird vor allem der Nangpa La - Pass kontrolliert. China vorgelagert ist eine Inselkette, die von der Koreanischen Halbinsel über Japan, Taiwan, die Philippinen bis nach Indonesien reicht. Alle diese Staaten sind mit den USA durch Militärabkommen oder Sicherheitsgarantien verbunden ("umgekehrte Große Mauer"). Streit gibt es mit Vietnam und China um die Paracel- und Spratly-Inseln. Erstmals bringen die Chinesen 2018 Raketen auf den Spratly-Inseln in Stellung. An ihnen vorbei führt eine der weltweit wichtigsten Handelsrouten. Mit Japan gibt es Konflikte um die Senkaku-Inseln. Im südchinesischen Meer gibt es auch Auseinandersetzungen um Inseln mit Malaysia und den Philippinen. Vor der philippinischen Küste haben die Chinesen künstliche Riffe geschaffen. Die USA schaltet sich immer wieder in den Schlagabtausch ein. Der Nationalismus in China selbst könnte irgendwann außer Kontrolle geraten. Das Land beruft sich auf seine lange Tradition, in der es Jahrhunderte lang die Nachbarländer dominierte. Die USA und China kämpfen um die Vorherrschaft im Pazifik. Umstritten sind die Seegebiete, die China kontrollieren will (das Land wird vom internationalen Gerichtshof in Den Haag verurteilt). China will sich Taiwan einverleiben, auch wenn man dort von Wiedervereinigung gar nichts hält. Die USA verfügen über eine Reihe von Marinestützpunkte in dem Bereich. Heute sieht sich das Land als "Daguo" (die Großmacht), das groß sein will, aber frei von imperialen Zielen. Vgl. zu gegenteiliger Auffassung: Graham Allison: Destined for War: Can America and China Escape Thucydides´s Trap, Houghton Mifflin 2017.

Myanmar:  Myanmar (Burma, Birma; 53 Mio. Menschen). Hauptstadt Nay Pyi Taw. Währung Kyat. BIP 2017 70 Mrd. US-Dollar. Das Land  hat eine große strategische Bedeutung für China: Bodenschätze, Holz, Öl und Gas lagern dort in großen Mengen. ein wichtiges Exportgut ist auch Jade. Der Jade-Handel ist fest in chinesischer Hand. In China ist Jade ein Symbol des Glücks. Wichtig ist auch der Zugang zum Golf von Bengalen. Im September 2007 werden alle Verbindungen nach außen, insbesondere das Internet, gekappt. China will eher einen Sturz der Militärjunta verhindern. Ein Tropensturm im Mai 2008 verwüstet das Land und führt zu über 20.000 Toten und über 40.000 Vermissten (Zyklon löste Flutwelle aus). 2012 versucht man die Regimegegnerin Aung San Suu Kyi einzubinden. Das BIP betrug 2011 857 Mrd. $. Das Land hat eine schlechte Infrastruktur, viele Umweltschäden und es gibt  viel Korruption. 2013 töten Buddhisten hilflose Muslime in Massen und zerstören Moscheen. Konzerne meiden das Land eher wegen hoher Risiken. KMU aus Deutschland sind aktiv (deutsche Direktinvestitionen Stand 2014 8,3 Mrd. €). Tausende Flüchtlinge verlassen 2015 das Land (Rohinggya-Flüchtlinge, verfolgte Muslime, Einwanderer aus Bangladesch und Pakistan in der britischen Kolonialzeit). Besonders die Muslime werden diskriminiert und verfolgt. Am 08.11.15 findet die erste demokratische Wahl seit 25 Jahren statt. Die Partei von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyis geht als klare Siegerin hervor.  Der Monsunregen trifft 2015 das Land am stärksten: Überschwemmungen. Im November 2015 kommen bei einem Erdrutsch ca. 100 Menschen um (ausgelöst durch eine Jade-Mine). 2017 expandiert der deutsche Handelskonzern "Metro" in das Land. Auch unter Aung San werden die Moslems erheblich diskriminiert und gar verfolgt. Immerhin darf der buddhistische Hetzer Wirathu öffentlich seine Thesen nicht mehr verbreiten (aber er gilt als verlängerter Arm des Militärs). Die wirtschaftliche Entwicklung geht nicht voran (obwohl die USA die Sanktionen aufgehoben haben); die Auslandsinvestitionen sind rückläufig. Im August 2017 kommt es wieder zu starken Gefechten mit den Rohingyas (über 100 Tote). 60.000 Menschen der Volksgruppe fliehen Ende August 2017 nach Bangladesch. Mittlerweile sind wohl 230.000 bis 389.000 Menschen geflohen. Insgesamt sind ca. 600.000 Rohingya - Flüchtlinge in Bangladesch. Das Flüchtlingslager Kutupalong ist das größte der Welt. Im Oktober 2017 sammelt eine Geberkonferenz in Genf 340 Mio. € für die Flüchtlinge. Die Grenze könnte vermint sein, um eine Rückkehr zu verhindern. Indien will die 40.000 Rohingyas zurückschicken. Die UN warnen vor "ethischen" Säuberungen. Es könnte für Südostasien gefährlich werde, wenn der Konflikt Schule macht. Auf internationalen Druck hin nehmen Myanmar und Bangladesch Gespräche über die Rückkehr von Flüchtlingen auf. Man einigt sich über eine Rückkehr innerhalb von 2 Jahren. Im März 2018 tritt Präsident Htin Kyaw überraschend zurück. Als Nachfolger wird der bisherige Unterhauschef Win Myint gehandelt. 2018 wirft die UN Myanmar Massentötungen und -Vergewaltigungen vor ("Absicht von Völkermord"; Stigmatisierung der Rohingyas). Im Mittelalter war Bagan im heutigen Myanmar die Hauptstadt eines riesigen buddhistischen Reichs, die Stadt war 15-mal größer als das mittelalterliche London. Sie war berühmt in ganz Asien. In Myanmar ist der Theravada - Buddhismus (wie in Thailand, Kambodscha, Laos, Sri Lanka). Sehr berühmt ist der Mönch Mahakassapa. Buddhisten aus ganz Asien strömten in das wohlhabende Bagan mit seinen frommen Königen. Viele blieben auf Dauer. Nur 5% der Bevölkerung Myanmars sind Muslime. Dennoch schüren nationalistische Mönche immer wieder die Angst vor Überfremdung.

Im Rahmen des Neuen Seidenstraßenprojektes hat Myanmar eine große strategische Bedeutung für China. Einmal verfügt das Land über wichtige Bodenschätze (Öl, Gas, Holz, Jade).  Zum anderen ist es ein Verkehrsweg und Energielieferant. China wollte am Ursprung des Irrawaddy einen Staudamm bauen, der China mit Energie versorgen soll. 90% der Energie sollten nach China fließen. Nach heftigen Protesten der Bevölkerung wurde das Projekt vorerst gestoppt. China traut weder der Minderheit der Muslime noch der Mehrheit der Buddhisten. So werden  - wie fast immer - nur Chinesen in den Projekten beschäftigt. Das macht die Chinesen aber sicher nicht beliebt.  Es gibt nur eine sichere Straße zwischen Myanmar und China. Das ist die Burma Road. Es war eine wichtige Route für Chinas Alliierte im Zweiten Weltkrieg gegen die Japaner. Sie wurde in den 1930er Jahren gebaut. Sie führt in China in die Provinz Yunnan.

Billigwerkbank: Seit dem Ende der EU-Sanktionen wird Myanmar zur neuen Billigwerkbank. So lassen etwa Aldi und Lidl da fertigen. Das gilt vor allem für Textilfabriken. Auch Zulieferer für Adidas produzieren dort.  2018 steigen die zollfreien Ausfuhren in die EU auf 2,3 Mrd. € (2015: 535 Mio. €). Die GIZ pumpte Milliarden in das Programm "Smart Myanmar".

Opiumanbau: Tausende von Kleinbauern leben vom Opiumanbau (Schlafmohn). Man schätzt, dass ca. 70.000 Kleinbauern im Hochland davon ihren Unterhalt bestreiten. Insgesamt wurden 2018 520 Tonnen produziert (Schätzung der UN). Kein pflanzliches Produkt ist in Relation zu seinem Gewicht wertvoller. Mittlerweile konkurrieren zwei Entwicklungshilfeorganisationen darum, die Kleinbauern davon wegzubringen. Es sind die UNODOC (Büro der UN für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, von Deutschland und Finnland finanziert) und die USAID (Organisation der USA). Beide arbeiten mit dem Alternativprodukt Kaffee, gehen aber unterschiedliche Wege. 950 Bauern haben sich bis 2019 dem UN-Projekt angeschlossen.

Bhutan: In Bhutan, das etwa so groß wie die Schweiz ist, leben 2,3 Mio. Menschen. Interessant ist die "Cross  National  Happiness" (GNH), d. h. wichtiger als wirtschaftliches Wachstum ist die Zufriedenheit der Menschen. Allerdings muss mehr als die Hälfte des Staatshaushalts durch Kredite und Zuschüsse aus dem Ausland abgedeckt werden. Hinter der vordergründigen Demokratie mit der Partei der "vollkommenen Harmonie" steht ein Königreich, das keine Abweichler duldet. 2013 plant das Land, erster Öko-Staat der Welt zu werden (biologische Landwirtschaft Pflicht). Bhutan will CO2-neutral bleiben. In dem Land wurde der Buddhismus im 12. Jahrhundert Staatsreligion. Lange lag die eigentliche Macht in den Händen der Lamas. Sehr verbreitet ist der Mahayana-Buddhismus (tibetisch). Er verspricht einen schnelleren Ausweg aus dem leidvollen Kreislauf der Wiedergeburten. Durch anspruchsvolle spirituelle Übungen (Tantra, Yoga) kann der Mensch Erleuchtung innerhalb des Lebens erlangen. Es bedarf enger Beziehungen des Meisters, dem Lama, mit seinem Schüler. Sehr populär sind Bodhisattvas, erleuchtete Wesen (sie könnten ins Nirvana einziehen, entscheiden sich aber für den Meister). Der Dalai-Lama gilt als menschliche Erscheinungsform. Lama bedeutet "Hoher Priester". Zwar durften Frauen später Nonnen werden, doch sie galten als unrein und mussten sich Männern grundsätzlich unterordnen.

Bhutan ist das letzte noch existierende souveräne buddhistische Königreich auf dem Dach der Welt. Traditionell ist die Beziehung zu Tibet eng. Die Machtspiele Chinas treiben das Land eher in die Arme Indiens. Viele Tibeter sind nach Bhutan geflohen.

Kambodscha 16 Mio. Einwohner. Hauptstadt Phnom Penh. Währung Riel. BIP 2017: 22,2 Mrd. US-$. Das Land hatte 2006 ein Wachstum von 9,5% und profitiert stark von seinen Ölvorräten. Im Jahre 1997 kam Hun Sen per Staatsstreich an die Macht. Bei Wahlen verbietet er die wichtigste Oppositionspartei. Im November 2018 gibt es erste Gerichtsurteile gegen Verbrechen der "Roten Kmer". 

Mittlerweile ist das Land in das chinesische Neue Seidenstraßenprojekt eingebunden. Die Stadt Sihanoukville ist eine wichtige Station der maritimen Seidenstraße. Bade- und Erholungsort war sie immer.  Gleichzeitig bauen die Chinesen sie zu einer Spiel- und Amüsierstadt um. Die Einheimischen sind verbittert.

Laos: 6,7 Mio. Einwohner. Hauptstadt Vientiane. Währung Kip. BIP 2017 17 Mrd. US-$. 2017 wächst die Wirtschaft rasant. Die Börse ist eine der kleinsten der Welt (Laos Composite Index). 2018 kommt Bewegung in den Kapitalmarkt (fünf Börsengänge).

Der Einfluss Chinas war historisch immer relativ begrenzt. Nur das nördliche Laos stand unter der wirtschaftlichen Einflusssphäre Chinas. Man schätzt, dass 2013 300.000 Chinesen als Migranten in Laos leben. Chinesen investieren in Laos. Luang Prabang ist die frühere königliche Hauptstadt. Sie ist UNESCO-Weltkulturerbestadt. Sie ist bei Touristen sehr beliebt.  "Die Vietnamesen pflanzen Reis, die Kambodschaner schauen zu, die Laoten hören ihn wachsen", Spruch der Franzosen über die Mentalität der drei Völker.

Philippinen: 105 Mio. Einwohner. Hauptstadt Manila. Währung Phiippin. BIP 2017 313,6 Mrd. US-$. Im November 2013 trifft der stärkste Taifun aller Zeiten auf die Philippinen. Der Taifun "Haiyan" sorgt für schwere Verwüstungen (über 4.000 Menschen sterben, am schlimmsten betroffen ist die Stadt Tacloban; 2,5 Mio. Menschen brauchen Hilfe).  Beim Papstbesuch Mitte Januar 2015 in Manila fehlen Toiletten. Deshalb müssen die Polizisten vorsichtshalber Windeln tragen. Der Jeepney ist ein umgebauter Jeep aus alten Beständen, die die US-Armee nach dem 2. Weltkrieg zurückließ. Sie sind zum Symbol für nationalen Erfindergeist geworden, obwohl sie große Umweltverschmutzer sind. Das älteste Kunstwerk der Welt findet man 2015 auf Jawa: eine verzierte Muschel ist 540.000 Jahre alt.  Im Juli 2016 entscheidet der internationale Gerichthof in Den Haag über den Inselstreit zwischen den Philippinen und China. Er gibt den Philippinen recht. Trotzdem verordnet Präsident Duterte einen radikalen Kurswechsel. Er wendet sich von den USA ab und nähert sich China. Die Terrororganisation Abu Sayaf tötet im November 2016 eine deutsche Seglerin und entführt ihren Mann (Lösegeld). Mit Milliardeninvestitionen versucht das Land, die Hauptstadt Manila mit Infrastrukturprojekten gegen Überschwemmungen abzusichern. Nirgendwo gibt es so viele englischsprachige Callcenter wie auf den Philippinen (1,3 Mio. Menschen arbeiten dort). Sie tragen zum Boom der Wirtschaft bei (8% vom BIP). 2017 gewinnen die Islamisten Boden in dem Land. Bei Gefechten gibt es viele Toten. Am 12.11.17 besucht der US-Präsident Trump das Land. 2017 gibt die philippinische Zentralbank fehlerhafte 100-Peso-Scheine heraus (Porträt eines früheren Präsidenten fehlt). Präsident Rodrigo Duderte geht 2018 unerbittlich gegen den Drogenhandel vor. Mit dem Versprechen hatte er die Wahl 2016 gewonnen. 30.000 drogenabhängige Menschen wurden schon getötet. Die Angst hat Methode. Das Angebot an Drogen wächst, die Preise fallen. Immer wieder kommt es 2019 zu Anschlägen, bei denen es viele Tode gibt.

Streit mit China: 2012 übernahmen die Chinesen nach einem Fischereistreit kurzerhand die Kontrolle über Scarborough Shoal. Der ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag erklärte das für illegal. Es gibt auch Krach über andere Inseln und die Ausdehnung des chinesischen Hoheitsgebietes vor Hainan (Spratly-Inseln). Das Mischief-Reef liegt in Territorialgewässern der Philippinen. Es wurde aber von China zu einem Luftwaffenstützpunkt ausgebaut (Meiji auf Chinesisch). Der Inselstreit steht immer wieder auf der Tagesordnung von ASEAN. Es konnte keine Einigung erzielt werden (z. B. über einen Verhaltenskodex).

Malediven: Die Malediven sind bei uns vor allem als Urlaubsparadies bekannt. Sie drohen im Zuge des Klimawandels und des folgenden Anstiegs des Meeresspiegels zu verschwinden. Unter dem Autokraten Yameen haben die Malediven mehrere Abkommen mit China unterzeichnet. Sie stehen dort mit drei Milliarden Dollar in der Kreide. Als Vorzeigeprojekt wurde die vierspurige China-Malediven-Freundschaftsbrücke gebaut, die über zwei Kilometer des Indischen Ozeans verläuft. Die Brücke verbindet die maledivische Hauptstadt mit dem internationalen Flughafen und der schnell wachsenden künstlichen Insel Hulhumale. Allerdings gibt es kaum Autos und Straßen.  2019 will man die Demokratie zurückerobern. Die Maledivische Demokratische Partei (MDP) gewinnt 60 von 87 Sitzen im Parlament. In China dürfte diese Entwicklung Missfallen auslösen.

Mongolei: Zentralasien. 3 Mio. Einwohner. Hauptstadt Ulan-Bator. BIP 2017 11,5 Mrd. $. Die Mongolei (2,6 Mio. Einwohner) verfügt über riesige Rohstoffreserven an Gold, Kupfer und Steinkohle. Sie wirbt um Investoren. Deutschland hat mit dem Land ein Rohstoffabkommen.

Die gemeinsame Grenze mit China ist 4700 Kilometer lang (längste Grenze Chinas mit einem Nachbarland). Die mongolische Revolution 1921 machte der chinesischen Besatzung ein Ende (Annexion durch das Qing - Reich im 17. Jh.). Die Mongolei geriet unter die Einflusssphäre der Sowjetunion. Heute versucht man Distanz zu halten gegenüber den beiden Riesen. Ein Symbol ist wie eh und je Dschinghis Khan, um sich mit Nationalstolz abzugrenzen.   

Afghanistan: 35,5 Mio. Einwohner. Hauptstadt Kabul. Währung Afhani. Religion 99% Muslime (80% Sunniten, 19% Schiiten, Minderheit von Ismaeliten). BIP 2017 20,8 Mrd. US-$.  ist eines der ärmsten Länder der Welt (36% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze). Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei nur 48 Jahren. Nur 18% können lesen und schreiben. 15% des BIP werden illegal produziert (Opium, drei Viertel der Weltproduktion) . Im Herbst 2016 wird ein Rückführungsabkommen mit Deutschland geschlossen. 2017 wird die größte Schlafmohnernte der Geschichte (Opium) erzielt. Das füllt die Kassen der Taliban. Frauen und Männer sind rechtlich gleichgestellt. Das steht in völligem Kontrast zu der gesellschaftlichen Realität. Taliban und die US-Regierung verhandeln 2019 im Hintergrund über einen Frieden.

Nepal: Südasien. 29,3 Mio. Einwohner. Hauptstadt Kathmandu. Währung Nepales. Rupie. BIP 2017 24,5 Mrd. US-$. Bei einem verheerenden Schneesturm in Nepal im Herbst 2014 kommen 43 Wanderer und Bergsteiger aus aller Welt um. Es ist das schlimmste Trekking-Unglück in der Geschichte des Staates. Ende April 2015 wird Nepal von einem Erdbeben heimgesucht. Das Epizentrum liegt nahe der Hauptstadt Kathmandu. Über 8.000 Menschen wurden tot geborgen.. Kulturdenkmäler (z. B. "Affentempel", Dharhara-Turm) wurden zerstört. Auch China, Indien und Bangladesch sind betroffen. 1,4 Mio. Menschen sind auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Es gibt viele Nachbeben. Entlegene Regionen sind schwer zu erreichen. Ein großes Nachbeben am 12.05.15 der Stärke 7,3 richtet weitere große Schäden an. Im Herbst 2015 wird eine neue Verfassung beschlossen. Sie beinhaltet die Trennung von Kirche und Staat. Damit wird das Land nicht zum Hindu-Staat. Bis 2008 war das Land eine Monarchie. Trotz Milliardenhilfen kommt der Wiederaufbau 2015 nicht so recht voran. Es kommt zu heftigen Potesten gegen die zukünftige Aufteilung des Landes in sieben Provinzen. 2015 wird zum ersten Mal seit Jahrzehnten kein Mensch auf den Mount Everest steigen. Die Südseite war von Nepal wegen Erdbeben gesperrt worden. China hatte die Nordseite aus dem gleichen Grund geschlossen. Die Einheimischen hoffen auf die Rückkehr der Touristen. Das zweitärmste Land Asiens braucht sie dringend. Anfang September 2017 wird das Land von Überschwemmungen heimgesucht. Der Alpinist Wolfgang Nairz hat 2001 die Nepalhilfe Tirol gegründet (er war bereits über 90-mal in Nepal). Sie baut Schulen und bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Hans Kammerlander aus Süd-Tirol/Arntal, der mit Reinhold Messner und alleine viele Achttausender in Nepal bestiegen hat, fördert ein Schul-Projekt.

Nepal und auch Bhutan waren in der Geschichte "Spielwiesen" für Indien und China. In der Tiefebene von Terai sind die Grenzen zwischen Nepal und Indien immer offen gewesen. Die chinesisch-nepalesische Grenze verläuft zu 90% durch unbewohntes Gebirge. Im Zuge der Neuen Seidenstraße - Initiative soll eine Eisenbahnverbindung zwischen Kathmandu und Lhasa gebaut werden.

Wirtschaft in anderen Ländern Asiens (die bisher noch nicht behandelt wurden):  

Australien (eigener Erdteil bzw. Ozeanien, aber enger Zusammenhang mit Asien) hatte 2009 ein BIP von 45.587 $ Wachstum 1,3%). Die Inflationsrate lag bei 1,8%, die ALQ bei 5,6%. Das Land hat 22 Mio. Einwohner. Es ist sehr rohstoffreich. 2010 will die Börse von Singapur die australische Börse (ASX) übernehmen. 2017 wollen die Norfolkinseln sich von Australien lossagen (viele Einwohner sind Nachfahren der Besatzung der "Bounty"). Australien will in der Sicherheitspolitik eng mit Japan und den USA zusammenarbeiten. Man hat Angst vor China. Auch die Kontakte im Commonwealth mit GB werden wieder verstärkt. Im Mai gewinnt die liberal-konservative Regierung die Wahl (Scott Morrison). Bei der Wahl standen sich Alt &Reich und Jung gegenüber. Neuseeland Ozeanien. Das Land lässt 2018 126.000 Rinder schlachten. Die Tuberkulose (Mycoplasma) grassiert. Es gibt keine präzisen Tests. Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen Mitte März 2019 kommen 50 Menschen ums Leben.  Der Attentäter ist ein rechtsextremer Australier (Brenton Tarrant), der den Anschlag in Christchurch ausgeführt hat. Neuseeland will seine Waffengesetze verschärfen. Premierministerin Jacinda Ardern erwirbt sich durch ihr Auftreten viel Ansehen in der Welt.  Malediven: 436.000 Einwohner. Hauptstadt Male. BIP 4,6 Mrd. US-$. Die Inselgruppe ist vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Mit Unterstützung Chinas wird 2018 wieder ein autoritäres Regime eingerichtet (chinesischer Brückenknopf). Vorher herrschte Gewalt und Chaos in der Hauptstadt Male. Kasachstan: Zentral-Asien. Hauptstadt Astana. 18 Mio. Einwohner. BIP 2017 160 Mrd. US-$. Präsident Nasarbajew tritt im Frühjahr 2019 nach 30 Amtsjahren zurück.  Kirgisistan: Zentral-Asien. 6,2 Mio. Einwohner. Hauptstadt Bischek. BIP 2017 7,6 Mrd. US-$.  Tadschikistan: Zentralasien. 9 Mio. Einwohner. Hauptstadt Duschanbe. BIP 2017 7,1 Mrd. US-$. Turkmenistan: 6 Mio. Einwohner. Hauptstadt Asgabat. BIP 2017 43 Mrd. US-$. Usbekistan: Zentral-Asien. 33 Mio. Einwohner. Hauptstadt Taschkent. BIP 2017 49 Mrd. US-$. 1972 entdeckt ein russischer Archäologe eine bisher unbekannt Hochkultur der Bronzezeit. Er nennt die Kultur "Margiana". 1700 v. Chr. wird die Hauptstadt Gonur Depe ("Grauer Hügel") verlassen. Vgl. dazu eine Ausstellung im Reiss-Engelhorn-Museum 2019 in Mannheim.  Usbekistan: Mit 32 Mio. Einwohnern ist es das größte Land Zentralasiens. Besteht seit der Abspaltung von der Sowjetunion 1991. Seitdem regierte Diktator Islam Karimov, der 2016 starb. Seitdem regiert ein Präsident. 2014 gab es nach Angaben der ILO noch 14
% Zwangsarbeiter. Das Land ist ein Agrarland. Es ist einer der größten Baumwollproduzenten der Welt ("weißes Gold"). 

Die überwiegend in Asien liegenden Länder Russland und Türkei sind bei Globalökonomik/ Ländergruppen dargestellt. Dort finden sich auch Israel und die arabischen Länder (Saudi-Arabien, Iran, VAE, Katar, Kuwait, Libanon u. a.), die zu Vorder-Asien gehören.

Wirtschaftsintegrationen und Treffen:

Gemeinsam mit der Asean, der südostasiatischen Freihandelszone (rund 1,9 Mrd. Menschen insgesamt; Thailand, Laos, Malaysia, Singapur, Kambodscha, Vietnam, Burma, Indonesien, Philippinen, Brunei) will China bis 2010 die größte Freihandelszone der Welt schaffen, auch Japan ist mittlerweile einbezogen. Chinas Anteil am Asean - Außenhandel ist in den letzten zehn Jahren von 4 auf 11% gestiegen.  Ab 11 01. 2007 fand ein Treffen auf der philippinischen Insel "Cebu" statt (als regionale Dialogpartner sind einbezogen: Australien, Neuseeland, Indien, Japan, China und Südkorea). Die Asean - Staaten gründeten im Mai 2007 einen Währungspool (ein Teil der Währungsreserven wird zusammengelegt, Schutz vor Finanzkrisen). Ende Juli 2007 findet ein dreitätiger Gipfel statt (Handelsliberalisierung, Klimaschutz). Asean (Generalsekretär Ong Keng Yong) will bis 2013 sechs neue Freihandelsabkommen abschließen. Bis 2015 sollen die Zölle abgebaut werden. Es gibt mittlerweile auch eine Charta mit Grundprinzipien. Auf dem Gipfeltreffen in Thailand im März 2009 wird beschlossen, bis 2015 eine Wirtschaftsintegration nach dem Vorbild der EU zu schaffen. Der Asean-Gipfel im April 2009 in Pattaya, Thailand (Folgen der Weltfinanzkrise)  muss wegen Demonstrationen abgebrochen werden. Auch das Gipfeltreffen im thailändischen Hua Hin im Oktober 2009 wird von Tumulten begleitet. Es geht um Folgen von Naturkatastrophen und Klimawandel. Ab 2010 fallen viele Zollschranken, der Handel hat sich auf 200 Mrd.  erhöht. Auf der Asean-Konferenz im Oktober 2010 in Vietnam bekräftigen die USA eine Führungsrolle im asiatisch-pazifischen Raum und warnen China vor Einschüchterung der Nachbarn. Noch ist der Dollar die dominierende Währung. Viele kleinere Staaten wickeln auch ihren Außenhandel in Dollar ab (z. B. Thailand 90% des Japan-Handels). Nach Reformen darf das Militärregime in Myanmar 2014 den Vorsitz übernehmen. Auf der Konferenz im November 2011 auf Bali ist die Behandlung der Seegrenzen im südchinesischen Meer zwischen China und USA umstritten. Die Konferenz im November 2012 in Phnom Peng beschließt, bis 2015 völlige Zollfreiheit herzustellen. Im August 2017 feiert der Pakt sein 50jähriges Bestehen auf einer Konferenz in Manila (dabei sind an einem Tisch Nord- und Südkorea). Im November 2018 findet der Asean-Gipfel in Singapur statt. China wirbt um Rückendeckung im Handelskrieg mit den USA und wirbt für RCEP. Die APEC ist mit einer Bevölkerung von 2,6 Mrd. und einem Anteil von 41% an der Weltbevölkerung, die größte Wirtschaftsintegration, auch schon 60% Intra-Handel, 21 Staaten, 50% des Welt-BIP.  Auf dem APEC-Treffen im November 2006 in Vietnam (Hanoi) wird Russland der Weg in die WTO geebnet. Außerdem soll die Doha-Runde wieder in Gang gebracht werden. Danach findet noch eine Konferenz in Singapur statt, auf der es nur um Umweltfragen geht (keine positiven Signale). Am 05.09. 2007 begann der Apec-Gipfel in Sidney. Es ging um den Klimawandel und die Doha-Runde (Agrarsubventionen) . Der APEC-Gipfel im August 2008 beschäftigt sich mit Strukturreformen und Wirtschaftsförderung. Beim Treffen im November 2008 in Lima geht es um die globale Finanzkrise. Ab 2010 sollen die Handelsschranken abgebaut werden. Henkel will mit Ausbau des Asiengeschäfts wachsen. Siemens beteiligt sich an taiwanischer Benn-Q. Heidelberger Cement gründet mit dem indonesischen Mischkonzern Indorama Lohia ein Gemeinschaftsunternehmen in Indien (Indien ist nach China der zweitgrößte Zementverbraucher in der Welt). Die Metro will weiter in Asien expandieren. 2010 findet ein Apec-Gipfel in Yokohama/ Japan statt: Es geht um die Unterbewertung des Yuan, die Aufwertung des Yen  und die Probleme in den USA. Auf dem Apec-Gipfel im November 2011 geht man weiter Richtung Freihandelszone. Ein Teil der Mitglieder gibt die Schaffung einer Transpazifischen Partnerschaft (TPP) bekannt unter Führung der USA (ohne China). Die Zölle auf Umweltgüter sollen bis 2015 auf 5% gesenkt werden. Am 01.10.13 treffen sich die Apec-Staaten zum Gipfel in Indonesien. In Bali verhandelt man über ein Freihandelsabkommen. 2014 findet ein Treffen der Apec-Staaten  am 10.11.in Peking statt. China hat dafür zig Fabriken stillgelegt, damit die Luft nicht zu schlecht ist. Wieder geht es um ein Freihandelsabkommen (immer noch zwei Modelle: mit und ohne China). Im November 2016 treffen sich die Apec - Mitglieder in Lima/ Peru. Angesichts des Wahlerfolges von Trump werden offene Märkte und Kampf gegen Protektionismus gefordert. Am 17./18. November 2018 findet der Jahresgipfel der Apec 2018 (21 Staaten) auf Papua-Neuginea statt. Das Land ist bitterarm und hat eine miserable Infrastruktur. Die meisten Gäste kommen in Port Moresby unter. Es wurde eigens ein Apec-Haus gebaut (von Oil Search gesponsert). Die USA und China überziehen sich mit Vorwürfen und verhindern eine gemeinsame Abschlusserklärung. US-Vizepräsident Pence droht mit einer Verdopplung der US-Zölle. Nach einem Treffen der G7-Finanzminister und Notenbankchefs Mitte April 2006 kommt es zu einer Aufwertung von Baht, Won und Rupiah und einer Abwertungstendenz des Dollar. Am 28.05.07 beraten die Außenminister der EU mit ihren Kollegen aus 16 asiatischen Ländern über den Klimawandel, die Energiepolitik und die internationalen Wirtschaftsbeziehungen.  Am 10.11.17 besucht Trump Vietnam. Er spricht in Da Nang, wo die ersten US-Soldaten im Vietnam-Krieg landeten. Trump nimmt dort am APEC-Gipfel teil (auch China und Russland). Die USA wollen keinen Freihandel. Die restlichen 11 Staaten wollen enger zusammenarbeiten. Im November 2018 trafen sich die Apec - Staaten in Papua-Neuginea. Bis auf Trump kamen alle Staats- und Regierungschefs. Nach dem Treffen des Staatenbunds werden 100 Fahrzeuge (meist Maseratis) vermisst. Der Begriff "öffentliches Eigentum" wird in Papua-Neuginea frei interpretiert. Am 24.06.2007, 10 Jahre nach der Asienkrise, berät das Weltwirtschaftsforum Ostasien in Singapur. Am 18.08. 07 treffen sich die Länder der Shanghai Cooperation Organisation (SCO, seit 1996: Russland, China, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan) in Bischek. Diese Organisation, die von China und Russland dominiert wird, wird in den Folgejahren immer wichtiger. Sie wird mit dem Projekt "Neue Seidenstraße" verknüpft und man versucht, die EU mit ins Boot zu holen. In Folge der Hypothekenkrise in den USA und den weltweiten Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten kommt es immer wieder zu Panikverkäufen in Asien; am stärksten ist Korea betroffen. Diese Organisation ist einen Art Gegengipfel gegen die G7. Am 8. und 9.6.18 trifft sich die Organisation in Qingdao/ Ost-China. Zur Organisation gehören inzwischen China, Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Kirgistan, Usbekistan sowie als Neumitglieder Pakistan und Indien an. 20 Prozent des Welthandels und 40 Prozent der globalen Bevölkerung gehören zu den Staaten der Organisation.  Im südkoreanischen Seoul fand die 11. Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft im Oktober 07 statt. Anwesend waren 600 Teilnehmer. Die Asien-Pazifik-Konferenz 2010 findet Mitte Mai in Singapur statt. Siemens-Chef Peter Löscher löst Jürgen Hambrecht als Vorsitzenden des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft 2010 ab (davor Heinrich von Pierer). 2014 wird Hubert Lienhard Vorsitzender des Ausschusses (Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung bei Voith GmbH, Chinasprecher ist Brudermüller von der BASF). Ende April 2014 reist der deutsche Wirtschaftsminister mit 49 Unternehmensvertretern nach China.  Zentrales Thema ist die Gleichberechtigung für deutsche Firmen in China und mehr Fairness (so der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA) Lienard (Voith AG). Gleichzeitig stehen die Energieeffizienz und die Umweltprobleme im Mittelpunkt. Im Herbst 2011 verlangt das Forum einen fairen Marktzugang für deutsche Firmen und kritisiert den Zwang zu Joint Ventures. 2012 werden offene Rohstoffmärkte eingefordert. Im November 2016 ist der Asien-Pazifik-Gipfel in Hongkong.  BDI-Chef Grillo spricht sich gegen eine Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes aus (mehr Schutz gegen ausländische Direktinvestitionen). Hubert Lienhard fordert Anfang 2017 eine gemeinsame Strategie der Europäer für Asien. China könnte durch den Protektionismus der USA unter Trump stärker werden. Im November 2018 findet die Asien-Pazifik-Konferenz in Jakarta statt. Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier nimmt teil.  Weitere Teilnehmer aus Deutschland sind Kaeser/ Siemens, Appel/ Deutsche Post, Rosenfeld/ Schäffler, BDI-Chef Kempf, DIHK-Chef Eric Schweitzer. Am 26.02.19 trifft sich der Asien-Pazifik-Ausschuss in Berlin. Merkel warnt vor einer Dominanz Asiens und fordert eine Neuordnung der Industriepolitik der EU und Deutschlands. Jährlich findet ein EU-China-Gipfel statt. Am 20.09. beginnt er wieder in Brüssel. Das Treffen ist durch den Machtwechsel in China und das Dumping in der Solarbranche geprägt.  China will handelspolitisch eine strategische Partnerschaft mit der EU. Damit setzt das Land auf eine engere wirtschaftliche Verflechtung (mehr marktwirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten). Premier Li Keqiang nimmt am 17. EU-China-Gipfel in Brüssel teil (Ende Juni 2015). Die EU will sich an der asiatischen Entwicklungsbank beteiligen. Am 16.07.2018 findet ein EU-China Gipfel in Peking statt. Ein Wirtschaftsabkommen soll herbeigeführt werden.  Am 19.10.18 trifft man sich in Brüssel. Vereinbart werden Kooperation in den Bereichen Digitalisierung und Klimawandel. Es geht auch um ein Gegengewicht gegen die USA unter Trump. "Zusammen sind wir eine Weltmacht", EU-Außenbeauftragte Mogherini. Die Wirtschaftskrise 2008 zwingt China, Japan und Südkorea zu einer Zusammenarbeit. Im Dezember 2008 kommt es zu einem Gipfel: Konjunkturprogramme werden abgestimmt. Ostasien steuert immer mehr auf eine Dreierallianz zwischen China, Japan und Südkorea zu. Mitte Oktober 2014 findet ein Europa-Asien-Gipfel (ASEM, 51 Staaten) in Mailand statt. Wachstumsstimulierung ist das Kernthema. Aber es geht auch um Ebola, Terror und die Ukraine. Der Asien-Europa-Gipfel wird zu einer regelmäßigen Institution. Auch 2016 im Juli gibt es eine Zusammenkunft in Ulan Bator/ Mongolei. Der Ertrag ist wenig bis gar nichts. Am 30./31. 05.2015 ist eine Weltsicherheitskonferenz in Singapur. Die vier großen Schwellenländer Brasilien, China, Indien, Russland treffen sich ab 2017 zu einem Gipfel. Der Gipfel 2017 findet im chinesischen Xiamen im September statt. Im November 2017 findet eine Asiatisch-Pazifische Regionalkonferenz in Australien (Perth) statt. Die Globalisierung soll fairer gestaltet werden. Die EU und Australien planen ein Freihandelsabkommen. Am 17.4.18 findet Asiens Weltwirtschaftstreffen Boao Forum in China (Hainan) statt. Es wird von Xi Jinping eröffnet. Er will sich als Anwalt des Welthandels präsentieren. Trump "unterstützt" ihn nach Kräften dabei. Xi kündigt ein Senken der Einfuhrzölle auf Kraftfahrzeuge und auf andere Produkte an.

"Wir haben uns über die Weltwirtschaft ausgetauscht", Jin Renqing, Chinas Finanzminister, auf dem G7-Gipfel in London zu Meldungen über eine Yuan - Aufwertung zum Jahreswechsel.

"Während die Chinesen am 29. Januar 2006 das Jahr des Hundes einläuten, gibt es für die wilden Verwandten des Haushundes wenig Grund zum Schwanzwedeln", aus einer Pressemeldung des WWF; vgl. auch:  Chinesisches Horoskop. 2007 war das Jahr des Schweins. Am 07.02.2008 begann das chinesische Jahr der Maus (niemals gegenüber Chinesen Ratte sagen!). Es müsste ein Jahr des Überflusses mit guten Gelegenheiten und Aussichten auf Erfolg werden.("In the chinese year of the mouse 2008 businesses will proper and the world economy will boom"). Und wie war die Realität? 2009 ist das Jahr des Ochsen/ Rindes. 2010 ist das Jahr des Tigers. Am 03. Februar 2011 beginnt nach dem Mondkalender das Jahr 4708, nach dem Tierkreiszyklus im Zeichen des Hasen. Am 23. Januar 2012 beginnt das chinesische Jahr des Drache (Wasser-Drachen). Der Drache steht in der chinesischen Mythologie für Kraft, Macht und göttlichen Beistand. Traditionell werden in diesen Jahren viele Kinder geboren. Der gelbe Drache symbolisiert die Macht der chinesischen Kaiser. Am 10.02.2013 beginnt das chinesische Mondjahr der Schlange. Die Schlange soll die aufgewühlten Elemente des Drachenjahrs geduldig und analytisch umsetzen. Menschen aus diesem Jahr gelten als listig, entschlossen und argwöhnisch. 2014 ist das Jahr des Pferdes (genau Holz-Pferd). Es beginnt am 31. Januar. Die Energie des Pferdes begünstigt Selbstvertrauen und Initiative. 2015 kommt das Jahr der Ziege (Holz-Ziege). Die Ziege gilt als verständnisvoll, friedliebend und ihr wird eine  gute Menschenkenntnis zugeschrieben (auch in anderen Kulturen: Flamen, Neuschweiz, Manhattan, bei Kaiser Augustus). 2016 ist das Jahr des Affen (Feuer-Affen; geschickter Typ mit Raffinesse; turbulentes, unberechenbares Jahr). 2017 ist das Jahr des Feuer-Hahns (Beginn 28.Januar; Energie, Tatkraft, starker Charakter). 2018 ist das Jahr des Hundes. Es beginnt am 16. Februar 2018 und endet am 5. Februar 2019. Wahrsager rechnen mit Naturkatastrophen, politischen Spannungen und einer Talfahrt der Börsen. 2019 ist in China das Jahr des Erdschweins, in Japan das Jahr des Wildschweins. Das Jahr soll jede Menge Glück bringen (Reichtum, Erfolg, Spaß;  am 05.02.2019 ist das Neujahrsfest 2019). Das chinesische Neujahrsfest löst die größte Massenwanderung aus. Hunderte Millionen Chinesen vereisen (allein 200 Mio. Wanderarbeiter; das Neujahrsfest wird auch in Ländern mit hoher chinesischer Bevölkerung gefeiert: Australien, Kanada, USA). Die Familien wollen zusammen sein, feiern Feste und reinigen vorher ihre Häuser und Wohnungen.  Das Mondfest wird jährlich im September gefeiert. Es findet immer am 15. Tag des 8. Mondmonats nach dem chinesischen Kalender statt. Drei freie Tage werden in der Regel zugestanden. Verbunden mit diesem Fest ist der Mondkuchen (sehr teuer). Im Zuge des Kampfes gegen die Korruption geht der Absatz 2013 um 50 Prozent zurück (keine öffentlichen Gelder mehr). In der chinesischen Kultur symbolisiert die Kreisform Vollständigkeit und Einheit. Das Fest wurde im Jahre 2008 gesetzlicher Feiertag. Auch in Taiwan und Vietnam ist es ein Feiertag..

   Institutionelle Rahmenbedingungen und Wirtschaftspolitik:

"Plane das Schwierige da, wo es noch leicht ist. Tue das Große da, wo es noch klein ist", Laotse: Die Weisheit des Tao Te King (Pinyin-Umschrift: Laozi, Dao De Jing, "Das Buch vom Weg und seiner Kraft", Taoismus bzw. Daoismus). 

China:                               (direkt zu Japan)

Gliederung: Wirtschaftsordnung, (Sozialistische Marktwirtschaft, Politisches System, KPC, Marx, Nationaler Volkskongress)  Kultur, Notenbankstatus/-Handeln, Währung/ Geldpolitik Finanzmärkte/ Aktienmarkt, Bankensystem, Finanz- und Steuerpolitik, Bildungs- und Forschungspolitik, Sozialpolitik und Sozialversicherung, Strukturpolitik/ Wettbewerbspolitik, KMU und Mittelstandspolitik, Internationalisierung, Entwicklungspolitik/ Außenwirtschaftspolitik, Urbanisierung und Städtebaupolitik (Regionalpolitik). Zu weiteren, speziellen Politikberechen vgl. Makroökonomische Daten (u. a. Konjunktur- und Wachstumspolitik, Bevölkerungspolitik, Arbeitsmarktpolitik, Umweltpolitik, Energiepolitik).

 

Wirtschaftsordnung: Sozialistische Marktwirtschaft: Mischsystem, d. h. Volkseigentum und starker Plan- bzw. Staatsanteil verbunden mit Marktpreisbildung und Gewinnergebnisrechung bei Betrieben. Planwirtschaftliche Methoden spielen noch eine Rolle, vor allem über die KP-Kader (Partei hat 73 Mio. Mitglieder mit strengen Aufnahmekriterien; sie bilden eine Klammer bis in die Regionen, "Rotchina AG"; der Parteitag trifft sich alle 5 Jahre in Peking; die 2213 Delegierte wählen die 350 ZK-Mitglieder). Der Anteil der Privatwirtschaft liegt mittlerweile über 50% (abhängig von der Zuordnung der Rechtsformen, den Anteilen und dem Einfluss des Staates). Die Staatsunternehmen, noch ca. 35% aller Unternehmen (ca. 150.000 größere Unternehmen  2003),  haben in der Wertschöpfung einen Anteil von 42%. 2011 gibt es noch 144.700 Staatsunternehmen mit einem Nettogewinn von 322 Mrd. Euro. Typisch sind auch stark informelle Strukturen wie das Kultur geprägte "Family Business Network". Ein neues Eigentumsrecht soll das Privateigentum gesetzlich schützen. Im August 2007 wird ein Anti-Monopolgesetz verabschiedet: Preisabsprachen werden verboten und Fusionen sind genehmigungspflichtig.  Für ausländische Investoren wird bei Zusammenschlüssen "die nationale Sicherheit" überprüft (wegen der Schwammigkeit sehr umstritten!). Nach dem internationalen Business-Monitor von Handelsblatt ist China 2008 das wettbewerbsfähigste Land der Erde (vor Deutschland und der Schweiz). China wird von der EU noch nicht als Marktwirtschaft anerkannt (non-market economy), was Antidumping -  Maßnahmen erleichtert. Umgekehrt sind die Märkte in China noch nicht vollständig geöffnet, wodurch viele ausländische Firmen von lukrativen Aufträgen ausgeschlossen sind. In der Weltwirtschaftskrise 2009 verstärkt China die staatliche Lenkung seiner Wirtschaft wieder (der Umweltschutz wird gelockert). Rund 6,5 Mrd. € will China von 2010 bis ca. 2013 in "Auslandspropaganda" investieren, um sein Image in der Welt zu verbessern. China baut seine Wirtschaft konsequent von einer Export- zu einer Binnenwirtschaft um. Eine "zentrale Disziplinarkommission" mit ca. 800 Mitarbeitern soll gegen Korruption vorgehen. Sie handelt allerdings nur auf Anweisung der höchsten Parteigremien. Auf dem 18. Parteikongress im November 2012 (Führungsspitze wird neu gewählt, eine Frau: Liu Yandong) werden: "Wechsel im Wachstumsmodell" (stärkerer Binnenmarkt, höherwertige Industrien, Lücke zwischen städtischer und ländlicher Entwicklung und Einkommensunterschiede verringern,), Modernisierung der öffentlichen Finanzen, Öffnung der Kapitalmärkte, Bekämpfung der Korruption. 2014 wird die erste chinesische Handelskammer in Europa in Berlin eröffnet.  Auf dem Volkskongress im März 2015 wird ein Umbau des Gefüges von Politik und Ökonomie bekannt gegeben: Kapital soll weg von der politischen Elite hin zur Privatwirtschaft fließen. Damit verringert sich der wirtschaftliche Einfluss der KPC (Selbstbereicherung und Korruption sollen eingedämmt werden). Außerdem werden vier Leitlinien verkündigt: vertiefte Reformen, gemäßigter Wohlstand, Herrschaft des Rechts, Kontrolle der Partei (s. oben). Die staatseigenen Betriebe sollen allerdings weiter wachsen. Sie werden deshalb fusioniert. Aus 112  2015 sollen 40 in Zukunft werden (47 Unternehmen aus China stehen 2015 auf der Liste der 500 global führenden Unternehmen). Laut Beitrittsprotokoll zur WTO wird China normalerweise nach 15 Jahren zur Marktwirtschaft erklärt. Das wäre also 2016 (Artikel 15 des WTO-Beitrittsvertrages). Die USA und Kanada sträuben sich. Die EU hat noch keine Antwort gegeben. Folgenabschätzungsstudien laufen. Schutzzölle müssten aufgegeben werden.  Die deutsche Wirtschaft ist gespalten (Stahlbranche dagegen). Die VR pocht auf Einhaltung des WTO-Vertrages. China will bis 2018 den Marktzugang für ausländische Firmen leichter machen. Es sollen alle Sektoren, bis auf einige untersagte, geöffnet werden. Vgl. Wang Danli: Trends in China. Economic System Reform, Beijing Times Chinese Press, Beijing 2015. Die chinesische Regierungen macht den Marktzugang immer schwieriger (auch Beteiligungen; Midea hat aber Kuka übernommen). Ende 2017 kämpft China mit immer schärferen Worten für die Anerkennung als Marktwirtschaft. Die USA haben sich wieder gegenüber der WTO gegen die Anerkennung ausgesprochen (die nationale Wirtschaft würde zu stark geschützt).

Politisches System:   2017 soll eine "Nationale Kommission für Überwachung" eingerichtet werden. Es ist eine Kontrollkommission zur Kontrolle der Disziplinarkommission, die Korruption überwachen soll. Insofern geht es um korrupte Anti-Korruptionsbekämpfer. Im Dezember 2017 unterstellt Chinas Staatschef Xi Jinping die bewaffnete Polizei der Partei. Der Schritt geht womöglich auf einen Umsturzplan im Jahr 2012 zurück.  Die Kommunistische Partei will 2018 die Amtsbegrenzung für Staats- und Parteichef Xi Jinping aufheben.  Damit würde das Prinzip der "kollektiven Führung" (Deng Xiaoping) zugunsten einer Autokratie aufgegeben. Unter dem Vorwand der Korruption werden immer wieder Gegner verhaftet. "Je mehr Gesetze und Verordnungen kundgemacht werden, desto mehr Diebe und Räuber gibt es", Laotse, chinesischer Philosoph. "Die Chinesen sind nach der Finanzkrise ernüchtert über den angelsächsischen Kapitalismus", Ansgar Gerstner. Deshalb gilt das Motto "Alle Macht dem Staat".

"Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen", Mao Zedong (1927 auf einer Dringlichkeitssitzung des ZK in Wuhan; die Volksbefreiungsarmee / VBA untersteht nicht dem Staat, sondern der Partei).

Karl Marx (1818 - 1883, geb. in Trier, "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern"; "Alles muss angezweifelt werden") zählt in China als Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus zu den einflussreichsten Philosophen und politischen Theoretikern der Neuzeit (Hauptwerk: Das Kapital, 3 Bände, Hamburg 1867 - 1894). Zeitweilig lebte ja fast die Hälfte der Weltbevölkerung unter Regierungssystemen, die sich nach ihrem Anspruch auf seine Ideen gründeten. Allerdings hat seine Lehre heute kaum Einfluss auf die tatsächlichen Organisationsprinzipien der Wirtschaft (2009 habe ich einen Vortrag über die Bedeutung von Marx in China bei der HdBA in Mannheim gehalten, einen Vortrag mit dem Thema "Keynes meets Marx" hielt ich bei der Keynes-Gesellschaft). 2018 findet in Trier eine große Ausstellung zum 200. Geburtstag statt. Auch Friedrich Engels ist in China sehr bekannt. Viele Chinesen, die Deutschland besuchen, fahren nach Wuppertal zum Engels-Geburtshaus. Deng Xiaoping formulierte diesen Pragmatismus mit folgenden Worten: "Es ist egal, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache sie fängt Mäuse". Offiziell wurde auf dem 12. Kongress der KPC im Jahre 1982, als man sich auf einen Sozialismus mit chinesischen Eigenheiten festlegte, die Grundlage für die wirtschaftliche Öffnung geschaffen. 1978 wurde in Beijing das erste private Unternehmen in China mit der Lizenz 001 gegründet (das Restaurant von Guo Peiji in der Nähe der Halle des Volkes). Heutzutage dient der Konfuzianismus als moralischer Kompass für die sozialistisch-harmonische Gesellschaft ("Xiaokang Society", der Zusammenhang mit den Lehren von Marx steht nicht mehr im Mittelpunkt): "Wer das Alte bewahrt und zugleich neues Wissen zu gewinnen vermag, der kann den Menschen Lehrer und Vorbild sein", Konfuzius. Die Kommunistische Partei Chinas (KPC) hat heute (2011) ca. 82 Mio. Mitglieder. Es ist ein Netzwerk-System, das in alle Ecken des Landes reicht (etwa 780.000 Dorf-Parteikomitees). Auch Privatunternehmer halten sich an den Parteischulen auf, um Kontakte zu knüpfen (dürfen seit 2002 Mitglieder sein). Am 01.07.2011 wurde die KPC 90 Jahre alt. 2011 muss erstmals ein Unternehmer (der Baumagnat Liang Wengen, kontrolliert Baumaschinenkonzern Sany) in das Zentralkomitee aufgenommen werden, weil der Ärger unter Chinas Privatunternehmern immer mehr wächst. Die fünf großen Banken und die großen Firmen werden von den Spitzen der Partei geführt ("Roter Kapitalismus"). Die Chefs der 130 wichtigsten Staats-Holdings ernennt die Partei. Die wichtigsten Entscheidungen trifft das Politbüro (früher 25 Mitglieder, jetzt 28) des Zentralkomitees (400 Mitglieder) der Partei  (2200 Mitglieder auf dem Parteitag) und sein Ständiger Ausschuss (früher neun Mitglieder, jetzt sieben). Im November 2012 wird die Führung der Partei neu gewählt (Xi Jinping als Parteichef und später Staatspräsident, Li Keqiang als Premier und Nummer 2; Peng Liyuan, die Frau von Xi Jinping, ist in China als Sängerin bekannter als ihr Mann). Der Aufnahmeprozess in die Partei ist sehr hart (auch Aufsätze zur Gesinnung, nur etwa 15% bestehen). Ein Problem ist die Nutzung des Parteibuches für unlauteren Einfluss (Firmenbeteiligungen!). Ein weiteres Problem ist die mangelnde Transparenz. Seit 30 Jahren gibt es einen Austausch zwischen der KPC und der SPD. 1984 schüttelte Willy Brand Deng Xiaoping in Peking die Hände (als SPD Vorsitzender, Chef der Sozialistischen Internationale und des Nord-Süd-Dialogs). So etwas wie Demokratie gibt es nur auf kommunaler Ebene. Das Dorf Wukan ist berühmt geworden, weil sich die Bürger des rund 10.000 Einwohner zählenden Fischerdorfes in der südchinesischen Provinz Guangdong gegen Landraub durch korrupte Beamte zur Wehr setzte. Xi Jinping will die Kommunistische Partei noch weiter unter seine Kontrolle bringen. Er nutzt die Korruptionsbekämpfung dafür, sich seiner internen Widersacher zu entledigen. Der autoritäre Führungsstil lähmt aber auch die Partei. Die KPC drängt ab 2017 stark in Auslandsfirmen. Die Parteizellen in ausländischen Firmen sollen gestärkt werden (auch Anwerben von Fachkräften). 2017 steigt die Mitgliederzahl auf etwa 90 Mio (die Einwohnerzahl Deutschlands ist geringer). Parteichef Xi soll auf dem 19. Parteikongress, der Mitte Oktober 17 beginnt und alle 5 Jahre stattfindet, zum Mao des 21. Jahrhunderts gemacht werden (für die nächsten 15 bis 20 Jahre; er hat die Kontrolle über Militär und Polizei; der Parteikongress stellt Xi auf eine Stufe mit Mao und Deng). Der siebentägige Volkskongress hat ca. 2300 Mitglieder und wählt das 200-köpfige Zentralkomitee und das Politbüro mit 25 Mitgliedern.  Xi ruft zu Wachsamkeit in einer veränderten Welt auf und schlägt ansonsten nationalistische Töne an. China plant für drei Jahrzehnte. Das Land will eine Führungsrolle bei Hightechprodukten einnehmen. "Wir verbreiten den Sozialismus mit chinesischen Merkmalen", Xi Jinping 2014. 2017 auf dem Volkskongress sagt er dann Folgendes: "Unsere chinesische Zivilisation erstrahlt in dauerhafter Pracht und Herrlichkeit". Die Kommunistische Partei will 2018 die Amtsbegrenzung für Staats- und Parteichef Xi Jinping aufheben.  Damit würde das Prinzip der "kollektiven Führung" (Deng Xiaoping) zugunsten einer Autokratie aufgegeben. Das geschieht am 11.03.2018 auf dem Volkskongress, der am 05.03. begonnen hatte (2958 Delegierte dafür von 2970). Außerdem bekommen die Ideen von Xi jetzt Verfassungsrang. Kritik an Xi kann dann wegen Staatsfeindlichkeit verfolgt werden. Xi Jinping wird schon "kleiner Mao" oder "neuer Kaiser" genannt (Englisch: "Chairman of Everything"). Xi wird am 17.03.18 vom Volkskongress für weitere fünf Jahre gewählt (einstimmig). Er selbst und seine Familie haben aber unter Mao gelitten: Sein Vater war Gründungsmitglied der KP und später stellvertretender Ministerpräsident. Er verlor unter Mao dann alle Ämter. Xi musste zur Umerziehung. Li Keqiang bleibt für weitere fünf Jahre Ministerpräsident. Seine Position ist aber geschwächt. Wichtige wirtschaftpolitische Kompetenzen werden in Ausschüsse der Partei verlagert.

"Die Geschichte hat bewiesen und wird weiter beweisen, dass die kommunistische Partei Chinas groß, glorreich und korrekt ist." Volkszeitung, 11.04.2016.

Dies ist die Gründungsstätte der KPC in Shanghai (Zhonggong Yida Huihi, in der Xingye Lu 76). 13 junge Intellektuelle gründen am 23.07.1921 heimlich die Partei. Das Treffen wurde verraten und musste später an einem anderen Ort fortgesetzt werden (so eigentlich auf einem Vergnügungsboot in der Nahe von Shanghai). Das berühmteste Gründungsmitglied war der erste Vorsitzende Mao. Er wurde im Ort Shaoshan (in der Nähe von Xiangtan) geboren (1893), wo noch heute sein Geburtshaus steht. Das Reich der Qing-Dynastie lag damals in den letzten Zügen.

Nationaler Volkskongress: Ab 5. März 2007 fand der Nationale Volkskongress für 10 Tage statt, auf dem knapp 3000 Delegierte den 5-Jahresplan beschlossen (Vorsitzender: Wu Bangguo).  Es ging u. a. um ein umweltfreundliches Wirtschaftswachstum (Energie sparen, geringere Verschmutzung), mehr Gerechtigkeit und ein neues Eigentumsrecht. Bis Mitte März 2008 findet wieder der Nationale Volkskongress statt. Die Regierung soll transparenter werden: die 28 Ministerien, 37 Zentralbehörden und 29 Koordinationsstellen sollen transparenter und verringert werden. Xi Jinping, auch Präsident der Parteihochschule, soll zum stellvertretenden Staatspräsident gewählt werden, Li Keqiang zum stellvertretenden Ministerpräsidenten. Vom 05.03. bis 19.03.2009 berät der Nationale Volkskongress über die Wirtschaftskrise. Die steigende Arbeitslosigkeit schürt die Furcht vor Unruhen. Auf dem am 05.03.10 beginnenden Volkskongress wird versucht, den Immobilienmarkt abzukühlen. Der überhitzte Immobilienmarkt ist die Schattenseite des Booms. Mitte März 2011 beschließt der Volkskongress wieder einen neuen Fünfjahresplan: 1,5 Billionen Dollar werden in die Schlüsselindustrien investiert (Erneuerbare Energien, Informationstechnologie, Elektroautos). 45 Flughäfen werden gebaut. Beim zehntätigen Volkskongress 2013 (2978 Abgeordnete) , der am 05.03. beginnt wird der Machtwechsel vollzogen. Xi Jinping wird auch zum neuen Präsidenten gewählt. Li Keqiang wird zum Ministerpräsidenten ernannt. Die Themen sind die gleichen geblieben (Gegensatz zwischen Arm und Reich/ Wohlstandsgefälle, Korruption, Umweltverschmutzung, Verschuldung der Kommunen/ Fehlinvestitionen, Demokratisierung, Immobilienpreise in den Zentren).  Am 05.03.2015 treffen sich die 3000 Delegierte zum alljährlichen Volkskongress in Peking. Das Budget der Armee soll um 10% angehoben werden (vor allem für die Marine; Militärausgaben liegen bei 2% des BIP). Sie umfasst 2,11 Mio. Soldaten, die als militärischer Arm direkt der Kommunistischen Partei untersteht. Am ersten Märzwochenende kommen wieder die Delegierten des Nationalen Volkskongresses in Peking zusammen. Der 13. Fünfjahresplan soll beschlossen werden. Die Volksrepublik steht vor schmerzhaften Strukturreformen. 2016 zieht die Regierung die Schrauben der Staatssicherheit weiter an: Ausländische Stiftungen und NGOs werden stärker kontrolliert. Die Kommunistische Partei will 2018 die Amtsbegrenzung für Staats- und Parteichef Xi Jinping aufheben.  Damit würde das Prinzip der "kollektiven Führung" (Deng Xiaoping) zugunsten einer Autokratie aufgegeben. Das geschieht am 11.03.2018 auf dem Volkskongress, der am 05.03. begonnen hatte (2958 Delegierte). Außerdem bekommen die Ideen von Xi jetzt Verfassungsrang. Kritik an Xi kann dann wegen Staatsfeindlichkeit verfolgt werden. Xi Jinping wird schon "kleiner Mao" oder "neuer Kaiser" genannt (er hat in jüngster Zeit auch zwei Bücher veröffentlicht, The Governance of China). Am 17.03.18 wird Xi vom Volkskongress  für weitere fünf Jahre gewählt. Kritiker warnen vor Personenkult. Unter dem Vorwand der Korruption werden immer wieder Gegner verhaftet. Premier Li Keqiang nennt in seinem Rechenschaftsbericht "drei schwierige Schlachten": Finanzrisiken, Armut, Umweltverschmutzung. Li Keqiang bleibt für weitere fünf Jahre Ministerpräsident. Seine Position ist aber geschwächt. Wichtige wirtschaftpolitische Kompetenzen werden in Ausschüsse der Partei verlagert.  Es wird eine neue staatliche Aufsichtskommission eingerichtet (Korruption, Disziplin in der Partei). Anfang März 2019 treffen sich wieder die Mitglieder des Volkskongresses in Peking (rund 3000). Dann ist Peking wie jedes Jahr um die Zeit besonders gut kontrolliert. Ein Gesetz für ausländische Investitionen soll beschlossen werden, um Trump zu besänftigen. Es enthält das Verbot unrechtmäßiger Technologietransfers sowie "illegaler Einmischung der Regierung". 

"Wir werden niemals ein westliches politisches System kopieren", Hu Jintao auf dem 18. Parteitag der KPC im November 2012 (bis dahin Vorsitzender).

"Ich habe mehr als einmal betont, dass China ein florierendes Europa sehen will, eine vereinte Europäische Union und einen starken Euro, weil das im Interesse Chinas ist", Li Keqiang, Premierminister, 2015.

Kultur: Konzept einer "Harmonischen Gesellschaft". Konfuzianismus, Moral wichtiger als Recht; Modulsystem der Sprache (200 Einzelmodule), das von der Technik her auch auf die Wirtschaft übergreift. Daneben Taoismus und Buddhismus mit ihren tradierten mythologischen Vorstellungen. Zentrum waren die heiligen Berge Chinas (10, 5 Berge des Taoismus und 5 des Buddhismus, + Huang Shan), von wo auch heute bei uns bekannte Lebensformen kamen wie Feng Shui, Kungfu, Qi Gong und Tai Chi (sie gingen vom Atmen aus). Der Wutai Shan ist der heiligste Berg, wo der Buddhismus zuerst in China Fuß gefasst hat.   Es gibt dort heute noch über 100 Klöster. Er liegt relativ nahe bei Peking. Der Huashan, einer der fünf daoistischen Berge in der Provinz Shaanxi, ist die Residenzstätte der Götter der Unterwelt und bekannt für heilende Kräuter. Die taoistische Philosophie lehrt die Harmonie von Mikro- und Makrokosmos, lebt von der Liebe zur Natur und von Gelassenheit. Es gibt eine spannungsgeladene Einheit von Gegensätzen. Der Konfuzianismus als hierarchisches Ordnungssystem wird eher von den oberen Zehntausend (Beamten, Kader) als Morallehre  beachtet. Keine Religion wächst derzeit allerdings schneller als das Christentum. Gute Quellen für die heutige Alltagskultur sind die Krimis von Qiu Xiaolong (vier ins Deutsche übersetzt). Manifestationen der Kultur, Kulturstandards und Stereotype sind unter anderem Gegenstand meiner Veranstaltung "Psychologie und Kommunikation". Vergleiche auch die Homepage meines Kollegen M. Vermeer vom OAI ( www.chinacom.de ). "Viel Höflichkeit beleidigt niemanden", Chinesisches Sprichwort.

Das erste und einzige chinesische Kulturinstitut in Deutschland wurde in Berlin eröffnet. In Oranienburg soll eine chinesische Stadt entstehen. Seit Sommer 2006 läuft eine Benimm-Kampagne der KP für Chinesen anlässlich der Olympischen Spiele ("Spuck nicht, wirf nichts auf die Straße", "Schrei nicht ins Handy"). Auch das "Schlange stehen" soll geübt werden. Zur Zeit werden Konfuzius-Institute nach dem Vorbild der deutschen Goethe-Institute gegründet (in Berlin, Nürnberg, Düsseldorf, Hannover, Hamburg). Hier soll man Chinesisch und Kalligrafie lernen können.

Von den gut 50.000 chinesischen Schriftzeichen sind 3500 im Alltag gebräuchlich. Chinesisch ist die weltweit verbreiteste Sprache mit 1052 Mio. Menschen. Nach einer Erhebung der Nationalen Statistikbehörde sind die größten Sorgen der Chinesen:  Sozialmoral, Medizinische Versorgung, Soziale Sicherheit und Bildung. Cicheng bei Shanghai plant als erste chinesische Stadt eine Altstadtsanierung nach fränkischem Vorbild (Iphofen). In der Provinz Guandong wird ab 2011 das Salzkammer-Idyll und Weltkulturerbe Hallstadt als Wohnviertel für Reiche nachgebaut. Zum chinesischen Neujahrsfest (2012 am 23.01.12, Jahr des Drachen) sind Partner zu mieten. Eine der wichtigsten Pilgerwege in Tibets Hauptstadt Lhasa soll zu einer Einkaufsmeile umgebaut werden. Der chinesische Massentourismus in Tibet droht die traditionelle Kultur zu zerstören. Der neue chinesische Staatspräsident Xi Jinping verkündet den "Chinese Dream" (vergleichbar mit dem American Dream). Seit Jahrtausenden bestatten die Chinesen ihre Toten in Erdgräbern. Diese Tradition wollen die Behörden abschaffen, weil sie zu viel Ackerland verschwende. Einäscherungen werden vielerorts erzwungen. Dazu gibt es eine Quote für die Verwaltungseinheiten (wer die Kremierungsquote nicht erfüllen kann, kauft sich ausgebuddelte Leichen!). Mittlerweile boomt der Markt für weibliche Bodyguards. Die Ausbildung ist mörderisch. Es finden sich genügend Kandidatinnen, die der Heirat im Dorf entfliehen wollen. Der Bedarf ist auch durch die starke Zunahme weiblicher Millionärinnen gestiegen. In keinem anderen Land wird so viel geraucht wie in China. Die Tabakindustrie sorgt für jährlich rund sieben Prozent der Staatseinnahmen. Der Staat will stärker gegen das Laster vorgehen.  "Die Chinesen übernehmen die Technik, aber nicht die Kultur des Westens", Manfred Pohl, Wirtschaftshistoriker, in der Wirtschaftswoche, Nr. 8/2007, S. 40. Die bekannteste kulturelle Institution aus China in Deutschland sind die China-Restaurants. Die "Spezialitäten - Kochs" dieser Restaurants werden oft ausgebeutet, weil sie nur eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis haben und nach geheimen Knebelverträgen arbeiten. Jährlich gibt es ein Hundefleischfestival in der südchinesischen Stadt Yulin. Zehntausende Hunde werden geschlachtet und anschließend gegessen.

Vom 09. 02. 2008 bis zum 01. 06. 2008 fand in Mannheim im Reiss-Engelhorn-Museum die Ausstellung "Ursprünge der Seidenstraße - Sensationelle Neufunde aus Xinjiang, China" statt. Am 11.09.08 begann eine dreitätige deutsch-chinesische Konferenz in Hamburg ("China meets Europe"). Bis 11.01.09 lief eine Ausstellung in Dresden im Residenzschloss: "Goldener Drache - Weißer Adler, Kunst im Dienste der Macht am Kaiserhof in China und am sächsisch-polnischen Hof. Im Jahre 2010 soll am Platz des Himmlischen Friedens die deutsche Ausstellung "Kunst der Aufklärung" stattfinden. 2009 war China das Gastland der Buchmesse in Frankfurt. Vorher gibt es ein Symposion "China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit", wobei es Auseinandersetzungen um die Teilnahme kritischer Autoren gibt. Der Dialog auf der Buchmesse war für China und die Welt wichtig. Im Münchner Haus der Kunst stellt Ai Weiwei seine Gegenwartskunst aus ("So sorry", bis 17.01.2010).Im ostasiatischen Museum in Köln (ältestes Spezialmuseum, 100 Jahre 2009) wird die Ausstellung Buddhistische Kunst in China 550-600 gezeigt (bis 10.01.10). Im April 2010 findet die Weltausstellung Expo in Shanghai statt. Es ist eine Art Experimentierfeld für umweltgerechte Stadtplanung. 50 Mio. € zahlt Deutschland für seinen Auftritt. Im April 2011 wird im Nationalmuseum in Peking, das als größtes Museum der Welt gilt, die deutsche Ausstellung "Kunst der Aufklärung" eröffnet. Im März 2012 geht sie zu Ende. Es gab 500.000 Besucher; wegen der zeitgleichen Inhaftierung von Ai Weiwei kam sie in die Kritik. Im Reis-Engelhorn-Museum in Mannheim läuft von Herbst 2012 bis 13.Januar 2013 die Ausstellung "Architecture China 100 Contempory Projects". Anlass ist die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und China vor 40 Jahren. Gezeigt werden auch Wandmalereien von Ma Fudan, der sich von den buddhistischen Wandmalereien in Gansu inspirieren lässt.

Chinas Kulturrevolution war eine der größten kulturellen Veränderungen der Geschichte und eine der grausamsten Kampagnen des 20 Jahrhunderts. Sie begann 1966 und dauerte bis 1976. Der "Große Vorsitzende" Mao Zedong der KPC wollte seine internen Widersacher ("Vertreter des Kapitals") beseitigen. China versank aber im Chaos. Es gab schätzungsweise 1,5 Mio. Tote.

Im Zuge der "Neuen Normalität" in China ist auch eine gewisse neue Arroganz der Politik festzustellen. Beim G20-Treffen im September 2016 wird Obama unfreundlich behandelt. Hier drückt sich auch die Überzeugung aus, dass der Westen abgewirtschaftet hat. Man bringt die Überzeugung zum Ausdruck, dass die Schwächen der Demokratie immer mehr zu Tage treten (Flüchtlinge, Brexit u. a.). Die Bindungen zwischen den Autokraten (Putin, Erdogan u. a.) werden enger. China plant im November 2016 ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen. In China gibt es spezielle Agenturen, die die Geliebte des Ehemannes dazu bewegen sollen, die Affäre zu beenden. Der sonderbare Service ist sehr gefragt bei Ehefrauen. Der chinesische Künstler Wu spendet der Geburtsstadt von Karl Marx Trier im Marxjahr 2018 eine Statue (6,30m hoch auf 1,40m Sockel). Wu hat schon 500 Stauen historischer Persönlichkeiten angefertigt (Konfuzius in Peking, Laotse). Die App "WeChat" ist im Alltag der Chinesen extrem verbreitet.

Demos mit Tibet-Flaggen: In einigen Ländern werden bei Staatsbesuchen oder bei anderen offiziellen Ereignissen öfter Tibet-Flaggen gezeigt, um gegen die Tibet-Politik Chinas zu demonstrieren. Zu einem Eklat kam es in Deutschland als bei Fußballspielen der chinesischen U20-Mannschaft systematisch Tibet-Flaggen auftauchten. die Mannschaft sollte sich in Deutschland auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vorbereiten. China droht damit, alle Kooperationen im Fußball aufzukündigen. Deutschland entschuldigt sich offiziell beim chinesischen Verband.

Karaoke: Ist sehr beliebt und damit wichtiges Element der Kultur. Es ist ein Ausgleich zur  Hektik des Alltags. Immer mehr Gesangskabinen gibt es auch in den Einkaufsplazas. In den Karaokebars geht es oft chaotisch zu, weil auch viel Alkohol getrunken wird.

"Public Diplomacy": China entwickelt große kulturelle Initiativen entlang der neuen Seidenstraße. Es entstehen Denkfabriken, Stiftungen und andere kulturelle Infrastruktureinrichtungen. Besonders wichtig sind die Konfuzius-Institute. 2017 wurde ein neues an der Uni Bonn gegründet (200.000 € Jahresbudget).

Der chinesische Kunstmarkt: Hier zeigt sich besonders deutlich, welch große Rolle Status und Prestige in der chinesischen Kultur spielen. Die größte Sammlung an zeitgenössischer chinesischer Kunst besitzt der Schweizer Kunstsammler Uli Sigg. Auktionen spielen eine große rolle, auf denen chinesische Sammler kaufen. Der Markt steht am Anfang.

Nachahmungen: Immer wieder werden Bauten bzw. Baukultur aus anderen Ländern kopiert. So soll 209 das Crazy Horse - Monument in den USA nachgeahmt werden. Der Bildhauer Somg Peilun schafft im Yelang-Tal Skulpturen, Mauern und Türme, die einer Märchenlandschaft erinnern, die an vergangene Zivilisation gemahnen sollen.

Notenbankstatus/ Handeln der Zentralbank: Abhängige Zentralbank. Die People`s Bank of China (PBOC) hat den Charakter eines Ressorts der Regierung und unterliegt den Weisungen des Staatsrats. Zentralbankchef ist Zhou Xiaochuan.

Die Regierung schafft 2007 einen eigenen Fonds (staatlicher Investmentfonds), um die Währungsreserven profitabler anzulegen. Bisher verwaltet die "State Administration of Foreign Exchange (Safe, Chef Yi Gang)", die zur Zentralbank gehört, die Reserven. Diese soll zukünftig nur noch die "normalen" Reserven anlegen. Diese sind zu ca. 60% in niedrig verzinsten amerikanischen Staatsanleihen angelegt (1159,8 Mrd. $ Mai 2011). Damit finanziert China einen großen Teil des US-Staatshaushalts.  Etwa dreißig Prozent ist in anderen Währungen angelegt, 20% in Euro. Mehr Der Rest wird von einer neuen Gesellschaft investiert (Chef: Lou Jiwei, Exvizefinanzminister "Wenn wir einen fetten Hasen sehen, werden wir ihn erlegen"). Startkapital ca. 350 Mrd. $. Der Name ist "China Investment Corporation (CIC". Die erste Investition erfolgt im Mai 2007 bei Blackstone (3 Mrd. $; maximaler Anteil 9,9%; Sperrfrist bei anderen Finanzierungsgesellschaften). Ende 2007 wird bei Morgan Stanley investiert (5 Mrd. $ für knapp 10% Anteil). 2011 erfolgt ein einstieg bei der Münchener Rück (3,04%). Der Staatsfonds verbrüdert sich mit der New Yorker Beteiligungsgesellschaft Cerberus. Alle diese Finanzinvestitionen bringen Verluste. Einzelne Tranchen sollen auch an Investmenthäuser in aller Welt vergeben werden (überwiegend für festverzinsliche Papiere). Zwei Drittel sollen in die Stärkung des heimischen Bankensektors investiert werden, ein Drittel im Ausland. Unter anderem will der Fonds in die Deutsche Bahn investieren. Unklar ist noch, ob er auch chinesischen Unternehmen bei Zukäufen im Ausland helfen soll (extra-territoriale Industriepolitik). Ein Teil der Devisen werden dafür genutzt, sich landwirtschaftliche Anbauflächen in Lateinamerika und Afrika sowie anderen Teilen der Welt zu sichern. Es soll auch ein Infrastrukturfonds für Südostasien aufgebaut werden. Auch der Staatsfonds ist eine Gesellschaft, die ihr Geld vermehren will, allerdings hat sie einen längeren Atem als private Fonds. 2010 wird der Staatsfonds neu zugeschnitten: Auslandsaktivitäten sollen von inländischen Bankbeteiligungen getrennt werden. Es geht dabei auch um eine klare organisatorische Trennung von CIC (China Investment Corporation) und Central Huijin Investment. CIC soll sich nur auf das Auslandsgeschäft konzentrieren, Huijin auf das Inland. Diese Gesellschaft hat für die KPC die Kontrolle über den Finanzsektor. CIC soll sich mehr auf Rohstoffe im Ausland ausrichten (2010: 90% der Mittel im Ausland, davon 36% in Aktien, 26% in Staatsanleihen). Chef des Staatsfonds CIC ist zuerst Lou Jiwei. Nachfolger wird Li Keping. 2012 dürfte CIC ca. 500 Mrd. $ angesammelt haben (zuletzt 50 Mrd. $ von der ZB und 30 Mrd. $ von der Devisenbehörde). Ende 2015 hat der Fond rund 750 Mrd. Dollar. Vor allem europäische Firmen sind im Focus. 2012 steigt er mit 10 Prozent beim Londoner Flughafen Heathrow ein. 2012 liegen Chinas Investitionen im Ausland bei 5 Billionen US-Dollar. 2020 dürften sie auf 18 Billionen US-Dollar steigen. Die größten chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland sind folgende: Shandong Heavy bei Kion 704 Mio. € 2012; SAFE bei Munich Re 556 Mio.€ 2011; AVIC bei Hilite 527 Mio. € 2014; SAFE bei Siemens 518 Mio. € 2014; Lenovo bei Medion 517 Mio. € 2011; Hanergy bei Solibro 386 Mio. € 2012; Sany Heavy bei Putzmeister 363 Mio. € 2012; Wuhan Iron and Steel bei Thyssen-Krupp 340 Mio. € 2012; CITIC bei KSM Castings 324 Mio. € 2011; CSR bei ZF Friedrichshafen 290 Mio. € 2013 (Quelle: American Enterprise Institute). Deutschland ist der beliebteste Standort in Europa vor Großbritannien, gefolgt von Frankreich.

Staatsfonds gibt es unter anderem auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten  (Abu Dhabi Investment Authority 875 Mrd. $), Kuweit (KIA, erster Staatsfonds, 264 Mrd. $),, Saudi-Arabien (433 Mrd. $), Singapur (GIC: 330 Mrd. $ + 159 Temasek), Russland (144 Mrd. $), Government Pension Fund, Norwegen (361 Mrd. $), Hongkong und Australien. Das Vermögen aller 20 Staatsfonds wird auf 3,9 Bio. $ geschätzt. 2010 will der Staatsfonds bei der Beteiligung am kanadischen Düngerhersteller "Potash" helfen.

China gibt einen 25 Milliarden Kredit an Russland, wodurch Moskau die Ölversorgung der nächsten 25 Jahre sichert. China setzt seine ungeheuren Währungsreserven vor allem für strategische Rohstoffe ein. Im September 2009 kauft China die erste IWF-Anleihe in Höhe von 50 Mrd. $. Anfang 2010 werden die Banken angewiesen, keine Kredite mehr zu vergeben. Geldmenge und Inflation wachsen zu schnell. In den nächsten Monaten dürften die Zinsen erhöht und die Landeswährung aufgewertet werden. 2011 kommen die chinesischen Druckereien mit dem Gelddrucken nicht mehr nach. Die Bargeldnachfrage wächst jährlich um 20%. Die Notenbank kürzt die Mittel für die Kreditvergabe Anfang 2011 um 40 Mrd. Euro. Die chinesische Zentralbank kauft zunehmend europäische Staatsanleihen (Griechenland, Portugal, Ungarn). Es geht auch um industrielle Beteiligungen, insbesondere in Italien. China will in größerem Umfang kaufen, wenn dafür Handelshemmnisse abgebaut werden. Auch Russland kauft europäische Staatsanleihen. Die anderen Schwellenländer wie Brasilien, Indien und Süd-Afrika denken über Hilfen nach. Ende September 2014 meldet das Wall Street Journal eine bevorstehende Abberufung des Notenbankchefs Zhou Xiaochuan (mit 66 über der Altersgrenze von 65). Im Gespräch als Nachfolger ist Guo Shuqing, ein Vertrauter von Premier Li Kequang (soll statt Gießkanne mehr gezielte Maßnahmen planen). Ende August 2015 pumpt die chinesische Zentralbank zusätzliches Kapital ins Finanzsystem (8,3 Mrd. Euro für den Interbanken-Markt; eine Woche vorher schon 19 Mrd. Euro). Die nervösen Anleger an der Börse sollen beruhigt werden. Mitte Januar 2016 fließen wieder 7,7 Mrd. Euro ins Bankensystem. Grund ist die Furcht vor einem Konjunktureinbruch. Umgerechnet 500 Mrd. Euro haben Notenbank und Regierung in die Wirtschaft gepumpt.   "Wer China versteht, hat keine Angst", Wan Gang, chinesischer Wissenschaftsminister.

Digitale Bezahlsysteme: In China verschärft Die Notenbank die Vorschriften für die Anbieter solcher Systeme ab 2018: Ab April müssen Zahlungsabwickler 42 bis 50% ihrer Kundenreservegelder auf zinsfreien Konten parken. In China ist der Markt rasant gewachsen. 2016 sollen es Transaktionen im Wert von 2,4 Billionen Euro gewesen sein. In der EU wurden 2016 noch 79% aller Einkäufe bar bezahlt.

Bitcoin: Aus China kommt die meiste Rechenleistung für das Netzwerk hinter der Digitalwährung Bitcoin. Der Anteil liegt bei 54,2% im Jahre 2017. Mit weitem Abstand folgen andere Staaten (Island 4,3%, Indien 2,2%, Georgien 2,2%, Venezuela 2,0%, USA 1,0%). Der chinesische Anteil ist beunruhigend, denn Rechenzentren können genauso schnell geschlossen werden wie Handelsbörsen. 

Bereits 2017 hatte China bei der Kryptowährung Bitcoin ICOs verboten. Es handelt sich um Initial Coin Offering. Das sind Platzierungen von Cyberdevisen in speziellen Handelsplätzen. Außerdem sollen Geschäfte zur Erzeugung von Bitcoin geschlossen werden, um den hohen Stromverbrauch zu drosseln. 2018 gibt es Überlegungen, den Handel mit Bitcoins unmöglich zu machen. Ähnliche Absichten hat Südkorea in Asien.

Bonitätssystem (bis 2020 Einführung): Es ist eine IT - Überwachungsmaschinerie mit Hilfe von Algorithmen.  Auf einer Plattform sollen Daten von Privatpersonen, Unternehmen und NGO gespeichert und bewertet werden. Es gibt eine Unterscheidung von Kreditwürdigkeit (Schulden) und genereller Glaubwürdigkeit. Die großen sozialen Medien wie Baidu, Alibaba und Tencent sollen auch Daten beisteuern. Eine Datenbank über ausländische Firmen gibt es bereits im Handelsministerium. Positive Folgen könnten sich auch ergeben: Lebensmittelsicherheit, Umweltverschmutzung, Markenrechtsverletzungen. Vgl. Totalitarismus ist ein großes Wort, in: Die Zeit Nr. 2, 04.01.2018, S. 31.

Kooperation von PBoC und der Bundesbank: Im Januar 2019 wird in Peking ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Beide Notenbanken tauschen Mitarbeiter aus. Außerdem wollen beide Organisationen bei der Erstellung von Konjunkturprognosen kooperieren. Trump dürfte die Kooperation befördert haben.   Zu Japan besteht traditionell noch ein schwieriges Verhältnis.

Währung und Geldpolitik: Renminbi, RMB ("Volkswährung"), Haupteinheit ist der Yuan (bedeutet: "runder Gegenstand", daneben gibt es den Jiao und den Fen als kleinere Einheiten (auch Mao); die Bevölkerung spricht auch häufig noch von Kuai. Die ausländische Währung heißt auch Yuan: der US-Dollar Meiyuan, der Euro Ouyuan. Die neuen Banknoten 2008 haben anstelle von Mao das neue Olympiastadion drauf),  Bindung an den Dollar (mittlerweile auch an €, Yen und Won, Zusammensetzung des Währungskorbes geheim), amerikanische Schätzungen sprechen von einer Unterbewertung von 30%; im Mai und Juni 2007 erfolgt eine leichte Aufwertung  (Aufwertung gegenüber $ vom 1.6.05 - 8,3 - bis Frühjahr 08 14%, gegenüber € und Yen um 3%), weil die tägliche Abweichung vom Mittelwert der Zentralbank statt 0,3% jetzt 0,5% betragen kann. Ende 2017 1 US-$ = 6,86 Renmimbi; 1 € = 7,68 RMB. Devisenreserven: 3300 Mrd. $ (September 2012, Mitte 2011 3,2 Bio., Weltspitze, China größter Gläubiger der Welt, mehr als Japan, Russland und die EU zusammen), 900,7 Mrd. US-$ in US-Staatsanleihen (2009, weltgrößter Besitzer von US-Bonds, Trend geht zu Gold als Reserve: könnte alle Goldvorräte der Welt zweimal erwerben, insgesamt Diversifizierung). Die Steigerung seit 2004 beträgt 700% (Finanzdienst "Zero Hedge"). Mittlerweile hält China auch Euro-Staatsanleihen im Wert von ca. 420 Mrd. € (Anfang 2012). Ende 2014 betrugen die Devisenreserven 4 Billionen Dollar. Durch die Interventionen am Devisenmarkt 2015 und 2016 sinken sie auf 3,33 Billionen. Im Februar 2016 sinken sie noch mal durch Interventionen am Devisenmarkt auf 3,230 Billionen Dollar. Ende 2016 betrugen die Reserven 3000 Mrd. US-Dollar. Im Januar 2017 sind sie auf 2,997 Billionen Dollar gesunken. Damit verlor China allein im Januar 2017 12,3 Mrd. Reserven. Ende 2013 betrugen die Devisenreserven 2,79 Billionen Euro. Devisenreserven Mitte  2012  3,240 Billionen US-Dollar. Ende 2011 betrugen die Devisenreserven 3,18 Billionen $. Sie sind damit erstmals leicht gesunken (Oktober 2011 3,27). 1$=ca. 7 Yuan; 1€=9,2Yuan. Ende 2007 wird eine Aufwertung durchgeführt, um die Inflation zu zähmen und das Wachstum zu drosseln. Ende 2008 wird der Yuan in Teilen für den internationalen Handel zugelassen (Pilotprojekt für ausgesuchte Wirtschaftszonen mit ausgesuchten asiatischen Nachbarländern). Insgesamt ist es zwischen 2005 und 2008 zu Aufwertungen gekommen, seit 2008 ist der Yuan in der Praxis wieder mehr an den $ gekoppelt (um die Aufwertung zu stoppen). Nachteil davon ist, dass sich China die Inflation ins Haus holt. Deshalb wird wahrscheinlich die Schwankungsbreite erhöht werden. Die Strategie des geldpolitischen Ausschusses von 2005, mehrere Währungen zu berücksichtigen, soll in der Zukunft aber stärker angewandt werden. 2010 wurde der Yuan um 3,5% aufgewertet. 2011 wird mit einer Aufwertung um bis zu 8% gerechnet. Anfang 2013 liegt der Kurs zum Euro bei 8,3. Insgesamt wertet der Yuan gegenüber dem Dollar 2013 um 2,5% auf. Ende Februar 2014 wird der Yuan gegenüber dem Dollar um 0,9% abgewertet. Das ist die höchste Abwertung seit 2005. Sie wurde von der Zentralbank herbeigeführt, um die Exportchancen zu verbessern. Der Yuan fällt weiter, wahrscheinlich will die Regierung die Währung auch für ausländische Anleger unattraktiv machen. Die Regierung spricht von "heißem Geld", das ins Land fließt. Außerdem ist der Immobiliensektor immer noch aufgebläht. Eines Tages wird der Yuan freigegeben und neben Dollar, Yen und Euro treten. Ende April 2006 wurde der Leitzins auf 5,85% erhöht, im Mai 2007  auf 6,57%, Mitte September 2007 auf 7,29% (Kreditzins, 1 Jahr), Ende 2007 auf 7,47%; der Zins für Spareinlagen blieb unverändert bei 2,25% und wurde im Mai 2007 auf 3,06% erhöht (für einjährige Anlagen) sowie im September 2007 auf 3,3%. Allein 2007 gab es sechs Zinserhöhungen. Ziel: weniger Investitionen, mehr Konsum. 2008 folgen wieder mehrere Zinssenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln (für Kredite 6,7%  1 J., für Sparguthaben 3,6% 1 j.)  Ende 2010 wird der Leitzins der chinesischen Notenbank auf 5,56% festgelegt (Kampf gegen Inflation), danach noch einmal auf 5,81%. Im April 2011 kommt eine weitere Erhöhung auf 6,56%. Die Kreditvergaben sollen weiter eingeschränkt werden (vorsichtigere Geldpolitik). Mitte 2012 senkt die Notenbank überraschend den Leitzins: auf 6,25 (Abschwung bremsen). Im August 2015 wird der Leitzins auf 4,6% gesenkt (1,75% für Sparguthaben). Die Wirtschaft soll angekurbelt werden. In Erwartung einer Yuan - Aufwertung fließt ausländisches Geld nach China, wodurch die Geldmenge zunimmt. Die Geldmenge wächst auch sehr schnell wegen des Außenhandelsüberschusses. Vor allem die Geldmenge Mist 2007 zuletzt um 17,1% gewachsen. Schon 2006 erhöhte die Zentralbank den Mindestreservesatz von 8,0% an ständig, im Mai 2007 zum 05.06.07 auf 11,5%, später noch mal auf 12%. Mitte Januar 2010 wird der Mindestreservesatz noch mal um 0,5% erhöht. Vom 25.2.10 müssen Großbanken 16,5% und kleinere Institute 14,5% ihrer Einlagen bei der Notenbank vorhalten. Im Februar 2011 wird er Mindestreservesatz um einen halben Prozentpunkt auf 19% erhöht. Im April 2011 wird er auf den Rekordwert von 20,5% erhöht, um die Inflation zu bekämpfen; im Mai 2011 auf 21%. Diese Erhöhung wird im Februar 2012 wieder auf 20,5% zurückgenommen. Ende März 2014 wird der Mindestreservesatz auf 20% gesenkt. Im August 2015 wird der Satz auf 20% gesenkt. Mitte 2007 gibt es Spekulationen über eine Loslösung des Hongkong-Dollar vom US-$, was Turbulenzen auslöst (irgendwann muss der Hongkong-Dollar ganz fallen). Es besteht ein enger Zusammenhang zum Einbruch am innerchinesischen Aktienmarkt. 2009 ist der Yuan auch Thema beim Besuch von Obama. Aber schon beim Apec-Gipfel Mitte November09 stellt sich China bei der Wechselkurspolitik quer. Ende November 2009 macht auch die EU Druck für eine Yuan - Aufwertung (20% der gesamten chinesischen Produktion werden in Staaten der EU geliefert). Allerdings ist für Deutschlands hoch entwickelte Exportgüter der Einkommenseffekt wichtiger als der Preiseffekt. Mittlerweile unterhält die chinesische Zentralbank eine Reihe von bilateralen Währungsswaps mit anderen Zentralbanken: Südkorea, Singapur, Indonesien, Malaysia, Argentinien, Weißrussland und Island. Hongkong dient als Drehscheibe von Währungsgeschäften. Es geht um eine mittelfristige Ablösung vom Dollar. 2011 verschärft China die Regulierung im Währungshandel (spekulative Währungsgeschäfte ausländischer Investoren). Im Herbst 2011 bereitet die Zentralbank die Yuan - Freigabe vor. Unklarheit herrscht über den Zeitplan. Der Handel in der Landeswährung Yuan soll massiv erleichtert werden. Dazu soll eine eigene Plattform aufgebaut werden. Es handelt sich um ein vollautomatisches Abwicklungssystem. Damit wird die Konvertierbarkeit der eigenen Währung gestärkt (Verzerrungen durch große Dollarschwankungen, vor allem für die Schwellenländer). 2012 wird eine Sonderzone auf Probe eingerichtet, in der der Yuan frei konvertierbar ist (Shenzhen). Diese Zone wird "Qianhai Shenzhen Hong Kong Modern Industry Cooperation Zone" genannt. Für Ausländer gibt es viele neue Anlagemöglichkeiten. China hat ein Interesse daran, dass der Euro überlebt, weil dadurch der Renmimbi leichter als Reservewährung zu etablieren ist. 2012 forciert London den Handel in Renmimbi. Damit nimmt der Einsatz dieser Währung für Handel und Investitionen zu.   "Bis der Yuan eine Leitwährung wird, ist es noch ein langer Weg", Stephen Green, Standard Chartered, Shanghai.

Die chinesische Zentralbank einen Plan für ein neues Welt-Währungssystem vor (Titel "Die Reform des internationalen Währungssystems"). Kurzfristig will sie die Rolle der Sonderziehungsrechte stärken, langfristig eine Rohstoff-Reservewährung schaffen. Offenbar ist den Chinesen die Hauptweltreservewährung "Dollar" zu Kredit belastet. Allerdings verraten die Chinesen nicht die Zusammensetzung ihrer Notenbankreserven. Schon Keynes hatte 1944 den Bretton Woods den "Bancor", einen Korb mit 30 repräsentativen Rohstoffen, vorgeschlagen. Länder mit einem Defizit und Länder mit einem Überschuss sollen Gebühren zahlen. Daraus entwickelte in den sechziger Jahren Nicholas Kaldor ein "Rohstoff-Reserve-Währungssystem". China misstraut dem Weltwährungssystem und hat heimlich bis 2009 seine Goldreserven auf 6000 Tonnen erhöht (5. Stelle in der Welt). Auch Russland fordert mittlerweile, die Sonderziehungsrechte auszubauen (mit Rubel, Yuan, Rohstoffe, Gold). Kurz vor dem G8-Gipfel im Juli 2009 erlaubt China für ausgewählte Firmen (vor allem aus Hongkong und Macao) grenzüberschreitende Geschäfte in Yuan abzuwickeln (noch ist der Yuan nicht konvertierbar). China profitiert Ende 2009 durch seine Dollarbindung vom schwachen Dollar, was den Exporten zugute kommt. Um die Bedeutung des Yuan zu erhöhen, hat die Zentralbank Maßnahmen ergriffen: über Yuan-Swap-Geschäfte können Handelspartner Importe aus China bezahlen (Rechnungsstellung in Yuan). Durch die Emittierung von Hongkong Yuan - Anleihen entsteht ein Offshore-Markt. 2010 warnen chinesische Ökonomen vor einem "Yuan-Krieg" mit den USA. China will seine Währung nicht weiter aufwerten, die USA könnten mit einem Handelskrieg antworten. Durch die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar 2010 profitiert der Euro auch gegenüber dem Yuan (1€ nur noch 8,2 Yuan). Der Dollar wird schon seit Mitte 2008 mit 6,8 Yuan konstant gehalten. Dies ändert die Zentralbank im Juni 2010, so dass wieder der Yuan an einen Währungskorb gebunden ist (wie 2005 - 2008). Daraufhin erfolgt eine Aufwertung um 0,5% auf 6,79 Yuan pro Dollar. Im Oktober verschärft sich der Streit zwischen den USA und China um die Aufwertung. Bei globalen Einkaufstouren, etwa auf den Rohstoffmärkten, könnte China Geschäfte in eigener Währung und zu günstigeren Bedingungen abwickeln. Doch es dürfte noch ca. 15 Jahre dauern, um aus dem Renminbi ein frei konvertierbares Zahlungsmittel und eine Reservewährung zu machen. 2011 wollen die USA China nicht als Währungsmanipulator einstufen, was Sanktionen zur Folge haben müsste. Aus Angst vor Inflation 2011 könnte China seine Währung aufwerten lassen (Abbau von Inflationsdruck). Die Krise des Dollars könnte den Renminbi schneller zur Weltleitwährung machen (im günstigsten Falle schon in 10 Jahren). Der Abstieg des britischen Pfunds als Leitwährung kann zur Orientierung dienen. Im Juni 2012 trifft das Land Vorbereitungen für den Ausstiegs Griechenlands aus dem € (Yuan stabil halten, Kontrolle des grenzüberschreitenden Kapitalverkehrs). Im Herbst 2013 wird ein Experiment in Shanghai gestartet, wo der freie Wechselkurs regional getestet wird. Im Herbst 2013 gibt die Zentralbank bekannt, dass sie den Anstieg der Devisenreserven bremsen will. Eine Aufwertung des Renminbi gelte als hinnehmbar. Im Januar 2014 pumpt die Zentralbank Milliardensummen ins Bankensystem. Sie reagiert auf zunehmende Unruhen im Finanzsystem (vor einer Reihe von Feiertagen Ende Januar ist der Geldbedarf von Banken und Wirtschaft steil gestiegen). 2014 erwägt China, die Einführung einer "Tobin"-Devisensteuer. Damit soll der massive Kapitalzufluss aus dem Ausland eingedämmt werden. Frankfurt soll eventuell die Clearing-Stelle für den Handel mit chinesischer Währung in Europa werden (Absichtserklärung; nötig, weil Währung nicht frei handelbar). Frankfurt bekommt den Zuschlag. Die Clearing-Stelle leitet Renminbi, die in Deutschland bei Firmen anfallen, an Liederanten in China. Weltweit werden 15 Clearing-Stellen installiert, mit denen sich Zahlungen in Renminbi leichter abwickeln lassen. Ende November 2014 senkt die Notenbank überraschend den Leitzins (erstmals seit 2012, die wichtigsten Zinssätze; Leitzins von 6 auf 5,6 %). Der Renminbi steht zu Beginn 2015 vor einer Abwertung. Am 27.02.2015 wird der Zinssatz noch mal gesenkt, um die schwache Konjunktur zu stützen: Der Ausleihungssatz sinkt um 0,25 Prozentpunkte auf 5,32%. Der Einlagensatz fällt um 0,25 Punkte auf 2,5%. Der stark gesunkene Euro-Kurs verteuert stark die chinesischen Exporte nach Europa.  Im Laufe von 2015 lockert China die Bindung an den Dollar. Die Notenpresse wird weiter angeworfen (Abwertung vorantreiben). Real kam es aber in den vergangenen Monaten ab Juni 2014 bis Juni 2015 zu einer handelsgewichteten Aufwertung von 15%.  China möchte den Renminbi zu einer eigenständigen Reservewährung machen. Das Land würde damit den SDR (Special Drawing Rights, seit 1969) beitreten. Ende Juni 2015 senkt die Zentralbank die Leitzinsen erneut, um die Konjunktur anzukurbeln (um 25 Basispunkte auf 4,85 %; vierte Reduzierung seit November 2014). Am 25.08.15 erfolgt eine weitere Senkung des Leitzinses auf 4,6%. Am 23.10.15 senkt die Notenbank den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,35 %. Am 11.08.15 wertet die Notenbank den Yuan erheblich ab, um die Exportchancen zu erhöhen  (1,9 Prozent; Kurs an den Dollar gebunden; PBoC bestimmt arbeitstäglich den Referenzkurs; 6,2298; am Folgetag nochmals starke Abwertung um 1,6% auf 6,3306) Am darauf folgenden Tag wieder Abwertung (vorerst letzte; auf 6,4010). Die Abwertung hängt auch mit einer Veränderung des Wechselkursregimes zusammen: Das tägliche Fixing orientiert sich stärker am Schlusskurs des Marktes vom Vortag (neue Bezugswerte). Damit wird der Wechselkurs flexibler. Ab Dezember 2015 wird der Yuan zur Welt-Reserve-Währung erklärt (durch den IWF). zum Beginn des Jahres 2016 erfolgt 8 Tage hintereinander eine Abwertung (Yuan auf dem tiefsten Stand seit fünf Jahren). Am 08.01.2016 wird dann erstmals wieder aufgewertet. Im Februar 2016 macht die Notenbank Stützungskäufe mit dem Ziel, eine deutliche Abwertung des Yuan zu verhindern (Währungsreserven sinken um 99,5 Mrd. Dollar auf 3230 Milliarden Dollar). Der wichtigste Grund für die Abwertungstendenz sind Kapitalexporte chinesischer Unternehmen und Privatpersonen, die eine Abwertung ihrer Heimatwährung fürchten. Vielleicht kommen bald schärfere Kapitalverkehrskontrollen. Mittlerweile, ab Februar 2016, wetten Hedgefonds auf die Abwertung der chinesischen Währung. Die Notenbank hat durch ihre dauernde Kursänderung dazu beigetragen. Die Regierung tut Alles, um sich gegen die Spekulationen zu wehren. Schwierig ist die Situation, weil es noch zwei Renminbi-Zonen gibt. Ein Onshore-Gebiet: China. Daneben gibt es mit Hongkong einen Offshore-Bereich. Die Wechselkurse unterscheiden sich, so das es Arbitrage gibt (genauso ist die Situation auf dem Aktienmarkt). Außerdem ist die Internationalisierung der Währung bisher vor allem durch den Handel getrieben. Das ist auch von der Regierung gewollt. 2016 steckt das Land in einem Trilemma aus flexiblen Wechselkursen, freien Kapitalströmen und geldpolitischer Unabhängigkeit. Nur zwei dieser Ziele können wohl gleichzeitig erreicht werden. Es gibt drei Szenarien: 1. Stärkere Kontrolle des WK in Verbindung mit Kapitalverkehrskontrollen. 2. Flexible WK mit Marktmechanismus. 3. Stärkere Flexibilisierung mit administrativen Eingriffen. Ab 01.10.2016 wird er Renminbi Weltwährung (und damit auch Reservewährung). "Was die US-Notenbank praktiziert ist klassischer Mainstream-Keynesianismus. Den Marktkräften könnte schrittweise eine größere Rolle zugestanden werden", Zhou Xiaochuan,  Chef der chinesischen Zentralbank.

Aktuelles: Um die Entwicklung 2019 stabil zu halten vor dem Hintergrund der US-Handelspolitik unter Trump hat die Regierung die Geldpolitik Ende 2018 gelockert.

"Präsident Obama glaubt, dass China seine Währung manipuliert", Timothy F. Geithner, US-Finanzminister.

"Wenn es den Chinesen gelingt, neben politischer Stabilität ein nachhaltiges Wachstum zu erreichen, könnten wir Zeugen der Entstehung eines alternativen Modells für das internationale Finanzsystem werden - nennen wir es ruhig Peking - Woods", David Marsh, Managing Director der Londoner Denkfabrik OMFIF, 2015.

Finanzmärkte/ Aktienmarkt:  Grundstruktur des chinesischen Finanzsystems: Das System ist eher von Banken getrieben. Im Mittelpunkt stehen die staatseigenen Banken (ICBC, Bank of China, China Construction Bank, ABC). Von den Finanzgesetzen her (z. B. Aktiengesetz) eifert man eher dem amerikanischen System nach. Das ist Kapitalmarkt dominiert. Insofern ist im chinesischen System implizit ein Widerspruch angelegt. Banken kann man benutzen, um zu kontrollieren (meist indirekt über Parteifunktionäre, die im Vorstand und Aufsichtsrat sitzen). Damit hat man auch in den Finanzkrisen gute Erfahrungen gemacht. Märkte, wie den Kapitalmarkt, braucht man, um auch den gesamten Unternehmensbereich ausreichend mit finanziellen Mitteln zu versorgen, aber sie sind weniger kontrollierbar und steuerbar. Insofern sind mittelständische Unternehmen noch im chinesischen System benachteiligt. Einige Experten führen fehlende Innovationen im chinesischen System darauf zurück. Vielleicht können Finanzinnovationen wie die Schwarmfinanzierung hier Abhilfe schaffen. Auch der Anleihemarkt muss ausgebaut werden. Bisher hat man zu sehr auf die Aktienmärkte gesetzt. Parteichef und Staatspräsident Xi scheint fest entschlossen, dem Finanzsektor nur eine dem Realsektor unterstützende Funktion zuzugestehen. Er will jede Art von "Fake Business" bekämpfen. Ab 2018 dürfen ausländische Unternehmen in China die Mehrheit an Gemeinschaftsfirmen im Finanzsektor übernehmen.  Zuerst dürfen sie 51% halten und nicht wie bisher die Höchstgrenze von 49%. Nach drei Jahren sollen dann alle Begrenzungen gestrichen werden. Ab 2018 können deutsche Anleger an der deutsch-chinesischen Börse Ceinex in Frankfurt in chinesische Unternehmen investieren. Ceinex wurde 2015 gegründet (die deutsche Börse hält 40%). Man will so genannte D-Shares listen lassen (zunächst Bau-, Bahn- und Energieunternehmen ("Seidenstraße")..

Entwicklung und Daten: 2009 überholt China Japan als zweitgrößten Aktienmarkt der Welt. Die Finanzmärkte sind immer noch stark reguliert. Börsen in Hongkong (Hang Seng-Index, H-Aktien) und Shanghai (ca. 850 Unternehmen) sowie Shenzhen (über 600 Unternehmen). Der Shanghai Composite Index läuft aber noch nicht gut. A-Shares werden in Yuan geführt und sind  überwiegend für heimische Anleger. B-Aktien, die in Shanghai in US-$ und in Shenzhen in Hongkong-$ geführt werden, finden weniger Beachtung. Die Yuan - Aktien werden an beiden Börsen mit dem CSI 300-Index gemessen. Ein neuer Börsenplatz ist in Tianjin geplant. Mit diesem will die Deutsche Börse kooperieren (Tianjin ist eine Experimentierzone für die völlige Liberalisierung des Finanzsektors). In Hongkong sollen immer mehr Wertpapiere in Yuan gehandelt werden. Der Umfang der handelbaren Aktien liegt bei ca. 185 Mrd. $.  Die chinesische Börsenaufsicht CSRC lässt Börsengänge (nach einem Kriterienkatalog) ab Sommer 2006 wieder zu. 2006 legten die Börsenkurse in Shanghai um 130% zu, 2007 um 150%. 2007 wird die Steuer auf Börsengeschäfte verdreifacht, um die überhitzten Aktienmärkte abzukühlen. Ein Kursrutsch am 27.02.07 am chinesischen Aktienmarkt in Shanghai (-9%, größter Absturz seit 10 Jahren) lässt weltweit die Kurse sinken. Gründe sind der Rückgang der US-Auftragseingänge, Nervosität der Akteure vor der Sitzung des Nationalen Volkskongresses, die mögliche Einführung einer Kapitalertragsteuer und Äußerungen von Alan Greenspan. Erstmals erreicht der Schanghai-Index am 11.05.07 4000 Punkte. Es wird bereits eine Blase und eine dramatische Korrektur befürchtet. Ein Kursrutsch in Shanghai Ende Mai 2007 um über 6% aufgrund der Erhöhung der Kapitalertragsteuer hatte kaum Auswirkungen auf andere Börsen (Gewöhnungseffekt; isolierter Handel, weil wenig fremdes Kapital). Anders ist dies beim Kursrutsch am 21.01.08: allein die ICBC verlor erst 7,8, dann 8,6%. Insgesamt hat der Shanghai-Composite-Index (CSI) 2008 35% eingebüßt (Hang-Seng-Index -13 %). Die ostasiatischen Aktienmärkte folgen heute insgesamt den US-Trends stärker als vor der Finanzkrise 1997. Mitte 2009 kehrt wieder Euphorie an den Börsen ein und die Kurse steigen. Ab August sackten die Kurse wieder. Der Markt fürchtet das Platzen der Immobilienblase und das Ende der Konjunkturförderung ("weiße Elefanten", Anschaffung, die viel kostet und wenig nützt). Die Hypothekenzinsen werden angehoben und der Besitz von mehr zwei Objekten verboten. Insgesamt sind die Ausschläge an der Börse extrem, weil die Chinesen Wetten lieben und einige haufenweise Geld haben. China Mobile, China Petroleum und Petrochina sind mit 507 Mrd. € so viel wert wie die 30 deutschen DAX-Konzerne (durch Zukäufe, Missverhältnis zum Umsatz). Petrochina ist das wertvollste Unternehmen der Welt. Mit der Müllverbrennungsfirma Zhong-De geht am 6. Juli 2007 erstmals eine chinesische Firma an die deutsche Börse in Frankfurt (Börseneröffnung mit 15% über Ausgabekurs). Die China Securities Regulatory Commission rät von der Spekulation mit Aktien in China ab! 2010 drosselt die Regierung die Kreditvergabe durch die Banken. Das Börsendebüt von China Minsheng in Hongkong enttäuscht. Mitte 2010 hat die Börse in China ein 15-Monats-Tief.  Dagong ist die größte Rating-Agentur in China. Sie stufte die Kreditwürdigkeit der USA Ende 2010 auf A plus herunter (China AA plus). 2011 steckt Chinas Aktienmarkt fest. Die Regierung hat die Zufuhr an frischem Geld in die Wirtschaft gedrosselt. Das dämpft die Hoffnung auf steigende Kurse. Die Rating-Agentur Fitch warnt im Herbst 2011 vor Kreditrisiko in China und droht mit einer Herabstufung. Die Regierung zögert noch mit einer Reform des Finanzsektors. Eine Schuldenkrise ist nicht auszuschließen. Im März 2012 lockert das Land den Kapitalverkehr. Auslandsbanken dürfen mehr Kredite in fremder Währung vergeben (NDRC setzt Grenze auf 24 Mrd. $ hoch angesichts der schwächeren Konjunktur). Am Jahrestag der Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz am 04.06.12 schließt der Aktienindex in Shanghai mit 64,89 minus - Zufall oder Manipulation? 2012 gibt es eine Reform der Bedingungen für Börsengänge. Dies lockt auch ausländische Firmen an die Börse von Shanghai. Immer mehr reiche Chinesen legen ihr Geld im Ausland an. Gründe sind fehlende Anlagemöglichkeiten im Land (u. a. geringe Zinsen), geringe Lebensqualität und Angst vor politischen Eingriffen in das Vermögen. Als Zufluchtsort beliebt sind Portugal, Zypern, Kanada und Cayman Islands. Es gibt dafür spezielle Agenturen, die auch Emigrationen im Programm haben. Hinzu kommt auch die Angst vor einem Platzen der Finanzblase 2013. Sie wird durch absurde Bauprojekte und riskante Anlagen geprägt. Die Kreditmenge explodiert. Man tut alles, um den heimischen Konsum anzuregen. Im Juni 2013 dreht die Regierung den Banken den Geldhahn zu. Die Zinsen im Interbankengeschäft steigen kurzfristig auf 25% (sinkt dann wieder auf knapp über 8%; auch Gerüchte über Zahlungsunfähigkeit der zwei größten Banken). Im Oktober steigt der Repo-Zins um 0,65 Prozentpunkte auf 4,67% (siebentägige Rückkaufvereinbarungen). Die Finanzmärkte sind verunsichert. Da aber der Finanzsektor von den großen Staatsbanken geprägt wird. kehrt immer wieder Stabilität ein (verzögert allerdings notwendige, geplante Reformen). Hinzu kommen die Kapitalverkehrskontrollen (Yuan darf weder in großen Mengen ausgeführt noch eingeführt werden), die kurzfristige massive Kapitalabflüsse verhindern (wie 2014 in der Türkei und Argentinien passiert). Die Börsenaufsicht verschärft 2014 die Auflagen (Eindämmung des schwarzen Kapitalmarktes, Anlagen für internationale Investoren über Hongkong) und löst damit einen Boom beim Aktienhandel aus (ausländische Anleger, +40% zweite Hälfte 2014 an der Börse in Shanghai). Nach dem Verbot bestimmter Finanzprodukte (zu exzessive Spekulation) sackt er am 17.01.15 um 7% ab. Insgesamt hatte der CSI-300 2014 um 50% zugelegt. Mitte 2015 findet das erste deutsch-chinesische Finanzforum in Berlin statt. Im Mittelpunkt steht die globale Finanz- und Wirtschaftspolitik. Die Situation der Kreditmärkte ist im Frühjahr 2015 bedenklich. Neukredite gehen überwiegend in die Umschuldung alter Kredite. Der Immobilienmarkt bricht ein. Die Immobilienpreise brechen ein. Am 28.05.2015 kommt es zu einem Schwarzen Donnerstag an Chinas Börse: Die Kurse an den Inlandsbörsen Shenzen und Schanghai brechen um mehr als fünf Prozent ein. Das ist ein Dämpfer für Millionen Spekulanten. Trotzdem bleiben die Chinesen im Börsenrausch (3215% in 10 Wochen; Profis und Analphabeten). Die Griechenlandkrise wirkt sich Ende Juni (drohender Grexit) auch aus: am 29.06.15 fällt der Index in Shanghai um 3,34 Prozentpunkte. Am 03. 07.15 kommt noch einmal ein Crash von 5,77%. Insgesamt scheint es mit dem Aktienmarkt eher bergab zu gehen (obwohl der Kurs seit 2014 um +92% gestiegen war, viele kleine "Spieler" kauften mit Krediten). Die größten 21 Broker stemmen sich gegen einen Aktienkurssturz (17,6 Mrd. € für Wertpapiere). 28 Unternehmen verschieben ihren Börsengang. Auch die Pekinger Regierung fürchtet im Juli 2015 einen Börsencrash. Sie trifft Gegenmaßnahmen: Aktien aus dem Handel nehmen (1300 Firmen). Doch die Regierung verliert die Kontrolle: Die Börsenblase scheint zu platzen (in einem Monat -30%). Am 08. Juli 2015 kommt es zu einem Rutsch nach unten von 6%. Die Regierung stoppt dann mit noch drakonischeren Maßnahmen die Talfahrt: Großaktionäre und Manager börsennotierter Unternehmen, die mehr als 5 Prozent der Anteile einer Firma besitzen, dürfen ihre Aktien in den nächsten sechs Monaten nicht verkaufen. Reiche Chinesen zieht es bei diesen unsicheren Zeiten Ausland, wo der Immobilienboom angeheizt wird (Australien, London, Kanada). Am 27.07.15 brechen die Aktienkurse wieder sehr stark ein (Shanghai Composite Index -8,5%; Component Index Schenzhen -7,6%). Das ist der größte Tagesverlust seit 8 Jahren. Juni und Juli 2015 wurde ein Börsenwert von 1,4 Billionen Dollar vernichtet (insgesamt 175 Mio. Depots; Chinesen legen im Schnitt 13% ihres Vermögens in Aktien an). Investoren sehen in dem Stützungsprogramm der Regierung langfristig keine Wirkung (Vertrauen verloren). Im Schnitt stiegen chinesische Aktien innerhalb eines Jahres bis Juni 2015 zum Höchststand um 150%; seither sanken sie bis Ende Juli um 30%. Der Börsencrash zeigt der Regierung die Grenzen ihrer Macht auf. Mitte bis Ende August 2015 brechen die Aktienkurse in Shanghai wieder ein (insbesondere am 21.08.). Diesmal reagieren auch stark die anderen wichtigen Aktienkurse nach unten (Dow Jones, DAX, Nikkei am 24.08.). Die chinesische Börsenaufsicht ermittelt verstärkt gegen Aktienhändler. Insbesondere das größte Handelshaus CITIC gerät ins Visier (Insiderhandel). Etliche Chinesen glauben, der Kursrutsch am Aktienmarkt sei vom Ausland inszeniert worden. Als weitere Stabilisierungsmaßnahme führt die Regierung im September 2015 Boni (Steuervorteile) für Anleger am Aktienmarkt ein. Mitte September 2015 geht die Talfahrt am Shanghai Composite Index weiter (-4,98% auf 9290,81). Seit Juni 2015 bis Mitte September 2015 hat der Leitindex in Shanghai damit knapp 40% verloren. Zu Beginn des Jahres 2016 verliert der Index um 7% (04.01.). Die Gesetze greifen nicht: 1. Aktienbesitzer mit mehr als 5%-Anteil an einem Unternehmen dürfen nicht verkaufen. 2. Bei Abstürzen mit mehr als 5% wird er Handel ausgesetzt. China verspricht 2016 mehr Transparenz an der Börse. An der China Securities Finance Corporation (CSF) wird festgehalten (Rolle des Krisenmanagers). Es wird auch an einem Registrierungssystem gearbeitet (Börsengänge vereinfachen). Nach dem Brexit kommt es auch an den chinesischen Aktienmärkten zu Abstürzen. Ein weiterer Absturz ist am 05.02.18 infolge des Einbruchs beim Dow Jones (Erwartung steigender Zinsen). Ab dem 1. Juni 2018 werden  schrittweise 234 so genannte A-Aktien aus dem chinesischen Festland in die MSCI-Indizes aufgenommen. Ihr Gesamtgewicht im World-Index liegt dann bei 0,1 %. Chinas Aktienmarkt gehört 2018 zu den schwächsten weltweit. Seit Januar 2018 hat der Aktienindex CSI 30% eingebüßt (bis November 2018).  "Wir werden eine aktivere Rolle übernehmen. Wir wollen die Rolle eines großen Landes spielen und mehr eignen Lösungen durchsetzen", Wang Yi, Außenminister der VR China 2014. Weil er zu tun hatte, verlor der reichste Chinese Li Hejun 2015 in einer Stunde 14 Mrd. Dollar (er schwänzte die Hauptversammlung seiner Hanergy Thin Film, was die Anleger so übel nahmen, dass die Aktie um 47% abstürzte)

Immobilienmarkt: Seit der Finanzkrise 2008 pumpt die Führung mit lockerer Kreditvergabe und Konjunkturpaketen mit Geld die Wirtschaft an. Das führt zu Überkapazitäten und überhitzten Märkten. Die Menschen trauen den chinesischen Aktienmärkten nicht mehr. Umso mehr wird das Geld in Immobilien gesteckt. Die Wohnungspreise sind innerhalb eines Jahres 2015 um 20% gestiegen. In Metropolen wie Shanghai und Shenzhen lag der Jahresanstieg bei 44 bis 55%. Das hat auch die Privatverschuldung in die Höhe getrieben. Sie ist in einem Jahr um 60% gestiegen. Es ist eine Immobilienblase entstanden, die irgendwann platzen könnte. 2018 stagnieren die Preise allerdings: zumindest in Peking, Schanghai, Shenzhen, Guangdong. In 70 weiteren Städten sind die Preise um 1% gestiegen. 15 Prozent beträgt der Anteil der Immobilienwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt Chinas. Die Wohnkosten sind horrende gestiegen. Weitgehend muss die urbane Mittelschicht einen überhitzten Immobilienmarkt finanzieren.

Kapitalabfluss: Seit Ende 2015 bis Anfang 2017 sind umgerechnet rund 1,2 Billionen Dollar aus China abgezogen worden. Ursachen: Investitionen im Ausland. Verunsicherung. Steigende Zinsen in den USA. Geld in Auslandsimmobilien. Peking versucht durch Kontrollen, den Kapitalabfluss zu stoppen. Das Kapital sucht sich aber Umwege. Ein Handelskrieg mit den USA könnte dazu führen, die Währung massiv abzuwerten (würde Kapitalabfluss vergrößern). Die Regierung begann 2016 schon, den Kapitalfluss ins Ausland einzuschränken: Ohne Genehmigung konnten nicht mehr als 200.000Dollar ins Ausland überwiesen werden. Heute 2018 hat man die Grenze auf 50.000 Dollar herabgesetzt. Investitionen werden gelenkt (in Industrie und Know-how gewünscht, in Kinos, Hotels, Fußballclubs unerwünscht). Chinas Kapitalmarkt ist weitgehend abgeschottet. Das Land hat auch relativ wenige ausländische Gläubiger. Es gibt allerdings auch Warner (Zhu Ning: China`s Guaranteed Bubble, 2018).

Rating - Agentur Dagong:  Dagong Global Credit Rating. Sie wurde 1994 gegründet. Man wollte die Allmacht der amerikanischen Agenturen (Moody´s, Standard & Poors, Fitch) brechen. Es ist heute auch die wichtigste Rating - Agentur in China. Sie hat ihren Sitz in Peking. Immer wieder in Frage gestellt wird die Unabhängigkeit der Agentur (z. B. behält HNA immer die Bestnote AAA, obwohl die Krise offenkundig ist). 

Hongkong: Ein Land, zwei Systeme. Die Stadt hat eine eigene Währung und ein eigenes Rechtssystem. Auch der Aktienmarkt (Hang Seng) ist eigenständig. Auch die Presse- und Versammlungsfreiheit sind garantiert. 2020 sind freie Parlamentswahlen verabredet. 2017 soll erstmals der Regierungschef gewählt werden. Die Situation der Pressefreiheit hat sich zunehmend verschlechtert. Die Wohnraumpreise in Hongkong zählen zu den höchsten der Welt. Viele Menschen landen auf der Straße. Als Alternative zum Schlafen unter der Brücke haben sich die Filialen von McDonald´s entwickelt. Es gibt kostenlos Klimaanlage, Klo, WLan und manchmal auch was zu Essen und zu Trinken.

Bankensystem: Struktur und Entwicklung: Bis 2013 waren die ICBC und die China Construction Bank die beiden größten Unternehmen der Welt (dahinter steckt ein reicher Staat!). Ab 2013 ist Wells Fargo die größte Bank der Welt, gemessen am Aktienwert. Die ICBC (beim Börsengang Ende Oktober 2006 mit 22,0 Mrd. $ Rekord, das Ministry of Finance und die staatliche Central Huijin Investment haben je 36,2% Anteil) ist seit 2006 an der Börse. Mittlerweile ist die ICBC gemessen am Börsenwert die größte Bank der Welt (350.00 Mitarbeiter, 100 Mio. Kunden, 17.000 Geschäftsstellen). Die meisten Gewinne stammen aus Zinseinnahmen, das Auslandsgeschäft ist noch rudimentär. Im ersten Halbjahr 2008 wurde mit 6,4 Mrd. € ein Rekordgewinn eingefahren. Die Eigenkapitalrendite liegt bei 22,8% (weltweit Spitze). Im ersten Quartal 2010 konnte die Bank ihren Gewinn um 18% steigern. 2011 erwirbt sie 80% des US-Geschäfts der Bank of East Asia. Jiang Jianqing, der Boss der Bank, ist auch Parteisekretär und Mitglied im Zentralkomitee. Im ersten Quartal 2011 steigt der Gewinn sogar um 29%. Die Bank of China (116 Mrd. € 2010), die China Construction Bank (151 Mrd. € 2010) und die Bank of Communications folgen an die Börse. 2011 ist die China Construction Bank nach der Marktkapitalisierung schon die zweitgrößte Bank der Welt. 2007 folgt die China Citic Bank (weltweit größte Börsengang des Jahres, 5,9 Mrd. $). Internationale Institute sind mit rund 20 Mrd. $ beteiligt, dürfen aber keine Kontrollmehrheit übernehmen. Es fehlt noch die Agricultural Bank of China, die die Hälfte aller "faulen" Kredite hält (99 Mrd. $) und in ländlichen Regionen eine große Rolle spielt. Geprüft wird auch hier die Beteiligung strategischer Investoren aus dem Ausland sowie ein Börsengang. Auch sie geht an die Börse und erreicht 2011 schon Platz 4 in der Welt. Die China Development Bank soll in eine vollwertige Geschäftsbank umgewandelt werden. Seit dem Börsengang steigern die Banken ihre Gewinne deutlich (ICBC um 62% im ersten Halbjahr 2007, BoC um 52%). Sehr erfolgreich waren die Börsengänge von Petrochina (+163%) und Alibaba 2007. Zwei neue Investmentfonds haben im Juni 2007 an einem Tag soviel Geld gesammelt, dass sie vorzeitig geschlossen werden mussten. Chinesische Unternehmen (China Mobile, China Construction Bank) drängen an die Börse in Shanghai. China und Singapur investieren in die britische Barclays - Bank, damit diese ABN Amro (größte Bankenfusion aller Zeiten) übernehmen kann. Die chinesischen Banken haben Hypothekenkredite in der Höhe von 289 Mrd. € (3 Bio. Yuan) vergeben, wobei keine Bonitätsprüfungen vorgenommen wurden! (dies ist in Anbetracht der Bankenkrise in den USA eine Zeitbombe). Hinzu kommt, dass chinesische Banken massiv im US-Markt für Hypotheken engagiert sind (z. B. Bank of China, BOC). So müssen die ICBC und die BOC 2008 Kredite in Milliardenhöhe abschreiben. Nach der Pleite von Lehman Brothers werden weitere folgen. Die Kredite in China stellen eine große Gefahr dar. Die Kosten erhöhen sich mit jeder Zinserhöhung der Zentralbank. Mittlerweile sind auch ausländische Banken betroffen, die an chinesischen Banken beteiligt sind (so die Royal Bank of Scottland an der BOC). 2007 wird eine Postsparkasse gegründet. Die chinesische Bankenaufsicht untersagt 2008 eine Lockerung  der Kreditbedingungen für Immobilien. Trotzdem werden die Preise in den Ballungszentren von staatlichen Gesellschaften gemacht, die Zugang zu verbilligtem Kapital haben. Die chinesische Regierung ist sehr rigide bei der Zulassung ausländischer Versicherungen, Banken und Anwaltskanzleien. Jede neue Finanzdienstleistung muss auch einzeln beantragt werden (z. B. Sparplan, Konsumentenkredit). Die chinesischen Banken profitieren von Margen zwischen niedrigen Guthabenzinsen und hohen Darlehenszinsen. 2010 geht die Agricultural Bank of China (ABC) an die Börse. Es beteiligen sich stark arabische Staatsfonds (Kuwait 800 Mio. $, Qatar 2,8 Mrd. $). 22,2 Mrd. Aktien sollen in Shanghai plaziert werden, 25,4 Mrd. in Hongkong. Es ist der größte Börsengang aller Zeiten. Das Finanzministerium hat faule Kredite mit einem Volumen von 120 Mrd. $ ausgelagert. Die staatliche Central Huijin Investment steckt weitere 19 Mrd. $ in die Bank. Die ABC-Bank hat 440.000 Mitarbeiter in 24.000 Filialen. Sie wurde 1950 unter Mao Zedong gegründet. Ende 2009 hatte sie 320 Mio. Kunden mit 879 Mrd. € Spareinlagen. Ende 2010 geht die erste chinesische Regionalbank Chongqing Rural an die Börse. 2011 versucht die China Development Bank die HSH Nordbank zu übernehmen. Schon vorher gab es Kredite. 2013 steigt die Bank of America aus der China Construction Bank (CCB) ganz aus. Die Schattenbanken in China bereiten immer größere Probleme: Schuldner, die von den staatlichen Finanzinstitutionen keine Darlehen erhalten, treffen auf Gläubiger, denen die offiziellen Einlagezinsen zu niedrig sind. Längerfristige Schulden werden gebündelt und als kurzfristige Wertpapiere weiterverkauft. Bei Liquiditätsengpässen und Ausfällen kann das System außer Kontrolle geraten. Mitte November 2015 meldet China einen Schlag gegen Schattenbanken (Versicherer, Leasingfirmen, andere Kreditgeber; insbesondere in Hongkong). Es wurden verbotene Finanztransfers (Geldwäsche, gesetzeswidrige Kapitaltransfers ins Ausland) in Höhe von 60 Mrd. Euro entdeckt (People´s Daily). Chinesische Bürger dürfen pro Jahr nur Yuan im Werte von 47.000 Euro eintauschen. Die Schattenbanken ermöglichen oft mehr.   Eine Ironie besteht darin, dass viele Experten vor der Finanzkrise 2008/2009 einen Zusammenbruch der chinesischen Banken voraussagten, aber zusammenbrachen die US-Banken. Gängige Interpretation in N. Lardy: China`s Unfinished Economic Revolution, Washington D. C. 1998.

Sehr hohe "faule Kredite" (geschätzt mehr als 30% des gesamten Kreditvolumens, genannt auch "bad loans", ihr Wert wird auf 900 Mrd. $ geschätzt, die meisten sind bei der Agricultural Bank of China). 30% des Bankensektors gelten als unterkapitalisiert. Im ersten Quartal 2006 haben die Banken Kredite von umgerechnet 126 Mrd. € vergeben (die Hälfte des für dieses Jahr geplanten Betrages, ein großer Teil fließt in den Immobilienbereich, Überinvestitionen). Ende 2013 wird das Volumen an "Faulen Krediten" auf 69 Mrd. Euro geschätzt (Bankenregulierungskommission des Landes). Kredite wurden auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 vergeben und können bei sinkendem Wirtschaftswachstum nicht mehr zurückgezahlt werden. 2010 versucht China (Volkskongress) den Immobilienmarkt abzukühlen. Die Hauspreise sind auch 2011 weiter außer Kontrolle. Die Regierung bekommt den Immobilienmarkt nicht in den Griff. Mittlerweile gibt es einige Geisterstädte in China. Die Ursachen liegen auch in den Einnahmequellen chinesischer Städte: Einnahmen aus Landverkäufen werden immer wichtiger. Die Bedeutung direkter Steuereinnahmen und des Finanzausgleichs durch die Zentralregierung nimmt ab. Die schlecht verzinsten, hohen Spareinlagen  bieten eine große Reserve (Spareinlagen priv. HH 2006: 1618 Mrd. €). China hat rund 300 Mrd.$ aus Handelsgewinnen in amerikanische Staatspapiere investiert (Abhängigkeit der USA!). Ausländische Banken steigen verstärkt in das Private Wealth - Management ein. Um die ständigen Konflikte zwischen der staatlichen Bankenaufsicht, die es seit 2002 gibt, und der Zentralbank zu entschärfen, soll ein Gremium eingerichtet werden. Dramatisch wird es für die USA und die Welt, wenn China seine Devisenüberschüsse nicht mehr in US-Staatspapieren parkt (430 Mrd. $). Mittlerweile ist der staatliche Investitionsfonds auch an vielen US-Banken beteiligt. Ebenso an einigen ausländischen Unternehmen (z. B. GDF Suez, Frankreich; Thames Water Utilities, England; Morgan Stanley, Blackstone, USA) 2013 will CIC bei Daimler einsteigen (4 bis 10 Prozent). In der Weltwirtschaftskrise 2009 verleihen Chinas große Staatsbanken großzügig Kredite, um die Wirtschaft anzuregen. Die Angst vor faulen Krediten wächst wieder. Der Wirtschaftsaufschwung ist mit billigem Geld der Staatsbanken erkauft. Ende 2009 investieren große chinesische Banken in Russland (Börsengang von Rusal) und Kasachstan (Rohstoffkonzern Kazakhmys). Die Großbanken können 2011 erfolgreich die Kreditsperren der Notenbank umgehen. Der Gewinn der Bank of China bricht 2012 dramatisch ein. Eine Immobilienkrise würde wahrscheinlich nicht auf die Banken übergreifen (kaum mit Hypotheken belastet, keine komplizierten Kreditderivate, hohe Reserveanforderung an die Banken, Staat als Eigentümer). Der Bauboom in China ist ohne Beispiel in der Geschichte. 2001 betrug die Fläche von Gebäuden im Baubestand in China in Mrd. Quadratmetern 2,8, 2013 schon 13,4 (Quelle: National Bureau of Statistics of China).  Die Banken gelten insgesamt als sicher, weil der Staat Hauptanteilseigner ist. 2012 will die Regierung das Bankenmonopol bei der Kreditversorgung knacken. Die Konjunkturabkühlung erschwert der Kreditversorgung für Unternehmen. Im April 2012 erhöht die Wertpapieraufsicht die Quoten für Anlagen, die ausgewählte ausländische Investoren in China tätigen dürfen, von 30 auf 80 Mio. Dollar. Die erlaubte Differenz zwischen Soll- und Habenzinsen wird auf zehn Prozent erhöht. 2013 stuft Fitch China auf A+ herunter. Die Rating-Agentur spricht von einer Zeitbombe (schräge Finanzierungen, Schattenbankwesen, Netzwerk von Krediten und Bürgschaften). Mittlerweile gehen amerikanische Rating-Agenturen davon aus, dass bis 2013 20 Billionen Yuan an Schattenkrediten vergeben wurden (knapp 2,5 Billionen €, gesamte Wirtschaftsleistung GB). Im Jahre 2014 sollen bis zu fünf Privatbanken starten (mindestens drei, unter strenger Kontrolle der Regulierungsbehörde). Im März 2014 will die PBOC die Barbestände reduzieren, die die Banken als Reserven halten müssen (weniger als 7,5%).  Die gesamte Verschuldung der Wirtschaft lag 2013 bei 200 Prozent des BIP (ohne Zentralregierung, Total Social Financing). Fast 12% davon waren Kredite zwischen Unternehmen, etwa 10% von Banken garantierte Unternehmensschulden, etwa 10% bei Schattenbanken. Die Mindestreserve wird Ende März 2014 auf 20% gesenkt. Die Bankenkrise droht auch 2015 noch. Die Ausleihungen chinesischer Banken liegen zu Beginn 2015 bei knapp 140% der Wirtschaftsleistung (2008 noch unter 100%). Viele Unternehmen stehen vor der Pleite (die größte 2014: Haixin Iron & Steel Group). Weiterhin wächst sehr stark der Schattenbankbereich in China. Dabei handelt es sich um unregulierte Schattenbanken, die in hohem Ausmaß Kredite vergeben haben (4000 bis 5000 Milliarden, Schätzung von Standard & Poor`s). Katastrophal ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt-Segment für Banken: Es herrscht in den letzten Jahren ein Überangebot an Akademikern, die in Banken wollen. Andererseits ist die Nachfrage wegen der Digitalisierung zurückgegangen.   In den Ming- und Qing-Dynastien (1368-1911) war Pingyao (südwestlich von Peking) das finanzielle Zentrum Chinas. Hier gab es auch Chinas erstes Bankhaus. Es ist die einzige Stadt Chinas, die ihren alten Charakter weitgehend bewahrt hat (Weltkulturerbe, alte Stadtmauer, alte Bausubstanz).

Im Jahre 2018 haben es die chinesischen Finanzriesen geschafft. Sie belegen die vier ersten Plätze in der Welt beim Ranking nach Bilanzsumme. An erster Stelle liegt die ICBC, vor der China Construction Bank, der Acricultural Bank of China und der Bank of China.Dann erst folgen Mitsubishi UFJ aus Japan und BNP Paribas aus Frankreich vor HSBC aus Großbritannien. Dann kommen die drei großen amerikanischen Banken (JP Morgan, Bank of America, Citigroup). Die Regierung wünscht, dass die Banken internationaler werden. Die Institute widmen sich aber lieber dem Heimatmarkt, der groß genug ist. Sie wissen auch, dass ihnen die Erfahrung fehlt.

Finanz- und Steuerpolitik (Infrastruktur): Ausbau der Steuerpolitik (2004 Abschaffung der Landwirtschaftsteuer): Gegenwärtig liegt die Ertragsbesteuerung einheitlich bei 30% national und 3% lokal (es gibt Ausnahmen für ausländische Unternehmen: 15%). Zukünftig soll der Steuersatz einheitlich 25% betragen. Außerdem sollen auch ausländische Betriebe die Landnutzungsteuer bezahlen (bis 3€ pro Quadratmeter). In den Sonderwirtschaftszonen soll die Steuerangleichung nur schrittweise ab 2008 umgesetzt werden. Die Unternehmenssteuern werden angehoben, um Bildung und Sozialsysteme zu finanzieren. Ab Januar 2008 müssen auch Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischer Beteiligung die normale Körperschaftsteuer zahlen (bis 25%). Schulbau und Lehrerfinanzierung obliegen aber zum Teil den Städten und Kreisen. So erklärt sich auch das Sparen von Stahlträgeren und Beton bei öffentlichen Bauten (z. B. im Erdbebengebiet von Sichuan). Die Value Added Tax (VAT, Mehrwertsteuer) beträgt 17%. Sie soll gesenkt werden, um den Verbrauch anzukurbeln. Besteuerung der Niedrigeinkommen soll fallen, dafür kommt eine Luxussteuer. Im März 2006 wird die Benzinsteuer angehoben. Für die Autos gibt es noch Mautgebühren und andere lokale KFZ-Steuern. Außerdem wird eine Autoerwerbsteuer eingeführt. 2009 wird eine Spekulationsteuer auf Immobilien eingeführt, die für Objekte gilt, die innerhalb von 5 Jahren weiterverkauft werden. 2010 will die Regierung eine Grundsteuer einführen, um die Immobilienblase zu bekämpfen. Der Wohnungs- und Häusermarkt trägt etwa 20% zum BIP bei. Die Öl-Raffinerien werden jährlich mit ca. 40 Mrd. $ subventioniert. Die Zinsabschlagsteuer beträgt 20%. Die Einführung einer Kapitalertragsteuer wird beschlossen. Die Steuereinnahmen sind in den vergangenen Jahren jährlich um  25% gestiegen. Intensivierung der Umweltpolitik (erneuerbare Energien!). Noch gibt es keine rationale Besteuerung von Wasser, Öl, Kohle und Naturressourcen.

Weiterhin große Rolle spielt die Zollpolitik (zum Schutz, trotz WTO). Der chinesische Haushalt liegt 2006 bei 230 Mrd. € (+9,7%, Militär +14,7%). 2007 steigen die Militärausgaben nach offiziellen Angaben um 18% (44,94 Mrd. $, vor allem in Dual-Use-Technologie, Truppenstärke reduziert; USA 439,3 Mrd. $), die Gesundheitsausgaben um 80%. 2008 steigt der Verteidigungsetat auf 84,9 Mrd. Mrd.$ (tatsächlich viel mehr), womit China an zweiter Stelle hinter den USA (607 Mrd. $) liegt. Bei den Rüstungsausgaben fehlt Transparenz. Die Ausgaben dürften dreimal so hoch sein. 2010 steigt der Militäretat nur mit 7,5%, was die niedrigste Steigerung seit 20 Jahren ist (Russland empfindet China zunehmend als Bedrohung). 2012 steigen die Militärausgaben um 11,2% auf umgerechnet 85 Mrd. € (die USA schätzen knapp 100, USA 400 Mrd. €). Diese Zahlen sind extrem umstritten: z.B. Der Spiegel (44/2012, S.112) gibt für 2011  129 Mrd. $ für China an (auch andere Zahlen für die USA). 2013 ist ein Zuwachs von 11,2% geplant gewesen (88 Mrd. €). 2013 beträgt die Steigerung tatsächlich  7,8%.   112,2 Mrd. Dollar wurden 2013 für Rüstung ausgegeben (mehr als D, GB und F zusammen; USA 600 Mrd. $; China bis 2015 160 Mrd. $). Für 2014 beträgt das Wachstum der Rüstungsausgaben 12,2% (+96 Mrd. €, 800 Mrd. Yuan, ca. 115 Mrd. €). 2015 liegt das Wachstum bei 10% (die Mehrausgaben sollen für die Marine sein). 2016 steigen die Militärausgaben nur um 7 bis 8 Prozent. China ist mittlerweile der drittgrößte Exporteur von Rüstungsgütern (fünf Prozent, USA 30%, Russland 26%, Deutschland vierter Platz). Die extrem hohen Investitionen des chinesischen Staates  tragen zum großen Teil zu den hohen Wachstumsraten bei. Die Schneekatastrophe Anfang 2008 führt zu hohen Investitionen in die Infrastruktur und regt damit die Binnenkonjunktur an. Das Konjunkturprogramm im Herbst 2008 gegen die Folgen der Finanzkrise umfasst mit den Initiativen der lokalen Regierungen 1,2 Bill. €. Sie sollen insbesondere in die Infrastruktur fließen. Daher wird sich das chinesische Haushaltsdefizit 2009 auf 108 Mrd. € verachtfachen (950 Mrd. Yuan, 3% des BIP, 2008  -13 Mrd. €, 2007 Überschuss). Ein Zusatzprogramm in Höhe von 450 Mrd. € steht ab März 09 zur Verfügung. Instrumente sind Investitionen in Infrastruktur, und Wohnungsbau, Steuersenkungen (Lohnsteuer halbiert), Unterstützung der Sozialsysteme, Hilfen für Kreditvergabe und Landwirtschaft. Ab Mai 2009 kommt wieder ein Programm in Höhe von 110 Mrd. €. Es werden Rabattgutscheine verteilt. Eine große Gefahr der Programme besteht darin, dass sie den Ausbau bereits vor der Krise bestehender Überkapazitäten fördern. Eine große Chance liegt darin, dass China einen großen Nachholbedarf an Infrastruktur und Binnenkonsum hat. Protektionistische Klauseln in den Programmen, die eine Bevorzugung inländischer Anbieter vorschreiben, rufen Proteste bei den Wirtschaftspartnerländern hervor. China macht insgesamt Konjunkturprogramme in Höhe von 17,3% des BIP (zweite Stelle hinter Japan). Im August 09 werden 90% mehr Autos verkauft als im Vormonat, vor allem ein Ergebnis der staatlichen Anreize (Steuererleichterungen für Kleinwagen, Rabatte in ländlichen Gebieten). Die Subventionen für den Kauf von Kleinwagen laufen 2010 aus, ebenso gibt es Zulassungsbeschränkungen für Autos in Großstädten. Immer noch landet ein großer Teil der Liquidität als Sparen in den Guthaben der Privathaushalte ("Tiger im Käfig"). Mitte 2012 plant das Land einen Mega-Konjunkturschub. Aus Angst vor Arbeitslosigkeit soll die regionale Wirtschaft mit 885 Mrd. € gefördert werden. Die kommunale Verschuldung ist ein großes Problem.  Die Verschuldung der Kommunalregierungen belaufen sich 2013 auf 20% des BIP (2018  50%?). Als einzige große Volkswirtschaft der Welt setzt das Land auch 2013 auf eine expansive Ausgabenpolitik (massive Investitionen in die Infrastruktur). Im Rahmen des Kampfes gegen die Korruption der neuen Parteiführung gibt es eine Sparsamkeitskampagne gegen Prachtbauten (fünfjähriger Baustopp für Amtsgebäude, Musterprozess gegen Bo Xulai). Auf der Sitzung des ZK (Drittes Plenum) im November 2013 werden folgende Richtungen vorgegeben: 1. Weniger Staat, mehr Markt (Förderung ausländischer Investitionen); 2. Weniger Export, mehr Binnenkonsum; 3. Mehr Rechte für die Landbewohner. 4. Menschenrechte: Lockerung der Ein-Kind-Politik (nicht mehr nur, wenn beide Elternteile Einzelkinder sind) und Abschaffung der Umerziehungslager (ohne Gerichtsurteil 4 Jahre). Ein weiterer Modernisierungskatalog wird ausgearbeitet: Freigabe von Zinsen und Wechselkurs; Staatskonzerne alimentieren die unterfinanzierten Sozialsysteme, Bauern können ihre Landnutzungsrechte verkaufen. Im Juni 2014 kurbelt der Staat wieder die Konjunktur an. 154 Mrd. € werden eingesetzt.  Das Umsteuern zugunsten einer nachhaltigeren Entwicklung wird für eine mehrjährige Übergangszeit Wachstum kosten. Arbeit ist nicht mehr billig. Der Militäretat wird 2019 um 7,5% erhöht auf ca. 250 Mrd. US-Dollar. Dei Steuern werden massiv gesenkt, um die Binnenkonjunktur anzuregen.  "China ist heute die größte Reklametafel für autoritäre Herrschaft", Stephen Halper, US-Wissenschaftler.

2009 wird die Einführung einer Öko-Steuer für Unternehmen geplant, um die massive Umweltverschmutzung einzudämmen. Vor allem die Kohle ist ursächlich: China ist der weltgrößte Produzent und Verbraucher von Kohle. 2013 wird ein Zuschuss beim Kauf eines Elektro-Fahrzeugs eingeführt (7500 Euro, bis 2020  5 Mio. Elektroautos). In Anlehnung an Abenomics in Japan bezeichnet man die neue chinesische Wirtschaftspolitik als "Liconomics" (von Ministerpräsident Li Keqiang). Von 2013 an soll vor allem in drei Bereichen die Effizienz erhöht werden: 1. Anstelle großer Rettungspakete soll es künftig gezielte Ministimuli geben in bestimmten Sektoren. 2. Die Verschuldung der Lokalregionen und der Staatsunternehmen soll drastisch sinken. 3. Eine strukturelle Reform für mehr Marktwirtschaft soll die Wachstumskräfte stärken. 2015 denkt die Regierung über Umweltsteuern nach. Der Kampf gegen Korruption trifft die Glückspielindustrie in Macao hart. Mittlerweile gibt es 2014 vier Millionen Millionäre in China. "Chinas Wirtschaft wird keine harte Landung erleiden wie von einigen Leuten befürchtet, sondern einen positiven Effekt auf die globale Konjunktur haben", Li Keqiang, chinesischer Ministerpräsident 2014.

Ende Oktober 2015 treffen sich die kommunistischen Spitzenkader (ZK der KPC), um einen neuen Masterplan für die chinesische Wirtschaft zu beraten. Ergebnis wird der 13. Fünfjahresplan sein, ein Grundsatz-Planungsdokument mit Vorhaben bis 2020: 1. Förderprogramme für Elektromobilität, Robotertechnik und Biotechnologie. 2. Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Finanzmärkte. 3. Verdopplung des BIP pro Kopf bis 2020 im Bezug auf 2010. 4. Menschen unter der Armutsgrenze soll es 2020 nicht mehr geben (heute rund 70 Mio.). Der endgültige Plan wird erst auf dem Volkskongress im Frühjahr 2016 beschlossen. Zum 1.Oktober 2015 hat die Regierung die Umsatzsteuer für Autos, die höchstens einen Motor mit 1,6 l Hubraum haben, auf 5% halbiert. Davon wird der Automarkt profitieren. In den Jahren 2015 bis 2020 werden 410 Mrd. € in den Ausbau des Schienennetzes investiert. Der Fokus soll auf der Landesmitte und westlichen Regionen liegen. Das Hochgeschwindigkeitsnetz ist jetzt schon mit 16.000 km das längste der Welt. Ende 2015 macht die Regierung Steuererleichterungen für Firmen. Im Mai 2016 werden weitere Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur angekündigt: Bis 2018 gehen 632 Milliarden Euro in 303 Projekte der Verkehrsinfrastruktur. Dies soll auch etwas die Konjunktur stabilisieren. mit dem Geld werden Schienen, Straßen, Wasserwege, Flughäfen, der Nahverkehr, Hochgeschwindigkeitsstrecken und Städteverbindungen bezahlt. Ende 2016 führt die Regierung eine Steuer auf Luxusautos ein. Betroffen sind die deutschen Premiumhersteller sowie Ferrari, Aston-Martin und Rolls-Royce. Es geht um einen Verkaufspreis ab 1,3 Millionen Yuan (178.000€). Vorgegeben wird der Kampf um Luftverschmutzung. Es dürfte auch protektionistische, psychologische  und fiskalische Motive geben. Ende 2016 plant China mehr Strecken für Hochgeschwindigkeitszüge. Intensiv werden immer neue Flughäfen gebaut. In Peking-Daxing öffnet im September 2019 einer der größten Flughäfen der Welt nach fünf Jahren Bauzeit. Der Ausbau des Nahverkehrs wird massiv betrieben (allein 40 Mrd. € sollen ab 2019 in die Metropole Shanghai fließen).

Die Finanz- und Steuerpolitik in China kann man als keynesianisch bezeichnen (aktuell!). Das Hauptziel besteht darin, das Land auf Wachstumskurs zu halten und im weiteren Rezessionen zu verhindern. Kerne sind Kredit finanzierte Infrastrukturprogramme und staatlich eingeleitete Bankkredite an die Staatsunternehmen. Steigende Arbeitslosigkeit könnte zu Unruhen führen.

Ende 2017 reagiert China sofort auf die Steuerreform in den USA (Ertragssteuersatz von 35 auf 21%). Ausländische Firmen müssen vorerst keine Gewinnsteuern mehr in China zahlen, wenn sie diese im Land investieren. Ende 2018 wird die Haushaltspolitik gelockert. Man will die Entwicklung 2019 unbedingt stabil halten angesichts der Bedrohung durch die US-Handelspolitik. Auch die Einkommenssteuern werden gesenkt, um die Kauflaume im Inland anzuregen (+Rabatte bei langlebigen Gebrauchsgüter, + günstigere Kredite). Die Belastung durch die US-Handelspolitik ist größer als die Führung zugibt. Ab dem 1. April 2019 soll weiterhin die Mehrwertsteuer gesenkt werden (BMW und Daimler senken daraufhin ihre Preise in China).

Bildungs- und Forschungspolitik: Stärkung des Bildungsbereichs (+40%  2007). 2004 machten erstmals mehr Chinesen den Bachelor als Amerikaner. Ca. 23 Mio. Studenten waren 2007 an den 1500 Universitäten und Fachhochschulen eingeschrieben. 2008 waren es schon über 25 Mio. Der Zugang ist über eine Prüfung geregelt (Gaokao). 2006 machten 4 Mio. Studenten einen Abschluss, darunter 440.000 Ingenieure, die nur 1/5 der Westgehälter verdienen. 2008 gab es schon 5,6 Mio. Hochschulabsolventen (Deutschland 0,3 Mio.). Mittlerweile liegt China bei den wissenschaftlichen Publikationen direkt hinter den USA. Mittlerweile gibt es auch über 70.000 private Schulen. 4,3% des BIP gibt China für Bildung und Ausbildung aus (USA 7,2%; Deutschland 5,8%). Innovationsoffensive der Regierung im neuen Fünfjahresplan (bis 2020 Innovationsorientiertes Land, die Ausgaben für Forschung steigen jedes Jahr um rund 20%, Anteil von 1,4% des BIP, bis 2020 auf 2,5%).  2016 springt die Quote über 2%. Wesentlich höher sind diese Aufwendungen in den Boomregionen (3%).  Die Forschungsaufwendungen sind hoch, 136 Mrd. $ 2006 (Deutschland 63 Mrd. $, USA 330 Mrd.$). 2010 gibt China 124 Mrd. US-$ für Forschung und Entwicklung aus (Prognose 2020 350 Mrd. $). 2011 steigen die F+E-Ausgaben auf 154,3 Mrd. $. 2009 meldeten erstmals in China Einheimische mehr Patente an als Ausländer (65400). 2013 führt China bei den Patentanmeldungen in der Welt (825.136 vor USA und Deutschland). 2018 führen bei Patentanmeldungen die USA vor Japan und China/ imposant ist die Steigerung von 569% gegenüber 2008.   Die drei Top-Technologiefelder sind sehr zukunftsträchtig: Computertechnologie, digitale Kommunikation, elektrische Maschinen, Energie. 1070 Forscher kommen auf eine Million Einwohner 2013 (8. Platz). China will seine Wirtschaft von Imitation auf Innovation umstellen. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 92% (116 Mio.  Analphabeten, die nicht einmal 1500 Schriftzeichen lesen können). Das chinesische Bildungssystem wird oft kurz mit Tian ya shi" ("Enten stopfen") charakterisiert. 2008 haben 5,6 Mio. Studenten die Unis und FHs verlassen. Bis Juni 2009 hatten 1 Mio. noch keine Stelle gefunden. Sie konkurrieren mit den voraussichtlich 6,1 Mio. Absolventen 2009. Die besten Aussichten haben Ingenieure. Andere Abschlüsse werden von der Regierung zu den Funktionären aufs Land geschickt, um die Erlöse der Bauern zu steigern. 2007 meldeten 160.000 chinesische Ingenieure ihre Patente an, 30.000 mehr als in Deutschland. Noch vor 10 Jahren übertrumpften die Deutschen die Chinesen um das Sechsfache. 2011 ist China Patent-Großmacht geworden und liegt international auf Platz vier. Der ZTE-Konzern aus China ist 2012 das forschungsstärkste Unternehmen der Welt (China entwickelt sich von der Werkbank der Welt zum Labor). 2011 herrscht ein großer Fachkräftemangel in China. Ein großer Teil der Absolventen ist falsch oder schlecht ausgebildet. Die Fluktuationsrate liegt bei 30 Prozent. Die umstrittene Regelung zur Förderung einheimischer Produkte im Technologiesektor soll ab 2011 nicht mehr angewendet werden. Immer mehr Schüler wollen sich gegen Drill und Entmündigung wehren und fordern eine Förderung der Kreativität (Welt am Sonntag, 27.05.12). Es gibt in China zu wenig Jobs für Hochschulabgänger. Das hängt auch mit der Billig-Produktion zusammen. Das Land will weg von dem Billig-Image. Es soll mehr innovative Produkte geben. 2013 gab es schon 6,99 Mio. Hochschulabsolventen (trotz der Ein-Kind-Politik). bis 2020 werden 20% der Chinesen einen Hochschulabschluss haben (mindestens 195 Mio.). 2014 schließen 7,26 Mio. Chinesen ihr Hochschulstudium ab. 250 Mio. Dollar steckt die chinesische Regierung in die Hochschulen  "Haben wir erst mal Deutschland geknackt, gehört uns ganz Europa", Wang Mengshu, Jiaoting-Uni.

Langfristig hat China natürlich das Ziel, von der "Werkbank der Welt" zum einem High-Tech-Staat aufzusteigen. Dies wird dauern und auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden. Im Jahr 2015 hat Parteichef Xi Jinping von 10 Jahren gesprochen. Die unzähligen Kleinfirmen sind zumeist sehr klein und unterfinanziert. Die reinen Staatsbetriebe sind eher behäbig. Die meisten Patente werden von den bekannten Global Player´s angemeldet. Die Zahl der Patente sagt aber noch nichts über den Wert aus. Insgesamt fehlt es in den Firmen oft noch an einer Innovationskultur.  Chinesische Firmen kommen auch an Spitzentechnologie, in dem sie Unternehmen im Ausland kaufen (darauf hin versucht man, die Forschung und Entwicklung ins eigene Land zu verlagern). Diese Strategie stößt auf immer größeren Widerstand westlicher Staaten (USA, Deutschland, Japan, Großbritannien, Australien). Deshalb wird zumindest nach außen gegengesteuert. Eine weitere Strategie besteht darin, auf in China produzierende Firmen Druck auszuüben, dass sie ihre Forschung und Entwicklung nach China verlagern. 2017 investierte das Land 1,76 Billionen RMB in Forschung und Entwicklung. Das entspricht einem Zuwachs von 14% gegenüber dem Vorjahr. Bis 2050 will China führend bei technologischen Innovationen sein (Forschungsminister Wan Gang 2018). "Wagt zu träumen und arbeitet hart, damit der Traum wahr wird!", Xi Jinping, Parteichef (2012) und Staatspräsident Chinas seit 2013.

Eine wichtige Grundlage des Bildungssystems ist das Prüfungssystem, das während der Ming-Dynastie (1368-1644) eingeführt wurde. Wer eine Karriere im öffentlichen Dienst vollbringen wollte, musste extrem harte Prüfungen durchlaufen: Sie basierten auf den klassischen Schriften von Konfuzius. Zum Teil mussten Essays geschrieben werden. 40.000 Beamte wurden maximal beschäftigt. Diese galten als Elite des Landes. Die Rente konnte man mit 70 antreten, bei Krankheit mit 55. Das System gilt zum Teil heute noch in der KPC. Drei der weltweiten Spitzenuniversitäten stehen in China. "Sowohl China als auch Indien legen großes Gewicht auf die Bildung von Humankapital", Norbert Walter, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, mittlerweile gestorben.

Kaderschmieden: Eine ist die China Europe International Business School (CEIBS).  Sie hat ihren Standort in Shanghai/ Pudong und entstand 1994 als Joint Venture zwischen der chinesischen Regierung und der EU. Eine rein chinesische  Business School ist die Cheung Kong Graduate School of Business (GKGSB). Sie wurde 2002 gegründet. Jack Ma, der Gründer von Alibaba, hat 2015 in seiner Heimatstadt Hangzhou die Hupan University gegründet, eine Elite-Universität mit harten Aufnahmebedingungen. 

"Beobachtet ruhig, verbergt unsere Möglichkeiten, wartet auf den richtigen Augenblick. Haltet euch bedeckt, und beansprucht nicht die Führung", Deng Xiaoping.

Sozialpolitik und Sozialversicherung (Gesundheit): Entwicklung eines Sozialversicherungssystems: Chinesen und Ausländer, die in China arbeiten, unterliegen mittlerweile der Sozialversicherungspflicht (Arbeitgeberanteil ca. 40%). Von 250 Mio. städtischen Erwerbstätigen sind 2008 205 Mio. (15%) Renten- und 130 Mio. Kranken - versichert (System wird seit 1997 aufgebaut). Bis Ende 2009 soll die Zahl der Rentenversicherten auf 225 Mio. steigen. Für die Grundsicherung sind in den nächsten zehn Jahren noch 5,7 Billionen € zu investieren. Männer erhalten mit 60 Jahren den vollen Rentensatz, Frauen je nach Beruf mit 50 bis 55 Jahren. Das fertige System könnte die hohe Sparquote in China senken und so mehr Geld in den Konsum lenken. Im Jahre 2030 sind 380 Mio. Chinesen im Rentenalter über 65 Jahre. Keine Branche boomt so, wie der Immobilienmarkt, keine spiegelt so sehr die tief greifenden sozialen Veränderungen in den Städten wieder. Noch ungeklärt ist die Finanzierung der Pensionen, Gesundheits- und  Bildungskosten für die freigesetzten Staatsbediensteten, die einen rechtlichen Anspruch auf die Zuwendungen haben. Seit 2006 gibt es die Möglichkeit, auch Wanderarbeiter in die Sozialversicherung aufzunehmen. In der Praxis sind nur 18% der Wanderarbeiter krankenversichert und 20% unfallversichert. Bei der Rentenversicherung lag der Anteil 2006 bei nur 10% (das größte Problem der Sozialversicherung). In der Wirtschaftskrise 2008 kehren viele Wanderarbeiter in ihre Heimatprovinzen zurück. Der Volkskongress arbeitet 2009 fieberhaft an einem sozialen Netz. Zuerst müssen die ca.20 Mio. arbeitslosen Wanderarbeiter unterstützt werden. Deshalb soll mehr Geld in die Westprovinzen fließen, wo der Großteil der armen Landbevölkerung lebt. Langfristig muss ein stabiles Sozialsystem geschaffen werden, damit die Menschen nicht so hohe Rücklagen bilden und mehr konsumieren. Heute leben rund 40% der Chinesen in Städten. 2030 sind es voraussichtlich 60%. Dieser Trend führt grundsätzlich zu einer Einkommensverbesserung und damit zu mehr Konsum. China konzentriert seine Staatsausgaben immer mehr auf Gesundheits- und Altersvorsorge, auch auf Bildung. Weil die eigene Wohnung eine Bedingung zum Heiraten ist, zahlen die Käufer fast jeden Preis, was die Immobilienüberhitzung mit ausgelöst hat. Allein im Jahr 2011 will die Regierung 140 Mrd. € für sozialen Wohnungsbau ausgeben. Dies soll helfen, die Kluft zwischen  Arm und Reich zu bekämpfen. In den nächsten fünf Jahren sollen 36 Mio. niedrig-preisige Wohnungen entstehen. Die Reichen kaufen mittlerweile Immobilien auf der ganzen Welt. Immer wieder kommt es zu issständen in den in China produzierenden Firmen. Z.B. wurden bei der Produktion von Apple - Handys viele Beschäftigte schwer vergiftet.

2014 ist das Krankenversicherungssystem immer noch sehr heterogen. Angestellte Stadtbewohner sind in der UEBMI ( Urban Employee Basic Medical Insurance) pflichtversichert. Sie müsse bei ambulanten und stationären Behandlungen zuzahlen. Arbeitslose Stadtbewohner können sich freiwillig in dieser Sozialversicherung versichern. Sie müssen dann bei stationärer Behandlung und chronischen Krankheiten zuzahlen (jährliche Limits). Landbewohner können sich freiwillig in der NCMS (New Rural Cooperative Medical Scheme) absichern. Zuzahlungen sind bei stationärer Behandlung und chronischen Krankheiten fällig. Behandlungen sind grundsätzlich aus eigenem Einkommen und Vermögen zu bezahlen und können später ersetzt werden. Innerhalb der nächsten fünf Jahre ab 2015 soll sich die Anzahl der Ärzte verdoppeln. Der Arztberuf wird attraktiver gemacht. Das Ziel, Krankenversicherung für alle Chinesen ist fast erreicht (nur noch fünf Prozent kommen für ihre Gesundheitskosten selbst auf, 1990 noch 75%). Es ist ein massives Wachstum bei den staatlichen Ausgaben für Gesundheit vorgesehen. Das könnte ein Milliardengeschäft für die weltweite Gesundheitsindustrie werden. 2015 weitet China die Krankenversicherung aus. Bisher haben zwar über 90% eine Krankenversicherung. Diese deckt aber nur einen Bruchteil der Kosten ab. Zukünftig soll etwa die Krebsvorsorge enthalten sein. Für 2020 schätzt man eine Billion Dollar Umsatz im Gesundheitssektor. Profitieren davon könnten auch deutsche Pharma- und Medizintechnikanbieter wie Bayer oder Siemens. Viele ältere Chinesen sind nicht krankenversichert, vor allem die Landbevölkerung ist unterversichert. Hoch ist deshalb die Selbstmordrate bei älteren Menschen (70,3 von 100.000). Eine Krankheit ist oft Auslöser. Sie töten sich, um der Familie die Ausgaben zu ersparen. Medikamente werden aus dem Ausland, häufig aus Deutschland, geschmuggelt. Die Krankenhäuser sind oft überfüllt. Die Behandlungen sind oft unbezahlbar. Mit 123 Mrd. Dollar ist China 2018 der zweitgrößte Pharmamarkt hinter den USA. Zwischen 2007 und 2016 vervierfachten sich die Gesundheitsausgaben Chinas von 145 Mrd. auf 693 Mrd. Dollar. Chinas Auslandsinvestitionen in die Gesundheitsindustrie haben sich zwischen 2015 und 2018 von 4,2 Mrd. $ auf 9,7 Mrd. $ mehr als verdoppelt. 40% beträgt Chinas Anteil an Krebspatienten weltweit (Quelle: Nationales Krebszentrum China).

Reichtum und Armut: Seit 1999 wird jährlich eine Liste mit Reichen veröffentlicht. Sie heißt "Hurun-Liste". Auf der letzten stehen 1363 Menschen mit einem persönlichen Vermögen von einer Milliarde Yuan (110 Millionen Euro). Der chinesische Staatsrat legt 2013 einen Plan zur Verringerung der aufgegangenen Schere zwischen Arm und Reich vor: Anhebung der Mindesteinkommen, Verringerung der Managergehälter, Staatsunternehmen sollen Gewinne abführen, um die Sozialversicherung zu unterstützen. Ein Prozent der Familien besitzen 2013 41,4 % der privaten Vermögen. Die Gesellschaft wird immer mehr atomisiert. Sogar das Politbüro empfiehlt die Lektüre von Tocqueville und erwähnt den Vergleich mit Frankreich 1789 vor der Revolution. Die vielen Hinrichtungen in China werden zur Organentnahme genutzt (60% aller entnommenen Organe). Ca 10.000 Organe werden jährlich verpflanzt, viele an betuchte Patienten aus dem Westen. Beim Besuch des neuen chinesischen Premierministers Li Keqiang 2013 geht es auch um das Lernen von der deutschen Sozialpolitik. In letzter Zeit (2013) häufen sich spontan organisierte Arbeitsauseinandersetzungen. Unabhängige Gewerkschaften sind noch nicht zugelassen, so dass die Arbeitnehmer die Sache selbst in die Hand nehmen müssen. Mitarbeiter nehmen ihren Firmenchef z.B. gefangen, um eine Verlagerung nach Indien zu verhindern. Im 3. Fünfjahresplan im November 2015 will das Land für offiziell 70 Mio. Arme eine Alterssicherung aufbauen. Das Privatvermögen beträgt in China 22,5 Billionen Euro (2017, Quelle: Weltbank). Einige Vergleichszahlen dazu: USA 71,4 Billionen Euro. Japan 27,0 Billionen Euro. Deutschland 5,8 Billionen Euro.

Kampf gegen Armut: Die landwirtschaftliche Entwicklungsbank (Staatsbank) will sich mit Krediten in Höhe von 400 Milliarden Euro am Kampf gegen die Armut beteiligen. Das Programm geht bis 2020. Gut ein Drittel des Geldes fließt in Infrastrukturprojekte in ländliche Regionen. Ein weiteres Drittel geht an landwirtschaftliche Betriebe. Dazu kommen Kredite für die Umsiedlung von Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, für Tourismus, Umweltschutzprojekte und Bildungsvorhaben.   "Reich werden ist ehrenhaft", Parole der KPC in der Achtzigerjahren. Die Aufforderung an China, seinen Inlandsverbrauch zu steigern, ist etwas verfehlt. Selbst bei Erhöhung des Konsums würden Importe aus den USA oder der EU möglicherweise nicht steigen. Absoluten Vorrang haben inländische Dienstleistungen im Bildungs- und Gesundheitsbereich. So auch J. Stiglitz: Im freien Fall, München 2010, S. 424.

Wanderarbeiter: Sie stellen die Unterschicht an der Ostküste dar. Es sind ca. 281 Millionen Menschen. Das sind 35 Prozent von Chinas arbeitender Bevölkerung. Auf eine Wanderarbeiterin kommen zwei Männer, ihr Alter liegt im Schnitt bei 39 Jahren. Sie arbeiten im Schnitt für umgerechnet 453 Euro im Monat (3572 Yuan). Sie arbeiten im Dienstleistungsbereich (Putzen, Kochen, Haare schneiden, Taxi fahren), am Bau oder in der Industrie (Foxconn u. a.). Nur jeder dritte Wanderarbeiter hat einen Arbeitsvertrag. 84% arbeiten mindestens 44 Stunden pro Woche. 16% haben Anspruch auf Rente, 18% haben eine Krankenversicherung. Das staatliche Registrierungssystem zählt sie als "Arbeiter vom Lande". Deshalb sind sie in den Städten auch relativ rechtlos (müssen z. B. teures Schulgeld zahlen). Sie verlieren in den Städten, wo sie in Slums am Rande hausen, häufig ihre Wohnungen anlässlich neuer Bauprojekte. Die Behörden schließen immer mehr brandgefährdete und illegale Unterkünfte. Die Städte wachsen schon legal rasant (2020: 23 Mio. Peking, Shanghai 30 Mio., Shenzhen 15 Mio., Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts noch Fischerdorf bei Hongkong). Vgl. Hendrik Ankenbrand: China geht brutal gegen seine Unterschicht vor, in: FAZ, Nr. 280, 2. Dez. 2017; S. 22.

"Chinesische Brands sind heute da, wo in den 60er und 70er Jahren die Japaner und in den 80er Jahren die Koreaner waren", Bill Russo, Unternehmensberater (zitiert nach Hirn: Chinas Bosse, 2018, S. 77).

Strukturpolitik/ Wettbewerbspolitik/ Industriepolitik: Sonderwirtschaftszonen, Entwicklungszonen; Bekämpfung der Inter- und Intra- Heterogenität der Provinzen (Disparitäten), z. B. Abschaffung des ländlichen Registrierungssystems in 11 Provinzen, (obwohl nur eine Minderheit in den Städten lebt, haben sie die weitaus beste Versorgung: medizinisch, Wasserleitungen, Einkommen). 34 Mrd. € sollen 2006 für Infrastrukturmaßnahmen in den ländlichen Raum fließen (ca. 700 Mio. Landbewohner mit ca. einem Drittel des üblichen Einkommens in Städten, +ländliche Krankenversicherung, Abschaffung des Schulgeldes). Tianjin soll zusammen mit der Binhai New Area (Sonderwirtschaftszone) zu einer der mächtigsten Wirtschaftszonen des Landes ausgebaut werden. Die Region lockt mit Steuervorteilen und niedrigen Landpreisen. Die Disparitäten zwischen den Provinzen erkennt man am Pro-Kopf-Einkommen und am Gini- Koeffizienten. Einige Beispiele (2014): Guandong: BIP 906 Mrd. €, 8498 € pro Kopf. Sichuan: BIP 382 Mrd. €, 4705 pro Kopf. Hunan: BIP 362 Mrd. €, pro Kopf 5395 €. Hunan gilt als Boomprovinz. In Hunan wurde Mao Zedong geboren. Chef der Nationalen Reform- und Entwicklungskommission Chinas ist He Lifeng. Er war früher Bürgermeister von Quanzhou, der Partnerstadt von Neustadt an der Weinstraße (Partnerstadt seit 1996). "Die chinesische Volkswirtschaft befindet sich in der Frühphase ihres Strukturwandels. Das Land mag zwar auf dem Weg zur neuen Normalität oder gar einem neuen Zeitalter sein. Doch das Ziel liegt noch weit entfernt", Stephen S. Roach, Wirtschaftswissenschaftler.

Mehr als die Hälfte aller Chinesen haben keinen Versicherungsschutz im Krankheitsfall. Weitere Deregulierung und Privatisierung der Staatsunternehmen, Orientierung auf Hochtechnologien beim Strukturwandel. China bekommt noch deutsche Entwicklungshilfe, etwa marktnahe Vorgaben für Pilotprojekte in der Energietechnologie und im Klimaschutz. Künftig soll keine klassische Entwicklungshilfe mehr geleistet werden, sondern eine "strategische Partnerschaft" eingegangen werden (Reformprozesse in Justiz, Gesellschaft und Klimaschutz). Der neue Entwicklungshilfeminister Niebel stellt auch das in Frage. China sieht sich selbst als Entwicklungsland, weil es sich auf die Wirtschaftskraft pro Kopf stützt. Hierbei liegt das Land auf Platz 99 in der Welt (2010).  Die Kommission für Forschung, Technik und Industrie für nationale Verteidigung (COSTIND) bis 2008 ein Turboprop - Flugzeug bauen lassen. China hat Deutschland vom 5. Platz Rang der Patentanmeldungen verdrängt. Im Mai 2008 bündelt China sein Telekommunikation in wenigen Konzernen: China Netcom, China Telecom und China Mobile. China muss Milliarden in den Umbau der Städte stecken (350 Mio. neue Einwohner, bessere Infrastruktur). Die Konjunkturpakete kommen insbesondere der Stahlbranche zugute (fast 50% der Weltstahlproduktion, Rekordzuwachs von 29%). Mittlerweile gibt es eine Überproduktion, was zu einem Preisverfall führen kann. Die Behörden auf Provinz-, Kreis- und Stadtebene ermuntern immer wieder die Wirtschaft zu unnötigen Projekten mit Förderung (z. B. niedrige Landpreise), um Steuereinnahmen zu bekommen. Die Feinsteuerung der Wirtschaft wird für die Regierung immer mehr zum Problem. 2013 plant die Regierung, die Industrie stärker zu konzentrieren. Im Automobilbau sollen zehn Firmen 90% des Geschäfts vereinen, die zehn größten Stahlkonzerne sollen 60% kontrollieren. Die Provinzregierungen wehren sich. Ein Finanzmarktproblem bedroht die kommunalen Etats: Die Verbindlichkeiten der Kommunen sind mit Boden besichert. Große Teile der Einnahmen stammen zugleich aus dem Verkauf von Landnutzungsrechten. Deshalb haben die Gemeinden ein doppeltes Interesse an hohen Liegenschaftspreisen. 2014 will die Regierung den Verkauf von Elektroautos fördern. Man kann umgerechnet 6000 Euro Zuschuss erhalten. Das ist nicht unproblematisch, weil der meiste Strom von dreckigen Kohlekraftwerke stammt und dadurch auch die Staus nicht verringert werden.   "China muss seine gut ausgebildete Bevölkerung und seine finanziellen Reserven nutzen, um Strukturreformen einzuleiten", Robert Zoellick, Weltbank, 2012. 

Wichtiger Bestandteil der Infrastruktur ist Chinas Eisenbahn. Sie hat 2,5 Mio. Beschäftigte (eigene Unternehmen, Krankenhäuser, Hochschulen). In den nächsten 10 Jahren sollen 220 Mrd. € in neue Hochgeschwindigkeitsstrecken investiert werden. Das ist eine große Versuchung für Korruption. Die fortschreitende Urbanisierung treibt die Produktivität am stärksten an (zugewanderte Arbeiter kommen aus der Landwirtschaft). Zunehmend entstehen Ballungszentren und Infrastruktur in abgelegenen Gegenden wie der Inneren Mongolei. China baut massiv Kanäle, Tunnel und Aquädukte, um den regennassen Süden mit Peking zu verbinden. Es gibt drei große Routen (West-Route, Zentral-Route, Ostroute). Der Eingriff in die Ökosysteme ist enorm, so dass Langzeitschäden drohen. Intensiv werden immer neue Flughäfen gebaut. In Peking-Daxing öffnet im September 2019 einer der größten Flughäfen der Welt nach fünf Jahren Bauzeit. Allerdings zeigen sich 2019 auch riesige Überkapazitäten in der Infrastruktur. Alles wichtige ist gebaut. "Die Schmerzen sind da und werden noch heftiger", Li Keqiang, chinesischer Ministerpräsident 2015 vor dem Volkskongress zur weiteren Liberalisierung der Wirtschaft.

China macht einen Strukturwandel durch, der von drei Faktoren angetrieben wird: der technische Fortschritt führt zu umweltschonenden und arbeitssparenden Innovationen. Man bewegt sich weg von Kapital- und Investitionsgütern hin zu Konsumgütern und Dienstleistungen. Eine neue Phase der Globalisierung verlagert die Wettbewerbsvorteile einfacher, arbeitsintensiver Produktion nach Vietnam, Mexiko u. a.. Kartellwächter der nationalen Reformkommission (NDRC) drängen im August 2014 auf eine Preissenkung bei den deutschen Autobauern. Sie folgen einer Verordnung von 2008. Betroffen sind insbesondere die Premiumhersteller Daimler, Audi, Porsche und BMW (haben nach Angaben das chinesischen Branchenverbandes CAAM 80% der Oberklasse-Wagen). Es geht vor allem um das Wartungs- und Ersatzteilgeschäft. Insgesamt wird aber gegen 1000 Autofirmen (+Zulieferer, Händler) ermittelt. Gegen zwölf japanische Autozulieferer wird eine Rekordstrafe von 1,24 Mrd. Yuan verhängt. Wegen unerlaubter Preisabsprachen muss Audi 249 Mio. Yuan (31,5 Mio. Euro) zahlen. Auf dem Volkskongress im März 2015 wird ein Umbau des Gefüges von Politik und Ökonomie bekannt gegeben: Kapital soll weg von der politischen Elite hin zur Privatwirtschaft fließen. Damit verringert sich der wirtschaftliche Einfluss der KPC (Selbstbereicherung und Korruption sollen eingedämmt werden). 2015 wird der Dienstleistungssektor größter Wirtschaftssektor (wächst 2015 um 12%). Er macht bereits über die Hälfte des BIP aus. Das zeigt, wie schnell der Strukturwandel in China vor sich geht. Die chinesischen Unternehmen sind besonders hoch verschuldet: 160% betragen die Schulden der Unternehmen, gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes (in der Euro-Zone 83%; in den USA 65 %). Besonders stark wächst China im Tourismus. 2018 sind es 150 Mio., 2030 sollen es schon 400 Mio. Touristen aus China im Ausland sein. Ein großer Teil reist in Gruppen. Es gibt aber auch Branchen, die wachsende Probleme haben. Dazu gehört die Solarindustrie. Dei Branche wurde über viele Jahre mit Subventionen aufgebläht. Als diese 2018 wegfielen, brach das Geschäft ein. Schlecht ist 2019 auch die Lage in der Chemieindustrie und der Kohleverarbeitung.  "Die Reichen brauchen keine Demokratie. Die Bauern und die einfachen Arbeiter brauchen sie, um ihre Interessen zu schützen", Wang Hui, Professor für Soziologie, Tsinghua-Uni, Peking (Die Zeit, Nr.30, 19.07.07, S. 37).

Der Privatisierungsprozess der staatseigenen Unternehmen wird weiter beschleunigt durch den Beitritt des Landes zur WTO. Die Definition von privaten Unternehmen und statistische Angaben dazu sind intransparent. Das hängt auch damit zusammen, dass es bei Volkseigentum ja logisch keine Privatisierung geben kann (Eigentumsrechte und Vermögensstruktur sind unklar). Man spricht von "gaizhi", was soviel wie Systemtransformation bedeutet. Auch das Ausmaß der Privatisierung hängt von der Definition ab (zum Beispiel Einfluss der KPC).  In einer Bachelor - Thesis wurden die Kriterien "Produktivität, Management, Beschäftigung, Lohnentwicklung und Ressourcen" benutzt, um die Wettbewerbsfähigkeit beurteilen zu können. die Wege der Privatisierung sind vielfältig: Sie reichen von Management Buy Out zu Joint Venture. 2016 will China seine Stahlproduktion drosseln. Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll die Stahlproduktion um 150 Mio. Tonnen gesenkt werden. Alte Werke werden geschlossen und keine neuen genehmigt. Hintergrund sind Überkapazitäten in China und weltweit. Trotzdem kann man in China noch von einem Staatskapitalismus sprechen (Anteil der Unternehmen, die staatlich kontrolliert werden, nach Schätzungen etwa 40%; Einfluss über Funktionäre der KPC und über Staatsbanken). Der "Wandel durch Handel " (Motto der deutschen Politik gegenüber China) stößt an Grenzen. 2016 steigen die Gewinne in der chinesischen Industrie deutlich (9,4%, Quelle: Statistikamt, Peking). Die SOE - Reform bzw. der Privatisierungsprozess hält an. Man schwankt zwischen Fusionen und  Mixed-Ownership. Dabei handelt es sich um eine Art Teilprivatisierung.  "Wir sollten die Unternehmen des Staates noch größer, besser und stärker machen", Staatschef und Parteichef Xi Jinping.

Dumping-Praktiken der Staatsunternehmen (SOE), die unter der Kontrolle der KPC stehen: Es dürfte sich 2018 noch um etwa 150.000 Unternehmen handeln (Zentralregierung, Provinzen, Kommunen). Sie erkämpfen sich Marktanteile im Inland und im Ausland über die Preispolitik. Die Konkurrenz aus Europa ist zunehmend hilflos. Das hängt auch damit zusammen, dass solche Praktiken ganz schwer nachzuweisen sind. Am wirkungsvollsten dürfte politisches Verhandeln und manchmal Druck auf die KPC sein. Die Staatsbetriebe werden zum Teil auch noch hoch subventioniert. Der schwelende Handelsstreit mit den USA schafft Unsicherheit. Die Staatsbetriebe haben 2018 noch etwa 30% der chinesischen Industrieproduktion. Sie beschäftigen rund 60 Millionen Menschen. Sie tragen 20% zum Steueraufkommen bei. Sie werden von der staatlichen Aufsichtsbehörde SASAC gesteuert. Es handelt sich um die State-Owned Assets Supervision and Administration Commission. Sie untersteht direkt dem Staatsrat. Die Organisation wurde 2003 gegründet. Chef ist seit 2006 Xiao Yaqing.

Sektoren und Wandel: Die Agrarwirtschaft machte verschiedene Transformationsprozesse durch: Zunächst wurden auf kommunaler Ebene landwirtschaftliche Familienbetriebe gegründet (1979 -1984). Dann wurden die Abgabequoten und staatlichen Produktionskontrollen abgeschafft (bis 1989). Ab 1990 wurden große Fortschritte in der Liberalisierung auf regionaler Ebene erzielt. Ab 1994 wächst die Produktivität rapide (Modernisierung, Verbesserung des Umweltschutzes, bessere Infrastruktur). Die Kohle- und Stahlindustrie soll ab 2016 massiv zurückgefahren werden. In den Staatskonzernen sollen in den nächsten Jahren 1,8 Mio. Stellen abgebaut werden. Das würde auch sehr gut für den weltweiten Klimaschutz sein. Die Industrie insgesamt benötigt eine technische Erneuerung. Damit hängen auch die geplanten Übernahmen von Technologiefirmen im Ausland (z. B. Kuka in Deutschland) zusammen.  Unterteilt manch die Branchen nach dem Anteil Not leidender Kredite so sieht die Reihenfolge wie folgt aus: Stahl, Zement, Kohle, Glas, Bergbau, Aluminium, Landwirtschaft (Stand 2015, Quelle: Banque de Luxembourg). Damit geraten auch die staatlichen Banken immer mehr unter Druck. 2015 wird das Programm "Made in China 2025" verabschiedet. Es soll der Volksrepublik eine führende Rolle in der Hochtechnologie bringen. Dabei sollen auch ausländische Technologieführer übernommen werden. Die deutsche Gesetze sind darauf nicht vorbereitet. Finanzierungs- und Subventionsstrategien der Investoren müssten offen gelegt werden. Die Wirtschaft wird weg von Investitionen hin zu mehr Konsum umgebaut. Hier spielen die Dienstleister eine wichtige Rolle. Der Service-Sektor wächst sehr schnell. Chinas Regierung will die das Land zur führenden Automobilmacht formen. Durch das Umstellen auf Elektroautos könnte das sogar gelingen. China wird nicht mehr lange die "Werkbank der Welt" sein. Inflationsbereinigt gleichen sich mittlerweile die Stundenlöhne in China und Europa an (Stundenlohn 2016: China 3,6 US-Dollar, Portugal 4,5 US-Dollar). Damit hat China klassische Schwellenländer überholt (Mexiko, Brasilien, Indien, Thailand). Unternehmen aus Niedriglohnsektoren ziehen sich schon zurück. Das frei verfügbare Einkommen der Chinesen hat sich erhöht (meist fast verdoppelt) und damit die Konsum- und Sparquote. China wird mehr für den Binnenmarkt herstellen. 2017 beläuft sich der Anteil des Dienstleistungssektors am BIP auf 52%. Auf den Konsum der privaten Haushalte entfallen 40%. Beide Daten zeigen, dass der Weg zur "neuen Normalität" noch weit ist. "Chinas offene Tür wird sich nicht wieder schließen", Xi Jinping, Staatschef, auf dem Nationalen Volkskongress im März 2017

Moderne Agrarindustrie: Um den Verlust an landwirtschaftlichen Ressourcen wettzumachen, entwickelt China eine moderne Agrarindustrie. Milliarden Euro werden in Wassersysteme, Saatgut, Roboter, Datenwirtschaft investiert. Dennoch reicht es nicht. Deshalb hat sich das Land Ackerland in Afrika, Süd- und Nordamerika gesichert. Vgl. Justin Jin: Der große Stadtplan, in: Die Zeit, Nr. 53, 2012.17, S. 21ff.

Wertschöpfung: In der Rangliste der Wertschöpfung klettert China immer weiter nach oben. Gary Gereffi, analysiert der globalen Wertschöpfungsketten und der Internationalisierung, schrieb schon 2014 von einem Systemwechsel (Vgl. Gary Gereffi: Global Value chains in a post-Washington consensus world, in: Review of International Political Economy, Heft 1, 2014). Aufgrund der geographischen Konsolidierung und neu entstandener Zentren der Wertschöpfung verschiebe sich die Balance zwischen internationalen Konzernen und einigen großen aufstrebenden Staaten. Als künftige Wachstumspole der Weltwirtschaft identifiziert er "eine zunehmende Anzahl aufsteigender Mächte, die sowohl über relativ stabile nationale Märkte, qualifizierte Arbeitskräfte und kompetente Hersteller verfügen als auch einen Drang zu eigenständiger Innovation entwickeln". "Chinas lenkende Industriepolitik und der Top-down-Ansatz in der Innovationspolitik haben den technologischen Aufholprozess bislang erfolgreich beschleunigt", Margot Schüller/ Zhou: Die neue Innovationssupermacht, Hamburger Giga-Institut.

Wettbewerbsrecht: Das chinesische Wettbewerbsrecht ist im Jahre 1993 entstanden (ChUWG). Wichtig ist der § 10 III: Er regelt den sachlichen Anwendungsbereich. Es geht um technische und betriebliche Informationen. Es darf nicht allgemein bekannt sein. Es muss ein wirtschaftlicher Nutzen bestehen. Es muss praktisch umsetzbar sein. Es müssen Geheimhaltungsmaßnahmen getroffen werden. Die Auslegung  ist in der Öffentlichkeit. Das OVG legt besonderes Augenmerk auf den wirtschaftlichen Wert. Ein Kartellrecht ist in China erst 2007 entstanden. 2016 will China die Spielregeln für die Autokonzerne für leichteren Marktzugang lockern. Es sind keine Zwangsbündnisse (Joint - Venture) mehr vorgesehen.  Begonnen wird mit den Produzenten von Elektronik und Batterien in den Freihandelszonen. Über eine Aufhebung in der gesamten Automobilbranche wird nachgedacht.

Volksbeisitzer: Am 27.04. 2017 trat ein neues Gesetz zur Praxis von Volksbeisitzern (Assessoren) in Kraft. Damit wird jeden Bürger, der über 28 Jahre alt ist und einen Hochschulabschluss hat, Assessor zu werden. Das Gesetz versucht, die Teilnahme am Rechtssystem zu fördern.

"Made in China 2025": Masterplan des Politbüros, um die heimische Wirtschaft innovativer zu machen (digitale Transformation). Man spricht auch von "China Dream". 300 Mrd. Dollar sollen in Schlüsseltechnologien wie Robotik, Umwelttechnik und Biochemie investiert werden (auch: Medizintechnik, Schienentransport, Luftfahrt, Hightech-Schiffe).  Allein 150 Mrd. Dollar sollen in die Erforschung künstlicher Intelligenz fließen.  Ausländische Firmen sind in China nur noch willkommen, wenn sie wichtige Technologien mitbringen. Die nicht-tarifären Handelshemmnisse für Ausländer häufen sich. Im Softwarebereich gibt es unterschiedliche Geschwindigkeiten. China ist längst kein "Level Playing Field" mehr. Zum Teil werden ausländische Mitbewerber aus dem Land gedrängt, vor allem über Steuerung von Ausschreibungen. Beispiel ist die Umwelttechnik. Nordex und Repower mussten so den Markt verlassen. Laut dem Plan sollen 70 Prozent aller wichtigen Werkstoffe und Kernkomponenten künftig in China produziert werden. Das Programm ist so etwas wie das Gegenprogramm zu "America First". Subventionen und Schutzmaßnahmen für chinesische Firmen sind ausdrücklich erlaubt.  Es gibt zunehmend mehr Meldungen, dass bei öffentlichen Aufträgen chinesische Unternehmen bevorzugt werden müssen (Krankenhäuser - Medizintechnik; Flugzeugbau - Comac). Im Jahr 2016 sanken die europäischen Investitionen in China um 23% auf 8 Mrd. €. Im gleichen Zeitraum kauften sich chinesische Firmen mit mehr als 35 Mrd. € in europäische High-Tech-Unternehmen ein. Das Großprojekt "Neue Seidenstraße" soll in den nächsten Jahren ab 2017 100 Mrd. € für Investitionen in Infrastrukturbauten verschlingen (bis 2030 Volumen von 26 Billionen €, Quelle: ADB). 2025 ist allerdings nur ein Zwischenziel. Offiziell geht es um das Jahr 2049, den 100-jährigen Geburtstag der Volksrepublik. Bis dahin will China die "führende Industrie-Supermacht" sein. Man spricht auch von Froschtechnik: Man hüpft immer eine Stufe weiter. Beispiel sind die Digitalisierung und die Elektromobilität. Wagemutige Entrepreneure  sind dabei gefragt. Fragwürdig ist dabei, dass Unternehmen im Reich der Mitte bei der künstlichen Intelligenz zum Datensammeln verpflichtet werden.

Elektromobilität: Subventionen und Quoten sind die radikalen Instrumente der Industriepolitik, um die Zukunft Richtung Elektro-Mobilität lenken. 2018 sollen eine Mio. E-Autos in China verkauft werden (2017 waren es fast 400.000). VW reagiert und will bis 2025 40 Elektromodelle bringen. BMW verhandelt mit Great Wall über die Produktion von E-Minis. Daimler produziert ab 2019 E-Mobile in Peking. Chinesische Firmen beherrschen die Batterietechnik, von den Rohstoffen über die Zellfertigung bis zum Energiemanagement (komplette Wertschöpfung). Kaufprämien werden bis 2020 zurückgefahren zugunsten von Subventionen der Hersteller.  Mehr als 200 Firmen beschäftigen sich in China mit Elektroautos. Führend ist BAIC EC-Serie vor JAC und BYD Qin. Vgl. Handelsblatt 12./13.14. Januar 2018, S. 6-7.

Datenspeicherung/ IT/ Digitale Ökonomie: Firmen müssen ihre Daten künftig im Land speichern. Wer das nicht tut, dem drohen Sanktionen. Im Moment ist noch nicht abzusehen, was das Gesetz von 2017 genau bedeutet. Die Verschlüsselung soll auch "Made in China" sein. Das Gesetz ist sehr brisant, weil es der chinesischen Regierung einen Zugang zu Daten westlicher Unternehmen verschafft. Die Internetbehörde CAC will allerdings Übergangsfristen anbieten.

Die großen Internet-Unternehmen in China holen immer mehr gegenüber den US-Konkurrenten auf (auch beim Aktienwert). Dabei hilft ihnen, dass US-Wettbewerber in China kaum Chancen haben. Baidu steht gegen Google, Alibaba gegen Amazon, Tencent gegen Facebook, Huawei gegen Apple. Der riesige Heimatmarkt hilft ihnen, rapide zu wachsen.

2017 plant die KPC eine totale Überwachung: Mit einem gigantischen Punktesystem wollen wollen Chinas Kommunisten jeden einzelnen Bürger zu tugendhafter Folgsamkeit zwingen. Regierungskritiker werden bestraft. Man spricht von einem "Sozialkreditpunktesystem". Ein Versuch läuft bereits in der Verwaltungszone Xiongan nahe Peking (soll Peking in Zukunft entlasten). Zum Beispiel bringt allein leben in großer Wohnung  Minuspunkte. Familie in kleiner Wohnung gibt Pluspunkte. Wer mit einem großen Auto zur Arbeit fährt bekommt Minuspunkte. Das "Soziale Bonitätssystem" soll ab 2020 eingeführt werden. Gleichzeitig will man eine zentrale Datenbank errichten (Big Data). Derzeit gibt es wohl 40 unterschiedliche Experimente dazu, auch Apps. Es ist noch unklar, was am Ende rauskommt. Vgl. FAZ 22.11.2017, S. 15. Ideologisch könnte man argumentieren, dass der Maoismus wieder auf dem Vormarsch ist. 2019 kommt eine neue App. Mit ihr will die KPC ihre Bürger auf Linie bringen. Sie enthält Reden, Schriften und Ermahnungen des Parteichefs Xi Jinping. Wer den Text mindestens vier Minuten lang liest, bekommt einen Pluspunkt. Millionen Menschen haben die App bereits herunter geladen. Für KP-Mitglieder ist das sogar verpflichtend.

China schottet ab 2018 auch den Zugang zum Internet weiter ab. VPN-Tunnelzugänge werden verboten (verschlüsselte Punkt-zu-Punkt Kommunikation). Mit denen konnte eine Zensur bisher umgangen werden. Apple hat nachgegeben und überträgt sämtliche Cloud-Daten an einen lokalen Dienstleister (GCBI). VPN wird in China aus dem App-Store genommen. Amazon hatte schon 2017 seine Cloud-Daten an einen lokalen Dienstleister übertragen. Zugänge zu ausländischen Social Media werden weiter eingeschränkt: Facebook, Twitter, Google. Eine der berühmtesten Society - Bloggerin in China war Ma Ling. Sie schrieb über Gier, Sex und Neid. Im März 2019 wurden alle Accounts auf Anweisung der Regierung gelöscht. Zu Fall brachte sie ein Post übe reinen krebskranken Mann. An der Geschichte war zu viel erfunden und sie war zu negativ. Ma Ling hatte 200 Mio. Follower auf Weibo.

2018 schränkt die Regierung auch den Zugang für Ausländer ein. Dienstleister blockieren schon lange den Zugang vor Großereignissen auf Anweisung der Regierung. Manchmal nehmen die Behörden die Blockade nicht zurück. Viele Organisationen nutzen ein offiziell genehmigtes VPN. Das soll es aber zukünftig nicht mehr geben. Auch firmeneigene VPN von ausländischen Firmen, die Server im Heimatland nutzen, sollen nicht mehr toleriert werden. Das hat enorme Auswirkungen auf ausländische Unternehmen in China. Auch Diplomaten könnten betroffen sein. Vgl. Friederike Böge: China duldet keine Grauzone mehr, in: FAZ, Dienstag, den 23.01.18. Der Künstler Deng Yufeng zahlt 2018 650€ für persönliche Daten aus dem Netz  in der Stadt Wuhan (346.000 Einw.). Die Daten hat er in einem Museum auf die Leinwand projiziert. Chinesen sollten auf ihre Privatsphäre achten. Nach zwei Tagen schloss die Polizei die Ausstellung.

Resümee:  China hatte in den vergangenen Jahrzehnten vor allem zwei Wettbewerbsvorteile: kaum Arbeitsschutz- und Umweltschutzbestimmungen, ein riesiges Heer von Arbeitskräften, die bereit waren, zu Dumping-Löhnen zu arbeiten. Hinzu kamen immer billigere Transporte und die Überwindung von Raum durch das Internet. Daraus haben sich für das Land zwei ungelöste Probleme ergeben: die Exporte sind so hoch, dass sie von wichtigen Importländern nicht mehr akzeptiert werden (USA) und die Ungleichheit beim Vermögen im Inneren führt zu großer Unzufriedenheit. Folglich setzt man auf weniger Exporte und Stärkung der Binnenwirtschaft, was aber mehr Abschottung mit sich bringt. Trotzdem können zentrale damit verbundene Probleme noch nicht als gelöst gelten: Die Entwurzelung von Millionen von Menschen und Familien, die verheerende Umweltverschmutzung und die Überschuldung chinesischer Unternehmen.

KMU und Mittelstandspolitik: Hauptabteilung für mittelständische Unternehmen in der staatlichen Wirtschaftskommission, Steuervergünstigungen, Unternehmungsgründungsdarlehen. Örtliche Funktionäre beschlagnahmen allerdings auch Bodenflächen für neue Industriezonen ("Raub von Ackerland").  Chinesische Firmen haben seit 2003 acht deutsche mittelständische Unternehmen, die insolvent waren, aufgekauft. Es handelt sich fast ausschließlich um Maschinenbauunternehmen. Im Zuge der Unternehmensteuerreform 2007 kommt es zu Erleichterungen für Kleinunternehmen. Der Ertragsteuersatz soll maximal 20% betragen. Nach Schätzungen gibt es ca. 39 Mio. kleine und mittlere Unternehmen als  Privatunternehmen. (90% der Firmen). Die Zahl soll sich in den nächsten Jahren auf 60 Mio. erhöhen. Viele von ihnen stehen vor einem Wechsel von der ersten auf die zweite Generation. Vier Faktoren machen die Nachfolge schwierig: die Ein-Kind-Politik, geringere Bedeutung der Töchter, keine Erfahrung, Fremdmanager unerwünscht. Mittlerweile sind die KMU zum Rückgrad der chinesischen Wirtschaft geworden (2005: 518 Mrd. € an Exporten, vor allem, weil die Binnenwirtschaft noch schwach ist). Der Boom der KMU geht zum großen Teil auch auf Umstrukturierungen und Liquidation von Staatsunternehmen zurück. Familienunternehmen ("Family Business Networks") sind sehr erfolgreich, die Staatsunternehmen oft ineffizient und schwerfällig. Facharbeiter mit grundlegendem technischen Verständnis zu finden, ist in China für KMU ganz schwierig. Dies ist einer der Hauptgründe für die Qualitätsprobleme. 2008 haben die KMU in China erhebliche Probleme. Allein im Perlflussdelta mussten 08 schon 67.000 Firmen dicht machen. Eine Senkung der Mehrwertsteuer und spezielle Kreditprogramme sollen helfen. KMU sind in China in der Regel gegenüber den staatlichen Großunternehmen benachteiligt, weil diese in Form niedriger Immobilien- und Energiepreise subventioniert werden. Chinas Staatsbanken benachteiligen sie bei der Kreditvergabe. In Chinas KMU findet praktisch kaum Forschung statt, weil kleine, innovative Firmen kaum Fremdkapital bekommen. Anfang Juli 2015 stürzt wieder mal eine Fabrik ein: eine Schuhfabrik. 33 Menschen werden verletzt. Einstürze und andere Industrieunglücke sind keine Seltenheit. Die Einrichtungen sind veraltet und haben laxe Sicherheitsstandards.  Die Zitrusfrucht stammt aus dem Fernen Osten. Dort wurden schon seit mehr als 4000 Jahre Zitronatzitronen gezüchtet. Sowohl  in der chinesischen Provinz Yunnan als auch im Nordosten Indiens, in Myanmar und Malaysia. Durch die Feldzüge Alexander des Großen kam die Frucht zuerst nach Persien und von dort ans Mittelmeer. Orangen entstanden erst später als Kreuzung aus Pampelmuse, Mandarine und Zitronatzitrone. Sie sind leicht zu züchten, weil sie von Insekten bestäubt werden können, aber nicht müssen. Der Anbau erfolgt in kleineren landwirtschaftlichen Betrieben. Die KMU der Landwirtschaft prägten viele Jahrhunderte das Bild.

2012 erschwert die Konjunkturabkühlung die Kreditversorgung für KMU. Der Staat will das Bankenmonopol knacken. Vorreiter ist die Mittelstandshochburg Wenzhou. Private Geldhäuser sollen mehr Geschäftsmöglichkeiten bekommen. Durch die Erhöhung der Differenz zwischen Soll- und Habenzinsen auf 10 Prozent können Mittelständler Kredite zu besseren Konditionen bekommen. In Wenzhou leiden die KMU - wie auch in anderen Provinzen - daran, dass vor allem der Staat und die Großunternehmen günstige Zinsen abgreifen und die KMU überteuerte Konditionen haben. Generell sind die Investitionen oft schuldenfinanziert. Sehr stark verschärft hat sich der Kampf um einheimische Fachkräfte und Talente. Deutsche KMU müssen vor Ort immer höhere Gehälter zahlen und Zusatzanreize bieten. 2014 plant Hongkong (Sonderverwaltungszone) ein Tabu zu brechen: In Zukunft sollen ausländische Start-ups mit Fördermitteln angelockt werden. Im Süden Chinas wachsen elf Millionenstädte zu einer Mega-Metropole zusammen. Ende des Jahrzehnts sollen im Perlflussdelta knapp 60 Mio. Menschen leben. In den Aufbau der Infrastruktur investiert der Staat etwa 200 Mrd. €."Es ist für unsere Banken zu einfach, Gewinne zu machen", Wen Jiabao (früherer Premierminister).

Chinas Maschinenbaufirmen werden immer besser. Sie beteiligen sich auch immer mehr an Firmen in den USA und Europa. Hierunter sind auch viele kleine Unternehmen. Im Ranking sind 1134 Unternehmen aufgelistet. Der Aufbau läuft seit den Achtzigerjahren. Die Firmen konnten in der Weltwirtschaftskrise wachsen. Auch Firmen anderer Branchen gehen in Deutschland auf Shoppingtour. Sie wollen einerseits damit Kompetenzdefizite (Innovation, Qualität), vor allem im Zuliefererbereich, schließen. Anderseits sollen so die Auslandsinvestitionen diversifiziert werden, um die Abhängigkeit von US-Staatsanleihen zu verringern. Über die Anzahl chinesischer Beteiligungen in Deutschland gibt es nur Schätzungen. Sie schwanken zwischen 100 und 1800. Die Ungewissheit ergibt sich dadurch, dass viele chinesische Kleinstunternehmen (weniger als 10 Mitarbeiter, Investitionen unter 50.000€) tätig sind, bei denen es Erfassungsprobleme gibt. Es handelt sich oft um Tochterunternehmen, die von Handelsvertretern betreut werden.

Mittlerweile nähert sich die Exportstruktur von Deutschland und China immer mehr an. Die KMU werden auch in China immer mehr zum Rückgrat der Wirtschaft. Es fehlt allerdings häufig an Marken, Technik und professionellem Management. Roboter und Maschinen übernehmen immer mehr Jobs. 2013 bedroht eine Kredit-Spirale die KMU. Immer mehr Unternehmen sind überschuldet (sie werden durch frische Kredite künstlich am Leben gehalten). Mitte November tagt in Peking das "Dritte Plenum des 18. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei" (376 mächtigsten Männer und Frauen Chinas). Es sollen umfassende Reformen beschlossen werden. In den letzten Jahren war die Wirtschaftspolitik zu stark auf Großunternehmen und den Export ausgerichtet. Die Umwelt leidet, gigantische Überkapazitäten wurden aufgebaut. Dies ist auch auf die lokalen Kader zurückzuführen, die die vollständige Kontrolle über Unternehmen und Investitionen behalten wollen. 2014 geht aus europäischer Sicht der Boom für europäische Unternehmen in China zurück (Europäische Handelskammer). Aus deutscher Sicht gewinnt China trotz schlechterer Konjunktur weiterhin an Bedeutung wegen der Absatzmöglichkeiten: Hemmend sind die rapide steigenden Kosten, insbesondere Arbeitskosten, und das fehlende Fachpersonal. Auch die Internetverbindungen sind unzureichend. Die Energiekosten sind zu hoch.  "Wenn ihr uns eure Technologie nicht geben wollt, dann lasst es bleiben. Dann bekommt eben der Nächste den Auftrag", Cai Weici, Vizepräsident des chinesischen Maschinenbauverbandes, auf dem Hamburger Wirtschaftstreffen "China meets Europe" im Sept. 2006.

Familienunternehmen kommen in China auch 2015 noch schwierig an Geld. Sie werden von der Regierung wohl absichtlich eher klein gehalten. Wer zu schnell wächst und zu groß wird, wird von den lokalen Parteifunktionären misstrauisch beäugt. Vor allem werden die KMU bei der Finanzierung benachteiligt. Es gibt keine Banken, die auf diese Finanzierung spezialisiert sind. Die KMU leiden auch zunehmend am Facharbeitermangel. Billige Arbeiter gibt es in anderen Ländern mittlerweile genug. Fehlende Qualität und Effizienz sind immer noch herausragende Merkmale (Mattheis, Philipp: Mittelstand in China, in:  Wirtschaftswoche 24/ 05.06.2015, S. 52ff.).  Die Stadt Yiwu ist der größte Weihnachtsmarkt der Welt. Hier gibt es 400 Fabriken, die ausschließlich Weihnachtsschmuck produzieren. 60% der weltweit nachgefragten Weihnachtsdekorationen kommen aus Yiwu.

2008 gab es 8 Übernahmen mittelständischer Unternehmen in Deutschland. 2014 waren es schon 22 (Quelle: DBResearch). Im Jahre 2000 lag der Investitionsbestand in Deutschland bei 1400 Mio. € (Quelle: Deutsche Bundesbank). 2015 kauften Chinesen 36 deutsche Firmen (EY). Im Ranking ausländischer Investoren in Deutschland kletterte China auf den fünften Rang. 2015 übernimmt China Rang eines bei ausländischen Direktinvestoren vor den USA und der Schweiz. Deutschland liegt auf dem ersten Rang in Europa bei der Übernahme von KMU. Es folgen Großbritannien, Frankreich und Italien. Bei den Übernahmen gibt es noch eine Ungerechtigkeit: Chinesische Unternehmen haben bei Übernahmen in Deutschland keine Hindernisse; umgekehrt gibt es eine Beteiligungsobergrenze. 2016 wird Kuka übernommen; bei Osram soll das gleiche passieren. Interesse besteht auch an Vossloh. Die Übernahme des deutschen Chipherstellers Aixtron wird Ende 2016 von den USA gestoppt, weil die Firma ein Tochterunternehmen in den USA hat. Im Juni 2017 übernimmt die chinesische Investmentgesellschaft Creat Biotest aus Hessen (Plasmaproteine). Das weltweite Volumen der Übernahmen mit chinesischer Beteiligung erreicht 2016 einen Rekordwert von 189,1 Mrd. € nach 94 Mrd. € 2014 (Quelle: Dealogic). Etwa 5200 Unternehmen aus Deutschland sind 2015 in China tätig. Die Auslandsinvestitionen betrugen 2016 2,5 Mrd. US-$.  (Quelle Handelsblatt Mo. 28.11.16, S. 22). Doch deutsche Unternehmen halten sich zunehmend in China zurück. Ende 2016 scheint die chinesische Regierung die Einkaufstour der heimischen Unternehmen zu stoppen. Große Auslandsinvestitionen sollen erst mal verboten werden. Trotzdem legen chinesische Investoren 2017 13,7 Mrd. Dollar (11,1 Mrd. €) in deutschen Firmen an, so viel wie noch nie vorher. Die Anzahl der Firmenübernahmen ging zurück (54 gegenüber 2016 68). Einflussfaktor: chinesische Aufsichtsbehörden, deshalb die meisten Investitionen aus Hongkong. 2018 untersagt das BMWi die Übernahme von Leifeld Metal Spining GmbH, Ahlen durch einen chinesischen Investor. "Wie ein Hai müssen wir uns vorwärts bewegen oder sterben. wie eine Blume müssen wir blühen oder welken", Mao (das Aufkaufen wird oft so begründet).

Steuerung des technologischen Wandels: Private Unternehmer gibt es offiziell erst ab 1988. Heute sollen sie schon 60 Prozent des BIP erwirtschaften. Massiv wird Geld eingesetzt. Es gibt mittlerweile millionenschwere Programme für Gründungen. Der größte staatliche Risikokapital-Fonds hat ein Volumen von 25 Milliarden $. 2016 hat China 236 Milliarden Dollar in Forschung investiert. Überkapazitäten sind immer noch ein großes Problem. Sie behindern den Innovationschub.

Direktinvestitionen chinesischer KMU: Vor Jahren noch undenkbar. Die Produktionskosten in China steigen, inkl. der Löhne. Hinzu kommt der Handelsstreit. Also erwägen KMU in Europa Länder wie Bulgarien oder Rumänien.

"In den nächsten Jahren werden chinesische Firmen viel internationaler agieren, neue Märkte erschließen, Unternehmen kaufen. Das stellt eine enorme Bedrohung für viele etablierte Firmen in diversen Brachen dar", Edwad Tse, Unternehmensberater (zitiert nach Hirn, Chinas Bosse, Frankfurt/ New York 2018, S. 13).

Internationalisierung chinesischer Firmen und ihre Direktinvestitionen im Ausland: Der chinesische Staatsfonds will 66 Mrd. $ im Ausland investieren. Zuerst wurden 3 Mrd. $ in eine Beteiligung bei Blackstone investiert. Zunehmend investieren chinesische Unternehmen im Ausland. Seit Mitte 2010 betriebt der Logistikkonzern Cosco das größte Containerterminal im Hafen von Piräus. Dieses soll noch weiter ausgebaut werden. Weitere Kooperationen mit Griechenland sind geplant (Tourismus, Olivenöl-Lieferungen). Immer erfolgreicher sind chinesische Baukonzerne im Ausland. 2010 gewinnt Covec eine Ausschreibung in Polen. Die Bank of China baut ihre Europazentrale neben die britische Notenbank. In Rumänien wird vor allem in Landwirtschaft und Bergbau investiert.  2012 investiert der chinesische Baumaschinenhersteller Shandong Heavy Industry 400 Mio. € in die italienische Feretti-Werft (Mehrheit, Luxusyachten). Ca. ein Dutzend chinesische Industriebetriebe haben viele Arbeitsplätze im US-Bundesstaat South Carolina geschaffen. 2011 kaufte Geely Volvo. "Zou chu qu!" - "Schwärmt aus!" war 1996 die Devise der Regierung. Damit wurde "Going Global" zum Leitmotiv chinesischer Firmen. Staatskonzerne machten den Anfang, private Unternehmen folgten.

Strategie bei den Direktinvestitionen: Das Münchener Ifo-Institut hat die Direktinvestitionen empirisch analysiert (2019). Sie untersuchten mehr als 70.000 Firmenkäufe in 92 Ländern von 2002 bis 2018.  Bei 1900 Übernahmen kamen die Käufer aus China. In 171 Fällen wurden deutsche Unternehmen übernommen. Die chinesischen Investoren werden nicht per se mit Staatsgeldern unterstützt. So können sie auch nicht jeden Wettbewerber überbieten. Sie konzentrieren sich auf Firmen, die sie billig kaufen können (geringe Rentabilität, die Verschuldungsquote liegt mit 6,5% über dem Durchschnitt). Die durchschnittliche Profitabilität der Zielunternehmen war gering. Die Größe lag meist über dem Durchschnitt. Es werden von Seiten der chinesischen  Staatsunternehmen Unternehmen aus der Rohstoffgewinnungs- und der Agrarbranche bevorzugt. Private Unternehmen aus China präferieren Elektro-, Maschinenbau- und Fahrzeugindustriefirmen. Damit scheint China einen langfristigen Plan zu haben, der zum "Neuen Seidenstraßenprojekt" und zu "Made in China 2025"  passt.

Mittlerweile sind 2010 ca. 800 chinesische Unternehmen mit Direktinvestitionen in Deutschland aktiv (z. B. Beteiligungen bei Waldrich Coburg und Rossmann, Übernahme von Dürkopp Adler 2005 durch SGSB, 2004 die Schiess AG von Shenyang Machine Tool Group). Aufsehen erregt auch die Übernahme von Medion (Aldi-Computerlieferant) durch Lenovo im Sommer 2011. Der Konstanzer Solarzellenhersteller Sunways kommt auch in chinesische Hände (LDK). 2011 werden noch übernommen Humboldt Weda (Zementanlagenbau)  von Avic International und Preh (Autoelektronik) von Ningbo Joyson sowie Saargummi von Chongqing Light Industry. Anfang 2012 übernimmt der Sany-Konzern den deutschen Pumpenhersteller Putzmeister (500 Mio. €?). Man holt einen international erfahrenen Private Equity Investor mit ins Boot (Citic Private Equity, Hongkong). Auch der zweitgrößte deutsche Beton-Pumpenhersteller Schwing wird 2012 vom chinesischen Konzern XCMG übernommen. Weiterhin werden 2012 gekauft Kiekert (Schließsysteme) von Lingyun, Drossbach (Maschinenbau) von Dalian Sunlight Maschinery, und Solibro (Solar) von Hanergy. Chint hat Astronery/ Frankfurt/ Oder übernommen. Direktinvestitionen in energetische und mineralische Rohstoffe werden bevorzugt in Südostasien, Südamerika und Afrika ( 29 Länder in Afrika) getätigt. 2012 wird das erste chinesische Automobilwerk in Europa eröffnet: Great Wall, Geländewagenbauer, im Norden Bulgariens. 2012 verhandelt der Baumaschinenkonzern Shandong Heavy Industry über den Einstieg bei Kion (Gabelstapler Linde und Still, Kapitalerhöhung um 25%). Wenchai Power sichert sich Ende 2012 weitere 3,3% (hält schon 25%). Ein anderer chinesischer Investor will den Werkzeugmaschinenhersteller MAG übernehmen (Shenyan Machine Tool). Man möchte von der deutschen Qualitätskultur profitieren. Ende 2012 wird der mittelständische deutsche Haushaltsgerätezulieferer Aweco vom chinesischen Mischkonzern Zhejiang Sanhua übernommen. Im November 2013 wird der schwäbische Feuerwehrautohersteller Ziegler von CIMC aus Shenzhen übernommen. 2015 übernimmt Xiamen Comfort Service Medisana in Neuss (Medizinprodukte). 2016 übernimmt ChemChina Kraus Maffei in München (von einem kanadischen Unternehmen). Unklar bleibt 2017, was die Chinesen mit dem Unternehmen vorhaben. Auch 2016 übernimmt die Shanghai Electric Group 20% am Maschinenbauer Merz aus Much. 2016 übernimmt Midea aus China die Mehrheit an Kuka (Augsburg, Fertigungsroboter, 4,5 Mrd. €). Daimler bekommt 2018 einen chinesischen Großaktionär (Geely 9,69%). Beijing Automotive Industry Corporation Holding; seit 19888; öffentliches Unternehmen; hat zusammen mit Daimler die Tochter Beijing Benz Automotive; Daimler will 2018 1,5 Mrd. € investieren). Im März 2018 übernimmt der chinesische Möbelhersteller Jason Furniture den deutschen Luxus-Möbelhersteller Rolf Benz in Nagold. Der Küchenmöbelhersteller Siematic geht an die Nison-Gruppe. Im Juni 2018 übernimmt der Großaktionär Ningbo Jifeng den bayrischen Autozulieferer Grammer (Sitze, Innenausstattung; 74%; größten Teil von Hastor übernommen). 2018 untersagt das BMWi die Übernahme von Leifeld Metal Spining durch einen chinesischen Investor (Leifeld ist Markführer bei Materialien für Luft- und Raumfahrt). Die Bundesregierung kann auch den chinesischen Einstieg (SGCC) in die deutsche Stromversorgung abwehren. Der Bund steigt mit der KfW bei 50Hertz ein. Die meisten chinesischen Unternehmen in Deutschland hat 2012  das Bundesland NRW (240 mit 2600 Beschäftigten) vor Hessen mit 140. RLP hat nur 15 chinesische Unternehmen. Deutschland hat Großbritannien als Hauptzielland in der EU mittlerweile abgelöst. 2016 und 2017 sind die Direktinvestitionen enorm gestiegen (16 Mrd. Dollar). 2018 sinkt das Interesse chinesischer Firmen aber wieder erheblich: es gab nur 34 Übernahmen oder Beteiligungen durch Unternehmen aus China in Deutschland. Das ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Aber Deutschland liegt als Zielland in der EU klar an der Spitze (2018: 10,68 Mrd. US-Dollar Transaktionsvolumen vor Finnland, Italien und Frankreich). 2019 will der chinesische Druckmaschinenbauer Masterwork Group Ltd., seit 2014 Vertriebspartner, größter Aktionär bei dem Konzern Heidelberger Druck werden. Masterwork zahlt 69 Mio. €. Im März 2019 kauft die chinesische Firma Fuyao Glass Group, Fuqing, den deutschen Autozulieferer SAM aus Bolinenkirch/ Göpping (hatte 2018 Insolvenz angemeldet).  Die KfW macht 2018 eine Untersuchung über ausländischen Direktinvestitionen beim deutschen Mittelstand (weniger als 500 Mio. Umsatz im Jahr). 2017 wurden danach 1100 mittelständische Unternehmen aufgekauft oder mit einer anderen Firma fusioniert. Davon ging fast jede zweite an einen ausländischen Investor (51%). Seit 2010 drängen zunehmend chinesische Investoren auf den deutschen Markt (2016 Anteil von 5,9%; 2017 4,2%). Von 2005 bis 2017 macht der Anteil chinesischer Käufer 2,2% aus. 8,3% kamen aus den USA (Finanzinvestoren). "China ist ein strategischer Partner, aber auch strategischer Wettbewerber, mit dem wir in einem Systemwettbewerb stehen", Kanzlerin Angela Merkel 2019.

In Europa investieren chinesische Firmen extensiv: ChemChina ist an Pirelli Reifen/ Italien  beteiligt. Die gleiche Firma hält den höchsten Anteil an Sygenta/ Schweiz. Geely hat Volvo in Schweden übernommen für 1,3 Mrd. Beijing Enterprise ist bei EEW Energy/ Italien dabei. CRI und CCCC haben in die Bahnstrecke Belgrad-Budapest investiert. In der Schweiz übernahmen die Chinesen noch Swissmetal und Swissport und die Versicherungsgesellschaft Basler.  In Finnland übernahm Tencent den Online-Spiele-Hersteller Supercell. In Irland wurde der Flugzeugverleiher Avolon übernommen. In Portugal ging die Banco Espiritu Santo an Chinesen. In der Türkei wurden Marmorsteinbrüche und Kohlezechen gekauft. Fosun übernahm einen 5%-Anteil an Thomas Cook, dem ältesten Reisebüro der Welt.  Investiert wird in Europa nicht mehr nur in die Industrie. Chinesische Investoren kaufen z. B. reihenweise Weingüter rund um Bordeaux auf. 2013 sind schon 58 in chinesischer Hand. Im Herbst 2013 steigt der chinesische Staatsfonds CIC über eine Tochter mit 12,5% bei der russischen Firma Ural-Kali ein. Die Verteilung der Chinesischen Direktinvestitionen (2013) zeigt folgende Struktur: An der Spitze liegen die USA mit 16,9%. Dann folgen Europa mit 15,8% und Asean (11,6%). Dahinter liegen Japan (6,4%) und Südkorea (4,3%). Indien (2,3%), Russland (2,3%)  und Taiwan (2,0%) liegen weit hinten. Diese Struktur ändert sich 2015: In diesem Jahr haben chinesische Investoren 23 Mrd. Dollar in Europa investiert (Rekord und Spitze). Die höchsten Investitionen gab es in Italien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland. Am wichtigsten waren der Automobilsektor und die Immobilienbranche. 2016 haben die Chinesen für 111 Mrd. $ in Europa hinzugekauft. In den USA und Kanada betrugen die chinesischen Investitionen 17 Mrd. Dollar. Insgesamt liegen diese Länder mit 108 Mrd. Dollar noch vor Europa (97 Mrd. Dollar), was den Stand angeht (Quelle: Bericht der Kanzlei Baker & McKenzie). 2016 nach der Brexit - Entscheidung gehen die chinesischen Investitionen in Großbritannien zurück (das zeigt sich auf dem "Sommer - Davos" in Tianjin, Hafenstadt nahe Peking). Die ausländischen Direktinvestitionen in China sind 2016 leicht gestiegen (108 Mrd. Euro). Ende 2016 teilt die staatliche Planungskommission (NDRC) mit, dass wichtige Teile des Dienstleistungssektors in China für ausländische Investoren geöffnet werden sollen. Dazu zählen Banken, Versicherer sowie Wertpapierhandel (auch Terminkontrakte). Zwischen 2000 und 2016 haben chinesische Firmen die höchsten Direktinvestitionen in Großbritannien und Deutschland getätigt (über 13 Mrd. Euro). Dann kommen Frankreich und Italien (7 bis 13 Mrd. Euro; Quelle: Rhodium Group). Insgesamt hat China mit seinen Auslandsdirektinvestitionen  zwischen 1985 und 2016 einen Anteil von 11 Prozent an allen Direktinvestitionen. (Quelle: PRC Ministry of Commerce, Unctad). 2016 steigen Chinas Auslandsinvestitionen auf 189 Milliarden Dollar, das sind 40% mehr als im Vorjahr. In der EU beträgt die Steigerung sogar 77% (Quelle: Mercator Institut für Chinastudie (Merics). Die DI betragen 35,9 Mrd. €. 2017 liegen die DI Chinas in Europa bei 29,7 Mrd. €.  Außerdem legen chinesische Investoren 2017 13,7 Mrd. Dollar (11,1 Mrd. €) in deutschen Firmen an, so viel wie noch nie vorher. Die Anzahl der Firmenübernahmen ging zurück (54 gegenüber 2016 68). Einflussfaktor: chinesische Aufsichtsbehörden, deshalb die meisten Investitionen aus Hongkong.  In der EU gibt es die Angst, dass China die EU spalten könnte (großer Einfluss in Ost- und Südeuropa). 2018 kommen die chinesischen Investitionen etwas ins Stocken. Die europäischen Verkäufer verlangen hohe Garantien. China hat höhere Auflagen für den Kapitalabfluss ins Ausland. 2018 sank der Wert chinesischer Firmenkäufe in Europa auf 31 Mrd. Dollar, fast die Hälfte weniger als 2017 (Quelle: EY). 2018 sind chinesische Banken daran interessiert, die Nord/LB in Teilen zu übernehmen (ICBC, Bank of China). In Europa sind chinesische Unternehmen am meisten an der Industrie interessiert, vor Konsumgüter und Dienstleistungen, hohe Technologie, Materialien, Finanzunternehmen und Energie bzw. Kraft. Quelle: Ernest & Young: Yi Sun, Chinesische Unternehmenskäufe in Europa. Eine Analyse von M&A Deals 2006-2018, Februar 2019.

Welt: In Australien investieren die Chinesen vor allem in Bodenschätze. In den USA konnten auch einige Firmen gekauft werden. Lenovo/ Legend Holdings  übernahm die PC-Sparte von IBM. Die Firma kaufte auch Motorola Mobility. Mit dem Erwerb von Fidelity und Guarantee Life konnten die Chinesen in den Versicherungssektor vordringen. Wanda übernahm das Studio Legendary Entertainment in Hollywood. Anbang übernahm das Traditionshotel Waldorf Astoria in New York.

Gewerkschaften: Insgesamt sind die Erfahrungen mit chinesischen Übernahmen eher positiv was die Erhaltung der Arbeitsplätze angeht. Das gilt zumindest im Vergleich zu angelsächsischen Übernahmen. In jüngster Zeit häufen sich Konflikte mit den Gewerkschaften. die chinesischen Unternehmen kennen nicht das deutsche Modell.

ICCN GmbH, Hoppstädten-Weiersbach/ bei Birkenfeld (International Commercial Center Neubrücke; seit 2012; über 700 Chinesen in dem Dorf, Oak Garden; 265 chinesische Unternehmer 2018; Kooperation mit HS Birkenfeld). Das ist so etwas wie das Zentrum Chinas in RLP. Es besteht Entwicklungspotential im Zusammenhang mit Medizintourismus und Marx-/Engels-Tourismus. In der Nähe ist der Flughafen Hahn, bei dem HNA aus China der Eigentümer ist. Eine Geschäftsfrau aus Shenzen will den Ort sogar zum "Headquarter der Weltfabrik" machen. Die Chinesen könnten eventuell den besonders starken Bevölkerungsrückgang in der Region ausgleichen.

Fosun: Wurde wie viele erfolgreiche Unternehmen 1992 gegründet. Man spricht in China auch von der 92er-Gang. In dem Jahr setzte wieder ein Aufbruch ein nach den Demos auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1990. Gründer war Guo Guangchang (1967 in der Kulturrevolution geboren, an der Fudan studiert). Von der Organisation handelt es sich um ein Konglomerat. Fosun hält eine große Zahl an Beteiligungen an westlichen Unternehmen. Chinesische Beteiligungsgesellschaft (sehr stark expansiv im Ausland ab 2010; will 2015 die Kontrolle bei BHF Kleinwort Benson; Beteiligungen in den Bereichen Tourismus, Gesundheit, Mode, Banken; hoch verschuldet über Anleihen und Kredite chinesischer Staatsbanken). Hält Beteiligungen an Tom Taylor , dem Fußballclub Wolverhampton Wanderes, an Club-Med, an Cirque des Soleil/ Kanada, Caixa Seguros/ Portugal. 2019 will Fosun die Modekette Tom Tailor durch Übernahme retten. Guo Guangchang wird als Warren Buffet Chinas bezeichnet.

HNA, Wanda, Anbang: Das sind die Namen der Firmen, die am meisten im Ausland kaufen (zusammen mit Fosun "Viererbande" genannt). HNA hält Beteiligungen an der Deutschen Bank und am Flughafen Hahn. Chef von HNA ist Chen Feng. Er hat beste Verbindungen in die Parteispitze und ist gläubiger Buddhist. Wanda ist an US-Filmgesellschaften beteiligt. Die Firmen scheinen sich dabei übernommen zu haben. Sie werden zum Teil unter staatliche Kontrolle (KPC) gestellt. Es sind nicht nur Liquiditätsengpässe. Der Staat macht Auflagen. Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender von Anbang ist Wu Xiaohui. Er machte einen kleinen Autoversicherer aus Ningbo zur Nummer 2 in China. Er übernahm später das Waldorf-Astoria-Hotel in New York. Er kaufte auch den belgischen Versicherer Fidea und die niederländische Versicherungsgesellschaft Vivat. 2016 kauft er das Lebensversicherungsgeschäft der Allianz in Südkorea.

Weitere rote Magnaten: Dazu gehören Wang Jianlin (war lange reichster Mann Chinas). Er besitzt ein Unterhaltungs- und Immobilienimperium. Einiges gehört ihm in den USA. Jack Ma von Alibaba. Pony Ma von Tencent. Li Shufu von Geely. Vgl. Sommer, Theo: China First, München 2019, S. 103ff.

Entwicklungspolitik und Außenwirtschaftpolitik: China zahlt immer mehr Entwicklungshilfe. Unklar ist, welche Gegenleistungen erwartet werden (dies gilt aber für fast alle zahlenden Länder, China betont Politik der "Nichteinmischung"). Nach der Financial Times soll China in den letzten zwei Jahren 2009, 2010 mit 110 Mrd. $ schon mehr Geld aufgewendet haben als die Weltbank. Die chinesische Regierung veröffentlicht keine genauen Daten. Vgl. auch Rogue Aid? The Determinants of China`s Aid Allocation, Axel Dreher/ Andreas Fuchs, Uni Göttingen September 2011. Von 1996 bis 2005 hatten den höchsten Prozentanteil an der Entwicklungshilfe Tansania (4,6%) vor der Mongolei (3,7%) und Kambodscha (3,4), Niger (3,4), Benin (3,4). Traditionell liegen die Schwerpunkte auf dem Bau von Infrastruktur, Krankenhäusern und Sportstätten.  China übt immer größeren Einfluss nach Süden aus. Dies geschieht auch mit Mitteln der Entwicklungshilfe. Betroffen sind Myanmar, Thailand, Malaysia, Vietnam, Laos, Kambodscha, Brunei, Singapur und Indonesien.2013 kauft China riesige Landflächen in der Ukraine (von der Größe Brandenburgs).

Viele chinesische Firmen kommen in Afrika. Sie bauen Straßen, Eisenbahnstrecken und betreiben Unternehmen. Allerdings bringen sie meistens ihre eigenen Arbeiter mit. Deshalb sind diese Firmen in Afrika nicht sehr beliebt. Man spricht davon, dass es sich um Ausbeutung handelt und den heimischen Arbeitskräften die Arbeitsplätze weggenommen werden. Insofern gibt es Aversionen gegen Chinesen. Kenia schiebt 2016 45 Taiwaner in die VR China ab nach dem Motto "Sind doch alles Chinesen". Die Führung in Taipeh ist entsetzt. Eines der kleinsten Länder Afrikas wird von den Chinesen 2018 zum "strategischen Partner" erklärt, nämlich Dschibuti. Sie unterhalten hier sogar ihre erste Marinebasis (erste Militärbasis außerhalb Asiens). Sie bauen auch riesige Freihandelszonen. Nach einer Studie von McKinsey 2018 sollen insgesamt 10.000 chinesische Firmen in Afrika aktiv sein, davon ein Drittel Industrieunternehmen. Die Chinesen sehen die Chance, in Afrika ihre Rohstoffe dauerhaft beziehen zu können. Sie schließen langfristige Lieferverträge ab: Sie beziehen Erdöl aus Angola. Eisenerz und Kupfer aus Südafrika und dem Kongo. Holz und Getreide werden aus verschiedenen Ländern importiert. 2003 begann der Einstieg Chinas auf dem afrikanischen Kontinent. Die meisten Projekte waren aber keine Geschenke. Heute stöhnen viele afrikanische Staaten unter einer gigantischen Schuldenlast. Das Handelsvolumen zwischen Afrika und China ist aber förmlich explodiert. In Ägypten entsteht mit chinesischer Hilfe eine neue Hauptstadt. Dort soll der höchste Wolkenkratzer Afrikas entstehen.  Das erste Mal wurde China 1970 unter seinem Staatsführer Mao in Afrika aktiv. Damals baute man für umgerechnet eine halbe Milliarde Dollar die 1860 km lange Tanzania-Zambia-Railway (Tazara), finanziert mit einem zinslosen Darlehen. Mao wollte die Afrikaner als diplomatische Unterstützer gegen die USA und die Sowjetunion. Ein Großteil der Bahnlinien auf dem Kontinent stammt aus Kolonialzeiten. Im Februar 2018 bedient ein Fernsehsketch in China Vorurteile über Afrika: In der vierstündigen Frühlings-Gala, die 800 Mio. Chinesen verfolgen, geht es um Chinas Engagement in Afrika. Es treten Afrikaner auf und eine angemalte Chinesin. Es wird eine Romanze vorgetäuscht, um einer arrangierten Ehe zu entkommen. Als der Bluff auffliegt zeigt sich dei afrikanische Mutter erstaunlich verständnisvoll: Sie könne doch keinem Chinesen böse sein. die Chinesen hätten doch ihr Land aufgebaut und ihrer Tochter einen festen Job verschafft. dies ist eine von vielen rassistischen Entgleisungen in China.

Trotzdem ist die chinesische Entwicklungspolitik in Afrika erfolgreicher als die europäische. Sie bauen erst Straßen und Kraftwerke mit ihren eigenen Arbeitern. Dadurch kann aber der Rest der Wirtschaft folgen. Es wird so in handfeste Bauprojekte investiert, wo das Geld nicht versickern kann wie bei der europäischen Entwicklungshilfe. Große Infrastruktur-Projekte zusätzlich zu den oben erwähnten sind: Ein Hochhaus im Zentrum von Nairobi/ Kenia. Eine Bahnlinie von Nairobi nach Mombasa. Am Bahnhof von Addis Abeba bauen auch Chinesen. Sie bauen eine elektrifizierte Bahn nach Djibuti. Schon in den Siebzigerjahren investierte China in Afrika unter Mao. Die 1900 Kilometer lange Tazara - Bahn sollte den postkolonialen Aufschwung ankurbeln. Die Bahn verbindet Tansania mit Sambia. Auch den Flughafen bauen die Chinesen aus. Im Küstenort Bagamoyo soll der größte Containerhafen Ostafrikas entstehen. In Westafrika wurde ein Vertrag mit Nigeria abgeschlossen, eine Küsteneisenbahn von Lagos nach Calabar zu bauen. Die Chinesen gelten als schnell, effizient und billig. Sie bieten All-inclusive-Pakete einschließlich von Krediten der Staatsbanken. Vgl. Philip Plickert: Chinesischer Bauboom in Afrika, in: FAZ 31.01.2018, S. 18. Am 03.09.2018 findet in Peking eine Afrika-Konferenz (7. Afrika-China-Gipfel) zwischen China und fast allen afrikanischen Staaten (53) statt. Staatspräsident Xi Jinping verspricht für die nächsten drei Jahre Kredite und Investitionen in Höhe von 60 Mrd. Dollar in Afrika. Nach Angaben der John Hopkins-Uni in den USA hat China bis 2018 bereits 100 Mrd. Euro in Afrika investiert.  In China selbst will die Regierung den Chinesen die Kartoffeln ("Erdbohnen", tudou) schmackhaft machen. Schon heute ist China der weltgrößte Kartoffelproduzent (jede vierte Kartoffel). Die Kartoffel ist ideal für arme Kleinbauern, weil sie weniger Wasser benötigt als Reis oder Weizen. Durch Kochserien und andere Maßnahmen soll den Chinesen der Verzehr näher gebracht werden. 2016 kauft China in großem Umfang afrikanische Esel (equus asinus, vor allem aus dem Niger). Sie werden in der Küche und der Pharmaindustrie verwendet. Im Norden Chinas wird das Fleisch in Suppen und Eintöpfen geschätzt. Aus gekochter Eselshaut wird eine Gelatine (Ejiao) gewonnen, die Schlaflosigkeit und Husten heilt. Eine Creme daraus soll die Haut faltenfrei machen und die sexuelle Potenz anregen. Die Preise für afrikanische Esel steigen daraufhin.

Wirtschaftlich dominiert aber immer noch Europa in Afrika: Der Warenaustausch liegt 2018 bei 340 Milliarden Dollar. Dann kommt China mit 200 Milliarden Dollar.

Ein besonderes Kapitel sind die Rüstungsexporte als Teil der Entwicklungspolitik. Die Rüstungsexporte nach Asien und Afrika wachsen rasant (2011 bis 2015 um 88%). China ist nach den USA und Russland schon der drittgrößte Waffenlieferant (5,9% Weltmarktanteil 2015). Wichtigste Rüstungsempfänger sind Pakistan, Bangladesch und Myanmar. Manche Länder erlauben China, Stützpunkte für die Volksbefreiungsarmee zu errichten.

2017 fördert China auch massiv Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte in Osteuropa (mit 3 Mrd. Euro). Die Projekte hängen mit dem Ausbau der "Seidenstraße" zusammen. Die chinesische Entwicklungsbank beteiligt sich zusätzlich mit 2 Mrd. € an einem neu gegründeten Bankenverband für die Region. Es handelt sich um 11 EU-Mitgliedsländer Osteuropas und noch fünf zusätzliche Länder plus China (CEEC genannt; 16 + 1 Konferenz in Budapest im November 2017). In Budapest leben sehr viele Chinesen. Länder wie Ungarn oder Polen erhoffen sich neue Möglichkeiten und mehr Einfluss in der EU. Für China ist das Teil einer EU-Strategie: Indirekt sitzt Peking immer mit am Tisch in Brüssel. Wenn es um Menschenrechte geht, oder Folter oder andere Punkte folgen osteuropäische Länder China und blockieren EU-Entscheidungen. auch Griechenland zieht zunehmend die China-Option (die Reederei "Cosco" hat die Mehrheit am Hafen Piräus).

Südamerika: Dort werden regelrechte Kolonien errichtet. Im tropischen Kleinstaat Surinam nördlich von Brasilien ist 2018 jeder zehnte Einwohner ein Chinese. Das Land war eine niederländische Kolonie und ist seit 1975 unabhängig. Surinam exportiert Rohstoffe wie Öl, Gold, Aluminium und Holz. Die niedrigen Preise stürzten das Land 2017 in eine Krise. Die Chinesen werden auch als Handelspartner immer wichtiger (neben USA, Arabische Emirate und Europa). Sie investieren viel in die Infrastruktur (chinesische Baufirmen mit Überkapazität). Vgl. Thomas Fischermann: Peking im Regenwald, in: Die Zeit, Nr. 4, 18.01.2018, S. 24f. Im Juli 2018 gibt die Chinesische Entwicklungsbank Geld für Venezuela, um die Erdölförderung wieder anzuschieben. Die Chinesen unterstützen Maduro. Die USA sind gegen ihn. Hier prallen die Interessen der Großmächte direkt aufeinander (Venezuela hat die größten Erdölvorkommen der Welt). Groß ist auch die Expansion nach Brasilien. China kontrolliert 2018 bereits alle Schlüsselbranchen. Der Neue Präsident Bolsonaro will den chinesischen Einfluss 2019 zurück drängen, was vielleicht zu spät kommt. 150 Mrd. US-Dollar haben die Chinesen in den vergangenen Jahren in Lateinamerika investiert - mehr als in Afrika. 2018 haben die Dominikanische Republik, El Salvador und Panama ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen und mit China aufgenommen. China belohnt solche Aktionen großzügig: in Pnama werden zwei Dutzend Großprojekte gebaut. Auch Mexiko ist nach den Erfahrungen mit Trump zunehmend offen. Mithilfe von China wird ein Marshallplan in Höhe von 30 Milliarden Dollar aufgelegt. 14 Staaten in Lateinamerika haben sich für chinesische Investitionen beworben (darunter Chile, Peru, Kolumbien). 

Nordamerika: 2018 gingen die Direktinvestitionen in Nordamerika um 75% zurück. China muss mehr Direktinvestitionen im eigenen Land zulassen. Die Devisenaufsichtsbehörde kündigt an, die Quote für ausländisches Kapital auf 300 Mrd. $ zu verdoppeln.

Indischer Ozean: Die Präsenz der chinesischen Marine soll den Handelsweg für Öl und Waren absichern. Ein Überwachungssystem unter Wasser wurde installiert. Vor allem Indien ist sehr beunruhigt. Durch das südchinesische Meer wird ein Handelsvolumen von rund 5 Billionen Dollar jährlich transportiert. China beansprucht 90 Prozent des Meeres. Dagegen sind Vietnam, Malaysia, Brunei, Taiwan und die Philippinen. Rund 64% des Ölhandelsvolumens der Welt werden hier transportiert. Gerade auch für Indien ist das Meer von unschätzbarem Wert. China weitet seine physische Infrastruktur permanent aus, auch im Rahmen des Seidenstraßenprojektes. Vgl. O. V.: Peking greift nach dem Indischen Ozean, in: FAZ, 20.01.2018, S. 22.

Protektionismus und Zölle: Der Einfuhrzoll für im Ausland produzierte Autos liegt bei 25%. Bei Elektroautos gibt es massive Subventionen (ausländische Batterien sind durch Normen ausgeschlossen). Wichtige Nachbarländer in Asien wie Südkorea, Taiwan, Japan öffnen sich dagegen stärker. Beim Handelsstreit mit den USA gibt es lange Verhandlungen. 2017 erzielte die VR China einen Überschuss von 376 Mrd. Dollar. Trump droht weiterhin mit Strafzöllen auf chinesische Produkte in Höhe von 150 Mrd. Dollar. Vorerst soll es keine Strafzölle in China auf US-Hirse geben. Wichtigste Warengruppen der US-Importe aus China sind Mobiltelefone, Spiele und Spielzeug, Kleidung. Schließlich einigt sich China mit den USA im Handelsstreit vorerst: Es gibt keine Zölle. China importiert mehr US-Waren (ohne konkrete Mengenzusagen). Zumindest bis Herbst, wenn Wahlen in den USA sind, könnte so Ruhe sein. Die Verhandlungen dauern an. Im Mai 2018 senkt China die Einfuhrzölle für importierte Autos von 25% auf 15%. Diese Senkung gilt ab 1. Juli 2018. 2018 senkt weiter China die Importzölle für 1500 Konsumgüter (durchschnittlich von 15,7% auf 6,9%, ab 1.7., Senkung um 60%). Betroffen sind Bekleidung, Schuhe, Fitnessprodukte. Bei Kühlschränken und Waschmaschinen sinkt der Zollsatz von 20% auf 8%. Bei verarbeitenden Lebensmitteln und Mineralwasser sinkt der Zollsatz von 15,2 auf 6,9%. Kosmetika, Haut- und Haarpflege, Medizin- und Gesundheitsprodukte profitieren von einer Zollsenkung von 8,4% auf 2,9%.  Bereits im Dezember 2017 hatte China die Importzölle für 200 Produkte gesenkt (17,3% auf 7,7%, Lebensmittel, Pharmaartikel, Bekleidung). China bietet im Zollstreit an, die Importe aus den USA um 70 Mrd. Euro zu erhöhen, um seinen Handelsüberschuss zu reduzieren. Trotzdem verhängen die USA am 15.0618 weitere Strafzölle gegen China (25%; Produkte im Wert von 50 Mrd. US-$; 1100 Produkte; Industrie- und High-Tech-Produkte). China kündigt umgehend an, dass Retorsionszölle erhoben werden auf 659 verschiedene US-Produkte (Sojabohnen, Schweinefleisch, Huhn, Fisch, Rüstungsgüter, Geländewagen, Elektroautos u. a.; 25%, im Wert von 34 Mrd. $). Es wird immer wieder kritisiert, dass die USA sich auf den Warenhandel beschränken und übersehen, dass sie mit vielen Ländern einen Ausfuhrüberschuss im Dienstleistungsbereich haben (durch die US-Internetfirmen Amazon, Google und Apple).  Dann eskaliert der Handelstreit zwischen den USA und China. Trump kündigt neue Vergeltungszölle im Wert von 200 Mrd. Dollar an (10% Zollsatz). China ist der größte Handelspartner der USA, die ein Defizit von -337 Mrd. Dollar 2017 haben. Vizepremier Liu He ist in China wichtigster Berater für Handelspolitik (hat in Harvard studiert, spricht fließend Englisch). Er gilt als Denker und vorsichtiger Stratege. Nach den chinesischen Retorsionszöllen erheben die USA weitere Strafzölle auf 6000 chinesische Produkte. Die Chinesen arbeiten an weiteren  Gegenzöllen in gleichen Ausmaß. Der Handelskrieg eskaliert weiter. Die Angst vor weiteren Zöllen verstärkt den Warenaustausch zwischen China und den USA. Das US-Handelsdefizit legt im Sommer 2018 zu. Ab Ende August kommen weitere Zölle der USA gegen  chinesische Produkte (Chemikalien, Elektronik; am 08.08.18 verkündet). Sofort werden chinesische Retorsionszölle angekündigt (Energie, Rohstoffe). Inzwischen stehen 5000 US-Produkte auf einer schwarzen Liste. Es sind Waren in Höhe von 110 Mrd. Dollar betroffen. China springt immer öfter in die Bresche, wenn europäische Firmen ihr Engagement im Iran zurückfahren wegen der US-Sanktionen. Als der französische Erdölkonzern Total die Investition in ein riesiges Gasfeld stoppt, springt China ein. Am 23.08.18 werden neue Sonderzölle von den beiden größten Wirtschaftsnationen verhängt: 25% auf Waren im Werte von 16 Milliarden Dollar. USA: Zölle auf Halbleiter, Chemikalien, Plastik, Motorräder, Elektroroller. China: Benzin, Autos, Stahl, Medizintechnik. Gegenüber China erwägt Trump im September 2018 neue Strafzölle im Wert von 200 Mrd. Dollar. Dann wären die Hälfte aller US-Importe aus China mit Sonderzöllen belegt. China droht sofort mit weiteren Gegenzöllen. Im Herbst 2018 beendet die EU ihre Maßnahmen gegen Solarmodule aus China. Nach neuen US-Zöllen im September 2018  bricht Peking weitere Handelsgespräche mit den USA vorerst ab. Ab 25. September 2018 gelten US-Strafzölle gegen China im Wert von 200 Milliarden Dollar. Auf dem G20-Gipfel Anfang Dezember 2018 in Buenes Aires sprechen Trump und Xi Jinping miteinander. Sie vereinbaren, bis März 2019 keine weiteren Zölle zu erhöhen. Die Chinesen versprechen, mehr amerikanische Waren zu kaufen (vor allem Agrarprodukte). China setzt die Strafzölle gegen US-Autos (25%)  Ende 2018 für drei Monate aus. Betroffen sind auch deutsche Hersteller, die Autos aus den USA nach China exportieren. Am 07.01.19 beginnen die Handelsgespräche zwischen den USA und China in Peking. Mehrere Gesprächsrunden folgen. Die Zeit bis zum 1.März 2019 reicht nicht aus. Wegen der laufenden Handelsverhandlungen verschieben die USA die Entscheidung über weitere Zölle gegenüber China über den 1. März 2019 hinaus. Lightnizer, der Handelsbeauftragte, kündigt im Mai 2019 eine Ausweitung der US-Zölle auf die Höhe von 25% auf alle verbliebenen Importe aus China an. Das beträfe Waren im Wert von 300 Mrd. $. Er setzt eine Frist von drei Monaten für ein Abkommen. China ist in der schwächeren Position, weil es überwiegend nur noch die Zölle erhöhen kann. China antwortet mit Vergeltung: Für Waren im Werte von 60 Mrd. $ werden Zölle in Höhe von 25% ab Juni 2019 erhoben, wenn man sich nicht einig wird. Es geht um 2500 Produkte. Im Mai 2019 setzen die USA Huawei auf eine "schwarze Liste". Daraufhin will Google das Unternehmen nicht mehr mit dem Betriebssystem "Android" versorgen. Das könnte Huawei schwer schaden. Dann werden die Strafmaßnahmen gegen Huawei wieder etwas gelockert (zunächst für drei Monate; Software wird geliefert).  "Wir setzen den Handelskrieg aus", Steven Mnuchin, US-Finanzminister nach den Gesprächen mit China. "Zusammenarbeit ist der einzige richtige Weg für die Vereinigten Staaten und China", Wang Yi, chinesischer Außenminister 2018.

Theoretische Erklärung der Strategie der chinesischen Außenwirtschaftspolitik und der Außenpolitik insgesamt: Kampf um Wertschöpfungsketten (Modell der Institutionenökonomik/ Jean Tirole, Toulouse, Nobelpreis 2014): Die Institutionenökonomik/ Tirole bietet ebenfalls wie Krugman eine Alternative zum Freihandelsmodell. Freihandel wird nicht als Wert an sich gesehen. Es ist eines der Verfahren, um für eine Gesellschaft Wohlstand zu erzeugen. Aktuelle Handelskonflikte (wie zum Beispiel der zwischen den USA und China 2018) ergeben sich danach aus grundlegend veränderten Risiko- und Kommunikationsstrukturen. Die Digitalisierung senkt die Transaktionskosten weiter und verändert das Risiko. Es entstehen durch reduzierte Informationsasymmetrien neue Institutionen im Kontext der Plattformökonomie. Dadurch wandeln sich Informationstransport, Informationsspeicherung und Informationsverarbeitung. Die Digitalisierung beeinflusst auch die Industriestruktur: Systemtreiber sind die Fähigkeit zur Kontrolle des Agenten und die Möglichkeit, Skaleneffekte zu realisieren. Es kommt zu einer Reintegration von Wertschöpfungsketten. Treiber sind die Finanz- und Schuldenkrise, die Störanfälligkeit von Lieferketten und die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts. In diesem Zusammenhang sind Zölle ein Mittel der politischen und wirtschaftlichen Rivalität. Unter zu erwartenden Konfliktbedingungen ist die Sicherung der Lieferkette entscheidend dafür, die Rivalität auszuhalten bzw. siegreich zu beenden. Die Staaten haben ein Dominanzproblem:  Die USA haben ein großes Leistungsbilanzdefizit (im Opiumkrieg hatte es England), China hat einen historischen Nachholbedarf (mandschurische Machtübernahme 1647, Opiumkrieg 1839). "Made in China 2025" soll die Hochtechnologie sichern aufgrund eines schuldengetriebenen Entwicklungsmodells. Im Grunde genommen will China sich weiterhin erfolgreich in der globalen Lieferverflechtung positionieren. Man kann dies in der "Crying Curve of Asia" darstellen. Freie Märkte sind nach diesem Modell auf dem Rückzug. Vgl. Ulrich Blum: Der Kampf um Wertschöpfungsketten: Krieg gegen den Freihandel? in: Wirtschaftsdienst 2018/10, S. 737ff. Es geht Trump nicht nur um Handelspolitik, sondern er will den Aufstieg Chinas zur Hochtechnologie-Nation verhindern bzw. hinauszögern. China treibt unaufhaltsam seinen Aufstieg zur Wirtschaftssupermacht voran (Handelsabkommen, Infrastrukturnetzwerke, wie z. B. die "Neue Seidenstraße"). Vgl. auch: Bernhard Zand: Messer am Hals, in: Der Spiegel 1/2019, 29.12.2018, S. 12ff. Henry M- Paulson: Dealing with China. An Insider Unmarks the New Economic Superpower, 2015. Michael Paul: Kriegsgefahr im Pazifik? Die maritime Bedeutung der sino-amerikanischen Rivalität, Nomos 2017. Die Zollpolitik der USA wird China langfristig nicht bremsen können (höchstens etwas verlangsamen, weil noch eine ökonomische Asymmetrie besteht). Eine weitere Verlangsamung würde ein Stopp des Technologietransfers bringen. Aber andere Länder würden dann in die Bresche springen (Russland, Deutschland, Japan).

China finanziert Trump: Der Aufstieg Asiens, insbesondere Chinas, hat die Finanzmärkte grundlegend verändert. Die Devisenbewirtschaftung in China hat die weltweiten Finanzströme transformiert. In China werden Unsummen gehortet. Die Verwendung folgt einer Strategie: den USA wird Geld geliehen (Hauptgläubiger der USA, Staatsanleihen), um sie notfalls in der Hand zu haben. Viel Geld wird in ausländische Direktinvestitionen gesteckt, um Schlüsseltechnologien zu beherrschen. Der Rest wird für Strukturpolitik zukunftsträchtiger Branchen im Inneren verwendet. Vgl. dazu auch die entsprechenden Spezialabschnitte auf dieser Seite.

Importmesse in Shanghai: Im November 2018 startet eine große Importmesse in Shanghai. Titel ist "China International Import Expo". China will Marktöffnung versprechen. Xi Jinping verspricht bei der Eröffnung Handels- und Investitionshemmnisse für ausländische Unternehmen abzubauen. Zölle sollen gesenkt und er Marktzugang verbessert werden. Urheberrecht sollen stärker geschützt werden. Hintergrund ist auch der Handelskrieg mit den USA. Aber Trump geht es nicht mehr nur darum, die Handelsdefizite abzubauen. Er will den Aufstieg Chinas zur führenden Technologienation ("Made in China 2025") verhindern.

 

Der Kaiserkanal (Da`yu`n he´, großer Transportfluss,  seit 2014 auf der Weltkulturerbe-Liste) war  eine  wichtige Wasserstraße, die ursprünglich den Zugang zum Meer gewährleistete. Es ist die älteste und längste künstliche Wasserstaraße der Welt. Chinas Kaiser ließ ihn vor über 1400 Jahren anlegen (Kaiser Wendi und Yandi im 6. Jh.). Teile des Kanals waren schon vorher gebaut worden (z. B. hatte Fuchai, König der Wu, schon die Flüsse Huai und Jangtsekiang verbunden).  Hier ist er in Suzhou abgebildet. Von Suzhou erreichte man so das Meer. Hierüber hielt man Verbindung auch nach Europa. Suzhou, das Venedig Chinas, ist eine wichtige Industriestadt im Süden, was einem durch den Smog kaum entgeht. Suzhou gilt auch als Zentrum der chinesischen Gartenkultur. Berühmt wurde die Stadt auch als Geburtsort der Seidenkultur. Hier befindet sich noch heute die stattliche Seidenmanufaktur Nr. 1. Natürlich ist es heute auch riesige Stadt mit fast 10 Millionen Einwohnern oder mehr. Hangzhou ist das südliche Ende des Kaiserkanals, der bis nach Beijing geht (Kanal wurde nach Norden verlängert las Beijing Hauptstadt wurde, Ende de 13. Jh.). Er war eine äußerst wichtige Handels- und Verkehrsroute, die Beijing mit den wichtigsten Gebieten und Agrarflächen des Landes verband (insbesondere mit dem fruchtbaren Mündungsgebiet des Jangtsekiangs, Reistransport). Der Kanal ist - wie schon gesagt - die längste von Menschen geschaffene Wasserstraße der Welt (rund 1800 km). Fünf Flüsse konnten so miteinander vereint werden: Huang He (Gelber Fluss), Jangtsekiang, Huai, Qiantang und Hai He. Millionen von Bauern mussten Zwangsarbeit leisten. Weil dabei Ernte teilweise auf den Feldern bleibt, kommt es zu Hungersnöten. Das führt zu dem raschem Ende der Sui-Dynastie (es kommt die Tang-Dynastie). Ehe ein Schleusensystem entwickelt wurde, gibt es immer wieder Unfälle auf der Strecke. Genutzt wird heute nur noch der südliche Teil, um Diesel, Kohle, Sand, Kies, Baumaterialien und andere Güter zu transportieren. 2012 wurden dreimal so viele  Waren hier transportiert als auf dem Schienennetz. Die nördlichen Teile sind nicht mehr schiffbar. Vgl. auch: Sudermann, Natalie: Ab durch die Mitte, in: Rheinpfalz am Sonntag, 14. April 2019, S. 25.

Urbanisierung und Städtebaupolitik (Regionalpolitik): Wanderarbeiter: Das staatliche Registrierungssystem zählt sie als "Arbeiter vom Lande". Deshalb sind sie in den Städten auch relativ rechtlos (müssen z. B. teures Schulgeld zahlen). Sie verlieren in den Städten, wo sie in Slums am Rande hausen, häufig ihre Wohnungen anlässlich neuer Bauprojekte. Die Behörden schließen immer mehr brandgefährdete und illegale Unterkünfte. Die Städte wachsen schon legal rasant (2020: 23 Mio. Peking, Shanghai 30 Mio., Shenzhen 15 Mio., Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts noch Fischerdorf bei Hongkong). Vgl. Hendrik Ankenbrand: China geht brutal gegen seine Unterschicht vor, in: FAZ, Nr. 280, 2. Dez. 2017; S. 22. In Peking lässt die Verwaltung 2018 Hunderte Häuser abreißen. Als Vorwand dient oft ein Feuer. So verschwinden auch Garküchen, Obstverkäufer und Fahrradmechaniker. Die Familien haben nur wenig Zeit für den Auszug. Viele stehen auf der Straße. In Peking ist ca. jeder dritte Beschäftigte Wanderarbeiter. Plakate preisen ein "harmonische Stadt".  Intellektuelle schreiben einen Protestbrief gegen die Kampagne. Vgl. Felix Lee: Peking vertreibt seine Wanderarbeiter, in: Die Rheinpfalz, Nr. 7, Dienstag, 9.1.2018.

Umsiedlung von Bauern in die Stadt: Hundert Millionen Bauern siedelt Chinas Regierung um, ganze Dörfer ziehen in ein Gebäude. Das soll Wohlstand bringen. Es ist eine neue Strategie als Antwort auf weniger Exporte, weil auch weniger mit Billiglohnkräften in China produziert werden kann. Von 2014 bis 2020 sollen 100 Millionen Bauern zu Stadtbewohnern mutieren (es liegt ein 30 Kapitel umfassender Nationalplan vor). Landwirtschaftliche Nutzflächen werden zu Neubaublocks, Gewerbsgebieten, Einkaufszentren. 2016 lag der Anteil der Landbevölkerung bei 43 Prozent (Quelle: Weltbank). Die Landflucht setzte schon in den 1980er Jahren ein. Es gibt 2017 600 Städte in China, darunter mehr als Hundert mit mehr als einer Million Einwohner. Bis 2030 sollen mehr als 70 bis 80 Prozent aller Chinesen in Städten wohnen, rund eine Milliarde Menschen. Größtes Ballungsgebiet ist die Region Jing-Jin-Ji , mit Peking als Mittelpunkt. Ein weiteres wichtiges Ballungszentrum ist das Perlflussdelta. Shenzhen ist das chinesische Silicon-Valley (mit Tencent, Huawei).  Vgl. Justin Jin: Der große Stadtplan, in: Die Zeit, Nr. 53, 2012.17, S. 21ff. Das Konzept der Armutsbekämpfung mit der Urbanisierung ist sehr umstritten. China vernachlässigt dadurch die Kleinbauern vor Ort. Fainess hat auch mit der Würde des Menschen und seiner Selbstbestimmung zu tun. Beides bleibt zum Teil auf der Strecke.

Wertschöpfung in den Städten: 14 Städte in China erwirtschafteten 2017 jeweils mehr als 1000 Milliarden Yuan (127 Mrd. €). An der Spitze liegt Shanghai mit 382 Mrd. € (Wirtschaftsleistung von Polen). An zweiter Stelle liegt Peking (übertrifft das BIP von Israel). Hongkong ist zurückgefallen. Insgesamt erwirtschaften die vier wirtschaftsstärksten Städte ein Achtel des BIP. Quelle: Der Spiegel 5/ 2008, S. 74.

Privatisierung und Immobilienmillionäre: Auf dem Immobilienmarkt tummeln sich auch immer mehr Private sehr erfolgreich. Berühmt ist "Pekings Immobilienkönigin" Chen Lihua (geboren 1941). Ihr Vermögen wird auf 7,2 Milliarden Dollar geschätzt. Xi Jiayin leitet den Immobilienkonzern Guangzhou Evergrande, seit 2016 China Evergrande. Er soll heute der reichste Mann Chinas sein (Hurun-Liste, 43 Mrd. $). Der größte Immobilienkonzern Chinas ist Vanke. Er wurde von Wang Shi (geboren 1951, Schöngeist, Umweltschützer, Philantrop) aufgebaut. Weitere Unternehmen sind Wanda und Suntac. Suntac ist die Nummer drei hinter Vanke und Evergrande.

Xiong`an: Diese Stadt liegt ca. 100 km südlich von Peking und auch 100 km westlich von Tianjin in der nordostchinesischen Provinz Hebei. Sie ist eine Retortenstadt. Viele sprechen von einem Versuchslabor von Präsident Xi. Sie soll Ökologie, Ökonomie, Hochtechnologie und Urbanität vereinen. Xiong bedeutet Held, An meint Frieden. Im Jahre 2035 sollen dort 5 Mio. Menschen leben. Auch neue Formen ausländischer Direktinvestitionen sollen erprobt werden. Die Stadt soll für die Mittelschicht erschwinglich bleiben. Die Technologieriesen Baidu, Alibaba und Tencent wollen mit guten Beispiel vorangehen. Deng schuf Shenzhen (früher Kanton) als sein Denkmal, Xi will wohl Xiong`an.

Vgl. auch den Artikel "Seidenstraße und Seidenstraßenprojekt (einschließlich Neue Seidenstraße):"

 

Japan:

Gliederung: Wirtschaftsordnung, Kultur, Notenbankstatus und -Verhalten, Währung/ Geldpolitik Finanzmärkte/ Aktienmarkt, Bankensystem, Finanz- und Steuerpolitik, Bildungs- und Forschungspolitik, Sozialpolitik und Sozialversicherung Strukturpolitik/ Wettbewerbspolitik, KMU und Mittelstandspolitik, Urbanisierung und Städtebaupolitik (Regionalpolitik), Außenwirtschaftspolitik und Entwicklungspolitik.

 

Wirtschaftsordnung: gelenkte Marktwirtschaft ("Japan AG"; in Europa am ehesten mit Frankreich vergleichbar). Das "eiserne Dreieck" bestimmt: Unternehmensvertreter, Parteigrößen, Ministerialbürokraten. Bei Großunternehmen herrscht noch immer das "Keiretsu" vor. Es handelt sich um eine branchenübergreifende enge Kooperation von Unternehmen (mit Hausbank, Generalhandelshaus), die als Mischkonzerne global agieren. Sie sind nach dem 2. Weltkrieg auf Druck der USA aus den Zaibatsu (Holdinggesellschaft im Familienbesitz) hervorgegangen. Diese vereinten Bank-, Handels- und Industriekapital in sich und konnten die Preise der Rohstoffimporte senken (sie hatten eine große Bedeutung in der wirtschaftlichen Entwicklung Japans). Sogo Shosha sind die wichtigsten Handelshäuser in Japan, die mit weltweiten Organisationen und Tochtergesellschaften verknüpft sind (z. B. Mitsubishi, Mitsui, Sumimoto). Insgesamt spricht man in Japan von einem "Machtdreieck" aus Industrie, Beamtenschaft und alter Staatspartei. Sehr mächtig sind die "Schattenmänner" aus dem Apparat der Parteien, die die Regierungsgeschäfte wie früher die Shogune lenken. Das eigentlich schlimme an Toyotas Rückrufaktionen 2009/ 2010 ist die Tatsache, dass damit der große Hoffnungsträger Japans strauchelt. Der Bankrott von Japan Airlines war der zweite große Schock.

Die Inamori-Foundation (Stiftung des Kyocera-Gründers Kazuo Inamori) vergibt jährlich den "Kyoto-Preis", mit dem das Lebenswerk großer Wissenschaftler oder Künstler geehrt wird (im Jahre 2004 war Jürgen Habermas Preisträger). Der Preis wird ähnlich hoch wie der Nobelpreis gesehen.

Die Verfassung Japans ist von 1947 (Parlamentarische laizistische Monarchie). Das Parlament besteht aus Unterhaus (Shugi-in) und Oberhaus (Sangi-in). Die Unabhängigkeit des Landes besteht seit 660 v. Chr. (Kaiserreich). Nationalfeiertag ist der 23.12. (Geburtstag des Kaisers).

Der bayrische Arzt und Naturforscher Franz von Siebold (1796 - 1866) hat das Bild von Japan in Deutschland stark geprägt (es gibt ein Museum in Würzburg). Er brachte auch die Palownie mit aus Japan nach Europa. Zu Ehren der russischen Zarentochter und niederländischen Königin Palowna nannte er den Baum Palownie (japanisch Kiri). Das Holz des Baumes ist in Asien ein wertvoller Rohstoff.

Im Design - Museum Kopenhagen ist übersichtlich dargestellt, welchen  Einfluss das japanische Design (Ästhetik) auf das dänische Design gehabt hat. Die Dänen haben mit Arne Jacobsen und Richard Mortensen u. a. eine berühmte Schule entwickelt (Stühle, Architektur u. a.). Ähnliche Einflüsse des japanischen Designs sind auch auf das italiensche Design zu beobachten. Das Design spielt auch eine große Rolle im japanischen Marketing (Verpackung). Hierzu habe ich viele Hausarbeiten, Diplomarbeiten und Bachelor - Thesen vergeben. Das Thema ist faszinierend. Interessant sind die engen Beziehungen zur Kultur.

Kultur: In der Landessprache heißt Japan Nippon (aus dem Zeichen "ni" Sonne und "pon" Beginn. Auch die Flagge spielt auf die aufgehende Sonne an (Rot Sonnenscheibe, Weiß Reinheit). Das Land besteht aus vier großen und über 6000 kleinen Inseln.  Shintoismus, Pflichttreue, Selbstbeherrschung; Japanische Schrift besteht aus Kanji (von den Chinesen übernommen, im 5. Jahrhundert durch buddhistische Mönche aus Korea) und Mayogana (Hiragana- und Katakana - Silbensystem: das erste früher von Frauen benutzt und runder, das zweite eckiger aussehend von Mönchen benutzt, Fremdwörter). Der Zen-Buddhismus, der seine Ursprünge vor über 2500 Jahren in Indien hat, kam über China (Chan) nach Japan und ist mittlerweile spirituell im Westen am erfolgreichsten. Im Vordergrund steht die Erlösung durch Selbsterkenntnis. Ein Buddhist strebt an, dass seine Individualität im Nirwana erlischt (das erklärt am besten die kollektivistische Kultur). Es gibt auch Christen in Japan (viele leben die Rituale mehrerer Religionen). Im Norden Japans gibt es ein Dorf namens Shingo, wo angeblich Jesus begraben liegt (er soll 106 Jahre alt geworden sein, "Kirisuto Matsuri" ). Die Samurai gelten noch heute als Vorbild: für den Menschen ungünstige Bedingungen sollen durch Selbstüberwindung aus dem Weg geräumt werden. Schulung für Verstand und Geist (Meditation) liegen in Kendo, Kyodo, Aikido, Chado, Kohdo und Origami. Sumo-Ringen ist auf Japan beschränkt geblieben. In Sumo-Ställen führen junge Ringer ein entbehrungsreiches Leben (archaische Rituale, Schinderei). Japan hat die gesündeste Küche der Welt. Sie arbeitet viel mit Fisch, Soja, Reis, Gemüse und Obst. Als bekannteste Köchin gilt Harumi Kurihara, die 2004 das beste Kochbuch der Welt veröffentlicht hat. Wagyus-Rinder liefern das teuerste Fleisch der Welt (über 600 € pro Kilogramm). Sie sind zertifiziert und dürfen nicht exportiert werden.  Das einzige japanische Restaurant der DDR war in Suhl/ Thüringen. Darüber gibt es den Film "Sushi in Suhl". Wer die japanische Ästhetik ergründen will, sollte die japanischen Gärten (mit Ikebana bzw. Kado, Bonsai) besuchen. Sie sind eng verbunden mit den Religionen. Wer die japanische Kultur von heute Kennen lernen will, sollte die Bücher von Haruki Murakami ("Mischung aus Zen und Coca Cola", Die Welt; magischer Realismus; Marathonläufer: "zumindest ist er nie gegangen"; bietet auf seiner Website persönliche Beratung an) oder die Krimis von Sujata Massey lesen. Empfehlenswert auch: M. B. Stanzeleit, Neugierig auf Japan, Schweinfurt (Wiesenburg) 2006 (www.neugierigaufjapan.de) und Bartsch, M., Wie war`s in Japan?, Karlsruhe 2005.  Einen Gesamtüberblick über die Kultur gibt Coulmas, F.: Die Kultur Japans, München 2005. Das Denken ist eher ganzheitlich (Intellekt, Gefühl, Willen) und intuitiv. Die Einbeziehung der Empfindung  führt zu persönlicher Identifizierung mit Situationen und bringt auch ein Rechtsbewusstsein mit sich, das nur zu relativ wenigen juristischen Streitfällen führt. Eine kulturelle Besonderheit stellen die ca. 28.000 Love-Hotels dar. Sie sind ein moralisch akzeptiertes Schlupfloch für Normalbürger, die zuhause eine zu kleine Wohnung (vor allem zu kleines Bad) haben. Einmalig sind auch die vielen Ohrenstudios. Sie wurzeln in der Geisha-Kultur. Nachgefragt wird das Gesamterlebnis. Die japanische Volksseele kann man gut über die Kirschblüte begreifen. In ihr verbinden sich Schmerz, Freude, Abschied und Ankunft. 2011 entsteht eine Diskussion über einen neuen Typ Mann, "Pflanzenfresser" genannt. Dies sind Verweigerer von Frauen, Arbeit, Konsum, Alkohol, Urlaub, Mode, Restaurants u. a. Iwate ist die Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz. In den Szenevierteln Tokios werden die kuriosesten Dienste angeboten. Unter anderem gibt es ein "Kuschel-Cafe". In dem kann man eine anschmiegsame Schlafbegleitung mieten (alles sittsam und züchtig). 2013 wird bei Jugendlichen das Zölibat immer verbreiteter. Laut einer Umfrage haben 45% der Frauen zwischen 16 und 24 Jahren kein Interesse an sexuellen Kontakten. Das Land wird immer mehr zur Single-Gesellschaft. 2014 verbreitet sich eine extravagante Schönheitsbehandlung: Der Schleim von Schnecken, die auf der Haut kriechen, soll sie weich und samt machen und jung halten. 2015 erobern die japanischen Emojis (Smileys) endgültig die sozialen Netzwerke und Chatdienste. Mittlerweile gibt es 1244 verschiedene Emojis. Sie wurden ursprünglich Ende der Neunzigerjahre von Shigetaka Kurita für einen japanischen Mobilfunkanbieter entwickelt. Viele Japaner schreiben den Blutgruppen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale zu. Sie sind damit auch wichtig bei der Partnerwahl. 2011 nach Fukushima verordnete die Regierung für Büroangestellte lässige, leichte Kleidung. Sie wollte dadurch Energiekosten für die Klimaanlagen sparen. Viele Japaner folgen jedoch nicht. Japans Nationalgetränk Sake hat an Popularität verloren. In einigen Bars in Tokyo wird der Kult um den Sake noch gepflegt. Die Herstellung ähnelt dem Brauen von Bier. Für beide wird Getreide in Zucker umgewandelt und dann Hefe zugesetzt, um Alkohol zu produzieren. Die Produktionsstätten heißen auch Brauereien. Gereifter Sake (koshu)  ist teuer und hat nur einen winzigen Prozentsatz am gesamten Sake-Markt. Er schmeckt ganz anders als normaler Sake. Der Reifeprozess findet in der Flasche oder in Eichenfässern statt. Im Internet zeigen japanische Filme, wie man mit einer daumengroßen Pfanne einen Minibraten oder eine Torte herstellt. Die Liebe zu putzigen Figürchen und Mini-Welten gehört zur japanischen Kultur. Es geht nicht ums Essen und nicht ums Sattwerden. Sehr beliebt ist auch Whiskey. Es gibt einige Firmen in Japan. 2018 kommt 963. Es ist die Postleitzahl von Koryama, der zweitgrößten Stadt in der Provinz Fukushima. Der Whiskey soll die Erholung der Provinz symbolisieren (stärkt die regionale Wirtschaft).

Der Schwarzwald gilt in Japan als Inbegriff der deutschen Romantik. Beliebte Mitbringsel sind Bollenhut, Kuckucksuhr und Kirschtorte in Dosen (auch schon in Frankfurt am Flughafen). Immer mehr junge Frauen und Männer kapseln sich von der Gesellschaft ab und leben noch als Erwachsene bei ihren Eltern. "Hikikomori" wird das Phänomen genannt. Japans Senioren verursachen viele Unfälle. Wenn sie freiwillig das Autofahren aufgeben, werden sie ab 2017 mit Sachleistungen belohnt (z. B. Nudelsuppe).

Beliebt ist auch Bayern. Gerne werden die Märchen-Schlösser von Ludwig und München besucht. Der Begriff "Biergarten" und auch die Institution wurde schon nach Japan importiert. Japans Brauereien erfinden immer gewöhnungsbedürftigere Biermischungen, weil der Bierkonsum zurückgeht. So gibt es etwa ein Gemisch aus grünem Tee und Gerstensaft. Geworben wird mit Gesundheit und Schönheit. .

Düsseldorf ist die größte japanische Gemeinde in Europa. so ist auch der Name Little Tokyo am Rhein entstanden. Es gibt sogar ein japanisches Hotel, das "Nikko Hotel". Es bietet japanische Frühstück und Nassagen. Das Eko-Haus der japanischen Kultur beherbergt den einzigen japanischen Tempel in Europa. Im japanischen viertel gibt es alles, was der Japan-Fan begehrt (auch Mangas und japanische Fastfood). Es gibt viele japanische Läden. Die besondere Rolle von Düsseldorf geht auf den in Düsseldorf geborenen Kaufmann Louis Kniffler (geboren 1827) zurück. Er eröffnete das erste deutsche Handelshaus im japanischen Dejima. Die Stadt war im 19. Jahrhundert eine Enklave für den Handel mit dem Ausland. Kniffler wurde preußischer Konsul in Japan und brachte 1865 das erste japanische Handelshaus nach Deutschland (Düsseldorf).

2018 im Januar bekommt Yoko Tawada, Sprachethnologin und "Wortschmeckerin", in Mainz die Zuckmayer-Medaille des Landes RLP. Die Auszeichnung wird im am Todestag von Carl Zuckmayer vergeben, 2018 zum achtzehnten Mal. In einer Stadt in Japan, in Ito, gibt es Kissenschlachten als Sport. In der Regel treffen sich ca. 500 Athleten. Das Schlachtfeld bieten Tatami.Reisstrohmatten (4,5 mal 7,2 Meter). Bei der örtlichen Tourismusbranche klingeln die Kassen.

Manga-Bibliotheken sind in Japan beliebte Rückzugsorte. Hier schließen sich Menschen in Kabinen ein, um Comics zu lesen. Viele ziehen gleich ganz ein. Denn 2018 kosten acht Stunden umgerechnet zwölf Euro. Das ist günstiger als jede Wohnung in Tokyo. Ca. 5000 Japaner verbringen in den Lesekabinen nicht nur ihre Freizeit, sondern auch ihre Nächte. Japan ist der viertgrößte Buchmarkt der Welt.

2018 ist Japan Thema in mehreren Ausstellungen und Ereignissen in RLP/Deutschland. Die umfangreichste Ausstellung ist im Arp-Museum in Rolandseck zu sehen ("Von Monet bis Manga"; europäische Moderne im östlichen Bann). Die japanisch-deutsche Autorin Yoko Tawada bekommt der Zuckmayer-Preis. Im Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz ist eine Schau mit japanischem und Pfälzer Kunsthandwerk. Im Oktober stellt das Kaiserslauterer Museum Pfalzgalerie das Werk von Nobuyuki Tanaka aus. Er ist ein Lackkünstler.

2019 wirft Japan Sex-Magazine aus den Supermarktregalen. Den ausländischen Touristen soll ein "besserer Eindruck" vermittelt werden.

Im April 2019 verbietet die Nagasaki-Universität, Dozenten, die Raucher sind, einzustellen. "Wir denken, dass Raucher nicht im Bildungsbereich arbeiten sollten".

Premierminister Shinzo Abe startet 2007 die "Cool Biz" - Kampagne, um zum Energiesparen die Klimaanlagen herunterzufahren. Japanische Manga-Comics verdrängen immer mehr Micky Maus und Superman. Die größte japanische Gemeinde in Europa ist in Düsseldorf (etwa 8000 Menschen). Vom 29. April bis zum 5. Mai ist die "Goldene Woche" in Japan. Am 29. ist der Showa-Tag, der Geburtstag des Kaisers. Am 5. Mai ist der "Tag des Kindes". Viele Japaner nutzen das milde Wetter in dieser Woche, um ein paar Tage wegzufahren oder besuchen ihre Familien (die Unterkünfte sind lange vorher ausgebucht). In Ludwigshafen findet jedes Jahr ein Hanami-Festival im Pfalzbau statt. 2014 ist das Treffen zum neunten Mal. Im Mittelpunkt stehen Manga und Anime. 2014 erscheint Christof Peters Roman "Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln" (Luchterhand, München). Es handelt vom deutsch-japanischen Kulturaustausch auf dem Holsteinischen Land. Es geht um Differenzen, Missverständnisse, Klischees und Übersetzungsprobleme: Auf einem verschlafenen Dorf an der Ostsee soll der berühmte japanische Ofensetzer einen traditionellen Anagama-Holzbrandofen errichten. Alles muss streng nach Überlieferung vor sich gehen. Seit 2014 wird Kobe-Beef erstmals nach Deutschland exportiert. Seit dem 17. Jahrhundert war der Export verboten. Immer weniger Japaner können sich das Fleisch der reinrassigen Tamija - Rinder leisten. Der Preis liegt bei uns zwischen 250 und 500 Euro je Kilo. In Hamburg gibt es mittlerweile ein spezielles Restaurant. In Japan boomt 2014 das Geschäft mit der Einsamkeit. Mietmütter, beste Freundinnen und Solo-Hochzeiten werden von Agenturen als Service bereitgestellt. Tattoos sind relativ tabu in Japan. Man will nicht in den Verdacht geraten zur japanischen Mafia zu gehören (Yakuza). Die japanische Mafia benutzt Tattoos als Eintrittskarte und Symbol der Zugehörigkeit.  Die japanischen Toiletten (auch die öffentlichen) sind eine kulturelle Errungenschaft: Der Deckel hebt sich automatisch, nach der Sitzung folgen automatisch Spülen und Schließen. Im Winter sind die Klobrillen beheizt. Standard ist die eingebaute Po-Dusche, wobei sich Stärke und Temperatur regeln lassen. Genannt wird das "Washlet".  Der Hersteller Toto konnte bisher in Europa nicht viele Einheiten verkaufen. Im Bezirk Nagoya gibt es besonders viele Verkehrsdelikte. 2015 will die Polizei gute Fahrer herauspicken und "Gefällt-Kärtchen" verteilen. Mit drei Kärtchen bekommt man kleine Geschenke. Im Jahre 2016 wird das erste japanische Nacktrestaurant in Tokio eröffnet. Wer mehr als 15kg über dem Durchschnittsgewicht liegt, ist unerwünscht. Berühmtester japanischer Koch ist Nobuyuki "Nobu" Matsuhisa. Er herrscht über 40 Restaurants weltweit (Moskau, Dubai, Las Vegas, New York, Monte Carlo, London, München, Tokio). Er arbeitet mit Masamoto-Messern mit Klingen aus Carbonstahl. Japans Kapselhotels (Spitzwort: Sarghotel) erleben 2016 wieder einen Aufschwung. Sie sind eine kreative Antwort auf den Platzmangel japanischer Megastädte. Es sind Mini-Schlafstätten in Form von Regalen oder Schubladen.  Das erste Hotel dieser Art wurde 1977 in Osaka eröffnet. 2017 entsteht in Japan eine neue Therapie (Otona Maki), um die Körperhaltung und Beweglichkeit zu verbessern. Erwachsene lassen sich in Tücher wie eine Mumie einpacken. Darin bleiben sie 15 bis 20 Minuten umschlungen. 2017 breitet sich das Lolita-Geschäft aus. Tausende Schülerinnen schlittern in die Prostitution. Sie nennen es Nebenjob, um ihr Taschengeld aufzubessern. Es ist ein Graubereich der Legalität sexueller Dienstleistungen (joshi kokosei - JK-Business). Obst wird 2017 in Japan zum Luxusgeschäft. Die Japaner lieben das heimische Obst. Manche Früchte erreichen Luxuspreise (Beispiel: eine Erdbeere umgerechnet 8 Euro). Obst wird Geschäftspartnern und Freunden als ein Zeichen der Wertschätzung überreicht.

Die Welt der japanischen Samurai wurde vom 24. Februar bis 5. Oktober 2008 im Historischen Museum der Pfalz in Speyer gezeigt. Waffen, Rüstungen und Alltagsgegenstände sind ausgestellt. Die Samurai prägten bis in die 1870er Jahre auch stark Traditionen wie Teezeremonie, Ikebana und Origami. Auch ihr Einfluss auf die japanische Kultur insgesamt wird dargestellt. Vgl. www.museum-speyer.de .Empfehlenswert ist auch der Katalog "Samurai" für 19,80 €.

In der Bonner Kunsthalle begann am 24. August 2008 eine Ausstellung über Tempelschätze aus einem der ältesten Klöster Japans (Daigo-ji, seit 1994 Weltkulturerbe). Enthalten ist auch eine Skulptur von Kukai, der vor über 1200 Jahren die Schule des geheimen Buddhismus in Japan etabliert hat.

Japan wird immer wieder von den schlimmsten Naturkatastrophen heimgesucht. Trotz der hohen Opferzahlen erntet das Land unter internationalen Experten viel Anerkennung. Notfallübungen sind gang und gäbe in Japan. In den Büros lagern Überlebenspakete. In den einzelnen Regionen gibt es ein System von Sonderwarnungen.

"Japan hat heutzutage einen weit größeren kulturellen Einfluss als in den 80er Jahren, als es eine wirtschaftliche Supermacht war", Douglas McGray, amerikanischer Journalist, zitiert nach Hirn, Angriff aus Asien, 2007, 193.

Das ist das berühmte Riquethaus in Leipzig. Es war ursprünglich ein Handelshaus; heute ist es ein Cafe (das Handelshaus wurde 1908 gegründet).  Die Elefanten und das obere Bild zeugen vom Ostasienhandel der Familie. Die ersten Kunstgegenstände aus Asien kamen zusammen mit Waren nach Europa. Im Grassi - Museum, Leipzig, gibt es im Museum für Angewandte Kunst Kunstgegenstände aus Japan und China (auch aus Indien, Persien, Ägypten). Sie haben den Jugendstil Ende des 19. Jahrhunderts in Europa stark beeinflusst (Haushaltsgegenstände, Möbel, Kunst). Vor allem die japanischen Kunstgegenstände, die die Kaufleute mitbrachten, hatten einen großen Einfluss. Porzellan wurde in China erfunden, zuerst in Sachsen dann auf dem europäischen Kontinent hergestellt und verbreitete sich dann schnell in Europa. Im Jahre 2013 haben zwei große Musiker, nämlich Bach und Wagner, ein Jubiläum. An der Uni in Leipzig wirkten Nietzsche und Leibnitz wie auch Stromer (Auerbachs Keller). Goethe, der in Leipzig studierte, machte den Keller im "Faust" weltberühmt. Er wurde vom Frankfurter  Bauunternehmer Schneider restauriert, der später die größte Baupleite der deutschen Geschichte hinlegte und die Banken blamierte.

Notenbankstatus/ Handeln der Zentralbank: abhängige Zentralbank, Finanzministerium (Status umstritten seit 1998, Unabhängigkeit ist angestrebt, zumindest Kapitalservice für das Finanzministerium; Leitungsgremium: Policy Board). Das geldpolitische Komitee (Policy Board, Notenbankrat) wird auch von der Regierung besetzt. Dazu gehören immer hohe ehemalige Industriemanager. Gründung 1882 während der Meiji-Zeit. Notenbank-Gouverneur und damit Chef ist Haruhiko Kuroda (vorher Masaaki Shirakawa; vgl. Interview von Kuroda im Handelsblatt, 29./30./31. Mai 2015, S. 10). Als Nachfolger ist der Ökonom Kazumasa Iwata vorgesehen. Die japanische Notenbank beteiligte sich mit 1 Bill. Yen an der weltweiten Aktion auf dem Geldmarkt gegen die Krise der internationalen Finanzmärkte im Sommer 2007. Am 20. 08. 07 stützt sie den Geldmarkt erneut mit 1 Bio. Yen (6,7 Mrd. €), ebenso die australische Zentralbank (2 Mrd. €). Nach der Insolvenz von Lehman Brothers gibt die Zentralbank 10 Mrd. € in den Finanzmarkt. Die BoJ kauft weiterhin Staatsanleihen (für jährlich 170 Mrd. €) und pumpt Geld in das Bankensystem, um die Deflation zu bekämpfen. Ab August 2010 stellt sie auch weitere zinsgünstige Kredite für Unternehmen zur Verfügung. Nach der Naturkatastrophe 2011 pumpt die Notenbank sofort Billionen von Yen in die Finanzmärkte. Es handelt sich hauptsächlich um Kredite für den Aufbau der Infrastruktur.

Die japanische Notenbank flutet jährlich die japanische Volkswirtschaft mit 194 Mrd. Euro durch den Kauf von Staatsanleihen. Zusätzlich hat sie ein weiteres Programm von zuletzt 495 Mrd. Euro. Die Inflation ist zur Zeit kein Risiko in Japan. Die quantitative Lockerung kam schon vor mehr als zehn Jahren. 2012 macht die Notenbank mit der Geldflut weiter. Das Wertpapierkaufprogramm wird um 11 auf 91 Billionen Yen aufgestockt (ca. 900 Mrd. €).  Damit können die Geschäftsbanken fast unbegrenzt Kredite geben (0,1% Zinssatz). Die Wirtschaft soll angekurbelt werden. Anfang 2013 kündigt die Notenbank an, dass sie ab 2014 unbegrenzt Anleihen ankauft (druckt Geld und kauft damit Staatsanleihen). Durch diese Geldschwemme soll der stotternde Wachstumsmotor angeregt werden. Natürlich geht es auch um eine gezielte Abwertung des Yen. Der Zins wird faktisch auf 0 gesenkt. Die expansive Geldpolitik wird 2015 fortgesetzt (jährlich 80 Billionen Yen für Ankauf von Anleihen und Wertpapieren). Im Februar 2016 führt die Notenbank Strafzinsen ein. -0,1% beträgt der Strafzins für neue Überschüsse, die japanische Banken bei ihrer Notenbank parken. Umgerechnet 640 Mrd. Euro steckt die Bank of Japan jährlich in den Ankauf von Wertpapieren. Im April 2016 erwägt die Notenbank negative Kreditzinsen. Der Notenbankchef spricht von mindestens minus 0,4%. Der derzeitige Zins für Unternehmen und für die langfristige Finanzierung der Banken liegt bei 0 Prozent. Weiterhin wird vermutet, dass Japans Notenbank ihre Staatsanleihen abschreiben könnte (Schuldenschnitt). Dann würde auch die Schuldenquote zurückgehen (etwa um ein Drittel). Irgendwann muss dies kommen.  Mit Abschluss zum 31. März 2016 hat die japanische Notenbank eine Bilanzsumme von 3182,6 Milliarden Euro (2009: 949,4). Diese zeigt die Geldmenge in einer Volkswirtschaft an. Der Wert der gekauften ETF-Anteile beträgt 80,8 Mrd. €. 2016 kauft die Notenbank neben Staats- Anleihen (viele verschwinden nach dem Kauf vom Markt) sogar Aktien ("Kansei Soba" - staatlich gemachte Kurse). Hoffentlich spekuliert sie besser als der staatliche Pensionsfonds (April bis Juni 2016 fünf Billionen Yen Verlust). 2017 bläht sich die Bank von Japan weiter auf (Bilanzsumme der Zentralbank steigt auf 4 Billionen Euro). Sie ist damit auch einer der größten Nachfrager am Aktienmarkt. Auch 2017 bleibt die Bank of Japan weiterhin expansiv (im Gegensatz zur Fed). Das Inflationsziel von 2% kann nicht erreicht werden (noch nicht mal 1%). "Die Führung der Notenbank soll den nach wie vor schlechten Zustand der Wirtschaft beachten", Shizuka Kamei, Minister für Finanzaufsicht, im November 2009.

Währung und Geldpolitik: Yen, Devisenreserven:  1,019 Billionen $ Juni 2009 (auch weil die Kurse amerikanischer Staatsanleihen, in denen ein Großteil der Reserven angelegt ist, kräftig gestiegen sind), 1$=ca. 109 Yen,  1€=ca. 122 Yen. Nach dem Brexit am 23.06.16 wird der Yen stärker: 1 €=114 Yen.  2013 ist der Wert des Yen um 17% gefallen.  Einige Zeit stetige Abwertung des Yen. Er war deutlich unterbewertet. Aufwertung nach den Börsenkrisen 2007 und Auflösung von Carry Trades, auch im Sommer 2007. Ebenso in der Finanzkrise 2008 und danach. Bei der weltweiten Reservehaltung der Notenbanken hat der Yen an Boden verloren. Die japanische Notenbank, BoJ, hat am 09.03.06 ihre Null-Zinspolitik, die seit 2001 bestand,  beendet und ist zu einer leichten Erhöhung des Leitzinses übergegangen: 0,25% am 14. 07. 06.  Außerdem hat sie die Geldmenge, die sie den Banken zur Verfügung stellt, um über 80% auf gut 50 Mrd. $ drastisch reduziert. Um deflationäre Tendenzen zu bekämpfen, hat sie die Summe der bei ihr täglich fälligen Einlagen der Geschäftsbanken von 30 Mrd. € auf bis 260 Mrd. € erweitert und ihre monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen auf fast 9 Mrd. €. Am 21.02.07 erhöhte Japans Notenbank den Leitzins auf 0,5% (Overnight Call Rate, Stellenwert des Hauptrefinanzierungssatzes in Europa). In gleicher Höhe liegt der Diskontsatz, der Zinssatz als Rendite zehnjähriger Anleihen liegt bei 1,5%. Danach wächst der Druck für weitere Zinserhöhungen: Erhöhung der Zinseinkünfte für Konsum. Weitere Zinserhöhungen werden in Aussicht gestellt. Doch der Leitzins bleibt unverändert, weil die Industrieproduktion und die Preise sich negativ entwickeln und wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten. In der Finanzkrise 2008 wird der Zins auf 0,3% gesenkt, im Dezember 2008 auf 0,1%.  Im Oktober wird der Leitzins quasi auf Null gesenkt (0 bis 0,1%). Seit Ende der achtziger Jahre hat sich der Anteil des Yen in den Reserven der Zentralbanken auf fünf Prozent halbiert und wurde damit vom britischen Pfund überholt.  Auch in Japan werden Stimmen laut, die hohen Devisenreserven in einem staatlichen Investitionsfonds anzulegen. Der hohe Yen (fallender Dollar) macht Ende 2009 der Regierung große Sorgen (vor allem wegen Exports). Es werden Eingriffe am Devisenmarkt erwogen. Diese erfolgen im September 2010, indem die Bank of Japan Landeswährung im Milliardenumfang (100 bis 500 Mrd. Yen) verkauft, um eine Abwertung des Yen zu erreichen. Der teure Yen schadet insbesondere den japanischen Autobauern. 2011 kauft Japan Euro-Anleihen im Wert von 1,03 Mrd. €., um Europa zu helfen. Ende Oktober 2011 will die Notenbank erneut am Devisenmarkt intervenieren, um den Yen gezielt zu schwächen. Von der Geldschwemme profitieren Regierung und  Reiche (schöpfen Spekulationsprofite ab). Das private Geldvermögen schwindet (schadet stark den Armen). 2013 betriebt die Notenbank eine Politik des lockeren Geldes, um den Yen abzuwerten. Dies gelingt (aber Importe werden teurer und Vermögen fließt ins Ausland). Man spricht von Abenomics (ökonomisches Experiment). Dazu gehören aber auch eine entsprechende Finanz- und Strukturpolitik. Die Notenbank kauft jährlich für 550 Milliarden Euro Staatsanleihen. Dadurch können der staatliche Pensionsfonds, die Post und die Geschäftsbanken Anleihen loswerden. 2018 könnte die Notenbank die Hälfte der Schuldscheine halten. Dann würde eine Insolvenzkrise des Staates oder ein Schuldenschnitt dem privaten Finanzsektor nicht mehr so großen Schaden zufügen.

Kooperation: Japan besitzt einen relativ hohen Anteil am Euro-Rettungsfonds. 2012 besitzt das Land einen Anteil von 12% an den EFSF-Papieren.  Bei einer Auktion der Geldpapiere erwirbt Japan zuletzt im April 2012 einen Anteil von 4,5% (90 Mio. Euro). Japan setzt in seiner Währungspolitik stark auf Kooperation on Ostasien. Große Hoffnungen setzt man in die Chiang Mai Initiative. Es handelt sich um eine bilaterale  Kooperation mit China einerseits und um einen multilateralen Prozess auf ASEAN - Ebene. Ex ante kann man sich auf die gemeinsame Forschungsinstitution AMRO einigen. Es gibt auch so was wie eine "regional compliance". Die Frage wird sein, welche Länder insgesamt mitmachen und wie der Prozess gestaltet wird (peer review: peer learning, peer pressure, peer symbolism, peer collusion, Werner Pascha auf einer Währungskonferenz 2013 in der HS Ludwigshafen). Im Moment überwiegt die symbolische Bedeutung. Generell stellt sich die Frage, ob regionale Lösungen sinnvoll sind.

Andererseits ist die geldpolitische Freiheit geringer geworden - das muss auch Japan einsehen. Ein Land mit persistenten Leistungsbilanzüberschüssen und fremdwährungsdenominierten Nettoauslandsvermögen steht unter starkem Aufwertungsdruck. Die Geldschwemme der Fed und der EZB wird gezwungenermaßen importiert.  Spekulative Kapitalzuflüsse werden in Übertreibungen auf dem inländischen Aktien- und Immobilienmarkt sichtbar. Dies wird durch faktische Negativzinsen noch verstärkt. So entsteht eine Blasenökonomie. Vgl. Gunther Schnabl: Wechselkurs: Japans Lehren für die Schweiz, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/ März 2015, S. 192ff. Nach dem drohenden Staatsbankrott in Griechenland ende Juni 2015 legt der Yen gegenüber dem Euro zu. Wenn sich die Krise im Euroraum verschärft, könnte diese Entwicklung zunehmen. Ansonsten macht Japan kaum Geschäfte mit Griechenland und ist nicht weiter betroffen. Japan führt 2016 Bitcoin als offizielle Währung ein. Krypto-Währungen sollen in die alte Finanzwelt integriert werden. Die jüngste Neuerung in der japanischen Geldpolitik ist die Steuerung der Zinsstrukturkurve, die am 21. September 2016 angekündigt wurde. Das Ankaufsziel wird aufgegeben und die Zinsstruktur soll gesteuert werden (Nachhaltigkeit). Immer mehr zeigt sich in Japan, was lockere Geldpolitik anrichten kann. Von den Maßnahmen der Notenbank haben vor allem Alte und Reiche Vorteile (der Unterschied zwischen Arm und Reich hat stark zugenommen, unproduktive Unternehmen überleben, ältere Menschen haben sicherere Jobs, gespart wird bei jüngeren Menschen).   Eine lange Tradition mit Parallelwährungen in Krisenzeiten hat Japan. Eine solche Währung ist der Reneria nach Fukushima. Er fußt auf der Idee, dass bei Geldknappheit der Warenaustausch zum Erliegen kommt und so der Wiederaufbau nicht möglich ist. So schuf Takahashi eine neue Währung und verteilte sie in Familie und Gemeinde. Die Währung hielt sich solange, bis die Versicherungen Schäden bezahlten.

Geschichte: Mit dem Plaza-Abkommen 1985 geriet das Exportwunder von Japan in Gefahr. Die Vereinigten Staaten fürchteten damals aufgrund des starken US-Dollar um ihre Wettbewerbsfähigkeit und einigten sich mit den damaligen G5-Staaten auf eine Aufwertung des japanischen Yen und der Deutschen Mark im Vergleich zur Weltleitwährung. Dadurch gerieten in den Folgejahren die japanischen Exportunternehmen unter Druck. Daraufhin weitete Japan seine Staatsausgaben massiv aus und die japanische Zentralbank  (BoJ) senkte die Leitzinsen.  Angetrieben durch die zunehmende Liquidität floss mehr Kapital an die Tokioter Börse. Dies expandierte wie auch der Immobilienmarkt. Auf den Boom folgte 1989 der große Knall. Darauf folgen die "verlorenen Dekaden", wie man die Jahre nennt. 2012 kommt dann Abenomics, das eine Belebung bringen soll. Seit 2013 forcierte die japanische Notenbank vor allem die Ankäufe von Staatsanleihen. Ihr Bilanzvolumen liegt 2018 bei rund 100 Prozent des BIP, 1990 waren es nur 9,3%. Das billige Geld nutzte vor allem den Reichen in Japan. Sie haben Immobilien in Tokio und investierten in den US-Aktienmarkt. Japans sparfreudige Mittelschicht hat mit fallenden Zinsen auf Bankeinlagen zu kämpfen. Statt 3,6% wie 1990 gibt es 2018 0,3%.

Finanzmärkte/ Aktienmarkt: Nikkei-Index, größte Börse in Tokio. 2010 wird das neue Handelssystem "Arrowhead" eingeführt. 2012 und 2013 kommt es zu einem Höhenflug des Aktienindex Nikkei. Gründe sind die expansive japanische Geldpolitik und der Yen als sicherer Hafen. 2012 war der Index um 57% gestiegen auf 16.300 Punkte. 2014 ist er unter der wichtigen psychologischen Marke 15.000 (Anfang März 2014 14.650). 2009 brechen die Einnahmen weg. China verdrängt Japan auf dem zweiten Platz. Am Jahresende 2005 stand der Nikkei bei 16.111,4; Ende 2006 bei 17.057,01. Analysten sehen für 2007 beim Nikkei ein großes Potential, das nächste große Ziel ist die Widerstandszone um 21.000 Punkte. Die Kurse gingen 2006 um durchschnittlich 40% in die Höhe. Besonders positiv Sony und Japanese Equity. Am 28.02.07 sinkt der Nikkei-Index um 4% als Folge des Rutsches des Aktienkurses in Shanghai einen Tag vorher. Weitere Kurseinbrüche gibt es infolge der amerikanischen Finanzmarktkrise (z. B. Insolvenz von Lehman Brothers). Am 09.03.09 fällt er auf den tiefsten Stand seit 26 Jahren. Vor 20 Jahren 1989 hatte er den Höchststand mit fast 40.000 Punkten. Zwischen der New Yorker und der Tokioter Börse zeichnet sich eine Allianz ab. Japan hält mittlerweile amerikanische Staatsanleihen in Billionenhöhe (auch China). Japans Nebenwerte stehen nach der Talfahrt vor einem Comeback. Viele Hedge Fonds holen sich ihr Kapital in Japan zu den niedrigsten Zinsen und sind vom Yen-Kurs abhängig (auch eine Art "Carry Trade").  Kapital fließt bei Turbulenzen an den Finanzmärkten nach Japan zurück und der Yen steigt. Private Equity belebt den japanischen Finanzmarkt; es ist eine steigende Akzeptanz zu beobachten. Ganz allmählich erholt sich 2011 der Immobilienmarkt. Es werden wieder mehr Wohnungen gekauft, vor allem in Tokio. Sofort nach dem Erdbeben mit Tsunami und anschließenden Explosionen in Atomkraftwerken fallen die Aktien des Nikkei-Index um 6%. Interessant sind sogenannte Shogun Bonds. Es sind in Japan von ausländischen Finanzinstituten ausgegebene Anleihen in Währungen, die nicht auf Yen lauten. Am 29.06.15 bei dem drohenden Staatsbankrott in Griechenland bricht der Nikkei-Index um 2,9% ein (zweitgrößte Börseneinbruch im Jahr; am Ende des Tages wieder entschärft). Weitere Rückgänge des Nikkei hängen mit der chinesischen Börse zusammen. Am 27.07.15 schloss der Nikkei-Index mit minus 0,95 Prozent ab (Börsen in China -8%). Noch stärker ist der Einbruch am 24.08.2015 (-4,61%). Wieder reagiert der Nikkei auf die schlechte Entwicklung in China. Auch zu Beginn des Jahres 2016 reagiert der Nikkei auf die Abstürze in Shanghai (-3,1% auf 18 450,9 Punkte). Seit Jahresbeginn hat der Nikkei-Index ein Fünftel seines Wertes verloren (bis Mitte Februar 2016). Der Kurseinbruch von Toshiba hat dazu auch beigetragen. Im Jahre 2018 verliert der Nikkei -12,11% seines Wertes. Es kommt also zu einem Kurseinbruch japanischer Aktien. Es gibt aber Chancen auf Rendite: Für japanische Aktien spricht 2019 eine günstige Bewertung. 2014 war der beste Japan-Aktienfonds in Deutschland Deutsche Nomura Japan Growth. Beim Anlagenschwerpunkt kleine und mittlere Unternehmen führte Aberdeen Japanese Smaller Companies.

Corporate Governance Kodex: Er wird Mitte 2018 reformiert und verschärft. Es gibt 78 neue Anforderungen. Es gibt mehr Transparenz, Aktionäre bekommen mehr Rechte, Kontrollen werden verbessert, Aufsichtsräte sollen keine reinen lnländischen Männerclubs mehr sein (Öffnung für Frauen und Ausländer).

Entflechtung: Die Firmengeflechte und Konglomerate sollen transparenter und effizienter werden. Sie sollen zum Teil entflochten werden, etwa durch Abspaltungen. Genannt werden hier Sumitomo (NEC), Mitsubishi.

Aktienrückkäufe: Im Jahr 2018 steig die Zahl der Aktienrückkäufe japanischer Unternehmen rapide an (+15%). Das hat dem Aktienmwarkt auch Rückenwind gegeben. Ebenso die ETF-Käufe der Bank of Japan für umgerechnet 217 Mrd. €.

Bankensystem: Japan hat ein Trennbanksystem. Es gibt privatwirtschaftliche und öffentliche Finanzinstitute. Die privatwirtschaftlichen bestehen aus Handelsbanken (Stadt- und Regionalbanken), Langfrist-Kreditbanken (Kapital), Treuhandbanken (Trust) und Darlehens- und Sparkassen. Zu den öffentlichen Banken zählen die Postbank, die Japan Development Bank und die Export-Import-Bank. Japans Banken haben traditionell eine Scheu vor riskanten Auslandsgeschäften. Dies hat sich bei der Finanzkrise 2008 als Glücksfall erwiesen. Dabei hat Japan aus der Asienkrise jede Menge Erfahrung mit der Entsorgung "fauler Kredite". 1999 wurde eine Bad Bank gegründet, die Deposit Insurance Corporation of Japan (DICJ). Im Frühjahr 2009 befinden sich allerdings auch die japanischen Banken im freien Fall (Mizuho, Nomura, Sumitomo Mitsui, Norinchukin).

Die Finanzmarktreform ist so gut wie abgeschlossen (drei Großbanken haben überlebt, 2/3 der faulen Kredite wurden abgebaut). Die Folge ist auch, dass die japanischen Banken die Kreditkrise 2007/2008 besser verdauen als die globale Konkurrenz. Die japanische Post ist das weltweit größte Finanzinstitut, das Ersparnisse im Wert von 2,64 Billionen Euro verwaltet. Die japanischen Investmentbanken steigen wieder mehr ins internationale Geschäft ein. Am wichtigsten ist die Nomura Corporate Finance Group. Asien hält gegenwärtig nur 14% an der Weltbörsenkapitalisierung, davon Japan allein 9% (die USA mehr als 50%).  In der Finanzbranche zeichnet sich 2008 ein neuer Schub von Allianzen und Fusionen ab. Im Mittelpunkt stehen die Regionalbanken (vor allem die Ashikaga Bank). Japans viertgrößte Bank Resona macht 2011 eine Kapitalerhöhung. Die Japanischen Pensionsfonds haben mit 2946 Mrd. $ das zweithöchste Vermögen nach den USA. 2008 steckt Japan in einer Immobilienkrise (Insolvenzen, Kreditklemme). Da auf dem Heimatmarkt das Kreditvolumen schrumpft, wollen die Großbanken in Asien expandieren. Wenn in der geplanten Steuerreform 2011 das Vortragen von Verlusten begrenzt wird (auf 80% des Einkommens), würde dies die Banken besonders hart treffen. So stehen Japans Regionalbanken vor einer beispiellosen Konsolidierungswelle. Die Zahl von 84 an der Börse notierten Banken könnte halbiert werden.

Finanz- und Steuerpolitik: In Zeiten der Stagnation einige Konjunkturprogramme nach dem Muster von Keynes, die relativ wirkungslos waren. Begrenzung der Einkommensteuer auf maximal 37%, Kapitalertragsteuer  halbiert, Vereinfachung der Erbschaftsteuer. Effektiver Höchstsatz bei der Körperschaftsteuer 40,87% (OECD-Schnitt 27,8%). Der Mehrwertsteuersatz ist weiterhin mit 5% weltweit der niedrigste. Bis 2010 will die Regierung rund 19000 Jobs im aufgeblähten öffentlichen Dienst des Landes abbauen. In den kommenden fünf Jahren sollen die Staatsausgaben um bis zu 14,5 Billionen Yen (rund 100 Mrd. €) sinken. 2009 liegt der Haushaltsentwurf wegen des Konjunkturpakets aber bei der Rekordsumme von 690 Mrd. €.  Die Militärausgaben betragen 2008 ca. 46,3 Mrd. $. Steuerreform erst bei besserer Konjunktur im Jahre 2008. Wahrscheinlich wird man die Bemessungsgrundlage bei den direkten Steuern verbreitern (bisher wird nur die Hälfte der Lohneinkünfte und nur ein Drittel der Körperschaften besteuert). 2007 wurden massive Buchhaltungsfehler bei der staatlichen Rentenkasse entdeckt (bei 50 Mio. Konten wurden Einzahlungen falsch gebucht). Die sehr hohe Verschuldung mit 160% des BIP in Japan geht zu Lasten der Provinzen und Kommunen, die sich in einer Strukturkrise befinden. Ab 2009 soll mit dem Schuldenabbau begonnen werden (ausgeglichener Haushalt bis 2011 wird wohl nicht erreicht werden). Der Etat 2010 umfasst 93,3 Billionen Yen (700 Mrd. €). Im Herbst 2008 legt die Regierung ein Konjunkturprogramm in Höhe von 70 Mrd. € auf (teilweise finanziert über Sonderhaushalt in Höhe von 11 Mrd. €). Damit verabschiedet sich Japan vom Sparkurs.  Es folgen weitere Programme (insgesamt 635 Mrd. €, 17,7% des BIP). Instrumente sind Beihilfen für Unternehmen und Banken, Ausweitung der Arbeitslosenhilfe, Konsumgutscheine an Familien, Investitionen in Umwelttechnik. Interessant ist die Einführung von Öko-Aktionspunkten, die man beim Kauf von energiesparenden Technikgeräten bekommt. Es gibt auch eine Abwrackprämie für Autos, die mit insgesamt 3 Mrd. € ausgestattet ist (bis März 2010). Neuwagen müssen aber bestimmte Umweltnormen erfüllen. Das Haushaltsjahr beginnt immer am 1. April. Ende 2009 legt Japan noch ein Konjunkturprogramm auf (55 Mrd. €, Subventionierung umweltfreundlicher Autos und Haushaltsgeräte). Die Finanzierung soll über Anleihen, Notfallfonds und Einsparungen des ersten Programms erfolgen. Der neue Premier Kan will die Finanzpolitik ändern: Er plant eine Steuerreform (Erhöhung der Mehrwertsteuer, jetzt 5%, Herabsetzung der Unternehmenssteuern). Die Abgabe auf Zigaretten soll um 40% steigen. Auch die sozialen Sicherungssysteme sollen reformiert werden. Um mit den Folgen von Fukushima fertig zu werden, empfiehlt 2011 eine Regierungskommission öffentliche Fonds, Sonderwirtschaftszonen (geringere Steuern) und eine Verdopplung der Mehrwertsteuer von derzeit 5% (2012) bis 2015 (10%). So soll auch schon 2012 die Mehrwertsteuer von 5% weiter steigen. Was bedeutet dies für den Binnenkonsum? (60% des BIP). Eine Wiederaufbausteuer für Unternehmen wird eingeführt. 2011 gelingt es der Regierung erfolgreich Wiederaufbau-Bonds zu vermarkten (1 Mrd. Euro haben Privatkunden bei den sieben Großbanken angelegt). Im November 2012 wird ein neues Konjunkturprogramm beschlossen (11 Mrd. €, Unterstützung von KMU, 80.000 neue Arbeitsplätze). Mittlerweile spricht man 2013 von Abenomics (Abe-Economics). Gemeint ist eine Wirtschafts- und Finanzpolitik, die auf Ausweitung der Geldmenge, Abwertung der Währung und öffentliche Investitionen setzt (genauer: Baustein 1 radikale Geldpolitik, um künstlich Inflation und Abwertung herbeizuführen; Baustein 2 schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme; Baustein 3 strukturelle Reformprogramme zur Erhöhung der Steuereinnahmen und Deregulierung des Arbeitsmarktes: vollständige Integration der Frauen, gerechtere Bezahlung der Jugendlichen im Niedriglohnbereich). 2013 zeigen sich positive Effekte (Exportanstieg, Wachstum). Die Regierung beschließt im Oktober 2013 konkrete Maßnahmen: Erhöhung der Mehrwertsteuer von 5 auf 8% ab April 2014. Konjunkturpaket in Höhe von 38 Mrd. €. Die Stimmung verbessert sich deutlich im Lande, so dass zum ersten Mal seit langem mehr Wirtschaftswachstum geschafft wird. Der Yen bleibt schwach (was wegen der Exporte gewollt ist). Ende des Jahres 2013 wird noch ein Konjunkturprogramm in Höhe von 134 Mrd. € aufgezogen (auch gegen restriktive Wirkungen der Verbrauchssteueranhebung, Wachstum langsamer im dritten Quartal 13). Die Verbrauchssteueranhebung für 2015 auf 10% dürfte wegen der schlechten Wirtschaftslage verschoben werden (auf 2017).  Um den Haushalt mittelfristig zu konsolidieren wäre eine Mehrwertsteuer von 23 Prozent notwendig. Am 18.11.14 tritt Abe wegen der Rezession zurück (dürfte aber im Dezember wieder gewählt werden, was dann auch passiert). Damit ist die schuldenfinanzierte Wirtschafts- und Wachstumsstrategie des leichten Geldes im Prinzip gescheitert. Der versprochene Haushaltsausgleich bis 2020 ist nicht mehr zu schaffen. Mit einem massiven Konjunkturprogramm will die neue japanische Regierung ab 2015 die Wirtschaft wieder in Schwung bringen (3,5 Billionen Yen/ 24 Milliarden Euro). Die wichtigsten Elemente sind Unterstützung für den Mittelstand, für Verbraucher und die Opfer von Naturkatastrophen. Auf dem G7-Gipfel in Ise-Shima am 26.05.2016 versucht Premier Abe die anderen Länder für einen "konzentrierten Push" zu gewinnen. Der Staat soll massiv in Infrastrukturprojekte investieren. Bei Merkel ist er schon abgeblitzt. Knapp die Hälfte der japanischen Steuereinnahmen und ein Viertel des Haushalts  2016 fließen in die Schuldentilgung.  "Abenomics hat bisher nur die Gewinne exportorientierter Unternehmen erhöht", Ökonomieprofessor Yasuo Goto 2016 (Die Zeit, Nr. 30, 14.07.16, S. 26).  Der japanische Ökonom Takuro Morinaga will 2013 eine Steuer für gut aussehende Männer einführen, um die Geburtenrate zu heben. Begründung: Schöne Männer hätten es beruflich leichter und verdienten im Schnitt mehr. Sie seien von Frauen umschwärmt, würden aber nur wenig Kinder zeugen. Die Steuer soll die Attraktivitätslücke schließen. Beurteilen soll eine Damenjury der Steuerbehörde. Die Regierung führt 2017 eine originelle Regelung ein, um den Konsum in Japan anzuregen. Einmal im Monat soll es einen Premium-Freitag geben, an dem die Japaner um 15.00 Uhr aufhören zu arbeiten, damit sie Zeit haben, ihr hart verdientes Geld auszugeben.

Japan ist eines der letzten "Tabakparadiese". Einflussreiche Politiker, Tabak- und Restaurantlobby verhindern bisher ein Verbot von Rauchen. Als Ausrichter der Olympischen Spiele 2020 muss Tokio aber  das Rauchen in allem öffentlichen Einrichtungen verbieten. Bisher gelten Rauchverbaute nur lokal. Zigaretten sind in Japan sehr günstig. Die Tabaksteuer gehört zu den wichtigsten Staatseinnahmen (63% des Schachtelpreises Steuern). Der Staat hat an der wichtigsten Firma "Tobacco" einen Anteil in Höhe von 30%. Auf dem Höhepunkt 1966 rauchten in Japan 84% der Männer und 18% der Frauen. 2016 waren es noch 19,3% aller Japaner.

Steuern: Steuern waren Ehrensache. Die Steuermoral war extrem hoch. Es galt sogar ein Ehrenkodex mit einer gewissen Freiwilligkeit. Das soll langsam reformiert werden. Ab Oktober 2019 wird die Mehrwertsteuer von acht auf 10 Prozent erhöht.

Bildungs- und Forschungspolitik:  Ausgaben für Forschung und Entwicklung: 3,3% des BIP (Durchschnitt 2000 - 2008, 129 Mrd. $ 2006). 2009 gibt Japan 137 500 472 US-Dollar für Forschung und Entwicklung aus (ist auf dritte Stelle in der Welt hinter USA und China zurückgefallen). Japan hat die höchste Forscherdichte pro Million Einwohner in der Welt: 5573,0.  Bei Patentanmeldungen liegt Japan mit 26.900 (2006) an zweiter Stelle in der Welt hinter den USA und vor Deutschland. Zunehmend setzt die japanische Industrie Patente als strategisches Instrument ein. Dies gilt für E-Autos und weitere Elektronik.

Die Wahl des Kindergartens ist für den weiteren Lebensweg von entscheidender Bedeutung. Danach beginnt das 6-3-3 Bildungssystem. Gruppenkonformität hat Priorität: "der vorstehende Nagel wird eingeschlagen". Das japanische Schulsystem verlangt den Kindern von klein an ein immenses Pensum ab. Harter Drill, Leistungsdruck und krankhafter Ehrgeiz kommen häufig vor. Freizeit außerhalb der Schule kennen die Kinder nicht. Japanische Schulen zählen zu den schwierigsten der Welt. Die Kinder haben oft kein Vertrauen zu den Eltern.

Das Hochschulsystem ist hierarchisch strukturiert. Oben stehen die sieben ehemaligen Kaiserlichen Universitäten Kyoto, Tokyo, Osaka, Hokkaido, Tohoku, Kyushu, Nagoya. Von diesen Hochschulen kommt die Regierungs- und Wirtschaftselite. Vier Fünftel der Hochschulen sind in privater Trägerschaft und werden von 75% der Studenten besucht. Damit gibt der Staat relativ wenig Geld für das Hochschulsystem aus.

Cybersicherheit: 2019 will Japan mit staatlichen Cyberangriffen vor den Sommerspielen 2020 für mehr Sicherheit sorgen. Das "Internet der Dinge", "Smart Homes", Webcams, Router und WLan werden vom Nationalen Institut für Informations- und Kommunikationstechnologie als "Weißer Hacker" angegriffen. Insbesondere werden Standardpasswörter eingesetzt. Ein neues Gesetz erlaubt die Attacken.

Sozialpolitik und Sozialversicherung (Gesundheit): Die soziale Absicherung findet über die Familie, das firmeninterne Sozialsystem und die Sozialversicherung statt. Es gibt eine gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung. Daneben spezielle Sozialleistungen wie eine Krankenversicherung für Taglöhner (seit 1953) und eine kostenlose medizinische Versorgung für Alte (seit 1973, Selbstbeteiligung seit 1983). Es gibt auch eine Sozialhilfe, die nicht stark nachgefragt wird. Die DPJ will eine "Politik mit warmem Herz" betreiben. 2009 erhöht die neue Regierung die Sozialausgaben. Dafür werden große Bauprojekte gestoppt. Im Durchschnitt beträgt das Renteneintrittsalter 69,5 Jahre. Dazu wurde schon 2005 ein Gesetz eingeführt. Allerdings legen die Firmen das Rentenalter der Mitarbeiter fest. "Nure ochiba" (nasses Laub) steht in Japan für nervende Ehemänner, die an den Schuhsohlen ihrer Frauen kleben. Dies und eine höhere Scheidungsrate sollen auch bekämpft werden. Seit 2013 wird das Rentenalter schrittweise von 60 auf 65 Jahre erhöht.

Das japanische Krankenversicherungssystem besteht seit 1961. Es ähnelt dem der europäischen Länder. Es besteht aus zwei Teilen: 1. Krankenversicherung für Arbeiter und Angestellte (Shakai hoken). Hier sind vor allem Arbeitnehmer von KMU versichert. 70 Prozent werden erstattet, 30 Prozent müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. 2. Kommunale Krankenversicherung (Kokumin kenko hoken). Bei Kindern werden 80% der Kosten übernommen. Bei Erwachsenen bis 74 sind dies 70%. Ab 75 Jahren müssen nur noch 10% selbst gezahlt werden. Im Jahre 2000 wurde ein Pflegeversicherungssystem eingeführt. Ikuko Nishihara wird 2018 in Japan zum Medienstar. Sie hat als Zahnärztin ein Buch über Zähneputzen geschrieben. Sie wendet dich gegen "Maeba", den Verzicht auf Kieferothopädie.

2015 steigen nach zwei Jahren wieder die Reallöhne in Japan. 2015 startet die Regierung die sozialpolitische Stufe von Abenomics: finanzielle Familienbeihilfen und kostenlose Vorschulerziehung. Rund 100.000 Japaner in sozialvericherungspflichtigen Jobs kündigen jährlich, da sie sich daheim um ihre Familienangehörigen kümmern können. Diese Menschen werden dringend im Beschäftigungssystem benötigt, dem wegen der Überalterung Arbeitskräfte fehlen.  Die Thermalbäder in Japan sind eine wundersame Welt. Hier baden sogar Schneeaffen. Für das Benutzen der Heilquellen gibt es eine strenge Etikette. Schuhe und Tattoos sind verboten.

2016 gibt Japan sehr viel Geld für die Direktunterstützung von Rentnern und Familien aus. Das Kindergeld wird um 30% erhöht. Damit verlagern sich aber insgesamt die Staatsausgaben weiter Richtung hoch betagter Empfänger (wie in den letzten 30 Jahren). Dabei geht es der heutigen Rentnergeneration ganz gut. Der beste Schnee der Welt soll auf der japanischen Insel Hokkaido nahe der Stadt Niseko liegen. Dort ist das Dorado des Tiefschnee-Skifahrens. 

Damit wird der jungen Generation doppelt geschadet. Denn sie leidet auch unter der schon lange andauernden (seit den 1980er Jahren)  Politik des billigen Geldes: Früher galt Japan als gerechtes Land, wo sich alle als Teil der Mittelschicht sahen. Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Die Mittelschicht erodiert. Für immer mehr junge Menschen sind Haus, Familie, Auto und Urlaub nicht mehr finanzierbar. Die reichen Japaner, die wie in anderen Ländern auch immer reicher werden, profitieren von Spekulationen und Anlagen auf den Finanzmärkten (Aktien, Immobilien). Die Geldschwemme schwächt auch die Innovationskraft der Wirtschaft und zeigt sich auf dem Arbeitsmarkt (Prekarisierung, weniger gute Stellen). Der Anteil prekärer Beschäftigungsverhältnisse hat sich von 20% im Jahr 1990 auf 37% 2018 fast verdoppelt. Das drückt auch die Geburtenrate mit drastischen Folgen für Sozial- und Gesundheitssystem. Die EU sollte gewarnt sein.

Strukturpolitik/ Wettbewerbspolitik/ Industriepolitik: Special Zones for Structural Reform; Gründung der IRC (Industrial Revitalization Corp.); Deregulierung:  u. a. Postreform (größter Arbeitgeber mit 400000 Beschäftigten, erste Teilprivatisierung Oktober 2007). Im Oktober 2009 friert die neue japanische Regierung die Privatisierung der Post ein. Japans Firmen greifen allerdings wegen zunehmender Schwierigkeiten auf dem Heimatmarkt im Ausland mit Investitionen an. Die Regierung von Hatoyama will den Kampf mit Bürokratie und Beamtenherrschaft aufnehmen. Japans Unterhaltungs-Elektronic-Stars kommen immer mehr unter die Räder des Wandels. Sharp, Sony und Panasonic müssen umorganisieren. Die Regierung hält aber durchaus auch scheintote Unternehmen am Leben (investieren nicht mehr, stellen keine Mitarbeiter mehr ein). Sind Tilgungen fäälig, erhalten die Unternehmen neue Kredite.  "Monozukuri", die Kunst des Herstellens von Dingen, gilt als Kern der Wirtschaftsstruktur. Der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt ist aber seit mehr als drei Jahren rückläufig (von 2104 zurück). Dafür sind zwei Trends verantwortlich. Erstens die zunehmende Konkurrenz aus Süd-Korea und China. Zweitens die Verschiebung der Produktion durch japanische Konzerne nach Übersee. Die Bevölkerung in Japan verringert sich und ein relativ starker Yen verteuert die Produktion. Die Shibuya - Kreuzung in Japans Hauptstadt Tokio gilt als die geschäftigste der Welt. Über die Zebrastreifen an der Shibuya - U-Bahnstation eilen täglich Tausende von Menschen. Direkt am Ausgang der U-Bahnstation befindet sich der beleibteste Treffpunkt der Tokioter: die Hachiko-Statue. Hier wurde dem treuesten Hund der Welt ein Denkmal gesetzt. Er war ein Akita-Hund. In den 1920er - Jahren holte er sein Herrchen, einen Universitätsprofessor, jeden Tag am Bahnhof ab. Das machte er bis zu seinem Tod 1935 auch nach dem Tod des Herrchens weiter.

Sektoren: Der Dienstleistungssektor steuert mittlerweile den höchsten Anteil zur Wirtschaftsleistung bei. Das sind 2016 71,1%. Es folgen die Industrie (27,7%), Landwirtschaft (1,2%).

Die Genossenschaftsidee, die auf den Deutschen F. W. Raiffeisen zurückgeht, hat in Japan eine große Bedeutung. Die Ursprünge gehen bis in die Meij-Epoche und die Verbindung zum deutschen Kaiserreich zurück. Heute existieren mit die weltweit größten Genossenschaften in Japan: Zenkyren (Versicherung), Zen-Noh (Agrarwirtschaft) und Norinchukin (Bank). Dachverband ist JA-Zenchu. Er lässt das Prinzip der Freiwilligkeit zu, aber nicht das der Autonomie (z. B. wird die landwirtschaftliche Produktion wie von einem Monopol gelenkt). Ein Wandel zeichnet sich durch die Energiewende und im Bereich der Konsumgenossenschaften ab).

Privatisierung: Am 04.11.2015 ging die japanische Post an die Börse. Mit 1,44 Billionen Yen war dies der größte Börsengang 2015.

Strukturelle Reformen im Zeichen von Abenomics: Der "Corporate Governance Code" soll die zahlreichen Verflechtungen japanischer Unternehmen aufbrechen und finanzielle Mittel freisetzen. Noch 2016 machen allerdings die Cashbestände der Unternehmen im japanischen Leitindex fast 34 % der Marktkapitalisierung aus (in USA 8,5%, in der EU 10,7%). Nach Vorstellungen der Regierung soll dieses Kapital zukünftig produktiver eingesetzt werden. Daneben gibt es den Stewardship Code", der sich an institutionelle Investoren wie Pensionsfonds richtet, und diese motivieren soll, auf den effizienten Kapitaleinsatz zu achten. Die Fortschritte bei diesen strukturellen Reformen könnte Japans Wirtschaft langfristig wieder in die Spur bringen.

Nikkei Research Institut: Es erhebt regelmäßig die Lage der japanischen Firmen. 2017 sind die sinkende Nachfrage in der Heimat und der Mangel an Fachkräften die größte Sorge.

Skandale: In den letzten Jahren (von 2018 einige Jahre zurück) erschüttern Skandale von Firmen die Wirtschaft. Betroffen sind Nissan (falsche Abnahme), Subaru, Kobe Steel, Toray (Fälschung von Produktdaten). Japan ist wie Deutschland eine alternde Volkswirtschaft. Die Firmen bekennen Reue, bitten um Verzeihung und geloben Besserung. Das Ritual heißt "Shazai Kaiken" (Entschuldigungspressekonferenz).

Zombifizierung: Das billige Geld durch die Notenbank hat unrentable Unternehmen am Leben gehalten und wacklige Banken stabilisiert. Der fehlende Druck zur Restrukturierung bremste das Produktivitätswachstum. So ist auch der Spielraum für reale Lohnerhöhungen dahin. Der Wohlstand in Japan schwindet.

Casino-Kapitalismus: Wachstumsideologie der Abenomics für die Unternehmen. Staat muss  die nötigen Anreize schaffen, weil die Unternehmen zu schwach sind. Das Geld kommt überwiegend von der Zentralbank, deshalb der Begriff. Die lockere Geldpolitik soll zu Investitionen führen. Allerdings wurden oft die falschen Unternehmen und Branchen gefördert. Atomkraftwerke, U-Boote und Eisenbahnen in aller Welt sollten gebaut werden. Hier sind die Chinesen zum Teil schon besser. Doch Japan hat zum Glück keinen Trump und keine AfD. Vgl. W. Wagner: Japan. Abstieg in Würde, DVA, München 2018, S. 194ff.

Künstliche Intelligenz: Deutschland und Japan wollen hier kooperieren. Auf der Hannovermesse 2019 geht es um konkrete Möglichkeiten. Auch die kulturellen und ethischen Rahmenbedingungen sollen einbezogen werden.

Die japanischen IT-Konzerne Toshiba, Sharp und Fujitsu züchten jetzt auch Obst und Gemüse. Dabei hoffen sie auf einen milliardenschweren Markt. Es handelt sich um High-Tech-Nahrung aus dem "Reinraum" (nicht belastet mit Pestiziden, Bakterien oder Insekten). Angebaut werden z. B. Salat und Erdbeeren.

KMU und Mittelstandspolitik: Die japanische Wirtschaft hat eine dualistische Struktur. Sie entstand nach dem 1. Weltkrieg, als viele Großunternehmen Produktion auslagerten und sich dadurch eine untergeordnete Zuliefererindustrie bildete. Kleine und mittlere Unternehmen sind je nach Branche definiert: Verarbeitendes Gewerbe 20-299, Großhandel 5-99, Einzelhandel und Dienstleistungen 5-49. Die dualistische Struktur zeigt sich besonders in den Unterschieden in Löhnen und Produktivitäten. Als Spezialorganisationen gibt es: Small and Medium Enterprise Agency (SMEA), Small and Medium Enterprise Policy Making Coucil,  Japan Small Business Corporation. Japanische Werkzeugmaschinenbauer dominieren die Weltproduktion (10,8 Mrd. € von 47,3 Mrd. €). Nur 15% der Japaner meinen, die Fähigkeiten eines Gründers zu haben (D: 39%, USA: 49%). ES gibt auch nur wenige Investoren, die Gründer begleiten (Business Angels). Die Venture-Capital-Fonds sind relativ klein. Nach der Finanzkrise stehen für den Mittelstand Kreditgarantien (45 Mrd. €) zur Verfügung. Der neue Premier Hatoyama will vor allem den Mittelstand fördern. Dies ist auch notwendig, da der Mittelstand am stärksten betroffen ist (Tankan-Barometer). Als erste Maßnahme wird eine Kreditstundung eingeführt (soll die Kreditklemme bekämpfen). Dieser Zahlungsaufschub wird allerdings wieder entschärft, indem er für die Banken freiwillig ist. Das Konjunkturprogramm im November 2012 unterstützt speziell KMU, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. KMU werden auch durch immer neue Kredite am Leben gehalten. Sie finanzieren dann nur noch ihre Schulden ("Fäulnisprozess"). Im Mittelstand dominiert wie in Deutschland der Maschinenbau. Zuletzt wurden Gildemeister und Grohe gekauft.

Als Krönung japanischer Handwerkskunst gelten die Samuraischwerter. Der Stahl japanischer Schwerter wird "Tamahagane" genannt. Er ist härter als gewöhnlicher europäischer Messerstahl. Das liegt an einem hohen Kohlenstoffanteil. Nachteil ist die hohe Korrosion. Die Schwerter werden "Katanas" genannt. Eine gewisse Biegsamkeit und Belastbarkeit erhalten sie dadurch, dass sie aus zwei sehr verschiedenen Stählen zusammengesetzt sind (Shingane, Kawagane). Diese Schwerter haben auch eine große ästhetische, spirituelle und religiöse Bedeutung,

Viele alte Handwerke haben in Japan überhaupt den Status einer Kunst. Die Meister werden wie Künstler verehrt und "vererben" ihre Fähigkeiten an ihre Schüler. So etwa das Keramikhandwerk oder das Handwerk des Ofenbaus ("Anagama": Form des Ofens, Entwicklung des Feuers, guter Zug).

Urbanisierung und Städtebaupolitik (Regionalpolitik): In manchen Ländern, wie auch in Japan, sind die Megastädte extrem wichtig (Tokio). Durch Urbanisierung verschärfen sich zentrale Umweltprobleme: Wasserknappheit, Müll, Luftqualität. Besonders kritisch ist die Situation in den "informellen Stadtlagen" (teilweise bis zu 50% der Stadt).

2018 will Tokio etwas gegen seine zu Stoßzeiten chronisch überfüllten Züge machen. Man will raus aus der Pendlerhölle. Alltäglich sind "Oshiya", Drücker, die die Passagiere mit aller Macht in den Zug schieben. Besonders schlimm ist es zwischen 8 und 9 Uhr. Hauptmittel sollen flexiblere Arbeitszeiten sein. Man will Anreise schaffen, damit die Menschen früher oder später anfangen.

Die bevorstehenden Olympischen Spiele beflügeln die Stadtentwicklung in Tokio. Der Immobilienmarkt läuft schon heiß. Büroflächen werden auch dringend gesucht. Das Baurecht wurde erheblich gelockert (keine Bebauungspläne mehr, nur noch Zonen mit Geschossflächenzahl/ GFZ).

Die japanische Bahn ist ein Erfolgsmodell. Die japanischen Eisenbahnen sind die pünktlichsten der Welt. Japan Railway kombiniert Milliarden mit Moral. Die Lokführer müssen jeden Meter auswendig lernen. Die Eisenbahn ist das weitaus leistungsfähigste Transportmittel weit vor Autos und Flugzeugen. 

Außenwirtschaftspolitik und Entwicklungspolitik: Die Transpazifische Partnerschaft (TPP) ist eine kleinere Alternative zur FTAAP. Möglichst bis 2015 wollten die USA und Japan dies umsetzen ohne China (12 Länder, darunter auch: Kanada, Australien, Südkorea, Mexiko, Malaysia, Chile, Peru, Neuseeland, Singapur, Vietnam); 0,8 Mio. Menschen, Gesamtexporte 5,5 Mrd. Dollar, WTO/ IMF). Die Gespräche auf Hawaii scheitern Mitte 2015. Mitte Oktober 2015 erzielt man Einigkeit. Das Vertragswerk umfasst 30 Kapitel. 18.000 Zölle und andere Handels- und Investitionshemmnisse sind betroffen. Auch die Harmonisierung von Umweltschutz- und Arbeitsschutzmaßnahmen ist vorgesehen. In Asien gibt es dagegen so gut wie keinen Widerstand. Mit dem Amtsantritt von Trump ist das Abkommen aber auf Eis gelegt. Japan hat auch großes Interesse an einem Handelsabkommen mit der EU. Die Verhandlungen laufen schon seit 2013. Sie sollen schnell zu Ende gebracht werden, nachdem beide Regionen in Bezug auf die USA gescheitert sind.  Ziel ist der G20-Gipfel am 07.07.17 in Hamburg. Man einigt sich aber erst im Dezember 2017: Zölle werden abgebaut. Das Abkommen tritt 2019 in Kraft. Das BIP in Deutschland könnte um + 20 Mrd. € wachsen (Ifo-Institut, München). Für Japan ist die EU drittgrößter Handelspartner; für die EU ist Japan sechstgrößter Handelspartner. 2016 plant Asien eine weitere Freihandelszone, nämlich RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership). Der Anteil an der Weltwirtschaftsleistung betrüge 30,5%, der Anteil an der Weltbevölkerung 47,9%. Mitgliedsländer wären China, Indien, Süd-Korea, Japan, Indonesien, Australien, Myanmar, Vietnam, Laos, Thailand, Kambodscha, Philippinen, Malaysia, Singapur, Brunei. Ansonsten setzt Japan stark auf bilaterale Abkommen.

Am 17.07.2018 schließen die EU und Japan (Jefta) ein Freihandelsabkommen. In Anbetracht der Handelspolitik der USA unter Trump gibt es kaum Widerstände. Das Abkommen steht für 30% des Welthandels und 25% aller Exporte. Es wird Jefta genannt. 99% aller Zölle sollen wegfallen. Es soll 2019 in Kraft treten. Kameras und Motorräder dürften in Europa billiger werden. Die Landwirtschaft der EU könnte mehr nach Japan exportieren (z. B. Wein).

2018 wollen die USA mit Japan ein Freihandelsabkommen außerhalb von TPP abschließen. Japan will vor allem seine Autoindustrie schützen. Lieber wäre Japan TPP.

Am 04. und 05. Februar 2019 besucht Bundeskanzlerin Merkel Japan. Es geht um die Themen Internationale Ordnung, Krisenmanagement, Welthandel und Wirtschaftsbeziehungen. Angesichts der Handelspolitik von Trump und der direkten Konfrontation von China und den USA suchen Japan und Deutschland nach Kooperationsmöglichkeiten. Sie versuchen auch, den multilateralen Ansatz zu retten.

Strategische Partnerschaft zur Datensicherheit: Die EU und Japan arbeiten 2019 an einer solchen Partnerschaft zur Datensicherheit. Sie soll beim G20-Treffen in Osaka Ende Juni vorgestellt werden. Es soll Bürgern ein hohes Niveau an Datensicherheit garantieren. Beide wollen weltweit einen Standard setzen. Das Konzept lautet "Data Free Flow and Trust" (DFFT). Es gilt als Gegenmodell zu Chinas freizügigem Umgang mit Daten.

Für einzelne japanische Unternehmen wird der chinesische Markt immer wichtiger. So hält er Toyota 2019 in der Spur. Es gibt einen Verkaufsrückgang in den USA.

Jahrelang habe ich eine Fallstudie über die Ostasien-Krise durchgeführt, indem auch die gravierende Rolle der Institutionen und der Wirtschaftspolitik untersucht wurde. Grundlage war das Buch "Die große Rezession" (The Return of Depression Economics) von Paul Krugman (Frankfurt/ New York 1999, Taschenbuch 2001). 2009 wurde das Buch im Hinblick auf die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 erweitert und aktualisiert ("Die Neue Weltwirtschaftskrise", Frankfurt/ Campus 2009). Es soll in der Veranstaltung "Internationale Ökonomie" wieder als Fallstudie eingesetzt werden. 

Zur Transformation in China habe ich auch eine Spezialveranstaltung durchgeführt.

"Im Moment steckt China auf halbem Weg zwischen Markt- und Planwirtschaft....Rund 150000 Firmen sind noch immer in Staatsbesitz", auch:  "Die größte Gefahr besteht nicht darin, dass China die USA überholt, sondern dass China mit den notwendigen Reformen nicht vorankommt, die sein Wachstum sichern", Henry Paulson, ehem. Chef der Investmentbank Goldman Sachs, jetzt US-Finanzminister (er gilt als China-Experte und ist sehr umweltfreundlich: Spende von 100 Mio. $ an Umweltbewegung).

"Alle fragen, wie wird Chinas Zukunft aussehen? Das erinnert an Michelangelo. Der stand vor einem Marmorquader und klärte seine umstehenden Bewunderer auf, dass die Skulptur da schon drin stecke. Er müsse nur das Überflüssige entfernen. So ist es auch mit China", Shi Xiao Lin, Chinesischer Manager, (zitiert nach "Das China-Paradox, Umschlagrückseite).

 

                          Wissen   (markante Zitate)                       

"Man erntet kein Reisfeld, ohne es vorher bestellt zu haben", Gautama Buddha.

"Wissen bedeutet zu wissen, wie man etwas in Frage stellt, selbst wenn man es schon kennt. Wandelndes Wissen bedeutet weiterzulernen, selbst wenn man das Wissen durchlebt hat", Meister Hsing Yun.

"Wird die Welt Chinesisch? Zum ersten Mal entwickelt sich eine Industriegesellschaft, die den Westen um seine wirtschaftliche und kulturelle Vorherrschaft fürchten lässt", DIE ZEIT/ Fischer: Weltmacht China, Frankfurt 2005, S. 88.

"Duell der Giganten, Chinas steiler Aufstieg hat Amerika in einen Schockzustand versetzt. Die beiden Supermächte ringen um Jobs, Märkte, Ressourcen - und um die globale Vorherrschaft. Eine Zeitenwende kündigt sich an: Das Machtmonopol der USA geht zu Ende, beginnt nun das Jahrhundert Chinas", SPIEGEL Special, Die Neue Welt, Hamburg 2005, S. 82.

"Chinas größte Herausforderungen. ...Erstens ist das chinesische Wachstum nicht gleichmäßig verteilt. Wie überall sonst ist auch in China die Wirtschaft von der Geographie geprägt, in diesem Falle von zwei Scheidelinien: Die eine verläuft in Nord-Süd-, die andere in Ost-West-Richtung. ...Eine zweite große Herausforderung ist die Entscheidung darüber, welche Rolle der staatliche Sektor im Hinblick auf Sozialleistungen und Umweltschutz vor dem Hintergrund der Wirtschaftsreformen spielen soll, Sachs, J. D.: Das Ende der Armut, München 2005, S.202ff.

"Angesichts Chinas ...ist der Faktorpreisausgleich für uns Deutsche freilich schwierig, weil der Lohndruck nach unten geht und eine weitere Zunahme der Handelsvorteile nur noch in dem Sinne zu haben ist, dass ein Teil der Lohnbezieher ein kleineres Stück von einem größer werdenden Kuchen erhält. Die Arbeiter sind die Verlierer der Globalisierung", H. -W. Sinn: Die Basarökonomie, Berlin 2005, S. 197.

"..., dass die Geschwindigkeit der Veränderungen in China und Indien auch eine Herausforderung für unsere Gesellschaft und für den Rest der Welt ist, denn dadurch ändert sich sehr nachhaltig das Gefüge der globalen Wirtschaft", EZB-Präsident J. - C. Trichet im SPIEGEL Nr. 52, S. 79 (vgl. Veranstaltungsthema oben).

"Ist der wertmäßige chinesische Zulieferanteil am entstehenden Gesamtprodukt groß, so sinkt der Zollsatz für importierte Komponenten und umgekehrt. Die führt bei einer Erhöhung des Local Content zu einem überproportionalen Rückgang der Zollbelastung", Himmelreich, H./ Hungerbach, J.: Das China-Paradox, München/Wien 2005, S. 233.

"Welche Zahl auch immer man zugrunde legt, die chinesische Gesellschaft ist heute durch einen Abgrund in sehr viel Arme und sehr viele Reiche gespalten, Rudolph, J. - M.: Wenn China über die Welt kommt..., Wiesbaden 2005, S. 129.

"Durch überlegte Währungspolitik erwarb sich China in der Asienkrise regionales Ansehen", Fischer, Doris: China in der Weltwirtschaft, in: Informationen zur politischen Bildung, 4/2005, S. 21.

"Die Beziehung der Wirtschaftsmächte China und Japan ist von jeher spannungsreich und Konflikt beladen. Gemeinsam könnten sie jedoch zu einer Supermacht aufsteigen und das 21. Jahrhundert zum asiatischen Jahrhundert machen", Pilny, K.: Das asiatische Jahrhundert, Frankfurt/ New York 2005, Umschlagrückseite.

"Vor allem wird der WTO-Beitritt eine effizientere chinesische Wirtschaft schaffen und sie auf eine neue Stufe globaler Wettbewerbsfähigkeit heben", Seitz, K.: China eine Weltmacht kehrt zurück, München 2006, 2. Auflage., S. 408.

"Kann eine westliche Freihandelszone den Aufstieg der Asiaten wirklich verhindern? Die Antwort lautet: eindeutig nein. Das wird sie nicht schaffen und das ist auch nicht ihr Ziel. Was sie aber sehr wohl bewirken kann, ist den asiatischen Steigflug zu beeinflussen, seine Richtung so zu verändern, dass sich ihre und unsere Flugbahnen nicht ständig in die Quere kommen", Steingart, G.: Weltkrieg um Wohlstand, München 2006, S. 366.

..."Das sozialistische Eigentumssystem chinesischen Typs funktioniert so: Reißt sich ein Funktionär eine Parzelle unter den Nagel, um darauf einen Golfplatz anzulegen, darf er die Entschädigung für das Kollektiv, dem das Land gehört, nicht mehr in die eigene Tasche stecken. So verhungern die Bauern nicht sofort, sondern erst, wenn sie ihre Entschädigung aufgezehrt haben"..., gch, Rheinpfalz, 11.03.2007, S. 1 .

"China denkt viel aktiver als früher über seine Strategie nach, nicht nur regional, sondern auch global. In ihrem Herzen glauben die Chinesen, dass das 21. Jahrhundert das chinesische Jahrhundert ist", Kenneth Lieberthal, University of Michigan (laut Handelsblatt, 28. 12. 07, S. 6).

"Wie die Welt 2030 aussieht, hängt von China ab. Wenn China weiterhin den freien Marktkapitalismus fördert, wird es die Welt zu einem neuen Wohlstandsniveau bringen", Alan Greenspan: Leben für die Wirtschaft, Frankfurt 2007.

"Es ist schon heute nicht übertrieben festzustellen: Chinas "Mutter-Courage-Ökonomie" ist die mächtigste asiatische Eroberungsbewegung, seit Dschingis Khan mit seinen Reiterhorden bis kurz vor Wien gezogen ist", Frank Sieren: Der China Schock, Berlin 2008, S. 37.

"Was mich fast noch mehr berührte: Auch viele junge sahen alt und müde aus. Sie lebten offensichtlich in Wohlstand, aber ihnen fehlte, was ich in China und Indien selbst bei den Ärmsten der Armen oft noch beobachtet hatte - Lebensfreude und Hoffnung," Wieland Wagner: Japan. Abstieg in Würde. Wie ein alterndes Land um seine Zukunft ringt, DVA, München 2018, Vorwort.

"Nie zuvor war unsere Zukunft so sehr mit China verknüpft wie heute. Und das nicht nur im Hinblick auf unsere Arbeitsplätze und unser wirtschaftliches Wohlergehen, sondern auch auf unsere Art zu leben und die Bewahrung des Weltfriedens", Stefan Baron/ Guangyan Yin-Baron: Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht, Berlin 2018 (3. Auflage, Econ), Text auf der Rückseite des Umschlags.

"Informationen en masse werden ins Land fließen und wieder herausströmen. Mehr und mehr Chinesen werden so erkennen, dass die erfolgreichen Länder der Erde freie politische und wirtschaftliche Systeme besitzen. Daraus dürften Spannungen in einem System entstehen, das weniger frei ist", Donald Rumsfeld im SPIEGEL.

 

       Buchtipps (Populärwissenschaftliche Literatur über Ostasien):

"Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel herausgucken", Georg Ch. Lichtenberg (1742-1799)

Populärwissenschaftliche Literatur/ (Wirtschaftliche) Fachbücher über China: Warum explodieren die Öl-, Stahl-  und Getreidepreise? Warum steigt die Arbeitslosigkeit? Eine Antwort lautet: Wegen China, sie gibt Wolfgang Hirn in dem Buch "Herausforderung China", Frankfurt (S. Fischer) 2005; ähnlich: Frank Sieren: Der China Code, Berlin (Econ) 2005 (Taschenbuch 2006), seine grundlegende These: "Die Zukunft Deutschlands entscheidet sich im Reich der Mitte, denn die Grenzen des traditionellen westlichen Kapitalismus sind schon erreicht". Ein sehr informatives  Bild des heutigen China, d. h. Gesellschaft, Staat, Partei und Wirtschaft, gibt Jörg - M. Rudolph mit dem Buch "Wenn China über die Welt kommt..., Wiesbaden 2005. Gabor Steingart behandelt in seinem Buch "Weltkrieg um Wohlstand" (München/ Zürich: Piper, 2006) die zukünftige Neuverteilung von Macht und Reichtum in der Welt. Die asiatischen Angreiferstaaten - vorneweg China und Indien - kämpfen mit aggressiven Methoden um Marktanteile. "Der Aufstieg der Angreiferstaaten ist unser Abstieg". Er fordert eine europäisch-amerikanische Freihandelszone als Gegenreaktion. Ulrich Kausch gibt in seinem Buch "China-Pioniere. Unternehmer berichten von ihren Erfolgen im Reich der Mitte" einen Überblick über Erfahrungen deutscher Unternehmen in China. Wer sich intensiv und kompakt über die chinesische Geschichte informieren möchte, sollte das Buch des Sinologen H. Schmidt-Glintzer "Kleine Geschichte Chinas" (München: Beck 2008) lesen. Frank Sieren beschäftigt sich in seinem Buch "Der China Schock" (Berlin 2008) mit der Strategie Chinas, armen Ländern Infrastruktur, Know how und Finanzen zu überlassen, um im Gegenzug Energie und Rohstoffe zu bekommen ("Mutter-Courage-Ökonomie"). Das Buch "Die 101 wichtigsten Fragen - China" (München 2008, Hans van Ess) ist eine sehr kompetente und umfassende Beschreibung der Geschichte, Politik, Wirtschaft, Sprache, Religion, Kultur, Gesellschaft und Ernährung des Landes. Vergleichbar damit ist das Buch von Pohl, K. - H.: China für Anfänger, Freiburg 2008. 2009 ist das Buch von Mark Leonard "Was denkt China?" erschienen (München, dtv). Es geht um China in der Globalisierung und seine Rolle in der Welt. Das strategische Denken des Landes wird gut skizziert.  Im gleichen Jahr erscheint folgendes Buch: John und Doris Naisbitt: Chinas Megatrends. Die 8 Säulen einer neuen Gesellschaft, München. 2010 erscheint ein Buch über Mao´s "Großen Sprung", die Zeit von 1958 bis 1962: Frank Dikötter, Mao´s Great Famine, London. 2012 bringt "Die Zeit" ein Sonderheft zur Geschichte heraus mit dem Titel "Alter Glanz und Neue Macht, China". In einzelnen, abgeschlossenen Artikeln werden die wichtigsten Epochen (auch mit interessanten Bildern) dargestellt. Loretta Napoleoni, China - der bessere Kapitalismus: Was der Westen vom Reich der Mitte lernen kann, 2012. "Angesichts der globalen wirtschaftlichen Entwicklung sollten wir China - und Asien überhaupt - mit Demut betrachten statt mit Überheblichkeit", Focus 24/2012, S.132. 2013 erscheint ein weiteres China-Buch von Frank Sieren mit dem Titel "Geldmacht China" (München: Hanser). Zur Prognose zum Aufstieg des Yuan zur Weltwährung gehört nicht viel. Beim Kredit und der Währungsreserve wird es sicher länger dauern als beim Handel. Ronald Coase/ Ning Wang: Chinas Kapitalismus. Weg ohne Plan und Zukunft? Stuttgart 2013 (Schäffer-Poeschel). Die Autoren zeigen den Aufstieg Chinas in den letzten 35 Jahren. Sie sehen dabei eher "marginale Revolutionen", die das Land dem Markt öffneten. Im Machtmonopol der Regierung sehen sie eine Behinderung des riesigen Wachstumspotentials. In dem Buch "Die Provinz Fujian in der VR China" (Siegfried Englert, Yi Dai, Josef Först; Plöger, Annweiler 2013) wird die Partnerprovinz von Rheinland-Pfalz ausgiebig beschrieben. Sehr informativ ist die Beschreibung der in China vertretenen Religionen. Britta Heinemann ist Olympiasiegerin im Gegenfechten in Peking, ging in Peking zur Schule, studierte Regionalwissenschaften Chinas, spricht fließend Manarin. Heute ist sie Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt China. Von ihr stammt das Buch "Willkommen im Reich der Gegensätze. China hautnah" (Köln: Bastei Lübbe, 2014). Das Buch spiegelt vor allem ihre Erlebnisse und Erfahrungen in Peking wider. Dabei zeigt sie viele Facetten Chinas auf. Sie erklärt sozioökonomische und kulturelle Zusammenhänge. Einen tiefen Einblick in des Alltagsleben in China bietet auch das Buch von Angela Köckritz: Wolkenläufer. Geschichten vom Leben in China (München, Droemer Knaur), 2015. Das Projekt "Wolkenläufer" wurde von der Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Programms "Grenzgänger China - Deutschland" unterstützt. Es geht um das Schicksal einzelner Menschen. Man erfährt viel über Probleme im heutigen China und die Repression der Regierung. Ende Oktober 2016 erscheint das Buch von Christoph Ransmayr "Cox". Es ist ein farbenprächtiger Roman über einen maßlosen Kaiser in China und einen englischen Uhrmacher, über die Vergänglichkeit und das Geheimnis, dass nur das Erzählen über die Zeit triumphieren kann. Anfang 2018 kommt das Buch von Wolfgang Hirn heraus mit dem Titel "Chinas Bosse. Unsere unbekannten Konkurrenten" (Camus Frankfurt 2018). Er versucht zu beschreiben, wie Chinas Unternehmensbosse ticken. Er spricht von "unbekannten Giganten". Kerry Brown: Die Welt des Xi Jinping. Alles, was man über das neue China wissen muss, S. Fischer, Frankfurt 2018. 2017 ist Xi Jinping Teil der Verfassung geworden - das hat es seit Mao nicht mehr gegeben. Gleichzeit ist China viilleicht das derzeit mächtigste Land der Welt. Seine Industrie untermauert die Weltwirtschaft, sein Militär wächst schneller als das jeder anderen Nation und sein Führer wird die den Ton und den Takt der Weltpolitik für Jahrzehnte vorgeben (Umschlagtext). Stefan Baron/ Guangyan Yin-Baron: Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht, Berlin 2018 (3. Auflage). Das Buch will einen Einblick geben in das Denken und Fühlen der Chinesen. Es beschäftigt sich aber auch mit ökonomischen und geopolitischen Aspekten. Das Autorenpaar zeigt Risiken und Chancen des Aufstiegs Chinas auf. Die Autoren erhalten 2018 den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis (verliehen von Handelsblatt, Frankfurter Buchmesse, Goldman Sachs). Frank Sieren: Zukunft? China! Wie die neue Supermacht unser Leben, unsere Politik, unsere Wirtschaft verändert, München (Penguin) 2018. Kapitel seines Buches sind: 1. China, Russland, Europa. 2. Künstliche Intelligenz. 3. Das neue Auto. 4. Radikale Runderneuerung. 5. Intuitive Innovation. 6. Die neue Seidenstraße. 7. Chinas Nachbarn. 8. Handel China - USA. 9. Afrika. 10. Jahrhundert der globalen Gleichheit. Theo Sommer: China First, München (C. H. Beck) 2019. Der Aufstieg Chinas zur globalen Führungsmacht wird beschrieben. Es wird deutlich gemacht, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind. "Das chinesische Jahrhundert hat begonnen. Es kommt darauf an, es zu verstehen und sich zu behaupten" (Klappentext). Peter Frankopan: Die Neuen Seidenstrassen. Gegenwart und Zukunft unserer Welt, Berlin (Rowohlt) 2019. "Einst führten alle Wege nach Rom. Heute führen sie nach Peking" (Umschlagtext). Ein Buch über den Wiederaufstieg Asiens - und den Beginn einer neuen Epoche. Die "Neuen Seidenstrassen" sind das größte Infrastrukturprojekt aller Zeiten. Sie werden zu den Lebensadern der Welt. Kai Strittmatter: Die Neuerfindung der Diktatur. Wie China den digitalen Überwachungsstaat aufbaut und uns damit herausfordert, München 2019 (5, Auflage, Piper). "China marschiert nun selbstbewusst in die Welt, gleichzeitig gewährt sich sein System ein Update mit den Instrumenten des 21. Jahrhunderts: Peking setzt auf Big Data und künstliche Intelligenz wie keine zweite Regierung", siehe Umschlagtext, Rückseite. Kai Strittmatter arbeitet für die Süddeutsche Zeitung in Peking

Wirtschaftliche Sachbücher über Asien bzw. Japan: Das Buch "Das asiatische Jahrhundert. China und Japan auf dem Weg zur neuen Weltmacht" (Frankfurt: Campus, 2005) von Karl Pilny untersucht mit Fakten und geschichtlichen Überlegungen, wie sich Asien und mithin die Welt entwickeln wird.  Der Autor ist davon überzeugt, dass das Zentrum der Weltwirtschaft sich immer stärker nach Asien verlagert, dass jedoch die Spannung zwischen China und Japan die politische Vorherrschaft Asiens verhindert. Das Buch "Neue Wirtschaftspolitik. Was Europa aus Japans Fehlern lernen kann" von Richard A. Werner (München: Vahlen 2007) analysiert die Wirtschaftspolitik der letzten 15 Jahre. Er führt die Fehler insbesondere auf falsche Paradigmen zurück (2003 wurde er vom Weltwirtschaftsforum in Davos als "Global Leader for Tomorrow" ausgewählt). In seinem neuen Buch "Angriff aus Asien", Frankfurt 2007, zeigt Hirn, dass Asien den Westen überflügeln wird und sich eine neue Weltordnung ergibt. 2013 erscheint vom gleichen Autor "Der nächste Kalte Krieg", Berlin (S. Fischer). Wieland Wagner: Japan. Abstieg in Würde. Wie ein alterndes Land um seine Zukunft ringt, DVA, München 2018: Japans Wirtschaft, die lange Zeit als unbesiegbar galt, befindet sich seit Jahrzehnten in einer Abwärtsspirale. Die Stagnation verändert den Alltag und die Gesellschaft in Japan, das sich tief greifenden Reformen verweigert. Was dieses Buch so interessant macht, ist, dass wir in Deutschland viel daraus für uns lernen können. Matthias Messmer/ Hsin-Mei-Chuang: China an seinen Grenzen. Erkundungen am Rande eines Weltreichs, Stuttgart 2019 (Reclam). Die Autoren umrunden die Volksrepublik. Sie versuchen, kulturelle Einflüsse und Eigenheiten zu erkunden. So ist es auch eine Analyse der Politik und Geschichte Chinas.

Sachbücher über Indien: Olaf Ihlau berichtet in seinem Buch "Weltmacht Indien" ( München 2006) über Indiens Chancen und dem Wettlauf mit dem asiatischen Konkurrenten China. Es werden auch Indiens Probleme aufgezeigt, etwa das Verhältnis zu Pakistan. Zugleich geht es um Auswirkungen auf Europa. Der indische Wirtschaftswissenschaftler Viswanathan Raghunathan erklärt in seinem Buch, warum Indien in seiner Wirtschaftsentwicklung nicht weiter kommt: Games Indians Play, Why we are the way we are, London 2008.

Literatur, die in China oder Japan spielt (oder damit verbunden ist): Von Qiu Xiaolong ist "Rote Ratten" 2007  herausgekommen (der vierte Krimi auf Deutsch von ihm). Der neuste Krimi als Taschenbuch von ihm ist 2009 "Blut und rote Seide". Der aktuellste Krimi ist "Tödliches Wasser" 2010 (Umweltzerstörung und Raubtierkapitalismus). Sehr lesenswert ist auch ein europäischer Krimi, der den Titel "Der Chinese" trägt. Das Buch hat Henning Mankell geschrieben (Wien, Zsolnay-Verlag, 2008). Empfehlenswert ist ebenfalls folgendes Buch: "Allein unter 1,3 Milliarden". Es handelt sich um eine Reisebeschreibung von Shanghai nach Kathmandu. Autor ist Christian Y. Schmidt (Rowohlt, Berlin 2008). Das Buch setzt allerdings eine gute Kenntnis über China voraus. Der Roman "Der Kaiser von China" (Köln: DuMont 2008) von Tilman Rammstedt ist mit seinem Witz und seiner Komik für jeden an China Interessierten Pflicht. Es handelt sich um  eine fiktive Chinareise eines Großvaters mit seinem Enkel, wobei die Briefe aus China realitätsnah sind. Das Buch von Liao Yiwu "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser" (Chinas Gesellschaft von unten) enthält Gespräche mit den Unangepassten im modernen China (Frankfurt/ Fischer 2009). Mythen und Riten werden beschrieben. Gesprächspartner sind z. B. ein ehemaliger Rotgardist, eine Falsun-Gong-Anhängerin, Bettler, Straßenmusiker, Prostituierte. Das Buch von Yu Hua Brüder (Frankfurt, Fischer 2012) schildert das Schicksal von zwei Brüdern im chinesischen Aufschwung in Peking. Alle wollen reich werden. Die Brüder handeln mit Müll und Gel zur Brustvergrößerung. Der deutsche Literaturpreisträger Hermann Hesse war zeitlebens fasziniert von China. Im Jahre 2009 ist bei Suhrkamp das Bändchen China-Weisheit des Ostens herausgekommen. Es stellt eine Sammlung der Beschäftigung Hesses mit China dar. Das Buch von Haruki Murakami (bekanntester japanischer Schriftsteller, zahlreiche Literaturpreise) mit dem Titel "Schlaf", das 2009 in Deutsch erschienen ist, ist wieder sehr lesenswert wie alle Bücher des Autors. Das jüngste Werk aus dem Jahre 2013 (in Tokio in Japanisch erschienen) wird sein bislang größter Erfolg. In Deutsch erscheint das Buch 2014 unter dem Titel "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" (Köln 2014, Dumont).  Es ist ein monumentaler Roman über Freundschaft, Liebe, Schmerz und Schuld. Um sein verlorenes Leben wieder zurück zu gewinnen, muss ein Mann ohne Leidenschaften in seine Vergangenheit reisen, auf der Suche nach vier Farben, die ihm eine nie verheilende Wunde zufügten (die Farben sind auf dem Umschlag). In seinem neuen Buch von 2013 mit dem Titel "Frösche" (Hanser, München 2013) zeigt der chinesische Nobelpreisträger Mo Yan anhand seiner Heimat Gaomi die dramatischen Folgen der Geburtenpolitik für die Menschen in China auf. Gugu, die Tante des Erzählers, ist die erste westlich geschulte Hebamme in Gaomi und die parteitreue Tochter eines Arztes (am Anfang macht sie sich zum Werkzeug der Partei und unterdrückt ihr Gewissen, später bereut sie). In farbiger Bildersprache wird von den Schicksalen der Frauen und Kinder erzählt. Das Buch ist dem zu empfehlen, der sich intensiv über die chinesische Bevölkerungspolitik informieren will. 2014 erscheint Christof Peters Roman "Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln" (Luchterhand, München). Es handelt vom deutsch-japanischen Kulturaustausch auf dem Holsteinischen Land. Es geht um Differenzen, Missverständnisse, Klischees und Übersetzungsprobleme: Auf einem verschlafenen Dorf an der Ostsee soll der berühmte japanische Ofensetzer einen traditionellen Anagama-Holzbrandofen errichten. Alles muss streng nach Überlieferung vor sich gehen. 2016 erscheint Christoph Ransmayrs großer Roman "Cox oder Der Lauf der Zeit" (Frankfurt, S. Fischer). Der englische Uhrmacher Alister Cox folgt mit drei Gefährten einer Einladung des Kaisers von China, um in der Verbotenen Stadt nach den Vorstellungen und Träumen eines allmächtigen Gottsmenschen zu bauen. Er soll Uhren erschaffen, die das Verfliegen des menschlichen Lebens anzeigen (unterschiedlich nach Lebensphase und Lebensglück). Der Kaiser fordert ein Uhrwerk, das die Dauer der Ewigkeit messen soll. "In atemberaubenden Bildern beschreibt Christoph Ransmayr das Leben im Schatten eines als Gott verehrten Despoten und beschwört dabei die Hoffnung, dass allein das Erzählen über den Lauf der Zeit triumphieren kann" (Quelle: Umschlagtext). Man kann sehr viel über das chinesische Kaisertum lernen. Auf der Leipziger Buchmesse im März 2017 wird erstmals eine deutsche Übersetzung des chinesischen Werkes "Eine Reise in den Westen" (Autor und Entstehungszeit sind unbekannt).  Dieses Buch gilt als eines der populärsten in China. Die Übersetzerin, Natascha Wodin, die in der Schweiz lebt, bekommt folgerichtig den Preis der Leipziger Buchmesse. Im Jahre 2017 erscheint in Deutschland von Sei Shonagon (966 - 1017/ 25)  Das Kopfkissenbuch. Seine Handlung spielt im Kaiserlichen Japan um 1000. Sie ist Hofdame der Kaiserin. Sie muss miterleben, wie die junge Kaiserin mit nur 24 Jahren ausgebootet wird. Machtkämpfe erschüttern den Hof insgesamt, der sich nicht viel um das Land kümmert. Er stellt eine eigene kleine Welt mit viel Müßiggang dar. Sei schildert ihre Beobachtungen mit viel Scharfsinn sehr interessant. Das gebundene Buch des Manesse - Verlags ist wunderschön gestaltet. Im Jahre 2018 zur Buchmesse in Frankfurt erscheint der Roman "Gott der Barbaren" von Stephan Thome (Suhrkamp Verlag, Berlin). Der Roman schafft es auf die Short - Liste mit sechs Titeln für den deutschen Buchpreis. Das Buch erzählt eine Vorgeschichte unserer krisengeschüttelten Gegenwart: Angeführt von einem christlichen Konvertiten, der sich als Gottes zweiten Sohn fühlt, errichten Rebellen in China einen Gottesstaat. Das Kaiserreich wird mit Terror und Zerstörung überzogen. Ein junger deutscher Missionar, der bei der Modernisierung des riesigen Reiches helfen will, gerät zwischen die Fronten des Krieges.  Christof A. Niedermeier: Tödliches Sushi, Gmeiner-Verlag 2018 (13 €, als E-Book 9,99€). Detektiv Jo Weidinger ist in seinem Hauptberuf Restaurantbesitzer gegenüber von der Loreley. Es wird eine Leiche ohne Kopf gefunden. Er ermittelt mit seinem Freund Kenij auch in Japan und auf einem Kreuzfahrtschiff.

"The man who does not read good books has no advantage over the man who can´t read them", Mark Twain.

 

    Autarkie versus Freihandel:

"China ist ein schlafender Drache, lasst ihn schlafen, denn wenn er sich erhebt, erzittert die Welt", Napoleon Bonaparte. (auf Sankt Helena, Aufzeichnungen des Leibarztes. "China - ein schlafender Riese" wird Bismark und Deng Xiaoping zugeschrieben; der deutsche Kaiser Wilhelm II. ("Germans to the Front") sprach in seiner berühmten Hunnenrede von der "Gelben Gefahr". Der rote Drache ist auch das Wappentier von Wales, also auch ein keltisches Symbol). Der Meister Kong sprach: "Nur die Weisesten und die Dümmsten ändern sich nie", Konfuzius, Lunyu 17.3.                                                                           


Marmorboot im Sommerpalast (Yihe Yuan) am Kumning-Seen in Peking.  Es wurde vom Qianlong-Kaiser  errichtet. Die  Kaiserin Cixi ließ den Aufbau errichten.  Sie soll dabei Marinefonds verprasst haben. Dort genoss sie ihren nachmittäglichen Tee. Es gilt auch als eine Anspielung auf den Rat eines Weisen an den Tang-Kaiser Taizong (7. Jh.): Das Wasser, das ein Schiff trägt, bringt es auch zum Kentern (gemeint war das Staatsschiff und das Volk).

Dieses Schiff aus Marmor kann symbolisierten, warum China Jahrhunderte auf sich bezogen war und nicht an der Globalisierung partizipierte. Das Boot soll gebaut worden sein, weil Mittel aus dem Werftenetat abgezweigt wurden.

 Die chinesische Flotte war einst die größte der Welt (Zheng He segelte ab 1405 über die Meere, soll als Erster 1418 Amerika entdeckt haben, segelte bis Ostafrika (Ziel: Wissenserweiterung). Er brachte aber auch viele Güter mit (am berühmtesten Giraffe).  Die Flotte wurde später vernichtet, weil ein anderer Kaiser seine Politik änderte, zu der Zeit als Europa mit seinen großen Entdeckungen begann. China konzentrierte sich für Jahrhunderte auf sich  selbst. Zheng He ist bei den Ming-Gräbern bestattet. Dort findet sich auch eine Beschreibung.

Noch 1793 wurde der Gesandte des britischen Königs Lord George Macartney ohne Handelsverträge zurückgeschickt. Großbritannien erzwang dann den Handel. Aber das Land verlor den Anschluss an die Moderne.

  "China, dessen Entwicklung seit langem stagniert,.... Ein Land, das den Außenhandel vernachlässigt oder gering schätzt,..., kann nicht die gleiche rege Geschäftstätigkeit entfalten, wie sie sonst, unter anderen gesetzlichen und institutionellen Bedingungen, durchaus möglich wäre." (Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen, München 1976, S. 82; geschrieben 1776 (Äußerungen zu China gibt es auch bei Rousseau und Kant).

 "Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnten Absatz der Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. ...An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. ...Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt", (Der "Rheinland- Pfälzer" Karl Marx, 1818-1883: Das Kapital, im Jahre 1867 erschienen). (Die Universität Trier führt zurzeit ein Forschungsprojekt durch, in dem die chinesischen Eintragungen in den Gästebüchern des Karl-Marx-Hauses analysiert werden. Die ersten Ergebnisse sind sehr interessant). Bei der Wahl der größten Rheinland-Pfälzer 2007 kommt Karl Marx nur auf den 7. Platz. Begraben liegt er auf dem östlichen Teil des Londoner Friedhofs Highgate (der Friedhof ist insgesamt wie das ganze Viertel sehr sehenswert).

"Keine Talsenke ohne Berghang, kein Hingang ohne Wiederkehr", berühmtes Zitat des Kaisers von China vor 300 Jahren.

 

Makroökonomische Daten einschließlich Außenwirtschaft und Umwelt (mit speziellen Politikbereichen dazu integriert):

"Der Weg nach draußen führt durch die Tür", Konfuzius (Kongzi, chinesischer Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Staatsmann, 551-479 v. Chr., Konfuzius). Als Wiege des Konfuzianismus gilt die Stadt Qufu in der Provinz Shandong. Je mehr der Konfuzianismus offizielle Staatsdoktrin wurde, desto umfangreicher wurde gebaut. Hier leben die Nachkommen (77 Generationen über einen Zeitraum von 2500 Jahren). Es gibt 466 Hallen, Pavillons und 2000 Gedenksteine. Abgebildet ist ein "torii", ein Portal für die Götter im Shintoismus. Prunkstück ist der große alte Konfuziustempel und das Grab. Konfuzius formulierte Ideen von Harmonie und Ordnung. Bis zur Revolution 1911 war die konfuzianische Lehre Staatsdoktrin. Parteichef Xi Jinping setzte stark auf die traditionelle Kultur mit Konfuzianismus. Ende 2013 besucht er das Konfuzius-Forschungsinstitut in Qufu ("Das Zentralkomitee schätzt den Konfuzianismus und die traditionelle chinesische Kultur hoch." ... Ein Mensch ohne Werte könne nicht bestehen, und ein Land ohne Werte könne nicht aufsteigen). Der Konfuzianismus hat großen Einfluss auch in Japan, Korea, Vietnam und Singapur.

Wichtigstes Element des Konfuzianismus sind die menschlichen Elementarbeziehungen "Vater-Sohn, Herrscher-Untertan, Ehemann-Ehefrau, Älterer Bruder-Jüngerer Bruder, Freund-Freund". Der Konfuzianismus ist keine Religion, sondern eine Morallehre. Im Mittelpunkt stehen die richtigen Verhaltensweisen, Tradition und Respekt. Hinzu kommen die Reziprozität (der Pflichten), der Kollektivgedanke, die Familie und das Lernen. Sekundärtugenden sollen beachtet werden (Höflichkeit, Respekt, Dankbarkeit).

Es gibt auch in China seit Jahrtausenden eine Legende von Flusskarpfen, die über das Drachentor springen... .

Hangzhou, Westsee ("Paradies auf Erden" genannt; war die Hauptstadt der Song-Dynastie; Marco Polo beschrieb sie als die prächtigste Kapitale der Welt, es war seine Lieblingsstadt). Heute ist sie die Kurstadt Chinas mit extrem hohen Immobilienpreisen. Sie gilt auch als Ursprungsort der chinesischen Teekultur. Hier wird der berühmte Drachenbrunnen-Tee angebaut. Die Märzernte (Kaiserernte) wird nicht exportiert (heute für hohe KPC-Funktionäre). "Cha" ist das chinesische Wort für Tee. Im Süden in der Provinz "Fujian", die heute eines der Hauptanbaugebiete ist, sprach man von "Te", woraus die Engländer "Tea" machten. Pagoden auf dem Westsee sind auf der Rückseite des1 Yuan-Scheins dargestellt. Berühmt sind auch die Lotuspflanzen am Westsee. Abends verwandelt sich die Uferpromenade zur Stadtseite hin in einen großen Rentner-Outdoor-Vergnügungspark. Diese Stadt und auch Suzhou, das Venedig Chinas, sind wichtige Industriestädte im Süden, was einem durch den Smog kaum entgeht. Suzhou gilt auch als Zentrum der chinesischen Gartenkultur. Berühmt wurde die Stadt auch als Geburtsort der Seidenkultur. Hier befindet sich noch heute die staatliche Seidenmanufaktur Nr. 1. Natürlich sind es auch riesige Städte mit fast 10 Millionen Einwohnern oder mehr. Suzhou war einmal das südliche Ende des Kaiserkanals, der bis nach Beijing geht. In Hangzhou findet Anfang September 2016 ein G20-Gipfel statt, auf dem China und die USA die Beschlüsse des Pariser UN-Klimagipfels von 2015 ratifizieren. Industriebetriebe mit hohen Emissionen werden für die Zeit abgeschaltet.

Der Kaiserkanal (Da`yu`n he´) war  eine  wichtige Wasserstraße, die ursprünglich den Zugang zum Meer gewährleistete. Von Hangzhou erreichte man das Meer. Hierüber hielt man Verbindung auch nach Europa.

China:                                     (direkt zu Japan)

Gliederung: Bevölkerung (Bevölkerungspolitik), Bruttoinlandsprodukt, Wirtschaftswachstum (Konjunktur- und Wachstumspolitik), Erwerbstätige/ Arbeitsmarkt (Arbeitsmarktpolitik), Inflationsrate/ Budgetsaldo, Umwelt (Umweltpolitik), Energie/ Rohstoffe (Energiepolitik), Außenwirtschaft (Entwicklungs- und Außenwirtschaftspolitik), Migration (Migrationspolitik).

 

Bevölkerung (Bevölkerungspolitik): 2015 und 2016 hat die VR China 1,37 Mrd. Einwohner (letzte Zählung 2010; der Bevölkerungsforscher Yi Fuxian kommt auf 1,29 Mrd.; danach hätte Indien China überholt: 1,33 Mrd.). Ende 2013 hat China 1,360 (720.000) Mrd. Einwohner. 1,338 Mrd. Ende 2010 (letzte Volkszählung 2010, +6% seit der letzten Volkszählung von 2000), 144,6 je qkm (9.600.000 qkm Fläche). Bevölkerungswachstum 2006: 6,92 Mio. (Prognose 2032  1,5 Mrd.), Lebenserwartung: Frauen 74, Männer 70. Folgen der Ein-Kind-Politik ("Kleine Kaiser") sind eine rapide Überalterung (im Jahre 2025 werden schätzungsweise 200 Mio. Chinesen über 65 Jahre sein; 2050 ca. 30% über 60;  es gibt auch eine große Zahl illegaler Kinder, für die man nach bekannt werden Strafe zahlen muss) und ein Fehlen von Millionen Mädchen (Anteil der Männer 51,5%, soziales Gleichgewicht wird gestört). In keinem anderen Land ist das Geschlechterverhältnis so unausgeglichen . Die Männer strengen sich besonders an, um eine Frau zu finden (Ökonomen sehen hierin einen wichtigen Wachstumsimpuls). Trotzdem liegt die Geburtenrate (Kinder pro Frau) jetzt wieder bei 1,75. Im Westen Chinas an der Grenze zu Tibet darf eine Frau mit mehreren Männern zusammenleben. Wegen der Pflege-Last weichen bereits einige Metropolen (z.B. Guangzhou in Kanton) die Ein-Kind-Regelung auf. Wer ein Mädchen hat, kann immer unter bestimmten Bedingungen noch ein zweites Kind bekommen. Insgesamt ist die Rede von 300 Mio. Abtreibungen zwischen 1979 und 2011. Ca. 950 Mio. Menschen leben auf dem Lande, davon haben nur ungefähr 12% einen Anspruch auf Rente. "China wird schneller alt als es reich wird". Jährlich ziehen 15 bis 20 Mio. Landbewohner neu in die Städte (allein in Peking in den letzten acht Jahren 1,3 Mio.), wo bereits 47% der Chinesen leben (2010). Ende 2013 leben schon 53,2% in Städten. 2025 werden voraussichtlich 57% in Städten leben, 2050 schon voraussichtlich 72% aller Chinesen. Eine Bevölkerungsprognose 2012 kommt zu dem Ergebnis, dass in den nächsten 20 Jahren 300 Mio. Chinesen vom Land in die Städte ziehen. 6% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze (weniger als 1$ pro Tag). Jeder 5. Mensch der Erde lebt in China. Chongqing ist mit 32 Millionen Einwohnern mittlerweile die grüßte Stadt der Welt. 2010 will China seine umstrittene Ein-Kind-Politik (seit 1979) lockern. Schon ab 2011 soll in ländlichen Pilotregionen ein zweites Kind erlaubt sein (in jedem Falle, wenn das erste Kind ein Mädchen ist). Bis spätestens 2014 sollen überall zwei Kinder erlaubt sein, wenn einer der beiden Eltern ein Einzelkind ist (wird auf dem ZK-Treffen 2013 beschlossen; bisher Ausnahme, wenn beide Eltern Einzelkinder; Hintergrund sind die Probleme der Sozialsysteme). 2015 liegt die Geburtenrate bei nur 1,6 Kindern (Lebenshaltungskosten in den Städten zu hoch). Für die Angehörigen nationaler Minderheiten gibt es keine Beschränkungen. Diese Lockerung der Ein-Kindpolitik löst jedoch keinen Baby-Boom aus (damit passt sich das Land den Industrieländern an). Probleme gibt es mit der Erziehung der "kleinen Kaiser", wie die verwöhnten Einzelkinder genannt werden. Man will sogar zur Abhilfe mit Militärcamps arbeiten. Auf der anderen Seite gibt es 2015 ca. 13 Millionen "schwarze Chinesen", die nie hätten geboren werden dürfen. Das Problem soll gelöst werden, indem eine Anmeldung nachträglich möglich ist. 2013 macht die Regierung ein Gesetz, das junge Chinesen zwingt, alle zwei Monate nach ihren Eltern und Großeltern zu sehen. Sehr viele Chinesen leben mittlerweile als Arbeitskräfte im Ausland: Bekannt sind die Städte in Afrika (Nigeria) und die Arbeitskräfte in Prato/ Toskana und Budapest. 2012 leben in China erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Die Wanderungen finden aber weiterhin kontrolliert statt (durch das zentrale Haushaltsregistrierungssystem "Hukou"; unkontrollierte Zuwanderer verlieren Rechte). Die Alphabetisierung liegt bei 95% (bei hohem Anspruchsniveau; 1500 Zeichen). Die Überalterung wird China künftig zu schaffen machen: Fast 30% der Bevölkerung werden 2050 65 Jahre und älter sein. Nur noch 10% sind dann unter 15 Jahren.  "Es gibt drei Geschlechter: Männer, Frauen und Frauen mit Doktortitel", chinesisches Sprichwort (einerseits gibt es zu viele Männer und zu wenige Frauen in China; andererseits ist ein Teil der Frauen sehr anspruchsvoll, d.h. keine Liebe ohne Auto und Wohnung). Die südchinesische Provinz Guizhou hat viele ethische Minderheiten. Damit haben auch alte Traditionen überlebt (ein Segen für die Tourismus-Branche). In und um Kaili feiern die Minderheiten viele Feste. Das Lusheng-Fest ist eine der größten der Region und wird in Miao-Dörfern im Februar gefeiert. Mitte März ist das Schwesternmahl-Fest in Taijang (zwei Tage Zeit für Teenager Freundschaften zu schließen oder einen Mann zu finden). 

Vom Mitte August bis November 2010 wird die Bevölkerung in China in einer Volkszählung erfasst. Die letzte war vor 10 Jahren, Stichtag ist der 01.11.10. 6,5 Mio. Volkszähler waren unterwegs in ca. 400 Mio. Haushalten. Die Zählung kostete ca. 75 Mio. €. Besonders interessiert ist man an der Überalterung, der Zahl der Kinder und der Zahl der Wanderarbeiter. Es gibt keine Fragen zu Religion und Einkommen. Trotzdem werden Falschantworten und Verweigerungen erwartet. Die meisten Schwierigkeiten entstehen dabei, die Leute zuhause anzutreffen. Im mehr Chinesinnen bringen ihr Kind in Hongkong zur Welt, um die Bevölkerungspolitik zu umgehen. Die Analphabetenquote liegt noch bei 4,1% (weniger als 1500 Zeichen!). 2011 gibt es ca. 460 Mio. Internetnutzer. Von den 1,3 Mrd. Chinesen sind 2012 190 Mio. über 60 Jahre. 2040 werden ein Drittel der Bevölkerung über 60 sein. Um der Schwächung entgegenzuwirken dient außer der Änderung der Bevölkerungspolitik auch eine Green - Card nach US-Vorbild. Doch noch ist die Vergabepraxis zu streng. 2015 leben in China 20 Mio. mehr Männer unter 30 Jahren als Frauen. Schätzungen zufolge wird der Männerüberschuss 2040 rund 44 Mio. betragen (Folge der Ein-Kind-Politik; Abtreibung weiblicher Föten; Vorschlag: zwei Männer, eine Frau). Ende Oktober 2015 schafft die chinesische Führung die Ein-Kind-Politik ab. Die negativen Folgen waren zu drastisch (Überalterung, Arbeitskräftemangel, Männerüberschuss). Erlaubt sind zwei Kinder. Wegen dieser Regelung kann ein viertes Kind einer chinesischen Familie in Deutschland den Flüchtlings-Status bekommen (Verwaltungsgerichtshof B.-W.). Die Geburtenrate ist 2018 auf den tiefsten Stand seit 1949 gefallen: Sie betrug nur noch 10,94 Babys pro 1000 Einwohner. Seit 2016 sind wieder zwei Kinder je Paar erlaubt.  "In keinem anderen Schwellenland steigt der Anteil der Ruheständler so schnell wie in China". Andererseits: "Die Tage des Wachstums durch willige und billige junge Arbeiter sind gezählt", Wirtschaftswoche, 30/23.07.07, S. 32-34.

Die Han verstehen sich als Nachfahren der chinesischen Bauernkultur. Sie machen etwa 90% der Bevölkerung aus. Die restlichen 10 Prozent bestehen aus 56 Minderheiten bzw. anerkannten ethnischen Gruppen (ca. 110 Millionen Menschen). Die Minderheiten haben besondere Rechte (Zahl der Kinder), aber auch Einschränkungen. Die größten ethnischen Nicht-Han-Gruppen sind Uiguren, Mongolen und Tibeter. Kleinere Minderheitenvölker sind z. B. die Yao, die Miao und die Dong. .In den autonomen Regionen Tibet, Xinjiang, Innere Mongolei, Ningxia und Guangxi leben 97 Mio. Menschen. Die Einheit des Landes soll mit allen Mitteln gesichert werden (Nationalitätenbegriff ist eng definiert). In der Provinz Yunnan am Lugu-See im Dorf Luoshi gibt es eines der letzten Matriarchate auf der Erde (ein weiteres bekanntes gibt es in Brasilien; ebenso eines in Indonesien). Die Bewohner sind auch Anhänger des tibetischen Buddhismus (Lamaismus). Vgl. Ricardo Coler: Das Paradies ist weiblich, Berlin 2011. "Zhongguoren tai duo!"- "In China gibt es einfach zu viele Menschen"; Alltagsweisheit fast jeden Taxifahrers angesichts der Staus in Peking. Vier heißt auf Chinesisch "si", was mit anderer Betonung ausgesprochen das chinesische Wort für Tod ist. Verständlich, dass man die Zahl überall meidet (z. B. als Hochhausstockwerk).

Bruttoinlandsprodukt (Wohlstand):  2018 13,46 Billionen US-Dollar (Anteil am weltweiten BIP: 18,7%). 2017  12,238 Billionen US-$. 2016 11,20 Billionen US-Dollar. 2015 11,38 Billionen US-Dollar (alternativ: 10,983 je nach Quelle). 2014 10,36 Billionen Dollar. 2013: 9,24 Billionen Dollar. Prognose 2015: 11,285 Billionen US-Dollar. 2020 schon könnte das Land die USA als größte Volkswirtschaft ablösen. 2012: 5,867 Billionen $ (2,287 Bio. €); 2011 7,298 Billionen $, 2010 5,745 Billionen $, 2009 4,9 Billionen $, 2008  2530 Mrd. €, (4,329 Billionen US-$, D: 3,7 Bio. $;  2007  2330 Mrd. €, 2097 Mrd. € 2006, jeweils noch dicht hinter D, 2005: 1840 Mrd. € bzw. 18232 Mrd. Yuan). 2010 wird China vor Japan zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. 1985 betrug das BIP noch 307 Mrd. $. Ca. 7600 US-$  2010 pro Kopf im Durchschnitt (USA 47132, Japan 41366, D 40679). 2013: 6959 US-Dollar pro Kopf. Prognose für 2015: 8212; tatsächlich werden 7820 US-Dollar je Einwohner erreicht. Aber extrem ungleich: z. B. in Shenzhen bzw. Guangdong und Beijing über 10 000 Yuan Pro-Kopf-Einkommen -verfügbares Einkommen- im Jahr, einige Provinzen liegen unter 7000 Yuan, 10% der Bevölkerung haben 40% der Vermögen, 2008: Stadt 1300 €, Land 400 €-; 29 Mio. haben ein Jahreseinkommen von weniger als 66 € pro Kopf, 200 Mio. Bauern haben weniger als 1$ pro Tag. 150 Mio. Chinesen haben unter 1,25$ pro Tag (Armutsgrenze). Das verfügbare Pro-Kopf-Jahreseinkommen beträgt 2010 1480 €. 2010 werden für die Stadt 200 $ und für das Land 60 $ monatliches Durchschnittseinkommen geschätzt. 2016 beträgt das Pro-Kopf-Einkommen  8100 Dollar. Es soll auf 12.900 Dollar 2027 ansteigen. Über das Elend der Landbevölkerung berichtet folgendes Buch:  Qinglian He: China in der Modernisierungsfalle, Hamburg 2006. Es kursieren auch andere Zahlen über das BIP pro Kopf: 2001$ im Jahre 2006. Für 2008 ergibt sich eine Zahl von 3260$. Dies gilt eher für die Ostprovinzen.  (Deutschland 32.000$, USA 46859$ zum Vergleich). Die Einkommensschere klafft in China immer weiter auseinander: der Zuwachs beim Pro-Kopf-Einkommen des ärmsten Fünftel der Bevölkerung liegt bei 3,4%, beim reichsten Fünftel bei 7,1%. Der Gini - Koeffizient der Einkommensverteilungskonzentration  liegt bei 0,5 (drastisch ungleiche Verteilung, Deutschland bei 0,28, 2011 China 0,46). Ca. 300.000 Menschen leben in absoluter Armut. Die so genannte "Xiaokang Society" (Gesellschaft mit bescheidenem Wohlstand) soll bis 2020 erreicht werden. Zusammensetzung des BIP: 49% Industrie, 40% Dienstleistungen, 11% Landwirtschaft. Anteil des Konsums nur 40% (D: 60%, Japan: 56%, USA: 70%; hohe Sparquote in China bis zu 40%, auch Angstsparen); der Focus soll sich in den nächsten Jahren auf die Binnennachfrage, insbesondere den Konsum, richten (man schätzt, dass es zur Zeit nur 200 Mio. Konsumenten für hochwertige Gebrauchsgüter gibt; seit 2000 ist der Konsum in China um 80% gewachsen). 2008 wird der private Konsum der Landwirte (740 Mio. in China) durch Rabatte angeregt. Die Sparquote soll in den letzten fünf Jahren (2003 - 2007) von 40% auf 51% gestiegen sein. Ursache ist ein noch rudimentäres Sozialsystem. Die chinesische Sparquote hat Rückwirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft. Ein Teil dieser Ersparnisse finanziert die Defizite in den Staatshaushalten des Westens. 2017 beträgt die Sparquote 48,4% (sie ist die höchste bekannte Sparquote; zum Vergleich: USA 19,2%; Japan 27%; Deutschland 27,1%; Quelle: Weltbank). Der Konsum hat in den letzten Jahren absolut zugenommen, die Konsumquote fiel aber (auch der Anteil am BIP ist seit200 von 46 auf 35% gesunken). 20% der weltweiten ausgaben für Luxusgüter werden 2012 von Chinesen getätigt. Experten rechnen damit, dass sich der Konsum von 2016 (4,4 Billionen Dollar) auf 9,7 Billionen Dollar 2030 verdoppelt (Quelle: Morgan Stanley). Korrektur des BIP nach oben um 17%, da bei einer Volkszählung Millionen neuer Unternehmen auftauchten. Damit wird China hinter den USA, Japan und D die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt vor Frankreich und GB. 2007 lässt China Deutschland als drittgrößte Wirtschaftsnation hinter sich. Nach der Kaufkraftparitätenmessung der Weltbank und des IWF liegt China schon heute hinter der USA auf dem 2. Platz (Anteil des BIP an der weltweiten Wirtschaftsleistung 13,2% bzw. 10%, wenn die Preissteigerung richtig einbezogen wird; USA 20,9%, Japan 6,9%, D 4,3%) Von 2002 bis 2011 hatte China den höchsten Anteil an Investitionen am Bruttoinlandsprodukt (2012 auf 50% hin, vor allem aufgrund der hohen Bauinvestitionen, genau 48%). Die Konsumausgaben der Chinesen (in Prozent vom Bruttoinlandsprodukt) sinken seit 1991 beständig.  2011 teilt sich die Bruttowertschöpfung wie folgt auf die Sektoren auf: Produktionsbereich 46,6%; Dienstleistungen 43,3%; Landwirtschaft 10,0% (Quelle: Weltbank). 2015 wird der Dienstleistungssektor größter Wirtschaftssektor (wächst 2015 um 12%). Er macht bereits über die Hälfte des BIP aus (51,4%). Das zeigt, wie schnell der Strukturwandel in China vor sich geht. China hat 2016 und 2017 einen Anteil von 15 Prozent an der globalen Wirtschaftsleistung. Kaufkraftbereinigt ist China derzeit die größte, währungsbereingt die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Unter der Armutsgrenze leben 2017 noch 68 Mio. Menschen, 2013 waren dies 98 Mio.  "...mit unmäßig hohen Kosten bei unseren Rohstoffen und unserer Umwelt...", Hu Jintao auf dem KPC-Parteitag 2007 zur Wirtschaftsleistung. Wenn es China wirtschaftlich gut geht, hat die ganze Welt etwas davon", Angela Merkel, Bundeskanzlerin. In etwa zu Zeiten von Christi Geburt hatten China und Indien schätzungsweise 70% des Welt-Inlandsprodukts (Schätzung, da es das BIP damals noch nicht gab und auch keine adäquate Messung). Noch um 1850 sollen China und Indien 50% des Welt-BIP ausgemacht haben.

Relativierung des Wohlstands Chinas: Insgesamt hat der ökonomische Aufstieg Chinas viele Schattenseiten: Im Jahre 2018 liegt China noch bei einigen internationalen Wohlstandsindikatoren im Mittelfeld. Beim Pro-Kopf-Einkommen ist das Land auf Platz 74 (von 188 Ländern). Beim UN-Human-Development-Index liegt man auf Platz 86 (von 189). Bei Korruption ist es Platz 77 (von 180 Ländern). Die Wohlstandslücke zwischen Stadt und Land ist riesig. Es gibt immer mehr Milliardäre im Land.

Wirtschaftswachstum (Konjunktur und Wachstumspolitik):  Das Wachstumsziel für 2019 wird auf 6,0 bis 6,5% abgesenkt. 2018 wuchs die Wirtschaft um rund 6,6%  (immer wieder Revisionen, aber auch Manipulationen, weil unter 6% nicht geht; geringster Anstieg seit 1990). Das ist das niedrigste Wachstum seit 28 Jahren. Im Jahr 2017 wächst die Wirtschaft kräftig und stärker als erwartet mit 6,9% (Konsum macht zwei Drittel aus; Wachstumstreiber ist auch das Militär; Prognose 2018 6,4%). Das Wirtschaftswachstum 2016 liegt bei bei 6,7% (Prognose 2017 auf dem  Nationalen Volkskongress 6,5%). Daten aus dem Ende 2016 zeigen China überraschend robust (Erzeugerpreise, Verbraucherpreise). Im ersten und zweiten Quartal 2016 betrug das Wachstum 6,7% (niedrigster Wert seit 2009; Experten zweifeln diese Zahl noch an). Xu Shaoshi, Chinas oberster Wirtschaftsplaner, rechnete insgesamt für 2016 mit 6,7% Wachstum.  2015 6,9% Wirtschaftswachstum (geringste Wachstum seit 25 Jahren; Halbierung seit 2007; ab 2016 werden für die nächsten fünf Jahre 6,5% bis 7% angestrebt). 2014 7,4% (schwächste Wachstum seit 24 Jahren; Prognose für 2015: 7%, auch auf dem nationalen Volkskongress). 2013 wird ein Wachstum von 7,7% erreicht (Statistikamt, Prognosen: Volkskongress; IWF: 7,75%; Finanzministerium 7%). Die Regierung stellt den Umbau der Wirtschaft über rasches Wachstum. Der Anstieg der Sachinvestitionen hat sich merklich abgekühlt.  7,8%  2012 (schwächster Wert seit 1999)9,2%  2011, 10,3% 2010.  Insgesamt sinkt das Wachstum (Kreditmenge explodiert, große Hoffnung auf den Binnenkonsum).  9,2% 2009 (2010 löst China Japan als zweitgrößte Wirtschaftsnation ab).  2008 (11,4 % 2007, 10,7% 2006, nominal 12,6%; Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, NDRC, Chef: Ma Kai; Anlageinvestitionen +30%); 10,2% im Jahre 2005 trotz Begrenzung auf 8,0% (vor allem Plus im Dienstleistungsbereich, Exporte: +28,3% und Investitionen: +14%); 10,1% 2004 (2006 von 9,5% nach oben revidiert). Durchschnitt jährliches Wirtschaftswachstum real von 2005 bis 2010 11,2% (geometrisches Mittel).  "Rote Linie" liegt bei 8%, sonst hohe AL, die OECD prognostiziert im März 09 6 bis 7%). Im 2. Quartal 2008 ging das Wachstum schon auf 10,1% zurück, im dritten Quartal auf 9%. Im 1.Quartal 2009 auf 6,1%, im zweiten steigt es wieder um 7,9%, im Dritten sogar auf 8,9%.  Die Industrieproduktion legt im Nov. 09 um 19 Prozent zu, so wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Die Exporte schrumpfen (erholen sich durch die Bindung an den schwachen Dollar), die Binnenwirtschaft (Bau, Konsum) zieht an. Die Importe steigen im Nov. 09 um 27%.  Für 2010 werden schon wieder 11% erwartet. China wird zum Hoffnungsträger der Weltkonjunktur, trotzdem hängt zu viel an den US-Verbrauchern. Der Chef der Statistikbehörde Xie Fushan sagte 2007, dass die Provinzregierungen "eine Fülle gefälschter Wirtschaftsdaten " übermittelt hätten, so dass das Wirtschaftswachstum noch rasanter sein dürfte (drei Viertel der 30 Provinzen über 12%). Wahrscheinlich um 2040 wird China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen, Deutschland wird wahrscheinlich 2009 vom dritten Platz verdrängt. Es werden große Anstrengungen unternommen, eine eigene innovative Industrie aufzubauen (Bsp. Life Science Park am Rand von Peking). Ein Großteil des Wachstums (45% des BIP und 70% des Exports) wird von drei Regionen getragen. Der Immobilienmarkt boomt noch stärker als die Wirtschaft insgesamt (Überinvestitionen, hohe Korruption). Die Volkswirtschaft ist relativ ineffizient: für jeden Dollar zusätzliche jährliche Produktionsleistung müssen erst 5,4 $ investiert werden (W. Hutton). China ist der größte Hersteller von Düngemitteln, Edelstahl, Schuhen und Vitaminen. Im Herbst 2008 erwägt China ein milliardenschweres Konjunkturpaket (rund 37 Mrd.). Das niedrigere Wachstum 2012 mit ca. 7,5% ist auch durch ein Umbau der Struktur bedingt (mehr Binnenkonjunktur, weniger Außenhandel). Experten zweifeln noch diese Zahl an. Es stehen 5,5% im Raum. Folgende Indikatoren sprechen für eine Korrektur nach unten: Energieverbrauch, Wachstumsraten in den Provinzen geschönt, Rückgang der Importe, Dienstleistungssektor schlecht erfasst. Es fehlt auch die Transparenz wie das Statistikbüro genau den Wert des Bruttonationaleinkommens ermittelt. Einen großen Anteil haben Schätzungen. Einige Analysehäuser sehen das Wachstum jeweils um bis zu 5% niedriger. Eine völlig unterschätzte Rolle spielen die Lokalregierungen, die gezielt falsche Zahlen liefern. Das Statistikbüro will die Vorgaben der Regierung erfüllen. "Zombie-Fabriken" (nicht ausgelastet, falsche Zahlen) tragen auch dazu bei. Chinas Wirtschaft wächst seit 1978 ohne Unterbrechung. Der Durchschnitt liegt bei fast 10 Prozent.   "Noch nie ist so viel Wohlstand von so vielen Menschen in so kurzer Zeit geschaffen worden", US-Sinologe Roderick MacFarquhar. "Auch die Chinesen können nicht übers Wasser laufen", Christian Schneider, Allianz - Fondsmanager zum Wirtschaftswachstum in China. "Chinas zweistelliges Wachstum ist vorbei", Jörg Wuttke, Vorsitzender der Europäischen Handelskammer in China.

Wachstumseffekte der Digitalisierung: Von 1990 bis 2018 konnte China sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) um das 35-Fache steigern. Heute liegt China noch auf platz 2. Nach einer Prognose der Weltbank wird die Digitalisierung das Wirtschaftswachstum beschleunigen. Die etablierten Volkswirtschaften können den Wert ihrer produzierten Güter und Dienstleistungen bis 2030 nur langsam steigern: ISA 24%, Deutschland 17%. China dagegen soll auch dank Automatisierung bis 2030 noch einmal um 85% zulegen. Damit hätte das Land dann die größte Volkswirtschaft der Welt.

Konjunktur- und Wachstumspolitik: China ersetzt nach und nach das außenhandelsgetriebene Wachstumsmodell und richtet seinen Focus auf die wachsende Mittelschicht und Binnenkonjunktur. 2019 könnte China erstmals sogar in diesem Jahrtausend ein Leistungsbilanzdefizit erwirtschaften. Der Handelskrieg mit den USA bremst Chinas Wachstum. Die Unzufriedenheit der Arbeiter soll mit einer Art Konjunkturpaket im Zaume gehalten werden: Steuersenkungen (300 Mrd. Dollar 2019, Schätzung von JP Morgan), lockere Kreditvorgaben, Rabatte für langlebige Gebrauchsgüter (z. B. Kühlschränke). Einzelhandels- und Gastronomieumsätze sind 2019 eingebrochen. Die Steuersenkungen setzen insbesondere bei der Einkommensteuer an. Der Konsum wächst aber nicht schnell genug. Die Wohnungskosten sind massiv gestiegen, so dass den meisten Chinesen nicht viel zum Konsumieren übrig bleibt. Die staatlichen Investitionen stocken, weil Städte und Provinzregierungen massiv verschuldet sind.

Erwerbstätige/ Arbeitsmarkt (Arbeitsmarktpolitik): in den Städten: 120 Mio., auf dem Land: 488 Mio. (750 Mio. Menschen sind Landbewohner), 49,1% in der Landwirtschaft (2003), Jahresdurchschnittslöhne in chinesischen Unternehmen: 1405 €, Arbeitslosigkeit 2010 4,5%, 2009 4,3% . 2007 4% in den Städten (sind nur in der Statistik, 2005 4,2% , 4,2% auch 2004, 4,3%  2003; insgesamt dürfte die Arbeitslosenquote bei ca. 12% liegen). Es gibt ca. 150 Mio. (manche Schätzungen gehen bis 200 Mio., Prognosen gehen bis 300 Mio.) Wanderarbeiter und Industrienomaden. Es gilt immer noch mit örtlichen Varianten das Hukou - System (Haushaltsregistrierung), mit großen Nachteilen für die Zugezogenen. Nur registrierte Städter haben Anspruch auf Rente und medizinische Versorgung. Probleme bereitet das Hukou-System bei der Krankenversicherung. Durch dieses System kann aber die Zuwanderung in die Städte kontrolliert werden. Trotzdem steigt die Urbanisierung, die auch der größte Treiber der Arbeitsproduktivität ist (Zuwanderer kommen aus der Landwirtschaft!). Insgesamt werden auch sehr viele Zeitverträge vergeben. Pro Jahr wechseln ca. 1% der Erwerbstätigen von der Landwirtschaft in die Industrie und den Dienstleistungssektor. Die Mobilität der Arbeitskräfte hat maßgeblichen Anteil am gesamtwirtschaftlichen Wachstum. In den boomenden Küstenregionen fehlen Arbeitskräfte (z. B. konnten in Guandong 500.000 Arbeitsplätze nicht besetzt werden, die Mindestlöhne sollen hier diesen Sommer um 17 bis 42% steigen; diese Provinz sorgt für ein 1/3 aller Exporte). Die Löhne steigen relativ stark: 2004 insgesamt um 3%, 2005  7%, 2006  12%, 2007  20%. Insgesamt betrachtet ist das Arbeitskräfte-Potential aber noch unausgelastet, aber dies geht allmählich zur Neige (nur noch 50 Mio. Menschen auf dem Lande nicht in Arbeit). 2012 sinkt erstmals die Zahl der Erwerbspersonen (um 3,45 Mio.) . Sie beträgt noch 938 Mio.   Rund 100.000 Chinesen sind seit den neunziger Jahren in alle Ecken Afrikas gezogen und arbeiten dort (Nigeria, Libyen, Sudan u. a.). Seit 2007 gilt ein neues Arbeitsgesetz. Das jährliche Durchschnittseinkommen lag bei chinesischen Arbeitern und Angestellten 2005 bei 2098€ (21.000 Yuan) pro Jahr. Die Bauern kommen im Schnitt nur auf 537 € pro Jahr (4700 Yuan). Außerdem verloren in den vergangenen Jahren 40 Mio. Bauern ihr Land, weil die Dorfbehörden es in Industriezonen umwandelten. China will nicht länger die Billigfabrik der Welt sein: die Arbeitsproduktivität wächst um durchschnittlich 10% p. a.. Die chinesischen Taxifahrer stellen eine wichtige Beschäftigtengruppe dar, die mit den KP-Funktionären verbunden ist, die die Lizenzen ausstellen. Häufig werden sie subventioniert, um Unruhen zu vermeiden.

Die Arbeitslosigkeit in China steigt nach der Finanzkrise massiv an (zeigt sich auch bei den Wanderarbeitern). Vor allem der Südosten ist betroffen (Perlflussdelta). Ende 2008/ Anfang 2009 sollen nach offiziellen Angaben 26 Mio. Wanderarbeiter ihren Job verloren haben. Die Fabriken in China, vor allem die neu gebauten, haben oft Überkapazitäten. Gleichzeitig wollen viele Firmen ins Ausland. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist sehr hoch, wobei die Statistiken der Provinzen oft dubios sind.2010 beginnt die Regierung, Gewerkschaften in die Freiheit zu entlassen: Die Jahreseinkommen zwischen Stadt- und Landbevölkerung sind extrem unterschiedlich. In der Stadt können schon ca. 2000 € verdient werden, auf dem Land durchschnittlich 600. In einigen chinesischen Städten und Provinzen werden angesichts steigender Arbeiterproteste 2012 die Mindestlöhne erhöht (z. B. um 14% auf 1260 Yuan/ 183 Euro in Shenzhen, an der Grenze zu Hongkong). 2013 geht erstmals die Zahl der Erwerbstätigen zurück (deshalb Lockerung der Ein-Kind-Politik). Auch die Wanderarbeit dürfte dem Ende entgegen gehen. In den boomenden Metropolen werden  in den Hightech-Betrieben gut ausgebildete Menschen gebraucht (oft die Kinder von Wanderarbeitern). 2014 lag die Arbeitslosenquote offiziell bei 4,0% (ungenau gemessen, siehe oben). Jedes Jahr entstehen im Durchschnitt 13 Millionen neue Jobs. Es könnte bald Vollbeschäftigung erreicht werden. Von 2018 bis 2020 sollen weitere 43 Mio. Menschen aus der Armut geholt werden (von einst 800 Mio. Menschen; Nationaler Volkskongress, März 2018). Die Arbeitslosigkeit liegt 2019 wie schon seit Jahren bei 3,8%. Die Daten sind allerdings extrem ungenau, weil die Messung veraltet ist (nur städtische Arbeitslosigkeit). Viele Wanderarbeiter können nach dem Neujahrsfest Anfang Februar 2019 in den Heimatdörfern bei ihren Familien bleiben, weil sie in den Städten keine Arbeit mehr finden. Sie gehen auch nicht in die Statistik ein.  "China ist ein reiches Land und ein armes Volk", N. N. im Internet. Die Delegierte des Volkskongresses Zhang Xiaomei hat eine Bezahlung der chinesischen Hausfrauen durch ihre Männer vorgeschlagen. Jahrelang bestiehlt eine Wanderarbeiterin in China ausschließlich korrupte Beamte und Parteisekretäre. 2014 wird sie gefasst und in den Medien als Heldin (Robin Hood) gefeiert.

Den chinesischen Arbeitern vieler ausländischer Firmen geht es besonders schlecht. Als herausragendes Beispiel gilt die taiwanesische Firma Foxconn in Shenzhen mit über 300.000 Beschäftigten. Diese haben lange Arbeitszeiten (11-12 Stunden am Tag), weniger Urlaub als vorgeschrieben, unzureichende Zuschläge, Überstunden und schlechte Schlafsäle. Der Monatslohn liegt bei etwa 110 Euro. Die Selbstmordrate ist hoch. Die deutschen Unternehmen halten in der Regel die chinesischen Gesetze ein. Zunehmend kommt es zu Arbeiterunruhen in Unternehmen in China, so auch 2010 bei Honda. Die schlimmsten Zustände herrschen in der Provinz Guangdong an der Grenze zu Hongkong. Dort sollen allein 26 Mio. Wanderarbeiter arbeiten. Höhere Löhne könnten den Exportboom bremsen, aber den privaten Konsum ankurbeln. Immer mehr chinesische Arbeitgeber versuchen ihre Arbeiter mit ausländischen Mittel zu motivieren (z. B. christliche Religion). Diese Vorgehen heißt in China "der Mond im Ausland ist runder". Der Economist sagt voraus, dass die Arbeitskosten der Industrie 2015 das US-Niveau erreichen (was macht dann die "Weltfabrik" China?). Im Februar 2016 werden in China Massenentlassungen angekündigt (die größten seit zwei Jahrzehnten). In der Industrie werden in den nächsten 2 bis 3 Jahren 5 bis 6 Mio. Arbeitsplätze gestrichen. Es sind Betriebe, die allgemeine Standards nicht erfüllen. Immer noch, 2018, werden Arbeiter verhaftet, die für höhere Löhne auf die Straße gehen. Das zeigt sich an zwei Beispielen: in Südchina bei einem Hersteller von Schweißmaschinen und im Norden beim Gemeinschaftswerk von VW und FAW.  Dabei würde die Abkehr von Billigarbeit und -löhnen helfen, die Akzeptanz von Welthandel und Globalisierung zu verbessern. Freie Gewerkschaften sind in China verboten. Der Staat und die KPC sehen sich als Hüter der Arbeiter (sie sind gleichzeitig die größten Arbeitgeber).

2010 teilen sich die Erwerbstätigen in China wie folgt auf die drei Sektoren auf: Landwirtschaft 36,7%; Dienstleistungen 34,6%; Produzierendes Gewerbe (sekundärer Bereich) 28,7% (Quellen:  ILO, Weltbank, Wirtschaftskammer Österreich). Allerdings dürften diesen Zahlen erhebliche Verzerrungen und statistische Ungenauigkeiten enthalten sein. Laut IWF braucht China für einen stabilen Arbeitsmarkt mindestens 7,2% Wachstum.  Es häufen sich Massenstreiks gegen die Arbeitsbedingungen (festgeschriebene Sozialleistungen werden nicht gezahlt, zu niedrige Löhne). Bis zu 50.000 Menschen in der Schuhfabrik Yueyuen (taiwanesisch) in der Provinz Guandong streiken im April 2014.

Löhne: 9,8% sind die durchschnittlichen Gehälter in China von 2012 bis 2017 gestiegen (Quelle: Deutsche Handelskammer). Die rasant steigenden Löhne werden damit zu einem immer größeren Kostenfaktor für ausländische Firmen. Deutsche Unternehmen versuchen die jährlichen Lohnkostensteigerungen durch Investitionen in die Automation auszugleichen.

Arbeitslosigkeit: In China wird der Arbeitsmarkt statistisch nicht korrekt erfasst. Gezählt wird die Arbeitslosigkeit der städtischen Bevölkerung. Das liegt an Chinas Einwohnermeldesystem (Hukou, siehe oben). Wer in einer Stadt geboren ist, wird automatisch als Arbeiter registriert, wer auf dem Lande geboren ist, als Bauer. Also tauchen die Bauern, die als Wanderarbeiter ihre Heimat verlassen, nicht in der Statistik auf. Das Niveau der Arbeitslosenversicherung ist auch noch gering, so dass Beiträge und Leistungen von Provinz zu Provinz variieren.

Viele Anzeichen sprechen aber dafür, dass die Arbeitslosigkeit in China gestiegen ist. Das zeigen Befragungen in den Großstädten oder Daten des Jobportals Zhaopin. Die Unternehmen halten sich im Handelsstreit mit den USA mit der Arbeitsnachfrage zurück. Die Staatsfirmen lassen sich nur noch bedingt dazu anhalten, Arbeiter nicht zu entlassen. Die Digitalisierung dürfte auch zu Arbeitsplatzverlusten führen, weil China nicht mehr länger die Werkbank der Welt ist. Der Dienstleistungsbereich kann nicht genügend ausgleichen. Entlastung bringt etwas die Demographie. Vgl. Petring, Jörn: Das chinesische Arbeitsmarkträtsel, in: Wirtschaftswoche 16, 12.4.2019, S. 38ff. 

 "Allein die verlangte Erhöhung entspricht dem absoluten Verdienst eines unserer Industriearbeiter in China", J. Heraeus, Chef des Technologiekonzerns, zur Lohnforderung der IG-Metall 2007 von 6,5%.

"Wenn du ein Jahr lang reich sein möchtest, bau Weizen an. Wenn du zehn Jahre lang reich sein möchtest, pflanze Bäume. Wenn du 100 Jahre Reichtum sichern willst, bilde die Menschen", Chinesisches Sprichwort.

Inflationsrate/ Budgetsaldo: +3,4% im Durchschnitt 2010 (Obergrenze der Regierung 3%, aber Erzeugerpreise fast +6%, Preise im Dezember 2010 +4,6%). -0,8% 2009. 4,8% 2007; 1,5%  Jahresdurchschnitt 2006 (1,8% Jahresdurchschnitt 2005, 2004: 3,9%, 2003: 1,2%). Im Januar 2008 stieg die Inflation um 7,1% gegenüber dem Vorjahresmonat (höchste Rate seit 11 Jahren; angestrebte Obergrenze: 3%); verantwortlich sind die rasant steigenden Lebensmittelpreise (18,2% im Jahresvergleich), vor allem bei Fleisch (über 20%, Schweinefleisch über 50%). Auch die Preise für Gemüse und Speiseöl sind sehr stark gestiegen (über 30%). 2008 ist der Reispreis stark angestiegen, weil Thailand, Indien und Vietnam die Exporte drosseln. Der Preis pro Tonne stieg im April 2008 auf über 1000 $. Sojabohnenimporte haben sich extrem verteuert. Die Inflationsrate 2008 wird voraussichtlich bei 5,9% liegen. Im 2. Quartal 2008 sind die Produktionskosten (Herstellerpreisindex) um 8,8% gestiegen. Auch die Frachtkosten steigen sehr stark, was den Außenhandel beeinflussen wird. Einige Preise wurden schon im Herbst eingefroren, was zu einer Verknappung des Angebots führen dürfte. Preiskontrollen könnten die Produktion senken. In den Sommermonaten 2008 gehen die Lebensmittelpreise wieder etwas zurück. Der Ölpreis musste Ende Oktober 07 um 10% angehoben werden. Im Juni 2008 wird er um 16-18% erhöht, weil die Raffinerien ihre Kosten nicht mehr decken können. Es gibt auch noch staatliche Subventionen für die Tankstellen. Ausgleichszahlungen bekommen auch die Bauern, Fischer und Taxifahrer. Ansonsten wurden einige Preise eingefroren (Energie, manche Lebensmittel). Mittlerweile befürchtet die Regierung Proteste in der Bevölkerung. Starke Inflation hat in den vergangenen 60 Jahren immer politische Katastrophen ausgelöst. Die Erdbebenkatastrophe in Sichuan wird die Rohstoffpreise weiter anheben und damit auch die Inflation. Im März 2009 zeigen sich allerdings deflationäre Tendenzen (-1,2%), die sich bis Mitte 2009 ausdehnen (-1,7%). Inflationszahlen (auch Konsumzahlen) sind von der Statistik her eher mit Vorsicht zu betrachten. Im März 2010 steigt die Inflationsrate auf 2,4%. Ende 2010 liegt die Rate bei 5,1%. Im Januar 2011 beträgt die Inflationsrate 4,9% (offiziell, wahrscheinlich viel höher). Im März 2011 steigt sie auf 5,4%. China leidet unter zu viel Liquidität. Um die Inflation in den kommenden fünf Jahren zu dämpfen, soll nur noch ein Wirtschaftswachstum von 7% angestrebt werden. Die Inflation steigt im Mai 11 sogar auf 5,5%, im Juni noch mal auf 6,4%. Deutlich stärker zogen die Lebensmittelpreise an (14,4%). Die Schweinfleischpreise stiegen um 57%. Mitte 2012 scheint das Land die Inflation in den Griff zu bekommen. Die Preise steigen nur noch um ca. 2%. Im März 2014 steigt die Inflationsrate wieder auf 2,4%. Ende 2015 und Anfang 2016 fallen drastisch die Erzeugerpreise (Index). 2016 liegt die Inflationsrate bei 2,0%. Für 2017 werden 2,5% erwartet.

Budgetsaldo/ Verschuldung: ca. -1,6% 2011, -2,7% 2010, -3,4% 2009 (2010: 3,3% geschätzt), (-1,7%  2005, -3,0% 2004, HH-Defizit in % des BIP); Auslandsverschuldung 190 Mrd. $; der Schuldenberg insgesamt wird auf ca. 500 Milliarden $ geschätzt. Städte und Provinzen haben 2011 schätzungsweise Schulden von 430 Mrd. Euro (Gesamtverschuldungsquote 150%?, Offizielle Angaben liegen Ende 2012 bei 22%). Ausgelöst wurde dies vor allem durch Großprojekte. Offiziell lag die Verschuldung der Zentralregierung Ende 2010 bei 19% des BIP. 2011 dürfte sie bei 17% des BIP liegen. Über die Schulden der Lokalregierungen werden keine Angaben gemacht (Schätzungen gehen bis 24 Billionen Yuan, 50% des BIP; Dragonomics geht sogar von 80% aus). Die Zentralregierung hat ein großes makroökonomisches Kontrollproblem: Sie hat nicht im Griff, was die Behörden auf lokaler Ebene tun (niemand führt offenbar genau Buch über die Kredite, die im Rahmen der Konjunkturpakete vergeben wurden). so ist die kommunale Verschuldung zu einem großen Problem geworden. China hat die größte Schuldenblase, die die Welt je gesehen hat. Die Kreditvergabe ist zweimal so schnell wie die Wirtschaft gewachsen. Die Verschuldung soll bei 251% des BIP liegen (Anfang 2015). Mitte 2015 nähern sie sich 300% (insgesamt geschätzt; Dreifache der Jahreswirtschaftsleistung). Wichtig ist aber die Definition (nur Zentralregierung, auch Provinzen, mit Kommunen). Nimmt man nur die Zentrale sollen die Schulden 2015 bei 42,7% des BIP liegen. Ende 2016 liegt die Verschuldungsquote bei 260 Prozent des BIP. Sie steigt 2017 noch mal auf 277% an. Dem steht gegenüber, dass China nicht im Ausland verschuldet ist und  einer der größten Gläubigernationen ist. Im Oktober 2016 waren dies allein 1,115 Billionen Dollar an US-Staatsanleihen (zweitgrößter Gläubiger nach Japan). Auf dem Nationalen Volkskongress im März 2018  wird bekannt gegeben, dass das Haushaltsdefizit auf 2,6% gesenkt werden soll. Ende 2018 liegt die Verschuldung bei 205,5% des BIP (USA: 151,0%). Die reine Verschuldung des Zentralstaates liegt 2018 bei 51,21% (Quelle: Statista). Zu bedenken ist dabei, dass die Gesamtverschuldung sehr hoch ist, also noch Haushalte, Unternehmen und Finanzsektor  dazukommen. Damit liegt die Gesamtverschuldung bei fast 300% des BIP. Den höchsten Anteil haben die Unternehmen (Quelle: Credit Suisse).  "Die Idee, billig in China zu produzieren, funktioniert nicht mehr", Carl Martin Welcker, Geschäftsführer von Leistritz.

Umwelt (Umweltpolitik): Nach offizielle Angaben des Statistischen Zentralamtes betrugen die CO2-Emissionen 2013 7,6 Mio. Tonnen. 2010 7,7 Mrd. t (zählt man die Angaben der Provinzen zusammen, kommt man auf 9,1 Mrd. t, 750.000 Menschen sterben jährlich an der schlechten Luft). So dürfte heute 2013 der Ausstoß bei ca. 10 Mrd. t jährlich liegen, womit China einsam an der Spitze ist. CO2-Emissionen pro Kopf pro Jahr in t 2007: 5,1 (löste 2007  die USA als Spitzenreiter ab, 2008 21% der weltweiten CO2-Emissionen, 6496 Mio. t; USA 20%, 5909 Mio. t), beide haben das Kyoto - Protokoll nicht unterzeichnet, ca. 60% aller CO2 - Emissionen, USA: 19,73t CO2 pro Kopf 2006, China 4,7 t), Waldzunahme in % 1990-2000: 1,2%.

Seit Februar 2005 Pilotprojekt von NBS und SEPA zum "Green GDP" (im Juni 2006 erster Umweltschutzbericht bzw. Weißbuch des SEPA: State Environmental Protection Administration, seit 2008 Ministerium). Danach entsprechen die jährliche Umweltzerstörung bzw. die Folgekosten des Wachstums 13% des BIP. Von den 20 schmutzigsten Städten der Welt liegen 16 in China.

Besondere Probleme bestehen mit der Wüstenbildung (jährliche Vergrößerung um 2500 Quadratkilometer)  und der Trinkwasserversorgung im Landesinnern. 312 Mio. Menschen ländlicher Regionen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, 80% aller Seen und Flüsse sind stark verschmutzt bzw. tote Flüsse. Von 661 Städten haben 278 keine Kläranlage, 420 kämpfen mit Wasserknappheit.  Hinzu kommt die Gletscherschmelze im Westen (vor allem auf dem Tibet-Tableau) und die Abholzung von Wäldern im Osten. Nur 14% des Landes waren 1990 bewaldet. Die Regierung hat ein Abholzungsverbot erlassen, ebenso ein Aufforstungsprogramm. Das Qinghai - Tibet Plateau ist die Quelle für die wichtigsten Flüsse Asiens: Yangtse, Mekong, Gelber Fluss, Ganges und Bramaputra. Experten schätzen, dass die Wasserreserven Chinas 2030 ausgeschöpft sein könnten. Mittlerweile machen die CO2-Emissionen der chinesischen Kohlekraftwerke allein 14% aus (deshalb hat China 2009 die USA als größter Emittent abgelöst). China hat in den letzten 5 Jahren doppelt so viele Autobahnkilometer gebaut wie die Deutschen in den letzten 100 Jahren. Die Schäden durch Taifune häufen sich (z. B. Sepat). Der Südosten wird stark von Wirbelstürmen heimgesucht. Shanghai ist vom Anstieg des Wasserspiegels bedroht. Wie in allen Schwellenländern haben die Treibhausgas-Emissionen durch tierische Gase (Klimafaktor Vieh) einen hohen Anteil. Mittlerweile gibt es eine Öko-Agrarfläche in China von 2,3 Mio. ha mit 1600 Betrieben. Damit liegt China hinter Australien und Argentinien auf dem dritten Platz. Mit nur sieben Prozent landwirtschaftlich nutzbarer Fläche müssen 22% der Weltbevölkerung ernährt werden. China kauft zunehmend Agrarfläche im Ausland (Afrika, Laos). Die Zahl der Einfuhranträge in Deutschland für Bio-Rohware ist stark gestiegen. Jährlich sterben etwa 650.000 Chinesen als direkte Folge der Umweltverschmutzung. Es werden mehrere Lebensmittelfabriken geschlossen, die verunreinigte Exportprodukte in die USA und die EU geschickt haben (50% aller beanstandeten Verbraucherprodukte stammen aus China). Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2008 sind 3000 Chemiefirmen geschlossen worden, weil die Umweltstandards erhöht wurden (dadurch verteuern sich die Chemikalien für Druckfarben in Europa). Im Großraum Peking werden im Jahre 2008  267 Unternehmen vorerst stillgelegt, um die Luftqualität für die Olympischen Sommerspiele zu verbessern. Betroffen sind insbesondere die Industriestadt Tangshan in der Provinz Hebei im Norden der Hauptstadt und von den Unternehmen her Koksereien, Zementhersteller und kleinere Kraftwerkbetreiber. Vom 1. Juli an werden die Fahrzeuge aus der Innenstadt verbannt, die die Grenzwerte nicht erfüllen. Der Wasserbedarf Beijings für die Olympischen Spiele geht vor allem zu Lasten vieler Dörfer in der Provinz Hebei. Es entstehen auch immer mehr Golfplätze in der Umgebung der Hauptstadt, die viel Wasser brauchen (auch Kunstschneepisten). Wasserknappheit wird insgesamt in China zu einem immer größeren Problem. 2011 ist besonders der Weizengürtel betroffen (7 Provinzen mit 80% des Weizens). In der Umgebung von Müllverbrennungsanlagen kommt es zunehmend zu Protesten von Anwohnern (meist Dioxin-Belastung). Ende Oktober 2012 gehen in Ningbo (100 km von Shanghai) Tausende auf die Straße, um gegen den Bau einer Raffinerie zu protestieren (hier leben wohlhabende Bürger, die gut vernetzt sind).  "Menschen, die sich abmühen, genug zum Essen zu verdienen, können sie nicht erzählen, sie müssten ihre Emissionen mindern", Lu Xuedu, Vizechef des Amtes für globale Umwelt - Angelegenheiten. "Der Abbau und die Erschöpfung von Ressourcen sowie der schlechte Zustand der Umwelt sind zu ernsthaften Hindernissen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung geworden", Zhou Shengxian, Umweltminister.

Bereits in den drei Jahrhunderten der Qing-Dynastie bis 1911 zeichnete sich eine starke Zunahme der Ressourcennutzung und Umweltverschmutzung ab (Überfischung, Überrodung, extensive Landwirtschaft). In Maos "Großem Sprung nach vorn" (bis 1961) explodierte der Getreideanbau. Heute geht von der starken Industrialisierung (Verschmutzung der Flüsse, Luftqualität, Autodichte) die größte Gefahr aus. Mittlerweile gibt es aber 70 Gesetze und Verordnungen. Der größte Widerstand kommt aus den Lokalregierungen, deren Umweltämter zwar der SEPA unterstehen, aber finanziell der Lokalverwaltung. 2008 wird aus der SEPA ein Ministerium für Umweltschutz (Ministry of Environmental Protection, MEP). Der Drei-Schluchten-Damm entwickelt sich zu einem Desaster. Zur Bewältigung von Folgeproblemen (Erdrutsche, Umsiedlung, Wasserverschmutzung, Erdbeben) müssen in den nächsten zehn Jahren etwa 100 Mrd. Yuan ausgegeben werden. Für die Weltklimakonferenz in Kopenhagen wird bekannt gegeben, dass der Kohlendioxidausstoß im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung gesenkt werden soll. Bis 2020 sollen die Emissionen je Einheit der Wirtschaftsleistung im Vergleich zu 2005 um 40 bis 50% gesenkt werden. In China steigen die Temperaturen derzeit stärker als im Weltdurchschnitt. Der 12. Fünfjahresplan für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung sieht 1,5 Billionen Dollar für Elektromobilität, Solarenergie und Biotechnik vor. Die Provinzen werden aufgefordert, der Umwelt zuliebe das Wirtschaftswachstum zu zügeln (bisher nur sechs von 30 Provinzen 2011). Einige Großstädte (zuerst Peking) kappen die Zahl der Autos pro Stadt (nur noch jedes zehnte Auto wird zugelassen). China wehrt sich 2011 gegen die Klimaschutzabgabe, die Fluggesellschaften ab 2012 in der EU entrichten müssen. Es droht mit Vergeltung. Berechnungen der chinesischen Verkehrsbehörde Cata zufolge würde der Emissionshandel die chinesischen Gesellschaften im ersten Jahr 120 Mio. kosten. Xingtai in der Provinz Hebei gilt als schmutzigste Stadt Chinas und der Welt (mehr als 6 Mio. Einwohner; hat Langshou am Gelben Fluss/ Provinz Gansu abgelöst). Hier gibt es zahlreiche Kohlekraft- und Stahlwerke. Autobahn und Flughafen müssen wegen zu geringer Sichtweite dauernd gesperrt werden. In Hebei liegen sieben der zehn schmutzigsten Städte des Landes.

Wer in China eine Produktionsstätte bzw. ein Bauprojekt errichten will, muss das "Environmental Impact Assessment Law" und Artikel 26 des Umweltgesetzes der VR China beachten. Nach dem EIA-Gesetz müssen bei Bauprojekten ein Environmental Impact Registration-Formular, eine Environmental Impact Assessment Form oder ein Environmental Impact Assessment Report erstellt werden. Nach Artikel 26 nuss die Umweltschutzbehörde das Umweltverträglichkeitsgutachten prüfen und anerkennen. 2013 gibt die Regierung zu, dass es 400 Orte in China gibt, die als "Krebsdörfer" bezeichnet werden, wo es bedeutend mehr Krebsfälle gibt. 2013 wird ein neues Umweltprogramm aufgelegt: Man verabschiedet sich vom bisherigen Wachstumsmodell. Die Schadstoffemissionen der Industrie sollen innerhalb von vier Jahren um 30 Prozent sinken. Industrie, Verkehr und Landwirtschaft sind die Problembereiche. Derzeit gibt China ca. 91 Mrd. € im Jahr für Umweltschutz aus (1,3% des BIP). 2013 startet China ein Pilotprojekt im Emissionshandel. Einige Aspekte sprechen dafür, dass das System besser funktioniert als der Handel mit Verschmutzungsrechten in der EU. 2014 zeigt sich, dass die Smog-Belastung im Norden Chinas immer schlimmer wird. Vor allem Peking ist betroffen. Die Feinstaubwerte erreichen 400 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Ein Schwerpunkt des Volkskongresses 2014 ist die Umweltsituation in den Großstädten, insbesondere in Peking. Die Industrie wird als Verursacher ausgemacht und soll Strafgebühren zahlen. Die Regierung plant Fahrverbote und Beschränkungen bei Neuzulassungen. Besonders will China auch die Spritfresser bei den Autos bestrafen. Das neue Limit liegt bei 6,9 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer ab 2015. Ende 2014 werden erstmals der einheimischen Wirtschaft Klimaschutzziele verordnet. Ein Drittel der Provinzen hat sich verpflichtet, bis 2017 weniger CO2 auszustoßen (wird auch durch niedrigere Wachstumsziele erleichtert). Außerdem wird auf den massiven Ausbau von Windkraft und Solarenergie gesetzt. Der Handel mit Emissionszertifikaten funktioniert (in den sieben Pilotregionen). Seit Januar 2015 gilt in China ein neues, schärferes Umweltschutzgesetz. Umweltminister Chen Jining räumt auf der Jahressitzung des Volkskongresses Probleme bei der Umsetzung ein (eine Dokumentation von Smog im Internet wird zensiert (150 Mio. Besucher).  Beim G7-Treffen in Deutschland 2015 verpflichtet sich China auf die weltweiten Klimaziele (Klimawandel Priorität). Außerdem will China 4300 kleine Kohlebergwerke schließen (ab 2016 in drei Jahren). Ende 2015 waren 11.000 Kohlebergwerke in Betrieb. Im März 2016 gibt die Regierung bekannt, dass mit Zertifikate - Handel die erneuerbaren Energien gefördert werden. Die Energieversorger sollen für umweltfreundliche Kraftwerke entsprechende Papiere erhalten. Bis 2020 soll der Anteil an Erneuerbaren auf 15% gesteigert werden (2016 12%). Anfang September 2016 ratifiziert China das UN-Klimaabkommen. China will eine Quote für E-Autos einführen (das trifft deutsche Hersteller unvorbereitet). Elektro-Auto-Quoten bringen besonders die deutschen Hersteller in Verlegenheit. Der Kampf gegen Luftverschmutzung wird immer wichtiger. Lobbyarbeit funktioniert in China nicht im Gegensatz zu Deutschland, wo man verschleppen konnte. "Langfristig werden die Umweltschäden sämtliche Ergebnisse der wirtschaftlichen Entwicklung aufheben....China muss grüner werden", Pan Yue, chinesischer Vize-Umweltminister. Aber: "Unsere Emissionen sind für unser Überleben wichtig", Yang Jiechi, Chinas Außenminister. Chinas Großstädte werden mittlerweile von Leihfahrrädern überschwemmt. Anbieter sind auch an den Daten der Nutzer interessiert. Deshalb zahlen sie sogar für die Nutzung. Schlimm ist die Situation auch in der Hauptstadt, weil die Fahrräder überall abgestellt werden.

In der Provinz Hebei und andere Zonen im Norden von Peking und Nordchinas werden Smog-Gürtel genannt. Hier gibt es Stahlwerke, Kokereien und Aluminiumhütten.  2017 wird von der Regierung einen Kehrtwende vollzogen. Sämtliche Baustellen und verschmutzenden Industrien sollen einige Monate stillgelegt werden ("Operation blauer Himmel"). Die Monate November, Dezember und Januar sind die schlimmsten. Wachstum und Luftverschmutzung konnten noch nicht entkoppelt werden.

Für 2018 erlässt China ein Importverbot für Müll aus dem Ausland (24 unterschiedliche Abfallarten). Die Operation heißt "Grüner Zaun". 2017 importierte das Land noch 7,3t Abfall. Deutschland hat 2015 noch 1,4 Mio. t nach China gebracht. Aber das Abfallaufkommen Chinas ist sehr stark gestiegen (Hauptbegründung). Die Recycling-Quote soll erhöht werden.

Transparenz: Es wurde ein landesweites Netz von Messgeräten aufgebaut. Es wird rund um die Uhr die Konzentration von Feinstaub ermittelt. Die Daten werden der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt (auf Smartphone). Bürger können auch Fabriken kontrollieren, indem sie die Messgeräte beobachten und Verstöße den Behörden melden. Vgl. Der Kampf um bessere Luft, in: WISU 12/17, S. 1302ff..

Elektromobilität:  China will ab 2018 eine Zwangsquote für Elektroautos einführen. Das kommt besonders Tesla (Elon Musk) entgegen, das ein Werk in China/ Shanghai bauen will. China fährt insgesamt eine massive Strategie für Elektromobilität. Bestandteil sind Subventionen, rigide Gesetze und die Quote. Volvo, das zu Geely gehört, will ab 2019 keine Verbrennungsmotoren mehr entwickeln. Der Bau von 553 Automodellen mit hohem Spritverbrauch wird verboten. Damit hat China schon das Ende des Verbrennungsmotors besiegelt. Shenzhen (früher Kanton). Ist eine 12 Millionen-Stadt im Süden Chinas. Sie ist weltweit die erste Stadt, die im Nahverkehr ihre Busflotte komplett auf elektrische Antriebe umgestellt hat. Mehr als 16.000 Busse, vor allem von Byd, fahren durch die Straßen. Die Betriebskosten sollen pro Jahr um etwa 20.000 Euro geringer als bei einem Dieselbus. Als nächstes sollen sämtliche Taxis aus dem Verkehr gezogen werden, die einen Verbrennungsmotor haben. Am Ende der Kaiser-Ära war die Stadt das Tor des Westens nach China. die Stadt stand unter britischer und französischer Verwaltung.

Exkurs, China als Naturraum, Klimaschwankungen in der Geschichte und Umweltveränderungen durch den Menschen: China zeichnet sich durch große Kontraste aus. 16% der Gebiete liegen über 5000 Meter Höhe. Nur 32% liegen unter 1000 Meter. Extrem trockene Gebiete stehen Gebieten mit viel Niederschlag gegenüber. Hohe Gebirge prägen den Westen. Zwischen den beiden großen Flüssen "Langer Fluss" und "Gelber Fluss" liegt eine Ebene, die das nördliche China vom Süden trennt. Die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen sind sehr begrenzt. Blütephasen der chinesischen Geschichte scheinen mit wärmeren und feuchteren Klimabedingungen zu tun zu haben. Neben dem natürlichen Klimawandel traten von Menschen geschaffene Veränderungen auf. Brandrodung, exzessive Bejagung, Abholzung und Eingreifen in den Wasserhaushalt hat es immer wieder gegeben. Vgl. Nagel-Angermann, M.: Die Geschichte des alten China, Wiesbaden 2018, S. 13ff.

Energie/ Rohstoffe (Energiepolitik): Energieverbrauch pro Kopf in kg ÖE 2004: 960. China hat einen Anteil von 38,6% (2006) am Weltkohleverbrauch. China importierte 2004 Öl im Wert von 38 Mrd. $ (Steigerung bis 2020 um des Zwanzigfache). Im Jahre 2006 hat China soviel Öl importiert wie noch nie zuvor (145,2 Mio. t, +14,5%, 81,9 Mrd. $). Der Ölverbrauch ist in den letzten zehn Jahren um 101,1% gestiegen (Indien +51,5%). Der Verbrauch in ganz Asien ist nahezu gleich hoch wie der in Nordamerika (24.589 Tausend Barrel). Der Iran liefert 14% der chinesischen Ölimporte und hat einen hohen Anteil bei Erdgas. Ein Drittel seiner Ölimporte bezieht China aus Afrika. So fand Anfang November in Peking ein "China-Afrika-Kooperationsforum" statt. China will seine Hilfe für Afrika auf über 5 Mrd. $ verdoppeln. Ende 2010 wird einen neue Öl-Pipeline zwischen Russland und China eröffnet. Sie ist 3600 km lang und führt vom östlichen Sibirien zu den Raffinerien im nordostchinesischen Daqing. Jährlich sollen über 30 Mio. t Öl befördert werden. In den nächsten 15 Jahren sollen 32 neue Atomkraftwerke gebaut werden! Eine neue Aufarbeitungstechnik bei den Brennelementen soll Uranressourcen von 80 auf 300 Jahre verlängern. Gegenwärtig verfeuern 69% aller Kraftwerke Kohle. Kohle hat einen Anteil am Primärenergieverbrauch von 65%. Damit trägt China einen Großteil der weltweiten Umweltverschmutzung.  Senkung des Energieverbrauchs 2006 um 4% geplant. Der Drei-Schluchten-Staudamm, das größte Wasserwehr der Welt, soll in drei Jahren 1/10 des Elektrizitätsbedarfs decken. Viele Grundstücke für neue Bauvorhaben werden illegal vergeben (Korruption).    Zusammen mit der UN soll in Peking eine Börse für Klimaschutzzertifikate aufgebaut werden. Die erste Börse dieser Art ist bisher die Chicago Climate Exchange. 2007 hat das Kabinett einen Nationalen Plan zum Klimawandel verabschiedet (erstes derartiges Dokument, federführend ist Xie Zhenhua als Vizepräsident für Umweltschutz und Energiepolitik der NDRC). Vor dem G8-Gipfel 2007 wird ein eigener Klimaschutzplan vorgelegt (bis 2010 Energieeffizienz +20%, Schadstoffausstoß -10%). Mit Fahrverboten bis zu 4 Tagen will Peking die Luftqualität für die Olympischen Spiele verbessern. Bei der Strom- und Energiegewinnung (Ökostrom) führt China mittlerweile bei erneuerbaren Energien (vor Deutschland), Wasserkraft und Solarthermie (Deutschland Dritter). Bei Strom aus Windkraft hat China Deutschland 2009 vom zweiten Platz verdrängt. An der Spitze liegen die USA (35.000 Megawatt). 2009 gab China 34,6 Mrd. $ für alternative Energie aus, mehr als jedes andere Land der Welt (bis 2020 150.000 Megawatt aus Windkraft).

Rohstoffe: In China lagern 42% aller weltweiten Vorräte an Wolframcarbit (80% Weltmarktanteil bei China).  China hat eine fast Monopolstellung bei Seltenerdmetallen wie Terbium, Yttrium, Neodymium, Erbium, Europium, Dysprosium, Promethium, Holmium, Thulium, Ytterbium, Dybrosium,  (insgesamt 17). Seltene Erden sind weiche, silbergraue Metalle, deren Schmelzpunkt zwischen 900 und 1600 Grad C liegt. Groß sind auch die Vorkommen an Lithium und Molybdän. Daneben gibt es noch große Vorkommen an den Seltenen Erden Gadolinium, Samarium, Praseodym und Lanthan. China verknappt 2010 sein Angebot an Seltenen Erden durch verschärfte Umweltschutzauflagen. Die geringen Umweltauflagen hatten den Preis bis dahin niedrig gehalten. China besitzt 97% der weltweiten Mengen. Sie werden für Computer, Halbleiter, Elektromotoren, Windturbinen, Akkus u. a. gebraucht. 2010 ist der Preis schon um 171% gegenüber 2009 gestiegen. Um Produktionsstätten im Land zu halten, arbeitet China mit Exportquoten bei seltenen Erden. Diese werden 2012 sogar erhöht. Auf Druck der WTO werden sie ab 2015 vorerst wieder abgeschafft. Ende 2010 wird eine Rohstoffzentrale gegründet. Sie ist wie ein Industrieverband organisiert und mit dem Industrieministerium verbunden. Es gibt über 1000 illegale Minen, die Mensch und Umwelt gefährden. "Der Nahe Osten hat Öl, wir haben Seltene Erden", Deng Xiaoping 1992.

Xinjiang im Nordwesten von China ist die größte Erdgasförderregion. Hier gibt es auch große Ölvorkommen. China hat die höchste Goldförderung in der Welt (270 t 2007). Als Nachfrager ist China mit seinem Rohstoffhunger ein großer Preistreiber. Zunehmend rückt Australien ins Blickfeld (hier leben 600.000 Chinesen, China ist der wichtigste Exportmarkt). Eisenerz, Kohle und Baumwolle werden geliefert. Es werden indirekt oder direkt Beteiligungen an australischen Firmen erworben, vor allem in der Bergbauindustrie. Inzwischen ist China hinter den USA der zweitgrößte Markt für Windenergie. Es gibt ca. 50 eigene Hersteller im Land. In letzter Zeit werden nur noch einheimische Hersteller bei Ausschreibungen berücksichtigt. Viele ausländische Anbieter müssen über die Aufgabe von Produktionsstätten in China nachdenken. Im Bereich der Solarenergie wird China immer erfolgreicher: 2009 kann das Silizium für Sonnenkollektoren 44% billiger produziert werden als in Europa. Mit einem System von Steuern auf die gesamte Wertschöpfung hält man eigene Rohstoffe im Land: bei Exporten Exportsteuer, Rückerstattung der Umsatzsteuer; bei Importen Einfuhrsteuer. Außerdem gibt es Manipulationen bei Rohstoffbörsen. Im Krisenjahr 2009 wurden 150 Mrd. Dollar international in Rohstoffe investiert. In Südamerika hat man einen Anteil am Ölgeschäft Ecuadors erworben, in Venezuela ein Ölfeld. In Birma wird eine Pipeline vom Indischen Ozean nach China gebaut. In Kanada ist man an Ölsand-Vorkommen beteiligt. In Nigeria werden vier Erdölraffinerien gebaut. In der Mongolei hat man Anteile an Kupfer- und Goldminen gekauft. 2011 nach der Naturkatastrophe in Japan stoppt die Regierung vorerst den Bau von Atommeilern (derzeit 13 in Betrieb, bis 2020 verdoppeln). Der Neubau soll verlangsamt werden und die Gesamtkapazität soll niedriger sein (China Electric Council, CEC). In Europa kooperieren chinesische Staatskonzerne in der Energiepolitik: Türkei Bau von Atomkraftwerken, Bulgarien Atomkraftwerk, Polen Kohlekraftwerk, Rumänien Kohlekraftwerk. 2011 löst China Japan als größten Kohle-Importeur ab. Im Mai 2014 schließt China ein Gasabkommen mit Russland: Russische Gaslieferungen für 30 Jahre. Ab 2018 soll Gasprom jährlich 38 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr liefern. Das Geschäftsvolumen liegt bei ca. 400 Mrd. $. Im Juli 2014 zieht China seine umstrittene Bohrplattform vor Vietnam ab. Im Dezember 2017 muss die BASF ihre Produktionsstätte zur Herstellung der Chemikalie MDI in der Millionenstadt  Chongqing vorübergehend wegen Gasmangels schließen.

Alternative Energien: Mittlerweile besitzt China 2010 die größte, fünft- und sechstgrößte und achtgrößte  Solarzellenfirma der Welt (Suntech Power, Yingli, JA Solar, Trina Solar) sowie die dritt- und viertgrößte Windkraftanlagenfirma (Sinovel, Goldwind) der Welt. 2013 schließ China mit Russland einen Liefervertrag über Erdöl. Die Ausfuhren sollen verdoppelt werden (vor allen Rosneft). 2013 kauft China riesige Agrarflächen in der Ukraine (von der Größe Brandenburgs).  Die größten Öl- und Gasvorkommen Chinas sind in der Provinz Xinjiang im Westen (vor allem im Tarim-Becken). Hauptstadt ist Urumqi. Terroristen bekämpfen die Vormacht der Chinesen, die in der Regel alle wichtigen Ämter besetzen. Im März 2015 genehmigt das Land erstmals wieder einen Kernkraftneubau (Moratorium nach Fukushima 2011). 2016 genehmigen zwei chinesische Banken Kredite für das russische Erdgasprojekt Yamal LNG. rund 12 Milliarden Dollar fließen damit aus China in das Projekt am nördlichen Polarkreis. Ab 2017 soll dort unter Leitung des russischen Energieunternehmens Novatek verflüssigtes Erdgas gefördert werden. Ab 2017 forciert China noch mal den Ausbau erneuerbarer Energien: Zwischen 2016 und 2020 sind Investitionen von über 340 Mrd. Euro geplant (Quelle: Nationale Energiebehörde NEA). Dadurch sollen 13 Millionen Arbeitsplätze in dem Sektor geschaffen werden.

2017 bohrt China erfolgreich nach Methanhydraten im Südchinesischen Meer. Dieses spezielle Erdgas könnte den Energiebedarf für Jahrtausende decken. Das tief im Meeresboden sitzende Gas ist schwer abzubauen. Entweicht Methangas in die Atmosphäre, ist es noch viel klimaschädlicher als CO2.

Elektromobilität: In China sind 2017 200 Mio. E-Mopeds und Roller unterwegs. Benzin getriebene Motorräder sind verboten. Motorräder finden auch leichter einen Parkplatz in den überfüllten Innenstädten und sie sind für Ärmere erschwinglich. Für Fußgänger sind Zweiräder sehr gefährlich, weil sie lautlos sind. 2017 führt China eine Quote für Elektro-Autos ein.

Exkurs: Jangtsekiang (kurz Jangtse): Langer Strom. Der längste Fluss Chinas (drittlängster der Welt nach Nil und Amazonas). Das Quellgebiet liegt im Hochland von Tibet in der Provinz Qinghai. Er mündet ins Ostchinesische Meer. Der Fluss teilt das Land in Nord- und Südchina. Er ist von der Stadt Yibin an befahrbar. Ein Großprojekt zur Energiegewinnung war der Drei-Schluchten-Staudamm, der die Umwelt stark beeinflusst hat. Wichtige Städte am Fluss sind Chongqing, Wanxian, Wuhan (Mao schwamm durch den Fluss), Nangjing und Shanghai. Der Fluss spielte auch in der Geschichte Chinas eine große Rolle (Mao überquerte den Fluss, die Engländer konnten mit modernen Kanonenbooten eindringen).

Am Jangtse liegt auch die Stadt Zhenjiang, die Partnerstadt Mannheims ("Perle am Yangtse"; vgl. das Buch von Norbert Egger: "Perle am Yangtse - Zhenjians Aufstieg aus persönlicher Sicht"). Sie hat über 3 Mio. Einwohner. Sie liegt im Schnittpunkt mit dem Großen Kanal (Kaiserkanal). Shenkuo ließ im 11. Jahrhundert hier ein Anwesen bauen. Es ist auch der Geburtsort von Li Lanqing.

 

Das linke Haus auf diesem Bild ist das Marco Polo-Haus in Venedig. Man erkennt eine Tafel, die darauf hinweist, dass Marco Polo hier geboren wurde. Vater und Onkel waren Juwelenhändler in Venedig.  Venedig war zu der Zeit eine Weltmacht im globalen Handel und hatte nahezu ein Monopol im Handel mit China. Aus China importiert wurde Seide und Porzellan. Nach China exportiert wurden Textilien, Schmuck, Gewürze, Lederwaren, edle Hölzer, Pelze. Die Polos hatten Kontore am Ural. Sie betrieben Handel über die Seidenstraße zur Zeit der "Goldenen Horden" der Familie Khan. Marco Polo soll Kublai Khan, den Enkel von Dschingis Khan in Dunhuang oder Shangdu getroffen haben. Der machte ihn zu seinem Präfekten. Marco Polos Lieblingsstadt in China soll Hangzhou gewesen sein. Auf dem Seeweg reiste Polo zurück (von Quanzhou aus, der Partnerstadt von Neustadt Weinstraße).  Marco Polo (1271-1295; in genuesischer Gefangenschaft schrieb er seine Erlebnisse auf; das Erfolgsbuch prägte vor den Jesuiten das Chinabild der Europäer) Er reiste, berichtete und brachte viele Produkte und  Erfindungen aus China, das zu der Zeit die technologische Führungsmacht der Welt war, nach Europa. An den Erzählungen Marco Polos zweifelten schon die Zeitgenossen. 17 Jahre will er das Land bereist haben. Beim Schreiben half ihm der Mitgefangene Rustichello da Pisa. Das Buch heißt "Il Milione". Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es gibt heute noch viele handschriftliche Exemplare. Am erfolgreichsten in der Verbreitung war die lateinische Version.  Nach Marco Polo sind der Flughafen von Venedig, ein Mondkrater und ein Asteroid benannt.

Die Dogenrepublik hatte in ihrer Blüte die Kontrolle über Konstantinopel, große Teile der Türkei und Griechenlands einschließlich der Insel Kreta. Venedig war im vierzehnten Jahrhundert die wichtigste Handelsstadt Europas und wohl auch der Welt. Mit der Entdeckung Amerikas 1492 begann der Abstieg der Dogenrepublik. Venedig konzentrierte sich dann auf das "Terra ferma", das Hinterland. Sehr fortschrittlich war das Regierungssystem der streng oligarchisch strukturierten Republik. Adelsfamilien hatten ein perfektes System der zeitlichen Arbeitsteilung von Regierung und Gerichten entwickelt. Führend waren in der Zeit auch viele wichtige Künstlerpersönlichkeiten (Bellini, Canova, Giorgione, Palladio, Tizian, Tintoretto).

Außenwirtschaft (Außenwirtschafts- und Entwicklungspolitik bei Politik; vgl. auch Teil bei politische Rahmenbedingungen): Chinas Anteil am Welthandel betrug Anfang der Anfang der Siebzigerjahre weniger als 0,5%; heute (2016) ist es die größte Handelsnation (13,5 Prozent  der Exporte, 9,78 Prozent der Importe). 2001 wurde China Mitglied der WTO. 2010 wurden so viele ausländische Direktinvestitionen nach China gelockt wie noch nie: 105,7 Mrd. Dollar (+17%). China selbst investierte 59 Mrd. Dollar im Ausland (+36,3%). Weltweiter Zufluss an Direktinvestitionen 2007 74,7 Mrd. $ (2006: 64,6 Mrd. €, 2005: 63 Mrd. €, allein 6,5 Mrd. $ nach Shanghai, Prognose für 2008: 60 Mrd. $); deutsche Direktinvestitionen 7 Mrd. €, Direktinvestitionen aus Taiwan insgesamt: 50 Mrd. $ (150 Mrd. $ geschätzt). Eine große Rolle bei den Direktinvestitionen aus dem Ausland  haben und spielen noch Auslandschinesen ("Chinese Bamboo Network"). Chinesische Direktinvestitionen im Ausland  rund 3,7 Mrd. $ (+80% 2004), Direktinvestitionen in Deutschland 2008 380 Mio. €. China investiert vor allem in Afrika (30 Mrd. $, z. B. Großkredite für Öl an Angola und Nigeria) und hier vor allem in Rohstoff- und Energiebeschaffung; Exporte: insgesamt 840 Mrd. € (1202 Mrd. $) 2009, 1,484 Bio. $ 2008 (2007 1,218 Bio. $ , +26%, 790 Mrd. $ 2005, 2006: über 1 Bio. $, 43%-Anteil am BIP),  (Anteil der USA: 21,4%, hohe Exportabhängigkeit!, die Hälfte stammt von den 50.000 in China produzierenden US-Firmen), 31,9 Mrd. $ (4,3%) nach Deutschland (2009 hat China Deutschland als "Exportweltmeister" abgelöst, 2008 lagen beide Länder Kopf an Kopf). 2010 stiegen die deutschen Exporte nach China um 44%, die Importe um 35%! . Damit ist das Land drittwichtigster Außenhandelspartner Deutschlands geworden (Spitzenreiter Frankreich vor Niederlande).  Zunahme der deutschen Exporte 2008 um 14,3% auf 31,3 Mrd. € (2007 29,9 Mrd. €; 2006: 30% , 27,5 Mrd. €, 1995 -2004 durchschnittliche Steigerung um 16%), circa 3% der deutschen Ausfuhren. An der Spitze liegen Maschinen und Autos. Im 1. Halbjahr 2010 sind die deutschen Exporte nach China um 56% gestiegen. Insgesamt betrug die deutsche Ausfuhr nach China 2010 53,6 Mrd. €; die Einfuhr 76,5 Mrd. €. 2009 betrugen die deutschen Exporte 37,3 Mrd. €, die Importe 56,7 Mrd. €. Deutsche Importe aus China 2008 54,3 Mrd. € (2007: 54,6 Mrd. €, 2006: 48,8 Mrd. €. 2013 beträgt der deutsche Außenhandel mit China schon 140,6 Mrd. € (StBA). Die deutschen Exporte betragen 67 Mrd. €; die Importe 73,6 Mrd. €. Anteil: 6,4%, drittwichtigster Importeur nach Frankreich und den Niederlanden). An der Spitze liegen Elektronik, Nachrichtentechnik/ Radio/ TV und Büromaschinen/ EDV. Importe von China insgesamt: 561,4 Mrd. $. Chinas Anteil am Welthandel beträgt 2005: 7,3%; Exporte in asiatische Länder 2004: 280 Mrd. $, Importe aus asiatischen Ländern: 310 Mrd. $. Die Importe in die EU aus China sind 2006 auf 14,2% aller Importe gestiegen (1998: 6,5%). Ende 2007 beträgt der Handelsüberschuss insgesamt 262,2 Mrd. $ (177 Mrd. €), ein Anstieg zum Vorjahr um 47,7%. 2008 beträgt der Handelsbilanzüberschuss 295 Mrd. $ (USA -800). 2011 betrug der Handelsbilanzüberschuss 160 Mrd. Dollar (-12%). Die EU ist 2007 wichtigster Markt für China vor der USA geworden.  Rund 45% des EU-Außenhandels mit China geht allerdings auf Deutschland zurück. 2011 betrugen die Exporte 1,899 Billionen Dollar (+22,5%, chinesische Zollbehörde). 1985 lagen die Exporte noch bei 27 Mrd. Dollar. 2012 verbuchen die deutschen Exporteure ihr schwächstes China-Geschäft seit 2005. 2012 exportierte die EU (ohne Deutschland) Waren im Werte von 77,3 Mrd. € nach China, aus Deutschland kamen Waren im Werte von 66,6 Mrd. €. Der Anteil des China-Geschäftes liegt bei der EU bei 6,4%, bei Deutschland bei 14,1%. 2010 hatte China einen Außenhandelsüberschuss von 190 Mrd. $ (147,3 Mrd. €). Die Ausfuhren stiegen um 31,3% auf 1,58 Billionen Dollar (1,22 Billionen €). Die Importe stiegen um 38,7% auf 1,39 Billionen Dollar (1,08 Billionen Euro). 2012 gehen 6% aller deutschen Waren nach China (2011 gegenüber 2004 +209%; bei den Importen hat China den größten Anteil). Für Maschinenbauer und Autofirmen ist China der wichtigste Absatzmarkt. Bilaterale Handelsabkommen bestehen mit Thailand, Chile und Pakistan. In Vorbereitung sind Abkommen mit Australien, Singapur, USA, Schweiz, Mexiko, Norwegen, Russland und den Asean - Ländern. Zwischen den USA und China gibt es einen "Strategischen Wirtschaftsdialog", der halbjährlich auf höchster Ebene stattfindet. Die Importländer sollen mit Krediten gestützt werden. Mittlerweile kommen jährlich 140 Mio. Besucher aus dem Ausland nach China (Incoming, Dienstleistungsexport). Erstmals seit Chinas Beitritt zur WTO erhebt die USA im Herbst 2009 drastische Strafzölle auf Reifenimporte aus China (35%). 2010 im Herbst folgen Strafzölle wegen der Wechselkurspolitik. Die Weltwirtschaftskrise führt dazu, dass China und Taiwan enger zusammenrücken. Taiwan will die Handelsbeschränkungen lockern, um nicht von der Integration der asiatischen Märkte abgeschnitten zu werden. Festlandbanken und andere unternehmen investieren zunehmend in Taiwan. Ende 2009 erhebt China Strafzölle auf Stahlprodukte aus USA und Russland. 2010 fahren die Europäer ihre Geschäfte mit dem Iran zurück, China springt in die Bresche und wird größter Handelspartner des Iran. Im März 2010 hat China erstmals seit sechs Jahren ein Handelsdefizit. China geht mit Griechenland eine Kooperation ein (Investitionen, Kauf von Staatsanleihen). Dies ist Teil einer längerfristigen Handelsstrategie, die Athen als Tor nach Europa vorsieht und den Euro stärken will. Nach der Weltwirtschaftskrise stecken die Chinesen systematisch viele Milliarden in europäische Peripherieländer: Haier Produktionsstätte und Logistikbasis in Varese/ Italen, chinesische Banken beteiligen sich am spanischen Energieversorger EDP, der Staatsfonds kauft sich in einen Immobilienkomplex in London ein, chinesische Investoren stecken Geld in rumänische Landwirtschafts- und Bergbauprojekte. In Prato (in der Toskana), eine alte Textilstadt, leben ca. 50.000 Chinesen legal und illegal, die in Firmen arbeiten, die chinesische Unternehmer übernommen haben. Sie sind teilweise in der Schattenwirtschaft angesiedelt. 2011 droht China den USA mit einem Handelskrieg, weil diese immer mehr Sonderzölle erlassen (gegen die Unterbewertung des Yuan). Im Mai 2012 steigen die Exporte wieder überraschend stark (+15,3 % zum Vorjahresmonat, Importe +12,,7%). Der Hochgeschwindigkeitszug aus China ist mittlerweile ein Exportschlager (weil China selbst massiv in das Bahnnetz investiert). Der Kredit wird gleich mitgeliefert. Ausländische Konzerne wie Siemens verdienen mit. Seit Anfang 2018 ist der Handel mit Elfenbein verboten (soll die Elefanten schützen). China war bisher der weltweit wichtigste Absatzmarkt. Im April 2018 steigt der Außenhandel kräftig an: 12,9% wuchsen die Exporte. Die Importe stiegen um 21,5%. Das mitten im Handelsstreit mit den USA. Der Handelsstreit wirkt sich offenbar später aus: 2018 beträgt der Überschuss im Handel noch 323,3 Mrd. $. Ende 2018 brechen die Exporte ein (-4,4% gegenüber dem Vormonat). Den Exporten geht die Puste aus. Traditionell lief der Handel zwischen China/ Asien  und Europa Jahrhunderte über die Seidenstraße (Blüte: Tang-Dynastie, Ming und Qing - Dynastie). Im 17. Jahrhundert kam immer mehr der Seeweg dazu. Führend im Handel mit Südostasien waren Portugal und die Niederlande. Huygen und Barents aus den Niederlanden entdeckten neue Seerouten nach China. Daraus entstanden drei Bücher. Sie berichten über den Handel mit Indien, China und Japan. Die Niederlande wollten Malaysia zu ihrem Stützpunkt machen, um das portugiesische Gewürzmonopol zu brechen. Schließlich wurde 1602 die VOC gegründet (Vereinigte Ostindische Companie für Handel). Es war Teil des niederländischen Unabhängigkeitskampfes gegen Spanien und Portugal. Vgl. J. Elvers: Europa, das Meer und die Welt, München 2018, S. 264ff.

Die Struktur der chinesischen Außenwirtschaft ändert sich massiv in den letzten Jahren: Bei den Importe aus China nach Deutschland gibt es anteilig mehr Vorleistungen und Investitionsgüter. Bei den Exporten aus Deutschland nach China wachsen der Anteil der Konsumgüter und der Anteil an Investitionsgütern und Vorleistungen geht zurück. Dieser Strukturwandel wird sich fortsetzen.

Exkurs: Als wichtiger Stützpunkt für den Außenhandel zwischen Deutschland und China wurde im 19. Jahrhundert (1897) vom deutschen  Kaiserreich Tsingtau (heute: Qingdao, "grüne Insel") gewaltsam als deutsche Handelsniederlassung an der Ostküste (Bucht von Kiautschou) gegründet und durch einen Pachtvertrag am 06.03. 1898 legalisiert. Die Deutschen bauten eine berühmte Bahnlinie an Bergwerken entlang (vor allem Silberminen). Die Kolonie wurde 1914 von den Japanern erobert und endete damit. Die Alt-Stadt der heutigen Millionenstadt  wird von deutscher Architektur geprägt (Gouverneurspalast, Kaiser-Wilhelm Ufer). Weltberühmt ist die von Deutschen gegründete Brauerei. 2008 fanden hier die Segelwettbewerbe der olympischen Spiele statt. Wang Jianlin, Chinas reichster Mann, plant 2013 in der Hafenmetropole das größte Gelände für Filmstudios der Welt. Eine Investorengruppe will in der Bohai-Bucht (wo Wilhelm II. mit 100 Schiffen vor über 100 Jahren landete) eine Megacity für Senioren errichten (mit dabei: Speer, Peter Hartz, Knauf/ Iphofen, Siemens). Teile von Wuhan gehörten ebenso eine zeitlang zu Deutschland (in Hankou gab es eine deutsche Konzession, also ein Stadtteil unter deutscher Verwaltung). 1984 gab es hier den ersten ausländischen Fabrikdirektor: der Deutsche Werner Gerich bei den Wuhaner Dieselmotorenwerken. Mao schwamm in Wuhan noch mit 73 im Jangtse. Zur Kolonialzeit war Kanton allerdings der wichtigste Handelsplatz in China. Hier handelten die Briten. Sie hatten die Öffnung Chinas mit Kriegsschiffen erzwungen. 1839 folgte dann der Opium-Krieg, weil China keine Einfuhr von Opium mehr dulden wollte. Die Bürokratie wurde zersetzt. England wollte damit seine Handelsbilanz ausgleichen.

China ist der weltweit größte Waffenexporteur. In Deutschland sind rund 600 chinesische Firmen registriert, vor allem Handelsunternehmen. Die Außenwirtschaft trägt  Züge des Merkantilismus. Exportgüter: Elektronik und Elektrotechnik, Textilien und Bekleidung, Maschinen und Anlagen, Kunststoffe, optische Geräte. Zunehmend werden auch Autos, vor allem Nutzfahrzeuge, in die Schwellenländer des Nahen Ostens, Südamerikas und Osteuropas verkauft. Nach Europa werden immer mehr Möbel aus China exportiert. Die US-Nachfrage nach Spielzeug, Schuhen und Sportzubehör brach 2007/2008 ein. Die Maschinenbauproduktion Chinas ist auf den 4. Platz in der Welt vorgerückt. Mittlerweile ist China 2010 auch der größte Schiffbauer der Welt. Der Marktanteil liegt bei fast 40% (Tank- und Containerschiffe, Kriegsschiffe, Luxusyachten).  Importgüter: Öl, Chemikalien, Eisen, Stahl, Maschinen, Anlagen. Die nichttarifären Handelshemmnisse (Produktzertifizierung ,Verzögerungen bei der Zollabfertigung) nehmen zu. Luxusgüter werden mit hohen Importzöllen und Mehrwertsteuern belegt und werden im Schnitt um 35% teurer. China und Russland wollen ihre Kooperation im Energiesektor und Handel ausbauen: Mit Russland wird 2008 eine Atomkooperation vereinbart. Der eigene Handelsüberschuss soll verringert werden. Das gleiche gilt für die Kooperation mit Afrika (Handel bis Ende des Jahrzehnts auf 100 Mrd. $ verdoppeln). Es werden auch langfristige bilaterale Rohstoff- und Energieabkommen, z. B. mit Nigeria und Kongo, abgeschlossen. Es leben mittlerweile schon 750.000 Chinesen in Afrika. Auf einer Konferenz Ende 2009 in Ägypten werden 10 Mrd. $ bis 2012 an Krediten versprochen (50 Länder aus Afrika, seit 2001 hat sich das Handelsvolumen verzehnfacht).  Im Jahre 2008 überstiegen Chinas Direktinvestitionen in Afrika mit 5,5 Mrd. $ erstmals die der USA. Das Geld floss vor allem in die Rohstoffbranche und Infrastrukturprojekte. Von Kenia aus will Chinas Regierungssender CCTV den schwarzen Kontinent erobern. In Afrika regt sich allerdings auch immer wieder Widerstand gegen die Ausbeutung durch Chinesen (z. B. in Sambia). "China kommt wegen der Rohstoffe, sie kommen nicht, um gute Regierungsführung zu bringen", D. Kaberuka, Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank. 2007 will die Regierung ihre Exportsubventionen für die großen Stahlhersteller streichen. Papierimporte aus China belegen die USA 2007 mit Einfuhrzöllen von 10,9 bis 20,4 %, um gegen chinesische Exportsubventionen vorzugehen. Zwischen den USA und China wird auch in der Öffentlichkeit ein kleiner Handelskrieg ausgetragen (verseuchter Fisch aus China, verseuchtes Obst aus den USA). 22% der deutschen Teeimporte kommen aus China. 2007 wurde der Handel mit Indien um 56% auf 26 Mrd. € (nur Exporte von China) gesteigert (bis 2010 auf 60 Mrd. Handelsvolumen). Bestehende Handelsbarrieren sollen weiter abgebaut werden. Die Konjunkturprogramme 2009 enthalten allerdings protektionistische Klauseln, die eine Bevorzugung chinesischer Anbieter vorschreiben. China rechtfertigt sich mit ähnlichem Verhalten der USA. Außerdem gibt es nach der Weltwirtschaftskrise Exportzölle für chinesische Rohstoffe (insgesamt 10, vor allem für Bauxit, Zink, Magnesium, Mangan und Silizium). Unter Ökonomen wird diskutiert, ob Chinas Exportstrategie noch lange trägt. Viele empfehlen eine noch stärkere Förderung der Inlandsnachfrage (Vgl. "Is China`s Export-Oriented Growth Sustainable"? von Kai Guo und Papa N`Diaye, IMF Working Paper 09/172). Im Herbst 2010 verhängen die USA Strafzölle gegen China, wegen der Wechselkurspolitik. Anfang 2011 erlässt China wegen des Dioxinskandals ein Importverbot für deutsches Fleisch (auch Südkorea). 2012 bietet China Mercosur einen Freihandelsvertrag an (China ist nach der EU und den USA der drittgrößte Handelspartner). In einer Art Handelskrieg zwischen der EU und China (es geht um Strafzölle gegen chinesische Solarmodule; China will sich bei Stahlrohren und Chemie-Importen revanchieren) 2013 erwägt man ein Freihandelsabkommen. Ein solches Freihandelsabkommen wird 2013 mit der Schweiz abgeschlossen (erstmals mit einem Land Kontinentaleuropas). 2013 wird Shanghai zu einer Freihandelszone erklärt. Hier sollen experimentell viele außenhandelspolitische Regelungen (insbesondere freie Finanzmärkte) erprobt werden. Der US-Haushaltsstreit im September und Oktober 2013 bedroht auch Chinas Wirtschaft. Das Land ist beim Export (wichtigster Eckfeiler des Wachstums) extrem abhängig von den USA. China ist die größte Handelsnation der Welt. Das Volumen übersteigt 2013 erstmals die 4-Billionen-Dollar-Marke. Der Zuwachs des Außenhandels beträgt 2013 7,6% (Ziel der Regierung 8%). Die erste chinesische Handelskammer in Europa wird 2014 in Berlin eröffnet. Einen Tag vor Beginn des Europabesuchs von Präsident Xi Jinping wird der Handelsstreit um Wein mit der EU beigelegt (Ermittlungen in China wegen Preisdumpings wegen Schutzzöllen der EU für chinesische Solarmodule). 2014 ficht China den Schiedsspruch der WTO an, die die Exportbeschränkungen bei Seltenen Erden für unzulässig erklärt. Am stärksten ist in den letzten Jahren der Außenhandel mit Südamerika gestiegen. Von zehn Milliarden Dollar 2000 steig er auf 257 Mrd. Dollar 2013. Für Brasilien, Peru und Chile ist China mittlerweile der größte Handelspartner. China hilft den stagnierenden Wirtschaften (insbesondere Argentinien) mit Krediten und Investitionen. Ab 2015 will China seine Freihandelszone in Shanghai deutlich ausweiten. Für 2015 senkt China das Ziel für den Außenhandel. Es liegt bei 6% Steigerung. Verantwortlich dafür ist die wachsende Konkurrenz durch Exporteure aus Vietnam und Indien. Bis Mitte 2015 schrumpfen die Importe um 18 Prozent. Die Exporte gehen in dem Jahr um 2,5% zurück. China will handelspolitisch eine strategische Partnerschaft mit der EU. Damit setzt das Land auf eine engere wirtschaftliche Verflechtung (mehr marktwirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten). Premier Li Keqiang nimmt am 17. EU-China-Gipfel in Brüssel teil (1. Juli Woche 2015). Das neue Sicherheitsgesetz 2015 behindert ausländische Firmen (Kontrolle des Datenverkehrs). Chinas große Unternehmen investieren am stärksten in den USA (allein im ersten Halbjahr 2015 6,4 Mrd. $). Im Jahre 2015 exportiert Deutschland Waren in Höhe von 71,4 Mrd. € nach China. Die deutschen Importe aus China betragen 91,7 Mrd. €. 2016 rückt China zum wichtigsten deutschen Handelspartner auf (Exporte 76,1 Mrd. €; Importe 93,8 Mrd. €). 2017 bleibt China wichtigster Handelspartner Deutschlands (Warenaustausch 186,6 Mrd. Euro). Die Internet-Plattform Alibaba rechnet mit stark steigender Nachfrage nach deutschen Produkten aus China. Im September 2016 bricht der Außenhandel Chinas drastisch ein (-10%).    "81 Prozent dieses Defizits entfallen auf ausländische Unternehmen, die China als Produktionsstandort nutzen", Wen Jiabao, Chinas ehemaliger Ministerpräsident, beim Asien-Europa-Gipfel in Helsinki im Sept. 2006 über das wachsende Handelsbilanzdefizit der EU mit seinem Land.

Zölle und Protektionismus: Am 23.01.2018 macht Trump seine Ankündigung war und führt Einfuhrzölle (Strafzölle) für den Import von Solarmodulen (20 bis 30%) und Waschmaschinen (50%) ein. Davon sind sehr stark China und Südkorea betroffen. Südkorea will Beschwerde vor der WTO einlegen. Später ab Ende März 2018 kommen Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Bei Stahl beträgt der Zollsatz 20%, bei Aluminium 10%. Allerdings war China darauf vorbereitet, denn nur 3 Prozent der US-Stahl-Importe kommen aus China. China ist aber weltgrößter Stahlproduzent (808 Mio. t 2016). China ist auch bei der Aluminiumproduktion vorne.  Insgesamt ist das Handelsungleichgewicht zwischen China und den USA aber groß: 2017 hatte China gegenüber den USA einen Überschuss von 375,2 Mrd. Dollar. Allerdings sind ein Großteil dieser Gelder auch in US-Staatsanleihen angelegt: Chinesische Gläubiger halten insgesamt 2017 1,15 Billionen Dollar. Ab März 2018 nimmt sich Trump gezielt China vor: Er will die Einfuhren zurückdrängen. Einmal soll es Beschränkungen beim Export geben, um geistiges Eigentum zu schützen. China war mit einem Volumen von 636 Mrd. $ 2017 der wichtigste Handelspartner der USA. Besonders groß ist der Import bei Computern und Telekommunikation. Auch die Bekleidungsimporte werden unter die Lupe genommen. China betreibt selbst einen starken Protektionismus. Daraufhin ist die Zahl der Investitionen aus dem Ausland schon stark zurückgegangen (nur noch 10% aller Investitionen, früher bis zu 30%). Der Einfuhrzoll für im Ausland produzierte Autos liegt bei 25%. Bei Elektroautos gibt es massive Subventionen (ausländische Batterien sind durch Normen ausgeschlossen). Wichtige Nachbarländer in Asien wie Südkorea, Taiwan, Japan öffnen sich dagegen stärker. Trump kündigt Ende März 2018 an, neben Stahl und Aluminium eine Reihe weiterer Produkte mit Zöllen zu belegen (Wert von 60 Mrd. $). China droht mit Retorsionszöllen (Schweinefleisch, Früchte, Wein, Mais; Agrarprodukte). Diese kommen auch im April 2018. Neben den drei eben genannten Produkten sind 125 weitere betroffen. Die Zölle liegen zwischen 15 und 25%. Am 04.04.18 erweitern die USA die Liste an Produkten, die mit Einfuhrzöllen belegt werden (50 Mrd. Dollar). Es handelt sich um ca. 1200 Produkte, jetzt auch im industriellen und High-Tech-Bereich (wichtigste Warengruppen sind Mobiltelefone, Spielzeug, Kleidung;  10% der chinesischen  Exporte in die USA). China antwortet sofort mit über 106 Retorsionszöllen (u. a. Soja, Autos; wichtigste Warengruppen sind Boing -Flugzeuge, Sojabohnen, Neu- und Gebrauchtwaren; ca. 38% der US-Exporte nach China). Die meisten Zollsätze liegen bei 25%. Treffen könnte es auch Whiskey, Zigarren, Orangensaft. Die beiden größten Volkswirtschaften befinden sich auf Kollisionskurs. Xi Jinping kündigt dann im April 2018 eine Marktöffnung an. Es soll Zugeständnisse gegenüber den USA geben. Eine spezielle Form von Protektionismus ist der Joint-Venture-Zwang. Er galt lange in China für ausländische Firmen. Er wurde nach und nach reduziert auf einzelne Branchen. 2018 soll der Zwang ganz aufgegeben werden (Reaktion auf Protektionismus von Trump). Im Mai 2018 finden Spitzengespräche zwischen den USA und China statt. Es gibt keine Lösung im Handelsstreit, aber man will weiter verhandeln. ZTE darf von US-Konzernen nicht mehr beliefert werden, weil er gegen die Iran-Sanktionen verstößt. Der Technologiekonzern gerät in Schieflage. Daraufhin ändern die USA ihre Politik gegen ZTE. Bisher stören die Strafzölle der USA nicht Chinas Exporteure. Im Juni (29 Mrd. $) und Juli (28 Mrd. $; Exporte +12,2%) 2018 werden Rekordüberschüsse im Handel mit den USA erzielt. Es könnten Vorwegnahmen sein, aber auch die Abwertung des Yuan wirkt. Am 23. August 2018 treten weitere Strafzölle der USA in Kraft: 279 Waren im Werte von 16 Mrd. $ (Metalle, Chemikalien, Elektronik). Chinas Wettbewerbsfähigkeit könnte gestärkt werden. Lightnizer, der Handelsbeauftragte, kündigt im Mai 2019 eine Ausweitung der US-Zölle auf die Höhe von 25% auf alle verbliebenen Importe aus China an. Das beträfe Waren im Wert von 300 Mrd. $. Er setzt eine Frist von drei Monaten für ein Abkommen. China ist in der schwächeren Position, weil es nur noch die Zölle erhöhen kann. China antwortet mit Vergeltung: Für Waren im Werte von 60 Mrd. $ werden Zölle in Höhe von 25% ab Juni 2019 erhoben, wenn man sich nicht einig wird.  Es geht um 2500 Produkte.

In Yiwu an der chinesischen Ostküste gibt es die größte permanente Konsum- und Gebrauchsgütermesse der Welt. 2006 wurden hier 3 Mrd. € erwirtschaftet. Aus den ca. 58.000 Ausstellungsständen gehen 60% aller Waren in den Export, vor allem in kleine und mittlere Handelsunternehmen ("der größte Ramschladen der Welt"). Im Außenhandel Chinas konnte 2010 ( Uni Göttingen, 2001-2008) ein Dalai-Lama-Effekt nachgewiesen werden: Bei Kontakten zum Dalai Lama brechen die Exporte des Landes zu China um durchschnittlich 8% ein. Was ist, wenn China hier seine Rohstoffposition ausnutzt?

China baut systematisch seine Handelsrouten aus. Die alte Seidenstraße von Xian nach Europa wird wieder belebt. Eine Art maritime Seidenstraße geht von Fuzhou über Jakarta und Nairobi nach Athen/ Piräus. Ein zusätzlicher Wirtschaftskorridor führt von Kaschgar (an der alten Seidenstraße) über Islamabad nach Gwadar.

Migration (Migrationspolitik): China hat eine lange Tradition als Auswanderungsland. Das begann mit dem Sturz der Ming-Dynastie im 17. Jahrhundert.  Die zweite Welle war nach dem Taiping-Aufstand im 19. Jahrhundert. Die dritte bildete die Flucht nach der Machtergreifung Maos. Ca. 40 Mio. Chinesen leben 2012 außerhalb des Landes. Etwa 2 Billionen $ erwirtschaften die Auslandschinesen. Sie haben eine wichtige Rolle beim Aufbau des neuen China gespielt (Bambus-Network). Der größte Stadtteil ist in San Francisco (80.000). Die meisten Auslandschinesen leben in Indonesien (8 Mio.), Thailand (7,2 Mio.), Singapur (4 Mio.), USA (3,5 Mio.). 102 Mrd. Dollar gaben die Chinesen 2012 für Auslandsreisen aus. Das sind 40% mehr als ein Jahr zuvor. Sie haben damit Deutsche und Amerikaner erstmals überholt. Sie gaben dabei ca. 84 Mrd. Dollar aus. 80 Mio. Chinesen konnten 2012 ins Ausland reisen (achtmal so viel wie 2002). Viele legen dabei ein ruppiges und rüpelhaftes Benehmen an den Tag (Überbleibsel der Mangelwirtschaft?). Die Regierung will eine schwarze Lise mit Reiseverboten erstellen. 1995 wurde zwischen Neustadt/ Weinstraße und Quanzhou (Küstenstadt in der Provinz Fujian gegenüber Taiwan) eine Städtepartnerschaft gegründet. In der chinesischen Stadt leben 7,9 Mio. Menschen. Sie wurde im neunten Jahrhundert gegründet. Als in der Song- und Yuan-Dynastie die Seidenstraße durch Kriege und Raubüberfälle zu unsicher geworden war, erlebte die Stadt ihre Blüte. Auch heute noch ist der Hafen an der Südostküste Chinas einer der wichtigsten. "Lasst den Westwind herein, Reichtum ist ruhmvoll", Deng Xiaoping 1980, als Shenzhen zur ersten Sonderwirtschaftszone des Landes erklärt wurde.

2016 müssen alle Einwohner der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang ihre Reisepässe abgeben. Es handelt sich um 22 Millionen Einwohner. Konkret ist das ein Ausreiseverbot. Als Begründung gibt die Partei die "Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung" an. Wahrscheinlich geht es dabei um Angehörige der turksprachigen, muslimischen Minderheit der Uiguren. Viele Uiguren betrachten China als Besatzungsmacht und befürchten, dass sie in ihrer Heimat von den Han-Chinesen verdrängt werden. Eine Rolle spielen auch Spannungen zwischen der Türkei und China. Erdogan bot allen Uiguren auf der Flucht weltweit in den türkischen Botschaften Ersatzdokumente an. Das sorgte in Peking für Unmut. Seitdem haben auch Deutsche mit türkischer Abstammung oder türkisch klingende Namen Schwierigkeiten bei der Einreise nach China.

Immer mehr Studenten aus China wollen in Deutschland studieren. Das hängt mit den hohen Studiengebühren in China zusammen (durchschnittlich 8000 € pro Jahr). In einigen Bundesländern liegt die Zahl chinesischer Studenten bei den Ausländern über 20%. Auch aus Indien kommen aus dem gleichen Grund viele Studenten. einige Bundesländer erwägen, für diese Studenten Studiengebühren zu erheben. Baden-Württemberg macht 2017 den Anfang. Sofort gehen die Bewerberzahlen zurück.

Japan (Nihon-Koku):

Gliederung: Bevölkerung (Bevölkerungspolitik), Bruttoinlandsprodukt (Wohlstand), Wirtschaftswachstum (Konjunktur- und Wachstumspolitik), Erwerbstätige/ Arbeitsmarkt (Arbeitsmarktpolitik), Inflationsrate/ Budgetsaldo, Umwelt (Umweltpolitik), Energie/ Rohstoffe (Energiepolitik), Außenwirtschaft (Außenwirtschaftspolitik), Migration (Migrationspolitik):

 

Bevölkerung (Bevölkerungspolitik): 2016 betrug die Einwohnerzahl 126,7 Mio. (Durchschnittsalter 46,9 Jahre, Bevölkerungswachstum -0,19%, hohe Urbanisierung: 9 von 19 Japanern leben in Städten). 2015 hatte Japan 126,9 Mio. Einwohner. 127,132 Mio. 2014 (letzte Zählung; die japanischen Frauen haben mit 86,3 Jahren die höchste Lebenserwartung in der Welt; nirgendwo auf der Welt erreichen die Menschen ein so hohes Alter wie in Okinawa; ein heute zweijähriges japanisches Mädchen hat eine gute Chance, den 99. Geburtstag zu feiern), Geburtenrate mit 1,26 Kindern pro Frau niedriger als je zuvor: Japan ist zur Zeit die älteste Nation der Welt (Prognose: in den nächsten 50 Jahren soll die Bevölkerung um 40 Mio. abnehmen, bis 2050 soll der Anteil der über 65-Jährigen von heute 21% auf 41% wachsen!), 2005 ist die Bevölkerung erstmals seit dem 2. Weltkrieg geschrumpft; Bevölkerungsdichte: 336 je qkm. Nur noch knapp 17 Mio. sind unter 15 Jahre alt. Ein Viertel der Japaner ist 2011 über 65 Jahre alt. Japan ist die viertgrößte Inselgruppe. Alphabetisierungsrate 99%. 2009 leben in Japan die Rekordzahl von 40.399 Hundertjährigen (der Konfuzianismus lehrt den Respekt vor dem Alter, aus finanziellen Gründen können nicht mehr alle geehrt werden). Die meisten leben in Okinawa (dies brachte der Präfektur Weltruhm; mit der Veränderung des gesunden Lebensstils schwächeln die Nachgeborenen). Die japanische Bevölkerung tut sich teilweise schwer mit in Japan lebenden Ausländern, vor allem mit Filipinen. Sie werden oft als minderwertig angesehen und die Kinder werden in den Schulen zum Teil gemobbt.  ("Ijime"). Dies kann häufig auch Behinderte und besonders Begabte betreffen. Die Zahl der Singles wächst dramatisch an, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. 61 Prozent der unverheirateten Männer zwischen 18 und 34 Jahren haben keine Freundin. Frauen sind zu wenig emanzipiert. Wenn sie verheiratet sind, wird von ihnen erwartet, dass sie zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern. Fast 50% der weiblichen Altersgruppe bevorzugt ein Solo-Dasein. Jüngst Prognosen 2012 gehen davon aus, dass die Bevölkerung bis 2060 auf 87 Mio. schrumpft (Quelle: Gesundheits- und Sozialministerium). Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung gehen der Wirtschaft allmählich die Arbeitskräfte aus. Arbeitsmigranten wären notwendig, werden aber von den Japanern weitgehend abgelehnt (Herkunftsländer der Migranten 2010: China 32%, Südkorea 27%, Brasilien 11%, Philippinen 10%). Immer mehr alte Japanerinnen werden straffällig (mehr als 80% Diebstahldelikte, viele geistig Verwirrte). Die Regierung will die Berufschancen von Frauen fördern, um wirtschaftlich aufzuholen. 26% der Japaner sind 2014 im Rentenalter (über 65). Das sind 33 Mio. Sie besitzen drei Fünftel des Vermögens und erzeugen 50% des privaten Konsums. Japan setzt bei der Zuwanderung auf Abschottung (obwohl die Bevölkerung bis 2050 auf rund ein Drittel schrumpfen wird). Die Erwerbstätigkeit soll bei den Frauen erhöht werden. 2014 schrumpfte die Bevölkerung um 215.000 Menschen. Verschärft sich dieser Schwund bis 2030, gäbe es dann 10,5 Mio. Japaner weniger. Jeder vierte Inselbewohner ist über 65. Die Zahl der Eheschließungen sinkt; jede dritte 30-jährige Japanerin ist Single. Der Leidensdruck ist extrem, so dass der japanische Wirtschaftswissenschaftler Hiroshi Yoshida eine Bevölkerungsuhr im Internet einrichtete: Danach sterben die Japaner 3776 aus. 2015 sank die Geburtenrate nochmals von 8,34 Kinder pro 1000 Einwohner auf 8,0 (Deutschland hat Anstieg von 8,24 auf 8,6). In Einwanderung sieht Japan keinen Ausweg. So gibt es nur 0,6% Ausländer in dem Land ("verschlossene Gesellschaft"). Die Regierung wirbt aggressiv für die Familie (Erhöhung des Kindergeldes um 30% 2016). Man setzt auch immer mehr auf die Robotik. Die älteren Menschen in Tokio sollen in ländlichen Gebieten in Pflegeheimen untergebracht werden. Japan braucht aufgrund der Überalterung ausländische Fachkräfte. Stück für Stück lockert man ohne Aufhebens die Bestimmungen (leise, weil die Bevölkerung dagegen ist; vgl. Artikel Migration). Kaum ein Land er Welt spürt die Folgen der alternden Gesellschaft so wie Japan. Es mangelt an Arbeitskräften, es fehlt Kundschaft. Besonders personalintensive Dienstleister (Restaurants, Nudelhäuser) müssen ihr Angebot einschränken.  Immer mehr Menschen verlassen das Dorf Nagaro in einem abgelegenen Tal im Süden Japans. Die, die sterben oder fortziehen, werden von Ayano Tsukimi durch lebensgroße Puppen ersetzt. So gibt es 2014 schon 350 lebensgroße Puppen, die in Lebenssituationen rund um das Dorf verteilt stehen oder sitzen. Vgl. Rheinpfalz am Sonntag, 5.10.2014, S. 7. Im Jahre 2015 spaltet eine Misswahl Japan. Ariana Miyamoto, die schönste Frau Nippons, hat ausländische Wurzeln. Integration wird in Japan immer noch als nicht passend zur Lebensart gesehen.  In Anbetracht der Überalterung der Gesellschaft gibt es immer mehr Senioren-Bands. Die Girlband KBG84 (Großmütterchor aus Okinawa; das ist die Insel der Langlebigkeit.) besteht aus Frauen, die über 80 Jahre und 90 Jahre sind. Seit Japan seine Visa - Bedingungen erleichtert hat, wird das Land von chinesischen Touristen überschwemmt. Es geht vor allem ums Einkaufen. 2017 führt die am 4. August 1900 geborene Japanerin Nabi Tajima die Liste der ältesten Menschen der Welt an. 2019 ist es wieder eine Japanerin: Kane Tanaka ist 116 Jahre alt.

Bruttoinlandsprodukt (Wohlstand):  2018 5.07 Billionen US-Dollar. 2017  4,872 Billionen US-$. 2016 4,8  Billionen US-Dollar. 2015: 4,123 Billionen US-$. 2014: 4,616 Billionen US-$; 2013 4,9 Billionen US-$. 2009 5,1 Billionen $ (3,8 Billionen €), 4844 Mrd. $ 2008 (9% am Welt - BIP), (4.367 Mrd. US-$ 2006, 2. Stelle hinter den USA), 42.000 $ pro kopf 2014; 39.734 $ pro Kopf 2009 (38.630 $ pro Kopf 2008). Allerdings ist diese Zahl bei Japan sehr interpretationsbedürftig: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. Die Produktionsleistung der Industrie abzüglich der Zulieferungen (Bruttowertschöpfung) liegt an zweiter Stelle hinter den USA und vor China und Deutschland. Nach Kaufkraftparitäten gerechnet (PPP) liegt Japan an vierter Stelle. Relativ sinkt die Bedeutung Japans erheblich: 1994 trug es noch 18% zur Weltwirtschaft bei, 2008 sind es kaum noch 10%. Die einst so egalitäre Gesellschaft erweist sich zunehmend als Illusion: Die Gesellschaft spaltet sich noch deutlicher als in Deutschland. Von 90% aller Japaner die früher zur Mittelschicht zählten, sind heute nur noch 60% geblieben. 30% zählen zur Unterschicht. Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis ist mit ca. 23% die höchste in der Welt (in % vom Nationaleinkommen). In früheren Krisen hatten sich die Japaner als besonders robuste Konsumenten erwiesen. Im Jahr 2009 ist der Konsum aber eingebrochen (Tankan der BoJ: immer mehr Arbeitslose, Kaufzurückhaltung). Die Japaner sind zu Sparfüchsen und Schnäppchenjägern geworden. Es ist ein Trend zur Knausrigkeit zu beobachten. Insgesamt ist der Konsum sehr wichtig, da er ca. 60% des BIP ausmacht. Die Konjunkturprogramme 2008/2009 umfassen 17,7% des BIP, damit ist Japan Weltspitze. 8,7% beträgt der Anteil Japans an der globalen Wirtschaftsleistung 2010. 1990 waren es noch 14,3%. Die globale Bedeutung der Wirtschaft Japans sinkt.  "Japans Wirtschaft stürzte von einer Klippe in ein tiefes Tal und watet nun im Nebel durch Morast", Miyako Sudo, Direktorin der Bank von Japan.

Wirtschaftswachstum (Konjunktur- und Wachstumspolitik): 2016 wächst die Wirtschaft um 0,5% (andere Quellen nennen 1,0%; für 2017 werden 0,6% erwartet). 2015 schrumpft die Wirtschaft um -0,3%. 2014 +0,2% (evtl. 0,5%; Prognose für 2015 1,1 bis 1,4%; 2,2% letztes Quartal 2014). 2013 1,5%; 2010 3%, 2009 -5,2%, -0,7% 2008; +2 % im Jahre 2007 (2,2 % im Jahre 2006, 1,9% 2005; 2,3% 2004; 1,4% 2003). Die Prognose für 2011 liegt bei 1% (nach Atomkatastrophe nur noch 0,6%). In der Weltwirtschaftskrise gingen einige Institute auch von noch negativeren Zahlen aus. Vor allem bricht der Export weg. Erst im zweiten Quartal 2009 wächst das BIP wieder mit 0,9% nach fünf Minusquartalen, im dritten Quartal um 0,7%. Auf dem Innovationsindikator des DIW liegt Japan auf dem 5. Platz von 13 Ländern (einen Platz vor Deutschland). Der Konsum (er macht ca. 60% des BNA aus) stieg 2006 um 1,1% ebenso wie die Exporte; am stärksten stiegen die Internehmensinvestitionen mit 2,2%. Zur Wirtschaftswunderzeit zwischen 1951 uns 1960 betrug das durchschnittliche Wirtschaftswachstum 8,7% (D: 8,5%).  Größte Beitrag vom Außenhandel, steigende Investitionen, während der Konsum bremst. Die Dienstleistungsbranche boomt. 2015 steigen die Investitionen wieder an. 2016 wächst die Wirtschaft vier Quartale. Das hat es seit 2005 nicht mehr gegeben. Der schwache Yen stützt den Export. Dieser treibt auch das Wachstum an. Der Konsum verläuft weiter schleppend (aber 60% der Verwendung des Nationaleinkommens).

Japan-Syndrom: Lahmen des Wachstums, Deflation, ständige Turbulenzen an den Finanzmärkten (hohe Volatilität), Crash auf einzelnen Märkten (z. B. Immobilienmarkt), Kluft zwischen Arm und Reich vertieft sich (keine Inklusion), "säkulare Stagnation" (Larry Summers), geringe Unternehmensinvestitionen. Seit mehr als 20 Jahren kämpft Japan gegen die Wirtschaftsflaute. Hauptinstrumente waren hohe Verschuldung der öffentlichen Hand und Nullzinspolitik von Zentralbank/ Finanzministerium. Seit 20 Jahre liegt der Leitzins nahe bei Null. Das Wirtschaftsprogramm von Premierminister Abe, das 2013 begann und Abenomics genannt wird, treibt die beiden Instrumente auf die Spitze. Kurzfristig zeigten sich mal Erfolge in konjunktureller Hinsicht, mittel- und langfristig scheint das Programm zu verpuffen. Was in jedem Falle die Wirkung ist: Der Verfall von Immobilienpreisen und anderen Vermögenswerten kann gestoppt werden. Damit werden die Folgen der Fehlinvestitionen der Reichen abgefedert. Die Zeche zahlen müssen die Armen über ihre Steuern. Insofern kann man bei Japan gut sehen, was der EU bevorsteht. Vgl. H. W. Sinn: Man schaue sich Japan an, in: Die Zeit Nr. 17, 14. April 2016, S. 28.  "Entwickelte Länder wie Japan und Deutschland mit hohem Lebensstandard sollten aus ethischen Gründen ihr eigenes Wachstum zurückstellen, auch wenn das schwierig ist", Kazuo Inamori, Kyocera-Gründer und Stifter des Kyoto-Preises.

Wirtschaftsentwicklung in der Zukunft: Japan leidet unter der Überalterung seiner Gesellschaft, anhaltenden Deflationssorgen und einer geringen Wirtschaftsdynamik. Im Oktober 2019 ist eine weitere Mehrwertsteuererhöhung angekündigt. Sie dürfte zu Vorzugseffekten beim Konsum führen. Die Mehrwertsteuererhöhung von 2014 führte dann zu einer Rezession. Die Aussichten sind daher eher verhalten (2019 0,6% Wirtschaftswachstum?). Aufgrund der starken Exportorientierung sind viele japanischen Konzerne eher abhängig von der globalen als den heimischen Konjunkturtrends.  Vgl. Deutsche Bank: Perspektiven 2019, Frankfurt 2019, S. 10f.

Erwerbstätige/ Arbeitsmarkt (Arbeitsmarktpolitik): 66,26 Mio. Erwerbstätige, 66% im Dienstleistungsbereich (2005, zum Vergleich Deutschland: 71%), Arbeitslosenquote 2017 2,8%; 2016 3%. Arbeitslosenquote 2010 5,1% wie 2009; 2007 3,9% (4,2% 2006, 4,4% 2005, 4,7% 2004, 5,3% 2003); die ALQ der 15-24-jährigen war mit 9,5% 2004 am niedrigsten (zum Vergleich Frankreich: 36,2%; D: 11,7%). 2007 lag die ALQ  bei 3,8% (im November 2008 bei 3,9%; im Februar 2009 bei 4,1%, ca. 3 Mio. Arbeitslose, März 09 5,6% , Sommer 09 5,7%, Nov.09 5,2%). Für 2009 insgesamt liegt die ALQ bei 5,1% (Prognose für 2010: 6%). Doch die Zahl täuscht, da die Zahl der Teilzeitarbeiter und Tagelöhner sowie Altersarmen rapide gewachsen ist: es gibt ein wachsendes Heer von Teilzeitkräften (40%?) und Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen und schlechter Bezahlung (bereits 1/3?). Seit 2001 dereguliert auch Japan seinen Arbeitsmarkt (vor allem Lockerung des Kündigungsschutzes). Der traditionelle Arbeitsmarkt war durch lebenslange Beschäftigung, Senioritätsprinzip und Unternehmensgewerkschaften gekennzeichnet. Die Deregulierung wurde notwendig wegen Überschuldung vieler Unternehmen, hohe Kosten, steigendem internationalen Wettbewerb und Wandel der Mentalität in Japan. 2009 sollen nach Schätzungen 1,5 Mio. ihren Arbeitsplatz verlieren; bis März 2009 trifft es schon 400.000.  Die Zahl der Haushalte, die von Sozialhilfe leben, ist in den letzten 10 Jahren um 37% auf über eine Million gestiegen. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Der Niedriglohnsektor breitet sich systematisch aus. Durchschnittlicher Bruttolohn/Monat in € 2778 (Mittelwertproblematik!).  Ein Drittel aller Beschäftigten hat nur befristete Arbeitsverträge. Reformen auf dem Arbeitsmarkt sind weiterhin dringend notwendig (hohe Einstellungsbarrieren und hohe Kosten von Entlassungen). Das Mindestalter für die staatliche Rentenversicherung wird vorübergehend von jetzt 60 auf 65 heraufgesetzt. Ein neues Gesetz regelt die Weiterbeschäftigung von Senioren: Firmen müssen ihre Mitarbeiter bis 65 weiterbeschäftigen oder sie wiedereinstellen (Betriebszugehörigkeit wird nicht angerechnet, deshalb billiger). Als Folge von Arbeitslosigkeit treten in Japan häufig Hikikomori, ein vollkommenes Rückziehen aus der Gesellschaft, und Selbstmord auf. 2008 soll die Zahl der Selbstmorde über 32.000 liegen. In Japan ist eine hohe Präferenz für den Inlandsarbeitsmarkt zu beobachten.

Nach der Finanz- und Weltwirtschaftskrise leidet Japan unter einer Entlassungswelle. Seit Oktober 2008 haben 160.000 Menschen ohne Festanstellung ihren Job verloren. 400 Mrd. Yen (3,2 Mrd. €) sollen aus dem Konjunkturprogramm in den Arbeitsmarkt fließen. Wer als Zuwanderer in Japan freiwillig ausreist, bekommt eine einmalige Zahlung von umgerechnet 2300 € ("Abwrackprämie"). Überwiegend richtet sich das Angebot an "Latino-Japaner", die in ihrem Stammbaum japanische Wurzeln hatten (etwa 400.000 Menschen). Mittlerweile lebt 2009 schon jeder sechste Japaner unterhalb der Armutsgrenze. Die Wirtschaftsstrategie der der neuen Regierung 2009 sieht zwei Prozent Wirtschaftswachstum jährlich in den nächsten 10 Jahren mit vier Millionen neuen Arbeitsplätzen vor allem in Gesundheit, Umweltschutz und alternativen Energien vor. Die japanischen Manager wollen ihre Gehälter nicht offen legen (bekannt: C. Ghosn, Nissan 891 Mio. Yen, 8,05 Mio. Euro, Vorstandschef). In Japan machen Frauen selten Karriere. Das ist auch ein Grund dafür, das die Wirtschaft so lange schon stagniert (auf dem Papier herrscht Gleichberechtigung, in der Praxis werden Frauen diskriminiert). Nur 62 % aller Japanerinnen arbeiten in Erwerbstätigkeit überhaupt. Die Regierung will den Frauenanteil massiv erhöhen. Die Quote liegt bei Top-Jobs bei 30 Prozent (kollidiert mit tief verwurzelten Rollenklischees). Frauen verdienen 2013 bei gleicher Arbeit 28 Prozent weniger als Männer. Den Karrieren japanischer Frauen stehen viele Hürden entgegen: Rollenklischees, Infrastruktur, Steuerrecht u. a. Arbeitslosenquote 2013 4,0%. Im Februar 2014 fällt  die ALQ auf 3,6%, wie zuletzt 2007. Allerdings haben immer mehr Akademiker Probleme, einen Job zu finden. So wird die Kluft zwischen denen, die eine Festanstellung bekommen, und denen, die sich durchschlagen müssen (jobben, bei Eltern bleiben, nicht heiraten) immer größer. Die Arbeitslosenquote in Japan liegt Ende 2014 bei 3,5%. Die Jahresquote dürfte bei 3,7% liegen. Mitte 2015 fällt die Arbeitslosenquote auf 3,3% (fast Vollbeschäftigung, offene Stellen auf Höchststand). Mehr als jede fünfte Firma in Japan mit mehr als 31 Mitarbeitern ist bereit, auch über 70-Jährige zu beschäftigen. Darin zeigt sich die Personalnot der Firmen als Folge der alternden und schrumpfenden Bevölkerung. Mehr als ein Viertel der Japaner ist 2015 bereits über 65 Jahre alt. Die Regierung will 2015 die unbezahlten Überstunden bremsen. Laut Arbeitsministerium leisten die Beschäftigten durchschnittlich 14 Überstunden pro Monat. Würde die Mehrarbeit belohnt, wäre die Wirtschaft womöglich gewachsen. Werdende oder junge Mütter haben in Japan häufig am Arbeitsplatz mit Mobbing zu kämpfen. Die Chefs wollen gerne kündigen, Mitarbeiter sehen nur Probleme für die Firma. Für die Diskriminierung von Schwangeren am Arbeitsplatz gibt es einen speziellen Begriff: Matahara (Abürzung für Maternity Harassment - Mutterschafts-Mobbing). Die Regierung beschloss zu Beginn 2016, ab 2017 verbale Entgleisungen gegenüber werdenden und jungen Müttern gerichtlich zu ahnden. Die Regierung braucht dringend mehr und Kinder und mehr berufstätige Frauen, um den Bevölkerungsrückgang abzufedern. Die ganz traditionelle Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen gibt es noch in Sushi-Restaurants in Japan. Sushi ist eine Männerdomäne. Frauen haben mit absurden Vorurteilen zu kämpfen.

Im Jahre 2016 plant die Regierung ein Aufräumen im Niedriglohnsektor.  Das Motto lautet: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. 2016 sind fast 40 Prozent der Japaner prekär beschäftigt. Die Löhne der Zeitarbeiter sind oft nur halb so hoch. Die soziale Absicherung ist gering. "Black Baito" heißt das Problem: prekär arbeiten für "schwarze" Firmen. Im prekären Bereich unterscheidet man folgende Gruppen: Teilzeitbeschäftigte, temporär Beschäftigte, Leiharbeiter über Zeitarbeitsfirmen, Vertragsangestellte über einen fixen Zeitraum, Aushilfskräfte und Andere. Bei den unter 25-Jährigen ist der Anteil der prekär Beschäftigten sogar über 50%. Das drückt auch massiv auf die Kaufkraft, die nur bei den Betagten (2040  39 Mio.) steigt.

2017 öffnet sich der Arbeitsmarkt zaghaft ausländischen Arbeitskräften. Die inländischen Arbeitskräfte werden knapp. 900.000 ausländische Beschäftigte gibt es 2017 (2008 noch 486.000. 2,3 Mio. Ausländer leben in Japan. Hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland sollen angeworben werden.

In Japan arbeiten so viele Senioren wie in keinem anderen wohlhabenden Land. Von 34 Mio. Rentnern haben 2016 12,6 Mio. einen Job.  Einflussfaktoren sind Geld, Arbeitsethos (vollen Einsatz für den Job) und die Ehefrau (strenge Arbeitsteilung der Geschlechter). Gut ein Viertel der Bevölkerung sind 2017 65 Jahre und älter. Bis 2050 wird der Anteil auf über 40 Prozent ansteigen. 2030 sind nur noch 57% aller Japaner im erwerbstätigen Alter. Die älteren Menschen werden also gebraucht.

Institutionen des japanischen Arbeitsmarktes: Arbeitsministerium bestehend aus den Abteilungen "Büro für berufliche Qualifizierung, Berufliche Qualifizierung/regional, Zentren für berufliche Qualifizierung/ lokal; Büro für Beschäftigungssicherung, Beschäftigungssicherung/ regional, Ämter für Beschäftigungssicherung/ Arbeitsämter; vgl. Pieper, Norbert: Arbeitsmarktpolitik in Deutschland und Japan im Vergleich, 1996. 2018 erlässt Japan ein Gesetz gegen Überstunden. Bei Gewerkschaften kennt Japan Betriebsgewerkschaften. Sie folgen stark dem Kooperationsprinzip.

Diskriminierung: Immer wieder tauchen Nachrichten über einzelnen Diskriminierungen auf. Der Rollenwandel der Geschlechter hat sich in den Institutionen noch nicht durchgesetzt. Die Medizinische Universität Tokio hat 2018 Aufnahmetests manipuliert (Praxis seit 2006): Testergebnisse wurden gefälscht. Weiblichen Bewerbern wurden automatisch 20 Punkte abgezogen, bei Männern 20 Punkte addiert. Begründung: Frauen würden eher die Karriere beenden, wenn sie eine Familie gründen. Kinder hoher Beamter werden auch schon mal bevorzugt.

Senioritätsprinzip: Die Anreizstruktur in der privaten Wirtschaft beruhte auf Zeit und weniger auf Leistung. Auf Zeit in doppelter Hinsicht: Einmal auf Lebensalter und Betriebszugehörigkeit, zum anderen auf langen Zeiten im Büro (bis Chef ging und nachher noch zusammen sein). Das wird vorsichtig reformiert. 

Effizienz: Japan arbeitet relativ ineffizient. Der Output pro Stunde (kaufkraftbereinigtes BIP in Dollar pro Arbeitsstunde, 2017) liegt ziemlich weit hinten: Es führt Irland mit 86, vor Norwegen (81), Luxemburg (80), Dänemark (65), Belgien (65), USA (64). Deutschland liegt bei 61, Japan bei 42. Japan leidet auch unter einem dramatischen Arbeitskräftemangel. Dennoch verrichten zahllose Menschen sinnentleerte Tätigkeiten in Tokio ("Bullshit Jobs", Graeber). Humankapital wird unproduktiv eingesetzt. Ein großer Teil sind Büroarbeiter, die man eigentlich nicht mehr braucht oder will, die aber nicht entlassen werden sollen. Das würde dem Prinzip der lebenslangen Beschäftigung widersprechen. Vgl. Gersemann, Olaf: Die Welthauptstadt der "Bullshitjobs", in: Welt am Sonntag, Nr. 13, 31.03.19, S. 36.

Arbeitsmigranten: Ab 2019 öffnet sich Japan stärker für ausländische Arbeitsmigranten. Neue Visa -Regeln treten in Kraft. Mehrere hunderttausend Gastarbeiter sollen ins Land gelockt werden, vor allem aus den Nachbarländern China, Indonesien, Philippinen oder Vietnam. Ein erster Visa - Typ erlaubt Ausländern mit einfachen Japanischkenntnissen und bestimmten Jobfähigkeiten eine Beschäftigung bis zu fünf Jahren. In vierzehn Sektoren dürfen aber Familienangehörige nicht mitgebracht werden. Ausländische Arbeitskräfte mit höherer Bildung und Spezialkenntnissen in den Sektoren Häuser- und Schiffsbau können ihren Aufenthalt verlängern und auch ihre Familienangehörige ins Land holen..

Inflationsrate/ Budgetsaldo( Schuldenstand): 2,9% 2014 (Prognose 2015: 2,3%). Ca. -10% 2011, -0,9% 2010, -1,4% 2009; (0,1% Durchschnitt 2007, 0,3%  2006 -0,3%  2005, 2004: 0,0%). Deflation damit kaum beendet. Budgetsaldo: -2,4 2006 (-6,4 2005; -7,2 2004, in % des BIP); im ersten Quartal 2008 steigen die Preise jedoch schon um 4,7% (stärkster Anstieg seit 27 Jahren, Hauptfaktor Ölpreis).  Das neue Investitionsprogramm umfasst 380 Mrd. €.  Im Februar 2010 sanken die Verbraucherpreise um 1,2%. Japan fällt zurück in eine Deflation. Die Neuverschuldung 2009 wächst auf 326 Mrd. € (44 Bill. Yen), dies sind etwa 7% des BIP. Gegensteuern will man mit einer Verdopplung der Verbrauchsteuern auf 10%. Das Defizit für 2010 soll 44,3 Billionen Yen betragen. Obst wird 2017 in Japan zum Luxusgeschäft. Die Japaner lieben das heimische Obst. Manche Früchte erreichen Luxuspreise (Beispiel: eine Erdbeere umgerechnet 8 Euro). Obst wird Geschäftspartnern und Freunden als ein Zeichen der Wertschätzung überreicht.

Die Staatsverschuldung in Japan liegt 2015 bei 245,9% des Bruttoinlandsprodukts. Der Gesamtschuldenstand in % des japanischen BIP beträgt 2008  197%, 2009 200%. 2010 sind es 204,2%. 2011 werden 229% geschätzt. 2013 kommt am wohl auf 250% (7,8 Billionen Euro). 2007 betrug die Gesamtverschuldung noch 180,3%. Haushaltssanierung stagniert, wird mit dem Konjunkturprogramm Ende 2008 wieder aufgegeben. Das Haushaltssaldo liegt 2010 bei -9%, 2009 bei -10,3%. 2011 kassiert Standard & Poor`s das Top-Rating für Japan. Im August des gleichen Jahres folgt Moody´s. Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe verschärft die Schuldenproblematik. Im März 2014 scheint die Deflation vorläufig vorbei zu sein. Die Preissteigerungsrate betrug 1,3% (gegenüber dem Vorjahresmonat). Im April könnte die Inflationsrate in Tokio sogar bei 2,7% liegen. Allerdings könnte auch die Mehrwertsteuererhöhung ab 1.4.14 zum Vorziehen vieler Käufe geführt haben. Die Primärlücke im Haushalt, also Defizit ohne Schuldendienst, soll bis 2020 verschwinden. Das dürfte nicht zu schaffen sein. Haushaltsdisziplin ist sicher keine japanische Tugend. Zukünftig dürfte der japanische Staat es auch schwerer haben, seine Schulden über die Ausgabe neuer Anleihen zu finanzieren: Menschen im Ruhestand machen ihre Anleihen zu Geld, woraufhin die Preise verfallen. Japan ist auch eines der größten Gläubigerländer. Das relativiert den Schuldenstand. Bei US-Staatsanleihen rückt es im Oktober 2016 wieder an die Spitze: 1,131 Billionen Dollar vor China mit 1,115 Billionen Dollar (zuletzt im Februar 2015 war Japan an erster Stelle).

Japanisches Dorf im Landesinnern (das Bild habe ich bei einer Wanderung durch das Landesinnere gemacht). Man sieht Gemüse-Gärten und vor allem Reisanbau. Die Dörfer ähneln in ihrer Struktur unseren Dörfern. Sie bemühen sich um möglichst viel Nachhaltigkeit und biologischen Anbau. Der Reisanbau wäre massiv betroffen, wenn Japan gezwungen ist, seine protektionistische Agrarpolitik gegenüber den USA und anderen Ländern aufzugeben.

Umwelt (Umweltpolitik): , CO2-Emissionen pro Kopf in t 2006: 9,8 (insgesamt: 1236 Mio. t 2007, D: 798 Mio. t, 10,0 t pro Kopf)); Waldzu-/abnahme in % 1990-2000: +- 0. Umweltabgabe mit Kompensationssystem im Großraum Tokio (Verursacher zahlen nach dem Anteil an den Gesamtemissionen ein), ansonsten starke Verbreitung von Kooperationslösungen. Japans Immobilienmarkt (einer der weltweit größten) hat seine Krise vorläufig überwunden. Gefährlicher gelber Staub aus China (feiner Sand aus der Wüste Gobi, der sich mit den Abgasen aus chinesischen Firmen vermischt) bedeckt vereinzelt Teile von Japan. Bis zum Jahre 2050 sollen die Treibhausemissionen um 60 bis 80% gesenkt werden.2008 fängt Japan an, das Emissionshandelssystem zu testen. Deutsche und japanische Städte kooperieren beim Klimaschutz ab 2008: Nahverkehr, Städteplanung, Energieeffizienz,  Kraft-Wärme-Kopplung. In der Umweltpolitik gibt zwei moderne Zertifikats-Handelssysteme: Einmal das "Japanese Voluntary Emission Trading System (JVETS) und das "Emission Trading System of the Tokyo Metropolitan Government". 2010 muss die Regierung ein Klimagesetz nach Protesten aus der Industrie entschärfen:  Handel mit Emissionen mehr Spielraum für den Ausstoß von Treibhausgasen durch fehlende Begrenzung des Emissionsvolumens. Ende 2010 wird sogar die Ausgabe von Zertifikaten vorerst eingestellt. Auf die Katastrophe von Fukushima reagieren die großen japanischen Konzerne mit Öko-Strategien. Vor allem Panasonic will zum "grünen" Marktführer werden mit ressourcenschonender Technik. Im November 2013 gibt Japan das Klimaziel von Kyoto auf. Die Emissionen sollen sogar erhöht werden (mehr Kohle- und Gaskraftwerke). Nach Fukushima ist Japan in einer besonderen Situation, aber das Signal ist verheerend. Vier Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima wird noch immer nicht offen über die Schäden geredet (Maulkörbe in der Presse und den Medien). Wichtige Informationen werden in Manga-Zeichnungen verpackt (Jeder liest Mangas in der Mittagspause, Stimmung der Gesellschaft). 22 Mrd. an staatlichen  Hilfsgeldern wurden bisher (2015) nicht abgerufen. Von den geplanten 20.000 neuen Wohnungen wurde erst ein Fünftel gebaut. In Japan dürfen ab 2050 nur noch Hybridfahrzeuge und E-Autos gebaut werden.  "Leute, kauft Hybrid-Autos von Toyota", Renate Künast, Grünen-Fraktionschefin im Bundestag.

Im Dez. 2009 findet in München ein Deutsch-Japanisches Wirtschaftssymposium über Kooperation im Bereich Umwelt statt.

Energie/Rohstoffe (Energiepolitik): Energieverbrauch pro Kopf in kg ÖE 2002: 4058. Ein schweres Erdbeben beschädigt Mitte 2007 die weltweit größte Atomanlage im nordjapanischen Kashiwasaki, so dass Radioaktivität austreten kann. Die Informationspolitik ist mangelhaft. Die Atomkraftwerke liegen auf felsigem Untergrund und sind durch Mauern gesichert. Sie werden bei Beben automatisch heruntergefahren. Bisher gab es in den Atomkraftanlagen 97 schwerwiegende Vorfälle.  Die 54 Atomkraftwerke decken etwa ein Drittel des Strombedarfs (30%). Der älteste Reaktor ist von 1970. 12 sind noch in der Planung.  Durch das schwerste Erdbeben, was Japan je erlebt hat, 2011 werden vier Atomkraftwerke schwer beschädigt. In einem, Fukushima Daiichi, setzt eine Kernschmelze ein. Radioaktives Cäsium, Plutonium, Jod und Strontium wird freigesetzt. Die Präfektur Fukushima im Nordosten Japans ist das Herz der japanischen Atomindustrie (Fläche von Schleswig-Holstein, 2 Mio. Menschen). Dem Land droht eine anhaltende Energieknappheit. Im März bricht die Industrieproduktion um 15,3% ein. Insgesamt soll das Wachstum der Wirtschaft 2011 nur noch 0,6% betragen. Japan ist ein sehr rohstoffarmes Land. In der Provinz wird Strom teilweise mit regenerativen Energien erzeugt. Beispiel ist die Stadt Kuzumaki in der Provinz Iwate. Hier stehen Windräder in 1000 Meter Höhe. Ein Großteil der Erdölimporte kommen aus dem Iran. Nach der Naturkatastrophe in Fukushima verordnet die Regierung der Wirtschaft einen Sommer-Stromsparplan für 2011. Auch soll ein Stresstest aller Atomkraftwerke durchgeführt werden. Viele Japaner sind skeptisch, da Regierung und Atomwirtschaft zu eng verwoben sind. Man spricht in Japan vom "Atomdorf", das ein Geflecht von Tepco und Politik darstellt. Prüfbericht der Atomkraftwerke wurden systematisch gefälscht. Mitte 2011 werden aber zahlreiche Beamte im Energiesektor entlassen. Die Aufsichtsbehörde soll unabhängig angesiedelt werden. 2012 wird die Laufzeit der Atomkraftwerke durch ein Gesetz auf 40 Jahre begrenzt. Ab Mai 2012 muss Japan für einige Zeit ohne Atomkraft auskommen, weil einige Wartungen anstehen. Im Juli 2012 geht als erster Meiler Oi wieder ans Netz (Drohung mit Stromsperren). Mittlerweile gibt es Massenproteste gegen die Atomkraft in Japan. Die Regierung gibt im Herbst 2012 bekannt, dass das Land bis 2040 aus der Atomenergie aussteigen will. Die Regierung von Abe will davon eine Kehrwende vollziehen. Die Folgekosten von Fukushima werden auf 97 Mrd. € geschätzt (u. a. Dekontaminierung, Entschädigungen). Die Kosten fallen bei der inzwischen verstaatlichten Tepco an. 160.000 Menschen mussten ihr Heim verlassen. Über 260.000 Menschen wurden geschädigt. 1400 Lebensmittel aus dem verstrahlten Gebiet überschritten die Grenzwerte. 117.000 Firmen erhalten Entschädigungszahlungen. 2013 fallen immer wieder Kühlsysteme in Fukushima aus und verursachen kritische Situationen. Die Strahlenbelastung steigt dramatisch an. Mittlerweile sind die Strahlenwerte für Menschen tödlich (bei vierstündiger Aussetzung). Unmengen von verseuchtem Wasser läuft ins Meer. Im September 2013 beschließt die Regierung einen Notfallplan. 360 Mio. € sollen in die Sicherung des havarierten Atomkraftwerks fließen. Trotzdem belastet Cäsium immer stärker den Hafen vor Fukushima. Im Februar 2014 tritt wieder eine schwere Panne auf. Aus einem Leck sind 100 Tonnen verseuchtes Wasser ausgetreten. Nuklearstrom gilt in Japan auch 2014 noch als Gebot der Vernunft ("Atom-Renaissance"). Erneuerbare Energien spielen derzeit in Japan noch so gut wie keine Rolle. 2014 wird der Bau neuer Atomkraftwerke geplant und stillgelegte sollen wieder hochgefahren werden. Diese Aufgabe soll der 2014 eingesetzte Tepco-Sanierer Sudo übernehmen. Bis 2014 hat Tepco 41 Mrd. Euro für Fukushima gezahlt; der Staat 79 Mrd. Euro. Im April 2014 vollzieht Japan offiziell wieder den Plan, Atomenergie als wichtigste Energie-Quelle der Grundversorgung vorzusehen. Am 11.04.2014 beschloss die Regierung einen neuen Energieplan. Erhöhung der Einspeisetarife. Aber die neue Nukleare Regulierungsbehörde (NRA) hält dem Druck stand und prüft akribisch alle Anlagen. So ist 2014 Japans erster Sommer ohne Atomstrom (alle 48 Anlagen außer Betrieb; Problem für die Klimaanlagen). Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Energiepolitik der Regierung mit Atomenergie ab. Erstmals klagen 2014 Arbeiter aus Fukushima gegen die Betreibergesellschaft, weil sie Gefahrenzulagen nicht bezahlt habe. Dreieinhalb Jahre nach Fukushima darf im Herbst 2014 das erste Kraftwerk /AKW Sendai bei Tokio) wieder hochgefahren werden (Atomaufsicht Japan gibt grünes Licht).  Die Inbetriebnahme erfolgt jedoch erst im August 2015. 30 Prozent der Japaner sind dagegen. Aber die Regierung argumentiert, dass Öl, Gas und Kohle teuer importiert werden müssen. Im Herbst 2015 dürfen die Bewohner in die Stadt Naraha zurück, die nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima vollständig geräumt wurde (viele wollen das nicht mehr; die Umgebung wurde aufwendig dekontaminiert). 2016 bereitet die Eisbarriere um das AKW Fukushima Sorgen. Sie soll das Abfließen des verseuchten Wassers verhindern. Ein schweres Seebeben erschüttert im November 2016 die Region um Fukushima. Die Aufräumarbeiten in Fukushima werden bis 2050 dauern - wenn alles nach Plan verläuft. Verseuchtes Kühlwasser, Regen und eindringendes Grundwasser machen große Probleme. 2017 etabliert sich in der Nähe von Fukushima eine Surfergemeinde. Der Strand von Hirono bietet perfekte Wellen. Acht Jahre nach der Katastrophe machen sich die Menschen Sorgen, welches Gemüse essbar ist. Wie hoch sind die Krebsrisiken? Menschen haben ein eigenes Testlabor eingerichtet. Denn der Regierung glauben sie nicht (Pilze sind aus jeder Küche verbannt, Kaori). Vor allem Schwangere haben Angst.   Die ersten Atombombenabwürfe der Welt durch die USA auf bewohnte Gebiete in Japan traf die Städte Nagasaki und Hiroshima. 2015 sind dies 70 Jahre her. 92.000 Menschen wurden direkt getötet (darunter viele chinesische Zwangsarbeiter) und 130.000 starben an den Folgeschäden. Auf die aktuelle Atompolitik in Japan scheint der Einfluss nicht mehr groß zu sein.

Der Emissionsrechthandel wurde 2005 durch das Japanese Voluntary Emission Trading System (JVETS) eingeführt. Zuletzt machten 390 Unternehmen mit. Die Unternehmen konnten freiwillig zwischen Ausstoßmenge und Zertifikaten wählen. Der Beitritt wurde durch Subventionen unterstützt. 2012 lief das Testsystem aus. Vier Jahre nach der Atomkatastrophe, also 2015, gerät die Energiewende immer mehr zum Chaos. Erst vier von 43 Meilern erfüllen die verschärften Sicherheitsauflagen (also kann Ziel der Regierung von 15 - 25% für Atomstrom nicht erreicht werden). Bei 25 der noch verbliebenen 43 Meiler läuft 2015 die Sicherheitsprüfung noch. Die Versorger setzen auf Kohlekraftwerke mit reduziertem CO2-Ausstoß (aber immer noch zu viel; 52 neue Kohlekraftwerke werden 2015 geplant?). Sendai 1 geht als erster Reaktor im August 2015 wieder ans Netz. Beim G7-Gipfel in Elmau hatte sich Japan verpflichtet, den Kohlendioxidausstoß bis 2050 zu verringern. Die reale Entwicklung geht in die entgegen gesetzte Richtung: Japan ist der größte Exporteur für Kohlekraftwerke. Im Land selbst sind 2016 sechs Anlagen im Bau und weitere 49 in der Planung. Das könnten riesige Fehlinvestitionen sein. Der Ausbau fossiler Energieträger ist völlig unzeitgemäß. 

Außenwirtschaft (Außenwirtschafts- und Entwicklungspolitik bei Politik): 2016: Exporte 597 Mrd. USD (wichtigste Exportziele USA 19%, China 17%; Hauptgüter: Maschinen 37%, Transportmittel 25%). Exporte 536 Mrd. USD (Hauptimportpartner China 26%, USA 11%; Hauptgüter: Maschinen 25%, Energierohstoffe u. Erze 23%). 2013 Rekorddefizit in der Leistungsbilanz: 593 Mrd. Yen. Grund ist der schwache Yen, der den Import von Energie verteuert (Öl und Gas müssen in Dollar bezahlt werden). 2013 Exporte 719 Mrd. US-$; Importe 839 Mrd. $. Anteil am Welthandel 2012 4,3% (Exporte). 2010 Exporte 770 Mrd. Dollar. 2009 Exporte in Höhe von 545 Mrd. $ (2008 Exporte in Höhe von 783 Mrd. $, 2007 Exporte im Wert von 713 Mrd. $. Exporte 2006 ca. 7000 Mrd. Yen, 598,2 Mrd. $ 2005; 538,8 Mrd. $ 2004), Zunahme der Exporte 2006: 9,6%; 19% Kfz, Kfz-Teile;  Zunahme der deutschen Exporte nach Japan 2004: 6,8% (Anteil an allen deutschen  Ausfuhren: 1,7%; Anteil Einfuhr: 3,4%); deutsche Exporte nach Japan 2007 13,1 Mrd. € (2006: 13,9 Mrd. €), Importe aus Japan 2007 24,1 Mrd. € ( 23,7 Mrd. € 2006). Anteil der Exporte in die USA 25%. Importe: ca. 6000 Mrd. Yen 2006 (518,6 Mrd. $ 2005); Japans Anteil am Welthandel 5,1% (2005 geschätzt, zum Vergleich: D  9%, USA 9,7%). 37% der Exporte gehen nach den USA und China: hohe Abhängigkeit. Japan erwirtschaftet 14% seines BIP durch Exporte. Die Exporte in die EU sind rückläufig: 1998 10,1% aller EU - Einfuhren; 5,6%  2006. Deutschland ist das wichtigste Exportland innerhalb der EU. Ende 2008 brechen die Ausfuhren Japans ein (in die Schwellenländer einschließlich China mehr als ein Viertel, in die USA mehr als ein Drittel). Gründe sind der starke Yen und die zurückgehende Nachfrage. Japan ist weltweit führend bei der Produktion und im Export von Industrierobotern. In Japan lagert eine riesige strategische Reserve an Thunfisch (35.000 t?). Auf riesigen Farmen werden die Fische nachgefüttert. Mit den Reserven werden auch die Einkaufpreise bei den Fischern gedrückt. Eine der ältesten protektionistischen Maßnahmen ist die Importbeschränkung für Reis. Gleichzeitig wird der Reisanbau in Japan hoch subventioniert. Insgesamt ist Japan aber wie kein zweites Industrieland vom Lebensmittelimport abhängig. Es wird deshalb besonders stark von steigenden Lebensmittelpreisen getroffen. Anfang 2009 hat Japan erstmals seit 13 Jahren ein Defizit in der Leistungsbilanz (Januar: 1,4 Mrd. €). Die Exporte sind um 14,1% zurückgegangen (um 45,7% zum gleichen Monat des Vorjahres). Immer mehr japanische Firmen produzieren im Ausland. Dies wird durch den starken Yen und die Katastrophe in Fukushima verstärkt. Vor allem die japanische Autoindustrie (18% des BIP) ist betroffen. 2011 hat Japan sein erstes Handelsbilanzdefizit seit 30 Jahren. Die Einfuhren überstiegen die Ausfuhren um 2492 Yen (25 Mrd. Euro, bei den Einfuhren Anstieg vor allem bei Rohöl und Flüssiggas; bei den Ausfuhren Rückgang bei Autos und Halbleiter). Die Leistungsbilanz bleibt aber positiv mit schwarzen Zahlen. Auch 2014 verzeichnet die Handelsbilanz in den ersten Monaten ein großes Minus und die Leistungsbilanz bleibt positiv. Die Importe gehen relativ stark zurück (Erhöhung der Konsumsteuern). Der Export legte zu wegen der Abwertung des Yen infolge der expansiven Geldpolitik. 2017 hat Japan einen Export von 698,1 Mrd. US-$. Der Import beträgt 671,5 Mrd. $. Beim Export hat Japan einen Anteil am Welthandel von 3,9% (2017).  

In Japan sind rd. 500 deutsche Unternehmen mit einer Produktionsstätte (Direktinvestition) vertreten. Die Zahl stagniert seit einigen Jahren. 2005 hatten die Direktinvestitionen aus Deutschland ein Tief (-900 Mio. €).

Wenn sich die Konjunktur auf den Auslandsmärkten abkühlt, nehmen schnell die Schwierigkeiten im Inland durch den schwachen Konsum zu. Handelsbilanzsaldo 2006: 7937,3 Mrd. Yen. Ausländische Direktinvestitionen werden erleichtert. Bisher betrugen die ausländischen Direktinvestitionen nur 2,2% des jährlichen BIP (ein Achtel des deutschen Wertes). 6% aller deutschen Direktinvestitionen wurden in Japan getätigt, 2% aller japanischen Direktinvestitionen in Deutschland. Übernahmen in Japan sind jetzt auch per Aktientausch möglich. Energie und Telekommunikation bleiben aber weiterhin geschützt. Japan schließt 2006 einen Wirtschaftspakt mit Indien (gegen China). Unter anderem sollen die japanischen Investitionen in Indien erhöht werden. Ziel ist ein Freihandelsabkommen. Japan schließt eine Reihe von weiteren bilateralen Freihandelsabkommen mit anderen asiatischen Staaten: Thailand, Malaysia, Singapur. In Vorbereitung sind Abkommen mit Indien, Vietnam und den  Philippinen. Ein Handelsverbot für die bedrohte Thunfischart "Blauflossenthunfisch" könnte die Sushi - Gerichte beeinflussen. Freihandelsabkommen mit weiteren Pazifikstaaten und der EU stoßen auf den Widerstand der heimischen Agrarlobby. In Deutschland sind die Interessen sehr unterschiedlich: die japanische Autoindustrie muss 10% Importzölle zahlen, was gut für die deutschen Werke ist. Die japanische Regierung nimmt 2,4% bei Chemikalien. 2011 beginnt man mit dem Aushandeln eines Freihandelsabkommens mit der EU (Japan sechstgrößter Handelspartner). Japan ist auch dazu gezwungen wegen des Freihandelsabkommens der EU mit Süd-Korea (damit fallen 8% Zoll für EU-Exporte nach in das Land weg). 2012 lockert Japan sein Waffenexportverbot. Auch 2013 sind die nicht-tarifären Handelshemmnisse in Japan immer noch hoch. Die Bürokratie zögert die Zulassung von Produkten lange heraus bis sie veraltet sind oder nimmt so hohe Gebühren, dass der Preis nicht mehr konkurrenzfähig ist. Die Aufkündigung des Handelsabkommens TPP trifft Japan sehr hart (wichtiger Pfeiler von Abenomics). TPP war gegen China gerichtet. Japan hat einen hohen Handelsüberschuss gegenüber den USA, der auch auf Protektionismus beruht (Importzölle auf Reisimporte aus den USA; nur wenige Autos aus den USA werden in Japan verkauft). Japan will 2017 ein Freihandelsabkommen mit der EU. Das Land hat Sorge wegen der Abschottungspolitik der USA. Das EPA-Abkommen sollen noch 2017 vereinbart werden.   Lange Zeit gab es in der chinesischen Sprache kein Schriftzeichen für "Nation". China hatte sich immer als Reich verstanden, dem die ganze Welt gehört. Erst als das Land im 19. Jahrhundert erstmals vom Westen besiegt wurde, musste das neue Wort "Guojia" (die Nation; wörtlich: die Familie, die innerhalb schützender Grenzen lebt) geschaffen werden.

Japan plant ein Handelsabkommen mit der EU nach dem Vorbild von Ceta. Japan hat großes Interesse. Die Verhandlungen laufen schon seit 2013. Sie sollen schnell zu Ende gebracht werden, nachdem beide Regionen in Bezug auf die USA gescheitert sind.  Ziel ist der G20-Gipfel am 07.07.17 in Hamburg. Auch ein Handelsabkommen mit Japan nach dem Vorbild von Ceta ist geplant. Japan hat großes Interesse. Die Verhandlungen laufen schon seit 2013. Sie sollen schnell zu Ende gebracht werden, nachdem beide Regionen in Bezug auf die USA gescheitert sind.  Ziel ist der G20-Gipfel am 07.07.17 in Hamburg. Man einigt sich aber erst im Dezember 2017: Zölle werden abgebaut. Das Abkommen tritt 2019 in Kraft. Das BIP in Deutschland könnte um + 20 Mrd. € wachsen (Ifo-Institut, München). Für Japan ist die EU drittgrößter Handelspartner; für die EU ist Japan sechstgrößter Handelspartner. 2016 exportierten Firmen der eU Waren im Wert von 58,1 Milliarden Euro nach Japan. Die EU führte in der Zeit japanische Güter im Wert von 66,4 Milliarden Euro ein.

Geschichte des internationalen Handels in Japan: Nach dem Konzil von Trient schickte die katholische Kirche Mitte des 16. Jahrhunderts Missionare nach Japan. Der erste Missionar war Franz Xaver. Am bekanntesten wurde Pater Louis Sotelo, der nach Sendai kam. Die Franziskaner missionierten im Gegensatz zu den Jesuiten eher das einfache Volk. In Japan stritten Reiche miteinander, es gab nur lokale Fürsten (Daimyo). Für Sendai zuständig war ein Shogun, direkt für die Region hatte Date Masozoumi die Verantwortung. Er machte sich Hoffnung, über die Franziskaner das nötige Schiffs-Know-how und den Seeweg nach Neu-Spanien (heute Mexiko) zu finden (einschließlich einer Handelserlaubnis). Dem Shogun selbst waren Christen suspekt, so dass er 1597 26 Christen foltern ließ und später kreuzigen. Auch die Handelsmetropole der Christen Nagasaki wurde "gesäubert". Pater Sotelo sollte eigentlich auch sterben, wurde dann wegen der Handelshoffnung begnadigt. Spanien hatte quasi ein Monopol auf den Handel mit dem neuen Kontinent Amerika. Mithilfe der Spanier und der Holländer gelang es schließlich, ein hochseetüchtiges Schiff zu bauen. Mit diesem brach man 1613 nach Neu-Spanien auf (Sotelo, der Samurai Hasekura und ein Spanischer Kapitän). Sie erreichten 1614 Acapulco in Mexiko (war damals der wichtigste Hafen). An Bord hatte man vor allem Stoffe (auch Seide). Man erreicht in der Hauptstadt beim Vize-König eine Erlaubnis, die Waren zu verkaufen gegen Taufe zum Katholizismus. Die Handelserlaubnis konnte nur der spanische König geben. Also reisten Sotelo und Hasekura mit einem anderen Schiff nach Sevilla (Handelsmetropole für den Handel mit Amerika; am meisten entsetzte man sich über den Gott am Kreuz). Dann ging es weiter nach Madrid. Auch Hazekura ließ sich im Beisein des Kaisers noch taufen für die Erlaubnis. Das war aber sinnlos, weil die Shogune in Japan nach der Vereinigung (Togugawa Shogunat) das Christentum verboten und alle Handelsbeziehungen abbrachen bis 1867 (Ausnahmen nur für die Ostindische Company). Sotelo starb den Märtyrertod, Hasekura wurde geächtet. Die Anfänge der Globalisierung waren für lange Zeit gestoppt in Japan.

Migration (Migrationspolitik): Immigration ist in Japan eher ein politisches Tabu. Ausländische Facharbeiter in ausgewählten Branchen bekommen ein Visum. Viele Asylbewerber dürfen aber nach Ablehnung ihres Antrages bleiben. Auch Studenten aus China arbeiten mit Studentenvisum im Niedriglohnbereich. In den letzten drei Jahren (von 2016 an) ist die Zahl ausländischer Arbeitskräfte um 40 Prozent gestiegen auf knapp eine Million. Bis 2020 fehlen allein 300.000 Altenpfleger. Hierfür wird ein Trainee -Programm für Arbeitskräfte aus Vietnam, Indonesien, Thailand, Nepal und China aufgebaut. Früher entledigte man sich in Japan auf "elegante" Weise von den alten Menschen. Ab einem bestimmten Alter wurden sie in den Bergen ausgesetzt. Das war in der Regel der sichere Tod.

Im ersten Halbjahr 2017 hat Japan 3 Menschen als Flüchtlinge anerkannt. Die Vereinten Nationen kritisieren, dass Japan seit 2008 jährlich 20 bis 30 Flüchtlinge aufgenommen hat. Seit 2013 spende das Land jedes Jahr weniger an das Flüchtlingshilfswerk.

Seit 2018 gilt Zuwanderung plötzlich als probates Mittel, um bei nur 2,4% Arbeitslosigkeit den Arbeitskräftemangel zu bekämpfen. Nepalesen, Filipinos, Taiwanesen und Chinesen dürfen als Arbeitskräfte einreisen, fünf Jahre bleiben und müssen das Land dann wieder verlassen. Diese Maßnahmen sind in Japan umstritten, weil der Durchschnittslohn gedrückt wird, die Infrastruktur für Ausbildung belastet wird und die medizinische Hilfe nicht verweigert werden kann. Vgl. WiWo 7, 8.2.2019, S. 79.

Ab 2019 öffnet sich Japan stärker für ausländische Arbeitsmigranten. Neue Visa -Regeln treten in Kraft. Mehrere hunderttausend Gastarbeiter sollen ins Land gelockt werden, vor allem aus den Nachbarländern China, Indonesien, Philippinen oder Vietnam. Ein erster Visa - Typ erlaubt Ausländern mit einfachen Japanischkenntnissen und bestimmten Jobfähigkeiten eine Beschäftigung bis zu fünf Jahren. In vierzehn Sektoren dürfen aber Familienangehörige nicht mitgebracht werden. Ausländische Arbeitskräfte mit höherer Bildung und Spezialkenntnissen in den Sektoren Häuser- und Schiffsbau können ihren Aufenthalt verlängern und auch ihre Familienangehörige ins Land holen..

Diese Daten können Sie selbst bei den Institutionen unter Links  (auch speziell Ostasien) abrufen. Besonders hervorzuheben sind die Länderprofile des Statistischen Bundesamtes (PDF, Online) und das Wirtschaftshandbuch des OAV. Im Rahmen der VWL - Lehrveranstaltung "Internationale Wirtschaft/ International Economics" beziehe ich diese empirische Ebene mit ein.

"Durch Protektionismus ist noch niemand wettbewerbsfähiger geworden. Wir brauchen Einbindung, nicht Ausgrenzung Chinas", Herbert Hainer, Adidas-Vorstandsvorsitzender.

"Nicht nur Chery, sondern auch andere chinesische Wettbewerber werden ihre Produkte in Amerika oder im Rest der Welt verkaufen, mit uns oder ohne uns", Dieter Zetsche, Daimler-Chrysler-Chef (über den möglichen Kooperationspartner und Chinas Autoindustrie).

 

Der Lotos ist ein Symbol der Reinheit. Im Buddhismus symbolisieren Frucht, Blüte und Stengel Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Management/Kultur (Kultur und Einfluss auf Wirtschaftsleben):

"Wer gut zu führen weiß, ist nicht kriegerisch. Wer gut zu kämpfen weiß, ist nicht zornig", Laotse: die Weisheit des Tao Te King (Begründer des Daoismus bzw. Taoismus).

China:                                      (direkt zu Japan)

Geschäftsmodell des Interessenausgleichs: Verkauf von Marktanteilen gegen Technologie und Know-how-Transfer (Marktchancen gegen Wissen; Gefahr der Produktpiraterie bei geringen rechtlichen Sanktionsmöglichkeiten). Motto: "Von anderen lernen und es dann besser machen", Zhang Ruimin, Gründungs-Chef von Haier. Gutes Beispiel auch: Dongfang Electricial Maschinary. Dieses Geschäftsmodell resultiert aus dem kulturellen Wert des Interessenausgleichs. Die chinesischen Geschäftspartner definieren exakt ihre Interessen, respektieren aber auch die des Partners. Dann nähert man sich niemals direkt, sondern andeutungsweise in kleinen Schritten dem gemeinsamen Ziel. Zizhu Chuangxin - unabhängige Innovation -  wird die intelligente Weiterentwicklung ausländischer Expertisen genannt. Investitionen und Ausschreibungen werden auch 2010 noch mit Technologietransfer verknüpft. Auch der Zugang zu seltenen chinesischen Rohstoffen könnte mit Bedingungen verbunden werden. "Unsere Technologie ist eine Re-Innovation auf Basis fortschrittlicher Entwicklungen des Auslands, die wir angepasst haben", Liu Zhijun, chinesischer Eisenbahnminister, über Eigenentwicklungen bei Hochgeschwindigkeitszügen.

Konkubinenwirtschaft: Zwang für ausländische Konzerne, Gemeinschaftsunternehmen mit demselben chinesischen Mutterkonzern zu bilden (Sieren, F.: Der China Code, a. a. O., S. 23). Dies wird mit einem Arsenal von nicht-tarifären Handelshemmnissen erreicht. Dabei werden die ausländischen Unternehmen auch als Vorbild gesehen: "Spiele Schach nur mit dem Meister", chinesisches Sprichwort. In seinem neuen Buch "Der China Schock (Berlin 2008) spricht Sieren von der "Mutter-Courage-Okonomie": China engagiert sich in armen und schwachen Ländern, um an die Rohstoffe herankommen (S. 32). Dies ist allerdings zu einseitig gesehen, denn "development is business" und oft effizienter als Entwicklungsbürokratie. "Es geht der chinesischen Regierung eindeutig um den Zugriff auf moderne Technologien. Dadurch könnte New Opel in eine gefährliche Abhängigkeit vom chinesischen Staat geraten", internes Regierungsgutachten zum chinesischen Autobauer BAIC (zitiert nach Wirtschaftswoche 30/2009, S. 110). Heute spricht man statt von Konkubine eher von Mätresse. Sie ist eine moderne Wiedergeburt. Sie unterhält ein Netz von Affären zu Parteisekretären, Geschäftsmännern und ist sehr einflussreich und reich. "Wir wissen, dass eine Teekanne von vier Tassen begleitet ist. Doch hat man je eine Tasse und vier Kannen gesehen?", Gu Honming, Gelehrter in der Qing-Dynastie, zu dem Thema, dass ein Mann mehrere Frauen haben darf.

Targeting: Strategie einiger chinesischer Unternehmen, weltweit Zukunftsmärkte zu erobern. Es bedeutet so viel wie Anpeilen, Angreifen, Ausschalten. Dies wird mit Staatshilfen unterstützt. Als Beispiel gilt Huawei, eine Netzausrüsterfirma, die mit Brachialmethoden versucht, in  Frankreich, Schweden und Deutschland Fuß zu fassen (Wirtschaftswoche, 12/2010, S. 40ff.). "Ich bewundere beispielsweise die langfristige Perspektive in der chinesischen Politik, von der wir uns durchaus auch etwas abschauen können", Peter Löscher, Siemens-Chef. "Missgeschick ist manchmal der Regen des Frühlings", aus China.

Going Out-Strategie: Die chinesische Führung ermuntert und unterstützt chinesische Unternehmen im Ausland notwendige Technologie durch Übernahmen zu kaufen. Laut KPMG haben chinesische Unternehmen 2016 alleine bis Mitte des Jahres fünf Milliarden Euro in deutsche unternehmen aus dem Industriesektor investiert. Der bekannteste Fall ist Kuka. Die Abhängigkeit von der Schwerindustrie soll gemildert werden. Andererseits steckt hinter dem Investment im Ausland auch der versuch der Unternehmer- und Geldelite, das eigene Geld ins Ausland zu bringen. Deutschland hat in China einen guten Ruf. Auch die Immobilien sind interessant.

Entrepreneurship von Natur aus: Geschäftsinn, Basar-Handeln und erfolgreiches wirtschaftliches Verhalten sind Bestandteil der chinesischen Kultur (Hirn, W.: Herausforderung China, a. a. O., 51 ff.). Motto: einfacher, billiger und schneller. Es fehlen oft von der Kultur her die Kreativität und Kritikfähigkeit, aber auch die Qualität.  Noch sind Chinas Unternehmen relativ innovationsarm. Eine andere Ursache für diese Eigenschaften ist die starke Kontrolle, die in allen Bereichen des Lebens zu spüren ist ("Großer Wandel - wenig Veränderung"). So verschieden sind die wirtschaftsethischen Prinzipien der Kulturen nicht, so dass man auch nicht nach dem Prinzip "anything goes" agieren sollte. Da sich Rahmenbedingungen für Unternehmen oft über Nacht ändern, ist große Flexibilität erforderlich. "Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten", aus China.

Eiserner Reisnapf und Eiserner Sessel: aussterbende Prinzipien der Planwirtschaft, die lebenslange Beschäftigung in einem Staatsbetrieb mit Rundum -Versorgung bedeuten. Sie werden Schritt für Schritt durch die Entwicklung eines Sozialversicherungssystems aufgefangen (Lohnnebenkosten!). Das seit 1958 bestehende Hukou - System gilt dagegen noch: es regelt die sozialen Pflichten und Rechte einer Person in Verbindung mit rigiden Mobilitätsbeschränkungen nach Wohnort und Herkunft des Bürgers. Es wurde 1958 eingeführt, um die Bauern nach der Kollektivierung daran zu hindern, in die Städte zu flüchten. "Ist eine Sache geschehen, dann rede ich nicht mehr darüber; es ist schwer, verschüttetes Wasser wieder einzusammeln", aus China.

Danwei (Einheit von Familie und Arbeitseinheit usw.) und Guanxi (Beziehungsnetz) üben einen starken Einfluss aus. Z. B. bringen die Kredite der Auslandschinesen an Angehörige im Land die Wirtschaft immer wieder in Schwung. Auch sind viele Privatunternehmer auf die Hilfe ihrer Familie und Freunde angewiesen, da sie bei staatlichen Banken nur schwierig Kredite bekommen. Die Danwei - Philosophie führt dazu, dass der Wert des Einzelnen als begrenzt angesehen und das Individuum nur in seiner Funktion als Teil eines sozialen Verbandes wertvoll betrachtet wird. Allerdings zeigt sich in der Familie ein deutlicher Wandel.  "Haltet eure Ehepartner, Kinder, Verwandte, Freunde und Mitarbeiter im Zaum und gelobt, nicht die Macht zu persönlichen Beziehungen zu nutzen", Xi Jinping, 2004, zukünftiges Staatsoberhaupt (nach Bloomberg soll seine Familie alleine über ein Vermögen von 380 Mio. Dollar verfügen; der Fall Bo Xilai zeigt, dass ein Großteil des Vermögens der Führungselite  im Ausland angelegt ist). "All lasting business is built on friendship", Alfred A. Montapert ("The Laws of Life", 1970). China hat eine Schwäche für Ivanka Trump. Ihre Tochter Arabella fing schon mit 18 Monaten an,  Mandarin zu lernen. Schon 2016 sang gab sie anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes ein Ständchen in Mandarin der Botschaft. Ivanka (in China: Yi Wan Ka) nutzt diese Popularität für ihr Modelabel in China. Dazu gehören auch Badematten, Wickeltücher, Gardinen und Bettwäsche. Sie hat schon sieben Markenrechte bekommen. Als Trump den Netzausrüster ZTE rettet, indem er ihn von seiner Handelspolitik ausnimmt, darf die Trump-Hotelkette auf der indonesischen Insel Java ein Luxushotel samt Golfplatz bauen. Direkt daneben baut ein chinesischer Staatskonzern einen Vergnügungspark.

Daoismus: "Ohne aus der Tür zu gehen, kennt man die Welt. Ohne aus dem Fenster zu schauen, sieht man den SINN des Himmels", Laotse (Laozi, chinesischer Philosoph, 6. Jh. v. Chr., Begründer des Taoismus, Die Weisheit des Tao Te King, Das Buch vom Sinn und Leben). Es gibt zwei Bücher mit 81 Kapiteln. In Lujang sollen sich Laotse und Konfuzius getroffen haben. Laotse half Konfuzius die alten Regeln zu studieren. Sie stammten aus der Bronzezeit. Es waren geschichtliche Riten. Im Mittelpunkt standen Blut/ Fleisch und Wein für die Ahnen. Das war ein religiöser Akt und eine religiöse Erfahrung. Aber es gab keinen Schöpfer. Man spricht auch von Pinyin. Lehre des Weges. Es ist eine Art authentische Religion ("Seele Chinas"). Die Ursprünge reichen bis 1400 v. Chr. Das war auch in der Zeit der Zhou-Dynastie (1040-256 v. Chr.). Die wesentlichen Bausteine wurden 400 v. Chr. niedergeschrieben. Da erreichte die Lehre ihren Höhepunkt. Es ging ursprünglich auch um Unsterblichkeit (auch im übertragenen Sinne). Dazu dienten Qigong, Taijiquan, Imagination, Konzentration  und Atemtechniken. Folgende Elemente gehören dazu: Kosmologische Vorstellungen von Himmel und Erde. Fünf Wandlungen. Lehre vom Qi. Yin und Yang. Yijing ( I Ging). Grundlegend ist das daoistische Konzept des Wu Wei. Es handelt sich um "müheloses Handeln", wörtlich "Nichthandeln" (die Dinge natürlich geschehen zu lassen). Ein gutes Leben ist ein Leben in Harmonie mit dem Dao. Es soll abgestimmt sein auf Rhythmen und Harmonien der Natur. Einige Autoren unterscheiden zwischen einem philosophischen und einem religiösen Daoismus. "Wer gut zu führen weiß, ist nicht kriegerisch. Wer gut zu kämpfen weiß, ist nicht zornig", Laotse „Wenn das Tao in Verfall gerät, dann gibt es Menschlichkeit und Gerechtigkeit; kommt Klugheit und Scharfsinn auf, dann gibt es Heuchelei; sind die sechs Arten der Blutsverwandtschaft uneinig, dann gibt es Kindesliebe und Elternliebe; wenn die Landesherrschaft in Verfall und Zerrüttung gerät, dann gibt es treue Untertanen“, Laotse.

 

Himmelstempel (tiantan) in Beijing. Er ist eines der heiligsten Stätten für das ganze Land. Die Kaiser der Ming- und Qing-Dynastie beteten jedes Jahr hier für eine gute Ernte. Es ist die längste Tempelanlage der Welt. Der Kaiser sah sich als Verbindung zum Himmel. Er musste auch die Zeit beherrschen. Es ist ein wichtiges daoistisches Symbol zur Legitimation des Kaisertums (auch Legitimation der KPC).

Konfuzianismus (Relevanz, heute): Er prägt noch immer die Beziehungen der Menschen: Respekt des Jungen gegenüber dem Alten, des Untertanen gegenüber dem Fürsten, der Frau gegenüber dem Mann ("Die Tugend des Herrschers ist die des Windes, die Tugend des Volkes ist die des Grases", Konfuzius; gilt auch für Unternehmenshierarchien: führt zu geringer Machtdistanz). Insofern wird in China viel mehr Wert auf Hierarchie gelegt. Auf den Konfuzianismus gehen generell die Werte "Hierarchie" und "Harmonie" zurück. Motto: "Weise ehren, Fähige beauftragen, Unfähige ausbilden", Konfuzius (Tugend "zhi"). Der Konfuzianismus ist auch eine wichtige ideelle Grundlage für das Nachahmen und die Produktpiraterie: "Wer nicht auf den Spuren anderer wandelt, kommt nicht ans Ziel", Konfuzius. ebenso von ihm: "Unsere größte Ehre liegt nicht darin, dass wir niemals fallen. sondern dass wir jedes Mal aufstehen, wenn wir am Boden sind". Experten unterscheiden oft zwischen der konfuzianischen Morallehre und der konfuzianischen Staatslehre. Für letztere wurden die Grundlagen in der Han-Dynastie (206 v. Chr. - 221 n. Chr.) gelegt, die sich dann zu einer Staatslehre entwickelte. Menzius, ein nachfolgender Gelehrter vom Konfuzianismus, ersetzt den Auftrag des Himmels durch einen rationalen Herrschaftsauftrag: Gewinne das Volk und du gewinnst die Oberherrschaft (Vgl. Wolfgang Bauer: Geschichte der chinesischen Philosophie, Frankfurt/M. 2006).

Das Leben von Konfuzius und seine Wirkung:  "Der Weg nach draußen führt durch die Tür", Konfuzius (Kongzi, chinesischer Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Staatsmann, 551-479 v. Chr., Konfuzius). Als Wiege des Konfuzianismus gilt die Stadt Qufu in der Provinz Shandong. Je mehr der Konfuzianismus offizielle Staatsdoktrin wurde, desto umfangreicher wurde gebaut. Hier leben die Nachkommen (77 Generationen über einen Zeitraum von 2500 Jahren). Es gibt 466 Hallen, Pavillons und 2000 Gedenksteine. Prunkstück ist der große alte Konfuziustempel und das Grab. Konfuzius formulierte Ideen von Harmonie und Ordnung. Bis zur Revolution 1911 war die konfuzianische Lehre Staatsdoktrin. Parteichef Xi Jinping setzte stark auf die traditionelle Kultur mit Konfuzianismus. Ende 2013 besucht er das Konfuzius-Forschungsinstitut in Qufu ("Das Zentralkomitee schätzt den Konfuzianismus und die traditionelle chinesische Kultur hoch." ... Ein Mensch ohne Werte könne nicht bestehen, und ein Land ohne Werte könne nicht aufsteigen"). Der Konfuzianismus hat großen Einfluss auch in Japan, Korea, Vietnam und Singapur. Wichtigstes Element des Konfuzianismus sind die menschlichen Elementarbeziehungen "Vater-Sohn, Herrscher-Untertan, Ehemann-Ehefrau, Älterer Bruder-Jüngerer Bruder, Freund-Freund". Der Konfuzianismus ist keine Religion, sondern eine Morallehre. Im Mittelpunkt stehen die richtigen Verhaltensweisen, Tradition und Respekt. Hinzu kommen die Reziprozität (der Pflichten), der Kollektivgedanke, die Familie und das Lernen. Sekundärtugenden sollen beachtet werden (Höflichkeit, Respekt, Dankbarkeit). Der Vater von Konfuzius hatte nur Töchter. Um einen Sohn zu bekommen heiratete er mit 60 Jahren eine 17jährige Zweitfrau. Nach Sex im Freien auf einem heiligen Berg wurde Konfuzius geboren. Konfuzius Mutter erschien auf dem Berg ein Fabelwesen (Qilin, Drache, Hirsch u. a.). Als Konfuzius drei war, starb der Vater. Die Familie verarmte danach. Das Reich war durch innere Kämpfe zerrissen ("Streitenden Reiche", 8 kleinere Fürstentümer).  Konfuzius eröffnete zunächst eine Schule. später wurde er in der Stadt Lu (Provinz Shandong) Minister für Justiz und war sehr erfolgreich für die Provinz. Die Nachbarprovinzen waren neidisch und und führten Lu der Legende nach mit Frauen und Pferden in Versuchung. Mit 33 Jahren musste Konfuzius fliehen und ging auf Wanderschaft, die 14 Jahre dauerte (mit einigen Schülern). Nirgends konnte er sesshaft werden. Er kehrte nach Qufu zurück und führte sehr erfolgreich eine Schule. Er starb als enttäuschter Mann. Erst seine Schüler brachten den Erfolg zur Zeit der Vereinigung (221 v. Chr.). Der Konfuzianismus wurde Herrschaftsideologie des Kaisers. 

Lehre des Konfuzius: Fünf Klassiker: Buch der Wandlungen. Buch der Lieder. Buch der Urkunden. Buch der Riten. Frühlings- und Herbstannalen. Das Lunyu (chinesische Bibel) umfasst vier Grundlagen: Mitmenschlichkeit (Ren; =zwei; bestmögliche Lebensführung; Shu=Empathie, Gegenseitigkeit), Gerechtigkeit, Kindliche Pietät, Riten. Der Studienplan in Qufu umfasst sechs Künste, die man lernen musste: 1. Li (soziales Verhalten, Zeremonie). 2. Riten. 3. Moral. 4. Kaligraphie. 5. Mathematik. 6. Kunst des Streitwagenlenkens.  7. Bogenschießen. Die fünf Klassiker und die Analekten wurden als Text auf Stehlen (189, dauerte vier Jahre) gehauen. Man sieht sie heute im Nationalmuseum in Peking (auch im Konfuziustempel und der kaiserlichen Akademie). Sie waren Grundlage des Examens für den klassischen Staatsdienst. Die Prüfungen waren sehr streng und dauerten 3 Tage (vorher hatte man sich auf regionaler und Provinz-Ebene bewährt). Die Säulen der Gesellschaft waren Familie, Hierarchie und Tradition. In der Unternehmenskultur sind es Bildung, Disziplin, Fleiß. Die Kernpunkte der Kultur waren Aufrichtigkeit, Bescheidenheit und Harmonie. Es gibt ganz konkrete Verhaltensregeln: Rituale des Alltags, Harmonie, korrekte Begrüßung, Beziehungen zwischen Alt und Jung, Ehe, Freunde, Gefühl für einander da zu sein. Im Mittelpunkt steht die Ehrung der Ahnen. Es gibt nicht einen Gott als Schöpfer wie bei den Religionen. Die Schüler von Konfuzius (Kong Qiu) haben die Lehren verbreitet. Einer der wichtigsten war Zeng Shen, der das Xiaoling verfasste.

Mohismus, Mozi (auch Mo-tsu oder Mo-tse, um 420 v. Chr.): Kritiker des Konfuzianismus. Er lehnte den Konfuzianismus ab, weil er die Herrschenden legitimierte. Er war eher für die Schwachen. Er vertrat utilitaristische Werte. Es ging ihm um den Nutzen für jedermann. Er entwickelte eine Lehre allgemeiner Nächstenliebe (allgemeine, selbstlose Nächstenliebe).  Vgl. Bassham, Gregory: Das Philosophie-Buch, Kerkdriel/Niederlande 2018, S. 54.

Islam in China: Die frühesten chinesischen Kontakte mit der islamischen Welt gehen bis in die Tang-Zeit zurück. 751 erlitten die chinesischen Truppen in der Grenzregion des heutigen Kirgistan und Kasachstan ein entscheidende Niederlage. sowohl in der Stadt Chang`an als auch in Xi´an lebte und leben bis heute viele Muslime. Arabische und persische Kaufleute, darunter solche muslimischen Glaubens, bildeten in der Tang-Zeit eine wichtige Gruppe in der an der südchinesischen Küste gelegenen Hafenstadt Kanton (Guangzhou). Probleme entstanden mit dem Niedergang der Tang. Unter der Song-Dynastie wurden die Muslime gut integriert. Asl besonderer Vorteil erwies sich die Mongolenherrschaft. Vgl. Nagel-Angermann, M.: Die Geschichte des Alten China, Wiesbaden 2018, S. 161.

Buddhismus in China: Der Buddhismus war und ist die prägende Religion Chinas zusammen mit dem religiösen Daoismus (dazwischen gibt es auch Bezüge). Er zeigte sich auch als politische und religiöse Kraft. Wesentlich war die Lehre de Mahayana (des "Großen Rades").  Buddhistisches Gedankengut gelangte um das 1. Jh. n. Chr. über Zentralasien nach China. Die Blütephase hatte er in der Sui und Tang-Zeit. Es gab viele buddhistische Schulen in China.

Huineng und die Plattform-Sutra: Wichtigster Vertreter des Chan-Buddhismus (in Japan Zen-Buddhismus genannt) war Huineng (638-713 n. Chr.). Seine Lehre wurde als Plattform-Sutra des Sechsten Dharma-Vorfahren herausgegeben.

Su Shi: Es lebte in einer der glamourösesten Epochen Chinas, in der Song-Dynastie (960 - 1279). Er war ein Universalgenie, vergleichbar Leonardo da Vinci in Italien. Er hatte die höchste Beamtenprüfung  abgelegt und war auch Minister. Er schrieb, nachdem er am Kaiserhof in Ungnade gefallen war, 2700 Gedichte und malte. Er macht unter anderem eine Tuschezeichnung, die zum teuersten Werk der klassischen chinesischen Malerei wurde. Das Werk "Holz und Fels" (mehr als fünf Meter lange Bildrolle) soll verkauft werden.

Die Kulturstandards "Gesicht wahren", "Etikette", "Geduld" (geduldiges Warten) und "indirekte Gespräche" werden auch im Geschäftsleben gewahrt. Das Personalmanagement muss durch tägliche Instruktionen den größte Teil der Managementzeit beanspruchen. Dabei müssen Ausländer auf Augenhöhe mit den Chinesen agieren, d.h. sie aufgrund ihres Andersseins nicht schlechter behandeln. (vgl. Kausch, U.: China Pioniere, Frankfurt/ New York 2007, 267ff.). "Asiatische Werte sind international, europäische Werte sind europäisch", M. bin Mohammad, Premier von Malaysia.

Yin und Yang: Sie stehen für das Schöpfungsprinzip und das bipolare Spiel zweier Urkräfte. Die Lehre des Yin und Yang sind Bestandteile des Daoismus. Situation Pull versus Vision Push (Fussy Vision), Donald Sull, London Business School: die ständigen Umwälzungen und extremen Unsicherheiten haben einen kulturellen Lernprozess ausgelöst, der dem chinesischen Manager einen Vorsprung im "Erspüren, Antizipieren und Prioritäten setzen" gibt. Insgesamt ordnet man chinesische Verhaltensweisen eher dem Prinzip "Yin" zu, das durch ganzheitliches, integrierendes und intuitives Denken in Netzwerken gekennzeichnet ist. In den Führungsetagen versucht man das Prinzip auch zu berücksichtigen. Dann werden zwei gegensätzliche Manager-Typen (z. B. ein "Zahlenmensch" und ein "Menschenfänger").   "Wenn drei Personen eines Herzens sind, verwandelt sich selbst Lehm in Gold", aus China.

Verhandeln: Grundsätze sind Freundlichkeit und Undurchsichtigkeit. Dazu kommt Flexibilität. Als Vorbild wird oft der Strategieklassiker "Kunst des Krieges" von Sunzi (5.-4. Jh. v. Chr.) genommen. Angestrebt wird in der Regel ein eher informeller Vertrag, der gegenseitiges Vertrauen voraussetzt (hier kommt das andere Rechtsverständnis der Chinesen zum Ausdruck). "Dass China heute plural ist, das ist auch der westlichen Wirtschaft zu verdanken. Wann immer ein Unternehmen aus Europa oder den USA in China investiert, bringt es seine Werte mit", Frank Sieren im Handelsblatt, 30.04. 2011, S. 10.

 Die chinesische Militärstrategie folgt dem ganzheitlichen Denken: Sie beurteilt zunächst die Rechtschaffenheit (yi). Im Westen steht der Nutzen im Vordergrund. Sunzis Kriegskunst wurde zuerst im 8. Jahrhundert nach Japan exportiert und im 18. Jahrhundert  in viele Sprachen übersetzt (Sun Tzu wurde angeblich in Huimin geboren, dort gibt es den Freizeitpark "Sun-Tzu-Kriegskunst-City"; "Jede Kriegsführung gründet auf Täuschung", "Wenn du dich und den Gegner kennst, brauchst du den Ausgang von 100 Schlachten nicht zu fürchten").  

36 Strategeme: Die 36 Strategeme der List, die im 15. Jahrhundert n. Chr. erstmals zusammengestellt wurden, stellen eine wichtige Planungsgrundlage der Politik und Wirtschaft dar. Sie sind stark vom Daoismus beeinflusst. In China bzw. Asien wird Business oft Richtung Krieg interpretiert. Die Strategeme sind "Kriegslisten" bzw. Tricks (sie können auch auf Geschäftsverhandlungen angewendet werden). Hinzu kommt, dass weniger geplant und dokumentiert wird und mehr ausprobiert. Vgl. Harro von Senger: Strategeme für Manager, München 2004. Die 36 Strategeme sind ursprünglich eine Sammlung von Kriegslisten des chinesischen Generals Tan Daoji (allerdings kann die Herkunft nicht sicher zurückgeführt werden; wahrscheinlich lagen die Strategeme im Volksmund vor).  "Es ist im Kriege eine Regel, dass man nie annehmen soll, ein Feind würde nie kommen, sondern man muss jederzeit bereit sein, ihn zu treffen. Man darf nie annehmen, dass er nicht angreifen wird, sondern man sollte sich immer in eine Position bringen, in der man unschlagbar ist", Sun Tsu, Über die Kriegskunst, spätes 5. Jahrhundert v. Chr. "Der General, der eine Schlacht gewinnt, stellt vor dem Kampf im Geiste viele Berechnungen an. Der General, der verliert, stellt vorher kaum Berechnungen an. So führen viele Berechnungen zum Sieg und wenig Berechnung zur Niederlage - überhaupt keine erst recht", Sunzi.

Hukou (Meldebescheinigung): Das Recht zum Aufenthalt auf dem Land oder in der Stadt. System der Wohnsitzkontrolle, das auf die frühen Fünfzigerjahre zurückgeht. Jeder Bürger ist einem bestimmten Ort zugeordnet. Er hat nur Anspruch auf bestimmte Leistungen an diesem Ort (Sozialleistungen, freier Zugang zu Schulen und Unis, Gesundheitsvorsorge). Bürger mit Land - Hukou werden Parzellen zugeteilt. Das System hat eine unkontrollierte Landflucht und das Anwachsen von Slums verhindert. Hukou teilt in der Stadt in "echte Städter" und "Zugezogene". Das System spielt selbst auf dem Heiratsmarkt eine große Rolle.

Pragmatismus: Chinesische Manager sind sehr flexibel. Sie reagieren auf Wandel sehr schnell und pragmatisch. Die notwendige Zielorientierung und Disziplin ist vorhanden. Manche Experten führen diese Verhaltensweise auf den Daoismus zurück: "Zhi dao" heißt "den Weg erkennen" und ersetzt das Tätigkeitswort "wissen" unserer Sprache. "Mei wenti" heißt "kein Problem". Der Satz wird immer wieder eingesetzt in Geschäftsverhandlungen und gemeinsamen Projekten und bringt den Pragmatismus auf den Punkt. "Beobachtet die Lage ruhig. Steht fest zu eurer Position. Antwortet vorsichtig. Haltet unsere Stärken verborgen. Versteckt unsere Schwächen. Wartet auf die günstige Gelegenheit eines Comebacks. Beansprucht nie die Führerschaft", Deng Xiaoping.

Unternehmenskultur: Hierarchische Strukturen. Wenig Eigenverantwortung und Freiheit für die einzelnen Mitarbeiter. Zu wenig Innovationen. 

Kernpunkte der Kultur insgesamt: Familie, Hierarchie und Bildung haben in China einen höheren Stellenwert als bei uns. Das Denken der Chinesen ist praktisch, ganzheitlich und dialektisch. Die Sprache ist vieldeutig, indirekt und eher distanziert. Moral ist immer noch wichtiger als Recht. Beziehungs-Netzwerke (Guanxi) und "Gesicht verlieren" sind wichtig. Die Leneseinstellung ist Richtung gewieft und gleichmütig. Siehe S. Baron/ G. Yin-Baron: Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht, Berlin 2018, S. 109ff. Die Chinesen arbeiten traditionell sehr hart. Sie glauben, dass man mit Bildung nach oben kommen kann. China hat 1,4 Milliarden Menschen mit gleicher Sprache. Vgl. Eric Xu, Chairman von Huawei, WiWo 41, 05.10.2018, s. 60ff.

Gaokao: Landesweite Aufnahmeprüfung an Hochschulen. Diese kann drei Tage dauern. Mehr als 9 Mio. Schüler nehmen teil. Der Druck ist sehr hoch. Das Ergebnis entscheidet über die Zukunft. Mit einer zu niedrigen Punktzahl darf man nicht studieren. Das kann  den job vermiesen. Es entscheidet so über Geld, Ansehen und Heirat. Die Zahl der Betrugsversuche ist hoch. Der Staat wehrt sich mit modernster Technik.

Heiratsmarkt: Ökonomische Kriterien haben an Bedeutung gegenüber Liebe und Tradition (Vermittlung der Familie) zugenommen. In einer Bachelor - Thesis wurde auf diesen Wandel eingegangen. Männer haben die besten Chancen eine Frau zu finden, wenn sie eine Wohnung, einen guten Job und ein Auto haben. Durch den demographischen Wandel gibt es einen Männerüberschuss, vor allem auf dem Land. Frauen über 30, die eine hohe Bildung haben, finden auch nicht leicht einen Mann. Die Probleme von Single-Männern, eine Frau zu finden, beeinflussen Kriminalität, Mobilität und Geburtenrate.

Konsumgewohnheiten/ Konsumentenverhalten: Die Globalisierung und die Digitalisierung verändern die Konsumgewohnheiten in China. Fast Food nach US-Art breitet sich stark aus. ein Kaffeeboom ist auch zu beobachten. Starbucks ist seit 1999 aktiv und betreibt 2017 3000 Läden im Land. Bis 2027 sollen 10.000 weitere Filialen folgen. Auch die italienischen Marken Segafredo und Boncafe wollen in China Fuß fassen. Mit umstrittenen Werbespots 2018 verscherzt sich es das Modeunternehmen Dolce & Gabbana mit den Chinesen. Es kommen Rassismus-Vorwürfe. Pizza und Spagetti sollten mit Stäbchen gegessen werden.

Hongkong:  Ein Land, zwei Systeme. 1997 übernahm China Hongkong wieder von den Briten. Die Stadt hat eine eigene Währung und ein eigenes Rechtssystem. Auch der Aktienmarkt (Hang Seng) ist eigenständig. Auch die Presse- und Versammlungsfreiheit sind garantiert. 2020 sind freie Parlamentswahlen verabredet. 2017 soll erstmals der Regierungschef gewählt werden. Die Situation der Pressefreiheit hat sich zunehmend verschlechtert. Unter einer Brücke im Zentrum von Hongkong verdient eine Handvoll Frauen ihr Geld damit, andere Menschen zu verfluchen. Fünf Euro bezahlen, den Namen des persönlichen Plagegeistes notieren, verfluchen lassen - fertig. Man nennt sie die "Fluchfrauen". Es ist eine Dienstleistung, die immer Konjunktur hat.

Viele deutsche Konzerne setzen auf Hongkong als Standort für die
Asien-Zentrale. Ca. 400 Mitglieder hat die deutsche Außenhandelskammer. Wichtig ist dabei die Offenheit und Unabhängigkeit der Metropole (weniger wichtig sind die Steueranreize). Ökonomisch stärker ist mittlerweile Shanghai. China zieht die Schlinge in Hongkong aber immer mehr zu.

China versucht immer mehr, Hongkong zu politischem Wohlverhalten zu zwingen. Die Lehrpläne in Schulen wurden geändert, es gibt mehr chinesische Geschichte, Demonstrationen werden bekämpft. Die Politiker werden immer mehr eingeschränkt und eingeschüchtert. Jack Ma, der Besitzer von Alibaba hat die renommierte englischsprachige "South China Morning Post" gekauft. Sie soll Chinas Geschichte gut erzählen. Vgl. Petra Kolonko: Die Schlinge in Hongkong zieht sich zu, in: FAZ , Nr. 289, 13. Dez. 2017, S. 5. Im Oktober 2018 wird die längste Brücke der Welt nach fast neunjähriger Bauzeit fertig. Sie verbindet über das Delta des Perlflusses die beiden Sonderverwaltungszonen Macau und Hongkong. Die 55 km lange Brücke enthält auch einen 6,7 Kilometer langen Wassertunnel. Die Kosten liegen bei 15 Mrd. Euro. Umweltschützer kritisieren, dass der Lebensraum der seltenen weißen Delphine weiter eingeschränkt wird. Ende  2018 stehen Demokratieaktivisten in Hongkong vor Gericht wegen "Verschwörung". Pekings langer Arm reicht sicher bis Hongkong. Der Prozess wird zeigen, wie unabhängig die Justiz ist.

Bonitätssystem (bis 2020 Einführung): Es ist eine IT - Überwachungsmaschinerie mit Hilfe von Algorithmen.  Auf einer Plattform sollen Daten von Privatpersonen, Unternehmen und NGO gespeichert und bewertet werden. Es gibt eine Unterscheidung von Kreditwürdigkeit (Schulden) und genereller Glaubwürdigkeit. Die großen sozialen Medien wie Baidu, Alibaba und Tencent sollen auch Daten beisteuern. Eine Datenbank über ausländische Firmen gibt es bereits im Handelsministerium. Positive Folgen könnten sich auch ergeben: Lebensmittelsicherheit, Umweltverschmutzung, Markenrechtsverletzungen. Vgl. Totalitarismus ist ein großes Wort, in: Die Zeit Nr. 2, 04.01.2018, S. 31.

Kultur des Scheiterns (Kultur der zweiten Chance): Wer früh scheitert und Lehren aus seinen Fehlschlägen zieht, ist schneller erfolgreich. Je öfter Menschen scheitern, desto mehr lernen und entdecken sie. Diese Sicht müsste in Deutschland verbreiteter sein, vergleichbar mit der Kultur in den USA. So könnte man etwa ein freiwilliges Gründerjahr für den Einstieg ins Unternehmertum schaffen. Im Forschungslabor von Google bekommen die Mitarbeiter mehr Geld, wenn ihr Projekt scheitert. Auch die Chinesen fördern mittlerweile diese Sichtweise.  "Scheitern ist die Grundlage des Erfolgs", Laozi (Laotse), Philosoph aus China im 6. Jahrhundert vor Chr. Der Erfinder T. A. Edison, der auch GE gründete, formulierte es so: "Ich bin tausendmal gescheitert. Ich habe erfolgreich tausend Möglichkeiten entdeckt, wie die Glühbirne nicht zum Leuchten gebracht wird".

Tabus: Die Kommunistische Partei in China setzt immer wieder Tabus, die sie auch überwacht. Als Waffe setzt sie dann Boykotte in. Die laufen häufig über das Parteiblatt "Volkszeitung". Ein bekanntes Beispiel aus dem Februar 2018 ist eine Werbeanzeige von Daimler in China für die neue C-Klasse. Sie wird von einem Zitat des Dalai Lama begleitet: "Betrachte eine Situation von allen Seiten, und du wirst offener werden". Da der Dalai Lama in China ein Volksfeind ist, schoss die Partei mit allen Mitteln zurück und rief auch zum Kaufboykott gegen Daimler auf. Da half auch kein Löschen der Anzeige und keine Entschuldigung. In Deutschland kam hingegen die Reaktion von Daimler nicht gut an. Viele sprachen von Kottau, Kniefall und Selbstzensur.

Managementtechniken chinesischer Manager: Je jünger sie sind, desto besser sind sie ausgebildet. Viele haben im Ausland studiert (USA, Japan, Deutschland). Die Manager sind in der Regel flexibler, pragmatischer, risikofreudiger, vorurteilsfreier, lernbereiter  und schneller (vgl. Hirn: Chinas Bosse, 2018, S. 14). Doch die Manager sind nicht völlig frei in ihren Entscheidungen. Bei Staatsunternehmen hat die Partei sowieso die hand drauf. Bei Privatunternehmen haben die Parteikomitees Einfluss. In diesen Komitees sitzen die Manager der Top-Ebene. Sie sind Bindeglied zwischen Unternehmen und Partei. Zwischen 1956 und 1978 gab es nur Staats- und Kollektivunternehmen in China. Private Unternehmen waren nicht zulässig. Viele potentielle Privatunternehmer waren ins Ausland geflohen und hatten dort auch erfolgreiche Unternehmen aufgebaut. Viele von ihnen kamen nach China zurück. Das generelle Prinzip der Managementtechnik lautet: Das Beste aus beiden Welten, der chinesischen und der westlichen, zu mischen. Es ist wie eine Zwiebel mit vielen Schichten (so Ren Zhengfei, Huawei-Gründer). Chen Feng von HNA spricht von einer harmonischen Kombination von Ost und West. Die chinesische Führungsphilosophie setzt auch eher auf langfristige Strategien und Erfolge als die allzu kurzfristigen der westlichen. Insofern ist sie auch strategischer.

Gender im Management: "Frauen tragen die Hälfte des Himmels", Mao Zedong. Also sollen die Frauen im Prinzip gleichberechtigt sein. 2018 sind von den 204 Mitgliedern des Politbüros nur 10 Frauen. In den Unternehmen ist der Frauenanteil in der Spitze eher gering, wächst aber beständig. An der Spitze stehen 2018  Frauen bei den Unternehmen Green (Klimaanlagen), Great Wall Motors (Autos), Ctrip (Internet), Didi (Internet), Lens Technology (Gründerin Zhou Qunfei) und Huawei (Vorsitzende des Boards).

Netzwerke): Wie in jedem Land der Welt bilden auch die Unternehmer in China ein Netzwerk. Das berühmteste ist der Chinese Entrepreneur Club (CEC) in Peking. Das Büro in einem Hochhaus im Nordwesten Pekings hat etwa 40 Mitarbeiter. Der Club wurde 2006 gegründet. Man benötigt die Empfehlungen von zwei Mitgliedern, um selbst Mitglied zu werden. Seit 2016 steht Alibaba - Gründer Jack Ma dem Club vor. Hier werden auch Entscheidungen beraten oder Direktinvestitionsentscheidungen im Ausland besprochen. Daneben gibt es das China Entrepreneurs Forum (CEF). Es wurde 2000 gegründet. Der offizielle Unternehmerverband ist der All-China Federation for Industry and Commerce (ACFIC).

Ökonomie der freiwilligen Einzelgänger: Eine große informelle Gruppe. Eine Art eigener Wirtschaftszweig. Jung, gebildet, konsumieren gerne, sind gerne allein. Die Gruppe umfasst ca. 20.000 Menschen. Restaurants und Fitness-Zentren stellen sich auf die Einzelgänger ein. Der engste Freund der Einzelgänger ist das japanische Spiel Tabikaeru (reisende Frosch).

Anti-Korruptions-Kampagne: Seit Xi Jinping an der Staats- und Parteispitze ist, überrollt er das Land mit einer Anti-Korruptions-Kampagne. Er werde weder "Tiger noch Fliegen" verschonen, hat er angekündigt. Bis 2018 wurden schon 1,3 Millionen Beamte und Parteifunktionäre bestraft. Auf dem Volkskongress im März 2018 trifft es Sun Zhengcai. Er wird wegen Korruption zu lebenslanger Haft verurteilt und aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen. Er galt lange Zeit als potentieller Nachfolger von Xi. So tauchte auch der Verdacht auf, dass potentielle Widersacher als ranghohe Kader systematisch als Konkurrenten ausgeschaltet werden.

Hundefleisch als Delikatesse: Im Süden Chinas ist Hundefleisch eine große Delikatesse. In Yulin findet jährlich ein Hundefleischfestival statt (seit 2009). In der ganzen Provinz Guangxi liebt man Hundefleisch.  Umgerechnet 100 Euro kostet 2018 ein ganzer Hund.  10 Millionen Hunde landen in China jährlich auf dem Teller. Auch in Südkorea werden Hunde gegessen. Gerichte sollen dies als illegal einstufen. Taiwan hat schon 2018 Hundefleisch vom Teller verbannt. Man sollte sich hüten, als Tourist das Hundefleisch auf Märkten zu fotografieren. Dabei kann man leicht Handy oder Kamera verlieren oder sonstigen Schaden nehmen (der Verfasser spricht aus Erfahrung). 

Fei ren ye: Wer kein mitfühlendes Herz hat, ist kein Mensch. Dieser Spruch ist oft und wird auch gegenwärtig oft missbraucht. Man spricht damit vermeintlichen Feinden die Menschenwürde ab. Die Liebe zum Volk und der Hass auf die Feinde ist dasselbe. Der Spruch war die Kampfeshymne der kaiserlichen Soldaten in der Kolonialzeit, wurde aber auch von den Rebellen und den westlichen Truppen aus Großbritannien und Frankreich instrumentalisiert. Vgl. Stefan Thome: Gott der Barbaren, Berlin 2018.

Weiterhin bekannt ist Gua Sha. Es handelt sich um eine Reiztherapie (Schabemassage). In ostasiatischen Ländern gab es früher in fast jedem Dorf eine oder mehrere Personen - meist Frauen - die Gua Sha bei verschiedenen Beschwerden einsetzten. Es geht um die Ausleitung von Giften. Vor allem der Rücken kann davon profitieren. Vgl. Arya Nielsen: Gua Sha - Eine traditionelle Technik für die heutige Praxis, Verlag Systemische Medizin, 2013.

Lernen nach eisernen Regeln: Auch "Entenstopfen" genannt. Wurde von Konfuzius gesammelt und formuliert. Stammt von den harten Sitten der Beamtenausbildung in China ab. Dazu gibt es auch passende Sprüche: "Er muss lernen, auf Feuerholz zu schlafen und Galle zu schmecken". "Stark sein heißt seine Grenzen kennen".

Haiers Managementmodell (CEO Zhang Ruimin): Haier hat sich von einem siechen Staatsunternehmen zu einem Global Player gewandelt. Das Management wurde dazu neu erfunden. Feste Hierarchien, lähmende Strukturen und Unternehmenssilos wurden zurückgelassen. Es entstand ein agiler Konzern im digitalen Zeitalter.

Dabei folgte man folgenden Grundsätzen: 1. Von unflexiblen Kolossen zu wendigen Mikrounternehmen (MU). 2. Von kleinen Verbesserungen zu ehrgeizigen Leitzielen. 3. Von internen Monopolen zu internen Ausschreibungen. 4. Von Top - Down -Steuerung zu freiwilliger Zusammenarbeit. 5. Von starren Grenzen zu offener Innovation. 6. Vom Status-quo-Denken zur Start - up - Fabrik.

Haier besteht aus Tausenden Mikrounternehmen (MUs), die zu Plattformen zusammengefasst sind. Die MUs sind für Nutzer. Zum Beispiel die Kühlschrankplattform: Xinchu (vernetzt), Zhisheng (junge Städter), Jinchu (mittleres Preismanagement), Leader (unteres Preismanagement). Overseas (Exportmärkte), Langdu (Premium). Damit verbunden sind Designknoten, Produktionsknoten, Unterstützungsknoten und Vertriebsknoten. Hinzu kommen ein Wertanpassungsmechanismus (WAM) und ein WAM - Jahresziel.  Vgl. Gary Hamel/ Michele Zanini: Das Ende der Bürokratie, in: HBM Januar 2019, S. 22ff.

Social Scoring: 2017 plant die KPC eine totale Überwachung: Mit einem gigantischen Punktesystem wollen wollen Chinas Kommunisten jeden einzelnen Bürger zu tugendhafter Folgsamkeit zwingen. Regierungskritiker werden bestraft. Man spricht von einem "Sozialkreditpunktesystem". Ein Versuch läuft bereits in der Verwaltungszone Xiongan nahe Peking (soll Peking in Zukunft entlasten). Zum Beispiel bringt allein leben in großer Wohnung  Minuspunkte. Familie in kleiner Wohnung gibt Pluspunkte. Wer mit einem großen Auto zur Arbeit fährt bekommt Minuspunkte. Das "Soziale Bonitätssystem" soll ab 2020 eingeführt werden. Gleichzeitig will man eine zentrale Datenbank errichten (Big Data). Derzeit gibt es wohl 40 unterschiedliche Experimente dazu, auch Apps. Es ist noch unklar, was am Ende rauskommt. Vgl. FAZ 22.11.2017, S. 15. Ideologisch könnte man argumentieren, dass der Maoismus wieder auf dem Vormarsch ist. 2019 kommt eine neue App. Mit ihr will die KPC ihre Bürger auf Linie bringen. Sie enthält Reden, Schriften und Ermahnungen des Parteichefs Xi Jinping. Wer den Text mindestens vier Minuten lang liest, bekommt einen Pluspunkt. Millionen Menschen haben die App bereits herunter geladen. Für KP-Mitglieder ist das sogar verpflichtend.

China schottet ab 2018 auch den Zugang zum Internet weiter ab. VPN-Tunnelzugänge werden verboten (verschlüsselte Punkt-zu-Punkt Kommunikation). Mit denen konnte eine Zensur bisher umgangen werden. Apple hat nachgegeben und überträgt sämtliche Cloud-Daten an einen lokalen Dienstleister (GCBI). VPN wird in China aus dem App-Store genommen. Amazon hatte schon 2017 seine Cloud-Daten an einen lokalen Dienstleister übertragen. Zugänge zu ausländischen Social Media werden weiter eingeschränkt: Facebook, Twitter, Google. Eine der berühmtesten Society - Bloggerin in China war Ma Ling. Sie schrieb über Gier, Sex und Neid. Im März 2019 wurden alle Accounts auf Anweisung der Regierung gelöscht. Zu Fall brachte sie ein Post übe reinen krebskranken Mann. An der Geschichte war zu viel erfunden und sie war zu negativ. Ma Ling hatte 200 Mio. Follower auf Weibo.

Xi Jinping hat mit der "Chinafantasie" aufgeräumt, dass wirtschaftliche Öffnung und wachsender Wohlstand automatisch eine politische Liberalisierung mit sich bringt. Er will beweisen, das eine Autokratie viel besser geeignet ist, ein Land wie China groß und mächtig zu machen. Er macht Schluss mit der Reform- und Öffnungspolitik von Deng Xiaoping. Vgl. Strittmatter:  Die Neuerfindung der Diktatur, München 2019, S. 10ff. "Chinas aufgeklärte Demokratie stellt den Westen in den Schatten", Nachrichtenagentur Xinhua, 17 Oktober 2017.

 

 Japan:

Meiji-Restauration: Eine Phase in der Geschichte Japans, die als Vorbild für den Aufstieg Asiens insgesamt gilt. 1868 (vor 150 Jahren) wurde der "Fünf-Artikel-Eid" unterzeichnet. Es handelt sich um ein Regierungsprogramm, das Japan den Anschluss an die übrige Welt ermöglichen sollte. Zum ersten Mal brach ein asiatisches Land ins Zeitalter des Fortschritts, der Technik und der Industrie auf. Bislang hatte nur Hierarchie und Tradition gegolten, ebenso Abschottung von der Welt; jetzt war die politische, geistige, gesellschaftliche und wirtschaftliche Öffnung angesagt. Sinn war aber auch die Bewahrung und Selbstbehauptung von Monarchie und Staat. Seht stark war in dieser Zeit der Einfluss des kaiserlichen Deutschlands. 1878 bekam die japanische Armee einen Generalstab nach preußischem Vorbild. Auch die japanische Verfassung ließ sich von Preußen inspirieren. Japan erhält so eine effiziente Verwaltung, zeitgemäßen Postdienst, öffentliches Schulwesen. Die Wehrpflicht wird eingeführt. Die Fundamente einer modernen Industrie werden gelegt.  Es war der Aufbruch in eine multipolare Welt. Japan ist bis heute Modell für den Aufstieg anderer Länder  in Asien. Deng Xiaoping folgte dem Rezept in China. Die Tiger-Staaten orientierten sich auch daran. Vgl. auch: Jan Ross, Als Japan preußisch wurde, in: Die Zeit, Nr. 9, 22.02.2018, S. 22.  In Tokio steht der Meiji - Schrein. Hier wird die Kaiserfamilie aus Sicht des Schintoismus verehrt. Die Seelen von Kaiser Meiji und seiner Frau Shoken werden als Gottheiten verehrt.

Lean Production: Schlanke Produktion wurde von dem Toyota Ingenieur Taiichi Ohno in den 50er Jahren entwickelt. Sie besteht aus den Komponenten Just-in-Time, Vereinfachung des Arbeitsvorgangs und der Arbeitsorganisation (Automatisierung, jidoka), Verbesserungsvorschläge und Total-Quality-Management (TQM). Die Fertigung steht im Zentrum des Unternehmens; wichtig ist auch die Zulieferer-Endhersteller-Beziehung. Der bekannteste "Guru" der Unternehmensführung von internationalem Format ist Kenichi Ohmae, geb. 1943. Seine vielen Bücher sind voller japanischer Beispiele zur Unternehmensführung. Zitat von ihm aus seinem Buch "Die neue Logik der Weltwirtschaft, Frankfurt 1994": "Die zentrale Aufgabe des Managements wird es in Zukunft sein, die Produktpalette am Interesse des Konsumenten auszurichten, der dann der wirkliche Souverän des globalen Marktgefüges ist". Bekannt ist auch der amerikanische Toyota-Spezialist Jeffrey K. Liker. Er ist Professor für Ingenieurwissenschaften an der Universität Michigan und hat acht Bestseller über Toyota geschrieben.

Toyota Way: Es gibt verschiedene Fundamente: Einmal "genchi genbutsu". Der Ausdruck kann übersetzt werden mit "gehe hin und siehe selbst". Führungspositionen widmen sich einem Problem aus erster Hand und lösen es effizient. Hinzu kommt "jidoka". "Automatisierung mit menschlicher Note". Es handelt sich um die Verbesserung der Produktion mit Einbau einer Fehlersicherung. Das dritte Element ist das "just-in-time-Prinzip". Es ist ein Produktionsprinzip, bei dem die richtigen Teile, die zur Montage benötigt werden, zur richtigen Zeit in der richtigen Menge am Fließband ankommen (der Lagerbestand ist Null).

Kaizen: Ständige Verbesserung und Änderung wurde von Massaki Imai entwickelt, ursprünglich in der Fertigungstechnik. Es beinhaltet ein konsequentes Innovationsmanagement, das in permanenter Produktverbesserung und Verbesserung aller betrieblichen Prozesse besteht (die Japaner besitzen eine besondere Fähigkeit darin, Fehler zu erkennen und zu korrigieren). Es ist eine Art Führungsphilosophie, die insbesondere Verschwendung verhindern und Lernprozesse fördern soll. Die Prozessorientiertheit ist ein besonderes Merkmal der japanischen Produktion. Verbunden damit ist das Ringi Seido - Prinzip, wonach lediglich der Anstoß von oben kommt und ein Umlaufverfahren entsteht (der große Vorteil liegt in der Durchsetzbarkeit). "Geht mit den Menschen um wie mit Holz: um eines wurmstichigen Stückchen willen, würdest Du nie den ganzen Stamm wegwerfen", Japanisches Sprichwort.

Geschäftswelt: Wie in ganz Asien ist das persönliche Netzwerk oft Voraussetzung für Geschäftserfolge. Auch informelle Informationsflüsse sollten genutzt werden. Visitenkarten sind Dokumente der Identität.  "honne"  (wahre Absicht) und "tatemae" (Fassade) prägen die Verhaltensmuster, ebenso das Vermeiden eines klaren Neins (iie). Die Übergänge zwischen Arbeitszeit, die recht lang ist,  und Freizeit sind oft fließend. Pünktlichkeit ist ungeschriebenes Gesetz: lieber fünf Minuten zu früh als zwei zu spät; sonst verliert der Wartende sein Gesicht. Dies ist wichtiger Ausdruck von Selbstbeherrschung und Selbstformung, die insgesamt prägend sind. In Japan herrscht auch eine sehr hohe Aufnahmefähigkeit gegenüber Wissen aus anderen Ländern (Wissensmanagement). Die Sitzordnung in Konferenzen ist sehr wichtig: der ranghöchste Platz heißt "Shimosa". Die Kulturstandards "Gesicht wahren", "Etikette", "Geduld" (geduldiges Warten) und "indirekte Gespräche" werden auch im Geschäftsleben gewahrt.  Das älteste japanische Unternehmen und auch älteste Familienunternehmen der Welt ist "Kongo Gumi", gegründet 578, Baugewerbe.

Loyalität und Old-Boys-Netzwerke: Fast alle konzerne Japans werden von Männern geleitet. Sie sind oft gleich alt und haben seit der Uni im gleichen unternehmen gearbeitet. Darüber hinaus sind sie mit den Ministerien "verbandelt". Sharp, Toshiba und Takata sind für die Schwachstellen dieser Strukturen.

Amakudari ("Vom Himmel herab steigen"): Ständiger Wechsel zwischen Positionen in der Politik und der Wirtschaft, hier von der Politik in die Wirtschaft. Man spricht auch vom "Eisernen Dreieck" zwischen Politik, Firmen und dem Miti (Meti). Dadurch ist die Kooperation zwischen Bürokratie und Unternehmen sichergestellt. Die Transparenz ist gewahrt, was ein Vorteil gegenüber dem Lobbyismus bei uns ist. 

Nemawashi: der japanische Ausdruck für das allgegenwärtige Streben nach Konsens und Harmonie gilt als einer der Hauptgründe für den wirtschaftlichen Aufstieg nach dem 2. Weltkrieg. Dieses System verlangt sehr viel Kommunikation und ist extrem zeitintensiv. Shitsurei - Entschuldigen Sie. Das Senioritätsprinzip wird traditionell immer noch hoch geschätzt, wenn es auch in großen internationalen Unternehmen im Abbau begriffen ist Es geht wie Gruppengeist und Loyalität unter anderem auf die Samurai zurück, die auch die Gründer einiger  erfolgreicher Firmen waren (z. B. Honda, Mitsubishi). "Der Gewalt auszuweichen ist Stärke", Laotse. 2017 muss sich in einer japanischen Schule in Japan eine Schülerin die Haare ganz schwarz färben. die Schulleitung beruft sich auf die geltende Regel der Uniformität. Die Eltern der Schülerin gehen vor Gericht.

Arbeitsbeziehungen: geprägt durch Gewerkschaften mit betrieblicher Tarifpolitik, Trennung von Stamm- und Randbelegschaft und Teamorientierung. Arbeiter werden eher ganzheitlich eingesetzt (Generalisten). Es besteht eine starke Verbundenheit zum Unternehmen. In hierarchischen Organisationen ist die konfuzianische Ethik maßgebend: Gefolgstreue gegenüber dem Herrn und Übertragung des Vater-Sohn-Verhältnisses.

Langfristiges Denken und Planen: aus der Sicht, dass zuerst die Mitarbeiter, dann die Aktionäre kommen. Unterschied zu USA und EU. Alle Geschäftsbeziehungen werden langfristig angelegt. Verbunden oft mit "Amöbenmanagement": von Kazuo Inamori, dem Gründer von Kyocera, entwickelte Unternehmensphilosophie, in der alle Unternehmensteile eigenverantwortlich arbeiten müssen. "Der schreitet rasch vorwärts, dem es leicht ist ums Herz", aus Japan.

Kanban: Von Japanisch "kan" Signal und "ban" Karte. Methode des Projektmanagements. Dabei werden Projekte in Teilschritte zerlegt und an eine weiße Tafel (Whiteboard) gekritzelt. Es gibt eine Tabelle mit Rubriken wie "in Arbeit" oder "erledigt". Die einzelnen Aufgaben werden den Kollegen zugeordnet.

Das Entscheidungsverhalten in japanischen Unternehmen wird von Wertvorstellungen, Familienkonzept, Gruppenideologie und Harmonie beeinflusst (Rothlauf: Interkulturelles Management, München/ Wien 2006, 397). Entscheidungsprozesse sind durch Kyodotai geprägt, d. h. eine organische Zusammenarbeit einer Gemeinschaft bei gegenseitiger verständnisvoller  und freundschaftlicher Unterstützung. Sie beruht auch auf einer enorm hohen Kooperationsfähigkeit. Diese zeigt sich auch bei den erfolgreichen Industrieclustern (vor allem in der Automobilindustrie). Die effizienten Netzwerke von Produktionsfirmen und Zulieferbetrieben können helfen, Produktionsverlagerungen und Outsourcing abzumildern. Sehr erfolgreich ist auch die Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft. "Still sitzend, nichts tuend, kommt der Frühling und das Gras wächst von allein", Zen-Weisheit. "Die japanische Unternehmenswelt ist wie ein pervertierter Golfklub. Es herrscht absolute Loyalität zum Unternehmen", Michael Woodford, Ex-Chef von Olympus (2011/12 Bilanzfälschungen).

Keiretsu: eine Finanzgruppe hat eine Mehrheitsbeteiligung an einer Reihe von Unternehmen. Gruppen von Unternehmen werden auch durch wechselseitige Beteiligungen verbunden. Die Beteiligung kleiner Investoren ist weiter verbreitet als in Deutschland.

Zaibatsu: Historisch häufig von ehemaligen Samurai gegründet. Sie stellten häufig Monopole dar. Deshalb wurden sie nach dem 2.Weltkrieg von der Siegermacht USA zerschlagen. Daneben gab es Dozuku - kleine Familienunternehmen.

Ischiban-Prinzip: Strategische Familie. Die Unternehmung  sollte nicht nur der kostengünstigste, sondern vor allem der beste Partner für die Zielkunden sein. Das kann am besten im zusammenwirken mehrerer Unternehmen erreicht werden. Man unterscheidet Normennetzwerke ("shared beliefs"), Informationsnetzwerke sowie horizontale und vertikale Netzwerke.

Karoshi-Syndrom: Tod durch Überarbeitung. Schon 10.000 Menschen sollen in Japan an diesem Syndrom oder Selbstmord aufgrund von Überarbeitung (Karojitsatu) gestorben sein. Auslöser sind die unbezahlten Überstunden, die in keiner Statistik auftauchen.

Hikikomori: Vollständige Abkapselung junger Menschen, weil sie an den Anforderungen des Lebens zerbrechen. Der Kontakt mit der Außenwelt und anderen Menschen wird gemieden. Das eigene Zimmer wird kaum verlassen. Hauptbeschäftigung bietet der Computer. Es handelt sich um ein spezielles Krankheitsbild. Der Begriff  geht auf den Psychologen Tamaki Saito zurück.

Nationalstolz: die großen japanischen Unternehmen werden in der Regel von Japanern geführt. Ein Ausländer als Chef wird als absurd gesehen (keine Ahnung von Kultur und Tradition). Es gab bisher wenige Ausnahmen, die aber alle Probleme bekamen: Der Franzose Weber bei Takeda; der Brite Woodford bei Olympia; der Amerikaner Stringer bei Sony; der Brasilianer Ghosn bei Nissan. Dahinter steckt auch sehr viel Neid, weil die Ausländer wesentlich mehr verdienen.

Nadeshiko: traditionelles Frauenideal, also eine geduldige, dienende, charmante Dame. Kaum ein anderes Industrieland hängt noch so an dem traditionellen Frauenideal in Wirtschaft und Politik und diskriminiert deshalb oft Frauen. Der Rollenwandel der Frau kommt in Japan nur schleichend voran, weshalb viele junge Frauen als Single in den Großstätten leben.

Kyodo: Aus kyo (Bogen) und do (Weg). Traditionelle Form des japanischen Bogenschießens. Sie entwickelte sich aus der Kriegskunst der Samurai. Kyodo schult Konzentration und innere Ruhe. Es wirkt sich positiv auf den ganzen Körper aus und hilft bei der Persönlichkeitsentwicklung. Kyodo sei hier exemplarisch für viele Sportarten aus Japan erwähnt (Karate, Judo, Jiu Jitsu), die sich den gleichen Zielen verschrieben haben und die man auf Management-Schulung übertragen kann und die es auch werden.

Ninja (deutsch: Verborgener): Hinterlistige Kampfkunst im Gegensatz zu der der Samurai. Die Krieger wurden auch Bushi genannt (Bushido wurde aber erst im 19 Jhrd. schriftlich fixiert). Wird auf Management-Techniken heute übertragen. Wird verbunden mit Unterwanderung, List, Täuschung, Schauspielerei, Spionage (die Techniken nennt man Ninjutsu; 8 Fächer der Ninja). Drei Tugenden sind z. B. keine Furcht, kein Zweifel, kein Zögern. Die Ninja entwickelten schon eine strenge Diät mit einer kompakten Energiekost. Sie sollen ihre Techniken von den Yamaguchi-Mönchen (heute als Syndikat bekannt) übernommen haben. Am berühmtesten waren die Ninjas in der Provinz Iga. Sie führten viele Jahre erfolgreich Krieg gegen eine Übermacht unter der Führung von Novokatsu (Iga-Kriege von 1578 - 1581; schließlich verloren die Ninjas doch). Ninja wird heute überwiegend mit Partisanenkunst und Guerilla gleichgesetzt und auf gleichnamige Techniken im Management übertragen (z. B. Guerilla-Marketing).

Aikido: Kampfkunst. Sie beginnt mit einer Sitzmeditation (Sazen, 40 Minuten sitzen und ruhig atmen). Es kommt auf die drei Elemente "Harmonie, Energie und Weg" an. Es geht um Persönlichkeitsschulung: Klarheit, Respekt, Stärke, Geduld, Ruhe. Kern ist das Akzeptieren.

Technische Analyse von Finanzmärkten (Aktienmarkt): Hier haben sich zum Teil japanische Fachbegriffe festgesetzt. Marubozu: Candlestick-Formation ohne jeden Schatten, d.h. klare Aussage zum Trend des Tages. Doji: kein oder fast kein Körper, sondern nur Schatten. Harami (japanisch schwanger): Candlestick mit erst einem langen Körper und dann einer mit kurzem Körper.

Zentai-Szene: Ganzkörperanzüge. Darin fühlen sich die Zentais frei - und ganz bei sich. Die Träger wollen sich damit nicht nur kostümieren, sondern zu sich selbst finden. Sie wollen alles auslöschen, was sie äußerlich erkennbar macht. Es ist eine "Art umkehrter Exhibisionismus" (Ikudo Daibo, Psychologe, Uni Tokio). Es ist auch eine neue Art der Kommunikation.

Shibari-Bondage: Erotische Fesselung, die sich über die ganze Welt ausgebreitet hat. Es gibt Lehrer dafür.

Zen-Kunst und -Meditation: Häufig in einem Zen-Tempel ausgeübt. Sie öffnet das Herz. Alle Menschen sollen verbunden sein. Körper, Atmung und Geist sollen in Einklang gebracht werden. Alles ist Ritual. Auch das Essen ist genau durchkonstruiert. Wichtig ist die Sitzmeditation: Schläge werden zur Entspannung durchgeführt. Es geht um das Zentrum des Körpers die "Zen-Power" (innere Kraft des Körpers). Heute redet man oft von Achtsamkeit (Mindfulness).

Singles: Noch nie gab es so viele Singles in Japan wie heute (2017). Das Alleinsein ist ein Massenphänomen. Darunter sind viele Frauen, die die klassische Rollenverteilung in der Ehe ablehnen (sie ziehen insbesondere in die Anonymität der Großstädte). Hier lieht auch einer der wichtigsten Grüne für die niedrige Geburtenrate. Dadurch ist auch die Prostitution als Geschäft expandiert. Sicherer Job und sicheres Einkommen sind für die Chancen der Männer wichtig. Nur der Arbeitsmarkt hat sich dramatisch verändert und ermöglicht das immer weniger. Es gibt in den Städten viele Singles - Bars. Ein Manager bringt Paare zusammen, die sich 25 Minuten unterhalten. Es fehlen die Gelegenheiten im Alltag zum Kennenlernen.

Kamen Joshi: Maskenmädchen. Es sind Mädchen von 9 bis 30 Jahren. Sie haben verschiedene Funktionen: Marketing, Models für Werbung, Dienstmädchen, Callgirls, Animation auf Partys u. a. Bis 20 Jahre wird kein Lohn gezahlt, Frei ist Kost und Logie.

Sekkusu shinai shokogun: Sexlose Gesellschaft. Lustlosigkeit als Preis des Wohlstandes. Schlechte Ernährung, zu wenig Bewegung, nicht frei im Kopf und zu viel Arbeit reduzieren den Sex drastisch.

Onzen: Bäder und heiße Quellen in Japan. Das Land hat eine große Badekultur. Männer und Frauen baden getrennt. Tatoos sind verboten (Zeichen der Mafia). Es geht um richtiges Waschen. Die Kultur wurde vom Shintoismus stark beeinflusst. Die Kultur stand einer Energiewende im Wege, die auf  heiße Quellen setzen wollte.

Gebäude: Auf dem Lande gibt es viele Gebäude aus Holz. Sie werden zusammen gebunden. Es wird viel Bambus verwendet. Aus Holz sind auch die Sabani (vor allem auf Ichi Gaki). Dabei handelt es sich um Holzbote. Einmalig sind auch die Kapselhotels. Man schläft in Fächern.

Ess- und Trinkkultur: Schlürfen ist erlaubt, um besser zu schmecken. In der Stamm-Bar lässt man die eigene Flasche stehen und benutzt sie eine zeitlang. Einladungen zu Freunden nach Hause sind selten. Arbeiten und Schlafen in der Firma dagegen häufig. Auf Reisen kauft man sich vorher eine Essens-Box. Essen sollte man im Kreis (süß, salzig, sauer). Es gilt die Regel "Hari hachi bu" (nur 80% dessen, was man essen könnte). Karaoke gehört zum ausgehen und ist sehr beliebt. 

Lebensmittel und Wertschätzung: Obst wird 2017 in Japan zum Luxusgeschäft. Die Japaner lieben das heimische Obst. Manche Früchte erreichen Luxuspreise (Beispiel: eine Erdbeere umgerechnet 8 Euro; eine Melone kann 220 Euro kosten). Obst wird Geschäftspartnern und Freunden als ein Zeichen der Wertschätzung überreicht. Auch die Preise für Thunfisch steigen rapide. Die Waren werden zum Teil in Luxusgeschäften in Tokio angeboten. Es gibt immer mehr Bio-Höfe in Japan. Vor allem auf den kleineren Inselgruppen, wie etwa auf Okinawa. Sehr kompliziert ist die Herstellung der Udon - Nudeln. Man muss lange dafür lernen. Man arbeitet mit Händen und Füßen. Bei Bio-Lebensmitteln gibt es Kooperationen mit der Schweiz.

Okinawa war mal ein eigenständiges Königreich. Es hat seine Identität verloren und muss noch die US-Basis erdulden. Dagegen gibt es ständig Proteste. Auf der Insel gibt es das Dorf der 100-Jährigen. Fitness, gesunde Ernährung (Goja, Wildkräuter) und soziale Beziehungen sind wohl das Geheimnis. Aber auch das Gesundheitssystem in Japan ist sehr gut.

Shazai Kaiken: In den letzten Jahren (von 2018 einige Jahre zurück) erschüttern Skandale von Firmen die Wirtschaft. Betroffen sind Nissan (falsche Abnahme), Subaru, Kobe Steel, Toray (Fälschung von Produktdaten). Japan ist wie Deutschland eine alternde Volkswirtschaft. Die Firmen bekennen Reue, bitten um Verzeihung und geloben Besserung. Das Ritual heißt "Shazai Kaiken" (Entschuldigungspressekonferenz).

Noh-Kunst: Noh sind Holzmasken. Sie werden in langer Arbeit (100 Stunden) geschnitzt und Hunderte Jahre benutzt. Die Schnitzer lernen 15 Jahre ihr Handwerk. Die Schnitzkunst und die Theaterkunst der Noh ist Jahrhunderte alt. Das Theater ist streng formalisiert. Jede Bewegung ist festgelegt. Es gibt keine Mimik, sondern Ausdruck aus dem tiefen Inneren. Das Rollenspiel hat höchste Tradition und verrät viel über die japanische Kultur.

Kirschblüte: Eins der wichtigsten Symbole in Japan. Steht für Frühling und den Anfang des Lebens. Sie dauert ca. eine Woche. Das Schuljahr fängt an und hört auf.

Ichi Han: Autonom agieren. Abschottung. Die Meinung nicht sagen, um von anderen nicht abgelehnt zu werden. Streben nach Konsens. Hinzu kommt die Angst, das Gesicht zu verlieren. Deshalb ist auch die Kriminalität relativ niedrig.

Integration von Robotern: Nirgendwo sonst sind Roboter so eng in das Leben der Menschen integriert. Es gibt sogar Begräbnisse. Im buddhistischen Tempel Kofukuji können Roboter-Hunde vom Typ "Aibo" ihre Seele aushauchen. Das kommt häufiger vor, weil der Hersteller Sony den Reparaturdienst eingestellt hat. Die Seele soll möglichst lange bei den langjährigen Besitzern bleiben.

Videospiele: Sie haben in Japan eine besonders große kulturelle Bedeutung. Als wichtigste Marke in der Geschichte der Videospiele gilt "Super Mario". Er wurde von Shigeru Miyamoto erfunden. Er sit nach einem wütenden Vermieter benannt, der bei der Firma sein Geld eintreibt. Miyamoto hat eine Reihe von Spielen erfunden. Den Stoff für seine Spiele zeiht er aus King Kong, Alice im Wunderland oder den Walt-Disney-Filmen. Er ist nur in den Markt gekommen, weil sein Vater ein Freund des Nintendo-Bosses ist. Heute ist er so wichtig, dass sein Wohl mit dem Kurs der Aktie verbunden ist.

Shukatsu: Vorbereitung auf die letzten Dinge. Das Geschäft mit dem Tod ist eine der letzten Wachstumsbranchen in Japan. Es ist ein Symbol für den demographischen Wandel. Schon relativ junge Menschen beschäftigen sich damit. Andererseits stehen Häuser leer, Ladenzeilen schließen, Handwerker geben auf. in keinem anderen Land der Welt sind diese Spuren so drastisch zu sehen.

Ume no miya: Eine Tochter des Kaisers in Japan. Sie verlies ihren Mann nach wenigen Jahren. Das als einzige Frau in der Edo-Zeit (265 Jahre). Sie soll sechs Jahre beim Rinzai - Mönch Isshi Bunshu studiert haben. 1640 legte sie ihr Kleid ab und wurde Nonne. Sie sorgte für Reformen von ganz oben. Sie erinnerte die Mönche daran, dass der Buddhismus auch eine Religion für Frauen war. Sie sorgte auch für weibliche Klöster. Sie gilt in Japan als erste Vorkämpferin für die Rechte der Frauen.

"Kuki wo Yomu": Einfühlungsvermögen, auf andere einzugehen. Kollektive Anpassungsbereitschaft. "Die Luft lesen": Intuitiv erfassen, was die Umgebung gerade denkt und will. Diese Eigenschaft gilt als die größte Stärke der japanischen Bevölkerung und Kultur. Als zweite wichtige kollektive psychologische Fähigkeit gilt die schnelle Rückkehr zum Alltag nach Katastrophen.

Zeitrechnung:  Mit dem Kaiserwechsel 2019 endet die seit 1989 dauernde Regentschaft unter dem Namen Heisei (Frieden überall). Obwohl 1873 formal der gregorianische Kalander eingeführt wurde, rechnen die meisten Japaner und die Behörden in Kaiserepochen. 2018 befindet sich Japan im Jahr 30 der Heisei-Ära. 2019 ist nach dem Mondkalender (Horoskop) auch das Jahr des Wildschweins in Japan.

Auch in Japan gibt es eine Lehre, die den Fluss der Lebensenergie harmonisiert. Sie heißt Jin Shin Jyutsu und bedeutet die "Kunst des Schöpfers durch den mitfühlenden Menschen". Der Japaner Jiro Murai (1886 geboren) erfuhr vor über 100 Jahren in schwerer Krankheit die Heilkraft ritueller Handlungen (Mudras), die er Buddha-Statuen abgeschaut hatte. Im Alter von 26 Jahren durchschritt er eine schwere Krankheit.  Danach entdeckte er im japanischen Weisheitsbuch "Kojiki" aus dem 8. Jahrhundert ein lange im Verborgenen gehütetes Wissen und den feinstofflichen und physischen Körper des Menschen. Daraus machte Murai sein System der Selbstheilung. Es geht darum, dass in unserer Körpermitte ein vertikaler Hauptzentralstrom fließt, der sich in zwei so genannte Betreuerströme aufteilt. Zentralstrom, Betreuerströme und Vermittlerströme werden "Dreieinigkeitsströme" genannt. Man spricht auch von Japanischem Heilströmen oder der Kunst der "mühelosen Wirklichkeit". Der innere Arzt soll aktiviert werden. Disharmonien im Energiefluss von Körper, Geist und Seele sollen ausgeglichen werden. Dazu gibt es 26 Energiepunkte im Körper.   Shiatsu wurde auch in Japan entwickelt. Es knüpft an die TCM an. Es soll Verspannungen , Stress bekämpfen.

Eine weitere Form des Heilens, die in Japan im späten 19. Jahrhundert entwickelt wurde (Begründer Dr. Usui), ist Reiki. Reiki funktioniert mittels Energieübertragung durch die Hände. Reiki nutzt die universelle Lebensenergie Ki zur Steigerung des Wohlbefindens. Die Techniken sind leicht zu erlernen und jedem zugänglich. Der Reiki - Praktiker nimmt die Lebensenergie um sich herum auf und wird zu einem Medium der Heilung. Reiki kann auch als Netzwerk der Liebe verstanden werden, das auf der Lebensenergie gründet. Man unterscheidet Haras (untere, mittlere, obere). Es gibt auch Reiki - Lehrer mit Reiki - Graden. Bestandteil sind Lebensregeln.  Vgl. Charlish, Anne/ Robertshaw, Angela: Reiki, Librero 2017.

 

"Niemand hat Japan jemals beschuldigt, es einem leicht zu machen, Japan zu verstehen", Winston Churchill.

 

        Unternehmen/ Direktinvestitionen:

"Dass Keime nicht zu Blüten werden, ach, dass kommt vor. Dass Blüten nicht zu Früchten werden, ach, dass kommt vor", Konfuzius.

"Wenn man ein Fenster öffnet, dann kommt nicht nur frische Luft hinein, sondern auch Fliegen", Deng Xiaoping.

China:                                (direkt zu Unternehmen, Japan bzw. zu Direktinvestitionen)

Produktpiraterie: Für ausländische Firmen, insbesondere den deutschen Maschinenbau, ist die Produktpiraterie ("Produktpiraterie wird zum größten Verbrechen im 21. Jahrhundert", M. L. Cattaui, Ex-Generalsekretärin der internationalen Handelskammer) besonders bedrohlich. Bei ca. 47% der in Deutschland beschlagnahmten Waren ist das Herkunftsland China (Kosten ca. 30Mrd. €). In der chinesischen Kultur und Geschichte gibt es eine Reihe von Gründen, die die Produktpiraterie fördern: Einmal ist es die kollektivistische Kultur verbunden mit dem Konfuzianismus. Im Konfuzianismus ist perfekte Nachahmung ein sehr positiver Wert. Der Marxismus und seine praktische Ausprägung Kommunismus  haben das Volkseigentum in den Mittelpunkt gestellt. also gehören Patente auch allen. China hatte seit dem 18. Jahrhundert den technologischen Anschluss verpasst. Es entstand aus diesem Mangel eine Selbst-Stärkungsbewegung, die die Nachahmung westlicher Güter legitimierte. Aufbauend auf dieser Bewegung entstand ein neuer Nationalismus, der für das Wohl des eigenen Landes fast alles genehmigt. Das chinesische Rechtssystem ist in weiten Teilen zwar übernommen (etwa vom deutschen BGB und HGB), aber die Rechtsprechung folgt diesen Gesetzen nicht. In China wird im Volksmund von Waren gesprochen, die von Lieferfahrzeugen heruntergefallen sind. Für die WM 2014 in Brasilien wird ein Großteil der weltweit verkauften Sportartikel und Fan-Waren in China produziert. Gleichzeitig kommt auch ein Großteil der gefälschten Waren aus China.

Mit 50 Beschwerdeagenturen und der Ansiedlung des Problems  bei der Vizepremierministerin versucht die Regierung, eine Lösung zu erreichen. Bislang liegt die Umsetzung in den Provinzbehörden, die aber ein noch größeres Interesse daran haben, dass die Fabriken der Region möglichst erfolgreich produzieren (nach dem Motto: "Peking ist weit und die Berge sind hoch"). Innerhalb des Jahres 2005 wurden in China 2600 Produktpiraten festgenommen, der Umgang mit dem geistigen Eigentum macht insbesondere den ausländischen KMU Problemen. MAN verklagt die chinesische Firma Zongda wegen Kopie eines Busses; der  Prozess gilt als Richtung weisend. Mittlerweile gibt es einen internationalen Kongress gegen die Verletzung von Patent- und Markenrechten (am 31.01.07  3.Treffen in Genf). Im Jahre 2007 ziehen die USA China wegen mangelnden Schutzes geistigen Eigentums vor die WTO. In China selbst sind ca. 80% der gerichtlichen Auseinandersetzungen, in denen es um Produktpiraterie geht, einheimische Fälle. In Deutschland gilt ab 01. 09. 08 ein neues Gesetz, das neue Möglichkeiten bei der Beweisbeschaffung und Beweissicherung bietet (Auskunftsansprüche). Die optimale Strategie zur Sicherung von Wissen hängt vom technischen Niveau des Gastlandes ab. In entwickelten Staaten greift der Patentschutz, in Schwellenländern ist Geheimhaltung besser. Manche Fälle der Nachahmung tragen auch eher zur Belustigung bei: zum Beispiel die Rolls Royce-Kopie von Geely. Man könnte sie als ironische Provokation betrachten. Nach einer EU-Zollstatistik kommen 2010  67% aller Fälschungen aus China. Es gibt eine steigende Tendenz, vor allem in der Automobil-, Telekom- und Gesundheitsbranche. Weitere betroffene Branchen sind vor allem Parfüm, Hausgeräte, Busse, Medikamente. Es gibt auch viele Auseinandersetzungen innerhalb von Joint-Venture. So etwa zwischen VW und FAW (wird 2012 beigelegt). Immer häufiger sind mittelständische Unternehmen betroffen. Deutsche Maschinenbauer verlieren Milliarden, weil sie gegenüber Fälschern zu arglos sind (viele Fälscherwerkstätten liegen versteckt in unterirdischen Fabriken). Nachgemacht werden Komponenten, Design, komplette Maschinen, Ersatzteile, Kataloge, Verpackungen..  Das Nachahmung ein hohes Kulturgut ist, zeigt sich an vielem Beispielen: österreichische Dorfarchitektur aus dem Salzkammergut, Frankreichs Eifelturm und die Sphinx aus Ägypten sind schon perfekt nachgebaut worden.

2011 ist eine Trendwende bei der chinesischen Rechtsprechung zu beobachten. Immer öfter werden auch einheimische Marktverletzer verurteilt. Als Vorbild gilt der Beijing First Intermediate People´s Court, der 2011 chinesische Unternehmen wegen der Verletzung von Marken- und Patentrechten verurteilte. Als Ursache für die Verbesserung wird die Einrichtung spezieller Kammern gesehen. In der Vergangenheit war die Rechtsprechung zugunsten einheimischer Unternehmen vor chinesischen Gerichten. Die Gerichtskosten sind relativ niedrig in China. In den westlichen Provinzen ist eine Durchsetzung von Rechtspositionen nach wie vor schwierig (Fünfjahrespläne). Dies gilt aber sogar auch für viele Staaten der USA. Beim Besuch der Bundeskanzlerin im August 2012 spricht die Wirtschaftsdelegation Probleme mit Chinas Bürokratie und Hindernisse bei der Produkteinführung an. Das Markenamt in Peking schützt auch immer mehr imitierte Warenzeichen (z. B. Armani Polo, Lu-Gucci, Prada-Kny). 2013 wird sogar ein Copyright-Gericht eingeführt. China will Firmen gegen den Ideenklau helfen (auch für internationale Unternehmen). Die Qualität des Standorts soll verbessert werden. 2015 wird eine komplette Kopie einer DM-Filiale in China entdeckt. Nach einer Veröffentlichung in der Inlands- und Auslandspresse geben die Fälscher auf.

Schutz von Geheimnissen im Unternehmen bieten mittlerweile einige Gesetze: Die Rahmenbedingungen sind bei TRIPS im WTO-Beitrittsvertrag geregelt. Danach sind Unternehmensgeheimnisse wie folgt definiert: nicht allgemein, Marktwert, Geheimhaltungsmaßnahmen. Bei der Verfolgung können verschiedene Gesetze Anwendung finden. Das Patentrecht (§65), das Strafrecht (§ 219 Geheimnisverrat), das Arbeitsrecht (Geheimhaltungspflicht und vertragliche Wettbewerbsverbote). In der Zeit der "Neuen Normalität" bekommt das geistige Eigentum mehr Gewicht. Der Kampf um Innovationen wird aber härter (mehr Wettbewerb bei geringerem Wachstum).

Der Fall Peter Schöffel: Ein halbes Unternehmerleben streitet er in China um das Recht, Skijacken unter seinem Namen zu verkaufen. Eine Briefkastenfirma und ein Privatmann wollten in China Schöffels Markenrechte beanspruchen. Das ist ein gängiges Geschäftsmodell in China. Auch mir wurde für meine Plattform immer wieder angeboten, für meinen Namen in China zu zahlen. Schöffel kämpft 15 Jahre um sein geistiges Eigentum. Ein Label in China anzumelden kostet etwa 40 €. Schöffel hat sich beim Intellectual Property Court durchgesetzt. Die erste Schöffel-Jacke des Outdoor - Produzenten kann 2020 verkauft werden.

Die EU (Technologie-Kommissar Antonio Tajani) erwägt mittlerweile 2010 eine Genehmigungsbehörde für sensible Firmenverkäufe, wie sie die USA bereits hat. Sie soll den Abfluss von Spitzentechnologien an China verhindern. Besonders gefährlich für europäische Unternehmen ist die Regelung, dass sie ihre Technologie offen legen müssen, wenn sie in China an Staatsaufträge kommen wollen. 2011 schließen acht Länder ein Abkommen gegen Produktpiraterie: USA, Japan, Australien, Kanada, Neuseeland, Marokko, Südkorea, Singapur. Die EU, Mexiko und Schweiz wollen später beitreten. Die Obergrenze für US-Beteiligungen an Gemeinschaftsunternehmen in China soll von 33 auf 49 Prozent angehoben werden.  "Sie sind als Hersteller erst richtig gut, wenn ihre Produkte gefälscht werden", Kim-Eva Wempe, Chefin der Juwelier-Kette Wempe.

Immer mehr chinesische Unternehmen haben Direktinvestitionen in Deutschland. Bekannte Beispiele sind Rossmann (40%), Esprit, Goldpfeil und Junghans (Schweiz). Zunehmende Bedeutung haben auch Direktinvestitionen in Logistik (z. B. Hafen von Piräus, Griechenland). Dies gilt natürlich auch umgekehrt für deutsche Logistik-Firmen in China (Duisport packing logistics, Deutsche Post u. a.). Ende 2011 fallen die ausländischen Direktinvestitionen in China um über 9% (das erste Minus seit 2009). Ende April 2014 reist der deutsche Wirtschaftsminister mit 49 Unternehmensvertretern nach China.  Zentrales Thema ist die Gleichberechtigung für deutsche Firmen in China und mehr Fairness (so der Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA) Lienard (Voith AG). 2014 verschärft China weiter den Kampf gegen Korruption (vor allem gegen die Zahlung von Schmiergeldern). Im Juli 2014 begleiten deutsche Wirtschaftsvertreter Kanzlerin Merkel bei ihrem Chinabesuch (Dax-Vorstände und BDI-Chef Grillo). Sie bilden einen Deutsch-Chinesischen Beratenden Wirtschaftsausschuss. Sie fordern die Bundesregierung auf, in Deutschland "eine positive Vorstellung von China" und ein "faires und akurates Bild" zu verbreiten. Sie wünschen sich damit eine Imagekampagne für China. Im Oktober 2014 auf dem vierten Plenum der KPC ging es wieder um die Stärkung des Rechtsstaates. Eine wichtige Frage ist, wer überhaupt Richter werden kann (bisher viele ehemalige Soldaten, die schlecht qualifiziert sind). Richter sollen auch unabhängiger von lokalen Kadern werden. Sie sollen mehr der Zentralregierung folgen. Beim vierten Treffen der Regierungsspitzen im Juni 2016 in Peking geht es um die Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft. Deutschland verlangt, auch Mehrheitsbeteiligungen deutscher Unternehmen in China zu ermöglichen.

Chinas Staatsfonds CIC will mehr Geld in Deutschland investieren (2020 18 Billionen US-Dollar im Ausland). Die geringe Anzahl an Aktiengesellschaften erschwert die Käufe. Ein langfristiger Anlagehorizont dominiert die Entscheidungen. Neuerdings ab 2015 besteht besonderes Interesse an Firmen von Industrie 4.0. Direkte Kontrolle wird in der Regel nicht angestrebt. Die größten chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland sind folgende: Shandong Heavy bei Kion 704 Mio. € 2012; SAFE bei Munich Re 556 Mio.€ 2011; AVIC bei Hilite 527 Mio. € 2014; SAFE bei Siemens 518 Mio. € 2014; Lenovo bei Medion 517 Mio. € 2011; Hanergy bei Solibro 386 Mio. € 2012; Sany Heavy bei Putzmeister 363 Mio. € 2012; Wuhan Iron and Steel bei Thyssen-Krupp 340 Mio. € 2012; CITIC bei KSM Castings 324 Mio. € 2011; CSR bei ZF Friedrichshafen 290 Mio. € 2013 (Quelle: American Enterprise Institute). Deutschland ist der beliebteste Standort in Europa vor Großbritannien, gefolgt von Frankreich. 2016 übernimmt Midea die Aktienmehrheit bei Kuka, Augsburg (Fertigungsroboter; 4,5 Mrd. €). Chinas größter Wasserkonzern China Three Gorges übernimmt 2016 den deutschen Nordsee-Windpark Meerwind 23 Kilometer nördlich von Helgoland. 2016 soll Aixtron, ein deutscher Chip-Hersteller, übernommen werden. Die USA legen ein Veto ein, weil die Firma ein Tochterunternehmen in den USA hat (militärische Sicherheitstechnik). Ende 2016 scheint die chinesische Regierung die Einkaufstour der heimischen Unternehmen zu stoppen. Große Auslandsinvestitionen sollen erst mal verboten werden. 2017 gibt es dennoch Übernahmen: Ledvance (Leuchten), Hauck & Aufhäuser (Bankhaus Frankfurt von Fosun), Kraus Maffei (Rüstung, Maschinenbau). Trotzdem legen chinesische Investoren 2017 13,7 Mrd. Dollar (11,1 Mrd. €) in deutschen Firmen an, so viel wie noch nie vorher. Die Anzahl der Firmenübernahmen ging aber zurück (54 gegenüber 2016 68). Einflussfaktor: chinesische Aufsichtsbehörden, deshalb die meisten Investitionen aus Hongkong.

Chemische Industrie: Das Umsatzplus der BASF in China 2007 beträgt gut 10%. Ende September 2005 nahm die BASF (seit 120 Jahren in China) ihren Verbundstandort Nanjing in Betrieb, er soll erweitert werden (in den nächsten Jahren sollen 577 Mio. € zusammen mit Sinopec investiert werden; Steamcracker). 2009 wird der Standort zusammen mit Sinipec mit 1,4 Mrd. $ wieder erweitert. Die BASF baut zusammen mit Huntsman und drei chinesischen Unternehmen eine zweite Anlage  zur Produktion von MDI (Kunststoff-Vorprodukt, bis 2010, 1. Anlage am 10.08.06 eingeweiht). In Shanghai entsteht eine neue Produktionsanlage der BASF für hochreine Chemikalien. Die BASF kauft Ende 2006 ein Werk für Motorrad-Katalysatoren im südchinesischen Guilin. Die BASF erweitert ihre Katalysatoranlagen in China (Shanghai, Marktführer in Asien). Sie kauft ebenfalls den chinesischen Betonzusatzmittel-Hersteller Hi Con. In der westchinesischen Provinz Chongqing am Drei-Schluchten-Damm plant die BASF eine Großinvestition mit einer Kunststofffabrik. 2011 kommt die Genehmigung zum Bau der Großanlage (300 Arbeitsplätze, 860 Mio. €). Im März 2007 legt die BASF eine Anlage zur Produktion elastischer Fasern im Chemiepark Caojing bei Shanghai still, für die im Oktober 07 die Betriebsbereitschaft wiederhergestellt wird. 09. 2009 wird über eine Beteiligung chinesischer Firmen (Petrochina, CIC) an der BASF spekuliert. Bis 2020 will die BASF ihren Umsatz in der Asien-Pazifik-Region verdoppeln. Bis 2013 sollen 2 Mrd. € investiert werden (Plan 2009). Die BASF stärkt die Papierchemie in Zhenjiang in der Provinz Jiangsu am Gelben Meer. Die BASF will zwei Produktionsstätten in der Unruheprovinz Xinjiang errichten (Stadt Korla im Süden der Provinz zusammen mit Markor). Ab 2014 entsteht eine neue Produktionsanlage für Neopentylglykol (NPG) in Nanjing zusammen mit dem chinesischen Partner Sinopec. 2014 baut die BASF die Kunststoff-Produktion in China aus. Die Kapazität soll erweitert und ein Entwicklungszentrum gebaut werden (für Cellasto). Man rechnet mit Wachstumsraten in Asien von 7%.  2018 plant die BASF die größte Investition ihrer Geschichte  in China. Der Konzern will 8,5 Milliarden Euro in den Bau eines neuen Verbundstandorts in Guangdong investieren. 2018 plant die BASF eine Großinvestition in Nanjing: mit dem Partner Sinopec wird ein zweiter Steamcracker am chinesischen Verbundstandort gebaut . Bayer investiert bis 2009 1,8 Mrd. $ in den Chemiepark bei Shanghai. Bayer beginnt 2008 mit dem Bau einer Großanlage für TDI in Shanghai (bis 2012 2,1 Mrd. €). Bis 2016 sind weitere Investitionen  in Höhe von rund 1 Mrd. € geplant. 2011 macht Bayer 8,3% seines weltweiten Umsatzes in China. Der Konzern beschäftigt dort 9300 Menschen. Weitere Produktion soll nach China verlagert werden. Auch der Chemie- und Pharmakonzern Bayer ist stark in China vertreten. Die Produktion von Aspirin startete schon 1936 in Shanghai. Ab 2011 sollen bis 2015 weitere 1,5 Mrd. € in Sachanlagen investiert werden. Der Umsatz soll bis 2015 verdoppelt werden. Der Kosmetikhersteller Beiersdorf erklärt China zu seiner wichtigsten Wachstumsregion. 2010 belastet das Chinageschäft aber Beiersdorf. Die Strategie ist gescheitert. Ursache ist der Kauf der Haarpflegesparte des Mischkonzerns C-Bons 2007. 2014 kann Beiersdorf das verlustreiche Chinageschäft drehen. Lanxess baut 2007 eine neue Anlage zur Herstellung von Schmierstoff-Additiven. Freudenberg eröffnet 2008 eine neue Fabrik für Spezialschmierstoffe und Formtrennmittel in der Nähe von Shanghai (in China beschäftigt die Firma insgesamt 3600 Mitarbeiter). 2013 errichtet Freudenberg eine neue Produktionsstätte für Automobilfilter in Chengdu (Sichuan). 2014 errichtet Freudenberg ein Forschungszentrum in Qinpu bei Shanghai. Fuchs Petrolub baut seine Produktionsstätten in China aus (über 2 100% Tochtergesellschaften). 2013 wird ein Werk im Nordosten eröffnet (Yingkou). Novartis will Milliarden investieren (Pharmamarkt wächst zweistellig). Petrochina will mit BP kooperieren. Sinopec hilft dem spanischen Energieunternehmen Repsol im Brasiliengeschäft.  Sinopec will China Gas feindliche übernehmen, was in China sehr selten ist. Bis 2015 soll China auf den zweiten Platz aller Märkte vorrücken (hinter den USA vor Deutschland). Evonik hat Probleme im Nordosten Chinas mit einer Chemiefabrik, bei der es 2009 eine Explosion gab (Krebsfälle?). 2014 plant Evonik ein Joint-Venture mit der Solartechnik-Tochter GCL-Poly Energy Holdings. Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim baut ein Werk zur Herstellung von Tierimpfstoffen (Joint-Venture, auch Forschungszentrum nahe Shanghai). Chem-China übernimmt 2017 Syngenta aus der Schweiz. 2019 gibt es einen Plan der BASF, 10 Mrd. Dollar in der südchinesischen Hafenstadt Zhanjiang in einen Verbundstandort zu investieren, Fläche so groß wie Stammwerk in Ludwigshafen, Ausspähung von BASF-Technologie? Ingenieurskapazitäten? . Es gibt Kritik im Stammwerk Ludwigshafen an dem Milliarden-Projekt. Dienstleistungen: die Allianz verbündet sich mit dem größten Finanzkonzern Chinas (Citic Trust and Investment Company Ltd., die chinesische Regulierungsbehörde hat die Zusammenarbeit bei Lebensversicherungen genehmigt), zusammen mit Goldman Sachs und American Express geht die Allianz auch eine strategische Partnerschaft mit Chinas größtem Bankhaus ICBC ein (auch Goldman Sachs, insgesamt gibt ICBC 8,89% der Aktien ab). 2011 erhöht die Allianz die Beteiligung am chinesischen Versicherer China Pacific Insurance (Versicherungsmarkt wächst über 20% pro Jahr). Die Allianz kann wahrscheinlich ab 2018 den Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Citic Trust (Finanzdienstleister, 51%) auf bis zu 100% erhöhen oder weitere Partner in das Joint-Venture holen. Der chinesische Finanzmarkt soll weiter geöffnet werden. ICBC bekommt im September 2006 die Genehmigung für den Börsengang Ende Oktober 2006 und stellt mit 22,0 Mrd. $ Volumen einen vorläufigen Rekord auf. Künftig will die Bank auch in den Geschäftsfeldern "Investment, Versicherungen und Leasing" aktiv sein. Seit 2005 gibt es eine Kooperation mit der Deutschen Bank im Investmentbereich. Das Börsendebüt der China Construction Bank im Oktober war nicht viel versprechend:  sie konnte bei ihrer Erstnotiz an der Hongkonger Börse keinen nennenswerten Wertzuwachs erzielen, bis Sept. 2006 stieg der Kurs aber um 50%. Sehr erfolgreich verlief der Börsengang von ChinaLife, allerdings differieren die Kurse von Hongkong und Shanghai stark. Versicherer Ping An schafft 2007 nach der Börsenkrise einen guten Start an der Börse. Die Deutsche Bank und Sal. Oppenheim beteiligen sich mit 14% an der Hua Xia-Bank. 2009 wird die Beteiligung erhöht. Die Deutsche Bank erhält als erstes deutsches Kreditinstitut 2008 eine Banklizenz.  Sie kann damit über ihre Chinatochter künftig auch Dienstleistungen in der Landeswährung anbieten. Sie hat circa 550 Mitarbeiter in China. Asien wird zur Schlüsselregion erklärt. Die Deutsche Bank ist eine bewusste Alternative zu den amerikanischen Investmentbanken. 2014 eröffnet die Deutsche Bank als erste der globalen Geldhäuser eine Filiale in der Freihandelszone Shanghai. China Pacific Insurance, drittgrößter Lebensversicherer Chinas, feiert in Shanghai ein glänzendes Börsendebüt. Die britische Großbank HSBC will die Zahl ihrer Filialen in China verdoppeln. Die China Merchants Bank kauft die Wing Lung Bank in Hongkong. Die China Development Bank will die Dresdner Bank von der Allianz kaufen, was jedoch scheitert. Die Olympischen Spiele pushen das chinesische Staatsfernsehen (CCTV) und den Werbemarkt. Die Bank of China steigt bei Rothschild in Frankreich ein (20% der Anteile). UBS trennt sich 2009 von den Anteilen an der Bank of China. Die Bank of East Asia steht vor dem Zusammenbruch.  Die Bank of America trennt sich 2009 von ihren Anteilen an der China Construction Bank. Die Gastronomieketten "Nordsee" und "Käfer" wollen 2011 nach China. Die Citigroup will 2011 eine Kooperation mit der chinesischen Orient Securities eingehen. DHL, Deutsche Post-Tochter, trennt sich 2011 vom inländischen Expressgeschäft in China. Die Bank of America will ihre Anteile an der China Construction Bank 2011 verkaufen. UBS gerät in China unter Druck (auch wegen der Beteiligung an BYD). Der chinesische Luftfahrt- und Schiffskonzern HNA steigt 2016 bei der Hotelkette Hilton in den USA ein. McDonald´s speckt 2017 sein Engagement in China ab. Ein Konsortium bestehend aus dem chinesischen Konglomerat Citic und der Beteiligungsgesellschaft Carlyle erwerben 80% an dem China-Geschäft (über 2400 Restaurants, für 20 Jahre). Bis 2018 will die Bausparkasse Schwäbisch Hall ihr Geschäft in China erheblich ausweiten (seit 2004 an Sino-German Bausparkasse beteiligt; knapp viertel Million Bausparverträge; dann vier große Standorte). Im Mai 2017 wird die chinesische HNA Group/ Hainan mit 10% größter Anteilseigner der Deutschen Bank (hat schon den Flughafen Hahn gekauft; Flughäfen, Touristik). Computer/ Telekommunikation: Der Computerhersteller Levono, nach dem Kauf der IBM-Sparte der drittgrößte Computerhersteller der Welt,  will 2006 Kosten in dreistelliger Millionenhöhe einsparen.  Lenovo übernimmt 2014 die IBM-Serversparte. Lenovo kauft 2014 Motorola von Google. Huawei (Telecom) ist das international wettbewerbstärkste Unternehmen Chinas. Das Internet - Unternehmen Google startet eine chinesische Web-Site, die die Zensurbestimmungen der chinesischen Regierung einhält (z. B. Taiwan, Demonstration 1989, Dalai Lama); der Konkurrent Yahoo soll gegen Geld persönliche Daten von Regimekritikern zur Verfügung gestellt haben. SAP kooperiert mit chinesischer Softwarefirma "Neusoft". Der Telekomausrüster Huawei beliefert den Netzanbieter Arcor . Chinas zweitgrößter Notebook-Hersteller Hasee legt seine Europa-Zentrale nach Berlin. Es wird die gesamte japanische Firma NEC kopiert. Intel darf Chipfirma bauen (2,5 Mrd. $). China Postel vergibt 2007 einen Auftrag von 1,9 Mrd. € an Nokia. Infineon will das Asiengeschäft ausbauen. Der chinesische Chip-Hersteller Grace Semicon beruft den ehemaligen Infineon - Manager Schumacher zu seinem Chef. Der Mobilfunkanbieter China Mobile ist mittlerweile Weltspitze. Der Reingewinn stieg 2007 um 37% auf 2,45 Mrd. €. Telefonica aus Spanien stockt seine Beteiligung in China auf (China Netcom). 2009 vergibt China Lizenzen für neue Mobilfunknetze. 2010 startet Mediamarkt (Metro) mit ersten Filialen in Shanghai. 2010 zieht sich der Such - Riese Google aus China zurück. 2010 will sich Vodafone aus China verabschieden. SAP sieht China 2010 als größten Wachstumsmarkt noch vor den USA (dreistellige pozentuale Zuwachsraten). Es ist 2012 der sechstgrößte Markt. Für 2013 ist ein Börsengang geplant (Shanghai). 2011 verbündet sich Microsoft mit der chinesischen Suchmaschine Baidu. Der Internethändler Alibaba will Yahoo übernehmen. Apple und Proview aus China streiten 2012 in Shanghai um Namensrechte für das iPad. Die chinesischen Internet-Riesen Alibaba und Weibo wollen 2014 einen Börsengang in New York machen.  Stahl/Maschinenbau/Hochtechnologie: mittlerweile findet 50% der Welt-Stahlproduktion in China statt (wahrscheinlich Sättigung, weil Rohstoffe nicht im Land sind). Pfaff (Nähmaschinenhersteller, Kaiserslautern) will seine Produktion in China erweitern. KK&K aus Frankenthal hat mit dem chinesischen Partner CPMW ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet.  ABB verlegt die Weltzentrale seiner Robotersparte nach Shanghai. China will Transrapid bis Hangzhou verlängern (Lizenzgebühr oder Joint Venture für Thyssen-Krupp/Siemens, es wird allerdings auch erfolgreich ein eigener Prototyp getestet). Nach der Entscheidung über den Nichtbau in Bayern 2008, plant Thyssen-Krupp eine Lizenz oder den Verkauf nach china. Es wird vorübergehend ein Baustopp wegen Strahlengefahr verhängt (Bürgerproteste). China will Milliarden in Bahn-Ausbau investieren und will 60 ICE-Züge von Siemens kaufen (teilweise auch Produktion mit chinesischem Partner). 2009 werden 100 Schnellzüge bei Siemens bestellt (Typ Valero). Siemens räumt Korruptionsfälle in China ein. Es ist eine Airbus-Montage in China geplant (bis 2010 will China aber ein eigenes Großraumflugzeug entwickeln) Es wird 2007 ein Gemeinschaftsunternehmen im ostchinesischen Tianjin gegründet, das 2008 die Produktion aufnimmt (EADS hat einen Anteil von 51%). In Harbin wird 2009 ein neues Fertigungszentrum gegründet (Joint Venture mit Airbus China). China will den staatlichen Flugzeugbau bündeln. Der fränkische Wälzlagerkonzern Schaeffler will den chinesischen Kugellagerhersteller Luoyang Bearing Corp. übernehmen, was von Chinas Minister für Staatsbetriebe überprüft wird. Heidelberger Druck will sein erst im Frühjahr 2006 in Betrieb genommenes Montagewerk in Shanghai erweitern. Die Raschig GmbH, Ludwigshafen, baut in China aus und kauft sich in Indien ein. Die Wormser Renolit kauft Folienhersteller Guangzhou Tins Plastics Ltd. Die Aktien von Baosteel, Wuhan Steel und Angang fallen wegen der Streichung von Exportsubventionen. Schott will bis 2010  30% seiner Erlöse in Asien erzielen. Der Hamburger Maschinenbauer Körber will verstärkt in China investieren. Dürkopp Adler, das von den Chinesen übernommen wurde, schreibt wieder schwarze Zahlen. Dem Inder Mittal gelingt als erstem Ausländer die Übernahme eines chinesischen Konkurrenten: China Oriental Group. Chinalco aus China  übernimmt eine Minderheitsbeteiligung an Rio Tinto 2008 und 2009 eine Mehrheitsbeteiligung (Australien, 15,1 Mrd. €, Anteile von Alcoa übernommen). Tangshan, Handan Steel und Chengde Vanadium schließen sich zum größten Stahlunternehmen zusammen. Xián Typical Industries, chinesischer Hersteller von Industrienähmaschinen, wird seine Europazentrale in Kaiserslautern gründen. Infineon plant ein Entwicklungszentrum in Peking. Grohe übernimmt den chinesischen Wettbewerber Joyou und wird dort Marktführer. Der chinesische Baumaschinenhersteller XCMG investiert ab 2011 50 Mio. € in ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum in Krefeld. Heideldruck baut seine Fabrik in Shanghai aus und koppelt sich mehr an den chinesischen Markt. Im Dezember 2011 gibt es eine Internetkampagne gegen Gerätemängel bei Siemens. KBA (Koenig & Bauer Druckmaschinen) kauft 2012 einen chinesischen Konkurrenten (Produktion für den regionalen Markt). Der US-Flugzeugbauer Boing will zusammen mit einem örtlichen Partner ein Werk in China bauen (Endmontage). Die China Railway Group baut eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von Los Angeles nach Las Vegas; Baubeginn könnte schon 2016 sein. 2016 kauft ChemChina Kraus Maffei in München. Haier aus China übernimmt die Hausgerätesparte von GE 2016. 2016 beginnt Airbus mit dem Aufbau einer Helikopterfertigung in China (Kundenkonsortium zusammen mit CAS, Qindao United und CITIC). In Qingdao soll das Hubschrauber-Modell H 135 gebaut werden (Luftrettung, Brandbekämpfung). Die Osram-Glühbirnensparte wird 2017 von einem chinesischen Konsortium übernommen. Heidelberger Druckmaschinen will 2017 die Produktion in China ausbauen. 2017 konzentriert Siemens seine Roboterforschung in China. Ab 2019 stellt Airbus mehr Mittelstreckenjets in Tianjin her (fünf Maschinen monatlich statt wie bisher vier).  Autoindustrie: 2013 ist China der größte Automobilproduzent der Welt mit 25% (2016 werden es 27% sein; heute Nordamerika 19%, Westeuropa 15%). Jedes dritte Auto deutscher Hersteller wird in China gebaut. Der Zuwachs betrug 2009 44% oder 2,5 Mio. PKW; in China wird jedes 4. Auto der Welt produziert. 2009 steigen die Pkw-Neuzulassungen wegen der staatlichen Unterstützung rapide an. China nähert sich den USA als größter PKW-Markt der Erde. Mit 21 Mio. verkaufter Fahrzeuge ist China 2015 der größte PKW-Markt der Welt. Shanghai General Motors hat mit 9,5% den höchsten Marktanteil (40% aller Autos stammen mittlerweile von rein chinesischen Firmen), gefolgt von Shanghai VW mit 8.9%. Das meistverkaufte Auto ist der Jetta. 2007 hat VW  28% mehr Autos verkauft, es wird ein Verkaufsrekord aufgestellt (910. 000, Marktanteil schrumpft allerdings: noch 18%). Im ersten Halbjahr 2009 gibt es einen neuen Absatzrekord. 2008 startet VW sein viertes Werk in China (in Nanjing). Ende 2008 muss VW die Produktion unterbrechen (Absatz -16%).  Im März 2009 gibt es einen Rekordabsatz, weil China auch mit staatlichen Maßnahmen der Autoindustrie unter die Arme greift (Steueranreize). Bis 2014 will VW seine Produktionskapazität in China auf drei Mio. Autos pro Jahr hochfahren. Bis Ende 2015 will VW allein 10,6 Mrd. Euro investieren. Der neueste Investitionsplan im Herbst 2011 sieht vor, von 2012 bis 2016 14 Mrd. € zu investieren. VW beschäftigt 41.000 Menschen, 2018 dürften es 80.000 sein. 2011 plant VW ein China-Mobil analog dem Käfer. In der Kooperation mit dem chinesischen Elektroautohersteller BYD gibt es Schwierigkeiten. Wegen der starken Nachfrage baut VW ein weiteres Werk Yizheng bis 2013. Der Audi A6 ist zum Auto der chinesischen Parteikader geworden. 2011 bringt VW Seat nach China. 2012 gerät VW in der Region Xinjiang zwischen die Fronten eines ethnischen Konflikts. 2013 hat VW einen Marktanteil von 20%. Das ist der Führung zu viel; die eigenen Firmen sollen stärker werden (Probleme mit DSG wird benutzt). Allein 2013 eröffnet VW fünf neue Werke in China (investiert wird auch im Westen des Landes). VW will die Produktion bis 2018 um 43% auf vier Mio. Autos pro Jahr erhöhen. 2013 wird das 13. Werk in China eröffnet (Ningbo; bis 2016 noch weitere drei Werke). VW feilscht 2014 mit Partner FAW. VW möchte seinen Anteil von 40% auf 49% ausbauen. Die Beteiligung bleibt bei 40%, aber die Kooperation wird um weitere 25 Jahre verlängert. 2014 gibt VW grünes Licht für ein Billigauto (unter 7000€), insbesondere für die Märkte China und Indien. 2014 beim Kanzlerbesuch gibt VW bekannt, dass zwei neue Werke in Tschingdao und Tianjin gebaut werden, was die Standorte auf 18 erhöht. Ende 2014 gibt es massenhafte Proteste im Internet und auf der Straße gegen VW. Unklar ist, wer dahinter steckt. VW orientiert sich aber immer stärker auf den chinesischen Markt, um größter Autohersteller der Welt zu werden. Natürlich wächst dadurch auch die Abhängigkeit. 2014 hat VW in China einen Absatzrekord erzielt (3,67 Mio. Fahrzeuge ohne LKW). Die Produktionskapazitäten sollen stark ausgebaut werden. Bis 2019 will man 5 Mio. Fahrzeuge in China absetzen. Volkswagen setzt in China immer mehr auf Skoda. Die Marke soll weiter gestärkt werden (im Rahmen des Joint Ventures mit SAIC). 2015 konnte VW 3,5 Mio. Fahrzeuge verkaufen. 2016 findet VW endlich einen Partner für E-Autos: Es ist der chinesische Hersteller Anhui Jianghuai Automobile (JAC). Es wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die VW-Tochter Audi sucht sich Ende 2016 einen zweiten Vertriebspartner (bisher FAW, zukünftig auch SAIC). Der VW-Absatz ist 2017 eingebrochen. Das Minus von 11,8% wird mit geringeren staatlichen Subventionen für kleinere Fahrzeuge erklärt. Audi drohen ab 2017 hohe Belastungen in China. Der Boykott der Händler zeigt Wirkung. Es gibt Streit um die Verträge. Ab 2017 geht VW bei Elektroautos in die Vollen. 2018 kündigt VW eine Modelloffensive für SUV in China an. Der Verkauf soll massiv ausgeweitet werden (zusammen mit JAC aus China). In den kommenden Jahren ab 2018 will VW hoch investieren in Elektroautos, autonomes Fahren und Mobilitätslösungen (bis 2022 15 Milliarden €). VW investiert ab 2018 Milliarden in China. VW geht beim autonomen Fahren Kooperationen mit chinesischen Firmen ein (Baidu). Die Volksrepublik wird zum Testmarkt für E-Autos und autonomes Fahren. Ab 2019 gibt es Quoten für Elektro- und Hybridantriebe (10%). Der chinesische Autobauer Nanjing (hat eine Kooperation mit Fiat), der Rover 2005 gekauft hatte, will den MG Rover wieder bauen. Nanjing (NAC) wird wird Ende 2007 von SAIC übernommen. SAIC kauft von BMW  (Bao-Ma: "edles kostbares Pferd") nach der Technologie auch den Markennamen Rover. BMW stockt seine Produktionskapazität 2007 auf (insgesamt 65.000 Verkauf pro Jahr mit Importen). Brilliance, der Partner von BMW, zieht sich von der New Yorker Börse zurück.  2009 plant BMW ein zweites Werk in China (seit 2003 Joint Venture mit Brilliance). Beide wollen ein Elektroauto mit Namen "Zhi Nuo" (Versprechen) herausbringen. Ende 2014 muss BMW die Absatzziele in China korrigieren (sinkende Wachstumsraten, alterndes Topmodell). Anfang 2015 wendet BMW eine Eskalation des Streits mit seinen Händlern ab: Sie erhalten 691 Mio. € (5,1 Mrd. Yuan). BMW setzte bis Juli 2018 (1. Halbjahr) 8% mehr Fahrzeuge in China ab (insgesamt auf den Märkten nur +0,7%).  China soll der zweitgrößte Absatzmarkt weltweit für Audi werden. Jeder 5. zugelassene Wagen stammt aus deutscher Produktion (88% davon in China produziert). Peugeot-Citroen will die Kapazität des Werkes in Wuhan bis 2008 auf 300000 Einheiten verdoppeln. Daimler-Chrysler nimmt am 15. 09. 06 seine erste Fabrik in China in einem Vorort von Peking in Betrieb (Kapazität: jährlich 115.000 Fahrzeuge). Außerdem soll zusammen mit der chinesischen Firma Chery ein Kleinwagen für den Export in die USA in Ostchina hergestellt werden. Das Projekt wird  nach dem Verkauf von Chrysler 2007 gestoppt und soll neu verhandelt  werden. Das Joint-Venture von Daimler und Fujita Automobile in Fuzhou bekommt im Juni 2007 die Business License (200 Mio. €, ab 2009, 40.000 Fahrzeuge).  Daimler baut seine Finanzsparte in China aus. Außerdem sollen Lieferwagen in China produziert werden. Die Zusammenarbeit mit dem LKW-Hersteller Beiqi Foton verzögert sich zunächst. Es wird dann 2008 ein Gemeinschaftsunternehmen für schwere Lastwagen gegründet. 2010 läuft die Kooperation richtig an. Aber erst 2011 wird das Gemeinschaftsunternehmen genehmigt (Joint-Venture, hohe Kapazität). Ab Mitte 2009 will Daimler den Smart in China anbieten. BAIC steigt 2009 mit 40% in die Fujian Daimler Automotive (Joint-Venture mit Daimler) ein. Wegen Startschwierigkeiten auf den Wachstumsmärkten China und Indien könnte Daimler 2010 seine Weltmarktführung bei LKWs  an FAW aus China verlieren. Daimler möchte den chinesischen Staatsfonds CIC als Aktionär. Daimler startet 2013 eine Aufholjagd in China und kündigt 20 neue Modelle innerhalb von zwei Jahren an. China ist für Daimler der drittgrößte Absatzmarkt nach den USA und Deutschland vor Großbritannien. 2013 steigt Daimler bei seinem chinesischen Partnerunternehmen BAIC ein (Anteilseigner, 12%, Gemeinschaftsunternehmen, Erhöhung der Produktionskapazität). 2013 will Daimler bei BAIC sich beteiligen, wenn der Partner an die Börse geht (10 bis 20%). 2010 fordern chinesische Autohändler ein Importverbot für Daimler, weil sie sich diskriminiert fühlen. China ist für Daimler der Wachstumsmarkt schlechthin. Ab 2014 baut Daimler in Peking ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum, um maßgeschneiderte Modelle für den chinesischen Markt zu entwickeln. 2014 gibt Daimler bekannt, 100 neue Geschäfte aufzumachen.  Mit dem chinesischen Partner BYD wird das Elektroauto Denza vorgestellt. Das fünfsitzige Elektroauto kommt 2014 auf den Markt (Elektroautos werden ab 2014 vom Staat hoch subventioniert, Anteil am Kaufpreis, 17.000€ je E-Auto). Chinas Elektroboom macht den Autohersteller BYD 2015 zum Weltmarktführer für Elektroautos (Tesla aus den USA wurde überholt). Daimler und BAIC wollen bei Finanzdienstleistungen rund ums Auto kooperieren. 2015 ist China der größte Markt für Daimler (überholt die USA). Mit 720 Mio. Euro wird ein neues Werk bei Beijing (Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz, BBAC). Wegen Absprachen der Mercedes-Händler muss Daimler 2015 eine hohe Kartellstrafe zahlen. 2015 will BAIC bei Daimler einsteigen (Verhandlungen über Anteilskauf). Daimler Carsharing Car-2-go startet 2016 in China. 2018 bilden Daimler und Geely eine Kooperation bei selbst fahrenden Autos. Chinesische Staatsunternehmen planen angeblich zuerst Zusammenschlüsse in China und dann in Fünfjahresplänen gezielt Übernahmen und Fusionen in Deutschland.   Die Tongij-Universität in Shanghai forscht mit BMW und VW am Hybridantrieb und an der Brennstoffzelle.  GM forscht in China bei Bio-Kraftstoffen und umweltfreundlichen Motoren. Der Kölner Motorenbauer Deutz strebt in China die Mehrheit an einem Gemeinschaftsunternehmen für die Produktion von Bus- und Lastwagenmotoren an. Die Mannheimer Röchling-Gruppe, international führender Kunststoffverarbeiter, hat in China zwei neue Autozulieferwerke in Betrieb genommen. Der chinesische Autobauer Shuang huan wehrt sich gegen Plagiatsvorwürfe von Daimler und BMW. Bosch, das seit 1909 in China ist, macht dort in 18 Standorten und mit 15.000 Beschäftigten einen Umsatz von 1,3 Mrd. €. In der Weltwirtschaftskrise 2009 unterstützt die Regierung die lokalen Hersteller (30% Marktanteil, vor allem im westlichen Hinterland, Steuersenkungen). Autozulieferer Schaeffler, der in China 5 Produktionsstätten und ein Entwicklungszentrum in Anting bei Shanghai betreibt (insgesamt in C. 3000 Mitarbeiter), verhandelt mit der Stadtverwaltung von Peking über eine Finanzierung. BAIC will sich 2009 unbedingt an Opel beteiligen (660 Mio. für 51%).  Mit BYDe6 haben die Chinesen 2009 das beste Elektroauto (400 km, nur 20.000 €). Ende 2009 kauft Geely Volvo (2010 vollzogen, über 2 Mrd. $). Geely will die Automarke Volvo auch in China produzieren (Plan: bis 2020 10.000 neue Arbeitsplätze). Geely läßt Volvo aber freie Hand. Ist selbst zwar im Billigsegment unterwegs und sieht Volvo als Investition in die Zukunft. BAIC übernimmt Teile von Saab. China als Markt ist bedeutsam für alle deutschen Auto firmen: Volkswagen 33%, Audi 17%, Porsche 13%, BMW 11%, Mercedes 9%. 2010 will Opel auch Autos in China verkaufen. Bis 2012 will der japanische Autobauer Nissan seine Produktion in China verdoppeln. Ab 2011 will Ford verstärkt in die Schwellenländer, vor allem nach China gehen. Freudenberg aus Weinheim baut ein Autozuliefererwerk in Yantai am Gelben Meer (Nutzfahrzeugkomponenten). SAIC erwirbt 2010 ein Prozent der GM-Aktien und will sich noch stärker in das Unternehmen einkaufen. Der chinesische Autohändler Pang Da beteiligt sich 2011 an Saab, im Juni folgt Zheiang Youngman Lotus. Das Projekt droht 2012 zu scheitern wegen der Lizenzen von GM. Mahindra aus Indien könnte die Rettung bringen. Der Autozulieferer Continental schafft 5000 neue Arbeitsplätze in China (2012 werden 18 Werke und Entwicklungszentren betrieben). Der schwedische Lastwagenhersteller Volvo will 2013 45% an Dongfeng übernehmen. Stimmen die chinesischen Kartellbehörden zu, könnte damit der weltgrößte LKW-Hersteller in ca. einem Jahr entstehen. Continental erweitert sein Werk in China 2013 für 36 Mio. €. Als letzter großer europäischer Autobauer startet Renault 2013 eine lokale Produktion in China. 2013 steigt der chinesische Autobauer Dongfeng bei Peugeot ein (1,1 Milliarden Dollar). 2014 gibt Opel bekannt, aus China auszusteigen.   PSA auf Frankreich hat 2014 das vierte Werk in China in Betrieb genommen. Man will sich auch in südasiatische Länder ausdehnen, um insbesondere den japanischen Autobauern mehr Konkurrenz zu machen. Chinas Verbraucher werden immer renitenter. Im Netz gibt es immer mehr Shitstorms. Rolls Royce (gehört zu BMW) hat in China einen neuen Verkaufsrekord 2014. Die Klientel in China ist ca. 15 Jahre jünger als anderswo. Der Nutzfahrzeughersteller Beiqi Foton Motor hat 2014 die Markenrechte an der deutschen Marke "Borgward" gekauft. 2015 soll Borgward nach 54 Jahren wieder belebt werden. Mehrere Modelle sollen auf dem Genfer Autosalon 2015 vorgestellt werden. Chem China will den Reifenkonzern Pirelli kaufen. Chinas Automarkt wird immer umkämpfter (weniger Wachstum, mehr Konkurrenz). Im April ist immer eine Branchenmesse in Shanghai. Jeder dritte Porsche geht mittlerweile an eine Frau. 2015 ist es mit den Traum-Margen in China vorbei. Es herrscht ein schärferer Preiskampf. Der Absatz der deutschen Automobilindustrie geht um 1% zurück (Ausnahme Daimler). 2016 hat die deutsche Autoindustrie Angst vor einer chinesischen Übernahme von Kuka. Kuka Industrie-Roboter wissen, was in deutschen Autowerken läuft. 2016 trennt sich BMW von Baidu (Ende der Kooperation). BMW, Daimler und Audi arbeiten zusammen mit dem Kartendienst Here in Asien (zusammen mit asiatischen Investoren). Elektro-Auto-Quoten bringen besonders die deutschen Hersteller in Verlegenheit. Der Kampf gegen Luftverschmutzung wird immer wichtiger. Lobbyarbeit funktioniert in China nicht. 32% der Autos deutscher Konzerne werden in China 2017 verkauft. Im Mai 2017 verkauft Bosch sein Anlassergeschäft an den chinesischen Zulieferer ZMJ (zusammen mit dem Investor CRCI; 7000 Mitarbeiter in 14 Ländern). Renault un Nissan wollen zusammen mit ihrem chinesischen Partner Dong Feng Motor Group E-Autos in China bauen (Gemeinschaftsunternehmen). Der deutsche Autozulieferer ZF  verkauft sein Geschäft mit Fahrzeugbediensystemen an den chinesischen Elektronikhersteller Luxshare. Röchling aus Mannheim baut ab 2018 ein neues Werk in Shenyang. Der Elektro-Autobauer Tesla einigt sich im Oktober 2017 mit der chinesischen Führung auf ein eigenes Werk in Shanghai (Quote 10%, ab 2020 12%). Im März 2018 beschwert sich Tesla bei Präsident Trump über Beschränkungen auf dem chinesischen Markt. Der Eigentümer von Volvo Geely über nimmt auch Teile des gleichnamigen LKW-Bauers in Schweden (8,2% von Cevian). In China entsteht ein neuer Autohersteller 2017: Byton. Er wird von ehemaligen BMW-Managern geführt. E-Autos sollen auch in die USA und nach Europa exportiert werden. Der nächste Elektro-Mini soll von BMW in China gebaut werden. Das geschieht in Kooperation mit Great Wall. Hohe Importzölle für Autos zwingen zur Produktion vor Ort. BMW will ab 2018 6,6 Mrd. € in China investieren. Allein für 3,6 Mrd. € wird die 75% an einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem lokalen Partner Brilliance übernommen. 3 Mrd. € sollen in der nordchinesischen Stadt Shenyang in einen Produktionsstandort investiert werden. Daimler bekommt 2018 einen chinesischen Großaktionär (Geely 9,69%). Beijing Automotive Industry Corporation Holding; seit 19888; öffentliches Unternehmen; hat zusammen mit Daimler die Tochter Beijing Benz Automotive; Daimler will 2018 1,5 Mrd. € investieren). Der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna will in China Elektroautos bauen. Es sollen zwei Gemeinschaftsunternehmen mit BAIC gegründet werden, die Premium-Elektrofahrzeuge bauen. Tesla will ab 2018 eine große Fabrik in China bauen (Shanghai, über 500.000 Autos pro Jahr, Folge des Handelskrieges). 2018 steht die Hymer-Gruppe vor dem Produktionsstart in China. Wohnwagen und Wohnmobile sollen zusammen mit der Marke Loncen gebaut werden. Hymer ist schon mehrere Jahre in China aktiv. GM muss 3,3 Mio. Autos im Herbst 2018 zurückrufen. Ende 2018 macht Trump Druck auf GM. Er mischt sich in Sparpläne ein. GM soll die Produktion in China einstellen. 2019 legt E. Musk von Tesla den Grundstein für eine Produktionsstätte in Shanghai. Die Produktion soll bereits Ende 2019 beginnen. Ab 1. April 2019 soll die Mehrwertsteuer gesenkt werden. BMW und Daimler senken ihre Preise. Der Smart von Daimler wird zukünftig in China produziert. Daimler gründet 2019 ein Joint-Venture mit dem Unternehmen Geely zur Produktion des Smart. "Wir sehen das entscheidende Wachstum in der Automobilindustrie zuvorderst in China", Dieter Zetsche, Daimler-Chef.  Energie: Linde geht ein Gase-Joint-Venture mit Sinopec Qilu ein (Investition von 48 Mio. €). Der Staatskonzern Sinopec übernimmt 49% der sibirischen Fördergesellschaft Udmurtneft. 2010 fasst Sinopec in Angola Fuß. RAG geht eine langfristige Zusammenarbeit mit der Huainan-Gruppe ein. Zwei chinesische Firmen bauen ab 2009 das größte Solarkraftwerk der Welt im Qaidam-Becken. Petro China beteiligt sich an Ölprojekten in Alberta/ Kanada. China Petrochemical beteiligt sich an Addax Kanada. 2010 übernimmt der Ölkonzern Gnooc Bridas aus Argentinien. KSB aus Frankenthal (Pumpen- und Armaturenspezialist) will in der Asien-Pazifik-Region, vor allem in China, bis 2013 35 bis 40 Mio. € investieren. Man will vom Wachstumstreiber Energieeffizienz profitieren. Italien verkauft 2014 seinen Anteil am Energienetz in China. Den Verkauf managed die staatliche Förderbank CDP, die mit dem chinesischen Netzbetreiber State Grid International Development verhandelt.   Handel/ Möbel: Das chinesische Handelshaus Li & Fung kauft die internationale Einkaufslogistik von Karstadt-Quelle.  Metro will die Zahl seiner Märkte in den nächsten vier Jahren verdoppeln (erster Markt 1996 in Schanghai, mittlerweile 10% des Gesamtumsatzes in Asien). Karstadt-Quelle vergibt sein Importgeschäft an ein chinesisches Unternehmen (Li & Fung). Tengelmann zieht sich aus China zurück (Obi - Märkte). Vor den Olympischen Spielen will Puma stark expandieren. Coca Cola will den größten chinesischen Safthersteller Huiyuan Juice schlucken. 2010 eröffnet Metro Media-Markt. Dabei wird mit Foxconn kooperiert. 2015 bietet Metro Markenartikel in China per Internet an. 15 ehemalige Zulieferer von Ikea schließen sich 2013 zu einem Konkurrenzunternehmen zusammen. 300 weitere drohen sich wegen Preisdrückerei anzuschließen. Im März 2018 übernimmt der chinesische Möbelhersteller Jason Furniture den deutschen Luxus-Möbelhersteller Rolf Benz in Nagold. 2018 startet Aldi Süd in China. Eventuell will das Unternehmen ein eigenes Filialnetz aufbauen. Die Plattform "Tmall Global" gibt es bereits seit 2017. Auch Lidl verkauft bereits Online in China.  Spielzeug: in China werden 75% aller weltweit produzierten Spielzeuge hergestellt (80% des Spielzeugs, das in Europa auf den Markt kommt). Ein Großteil für den Export (für 12,5 Mrd. €), das größte Abnehmerland sind die USA. Die Qualitätsstandards und die Überwachung sollen 2007 verbessert werden. Nach den millionenfachen Rückrufen stehen viele Spielzeugfirmen vor dem Bankrott. So geht der größte Spielwarenhersteller Smart Union in Dongguan Pleite. Der dänische Hersteller Lego baut ab 2014 ein Werk in China. Das Werk in Jiaxing (100 km von Schanghai) wird Ende 2016 eröffnet. Es soll den asiatischen Markt beliefern (in Shanghai im Disneyland gibt es einen riesigen Laden).  "Wir erwarten einen Markt von 600 Mio. Menschen", Vorstandsvorsitzender von Lego J. V. Knudstorp.  Sportartikel/ Schuhe/Textilien/ Mode: Adidas produziert mittlerweile 90% aller Schuhe in China, das der wichtigste Produktionsstandort ist. In Shanghai wird ein Entwicklungszentrum unterhalten, indem Designer speziell neue Produkte für den chinesischen Markt entwickeln. Adidas rüstet 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking  das chinesische Team aus. 2011 erreicht Adidas den höchsten Anstieg in China (13%). Durch die Anti-Dumping-Zölle der EU sind über 1000 Schuhhersteller in China Pleite gegangen. Nike hau mehrere Werke in China mit insgesamt 210.000 Beschäftigten. Die Firma dokumentiert, dass in diesen Werken und bei den Zuliefern zugesicherte Arbeitsbedingungen nicht eingehalten werden (Minderjährige, Löhne werden nicht gezahlt, Dokumente gefälscht). Chinesische Fabrikarbeiter klagen 2008 Puma wegen unmenschlicher Zustände an. Es handelt sich um Zulieferer, insbesondere Dongguan Surpassing. Der Textil-Discounter Takko ließ in chinesischen Haftanstalten produzieren. Die Gruppe Shengzen Marisfrolg kauft 2014 die italienische Traditionsmodemarke "Krizia". 2018 gibt es Anzeichen dafür, das die Textilhandelskette C&A vor einem Verkauf an chinesische Investoren steht. Ende 2018 plant der Modekonzern Esprit, der in der Krise ist, einen Umbau und Ausbau in China. Der Fußballclub Eintracht Frankfurt gründet Ende 2018 eine Tochter in China. Nahrungsmittel/ Pharma: Pepsi plant 2010  19 neue Standorte in China. Haribo will 2015 einen zweistelligen Millionenbetrag in China investieren. Bei Danone macht sich 2016 die abflauende Nachfrage aus China bemerkbar (auch in der Wasser-Sparte). Im Juni 2017 übernimmt die chinesische Investmentgesellschaft Creat Biotest aus Hessen (Plasmaproteine).  Bauindustrie/ Immobilien: Der deutsche Ingenieurdienstleister Bilfinger erweitert sein Geschäft in China 2014 um ein Immobilienmanagement (Joint Venture). Medizinprodukte: Fresenius MC hat 2018 einen Zukauf in China. Es wird eine Beteiligung von 70% an dem unternehmen Guangzhou KangNiDaiSi erworben. Es geht um Dialysezentren und Nierenbehandlung.

Vgl. zu den größten chinesischen Unternehmen die entsprechenden Links. Über das erste deutsch-chinesische Joint - Venture in der Automobilindustrie erschien Anfang September 2006 ein Buch: Martin Posth, 1000 Tage in Shanghai, München 2006.

"Ich halte es für eine große Gefahr, unsere beste Technologie nach China zu geben. Deshalb lassen wir dort nicht unsere neuesten Geräte fertigen", Reinhard Zinkann, Miele Co - Chef.

Japan:

Chemie/ Energie/Pharma: Der Darmstädter Pharmakonzern Merck bündelt sein Pharmageschäft in Japan  unter dem Dach einer Tochtergesellschaft. Es kommt Ende 2008 zu einer Fusion von Nippon Oil und Nippon Mining. Die BASF erweitert 2013 seine Batterietechnik in Japan und eröffnet in Amagasaki ein neues Forschungslabor. Der japanische Arzneimittelkonzern Astellas kauft 2016 die Mainzer Biotech-Firma Ganymed. Automobilindustrie:  Mitsubishi Motors will in Russland investieren. Mitsubishi und Peugeot wollen eine strategische Partnerschaft eingehen. Honda investiert in Indien. Honda kritisiert GB, weil es nicht dem Euro beitritt. Toyota baut ein neues Werk im kanadischen Woodstock und plant eine Produktionsstätte in Europa (Deutschland oder Frankreich?). Toyota baut 2007 die achte Fabrik in den USA (1,3 Mrd. $, Geländewagen). 2008 beschließt Toyota neue Produktionsstätten in Brasilien zu bauen. Toyota hat ein Rekordjahr 2006 und überholt GM 2006 im Absatz  und setzt sich damit an die Weltspitze. 2007 fällt der Absatz von Toyota in Japan auf ein 24-Jahres-Tief. 2008 macht die Firma einen operativen Verlust von 1,2 Mrd. € erstmals seit 1941; 2009 rutscht Toyota immer tiefer in die roten Zahlen (die Ursprünge der Firma gehen auf das Jahr 1867 zurück, zum Unternehmen gehören 522 Tochterfirmen z. B. für Boote, Fertighäuser u. a.). Die Märkte in den USA und in Japan sind 2009 eingebrochen. Die Pläne für Werke in Russland und Thailand werden 2009 gestoppt. Die Firma beantragt sogar 1,6 Mrd. € Staatshilfe. Die katastrophale Pannenserie 2009/2010 wird zum Problem für die gesamte japanische Industrie. 2011 verliert Toyota wieder die Spitzenposition an General Motors durch die Naturkatastrophe. Opel stellt Export nach Japan bis Jahresende 2006 ein. Volvo will das japanische Unternehmen Nissan Diesel (LKW) übernehmen. Im Batteriebereich (Lithium-Ionen) entstehen einige Kooperation: Nissan/ NEC, VW/ Sanyo, Daimler/ Samsung/ Evonik. 2008 wurden rund 1,8 Mio. japanische Autos in Europa produziert (144.000 Arbeitsplätze, 13,8% Marktanteil). Die japanische Nutzfahrzeuge - Daimler Tochter  Mitsubishi Fuso will mit Nissan Diesel Motor zusammengehen. VW will Ende 2009 20% von Suzuki kaufen. In der Kooperation kommt es immer wieder zu Konflikten (vor allem als VW Suzuki Vertragsbruch vorwirft). Suzuki will 2011 mit VW vor ein Schiedsgericht in London (VW soll seine Anteile abgeben). Das Schiedsgericht in London der internationalen Handelskammer erklärt die Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen im August 2015 für beendet. 2011 schließt BMW eine Kooperation mit Toyota beim Motorenbau. 2012 wird diese Zusammenarbeit ausgedehnt Richtung Zukunftstechnologien (Batterien, Hybrid, Brennstoffzellen). 2013 wird ein Kooperationsvertrag unterzeichnet. Der japanische Autozulieferer Musashi übernimmt im Mai 2016 Hay aus Bad Sobernheim. 2016 steigt Nissan bei Mitsubishi ein (34%). Ende 2017 wollen Toyota und Mazda gemeinsam die Entwicklung von E-Autos vorantreiben (Gemeinschaftsunternehmen mit Denso als Drittem). PSA aus Frankreich geht 2017 eine Elektromotoren-Allianz mit dem japanischen Nidec-Konzern (Nidec Leroy-Somer) ein. Ein wird auch ein neues Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Nissan investiert 2018 kräftig in China. Man setzt vor allem auf Elektroautos. 2019 hält der Markt in China Toyota in der Spur, es gibt einen Verkaufsrückgang in den USA, es wird mit einem Gewinn von 19 Mrd. € gerechnet. Die örtliche Einstiegsmarke Venucia soll  ausgebaut werden. Kommunikation/ Logistik: die Deutsche Post will  mit der japanischen Staatspost kooperieren, die 2007 privatisiert werden sollte (die Postreform scheitert am Parlament, bei Neuwahlen gibt es einen Erdrutschsieg für Koizumi und damit Rückendeckung für die Privatisierung), die japanische Post ist das weltweit größte Finanzinstitut, das Ersparnisse im Wert von 2,64 Billionen Euro verwaltet. Vodafone will das Japan-Geschäft abgeben. Die Deutsche Post geht als erstes deutsches Unternehmen ein Joint -Venture für den Versand von Werbebriefen mit dem japanischen Unternehmen Yamamoto Holdings ein (49%-Anteil). Die Regierung untersagt dem amerikanischen Hedge-Fonds TCI eine Aufstockung des Anteils an J-Power von 9,9 auf 20%. Die größte Fluglinie Asiens "Japan Airlines" muss 2010 in die Insolvenz. Danach soll es wieder neu "starten". In der zweiten Hälfte 2015 soll es einen Post-Börsengang geben. Das ist ein gewaltiges Privatisierungsprojekt (Post, Bank, Versicherung).  Handel: Die japanische Einzelhandelskette "Seven-Eleven", die weltweit 28000 Mini-Läden betreibt, kommt im Herbst 2006 mit modernen Tante-Emma-Läden nach Deutschland.  Der Gewinn von dem Luxusgüterkonzern "Egana Goldpfeil, das von dem Deutschen H.-J.Seeberger geführt wird, wuchs um 39% auf 27,2 Mio. €. Der Spielwarenriese Namco Bandai übernimmt den deutschen Puppenhersteller Zapf Creation. Der japanische Schweppes-Hersteller Suntory kauft 2014 für 12 Mrd. € den amerikanischen Whiskey-Produzenten Jim Beam.  Elekronik/ Hochtechnologie/ Digitale Unternehmen: Der Elektronik-Konzern Matsushita präsentiert Rekordergebnisse bis 2008/2009. Es soll vor allem auf Flachbildschirme gesetzt werden. Ab 2009 fahren viele Elektronikkonzerne rote Zahlen, vor allem Sharp. Sanyo muss auf Druck der Hausbank die Sanierung beschleunigen. Japans Solarfirmen (Sharp, Kyocera, Sanyo) greifen in Europa und Deutschland an. Bosch, das seit 1911 in Japan ist,  macht in Japan mit 20 Fabriken (8000 Beschäftigte) einen Umsatz von 2,1 Mrd. €. Mit 100 Mio. € beteiligt sich Bosch 2008 an Rinnai. Der Frankenthaler Pumpenkonzern KSB gründet zum 1. Juli 2008 ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem japanischen Spezialpumpenhersteller Nikkiso in Altenstadt bei Frankfurt. Der Mischkonzern Toshiba will sich stark auf den Bau von Atomkraftanlagen in aller Welt konzentrieren. In den USA kooperiert er mit Sandisk. Die japanische TDK übernimmt 2008 Epcos. Die japanischen Halbleiterhersteller Renesas und NEC schließen sich zum drittgrößten Chipproduzenten der Welt zusammen. Sony, Toshiba und Hitachi wollen in einem gemeinsamen Unternehmen Bildschirme für Smartphones und Tablet-Computer produzieren (2011). Der Kamerahersteller Olympus gerät 2011 stark unter Druck (Bilanzbetrug, Mafiaverbindungen). 2014 plant die BASF ein Gemeinschaftsunternehmen für Batteriechemie mit dem japanischen Unternehmen Toda-Kogyo (Mehrheitsanteil für die BASF; bis 2020 eine halbe Mrd. € mit Batteriematerialen umsetzen). 2014 verbündet sich Siemens mit Mitsubishi Heavy Industries aus Japan und macht ein Übernahmeangebot für den französischen Elektronikkonzern Alstom gegen General Electric (GE) aus den USA. DB Cargo geht 2017 eine Technologie-Kooperation mit Toshiba ein (Entwicklung einer Hybrid-Rangierlokomotive). Panasonic will enger mit dem US-Autobauer Tesla kooperieren. Ende 2017 steigt der japanische Technologie-Konzern Softbank bei Uber ein.   Dienstleistung: Allianz bietet in Japan Vorsorgeprodukte an. Die amerikanische Citi - Bank  übernimmt das japanische Geldhaus Nikko Cordial (61% Anteil). Die Deutsche Bank will ihr Geschäft in Japan stark ausbauen. 2013 gerät die Deutsche Bank wegen verdächtiger Spesenabrechnungen in das Visier der Aufsichtsbehörden. Die Finanzaufsicht geht gegen die Großbank "Mizuho" wegen illegaler Nutzung von Kundendaten vor. Der Finanzkonzern Sumimoto Mitsui steigt 2008 bei der britischen Bank Barclays ein 600 Mio. €, 2%). MUFG erwirbt 21% von Morgan Stanley. Nomura kauft das Asiengeschäft von  Lehman Brothers. Sumitomo Mitsui beteiligt sich an Barclays. Das Modehaus Jil Sander wird an den japanischen Konzern Onward Holdings verkauft. Japans Post drängt 2015 ins Ausland. Der Konzern kauft für fünf Milliarden Dollar die australische Toll-Gruppe.  Stahl: Die japanischen Anbieter Nippon und Sumitomo schließen sich zur Nummer zwei der Welt zusammen.

Vgl. zu einigen großen japanischen Unternehmen die entsprechenden Links.

Gründe, Wandel und Struktur der Direktinvestitionen (insb. in China):

"Wer nicht über den Bergkamm steigt, gelangt nicht in die Ebene", aus China.

Der Brexit macht Bundesländern Hoffnung auf die Ansiedlung von Unternehmen aus Asien. Viele haben London als einstieg in die EU gesehen und werden wechseln. Besondere Hoffungen macht sich NRW. Schon 600 japanische Unternehmen sind in Düsseldorf. In NRW sind auch schon 1100 chinesische Unternehmen ansässig. 

Generell können die Motive im Kostenbereich oder Absatzbereich liegen. Im Absatzbereich gewinnt die Logistik zunehmend an Bedeutung. Empirisch überschneiden sich in der Regel die Ursachen (kann über die Steigung der Exportfunktion gemessen werden). Hinzu kommen Monopolüberlegungen und das Streben nach Internalisierung (Risikostreuung, Kontrolle aller relevanten Faktoren, z. B. der Steuern). Von herausragender Bedeutung ist die Absicherung gegen das Transferrisiko (Währungsrisiko, zeigte sich nach der Umstellung auf ein flexibles Weltwechselkurssystem). Auch strategische Erwägungen wie zukünftige Potentiale, Rohstoffsicherheit, Lerneffekte und Dumping können eine Rolle spielen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Kultur einschließlich der Sprache (Beispiel: Irland).

Allerdings ist bei den Gründen der Wandel sehr groß: z. B. plant China Sonderregelungen und Vergünstigungen, etwa beim Steuerrecht, für ausländische Investoren abzuschaffen. Künftig gibt es für alle Unternehmen einen einheitlichen  Steuersatz von 25% (vorher chinesische Firmen 33%, ausländische Betriebe 15%). Ausländische Unternehmen müssen zukünftig auch wie die Chinesen eine Landnutzungsteuer zahlen (je nach Region 60 Cent bis 3 € pro Quadratmeter). In den Sonderwirtschaftszonen soll es eine schrittweise Umsetzung geben. Außerdem wird bei ausländischen Unternehmen sehr viel genauer auf die Einhaltung von Umweltvorschriften geachtet.  Drei Fünftel der chinesischen Exporte und fast der gesamte Export im Technologiesektor werden von ausländischen Firmen produziert. Damit ist das Land die größte Basar-Ökonomie: 55% des Handelsbilanzüberschusses 2006 kamen aus dem Import von Vorprodukten, deren Weiterverarbeitung und anschließender Ausfuhr (58% aus Unternehmen mit einer ausländischen Beteiligung von mehr als 25%.). Damit bekommt China auch nur einen kleinen Teil des Einkommens aus Exporten. Mittlerweile gibt es auch eine Migration von ausländischen Direktinvestitionen in andere Länder (Indonesien, Vietnam). 2008 werden ca. 14% aller weltweit hergestellten Güter in China produziert. Dies ist ein großer Schwachpunkt der chinesischen Wirtschaft. China selbst plant Direktinvestitionen im Ausland, vor allem im Energiebereich, mit Hilfe der staatlichen Investmentfirma, die sich aus Devisenreserven speist. Die chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland lagen 2005 bei ca. 200 Mio. €. 2009 lagen die chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland schon bei 629 Mio. €.  2013 liegen die deutschen Direktinvestitionen in China bei 7315, Saldo in Mio. €; die chinesischen Direktinvestitionen in China bei 3,8, Saldo in  Mio.€ (Destatis, IWF, Bundesbank). 2011 waren 158 chinesische Unternehmen in Deutschland. In Parchim bei Schwerin plant ein chinesischer Investor einen Flughafen zu errichten, der ein europäisches Drehkreuz darstellen soll (vergleichbar Dubai). In Europa ist Budapest die heimliche Hauptstadt der Chinesen, wo und von wo aus viele Direktinvestitionen durchgeführt werden. In Mailand sind viele Einzelhandelsgeschäfte aus China vertreten. Ab 2011 erlaubt China Auslandsinvestitionen in der Landeswährung Yuan. 2012 setzt ein Umdenken bei vielen deutschen Unternehmen in China ein. Die Personalkosten steigen sehr stark (Sozialversicherungssystem), die Marktbarrieren werden angehoben, die Steuern steigen und die Bürokratie wird immer mehr als Hindernis empfunden. Nach einer Umfrage der europäischen Handelskammer erwägt jedes 5. europäische Unternehmen abzuwandern. Am stärksten ist die Abwanderungswelle 2014 bei Firmen aus Taiwan. Arbeitsintensiven Branchen und Firmen mit hohem Energieverbrauch wird der Standort vielfach zu teuer. Die Unternehmen sind zunehmend in der Zwickmühle: denn der riesige Markt wächst.

Struktur: 2013 wurde die Rekordsumme von 117,6 Mrd. Dollar für Direktinvestitionen in China investiert. Das waren 5,3% mehr als im Vorjahr. 2010 gab es einen Rekord bei ausländischen Direktinvestitionen in China: 105,7 Mrd. $ (+17%). China investierte 59 Mrd. $ im Ausland (+36,3%). Dabei waren die ländlichen Provinzen im Westen und Zentralchina erstmals im Vordergrund. Im Jahre 2006 erfolgten Direktinvestitionen in  einer  Höhe von 81,1 Mrd. $ in China, ca. 11 Mrd. € davon aus Deutschland (kumuliert, 2007 14 Mrd., relativ zur Bevölkerung die meisten in der Stadt Taicang).  2008 betrugen die deutschen Direktinvestitionen 18 Mrd. €. Seit 1980 wurden ausländische Direktinvestitionen in Höhe von 524 Mrd. € genehmigt. Form: WFOE, EJV, CJV; 700 Mrd. $ seit der Öffnung. Insgesamt wurde in ca. 400.000 Fabriken investiert. Ausländische Firmen haben 2006 nach offiziellen chinesischen Angaben 78 Mrd. € (795 Mrd. Yuan) an Steuern gezahlt. 60% der Körperschaftsteuer geht an die Zentrale in Peking, der Rest an die Lokalregierungen. Die Änderungen im Steuergesetz 2007 sollen auch chinesische Privatunternehmen treffen, die Tochterfirmen auf den Bahamas oder den Virgin Islands haben (die chinesischen Unternehmen auf dem Heimatmarkt sollen gestärkt werden). Der Staat verhinderte Mehrheitsbeteiligungen ausländischer an chinesischen Firmen (Citigroup - Guangdong Development Bank, Private -  Equity - Firma "Carlyle" - Maschinenbauer "Xugong", ZF Friedrichshafen - Hangzhou)). Fast alle größeren Partnerschaften in Schlüsselbranchen benötigen die Genehmigung der Regierung (max. 20% bei Banken, 49% in der Automobilindustrie). Die amerikanischen multinationalen Unternehmen, die in China produzieren, und in die USA exportieren, verursachen einen großen Teil des amerikanischen Handelsdefizits. Immer mehr Unternehmen aus Taiwan ziehen sich wegen der hohen Löhne und Gehälter aus China zurück. Seit Ende 2012 bis 2014 sind 44 Unternehmen zurückgekehrt. Andere Betriebe gehen in Länder mit niedrigerem Lohnniveau.   2012 ist China erstmals der gefragteste Investitionsstandort für deutsche Unternehmen (43% in einer Umfrage des DIHT). China war auch Partner auf der Hannover Messe 2012. 500 Aussteller aus China waren da. Immer mehr Direktinvestitionen werden im Westen getätigt. Der Zuwachs ist in Chengdu (Zuwachs 200 bis 2010 36%) und Chongqing (43%) am höchsten. Die Personalkosten sind wesentlich niedriger als in den Sonderwirtschaftszonen.

Der chinesische Staatsfonds will 66 Mrd. $ im Ausland investieren. Zuerst wurden 3 Mrd. $ in eine Beteiligung bei Blackstone investiert. Zunehmend investieren chinesische Unternehmen im Ausland. Seit Mitte 2010 betriebt der Logistikkonzern Cosco das größte Containerterminal im Hafen von Piräus. Dieses soll noch weiter ausgebaut werden. Weitere Kooperationen mit Griechenland sind geplant (Tourismus, Olivenöl-Lieferungen). Immer erfolgreicher sind chinesische Baukonzerne im Ausland. 2010 gewinnt Covec eine Ausschreibung in Polen. Die Bank of China baut ihre Europazentrale neben die britische Notenbank. In Rumänien wird vor allem in Landwirtschaft und Bergbau investiert.  2012 investiert der chinesische Baumaschinenhersteller Shandong Heavy Industry 400 Mio. € in die italienische Feretti-Werft (Mehrheit, Luxusyachten). Ca. ein Dutzend chinesische Industriebetriebe haben viele Arbeitsplätze im US-Bundesstaat South Carolina geschaffen. Mittlerweile sind 2010 ca. 800 chinesische Unternehmen mit Direktinvestitionen in Deutschland aktiv (z. B. Beteiligungen bei Waldrich Coburg und Rossmann, Übernahme von Dürkopp Adler 2005 durch SGSB, 2004 die Schiess AG von Shenyang Machine Tool Group). Am bekanntesten ist die Übernahme von Volvo durch Geely für 1,3 Mrd. Euro. Aufsehen erregt auch die Übernahme von Medion (Aldi-Computerlieferant) durch Lenovo im Sommer 2011. Der Konstanzer Solarzellenhersteller Sunways kommt auch in chinesische Hände (LDK). 2011 werden noch übernommen Humboldt Weda (Zementanlagenbau)  von Avic International und Preh (Autoelektronik) von Ningbo Joyson sowie Saargummi von Chongqing Light Industry. Anfang 2012 übernimmt der Sany-Konzern den deutschen Pumpenhersteller Putzmeister (500 Mio. €?). Man holt einen international erfahrenen Private Equity Investor mit ins Boot (Citic Private Equity, Hongkong). Auch der zweitgrößte deutsche Beton-Pumpenhersteller Schwing wird 2012 vom chinesischen Konzern XCMG übernommen. Weiterhin werden 2012 gekauft Kiekert (Schließsysteme) von Lingyun, Drossbach (Maschinenbau) von Dalian Sunlight Maschinery, und Solibro (Solar) von Hanergy. Direktinvestitionen in energetische und mineralische Rohstoffe werden bevorzugt in Südostasien, Südamerika und Afrika ( 29 Länder in Afrika) getätigt. 2012 wird das erste chinesische Automobilwerk in Europa eröffnet: Great Wall, Geländewagenbauer, im Norden Bulgariens. 2012 verhandelt der Baumaschinenkonzern Shandong Heavy Industry über den Einstieg bei Kion (Gabelstapler Linde und Still, Kapitalerhöhung um 25%). Weichai Power sichert sich Ende 2012 weitere 3,3% (hält schon 25%). Ein anderer chinesischer Investor will den Werkzeugmaschinenhersteller MAG übernehmen (Shenyan Machine Tool). Man möchte von der deutschen Qualitätskultur profitieren. Ende 2012 wird der mittelständische deutsche Haushaltsgerätezulieferer Aweco vom chinesischen Mischkonzern Zhejiang Sanhua übernommen. Im November 2013 wird der schwäbische Feuerwehrautohersteller Ziegler von CIMC aus Shenzhen übernommen. 2015 übernimmt Xiamen Comfort Service Medisana in Neuss (Medizinprodukte). 2016 übernimmt ChemChina Kraus Maffei in München (von einem kanadischen Unternehmen). Unklar bleibt 2017, was die Chinesen mit dem unternehmen vorhaben. Auch 2016 übernimmt die Shanghai Electric Group 20% am Maschinenbauer Merz aus Much. 2016 übernimmt Midea aus China die Mehrheit an Kuka (Augsburg, Fertigungsroboter, 4,5 Mrd. €). Daimler bekommt 2018 einen chinesischen Großaktionär (Geely 9,69%). Im März 2018 übernimmt der chinesische Möbelhersteller Jason Furniture den deutschen Luxus-Möbelhersteller Rolf Benz in Nagold.  Im März 2019 kauft die chinesische Firma Fuyao Glass Group, Fuqing, den deutschen Autozulieferer SAM aus Bolinenkirch/ Göpping (hatte 2018 Insolvenz angemeldet). Die meisten chinesischen Unternehmen in Deutschland hat 2012  das Bundesland NRW (240 mit 2600 Beschäftigten) vor Hessen mit 140. RLP hat nur 15 chinesische Unternehmen. Deutschland hat Großbritannien als Hauptzielland in der EU mittlerweile abgelöst. Investiert wird in Europa nicht mehr nur in die Industrie. Chinesische Investoren kaufen z. B. reihenweise Weingüter rund um Bordeaux auf. 2013 sind schon 58 in chinesischer Hand. Im Herbst 2013 steigt der chinesische Staatsfonds CIC über eine Tochter mit 12,5% bei der russischen Firma Ural-Kali ein. Die KfW macht 2018 eine Untersuchung über ausländischen Direktinvestitionen beim deutschen Mittelstand (weniger als 500 Mio. Umsatz im Jahr). 2017 wurden danach 1100 mittelständische Unternehmen aufgekauft oder mit einer anderen Firma fusioniert. Davon ging fast jede zweite an einen ausländischen Investor (51%). Seit 2010 drängen zunehmend chinesische Investoren auf den deutschen Markt (2016 Anteil von 5,9%; 2017 4,2%). Von 2005 bis 2017 macht der Anteil chinesischer Käufer 2,2% aus. 8,3% kamen aus den USA (Finanzinvestoren).

Die Verteilung der Chinesischen Direktinvestitionen (2013) zeigt folgende Struktur: An der Spitze liegen die USA mit 16,9%. Dann folgen Europa mit 15,8% und Asean (11,6%). Dahinter liegen Japan (6,4%) und Südkorea (4,3%). Indien (2,3%), Russland (2,3%)  und Taiwan (2,0%) liegen weit hinten. Diese Struktur ändert sich 2015: In diesem Jahr haben chinesische Investoren 23 Mrd. Dollar in Europa investiert (Rekord und Spitze). Die höchsten Investitionen gab es in Italien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland. Am wichtigsten waren der Automobilsektor und die Immobilienbranche. 2016 haben die Chinesen für 111 Mrd. $ in Europa hinzugekauft. In den USA und Kanada betrugen die chinesischen Investitionen 17 Mrd. Dollar. Insgesamt liegen diese Länder mit 108 Mrd. Dollar noch vor Europa (97 Mrd. Dollar), was den Stand angeht (Quelle: Bericht der Kanzlei Baker & McKenzie). 2016 nach der Brexit - Entscheidung gehen die chinesischen Investitionen in Großbritannien zurück (das zeigt sich auf dem "Sommer - Davos" in Tianjin, Hafenstadt nahe Peking). Die ausländischen Direktinvestitionen in China sind 2016 leicht gestiegen (108 Mrd. Euro). Ende 2016 teilt die staatliche Planungskommission (NDRC) mit, dass wichtige Teile des Dienstleistungssektors in China für ausländische Investoren geöffnet werden sollen. Dazu zählen Banken, Versicherer sowie Wertpapierhandel (auch Terminkontrakte). Zwischen 2000 und 2016 haben chinesische Firmen die höchsten Direktinvestitionen in Großbritannien und Deutschland getätigt (über 13 Mrd. Euro). Dann kommen Frankreich und Italien (7 bis 13 Mrd. Euro; Quelle: Rhodium Group). Insgesamt hat China mit seinen Auslandsdirektinvestitionen  zwischen 1985 und 2016 einen Anteil von 11 Prozent an allen Direktinvestitionen. (Quelle: PRC Ministry of Commerce, Unctad). 2016 steigen Chinas Auslandsinvestitionen auf 189 Milliarden Dollar, das sind 40% mehr als im Vorjahr. In der EU beträgt die Steigerung sogar 77% (Quelle: Mercator Institut für Chinastudie (Merics). Außerdem legen chinesische Investoren 2017 13,7 Mrd. Dollar (11,1 Mrd. €) in deutschen Firmen an, so viel wie noch nie vorher. Die Anzahl der Firmenübernahmen ging zurück (54 gegenüber 2016 68). Einflussfaktor: chinesische Aufsichtsbehörden, deshalb die meisten Investitionen aus Hongkong.  2019 will der chinesische Druckmaschinenbauer Masterwork Group Ltd., seit 2014 Vertriebspartner, größter Aktionär bei dem Konzern Heidelberger Druck werden. Masterwork zahlt 69 Mio. €.

ICCN GmbH, Hoppstädten-Weiersbach/ bei Birkenfeld (International Commercial Center Neubrücke; seit 2012; über 700 Chinesen in dem Dorf, Oak Garden; 265 chinesische Unternehmer 2018; Kooperation mit HS Birkenfeld). Das ist so etwas wie das Zentrum Chinas in RLP. Es besteht Entwicklungspotential im Zusammenhang mit Medizintourismus und Marx-/Engels-Tourismus. In der Nähe ist der Flughafen Hahn, bei dem HNA aus China der Eigentümer ist.

Strategie bei den Direktinvestitionen: Das Münchener Ifo-Institut hat die Direktinvestitionen empirisch analysiert (2019). Sie untersuchten über 70.000 Firmenkäufe in 92 Ländern von 2002 bis 2018.  Bei 1900 Übernahmen kamen die Käufer aus China. In 171 Fällen wurden deutsche Unternehmen übernommen. Die chinesischen Investoren werden nicht per se mit Staatsgeldern unterstützt. So können sie auch nicht jeden Wettbewerber überbieten. Sie konzentrieren auf Firmen, die sie billig kaufen können (die Verschuldungsquote liegt mit 6,5% über dem Durchschnitt). Die durchschnittliche Profitabilität der Zielunternehmen war gering. Die Größe lag meist über dem Durchschnitt. Es werden von Seiten der Staatsunternehmen Unternehmen aus der Rohstoffgewinnungs- und er Agrarbranche bevorzugt. Private Unternehmen präferieren Elektro-, Maschinenbau- und Fahrzeugindustriefirmen. Damit scheint China einen langfristigen Plan zu haben, der zum Neuen Seidenstraßenprojekt oder zu Made in China 2025 passt.

 

"China wird zur Produktionsbasis der Welt", Jürgen Hambrecht, Ex-Chef der BASF (Manager des Jahres 2005, Ex-Vorsitzender des APA, Motto: "Schaffe, net schwätze").

       Markt:  (Marktanalyse, Markteintritt; Marketing)

"Den Fluss überqueren, indem man Stein für Stein ertastet", Deng Xiaoping. Dies ist meist die richtige Strategie für beide Länder.

China:                               (direkt zu Japan)

Obwohl das Pro-Kopf-Einkommen in den letzten Jahren ständig gestiegen ist, führen die regionalen Disparitäten zu einer insgesamt noch sehr geringen Kaufkraft außerhalb der Sonderwirtschaftszonen. Der Markt in China ist auch in hohem Maße differenziert und segmentiert. Dies gilt sowohl regional als auch von der Kaufkraft her. Im Wirtschaftsboom ist darüber hinaus der Wettbewerb sehr stark ausgeprägt. So ist in vielen Branchen der Markt zwischen den ausländischen Wettbewerbern schon aufgeteilt. Auch chinesische Unternehmen wachsen immer mehr zu Wettbewerbern heran. Für den Markteintritt sollte man China als Partner akzeptieren, so dass auf Augenhöhe verhandelt wird. Um in China erfolgreich zu sein, muss man ein lokales Unternehmen werden. Im Konsumgüterbereich ist oft ein Hindernis, dass die Handelslandschaft fehlt. So man z.B. auf Franchising ausweichen, sollte aber auf die Professionalität der Partner achten.

Für die Marktforschung in China gilt das Gegenteil des folgenden Spruches:  "Des Himmels Netz hat weite Maschen und doch entkommt ihm nichts", Lao-tse. Das heißt aber nicht, dass man auf Fakten und Informationen verzichten soll, denn man sollte es auch mit folgendem Spruch halten: "Geh lieber nach Hause und mache ein Netz, als dass du im Teich nach Fischen tauchst", Chinesisches Sprichwort (Könnte heißen: Sammle erst ausgiebig Informationen über Ostasien und mache dann ein erfolgreiches Asienmanagement). Unterschätzt werden die kulturellen Unterschiede. "Wir dehnen die Binnennachfrage energisch aus, besonders die Verbrauchernachfrage", Wen Jiabao, Premierminister, im Mai 2012.

Indikatoren: Für China entwickelt wurde der Keqiang-Index. Er wurde nach dem jetzigen Premierminister Chinas Li Keqiang benannt, der in einem Gespräch mit US-Diplomaten die offizielle Statistik des Nationalen Statistikbüros als "menschengemacht und unzuverlässig" abtat. In den Index gehen die wirtschaftliche Aktivität anhand der Variablen Energieverbrauch (Strom), Kreditvergabe und Eisenbahnfrachttonnen (Frachtvolumen) ein.  Große Bedeutung hat mittlerweile der Einkaufsmanager-Index (PMI) für die Beurteilung der chinesischen Industrieaktivitäten. Das Wirtschaftsmagazin "Caixin" veröffentlicht ihn regelmäßig. Zu Beginn 2016 führt ein Rückgang von 48,6 auf 48,2 zu Aktieneinbrüchen in Shanghai. Sehr starke Aufmerksamkeit richtet man in China auf die Entwicklung der Erzeugerpreise (Index der Erzeugerpreise). ein deutlicher Rückgang zeigt in der Regel Konjunktureinbrüche an. China Satellite Manufactoring Index: Er überwacht die Industrieproduktion. Per Satellit werden 6000 Industrieregionen beobachtet (Start up Space now).

Tätig sind als KMU vor allem die klassischen Zulieferfirmen für deutsche Großunternehmen. Zunehmend engagieren sich auch deutsche KMU, die Absatznischen sehen. Diese sind meist im Bereich der Industrieausrüstung, d. h. viele deutsche Mittelständler bauen die Fabriken für die "Fabrik der Welt". Im Konsumgüterbereich sind die teuren deutschen Qualitätsprodukte in Anbetracht der niedrigen Kaufkraft kaum zu verkaufen, so dass Produkte lokal mit chinesischen Partnern für den heimischen Markt billiger hergestellt werden müssen. Insgesamt sind etwa 2000 deutsche KMU (2700 deutsche Unternehmen aller Größenklassen) auf dem chinesischen Markt aktiv. 2012 wird diese Zahl mit über 5000 angegeben (Wirtschaftswoche global 1/2012, S. 30). Vorrangig interessiert bei KMU der chinesische Markt; niedrigere Löhne sind ein Motiv unter vielen. Alle Kosten müssen berücksichtigt werden. Die Strategie, mit Joint - Venture in den Markt zu gehen, wird seltener; der Trend geht zum Aufbau eigener Töchter. In jedem Falle braucht man einen "langen Atem" (Stetigkeit im Engagement) und ein kluges Beziehungsmanagement. Vor einiger Zeit habe ich einen Aufsatz zu diesem Thema geschrieben. Mit Gastgeschenken in größerem Umfang findet zur Zeit eine Abzocke statt; bei lokalen, kleinen Unternehmensberatungen oder deutschen Organisationen sollte man vorher Erkundigungen über die Seriosität von Geschäfts- und möglichen Kooperationspartnern einholen. Nach der Wirtschaftskrise ändern sich die Bedingungen sehr schnell, so dass die KMU sehr flexibel sein müssen. Die Kosten müssen drastisch reduziert werden, um auf die Umsatzeinbrüche zu reagieren. Der Urheberrechtsschutz ist noch sehr unzureichend. Immer mehr deutsche KMU finanzieren über ihre deutsche Hausbank alle Geschäfte in China wegen der niedrigen Kreditzinsen in Deutschland. Dies ist oft auch notwendig, weil die chinesischen Banken genau prüfen, wie lange das Unternehmen auf dem deutschen Stammmarkt erfolgreich ist. Beachtet wird auch, wie lange das Unternehmen in China schon ist. Ca. 20% der KMU sind seit mindestens 10 Jahren in China, 40% seit vier bis zehn Jahren, 53% seit maximal vier Jahren (Quelle: AHK China). Zur Senkung des Geschäftsrisikos gibt es bei Shanghai eine Art Wohngemeinschaft von deutschen KMU (Kunshan). Wegen politischer Unsicherheiten und Know-how-Klau suchen deutsche Mittelständler nach alternativen Standorten. Viele entscheiden sich dabei für den verlässlichen Standort Singapur. Die deutschen Direktinvestitionen sind 2012 auf fast 12 Milliarden Euro gestiegen (von 4,8 Milliarden Euro 2005). In Anbetracht des riesigen Marktes streben trotzdem 2014 wieder mehr Mittelständler nach China. Sie treffen dort auf eine schwächelnde Wirtschaft, die ein Risiko darstellt. Weitere große Risiken sind folgende: Finden und Binden neuer Mitarbeiter. Die Fluktuation ist ein großes Problem. 19% aller Mitarbeiter in China verlassen ihren Arbeitgeber im Schnitt pro Jahr (dies ist besonders tragisch bei privaten Bildungsinvestitionen). Die Mitarbeiter, die man bekommen kann, haben meist Defizite in der Bildung. Ein deutscher Geselle kann manchmal besser sein als ein chinesischer Ingenieur. Ein großes Problem stellt auch der enorme Gehaltszuwachs dar (seit 1999 258%; die Produktivität stieg in dem Zeitraum um 167 %).

Viele deutsche Konzerne setzen auf Hongkong als Standort für die
Asien-Zentrale. Ca. 400 Mitglieder hat die deutsche Außenhandelskammer. Wichtig ist dabei die Offenheit und Unabhängigkeit der Metropole (weniger wichtig sind die Steueranreize). Ökonomisch stärker ist mittlerweile Shanghai.

2009 wurden deutsche Waren im Wert von 36,5 Mrd. € nach China exportiert. Dies sind 7% mehr als im Vorjahr (die gesamten Exporte sanken um 18,4%). 37% der deutschen Firmen wollen in Zukunft in China investieren (Umfrage DIHT 2010). Nach dem Firmenverzeichnis des German Company Directory (GCD) haben 2011 4035 Firmen eine Niederlassung in China. Mit der Expansion des Handels und der Direktinvestitionen steigen die Marktchancen von Logistikunternehmen aus Deutschland rapide. Die lokalen Logistikanbieter in China sind meist nur durchschnittlich. Als erfolgreiches Beispiel gilt Duisport Packing Logistics. Mittelständler in China versuchen, untereinander enge Beziehungen zu knüpfen, um höchste Qualität liefern zu können. Sie beliefern sich vor allem gegenseitig mit Vorleistungen.  Gut scheint dies im Raum Shanghai zu funktionieren (z. B. EBM-Papst, Rittal, Gildemeister). "Wie der Yangtze und der Rhein, die lebendig fließen und nie versiegen, so wird die Freundschaft zwischen China und Deutschland ewig bleiben", Wen Jiabao, Chinas Premier auf der Hannover Messe 2012.

2018 steigt die Nachfrage der chinesischen Verbraucher nach Lebensmitteln, Kosmetik und Autos weiter an. Der Appetit auf ausländische Waren wächst. Gefragt sind Kosmetikartikel, Uhren, Brillen, Babyprodukte, Autos und Schmuck.

Automarkt: Für deutsche Hersteller ist er der wichtigste der Welt. Er wächst 2018 nur noch bei Premium-Autos und E-Mobilen. Vor allem VW hat Probleme. Die goldenen Zeiten scheinen vorbei zu sein - vielleicht für immer. 2018 geht der Gesamtabsatz leicht zurück, wahrscheinlich auch 2019. Aber immer noch setzt VW 40% seiner Autos dort ab. 2018 ist der chinesische Automarkt eingebrochen. Der Absatz ging um 6% zurück (Quelle: China Passenger Car Accociation, PCA). Es drohen jetzt Überkapazitäten. 2018 wurden noch 23,3 Mio. PKW zugelassen (in Deutschland 3,4 Mio.). Das autonome Fahren und die Elektromobilität entwickeln sich rasant in China.

Bei den Smartphones bricht 2018 der Absatz in China ein. Die Auslieferungen gingen um 12,0 bis 15,5% zurück. Ursachen dürften der Handelsstreit mit den USA und die anhaltende Konjunkturschwäche sein. Das wirkt sich auch auf die Unternehmen Samsung und Apple aus.

Chemiemarkt: China macht 40% des Weltmarktes für Chemie aus. Die BASF ist dort stark vertreten.

"Sind Rüben auf dem Markt gefragt, muss man sie nicht waschen", Chinesisches  Sprichwort.

Japan:

Der japanische Markt hat einen knapp 20%-Anteil am Weltkonsum. Die Japaner sind anspruchsvolle Konsumenten. Japan ist aber auch ein guter Testmarkt für andere Länder: Weltkonsumtrends, Technologiepfade, Geschäftsmodelle. Man braucht als ausländisches Unternehmen interkulturelles Feingefühl und Mentalitätskenntnisse. Vgl. Hatsubai, Shin/ Schneisewind, Dieter: Markt und Marketing in Japan, München 1998 (Beck).

Hindernisse stellen dar bzw. wichtige Faktoren sind: Sprache, Kulturgeschichte, Bildung, Anreize, Taktik/ Strategie.

Der Tankan-Index in Japan (Tanki Keizai Kansoku: kurzfristige Wirtschaftsbeobachtung) wird von der Bank of Japan (BoJ) in Tokio herausgegeben. Er wird vierteljährlich herausgegeben. Er gleicht dem ifo-Index. Er ist einer der wichtigsten Frühindikatoren Asiens. Er misst die Stimmung von Großunternehmen der japanischen Wirtschaft (10.000 private Firmen, Rücklaufquote 99%; seit 1974). Er beeinflusst auch den Aktienindex, den Wechselkurs und die Geldpolitik. Auch Ursachenforschung wird betrieben. Er ist kostenlos, auch in Englisch, erhältlich: www.boj.or.jp./en/statistics/tk/index.htm .

Angesichts der 13 Jahre andauernden Rezession ordnete und orientierte sich die gesamte Wirtschaft einschließlich Markt, Finanzwelt und Institutionen neu (Deregulierung): So wurden viele bürokratischen Hemmnisse angebaut, das verschlungene Distributionssystem im Groß- und Einzelhandel wurde verkürzt und vereinfacht und neue Geschäftsbereiche wurden geöffnet (z. B. Gesundheitswesen).

Die Kundenorientiertheit, dass heißt neue Kunden zu gewinnen und zugleich alte Kunden zu erhalten, sollte immer im Vordergrund stehen verbunden mit Kundenservice (bis zu "Amae"). Die japanischen Kunden achten besonders auf die Produktqualität und Zuverlässigkeit. Ein gute Beziehung zu japanischen Behörden und deren Beamten sollte gepflegt werden (bis zu "Ogoscho"), die dann auch als Informationsquelle genutzt werden können. Dies ist angesichts des komplexen rechtlichen Rahmens, insbesondere bei Exporten,  oft notwendig. Genauso wie die japanischen sollten auch die ausländischen Unternehmen die Konkurrenz, die zunehmend aus China kommt,  immer im Auge behalten. "Größe allein dient nicht notwendigerweise dem Kunden", Leitspruch von Akio Toyota, Chef von Toyota.

Verpackung: Hier gibt es besonders große kulturelle Unterschiede. Eine herausragende Rolle spielt die Verpackung in Japan. sie ist fast wichtiger als das Produkt. Allerdings ist die Rolle für KMU zu relativieren, da die meisten deutschen erfolgreichen KMU im Investitionsgüterbereich aktiv sind. Verpackung hat eine Vielzahl von Aspekten: Geschlechtsunterschiede, Kinder, Online-Shopping, Preis, veränderte Wahrnehmung, Erfahrung, Differenzierung homogener Produkte, ökologisch (ohne Verpackung), Gefühle (Neuro-Ökonomie), Praxis. Mittlerweile gibt es immer mehr Verpackungsfrei-Läden. Sie basieren auf dem Zero-Waste-Prinzip (fünf R, refuse, reduce, reause, recycle, rot/ kompostieren; als Erfindern gilt Bea Johnson). Ästhetik: Sie spielt im Marketing in der Form (Produkt), in der Kommunikation (periphere Botschaft) und in der Symbolik (räumliche Gestaltung, Struktur) eine Rolle. Besonders prägend ist die Ästhetik im japanischen Marketing. "Wabi Sabi" (Einsamkeit, Freisein) und "Kawai" (kindisch) sind berühmte Konzepte. Eine besondere Rolle spielt hier die Verpacklung. Design 2.0 bezeichnet nachhaltige Produkte von morgen. Zur Rolle der Verpackung in Japan habe ich eine Reihe von Diplom- und Bachelor - Arbeiten betreut.

Im Vordergrund bei deutschen KMU steht in der Regel der Ausbau eines Vertriebsnetzes und des Kundendienstes. Produktionsstandorte in Japan für die Markterschließung werden weniger gesucht. Vgl. Markteintritt von Klein- und Mittelbetrieben in den japanischen Markt von Parissa Haghirian, in: Pohl, M./ Wiechorek (Hrsg.): Japan 2006, Hamburg 2006, S. 151 ff.

Im Sommer/ Herbst 2007 habe ich ein Projekt zur interkulturellen Kommunikation mit Schwerpunkt "Zusammenhang Wirtschaft-Kultur" in Bezug auf Japan durchgeführt.

Markt "Südostasien": Dort entsteht ab 2015 mit der AEC (Asean Economic Community) eine neue Wirtschaftsgemeinschaft (Marktpotential ca. 600 Mio. Menschen). Dahinter stehen die ASEAN-Länder. Welche Unternehmensstrategie man wählt, hängt insbesondere von der Branche ab: im Hightech-Bereich sollte man Malaysia, Singapur und Thailand ins Auge fassen. Bei Billigproduktion kommen Kambodscha, Laos und Myanmar in Frage. Für Massenproduktion eignen sich Indonesien und Vietnam. Für Dienstleistungen sind Brunei und die Philippinen geeignet. Vorteile in dieser Region sind große Investitionsanreize, Einsparen von Handelskosten, teilweise westliche Gesetzgebung, Steuerbefreiungen. Risken sind nationale politische Eigeninteressen, kleinteilige Märkte, unterschiedliche Geschäftskulturen. Vgl. Markt und Mittelstand 10/ 2014, S. 64ff. Singapur, Malaysia und Thailand gehören zu den wirtschaftsfreundlichsten Ländern. Die Ausfuhr deutscher Unternehmen in die Asean-Wirtschaftszone lag 2012 bei 22,6 Mrd. Euro (+15,7%, Destatis).

2010 wollen wieder mehr deutsche Firmen in Asien investieren. Nach einer Umfrage des DIHT bei 9000 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes 44%. Die Unternehmen wollen vor allem ihren Vertrieb und den Kundenservice in Asien ausbauen. Kostengründe spielen eine untergeordnete Rolle (28%, in China nur 20%).

Lebensmittel und Wertschätzung: Obst wird 2017 in Japan zum Luxusgeschäft. Die Japaner lieben das heimische Obst. Manche Früchte erreichen Luxuspreise (Beispiel: eine Erdbeere umgerechnet 8 Euro; eine Melone kann 220 Euro kosten). Obst wird Geschäftspartnern und Freunden als ein Zeichen der Wertschätzung überreicht. Auch die Preise für Thunfisch steigen rapide. Die Waren werden zum Teil in Luxusgeschäften in Tokio angeboten. Es gibt immer mehr Bio-Höfe in Japan. Vor allem auf den kleineren Inselgruppen, wie etwa auf Okinawa. Sehr kompliziert ist die Herstellung der Udon - Nudeln. Man muss lange dafür lernen. Man arbeitet mit Händen und Füßen. Bei Bio-Lebensmitteln gibt es Kooperationen mit der Schweiz.

Bevölkerungsentwicklung in Japan und Märkte: Japans Bevölkerung schrumpft seit 14 Jahren (von 2019 zurück). Lange hielten viele japanische Unternehmen den Heimatmarkt für groß genug (2019: 127 Mio. Menschen gegenüber Deutschland mit 81 Mio. Menschen). Jetzt kämpfen die Unternehmen des Landes um neue Kunden in aller Welt und um die Konsumentengruppe der Betagten ("Silver Hairs"). Die jungen Konsumenten gehen nach und nach verloren. 2017 war Japan mit insgesamt 160 Mrd. US-Dollar der zeitgrößte Auslandsinvestor der Welt. Damit überholten die japanischen Firmen sogar China. Das war schon einmal, bis die Expansion nach dem Platzen einer Spekulationsblase 1990 vorerst vorbei war. Vgl. Lill, Felix: Wir haben Poldi, kauft bei uns, in: Die Zeit Nr. 16, 11. April 2019, S. 29.

"Wirkung ist die Vergeltung der Ursache", Japanisches Sprichwort.

"Ich kann mir gut vorstellen, dass unser nächster Wettbewerber aus China kommt, ich weiß nur nicht genau, wann", James McNerney, Boss von Boing.

Tee ist in China etwa seit dem 3. Jh. n. Chr. bekannt und wurde ab dem 6. Jh. beliebt und auch dann nach Japan exportiert. Das deutsche Wort "Tee" leitet sich auch aus dem Chinesischen ab (ti - Fujian-Dialekt). Bekannt ist vor allem der grüne Tee (nicht fermentierte und getrocknete Blätter). Heute wird in China ein Viertel der Weltteeproduktion hergestellt. Hangzhou in der Provinz Zhejiang an der Ostküste Chinas ist eine der Geburtsstätten der chinesischen Teekultur. "Not for all the tea in China" bedeutet "not at any price" (aus dem 19. Jahrhundert, als Tee sehr teuer war). Dort wird der berühmte Drachenbrunnentee angebaut. Die März-Ernte wird als Kaiser-Tee bezeichnet. Sie war früher nur dem Kaiser und ist heute den KPC-Spitzen vorbehalten.

 

Wirtschaftsbeziehungen zwischen  China und Japan (bzw. Verhältnis allgemein):

"Ohne die Kälte des Winters gäbe es die Wärme des Frühlings nicht", Zen.

340 Mrd. Dollar beträgt das Volumen des gegenseitigen Handels 2011. 2010 hat Japan Güter im Werte von 18,9 Mrd. € nach China geliefert. Es handelt sich vor allem um Elektronik, Maschinen, Autos und chemische Produkte.Im Jahre 2009 war aus Sicht Japans China (Exporte: 78,6 Mrd. €, Importe 87,9 Mrd. €) der wichtigste Handelspartner. Exporte von China nach Japan 2006: 90 Mrd. € (114 Mrd. $ 2005, 11%; 87,4 Mrd. $ 2004: 12%). Exporte von Japan nach China 2007 77 Mrd. € (2006: 85 Mrd. € , 80 Mrd. $ 2005, 75 Mrd. $ 2004, 13% der japanischen Exporte, 15,2% der chinesischen Importe). China größter Handelspartner Japans vor USA und Deutschland.  Japan wichtigster Handelspartner Chinas. Im Jahre 1972 betrug das Handelsvolumen noch 1,1 Mrd. $, im vergangenen Jahr über 207,36 Mrd. $  (2010: 340 Mrd. Dollar). Vereinbarte Japanische Direktinvestitionen in China 7,96 Mrd. $ 2003 (+66%). Die getätigten DI stiegen 2004 auf 5 Mrd. $, 2006 lagen sie bei 4,6 Mrd. $, -30% gegenüber 2005. Umgekehrt gibt es nur ganz wenig chinesische Direktinvestitionen in Japan (im mittelständischen Bereich), bevorzugt wird eher Hongkong und Macao, bei Ressourcen auch Süd- und Nordamerika und Afrika. Der Anteil der asiatischen Direktinvestitionen an allen Auslandsinvestitionen in Japan beträgt nur 7,6%. Beide Länder rivalisieren um Energiequellen in umstrittenen Meeresabschnitten. Im Herbst 2010 bricht der Konflikt bei den Senkaku-Inseln wieder auf. Diese Gewässer gelten als reich an Öl und Gas. Anlass ist die japanische Festnahme eines chinesischen Fischers. Im April 2007 besucht Chinas Premier Wen Jiabao nach sieben Jahren Pause Japan, um die Wirtschaftsbeziehungen noch zu verbessern.2011 kooperiert China mit Japan bei Währungen. Es wird die direkte Abwicklung von Handelsgeschäften in den Währungen Renmimbi und Yen vereinbart (bisher über Umweg Dollar, was teuer ist). Japan will auch ein Teil der Devisenreserven in chinesische Staatsanleihen investieren. Beide Länder streiten um eine Inselgruppe im ostchinesischen Meer. Die Inselgruppe wird in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannt. Im Herbst 2012 belastet die Auseinandersetzung um die Senkaku Inseln (so in Japan genannt; in China: Diaoyu) die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und China. Japan will die Gruppe für 20,8 Mio. $ von der Unternehmerfamilie Kurihara kaufen. Im November 2013 richtet China eine Flugüberwachungszone über dem ostchinesischen Meer ein. Die definierte Zone umfasst Gebiete, die Japan, Südkorea und Taiwan als ihre Luftverteidigungszonen betrachten. Die USA schlagen sich auf die Seite dieser Länder. Die Frage ist, ob die Spannungen 2014 eskalieren könnten. Wahrscheinlich gibt es weitere Zwischenfälle. Aber die wirtschaftliche Verflechtung zwischen den USA und China ist sehr hoch (China zweitgrößter Handelspartner und größter Gläubiger der USA). China setzt sehr stark Mittel der internationalen Kommunikation ein (Staatspräsident Xi Jinping will Ende März 2014 bei seinem Deutschlandbesuch das Holocaustdenkmal besuchen; wohl um Japan zur Aufarbeitung seiner Gräueltaten an Chinesen im 2. Weltkrieg zu erinnern). Schon vorher hatte das chinesische Fernsehen immer wieder die Judenvernichtung gezeigt. Der steigende Nationalismus in Japan und die Haltung, sich nicht offen mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, belasten die Beziehungen, auch die wirtschaftlichen, zu China und Süd-Korea. Im Mai 2018 besucht der chinesische Ministerpräsident  Le Keqiang Japan. Man vereinbart Verhandlungen über die umstrittenen Inselgruppen und eine Ausweitung des Handels zwischen beiden Ländern.

Im WS 2007/2008  im 2. Studienabschnitt (im Hauptstudium) führte ich zu diesem Thema ein Seminar  bei MO/IBM EA  (auch Ostasien in der Globalisierung) durch. Themenvereinbarungen für Seminararbeiten per Email während des Auslandsaufenthalts in China oder Japan sind möglich. Sie müssen in den Rahmen passen ("Tokios Taxifahrer werden in zehn Jahren Chinesisch sprechen, nicht Englisch", Taro Aso, Japans ehemaliger Außenminister).

  Der größte Buddha Japans (Daibutsuden, Ur-Buddha, 16,2 m hoch) im Todaiji-Tempel von Nara (früher Heijo, 710-794 n. Chr. Hauptstadt)  sollte 752 n. Chr. die Verbindung des Landes mit den anderen großen Ländern in Asien (China, Indien, Korea)  symbolisieren. Der Buddhismus war während der Asuka-Zeit vorher nach Japan gekommen. Nara hatte eine problematische Lage. Nach Nara wurde Kyoto der Kaisersitz und die Hauptstadt Japans. Im Museum in Nara findet man Überbleibsel der Schiffe und ihrer Ladung, die zu der Zeit als Tribut nach China geschickt wurden. Die meisten gingen unter. Die Nara-Zeit war eine Zeit der kulturellen Blüte. Gefahr drohte auch Invasion aus China oder Korea. Aber es gab ein Wehrpflichtsystem und eine System von Steuereinkünften.

Historischer Abriss aus der Sicht Japans: Es  gab auch schon sehr früh Handelsbeziehungen zwischen den Ländern Japan und China. Im 8. Jh. n. Chr. hatte China eine so herausragende Stellung, dass große Nachbarländer wie Korea, Indien und Japan nur einen Vasallen-Status ausübten und mit Tributgesandtschaften ihre Hochachtung erwiesen. Im Nationalmuseum von Nara  (im 8. Jh. n. Chr. Hauptstadt) liegt ein vollständig erhaltener Schatz, der über die Rolle Chinas als Drehscheibe in Asien Aufschluss gibt. Der Etappenhandel über die Seidenstraße (2008 vom 09. 02. bis 01. 06. findet die Ausstellung "Ursprünge der Seidenstraße - Sensationelle Neufunde aus Xinjiang" im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum statt) konnte bis zu sechs Jahre für eine Ware dauern. Alle 10 Jahre fuhr eine Flotte von Japan nach China, von der nur ein Drittel ankam ( die Japaner kannten nur die Küstenschifffahrt). Erst spät klinkt sich Japan aus mit einem berühmten Brief des Shogunats Ashikaga (bis 1508) an China, in dem dass Land der aufgehenden Sonne (Japan) das Land der untergehenden Sonne (China) grüßt. 1534 landen die Portugiesen in Tanegashima (fälschlicherweise galt lange das Jahr 1543 als Entdeckungsjahr Japans durch die Europäer, Portugal war jedoch im Wettbewerb mit Spanien zu einem früheren Zugang gezwungen, vg. Gerlach von M.: 1543 - Japan entdeckt? digitale Diss. UB Tübingen 2006); die von ihnen mitgebrachten Feuerwaffen setzen sich rasch durch und ermöglichen die Reichseinigung durch Fürst Oda (Samurai-Familie Tokugawa). 1603 wird der Regierungssitz nach Edo (Tokyo) verlegt und ab 1616 findet eine Abschottung gegen das Ausland, Auslandsreisen und den Außenhandel statt. Hauptsächlich findet in dieser Zeit nur Außenhandel mit China, Holland (über die Insel Dejima in Nagasaki; P. F. von Siebold wirkte dort als Arzt und Naturforscher: in Japan einer der bekanntesten Deutschen) und England statt (bereits 1600 war William Adams nach Japan gekommen, seit 1613 liefen die Engländer den Hafen Hirado an). 1853/54 erzwingt der amerikanische Admiral Perry durch Flottenpräsens der "Schwarzen Schiffe" die Öffnung Japans für den Außenhandel. Die Meiji -Zeit (1867) bringt  dann eine weitere Öffnung Japans im Außenhandel gegen Westen und tief greifende Reformen. Drei Jahre nach der Meiji-Restauration von 1868 nahmen Japan und China diplomatische Beziehungen auf.  Bald gab es aber die ersten Streitigkeiten um Taiwan und dei Ryukyu-Inseln. Die Hauptinsel Okinawa annektierte Japan 1879. Nicht einmal 100 Jahre nach der Öffnung ist Japan Weltmacht und fällt 1937 in China ein (dem japanischen Eroberungswahn fallen 20 Mio. Menschen zum Opfer, schon 1931 und 1932 kam es zu Gebietseroberungen, 1895 wurde das heutige Taiwan kolonialisiert). Diese Hypotheken belasten noch heute die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Das zeigt sich immer wieder, wenn führende Politiker Japans den Yasukuni - Schrein besuchen (2007 von Abe erstmals ausgesetzt), der den Männern gewidmet ist, die sich um das Land verdient gemacht haben. Dagegen hat der Überfall auf Pearl Harbor 1941 und die Niederlage gegen die USA im 2. Weltkrieg keine negativen Auswirkungen mehr auf die Wirtschaftsbeziehungen mit den USA. Vgl. auch GeoEpoche, Nr. 21, 2006: Das kaiserliche Japan. Die Samurai-Burgen gehören zu den beeindruckendsten Touristen-Zielen Japans. Eine von ihnen, die Burg über Hirosaki, muss im Herbst 2015 verschoben werden, damit das Fundament repariert werden kann. Während der Meiji-Zeit musste die Burg schon einmal umziehen. Einheimische, Touristen und Kinder dürfen mit Seilziehen (Hikiya) helfen.

Man spricht heute noch von einer ewigen Erbfeindschaft zwischen China und Japan. Dei Vergangenheit vergeht nicht. Die diplomatischen Demütigungen, die Eroberungsfeldzüge und Kriegsgräuel, die Japan den Chinesen in den fünf Jahrzehnten 1894-1945 angetan hat, vergiften bis heute die Beziehungen. Aktuell geht es um die gewaltsame Veränderung des Status Quo im Südchinesischen und Ostchinesischen Meer. In diese Streitigkeiten sind auch die USA eingebunden. Vgl. Sommer, Theo: China First, München 2019, S. 295ff.

"Freunde kann man sich aussuchen, mit Nachbarn muss man ein Auskommen finden",  Wu Bangguo, chinesischer Parlamentsvorsitzender über die Zukunft der chinesisch-japanischen Beziehungen.

"Chinas Entwicklung ist ein großes Plus für Japan", Shinzo Abe, Japans ehemaliger Ministerpräsident.

       Kyoto als Symbol:

Berühmter Zen-Trockengarten (karesansui) im Ryoanji-Tempel in Kyoto. Das Weltkulturerbe (Kyoto war von 794 bis 1863 Sitz des Kaiserhofes)  ist eine im höchsten Grade stilisierte Komposition aus 15 Felsblöcken als Inseln des Lebens und geharktem weißen Sand als Ozean des Lebens. Der ganze Kosmos auf kleinster Fläche. In Kyoto belegen 1600 buddhistische Tempel und 270 shintoistische Schreine den religiösen Stellenwert der alten Kaiserstadt. Kansai, wo Kyoto liegt, ist die älteste Kulturregion Japans. Der größte japanische Garten in Europa ist in Kaiserslautern. Auch dort kann man einen Trockengarten in Natura beobachten. Der japanische Garten in Kaiserslautern startet jährlich mit dem Kirschblütenfest. Die zarte Blüte des Kirschbaums ist ein Symbol für Frühling, Leben, Liebe, aber auch Vergänglichkeit. Nur 50 km von Kyoto entfernt produzieren Atomkraftwerke Strom (auch nach Fukushima). Damit ist das Weltkulturerbe auf einem atomaren Pulverfass.

"Blue sweep of heavens    Wide and clear-    Might my heart share    Their spaciousness!", Der japanische Kaiser Mutsuhito, später Meiji genannt (das japanische Kaisertum ist die älteste bestehende Monarchie der Welt; der Tenno gilt den Japanern als Abkömmling der Sonnengöttin Amaterasu und höchste Autorität des Shinto).

Die Stadt Kyoto, die schönste aller japanischen Städte, wurde weltweit durch das so genannte Kyoto-Protokoll zum Symbol für globalen Umweltschutz. Es wurde 1997 beschlossen und schreibt vor, dass die Industrienationen ihren Ausstoß von Treibhausgasen um durchschnittlich 5,2% relativ zu 1990 im Zeitraum 2008-2012 reduzieren (im Februar 2005 ist es mit der Ratifizierung Russlands in Kraft getreten). China und die USA  sind nicht beigetreten (Australien erst 2007), weshalb Japan lange gezögert hat. In Japan ist Kyoto heute noch historisches und kulturelles Zentrum des Landes und die Radfahrerstadt Japans. Kyoto war von 794 bis 1603 Hauptstadt von Japan. Die Japaner haben ein sehr hohes Umweltbewusstsein (man sieht so gut wie keinen Müll in der Landschaft; auch die Mülltrennung klappt perfekt; in der Umweltpolitik war das Kompensationssystem im Großraum Tokio mit Aufgabe des Kausalitätsprinzips in der Rechtsprechung Bahn brechend). In den vielen Gärten Kyotos (z. B. am Tenryu-ji - Tempel, am Ryoan-ji - Tempel, am Tofuku-ji - Tempel, am Rokuon-ji-Tempel mit dem berühmten Goldenen Pavillon, am Sanzen-in - Tempel, im Heian-Schrein/Ozaki-Park, im Shugakuin-rikyo -Garten) kommt die starke ästhetische Komponente zum Ausdruck, die auch heute noch in allen Bereichen des täglichen Lebens eine Rolle spielt. Die Gärten sollen auch Wege der Erleuchtung bieten und zu Gelassenheit führen. "Willst du einen Tag lang glücklich sein, trinke Bier; willst du einige Jahre glücklich sein, heirate; willst du ein Leben lang glücklich sein, lege einen Garten an", asiatisches Sprichwort.

  Auf dem Fuji-san-Gipfel im Sommer 2007 (er ist nur im Juli, August zu besteigen; dann pilgern auch Millionen  Japaner auf den heiligen Berg, 3776 m hoch). Der vom Gipfel (Schichtvulkan)  aus erlebte Sonnenaufgang (Goraiko) ist Höhepunkt für jeden Japaner. 2013 steht der Berg vor der Aufnahme auf die Liste des Weltkulturerbes (Tradition der Bergverehrung, fünf große Seen, acht Schreine, Shiraito-Wasserfall, 70.000 Hektar). Von der Natur her ist der Berg aber ein Problemberg: Müll und Menschenmassen setzen ihm zu. 370.000 Besteiger gab es 2013 in der Zeit zwischen Juli und September. Deshalb soll eine "Besteigungsgebühr" (Klettermaut) eingeführt werden.  Der Berg verkommt auch zur Kloake, weil die Toiletten dem Andrang nicht gewachsen sind. 1707 ist zuletzt der Vulkan auf dem Fuji ausgebrochen. Geologen haben berechnet, dass er im kommenden Jahrzehnt erneut ausbrechen kann. Der Aokigahara-Wald am Fuße des Fuji ist auch ein beliebtes Reise- und Ausflugsziel. Allerdings zieht er auch viele Lebensmüde an ("Kultstätte" des Freitods). Die Behörden versuchen, dagegen vorzugehen.

In Japan selbst steht eher der heilige Berg Fuji-san für den Umweltschutz (früher nur für hohe Beamte zugänglich, bis in die Zwanziger Jahre des vorigen Jh. nicht für Frauen, wohl 663 erstmals von einem Mönch bestiegen) . Die hier aufgehende Sonne wurde auch zum Nationalsymbol Japans und prägt die Nationalflagge.  Der eigentliche Name Japans "Nippon" (Nihon) bedeutet ja aufgehende Sonne. Der Fuji steht als Heiligtum und Symbol des Landes für Reinheit und als Tor in eine andere Welt (früher Sitz der Götter, Kami). Im Shintoismus dreht sich so gut wie alles um Reinheit und Reinigung. Shintoismus, Buddhismus und Konfuzianismus bilden eine integrierte Einheit in Japan: Shintoismus sehr diesseitig mit Moralregeln und enger Verbindung zur Natur (Umweltschutz ist Bestandteil der Kultur), Buddhismus mit Jenseitsbezug, der durch Rehe symbolisiert wird; Konfuzianismus als Grundlage des gesellschaftlichen Ordnungssystems mit Pyramidenform. Obwohl sich die japanische Regierung zur Zeit so "grün" wie noch nie gibt, wird das Ziel des Kyoto - Protokolls nicht erreicht werden: von 1990 bis 2012 die CO2 Emission um 6% zu senken wird mit 4% verfehlt. Auf dem G8 Gipfel 2007 unterstützte Japan die Position Deutschlands gegen die USA. Japan hatte von Deutschland 2008 die G8 Führung übernommen, das Folge - Treffen fand auf Hokkaido statt (in Toyako, bekannt durch den Vulkansee Toya und seine Kurquellen). In den folgenden Jahren tritt Japan eher wieder als Bremser in der Umweltpolitik auf. Auf Druck der Industrie wird 2010 ein Klimagesetz (keine Emissionsobergrenze) entschärft. Die Naturkatastrophe von Fukushima und die Stilllegung der Atomkraftwerke verschlimmert die Lage noch. "Und wenn du auch die Kraft hast, einen Berg zu versetzen, so brauchst du noch einen Verstand, der so groß und so ruhig ist wie ein Ozean", asiatisches Sprichwort.

      Die Große Mauer (Wanli Chang; auch Wan li chang cheng; oder  Großer Drache genannt) ist das größte Bauwerk der Welt.  Sie ist ein 10.000 Li (1 Li=0,5km) langer Befestigungswall im Norden Chinas. Neuere Forschungen kommen sogar auf 7200 km (oder gar 21.00 km). Ihr Bau begann vor 2000 Jahren in der Qin-Dynastie. ("Wer nicht auf die Große Mauer gestiegen ist, ist kein wahrer Mann", Mao Zedong). Sie hatte eine ähnliche Funktion wie im Römischen Reich der Limes. Diese Stelle (Bild) ist das Ende der Großen Mauer in der Wüste Gobi am Jiayguan Pass (auch als "Mund" Chinas bezeichnet), einem der wichtigsten Punkte der Seidenstraße im Hexi-Korridor. Die Seidenstraße ist der  alte "Trampelpfad" der Globalisierung.  (vgl. den Artikel über die  Seidenstraße auf der Seite Öffentlich/Public). An der Mauer haben die Dynastien der Qin, der Han, der Wei, der Zhou, der Tang, der Liao und der Ming gebaut. Heute sind nur noch Teile erhalten und restauriert; seit 2006 ist verboten, die Mauer als Steinbruch zu nutzen.

"Länder wie die USA, Spanien, Portugal und Italien sind eigentlich alle bankrott. Die Zukunft liegt dort, wo das Geld ist. Das ist Asien", Jim Rogers, Mitgründer des Hedge-Fonds Quantum.

Ostasien als Teil der Globalisierung:

"Wenn es hinter den Mauern blüht, wird man es draußen riechen", (aus China).

"Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen", (aus Japan).

Gliederung: Begriff und Ursachen der Globalisierung, Welthandelsboom, Asien als Antreiber, Grundzüge der Globalisierung, Produktionsfaktor "Arbeit", Auswirkungen auf Deutschland und die EU, Geschichte, Ziele der Globalisierung.

 

Begriff und Ursachen der Globalisierung: zunehmende weltweite Vernetzung der nationalen Produkt-, Arbeits- und Kapitalmärkte (nie waren die Volkswirtschaften so eng miteinander verflochten; "Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten", Kurt Tucholsky). Staatsgrenzen verlieren an Bedeutung für ökonomische Transaktionen. Beschleuniger sind neue Technologien (Kommunikation), wissenschaftliche Innovation, niedrigere Transaktionskosten (Zollabbau), Deregulierung vor allem der Kapitalmärkte, die Dynamik der Schwellenländer, insbesondere  die Öffnung Chinas. Seit dem Zusammenbruch Osteuropas 1990 ist der Begriff in der öffentlichen Diskussion. Er wurde vom Harvard-Ökonom Theodore Levitt bekannt gemacht. Im Zuge der Globalisierung verlagert sich das Epizentrum der Weltwirtschaft allein schon aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Richtung Asien und China wird bald die beherrschende Volkswirtschaft der Welt sein. Im Jahre 2025 dürfte China nach Schätzungen einen Anteil an der Weltwirtschaft (zu Kaufkraftparitäten) von 25% haben (gegenwärtig 2009 8%-Anteil am globalen BIP, Japan 9,1%).  China hat 2016 schon einen Anteil von 15 Prozent an der globalen Wirtschaftsleistung. Insgesamt entwickeln wir uns wirtschaftlich zu einer multipolaren Welt;  für Unternehmen bedeutet dies ein weltweiter Entscheidungshorizont. Die treibenden Kräfte in der Globalisierung sind der technische Fortschritt, der harte Wettbewerb zwischen den reichen Ländern und der Freihandel. Restriktionen liegen in der Begrenzung der Ölförderanlagen, der Agrarproduktion und der Infrastruktur. Für einige ist die Globalisierung eine positive Entwicklung, die neue Möglichkeiten für die Menschen in den unterentwickelten Ländern bringt; für andere eine Möglichkeit reicher Nationen, auf Kosten der ärmeren zu profitieren. In der Weltwirtschaftskrise 2009 nimmt der Protektionismus wieder zu, so dass sich die Globalisierung zurück entwickeln könnte. Europa hat eindeutig die ersten Wellen der Globalisierung beherrscht bis zur Eroberung der Welt durch das britische Empire. In der letzten Welle konnten die Schwellenländer als billige Werkbänke genutzt werden. Jetzt beginnen die Billiganbieter Weltmarktführer zu werden. "Wir müssen einen weniger akademischen Erklärungsansatz für die Vorzüge der Globalisierung entwickeln", Neville Isdell, Coca-Cola-Chef."

Welthandelsboom: Die fortschreitende Globalisierung weitet den Welthandel immer weiter aus. Nach der Weltwirtschaftskrise wächst er 2010 um 14,5%. Die Prognose für 2011 von der WTO lautet 6,5% (Exportvolumen). Von 1982 bis 2012 ist der Welthandel durchschnittlich um 7% gestiegen, 2013 soll er nur noch um 2% wachsen. Augenscheinlich zeigt sich dies am Wachstum der Zahl der Handelsschiffe und Häfen (im Container-Umschlag 2007 Singapur vor Shanghai, Hongkong,  und Shenzen; Güterumschlag auf See erreicht 2007 Höchststand). Der Welthandel wuchs 2006 um 8%, 2005 um 7,3%, im Jahre 2004 um 10,3% (lt. IWF Umfang der Exporte 2006  11920 Mrd. US-$). 2007 betrug das Wachstum des Welthandels 5,5%, wegen Risiken der Finanz- und Immobilienmärkte, große Handelsungleichgewichte) . Von 1950=100 wuchs er auf 2943 im Jahre 2005 (Index). Gemeint ist der reale Anstieg mit Waren und Dienstleistungen, die insgesamt exportiert oder importiert werden. Man spricht von globalem Kapitalismus. Das weltweite Handelsvolumen betrug 2007 28.194 Mrd. $ (2006: 24.541, WTO). Für 2009 kommt es nach der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem Einbruch von -12%  (WTO, stärkster Einbruch seit 80 Jahren). Die erste Weltrezession seit 1945 ist da. Besonders betroffen ist Ostasien. Die WTO rechnet 2010 wieder mit einem kräftigen Anstieg von 9,5%. Ca. 40% des Welthandels wird durch die Luft abgewickelt (Flugzeuge). 12,5 Billionen $ ist der Wert aller Waren, die 2009 global gehandelt wurden. Durch die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 ist der Welthandel stärker eingebrochen als während der große Depression. Man konnte beobachten, wie die globalen Lieferketten zusammenbrachen. China ist mittlerweile Deutschlands drittgrößter Außenhandelspartner, 2010 stiegen die deutschen Exporte nach China um 44%. Nach Daten der WTO für 2010 ergibt sich folgende Rangfolge der Exportnationen (in Mrd. Dollar): China 1578, USA 1278, Deutschland 1268, Japan 770. In der Globalisierung (seit 1990) ist der Anteil der USA an den Weltexporten von 11,6 auf 8,5% 2010 gefallen. China und andere Schwellenländer konzentrieren sich in Zukunft aber eher auf den Binnenmarkt, auch Protektionismus greift um sich. Anfang 2014 steigt die Stimmung in der Weltwirtschaft spürbar an. 1100 Experten aus 121 Ländern schätzen bei einer Befragung des Ifo-Instituts die Aussichten besser ein. Aber das erste Halbjahr verläuft enttäuschend. Der IWF rechnet in der zweiten Jahreshälfte mit einer weltweiten Erholung und erwartet 2015 eine gute Konjunktur. Der Trend, dass sich der Welthandel wesentlich dynamischer entwickelt als das weltweite Bruttoinlandsprodukt geht weiter: Ende 2011 war das Welt - BIP bei fast 500 (Index, 1960=100). Der Welthandel lag bei 1900.  "Großes Potential liegt in Asien, aber auch nach wie vor in Osteuropa. hinzu kommt Südamerika", Wolfgang Reitzle, Linde-Chef, Handelsblatt 07.12.09, S. 4).

Für die nächsten Jahre ab 2014 sieht die Weltbank (Prognose 2014) eine positive Zukunft: Wachstum des Welt-BIP 2013 2,4%: Wachstum 2014 3,2%, 2015 3,4%, 2016 3,5%. 2014 erwartet der IWF ein Weltwirtschaftswachstum von 3,7%. Nach einer IWF-Berechnung ist die Weltwirtschaft (Welt - BIP) 2006 um 5,4% gewachsen (2007: 5,2% , 2008: 4,8%). 2010 soll die Weltwirtschaft um 4,6% wachsen, 2011 um 4,4% (IWF). Als Risiken gelten die hohen Ölpreise, die Dauerkrise in der Eurozone und die Megaschulden der USA. Darunter die reichen Länder 2010 um 2,6% (2011: 2,4%). Am stärksten wird das Wachstum für die Schwellenländer China und Indien prognostiziert (China: 2010 10,5%, 2011 9,6%; Indien: 2010 9,4%, 2011 8,4%). In Indexwerten wuchs das Welt - BIP  vom Jahre 1950=100 auf 2005=779. China hat einen Anteil am Weltnationaleinkommen von etwas mehr als 5%, Anteil am Welt - BIP 2008  8% (12% nach Kaufkraftparität). Der Anteil am Welthandel beträgt 2009 10% (vor drei Jahren noch 3%).  Die Erdbevölkerung wächst um ca. 80 Mio. Menschen (etwa die deutsche Bevölkerung) pro Jahr und hatte am 01.01.2007  6,6 Mrd. Menschen. In den Jahrtausenden wuchs sie um das 22fache, das Welt - BIP um das 300fache.Von 1950 bis 1998 wuchs die Weltwirtschaft so schnell wie nie zuvor. Aber auch die Einkommensschere zwischen dem Westen und dem Rest der Welt ist weiter als jemals zuvor. Das Welt - BIP pro Kopf liegt bei 8191 $ 2007. Knapp 23% des Weltsozialprodukts wird nicht verbraucht (gespart), doch die Verteilung hat sich grundlegend geändert: Die Industrieländer sind höher verschuldet, die Schwellenländer sparen zunehmend. Risiken des Welthandelsbooms sind die steigenden Rohstoffpreise (vor allem Öl)  und die Korrekturen an den Finanzmärkten. Nach der Finanzkrise und durch die Weltwirtschaftskrise wird mit einem Rückgang der Weltwirtschaftsleistung 2009 um -0,8% gerechnet (die weltweite  Industrieproduktion ist im ersten Quartal 2009 um 13% eingebrochen) . 2010 soll die Weltwirtschaftsleistung dann wieder um 3,4% wachsen, vor allem aufgrund der Schwellenländer (Goldman Sachs Prognose, IWF: 3,1%). Die weltweite Börsen - Kapitalisierung hatte 2008 einen Rückgang von -17,4 Billionen $. Im Sog der Schuldenkrise gerät die Weltwirtschaft Ende 2011 wieder in eine schwierige Situation. Das Weltwirtschaftsklima trübt sich ein. Euro-Krise, Geringes Wachstum in den USA und Abschwächung in China werden zu Risiken der Weltwirtschaft. Wahrscheinlich wird sich das weltweite Wachstum 2012 auf 3,2% verlangsamen. dies geht vor allem von den Absatzmärkten in den Schwellenländern aus. Erst ab 2013 soll es mit der wirtschaftlichen Dynamik allmählich aufwärts gehen. In der Eurokrise und den Haushaltsproblemen der USA sieht der IWF im Herbst 2012 die größten Risiken für die Weltwirtschaft. Für 2015 und 2016 gibt der IWF folgende Prognose für die Weltwirtschaft ab:  Wachstum 2015 3,5%; 2016 3,7%. Die Industrieländer sollen 2015 um 2,4% wachsen. Den Schwellen- und Entwicklungsländern wird ein Wachstum von 4,7% prognostiziert. Zu Beginn von 2016 sieht der IWF dunkle Wolken für die globale Konjunktur: Die Schwellenländer China und Brasilien fallen als Triebkräfte aus. 2015 wächst die Weltwirtschaft nur um 3,1%. Für 2016 werden 3,4% erwartet, für 2017 3,6%. Um bis zu 3,9% könnte der globale Handel 2017 zulegen (Quelle: WTO; IWF rechnet sogar mit 4,2%). Gründe sind die anschwellenden Handelsströme in Asien und die Erholung der Importnachfrage in den USA. Hauptprofiteur ist die deutsche Wirtschaft.   "Die Globalisierung führt dazu, dass immer mehr Länder und Märkte viel bedeutender werden", Ex-Deutsche Bank-Chef J. Ackermann.

Asien als Antreiber: In Asien wuchs der Welthandel noch viel stärker. Im Jahre 2004 erhöhte er sich um 16,8% und 2005 um 12,1%. Für 2006 ergaben sich 14,3% und für 2007 noch 14,0%. Damit wird nach einer OECD-Studie in Asien  mehr als die Hälfte des Weltwachstums generiert, insoweit ist Asien der Motor der Globalisierung. Das Exportwachstum in China allein betrug 2007 25,7%. Für 2010 gibt es  in Asien (ohne Japan) 10,2% Wachstum. Die Exporte Asiens wachsen von 2009 auf 2010 um 32,1%, die Importe um 17,6% (China 28,4 und 22,1). In Asien werden 25% des Welt - BIP erwirtschaftet (der Haken ist: "die unersättliche, aber fast ausgelaugte, Konsumlust der USA sorgt für die Nachfrage, der Fleiß der chinesischen Arbeiter für ein Überangebot"). Die VR China trägt zehn Prozent zum globalen Wachstum bei. Die EU (27) hat einen Anteil von 24,6%, die USA von 24,1%. Damit sind die Blöcke 2010 etwa gleich groß. Aber es gibt gravierende Unterschiede bei der Bevölkerung: EU-27 396, USA 310, Asien 3200 Mio. Das weist auf Zukunftsmärkte hin. Die Wachstumsraten in den Schwellen- und Tigerländern Ostasiens liegen über 8%. Auch nach der Weltwirtschaftskrise Ende 2009 treiben China und Indien die Weltwirtschaft an (China +20% Industrieproduktion, Indien +10,3% im November). Um 7,4% soll Asiens Bruttoinlandsprodukt 2010 wachsen (ADB, Morgan Stanley). Asien wird immer mehr zum zum ökonomischen Zentrum der Welt. Der Anteil Asiens am zukünftigen Wirtschaftswachstum wird bei ca. 50% liegen.  Der Anteil Chinas allein am Zuwachs der Weltproduktion seit 2000 liegt bei ca. 25%. 2012 beträgt der Anteil Chinas an der Weltproduktion bei 15% (USA 18%, Deutschland 4%). Damit übertrifft Asien die Regionen Nordamerika und Europa sowie die Welt. Die Region Asien-Pazifik hat ihren Anteil am Welthandel in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt. Insbesondere der Anteil der USA schrumpft. Der Anteil Asiens am Welthandel betrug 2006 29,6%, Anteil an der Weltbevölkerung 60,3%. 2008 fällt das Exportvolumen Asiens (einschl. Australien)  auf ca. 25% zurück. Im Jahr 2050 könnten China und Indien zusammen wieder mehr als doppelt soviel erwirtschaften wie die USA und West-Europa (Prognose vom Bankhaus Bär).  Dann wäre der der Stand Mitte des 19. Jahrhunderts wieder erreicht.  Nach Paul Samuelson (Artikel im Journal of Economic Perspectives 2004. "Bei Wal - Mart Lebensmittel billiger einkaufen zu können, reicht nicht notwendigerweise aus, um Lohnverluste auszugleichen", Ökonomie-Nobelpreisträger und berühmtester US-Ökonom über die Folgen der Verlagerung von Jobs ins Ausland.) können die Schwellenländer wie China und Indien durch technischen Fortschritt bei der Produktion von Industriegütern in die Lage versetzt werden, den Industrieländern des Westens bei den von ihnen exportierten Investitionsgütern mehr Konkurrenz zu machen (Verbreitung von Wissen!), so dass die Preise dieser Güter sich relativ zu den Preisen anderer Güter (z. B. Agrarprodukte) verringern (Terms of Trade!). Kurz gesagt heißt dies, wenn das arme Land dem reichen Land die Technologie klaut und im reichen Land nichts Neues entsteht, kann das arme Land das reiche Land einholen. Durch die Globalisierung wurde die Armut in Asien - vor allem in China und Indien - deutlich verringert: 300 Mio. Menschen leben weniger als vor 16 Jahren unter der Armutsgrenze (Bericht der UN 2006). Bis 2030 soll der durchschnittliche Lebensstandard der Menschen in China auf ein Niveau steigen, das dem des heutigen Spaniens entspricht. In Süd- und Ostasien liegen die großen dynamischen Wachstumsmärkte, während die Bevölkerung im Westen schrumpft und immer älter wird. China kann aber noch nicht die Rolle einer Lokomotive für die Weltwirtschaft übernehmen, weil das Wachstum zu sehr auf Exporten und Investitionen beruht. Trotzdem werden die asiatischen Teile der Wirtschaftskarte größer, vor allem durch China und Indien. Sie waren von der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 weniger betroffen und erholen sich schneller. Das Wachstum der Wirtschaft, das Vollbeschäftigung und Wohlstand garantiert, in den traditionellen kapitalistischen Ländern wird zur Zeit vor allem durch staatliche Geldspritzen aufrecht erhalten, was nicht unendlich dauern kann. Die Religionen der Chinesen, Inder und Japaner (Buddhismus, Konfuzianismus, Hinduismus) haben keinen universalistischen Anspruch, was ein großer Vorteil in der Globalisierung zu sein scheint. "Ein Wirtschaftsmodell, das auf zu starken Anlageinvestitionen und Exporten beruht, ist dauerhaft nicht tragbar", Sprecher des chinesischen Statistikamtes bei der Veröffentlichung der BIP - Zahlen im Sommer 2006.

Aus den Schwellenländern kommt das Wachstum der Zukunft. Seit 2000 entsteht dort die Hälfte des Wachstums in der Welt (nach Kaufkraftparitäten 43%). Davon fließen die Hälfte in Investitionsgüter, die die Industrieländer liefern. Die meisten Schwellenländer haben auch geringere Defizite und einen niedrigeren Gesamtschuldenstand (2011): China -1,6% Defizit, 17% Schuldenstand (zum Vergleich: USA: -10,8%, 100%; Euro-Zone: -4,4%, 87%). 2030 soll China die EU und die USA im BIP überholt haben (25.590 Mrd.  vor EU mit 22.000 Mrd. $ und USA mit 22.000 Mrd. €). Allein von der Bevölkerung her können dann die EU (500 Mio.) und die USA (480) mit China 1400 Mio. und Indien (1500 Mio.) nicht mehr mithalten. Allerdings korrigiert die Weltbank die Wachstumserwartungen für die Schwellenländer 2013 von 5,5% auf 5,1%. die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft wurde von 2,4% auf 2,2% korrigiert. Weltgrößter Importeur war 2013 die USA vor China und Deutschland. Der Dienstleistungshandel ist in den letzten Jahren relativ zum Güterhandel nicht stärker gestiegen. Aber es ist eine wachsende Wichtigkeit dieser Handelsart in Zukunft zu erwarten. Der technische Fortschritt wird dies erzwingen. Der rasante Aufstieg Chinas als wichtigster Exporteur und zweitwichtigster Importeur geht weiter. China ist auch ein wichtiger Spieler im Handel mit Dienstleistungen. Den besten Überblick über den Welthandel gibt der World Trade Report der WTO. Der von 2014 ist unter folgender Adresse online verfügbar: http://www.wto.org/english/res-e/publications-e/wtr14-e.htm. In den Top 20 der Rangliste des Welthandels finden sich aus Asien noch Japan, Süd-Korea, Hongkong, Singapur, Indien und Taiwan. 65% des Weltwirtschaftswachstums geht auf die Schwellenländer zurück. 2015 lahmen diese allerdings, besonders China, Indien, Brasilien, Russland und Südafrika.

"Die meisten Menschen leben in Ländern, deren Pro-Kopf-Einkommen weit unter dem der Industrieländer liegt. Der Aufholprozess dort wird dem Wachstum der Weltwirtschaft in den nächsten Jahren weiter kräftige Impulse geben", George Akerlof, Ökonom und Nobelpreisträger 2001, University of California (in: Wirtschaftswoche 38/2009, S. 18.).

Grundzüge der Globalisierung: Die Globalisierung  schafft einerseits eine große, globale Nähe ("global village", Familie?) und andererseits unterwirft sie Staaten einem ökonomischen Standortwettbewerb, der ihnen Gestaltungsmöglichkeiten raubt (Unternehmen sind mobil, Länder sind immobil und müssen attraktiv sein). Trotzdem kann der Mensch den Markt beeinflussen, deshalb sollte man auch mit freier Selbstbestimmung gegen blinden Marktgehorsam angehen. Zusammen mit der demographischen Entwicklung zwingt die Globalisierung die Staaten auch, die Effizienz ihrer öffentlichen Sektoren zu überprüfen. Die Globalisierung hat die Schwankungen der Weltkonjunktur verringert (Konjunkturzyklen können besser absorbiert werden) und das Wachstumspotential der Weltwirtschaft erhöht. Sie hat auch zu dauerhaft niedrigeren Inflationsraten (disinflationärer Effekt, wird durch die Angleichung der Löhne verringert; die reichlich Liquidität in China könnte zu Inflation führen). Diese These ist umstritten und es gibt empirische Gegenbeweise (vgl. Working Paper von L. M. Ball vom NBER). Die Globalisierung hat zu niedrigeren langfristigen Zinsen geführt (2007 steigen aber die Zinsen weltweit). Sie bringt steigende Absatzchancen, vor allem im Bereich Know-how intensiver Güter. Verbraucher bekommen Spitzenprodukte zu geringeren Preisen. Der globalisierte, moderne Kapitalismus hat den Wohlstand insgesamt gemehrt, aber vertieft die ökonomische Spaltung in den Industrie- und Schwellenländern. Die wirtschaftlichen Abhängigkeiten zwischen der USA als führende Wirtschaft und den übrigen Ländern sind größer geworden: Kühlt die Konjunktur sich in den USA ab, trifft dies vor allem China und Japan. Weil andere Länder stark von der Nachfrage Chinas abhängen, wirkt sich der Abschwung über die gesamte globale Lieferkette negativ aus. Der Schutz geistigen Eigentums erodiert und die Produktpiraterie ist eine bedeutende Größe in der Globalisierung geworden: 350 Mrd. € werden jährlich mit Plagiaten erwirtschaftet, ca. zwei Drittel stammen aus China. Die Wirtschaftskrise 2009 führt zu einer Trendumkehr bei Auslandsinvestitionen. Gerade der Internationalisierungskurs der deutschen Wirtschaft flaut ab (-40%, Unsicherheitsschock). Mit riesigen Haushaltsdefiziten finanzieren die Staaten ihre Konjunkturprogramme (-5%). Der Protektionismus behindert die Globalisierung noch: Schwellen- und Entwicklungsländer hoffen auf einen besseren Marktzugang für Agrarprodukte. Die Industrieländer fordern mehr Marktzugang für Industriegüter (Konflikt zwischen Indien und USA). Es rächt sich allmählich, dass die Globalisierung des Handels, der Produktion und der Nachrichten bisher sich vor allem auf Wachstum konzentriert war, weitgehend ohne globale Regeln und Kontrolle. Die zunehmende Weltbevölkerung und eine expandierende Globalisierung verbrauchen immer mehr fossile Energie und tun sich schwer mit Entsorgungsproblemen und Belastung von Boden, Luft und Wasser. Mittlerweile erlebt nach der Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008/ 2009 der Protektionismus in der Globalisierung eine Renaissance. Die Handelskriege nehmen zu (vor allem zwischen USA und China). Globalisierung wird so zur militärischen Operation. Die USA werden die Führung in der Welt verlieren, das ökonomische Zentrum rückt nach Asien.  "Chinas Aufstieg ist das wichtigste geopolitische Ereignis in unserem Leben", John Thornton, früher Vorsitzender von Goldman Sachs.

Der Produktions-Faktor "Arbeit" , vor allem in seiner gering qualifizierten Form, scheint aber in jedem Falle der große Verlierer der Globalisierung zu sein (nach dem Heckscher - Ohlin - Modell verliert in der Globalisierung der vormals relativ knappe Faktor in einer Volkswirtschaft): das Angebot von Arbeit auf dem Weltmarkt hat sich vervielfacht (von 1,46 Mrd. auf ca. 3 Mrd. arbeitsfähige Menschen, davon haben nur ca. 800 Mio. einen festen Arbeitsplatz), wodurch die relativen Preise für den Produktionsfaktor "Arbeit" im Verhältnis zum zur Verfügung stehenden Kapital, sowie für arbeitsintensive Produkte und Dienstleistungen fallen.  ("Frühestens in 30Jahren werden die Löhne in China das Niveau westlicher Länder erreichen", R. Freeman, Harvard). In den alten Industrieländern sind ganze Branchen weg gebrochen, Arbeitsplätze werden verlagert. Die Globalisierung drückt auf die Löhne und die abhängig Beschäftigten müssen immer mehr ihrer Sozialleistungen bezahlen, auch die Arbeitszeiten steigen. In Deutschland und anderen Industrieländer steigt der Anteil der Niedriglohnbezieher schnell an und die Nominallöhne dieser Gruppe sinken.  Auch Südostasien bleibt nicht verschont: Die Arbeitslosigkeit hat sich von 1993 bis 2002 um 9 Mio. auf 14,6 Mio. erhöht (bei ungenauer Messung, lt. UN-Bericht, Gründe sind hauptsächlich die Rationalisierung und Privatisierung sowie das Bevölkerungswachstum). Die Jugend stellt etwa ein Fünftel der Erwerbsbevölkerung, aber die Hälfte der Arbeitslosen. Im Jahre 2005 hatte China allein fast so viele Arbeitskräfte in Industrie und Handel wie die EU, Nordamerika und Japan zusammen  (412,5 Mio. gegenüber 416,9 Mio. ). Die globale Ökonomie ist trotz robusten Wirtschaftswachstums nicht in der Lage gewesen, insgesamt genug Arbeitsplätze zu schaffen. Trotzdem profitieren sowohl die armen wie die reichen Chinesen ("Win-Win"). Im Westen gibt es eine Win-Lose-Situation (Samuelson). Seit 2000 sind z. B. in den USA rund 3,2 Mio. industrielle Arbeitsplätze verloren gegangen. Die Unternehmen in den Hochlohnländern müssen immer bessere, innovative Produkte entwickeln, die denen aus China überlegen sind. Diese können sie dann in der gleichen Warengruppe auch deutlich teurer verkaufen.  Die Wettbewerbsfähigkeit muss ebenso verbessert werden, indem lohnintensive Produktionsaktivitäten nach China und Osteuropa ausgelagert werden. Das weltweit zunehmende Arbeitskräfteangebot drückt insgesamt auf die Löhne, schwächt den Konsum und macht dadurch die Wirtschaft der Industrieländer abhängig vom Export. Nur im Bereich der hoch qualifizierten Arbeitskräfte steigen die internationalen Beschäftigungschancen in einzelnen Sparten. Doch auch hier stellen Fortschritte der Informationstechnologie eine Bedrohung dar. Es ändert sich auch dramatisch die Form der Beschäftigung: Die Zahl der  Beschäftigten ohne jede soziale Absicherung erreicht immer neue Rekordstände. In Jahre 2009 arbeiten weltweit 1,8 Mrd. Menschen ohne regulären Anstellungsvertrag, das sind 60% aller Erwerbstätigen. Bis zum Jahr 2020 könnte der Anteil informell Beschäftigter auf zwei Drittel steigen (so ist die Lage schon in Asien). Seit Zweitausend arbeiten in Lateinamerika 52,2%, in Asien 78,2% und in Afrika 55,7% im informellen Sektor mit unsicheren Jobs (ILO und WTO). 1,2 Mrd. Menschen arbeiten weltweit ganz ohne Arbeitsverträge (OECD). Die weltweite Wirtschaftskrise führt auch zu einem starken Rückgang der Migration. Viele Länder versuchen, ihre Fremdarbeiter in die Heimatländer zurückzuschicken (Spanien, Tschechien, Singapur). Insgesamt steigende Lebensmittel- und Rohstoffpreise könnten auch eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen. Durch die Weltwirtschaftskrise sind die Reallöhne 2008 weltweit aber nur um 1,4% zu 2007 gestiegen (ILO). Sicher wird das Wachstum der Produktivität wie auch der Verbilligung der Arbeit zu grenzenlos gesehen. Dieses Wachstum und die Ausbeutung der Arbeit wird nicht unendlich sein können. Infolge der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 steigt die weltweite Arbeitslosigkeit 2010 auf ein Rekordhoch in den Industriestaaten (213,4 Mio., 34 Mio. mehr als vor der Krise, ILO). Die globale Arbeitsproduktivität ist schwer zu messen. Laut einer Studie des Conference Board lag ihr Anstieg im Jahre 2010 bei 3,6%. 2011 betrug der Anstieg nur 2,5%. Dies könnte damit zusammenhängen, dass viele Firmen Personal in Krisenzeiten halten. Für 2016 erwartet die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) 199,4 Mio. Arbeitslose in der Welt (schlechte Konjunktur). Generell mit dem Einfluss von "made in China" auf westliche Jobs beschäftigt sich folgender Artikel: The Relative Sophistication of Chinese Exports, Peter K. Schott, in: Economic Policy, Bd. 53, S. 7-49 (Januar 2008).

Zu dem Thema "Aspekte der Globalisierung" habe ich viele Jahre im Diplomstudiengang "Marketing" eine Veranstaltung angeboten. "Die globale Vernetzung der Wirtschaft nimmt rasant zu", Capgemini - Europachef Schnieder.

Auswirkungen auf Deutschland und die EU: Deutschland wurde kurzfristig durch die Fehler in der Wiedervereinigung und der Währungsunion zurückgeworfen. Insgesamt ist Deutschland extrem stark in die Globalisierung eingebunden:  40% des BIP werden im Export erwirtschaftet, 9 Mio. Arbeitsplätze hängen vom Export ab. 75% des Umsatzes erzielen die 30 Dax - Unternehmen, die auch teilweise überwiegend in ausländischer Hand sind,  im Ausland. Der Asien-Boom führt zu Verlagerungen von Arbeitsplätzen nach Ostasien (Outsourcing) und die industrielle Basis Europas bröckelt ("Wir haben doch längst keine Wahl mehr, wo wir Arbeitsplätze schaffen", Bernd Pischetsrieder, ehemaliger VW-Chef, zur Patriotismus - Aufforderung der Politik.). Die Wertschöpfung wird immer mehr im Export verdient und es wird weiter Produktion nach Osten verlagert werden, weil die Schwellenländer zunehmend in die Wertschöpfung Europas und der USA eingebunden werden. Dies führt zu weiteren Arbeitsplatzverlusten im Westen, aber positiven Abhängigkeiten (gegenseitiges Verständnis oder Wohlstandskrieg?). Die Nettoverdienste je Arbeitnehmer sind in Deutschland 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 0,3% gesunken. Im Gegensatz dazu steigen die Einkünfte aus Kapitalerträgen stark an, was für eine Mitarbeiterbeteiligung spricht. Deutsche Unternehmen profitieren insgesamt stark von der Entwicklung in Asien, sind also Gewinner, wobei die Chinesen mehr als Partner akzeptiert werden müssen. Deutschland und China gehören insgesamt zu den großen Gewinnern der Globalisierung. Der Asien-Boom treibt die Energie- und Rohstoffpreise nach oben. Die Preise für Kupfer, Stahl und Aluminium sind rasant gestiegen.  Die Konflikte um Ressourcen werden zunehmen (globale Ölnachfrage 2006 +0,9%; Chinas Anteil an den Weltimporten: Eisenerz 46%, 36% Baumwolle). China selbst fördert 31% Eisen und 25% Bauxit in Anteilen der Weltförderung. Auch der Raubbau an der Natur wird verschärft und die Umweltbelastungen steigen stark, wodurch sich der Weltklimawandel beschleunigt ("Gift für den ganzen Erdball", Der Spiegel; China hat noch als Entwicklungsland das Kioto - Protokoll nicht unterschrieben, ist der zweitgrößte Erzeuger von Treibhausgasen nach den USA). Die weltweite Wasserkrise ist kurzfristig noch bedrohlicher, weil die Senkung des Grundwasserspiegels den landwirtschaftlichen Anbau unmöglich macht( auch in Indien und China). Verschärft wird dies durch die hohe Produktion von Biosprit (Maispreis in China 2007 +15%). 2006 hatte die EU ein Handelsbilanzdefizit von 89,9 Mrd. € gegenüber China (gegenüber 2005 ein Zuwachs um 42,6%). Die EU hat einen Anteil von 34,2% am Welt - BIP (2009; USA 26,8%, China 8%, Japan 9,1%). Für die internationale Wettbewerbsfähigkeit könnte die zunehmende Vernetzung Chinas, Japans und Indiens große Auswirkungen haben. 2012 haben die Exporte der EU nach China einen Anteil von 6,4% an allen außereuropäischen Exporten; bei Deutschland liegt der Anteil bei 14,1%.  "Die Macht verschiebt sich eindeutig von West nach Ost", David Miliband, britischer Außenminister, über die Folgen der Globalisierung.

Geostrategisch könnte China die Schwächung der Globalisierung durch den Irak-Krieg ausgleichen. Der Einfluss der niedrigen Warenpreise auf unseren Preisindex ist positiv: dadurch profitieren Verbraucher und die Zinspolitik der EZB relativiert sich in ihrer Bedeutung. Dieser Effekt kann durch protektionistische Importzölle und die steigende Inflation abgeschwächt werden.  Chinas gegenwärtiger Kurswechsel mit weniger Wachstum und mehr Konsum  könnte den Energiebedarf Chinas reduzieren und damit auch die globalen Ungleichgewichte zwischen den hohen Ersparnissen Asiens und dem riesigen Leistungsbilanzdefizit der USA verringern. Mobile Faktoren haben eine Exit - Option (Sparer verlagern Geldanlagen, Unternehmen verlagern Realkapital). Wähler messen den Erfolg der Regierung am Beispiel der Nachbarn ("Yardstick - Competition"). Krisen der sozialen Sicherungssysteme, Gesundheits- und Bildungssysteme können verschärft werden. In Chinas Bildungsinstitutionen schlummert ein riesiges Potential an Kreativität, das den Wettbewerb um Wissen dramatisch verschärfen wird (nicht Produktpiraterie ist das Problem!); und Europa muss aufpassen, nicht den Anschluss an die USA und China zu verlieren. Am dringendsten sind Qualifizierungsmaßnahmen für die Erwerbstätigen (Trainingprogramme für Arbeitslose, Job - Betreuung). In der Handelspolitik der EU gegenüber China ist es wichtig, eine Verbesserung der Rechtsinstitutionen für ausländische Produktion in China und ein weiteres Öffnen der Märkte anzumahnen. Patente ersetzen in den Schwellenländern immer mehr die Plagiate. Diese Länder holen bei Innovationen mächtig auf. Bei der Zahl der Patentanmeldungen ist China schon hinter den USA auf dem zweiten Platz. Indien und Brasilien liegen auf Platz 6 und 7. Die Unternehmen in den Schwellenländern haben ihre Forschungsetats drastisch erhöht (in China 40%). Die entscheidende Frage in Zukunft wird sein, wie weit der Abstieg des Westens geht. In Anbetracht der riesigen Probleme in Asien könnte die technologische Führung des Westens in der Informationstechnologie, der Biotechnologie oder der Nanotechnologie sowie in anderen Bereichen durchaus erhalten bleiben.     "Das Ausmaß, in dem China die Welt aus dem Gleichgewicht bringt, ist so gewaltig, dass die Welt binnen 30 bis 40 Jahren eine neue Balance finden muss. Man kann nicht so tun, als sei China nur einfach ein weiterer großer Mitspieler. Es ist der größte in der Geschichte der Menschheit".  Lee Kuan Yew, Ex - Staatspräsident von Singapur.

Geschichte: Geschichtsschreibung ist in China eher Staatsmonopol. Deshalb ist immer Vorsicht geboten. Ein berühmter Historiker schreib einst: "Die Partei nährt das Volk mit Wolfsmilch".   Globalisierung hat es schon immer gegeben, nur in kleineren Räumen und durch Kriege unterbrochen. Als Beispiele seien die Ansätze in der Bronzezeit (Zinn gegen Bernstein), das Imperium Romanum,  die Hanse in der mittelalterlichen Weltwirtschaft, Portugal und Spanien im 15. Jh. (Zusammenbruch der europäischen Silberminen durch die Entdeckung Amerikas), die Fugger und Welser als reichste Handelsfamilien der Welt im 16. Jh. , sowie die Niederlande (Ostindien-Kompanie) und England im 17. und 18. Jh. genannt. So zeigen die Bilder des niederländischen Malers Jan Vermeer Kernpunkte der Globalisierung im 17. Jahrhundert (Die Perlenwägerin, Der Geograph, Briefleserin am offenen Fenster). Manche Kollegen sehen historisch auch die Entdeckung des Seeweges nach Indien 1498 durch Vasco da Gama und die Gründung von Kalikut/ Kappad Beach als Geburtsstunde der Globalisierung an. Schon vorher hatten Portugal und Spanien  1494 im Vertrag von Tordesillas die Welt unter sich aufgeteilt (der Portugiese Chabral hatte Brasilien entdeckt; der Spanier Bartolomeus Diaz entdeckte das Kap der Guten Hoffnung). Jedenfalls begann mit der Entdeckung Amerikas die Globalisierung von Tieren, Pflanzen und Mikroben (z. B. Kartoffeln, Gummi). Seit der Einigung der streitenden Reiche in China unter dem ersten Kaiser Qin Shihuangdi im Jahre 221 v. Chr. hat kein anderes Weltreich als China es so gut verstanden, dauerhaft jene Größe zu behaupten. Noch 1820 bestritten Indien und China zusammen 50% der Weltwirtschaft (China allein 33%). Mit Ausnahme der zurückliegenden  200 Jahre war so der technische Fortschritt und die Macht in Ostasien ähnlich oder höher als im Westen (rund 5000 Jahre besteht die chinesische Kultur, um 1000 war China mit Abstand das Land mit dem höchsten Lebensstandard).  Deshalb gilt auch: "Der Aufstieg Chinas und Indiens sollte weniger als eine neue Entwicklung verstanden werden, sondern eher als ein Wiederaufstieg", Jairam Ramesh, indischer Politiker. Wenn wir heute Angst vor "Know-how-Klau"  in China haben, sollten wir nicht vergessen, dass dort oft Jahrhunderte vor Europa der Reis-, Soja- und Teeanbau, der Weinbau (nach Kleinasien kam die "Erfindung" des Ackerbau vor 10.000 Jahren als zweites nach China), die Essigproduktion, die Spaghetti (mit Marco Polo nach Italien), das Schießpulver, Chrom- und andere Metalllegierungen, der Kompass (berühmt ist auch der Seismograph, den Zhang He benutzte), der Buchdruck (ältestes gedruckte Buch der Welt aus dem 9. Jh. erhalten, schon 800 v. Chr. Blockdruck (um 1040 Buchdruck): Diamant-Sutra), das Papier (Eunuch Cai Lun), das Porzellan (um 620, in Meißen/ Albrechtsburg erst 1709 durch Böttger unter König August dem Starken), die Seide, die Pockenschutzimpfung, die Zahnbürste, den faltbaren Regenschirm, das Toilettenpapier, die Trockendocks, das Bambusprinzip im Schiffbau (Schotten) ebenso wie Schaufelräder, der Webstuhl, das Fernglas  und der Eisenguss erfunden wurden. Auch Geldscheine gab es zuerst dort: handgeschriebene Quittungen ersetzten schwere Eisenmünzen, sie wurden "Fei chien" ( fliegendes Geld, Song Dynastie, 960-1279) genannt. Auch die Entwicklungen in Mathematik, Astronomie, Medizin und anderen Wissenschaften waren oft weiter als in Europa. Im 17. Jahrhundert brachten die Jesuiten aus Europa (Matteo Ricci, Adam Schall von Bell und Ferdinand Verbiest den Stand der europäischen Astronomie (Kopernikus) nach Beijing . Europäische Berechnungen der Zeit waren genauer und konnten die Macht der Ming- und Qing - Kaiser steigern (als Söhne des Himmels Herrscher über die Zeit). Allerdings ist mittlerweile bekannt, dass gegenseitige Einflüsse von europäischer und chinesischer Kultur über 4000 Jahre alt sind. Schon vor den Griechen hatten offenbar die Kelten Kontakte. So sind wahrscheinlich auch technologische Innovationen viel früher gegenseitig weitergegeben worden als ursprünglich erwartet. Besonders fruchtbar war der Austausch während der Ming-Dynastie: China ließ Jesuiten aus Europa ins Land, die wichtige technische Innovationen mitbrachten (vgl. oben). Der Außenhandel wurde mit dem maritimen Europa verstärkt (Export von Porzellan, Seide, Tee). Die Chinesen brauchten Eisen, Silber, Glas. Die Europäer bauten systematisch Handelsniederlagen in Asien.  Malacca wurde 1511 von den Portugiesen errichtet. Macau teilte China 1517 freiwillig Portugal zu, um an genügend Eisen zu kommen. Auch Nagasaki (Deshima) in Japan wurde von Portugal als Handelsstützpunkt ausgewählt. Später übernahmen es die Holländer. Die Spanier trieben in ihrer Expansionsphase über die Route Acapulco - Manila Handel mit der Ming - Dynastie. Danach kam die Ausbreitung der VOC durch die Niederlande (1602), gefolgt von der französischen und britischen Expansion. Die Briten konnten sich durch die überlegene Schiffs- und Kanonentechnologie gegnüber China durchsetzen.  Vgl. Institute of the History of Natural Schiences, Chinese Academy os Sciences: Ancient China`s Technology and Science, Beijing1983. Der Jesuit Adam Schall von Bell aus Köln lebte im 17. Jahrhundert in Peking. Er brachte es zum kaiserlichen Astronom (Kalender-Mandarin). Durch die Nähe zum Kaiser konnte er viel für das deutsch-chinesische Verständnis tun. Die antiken weltreiche Rom und China hatten durch aus schon früher Kontakt. 166 n. Chr. war ein römischer Gesandter beim chinesischen Kaiser. Schon früher im Jahre 55 n. Chr. gelangten römische Kriegsgefangene nach China (Gefangene der Parther in Persien, dann bei den Hunnen, später bei den Chinesen).

"Ihr seid überrascht, weil ihr euch zu wenig mit Geschichte befasst", Zhao Xiao, chinesischer Ökonom und Regierungsberater, über den Wiederaufstieg und die Rolle Chinas in der Globalisierung.

 "Wir waren ungewaschene Schweine, als sie die fantastischste Kultur der Welt hatten", Anthony Bourdain, New Yorker Koch und Bestsellerautor über die Essenstradition der Chinesen.

 "Diese menschliche Rasse in dieser Region wird nie wie Römer und Griechen werden. Die Chinesen sind und bleiben: ein Volk, das von Natur ausgestattet wurde mit schmalen Augen, kurzen Nasen, einer flachen Stirn, wenig Bart, langen Ohren und vorstehenden Bäuchen; was ihre Institutionen hervorbringen konnten, haben sie hervorgebracht", der "Aufklärer" J. G. Herder.

In der Bundeskunsthalle Bonn wurden von April bis Juli 2006 Grabfunde und Tempelschätze aus Chinas alter Hauptstadt Xi´an gezeigt. Mehr als 1000 Jahre regierten die Himmelssöhne von Chang`an ("Langer Friede") aus, wie Xi`an zu jener Zeit hieß. Der Ausstellungskatalog "Kaiserliche Macht im Jenseits" enthält sehr informative Essays zur Geschichte, insbesondere Kulturgeschichte.

Vor der Globalisierung können wir uns nicht verschließen. Die Zeiten nationalstaatlicher und damit wirtschaftlicher Grenzen sind ein für allemal vorbei", Klaus Kleinfeld, ehemaliger Siemens - Chef.

Ziele der Globalisierung: Die Industrieländer können nicht auf Dauer die Probleme in ärmeren Ländern ignorieren. Die Wohlstandsverteilung in der Welt muss fairer gestaltet werden, indem Freihandel nicht nur in Worten, sondern auch in der Praxis verwirklicht wird. Nur China und Indien, die einst auch sehr arm waren, sind heute aufgrund ihrer Macht eingebunden. 2050 werden diese Länder die Spitze der Weltwirtschaft bilden, vor USA, Brasilien, Japan, Russland, Mexiko und Indonesien (Deutschland dann an neunter Stelle, Prognose des IWF). Der Lebensstandard vieler Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Südamerika sollte weiter wachsen, aber Entwicklungspolitik darf nicht nur Exportförderung sein. Die internationalen Institutionen, die bisher den Zielen der Industrieländer dienen, indem sie die Spielregeln festlegen, müssen demokratisiert werden. Dringend müssen neue Organisationen (Global Governance) aufgebaut werden, die die globalen Probleme (so auch das Wohlstandsgefälle) angehen. Vor allem die Transparenz der Finanzmärkte muss erhöht werden. Die Verletzung elementarer Menschenrechte wie die Missstände "Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Öko-Dumping" müssen durch Mindeststandards, etwa bei der Vergabe öffentlicher Aufträge in den Industrieländern, bekämpft werden. Ein Zurück zur Abschottung ist nicht mehr möglich, alle Länder müssen sich dem Wettbewerb stellen und an der Globalisierung partizipieren. Eine wettbewerbskompatible Rahmenordnung muss zum globalen Wandel begleitend entwickelt werden. Diese muss dem Umkippen ökologischer Gleichgewichte und der Verteilung knapper Energie - Ressourcen höchste Priorität einräumen. Die Knappheit von Nahrungsmitteln und Energie korrelieren (z. B. bei Bioenergie), Eigenheiten der Finanzmärkte wirken verstärkend (Spekulation). National wird es zu Anpassungen kommen müssen: Änderung der Lohnstruktur, Lohnzuschüsse für Geringqualifizierte, Modifikation der Steuerpolitik (duale Einkommensteuer). Entscheidend für die weitere Entwicklung der Globalisierung wird sein, wie wettbewerbsfähig die Schwellenländer auch in nicht arbeitsintensiven Branchen werden (Verringerung des technologischen Vorsprungs) und wie innovativ die Schwellenländer bei High Tech - Produkten werden. China muss sich darauf gefasst machen, für viele Begleiterscheinungen der Globalisierung zum Sündenbock gemacht zu werden. Nach der weltweiten Finanzkrise 2007/8 und anderen Problemen  nehmen die Near-Shoring-Tendenzen (Produktion in der Nähe der Heimat) zu. Die Globalisierung scheint langsamer zu werden. Nicht nachlassen wird jedoch der Wettbewerb um knappe Rohstoffe und Energie. Noch unklar ist, wie das Wachstum der virtuellen und realen Geldmenge wieder in ein vernünftiges Verhältnis zu geldwerten Produktionsmitteln und Gütern gebracht werden kann. Eine IWF-Prognose für 2010 sieht folgende Gesamt-Schulden in Prozent des BIP: China 19,1%, EU 84,1%, USA 92,7%. "Der schlaue Chinese löst den fleißigen Chinesen ab", Joachim Ihrke, Asienchef der Unternehmensberatung Droege.

"Den Tiger reiten, um nicht von ihm gefressen zu werden", Koreanisches Sprichwort.

"Einige unserer Zulieferer verlegen ja jetzt schon ihre Werke von China nach Vietnam, weil China zu teuer geworden ist", Philips-Chef Gerard Kleisterlee.

      Probleme:

"Auch ein Affe fällt vom Baume", Japanische Weisheit.

China:                                (direkt zu Japan)

"Mei wenti", kein Problem. Kennzeichnet den Pragmatismus, mit denen die Chinesen an die Lösung ihrer Probleme herangehen.

Die Wirtschaft Chinas hat noch einige Schwierigkeiten: Was China überwiegend verkauft, ist billig. Was China aus dem Ausland braucht, ist teuer. Dreifünftel der Ausfuhren stammen von ausländischen Firmen in China. Dagegen steht nur eine chinesische Weltfirma im Ausland, nämlich Haier. Die Unterbewertung der Währung verteuert die Importe und senkt den Innovationsdruck im Inneren. So bleiben die Staatsbetriebe weiterhin unrentabel (verdeckte Arbeitslosigkeit). Hinzu kommt, dass die Produktion in China immer höhere Umweltkosten (z. B. schlechte Luft, schmutziges Wasser) mit sich bringt. Mit dazu bei trägt auch die rasant schnelle Urbanisierung (einschließlich nicht umweltschonender Bauweise). Unter den Umweltproblemen (vor allem Wasserknappheit) leiden besonders die Bauern.  Dabei ist zu berücksichtigen, dass zwar jeder fünfte Mensch Chinese ist, aber nur 4% der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Erde in China liegt (die Reiskammer Chinas ist die Provinz Yunan im Südwesten mit Terrassenanbau und Wasserbüffeln). Die Disparitäten zwischen den Provinzen sind erheblich. Gravierend ist der Unterschied zwischen den entwickelten Küstenstreifen und dem so genannten Hinterland Außerdem sind  in der Vergangenheit besonders  hohe Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Rohstoffen/ Energie zu beobachten gewesen (werden bei Boom wiederkommen). Schweinefleisch ist zum Beispiel 2008  60% teurer als vor einem Jahr (extreme Preissteigerungen auch 2011, Schweinezyklus). Spekulatives Geld kommt mittlerweile auch von außen, weil die Zinsen in den USA niedrig sind. Die Liquiditätsschwemme kommt ebenso über den Devisenmarkt. Immer noch landet ein großer Teil der Liquidität als Sparen in den Guthaben der Privathaushalte ("Tiger im Käfig"). Die Bekämpfung der Liquiditätsschwemme ist schwierig, da die Währung nicht frei konvertierbar ist. So versucht man vor allem, die Folgen der Inflation über Subventionierungen der Nahrungsmittel und des Diesels abzumildern. Die großen chinesischen Banken (ICBC, BOC, China Construction Bank, ABC) sind auch leicht in die Krise des amerikanischen Subprime-Marktes verstrickt. Sie haben hohe Abschreibungen und schleppen sowieso schon viele "faule Kredite" (meistens an Staatsfirmen) mit sich rum. Dadurch hat sich die Kreditqualität im Bankensektor verschlechtert. Sie gelten aber als sicher, weil der Staat Hauptanteilseigner ist. Ein großes Problem stellt auch immer noch die unzureichende Infrastruktur dar (Wasseranschlüsse, Elektrizität, Straßen- und Schienennetz). Die fortschreitende Urbanisierung (erstmals leben 2012 mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land) hilft nur einem Teil der Menschen (das Hukou-System kontrolliert auch weiterhin). Die weltweite Finanzkrise 2008/2009 bringt einen Exporteinbruch und nicht so hohes Wachstum 2009 (nur 8,7%, die "rote Linie" von 8%  wird überschritten, trotzdem hohe Arbeitslosigkeit). Trotzdem war 2009 das schwierigste Jahr  seit dem Aufstieg Chinas (so Wen Jiabao auf dem Volkskongress im März 2010). China hat zu wenig Arbeitsplätze. Viele kleine und mittlere Unternehmen haben erhebliche Schwierigkeiten. Vor allem im Süden Chinas haben ca. 30.000 Unternehmen 2008 geschlossen, die Unternehmern aus Hongkong gehören. Dies ging 2010 weiter. Der chinesische Konsum hinkt schon seit Jahren dem Wirtschaftswachstum hinterher. Der Anteil der Löhne am BIP sinkt, die Sparquote ist relativ hoch (die Jungen sparen viel, die Alten lösen ihre Ersparnisse nicht auf). China konnte aber als erstes Land die Krise überwinden und könnte Asiens Lokomotive werden (vor allem für Japan). Es droht eine "Sägezahn-Entwicklung": diese Achterbahn könnte die sozialen Spannungen erhöhen. Chinas neuer Nationalismus gerät immer öfter in Konflikt mit ausländischen Unternehmen (2010: Google). Als großer Unsicherheitsfaktor gilt die Immobilienblase. In der Finanzkrise 2008 wurde in China aus Angst der Geldhahn aufgedreht, was viele lokale Kader rigoros auch für unsinnige Projekte nutzten. Land wurde veräußert bzw. von den Bauern enteignet. Insgesamt wurden darüber hinaus viele unsinnige Investitionsprojekte (Fehlinvestitionen) angeregt. Der Binnenmarkt schwächelt weiterhin (obwohl künstlich niedrig gehaltene Sparzinsen der Haushalte). Die Führung tut Alles, damit das Volk mehr konsumiert ("Likonomics"). Immer mehr muss Chinas Wirtschaft auch auf Innovationen und Hightech umstellen. "Wir heißen Chinas Anstrengungen willkommen, eine größere Rolle auf der Weltbühne zu spielen", Barack Obama 2009 bei seinem China-Besuch.

Aktuell, d.h. 2015, bedroht eine Mischung von Überkapazitäten, Immobilien- und Kreditblasen den Boom und setzt ihm ein Ende (z. B. stehen ca. 64 Mio. Wohnungen leer bei hoher Nachfrage von Wanderarbeitern). Die Wachstumsrate fällt schon seit 2013, die Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten entgleist und die Preise gehen nach unten. Das traditionelle Gefüge ist zerschlagen worden, so dass vor allem auf dem Lande die Menschen unter Armut und Umweltzerstörung leiden (viele Reiche flüchten mit Geld ins Aus